Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Vatikan-Konferenz: „Wirtschaft statt Finanzen in Frage stellen“

Dienstag 13. September 2016 von VH

Kardinal RavasiDie globale Wirtschaft in Frage stellen bedeutet nicht, die Finanzwelt als etwas Grundschlechtes zu präsentieren. Das sagte der vatikanische Kulturbeauftragte, Kardinal Gianfranco Ravasi, an diesem Montag bei der Vorstellung einer neuen Konferenz zum Thema „Für eine menschlichere und gerechtere Wirtschaft“, die am 21. September in Rom stattfinden soll. Das Treffen läuft im Rahmen des sogenannten „Vorhofs der Völker“, einer Gesprächsreihe mit Nichtglaubenden, die der päpstliche Kulturrat unter Kardinal Ravasi ins Leben gerufen hat.

„Wenn wir uns über die Wirtschaft Gedanken machen, das wollen wir damit nicht die Finanzwelt in Frage stellen. Für mich ist die Finanzwelt ein Instrument. Was wir heute leider feststellen, ist eine Bulimie der Mittel und eine Magersucht der Zwecke“, so Ravasi. Die Finanzmittel seien da, um den Menschen zu helfen, eine bessere Gesellschaft zu fördern.

An der Konferenz werden namhafte Wirtschaftsleute und Wissenschaftler teilnehmen. Unter anderem spricht der Wirtschaftsnobelpreisträger Angus Deaton.

„Der Vorhof der Völker kümmert sich um verschiedene Bereiche. Es geht da meistens um ganz praktische Dinge, die konkret und mit dem Alltagsleben zu tun haben. Dazu zählt auch die Wirtschaft“, fügt der italienische Kurienkardinal an. Da es sich beim „Vorhof“ um einen „freien Meinungsaustausch“ handelt, seien verschiedene Blickpunkte und Meinungen nicht nur üblich, sondern erwünscht.

Bisher hat man beim Thema „Wirtschaft und Ethik“ vor allem den Schwerpunkt auf den Umweltschutz gesetzt. Mit Papst Franziskus sei in dieser Debatte ein neuer Ansatz eingebracht worden, so der Präsident der Stiftung „Vorhof der Völker“ und ehemalige italienische Regierungschef Giuliano Amato. „Diese neue Perspektive besteht darin, an die ,weggeworfenen´ Menschen zu erinnern. Da geht es konkret um die Würde von Menschen, die nicht arbeiten oder ihre Stelle verloren haben. Franziskus betont selbstverständlich auch, dass wir die Schöpfung respektieren sollen, aber er fügt hinzu, dass wir eine Wirtschaft haben sollten, die niemand außer Acht lässt“, erläutert Amato. (rv)

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Vatikan: Mehr Beraterinnen am päpstlichen Kulturrat

Dienstag 6. September 2016 von VH

Kardinal RavasiDie weibliche Beratergruppe des Päpstlichen Kulturrates hat sich vergrößert und umfasst aktuell 36 Frauen. Das geht aus dem an diesem Dienstag verschickten Newsletter des Kulturrates hervor. Vor der Sommerpause sei die Beraterinnengruppe im Juni zu zwei Sitzungen im Vatikan zusammengetreten. Das Gremium entwickle sich „als Präsenz und Stimme der zahlreichen Felder im Leben von Frauen sowie als positive und kritische Unterstützung für die Initiativen“ der Kurienbehörde, heißt es in der kurzen Mitteilung. Vertreten seien Angehörige verschiedener Religionen und auch Nichtglaubende.

Kardinal Gianfranco Ravasi, der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, hatte die weibliche Beratungsgruppe im Juni 2015 ins Leben gerufen. An der ersten Sitzung nahmen 22 Frauen teil. Aufgabe der Beraterinnen ist es, die Arbeit des Rates kritisch zu begleiten. „In einigen Umständen und auf ausdrückliche Einladung“ von Kardinal Ravasi werden die Frauen darüber hinaus auch selbst aktiv, heißt es in den Informationen des Kulturrates.

Unter den Frauen, die der vatikanischen Beratungsgruppe derzeit angehören, sind die Google-Managerin Giorgia Abeltino, die Mode-Unternehmerin Lavinia Biagiotti, die Aufsichtsratspräsidentin des Kinderkrankenhauses Bambino Gesù Mariella Enoc, die Botschafterin Irlands beim Heiligen Stuhl Emma Madigan, die Ordensfrau Mary Melone, die erste Rektorin einer Päpstlichen Universität in Rom, die Leiterin des römischen Frauengefängnisses in Rebibbia Ida del Grosso sowie mehrere italienische Journalistinnen. (rv)

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Vatikan: Aserbaidschan hilft bei Katakomben-Restaurierung

Dienstag 23. Februar 2016 von VH

Kardinal RavasiDas muslimisch geprägte Land Aserbaidschan will den Vatikan bei Restaurierungen historischer Kulturgüter finanziell noch mehr unterstützen als bisher. Das versicherte die Gattin des Präsidenten von Aserbaidschan, Mehriban Aliyeva, im Gespräch mit Radio Vatikan. Sie unterzeichnete im Vatikan an diesem Dienstag eine Zusammenarbeitsklärung mit dem Heiligen Stuhl, genauer gesagt mit dem Päpstlichen Kulturrat. Im Beisein des zuständigen Kardinals Gianfranco Ravasi stellte Aliyeva die Projekte vor, die der kaspische Staat in Rom bereits finanziert hat und künftig finanzieren will.

Konkret ging es um den Abschluss der Restaurierung der Katakomben der heiligen Marcellinus und Petrus. „Wir sind sehr stolz, den Vatikan diesbezüglich unterstützen zu dürfen“, so die aserbaidschanische First Lady Aliyeva. Ihr Land sei mehrheitlich islamisch geprägt – und zwar schiitisch – wie sie betont, doch sehr offen für alle Religionsgemeinschaften. Aserbaidschan gehört zusammen mit Iran, Irak und Bahrain zu den wenigen Ländern mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit. Deshalb ist es auf den ersten Blick erstaunlich, dass eine solche Nation den Vatikan finanziell unterstützen will. „Wir liegen sozusagen an der Kreuzung zwischen dem christlichen Westen und den islamischen Ländern Asiens. Auch unterstützen wir in unserem Land sowie in vielen anderen Ländern ähnliche Projekte wie beispielsweise solche der orthodoxen Kirche“, fügt die Gattin des Präsidenten an.

Auf die Frage, wie viel Geld denn konkret dem Vatikan überreicht wurden, wollte sie nicht direkt eingehen. Alleine für die Renovierung der Katakomben von Marcellino und Petrus spricht man von etwa 300.000 Euro. Nun sollen noch weitere Projekte dieser Art fortgeführt werden. So versprach Frau Aliyeva Geld für die Renovierungsarbeiten der Katakomben des heiligen Sebastians. Konkret gehe es um die Restaurierung zweier Sarkophage, die sich bei jener Katakombe befinden.

„Ich möchte daran erinnern, dass die Stiftung von Frau Aliyeva unter anderem auch die Renovierung der Vatikanischen Bibliothek mitfinanziert hat sowie bei anderen Projekten der Vatikanischen Museen mitgeholfen hat“, erläutert Kardinal Ravasi als Vatikan-Beauftragter für die archäologischen Güter. Er selber habe das Land am kaspischen Meer mehrmals besucht und sei dort mit Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften zusammengetroffen. Es herrsche ein gutes Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und Aserbaidschan, so Ravasi, und dazu zähle auch die finanzielle Unterstützung der Präsidentenfamilie Aliyevs. (rv)

 

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Ravasi: Schon die Apostel schlossen Kompromisse

Mittwoch 21. Oktober 2015 von VH

Kardinal Gianfranco RavasiSchon in den Evangelien wird das Thema Ehe und Familie „ganz unterschiedlich durchdekliniert“. Darauf macht Kurienkardinal Gianfranco Ravasi im Gespräch mit Radio Vatikan aufmerksam. So sei der erste Evangelist Markus „radikal“, wenn er Jesus von der Unauflöslichkeit der Ehe sprechen lasse. „Matthäus wiederholt diese Radikalität, nennt dann aber eine Ausnahme; das bedeutet, dass er das pastorale Problem in seiner Komplexität wahrnimmt.“ Ravasi bezieht sich damit auf einen Satz Jesu in Matthäus 19: ‚Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.’

Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates vergleicht die Bischofssynode mit dem sogenannten Apostelkonzil von Jerusalem, von dem das 15. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet. Dort sei ein „Kompromiss“ zwischen juden- und heidenchristlichen Positionen geschlossen worden. Allerdings habe sich später herausgestellt, „dass das Problem dadurch nicht völlig gelöst wurde“, weil die vom Apostelkonzil behandelte Frage im Lauf der frühen Kirchengeschichte noch mehrfach aufgetaucht sei.

Von der Synode erhofft sich Kardinal Ravasi, dass sie konfessionell oder religiös gemischte Ehen und Familien ganz neu in den Blick nimmt. Der interreligiöse Dialog und das Gespräch mit den Nichtglaubenden, „die wir auf höherer Ebene zu knüpfen versuchen“, sollten jetzt auch „in den Bereich der Familien durchbrechen“. (rv)

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Kardinal Ravasi: „Neue Ämter für Frauen in der Kirche denkbar“

Donnerstag 25. Juni 2015 von VH

Kardinal Gianfranco RavasiEs ist ein Novum für den Vatikan: der Päpstliche Kulturrat hat eine permanente Frauen-Beratungsgruppe gegründet, die einen kritischen Blick auf alles werfen soll, was der Rat tut. Die erste Sitzung fand an diesem Dienstag in den Räumlichkeiten des Kulturrates statt. 22 Frauen waren dabei, überwiegend Italienerinnen, darunter Universitätsprofessorinnen, Mütter, Diplomatinnen, Journalistinnen, Forscherinnen und Polit-Aktivistinnen.

Präsident des Päpstlichen Kulturrates ist Kardinal Gianfranco Ravasi. Im Gespräch mit Gudrun Sailer von Radio Vatikan regte der Kardinal generell „mehr Kreativität“ an, um das reiche Reservoir weiblichen Wissens zum Wohl der ganzen Kirche besser auszuschöpfen. Die erste Frage an den Kardinal: Welche Anliegen genau verfolgt der Kulturrat mit der Einrichtung der Frauen-Beratungsgruppe?

„Die Ziele sind zwei: zum einen geht es darum, die Frauen einzuladen, mit ihrem Blick und ihrer persönlichen Interpretation alle Aktivitäten des Dikasteriums zu beurteilen. Es geht nicht darum, sich gleichsam zu schmücken mit weiblicher Präsenz in der Kirche. Wir wünschen uns von den Frauen ein Urteil, ein objektives, aber aus ihrer Sicht gefälltes Urteil auf alles, was wir am Kulturrat tun. Die zweite Dimension ist, von den Frauen Hinweise auf unbekanntes Terrain und neue Horizonte zu erhalten. Wir sind hier in den gehobenen Positionen nur Männer, die Frauen haben ausschließlich Verwaltungstätigkeiten – und genau deshalb wollen wir die Frauen bitten, uns neue Wege zu zeigen, die wir noch nie betreten haben.“

„Ich bin skeptisch mit Blick auf Frauenquoten“

Inwiefern ist die Einrichtung einer solchen Beratungsgruppe innovativ?

„Sie ist innovativ gerade in diesem Sinn, weil es nicht bloß heißt: Wir wollen irgendwie auch Frauen dabei haben. Ich bin skeptisch mit Blick auf Frauenquoten, also auf das Mechanische und Mathematische, Halbe-Halbe, oder Quoten einzuführen. Ich bin aber überzeugt davon, dass es eine weibliche Präsenz braucht, und eine relevante Präsenz, die nicht nur irgendwie Farbe und neue Eindrücke gibt, wie man das ja oft hat bei Beratungsgruppen. Unsere soll stattdessen wirklich ins Innere der Fragen eintreten, auch mit ihren kritisierenden Fähigkeiten.“

Die Gruppe hat sich zum ersten Mal bereits versammelt. Was sind die nächsten Schritte?

„Ich möchte gerne auch die erste Versammlung beschreiben. Da gab es zunächst ein Art Outing von allen Anwesenden, in der alle sich vorgestellt haben, und das hat allen – auch uns vom Rat, die wir zuhörten – auch gleich eine Art elektrischen Schlag versetzt, denn jede erzählte sich nicht nur vom Biografischen her, sondern vom Menschlichen. Das war ein überraschender Beitrag, solche existenziellen Erfahrungen der Frauen zu hören. Dann habe ich ein thematisches Beispiel vorgestellt, mit dem die Frauengruppe beginnen könnte; in meinem Dikasterium laufen mindestens sieben, acht Aktivitäten, von denen ich mir wünsche, dass sie von den Frauen geprüft und beurteilt werden. Eines davon ist Sport. Sport ist ja heutzutage eine Art Esperanto der Völker geworden, und es ist auch eine Phänomen, in dem sich am meisten die Figur des Mannes und der Frau spiegelt. Im Guten, im Spiel, im Reichtum, der Phantasie, aber auch im Schlechten: Denken wir an Doping, Korruption, Gewalt in den Stadien, Rassismus. Wir möchten gerne von Etappe zu Etappe voranschreiten auf zwei Wegen. Zum einen möchten wir die Gruppe erweitern, und zum anderen ihr Urteil erfragen in Themen, die wir bereits vorliegen haben.“

Müssen denn alle Angehörigen der Frauen-Beratungsgruppe katholisch sein?

„Auch Nichtglaubende in den Rat berufen“

„Im Moment sind, glaube ich, alle Teilnehmerinnen katholisch. Aber das war etwas, das sofort als Wunsch auftauchte: nicht nur die ökumenische Dimension, sondern auch die interreligiöse Dimension, und ich habe noch eine weitere Dimension eingebracht, die der Nichtglaubenden. Ich habe die Absicht, in dieser Beratungsgruppe auch Frauen aufzunehmen, die sich zu keinem Glauben ausdrücklich bekennen. Und nach dieser ersten bescheidenen Meldung, die wir veröffentlicht haben, sind bereits positive Reaktionen von mindestens sieben, acht nichtglaubenden Frauen eingelaufen, die sich vorstellen könnten, mit dabei zu sein.“

Wäre es vorstellbar, auch in anderen vatikanischen Kurienbehörden solche weiblichen Beratungsgruppen einzuführen?

„Das würde ich mir wünschen. Papst Franziskus hat ja auch oft Erklärungen in diese Richtung gemacht und in der Kurie eine stärkere Präsenz von Frauen verlangt, die ja noch schwach ausgeprägt ist. Vor einigen Tagen hat uns Papst Franziskus hier im Kulturrat besucht, und ich habe ihm dieses Anliegen vorgelegt. Der Papst war sehr aufmerksam und nannte eine Reihe von Beispielen, wo Bischöfe zuerst auf ihre rein männlichen Beratungsorgane hörten, und dann aber auch eine Frauen-Beratungsgruppe ins Leben riefen und fanden, dass die Ratschläge aus dem weiblichen Gremium reichhaltiger und besser waren. Ich denke, das ist ein Wunsch, und unsere Gruppe am Kulturrat ist ein Beispiel. Kultur ist ja von ihrem Wesen her beweglicher und kreativer.“

„Man müßte da Kreativität entwickeln“

Nicht nur in der in der westlichen Welt haben Katholikinnen heute einen hohen Bildungsgrad, auch in der Theologie. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, um dieses Reservoir besser auszuschöpfen, zum Wohl der ganzen Kirche?

„Im Feld der Laien wird das zum Glück immer häufiger, ich denke an das Feld der Wissenschaft, wo heute auch ganz an der Spitze Frauen mitwirken – nachdem sie oft mit großer Mühe ihren Weg machen mussten in einem traditionell männlichen Feld. Ähnliches muss auch in der Kirche geschehen. Und das muss, denke ich, auch abseits der funktionellen Wege geschehen, das heißt nicht in klerikaler Gesinnung. Also: die Präsenz ist nur gegeben, wenn du es schaffst, eine priesterliche oder kuriale Funktion zu haben – das sind Funktionen, die von Männern kodifiziert wurden. Man müsste da Kreativität entwickeln. Die Präsenz von Frauen in der Gesellschaft hat sich in Jahrhunderten entwickelt, und ich hoffe, dass in der Kirche in den nächsten Jahrzehnten – nicht Jahrhunderten! – Ämter, Funktionen, Verantwortungen entstehen, die vornehmlich weiblich sind.“

Können Sie uns da ein Beispiel nennen?

„Nun, das Synodendokument spricht etwa von Frauen in der Priesterausbildung. Hier muss man eine Figur, eine Funktion schaffen. Und wir müssen uns auch daran erinnern, woran uns Papst Franziskus gemahnt, dass die Figur von Maria wichtiger ist als die der Kardinäle und der Bischöfe. Sie ist in der Mitte, und sie repräsentiert die Kirche. Und wie sie unter dem Kreuz Jesu steht, wird Maria – und nicht der Jünger – das Bild der Kirche. Und so glaube ich, es muss eine Revolution, nein besser: eine Evolution stattfinden, zuerst auf theoretischer Ebene, theologisch und auch mit Blick auf die Mentalität, und dann auf praktischer Ebene. Dabei sollten wir aber nie vergessen, dass wir nicht das männliche Modell imitieren sollten, das bis jetzt exklusiv die Funktionen und Ämter der Kirche bestimmt hat.“

„Spitzenämter für Frauen auch in Vatikan-Behörden“

Wie sehen Sie die Frage nach hohen Ämtern für Frauen an der römischen Kurie?

„Spitzenfunktionen in den Dikasterien könnten sehr gut auch Frauen anvertraut werden. Dazu braucht es aber das, was ich vorhin sagte: eine theoretische und eine praktische Ekklesiologie. Andernfalls würden die Leute, auch Frauen selbst, einen solchen Vorschlag gar nicht annehmen. Das ist ein Werk, das von Johannes Paul II. begonnen und von Benedikt XVI. bestärkt wurde und jetzt von Franziskus ein unmittelbares Interesse erfährt.“

Braucht es eine Synode der Frauen?

„Das wünschen sich viele Frauen, und viele haben mir deswegen geschrieben. Ich denke, man muss sehen, wie man das versteht. Frauen als Objekt oder als Subjekt? Eine Bischofssynode über Frauen also zunächst: Ja, das kann man machen, auch wenn ich nicht begeistert bin von der Vorstellung, Frauen als Studienobjekte anzusehen. Aber ich denke, so wie ich in meinem Dikasterium in diesem Jahr eine Vollversammlung über die „weiblichen Kulturen“ gemacht habe, so kann man auch eine Synode über die Frauen prüfen, über ihre Probleme, Kulturen, ihre Präsenz in der Kirche. Das ist legitim, man hat es für so viele andere Themen gemacht. Und eine Synode der Frauen, Frauen als Subjekte der Synode? Nun, die Synode ist in der Kirche als Bischofssynode angelegt. Die Kirche betrachtet das Priesteramt als christologisch und somit als männlich. Aber wir wissen gut, dass die Synode viele andere teilnehmende Subjekte hat. Und wie werden in diesem Fall beispielsweise Generaloberinnen als Synodenmitglieder miteinbezogen? Man könnte es ja so anlegen, dass in einer Synode der Frauen eine starke weibliche Präsenz vorhanden ist, die im Dialog ist. Das wäre heute gar nicht so schwer. Denn die Mehrheit der Bischöfe ist überzeugt. Auch weil in jeder Hirtentätigkeit der Beitrag von Frauen wesentlich ist, denken wir an die Religionslehrerinnen. Der Dialog zwischen den Frauen und den Bischöfen, und in dieser Weise könnte auch eine solche Synode der Frauen stattfinden.“

Hintergrund

Unter den Frauen, die der vatikanischen Beratungsgruppe bisher angehören, sind unter anderem die Botschafterin Irlands beim Heiligen Stuhl Emma Madigan, die Ordensfrau Mary Melone, die erste Rektorin einer Päpstlichen Universität in Rom, die Leiterin des römischen Frauengefängnisses in Rebibbia Ida del Grosso und die Schauspielerin Nancy Brilli. Kardinal Ravasi hatte die letzte Vollversammlung des Päpstlichen Kulturrates dem Thema „Weibliche Kulturen“ gewidmet. In dieser Veranstaltung war der Vorschlag eines „Frauenrates“ aufgekommen. (rv)

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Einmalig im Vatikan: Frauenrat gegründet

Dienstag 23. Juni 2015 von VH

Kardinal RavasiEine permanente Frauen-Beratungsgruppe des Päpstlichen Kulturrates ist an diesem Dienstag zum ersten Mal zusammengetreten. Darüber informierte der Rat via Facebook. Das im Vatikan einzigartige weibliche Beratungsgremium war auf Anregung des Präsidenten des Kulturrates Kardinal Gianfranco Ravasi entstanden und umfasst rund 20 Frauen, darunter Universitätprofessorinnen, Mütter, Diplomatinnen, Journalistinnen, Forscherinnen und politische Aktivistinnen. Eine von ihnen ist die Ordensfrau Mary Melone, die erste Rektorin einer Päpstlichen Universität in Rom. In seiner Begrüßungsansprache sagte Kardinal Ravasi laut der Mitteilung, er freue sich darauf, den Rat der Frauen anzuhören und sich von ihren Einsichten herausfordern zu lassen. Welche Zielvorgaben genau das Gremium hat, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Ravasi hatte die letzte Vollversammlung des Päpstlichen Kulturrates dem Thema „Weibliche Kulturen“ gewidmet und gilt als einer jener Kurienkardinäle, die gerne mehr Frauen in gehobener Position im Vatikan sähen. (rv)

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Vatikan-Pavilllon auf der Biennale

Donnerstag 9. April 2015 von VH

Kardinal Gianfranco RavasiZum zweiten Mal nimmt der Heilige Stuhl an der Kunst-Biennale von Venedig mit einem eigenen Pavillon teil. „Am Anfang – das Wort ist Fleisch geworden'' lautet das Thema, das der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi, ausgesucht hat. Auf einer Pressekonferenz an diesem Donnerstag wurde bekannt, welche Künstler der Vatikan für die Gestaltung des Pavillons ausgesucht hat. Es sind die Kolumbianerin Monika Bravo, die in New York lebt, die in London lebende Mazedonierin Elpida Hadzi-Vasileva, sowie der Fotograf Mário Macilau aus Mosambik. Die Biennale startet im Mai und dauert bis November. (rv)

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Neue Konsultoren für den Päpstlichen Kultur

Dienstag 1. Juli 2014 von VH

Kardinal Gianfranco Ravasi Der Päpstliche Kulturrat hat zwei neue Berater aus Deutschland. Es handelt sich um Joachim Hake, den Direktor der Katholischen Akademie in Berlin, und den Kunsthistoriker Ralf van Bühren, der an der päpstlichen Universität Santa Croce in Rom christliche Kunst und Sakralarchitektur lehrt. Insgesamt berief Papst Franziskus in den von Kardinal Gianfranco Ravasi geleiteten Kulturrat 13 neue Konsultoren, darunter zwei Frauen: die französische Philosophin Marguerite Léna und die aus Korea stammende Kulturwissenschaftlerin Choe Hyondok. Ebenfalls in den Kulturrat berufen wurde ein berühmter italienischer Sportmanager, Edio Costantini vom Sportzentrum CSI der italienischen Bischofskonferenz. (rv)

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Vorhof der Völker in Berlin: „Der Kalte Krieg ist zu Ende“

Mittwoch 27. November 2013 von VH

RavasiEndlich eine echte Debatte und nicht nur ein feierliches Aneinander-Vorbei-Reden wie so oft bei italienischen Ausgaben des „Vorhofs der Völker"! Das sagte einer der Organisatoren der Gesprächsinitiative nach den ersten Stunden des Berliner „Vorhofs"; er war rundum zufrieden. Nicht immer komme man so schnell hinein in den Dialog zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden. Tatsächlich waren im Festsaal des Roten Rathauses am Dienstagabend auch viele deutliche Worte gefallen. So nannte etwa der Philosoph Herbert Schnädelbach, nach eigener Aussage ein „frommer Atheist", das Motto der ersten Gesprächsrunde „absurd" und „intellektuelle Panikmache".

Dieses Motto war einem Werk von Dostojewski entlehnt und lautete: „Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt." Kardinal Gianfranco Ravasi vom Päpstlichen Kulturrat, der das Zitat ausgewählt hatte, räumte ein, es sei tatsächlich „provozierend".

„Freilich breitet sich in unseren Tagen immer stärker eine Art Nebel aus, der sowohl die echte Religion als auch den eindeutigen, strengen Atheismus verschwimmen lässt und umhüllt. Dabei handelt es sich eher um ein soziologisches als ein weltanschauliches Phänomen: es ist die Gleichgültigkeit, die Oberflächlichkeit, Banalität, sarkastischer Spott. In dieser Stimmung herrscht oft der Mythos über den Logos, das Pamphlet ersetzt den analytischen Aufsatz, die fundamentalistische Lesart ist stärker als das kritische Abwägen der Positionen… Diesen echten Erkrankungen sowohl des Unglaubens als auch der Religion kann, so meine ich, der Dialog eine Erwiderung anbieten!"

Kardinal Ravasi sprach von „zwei unterschiedlichen Lehren vom Menschen, zwei unterschiedlichen existenziellen Wegen, zweierlei Humanismen": Der eine „mit Gott" und der andere ohne Gott. Nichtgläubige hätten ihren Bezugspunkt „im Individuum, im Subjekt, das seine eigene ethische Ordnung sucht"; religiöse Menschen hingegen glaubten, „dass die Wahrheit, die Natur, die sittliche Ordnung uns vorausgehen und uns übersteigen". Der „Vorhof der Völker" gehöre nach Berlin, weil die deutsche Hauptstadt in gewisser Hinsicht eine „spirituelle Wüste" sei. Dem widersprach heftig Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit: Es gebe zwar eine religions- und konfessionslose Bevölkerungsmehrheit in der Stadt, aber gleichzeitig über 250 aktive Religionsgemeinschaften, das mache sie zur „religiös vielfältigsten in Europa". „Gottlos ist Berlin also sicher nicht." Dass Berlin aber allemal der richtige Schauplatz für den deutschen „Vorhof der Völker" ist, darin waren sich alle einig, auch der frühere Bundespräsident Horst Köhler.

„Berlin ist ein guter Ort für diesen Dialog. Das gilt zum einen für die Berliner selber, zum anderen aber brauchen wir diesen Dialog für die Welt. Es gibt nun einmal unterschiedliche Auffassungen über Religion, über Gerechtigkeit oder Wahrheit; wir brauchen den Dialog, wo unterschiedliche Auffassungen aufeinanderprallen und über diese Unterschiedlichkeit deutlich geredet wird. Ich bin sehr dankbar dafür, dass der Kardinal hier ist, und nehme es als eine Ermunterung, darauf aufzubauen."

Beim „Vorhof der Völker" „kommt zusammen, was zusammen gehört", formulierte Berlins Kardinal Rainer Maria Woelki angelehnt an ein berühmtes Willy-Brandt-Zitat: „Glaubende und Nicht-Glaubende versammeln sich an einem Ort, um über Themen zu sprechen, die alle gleichermaßen angehen, um über die Frage nach der Wahrheit und der Freiheit zu ringen." Angepeilt sei „eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, die die jeweils andere Position ernst nimmt." Der „kalte Krieg" zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen sei „vorbei", so der Hauptstadterzbischof.

„Unser christlicher Glaube lebt aus eigenen Freiheitserfahrungen – individuellen und gemeinschaftlichen – und ist ein Glaube, der uns zu Gottsuchern macht, die das Gespräch mit jenen Nichtglaubenden suchen, die die Gottesfrage nicht einfach gleichgültig lässt und die am gemeinsamen Wohl der Stadt Berlin, der Hauptstadt unseres Landes Interesse haben."

Vor allem Protestanten – Fichte, Schleiermacher, Hegel – haben im 19. Jahrhundert in Berlin über Religion, Gott und den Menschen nachgedacht. Darum war es auch ein Protestant, der Kirchenhistoriker Christoph Markschies von der Humboldt-Universität, der die erste Debatte des „Vorhofs" moderierte. Konturen wurden da schnell sichtbar: Auch wenn es Gott nicht gäbe, dürfe doch noch keiner über die rote Ampel fahren, meinte der Philosoph Herbert Schnädelbach, Normen gälten also auch ganz ohne Bezug auf Gott. Und dem Soziologen Hans Joas waren die Begriffe – „Gott, Religion, Nichtglaubende" – zu „groß" und zu unbestimmt, um sie in einer solchen Debatte ständig im Munde zu führen.

„Selbst der Begriff Christentum ist viel zu groß, wir sehen da eine enorme Heterogenität. Ich denke, auf diesem Gebiet steigt das Niveau, wenn die Abstraktionsebene sinkt. Also, dass wir mehr reden sollten über konkrete Menschen, die glauben."

Joas kritisierte auch den Titel „Vorhof der Völker": Sicher sei diese Metapher gut gemeint, und der biblische Bezug sei ja auch klar, aber „Vorhof" klinge doch ausgrenzend, so als hätten Gläubige einen Sonderbereich für sich, als hätten sie die ganze Wahrheit und die anderen nicht. „Mit dieser Metapher kann man nicht gleichzeitig behaupten, dass man einen Dialog auf Augenhöhe will."

Der berührendste Moment der Debatte war es, als sich der Skeptiker Schnädelbach zu „religiösen Erfahrungen" bekannte: Ja, die habe er auch schon gemacht, aber er bringe sie eben nicht mit dem biblischen Gott in Verbindung. Das Gespräch im „Vorhof der Völker" ist schnell in Gang gekommen. (rv)

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Kardinal Ravasi: „Brief Benedikts ist eine Art Lektion“

Donnerstag 26. September 2013 von VH

Aus einem „Vorhof der Völker" wird unversehens ein „Vorhof der Päpste": Binnen weniger Tage sind ein Brief von Papst Franziskus wie vom emeritierten Papst Benedikt XVI. an bekannte italienische Nichtglaubende bekannt geworden. Franziskus schrieb an den antiklerikalen Zeitungsmacher Eugenio Scalfari, Benedikt an den Mathematiker Piergiorgio Odifreddi. Kardinal Gianfranco Ravasi freut sich darüber; der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, von Amts wegen im Gespräch mit Atheisten und Agnostikern, dreht das Gespräch mit dem Journalisten Scalfari an diesem Mittwoch unter dem Motto „Vorhof der Journalisten" weiter. Im Gespräch mit uns kommentiert Ravasi die Päpste-Briefe an bekannte Kritiker des Christentums.

„Wir erleben in diesen Tagen sicher etwas sehr Außergewöhnliches, etwas, das vorher keine übliche Praxis war. Zwei Päpste, der emeritierte und der jetzige, sind direkt in die Arena der Massenkommunikation, vor allem der journalistischen, gestiegen. Was besonders den Mathematiker Odifreddi betrifft, muss man noch zusätzlich darauf aufmerksam machen, dass Benedikt XVI. hier auf einen Text eingegangen ist, der auch durchaus provokant formuliert war. Das ist aus meiner Sicht auch eine Art Lektion – nicht nur für uns in der Welt der Kultur, sondern auch für die Seelsorge. Man darf also als Seelsorger oder überhaupt als Christ keine Angst haben, auf die Plätze rauszugehen, ins Getümmel der heutigen Kommunikation, um dort Rechenschaft vom eigenen Glauben zu geben."

Nun kommt der Brief Benedikts XVI. an Odifreddi, der am Dienstag auszugsweise bekannt geworden ist, aber nicht ohne Schärfe aus: „Was Sie über Jesus schreiben, ist Ihres wissenschaftlichen Ranges nicht würdig", urteilt der emeritierte Papst unter anderem. Und das dann doch kombiniert mit großer Wertschätzung dafür, dass der Mathematiker den Dialog gesucht hat. Ravasi dazu:

„Ich glaube, dass gerade unser Vorhof der Völker – die Stiftung also, die in verschiedenen Teilen der Welt das Gespräch mit Nichtglaubenden sucht – durchgehend diese doppelte Eigenschaft hat, die sich auch in dem Text von Benedikt XVI. zeigt. Vergessen wir nicht, dass der Vorhof der Völker direkt aus einer Idee entstanden ist, die Papst Benedikt (2009) in einer Ansprache an die Römische Kurie geäußert hat. Auf der einen Seite also ein anständiger Diskurs auf hohem Niveau, mit argumentativer Qualität, mit einer Intelligenz, die sich selbst befragt. Und auf der anderen Seite auch Anerkennung der Unterschiede, die bestehen: Hier darf der Dialog durchaus auch mal Härte zeigen – nicht Sarkasmus, aber eine Härte, die beiden Seiten ihre Identität beläßt. Und wenn die Identität des einen ein negatives Urteil verdient, muss man das auch direkt und wirksam sagen können!" (rv)

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