Vatikan-Dokument für Ordensbrüder: Evangelium lebendig halten

Kardinal Braz de AvizDer erste Dienst, den die Brüder als Ordensmänner in der Kirche leisten, besteht darin, „in den Getauften das Bewusstsein für die wesentlichen Werte des Evangeliums lebendig zu erhalten“ und „mit der Heiligkeit des Lebens… zu antworten“. Darauf weist ein neues Vatikan-Dokument hin, das an diesem Dienstag vorgestellt wurde. Die Kongregation für die Institute Geweihten Lebens und für die Gesellschaften Apostolischen Lebens – kurz die Ordenskongregation – hat in drei Kapiteln mit 40 Absätzen die Schrift „Identität und Sendung des Ordensbruders in der Kirche“ herausgegeben. Es richtet sich an die „Brüder“, also die männlichen Ordensleute, die keine Priester sind. Sie machen heute ein Fünftel aller Ordensmänner aus.

Aufbau des Dokuments

Im ersten Kapitel geht es um die „Ordensbrüder in der Communio-Kirche“ und zwar „als Teil des einzigen Gottesvolkes der Berufenen“. Ordensmänner seien dazu aufgerufen, „den Reichtum ihrer besonderen Berufung auszuteilen“. Das zweite Kapitel ist dem „Geheimnis der Communio für die Sendung“ gewidmet. Es geht um drei Elemente: das Geheimnis der Brüderlichkeit als empfangene Gabe, die Communio als geteilte Gabe und die Sendung als geschenkte Gabe. Im dritten Kapitel geht es um einige Hinweise, wie man in der heutigen Zeit Ordensbruder sein könne.

Rote Faden nicht verlieren

Vorgestellt wurde das Dokument im vatikanischen Pressesaal vom Präfekten der Ordenskongregation, dem brasilianischen Kurienkardinal Joao , zusammen mit dem Sekretär dieser Kongregation, Erzbischof José Rodriguez Carballo OFM. Sie schreiben in ihren Überlegungen, dass sich „der rote Faden“, der sich durch das Leben eines Ordensbruders webt, nicht verlieren sollte. Sie müssten „sich gesandt wissen als Zeichen der mütterlichen Zärtlichkeit des Vaters und der brüderlichen Liebe Christi“.

Zusammenarbeit stärken

Zu ihrem kohärenten Leben gehöre auch eine passende Zusammenarbeit mit Laien, anderen Ordensleuten und Priestern. Gemeinsam bildeten sie eine Familie. „Es liegt in der Verantwortung der ganzen Kirche, dafür zu sorgen, dass dieser neue Wein nicht nur nicht verloren geht, sondern an Qualität gewinnt. Deshalb seien Ordensinstitute der Brüder „dringend aufgefordert“, neue Strukturen und Programme für die Erstausbildung und die ständige Weiterbildung zu entwickeln, die den neuen Kandidaten und deren Mitgliedern helfen, ihre Identität in dem neuen kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext wiederzuentdecken und zu schätzen. (rv)

Papstreise nach Mexiko: Guadalupe, Gefängnis, fünf Messen

MexikoPapst Franziskus wird von 12. bis 18. Februar 2016 nach Mexiko reisen. Das bestätigte der Papst selbst während der Messe zum Fest unserer Lieben Frau von Guadalupe im Petersdom. Zugleich gab der Vatikan erste Details der Reise bekannt, die sechs Etappen haben wird. Am Freitagabend, den 12. Februar, wird Papst Franziskus demnach in Mexiko Stadt ankommen und offiziell empfangen. Erst am Samstag beginnen die großen Termine. Der Papst wird wie üblich die Regierung und Vertreter des öffentlichen Lebens treffen sowie die Bischöfe des Landes. Am größten katholischen Wallfahrtsort der Welt, in der Basilika von Guadalupe in Mexiko Stadt, wird Franziskus noch am Samstag eine Heilige Messe feiern.

Den Sonntagvormittag bringt der Papst in der Millionenstadt Ecatepec zu, die im Ballungsraum von Mexiko Stadt liegt. Dort feiert er die Heilige Messe. Zurück in der Hauptstadt, besucht er ein Kinderkrankenhaus und begegnet am Abend der Welt der mexikanischen Kultur.

Nächste Station der Reise ist die historische Metropole San Cristóbal de Las Casas im südlich gelegenen Bundesstaat Chiapas. Dort wird Franziskus am Montag eine Messe speziell mit mexikanischen Ureinwohnern feiern und danach mit einigen von ihnen zu Mittag essen. In der Hauptstadt von Chiapas, Tuxtla Gutiérrez, trifft sich Franziskus mit Familien im Stadion „Víctor Manuel Reyna", ehe er noch am selben Abend zurück nach Mexiko Stadt aufbricht.

Am Dienstagmorgen geht es weiter nach Morelia, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Michoacán, die rund 200 Kilometer westlich von Mexiko Stadt liegt. In Morelia feiert der Papst mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen eine Messe und begegnet der Jugend des Landes im Stadion José María Morelos y Pavón. Den Erzbischof von Morelia, Alberto Suárez Inda, hatte Franziskus im Februar 2015 für viele überraschend zum Kardinal gemacht.

An seinem letzten Tag mit Programm ist der Papst in Ciudad Juárez zu Gast. Die Metropole an der Grenze zu den USA gilt als die gefährlichste Stadt der Welt, alle drei Stunden wird hier statistisch ein Mensch ermordet, die Schleuser- und Drogenkriminalität ist hoch. Folgerichtig wird Franziskus in Ciudad Juárez zunächst ein Gefängnis besuchen. Es folgt eine Begegnung mit der Welt der Arbeit sowie ein Gottesdienst auf dem Messegelände der Stadt. Gegen Abend Ortszeit wird Papst Franziskus von Ciudad Juárez aus zum Rückflug Richtung Rom aufbrechen und dort am Donnerstag, den 18. Februar, zurückerwartet.

Mexiko ist nach Brasilien, Ecuador, Bolivien, Paraguay und Kuba das sechste lateinamerikanische Land, das der argentinische Papst besucht. Zuletzt reiste Benedikt XVI. im März 2012 Mexiko, allerdings nicht die Hauptstadt des Landes. (rv)

Papst öffnet Heilige Pforte: „Die Zeit der großen Vergebung“

LateranoChristen werden an ihrer Barmherzigkeit beurteilt werden. Das sagte Papst Franziskus bei seiner Predigt anlässlich der Öffnung der Heiligen Pforte in seiner Bischofskirche San Giovanni in Lateran an diesem Sonntag. Der Ritus verlief etwas anders als vor knapp einer Woche auf dem Petersplatz: Die Öffnung der Heiligen Pforte fand nach dem Bußritus statt, nicht zum Ende der Messfeier. Auch wurden andere Gebete gesprochen. Gleichzeitig – so sah es der Ablauf vor – sollten auch in den anderen Bischofskirchen der Welt die Heiligen Pforten geöffnet werden, so sie noch nicht offen sind.

In seiner Predigt legte der Papst einen ersten Schwerpunkt auf die Freude, ein wichtiges Thema seines Pontifikates. Er zitierte aus der ersten Lesung „Juble, jauchze“: Gott gebe Hoffnung und erlaube es, der Zukunft gelassen entgegen zu sehen. „Der Herr hat alle Verdammung widerrufen und hat entschieden, in unserer Mitte zu leben“, sagte der Papst mit Blick auf das näher kommende Weihnachtsfest. „Wir dürfen uns nicht von Müdigkeit überwältigen lassen; auch ist uns keine Traurigkeit erlaubt, auch wenn wir dazu Gründe hätten wegen der vielen Sorgen und der vielen Formen von Gewalt, die unsere Menschheit verletzten. Die Ankunft des Herrn füllt aber unser Herz mit Freude. Der Prophet, der in seinem eigenen Namen – Zefania – den Inhalt seiner Verkündigung trägt, öffnet unser Herz für die Zuversicht: Gott schützt sein Volk. In einer Zeit von viel Gewalt und Brutalität, vor allem durch Menschen, die ihre Macht ausspielen, lässt uns Gott wissen, dass er selber sein Volk regieren wird, dass er es nicht mehr der Arroganz der Willkür der Herrschenden überlässt, und es von aller Furcht befreien wird. Heute wird von uns erwartet, dass wir unsere Hände nicht aus Zweifel, Ungeduld oder Leiden sinken lassen“.

Dann ging der Papst auf den Anlass der Feier ein, die Öffnung der Heiligen Pforte auch in dieser Kirche. „Auch dieses einfache Zeichen ist eine Einladung zur Freude“, schloss er an seinen vorherigen Gedanken an. „Es beginnt die Zeit der großen Vergebung, das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Es ist der Augenblick, die Anwesenheit Gottes und seine väterliche Zärtlichkeit neu zu entdecken.“

Wie seinerzeit die Menge vor Johannes dem Täufer, so fragten die Menschen auch heute, was sie denn tun sollten. Darauf habe Gott einen ziemlich radikalen Auftrag, formulierte der Papst: „Vor der Heiligen Pforte, die zu durchschreiten wir berufen sind, werden wir aufgefordert, Instrument der Barmherzigkeit zu sein und zwar in dem Wissen, dass wir danach gemessen werden.“ Der Weg, der in der Taufe beginne, dauere ein ganzes Leben lang, „barmherzig zu sein, wie es der Vater ist.“ Es sei der Auftrag, „die Liebe zu empfangen und zu bezeugen, die weiter geht als die Gerechtigkeit, eine Liebe die keine Grenzen kennt. Und für diese unendliche Liebe sind wir verantwortlich, trotz all unserer Widersprüche.“

Er bete dafür und lade alle zum Gebet ein, „auf dass wir die unendliche Liebe unseres himmlischen Vaters verstehen können, welche das Leben umwandelt und erneuert.“

Die Heilige Pforte an der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern wurde ebenfalls an diesem Sonntag eröffnet, allerdings nicht vom Papst, sondern vom zuständigen Erzpriester, Kardinal James Michael Harvey. Die Pforte der vierten römischen Papstbasilika (neben Petersdom, Sankt Johannes im Lateran und Sankt Paul vor den Mauern), Santa Maria Maggiore, wird hingegen wieder Franziskus selbst eröffnen. Er nimmt das Ritual am 1. Januar vor, dem Hochfest der Gottesmutter Maria. (rv)

Papst bekräftigt Erleichterungen bei Ehe-Annullierung

Papst FranziskusSchneller, einfacher, lokaler: So wünscht sich Papst Franziskus die Prozesse zu Ehe-Annullierungen. Genau mit dem Beginn des Heiligen Jahres, also am 8. Dezember, ist auch die Vereinfachung dieser Prozesse in Kraft getreten. Grundlage sind zwei „Motu Proprio“, mit denen der Papst im vergangenen August Anregungen aus dem synodalen Prozess zur Ehe- und Familienseelsorge aufnahm. In einem sogenannten Reskript gab der Papst an diesem Freitag ein paar Ausführungsbestimmungen für die Novellierung der Eheprozess-Normen.

Franziskus erklärt in dem schon am 7. Dezember unterzeichneten Text, dass die Erleichterung der Prozessordnung vor allem „die Nähe der Kirche zu verwundeten Familien“ ausdrücken soll. „Die große Menge derer, die das Drama eines ehelichen Scheiterns erleben, sollen durch die kirchlichen Strukturen vom Heilswerk Christi erreicht werden“, wünscht er. Bisher geltende Normen, die den neuen entgegenstünden, seien hiermit ungültig; das gelte auch für das Motu Proprio „Qua cura“, das Pius XI. „in einer Zeit, die deutlich anders war als die heutige“ erlassen habe.

Dann weist Franziskus darauf hin, dass das neue Prozedere, das bereits im westlichen und östlichen Kirchenrecht niedergelegt ist, noch mit den Normen der Römischen Rota harmonisiert werden muss. Die Römische Rota ist das zweithöchste Gericht der katholischen Kirche und befasst sich vor allem mit Ehe-Annullierungen. Es folgen einige detaillierte Anweisungen wie die, dass gegen eine Entscheidung der Rota in einem Ehenichtigkeits-Verfahren keine Berufung möglich ist. Dass diese Verfahren bei der Rota künftig für die Gläubigen gebührenfrei sind (auch wenn weiter um eine Spende gebeten wird). Oder, dass der Dekan der Rota „aus schwerwiegenden Gründen“ vom Befolgen der Prozessordnung dispensieren darf.

Derzeitiger Dekan der Römischen Rota ist der Geistliche Pio Vito Pinto. Er schreibt in einem Artikel der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“, dass das Reskript des Papstes auf „verständliche Widerstände“ reagiere, wie sie bei „jedem Gesetz von epochaler Tragweite“ nun einmal aufträten. Das sei schon dem hl. Johannes Paul II. bei der Einführung des neuen Kirchenrechts-Kodex von 1983 so gegangen. Franziskus bekräftige nun, „dass das Gesetz jetzt in Kraft ist und befolgt werden muss“. Pinto fährt fort, Franziskus orientiere sich an der „lex suprema“, also dem höchsten Gebot, nämlich der „salus animarum“, dem Heil der Seelen. „Erster Meister und Diener“ dieses Gesetzes sei der Nachfolger des Petrus. (rv)

Keine Papst-Besuche in Italien im 2016

FranzsikusPapst Franziskus wird im kommenden Jahr keine Reisen innerhalb Italiens unternehmen. Grund hierfür seien seine vielen Verpflichtungen im Rahmen des Heiligen Jahrs in Rom. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit. Franziskus verzichte damit auch auf die bereits offiziell angekündigten Reisen, heißt es in der Vatikan-Note. Der vorgesehene Mailand-Besuch am 7. Mai 2016 ist abgesagt und auf 2017 verschoben worden.

Bisher hat der Papst im laufenden Jahr drei Besuche in Italien unternommen. 2014 waren es vier gewesen. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit endet am 20. November 2016. Im Laufe des Jahres sind zahlreiche zusätzliche Veranstaltungen in Rom mit Papst Franziskus vorgesehen. (rv)

 

Neues Dokument zu jüdisch-christlichen Beziehungen

Kardinal KochVor fünfzig Jahren wurde die Erklärung „Nostra aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils veröffentlicht. Nun hat der Vatikan ein neues Dokument herausgebracht, das die jüdisch-katholischen Beziehungen reflektiert. Mit dem Dokument „Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt (Röm 11,29) will man dankbar auf alles zurückblicken, was in den letzten Jahrzehnten in den jüdisch-katholischen Beziehungen erreicht worden ist und für die Zukunft neue Impulse geben.

Bei dem 17-seitigen Papier in englischer Originalsprache handelt sich nach vatikanischen Angaben nicht um eine offizielle Aussage des kirchlichen Lehramtes, sondern um „Überlegungen“ der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Seit dem Konzil waren bereits drei weitere Dokumente gefolgt, die eher die praktischen Fragen des jüdisch-christlichen Dialogs behandelten. In dem neuen Dokument „Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt“ werden theologische Fragestellungen aufgegriffen wie das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Bund, die Beziehung zwischen der Heilsuniversalität Jesu Christi und dem ungekündigten Bundes Gottes mit Israel. Ein zentraler Punkt ist, dass betont wird, die Katholische Kirche kenne keine institutionell verankerte Judenmission. Als Judenmission bezeichnet man eine Missionstätigkeit von Christen, die Juden zum Glauben an Jesus Christus, das heißt an die Messiaswürde und Gottessohnschaft Jesu von Nazaret, bringen soll. Außerdem sollten Juden und Katholiken sich gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und den Antisemitismus bekämpfen. Das sei insbesondere in der heutigen Zeit ein wichtiges Signal, sagte der Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Kardinal Kurt Koch:

„Wir erleben heute eine neue Welle des Antisemitismus vor allem in Europa. Das ist etwas sehr Tragisches und zeigt, wie geschichtsvergessen die Menschen sind, dass sie die ganze Tragödie der Shoah nicht präsent haben und ganz neue Formen des Antisemitismus wieder ans Tageslicht kommen. Da müssen die Juden wissen dürfen, dass sie in der katholischen Kirche und in den Christen verlässliche Partner haben im Kampf gegen den Antisemitismus. Papst Franziskus ruft es immer wieder in Erinnerung: Es ist unmöglich, Christ zu sein und gleichzeitig Antisemit.“

Eigentlich hatte die Kommission schon zum 40. Jubiläum von „Nostra Aetate“ im Jahr 2005 daran gedacht, ein neues Dokument über die jüdisch-christlichen Beziehungen zu veröffentlichen. Doch die weiteren zehn Jahre Wartezeit, so ist man sich in der Kommission einig, zahlten sich aus: Viele theologische Fragen des neuen Dokuments seien besonders in den letzten zehn Jahren diskutiert worden:

„Wir haben in der Vergangenheit auch einige kontroverse Fragen gehabt, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Zum Beispiel die Karfreitagsfürbitte, die Papst Benedikt eigens gemacht hat und die hat eine Kontroverse ausgelöst und ist viel missverstanden worden – als ein Aufruf zur Judenmission verstanden worden. Damit hat sie aber gar nichts zu tun. Es ist eine Bitte an das eschatologische Handeln Gottes am Ende der Zeiten. Also im Grunde genau das, was Paulus in seinem Brief sagt, in ein Gebet formuliert. Und deshalb ist es wichtig, dass man solche schwierigen, sensiblen Fragen im Dialog miteinander diskutieren kann um dann auch in der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen. Und ich bin sehr erfreut, dass heute sich die Zahl der Rabbiner mehren, die sagen: Ja wir sind bereit für diesen Dialog und wir wollen ihn weiterführen.“

Derweil haben sich zu fünfzig Jahren „Nostra Aetate“ auch 25 orthodoxe Rabbiner geäußert, aus Israel, Europa und den USA. In ihrer Stellungnahme – überhaupt die erste ihrer Art seit dem Konzil – loben die Rabbiner die „ehrliche Liebe und Respekt“, die viele Christen durch Dialoginitiativen u.ä. zum Ausdruck gebracht hätten. In ihrem Schreiben rufen sie zur weiteren Zusammenarbeit von Christen und Juden zugunsten der Werte und des Wohlstands in den Gesellschaften.

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag im Vatikan waren neben dem Präsidenten der Kommission auch der Sekretär, Norbert Hofmann, sowie der Rabbiner David Rosen vom American Jewish Committee in Jerusalem und der Gründer des Forschungsinstituts Woolf Institute von der Cambridge University für interreligiöse Beziehungen, Edward Kessler, anwesend. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass das Dokument in einigen Punkten Fragen offenblieben. So werde zum Beispiel die Frage nach dem Staat Israel nicht angesprochen. Eine weitere Anregung von Rabbiner David Rosen war, dass theologische Schreiben in Zeiten der sozialen Medien ergänzt werden müssten durch sichtbare Zeichen. Es gehe schließlich darum, die reifende Beziehung von Christen und Juden greifbar zu machen. Hierfür wird bald die nächste Gelegenheit sein. Im Januar wird Papst Franziskus erstmals die Synagoge von Rom besuchen. (rv)

Italien/Bolivien: Kardinäle Furno und Terrazas Sandoval verstorben

Kardinal Furno Kardinal Terrazas SandovalAm Mittwoch, den 09. Dezember sind die Kardinäle Carlo Furno und Julio Terrazas Sandoval verstorben. Der italienische Kardinal Furno war von 1997 bis 2004 Erzpriester der Patriarchalbasilika S. Maria Maggiore und ist mit 94 Jahren in Rom verstorben. Papst Johannes Paul II. hatte ihn 1994 zum Kardinal erhoben. Der aus Bolivien stammende Kardinal Terrazas Sandoval war von 1991 bis 2013 Erzbischof von Santa Cruz de la Sierra und wurde ebenfalls von Johannes Paul II. 2001 in den Kardinalsstand erhoben. Er ist mit 79 Jahren verstorben.

Das Kardinalskollegium umfasst somit noch 117 wahlberechtigte und 99 nichtwahlberechtigte Purpurträger. (vh)

Vatikan: Konferenz sucht christliche Antwort auf Verfolgung

ChristenverfolgungWorin bestehen fünfzig Jahre nach der Konzilserklärung „Dignitatis Humanae“ heute die größten Bedrohungen für die Religionsfreiheit? Dieser Frage will vom 10. bis 12. Dezember eine hochkarätige internationale Konferenz in Rom nachgehen. Sie findet an der Päpstlichen Universität Urbaniana statt und wurde u.a. von der Georgetown-Universität von Washington organisiert. Gesucht wird laut Presse-Ankündigung nach einer „christlichen Antwort auf die Verfolgung“ von Christen in vielen Teilen der Welt. Unter den Teilnehmern sind der vatikanische „Außenminister“ Erzbischof Paul Richard Gallagher, der UNO-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit Heiner Bielefeldt und der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako aus dem Irak. (rv)

 

Turkson bei COP-21: „Wir dürfen nicht blind bleiben“

Kardinal TurksonDie ethische Orientierung für das Gemeinwohl und Solidarität müsse die Menschheit vereinen: „Wir dürfen nicht blind bleiben.“ Kurienkardinal Peter Turkson pochte in seinem Vortrag auf die Verantwortung aller Menschen. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden wies mehrmals auf die Bedeutung der Umweltenzyklika des Papstes hin und appellierte an alle Menschen: „Wir haben nur ein zu Hause, ein gemeinsames zu Hause, und wir müssen alle dafür sorgen.“ Der Klimawandel könne nicht von einzelnen Staaten limitiert werden. Die Herausforderungen, denen sich die Welt stellen müsse, seien „komplex“ und „erschreckend“, da neben vielen anderen Bereichen die Sektoren Finanzen, Technologie und Umweltwissenschaften zu berücksichtigen seien, so Turkson. Dialog könne Veränderungen und Vertrauen bei den Verhandlungen schaffen.

Der Vatikan hatte im Vorfeld der Klimakonferenz COP-21 in Paris mehrmals betont, dass die Erwartungen an den Gipfel hoch seien. Ein Scheitern der Konferenz wäre eine Katastrophe für die Menschheit, so Papst Franziskus. Eine Delegation des Heiligen Stuhls nimmt an COP-21 teil und bringt vor allem die Perspektiven aus Laudato si in die Diskussion ein. Die Umweltenzyklika wurde vom Papst dezidiert mit Blick auf den Klimagipfel geschrieben. Franziskus fordert, „die Auswirkungen des Klimawandels zu lindern, die Armut zu bekämpfen und die Menschenwürde zum Blühen zu bringen“. (rv)

Heilige Pforte: Barmherzigkeit dem Gericht voranstellen

VatikanplatzSie ist offen: Mit der Heiligen Pforte am Petersdom ist nun auch ganz offiziell das Heilige Jahr der Barmherzigkeit durch den Papst begonnen worden. Zum Abschluss der Messfeier auf dem Petersplatz war Papst Franziskus am Ende einer langen Prozession aus Kardinälen, Bischöfen und Priestern zum rechten Tor in der Vorhalle der Basilika gegangen, das normalerweise zugemauert ist und nur für Heilige Jahre geöffnet wird. Dort wartete der emeritierte Papst Benedikt XVI. auf Franziskus, der mit seinem Hirtenstab auf den Mitbruder am Gehstock zuging und ihn umarmte, wobei Benedikt dem amtierenden Papst einige Worte zuflüsterte.

Die Mauer vor der Pforte war bereits in einer Zeremonie vor einigen Tagen entfernt worden, und so konnte der Papst die Bronzeflügel andeutungsweise aufdrücken, die daraufhin von zwei „Sanpietrini" von innen geöffnet wurden. Auf der Schwelle sammelte sich Franziskus in einem Moment des Gebets, gebeugt, aber nicht kniend. Danach durchschritt er als erster Pilger von vielen die Pforte ins Innere des Petersdoms. Ihm folgte Papst Benedikt, der von seinem Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein gestützt wurde.

Die symbolträchtige Geste der Eröffnung der Heiligen Pforte betone die Vorrangstellung der Gnade, hatte der Papst zuvor in seiner Predigt betont. Es sei das „Tor der Gerechtigkeit“, wie mit einem Psalmwort eine der Anrufungen Gottes direkt vor der Öffnung lautete. Es ist die zweite Pforte, die der Papst öffnet, die erste war die in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik. Zwei weitere werden folgen, die von San Giovanni in Lateran – der Bischofskirche von Rom – am kommenden Sonntag und die von Santa Maria Maggiore am 1. Januar; die Heilige Pforte von Sankt Paul vor den Mauern wird ebenfalls kommenden Sonntag eröffnet, aber nicht vom Papst, sondern vom Erzpriester der Basilika.

Schon oft hat der Papst über die Bedeutung der Barmherzigkeit für den Glauben und das Glaubensleben gesprochen, an diesem Hochfest zog er die Linie von der ohne Erbsünde empfangene Gottesmutter Maria zum Anlass, der Barmherzigkeit Gottes. „Die Gnade Gottes hat sie eingehüllt und sie würdig gemacht, die Mutter Christi zu werden“, so der Papst. „Die Fülle der Gnade ist imstande, das Herz zu verwandeln, und macht es fähig, einen Schritt zu vollziehen, der so groß ist, dass er die Geschichte der Menschheit verändert.“

Genau das mache den Kern der Barmherzigkeit aus, Gott „ist nicht nur derjenige, der die Sünde vergibt, sondern bei Maria geht er so weit, dass er der Erbsünde zuvorkommt, die jeder Mensch in sich trägt, wenn er in diese Welt kommt.” Die ‚Geschichte der Sünde’, begonnen im Garten Eden, werde im Plan der rettenden Liebe Gottes – der Barmherzigkeit – aufgelöst. „Wenn alles der Sünde überlassen bliebe, wären wir die hoffnungslosesten aller Geschöpfe, während die Verheißung des Sieges der Liebe Christi alles in die Barmherzigkeit des Vaters einschließt. Das Wort Gottes, das wir gehört haben, lässt daran keinen Zweifel. Die ohne Erbsünde empfangene Jungfrau steht vor uns als die bevorzugte Zeugin dieser Verheißung und ihrer Erfüllung.”

Das Heilige Jahr sei selber ein Geschenk der Gnade, fuhr der Papst fort. Einzutreten bedeute, die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken. „Es wird ein Jahr sein, in dem man sich immer mehr von der Barmherzigkeit überzeugen kann.“ Was das heißt? Das heißt zuerst die Einsicht anzunehmen, dass die Antwort Gottes auf die Sünde nicht zuerst die Strafe im Gericht ist, sondern die Vergebung durch die Barmherzigkeit. „Ja, genauso ist es. Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht voranstellen, und in jedem Fall wird das Gericht Gottes immer im Licht seiner Barmherzigkeit stehen. Möge das Durchschreiten der Heiligen Pforte uns also das Gefühl vermitteln, Anteil zu haben an diesem Geheimnis der Liebe. Lassen wir jede Form von Angst und Furcht hinter uns, denn das passt nicht zu dem, der geliebt wird; erleben wir vielmehr die Freude über die Begegnung mit der alles verwandelnden Gnade!”

50 Jahre Ende des Konzils

In seiner Predigt erinnerte der Papst auch an das Zweite Vatikanische Konzil, das an diesem Dienstag vor genau 50 Jahren zu Ende ging. Vor dem Beginn der Messfeier waren auf dem Petersplatz Auszüge aus den vier wichtigsten Konzilsdokumenten erklungen. Für die Kirche sind die 50 Jahre des Konzilsendes nicht bloß ein historisches Gedenken, betonte der Papst, auch wenn man an der Fülle der 16 Dokumente den „großen Fortschritt“ sehen könne, der im Glauben gemacht wurde. Das Konzil sei mehr gewesen als das, würdigte der Papst. „An erster Stelle war das Konzil eine Begegnung. Eine wirkliche Begegnung zwischen der Kirche und den Menschen unserer Zeit. Eine von der Kraft des Geistes gekennzeichnete Begegnung, der seine Kirche drängte, aus der Dürre, die sie viele Jahre lang in sich selbst verschlossen gehalten hatte, herauszukommen, um mit Begeisterung den missionarischen Weg wieder aufzunehmen.” Das Konzil sei „ein neuer Aufbruch“ gewesen, um auf die Menschen dort zuzugehen, wo sie lebten, und gebe der Kirche heute einen missionarischen Impuls mit. „Das Jubiläum fordert uns zu dieser Öffnung heraus und verpflichtet uns – entsprechend der Mahnung des seligen Pauls VI. beim Konzilsabschluss –, die aus dem Vaticanum II hervorgegangene Mentalität des barmherzigen Samariters nicht zu vernachlässigen. Möge also das Durchschreiten der Heiligen Pforte heute für uns mit dem Anspruch verbunden sein, uns die Haltung des barmherzigen Samariters zu Eigen zu machen.”

Zur Prozession in Richtung der Heiligen Pforte erklang der feierliche Hymnus „Misericordias Domini, in aeternum cantabo", der vielen Gläubigen aus Taize bekannt ist. Der Leiter der ökumenischen Gemeinschaft im Burgund, der deutsche Bruder Alois Löser, war unter den priesterlichen Gästen auf dem Petersplatz anwesend.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen und leichter Nieselregen prägten den Beginn dieser feierlichen Messe. Auf der Segnungsloggia in der Mitte der Petersdom-Fassade prangte das Zeichen des Jubiläums der Barmherzigkeit, das der slowenische Künstler Ivan Rupnik geschaffen hat, ein Jesuiten-Mitbruder von Papst Franziskus. Es zeigt den Guten Hirten, der einen Mann auf seinen Schultern trägt, wobei das linke Auges des Mannes und das rechte Auge des guten Hirten Jesus ein und dasselbe sind. Eingerahmt ist die Darstellung auf der linken Seite von dem Motto auf Latein: „Barmherzig wie der Vater". (rv)