Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Nach den Anschlägen: Bildung gegen Hass und Terror

Dienstag 26. Juli 2016 von VH

Kardinal TauranHass. Das ist der Titel eines französischen Films von Mathieu Kassoviz, der in den Pariser Vorstädten spielt, dort, wo Jugendliche, zumeist Einwanderer aus Nordafrika, kaum eine Chance haben, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, gefangen in einem Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Dorgenkonsum und Gewalt – und neuerdings auch Islamismus. Der Film von 1995 sollte eine drastische Warnung sein vor der Eskalation, dem gesellschaftlichen Sprengstoff, der in der Vernachlässigung dieser Jugend steckt. „Jusqu’ici tout va bien“, „Bis jetzt ist alles gut“, der Leitsatz des Films, den einer der Jugendlichen immer wieder ausspricht. Aber irgendwann platzt die Bombe, so die Botschaft von „Hass“. Mit den Attentaten von Paris, Nizza, aber auch Würzburg, Ansbach und München ist der Film zu einer traurigen Realität geworden. Kardinal Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog, sprach mit Radio Vatikan über einen Ausweg aus dem Hass, der insbesondere bei der Bildung von Jugendlichen ansetzen sollte.

„Das beginnt bei der Bildung, in der Familie“, so der Kardinal gegenüber Radio Vatikan. Er bezieht sich besonders auf die Anschläge von Nizza. „Die Kinder müssen Respekt lernen vor den alten Menschen, sie müssen die Geschichte kennenlernen, wir sind schließlich nicht die Ersten hier, sondern sind Teil einer Gemeinschaft, die eine Geschichte hat. Diese Geschichte müssen wir annehmen. Wir müssen auch eine neue Philosophie der Begegnung schaffen, denn wir werden nicht glücklich, wenn die einen die anderen ausschließen oder wir gegeneinander vorgehen.“

Dennoch hat Kardinal Tauran einen realistischen Blick auf die gesellschaftliche Situation: Denn die Attentäter hätten bereits viel Leid über Menschen gebracht, viele hätten bereits einen lieben Menschen bei einem Anschlag verloren: „Es gibt die Gefahr, dass, wenn wir einmal die Schwelle des Leidens und der Revolte überschritten haben, Hass in unsere Herzen dringt. Es werden Themen vermischt, die unsere Diskussionen und Haltungen nähren. Wir müssen uns gegenseitig helfen, die Stimme dessen zu hören, der uns sagt: ‚Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken‘.“

Die Stimme des Dialogs, die Stimme der Ruhe und Sachlichkeit sei in der angeheizten Stimmung entscheidend, so Kardinal Tauran. Auch und besonders im Gespräch mit den Muslimen: „Der Dialog geht weiter, es hat sehr bewegende Zeichen der Solidarität vonseiten der Muslime gegeben, ich denke da an Prinz Hassan bin Talal aus Jordanien. Der Dialog geht weiter und es gibt auch Fortschritte, wie man etwa an der Annäherung des Vatikan an die Al-Azhar-Universität in Kairo sieht. Wir müssen bedenken, dass die Mehrheit der Muslime die Terrorakte verurteilt.“

Durch die vielen Anschläge und Gewaltfälle insbesondere in Frankreich und Deutschland machten sich Angst und Unsicherheit breit, viele Menschen stellten plötzlich ihren persönlichen Lebenssinn, den Sinn ihrer Gemeinschaft infrage. Auch das Verhältnis zum Tod habe sich verändert. „Natürlich wissen wir Menschen, dass wir irgendwann sterben müssen, aber im Grunde glauben wir das immer nicht so richtig. Heute gehen wir aus dem Haus in dem Wissen, dass wir nicht mehr zurückkommen könnten.“

Alles zu spät, jetzt, wo die Bombe geplatzt ist? Nicht für Kardinal Tauran – er glaubt an den Menschen, sagt er: „Eine dringende Notwendigkeit ist die Bildung der jungen Generationen, ihnen zu zeigen: Einer, der eine andere Religion hat als ich, ist nicht unbedingt gleich ein Feind. Wir sind alle Geschöpfe Gottes, wir sind die Menschheit, wir alle haben besondere Gaben von Gott bekommen: Einen Verstand, um zu verstehen und ein Herz, um zu lieben. Diese Botschaft muss verbreitet werden, insbesondere unter den Jugendlichen, und sollte ihr alltägliches Leben inspirieren.“ (rv)

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„Der Terrorismus wird nicht siegen“

Dienstag 19. Mai 2015 von VH

Kardinal TauranDer Terror des ‚Islamischen Staats’ macht das Miteinander von Muslimen und Christen weltweit schwieriger. Das sagt der Vatikanverantwortliche für das Gespräch der Religionen, Kardinal Jean-Louis Tauran. In der Schweiz hat sich der Leiter des päpstlichen Dialograts in den letzten Tagen mit Bischöfen und Islamexperten aus vielen Teilen Europas beraten – und kam dabei zu folgendem Schluss: „Wir haben alle einhellig festgestellt, dass sich die Lage heute geändert hat, dass sie vor allem durch das, was im Nahen Osten vorfällt, bestimmt ist, und zwar besonders durch den ‚IS’, das ‚Kalifat’. Die irreguläre Einwanderung führt dazu, dass weiterhin eine große Zahl von Muslimen auf den europäischen Kontinent strömt. Wir haben festgestellt, dass sich Muslime, vor allem junge Muslime, (in Europa) radikalisieren – auch wenn wir alle überrascht sind, warum sich Muslime, die in Europa geboren sind, zum Extremismus der Dschihadisten bekehren lassen.“ Das stelle Europa Fragen, so Tauran: „Was bedeutet das alles? Warum lassen sich diese jungen Leute vom ‚IS’ verführen?“

Der französische Kurienkardinal versuchte sich selber an einer Antwort: „Das ist der Ausdruck einer Frustration, eines Mangels an Möglichkeiten. Natürlich ist für diese Jugendlichen das Geld, das die Organisation ihnen bietet, verlockend, aber sie werden auch von einer Art Lebens-Motivation angezogen. Ich glaube darum: Wir müssen dem Leben – dem persönlichen und dem sozialen Leben – wieder einen Sinn geben.“

Tauran war es gewesen, der letztes Jahr nach dem Aufkommen des ‚Islamischen Staats’ eine scharfe Verurteilung der Terrorgruppe im Stil einer Anklageschrift veröffentlicht hatte: ungewöhnlich für ein Vatikandokument. Aber der Kardinal ist kein Scharfmacher, er weist zum Beispiel auch auf zaghafte Bewegungen innerhalb des Islam hin, die den Koran einer historisch-kritischen Analyse unterziehen. „Ja, das ist etwas sehr Diskretes, fast nicht Wahrnehmbares. Aber wir sehen doch, dass die jungen Leute, vor allem die jungen Muslime, die Zugang zur Kultur und zur Universität haben, sich tatsächlich die Frage nach der historischen Kritik (des Koran) stellen.“ Der Schlüssel dazu ist eine gute Schul- und Universitätsbildung: „Die Ausbildung ist fundamental! Ich bestehe vor allem auf dem Punkt des Geschichtsunterrichts. Das würde es uns erlauben, diese Krise zu überwinden.“

Kardinal Tauran ist fest davon überzeugt, „dass der Terrorismus nicht siegen wird“. „Aber die Wirkungen und Folgen des Terrorismus werden noch lange anhalten. Darum müssen wir dem Leben unserer Bürger dringend Hoffnung und Sinn zurückgeben. Das müsste ein Ehrgeiz sein, den wir alle teilen.“ Zum Dialog sieht er, „auch in Zeiten der Verfolgungen“, keine Alternative. „Aber natürlich ist die Ghettobildung immer eine Versuchung. Die große Frage bleibt weiterhin: Wie kann man beides gleichzeitig, Muslim sein und Europäer werden?“

Muslim sein und Europäer werden

Keine Ghettos bilden – diese Mahnung von Kardinal Tauran gilt nicht nur den Muslimen in Europa, sondern auch den Christen. „Man kann nicht Christ sein und sich in der Kirche einschließen, man muss rausgehen, an die Peripherien, wie der Papst das so oft sagt! Wir haben diese Gnade, die Verschiedenheit in der Einheit zu leben. Und das ist etwas, das wir allen zur Verfügung stellen müssen. Wir müssen uns ansehen, zuhören, zusammen eine Gesellschaft bauen, in der Unterschiede Reichtum bedeuten.“

Muslimen zuhören, das tut kaum jemand so oft wie Kardinal Tauran. Für sich selbst hat er daraus vor allem gelernt, dass man die islamische Welt nicht über einen Kamm scheren kann. „Wissen Sie, unsere muslimischen Gesprächsparter sind sowas von verschieden! Die, die wir in der Schweiz getroffen haben, waren Universitätsdozenten, und mit ihnen zu sprechen ist natürlich sehr leicht. Ich sehe, dass Muslime generell sehr unsere Arbeit im Schul- und Bildungswesen schätzen. Zum Beispiel, dass die Dominikaner vor zwei Jahren mitten im Krieg in Bagdad ein Institut für Sozialwissenschaften eröffnet haben – das ist doch außerordentlich! Es geschieht so viel Positives – da gibt es zum Beispiel ein paar muslimische Familien in Bagdad, die haben schon seit über einem Jahr christliche Familien bei sich aufgenommen. Das sind positive Dinge… Da geht es um den Dialog des Lebens, der ist wichtig, und den gibt es! Das muss man aussprechen.“ Aber spiegelt sich das alltägliche Miteinander von Muslimen und Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern denn auch in den Medien wieder? „Nein. Leider nicht…“ (rv)

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Päpstlicher Dialograt warnt vor Stigmatisierung der Muslime

Mittwoch 22. April 2015 von VH

Kardinal TauranMehr denn je ist ein Dialog mit dem Islam jetzt wichtig: „Den Dialog weiterzuführen, auch wenn man Erfahrungen der Verfolgung macht, kann ein Zeichen der Hoffnung werden“, bekräftigt der Päpstliche Dialograt in einer Erklärung von diesem Mittwoch. Die große Mehrheit der Muslime erkenne sich in den Grausamkeiten gegen Christen und andere Minderheiten nicht wieder, hält das Dokument fest. Allerdings sei angesichts der jüngsten Verfolgungen eine „banale Stigmatisierung der Muslime und ihrer Religion“ in Gang, so das Gremium. Der Dialograt warnt hier von einer „Radikalisierung der öffentlichen und religiösen Debatten“, die zu mehr Hass, Gewalt und Terrorismus zu führen drohen.

Leider werde der Begriff „Religion“ heute oft mit dem der „Gewalt“ assoziiert, heißt es weiter. Gläubige seien daher dazu aufgerufen, Förderer des Friedens zu sein und Brüderlichkeit und Dialog zu verstärken. Schließlich gehe es ihnen um Prinzipien wie Religions- und Meinungsfreiheit, den Schutz der Menschenwürde, den Respekt vor Unterschieden und die Liebe zur Wahrheit. Vor allem die Familie und Schule seien Schlüsselorte, an denen „die Welt von morgen“ eine Basis in gegenseitigem Respekt und Brüderlichkeit finde.

Deutlich verurteilt der Rat jegliche Instrumentalisierung der Religion zu Zwecken der Gewalt: „Zu töten und sich dabei auf eine Religion zu berufen, ist nicht nur ein Angriff auf Gott, sondern auch eine Niederlage der Menschheit.“ (rv)

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Vatikan schickt Kardinal Tauran an die Elfenbeinküste

Samstag 14. März 2015 von VH

Kardinal TauranDer Präsident des Dialogrates Kardinal Jean-Louis Tauran und neu-ernannter Camerlengo des Vatikans reist an diesem Freitag gemeinsam mit einer Delegation an die Elfenbeinküste. Bei der viertägigen Reise wird er eine vatikanische Delegation anführen, die an den 110-jährigen Jubiläum der Evangelisierung der Diözese von Korhogo teilnehmen soll. Ein weiteres Ziel dieser Reise sei es, laut der vatikanischen Pressestelle, den interreligiösen Dialog in dem westafrikanischen Land zu fördern und ihm einen „größeren Schwung" zu verleihen – ganz im „Zeichen des Respekts" den Papst Franziskus wünscht.

Vorgesehen seien Gespräche mit Vertretern des Islams sowie traditioneller einheimischer Religionen. Zum Abschluss des Besuchs ist am Dienstag in der Hauptstadt Abidjan eine persönliche Begegnung mit Präsident Alassane Ouattara geplant. (rv)

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Kardinal Tauran: Es gibt nur zwei Wege, Dialog oder Krieg

Sonntag 11. Januar 2015 von VH

Kardinal TauranDer Vatikan-Verantwortliche für den Dialog mit den Muslimen empfindet „tiefe Abscheu“ angesichts der mörderischen Terror-Attacken in Frankreich. Kardinal Jean-Louis Tauran, selbst Franzose, leitet den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog. Die Täter seien „offensichtlich komplett fehlgeleitete junge Männer“. Diese Form von Terrorismus bedrohe „alle Freiheiten“, so der Kardinal im Gespräch mit Radio Vatikan. Dieser Ansicht seien auch die vier französischen Imame, die sich just am Tag des ersten Attentats zu interreligiösen Gesprächen im Vatikan aufhielten und auch von Papst Franziskus in der Generalaudienz empfangen wurden.

„Sie waren tief schockiert, so wie wir alle, über das, was in Paris vorfiel. In diesem Zusammenhang haben sie daran erinnert, dass die Welt in Gefahr ist, wenn die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet ist. Gemeinsam haben wir [in einer am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Erklärungen, Anm.] festgehalten, dass die Religionsführer dazu aufgerufen sind, eine Kultur des Friedens und der Hoffnung zu fördern. Und wir haben nochmals unterstrichen, dass der Dialog zwischen den Religionen der einzige gangbare Weg ist, um Vorurteile auszuräumen. Es gibt nur zwei Wege: Dialog oder Krieg. Wir sind zum Dialog gewissermaßen verurteilt.“

Auf die Frage, wie man in einer Situation wie dieser Verwirrung und Falschinterpretationen vermeiden könne, sagte Tauran: „Sicherlich nur über die Kenntnis der Tatsachen und indem man innerhalb der Gemeinschaft darüber spricht. Es ist sehr wichtig sich Zeit zu nehmen, die anderen zu beobachten, ihnen zuzuhören, ihre –Sprache zu verstehen, eine gesunde Neugier zu entwickeln.“

Im Sommer vergangenen Jahres hatte der „Islamische Staat“ im Irak eine neue Etappe mörderischer Verfolgung von Christen, Jesiden und gemäßigten Muslimen gestartet. Der Päpstliche Dialograt unter Kardinal Tauran denunzierte diese Verbrechen im August in einer scharf formulierten Anklageschrift und rief auch Muslimführer dazu auf, die barbarischen Akte deutlich zu verurteilen.

„Seit diesem Appell im August gibt es Fortschritte“, sagte Tauran.

„Die muslimischen Religionsführer haben sich seither eher energisch zu Wort gemeldet, und es ist gut, sie zu unterstützen. Man muss aber auch verstehen, dass es für sie als echte Muslime eine große Demütigung ist, ihre Religion in dieser Weise verunglimpft zu sehen, weil sie mit blinder Gewalt in eins gesetzt wird.“

Der französische Bischof Michel Dubost hatte die vier Imame nach Rom begleitet. Dubost leitet in der Bischofskonferenz seines Landes den Rat für die interreligiösen Beziehungen. „Priez pour moi“, betet für mich, habe Franziskus die vier Imame gebeten, als er nach der Audienz einige Sätze mit ihnen wechselte. Kurz danach kam die Nachricht von dem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Die Imame seien als Franzosen wie als Muslime ehrlich schockiert gewesen, berichtet Bischof Dubost. „Wir haben das mit ihnen den ganzen Tag gemeinsam erlebt, das war ein sehr wichtiger Moment für mich“, so der Dialogverantwortliche der französischen Bischofskonferenz. (rv)

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Kardinal Tauran neuer Camerlengo

Samstag 20. Dezember 2014 von VH

Kardinal TauranKardinal Jean-Louis Tauran ist der neue Camerlengo der Kirche. Er ist damit Nachfolger von Kardinal Tarcisio Bertone, der dieses Amt seit 2007 ausgeübt hatte. Bertone hat zu Beginn dieses Monats sein 80. Lebensjahr vollendet.

Kardinal Tauran ist Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, zuvor war er im diplomatischen Dienst des Vatikan tätig, unter anderem im Libanon. Er ist seit 2003 Mitglied des Kardinalskollegiums. Bislang übte er dort das Amt des Kardinalprotodiakons aus, ein informelles Amt, zu dem untere anderem die Verkündung eines neu gewählten Papstes nach dem Konklave gehört.

Aufgabe des Camerlengo ist es unter anderem, die Kirche während einer Sedisvakanz zu leiten, dazu bekommt das Amt beschränkte Vollmachten. Außerdem organisiert der Camerlengo – auf deutsch Kämmerer – auch das Konklave selbst.

Papst Franziskus hat neben einem neuen Kämmerer auch das Amt des Vize-Camerlengo neu besetzt, Erzbischof Giampiero Gloder wird es ausüben, er ist Präsident der päpstlichen Diplomatenakademie in Rom. (rv)

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Vatikan: Christlich-muslimischer Gipfel abgeschlossen

Sonntag 7. Dezember 2014 von VH

Kardinal TauranIm Vatikan ist am vergangenen Donnerstag der 3. Christlich-Muslimische Religionsgipfel zu Ende gegangen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass derzeit im Nahen Osten und einigen afrikanischen Ländern eine „noch nie gesehene und unmenschliche Gewalt“ geübt werde. Das steht in der Schlusserklärung der Religionsführer und Gelehrten, die am Freitag im Vatikan veröffentlich wurde. In dem Text ist nicht ausdrücklich von islamistischem Terror die Rede. Am Ende der Begegnung wurde ein „Aufruf des Gipfels zum Handeln“ verlesen. Das Treffen war von „gegenseitigem Respekt, Öffnung und Zuhören“ bestimmt, heißt es in der Erklärung weiter. Dies sei „eine Botschaft der Versöhnung, des Friedens und der Brüderlichkeit, die in unserer Welt sehr benötigt“ werde.

An dem Treffen nahm von vatikanischer Seite Kardinal Jean-Louis Tauran teil, der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Die Delegation des sunnitischen Islam wurde von Prinz El Hasan bin Talal aus Jordanien geleitet, ein seit Jahren bewährter Dialogpartner des Heiligen Stuhles. Der schiitische Islam war durch Ayatollah Sayyed Mostafa Mohaghegh Damad vertreten, Leiter der Abteilung für Islamstudien an der iranischen Akademie der Wissenschaften. Von Seiten der Anglikaner nahm der US-amerikanische Bischof John Bryson Chane aus Washington an dem Religionsgipfel teil. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel vertrat als Ehrengast Metropolitan Emmanuel von Frankreich. Ebenfalls als Ehrengast nahm der argentinische Rabbiner Abraham Skorka teil, der mit Papst Franziskus seit langen Jahren befreundet ist. Franziskus hatte die rund 30köpfige Gruppe am Mittwoch begrüßt, am Donnerstag war er bei der Tagung anwesend.

Der Christlich-Muslimische Religionsgipfel ist nach den Verwirrungen rund um die sogenannte „Regensburger Rede“ von Papst Benedikt XVI. entstanden. Dieser hatte bei einer Vorlesung über Glaube und Vernunft an der Regensburger Universität 2006 ein Zitat verwendet, in dem ein Gelehrter des Spätmittelalters den Propheten Mohammed als gewaltbereiten Religionsführer darstellt. Infolge einer isolierten, verzerrenden Wiedergabe des Zitats kam es zu Verstimmungen in der muslimischen Welt. Im Jahr darauf schrieben 138 muslimische Gelehrte einen gemeinsamen offenen Brief namens „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch“ an christliche Religionsführer, darunter den Papst. Dieses Schreiben wurde unter anderem zur Grundlage des Christlich-Muslimischen Religionsgipfels, der nun zum dritten Mal im Vatikan tagte. (rv)

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Kardinal Tauran: Iran braucht Religionsfreiheit

Dienstag 25. November 2014 von VH

Kardinal TauranDer Iran muss „eine freie Religionsausübung“ gewährleisten. Dazu fordert der Vatikan-Beauftragte für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran. Auch müsse im Iran „Fairness gegenüber Andersgläubigen“ gelten. Angehörige religiöser Minderheiten sollten sich ohne Angst vor „negativen Reaktionen“ offen äußern können, so Kardinal Tauran auf einer Konferenz am Dienstag in Teheran. Christen und Muslime müssten „glaubwürdige“ Partner im Dialog sein. Weiter rief er dazu auf, dass in Schulbüchern Glaubensgemeinschaften und ihre Anhänger „objektiv und respektvoll“ dargestellt werden. Kardinal Tauran äußerte sich bei einem Kolloquium des Iranischen Zentrums für Interreligiösen Dialog und des Päpstlichen Rats für Interreligiösen Dialog. Die am Dienstag eröffnete zweitägige Veranstaltung steht unter dem Thema „Christen und Muslime im konstruktiven Dialog zum Wohl der Gesellschaft“. (rv)

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Vatikan: Anklageschrift gegen islamistischen Terror im Irak

Dienstag 12. August 2014 von VH

Kardinal Tauran Die Vatikanbehörde, die für den Dialog mit den Muslimen zuständig ist, hat sich erstmals zur Errichtung des „Kalifates“ durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ geäußert. Mit äußerster Entschiedenheit weist der von Kardinal Jean-Louis Tauran geleitete Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog die Praktiken des „Islamischen Staates“ zurück. Die „religiösen Verantwortlichen, besonders die muslimischen“, werden zu einer „klaren und mutigen Stellungnahme“ zu den Vorgängen im Irak aufgefordert. Das „Kalifat“ ist Ende Juni 2014 ausgerufen worden.

Die Erklärung aus dem Vatikan, die an diesem Dienstag veröffentlich wurde, listet zahlreiche und „unsägliche kriminelle Handlungen“ durch die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ auf: Massaker an Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, die „grauenhafte Praxis der Enthauptung, der Kreuzigung und des Aufhängens von Leichen an öffentlichen Plätzen“, die erzwungene Wahl für Christen und Jesiden, zu konvertieren, eine bestimmte Steuer zu zahlen oder zu flüchten; die Vertreibung „zehntausender Menschen“, darunter Kinder, Alte, Schwangere und Kranke; die Entführung christlicher und jesidischer Frauen und Mädchen „als Kriegsbeute“; die Auferlegung der „barbarischen Praxis“ der Genitalverstümmelung an Frauen; die Zerstörung christlicher und muslimischer Kultorte; die Besetzung und Entweihung von Kirchen und Klöstern; die Zerstörung christlicher und anderer religiöser Symbole; und schließlich die „niederträchtige Gewalt mit dem Ziel, die Menschen zu terrorisieren und sie zu zwingen, sich auszuliefern oder zu flüchten“.

„Kein Grund“, erst recht kein religiöser, könne „eine solche Barbarei rechtfertigen“, heißt es weiter in der ungewöhnlich deutlich formulierten Mitteilung aus dem Vatikan. Christen und Muslime hätten über Jahrhunderte nebeneinander gelebt, „mit Höhen und Tiefen“, aber sie hätten eine Zivilisation geschafften, „auf die sie stolz sind“. Auf dieser Grundlage habe sich nicht zuletzt der christlich-muslimische Dialog in den vergangenen Jahren entwickelt.

Angesichts der dramatischen Lage der Christen, Jesiden und anderen Religionsgemeinschaften im Irak brauche es eine einstimmige Verurteilung der Vorgänge im „Kalifat“, heißt es in der Mitteilung aus dem Vatikan weiter. Religionsvertreter, „besonders muslimische“, Exponenten des interreligiösen Dialogs und „alle Menschen guten Willens“ müssten „einmütig und ohne Zweideutigkeiten“ die Verbrechen der islamistischen Terrorgruppe im Irak verurteilen und ihre Berufung auf religiöse Motive zurückweisen. Auf dem Spiel stehe geradewegs die Glaubwürdigkeit der Religionen, ihrer Anhänger und ihrer Oberhäupter. Der Vatikan verweist auch darauf, dass die Mehrheit der islamischen Institutionen in Religion und Politik die Wiedererrichtung des Kalifats durch die Dschihadisten der Organisation „Islamischer Staat“ ablehne.

Die Religionsvertreter müssten auch ihren Einfluss bei den Regierungen geltend machen, damit die Verbrechen aufhören, die Täter bestraft werden und ein Rechtsstaat in dem Krisengebiet entstehe, damit die Vertriebenen zurückkehren können. Auch einen neuerlichen Appell gegen den Waffenhandel beinhaltet die Erklärung des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog: „Die religiösen Führer werden nicht verabsäumen zu unterstreichen, dass die Unterstützung, Finanzierung und Bewaffnung des Terrorismus moralisch verwerflich sind.“ Die Erklärung endet mit dem Appell von Papst Franziskus von Ende Juli: „Der Gott des Friedens erwecke in allen ein echtes Verlangen nach Dialog und Versöhnung. Gewalt besiegt man nie mit Gewalt. Gewalt besiegt man mit dem Frieden!“ (rv)

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Franziskus und die Berufung eines neuen Kardinalprotodiakons?

Sonntag 15. Juni 2014 von VH

Kardinal Martino  Kardinal LevadaAm letzten Donnerstag berief Papst Franziskus einen neuen Kardinalprotodiakon. Eigentlich war diese Personalentscheidung seit Oktober 2013 überfällig. Bereits am 21. Oktober des letzten Jahres hatten sieben Kardinaldiakone eine Amtszeit von zehn Jahren erreicht und somit die „optatio“ in den Stand der Kardinalpriester bzw. Kardinalpriester (pro hac vice) aufzusteigen. Zu diesen Kardinaldiakonen gehörte auch der bisherige Kardinalprotodiakon, Jean-Louis Pierre Kardinal Tauran, somit war zu vermuten, dass für Tauran ein Nachfolger durch den Papst bestimmt werden würde. Unter Papst Benedikt XVI. wurde diese Zehnjahresregel eingehalten und rechtzeitig ein Nachfolger für den Kardinalprotodiakon berufen. Franziskus hat mit dieser Tradition nicht nur gebrochen, sondern beruft einen Nachfolger, der eigentlich kein Nachfolger sein dürfte. Der nun berufene Kardinal Martino hat ebenfalls seine zehnjährige Amtszeit als Kardinaldiakon erfüllt, somit ebenfalls das Recht auf eine „optatio“ beim Papst. Doch Papst Franziskus scheint hier andere Vorstellungen zu haben und verwehrt vorerst Martino den Aufstieg in die Rangordnung der Kardinalpriester und bestimmt ihn stattdessen zum Kardinalprotodiakon. Die Aufgaben eines Kardinalprotodiakons beschränken sich im Wesentlichen nur auf drei Tätigkeiten.

  1. Die Bekanntgabe eines neu gewählten Papstes von der Loggia der Peterskirche.
  2. Bei der Amtseinführung des Papstes, ihm das päpstliche Pallium umzulegen.
  3. In Stellvertretung des Papstes den neuen Metropoliten das Pallium umzulegen bzw. die Übergabe des Palliums an Prokuratoren.

Nachdem Kardinal Martino (81) bereits im Jahr 2012 das 80. Lebensjahr erreicht hatte, darf er an einem künftigen Konklave nicht mehr teilnehmen. Deshalb hat Franziskus mit seiner Bekanntgabe zum Kardinalprotodiakon im Falle eines künftigen Konklaves, statt seiner, William Joseph Kardinal Levada bestimmt. Der US-Kardinal Levada war 2005 bis 2012 Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan. Die katholische Nachrichtenagentur kath.net bezeichnet am 13. Juni in dem Artikel „Martino neuer Kardinal-Protodiakon“ Levada als Stellvertreter des Kardinalprotodiakons. Ein Stellvertreter für dieses Amt ist nirgends vorgesehen, weder im Kirchenrecht (CIC) noch in der Papstwahlordnung „Universi Dominici Gregis“ von 1996 und somit auch keine Erklärung für diese päpstliche Personalmaßnahme.

Stellt sich ernsthaft die Frage, ob man diese Personalie als „Überraschung“ oder „Unsinn“ bezeichnen muss. Franziskus muss wissen, dass der Kardinalprotodiakon nicht nur das „Habemus Papam“ nach erfolgter Papstwahl zu verkünden hat, sondern auch Aufgaben im Konklave wahrzunehmen hat. Warum dann also einen über 80-jährigen Nachfolger bestimmen? Warum nicht gleich den eigentlich heranstehenden „primus inter pares“ der Kardinaldiakone, Kardinal Levada für diese Aufgabe bestimmen?

Eigenartig war auch die Bekanntgabe des neuen Kardinalprotodiakons. Üblicherweise wird eine derartige Entscheidung des Papstes in einem Bulletin des Presseamtes des Vatikans veröffentlicht. Das ist bis zum heutigen Tag jedoch unterblieben, lediglich Radio Vatikan hat am 12. Juni in einem Artikel mit der Überschrift „Konsistorium: Interne Kardinalsbeförderungen“ auf diese Veränderung im Kardinalskollegium hingewiesen.

Franziskus hat sich acht Monate Zeit für die Nachfolgeregelung des Kardinalprotodiakons gelassen. An dieser Stelle darf angemerkt werden, dass die Ämter Kardinaldekan und Kardinalsubdekan weitaus länger überfällig sind. Der Kardinaldekan, Kardinal Sodano ist heute 86 Jahre und sein Stellvertreter Kardinal Etchegaray sogar 91 Jahre alt. Beide durften beim letzten Konklave nicht mehr teilnehmen und mussten durch den italienischen Kardinal Re vertreten werden. Auch der Camerlengo der Apostolischen Kammer, Kardinal Bertone, erreicht noch dieses Jahr die Altersgrenze von 80 Jahren und fällt aus der Teilnehmergruppe der wahlberechtigten Kardinäle heraus.

Papst Franziskus bricht mit so mancher Tradition. Das ist nichts Neues. Kritiker bescheinigen ihm gerne, lieber dagegen zu sein, als sich an jahrhundertealte Traditionen zu binden. Gute Entscheidungen brauchen manchmal ihre Zeit, doch im Fall des Kardinalprotodiakons sind acht Monate einfach zu lange und das Ergebnis ist unlogisch. Bleibt noch abzuwarten, wann Franziskus Entscheidungen zu den Ämtern des Dekans und Subdekans des Kardinalskollegiums zu treffen gedenkt. (vh)

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