Erzbischof Vigano veröffentlicht neues Schreiben (Bericht und vollständiger Wortlaut)

VATIKANSTADT – Erzbischof Carlo Maria Vigano hat eine Antwort auf Kardinal Marc Ouellet veröffentlicht. Darin widerspricht der ehemalige Nuntius in den USA der Aussage, der Heilige Stuhl habe nur von „Gerüchten“ über das Verhalten Theodore McCarricks gewusst, die nicht für Disziplinarmaßnahmen gegen den mutmaßlichen Straftäter ausgereicht hätten.

Vigano schreibt auch über „homosexuelle Korruption und moralische Feigheit“ in der Kirche. Er appelliert an Bischöfe und Priester, sich ebenfalls zu äußern.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat Erzbischof Vigano in zwei Schreiben schwere Vorwürfe gegen Papst Franziskus, mehrere Kardinäle und hochrangige Kurienvertreter erhoben sowie Kardinal Marc Ouellet aufgefordert, die Akten im Fall McCarrick offenzulegen. In seiner Antwort kritisiert Ouellet zwar Vigano aufs Schärfste – bestätigt jedoch einen der zentralen Vorwürfe.

CNA Deutsch hat den vollen Wortlaut des auf den 19. Oktober 2018 datierten Schreibens von Erzbischof Vigano übersetzt.

Am Festtag der Nordamerikanischen Märtyrer

  1. Zeugnis abzulegen über die Korruption in der Hierarchie der katholischen Kirche war und ist für mich eine schmerzhafte Entscheidung. Aber ich bin ein alter Mann, der weiß, dass er dem Richter bald Rechenschaft über seine Taten und Unterlassungen ablegen muss, der Ihn fürchtet, der Körper und Seele in die Hölle werfen kann. Ein Richter, der, selbst in seiner unendlichen Barmherzigkeit, jedem Menschen Erlösung oder Verdammnis nach dem, was er verdient hat, bringen wird. In Erwartung der schrecklichen Frage dieses Richters — „Wie konntest du, der du die Wahrheit kennst, inmitten von Falschheit und Verderbtheit schweigen?“ — Welche Antwort könnte ich geben?
  2. Ich legte mein Zeugnis ab im vollen Bewusstsein, dass dieses viele bedeutende Persönlichkeiten alarmieren und bestürzen würde: Kirchenmänner, Mitbischöfe, Kollegen, mit denen ich gearbeitet und gebetet hatte. Ich wusste, dass sich viele verletzt und verraten fühlen würden. Ich erwartete, dass einige ihrerseits mich und meine Motive angreifen würden. Am schmerzhaftesten war mir, dass ich wusste, dass viele der unschuldigen Gläubigen durch das Schauspiel eines Bischofs, der Kollegen und Vorgesetzte bezichtigt, Amtsmissbrauch, sexuelle Sünden und schwere Pflichtverletzung begangen zu haben, verwirrt und verunsichert sein würden. Doch glaube ich, dass mein fortwährendes Schweigen viele Seelen in Gefahr bringen und sicherlich auch meine eigene [Seele] verdammen würde. Nachdem ich meinen Vorgesetzten und sogar dem Papst mehrmals über das abwegige Verhalten von Theodore McCarrick berichtet hatte, hätte ich die Wahrheiten, die mir bereits vorher bekannt waren, früher öffentlich verurteilen können. Wenn ich an dieser Verzögerung eine gewisse Verantwortung trage, dann bereue ich das. Diese Verzögerung war auf die Schwere der Entscheidung, die ich treffen würde, und auf das langwierige Bemühen meines Gewissens zurückzuführen.
  3. Mir wurde vorgeworfen, durch mein Zeugnis Verwirrung und Spaltung in der Kirche hervorgerufen zu haben. Für diejenigen, die glauben, dass es vor dem August 2018 keine nennenswerte Verwirrung und Spaltung gab, mag eine solche Behauptung vielleicht plausibel sein. Die meisten unparteiischen Beobachter wissen jedoch, dass es beides seit langem im Übermaß gegeben hat, wie es nun mal unvermeidlich ist, wenn der Nachfolger Petri bei der Ausübung seiner Hauptaufgabe fahrlässig verfährt, nämlich der Vergewisserung der Brüder im Glauben und in einer fundierten Morallehre. Wenn er dann die Krise durch widersprüchliche oder verwirrende Aussagen über diese Lehren noch verschlimmert, spitzt sich die Verwirrung zu.
  4. Deshalb habe ich gesprochen. Denn es ist dieses Schweigekomplott, dass in der Kirche großen Schaden angerichtet hat und weiterhin schadet — so vielen unschuldigen Seelen, der Berufung junger Priester, den Gläubigen im Allgemeinen. In Bezug auf meine Entscheidung, die ich mit meinem Gewissen vor Gott gefällt habe, nehme ich gerne jede brüderliche Zurechtweisung, jeden brüderlichen Rat, jede brüderliche Empfehlung und jede brüderliche Einladung an, in meinem Leben im Glauben und der Liebe zu Christus, zur Kirche und dem Papst voranzukommen.

Lassen Sie mich die Kernpunkte meines Zeugnisses wiederholen.

  • Im November 2000 informierte der Nuntius in den USA, Erzbischof Montalvo, den Heiligen Stuhl über das homosexuelle Verhalten von Kardinal McCarrick gegenüber Seminaristen und Priestern.
  • Im Dezember 2006 informierte der neue Nuntius in den USA, Erzbischof Pietro Sambi, den Heiligen Stuhl über das homosexuelle Verhalten von Kardinal McCarrick mit einem weiteren Priester.
  • Im April 2008 wurde ein Offener Brief von Richard Sipe an Papst Benedikt durch den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Levada, an Kardinalstaatssekretär Bertone weitergeleitet, in die weiteren Vorwürfe erhoben werden, dass McCarrick mit Seminaristen und Priestern geschlafen hat. Ich habe diesen einen Monat später erhalten, und im Mai 2008 habe ich selbst dem damaligen Substituten Erzbischof Fernando Filoni ein zweites Memorandum übermittelt, in dem ich über die Vorwürfe gegen McCarrick berichtete und Sanktionen gegen ihn forderte. Auch dieses zweite Memorandum erhielt keine Antwort.
  • Im Jahr 2009 oder 2010 erfuhr ich von Kardinal Re, [damals] Präfekt der Bischofskongregation, dass Papst Benedikt McCarrick angewiesen hatte, sein öffentliches Wirken einzustellen und ein Leben des Gebets und der Buße anzutreten. Nuntius Sambi überstellte McCarrick die Anweisungen des Papstes in einer Lautstärke, dass dies im Flur der Nuntiatur zu hören war.
  • Im November 2011 wiederholte Kardinal Ouellet, der neue Präfekt der Bischofskongregation, mir gegenüber, der ich der neue Nuntius in den USA war, die Sanktionen des Papstes für McCarrick, und ich selbst teilte sie McCarrick persönlich mit.
  • Am 21. Juni 2013, gegen Ende einer offiziellen Zusammenkunft der Nuntien im Vatikan, übte Papst Franziskus mir gegenüber mit einigen kryptischen Aussagen Kritik am Episkopat der USA.
  • Am 23. Juni 2013 traf ich Papst Franziskus persönlich in seiner Wohnung, um um Aufklärung zu bitten, und der Papst fragte mich: „il cardinale McCarrick, com’è (Kardinal McCarrick — was hältst du von ihm)?“– was ich nur als Vortäuschung von Neugierde interpretieren kann, um herauszufinden, ob ich ein Verbündeter von McCarrick war oder nicht. Ich erzählte ihm, dass McCarrick Generationen von Priestern und Seminaristen sexuell korrumpiert hatte und von Papst Benedikt angewiesen worden war, sich auf ein Leben voller Gebet und Buße zu beschränken.

Stattdessen genoss McCarrick weiterhin die besondere Wertschätzung von Papst Franziskus und erhielt von ihm neue Verantwortlichkeiten und Aufträge.McCarrick war Teil eines Netzwerks von Bischöfen, welche die Homosexualität vorantrieben und die Gunst von Papst Franziskus ausnutzten, um Bischofsernennungen zu beeinflussen, damit sie sich vor rechtlichen Konsequenzen schützen und das homosexuelle Netzwerk in der Hierarchie und in der Kirche insgesamt stärken konnten.Papst Franziskus selbst hat sich entweder an dieser Korruption beteiligt oder weiß, was er tut, und ist äußerst fahrlässig in seinem Versäumnis, sich dem zu widersetzen und es auszumerzen.

Ich habe vor Gott die Wahrheit meiner Behauptungen bezeugt, und niemand hat diese widerlegt. Kardinal Ouellet hat mir geschrieben, um mich für meine Frechheit zurechtzuweisen, das Schweigen gebrochen und solche schwerwiegenden Anschuldigungen gegen meine Brüder und Vorgesetzten erhoben zu haben, aber tatsächlich bestätigt er mit seiner Zurechtweisung meine Entscheidung, und rechtfertigt diese sowohl im Einzelnen wie insgesamt.

  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass er mit mir über die Situation von McCarrick gesprochen hat, bevor ich nach Washington ging, um meinen Posten als Nuntius anzutreten.
  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass er mir schriftlich die Bedingungen und Einschränkungen mitgeteilt hat, die Papst Benedikt McCarrick auferlegt hat.
  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass diese Sanktionen McCarrick verboten haben, zu reisen oder öffentlich aufzutreten.
  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass die Bischofskongregation schriftlich, zuerst durch Nuntius Sambi und dann noch einmal durch meine Person, McCarrick aufgefordert hat, ein Leben des Gebets und der Buße zu führen.

Was bestreitet Kardinal Ouellet?

  • Kardinal Ouellet bestreitet die Möglichkeit, dass Papst Franziskus an einem Tag, an dem er viele Nuntien traf und nur wenige Augenblicke mit einem jeden sprach, wichtige Informationen über McCarrick hätte aufnehmen können. Aber das war nicht meine Aussage. Meine Aussage ist, dass ich den Papst bei einem zweiten, privaten Treffen informiert habe, indem ich dessen eigene Frage über Theodore McCarrick beantwortete, der damals emeritierter Kardinalerzbischof von Washington war und eine prominente Persönlichkeit der Kirche in den USA, und dass ich dem Papst sagte, dass McCarrick seine eigenen Seminaristen und Priester sexuell korrumpiert habe. Kein Papst könnte das vergessen.
  • Kardinal Ouellet bestreitet, dass es in seinem Archiv Briefe von Papst Benedikt oder Papst Franziskus über Sanktionen gegen McCarrick gibt. Aber das war nicht meine Aussage. Meine Aussage war, dass sich in seinem Archiv wichtige Dokumente – unabhängig von deren Herkunft – befinden, die McCarrick belasten und dahingehend getroffene Maßnahmen dokumentieren, sowie andere Beweise für die Vertuschung seiner Situation. Und dies bestätige ich noch einmal.
  • Kardinal Ouellet bestreitet, dass in den Akten seines Vorgängers Kardinal Re „Audienz-Memoranden“ existieren, die McCarrick die bereits erwähnten Sanktionen auferlegen. Aber das war nicht meine Aussage. Meine Aussage ist, dass es andere Dokumente gibt: zum Beispiel eine Notiz von Kardinal Re, die nicht ex-Audientia SS.mi, unterzeichnet entweder vom Staatssekretär oder dem Substituten.
  • Kardinal Ouellet bestreitet, dass es falsch ist, die gegen McCarrick ergriffenen Maßnahmen als „Sanktionen“ darzustellen, die von Papst Benedikt erlassen und von Papst Franziskus aufgehoben wurden. Stimmt. Es handelte sich rein technisch nicht um „Sanktionen“, sondern um Maßnahmen, „Bedingungen und Einschränkungen“. Spitzfindig darüber zu debattieren, ob es sich um Sanktionen, Maßnahmen oder etwas anderes handelte, ist reiner Legalismus. Aus pastoraler Sicht sind sie alle genau das gleiche.

Kurzum: Kardinal Ouellet räumt die wichtigen Aussagen ein, die ich gemacht habe und auch weiterhin mache, und er bestreitet Aussagen, die ich nicht mache und nie gemacht habe.

In einem Punkt muss ich absolut widerlegen, was Kardinal Ouellet geschrieben hat. Der Kardinal erklärt, dass der Heilige Stuhl nur von „Gerüchten“ Kenntnis hatte, die nicht ausreichten, um Disziplinarmaßnahmen gegen McCarrick zu rechtfertigen. Ich behaupte dagegen, dass der Heilige Stuhl von einer Vielzahl konkreter Tatsachen Kenntnis hatte und im Besitz von Dokumenten ist, und dass die Verantwortlichen sich dennoch entschieden haben, nicht einzugreifen oder daran gehindert wurden. Entschädigung der Erzdiözese Newark und der Diözese Metuchen an die Opfer des sexuellen Missbrauchs von McCarrick, die Briefe von Pater Ramsey, der Nonnen Montalvo im Jahr 2000 und Sambi im Jahr 2006, von Dr. Sipe im Jahr 2008, meine beiden Memoranden an die Vorgesetzten des Staatssekretariats, welche die konkreten Vorwürfe gegen McCarrick ausführlich beschrieben haben; sind das alles nur Gerüchte? Es handelt sich um offizielle Korrespondenz, nicht um Klatsch und Tratsch aus der Sakristei. Die gemeldeten Verbrechen waren sehr schwerwiegend, einschließlich des Versuchs, Komplizen bei perversen Handlungen die sakramentale Absolution zu erteilen, mit anschließender sakrilegischer Feier der heiligen Messe. Diese Dokumente belegen die Identitäten der Täter und ihrer Beschützer sowie die zeitliche Abfolge der Fakten. Sie werden in den entsprechenden Archiven aufbewahrt; es sind keine außergewöhnlichen Ermittlungsverfahren erforderlich, diese ausfindig zu machen.

In den öffentlichen Zurechtweisungen meiner Person habe ich zwei Unterlassungen festgestellt, zwei tragische Fälle des Verschweigens. Das erste, was verschwiegen wird, ist die Not der Opfer. Das zweite betrifft den eigentlichen Grund, warum es so viele Opfer gibt, nämlich den korrumpierenden Einfluss der Homosexualität im Priestertum und in der Hierarchie. Was den ersten betrifft, so ist es erschreckend, dass inmitten all der Skandale und Empörungen so wenig über die Menschen nachgedacht werden sollte, die durch diese Sexualverbrechen geschädigt wurden und welche jene verübt haben, die zu Dienern des Evangeliums bestellt waren. Es geht hier nicht darum, Rechnungen zu begleichen oder über die Unbeständigkeit kirchlicher Laufbahnen zu schmollen. Es geht nicht um Politik. Es geht nicht darum, wie Kirchenhistoriker dieses oder jenes Papsttum bewerten werden. Es geht um Seelen. Die ewige Erlösung vieler Seelen stand – und steht weiterhin – auf dem Spiel.

Was den zweiten Umstand betrifft, der verschwiegen wird: Diese sehr schwere Krise kann nicht angemessen angegangen und gelöst werden, wenn wir nicht die Dinge bei ihrem wahren Namen nennen. Dies ist eine Krise aufgrund der Geißel der Homosexualität, ihrer Akteure, ihrer Motive, ihres Widerstands gegen Reformen. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Homosexualität zu einer Plage im Klerus geworden ist, und sie kann nur mit spirituellen Waffen ausgemerzt werden. Es ist eine enorme Heuchelei, den Missbrauch zu verurteilen, zu behaupten, man weine um die Opfer, und sich dennoch zu weigern, die Grundursache für so viel sexuellen Missbrauch anzugeben: die Homosexualität. Es ist Heuchelei, sich zu weigern, zuzugeben, dass diese Geißel auf eine schwere Krise im geistlichen Leben des Klerus zurückzuführen ist, und nicht die notwendigen Schritte zu unternehmen, diese zu beseitigen.

Zweifellos gibt es schürzenjagende Geistliche, und zweifellos schädigen sie auch ihren eigenen Seelen, den Seelen derjenigen, die sie verderben, und der Kirche insgesamt. Aber diese Verletzungen des priesterlichen Zölibats beschränken sich in der Regel auf die unmittelbar betroffenen Personen. Schürzenjagende Geistliche rekrutieren in der Regel keine anderen Schürzenjäger, bemühen sich nicht darum, diese zu fördern, und vertuschen deren Missetaten nicht – während die Beweise für homosexuelle Absprachen mit seinen tiefen Wurzeln, die so schwer auszumerzen sind, überwältigend sind.

  • Es ist allgemein bekannt, dass homosexuelle Täter das kirchliche Privileg zu ihrem Vorteil ausnutzen. Aber zu behaupten, die Krise selbst sei Klerikalismus, ist reine Sophisterei. Da wird so getan, als ob ein Mittel zum Zweck, ein Instrument, tatsächlich das Hauptmotiv wäre.
  • Die Verurteilung der homosexuellen Korruption und der moralischen Feigheit, die sie gedeihen lässt, findet in unserer Zeit keine Zustimmung, auch nicht in den höchsten Ebenen der Kirche. Es überrascht mich nicht, dass ich, wenn ich auf diese Plagen aufmerksam mache, der Untreue gegenüber dem Heiligen Vater bezichtigt werde und beschuldigt, eine offene und skandalöse Rebellion anzuzetteln.

Doch eine Rebellion würde bedeuten, andere zu drängen, das Papsttum zu stürzen. Ich fordere nichts dergleichen. Ich bete jeden Tag für Papst Franziskus – mehr, als ich es je für die anderen Päpste getan habe. Ich bitte, ja flehe den Heiligen Vater aufrichtig an, sich seiner Pflichten zu erinnern, die er sich selbst aufgetragen hat, als er sein Amt als Nachfolger Petri antrat. Er nahm die Mission auf sich, seine Brüder zu stärken und alle Seelen in der Nachfolge Christi, im geistlichen Kampf, auf dem Weg des Kreuzes zu führen. Lasst ihn seine Fehler eingestehen, bereuen, seine Bereitschaft zeigen, dem Auftrag, den Petrus erteilt hat, nachzukommen, und lasst ihn nach der Bekehrung seine Brüder stärken (Lk 22,32).Abschließend möchte ich meinen Appell an meine Brüder Bischöfe und Priester wiederholen, die wissen, dass meine Aussagen wahr sind und die dies bezeugen können, oder die Zugang zu Dokumenten haben, welche die Angelegenheit zweifelsfrei belegen können. Auch ihr steht vor einer Entscheidung. Ihr könnt euch aus dem Kampf zurückziehen, das Komplott des Schweigens unterstützen und eure Augen vor der Ausbreitung der Korruption abwenden. Ihr könnt Ausreden, Kompromisse und Rechtfertigungen finden, die den Tag der Abrechnung verzögern. Ihr könnt euch mit der Lüge und der Illusion trösten, dass es einfacher sein wird, morgen die Wahrheit zu sagen, und dann am nächsten Tag, und so weiter.

Auf der anderen Seite könnt ihr euch entscheiden, den Mund aufzumachen. Ihr könnt Ihm vertrauen, der uns gesagt hat: „Die Wahrheit wird euch befreien.“ [Joh 8,32] Ich sage nicht, dass es einfach sein wird, sich zwischen Schweigen und Reden zu entscheiden. Ich fordere euch auf, darüber nachzudenken, welche Entscheidung ihr – auf eurem Sterbebett und dann vor dem gerechten Richter – nicht bereuen werdet, getroffen zu haben.

+Carlo Maria Viganò 19. Oktober 2018
Titularerzbischof von Ulpiana Festtag der
Apostolischer Nuntius Nordamerikanischen Märtyrer
(CNA Deutsch)

Von Peking zum Petersplatz: Wer sind die chinesischen Bischöfe bei der Jugendsynode?

VATIKANSTADT – Bischof Joseph Guo Jincai ist zwar zum ersten Mal bei einer Bischofssynode. Doch Erfahrung hat der anderswo gesammelt: Er diente über drei Amtszeiten als Stellvertreter beim National Volkskongress (NVK) in Peking.

Als Abgeordneter des von der Kommunistischen Partei beherrschten NVK unterstützte Bischof Guo öffentlich einen Änderungsantrag zur Abschaffung der Amtszeitbegrenzung des Präsidenten Xi Jinping. Und der Oberhirte stimmte der Verankerung des „Gedankenguts über Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften für eine Neue Ära“ von Xi Jinping in der chinesischen Fassung im März 2018 zu.

Wenige Wochen nach der Aufhebung seiner Exkommunikation durch den Vatikan, im Rahmen einer als „vorläufig“ bezeichneten Vereinbarung zwischen China und dem Heiligen Stuhl, erregte Bischof Guo in Rom Aufmerksamkeit: Er war einer der ersten chinesischen Bischöfe, der jemals an einer kirchlichen Synode teilnahm, zusammen mit seinem Amtsbruder Bischof Yang Xiaoting des Bistums Yan’an (Provinz Shaanxi).

Papst Franziskus eröffnete die Synode mit einem Gruß an die beiden chinesischen Teilnehmer und sagte wörtlich, dass „die Gemeinschaft des gesamten Episkopats mit dem Nachfolger Petri durch ihre Anwesenheit noch sichtbarer wird“.

Die beiden chinesischen Bischöfe nahmen an der Synode über „Jugend, den Glauben und die Berufungsentscheidung“ teil – bis sie am 15. Oktober plötzlich abreisten – ohne Angabe von Gründen.

In der Volksrepublik China stehen junge Menschen vor ganz besonderen Herausforderungen, was die Ausübung ihrer Religion betrifft.

Kinder dürfen Kirchen nicht betreten

So ist es beispielsweise aufgrund einer Änderung der religiösen Aufsicht der chinesischen Regierung Anfang dieses Jahres für alle unter 18-Jährigen verboten, eine Kirche oder ein religiöses Gebäude auch zu betreten.

Bischof Guo sagte den chinesischen Staatsmedien, dass er keinen Konflikt zwischen seiner Rolle als Volkskongress-Abgeordneter und Bischof sehe.

„Meine Rolle als Abgeordneter wird und kann meinen Gottesdienst nicht beeinträchtigen, da China das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat umsetzt“, behauptete Guo wörtlich gegenüber der vom Staat geförderten Zeitung „Global Times“ im März 2018.

Die „Global Times“ berichtete weiter, dass Guo sagte, Katholiken müssten sich an die sozialistische Gesellschaft anpassen, um in China zu überleben und sich zu entwickeln, und eine grundlegende Voraussetzung dafür sei, dass dies „patriotisch“ sei.

Solche Aussagen spiegeln wider, was Präsident Xi Jinping sagt. Der lebenslange Machthaber der Volksrepublik fordert, dass jede Religion in China sich „sinisieren“ („Chinesisch machen“) müsse. Im Jahr 2016 sagte Xi dem Vorsitz der Kommunistischen Partei, dass man sich „entschlossen“ gegen Unterwanderungsversuche aus dem Ausland schützen müsse.

Seit Jahrzehnten sind Chinas 12 Millionen Katholiken gespalten zwischen einer im Untergrund existierenden katholischen Kirche in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl, die immer wieder von der Regierung verfolgt wird, und der staatlich kontrollierten, chinesischen patriotischen katholischen Vereinigung, deren Bischöfe von der kommunistischen Regierung ernannt und manchmal ohne Zustimmung des Papstes geweiht werden.

Bischof Guo ist Generalsekretär der „Bischofskonferenz der Katholischen Kirche in China“ (BCCCC). Bischof Yang, der andere chinesische Synodendelegierte, ist deren Vizepräsident.

Diese chinesische „Bischofskonferenz“ wurde im Brief von Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in China 2007 als unrechtmäßig eingestuft, weil sie „durch Gesetze geregelt wird, die Elemente enthalten, die mit der katholischen Lehre unvereinbar sind“. Es ist unklar, ob das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und China vom 22. September die Bischofskonferenz der chinesischen Regierung als legitim anerkannt hat, oder nur deren – bis vor kurzem exkommunizierten – Vertreter.

Vatikan-Sprecher Greg Burke sagte, das Ziel des September-Abkommens sei „nicht politisch, sondern pastoral“. Es würde Gläubigen ermöglichen, „Bischöfe zu haben, die in Gemeinschaft mit Rom, aber gleichzeitig von den chinesischen Behörden anerkannt sind“, so Burke.

Bevor die beiden chinesischen Bischöfe die Synode am frühen 15. Oktober ohne Erklärung verließen, hatten sie die Gelegenheit, sich mit Papst Franziskus zu treffen und ihn zu einem Besuch nach China einzuladen.

Guo und Yang wohnten im „Gästehaus“ Santa Marta, wo „wir im Alltag mit dem Papst zusammenleben konnten“, so Bischof Guo in einem am 16. Oktober veröffentlichten Interview mit „Avvenire“, der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz.

„Wir konnten in Vertrautheit miteinander sprechen, als Kinder mit ihrem Vater. Er sagte uns, dass er uns liebt, unser Land liebt und immer viel zu den Christen in China betet“, fuhr Guo fort. (CNA Deutsch)

Papst Franziskus nimmt Rücktritt von Kardinal Donald Wuerl an

WASHINGTON, D.C. – Papst Franziskus hat am heutigen Freitag den Rücktritt Kardinal Donald Wuerl angenommen.

Bis ein neuer Erzbischof von Washington, DC ernannt ist, bleibt Wuerl kommissarisch im Amt als Apostolischer Administrator.

In einem heute CNA zugespielten Brief an Wuerl, schreibt Papst Franziskus dem Kardinal, sein Verzicht sei ein Zeichen der Verfügbarkeit und Fügsamkeit Wuerls „gegenüber dem Geist, der weiterhin in seiner Kirche handelt.“

Der heute 77 Jahre alte Wuerl hatte seinen Rücktritt – wie kirchenrechtlich vorgeschrieben – ursprünglich am 12. November 2015 mit Erreichen seines 75. Lebensjahres eingereicht.

Papst Franziskus erwähnte am heutigen Freitag, dass er am 21. September auch eine Anfrage von Wuerl mit der Bitte um Annahme des Rücktritts erhalten habe.

Wuerl war im Zuge des Falles McCarrick in den vergangenen Monaten massiv unter Druck geraten, wie CNA Deutsch berichtete – bis hin zu Demonstrationen von Katholiken vor seiner Residenz.

Im Brief vom 12. Oktober, in dem er den Rücktritt Wuerls annahm, verteidigt Franziskus den Kardinal gegen die teilweise scharfe Kritik, der er in den letzten Monaten ausgesetzt war.

„Du hast genügend Elemente, um deine Handlungen zu ‚rechtfertigen‘ und zu unterscheiden, was es bedeutet, Verbrechen zu vertuschen oder Probleme nicht zu lösen und einige Fehler zu machen.“

„Du hättest genügend Möglichkeiten, Dein Handeln zu ‚rechtfertigen‘ und dazwischen zu unterscheiden, was der Unterschied zwischen der Vertuschung von Verbrechen ist oder nicht mit einem Problem umzugehen, und einige Fehler zu machen“, so Franziskus.

Weil Wuerl jedoch „vornehm“ sei, habe er sich dazu entschieden, sich nicht so zu verteidigen, fährt der Papst fort und betont: „Darauf bin ich stolz und danke dir.“

„Dein Verzicht ist ein Zeichen deiner Verfügbarkeit und Fügsamkeit gegenüber dem Geist, der weiterhin in seiner Kirche handelt“

In einer Erklärung vom 12. Oktober schrieb Wuerl, dass „die Entscheidung des Heiligen Vaters, der Erzdiözese eine neue Leitung zu übertragen, es allen Gläubigen, Geistlichen, Ordensleuten und Laien ermöglichen kann, sich auf die Heilung und die Zukunft zu konzentrieren. Es erlaubt dieser Ortsgemeinde, voranzukommen.“

Wuerl weiter: „Noch einmal entschuldige ich mich für alle Fehler in der Vergangenheit und bitte um Verzeihung. Mein Rücktritt ist ein Weg, um meine große und beständige Liebe zu euch, den Menschen der Kirche in Washington, auszudrücken.“

Wieviel der nun zurückgetretene über den Fall McCarrick wirklich wußte – der mutmaßliche Kinderschänder und Sextäter McCarrick war Vorgänger Wuerls als Erzbischof von Washington – ist nach wie vor unklar.

Der Mitte August veröffentlichte Untersuchungsbericht der Pennsylvania Grand Jury, der tausendfachen Missbrauch durch hunderte Geistliche dokumentierte, nannte Donald Wuerl über 200mal namentlich.

In einem Brief vom 11. September an Priester seiner Erzdiözese sagte Wuerl, dass er sich bald mit dem Papst treffen werde, um seine Zukunft zu besprechen, erklärte aber nicht sofort, dass er den Papst bitten werde, seinen Rücktritt anzunehmen. Ein Sprecher von Wuerl bestätigte gegenüber CNA am 12. September, dass der Kardinal beabsichtigte, Papst Franziskus formell zu bitten, ihn zur Annahme des Rücktritts zu bewegen.

Es wird allgemein angenommen, dass Wuerl hoffte, zumindest bis zur Herbsttagung der US-Bischofskonferenz im November in seiner Position zu bleiben. Diese Sitzung wird sich voraussichtlich auf die durch sexuelle Gewalt, Missbrauch und Vertuschung ausgelöste Kirchenkrise konzentrieren, und Wuerl sollte eine aktive Rolle spielen.

Als Apostolischer Administrator wird Wuerl weiterhin die täglichen Aktivitäten der Erzdiözese leiten, darf aber keine größeren Änderungen vornehmen.

Hannah Brockhaus und Courtney Grogan trugen zur Berichterstattung bei. (CNA Deutsch)

Forderung aus Kanada: Aktive Sterbehilfe für Kinder, selbst wenn Eltern dagegen sind

Kanadische Kinderärzte bezeichnen Euthanasie als „medizinische Behandlung wie jede andere auch“.

OTTAWA / WIEN – Eine Gruppe kanadischer Bioethiker und Kinderärzte fordert: Auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten in Kanada aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen – selbst wenn die Eltern damit nicht einverstanden sind.

Das berichtet das Wiener Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) in der neuen „Bioethik Aktuell„.

Bei der aktiven Sterbehilfe, so die Euthanasie-Befürworter, handle es sich um eine „medizinische Behandlung“, über die der Arzt informieren sollte wie über jede andere Möglichkeit der Behandlung auch.

Die Autoren veröffentlichten dazu eine Beitrag im „Journal of Medical Ethics“, demzufolge die Tötung auf Verlangen im Falle eines „selbstbestimmten Wunsches“ der Minderjährigen auch ohne Wissen oder Zustimmung der Eltern möglich sein sollte Voraussetzung dafür: Die Kinder sollten zurechnungsfähig sein und keine Beratung mit den Eltern wünschen.

Auch sollte das „soziale Stigma“, mit dem Kinder-Euthanasie noch behaftet ist, beseitigt werden, so die Ethiker laut „IMABE“.

Die Autoren des Beitrags behaupten, dass Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe („Medical Assistance in Dying“, MAID) Teil eines „Kontinuums“ der Palliativpflege sei. Man dürfe eine Person nicht „dazu zwingen, trotz unerträglichen und unheilbaren Leidens zu leben“.

Im Juni 2016 wurde in Kanada das sog. MAID-Gesetz verabschiedet, mit dem sowohl aktive Sterbehilfe als auch assistierter Suizid landesweit erlaubt wurden. Das Gesetz ist umstritten und die Kontroverse hält an. Manchen ging das Gesetz nicht weit genug, sie forderten analog zur Sterbehilfe-Regelung in Belgien auch die Möglichkeit der Tötung auf Verlangen für „reife Minderjährige“ und Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Die Regierung hat den Rat der kanadischen Akademien gebeten, diesbezüglich bis Ende 2018 Stellung zu beziehen.

Widerspruch und Kritik

Heftige Kritik kommt von der kanadischen Ärztevereinigung Physicians‘ Alliance against Euthanasia, der mehr als 1.100 kanadische Ärzte angehören. Es sei „keine Aufgabe von Ärzten zu töten“, so die Allianz in einer Pressemitteilung.

Der internationale Dachverband der Ärztekammern solle offiziell eine „neutrale Position“ gegenüber Euthanasie und ärztlicher Beihilfe zum Suizid einnehmen, so die Forderung der beiden Ärztekammern laut „IMABE“.

„Als kanadische Ärzte möchten wir betonen, dass die Position der CMA weder unsere Ansichten noch unsere Erfahrung widerspiegelt und wir eine neutrale Haltung als unlogisch und nicht vertretbar erachten“, betont Catherine Ferrier, Präsidentin der Physicians‘ Alliance against Euthanasia.

Weltweit ist es Ärzten in nur sechs von 200 Ländern (3 Prozent) gestattet, den Tod ihrer Patienten direkt herbeizuführen, die große Mehrheit nationaler Ärzteverbände spricht sich klar dagegen aus. (CNA Deutsch)

Nordkoreas Kim Jong-un lädt Papst Franziskus ein (UPDATE)

SEOUL – Auf Vorschlag des südkoreanischen Präsidenten lädt der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un Papst Franziskus zu einem Besuch ein.

Das berichtet die „Korea Times„, eine englischsprachige Schwesterzeitung der großen südkoreanischen Tageszeitung „Hankook Ilbo“.

In einem Briefing sagte ein Sprecher, dass die Einladung an den Papst übermittelt werde, wenn der südkoreanische Präsident Moon Jae-in – der selber katholisch ist – am 18. Oktober den Vatikan besucht, und dort auch Papst Franziskus trifft.

Das Treffen des Ponitfex mit dem Präsidenten Südkoreas hat der Vatikan am heutigen 9. Oktober bestätigt.

Die „Korea Times“ zitiert den Sprecher aus Seoul weiter: „Präsident Moon schlug vor, dass der Vorsitzende Kim den Papst trifft und wies darauf hin, dass er sehr am Frieden auf der koreanischen Halbinsel interessiert ist.“

Kim Jon-un habe versprochen, „den Papst herzlich willkommen zu heißen, wenn er Pjöngjang besucht.“

Es steht noch nicht fest, ob der Papst die Einladung von Kim annehmen wird. Der Papst, der Südkorea 2014 besuchte, betete vor dem Gipfel zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump am 12. Juni für den Frieden.

Hintergrund: Kirche in Korea

Während der Katholizismus in Südkorea seit Jahrzehnten wächst, und Ende 2017 rund sechs Millionen Gläubige (11 Prozent der Bevölkerung) zählte, um die sich 5.360 Priester in 1.734 Pfarreien kümmern, ist die Lage im Norden der Halbinsel eine andere.

Die kommunistische Diktatur Nordkoreas steht seit Jahren auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex (WVI) des christlichen Hilfswerks „Open Doors“. In der „Demokratischen Volksrepublik“ leben etwa 300.000 Christen. Die Gesamtbevölkerung liegt bei 25,4 Millionen Menschen.

Der totalitäre Polizeistaat überwacht die Christen des Landes auf Schritt und Tritt und zwingt sie, die Herrscherfamilie anzubeten, so Beobachter. Beten ist nur im Privatbereich möglich. Zwischen 50.000 und 75.000 Christen werden unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen in Straflagern festgehalten.

Dennoch breitet sich auch dort Nordkoreanern zufolge das Christentum aus, wie CNA Deutsch berichtete.

Letzte Aktualisierung am 9. Oktober, 11:47 Uhr (CNA Deutsch)

Wer in Schottland provokativ die Flagge des Vatikans hisst, könnte eine Straftat begehen

EDINBURGH – Wer in Schottland die Flagge des Vatikans „provokativ zeigt oder hisst“, könnte ein Verbrechen begehen. Das betont die schottische Polizei.

Anti-Katholische Straftaten haben im Land der Schottischen Reformation zugenommen, deren protestantischen Konfessionen sich im 16. Jahrhundert von der katholischen Kirche abspalteten.

Hintergrund gewalttätiger Straftaten ist häufig die Gewalt von Fußball-Hooligans.

„Es wäre sehr beunruhigend, wenn die vatikanische Flagge unter irgendwelchen Umständen als beleidigend angesehen würde“, sagte ein Kirchensprecher gegenüber der Zeitung „Scottish Catholic Observer“.

Der Herald ist im Besitz polizeilicher Unterlagen, auf denen Symbole und Flaggen gezeigt werden, deren „provokative“ Verwendung ein Verbrechen sein könnte.

„Während die Anzeige der folgenden Flaggen an sich kein Vergehen ist, stellt das Hissen, provokative Zeigen oder Änderungen der Flagge eine Verletzung des Friedens des Common Law oder eine Straftat gemäß Abschnitt 38 des Criminal Justice and Licensing (Scotland) Act 2000 dar“, heißt es im Polizeidokument.

Zu den Flaggen, die als potenziell problematisch bezeichnet werden, gehören der Vatikan, Israel, Irland, Palästina, Katalonien und das Baskenland.

„Ungeachtet dessen kann der Besitz dieser Fahnen innerhalb eines Fußballplatzes einen Verstoß gegen die Bodenordnung darstellen.“

Hauptkommissar John McKenzie sagte, dass „oft Flaggen selbst nicht das Problem sind, sondern das kriminelle Verhalten, das damit verbunden wird: Drohgebärden etwa, oder die Unterstützung für eine verbotene terroristische Vereinigung oder Änderungen der Flagge, die ein Hassverbrechen darstellen“.

Und ein Sprecher der schottischen Regierung betonte: „Es ist kein Vergehen, die Flagge des Vatikans oder eines anderen Landes zu zeigen.“

Eine Umfrage unter Katholiken in Schottland im April 2018 ergab, dass 20 Prozent persönliche Vorfälle erlebt haben, in denen Vorurteile gegen ihren Glauben geäußert wurden; und ein Regierungsbericht über religiös motivierte Verbrechen in den Jahren 2016 und 2017 ergab, dass Glasgow ein Brennpunkt sektiererischer Gewalt war. (CNA Deutsch)

Keine Aussage in Missbrauchsermittlung: Kardinal Ezzati schweigt

SANTIAGO DE CHILE – Er übt sein Recht aus, gegenüber der Staatsanwaltschaft die Aussage zu verweigern: Kardinal Ricardo Ezzati von Santiago hat mitgeteilt, dass er sich nicht dem Verhör staatlicher Behörden stellt, die in einem Missbrauchs- und Vertuschungsfall ermitteln.

Ezzati sollte offenbar über seinen ehemaligen Erzdiözesankanzler aussagen: Pater Oscar Munoz Toledo wurde am 12. Juli wegen des Verdachts sexueller Misshandlung von sieben Minderjährigen festgenommen.

Munoz hat bereits zugegeben, eine Minderjährige sexuell missbraucht zu haben.

Ermittler glauben jedoch, dass die Erzdiözese von bis zu vier weiteren Opfern weiß. Kardinal Ezzati wurde einbestellt, weil Staatsanwälte seine Beteiligung an einer möglichen Vertuschung der Verbrechen von Munoz in Betracht ziehen, heißt es.

Die chilenische Polizei hat bereits mehrere Räumlichkeiten des Erzbistums durchsucht.

Ezzati sollte am 21. August bei der Staatsanwaltschaft erscheinen, aber sein Verteidigungsteam forderte mehr Zeit, um die Vorwürfe zu überprüfen, berichtete die Nachrichtenseite „Crux„.

Am 2. Oktober nahm der Kardinal an einem kurzen Treffen mit Staatsanwälten teil, lehnte jedoch ab, Fragen zu beantworten: „Auf Empfehlung meiner Anwälte und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sie die endgültige Zurückweisung dieses Falles beantragt haben“, so Ezzati in einer Mitteilung der Erzdiözese vom 3. Oktober.

Deshalb werde er vorerst von seinem Recht Gebrauch machen, zu schweigen – „bis die zuständigen Gerichte eine Entscheidung über den Antrag auf endgültige Zurückweisung erlassen“.

„Wir weichen dem nicht aus“, so der Anwalt Ezzatis zu Reportern.

„Vorerst wird der Kardinal keine Erklärung abgeben, bis wir den Antrag auf Entlassung (der Anklage) mit der Staatsanwaltschaft besprechen… Wir werden alles in der Öffentlichkeit, vor Gericht, besprechen, weil wir nichts zu verbergen haben.“

Munoz wird verdächtigt, einem Netzwerk von 14 Täterpriestern in der benachbarten Diözese Rancagua angehört zu haben, die südlich von Santiago liegt.

Die Polizei durchsuchte im Rahmen ihrer Ermittlungen auch die Büros von Bischof Alejandro Goic Karmelic und machten dabei einen wichtigen Fund: Ein Brief Goics an Ezzati aus dem Jahr 2013, in dem dieser den Kardinal scharf für seinen Umgang mit Opfern des verurteilten – und mittlerweile laisierten – Kinderschänders Pfarrer Fernando Karadima kritisierte.

(Das Verhalten eines weiteren Bischofs gegenüber Karadima, Juan Barros, war Auslöser der chilenischen Missbrauchskandale).

Bischof Goic ist der ehemalige Oberhirte von Rancagua und war Vorsitzender der chilenischen Bischofskommission zur Verhinderung von Kindesmissbrauch.

Er trat vergangenen Monat zurück, nachdem er ein Fünftel der Priester im Bistum suspendieren musste infolge Medienberichten über ein Netzwerk von Geistlichen, die Missbrauch begangen haben sollen.

Die Rede ist von 14 Tätern, mit denen auch der nun festgenommene Munoz in Verbindung gewesen sein soll.

Kardinal Ezzati bestreitet jede Beteiligung an der Vertuschung von Missbrauch. (CNA Deutsch)

Christus kam nur bis Pennsylvania

Warum die aktuelle Missbrauchskrise in den Vereinigten Staaten nicht nur Kardinäle betrifft, sondern auch den Papst in Rom.

Am 14. August präsentierte der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania den Grand Jury-Bericht über die sexuellen Vergehen katholischer Priester in sechs Diözesen über einen Zeitraum von siebzig Jahren. Kurz darauf erhob CNN, dass nur noch etwa die Hälfte aller Amerikaner den Papst positiv einschätzen, während es im Vorjahr noch zwei Drittel waren. Was war passiert?

Der Untersuchungsbericht der Grand Jury war wohl nicht das Problem, denn der John Jay College of Criminal Justice Report von 2004 hatte bereits Missbrauchsfälle in ganz Amerika von 1950 bis 2002 untersucht. Das Spektrum der Verbrechen gegen Kinder und das Fehlverhalten seitens der Bischöfe sind in Amerika seither Allgemeinwissen, von anfänglicher Naivität, über unfassbare Inkompetenz bis hin zum vorsätzlichen Vertuschen.

Aus dem John Jay Report war zu erkennen, dass die Zahl der Fälle in den späten sechziger Jahren anstieg und in den Siebzigern den Höhepunkt erreichte. In den Achtzigern nahmen die Fälle weiter stetig ab und sanken in den Neunzigern wieder auf das Niveau der fünfziger Jahre. In den Neunzigern gingen zwar die meisten Missbrauchsmeldungen ein, aber der Großteil bezog sich auf Vorfälle aus den Dekaden zuvor. Der Höhepunkt öffentlicher Entrüstung hingegen wurde viel später, im Laufe der Enthüllungen durch den Boston Globe in 2002 erreicht. Kardinal Bernard Law, der die Empfehlungen der Bischofskonferenz für einen konsequenten und transparenten Umgang mit Vorwürfen nicht befolgt hatte, trat von der Leitung der Diözese Boston zurück. Die Bischöfe Amerikas adoptieren offiziell eine „Null Toleranz“-Politik, Täter durften nicht wieder als Seelsorger eingesetzt werden, auch nicht nach einer „Behandlung“.

Der Pennsylvania Jury Report bestätigte nun einen deutlichen Rückgang von Missbrauchsfällen, seit den 2002 implementierten Leitlinien. Aus der ersten Welle der Entrüstung hatte die amerikanische Kirchenhierarchie grundsätzliches Krisenmanagement gelernt: Dass seitens der Institution nur Reue, Zerknirschung und die Bitte um Vergebung artikuliert werden kann und verzerrende Nebeneffekte der Medienkampagne nur mit respektvollem Zeitabstand und von scheinbar unbeteiligten Beobachtern analysiert werden dürfen. Dass es sich bei etwa neunzig Prozent der zitierten Fälle nicht strikt um Pädophilie, also um Übergriffe auf vorpubertäre Kinder, handelte. Dass, trotz der erschreckenden Zahlen, sexueller Missbrauch Minderjähriger beim katholischen Klerus statistisch unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt.

Obwohl die sexuellen Übergriffe katholischer Priester in den Medien am besten dokumentierten sind, haben die in der englischsprachigen Welt bekannt gewordenen Fälle von Fernsehstars, Politikern und Popsängern in der öffentlichen Meinung mittlerweile den Eindruck abgebaut, es sei vor allem der Zölibat, der die Pädophilie fördere. Die Zahlen widerlegen ohnehin den Mythos, dass zölibatäres Leben Kindesmissbrauch begünstige: pädophile Straftäter leben überwiegend in Partnerschaften.

In einem Punkt unterscheiden sich die katholischen Priester Amerikas statistisch dramatisch vom Rest der männlichen Bevölkerung: Während Männer im Allgemeinen wesentlich mehr weibliche Opfer missbrauchen, haben sich katholische Priester bisher an wesentlich mehr männlichen Opfern vergangen. Die Tatsache dass es sich bei den Missbrauchsfällen durch Priester im John Jay Report zu achtzig Prozent um homosexuelle Übergriffe auf männliche Teens handelte, beschäftigte bereits 2004 die Öffentlichkeit.

In Diskussionen um die Frage nach den Ursachen der Missbrauchskrise geht es also erneut um die Rolle von Homosexualität. Schenkt man den in katholischen Medien verbreiteten Einteilungen Glauben, dann halten „ultrakonservative Homophobe“ Homosexualität für das Hauptproblem, während Liberale wissen, dass der „Klerikalismus“ Schuld daran ist. Doch ganz so simpel lassen sich die Perspektiven nicht zuordnen, denn auch viele liberale Katholiken in den Vereinigten Staaten stimmen mit dem Soziologen Richard Snipes darin überein, dass die Zahlen es unmöglich machen, homosexuelle Neigung als Faktor in der Missbrauchskrise auszuschließen. Der leichtere Zugriff auf Jungen mag vor allem für Fälle in der Vergangenheit eine Rolle gespielt haben, aber auch in jüngerer Zeit scheint sich an der Proportion nichts geändert zu haben. Wichtig bleibt dabei, dass homosexuelle Neigung in den Fällen von genuiner Pädophilie, die fünf bis zehn Prozent der Missbrauchsfälle in den beiden Berichten ausmachen, gerade keine besondere Rolle spielt. Dass Homosexualität nicht zu Pädophilie führt, kann nicht oft genug gesagt werden, aber von einer Krise gleichgeschlechtlichen Missbrauchs an Teenagern zu sprechen, muss weder „homophob“ noch „ultrakonservativ“ sein, sondern ist zunächst einmal nur eine Artikulation der Zahlen in Worten. Dass die Pressekonferenz zum Jury Report auf dem Podium dennoch eine Gruppe überwiegend weiblicher Opfer zeigte, entging Beobachtern natürlich nicht.

Was nun aus dem Jury Report letztendlich Sprengstoff machte und eine kleine Popularitätskrise für den Papst verursachte, waren weder Enthüllungen noch Grundsatzdebatten, sondern das Timing seines Erscheinens. Erst kurz zuvor, Ende Juni, hatte die New York Times berichtet, dass es eine glaubwürdige Anschuldigung gegen Kardinal McCarrick von Washington gebe, er habe einen Minderjährigen sexuell missbraucht. Aus den Reaktionen auf diese Nachricht ging hervor, dass Kardinal McCarrick längst für seine homosexuellen Affären bekannt war und als „Uncle Ted“ ganze Reihen von Seminaristen und jungen Priestern belästigt hatte.

Diese Nachricht schlug nicht nur in der katholischen Kirche Amerikas kräftig ein, denn die Fallhöhe Kardinal McCarricks hatte sich über dessen Bischofssitz in der Hauptstadt Washington hinaus durch seine besondere Nähe zu Papst Franziskus nochmals gesteigert. Ende Juli trat McCarrick als Kardinal zurück. Anfang August löste der Papst mit der Änderung des Paragrafen zur Todesstrafe im Katechismus eine Debatte aus, die, wie vorauszusehen, vor allem Amerikas konservative Katholiken intensiv beschäftigte. Die McCarrick story schien damit gekappt.

Doch das Erscheinen des Jury Report machte auch McCarrick erneut zum Thema und Diskussionen um seine Rolle in Amerikas Kirche wurden spezifischer.

Aus manchem Kuriengeflüster war längst bekannt, dass die Kardinäle Blase Joseph Cupich und Joseph William Tobin nie auf den Listen der Bischofskongregation standen, sondern jeweils über McCarricks Empfehlung und auf direkte Anweisung des Papstes ernannt und umgehend zu Kardinälen gemacht worden waren. War dies nun endlich ein konkretes Beispiel jenes korrupten Netzwerkes, das Papst Franziskus eigentlich bekämpfen wollte?

Eine Woche später behauptete Erzbischof Carlo Maria Viganò, der ehemalige Nuntius in Amerika, Papst Franziskus habe mindestens seit 2013 gewusst, dass McCarrick serienmäßig Seminaristen belästigt habe. McCarrick sei trotzdem zum wichtigsten amerikanischen Berater des Papstes avanciert und tatsächlich für die Ernennungen von Cupich und Tobin verantwortlich gewesen.

Kardinal Cupich erklärte daraufhin, es sei nicht gut, den Vorwürfen Viganòs nachzugehen, der Papst habe von McCarricks sexuellen Übergriffen auf Seminaristen und Priester gewusst: „Der Papst hat eine wichtigere Agenda, er muss sich um andere Dinge kümmern, über die Umwelt sprechen, den Schutz der Migranten, und die Arbeit der Kirche weiter führen. Wir werden uns in dieser Sache nicht in die Ecke treiben lassen.“

Auch Kardinal Donald Wuerl, der Nachfolger McCarricks als Erzbischof von Washington, versuchte in einem Fernsehinterview mit dem englischsprachigen Vatikansprecher Thomas Rosica die Behauptungen Viganos herunterzuspielen: „Ich glaube nicht, dass wir hier eine riesige, riesige Krise haben.“

Der iranische Konvertit zum Katholizismus Sohrab Ahmari beanstandete in der New York Post, dass Kardinal Wuerl die Missbrauchskrise lediglich als Imageproblem behandele. „Barmherzigkeit“ ohne Wahrheit und Buße sei nicht mehr als Public Relations.

Wuerl hatte eine Webseite „The Wuerl Record“ einrichten lassen, die zeigen sollte, dass er keinen Missbrauch habe durchgehen lassen. Sie wurde umgehend wieder gelöscht und die Washington Post brachte unter dem Titel „Ein Blender im Kardinalshut“ detaillierte Hinweise darauf, dass der Kardinal Missbrauchstäter lediglich versetzte, einen Informanten für sein Schweigen bezahlte und einen Ring von Kinderpornos produzierenden Priestern geschützt habe.

So wurde der Jury Report zum Anlass für eine neue Diskussion über die Strukturen, Missbrauch zu verheimlichen. Das Phänomen, dass Vorgesetzte in Priesterseminaren und Diözesankurien den Nachwuchs rekrutieren und fördern, der ihre sexuellen Präferenzen teilt, ist in den Vereinigten Staaten gut dokumentiert und wird nun im Zusammenhang mit McCarrick und Wuerl offen diskutiert. Beide Kardinäle waren die Protegés homosexuell aktiver Mentoren, McCarrick wurde selbst zum Täter, Wuerl war immerhin in Missbrauchsvertuschung involviert. Die These Sipes scheint sich zu bewahrheiten, dass der Versuch, das eigene Fehlverhalten zu verbergen, zu einer Verheimlichungskultur unter sexuell aktiven Klerikern führe, in der keiner den ersten Stein werfen wolle, im Extremfall selbst dann, wenn ein Verdacht auf Vergehen gegen Minderjährigen bestehe.

Ob und wann der Papst über McCarricks homosexuelle Affären mit Seminaristen und Priestern informiert war oder sogar über die in der Diözese New York 2016 eingegangene Anklage, er habe einen Minderjährigen missbraucht, steht weiterhin offen. Der Papst erklärte, er werde darüber schweigen und umgehend zirkulierten Zitate aus seiner Predigt am Palmsonntag, als er den Jugendlichen zurief: „Ihr habt es in Euch, laut zu rufen“, während „ältere Leute, Personen in Führungspositionen, sehr oft die korrupten, lieber schweigen!“

Die Reaktionen einiger der engsten Alliierten des Papstes, wie Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, oder auch die seines englischen Biographen, des Publizisten Austin Ivereigh, waren unmusikalisch robust: Wieso die Aufregung, mit der Ausnahme der neuesten Vorwürfe sei es bei McCarrick schließlich nur um einvernehmliche Affären mit Volljährigen gegangen. „Oder habe ich hier was verpasst?“, fragte Ivereigh auf Twitter.

Ein Fingerspitzengefühl für das Empfinden der amerikanischen Öffentlichkeit fehlte hier. Vor allem seit der durch Harvey Weinsteins casting couch ausgelösten #metoo-Kampagne überzeugt das „Einvernehmen” zwischen Bischöfen und Seminaristen so wenig wie die zwischen Filmmogulen und Schauspielschülerinnen, Firmenchefs und Praktikanten.

Der Journalist und Papstbiograph Phil Lawler fasst am besten zusammen, was Amerikas Katholiken seither verunsichert: Auch wenn der Papst nichts vom 2016 erstmals erhobenen Vorwurf des Missbrauchs Minderjähriger wusste, ist es denkbar, dass der Papst homosexuelle Affären mit Seminaristen nicht als Disqualifikation für Schlüsselpositionen in der Kirche hält?

Präzedenzfälle, meint Lawler, zeigen, dass diese Frage mit ja beantwortet werden muss, denn der Papst ernannte auch den von Skandalen geplagten Prälaten Battista Ricca zu seinem Vertrauensmann beim vatikanischen Geldinstitut IOR. Der meistzitierte Satz des Pontifikates, „Wer bin ich, darüber zu urteilen?“, fiel in der Antwort des Papstes auf die Journalistenfrage bei einer „fliegenden Pressekonferenz, ob Riccas homosexuelle Affären ihn nicht ungeeignet machten. Der Papst betonte damals, dass er die Grenze dort ziehe, wo es um Kriminalität gehe, denn Missbrauch von Kindern sei ein Verbrechen.

„Kann es sein, dass der Vikar Christi auf Erden einem Kardinal, der Seminaristen verführte, nicht nur verzeiht. sondern auch als vertrauten Berater zu Rate zieht?“ Lawler meint, es gebe keinen Grund, diese Vermutung zurückzuweisen. Auch im Fall des belgischen Kardinals Danneels, der einen befreundeten Missbrauchstäter schützte, schien der Papst das nicht weiter übel zu nehmen und berief ihn zur Familiensynode.

Außer Zweifel steht, dass der von Papst Benedikt marginalisierte McCarrick im Pontifikat von Franziskus zum einflussreichsten amerikanischen Kirchenmann wurde. Noch 2016 reiste er als inoffizieller Mittelsmann nach China, er setzte sich in US-Medien für einen Kompromiss mit der chinesischen Regierung ein, der mittlerweile trotz erneuter Repressalien gegen Katholiken in China zustande gekommen ist. Als Patenonkel des gerade unterzeichneten China-Deals bereitete er den Weg für die Legitimierung regierungsnaher Bischöfe, die wegen ihres Lebenswandels bisher nicht als geeignete Hirten galten. Dass er bei seinen Besuchen in Priesterseminaren der offiziellen Kirche abstieg, verleiht dem China-Abkommen im Blick auf die Vorwürfe gegen McCarrick eine peinliche Fußnote.

Die alte Regel, private Sünden nicht publik zu machen, solange kein Verbrechen vorliegt, war bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar, doch in der Diskussion um Kindesmissbrauch verschiebt sich die Gewichtung der Kriterien. Dass kompromittierte Bischöfe weniger bereit sind, Missbrauch aufzudecken, ist kein irrationaler Verdacht, sondern geht aus den Erfahrungen der Vergangenheit hervor. Generationen systemischer Korruption haben hier unermesslichen Schaden angerichtet, und es ist unmöglich zu leugnen, dass Homosexualität dabei eine Rolle spielte. Nicht wegen einer Fixierung auf sexuelle Orientierung, sondern um der Opfer dieser Korruption willen sind die privaten Sünden des Kardinal McCarrick nun von Interesse.

Die Vermutung des in den Vereinigten Staaten lebenden Publizisten Andrew Sullivans, dass es die Unterdrückung von Homosexualität sei, die im katholischen Milieu zu Missbrauch führe, beruht auf einem hydraulischen Modell der Sexualität, das in der Freudschen Folklore seinen Platz hat, wissenschaftlich allerdings schwer zu belegen ist. Sullivan selbst ist bekennender Katholik und lebt in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft. Kernpunkt seiner persönlichen Reaktion auf die Missbrauchsskandale ist die Annahme, dass keiner dieser Priester, die sich wiederholt an Kindern oder Minderjährigen vergehen, an das Evangelium glaube. Das gleiche gelte vermutlich für Bischöfe, die solche Männer schützen. Und damit setzt Sullivan alles auf eine Karte: Die Missbrauchskrise sei im Grunde eine Glaubenskrise.

Richtig ist sicher, dass der, der an Christus und seine Kirche und damit an die Heiligkeit und Wirksamkeit der Sakramente glaubt, im Krisenfall oft und aufrichtig beichtet und damit dauerhaft kein moralisches Doppelleben führen wird. Mit Zynismus und Heuchelei können wir dem Leib Christi, der Kirche, Wunden zufügen, die sie bis zur Unkenntlichkeit entstellen. Nur wer glaubt, kann sich dann noch sicher sein, dass es dennoch Christus ist, der seine Kirche nicht verlassen wird, bis ans Ende der Tage.

Zuerst erschienen im VATICAN-Magazin, Ausgabe 10 / 2018. Veröffentlicht bei CNA Deutsch mit freundlicher Genehmigung. (CNA Deutsch)

Kardinal Schönborn: Vielleicht weihe ich eines Tages auch Frauen als Diakone

 

WIEN – Kardinal Christoph Schönborn hat am heutigen Samstag im Stephansdom über die Weihe von Frauen zu Diakonen gesprochen. „Grundsätzlich ist alles offen“, so der Erzbischof von Wien wörtlich laut der österreichischen Agentur „Kathpress„.

Schönborn habe beim Abschlusstag der Diözesanversammlung zur spirituellen Erneuerung als Basis für die Reformbemühungen aufgerufen: „Wenn die Liebe zu Gott wächst, dann wächst eine Gemeinde, dann ist sie stark und lebendig“, so der Vorsitzender Österreichischen Bischofskonferenz.

Der Kardinal berichtete, vor wenigen Tagen 14 Männer zu Ständigen Diakonen geweiht zu haben.

„Vielleicht eines Tages auch Frauen als Diakone“, fügte Schönborn unter großem Applaus der 1700 Delegierten der Diözesanversammlung hinzu, meldet „Kathpress“, und weiter: Es habe Diakoninnen in der Kirche gegeben, in manchen Ostkirchen bis heute, erinnerte Schönborn. „Grundsätzlich ist das offen.“

Auch Papst Franziskus hat oft über die Bedeutung der Rolle der Frau in der Gesellschaft gesprochen und 2016 eine neue Kommission eingesetzt, um die Möglichkeit zu untersuchen, Frauen als Diakone zu weihen.

Erzbischof Luis Ladaria, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, wurde zum Präsidenten einer aus 12 Mitgliedern – 6 Männern und 6 Frauen – bestehenden Kommission ernannt, darunter Karl-Heinz Menke und Marianne Schlosser.

Deren Abschlussbericht wurde Quellen zufolge bereits im April entworfen, wie CNA Deutsch berichtete. Ob er dem Papst bereits vorgelegt wurde, ist unbekannt.

Bericht der Internationalen Kommission

Die Frage eines Diakonats der Frau wurde in der jüngsten Vergangenheit diskutiert: Ein Bericht der Internationalen Theologischen Kommission von 2002 mit dem Titel „Der Diakonat: Entwicklungen und Perspektiven“ widmete der Rolle weiblicher Diakone in der frühen Kirche ein ganzes Kapitel über den „Dienst der Diakonissen“.

Im Hinblick auf die Weihe von Frauen zum Diakonat wird im Bericht betont, dass „Diakonissen“ in der frühen Kirche des Westens kein Weihe-Amt ausübten. Eine Quelle aus dem 10. Jahrhunderts wird zitiert mit den Worten:

„Früher wurden auch Diakonissen geweiht; sie hatten die Aufgabe, sich der erwachsenen Frauen anzunehmen, damit sie sich nicht vor dem Bischof ausziehen mussten. Aber als der Glaube sich ausbreitete und entschieden wurde, Kindern die Taufe zu spenden, erübrigte sich diese Aufgabe.“

Der Bericht der Internationalen Kommission schreibt auch:

„Im Mittelalter haben Nonnen in Krankenhäusern und als Lehrerinnen faktisch die Aufgaben der Diakonie erfüllt, ohne allerdings zu diesem Dienst geweiht zu werden. Der Titel, dem kein Dienst mehr entspricht, wird Frauen gegeben, die zu Witwen oder Äbtissinnen eingesetzt werden. Bis zum 13. Jahrhundert werden Äbtissinnen manchmal Diakonissen genannt.“

(CNA Deutsch)

Kirchenkrise: Kardinal bittet, auch auf die treuen Priester zu schauen

ROM – Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), Kardinal Gualtiero Bassetti, hat Katholiken aufgefordert, nicht nur auf die weltweite Plage des sexuellen Missbrauchs und dessen systematische Vertuschung zu schauen, sondern auch auf „die große Menge treuer und armer Priester, die die Menschen lieben.“

Der Kardinal sagte dies in einem Interview mit dem Sender „TV2000“.

„Es sind schreckliche Dinge geschehen, aber es gibt auch eine Menge treuer Priester, die die Menschen lieben.“

Kardinal Bassetti beklagte in diesem Gespräch vom 23. September auch den Skandal des vertuschten und verschwiegenen Missbrauchs durch Bischöfe, Priester und andere.

„Das Evangelium sagt, dass es gut ist, dass es Skandale gibt, insofern sie die Wahrheit ans Licht bringen; denn der größte Skandal wäre, die Wahrheit zu verschleiern“ mahnte er.

Der Vorsitzende der CEI erklärte weiter, dass „es in der Kirche immer Skandale gegeben hat; sicher, heute werden sie durch die Kommunikationsmittel offenbart, die früher in ihrer Härte weniger effektiv waren. Es sind wirklich schreckliche Dinge geschehen, die erschaudern lassen. Angesichts all dessen, sprechen wir unser Urteil aus, so wie es der Herr aussprechen würde.“

Trotzdem – sagte er den Katholiken – müsse man „zusammen mit dieser Plage in der Kirche auch auf die Menge an treuen und armen Priestern blicken, die die Leute lieben.“

„Als ich mit den anderen Bischöfen aus den europäischen Bischofskonferenzen gesprochen habe, sagte man mir: ‚Eure Kirche [in Italien, Anm.d.R.] ist immer noch eine Volkskirche, denn die Priester sind bei den Leuten und mögen die Leute“.

Gerade diese positiven Aspekten der Kirche sollten aber auch genutzt werden, und die Krise selbst verdammt werden. „Ich verurteile den Skandal, nicht die Person. Die Person wird einst vor Gott selbst stehen“, so der Kardinal. (CNA Deutsch)