US-Bischöfe bitten Vatikan, den McCarrick-Skandal und weitere Fälle formal zu untersuchen

Apostolische Visitation soll auch weitere Zusammenhänge von Missbrauch, Vertuschung klären und Kriterien für den Umgang mit Bischöfen erarbeiten helfen.

WASHINGTON, D.C. – Die US-Bischofskonferenz möchte, dass der Vatikan die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs und Vertuschung gegen Erzbischof Theodore McCarrick untersucht und neue Verfahren zur Meldung von Missbrauch sowie eine stärkere Einbeziehung von Laien bei der Bearbeitung von Missbrauchsfällen erarbeiten hilft.

„Wir befinden uns in einer geistlichen Krise, die nicht nur eine geistliche Bekehrung erfordert, sondern auch praktische Veränderungen, um die Sünden und Misserfolge der Vergangenheit zu vermeiden, die im jüngsten Bericht so offensichtlich sind“, sagte Kardinal Daniel DiNardo von Galveston-Houston, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, in einer Erklärung am 16. August.

Transparenz und Rechenschaftspflicht

„Stärkere Schutzmaßnahmen gegen Täter in der Kirche und jeden, der deren Verbrechen vertuschen würde“, sagte DiNardo.

Der Vorsitzende weiter: Es gehe um Schutzmaßnahmen, „die Bischöfe zu höchsten Standards der Transparenz und Rechenschaftspflicht verpflichten“.

Die Bischöfe laden den Vatikan formal zu einer offiziellen Apostolischen Visitation in den Vereinigten Staaten ein, um Fragen rund um Erzbischof McCarrick zu klären, in Absprache mit den Laien des Nationalen Prüfungsausschusses, betonte DiNardo.

In er Vergangenheit hätten die US-amerikanischen Bischöfe nicht „klargestellt, welchen Weg die Opfer selbst einschlagen sollten, wenn sie Missbrauch oder anderes sexuelles Fehlverhalten durch Bischöfe melden“, räumte DiNardo ein, der die Entwicklung von „zuverlässigen Mechanismen zur Berichterstattung durch Dritte“ forderte.

Zu den Zielen der Bischöfe gehöre es, die kirchenrechtlichen Verfahren für Beschwerden gegen Bischöfe „schneller, gerechter und transparenter“ zu gestalten und „festzulegen, welche Auflagen den Bischöfen in jeder Phase dieses Prozesses gemacht werden können“.

Kriterien für Umgang mit Bischöfen

DiNardo skizzierte drei Kriterien für den Umgang der Bischöfe mit vergangenem und zukünftigem Missbrauch: Unabhängigkeit von Voreingenommenheit oder unzulässiger Einflussnahme durch einen Bischof, substanzielle Beteiligung der Laien und Respekt vor der eigenen Autorität in der Kirche.

„Weil nur der Papst befugt ist, Bischöfe zu disziplinieren oder zu entfernen, werden wir sicherstellen, dass unsere Maßnahmen diese Autorität respektieren und die Schwachen vor dem Missbrauch der kirchlichen Macht schützen“, fügte die Erklärung hinzu.

Laien mit Fachkenntnissen in den Bereichen Strafverfolgung, Psychologie, Investigation und anderen relevanten Disziplinen sollen ebenfalls einbezogen werden.

In einer Sitzung Anfang dieser Woche skizzierte das Exekutivkomitee der US-Bischöfe „diese notwendigen Änderungen“ und sagte, dass sie ihre Ziele dem Vatikan und allen US-Bischöfen während der Herbsttagung der USCCB im November vorstellen werden.

DiNardo beendete die Erklärung der Bischöfe mit einer Entschuldigung:

„Ich entschuldige mich und bitte Sie demütig um Vergebung für das, was mein Bruder Bischöfe und ich getan haben und nicht getan haben. Was auch immer sich in Bezug auf Erzbischof McCarrick oder die vielen Missbräuche in Pennsylvania (oder anderswo) herausstellen mag: Wir wissen bereits, dass eine der Hauptursachen das Scheitern der bischöflichen Führung ist. Das Ergebnis war, dass viele geliebte Kinder Gottes zumindest einem Machtmissbrauch ausgesetzt wurden. Das ist eine moralische Katastrophe. Es ist auch Teil dieser Katastrophe, dass so viele treue Priester, die nach Heiligkeit streben und mit Integrität dienen, von diesem Scheitern befleckt werden.“

DiNardo weiter: „Wir sind fest entschlossen, es mit Hilfe der Gnade Gottes niemals zu wiederholen. Ich mache mir keine Illusionen darüber, wie sehr das Vertrauen in die Bischöfe durch diese vergangenen Sünden und Misserfolge beschädigt wurde. Es braucht Arbeit, um dieses Vertrauen wiederherzustellen. Was ich hier skizziert habe, ist nur der Anfang; weitere Schritte werden folgen.“

Übersetzt und redigiert aus dem Englischen von AC Wimmer. (CNA Deutsch)

Kardinal Burke: Wir befinden uns in einer schweren Krise, die das Herz der Kirche trifft

WASHINGTON, D.C. – Kardinal Raymond Burke hat gesagt, dass sich die katholische Kirche aufgrund des „schweren Versagens“ einiger Bischöfe in einer „sehr schweren Krise“ befindet.

Die Skandale um sexuellen Missbrauch und Vertuschung durch Priester und Bischöfe sind „ein schwerer Vertrauensverlust in unsere Hirten“, so Burke weiter.

„Wir befinden uns in einer sehr schweren Krise, die das Herz der Kirche trifft, denn Unser Lieber Herrgott handelt im Namen der Herde durch jene Hirten, die dazu bestimmt sind, in Seiner Person zu handeln, zu lehren, die Sakramente zu feiern und die Kirche zu leiten“, sagte Burke in einem Interview mit Raymond Arroyo in der EWTN-Sendung „World Over“ am 16. August.

Kardinal Burke, 70, ist unter anderem emeritierter Präfekt der Apostolischen Signatur und kehrte kürzlich nach einem fast einmonatigen Besuch in den Vereinigten Staaten nach Rom zurück. Er habe „noch nie so viel Wut, so viel Enttäuschung, so viel Frustration von guten, katholischen Gläubigen“ gehört wie während dieses Besuchs in den USA, so Burke.

„Wir haben es hier mit schwersten Sünden zu tun. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit darauf lenken und das tun, was für alle Beteiligten gerecht ist.“

Der Kirchenrechtler und Kardinal betonte: „Für den Bischof, der in diesem Bereich schmerzlich versagt hat, sind die Strafrechtsmittel der Kirche auch Sühnemittel für sein Wohl“. Als Hirte sei das Wohl der Herde seine Verantwortung.

Burke weiter: „Dass ein Bischof die Herde ausnutzt und Todsünden begeht: Das ist einfach inakzeptabel und muss aufhören“.

Der einzige Weg, wie dieses Vertrauen wiederhergestellt werden kann, sei „der ganzen Sache auf den Grund zu gehen und für die Zukunft sicherzustellen, dass dies nicht geschieht“, unterstrich Burke: „Dies fällt in die Verantwortung des Heiligen Vaters“.

Rolle des Papstes

Dem Papst sei aufgetragen, Anschuldigungen gegen einen Bischof entgegenzunehmen und diese zu untersuchen, betonte er. Dafür sei nicht die Bischofskonferenz verantwortlich, so der Kardinal.

Der Kanoniker erinnerte daran, dass im Kirchenrecht seit Jahrhunderten bereits Instrumente für den Umgang mit diesen Fällen zur Verfügung stünden.

Das Problem? „Sie sind einfach, besonders in jüngster Zeit, nicht bekannt und wurden nicht befolgt“, so Burke.

„Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten befindet sich möglicherweise in einer der schlimmsten Krisen, die sie je erlebt hat“, sagte Burke. „Es muss anerkannt werden, und es muss in einer gründlichen Weise damit umgegangen werden, die dem moralischen Gesetz der Kirche, der Kirche selbst und dem Amt der Bischöfe treu ist.“

Burke sagte auch, daß der Untersuchungsbericht der Grand Jury in Pennsylvania sehr sorgfältig ausgewertet werden müsse.

„Es ist einfach eine Angelegenheit, die vernünftig und wahrheitsgetreu angepackt werden muss. Wenn wir feststellen, dass entsprechende Maßnahmen nicht ergriffen wurden, muss der jeweilige Bischof korrigiert werden“.

Wo sich herausstelle, dass ein Bischof „sehr schwer gescheitert“ sei, so Burke, müsse dieser „einfach entfernt werden“.

„Was wir jetzt in der Kirche sehen, zum schweren Schaden so vieler Seelen und wirklich auch zum Skandal der Welt im Allgemeinen, ist, dass die Kirche, die ein Leuchtfeuer des Lichts sein sollte, in eine solche Krise verwickelt ist“.

Kardinal Burke sprach auch über die Frage, welche Rolle die Apostasie – der Abfall vom Glauben – letztlich aus Ursache für den Missbrauch spielt, aber auch weit darüber hinaus.

„Ich denke, wir müssen einen Abfall vom Glauben konstatieren. Ich glaube, dass es einen praktischen Apostasie in Bezug auf alle Fragen der menschlichen Sexualität gegeben hat; diese beginnt vor allem mit der Vorstellung, dass es legitime sexuelle Aktivitäten außerhalb der Ehe geben kann, was natürlich falsch, völlig falsch ist“.

Seines Erachtens sei der Teufel sehr aktiv, so Kardinal Burke, „nicht nur mit Blick auf diese Krise, über die wir hier sprechen, sondern auch mit Blick auf eine Reihe anderer Situationen in der Kirche“.

Nun gehe es darum, wirklich alles zu tun, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen und Gerechtigkeit in der Kirche wieder herzustellen – „aber gleichzeitig müssen wir alle immer inniger für die Kirche beten, und fasten, und andere Opfer zum Wohle der Kirche bringen. Wir brauchen wirklich ernsthafte Wiedergutmachungen für das Leid, das den Gläubigen, der Herde unseres Herrn, zugefügt wurde, und das ist unsere Verantwortung“, so Burke.

„Ich kann jeden nur auffordern, sich Unserem Lieben Herrgott, der uns führt und leitet, anzuvertrauen. Er wird uns nie im Stich lassen.“

Übersetzt aus dem Englischen von AC Wimmer. (CNA Deutsch)

Wie sich die Kirche der Kinder von Priestern annehmen sollte

Quelle: Coping International, (Screenshot am 16. August)

DUBLIN – Die von Skandalen in Chile, Honduras, Australien und nun den USA neu ausgelösten Diskussionen über sexuellen Missbrauch, Vertuschung, Scheinheiligkeit und unsittliches Verhalten durch Priester und Bischöfe sollte sich auch mit dem Anliegen einer anderen Gruppe befassen: Den von Priestern und Ordensleuten gezeugten Kindern.

Das fordert der Gründer einer Website zur Unterstützung der Betroffenen.

Die Kinder von Männern und Frauen, die trotz ihrer Berufung zum ehelosen Leben als Priester oder Ordensfrau eigenen Nachwuchs bekommen haben, stehen vor besonderen Herausforderungen, so Vincent Doyle.

Der Psychotherapeut gründete im Jahr 2014 das Portal „Coping International„, um Betroffenen Ressourcen und Unterstützung anzubieten.

„Ich wollte einen von der Kirche unterstützten Dienst auf globaler Ebene für Kinder von Priestern und Ordensleuten, männlich wie weiblich, haben“, sagte Doyle gegenüber CNA.

„Ich wollte mit der Kirche arbeiten, anstatt gegen die Kirche zu arbeiten“. Es sei ihm darum gegangen, Lösungen zu finden, aus der Gemeinschaft der Gläubigen heraus.

In der Praxis, so Doyle, sei er jedoch immer wieder abgespeist worden: Wenn er das Thema anspricht, werde er mit „vielen automatischen Standardantworten“ konfrontiert.

Die zuständigen Entscheider seien oft abweisend – nicht zuletzt weil man davon ausgehe, dass es gar keine – oder nur sehr wenige – Kinder von Priestern und Ordensleuten gibt.

Aber stimmt das? „Ich wollte einige qualitative und quantitative Daten haben“, so der Therapeut zu CNA. Er startete zwar die Website Children of Priests International im Dezember 2014. Somit war ab diesem Zeitpunkt die Seite www.copinginternational.com öffentlich zugänglich. Aber Doyle erzählte niemandem davon: Er wollte sehen, wie viele Leute danach suchen.

Zweieinhalb Jahre später – ohne Marketing, Medienaufmerksamkeit oder internationale Werbung – hatte die Seite mehr als 400.000 Zugriffe erhalten.

Bis heute, so Doyle, habe die Website fast 1 Million Besuche aus der ganzen Welt verzeichnet – insgesamt aus mehr als 175 Ländern.

Für den Psychotherapeuten ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass es weit mehr Kinder von Priestern und Ordensleuten gibt, als viele Menschen annehmen.

Wie aber nimmt sich die Kirche dieser Tatsache an? Werden die Kinder, die laut Doyle oft im Verborgenen und in Scham leben, angenommen und anerkannt?

Doyle sagte, er habe den größten Erfolg in Irland erlebt, wo die nationale Bischofskonferenz im vergangenen Jahr ein Verfahren aufstellte, um damit umzugehen.

In dem Dokument der irischen Bischöfe heißt es, dass die einzelnen Situationen zwar unterschiedlich seien, aber immer „die Bedürfnisse des Kindes zuerst berücksichtigt werden sollten“. Der Priester und Vater solle seine Verantwortung anerkennen und die Mutter solle voll in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Im Jahr 2015 erklärte der Generalsekretär der irischen Bischofskonferenz in einem Brief, dass Vertraulichkeitsvereinbarungen mit Priestern, die Kinder zeugen, ungerecht sind, wenn diese sich auf Mutter und Kind in irgendeiner Weise negativ auswirken.

Für Doyle ist klar: Das Vorgehen der irischen Bischöfe sollte Vorbild für andere Länder sein. Er wünscht sich weltweit mehr Anerkennung für die Kinder von Priestern und sagt, dass er sich deshalb bereits mehrfach an die Päpstliche Kommission für den Jugendschutz gewandt habe.

Im Oktober 2017 antwortete Bill Kilgallon, damals Mitglied der Kommission, auf die Schreiben von Doyle. Der Neuseeländer stellte darin fest, dass die Kommission weder einzelne Beschwerden behandle, noch die Befugnis habe, Anweisungen auf irgendeiner Ebene der Kirche zu geben. Die Kommission sei eben vielmehr ein beratendes Organ, das Papst Franziskus und die Bischofskonferenzen und Ordensoberen der Kirche berate.

Kilgallon sagte weiter, dass auf der jüngsten Sitzung der Kommission beschlossen worden sei, in der Arbeitsgruppe für Leitlinien, welcher er damals vorstand, auch die Erarbeitung solcher für den Umgang mit Kindern von Priestern in Betracht ziehen werde.

Das Kommissionsmitglied gegenüber Doyle weiter: Die bestehenden Richtlinien – wie die der irischen Bischöfe – würden geprüft werden.

Doch dann kam alles anders: Kilgallons Amtszeit in Kommission lief im Jahr 2017 aus und wurde nicht verlängert. Nun sei unklar, moniert Doyle, ob die Diskussion der Arbeitsgruppe zu diesem Thema noch fortgesetzt werde. Er habe an Kardinal Sean O’Malley, den Präsidenten der Kommission, geschrieben.

Der erschütternde Bericht aus Pennsylvania bestätigt indessen für den Psychotherapeuten, dass es Zusammenhänge gibt zwischen Fällen sexueller Gewalt gegenüber Minderjährigen und der Frage des Umgangs mit den Kindern von Priestern: Doyle verweist etwa auf den Fall eines Mädchens, dass infolge einer Vergewaltigung durch einen Priester schwanger wurde. Kinder, die durch sexuelle Übergriffe gezeugt werden sind ebenfalls Opfer von Missbrauch, betont der Therapeut.

Doyle sagt, er hoffe, dass die Päpstliche Kommission für den Jugendschutz ebenfalls den Zusammenhang nun endlich erkennt und sich unter anderem der Frage stellt:

„Wie viele Kinder sind als Folge von Vergewaltigung und sexuelle Gewalt gezeugt worden?“

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original von AC Wimmer. (CNA Deutsch)

Neuer Bericht: Tausende Fälle sexuellen Missbrauchs und systematischer Vertuschung in USA

Kardinal Wuerl spricht von „schrecklicher Tragödie“, ruft in erster Stellungnahme zu Reue auf.

WASHINGTON, D.C. – Es geht um Vorwürfe tausendfachen, oft schweren Missbrauchs durch hunderte Geistliche, der immer wieder systematisch vertuscht worden sein soll: Ein neuer Untersuchungsbericht, der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in Pennsylvania über mehrere Jahrzehnte dokumentiert, erschüttert Katholiken und Kirche.

Nach 18 Monaten Recherche hat eine Grand Jury festgehalten, wie Angehörige des Klerus in sechs Diözesen im US-Bundestaat Pennsylvania, darunter Pittsburgh, sexuelle Gewalt an Minderjährigen und Schutzbefohlenen verübt haben sollen.

Kardinal Donald Wuerl, Erzbischof von Washington, D.C., und ehemaliger Bischof von Pittsburgh, ist mehr als 200mal namentlich im Untersuchungsbericht erwähnt.

In einer ersten Erklärung unterstrich er, dass die Kirche Reue leisten müsse:

„Wie ich in meinen mehr als 30 Jahren als Bischof deutlich gemacht habe, ist der sexuelle Missbrauch von Kindern durch einige Mitglieder der katholischen Kirche eine schreckliche Tragödie, und die Kirche kann niemals genug unsere tiefe Trauer und Reue für den Missbrauch und für das Versäumnis, prompt und vollständig zu reagieren, zum Ausdruck bringen“.

Nach den Enthüllungen über Erzbischof Theodore McCarrick, der Vorgänger Wuerls in Washington war, sieht sich der Kardinal wiederholt pointierten Fragen ausgesetzt, bis hin zu der nach einem Rücktritt: Bereits vor Veröffentlichung des Untersuchungsberichts wurde er im TV-Sender CBS gezielt darauf angesprochen, ob er die Absicht habe, zurückzutreten.

FBI unterstützte Ermittlungen

Der am 14. August veröffentlichte Untersuchungsbericht beschreibt bis ins Detail, wie über sieben Jahrzehnte lang in den Bistümern Allentown, Erie, Greensburg, Harrisburg, Pittsburgh und Scranton systematisch Missbrauch verübt und vertuscht worden sein soll.

Etwa die Hälfte der rund 3 Millionen Katholiken Pennsylvanias lebt in diesen sechs Diözesen.

Der 884-seitige Bericht wurde von 23 Juroren verfasst, die eineinhalb Jahre lang recherchierten und dabei eine halbe Million Seiten an Dokumenten prüften. Das FBI unterstützte den Ermittlungsprozess der Grand Jury, die als Gremium des amerikanischen Strafprozessrechtsprüft, ob es zu einer öffentlichen Anklage-Erhebung kommt.

Der Bericht dokumentiert ein verheerendes Bild der Bemühungen kirchlicher Behörden, Anschuldigungen zu ignorieren, zu verschleiern oder zu vertuschen – entweder um beschuldigte Priester zu schützen oder Skandale zu vermeiden.

Der Bericht geht sogar so weit, eine Reihe von Vorgehensweisen zu identifizieren, anhand derer Verantwortliche in katholischen Diözesen immer wieder verheimlicht und vertuscht haben sollen, dass Täter sich an – meist männlichen – Minderjährigen vergingen.

Die Bandbreite der Vorwürfe reicht von „unangemessenem Verhalten“ bis hin zu Fällen brutaler Vergewaltigung und anderer Formen sexuellen Missbrauchs. Dem Bericht zufolge konnten einige der Priester ihre Opfer mit Alkohol und Pornografie manipulieren.

Eine strafrechtliche Verfolgung ist in den meisten Fällen aufgrund abgelaufener Verjährungsfristen nicht mehr möglich, auch wenn in zwei Fällen Anklage erhoben wurde. Bisher wurde nur ein Priester verurteilt: Er hatte Anfang der 90er Jahre einen Schüler sexuell genötigt.

Der Bericht der Grand Jury enthält die Namen von 301 Personen; einige wurden aufgrund bereits laufender Prozesse nicht veröffentlicht. Einzelheiten dieser mutmaßlichen Verbrechen wurden ebenfalls ausgespart.

Die Anzahl der Opfer wird auf Tausende geschätzt, aber ist nicht präzise feststellbar, so der Bericht. Die Mehrzahl der Opfer in den untersuchten Fällen war männlich; ihr Alter reichte von vorpubertären Kindern bis hin zu jungen Erwachsenen.

Die Grand Jury dokumentiert in ihrem Bericht sämtliche Vorwürfe des Missbrauchs in den vergangenen 70 Jahren – von 1947 bis 2017 – innerhalb der untersuchten Diözesen.

Dabei zeigt sich, dass die meisten Fälle aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren stammen.

Ed Condon und Christine Rousselle trug zur Berichterstattung bei. (CNA Deutsch)

Entscheidung gefallen: Hausarrest statt Gefängnis für Erzbischof Philip Wilson

ADDIS ABEBA – Ein Richter in Newcastle (Neusüdwales) hat am heutigen Dienstag entschieden, dass Erzbischof Philip Wilson seine Strafe in Form eines Hausarrests bei seiner Schwester verbüßen kann.

Ein Gericht in Neusüdwales hatte, wie CNA Deutsch berichtete, den damaligen Oberhirten von Adelaide im Bundestaat Südaustralien am 22. Mai 2018 der Vertuschung sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden, den ein – mittlerweile verstorbener – Priester in den 1970er und 1980er Jahren begangen hatte. Zu dieser Zeit war Wilson selber noch ein junger Priester. Doch selbst als der pädophile Täter 2004 angeklagt wurde, schwieg Wilson weiter – und machte sich somit der Vertuschung schuldig, so das Urteil.

Der Fall des 67 Jahre alten Bischofs, der nach massivem Druck am 30. Juli zurückgetreten war, gilt nicht nur als wichtiger Präzedenzfall für Australien: Er ist einer von weltweit aktuell mehreren, der Bischöfe und Kardinäle betrifft und die Weltkirche zutiefst erschüttert hat, darunter der des aus dem Kardinalskolleg ausgeschiedenen ehemaligen Erzbischofs von Washington, DC, Theodore McCarrick.

Die Erzdiöse Adelaide leitet bis auf weiteres der seit dem 3. Juni amtierende Administrator, Bischof Greg O’Kelly von Port Pirie. (CNA Deutsch)

USA/Boston: Kardinal O‘Malley ordnet Untersuchung eines Priesterseminars an

Auslöser für die Untersuchung sind veröffentlichte Vorwürfe zweier ehemaliger Seminaristen des St. John´s Seminary Boston in sozialen Medien.

Vaticanhistory – Martin Marker

Kardinal Séan O‘Malley ist seit 30.Juli 2003 Erzbischof von Boston und seit 22.März 2014 Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. Somit steht Kardinal O‘Malley in doppelter Verantwortung zu den bekannt gewordenen Vorwürfen. Einerseits ist er leitender Erzbischof der Diözese Boston, andererseits verpflichtet ihn sein Amt im Vatikan zur Klärung der Vorwürfe.

National Catholic Register (NCR) berichtete am Freitag über die Einleitung einer großen Untersuchung des St. John´s Seminary in der Erzdiözese Boston durch Kardinal O‘Malley.

„Anfang dieser Woche wurde mir mitgeteilt, dass zwei ehemalige Seminaristen des St. John’s Seminary in der Erzdiözese Boston Behauptungen auf Social-Media-Sites einschließlich der Facebook-Seite des Erzbistums erhoben hatten, dass sie während ihrer Zeit im Seminar Zeuge von Aktivitäten gewesen seien, die direkt im Widerspruch zu den moralischen Standards und Anforderungen der Ausbildung für das katholische Priestertum stehen“, sagte O’Malley.

„Als Erzbischof von Boston, der für die Integrität des Seminars und die Einhaltung des Programms der Kirche für die Ausbildung der Priester verantwortlich ist, verpflichte ich mich zu sofortigen Maßnahmen, um diese ernsten Angelegenheiten anzugehen.“

Der Kardinal gab bekannt, dass der Rektor des Seminars Msgr. James Moroney, sofort von seinem Amt freigestellt wurde, um eine völlig unabhängige Untersuchung zu ermöglichen. Ferner gab er bekannt, dass Pater Stephen E. Salocks zum Interims-Rektor von St. John´s Seminary ernannt wurde. Salocks ist derzeit Professor am Seminar.

Die Untersuchung der Vorwürfe wird geleitet von Bischof Mark O’Connell, Weihbischof von Boston, Dr. Francisco Cesareo, Präsident des Assumption College und Präsident des USCCB National Review Board, das den USCCB in Fragen der Kinder- und Jugendschutzpolitik berät und Frau Kimberly Jones, CEO der Athena Legal Strategies Group. Die eigentliche Untersuchung wird von Mark Dunderdale, dem Direktor des Erzdiözeseamtes für berufliche Standards und Aufsicht, durchgeführt.

O‘Malley sagte, er habe das Untersuchungsteam angewiesen, ihm „so bald wie möglich“ mit seinen Ergebnissen und einer Reihe von Empfehlungen zu berichten, die angemessene Verhaltensstandards im Einklang mit der Lehre der Kirche auf allen Ebenen des Seminars gewährleisten.

„Die in dieser Woche erhobenen Anschuldigungen bereiten mir als Erzbischof von Boston große Sorgen, betonte der Kardinal. Das Amt des katholischen Priestertums erfordert eine Vertrauensbasis mit dem Volk der Kirche und der weiteren Gemeinschaft, in der unsere Priester dienen. Ich bin fest entschlossen, dass all unsere Seminare diesen Vertrauensstandard erfüllen und die notwendige Ausbildung für Priester schaffen, damit sie in unserer heutigen Gesellschaft eine anspruchsvolle Berufung des Dienstes erfüllen können.“

Nach dem Rücktritt von Kardinal Theodore McCarrick aus dem Kardinalskollegium wegen schwerer Vorwürfe des Missbrauchs und Fehlverhaltens vor wenigen Tagen ist Kardinal O‘Malley um Schadensbegrenzung bemüht. Das Bild der amerikanischen Kirche in der Öffentlichkeit könnte zusätzlichen Schaden nehmen. (vh)

Erzbischof erinnert an Europas „vergessenen Krieg“ in der Ukraine

BALTIMORE, MARYLAND – Vier Jahre der Kämpfe in der Ukraine haben zur „größten humanitären Krise auf dem europäischen Kontinent seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“ geführt, so das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche.

Erzbischof Swjatoslaw Schewtschuk von Kiew forderte die internationale Gemeinschaft und die katholische Kirche auf, die Krise in der Ukraine nicht weiter zu vernachlässigen.

Der ukrainische Würdenträger machte das Plädoyer während seiner Grundsatzrede auf der Konferenz der „Knights of Columbus“ am 7. August.

Seitdem Russland die Krim im Jahr 2014 annektierte, hat der ukrainische Konflikt mehr als 10.000 Menschen das Leben gekostet und nach Angaben der Vereinten Nationen 1,6 Millionen Menschen vertrieben.

„Neben all diesen Verlusten und menschlichen Tragödien gibt es noch eine weitere versteckte Gefahr des Krieges im Osten der Ukraine: Diese Region droht durch überflutete Minen und verseuchtes Trinkwasser eine schwere, lang anhaltende ökologische Katastrophe zu erleiden, die in ihrem Ausmaß mit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 vergleichbar ist“, warnte der Erzbischof.

Bis zu vier Millionen Menschen könnten in der Region ohne sauberes Trinkwasser leben, so der Würdenträger.

„Dies geschieht gerade jetzt, in der Ukraine, dem größten Land Europas“.

Die Kämpfe haben auch die Infrastruktur beschädigt. Die Weltgesundheitsorganisation hat unter anderem zwischen 2014 und 2016 mehrere Angriffe auf Krankenhäuser in der Ukraine dokumentiert.

„Dies ist ein stiller und vergessener Krieg. Weil es ein vermeintlich ‚eingefrorener Konflikt‘ ist, spricht niemand mehr laut über den Krieg in der Ukraine“, sagte der Erzbischof.

Obwohl es in der Ukraine eigentlich einen Waffenstillstand gibt, wurde er im Juli mehr als 1.200 Mal in einer Woche verletzt, berichtete die Sonderbeobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

„Viele Fachleute nennen diesen Krieg in der Ukraine heutzutage einen ‚hybriden Krieg‘, das heißt einen Krieg, in dem nicht nur traditionelle Waffen auf Schlachtfeldern eingesetzt werden, sondern alle verfügbaren Mittel der Zerstörung eingesetzt werden, einschließlich wirtschaftlicher Maßnahmen und die Mittel der Informationstechnik“, erklärte der Erzbischof.

„Dank der Informationstechnologien sind moderne Kriege nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt“.

Der Krieg betreffe nicht nur die Menschen vor Ort, so Schwetschuk weiter. „Jeder in der westlichen Welt erlebt heute die Folgen dieses Informationskrieges, der die Wahrheit ins Visier nimmt, indem er ‚fake news‘ verbreitet und die öffentliche Meinung zu manipulieren versucht“.

Die katholische Antwort

„Wie reagiert die katholische Kirche in der Ukraine und insbesondere unsere griechisch-katholische Kirche auf die Bedürfnisse von Millionen von Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden?“, fragte Schewtschuk.

Die Antwort des Erzbischofs: „Diakonia“, die griechische Bezeichnung für den karitativen Dienst im Neuen Testament. Im Falle der Ukraine bedeutet dieser Dienst, „dem Nächsten zu dienen, sich um die vom Krieg Betroffenen zu kümmern, ihnen geistliche Führung zu geben und oft auch sozialen Dienst zu leisten“, sagte er.

Katholiken sind eine Minderheit in der Ukraine, der größte Teil der Bevölkerung sind orthodoxe Christen.

Am 7. August sprach US-Außenminister Mike Pompeo mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroshenko am Telefon und versicherte ihm die Unterstützung der USA für die „Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine“, so die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert.

Ein paar Wochen zuvor hat das Außenministerium in Washington die Krim-Erklärung veröffentlicht, in der Russland aufgefordert wird, seine Besetzung der Krim zu beenden. (CNA Deutsch)

Mehrere Tote nach Brandanschlägen und Angriffen auf Christen und Kirchen in Äthiopien

ADDIS ABEBA – Mindestens sechs Priester und eine unbekannte Zahl von Christen ist bei gezielten Angriffen in Äthiopien ermordet worden, bei denen unter anderem auch mindestens sieben Kirchen in Brand gesteckt wurden. Das meldet die Agentur „Fides“ unter Berufung auf örtliche Medien.

Die Angriffe ereigneten sich in der mehrheitlich von muslimischen Somali bevölkerten Somali-Region rund um Dschidschiga im Osten des Landes. Diese wird seit Tagen von ethnischen Konflikten erschüttert, von denen die hier in der Minderheit lebenden Christen besonders betroffen sind.

Patriarch Matthias I. und die Heilige Synode der äthiopisch-orthodoxen Kirche haben mitgeteilt, die 16 Tage des Fastens und des Gebets vor und nach dem Fest der Entschafung Mariens dem Frieden und der Versöhnung zu widmen.

Die Auseinandersetzungen begannen gegen Ende vergangener Woche, so „Fides“: Kämpfer der somalischen Liyu-Milizen unter Leitung von Abdi Illey (Präsident der Somali-Region) gingen mit Gewalt gegen Demonstranten vor, die Menschenrechtsverstöße anprangern wollten, hieß es. Auf die Gewalt reagierte die äthiopischen Armee mit der Positionierung der Truppen, einschließlich am Gebäude des Regionalparlaments und des Präsidentenpalastes, in dem Abdi Illey residierte.

Daraufhin griffen die somalischen Milizen Minderheiten an, so „Fides“. Abdi Illey soll sich mittlerweile in Gewahrsam befinden.

Die Somali-Region ist seit einiger Zeit instabil. Der äthiopische Premierminister Abyi Ahmed stattete der Region Anfang April seinen ersten Besuch nach Amtsantritt ab. Derzeit werden bereits – so die offiziellen Quellen der orthodoxen Tewahedo-Kirche – über 20.000 äthiopische Binnenflüchtlinge in Pfarreien vor Ort betreut.

Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche ist mit 35 bis 40 Millionen Gläubigen die größte aus der Familie der orientalisch-orthodoxen Kirchen. (CNA Deutsch)

Bischöfe Chiles präsentieren erste Maßnahmen zur Vermeidung neuer Missbrauchsfälle

SANTIAGO DE CHILE – Die Bischöfe Chiles haben am 3. August zugegeben, angesichts der Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester ihre Pflicht als Hirten vernachlässigt zu haben. Mehrere neue Maßnahmen sollen kurz- und mittelfristig für ein transparentes Vorgehen, Gerechtigkeit und Entschädigung der Opfer sorgen.

In einer Pressekonferenz verlas der Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz (CECH), Monsignore Santiago Silva, zusammen mit dem Generalsekretär, Monsignore Fernando Ramos, eine Erklärung, die während der 116. Außerordentliche Versammlung erarbeitet worden war, an der auch Pfarrvikare, Vertreter der Ordensgemeinschaften, Diakone, Laien und Mitarbeiter der Diözese teilgenommen hatten.

Ziel des Treffens war es gewesen, die Ursachen und Wurzeln der aktuellen Situation der chilenischen Kirche zu analysieren, um daraufhin einige Richtlinien zu erstellen, die in den Diözesen des Landes umgesetzt werden sollen.
Die Bischöfe drückte ihre Reue darüber aus, dass sie „nicht immer die Richtlinien des nationalen Präventionsrates im Hinblick auf den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs in allen kirchlichen Instanzen angenommen hätten.“
„Unsere Fehler und Versäumnisse haben Schmerz und Ratlosigkeit verursacht; sie haben die kirchliche Gemeinschaft geschädigt, Bekehrung erschwert und Hoffnung vernichtet“, fügten sie hinzu.

„Auf keinen Fall wollten wir diesen Schaden verursachen oder verschlimmern, aber im Rückblick hätten einige von uns sein aktiver können und aufmerksamer für den Schmerzen, den die Opfer, die Familienangehörigen und die kirchlichen Gemeinschaft erlitten haben.“

Maßnahmen zur Verhinderung von Missbrauch

Die erste Maßnahme ist die Bereitschaft, mit den Ermittlungen der Justiz zusammenzuarbeiten, mit gebührender Rücksicht auf „die Namen der Ankläger und Opfer, die ausdrücklich den Schutz ihrer Identität verlangt haben.“

Die CECH kündigte auch die Veröffentlichung aller früheren Untersuchungen über mutmaßlichen Fälle sexuellen Missbrauch von Minderjährigen an und forderte die Ordensgemeinschaften auf, dasselbe zu tun

Die Bischofskonferenz hat drittens die Anwältin Ana Maria Celis zur Präsidentin des nationalen Rates für Prävention von Missbrauch und Unterstützung der Opfer ernannt. Dieses Amt hatte übergangsweise Monsignore Santiago Silva inne.

Ebenso haben die Bischöfe die neuen Kompetenzen des nationalen Rates für Prävention von Missbrauch bestätigt, so dass dieser aktuelle Informationen über Ermittlungen und Strafprozesse einholen kann.

Darüber hinaus wurde ein Ressort für Missbrauchsprävention errichtet, das vom Rat abhängig und befugt ist, gemäß den kirchenrechtlichen Normen Anzeigen aufzunehmen und Aktionen durchzuführen. Am Ende verkündete die CECH, dass die Liste mit den Namen der strafrechtlich und kirchenrechtlich wegen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilen Priester auf der Website des Rates veröffentlicht werden wird.

Nach den Besuchen von Papst Franziskus sowie den päpstlichen Gesandten Monsignore Charles Scicluna und Monsignore Jordi Bertomeu in Chile, kam eine Reihe von Fällen sexuellen Missbrauchs, Machtmissbrauchs und Vertuschung durch den Klerus des Landes ans Licht.

Parallel dazu leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein, um die Fälle von Missbrauch an Minderjährigen aufzuklären und mögliche Vertuschung durch Mitglieder der Kirche in Chile zu überprüfen.

Übersetzt aus dem Spanischen von Susanne Finner. (CNA Deutsch)

Abt von Wettingen-Mehrerau: Nach zehn Jahren Arbeit trete ich zurück wie Benedikt XVI.

WIEN – Der Abt von Wettingen-Mehrerau, Anselm van der Linde, tritt nach zehn Jahren intensiver Arbeit in diesem Kloster zurück, das in den vergangenen Jahren durch das Geschwür sexueller Missbrauchsfälle erschüttert worden war.

Zehn fordernde Jahre, vielleicht auch ein bisschen gegen den Strom, aber in Zusammenarbeit mit der Diözese Bregenz am Bodensee (Österreich). Jetzt, so schreibt der Abt selbst in einer öffentlichen Mitteilung, wird sich der 47-jährige Zisterzienser von seinem Amt zurückziehen. „Im Hören auf Gott“ habe er erkannt, dass der Moment gekommen sei, die Leitung von Mehrerau abzugeben, und Papst Franziskus hat am 1. August seinen Amtsverzicht offiziell angenommen.

Bis zur Wahl eines neuen Abtes bleibt er jedoch noch de jure verantwortlich für die Gemeinschaft. Abt Anselm hat sich an die „sehr schwierige Zeit“ erinnert, als er im Jahr 2009 die Abtei übernahm und mit dem Skandal des sexuellen Missbrauchs umgehen musste. Das hat „nicht nur mich persönlich erschüttert, sondern auch unsere ganze Ordensfamilie und die Kirche in Österreich und darüber hinaus.“ Der Abt spricht über diese „schändlichen und unverzeihlichen Ereignisse“ die ihn eine „unglaubliche Kraft und Energie gekostet haben.“ Krisen sind immer auch Chancen und so wurden, zusammen mit externen Experten, neue klare Verhaltens- und Verwaltungsregeln erstellt, die für die Schulen der Abtei eine neue Entwicklung bedeutet haben.

Der Abt hat die Wiedereröffnung des Collegium Bernardi erwähnt, nun mit der Möglichkeit dass auch Mädchen die Schulen besuchen, der Erweiterung um die Grundschule, und weitere Perspektiven. Ein anderes Kapitel sei jenes der Finanzen. Eine seiner Hauptaufgaben war es gewesen, eine wirtschaftlich wirksame und tragfähige Basis für die Klostergemeinschaft zu schaffen, so van der Linde. Ein Brand in der historischen Tischlerei und andere Ereignisse hatten das Kloster in eine finanzielle Notlage gebracht, nun ist die Situation dank der Beziehung zur Diözese wieder im Lot.

Neben seiner Arbeit in Bregenz war van der Linde auch Mitglied im Generalrat der Kongregation der Zisterzienser und somit verantwortlich für insgesamt 21 Zisterzienserklöster mit ihren Mönchen in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, USA, Tschechien und Slowenien.

Diese internationale Aufgabe, die dem Abt von Mehrerau automatisch übertragen wird, erforderte „unzählige Reisen“ und war mit einer große Verantwortung für die einzelnen Klöster verbunden. In den letzten Jahren waren zwei Niederlassungen geschlossen worden; dazu gehörte dann auch der Verkauf des Besitzes und die Neuorganisation der Klostergemeinschaft.

Der Abt hat bislang nicht darüber informiert, welche weiteren Pläne er habe.  Anselm van der Linde wurde am 24. September 1970 in Roodepoort (Südafrika) geboren. Von 1989 bis 1991 studierte er Politikwissenschaften an der Universität von Pretoria und war von 1989 bis 1992 als Angestellter im Außenministerium der Republik Südafrika tätig.

Im August 1994 kam van der Linde in die Abtei Mehrerau und nach einem Jahr als Philosophiestudent im Schweizer Kloster Einsiedeln begann er an der Universität Angelicum in Rom Theologie zu studieren. 1999 wurde er von Bischof Klaus Küng zum Priester geweiht. Im Jahr 2005 erwarb er am Angelicum das Lizenziat in Kirchenrecht und wurde zum Kirchenanwalt der Diözese Feldkirch ernannt. 2006 wurde er Sekretär der Mehrerauer Zisterzienserkongregation. Im Jahr 2009 wählte ihn die Abtei Mehrerau zum Nachfolger von Kassian Lauterer.
Die Territorialabtei Wettingen-Mehrerau blickt auf eine lange Geschichte zurück. Anfang 1227 wurde in Wettingen ein Zisterzienserkloster gegründet.

Das Ordensleben im ehemaligen Kloster „Stella Maris“ begann mit einem Abt und zwölf Zisterziensermönchen aus dem Klosters Salem am Bodensee. In der jüngeren Zeit wurde im Jahre 1919 das Kloster auf deutscher Seite um das nahe gelegene Schloss Maurach erweitert, 1923 wurde das Sanatorium Mehrerau als Belegspital errichtet. Das Kloster betreibt zudem eine Tischlerei für Möbel und Innenausbau. (CNA Deutsch)