Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Der Papst und der Scheich: Ein kurzes, aber wichtiges Treffen im Vatikan

Dienstag 24. Mai 2016 von VH

cna_Fanziskus im VatikanVATIKANSTADT – Angesichts des weltweit eskalierenden islamistischen Terrors und des Völkermords an Christen durch den Islamischen Staat war diese Begegnung besonders brisant: Papst Franziskus hat heute im Vatikan einen der wichtigsten Gelehrten des sunnitischen Islam getroffen. Dabei kam es auch zu einer Umarmung der beiden Männer.

„Das Treffen war die Botschaft“, sagte Papst Franziskus über die Begegnung, wird berichtet.

Der Scheich der Azhar, Ahmed al Tayyeb, gilt als moderater Vertreter seiner Religion. Die Moschee und Einrichtungen der im Jahr 975 gegründeten Azhar Universität in Kairo sind ein wichtiges Zentrum des Islam. Als Geschenk überreichte der Papst dem islamischen Gelehrten eine Friedensmedaille und seine Enzyklika Laudato Si.

Die private Begegnung der beiden fand in der Bibliothek des Papstes statt und dauerte etwa 30 Minuten. Worüber der Pontifex und der Scheich genau sprachen, ist nicht bekannt; die Begegnung sei „sehr herzlich“ gewesen. Es wird gemeldet, dass es um Frieden und die Ablehnung von Gewalt und Terrorismus gegangen sei, sowie die Lage und den Schutz verfolgter Christen. In einer eigenen Stellungnahme teilte der Imam mit, es sei darum gegangen, „Missverständnisse“ über den Islam auszuräumen und Muslime in westlichen Staaten zu ermutigen, sich zu integrieren.

Der Imam war begleitet von acht Personen, die ihn auch beim weiteren Besuchsprogramm zur Seite blieben, darunter ein kurzes Treffen mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, sowie dem Sekretär des Rates, Monsignore Miguel Ángel Ayuso Guixot.

Wie das Presse-Amt des Heiligen Stuhls mitteilte, dauerte der gesamte Besuch insgesamt eine gute Stunde.

Hoffnung und Warnung

Manche Beobachter erhoffen sich von der heutigen Begegnung eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Azhar. Diese hatte jedoch — unter dem gleichen Imam — den Kontakt zum Heiligen Stuhl im Jahr 2011 abgebrochen und Papst Benedikt XVI. vorgeworfen, er mische sich in die „inneren Angelegenheiten“ Ägyptens ein. Der Grund: Benedikt hatte einen Bombenanschlag auf eine koptische Kirche verurteilt und besseren Schutz für Christen gefordert.

Bereits im März dieses Jahres hatte Imam al Tayyeb Deutschland besucht und erklärt, seine Religion sei „eine Religion des Friedens“. Die „Terroristen“ seien nur eine Minderheit. Gleichzeitig rief Al Tayyeb damals europäische Muslime auf, sich an die Werte der Länder, in denen sie lebten, zu halten. Doch warnte der Imam auch, dass Muslime sich gleichberechtigt fühlen müssten in Europa. Sonst drohe „Extremismus und Gewalt.“

Im eigenen Land des Imam, kritisieren Beobachter, sind Christen freilich nach wie vor alles andere als gleichberechtigt und immer wieder Ziel massiver Gewalt durch radikale Muslime. (CNA Deutsch)

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Logo der Armenienreise des Papstes veröffentlicht

Donnerstag 19. Mai 2016 von VH

Logo Armenien„Besuch im ersten christlichen Land“, so lautet das Motto der Papstreise nach Armenien. Franziskus wird das Land im Kaukasus vom 24. bis 26. Juni besuchen. Neben dem Motto wurde auch das Logo von den Gastgebern an diesem Donnerstag vorgestellt. Auf dem Logo wird der biblische Berg Ararat dargestellt sowie ein tiefer Brunnen, der das langjährige Gefängnis des armenischen Heiligen Gregor darstellen soll. Die Farben gelb und violett, die das Logo prägen, stehen für die armenische Kirche. (rv)

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Diakonissen, Diakonat, Deutungshoheiten: Ein Kommentar zur Aufregung

Samstag 14. Mai 2016 von VH

Papst FranziskusROM/MÜNCHEN ,- „Papst Franziskus erwägt Zulassung zum Diakonat: Kann eine Frau bald Papst werden?“ – die Boulevardpresse brachte gewohnt deutlich auf den Punkt, was nun begeisterte oder entrüstete Stimmen seit 24 Stunden deuten – aber der Papst gar nicht sagte. Ja, nicht einmal andeutete.

Was diese Frage betrifft: Die Internationale Theologische Kommission hat 2003 schon eine Untersuchung des Diakonats vorgelegt, die auch die Hinweise auf Zeiten der Frühkirche analysiert, in der es phasenweise wohl Diakonissen gab. Unter anderem steht hier zu lesen:

Das Vorbild ist die Diakonie Christi, der seinen Jüngern die Füße gewaschen hat (DA III, 13, 1–7). Es gibt allerdings zwischen den beiden Zweigen des Diakonats hinsichtlich der ausgeübten Funktionen keinen strikten Parallelismus. Die Diakone werden vom Bischof ausgewählt, damit sie „viele notwendige Aufgaben verrichten“, die Diakonissen nur „zum Dienst an den Frauen“ (DA III, 12, 1). (…) Die Diakonisse soll die Salbung des Körpers der Frauen anlässlich der Taufe vornehmen, die neu getauften Frauen belehren, die gläubigen Frauen und vor allem die Kranken zu Hause besuchen. Es ist ihr verboten, selbst zu taufen oder bei der Darbringung der Eucharistie eine Rolle zu spielen (DA III, 12, 1–4). (Quelle)

Andere Fälle und Quellen werden dort ebenfalls untersucht. Mit den meisten vollmundigen Aussagen, die nun zu lesen und hören sind, hat all das wenig zu tun.

Unabhängig von der wichtigen Frage, ob und wie ein Diakonat der Frau wirklich im Gespräch ist, oder gar sein sollte: Mindestens genauso wichtig wäre es, einmal ein Licht darauf zu werfen, was in einem solchen Fall eigentlich rhetorisch wie medial abläuft.

Die regelrechte Deutungs-Hysterie um angebliche Aussagen des Papstes ist kein Einzelfall. Dahinter steckt sowohl ein tief menschliches als auch ein technologisches Problem. Und es zeigt sich schnell: Vorschnelle Medienschelte ist zu kurz gegriffen.

Egal, ob es um Karnickelvergleiche, Interkommunion, geschiedene Wiederverheiratete, Homosexuelle oder das Frauendiakonat geht: Es zeichnet sich ein Muster ab, das wie folgt abläuft.

1. Zuerst sagt Papst Franziskus etwas – oder, siehe Amoris Laetitia, schreibt er etwas. Nicht immer ist es klar und deutlich; manchmal mag es bewusst vage oder einfach nur spontan sein.

2. Ist die Aussage des Heiligen Vaters eine Bestätigung der Lehre der Kirche oder anderweitig unbequem, wird sie ignoriert oder bestenfalls kurz gemeldet. Beispiele gibt es genug: Etwa, dass die Ehe notwendiger Weise aus Mann und Frau besteht und Kinder einen Vater und eine Mutter brauchen. Oder Franziskus‘ wiederholte Verurteilung der Gender-Ideologie. Ganz zu schweigen von seinem Tadel an der Lage des Glaubens und der Kirche in Deutschland.

3. Ist die Aussage potentiell so interpretierbar, als würde der Papst die Kirche und ihre Lehre ändern wollen, rauscht ein tausendfaches Echo auf. Journalisten, aber auch einige Bischöfe, Funktionäre, Theologinnen, neuerdings sogar Politiker interpretieren mehr oder weniger gelungen, was das alles aus ihrer Sicht bedeutet, und was der Papst „wirklich“ meinte. Nicht selten widersprechen sie sich dabei völlig (und manchmal auf offensichtlich dem, was der Papst sagte). Ein paar besonders ideologisierte Akteure nutzen das dann politisch, um Steine auf Menschen anderer Meinung zu werfen.

4. Irgendwann kommt eine Reaktion vom Presse-Amt des Heiligen Stuhls, manchmal dem Heiligen Vater selbst; oft in Form vorsichtiger Klarstellungen. Diese Korrekturen werden zwar gelegentlich berichtet, aber im Vergleich zu den großen Aufregern gehen sie völlig unter. So auch gestern in der Aufregung um angebliche Diakoninnen; heute, einen Tag nach der Klarstellung, melden öffentlich-rechtliche Sender das gleiche wie am Tag davor.

Dieses Muster mag im säkularen Zeitalter digitaler Medien unvermeidbar erscheinen, oder system-immanent. Ist es aber nicht, zumindest, was seinen inhaltlichen Ablauf und die darin eingebauten Entscheidungen betrifft. Technisch ist eine sofortige Weitergabe einer Papst-Aussage natürlich heute normal, und wird immer einfacher. Aber was – und wie etwas – gesagt wird: Das ist steuerbar und selten Zufall, sondern meistens die Folge eines zutiefst menschlichen Phänomens: Recht haben zu wollen, und die Dinge nach dem eigenen Urteil zu ändern, ja prägen. Mit einer Nachfolge Christi freilich hat dies selten zu tun – wie auch Franziskus mit seiner Warnung vor Feminismus und Klerikalismus in diesem Fall gewarnt hat.

Wie dies geschieht, in der Kirche, den Medien, der Öffentlichkeit, und was dabei verhandelt wird: Das sind unterschätzte Fragen, die einer sachlichen Klärung und Analyse harren; auch und gerade mit Blick auf die Wirkung und Folgen des Pontifikats von Papst Franziskus. Nicht erst wer die heutigen „Diakoninnen-Kommentare“ in der deutschsprachigen Medienlandschaft liest, weiß sofort, warum. (CNA Deutsch)

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Vatikansprecher ordnet Papstaussagen zu Diakoninnen ein

Samstag 14. Mai 2016 von VH

Pater Lombardi PressekonferenzVatikansprecher Lombardi hat davor gewarnt, falsche Schlüsse aus den Aussagen von Papst Franziskus zum Thema Frauendiakonat zu ziehen. „Wir müssen ehrlich sein: Der Papst hat nicht gesagt, er habe die Absicht, eine Diakonenweihe für die Frauen einzuführen, erst recht nicht hat er von einer Priesterweihe für Frauen gesprochen“, sagte Lombardi als Reaktion auf die große Aufmerksamkeit für das Thema. Franziskus hatte laut darüber nachgedacht, eine Studienkommission einzurichten, die den Diakonat der Frau in der frühen Kirche untersucht. Er äußerte sich bei einer Audienz im Frage-Antwort-Modus vor 900 Ordensoberinnen, die unter anderem vom Papst wissen wollten, ob ein Zugang zum ständigen Diakonat für Frauen denkbar sei. Die Diakonenweihe kann – so wie die Priester- und Bischofsweihe – in der katholischen Kirche nur Männern gespendet werden, allerdings wird in letzter Zeit vermehrt über eine mögliche Form des Diakonats ohne Weihe diskutiert. (rv)

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Papst Franziskus erhält den Karlspreis

Samstag 7. Mai 2016 von VH

Papst FranziskusPapst Franziskus hat an diesem Freitag den Internationalen Karlspreis zu Aachen für die Einheit Europas erhalten. Damit geht der Preis nicht nur an das Oberhaupt der katholischen Weltkirche, sondern auch an einen Lateinamerikaner, der bislang als Papst vor allem auf die Ränder Europas geschaut hat: Sein erster Besuch als Pontifex führte ihn auf die Mittelmeerinsel Lampedusa, wo jährlich tausende Flüchtlinge sterben. Er besuchte Albanien, Sarajevo und erst kürzlich die griechische Insel Lesbos, neuer Hotspot der europäischen Flüchtlingspolitik. Nicht zu vergessen seine Rede vor dem Europäischen Parlament im November 2014 in Straßburg, wo er die Würde des Menschen anmahnte und von einer müden Großmutter Europa sprach.

Jürgen Linden, Vorsitzender des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, gab in seiner Ansprache die Begründung für die Verleihung des prestigeprächtigen Preises an Papst Franziskus: „Sie sind eine Stimme des Gewissens, die uns mahnt, bei all unserem Tun den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Sie sind eine herausragende moralische Autorität, die uns als Mahner und Mittler daran erinnert, dass wir in Europa den Auftrag und die Verpflichtung haben, aufbauend auf den Idealen der europäischen Gründerväter Frieden und Freiheit, Recht und Demokratie, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung zu verwirklichen.“

Der Text der Medaille lautet: „Karlspreis zu Aachen 2016 Papst Franziskus Europa – eine Gesellschaft der Werte“. Linden schloss mit den Worten: „Heiliger Vater, geben Sie uns Mut und Zuversicht, Europa wieder zu dem Traum zu machen, den wir seit mehr als 60 Jahren zu träumen gewagt haben.“

Zu Ehren des Preisträgers waren auch die Spitzen der Europäischen Union und frühere Karlspreisträger gekommen, der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, und der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war gekommen und hatte bereits am Vormittag eine Privataudienz bei Franziskus erhalten. Des Weiteren waren der König von Spanien, Felipe VI. und der Großherzog Henri von Luxemburg sowie der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi und die Staatspräsidentin der Republik Litauen, Dalia Grybauskaité, anwesend. (rv)

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Papst nimmt 12 Flüchtlinge mit nach Rom

Samstag 16. April 2016 von VH

cna_LesbosVATIKANSTADT – Es ist eine spektakuläre Aktion: 12 Flüchtlinge werden nach Abschluss des Besuchs von Papst Franziskus auf Lesbos mit ihm nach Rom fliegen. In Abstimmung mit griechischen und italienischen Behörden hat dies das Staatssekretariat des Vatikans offenbar auf Anregung des Papstes organisiert.

Wie Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte, handelt es sich dabei um drei muslimische Familien aus Syrien. Die Flüchtlinge, davon sechs Kinder, seien bereits vor Inkraftreten des Abkommens zwischen der EU und der Türkei nach Lesbos gekommen. Dem zufolge werden illegal eingereiste Migranten zurück in die Türkei gebracht.

Die Aktion wurde während der Tagesreise des Papstes auf der Insel bekanntgegeben. Dabei traf Franziskus auch mit führenden Vertretern der Orthodoxie zusammen, darunter Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel und Erzbischof Hieronymos von Athen.

Die Gemeinschaft von Sant’Egidio werde sich um die drei arabischen Familien erst einmal kümmern, hieß es. (CNA Deutsch)

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Amoris Laetitia: Die sechs zentralen Punkte

Freitag 8. April 2016 von VH

Papst FranziskusIch „empfehle nicht, es hastig ganz durchzulesen“: Papst Franziskus legt dem schnellen Interesse Zügel an, gleich zu Beginn des Dokumentes Amoris Laetitia (7) erklärt er, warum der Text so umfangreich geworden ist, und warnt vor einem zu schnellen Suchen und Lesen. Um sich aber in diesem, wie der Papst sagt, umfangreichen Text orientieren zu können, geben wir hier einen Überblick über die wichtigsten Punkte der Apostolischen Exhortation.

1. Nicht immer nur Rom

„Nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen (müssen) durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden“ (AL 3). Gleich zu Beginn gibt der Papst einen der Schlüssel für den Umgang mit der Wirklichkeit an: Lösungen kommen nicht ausschließlich ‚von oben’. Dahinter steht die Idee der Inkulturation, das heißt, vor Ort können Lösungen anders aussehen als im Nachbarland oder in einem anderen Kulturkreis, weil die Umstände andere sind.

2. Realismus

Es sind „Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen“. Dem Papst geht es um den Blick auf die Wirklichkeit, nicht auf das Ideal. Ohne Aufmerksamkeit für die Realität kann man weder die Bedürfnisse der Gegenwart noch den Ruf des Heiligen Geistes verstehen, heißt es im Text. Realismus helfe dabei, „ein allzu abstraktes theologisches Ideal der Ehe (…), das fast künstlich konstruiert und weit von der konkreten Situation und den tatsächlichen Möglichkeiten der realen Familien entfernt ist“, zu vermeiden (AL 36). Idealismus führt dazu, dass die Ehe nicht als das gesehen wird, was sie ist, nämlich ein „dynamischer Weg der Entwicklung und Verwirklichung“ (AL 37).

3. Es geht um Liebe

Das zentrale Kapitel – wie der Papst es bezeichnet – ist das Kapitel über die Liebe, wobei der Papst das Wort „amor“ benutzt, nicht das der Nächstenliebe nähere Wort „caritas“. Es geht um alle Aspekte der Liebe, von Verlässlichkeit und Hingabe über Leidenschaft und Erotik bis zum Wandel im Alter und zum Tod. Sexualität zum Beispiel wird „als eine Teilhabe an der Fülle des Lebens in seiner (Christi) Auferstehung erlebt“, es herrscht ein positiver Grundton vor. Der Papst betont, dass „im Wesen der ehelichen Liebe selbst die Öffnung auf die Endgültigkeit hin vorhanden ist“ (AL 123), und zwar in der ganzen Weite der Ehe, im „Miteinander von Wonnen und Mühen, von Spannungen und Erholung, von Leiden und Befreiung, von Befriedigung und Streben, von Missbehagen und Vergnügen“ (AL 126).

4. Eingliederung aller

„Es geht darum, alle einzugliedern; man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben, damit er sich als Empfänger einer unverdienten, bedingungslosen und gegenleistungsfreien Barmherzigkeit empfindet“ (AL 297). Pastoral ist nicht einfach die Umsetzung von Regeln in die Praxis, sie muss vom Einzelnen in seiner jeweiligen Situation ausgehen. Die Perspektive dazu ist die, alle – dieses Wort betont der Papst – zu integrieren.

5. Das Gewissen

„Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen“ (AL 37). Zu einer Erwägung im Gewissen gehören der Blick auf die Lehren Christi und auf die Tradition der Kirche, zu leichte und zu harte Lösungen gleichermaßen sind Verrat an der konkreten Lebenssituation. Außerdem ist aber der Einzelne zu respektieren, im Gewissen ist er allein mit Gott. Das erklärt auch, weshalb das Dokument keine neuen Regeln vorgibt: „Wenn man die zahllosen Unterschiede der konkreten Situationen (…) berücksichtigt, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte. Es ist nur möglich, eine neue Ermutigung auszudrücken zu einer verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle“ (AL 300).

6. Wider das öffentliche Gezerre

„Die Debatten, wie sie in den Medien oder in Veröffentlichungen und auch unter kirchlichen Amtsträgern geführt werden, reichen von einem ungezügelten Verlangen, ohne ausreichende Reflexion oder Begründung alles zu verändern, bis zu der Einstellung, alles durch die Anwendung genereller Regelungen oder durch die Herleitung übertriebener Schlussfolgerungen aus einigen theologischen Überlegungen lösen zu wollen“ (AL 2). Dem Papst ist bewusst, was für einen Begleitlärm die Synode hatte, innerkirchlich und auch medial. Bereits in seinen beiden Abschlussreden hatte er das kritisiert, in Amoris Laetitia benennt er diesen Umstand noch einmal deutlich. Hinter der Kritik steckt auch eine Aufforderung: nicht hektisch zu lesen, nicht die Debatte zu überspitzen, sondern ruhig und betrachtend die einzelnen Themen und Teile des Textes durchzugehen. (rv)

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Franziskus reist am 16. April nach Lesbos

Freitag 8. April 2016 von VH

GriechenlandPapst Franziskus wird am 16. April auf die griechische Insel Lesbos reisen. Das teilte der Vatikan an diesem Donnerstag mit. Dort wird der Papst gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und dem griechisch-orthodoxen Erzbischof von Athen, Hieronimus II., Flüchtlinge treffen. Die Einladung auf die griechische Insel sei durch Bartholomaios und den griechischen Präsidenten erfolgt. Die Insel ist Haupt-Anlaufpunkt bei der Überfahrt der Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland und Brennpunkt des erst kürzlich in Kraft getretenen Rückführungsabkommen zwischen EU und Türkei. In seiner Mitteilung betonte der Vatikan auch den ökumenischen Charakter des Besuches von Papst Franziskus und den Vertretern der orthodoxen Kirche.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte dazu auf Anfrage von Radio Vatikan:

„Wie wir wissen, verfolgt der Papst immer mit großer Aufmerksamkeit alle großen Krisen auf der Welt und insbesondere, wenn es dabei Menschen gibt, die leiden und unserer Solidarität und Hilfe bedürfen. … Weil es sich bei der griechischen Insel um ein Gebiet handelt, das vorwiegend von orthodoxen Christen bewohnt ist, stattet er diesen Besuch zusammen mit Vertretern der orthodoxen Kirche ab. Was der Papst dort tut, hat nicht unbedingt einen direkten politischen Charakter sondern es hat menschliche, moralische und religiöse Bedeutung, weil er jeden von uns dazu aufruft, Verantwortung für die Mitmenschen zu tragen.“ (rv)

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Synodendokument Amoris Laetitia wird am 8. April vorgestellt

Freitag 1. April 2016 von VH

Kardinal Baldisseri„Amoris Laetitia – über die Liebe in der Familie“ – so lautet der Titel des postsynodalen Schreibens, dass Papst Franziskus im Anschluss an die beiden Bischofssynoden verfasst hat. Der Vatikan wird es am 8. April offiziell im Vatikan vorstellen, wie der Pressesaal an diesem Freitag bekannt gab. Der lateinische Titel lautet übersetzt „die Freude der Liebe“, er wird traditionell aus den Anfangsworten des Textes gebildet. Neben Kardinal Lorenzo Baldisseri als Generalsekretär der Bischofssynode werden eine italienische Familie und Kardinal Christoph Schönborn den Text, eine so genannte Apostolische Exhortation, vorstellen.

2014 hatte der Papst einen synodalen Prozess mit zwei Versammlungen der Bischofssynoden zum Thema Ehe und Familie begonnen, damit waren erstmalig in der Geschichte der Synode zwei Versammlungen aufeinander aufbauend mit demselben Thema beschäftigt. Die Debatten waren von Kontroversen begleitet, wie auch das Schreiben des Papstes mit Spannung erwartet wird.

Die Versammlung der Bischofssynode im Oktober vergangenen Jahres hatte nach zweijähriger Arbeitszeit dem Papst einen Abschlussbericht übergeben, die so genannte Relatio Finalis. Der Papst hatte angekündigt, seine Gedanken und Reflexionen zum Thema und zu den Beratungen der Bischöfe vorzustellen. Beim Rückflug von der Reise nach Mexiko hatte er angedeutet, dass es vielleich noch vor dem Osterfest gelänge den Text vorzustellen, nun wird es der April. (rv)

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Kreuzweg des Papstes gedenkt verfolgter Christen

Samstag 26. März 2016 von VH

cna_Kreuzweg_KolosseumVATIKANSTADT – “O Kreuz Christi, auch heute sehen wir Dich aufgerichtet in unseren getöteten Schwestern und Brüdern, bei lebendigem Leib verbrannt, die Kehlen aufgeschlitzt und enthauptet durch barbarische Klingen, während feige geschwiegen wird”.

Die Christenverfolgung und der globale Terror des Islamischen Staats waren Themen des traditionellen Kreuzwegs mit dem Papst am Abend des Karfreitag in Rom. Wie seine Vorgänger kam Franziskus zum Kolosseum Roms, vor dessen beeindruckender Kulisse die vierzehn Stationen gebetet wurden – und neben der Verfolgung und Terror auch die Massenmigration, Armut und andere Themen angesprochen wurden.

Franziskus betete über die Waffenhändler und andere Kriegsprofiteure, die “unser gemeinsames Haus” zerstören, sowie Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung fliehen.

Der Papst betete für die Menschen, die Gott aus dem öffentlichen Raum entfernen wollen, im Namen eines “heidnischen Laizismus oder der Gleichberechtigung”, die doch Gott selber gelehrt habe.

Das Kreuz Christi, sagte der Papst, sei aber auch unter den verlassenen Alten zu sehen, sowie unter Migranten, die auf dem Weg nach Europa in den kleinen Booten der Menschenschmuggler starben: Das Mittelmeer sei ein unersättlicher Friedhof, ein Spiegel “unserer gleichgültigen und betäubten Gewissen.”

Das Kreuz sei aber auch unter Menschen guten Willens zu finden; in Familien, unter geweihten Frauen und Männern, “die alles verlassen haben um — in evangelikaler Stille — die Wunden der Armut und der Ungerechtigkeit zu verbinden”. (CNA Deutsch)

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