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Kirchengeschichte bei VH

Frieden, Terror, Migration: Was Franziskus den Diplomaten in der Neujahrsansprache sagte

Dienstag 10. Januar 2017 von VH

VATIKAN – Über Sicherheit und Frieden, Terror und Massenmigration hat Papst Franziskus am heutigen Montag eine Rede vor Diplomaten gehalten. Dabei betonte der Papst, dass zwar Migranten und Flüchtlinge soweit möglich in ein Land integriert werden sollten, aber „ohne dass dieses seine eigene Sicherheit, seine kulturelle Identität und sein sozialpolitisches Gleichgewicht gefährdet sieht“.

Europa attestierte Franziskus, sich in einem „entscheidenden Moment seiner Geschichte“ zu befinden: Der Kontinent müsse seine eigene Identität wiederfinden und die eigenen Wurzeln wieder entdecken.

Der Heilige Vater äußerte sich auch über religiös motivierte Gewalt. Wörtlich sagte er:

Es handelt sich um einen mörderischen Wahnsinn, der den Namen Gottes missbraucht, um Tod zu verbreiten, und versucht, einen Macht- und Herrschaftswillen durchzusetzen. Daher appelliere ich an alle religiösen Autoritäten, dass sie gemeinsam entschieden bekräftigen, dass man nie im Namen Gottes töten darf. Der fundamentalistische Terrorismus ist Frucht einer großen geistigen Erbärmlichkeit (…)

Beim traditionellen Neujahrsempfang des diplomatischen Corps betonte Franziskus, dass „nur durch den gemeinsamen Beitrag der religiösen und politischen Führer“ dieser Terror vollständig überwunden werden könne.

Ohne eine Religion beim Namen zu nennen, sagte der Papst, dass religiöse Führer die Pflicht hätten, Werte zu vermitteln, „die keinen Gegensatz zwischen Gottesfurcht und Nächstenliebe zulassen“.

Aufgabe der Politiker sei es, im öffentlichen Raum das Recht der Religionsfreiheit zu garantieren und den positiven und konstruktiven Beitrag anzuerkennen, den Religionen am Aufbau der Zivilgesellschaft leisteten.

Mehr noch: Die Politik dürfe sich nicht damit begnügen, „die Sicherheit der eigenen Staatsbürger zu gewährleisten – eine Auffassung, die sich leicht auf ein einfaches ‚ruhigen Leben‘ zurückführen lassen könnte – sondern aufgerufen ist, auch wirklich Frieden zu fördern und aufzubauen“.

Migranten müssen Kultur und Tradition respektieren

Es bedürfe eines gemeinsamen Einsatzes „für Migranten, Vertriebene und Flüchtlinge, damit ihnen eine würdige Aufnahme geboten werden kann“, forderte Franziskus. Dazu müsse man „das Recht jedes Menschen in andere Staaten auszuwandern und dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen“ anwenden.

Darüber hinaus müssten Politik und Gesellschaft „die Möglichkeit zur Integration der Migranten in das Sozialgefüge, in das sie sich eingliedern, garantieren“, so der Papst weiter, allerdings „ohne dass dieses seine eigene Sicherheit, seine kulturelle Identität und sein sozialpolitisches Gleichgewicht gefährdet sieht“.

„Andererseits dürfen die Migranten selbst nicht vergessen, dass sie verpflichtet sind, die Gesetze, die Kultur und Traditionen der Länder, die sie aufnehmen, zu respektieren“, so der Papst.

Feinde des Friedens

Wie bereits in früheren Reden geißelte der Papst auch politische Ideologien, soziale Ungerechtigkeit, Armut und Waffenhandel als Feinde des Friedens.

CNA dokumentiert den vollständigen Wortlaut der Ansprache, wie sie der Heilige Stuhl zur Verfügung gestellt hat.

Exzellenzen, liebe Botschafter, sehr geehrte Damen und Herren,

gerne heiße ich Sie willkommen und danke Ihnen, dass Sie so zahlreich erschienen sind und diesem traditionellen Treffen wieder Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben. Es gibt uns die Gelegenheit, gegenseitig die Wünsche auszutauschen, dass das eben begonnene Jahr für alle eine Zeit der Freude, des Wohlergehens und des Friedens sei. Einen ganz besonderen Dank richte ich an den Dekan des Diplomatischen Korps, Seine Exzellenz Armindo Fernandes do Espírito Santo Vieira, Botschafter von Angola, für die ehrerbietigen Grußworte im Namen des ganzen beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps. Es wurde ja kürzlich durch die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit der Islamischen Republik Mauretanien vor einem Monat erweitert. Desgleichen möchte ich den vielen Botschaftern, die in der Stadt Rom residieren und deren Zahl im Lauf des vergangenen Jahres zugenommen hat, wie auch den nicht residierenden Botschaftern meinen Dank ausdrücken, dass sie mit ihrem heutigen Besuch das freundschaftliche Band, das ihre Völker und den Heiligen Stuhl verbindet, unterstreichen wollen. Ebenso ist es mir ein Anliegen, dem Botschafter von Malaysia im Gedenken an seinen im vergangenen Februar verstorbenen Vorgänger Dato’ Mohd Zulkephli Bin Mohd Noor meine besondere Anteilnahme auszusprechen.

Im Lauf des letzten Jahres konnten die Beziehungen zwischen Ihren Ländern und dem Heiligen Stuhl dank der geschätzten Besuche zahlreicher Staatsoberhäupter und Regierungschefs weiter vertieft werden, die auch in Verbindung mit den verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen des kürzlich zu Ende gegangenen außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit stattfanden. Es wurden auch einige bilaterale Verträge unterzeichnet oder ratifiziert, sowohl solche allgemeiner Natur zur Anerkennung des Rechtsstatuts der Kirche – mit der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, mit Benin und mit Ost-Timor –, als auch solche mehr fachlicher Natur wie der mit Frankreich geschlossene Abänderungsvertrag oder die Steuerkonvention mit der Republik Italien, die vor kurzem in Kraft trat. Hinzu kommt auch das Memorandum zur gegenseitigen Verständigung zwischen dem Staatssekretariat und der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate. Ferner wurde im Blick auf den Einsatz des Heiligen Stuhls, die übernommenen Verpflichtungen der unterzeichneten Abkommen einzuhalten, das Comprehensive Agreement mit dem Staat Palästina, das vor einem Jahr in Kraft trat, vollständig umgesetzt.

Liebe Botschafter, vor einem Jahrhundert befand sich die Welt mitten im Ersten Weltkrieg. Ein unnötiges Blutbad[1], bei dem neue Gefechtstechniken Tod verbreiteten und für die wehrlose Zivilbevölkerung unermessliche

Leiden verursachten. Im Jahr 1917 wandelte sich das Antlitz des Krieges grundlegend und nahm immer mehr weltweite Züge an, während jene totalitären Regime, die dann lange Zeit Ursache schmerzlicher Teilungen sein sollten, am Horizont erschienen. Hundert Jahre danach können viele Teile der Welt sagen, dass sie lange Friedenszeiten genießen konnten. Diese haben bisher nie dagewesene Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung und Formen des Wohlstands begünstigt. Wenn heute für viele der Friede in gewisser Weise als ein selbstverständliches Gut erscheint, gleichsam als ein erworbenes Recht, dem man nicht mehr viel Aufmerksamkeit schenkt, ist er für zu viele noch immer nur ein fernes Wunschbild. Millionen von Menschen leben immer noch im Zentrum sinnloser Konflikte. Auch an Orten, die einmal als sicher galten, spürt man ein allgemeines Gefühl der Angst. Wir sind oft übermannt von Bildern des Todes, vom Leid der Unschuldigen, die um Hilfe und Trost bitten, von der Trauer derer, die wegen Hass und Gewalt um einen geliebten Menschen weinen, vom Drama der Flüchtlinge, die vor dem Krieg fliehen, oder der Migranten, die tragisch ums Leben kommen.

Daher möchte ich die heutige Begegnung dem Thema der Sicherheit und des Friedens widmen. Im Klima allgemeiner Besorgnis um die Gegenwart als auch der Unsicherheit und der Angst vor der Zukunft, in dem wir uns befinden, halte ich es für wichtig, ein Wort der Hoffnung zu sagen, das auch die Perspektive eines Weges aufzeigt.

Vor einigen Tagen haben wir gerade den 50. Weltfriedenstag gefeiert, den mein Vorgänger der selige Paul VI. einführte »als Wunsch und Gelöbnis, an den Anfang des Jahres, das die Zeit unseres menschlichen Daseins misst und beschreibt, den Frieden zu stellen, um in seiner gerechten und wohltuenden Ausgeglichenheit die geschichtliche Entwicklung der Zukunft zu bestimmen«[2]. Für die Christen ist der Friede eine Gabe des Herrn, verkündet und besungen von den Engeln bei der Geburt Christi: »Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade« (Lk 2, 14). Er ist ein positives Gut, »die Frucht der Ordnung, die […] in die menschliche Gesellschaft eingestiftet«[3] ist, und »besteht nicht [einfach] darin, dass kein Krieg ist«.4 Er »lässt sich auch nicht bloß durch das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte sichern«[4], vielmehr fordert er den Einsatz der Menschen guten Willens »durch stetes Streben nach immer vollkommenerer Gerechtigkeit«6.

In dieser Sicht bekunde ich die feste Überzeugung, dass jeder Ausdruck von Religion den Frieden zu fördern hat. Das konnte ich auf bedeutsame Weise im Zuge des Weltgebetstags für den Frieden im vergangenen September in Assisi erfahren, bei dem sich die Vertreter der verschiedenen Religionen getroffen haben, um »allen, die leiden, eine Stimme [zu] geben, allen, die keine Stimme haben und die niemand hört«[5], als auch anlässlich meines Besuchs in der Großen Synagoge von Rom oder in der Moschee von Baku.

Wir wissen, dass es an religiös motivierter Gewalt nicht gefehlt hat, angefangen eben bei Europa, wo die historischen Spaltungen unter den Christen viel zu lange andauerten. Auf meiner jüngsten Reise nach Schweden wollte ich an die dringende Notwendigkeit erinnern, die Wunden der Vergangenheit zu heilen und zusammen unterwegs zu sein auf gemeinsame Ziele hin. Einem solchen Weg kann nur der echte Dialog zwischen den unterschiedlichen religiösen Bekenntnissen zugrunde liegen. Es ist ein möglicher und notwendiger Dialog, wie ich durch das Treffen mit dem Patriarchen Kyrill von Moskau auf Kuba zu bezeugen versuchte als auch bei den Apostolischen Reisen nach Armenien, Georgien und Aserbaidschan. Dort konnte ich das rechte Bestreben dieser Völker sehen, die Konflikte beizulegen, die seit Jahren die Eintracht und den Frieden beeinträchtigen.

Zugleich ist es angebracht, die vielfältigen religiös inspirierten Werke nicht zu vergessen, die – manchmal auch unter dem Opfer der Märtyrer – am Aufbau des Gemeinwohls mitwirken, besonders durch Bildung und Unterstützung vor allem in den am meisten notleidenden Regionen und den Konfliktschauplätzen. Solche Werke tragen zum Frieden bei und geben Zeugnis davon, wie man konkret zusammenleben und zusammenarbeiten kann – selbst wenn man verschiedenen Völkern, Kulturen und Traditionen angehört –, sooft die Würde der menschlichen Person in den Mittelpunkt des eigenen Handelns gestellt wird.

Leider ist uns bewusst, wie auch heute noch die religiöse Erfahrung, anstatt für den anderen zu öffnen, bisweilen als Vorwand für Abschottung, Ausgrenzung und Gewalt benutzt werden kann. Ich beziehe mich in besonderer Weise auf den Terrorismus fundamentalistischen Ursprungs, der auch im vergangenen Jahr zahlreiche Opfer auf der ganzen Welt hinweggerafft hat: Afghanistan, Bangladesch, Belgien, Burkina Faso, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Jordanien, Irak, Nigeria, Pakistan, Vereinigte Staaten von Amerika, Tunesien und Türkei. Es sind niederträchtige Akte, die wie in Nigeria Kinder zum Töten missbrauchen; die es auf Menschen absehen, die wie in der Koptischen Kathedrale von Kairo beten, die wie in Brüssel reisen oder arbeiten, die wie in Nizza und Berlin als Passanten unterwegs sind oder wie in Istanbul einfach den Beginn des neuen Jahres feiern.

Es handelt sich um einen mörderischen Wahnsinn, der den Namen Gottes missbraucht, um Tod zu verbreiten, und versucht, einen Macht- und Herrschaftswillen durchzusetzen. Daher appelliere ich an alle religiösen Autoritäten, dass sie gemeinsam entschieden bekräftigen, dass man nie im Namen Gottes töten darf. Der fundamentalistische Terrorismus ist Frucht einer großen geistigen Erbärmlichkeit, mit der häufig auch eine beträchtliche soziale Armut eng verbunden ist. Er wird nur durch den gemeinsamen Beitrag der religiösen und politischen Führer vollständig überwunden werden können. Ersteren obliegt die Pflicht, jene religiösen Werte zu vermitteln, die keinen Gegensatz zwischen Gottesfurcht und Nächstenliebe zulassen. Aufgabe der zweiten ist es, im öffentlichen Raum das Recht der Religionsfreiheit zu garantieren und den positiven und konstruktiven Beitrag anzuerkennen, den sie am Aufbau der Zivilgesellschaft leistet. In ihr dürfen die soziale Zugehörigkeit, die vom Staatsbürgerschaftsprinzip festgelegt wird, und die geistliche Dimension des Lebens nicht als einander widersprechend verstanden werden. Die Regierenden haben ferner die Verantwortung, die Entstehung jener Situationen zu verhindern, die zum fruchtbaren Boden für die Ausbreitung von Fundamentalismen werden. Dies erfordert eine angemessene Sozialpolitik mit dem Ziel der Bekämpfung der Armut, die von einer echten Aufwertung der Familie als bevorzugter der Ort der menschlichen Reifung und von beträchtlichen Investitionen im Bildungs- und Kulturbereich nicht absehen kann.

Diesbezüglich nehme ich mit Interesse die Initiative des Europarats zur religiösen Dimension des interkulturellen Dialogs auf, die im vergangenen Jahr die Rolle der Erziehung bei der Prävention von Radikalisierung, die zum gewalttätigen Terrorismus und Extremismus führt, zum Thema hatte. Es handelt sich um eine Gelegenheit, den Beitrag des religiösen Phänomens und die Rolle der Erziehung hinsichtlich einer wirklichen Befriedung des sozialen Gefüges, die für das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft notwendig ist, eingehend zu studieren.

In diesem Sinn möchte ich die Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass keine politische Autorität sich damit begnügen darf, die Sicherheit der eigenen Staatsbürger zu gewährleisten – eine Auffassung, die sich leicht auf ein einfaches „ruhigen Leben“ zurückführen lassen könnte – sondern aufgerufen ist, auch wirklich Frieden zu fördern und aufzubauen. Der Friede ist eine „aktive Tugend“, die den Einsatz und die Mitarbeit jedes einzelnen Menschen und der gesamten Gesellschaft als Ganzer erfordert. Wie das Zweite Vatikanische Konzil feststellte, »ist der Friede niemals endgültiger Besitz, sondern immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe«[6], welcher das Wohl der Menschen schützt und ihre Würde achtet. Den Frieden aufzubauen erfordert vor allem, auf Gewalt in der Beanspruchung der eigenen Rechte zu verzichten.[7] Genau diesem Grundsatz wollte ich die Botschaft für den Weltfriedenstag 2017 mit dem Titel »Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden« widmen, um vor allem in Erinnerung zu rufen, inwiefern die Gewaltfreiheit ein politischer Stil ist, der auf dem Vorrang des Rechts und der Würde jedes Menschen beruht.

Den Frieden aufzubauen verlangt auch, dass »die Ursachen der Zwietracht in der Welt, die zum Krieg führen, beseitigt werden«[8], angefangen bei den Ungerechtigkeiten. Es gibt wirklich eine tiefe Verbindung zwischen Gerechtigkeit und Frieden[9]. Der heilige Johannes Paul II. stellte fest: »Da aber die menschliche Gerechtigkeit, die nun einmal den Grenzen und Egoismen von Personen und Gruppen ausgesetzt ist, immer zerbrechlich und unvollkommen ist, muss sie in der Vergebung, die die Wunden heilt und die tiefgehende Wiederherstellung der gestörten menschlichen Beziehungen bewirkt, praktiziert und gewissermaßen vervollständigt werden. […] Die Vergebung widersetzt sich in keiner Weise der Gerechtigkeit […] Die Vergebung strebt vielmehr jene Fülle von Gerechtigkeit an, welche die Ruhe der Ordnung herbeiführt; diese bedeutet […] eine tiefgreifende Heilung der in den Herzen blutenden Wunden. Wesentlich für eine solche Heilung sind beide, die Gerechtigkeit und die Vergebung.«[10] Diese Worte, die heute mehr denn je aktuell sind, trafen bei einigen Staatsoberhäuptern und Regierungschefs die Bereitschaft an, meine Einladung aufzugreifen, einen Gnadenakt gegenüber den Strafgefangenen zu setzen. Ihnen wie auch allen, die sich dafür einsetzen, würdige Lebensbedingungen für die Häftlinge zu schaffen und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu fördern, möchte ich meine besondere Anerkennung und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.

Ich bin überzeugt, dass das außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit für viele eine besonders günstige Gelegenheit war, um auch die »große positive Auswirkung der Barmherzigkeit als sozialer Wert«[11] zu entdecken. Jeder kann so beitragen, »eine Kultur der Barmherzigkeit wachsen zu lassen, die darauf gründet, die Begegnung mit den anderen wiederzuentdecken: eine Kultur, in der niemand mit Gleichgültigkeit auf den anderen schaut, noch den Blick abwendet, wenn er das Leid der Mitmenschen sieht.«[12] Nur so wird man Gesellschaften aufbauen können, die Ausländern gegenüber offen und aufnahmebereit und zugleich in ihrem Inneren sicher und friedlich sind. Dies ist in der gegenwärtigen Zeit noch viel notwendiger, da große Migrationsströme in verschiedenen Teilen der Welt ununterbrochen weitergehen. Ich denke besonders an die zahlreichen Vertriebenen und Flüchtlinge in einigen Gebieten Afrikas, Südostasiens und an alle, die aus den Konfliktgebieten im Nahen Osten fliehen.

Im vergangenen Jahr hat sich die internationale Gemeinschaft mit zwei wichtigen Treffen der Vereinten Nationen beschäftigt: dem ersten Humanitären Weltgipfel und dem Gipfel zu den großen Flucht-und Migrationsbewegungen. Es braucht einen gemeinsamen Einsatz für Migranten, Vertriebene und Flüchtlinge, damit ihnen eine würdige Aufnahme geboten werden kann. Dazu muss man das Recht »jede[s] Menschen […] in andere Staaten auszuwandern und dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen«,[13] anwenden und gleichzeitig die Möglichkeit zur Integration der Migranten in das Sozialgefüge, in das sie sich eingliedern, garantieren, ohne dass dieses seine eigene Sicherheit, seine kulturelle Identität und sein sozialpolitisches Gleichgewicht gefährdet sieht. Andererseits dürfen die Migranten selbst nicht vergessen, dass sie verpflichtet sind, die Gesetze, die Kultur und Traditionen der Länder, die sie aufnehmen, zu respektieren.

Ein kluger Ansatz seitens der Vertreter des öffentlichen Lebens besteht nicht in der Durchführung einer Politik der Ausgrenzung von Migranten, sondern vielmehr in einem weisen und weitsichtigen Abwägen, inwieweit das eigene Land in der Lage ist, den Migranten – vor allem wirklich schutzbedürftigen – ein würdiges Leben zu bieten, ohne dabei das Gemeinwohl der Bürger zu schädigen.

Auf keinen Fall darf man die gegenwärtige dramatische Krise zu einer einfachen Berechnung von Zahlen machen. Migranten sind Personen mit Namen, Geschichten und Familien. Nie wird es wirklichen Frieden geben, solange auch nur ein einziger Mensch in seiner eigenen persönlichen Identität verletzt wird und auf eine bloße Statistiknummer oder ein Objekt von wirtschaftlichem Interesse reduziert wird.

Die Migrationsproblematik ist eine Frage, die nicht einige Länder gleichgültig lassen darf, während andere die humanitäre Last tragen, oft mit beträchtlichem Aufwand und schweren Unannehmlichkeiten, um einem fast endlos scheinenden Notstand die Stirn zu bieten. Alle sollten sich zum Aufbau und zur Mitarbeit am internationalen Gemeinwohl aufgerufen fühlen, auch durch konkrete Gesten von Mitmenschlichkeit. Diese sind wesentliche Faktoren für jenen Frieden und jene Entwicklung, auf welche noch ganze Länder und Millionen von Menschen warten. Ich bin daher den vielen Ländern dankbar, die großzügig Notleidende aufnehmen, angefangen bei verschiedenen europäischen Staaten, besonders Italien, Deutschland, Griechenland und Schweden.

Immer wird mir die Reise in Erinnerung bleiben, die ich gemeinsam mit meinen Brüdern Patriarch Bartholomaios und Erzbischof Hieronymos auf die Insel Lesbos unternommen habe. Dort habe ich hautnah die dramatische Situation der Flüchtlingslager erlebt, aber auch die Menschlichkeit und die Dienstbereitschaft der vielen Helfer. Ebenso wenig dürfen die Aufnahmebereitschaft weiterer Länder Europas und des Nahen Ostens, wie Libanon, Jordanien, Türkei, und der Einsatz verschiedener afrikanischer und asiatischer Länder vergessen werden. Auch während meiner Reise nach Mexiko, wo ich die Freude des mexikanischen Volkes erfahren durfte, fühlte ich mich den Tausenden von Migranten aus Zentralamerika nahe. Auf der Suche nach einer besseren Zukunft erleiden sie schreckliche Ungerechtigkeiten und Gefahren, sind Opfer von Erpressungen und werden zur Ware auf dem verwerflichen Markt des Menschenhandels, eine entsetzliche Form moderner Sklaverei.

Ein Feind des Friedens ist eine solche „reduktive Sicht“ des Menschen, die zur Verbreitung von Ungerechtigkeit, sozialer Ungleichheit und Korruption beiträgt. Genau gegen letzteres Phänomen der Korruption ist der Heilige Stuhl neue Verpflichtungen eingegangen, als er am vergangenen 19. September das Beitrittsdokument zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption, das am 31. Oktober 2003 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet worden ist, formell hinterlegt hat.

In seiner Enzyklika Populorum progressio, deren 50. Jahrestag dieses Jahr begangen wird, hat der selige Paul VI. daran erinnert, wie derartige Ungleichheiten zu Unfrieden führen. »Der Weg zum Frieden [führt] nur über den Fortschritt«.[14] Ihn zu fördern und zu begünstigen ist die Pflicht der Vertreter des öffentlichen Lebens, indem sie Bedingungen für eine gerechtere Güterverteilung schaffen und Arbeitsmöglichkeiten gerade für die Jüngeren anregen. Es gibt auf der Welt immer noch zu viele Menschen, vor allem Kinder, die unter ständiger Armut leiden und denen es im Leben an ausreichender Nahrung fehlt – ja, die Hunger leiden –, während die natürlichen Ressourcen von einigen Wenigen gierig ausgebeutet und jeden Tag enorme Mengen von Nahrungsmitteln verschwendet werden.

Die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft, für sie arbeiten wir und bauen wir etwas auf. Sie dürfen nicht egoistisch vernachlässigt und vergessen werden. Wie ich schon kürzlich in einem Schreiben an alle Bischöfe erinnert habe, halte ich deshalb den Schutz der Kinder für vorrangig. Ihre Unschuld wird oft unter der Last der Ausbeutung, Schwarz- und Sklavenarbeit, Prostitution oder des Missbrauchs durch Erwachsene, Kriminelle und Todeshändler zerstört.[15]

Während meiner Reise nach Polen anlässlich des Weltjugendtages durfte ich Tausenden Jugendlichen voll Enthusiasmus und Lebensfreude begegnen. Bei vielen anderen habe ich allerdings Schmerz und Leid gesehen. Ich denke dabei an die Jungen und Mädchen, die unter den Folgen des grausamen Syrienkonfliktes leiden und denen die Freuden der Kindheit und Jugendzeit genommen wurden: von der Möglichkeit, ungezwungen zu spielen, bis zur Gelegenheit, eine Schule zu besuchen. An sie und an das ganze geliebte syrische Volk gehen ständig meine Gedanken. Indessen appelliere ich an die internationale Gemeinschaft, sich schnell um die Aufnahme ernsthafter Verhandlungen zu bemühen, die diesen Konflikt, der eine regelrechte humanitäre Katastrophe hervorruft, für immer beenden. Alle Beteiligten müssen die Beachtung des humanitären Völkerrechts als vorrangig ansehen, indem sie den Schutz der Zivilbevölkerung und die notwendige humanitäre Hilfe für die Bevölkerung garantieren. Unser gemeinsamer Wunsch ist, dass der kürzlich geschlossene Waffenstillstand für das ganze syrische Volk ein Hoffnungszeichen sei, welches es so sehr benötigt.

Dies erfordert auch Bemühungen im Kampf gegen den schändlichen Waffenhandel und den andauernden Wettlauf um Herstellung und Verbreitung von immer höher entwickelten Waffen. Die Experimente auf der koreanischen Halbinsel sind erschütternd; sie destabilisieren die gesamte Region und stellen die ganze internationale Gemeinschaft vor die beunruhigende Frage nach der Gefahr eines neuen nuklearen Rüstungswettlaufes. Noch immer sind die Worte des heiligen Johannes XXIII. in der Enzyklika Pacem in terris aktuell, als er sagte: »Gesunde Vernunft und Rücksicht auf die Menschenwürde [fordern] dringend, dass der allgemeine Rüstungswettlauf aufhört; dass ferner die in verschiedenen Staaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen auf beiden Seiten und gleichzeitig vermindert werden; dass Atomwaffen verboten werden.«[16] In diesem Sinne und mit Blick auf die nächste Abrüstungskonferenz bemüht sich der Heilige Stuhl, eine Friedens- und Sicherheitsethik zu fördern, welche die Angst und die „Abschottung“ überwindet, welche die Diskussion um Nuklearwaffen beherrscht.

Auch bezüglich der herkömmlichen Waffen muss hervorgehoben werden, dass der oft mühelose Zugang zum Waffenmarkt, auch zu Waffen kleinen Kalibers, die Situation in den verschiedenen Konfliktgebieten verschärft und außerdem ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit und Angst hervorruft. Das ist in Zeiten sozialer Ungewissheit und epochaler Veränderungen wie heute umso gefährlicher.

Ein Feind des Friedens ist die Ideologie, welche soziale Notstände ausnützt, um Verachtung und Hass zu schüren und den anderen als Feind zu betrachten, der vernichtet werden muss. Leider tauchen am Horizont der Menschheit immer wieder neue Formen von Ideologien auf. Sie verkleiden sich als Heilsbringer für das Volk und lassen stattdessen Armut, Gräben, soziale Spannungen, Leid und nicht selten auch Tod zurück. Der Friede wird hingegen durch Solidarität gewonnen. Aus ihr entsteht der Wille zu Dialog und Zusammenarbeit, der in der Diplomatie ein grundlegendes Instrument besitzt. Vor dem Hintergrund der Barmherzigkeit und Solidarität versteht sich der überzeugte Einsatz des Heiligen Stuhls und der Katholischen Kirche für eine Abwendung von Konflikten und bei der Begleitung von Prozessen für Frieden, Versöhnung und Suche nach Verhandlungslösungen. Es ist ermutigend zu sehen, dass einige Versuche auf den guten Willen von vielen Menschen stoßen, die von mehreren Seiten her sich aktiv und faktisch für den Frieden einsetzen. Ich denke dabei an die Bemühungen für eine Annäherung zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten in den letzten zwei Jahren. Ich denke ebenso an den beharrlichen Einsatz, wenn auch unter Schwierigkeiten, zur Beendigung des Konflikts in Kolumbien.

Dieser Ansatz will das gegenseitige Vertrauen fördern, Wege des Dialogs unterstützen und unterstreichen, dass mutige Gesten notwendig sind. Diese sind auch im benachbarten Venezuela äußerst dringlich, wo die Folgen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise seit geraumer Zeit auf der Zivilbevölkerung lasten; oder auch in anderen Teilen der Erde, angefangen beim Nahen Osten, um nicht nur dem Syrienkonflikt ein Ende zu setzen, sondern auch eine volle Versöhnung der Gesellschaft im Irak und in Jemen zu fördern. Der Heilige Stuhl bekräftigt ferner seinen eindringlichen Aufruf, dass zwischen Israelis und Palästinensern der Dialog wieder aufgenommen wird, damit man zu einer stabilen und dauerhaften Lösung gelangt, welche die friedliche Koexistenz zweier Staaten innerhalb international anerkannter Grenzen gewährleistet. Kein Konflikt darf je zur Gewohnheit werden, von der man scheinbar quasi nicht loskommen kann. Israelis und Palästinenser brauchen Frieden. Der ganze Nahe Osten braucht dringend Frieden!

Gleichfalls erhoffe ich, dass die Abkommen zur Wiederherstellung des Friedens in Libyen, wo es höchst dringlich ist, die Spaltungen dieser Jahre zu überwinden, vollständig umgesetzt werden. Ebenso unterstütze ich alle Anstrengungen auf lokaler und internationaler Ebene, um das zivile Zusammenleben im Sudan und im Südsudan sowie in der Zentralafrikanischen Republik, die von anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen, Massakern und Verwüstungen geplagt werden, wie auch in anderen Nationen des Kontinents, in denen politische und soziale Instabilität herrscht, wiederzustellen. Insbesondere bringe ich meine Hoffnung zum Ausdruck, dass das kürzlich unterzeichnete Abkommen in der Demokratischen Republik Kongo dazu beiträgt, dass die Verantwortungsträger in der Politik sich voll Eifer dafür einsetzen, die Versöhnung und den Dialog zwischen allen Teilen der Zivilgesellschaft zu fördern. Ferner denke ich an Myanmar, damit ein friedliches Miteinander gefördert wird und man mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft denen Unterstützung zukommen lässt, die sie sehr dringend brauchen.

Auch in Europa, wo es ebenso Spannungen gibt, ist die Bereitschaft zum Dialog der einzige Weg, um die Sicherheit und die Entwicklung des Kontinents zu gewährleisten. Gerne begrüße ich daher die Initiativen zur Förderung des Einigungsprozesses von Zypern, das gerade heute eine Wiederaufnahme der Verhandlungen erfährt. Ich hoffe hingegen, dass man in der Ukraine die Suche nach gangbaren Lösungen entschlossen weiterführt, damit die von den Parteien übernommenen Verpflichtungen vollständig realisiert werden und damit vor allem rasch auf die weiterhin schwierige humanitäre Lage geantwortet wird.

Ganz Europa erlebt gerade einen entscheidenden Moment seiner Geschichte, in dem es gerufen ist, seine Identität wiederzufinden. Dies erfordert, die eigenen Wurzeln wieder zu entdecken, um die eigene Zukunft gestalten zu können. Angesicht der spalterischen Kräfte ist es höchst dringlich, die „Idee Europa“ zu aktualisieren, um einen neuen Humanismus zur Welt zu bringen, der auf der Fähigkeit zur Integration und zum Dialog und der Fähigkeit, etwas hervorzubringen, gegründet ist,[17] die den sogenannten Alten Kontinent groß gemacht haben. Der europäische Einigungsprozess, der nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat, war und ist weiterhin eine einzigartige Gelegenheit zu Stabilität, Friede und Solidarität zwischen den Völkern. An dieser Stelle kann ich nur das Interesse und die Sorge des Heiligen Stuhls für Europa und seine Zukunft bekräftigten. Denn es ist uns bewusst, dass die Werte, in denen dieses Projekt – in diesem Jahr wird sein sechzigster Jahrestag begangen – seinen Ursprung hat und auf denen es beruht, dem ganzen Kontinent gemeinsam sind und die Grenzen der Europäischen Union selbst übersteigen.

Exzellenzen, meine Damen und Herren, den Frieden aufzubauen bedeutet jedoch auch, sich aktiv für die Sorge um die Schöpfung einzusetzen. Das kürzlich in Kraft getretene Klimaabkommen von Paris ist ein wichtiges Zeichen der gemeinsamen Verpflichtung, den nachfolgenden Generationen eine schöne und zum Leben geeignete Welt zu hinterlassen. Ich hoffe, dass die in jüngster Zeit unternommenen Anstrengungen, den Klimaänderungen entgegenzutreten, auf eine immer breitere Zusammenarbeit aller stoßen, weil die Erde unser gemeinsames Haus ist und man bedenken muss, dass die Entscheidungen eines jeden Auswirkungen auf das Leben aller haben.

Dennoch ist es ebenso offensichtlich, dass es Phänomene gibt, welche die Möglichkeiten des menschlichen Handelns übersteigen. Ich beziehe mich auf die zahlreichen Erdbeben, die einige Gegenden der Erde getroffen haben. Ich denke vor allem an die Erdbeben in Ecuador, Italien und Indonesien, die unzählige Opfer verursacht haben. Viele Menschen leben nach wie vor unter sehr prekären Bedingungen. Ich konnte selbst einige der von Erdbeben getroffenen Gebiete in Mittelitalien besuchen. Dort stellte ich fest, welche Wunden die Erdstöße einem an Kunst und Kultur reichen Land zugefügt haben, und konnte das Leid vieler Menschen teilen wie auch deren Mut und Entschlossenheit, was zerstört wurde, wieder aufzubauen. Ich hoffe, dass die Solidarität, die das geschätzte italienische Volk in den auf das Erdbeben folgenden Stunden vereint hat, weiter die ganze Nation beseelt, besonders in dieser schwierigen Situation ihrer Geschichte. Der Heilige Stuhl und Italien sind durch offensichtliche historische, kulturelle und geographische Gründe besonders verbunden. Dieses Band war im Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit augenscheinlich, und ich danke allen italienischen Behörden und Einrichtungen für die Hilfe bei der Organisation dieses Ereignisses, auch im Hinblick auf die Sicherheit der Pilger aus allen Teilen der Welt.

Liebe Botschafter, der Friede ist eine Gabe, eine Herausforderung und ein Auftrag. Eine Gabe, weil er vom Herzen Gottes selbst kommt; eine Herausforderung, weil er ein nie selbstverständliches Gut ist und immer wieder errungen werden muss; ein Auftrag, weil er die leidenschaftliche Arbeit aller Menschen guten Willens erfordert, ihn zu suchen und aufzubauen. Es gibt daher keinen echten Frieden, wenn nicht im Ausgang von einer Sicht des Menschen, die seine ganzheitliche Entwicklung zu fördern weiß und seine transzendente Würde berücksichtigt, da »Entwicklung gleichbedeutend ist mit Frieden«,[18] wie der selige Paul VI. in Erinnerung rief. Dies ist also mein Wunsch für das soeben begonnene Jahr: Mögen unter unseren Ländern und ihren Völkern die Gelegenheiten, zusammenzuarbeiten und echten Frieden aufzubauen, zunehmen. Seinerseits wird der Heilige Stuhl, insbesondere das Staatssekretariat, stets bereit sein, mit allen zusammenzuarbeiten, die sich dafür einsetzen, den bestehenden Konflikten ein Ende zu setzen und den leidenden Bevölkerungen Hilfe und Hoffnung zu geben.

In der Liturgie sprechen wir den Gruß: »Der Friede sei mit euch.« Mit diesem Ausdruck, dem Unterpfand reichen göttlichen Segens, erneuere ich einem jeden von Ihnen, verehrte Mitglieder des Diplomatischen Korps, Ihren Familien und den Ländern, die Sie vertreten, meine herzlichsten Wünsche für dieses neue Jahr.

Vielen Dank.

___________________

[1] BENEDIKT XV., Brief an die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker, 1. August 1917: AAS IX (1917), 423.

[2] PAUL VI., Botschaft zur Feier des 1. Weltfriedenstages (1. Januar 1968).

[3] ZWEITES VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution Gaudium et spes (7. Dezember 1965), 78. 4 Ebd.

[4] Ebd. 6 Ebd.

[5] Ansprache zum Weltgebetstag für den Frieden (Assisi, 20. September 2016).

[6] Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 78.

[7] ebd.

[8] Ebd., 83.

[9] Vgl. Ps 85, 11 und Jes 32, 17.

[10] JOHANNES PAUL II., Botschaft zur Feier des 35. Weltfriedenstages: Kein Friede ohne Gerechtigkeit, keine Gerechtigkeit ohne Vergebung (1. Januar 2002), 3.

[11] Apostolisches Schreiben Misericordia et misera (20. November 2016), 18.

[12] Ebd., 20.

[13] JOHANNES XXIII, Enzyklika Pacem in terris (11. April 1963), 12.

[14] PAUL VI., Enzyklika Populorum progessio (26. März 1967), 83.

[15] Brief an die Bischöfe am Fest der Unschuldigen Kinder (28. Dezember 2016).

[16] JOHANNES XXIII., Pacem in terris, 60.

[17] Ansprache aus Anlass der Verleihung des Internationalen Karlspreises, 6. Mai 2016.

[18] PAUL VI., Populorum progressio, 87.

(CNA Deutsch)

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Urbi et Orbi: Frieden – das ist die Herrschaft Gottes

Montag 26. Dezember 2016 von VH

„Liebe Brüder und Schwestern, frohe Weihnachten!“ Vom Balkon der Peters-Basilika spendete der Papst auch in diesem Jahr den traditionellen Segen für „die Stadt und die Welt“, „Urbi et Orbi“. Und einmal mehr stand in der Ansprache des Papstes davor der Kontrast zwischen der Feier des Kommens des Friedensfürsten und dem Blick auf die Wirklichkeit der Welt im Fokus.

Das ist die Herrschaft Gottes

„Die Herrschaft dieses Kindes, des Sohnes Gottes und Marias, ist nicht eine Herrschaft dieser Welt, die sich auf Stärke und Reichtum gründet. Sie ist die Herrschaft der Liebe“, legte der Papst die Weihnachtsbotschaft aus. „Sie ist die Macht, die Himmel und Erde erschaffen hat, die jedem Geschöpf Leben gibt: den Mineralen, den Pflanzen, den Tieren. Sie ist die Kraft, durch die Mann und Frau gegenseitig angezogen werden und durch die sie ein Fleisch werden, eine einzige Existenz. Sie ist die Macht, die das Leben erneuert, Schuld vergibt, Feinde versöhnt, das Böse in Gutes verwandelt. Das ist die Herrschaft Gottes.“

Die Verkündigung dieser Herrschaft, die in einem kleinen Kind gekommen sei, wolle der gesamten Welt allen Menschen verkündet werden, „besonders jene, die vom Krieg und von erbitterten Konflikten verwundet sind und die Sehnsucht nach Frieden viel stärker empfinden.“ Der Papst schloss der Ansprache seine Friedenswünsche für viele der Gegenden der Welt an, wo ein friedliches Zusammenleben in weiter Ferne ist.

„Friede den Männern und Frauen im gemarterten Syrien, wo allzu viel Blut vergossen wurde. Vor allem in der Stadt Aleppo, die in den letzten Wochen Schauplatz einer der grauenhaftesten Schlachten war, ist es umso dringlicher, dass für die erschöpfte Zivilbevölkerung Hilfe und Beistand gewährleistet wird und die Menschenrechte geachtet werden.“ Es sei an der Zeit, dass die Waffen endgültig schwiegen, der Papst rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich aktiv einzusetzen.

Heiliges Land und Nigeria, Ukraine und Venezuela

Immer direkt zu Beginn der Ansprache wird traditionell das Heilige Land genannt, Ort der Geburt Jesu Christi, so auch an diesem Sonntag. „Israelis und Palästinenser mögen den Mut und die Entschlossenheit haben, eine neue Seite der Geschichte zu schreiben“. Der Papst wünschte den vielen Regionen Afrikas den Frieden, besonders nannte er Nigeria und die Kindersoldaten dort, Süd-Sudan und die Demokratische Republik Kongo. Die gleichen Wünsche hatte er für den Irak, für Libyen und Jemen.

Europa wurde ebenfalls genannt: „Friede den Frauen und Männern, die noch immer an den Folgen des Konflikts in der östlichen Ukraine leiden, wo es dringend einer gemeinsamen Willensanstrengung bedarf, um der Bevölkerung Erleichterung zu verschaffen und die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen“, damit sprach der Papst die immer noch nicht erfüllten Bedingungen des Friedens von Minsk an.

Für den Norden Lateinamerikas betete der Papst als nächstes, in Kolumbien gibt es erste Schritte für „einen neuen und mutigen Weg des Dialogs und der Versöhnung“, dasselbe wünschte er auch Venezuela.

Myanmar möge das friedliche Zusammenleben stärken, wünschte der Papst, und die koreanische Halbinsel „ein erneutes Klima der Zusammenarbeit“ erleben, das die Spannungen überwindet.

Frieden den Opfern von Terror

Der Papst sprach aber nicht nur Länder an: „Friede denen, die einen geliebten Menschen verloren haben durch grausame Terrorakte, die im Herzen vieler Länder und Städte Angst und Tod gesät haben. Friede – nicht in Worten, sondern praktisch und konkret – unseren im Stich gelassenen und ausgeschlossenen Brüdern und Schwestern, denen, die Hunger leiden, wie auch den Opfern von Gewalt. Friede den Vertriebenen, den Migranten und den Flüchtlingen sowie allen, die heutzutage Objekt des Menschenhandels sind. Friede den Völkern, die wegen der wirtschaftlichen Ambitionen weniger und wegen der habgierigen Gefräßigkeit des versklavenden Götzen Geld Leid tragen. Friede allen, die vom sozialen und wirtschaftlichen Elend gezeichnet sind, und denen, die an den Folgen der Erdbeben oder anderer Naturkatastrophen leiden.“

Ganz besonders nannte der Papst zum Abschluss die Kinder, besonder diejenigen, deren Kindheit durch Hunger und Krieg oder den Egoismus der Erwachsenen geprägt sei. „Friede auf Erden allen Menschen guten Willens, die unauffällig und geduldig ihrer täglichen Beschäftigung nachgehen, in der Familie und in der Gesellschaft, um eine humanere und gerechtere Welt zu schaffen. Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt: Es ist der ‚Fürst des Friedens’. Nehmen wir ihn auf!“ Anschließend betete der Papst mit den mehreren Zehntausend Gläubigen und Pilgern auf dem Petersplatz das Angelusgebet – eine Neuerung bei dieser kleinen Liturgie – und erteilte den Segen Urbi et Orbi. (rv)

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Papst an Kurie: „Kein Fitnessraum für verborgenen Ehrgeiz“

Donnerstag 22. Dezember 2016 von VH

Papst FranziskusZwölf Kriterien der Kurienreform: Papst Franziskus hat an diesem Donnerstag in seiner Weihnachtsansprache an seine höheren Mitarbeiter die Reform der Kurie zum Thema gemacht. Er sprach über Widerstände und deren Notwendigkeit und über bereits gemachte Schritte der Reform.

Der Papst begann dem Anlass gemäß mit der Betrachtung des Weihnachtsgeheimnisses. Es stelle die menschlichen Werte auf den Kopf, zitierte er den Theologen Romano Guardini. Dass die Allmacht klein werde, sei mit menschlicher Logik nicht nachzuvollziehen. Die „liebende Demut Gottes“ zeige sich als göttliche Logik, er habe klein geboren werden wollen, weil er Liebe wollte. „Und so ist die Logik des Weihnachtsfestes die Umkehrung der Logik der Welt, der Logik der Macht, der Logik des Kommandierens, der Logik der Pharisäer.”

Aus diesem Grund, so der Papst, habe er wieder die Reform der römischen Kurie zum Thema der Ansprache gewählt. Er gliederte seine Überlegungen in drei Abschnitte: Worum geht es bei der Reform, welche Kritieren braucht sie, um zu gelingen, und welche Schritte sind bereits getan. „Mir ist an dieser Stelle die antike Weisheit eingefallen … das De-formierte re-formieren, das Re-formierte kon-formieren, das Kon-formierte bestätigen und das Bestätigte trans-formieren“ (deformata reformare, reformata conformare, conformata confirmare e confirmata transformare).

Der zweifache Sinn der Re-Form

Reform und konform: mit diesen zwei Worten umriss der Papst die beiden Dimensionen der Kurienreform. „Konform“ der Frohen Botschaft, die freudig und mutig allen, vor allem den Armen, verkündet werden müsse. „Konform“ aber auch den Zeichen der Zeit, „um besser den Bedürfnissen der Frauen und Männer begegnen zu können, denen zu dienen wir gesandt sind.”

Konform aber auch zum Zweck der Kurie, nämlich zur Mitarbeit am Dienst des Nachfolgers Petri „in der Ausübung seiner einen, höchsten, vollen, unmittelbaren und universalen ordentlichen Autorität.“

Weil auch die Kurie kein unbeweglicher Apparat sei, sei auch die Reform Zeichen der Lebendigkeit der pilgernden Kirche. „Wir müssen klar bekräftigen, dass die Reform nicht um ihrer selbst willen geschieht, sondern ein Prozess des Wachsens und vor allem der Bekehrung ist. Die Reform hat keinen ästhetischen Sinn, als ob sie die Kurie schöner machen wolle. Man kann sie nicht als eine Art ‚Lifting’ sehen, als ‚Make-up’ oder als Schminke, um den alten Körper der Kurie zu verschönern. Sie ist auch keine Schönheitsoperation, um Falten zu entfernen. Liebe Brüder, nicht die Falten der Kirche müssen wir fürchten, sondern den Schmutz.“ Deswegen könne eine Reform nur dann gelingen, wenn sie mit erneuerten, nicht mit neuen Menschen geschehe.

„Es reicht nicht, sich mit dem Auswechseln von Personal zufrieden zu geben, sondern es ist nötig, dass sich die Mitglieder der Kurie geistlich, menschlich und professionell erneuern. Die Reform der Kurie erschöpft sich überhaupt nicht darin, Menschen auszuwechseln – auch wenn dieses geschehen ist und geschehen wird – sondern nur in der Bekehrung der Menschen. Es braucht nicht nur eine stetige Weiterbildung, sondern auch und vor allem eine stetige Bekehrung und Reinigung. Ohne eine Verwandlung der Mentalität bleibt jede praktische Anstrengung hohl.“

Offener, verdeckter und böswilliger Widerstand

An dieser Stelle griff der Papst seine beiden letzten Weihnachtsansprachen an die Kurie auf: 2014 hatte er, was für anhaltende Debatten sorgte, 15 Kurienkrankheiten aufgezählt, im Jahr darauf einen Katalog der notwendigen Tugenden präsentiert.

„Es war notwendig, von Krankheiten und Heilung zu sprechen, weil jeder Operation, damit sie erfolgreich sein kann, eine Diagnose vorangeht, eine akkurate Analyse, und sie muss von präzisen Vorschriften begleitet und gefolgt werden.“

Dass es Widerstände gegen die Reform gibt, sei etwas Gutes, ein Zeichen der Lebendigkeit, fuhr der Papst fort. Widerstand müsse angehört und ermutigt werden, sich auszudrücken. So gebe es offenen Widerstand, der oft gutem Willen und dem Wunsch nach Dialog entspringe. Franziskus sprach aber auch von verdecktem Widerstand an der Kurie; der rühre von verängstigten oder versteinerten Herzen her und nähre sich „von den leeren Worten der Einstellung ‚es muss sich alles ändern, damit alles bleibt wie es ist’“ [Gattopardismo nennt es der Papst, nach einem italienischen Roman].

Drittens, so der Papst in gewohnter Offenheit, gebe es auch böswilligen Widerstand an der Kurie. „Dieser letzte Typus Widerstand versteckt sich hinter Worten der Rechtfertigung und in vielen Fällen der Anklage, er flieht in die Tradition, in den Schein, die Formalität, das Altbekannte, oder will alles auf die persönliche Ebene bringen, ohne zwischen Akt, Akteur und Aktion zu unterscheiden.“

Das alles besage, dass die Reform der Kurie ein „empfindlicher Prozess“ sei, „der gelebt werden muss mit Treue zum Wesentlichen, in andauernder Unterscheidung, mit dem Mut des Evangeliums, mit kirchlicher Weisheit, mit aufmerksamen Hören, mit hartnäckigem Handeln, mit positiver Stille, mit festen Entscheidungen, mit viel Gebet, mit tiefer Demut, mit klarem Weitblick, mit konkreten Schritten voran und wenn es sein muss auch zurück, mit festem Wille, mit aufgeweckter Lebendigkeit, mit verantwortlicher Autorität, mit unbedingtem Gehorsam, aber vor allem mit dem sich selber der Führung durch den Heiligen Geist anvertrauen.“

Zweiter Teil: Konkrete Kriterien

Wie diese gelebte Reform konkret aussehen müsse, dem wandte sich der Papst im zweiten Teil seiner Ansprache zu. Er nannte zwölf Kriterien, das erste davon: die persönliche Bekehrung. Ohne diese seien alle Änderungen in der Struktur unnütz, so der Papst.

An zweiter Stelle nannte er die „pastorale Bekehrung“, „die Aufgaben aller Mitarbeiter der Kurie muss von einer pastoralen Ausrichtung und einer Spiritualität des Dienstes und der Gemeinschaft getragen sein, denn das ist das Gegenmittel zu allem Gift von leerem Ehrgeiz oder trügerischer Rivalität.“

Die Kurie dürfe keine Bürokratie sein, rein „kanonistisch und ritualistisch, kein Fitnessraum für verborgenen Ehrgeiz“, zitierte er Papst Paul VI.

Drittens nannte der Papst die missionarische Ausrichtung. Ohne Treue zur Sendung der Kirche verderbe jede neue Struktur innerhalb kürzester Zeit.

Zwei Kriterien befassen sich mit den einzelnen Abteilungen der Kurie und deren Verhältnis zueinander. So nannte der Papst an vierter Stelle das Kriterium der Rationalität. Hierbei ging es Franziskus um die jeweiligen Kompetenzen der einzelnen Abteilungen der Kurie: keine dürfe die Kompetenz einer anderen an sich ziehen.

Fünftens sprach er unter der Überschrift der Funktionalität über das Zusammenlegen von einzelnen Abteilungen, er nannte auch eine „stetige Revision“ der Rollen, der Kompetenzen und der Verantwortung der Mitarbeiter.

An sechster Stelle führte der Papst das „Aggiornamento“ (Verheutigung, Anm.) an sowie die „Zeichen der Zeit“, beides Begriffe aus den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils. „sorgen wir schleunigst dafür, dass die Dikasterien der römischen Kurie den Situationen unserer Zeit angeglichen sind und sich an die Notwendigkeiten der universalen Kirche anpassen.“

Einfachheit, Subsidiarität, Synodalität

Das Kriterium der Einfachheit stand an siebter Stelle, noch einmal konkret auf die Abteilungen eingehend sagte der Papst: „In dieser Hinsicht ist eine Vereinfachung und Verschlankung der Kurie notwendig.“ Er nannte unter den möglichen Konsequenzen Zusammenlegungen oder auch Verkleinerungen der Zahl der Kommissionen, Akademien, Räten etc.

An achter Stelle stand das Kriterium der Subsidiarität, Entscheidungen sollen immer auf möglichst tiefer Ebene getroffen werden, nur wenn allgemeinere Angelegenheiten oder weitere Konsequenzen der Entscheidung anstehen, soll die nächst höhere Ebene befasst werden. Das gelte auch für das Staatssekretariat, das im Vatikan für die Koordination der verschiedenen Abteilungen zuständig sei.

Neuntens nannte der Papst das Kriterium der Synodalität, das ihm auch während der Versammlungen der Bischofssynoden wichtig war. „Die Arbeit der Kurie muss synodal sein: gewohnheitsmäßige Versammlungen der Leiter der Dikasterien, denen der Papst vorsteht, regelmäßige Audienzen für die Leiter und Dikasterien-übergreifende Versammlungen. Die Synodalität muss auch im Inneren jedes Dikasteriums gelebt werden.“

Katholizität stand an zehnter Stelle, die Kurie müsse die Globalität der Kirche widerspiegeln. Nicht nur die Verschiedenheit der Kulturen und Sprachen gehöre dazu, sondern auch das Miteinander von Klerus und Gottesvolk. „Es ist angebracht, eine größere Zahl von Laien vor allem in den Dikasterien anzustellen, wo sie kompetenter sind als Kleriker oder Ordensleute. Von großer Bedeutung ist darüber hinaus die Wertschätzung der Rolle der Frau und der Laien im Leben der Kirche und ihre Einbeziehung in Leitungspositionen in Dikasterien.“

Das elfte Kriterium war die Professionalität, dazu brauche es eine ständige Weiterbildung des Personals, „um zu vermeiden, dass man ‚rostet’ und in die Routine des Funktionalismus fällt.“

Letztes Kriterium auf der Liste des Papstes war die Gradualität. Damit griff er den Begriff der „geistlichen Unterscheidung“ auf, „der einen Prozess bedeutet, ein ‚Abtasten’ der Zeitpunkte und Schritte, ein Überprüfen, eine Korrektur, ein Ausprobieren, ein Einrichten ad experimentum [zur Probe]. In diesen Fällen ist das keine Unentschiedenheit, sondern eine notwendige Flexibilität, um zu einer wirklichen Reform zu kommen.“

Was schon umgesetzt wurde

Im letzten Teil seiner Ansprache zählte der Papst die Schritte der Kurienreform auf, die schon getan wurden. Die Einrichtung des Kardinalsrates „K9“ war darunter, die Reform der so genannten Vatikanbank IOR und der Finanzaufsicht im Vatikan, die Kommission zum Kinderschutz und nicht zuletzt die Einrichtung von vier neuen Dikasterien: die Sekretariate für Wirtschaft und für Kommunikation sowie zwei Behörden, die durch Zusammenlegung entstanden: das Dikasterium für Laien, Familie und Leben und das Dikasterium für die Nachhaltige Entwicklung des Menschen.

Begonnen habe er seine Ansprache mit dem Gedanken, dass das Weihnachtsfest die menschlichen Kriterien auf den Kopf gestellt habe, „um klarzustellen, dass das Herz der Reform Christus ist.“ Er wolle zum Abschluss noch einmal sagen, dass Weihnachten das Fest der „liebenden Demut Gottes“ sei. „Danke, ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr 2017!“ (rv)

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„Papst hat nie gesagt, er werde zurücktreten“

Montag 19. Dezember 2016 von VH

„Papst Franziskus hat nie gesagt, dass er zurücktreten will.“ Das erklärte der italienische Jesuit Antonio Spadaro am Sonntag im italienischen Fernsehen. Franziskus sei „ein entschlossener Mensch“, der das Alter als „großes Potential“ der Weisheit ansehe, so der Vertraute des Papstes und Direktor der Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“. Es bringe ihn zum Lachen, dass man ihm eine Äußerung zuschreibe, nach der Papst Franziskus mit dem Gedanken des Rücktritts spiele. „So etwas hat es nie gegeben“, sagt Spadaro. „Es wäre auch unmöglich, denn Papst Franziskus geht Tag für Tag mit Unterscheidung voran.“ (rv)

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Auch Benedikt XVI. gratuliert Franziskus

Montag 19. Dezember 2016 von VH

Happy Birthday, Nachfolger: Zum achtzigsten Geburtstag von Papst Franziskus hat auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. gratuliert. Wie genau, das wurde jetzt im Vatikan bekannt. Nach Angaben des Vatikanischen Pressesaals hat Benedikt dem amtierenden Papst einen „sehr freundlichen“ Brief geschrieben, über den sich das Geburtstagskind „sehr, sehr gefreut“ habe. Außerdem habe er Franziskus am Samstagnachmittag auch angerufen, um ihm zu gratulieren.

Der Pressesaal spricht auch von „drei kleinen Geschenken“, die Benedikt seinem Nachfolger gemacht habe und die „für alle beiden sehr persönliche und bedeutsame“ Dinge seien. Natürlich wüßte man gerne, worum es sich da handelt – aber das verrät der Vatikan nicht.

Zahlreiche führende Politiker aus aller Welt haben Franziskus am Samstag per Telegramm oder telefonisch zum Geburtstag gratuliert, so der Pressesaal weiter. Per Email hätten den Papst mehr als 70.000 Glückwünsche aus vielen Teilen der Welt erreicht. Die häufigsten Sprachen dieser Glückwünsche seien englisch, spanisch, polnisch (!) und italienisch. Am Sonntag hat sich Franziskus nach dem Angelus öffentlich für die Geburtstagswünsche von überall her bedankt. (rv)

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So feiert Papst Franziskus seinen 80. Geburtstag – und so kann man ihm direkt gratulieren

Mittwoch 14. Dezember 2016 von VH

VATIKANSTADT – Am kommenden Samstag, 17. Dezember feiert Papst Franziskus seinen 80. Geburtstag. Er wird den Tag weitgehend wie immer verbringen: Mit dem feiern der heiligen Messe und Treffen mit Staatsoberhäuptern und Kurienvertretern.

Zum ersten Mal können aber – als Teil der Feierlichkeiten – Gläubige aus aller Welt ihre Glückwünsche und Grüße dem Papst durch eigens angelegte Email-Adressen schicken.

Wie der Vatikan mitteilte, wird Franziskus die Messe nicht im Gästehaus von Sankt Martha feiern, sondern in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes, gemeinsam mit den Kardinälen, die in Rom residieren.

Auf der weiteren Tagesordnung stehen Begegnungen mit Marie Louise Coleiro Prec, Präsidentin der Republik Malta; Kardinal Marc Ouellet, dem Präfekten der Bischofskongregation, Bischof Vitus Huonder von Chur in der Schweiz, sowie die italienische Nomadelfia-Gemeinschaft.

Der Vatikan wird den Geburtstag des Papstes auch in den Sozialen Medien feiern, und lädt dazu ein, sich mit dem Hashtag #Pontifex80 daran zu beteiligen.

Wer Franziskus eine Botschaft senden will, kann dies nach Sprache unter den folgenden Adressen tun:

Deutsch: PapstFranziskus80@vatican.va

Latein: Papafranciscus80@vatican.va

Englisch: PopeFrancis80@vatican.va

Italienisch: PapaFrancesco80@vatican.va

Spanisch/Portugieisisch: PapaFrancisco80@vatican.va

Französisch: PapeFrancois80@vatican.va

Polnisch: PapiezFranciszek80@vatican.va

Wie in den vergangenen Jahren ist damit zu rechnen, dass der Papst im Laufe des Tages auch ein Ständchen zu hören und einen Kuchen geschenkt bekommen wird.

Als er im Jahr 2014 seinen 78. Geburtstag feierte, der auf einen Mittwoch, also einen Tag mit Generalaudienz fiel, riefen ihm die Menschen bei der Fahrt über den Petersplatz „Tanti auguri“ zu. Das Papamobil legte einen Zwischenstopp ein, damit Franziskus die Kerzen auf einem Kuchen ausblasen konnte, den ihm Seminaristen der Legionäre Christi mitgebracht hatten. Und natürlich genoß der argentinische Papst einen Mate-Tee. Zum 79. überreichte ihm eine Gruppe Jugendlicher der Laienbewegung ‚Azione Cattolica‘ (Katholische Aktion) einen Kuchen und gratulierten ihm. (CNA Deutsch)

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Papst plant am 80. Geburtstag Messe mit Kardinälen

Dienstag 13. Dezember 2016 von VH

Franziskus will an seinem 80. Geburtstag nächsten Samstag eine Messe mit Kardinälen feiern. Das teilte das Vatikanische Presseamt am Dienstag mit. Alle in Rom residierenden Kardinäle sind zu dem Gottesdienst in die Paulinische Kapelle des Apostolischen Palastes eingeladen, die der Papst nur zu besonderen Anlässen nutzt. Von dem Gottesdienst abgesehen, will Franziskus am Samstag einen gewöhnlichen Arbeitstag einlegen. Sein Kalender führt eine Reihe von Audienzen auf, unter anderem empfängt der Papst den Churer Bischof Vitus Huonder. (rv)

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Was Papst Franziskus an Weihnachten vorhat

Mittwoch 30. November 2016 von VH

cna_weihnachtenVATIKAN – Auf dem Petersplatz steht schon der Christbaum aus den Dolomiten – und daneben wird gerade die Krippe aus Malta aufgebaut, ein Geschenk der dortigen Erzdiözese.

Ein Künstler von der Insel Gozo namens Manwel Gretch entwarf das Krippenbild, bei dem die Landschaft Maltas als Kulisse dient. Auch die 17 Figuren werden landesübliche Kleidung tragen, in der Hand Werkzeuge und Instrumente.

Das traditionsreiche Malteserkreuz ist ebenfalls zu sehen, sowie ein Boot: Dieses soll nicht nur Maltas Tradition des Fischfangs darstellen, sondern auch das Risiko, dass die vielen tausend Migranten auf sich nehmen, die das Mittelmeer überqueren um in Europa einzuwandern.

Eine 30-köpfige Delegation aus Malta wird bei der offiziellen Eröffnung der Krippe am 9. Dezember anwesend sein; an diesem Tag werden auch die Kerzen am Christbaum zum ersten Mal leuchten.

Papst Franziskus hat im Dezember und Januar einiges vor.

Am 12. Dezember feiert er eine Messe für Unsere Liebe Frau von Guadalupe. Bei dieser werden auch Lieder in indigenen Sprachen gesungen – der Chor der Sixtinischen Kapelle singt gemeinsam mit dem Lateinamerikanischen Chor.

An Heiligabend feiert der Papst die heilige Messe im Petersdom. Am Tag darauf gibt er den traditionellen „Urbi et Orbi“-Segen, welcher vom Balkon der Fassade von St. Peter der Stadt und dem Weltkreis gespendet wird.

Am 31. Dezember ist Franziskus beim Singen der „Te Deum“-Hymne anwesend, um für das endende Jahr zu danken. Am 1. Januar zelebriert er die heilige Messe im Petersdom zu Ehren Marias.

Eine Woche später feiert der Papst die Messe in der Sixtinischen Kapelle zur Taufe des Herrn; bei dieser Gelegenheiten sollen auch wieder mehrere Kinder getauft werden.

Und am Abend des 25. Januars nimmt Franziskus an den Abendgebeten zum Fest der Bekehrung des Heiligen Paulus teil. (CNA Deutsch)

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Franziskus warnt Kardinäle vor „Virus der Polarisierung“ (Bericht, Wortlaut & Video)

Samstag 19. November 2016 von VH

cna_konsistorium19_11_2016VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat am heutigen Samstag 17 neue Kardinäle der katholischen Kirche kreiert – und die anwesenden Purpurträger vor dem „Virus der Polarisierung“ gewarnt.

Im Rahmen einer heiligen Messe des Konsistoriums im Dom von St. Peter setzte der Pontifex den neuen Kardinälen ihr Birett auf. Als einziger nicht anwesend war – aus Gesundheitsgründen – der 87 Jahre alte Bischof emeritus Sebastian Koto Khoarai aus Lesotho im südlichen Afrika.

In seiner Predigt betonte Franziskus, in Anlehnung an die Worte Jesus im Tagesevangelium nach Lukas (Lk 6,27-36), dass es wichtig sei, vier Dinge zu tun: „Liebt, tut Gutes, segnet und betet“.

Dies sei jedoch nicht leicht, wenn man es auf seine Feinde anwende, so der Papst. Dabei sie genau dies eine der „ureigensten“ Merkmale der Lehre Jesu. Franziskus warnte, statt dieser Lehre der Logik der Gegnerschaft zu folgen, welche eine „Zunahme der Feindschaft unter den Völkern, unter uns, ausgesät [hat]! Ja, unter uns, in unseren Gemeinschaften, unseren Priesterkollegien, unseren Versammlungen“. Der Papst weiter:

Das Virus der Polarisierung und der Feindschaft dringt in unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ein. Dagegen sind wir nicht immun, und wir müssen aufpassen, dass eine solche Haltung nicht unser Herz in Beschlag nimmt, denn das würde sich gegen den Reichtum der Universalität der Kirche wenden, den wir in diesem Kardinalskollegium mit Händen greifen können.

Nach der Feier besuchte Franziskus mit den 17 neuen Kardinälen seinen Vorgänger, Benedikt XVI.

Benedikt wird auch morgen bei der Schließung der Heiligen Pforte im Petersdom nicht dabeisein, teilte der Vatikan mit. Bei der Öffnung war Benedikt noch als erster durch die Pforte gegangen.

Elise Harris trug zur Berichterstattung bei; ergänzt um 16:06 Uhr durch weitere Informationen.

CNA dokumentiert den vollen Wortlaut der Predigt von Franziskus, wie sie der Heilige Stuhl zur Verfügung gestellt hat.

Der Abschnitt aus dem Evangelium, den wir eben gehört haben (vgl. Lk 6,27-36), ist von vielen die „Feldpredigt“ genannt worden. Nach der Einsetzung der Zwölf stieg Jesus mit seinen Jüngern hinunter in die Ebene, wo eine Menschenmenge auf ihn wartete, um ihn zu hören und sich heilen zu lassen. Die Berufung der Apostel geht einher mit diesem „Sich-auf-den-Weg-Machen“ in die Ebene, zur Begegnung mit einer großen Anzahl von Menschen, die – wie der Evangelientext sagt – „geplagt“ waren (vgl. V. 18). Anstatt die Jünger oben auf dem Berg, auf dem Gipfel zu lassen, führt die Wahl sie ins Herz der Menge, stellt sie mitten in ihre Qualen hinein, auf die Ebene ihres Lebens. Auf diese Weise offenbart der Herr ihnen und uns, dass man den wahren Gipfel in der Ebene erreicht, und die Ebene erinnert uns daran, dass der Gipfel in einem Blick liegt und besonders in einem Aufruf: »Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!« (V. 36).

Es ist eine Einladung, die von vier Imperativen, wir könnten sagen von vier Ermahnungen begleitet ist, die der Herr an sie richtet, um ihre Berufung in der Konkretheit, im Alltag des Lebens zu formen. Es sind vier Tätigkeiten, die dem Weg des Jüngers Form geben, Leibhaftigkeit verleihen und ihn greifbar machen sollten. Wir könnten sagen, dass es vier Abschnitte der Mystagogie der Barmherzigkeit sind: Liebt, tut Gutes, segnet und betet. Ich denke, dass wir über diese Aspekte alle einer Meinung sein können und dass sie uns auch als vernünftig erscheinen. Es sind vier Handlungen, die wir leicht verwirklichen mit unseren Freunden, mit den Menschen, die uns mehr oder weniger nahe stehen, nahe im Hinblick auf Zuneigung, Geschmack und Gewohnheiten.

Das Problem kommt auf, wenn Jesus uns die Zielgruppe dieser Handlungen vorstellt, und darin ist er ganz unmissverständlich, gebraucht er weder Umschweife, noch Beschönigungen. Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch misshandeln (vgl. V. 27-28).

Und das sind keine Handlungen, die gegenüber einem, der als Gegner, als Feind vor uns steht, selbstverständlich sind. Solchen gegenüber ist unsere erste, instinktive Haltung die, sie zu disqualifizieren, sie zu diskreditieren, sie zu verfluchen; in vielen Fällen versuchen wir, sie zu „verteufeln“, mit dem Ziel, eine „heilige“ Rechtfertigung zu haben, um sie uns vom Halse zu schaffen. Im Gegensatz dazu sagt uns Jesus in Bezug auf den Feind, auf den, der dich hasst, dich verflucht oder dich diffamiert: Liebe ihn, tu ihm Gutes, segne ihn und bete für ihn.

Wir stehen vor einer der ureigensten Charakteristiken der Botschaft Jesu, dort, wo sich seine Kraft und sein Geheimnis verbergen. Dort entspringt die Quelle unserer Freude, von dort kommen die Macht unserer Sendung und die Verkündigung der Frohen Botschaft. Der Feind ist einer, den ich lieben muss. Im Herzen Gottes gibt es keine Feinde, Gott hat nur Söhne und Töchter. Wir richten Mauern auf, bauen Barrieren und stufen die Menschen ein. Gott hat Söhne und Töchter, und zwar nicht, um sie sich vom Leibe zu halten. Die Liebe Gottes hat das Merkmal der Treue zu den Menschen, denn es ist eine leidenschaftliche Liebe, eine Mutter- und Vaterliebe zugleich, die sie nicht im Stich lässt, selbst wenn sie Fehler begangen haben.

Unser Vater wartet nicht darauf, die Welt erst dann zu lieben, wenn wir gut sein werden, er wartet nicht darauf, uns erst dann zu lieben, wenn wir weniger ungerecht oder wenn wir vollkommen sein werden. Er liebt uns, weil er die Wahl getroffen hat, uns zu lieben; er liebt uns, weil er uns die Gotteskindschaft verliehen hat. Er hat uns sogar geliebt, als wir noch Feinde waren (vgl. Röm 5,10). Die bedingungslose Liebe des Vaters zu allen war und ist ein echtes Erfordernis der Umkehr für unser armseliges Herz, das dazu neigt, zu richten, zu trennen, Gegensätze zu schaffen und zu verurteilen. Das Wissen, dass Gott auch den, der ihn ablehnt, weiter liebt, ist eine unerschöpfliche Quelle der Zuversicht und ein Ansporn für die Mission. Keine schmutzige Hand kann verhindern, dass Gott in diese Hand das Leben legt, das er uns schenken möchte.

Unsere Epoche ist gekennzeichnet durch gewaltige Problemkomplexe und Fragen auf Weltebene. Wir erleben eine Zeit, in der in unseren Gesellschaften die Polarisierung und die Ausschließung als einzige Möglichkeit zur Lösung von Konflikten seuchenartig wieder aufleben. So sehen wir zum Beispiel, wie jemand neben uns rasch nicht nur als Unbekannter oder Immigrant oder Flüchtling eingestuft, sondern als Bedrohung wahrgenommen und als Feind eingestuft wird. Feind, weil er aus einem fernen Land kommt oder weil er andere Bräuche hat. Feind wegen seiner Hautfarbe, wegen seiner Sprache oder seiner gesellschaftlichen Stellung, Feind, weil er anders denkt und auch weil er einen anderen Glauben hat. Feind weil… Und ohne dass wir es merken, macht sich diese Logik in unserer Lebens-, Handlungs- und Vorgehensweise breit. Dann beginnen alle und alles den Beigeschmack der Feindschaft zu haben.

Nach und nach verwandeln sich die Verschiedenheiten in Symptome von Feindseligkeit, Bedrohung und Gewalt. Wie viele Wunden vergrößern sich aufgrund dieser Seuche der Feindschaft und Gewalt, die im Fleisch vieler ihre Spuren hinterlässt, die keine Stimme haben, weil ihr Aufschrei schwächer geworden und schließlich verstummt ist aufgrund dieser Pathologie der Gleichgültigkeit! Wie viele Situationen der Unsicherheit und des Leidens werden durch diese Zunahme der Feindschaft unter den Völkern, unter uns, ausgesät! Ja, unter uns, in unseren Gemeinschaften, unseren Priesterkollegien, unseren Versammlungen.

Das Virus der Polarisierung und der Feindschaft dringt in unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ein. Dagegen sind wir nicht immun, und wir müssen aufpassen, dass eine solche Haltung nicht unser Herz in Beschlag nimmt, denn das würde sich gegen den Reichtum der Universalität der Kirche wenden, den wir in diesem Kardinalskollegium mit Händen greifen können.

Wir kommen aus fernen Ländern, haben unterschiedliche Bräuche, Hautfarben, Sprachen und gesellschaftliche Stellungen; wir haben unterschiedliche Denkweisen und feiern sogar den Glauben in verschiedenen Riten. Und nichts von alledem macht uns zu Feinden, im Gegenteil, es ist einer unserer größten Reichtümer.

Liebe Brüder, Jesus hört nicht auf, „vom Berg hinabzusteigen“, unaufhörlich möchte er uns in den Kreuzweg unserer Geschichte einfügen, um das Evangelium der Barmherzigkeit zu verkünden. Immer wieder ruft Jesus uns und sendet uns in die „Ebene“ unserer Völker, immer wieder lädt er uns ein, unser Leben damit zu verbringen, die Hoffnung unserer Leute zu unterstützen, als Zeichen der Versöhnung. Als Kirche sind wir immer wieder eingeladen, unsere Augen zu öffnen, um auf die Wunden so vieler Brüder und Schwestern zu schauen, die ihrer Würde beraubt sind, die in ihrer Würde beraubt sind.

Lieber Mitbruder und neuer Kardinal, der Weg zum Himmel beginnt in der Ebene, im Alltag des zerstückelten und miteinander geteilten Lebens, eines verausgabten und verschenkten Lebens. In der täglichen und stillschweigenden Gabe dessen, was wir sind. Unser Gipfel ist diese Qualität der Liebe; unser Ziel und unsere Bestrebung ist, zu versuchen, in der Ebene des Lebens gemeinsam mit dem Volk Gottes uns in Menschen zu verwandeln, die zu Vergebung und Versöhnung fähig sind.

Lieber Bruder, heute wird von dir verlangt, in deinem Herzen und in dem der Kirche diese Einladung zu bewahren, barmherzig wie der Vater zu sein und dabei dies im Bewusstsein zu haben: »Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium 49. (CNA Deutsch)

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Papst berät mit Kurienchefs

Montag 14. November 2016 von VH

cna_Fanziskus im VatikanFranziskus hat am Montag mit den Leitern der einzelnen vatikanischen Dikasterien beraten. Das genaue Thema der Gespräche teilte der Vatikanische Pressesaal allerdings nicht mit. Sogenannte Kabinettssitzungen mit dem Papst sind im Vatikan selten; zuletzt gab es im Mai eine Runde dieses Formats zum Thema Medienreform. Wesentlich häufiger trifft sich Franziskus mit dem von ihm ins Leben gerufenen Kardinalsrat, zu dem neun Kardinäle aus allen Teilen der Welt gehören. (rv)

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