Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

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Papst ernennt neuen Generalvikar für Rom

Samstag 27. Mai 2017 von VH

Nachfolge innerhalb des Bistums Rom: Einer seiner Weihbischöfe löst Kardinal Agostino Vallini als Generalvikar des Papstes für das Bistum Rom ab. Papst Franziskus berief Angelo De Donatis an die Spitze seines Bistums und erhob ihn zugleich in den Stand des Erzbischofs, wie der Vatikan am Freitag mitteilte. Der gebürtige Süditaliener De Donatis ist 63 Jahre alt und hatte 2014 auf Einladung von Franziskus die Fastenexerzitien für Papst und Kurie geleitet; zu dem Zeitpunkt war er Pfarrer in der römischen Kirche San Marco Evangelista am Kapitol gewesen. Weihbischof in Rom wurde er im Jahr darauf.

Kardinal Agostino Vallini ist 77 Jahre alt, seinen Rücktritt nahm Papst Franziskus ebenfalls am Freitag an. Für seine Nachfolge waren die katholischen Gläubigen Roms aufgerufen gewesen, ihre Vorschläge einzubringen.

Rom ist das Bistum des Papstes. Die Führung der Amtsgeschäfte im Bistum ist allerdings weitgehend an den Kardinalvikar delegiert, dessen Amtsbezeichnung „Generalvikar Seiner Heiligkeit für das Bistum Rom“ lautet. (rv)

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Kardinal Gualtiero Bassetti neuer CEI-Präsident

Donnerstag 25. Mai 2017 von VH

Kardinal Gualtiero Bassetti von Perugia ist der neue Präsident der Italienischen Bischofskonferenz CEI. Das gab der scheidende Vorsitzende, Kardinal Angelo Bagnasco, am Ende der gemeinsamen Messfeier an diesem Mittwochvormittag bekannt. Papst Franziskus hatte Bassetti, der von der italienischen Presse bereits im Vorfeld als der aussichtsreichste Kandidat gehandelt wurde, aus einer Dreierliste ausgewählt. Diese hatten ihm die Bischöfe im Rahmen ihrer derzeit tagenden Vollversammlung auf dessen ausdrücklichen Wunsch vorgelegt. Bassetti, der auch auf besagter Liste an erster Stelle genannt wurde, gilt als Papstvertrauter.

In einer anschließenden Stellungnahme erklärte der Kardinal, er habe „keine vorgefertigten Programme anzubieten“, „denn in meinem Leben habe ich immer ziemlich improvisiert. Ich habe vor, mit allen Bischöfen gemeinsam zu arbeiten, dankbar für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben.“

Bassetti ist Jahrgang 1942 und wurde in der Erzdiözese Florenz ausgebildet. Am 29. Juni 1966 wurde er durch Kardinal Ermenegildo Florit zum Priester geweiht, seit 1992 war er als Generalvikar der Erzdiözese Florenz tätig. 1994 hatte Papst Johannes Paul II. ihn zum Bischof von Massa Marittima-Piombino ernannt. Benedikt XVI. vertraute ihm schließlich 2009 die Erzdiözese Perugia-Città della Pieve an.

Franziskus berief Bassetti 2013 zum Mitglied der Bischofskongregation im Vatikan. Im Februar 2014 erhob der Papst ihn in den Kardinalsstand. Von 2009 bis 2014 war Bassetti bereits Vize-Präsident der Italienischen Bischofskonferenz. Er löst nun mit sofortiger Wirkung Kardinal Angelo Bagnasco von Genua ab, der nach zehn Jahren an der Spitze von Europas größter Bischofskonferenz aus dem Amt scheidet. Sein Amt als Präsident des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) wird Bagnasco weiter ausüben. (rv)

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Schweden: Kleine Kirche mit historischer Kardinalsernennung

Dienstag 23. Mai 2017 von VH

Man kann seine Ernennung zum Kardinal durchaus als historisch bezeichnen: Denn Anders Arborelius wird der erste schwedische Kardinal überhaupt. Wie er bisher auch schon der erste katholische Bischof von Stockholm in der Neuzeit war. Und Konvertiten – Arborelius war zunächst Lutheraner – gab es im Kardinalskollegium auch noch nicht so viele (berühmte Ausnahme: John Henry Newman).

Am Sonntag hatte der Papst bekannt gegeben, dass er fünf neue Kardinäle kreieren wird. Die Katholiken in Schweden stellen nur eine verschwind kleine Minderheit in dem säkularisierten Land; das Bistum Stockholm, das offiziell rund 116.000 Gläubige zählt und dem Arborelius vorsteht, ist für das gesamte Land zuständig. In Schweden leben etwa 9,8 Millionen Menschen. Der 67-jährige Bischof von Stockholm sieht im Gespräch mit Radio Vatikan seine Ernennung auf einer Linie mit der Sorge des Papstes für die katholischen Minderheiten auf der Welt:

„Es ist wirklich ein historisches Ereignis, und ich denke, es ist wirklich typisch für Papst Franziskus, dass er auf die Teile der Welt blickt, die weit weg liegen. Andere neue Kardinäle kommen zum ersten Mal aus Laos und Mali. Er will also diese Minderheiten, diese kleinen Gruppen von Katholiken stärken, die über die ganze Welt verstreut sind. Sie sind in den Augen Gottes und der Kirche wichtig, selbst wenn sie nur kleine Realitäten sind.“

Historisches Ereignis für die Kirche in Schweden

Bis zum Jahr 2000 war die evangelisch-lutherische Kirche Staatskirche; jeder Schwede gehörte ihr mit seiner Geburt automatisch an. Bischof Arborelius selbst trat erst mit 20 Jahren zum katholischen Glauben über, er schloss sich dem Karmeliterorden an. Seit 1998 sitzt er, als erster Schwede seit der Reformation, auf dem Stockholmer Bischofsstuhl. Seine Ernennung, das gab Arborelius zu, sei jedenfalls eine große und freudige Überraschung für ihn und die katholische Kirche Schwedens, die Franziskus im letzten Herbst besucht hat.

„Die Frage ist, was könnte dahinter stecken? Vielleicht hat der Heilige Vater gesehen, dass die katholische Kirche in Schweden eine sehr kleine Minderheit in einer sehr säkularisierten Gesellschaft ist, aber dass wir dennoch eine sehr wichtige Mission hier haben auf verschiedenen Ebenen. Wir waren in der Lage, so viele Flüchtlinge zu integrieren, und wir wissen, dass das für den Heiligen Vater enorm wichtig ist.“

Arborelius gilt als bescheiden

Viele der schwedischen Gemeindemitglieder sind Migranten, unter ihnen besonders Polen, Vietnamesen und Menschen von den Philippinen, die auf Arbeitssuche nach Schweden eingewandert sind. In den vergangenen Jahren hat sich Bischof Arborelius stark in der Flüchtlingsdebatte engagiert. Allerdings, große Gesten sind grundsätzlich nicht seine Sache. Unaufdringlich und hilfsbereit hielt er sich auch beim medial groß begleiteten Papstbesuch in Schweden im Hintergrund und überließ das Feld eher den Lutheranern, die die Anwesenheit des Papstes beim Reformationsgedenken in der Kathedrale von Lund sichtlich genossen.

Doch neben dem Gedenken an 500 Jahre Reformation hat Papst Franziskus die Reise offensichtlich auch dazu genutzt, sich ein Bild von der Situation der katholischen Kirche in dem Land zu machen – und sie mit der Kardinalsernennung nochmals deutlich aufzuwerten. Das sieht auch Bischof Arborelius so:

„Wir haben einen sehr umfangreichen ökumenischen Dialog, mit allen christlichen Kirchen. Also, wir haben vielleicht, als kleine bescheidene Minderheit, der Kirche als Ganzes etwas anzubieten, und wir werden natürlich versuchen, den Heiligen Vater noch mehr als zuvor zu unterstützen.“ (rv)

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Von Stockholm bis San Salvador: Das werden die neuen Kardinäle der Kirche

Montag 22. Mai 2017 von VH

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat am heutigen Sonntag angekündigt, fünf neue Kardinäle der Kirche zu kreieren.

Beim Regina Coeli, dem Mittagsgebet der Osterzeit, gab der Papst den Pilgern auf dem Petersplatz bekannt, er werde am 28. Juni ein Konsistorium abhalten lassen. Dabei werde er fünf neue Kardinäle kreieren, welche die „Katholizität“ der Kirche darstellen sollen, weil sie aus verschiedenen Orten auf der Welt stammen.

1. Erzbischof Jean Zerbo, von Bamako in Mali

2. Erzbischof Juan José Omella von Barcelona in Spanien

3. Bischof Anders Arborelius von Stockholm, Schweden

4. Weihbischof José Gregorio Rosa Chávez, San Salvador, El Salvador

5. Bischof Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun, Apostolischer Vikar von Pakse (Laos) und Apostolischer Administrator von Vientiane in Laos.

Die fünf werden am 29. Juni, dem Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, im Petersdom mit dem Papst die heilige Messe konzelebrieren.

Die Wahl des Papstes ist nicht nur eine globale, sondern auch eine der Peripherien – etwa des kommunistischen Laos und des stark säkularen, protestantisch geprägten Schweden. In beiden Ländern sind Katholiken eine kleine Minderheit.

Hinzu kommt, dass der Papst erneut „typische“ Bistümer für Kardinalstitel übergeht, diesmal sogar zugunsten eines Weihbischofs im Falle San Salvadors – dessen Erzbischof, Jose Luis Escobar Alas, hat Franziskus übergangen.

All fünf Kardinäle sind unter 80 Jahre alt und werden voraussichtlich beim nächsten Konklave den neuen Papst mit wählen können. (CNA Deutsch)

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D: Petrus und seine Nachfolger zu Gast in Mannheim

Samstag 20. Mai 2017 von VH

Einmal die Päpste erleben, die vor Jahrhunderten die Kirchengeschicke gelenkt, aber auch die Weltpolitik beeinflusst haben und heute oftmals in Vergessenheit geraten sind: Ab dem 21. Mai bekommen die Besucher einer Ausstellung in Mannheim die Chance, hinter die Kulissen des jahrhundertelangen Papsttums zu blicken. Stefan Weinfurter, Professor an der Universität und Leiter des Forschungsstelle Geschichte und kulturelles Erbe, spricht im Interview mit dem Erzbistum Freiburg über die Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“, die er mit verantwortet.

Derzeit steht Europa in der öffentlichen Diskussion oftmals im Fokus. Ein paar Stichworte: Wahlen in Frankreich, der Brexit, die Euro-Krise und Pulse of Europe. Doch wie geht es weiter mit Europa? Die einen fürchten Verlust der Nationalstaaten, die anderen fordern die Vereinigten Staaten von Europa. Aber schon in der lange zurück liegenden Vergangenheit haben sich Kirchenoberhäupter um die Einheit Europas verdient gemacht. Das sagt der Heidelberger Professor Stefan Weinfurter. Es sei wichtig, die Rolle der Kirche im Einigungsprozess Europas zu beleuchten und neu in Erinnerung zu rufen:

Der Einfluss der Päpste

„Die Päpste haben über Jahrhunderte hin die Kultur, die Wertevorstellungen auch die politische Ordnung in Europa in ganz hohem Maße beeinflusst, man kann sogar sagen, bestimmt. Das Papsttum und Europa gehören eng zusammen. Und wenn wir in der heutigen Zeit an Europa in dem Sinn arbeiten müssen, dass wir uns als Europäische Gemeinschaft verstehen, dann sollten wir schon auch den Blick darauf richten, wo jedenfalls große Teile unseres Europäischen Fundaments gelegt worden sind.“

Genau deshalb ist für ihn die Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ in Mannheim, die er mit verantwortet hat, so wichtig. Denn das Papsttum war von Anfang an als eine grenzüberschreitende Institution gedacht, erklärt der Historiker. Vor hunderten Jahren gab es in Europa unzählige Kleinstaaten und Nationalismus wurde großgeschrieben. Aber schon damals hätten die Päpste eine Rolle gehabt, die ein bisschen mit der heutigen Europäischen Gemeinschaft vergleichbar sei, sagt Professor Weinfurter:

Frieden und Gerechtigkeit

„Eine Institution, die von Anfang an europäische Dimensionen hat, die von Anfang an versucht, in Europa Frieden und Gerechtigkeit herzustellen. Man muss sich immer klar machen, dass das päpstliche Gericht über Jahrhunderte das Entscheidungsgericht für europäische Fälle war, nicht nur für die hohe Politik, sondern auch für die einfachen Menschen, die sich mit ihren Sorgen oder Streitigkeiten, Familienstreitigkeiten ein Urteil geholt haben und das hat gegolten. Das ist so etwas wie ein Vorgänger des Europäischen Gerichtshofes.“

Das gesamte heutige Rechtssystem, aber auch das Verständnis von Rechtsprechung in Europa basiere auf dem der Antike, ergänzt Weinfurter. Das sei den Päpsten zu verdanken. Denn die hätten das kanonische Recht, also das Kirchenrecht, auf dem römischen Gesetz aufgebaut – und so diese „Grundsätze in das europäische Denken transferiert“.

Das alles herauszuarbeiten und so viele Informationen über die Päpste zusammenzustellen sei alles andere als einfach gewesen, sagt Weinfurter: „Das Thema Papsttum ist zeitlich und räumlich sehr groß, das muss man sich immer klar machen. Wir wollen einen Zeitraum von 1500 Jahren darstellen und weite Teile Europas in den Blick nehmen. Das macht das Unternehmen von Anfang an nicht einfach.“

Auf den Spuren des frühen Papsttums

Damit Weinfurter und sein Team die Ausstellungsstücke zusammentragen konnten, waren sie auf die Zusammenarbeit mit dem Vatikan angewiesen. Vor Ort in Rom und im Kirchenstaat waren Professor Weinfurter und seine Kollegen mit den Vatikanmitarbeitern auf den Spuren des frühen Papsttums unterwegs:

„Wir sind in die Katakomben geführt worden. Wir haben die Kirchen kennen gelernt, die frühesten Kirchen. Wir haben mit hervorragenden Leuten zusammen gearbeitet, die auf den jüngsten, modernsten, neuesten archäologischen Befunden basierend zum ersten Mal die Peterskirche, also Alt-St. Peter, rekonstruieren konnten. Wir wissen jetzt, und in der Ausstellung wird das gezeigt werden, wie Alt-St. Peter ausgesehen hat, wie die Säulen ausgesehen haben, die Wandgestaltung. Das ist alles sensationell neu.“

In diesem Jahr wird weltweit an 500 Jahre Reformation erinnert. Die Päpste haben bei der Spaltung von katholischer und protestantischer Kirche natürlich eine zentrale Rolle gespielt, sagt Professor Weinfurter. Doch es darauf herunter zu brechen, auch das zeigt die Ausstellung, sei zu einfach. „Denn Papsttum, katholische, evangelische und andere Kirchen beruhen auf gemeinsamen Wuzeln, auf dem Evangelium“, erklärt Weinfurter und ergänzt: „Wir gehören alle zusammen.“

Die Sonderausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum startet am Sonntag und läuft noch bis zum 31. Oktober 2017. (rv)

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Vatikanische Finanzaufsicht: 207 Verdachtsfälle in 2016

Mittwoch 17. Mai 2017 von VH

Im Jahr 2016 hat die vatikanische Finanzaufsichtsbehörde AIF 207 V2016

erdachtsfälle gemeldet. Das berichtet der AIF-Präsident, der Schweizer René Brülhart, an diesem Dienstag bei der Pressekonferenz zum Jahresbericht 2016 im Vatikan. Das sind im Vergleich zu den Vorjahren zwar vergleichsweise mehr Fälle, aber eindeutig weniger als im Jahr 2015, in dem 544 Verdachtsfälle ermittelt wurden. Im Interview mit Radio Vatikan stellt Brülhart diese Entwicklung klar:

Brülhart: „Das ist immer so eine Sache mit Statistiken. Ich denke, es ist sehr wichtig, den Kontext zu betrachten, in welchem diese Zahlen stehen. Wenn Sie dreieinhalb Jahre zurückgehen, da haben wir innerhalb des IOR den sogenannten ,Remediation´-Prozess eingeleitet. Vor etwa eineinhalb Jahren ist dieser dann abgeschlossen worden. Die Auswirkungen, die wir für 2015 gesehen haben, mit einem erstaunlichen hohen Wert an Verdachtsmitteilungen, bedeutet aber nicht, dass es sich allesamt um kriminelle Fälle gehandelt hat. Wir sprechen über Verdachtsmomente, also über Abwicklungen, die vielleicht nicht korrekt stattgefunden haben. Wir sprechen nicht auch über eine entsprechende Beweislage. Heute sind das anders aus: Dieser Prozess ist – wie gesagt – abgeschlossen. Wir gehen jetzt zu einer Normalität über. Von unserer Seite war und ist immer wichtig, dass wir die Qualität sehen wollen. Denn das leistet einen Mehrwert für die Strafverfolgung als solche. Da sind wir auf einem guten Weg.“

RV: Wir sprechen von hunderten Verdachtsfällen, aber nur 22 Fälle wurden im vergangenen Jahr der vatikanischen Justizbehörde weitergereicht. In der Öffentlichkeit ist auch nicht bekannt, ob dann bei allen der Prozess geführt wird. In den Medien ist ja nur von einigen wenigen Fällen die Rede. Woran liegt das? Finden keine Prozesse statt? Werden die meisten Fälle archiviert?

Brülhart: „Es gibt verschiedene Gründe hierfür. Das eine ist, wenn die Fälle zu den entsprechenden Behörden gelangen, dann werden auch die Prozesse eingeleitet. Das braucht eine gewisse Zeit. Ein weiterer Punkt ist, dass die Art von Statistiken, die bei uns geführt werden, möglicherweise bei den Strafverfolgungsbehörden zum Teil anders an die Hand genommen werden, sprich: drei bis fünf Verdachtsmitteilungen werden unter einem Einzelfall zusammengefasst behandelt. Mir ist es ein Anliegen, dass diese Zusammenarbeit zwischen AIF mit den Strafverfolgungsbehörden als solche stattfindet, und das ist der Fall.

RV: Und wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus? Wer arbeitet denn alles zusammen? Ist auch die Gendarmerie involviert?

Brülhart: „Es sind drei Behörden: AIF als Geldwäschemeldestelle und als Aufsichtsbehörde, dann werden die Fälle an die Justizbehörde ,Promotore di Giustizia´ weiter geleitet und dort findet auch eine entsprechende juristische Verfolgung statt, so dass die Fälle im Gericht behandelt werden. Zusätzlich zu dieser Justizbehörde gibt es die vatikanische Gendarmerie, die eine Art Justizpolizei ist und die Justizbehörde unterstützt.“

RV: Der Heilige Stuhl hat in den vergangenen Jahren auch internationale Abkommen mit Staaten unterzeichnet, um gegen Geldwäsche und dubiose Finanztransaktionen vorzugehen. Wie sieht es heute damit aus? Hat Ihre Behörde hier die internationale Zusammenarbeit ausweiten können?

Brülhart: „Der Heilige Stuhl, der Vatikan, ist eine globale Institution und hier ist es absolut wichtig, dass die Möglichkeit besteht, mit anderen Ländern und Jurisdiktionen zusammenzuarbeiten. Hier hat man weitere Fortschritte gemacht. Mit sämtlichen wichtigen Jurisdiktionen, von der Finanzseite her betrachtet, hat die AIF entsprechende Abkommen unterzeichnet. Im vergangen Jahr haben wir beispielsweise mit der italienischen Nationalbank oder mit den USA entsprechende Verträge unterzeichnet. Ich denke auch an Abkommen mit Luxemburg oder mit der Schweiz.“

Hintergrund

Mittlerweile unterhält die vatikanische Finanzaufsicht institutionelle Beziehungen zu Partnerbehörden in sechs Ländern, darunter Deutschland, Luxemburg und den USA. Drei der Abkommen wurden 2016 neu geschlossen: mit Brasilien, Italien und Polen. Daneben vereinbarte die AIF mit fünf weiteren nationalen Behörden einen bilateralen Informationsaustausch, darunter Österreich, Panama und Russland. Aktuell bestehen solche Vereinbarungen mit 32 Staaten. (rv)

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Australien: Kardinal Sandri zu Besuch

Dienstag 9. Mai 2017 von VH

Aufgrund der Einwanderung erleben die Ostkirchen in Australien einen Aufschwung. Über diese und andere Entwicklungen auf dem Fünften Kontinent macht sich derzeit der Präfekt der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, ein Bild. Auf Einladung der fünf Bischöfe der in Australien vertretenen Ostkirchen bereist Sandri das Land noch bis zum 15. Mai. Nach Station in Sydney setzte der Kardinal an diesem Montag seine Reise in die Hauptstadt Canberra fort. Begleitet wird er vom Apostolischen Nuntius Adolfo Tito Ylliana und dem australischen maronitischen Bischof Antoine-Charbel Tarabay. (rv)

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Franziskus an neue Gardisten: „Mutige Soldaten Christi“

Samstag 6. Mai 2017 von VH

Seid „mutige Soldaten Christi“ und Vorbild für andere – das hat Papst Franziskus seiner Schweizergarde mit auf den Weg gegeben. Im Vatikan empfing er am Morgen 40 neue Rekruten der Garde, die an diesem Samstagnachmittag im Vatikan vereidigt werden. Franziskus wird an dem feierlichen Ritus selbst nicht teilnehmen, empfing seine Garde aber zuvor in Audienz.

Haltung und Präzision, Professionalität und Vorbildhaftigkeit in Dienst und Leben – dies sind laut Papst Franziskus die Tugenden eines Schweizergardisten: „Möge dies eure erste Sorge sein“, legte er den jungen Neuzugängen ans Herz; die jungen Männer waren, flankiert von erfahrenen Gardisten, mit ihren Familien in den Vatikan gekommen. Sie werden an diesem Samstagnachmittag den Fahnenschwur im Damasushof leisten, unter Anwesenheit von Kardinälen und Bischöfen sowie der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard.

In seiner Ansprache kam Franziskus auf den historischen Gründungsmoment der päpstlichen Garde zu sprechen. Die Vereidigung neuer Schweizergardisten findet traditionell immer am 6. Mai, dem Jahrestag des unter dem Stichwort „Sacco di Roma“ bekannten Ereignisses, statt. Als Landsknechte und Söldner 1527 Rom und den Kirchenstaat plünderten, habe die Schweizergarde „den Papst mutig und unbeugsam verteidigt“ – bis zur Hingabe des eigenen Lebens, erinnerte Franziskus. Heute werde von der Schweizergarde „ein anderes, aber nicht minder mühsames Opfer“ verlangt, fuhr er fort: „der Macht des Glaubens zu dienen. Er ist ein wirksamer Wall, um den verschiedenen Kräften und Mächten dieser Erde zu widerstehen, vor allem dem »Herrscher dieser Welt« und »Vater der Lüge«. Dieser geht, gemäß den Worten des heiligen Petrus, »wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann« (1 Petr 5,8). Ihr sollt tapfer und treu sein, getragen vom Glauben in Christus und von seinem Wort des Heiles. Eure Präsenz in der Kirche und euer wichtiger Dienst im Vatikan bieten eine Gelegenheit, um als mutige ,Soldaten Christi‘ zu wachsen.“

Franziskus rief die jungen Männer zu „ehrlicher Brüderlichkeit“, gegenseitiger Unterstützung, Freundlichkeit und einem exemplarischen christlichen Leben auf. In den kleinen alltäglichen Gesten sollten die Gardisten diesen Werten neues Leben einhauchen, selbst wenn ihr Dienst auch manchmal ein wenig repetitiv sei, so Franziskus, der seine Zuhörer abschließend bat, für ihn zu beten. (rv)

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Papst: Reform mit Milde (und ein bisschen Gewalt)

Freitag 5. Mai 2017 von VH

Papst Franziskus hat einmal mehr die Notwendigkeit von Reformen im Vatikan bekräftigt. Im Vatikan empfing er an diesem Donnerstag sein vor knapp zwei Jahren gegründetes Mediensekretariat, das sich um eine Neuordnung der Medienlandschaft des Heiligen Stuhls bemüht. Dabei sagte er: „Wir sollten keine Angst haben. Reform heißt nicht, die Sachen weiß zu übertünchen – sie bedeutet, den Dingen eine andere Form zu geben. Sie anders zu organisieren. Man muss sie mit Intelligenz, mit Milde, aber auch mit ein bisschen – bitte sehen Sie mir das Wort nach – ein bisschen Gewalt durchführen. Aber guter Gewalt, nicht wahr?“

Das Mediensekretariat hält seine erste Vollversammlung ab, um den Stand der Reformen zu besprechen und neue Ideen zu sammeln. Franziskus bestärkte seine Zuhörer darin, „neue Kriterien und Modalitäten“ zu finden, „um das Evangelium von der Barmherzigkeit zu allen Völkern und ins Herz der verschiedenen Kulturen zu bringen“. Dabei dürfe man um „die neue Digitalkultur“ keinen Bogen schlagen.

„Früher gab es für jede Ausdrucksform ein eigenes Medium: für geschriebene Worte die Zeitung oder Bücher, für bewegte Bilder Kino und Fernsehen, für das gesprochene Wort und Musik Radio und CDs. All diese Kommunikationsformen laufen heute in eins zusammen. Das bedeutet, dass der Osservatore Romano, der ab nächstem Jahr zum neuen Dikasterium gehört, neue und andere Modalitäten suchen muss. Und Radio Vatikan, das seit Jahren eine Vielzahl von Webseiten unterhält, wird nach neuen Modellen umgeordnet, um sich den modernen Technologien und den Erwartungen unserer Zeitgenossen anzupassen.“

Es liege ihm am Herzen, dass Radio Vatikan auch künftig „Länder mit wenig technologischen Möglichkeiten, etwa in Afrika“, per Kurzwelle erreicht. Die entsprechenden Ausstrahlungen seien „nie eingestellt worden“, das unterstreiche er. Damit antwortete Franziskus auf Befürchtungen des afrikanischen Bischofsrates Secam.

„Es gibt viel zu tun; die Herausforderung ist groß, aber man kann und man muss es tun! Natürlich ist die Geschichte ein Erbe aus wertvollen Erfahrungen, die es zu erhalten gilt. Aber die Geschichte muss auch zu Anregungen für die Zukunft werden, sonst würde sie zu einem Museum: interessant und schön für Besucher, aber nicht imstande, Kraft und Stärke für die Fortsetzung des Wegs einzuflößen.“

Das Mediensekretariat will möglichst noch in diesem Jahr einen einheitlichen Web-Auftritt der vatikanischen Kommunikation freischalten. Zu den 16 Mitgliedern des Sekretariats gehören u.a. Kardinal Béchara Rai aus dem Libanon und der frühere ZDF-Intendant Markus Schächter. (rv)

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Zwei Kardinäle auf dem Weg zur Seligsprechung

Donnerstag 4. Mai 2017 von VH

Papst Franziskus hat an diesem Donnerstag eine ganze Reihe von Dekreten seiner Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen gebilligt. Aus der vom Vatikan veröffentlichten Liste ergibt sich, dass auch zwei Kardinäle einer Seligsprechung näherrücken. Es sind der frühere Erzbischof von Florenz, Elia dalla Costa (1872-1961), und der vietnamesische Kardinal Franz Xaver Nguyên Van Thuân (1928-2002). In beiden Fällen anerkannte der Papst „heroische Tugenden“. Dies ist zusammen mit einem noch anzuerkennenden Wunder auf Fürsprache des Kandidaten die Voraussetzung für eine Seligsprechung.

Nguyên Van Thuân war Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden; er hatte unter Vietnams kommunistischem Regime 13 Jahre in Haft verbracht. Benedikt XVI. würdigte ihn in seiner zweiten Enzyklika Spe Salvi als Glaubenszeugen.

Die meisten anderen Dekrete der Seligen- und Heiligenkongregation betreffen, wie üblich, Ordensleute. Auch mehrere Anerkennungen von Wundern sind darunter. (rv)

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