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Archiv für die 'Weltkirche' Kategorie

Sind dies wirklich neu gefundene Reliquien des heiligen Petrus?

Donnerstag 14. September 2017 von VH

ROM – In den letzten Tagen machte in verschiedenen Medien und in den sozialen Netzwerken die Nachricht die Runde, dass bei Restaurierungsarbeiten in der Kirche Santa Maria in Cappella in Rom Knochen gefunden worden waren, die angeblich vom heiligen Apostel Petrus stammen würden. Was steckt dahinter?

Mehrfach wurde berichtet, man hätte bei Arbeiten in dieser Kirche im römischen Viertel Trastevere hinter einem mittelalterlichen Altar eine Reihe kleiner Urnen aus Ton gefunden, in denen Knochenreste enthalten waren.

Auf einer dieser Urnen befand sich eine Inschrift, die den Namen des heiligen Petrus zusammen mit den Namen der Päpste Cornelius, Calixt und Felix aufwies.

Forschungen von Archäologen haben ergeben, dass die gefundenen Knochenreste wahrscheinlich ursprünglich aus einer der Katakomben stammen, die außerhalb der Stadt Rom liegen.

Es gibt jedoch bislang keinerlei wissenschaftlichen Beweis, der die Funde authentifiziert: Die echten Überreste des ersten Bischofs von Rom sind weiterhin jene, die im Petersdom im Vatikan verehrt werden.

Die Katakomben waren Orte, an denen die römischen Christen der ersten Jahrhunderte begraben worden waren. Im Gegensatz zu dem, was viele glauben, waren sie weder geheime Orte, noch Stätten, an denen heilige Messen gefeiert wurden, um der Verfolgung im römischen Kaiserreich zu entgehen.

Die alten heidnischen Römer achteten den Tod und verehrten ihn sogar. Deshalb erlaubten sie, Christen zu beerdigen und respektierten ihre Begräbnisstätten, auch wenn das Christentum selbst durch die kaiserlichen Machthaber verboten war. Die ersten Christen feierten die Heilige Messe jedenfalls in den Domus Ecclesiae, nicht in den Katakomben.

Daher wurden die ersten Märtyrer und die ersten Päpste in den Katakomben beigesetzt, wie beispielsweise in den Katakomben des heiligen Calixtus oder des heiligen Sebastian, die sich auf der Via Appia befinden, die das Zentrum Roms mit dem Hafen von Ostia verband.

Erst nach dem Einfall der barbarischen Völker ab dem IV. Jahrhundert und vor allem im V. Jahrhundert wurde Rom offiziell ein christliches Reich; die Kirche begann die sterblichen Überreste der Märtyrer und Päpste in die Kirche im Stadtinneren zu übertragen, um die Reliquien besser schützen zu können.

Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die in Trastevere gefundenen Überreste diesen Ursprung haben. Diese Interpretation wird durch die Tatsache gestärkt, dass die Archäologen die Urnen auf das XI. Jahrhundert datiert haben, in dem auch die Kirche Santa Maria in Cappella errichtet worden war.

Andererseits zeigen die Inschriften nicht notwendigerweise die Identität der verehrten Personen an. In den Katakomben des heiligen Sebastian wurden auch Grabsteine mit den Namen des heiligen Petrus, des heiligen Paulus und anderer Apostel gefunden. Das bedeute nicht, dass die Gräber Reliquien der Apostel beinhalten würden, sondern es war eine Art und Weise, auf die man um ihre Fürbitte für die Seele des dort Begrabenen bat.

Das Grab des heiligen Petrus im Vatikan

Die katholische Kirche verortet, ausgehend von zahlreichen durchgeführten Untersuchungen, die echten Reliquien des Apostels Petrus in der Nekropolis, die sich unter der Basilika im Vatikan befindet.

Der Ort, an dem sich aktuell der Petersdom und der Petersplatz befinden, war im ersten Jahrhundert der christlichen Ära ein großes freies Feld, außerhalb der römischen Stadtmauern. Dort hatten einige reichsten Familien Roms einen Friedhof errichtet, eine heidnische Nekropolis, die die Überreste ihrer Verstorbenen aufnehmen sollte.

Neben der Nekropolis gab es einen Circus, der von Nero erbaut worden war und der – im Gegensatz zum Circus Maximus – nur zu privaten Zwecken für Veranstaltungen des Kaisers benutzt wurde.

Diese Art von privaten Bauwerken für die Aufführung von Spielen war im alten Rom gebräuchlich. Zwei davon kann man noch heute besuchen: Das Stadion auf dem Palatin und den Circus des Maxentius.

Im von Nero erbauten Circus auf dem vatikanischen Hügel wurde gemäß der Tradition im Jahr 67 der heilige Petrus getötet. Sein Leib wurde anschließend in der Nekropolis beigesetzt, die sich auf demselben Hügel befand.

Als Erinnerung an jenen Circus wurde der Obelisk, der in seiner Mitte errichtet worden war, auf dem jetzigen Petersplatz platziert, auf dem er immer noch steht.

Das Andenken an das Grab des heiligen Petrus blieb in der ersten christlichen Gemeinde Roms lebendig und in den ersten Jahrhunderten des Christentums, vor der Bau der Katakomben, wurden viele Christen in der vatikanischen Nekropolis um das Grab des heiligen Petrus herum bestattet.

Und so befahl Kaiser Konstantin, der erste christliche Kaiser, über die Nekropole die ursprüngliche Basilika des heiligen Petrus zu errichten, die heute nicht mehr existiert. Das Grab des Apostels sollte sich unter dem Schnittpunkt der Kirchenschiffe befinden. Diese Struktur findet man auch heute, in der barocken Basilika, noch. Das Grab des Petrus befindet sich genau unter dem bronzenen Baldachin Berninis.

Nach dem Verschwinden der konstantinischen Basilika und dem Bau der aktuellen Basilika im XV., XVI. und XVII. Jahrhundert, wurde der Zugang zum Grab verschlossen; deshalb ging das Andenken daran verloren und es gab sogar Zweifel an seiner wirklichen Existenz auf dem Vatikanhügel.

Um diese Diskussionen bezüglich der Existenz der Überreste des heiligen Petrus im Vatikan zu beenden, ließ Papst Pius XII. im Jahre 1940 eine große archäologische Ausgrabung unter der Basilika durchführen, die unter Papst Paul VI. beendet wurde.

Diese Untersuchung ermöglichte es, die Reste der durch Konstantin erbauten Basilika wieder zu entdecken und auf einer zweiten Ebene die römische Nekropolis, in einem Zustand, der die Archäologen jener Zeit erstaunte.

Dort fand man, zwischen luxuriösen Mausoleen der heidnischen Patrizierfamilien, die Überreste eines alten, leeren Grabmals inmitten einer Reihe zweifellos christlicher Gräber.

Das Grabmal wies mehrere christliche Graffiti auf, die anzeigen, dass dort ein bedeutender christlicher Märtyrer ruhe. Die Aufschrift „Hier ist Petrus“ gab seine Identität an.

Über diesem Grabmal, in einer Konstruktion aus der Zeit der konstantinischen Basilika, fand man eine Urne mit verschiedenen, in ein purpurnes Tuch gewickelten, Knochen. Das war die Farbe für die römischen Kaiser, aber auch für die christlichen Märtyrer. Die Knochen waren aufgrund des Tuches, in das sie eingewickelt waren, rot gefärbt.

Die Kirche verkündete damals der Welt, dass das Grab des heiligen Petrus entdeckt und identifiziert worden war. Spätere Untersuchungen der Überreste ergaben, dass – auch wenn es unmöglich wäre, diese Überreste mit hundertprozentiger Sicherheit einer bestimmten Person zuordnen zu können – man doch bescheinigen könne, dass sie einem Mann gehörten, der im ersten Jahrhundert des Christentums gelebt hatte und der ähnliche körperliche Merkmale aufwies, wie man sie dem heiligen Petrus zuschrieb.

Die Überreste des heiligen Petrus können heute in den vatikanischen Grotten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind, besichtigt werden.

Übersetzt aus dem Spanischen von Susanne Finner. (CNA Deutsch)

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Großbritannien: Cormac Kardinal Murphy-O’Connor verstorben

Samstag 2. September 2017 von VH

Der britische Kardinal Murphy-O’Connor ist gestern in einer Londoner Klinik verstorben. Erst vor wenigen Tagen beging Murphy-O’Connor seinen 85 Geburtstag. Von 2000 bis 2009 leitete er das Erzbistum Westminster in Großbritannien. Papst Johannes Paul II. hatte ihn im Februar 2001 in den Kardinalsstand erhoben und ihm die Titelkirche „S. Maria sopra Minerva“ zugeteilt. Durch seinen Tod besteht das Kardinalskollegium noch aus 222 Würdenträgern und von diesen haben 121 ein aktives Wahlrecht bei einer künftigen Papstwahl. (vh)

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D: Kirchensteuer wird falsch verteilt

Montag 28. August 2017 von VH

Die Verteilung der Kirchensteuer in Deutschland muss anders organisiert werden. Das fordert der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, in einem Artikel im aktuellen Heft der Herder-Korrespondenz (Ausgabe September). Nur die Hälfte der eingenommenen sechs Milliarden Euro käme in den Pfarreien an, mit Blick auf das Subsidiaritätsprinzip müsse das anders organisiert werden. Sternberg verweist in diesem Zusammenhang auf die Schweiz und das dortige System der Mitbestimmung durch Laiengremien.

In dem Artikel warnt Sternberg auch vor einem „Diözesan-Egoismus“, der einerseits die Gemeinden und andererseits überdiözesane Aufgaben aus dem Blick verliere. Für eine „grundlegende Reform, die stärker synodale Entscheidungsprinzipien in der katholischen Kirche verankere“ brauche es jetzt eine breite Debatte. (rv)

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„Keine Königin mit Distanz“: Videobotschaft nach Tschenstochau

Samstag 26. August 2017 von VH

Die Polen nennen den Ort Jasna Góra, den Hellen Berg, Papst Franziskus nennt ihn die spirituelle Hauptstadt Polens: In einer Videobotschaft spricht Papst Franziskus an diesem Samstag zu Pilgern, die nach Częstochowa (Tschenstochau) gekommen sind, um den 300. Jahrestag der Anerkennung des Wallfahrtsortes durch die Päpste zu feiern. „Es ist eine große Ehre, als Mutter eine Königin zu haben, aber schenkt noch größere Freude, als Königin eine Mutter zu haben“, so der Papst. Polen habe ein „mütterliches Herz“, ihr, der Muttergottes, „vertraut ihr alles an: die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft, die Freuden und Ängste eures eigenen Lebens und die eures Landes. Das ist sehr gut.“

Der Papst erinnerte an seinen eigenen Besuch in Częstochowa vor einem Jahr, Anlass war die Feier des 1050 Jahrestages der Taufe Polens.

Eine den Sohn umarmende Mutter

„Das heilige Bild zeigt uns, dass Maria keine Königin mit Distanz ist, die auf einem Thron sitzt, sondern eine Mutter, die ihren Sohn umarmt und mit ihm uns, alle ihre Kinder. Sie ist eine echte Mutter, mit ihrem gezeichneten Gesicht, eine Mutter, die mit uns leidet weil sie sich die Probleme unseres Lebens zu Herzen nimmt. Sie ist eine Mutter, die uns nahe ist und die uns nie aus dem Blick verliert, eine zärtliche Mutter, die uns auf unserem täglichen Lebensweg an die Hand nimmt.“

Er wünsche allen aus Anlass dieses Jubiläums, dass sie spürten, dass sie keine Waisen seien: da sei immer diese Mutter für alle da. „Die Madonna schenke euch die Gnade, euch gemeinsam zu freuen“, wünsche der Papst abschließend, „wie eine um die Mutter versammelte Familie.“ (rv)

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Australien: Homoehe „Bedrohung der Gewissensfreiheit“?

Freitag 25. August 2017 von VH

Kurz vor der Anmeldungsphase zum Referendums über die Ehe von Gleichgeschlechtlichen in Australien ruft die katholische Kirche ihre Gläubigen erneut zur Stimmabgabe auf. „Es ist wichtig, dass wir Katholiken wählen“, betont der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart in einem apostolischen Schreiben. „nur dann kann unsere Meinung zu diesem wichtigen öffentlichen Problem, dass unsere Gesellschaft und unsere Familien nachhaltig beeinflussen wird, gehört werden.“

Er wiederholte auch, dass nach der katholischen Lehre die Ehe eine unauflösliche Verbindung zwischen Mann und Frau ist. Man solle erinnern, dass der Mensch zwar Rechte, aber auch Verantwortung habe. Eine Legalisierung der „Homoehe“ könne unter anderem die Religionsfreiheit katholischer Lehrer einschränken.

Zwischen dem 12. September und dem 7. November können die Australier über die Reform abstimmen. (rv)

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Vor Russlandbesuch: Vatikan betont „Optik des Dialogs“

Montag 21. August 2017 von VH

Die Vatikandiplomatie dreht sich um das Wohl der Menschen und Völker und bedient sich des Dialogs. Das hat der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin wenige Stunden vor seinem Russlandbesuch nochmals bekräftigt. In dieser Optik werde er mit seinen Gesprächspartnern in Moskau zusammentreffen und bilaterale Fragen wie auch Krisenthemen behandeln, sagte Parolin im Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Tass.

In dem Gespräch ging der Kardinal die Etappen der Visite in der kommenden Woche durch: Demnach trifft die „Nummer Zwei“ des Vatikan am Montag zunächst Vertreter der katholischen Kirche und feiert eine Messe in Moskau. Am Dienstag ist das Treffen mit Patriarch Kyrill I. sowie dem russischen Außenminister Sergei Lawrow und am Mittwoch die Begegnung mit Präsident Wladimir Putin angesetzt.

Mit Blick auf den geplanten Austausch mit dem orthodoxen Patriarchen Kyrill I. und dem Außenamtschef des russischen Patriarchates Hilarion sprach Parolin von eine „Öffnung“ im Verhältnis der beiden Kirchen „in den letzten Jahren“, die im historischen Treffen Kyrill I. mit Papst Franziskus auf Kuba im vergangenen Jahr einen Höhepunkt gefunden habe. Es gehe hier um einen „Weg der Einheit“, unterstrich Parolin. Dieser erfordere Geduld und Einsatz, habe aber bereits „Momente der Einheit“ aufgezeigt. Ein Beispiel dafür sei der „Ökumenismus der Heiligen“, so Parolin. Er verwies hierbei auf die Ausstellungen der Reliquien des Heiligen Nikolaus von Bari in Russland, die zahlreiche Gläubige angezogen hatten.

Nach dem Kampf Russlands gegen den islamistischen Terror und einen gemeinsamen Einsatz der Kirchen in diesem Feld befragt warnte Parolin vor „Kraftakten, die ihrerseits neue Gewaltspiralen hervorrufen oder unveräußerliche Menschenrechte wie etwa die Religionsfreiheit in den Hintergrund drängen“. Die Friedensarbeit der Kirche sei langfristig angesetzt, es gehe hierbei um Bildung und Gewissensbildung, interkulturellen und interreligiösen Dialog, erinnerte der Kardinal. (rv)

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Australien: Kirchen-Kampagne gegen „Homoehe“

Mittwoch 16. August 2017 von VH

Die katholische Erzdiözese Sydney gehört zu den Gründern der neuen australischen „Koalition für die Ehe“. Wie die Website sydneycatholic.org berichtet, setzt sich die Vereinigung aus Katholiken und Anglikanern für ein „Nein“ beim kommenden Referendum über die Ehe von Gleichgeschlechtlichen ein. Im Interview mit der Zeitung „The Australian“ erklärte der Erzbischof von Sydney, Anthony Fisher, man fürchte unter anderem, dass Lehrer in christlichen Schulen bald nicht mehr ihre Vorstellung der Ehe, sondern eine „politisch korrekte“ Version lehren müssten. „In anderen Teilen der Welt, wo die juristische Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren bereits legalisiert wurde, werden diejenigen, die an die traditionelle Ehe glauben, schikaniert oder gezwungen, sich der neuen Sichtweise anzupassen. Es wäre extrem naiv zu glauben, das würde nicht auch hier passieren“ sagte der Erzbischof. (rv)

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Australien: Beichtgeheimnis gilt auch bei Missbrauch

Montag 14. August 2017 von VH

„Übergriffe gegen Kinder müssen den Behörden gemeldet werden.“ Das hat der Präsident der australischen Bischofskonferenz, Denis James Hart, erklärt. Zugleich betont der Erzbischof aber die Bedeutung des Beichtgeheimnisses: „Die Beichte ist in der katholischen Kirche ein spirituelles Zusammentreffen mit Gott durch den Priester. Es ist grundlegender Bestandteil der Religionsfreiheit und ist im Gesetz Australiens und vieler anderer Länder anerkannt. Das muss so bleiben“, sagte Hart.

Hintergrund ist eine Umfrage zum Missbrauch in kirchlichen und anderen Institutionen, der zufolge viele Bürger Strafen fordern, falls Kleriker durch die Beichte von Fällen sexuellen Missbrauchs erfahren, sie aber nicht melden. Wie der BBC berichtet, soll es sogar Fälle von Widerholungstätern gegeben haben, die sich mehrfach nach sexuellen Übergriffen in der Beichte Priestern anvertraut hatten. (rv)

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Korea: Südkoreas Bischöfe mahnen zu Besonnenheit und Dialog

Sonntag 13. August 2017 von VH

Die Bischofskonferenz Südkoreas verurteilt die „unvorsichtigen Provokationen“, mit denen der nordkoreanische Nachbar derzeit weltweit Angst vor dem Ausbruch eines nuklearen Konfliktes schürt. „Nach dem Abfeuern der Hwasong-14-Rakete befindet sich die koreanische Halbinsel in einer spannungsvollen Lage, die ein großes Risiko birgt,“ schreiben die Bischöfe in einer Erklärung anlässlich des Nationalfeiertages am 15. August. „Der Test von Nuklearwaffen durch Nordkorea stellt eindeutig eine Verletzung der Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen dar,“ unterstreichen die Bischöfe weiter. Diese Test seien ein ernsthaftes Risiko für den Frieden in der Region, denn Nachbarländer sähen sich gezwungen, ebenfalls nuklear aufzurüsten. Doch es sei eine Illusion, den Frieden mit Nuklearwaffen erzwingen zu können, warnen sie in ihrer Stellungnahme. „Die Kirche in Korea“, so das Dokument weiter, „verurteilt entschieden alle unvorsichtigen Provokationen Nordkoreas und widersetzt sich allen Aktionen, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärfen.“ Vielmehr lade die Bischofskonferenz die Führer der beiden Koreas ein, im gemeinsamen Dialog und in Zusammenarbeit mit den Nachbarländern einen Weg zu finden, um den Frieden auf der Halbinsel zu garantieren.

Gebetstag für den Frieden in Korea

An diesem Sonntag findet der mittlerweile traditionelle Gebetstag für Frieden und Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel statt. Der vom Ökumenischen Weltkirchenrat WCC (dt. ÖRK) ausgerufene Gebetstag wird auch von der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und der Weltweiten Evangelischen Allianz getragen. Er findet jedes Jahr am Sonntag vor dem 15. August statt, an dem im Jahr 1945 die japanische Besatzung aufhörte und Korea in zwei Staaten getrennt wurde. Dieses Jahr, angesichts der steigenden Spannungen in der Region, ist das für den Gebetstag gewählte Zitat aktuell wie nie: „Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau beiträgt“ aus dem Römerbrief (Röm 15,19). Weltweit beten an diesem Sonntag die Christen der teilnehmenden Kirchengemeinschaften für den Frieden in Korea. (rv)

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Italien: Armut ist Grund für Mafiamorde in Apulien

Samstag 12. August 2017 von VH

Apulien, Italiens beliebteste Ferienregion für einheimische wie ausländische Touristen, gerät immer stärker in die Fänge seiner lokalen Mafia. Die „Sacra Corona Unita“, wie die organisierte Kriminalität Apuliens heißt, verübte am Mittwoch einen vierfachen Mord am helllichten Tag, wenige Kilometer entfernt von Italiens größtem Wallfahrtsort, dem Pater-Pio-Heiligtum in San Giovanni Rotondo. Der Erzbischof von Foggia, Vincenzo Pelvi, sagt im Gespräch mit uns, im Grunde wüssten die kirchlichen und die staatlichen Institutionen in Apulien ganz genau, was die Wurzel des Problems Mafia dort sei: Armut und Arbeitslosigkeit.

„Ich lade die örtlichen Institutionen zur Zusammenarbeit ein und dazu, nicht zu vergessen, dass die Armut oft die unmittelbarste Form ist, die Gleichgültigkeit und Gewalt hervorbringt“, so der Erzbischof, der aus Neapel stammt und sich als Generalvikar des Erzbistums mit dem Problem der organisierten Kriminalität in Kampanien konfrontiert sah. Dringlich der Appell des Erzbischofs an die Welt der Arbeit: „Es gibt bei uns in Apulien junge und nicht mehr ganz so junge Menschen, die noch nie den Geschmack und den Schweiß, wenn ich das so sagen darf, einer regelmäßigen, stabilen Arbeit erfahren haben. Wenn wir aber jemanden ohne Hoffnung und Perspektive auf Arbeitssuche schicken, dann wird das zu einer moralischen Desorientierung führen, und genau hier greift dann die organisierte Kriminalität ein, die sofortige und hohe Gewinne verspricht.“ Hinter vielen Biografien von sozialem Ausschluss verstecke sich in Wirklichkeit Arbeitslosigkeit und irreguläre Arbeit, so der Erzbischof von Foggia.

Moralische Desorientierung

Dank des Tourismus hatte sich Apulien in den vergangenen Jahrzehnten zu Süditaliens wohlhabendster Region entwickelt. Nun zeigt sich, dass die „Sacra Corona Unita“ wohl eine unterschätzte Größe war. Bisher hatten die Clans ihre Fehden in touristisch weniger wichtigen Zeiten ausgetragen. Eine Mordserie wie die der vergangenen zwei Wochen hatte Apulien noch nie gesehen. In dem malerischen Küstenstädtchen Vieste erschossen Auftragskiller Ende Juli einen 31-jährigen Restaurantbesitzer in seinem Lokal. Vergangenen Mittwoch dann der Vierfachmord unter freiem Himmel bei San Marco in Lamis: Ein 50-jähriger Mafiaboss und sein Schwager wurden in ihrem schwarzen VW Käfer mit Kalaschnikows niedergestreckt. Zwei Bauern fuhren zufällig am Tatort vorbei. Die Täter verfolgten sie und ermordeten auch diese beiden Männer.

Bei Licht betrachtet, kam es in der Provinz Foggia in den vergangenen 30 Jahren allerdings zu fast 300 Morden. Vier von fünf wurden nie aufgeklärt, erklärte der oberste Anti-Mafia-Staatsanwalt Italiens, Franco Roberti. Er warnte ausdrücklich davor, die apulische Mafia zu unterschätzen: Sie sei im Grund noch gewalttätiger als die ‚Ndrangheta in Kalabrien. Italiens Innenminister Minnniti hat inzwischen eine „harte Antwort“ der Regierung auf die Mafiamorde in Apulien angekündigt. (rv)

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