Die prophetische Mission der Universität ist erneuerter Humanismus und Dialog: Franziskus

SANTIAGO DE CHILE – Vordergründig über zwei vermeintlich sperrige Themen hat Papst Franziskus beim Besuch der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile in Santiago heute gesprochen: Das “Nationale Zusammenleben” und die Herausforderung, “in Gemeinschaft voranzukommen”.

Bei genauerem Betrachten leistet diese Rede von einer “prophetischen Mission” der Universität jedoch viel mehr, mit ihrem Appell an einen “erneuerten Humanismus” und der Betonung des Dialogs, der Verteidigung von Familie, Gemeinschaft und, ja, Nation: Sie ist eine bündige Darstellung der Weltsicht von Papst Franziskus, worauf sich diese aufbaut – und was der Pontifex auch mit seinem eigenen Programm für die Kirche anstrebt.

Franziskus zitierte unter anderem die Philosophen Zygmunt Bauman und Gershom Sholem. Prominent gleich zum Anfang sprach Franziskus jedoch über einen anderen: Der ständige Begleiter von Papst Franziskus in Chile ist der Heilige Alberto Hurtado (1901-1952).

“Sein Leben wird zu einem klaren Zeugnis dafür, wie die Intelligenz, die akademische Exzellenz und die Professionalität im Berufsalltag mit dem Glauben, der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe in Einklang gebracht – weit davon entfernt, geringer zu werden – eine prophetische Kraft erlangen, die fähig ist, Horizonte zu eröffnen und den Pfad zu erleuchten, vor allem für die aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen”.

Die Figur des beliebtesten Heiligen des Landes verkörperte also auch in dieser Rede Franziskus’ jene Friedens- und Dienstbotschaft, die der Pontifex für ein zerrissenes Chile und eine von Kontroversen und Bedeutungsverlust geplagte Kirche in Chile vermitteln will, aber auch als Hoffnungsschimmer und Abentuer für die Jugend des Landes bezeichnet.

“Nationales Zusammenleben”

In der heutigen “flüchtigen” – im Sinne Zygmunt Baumans, wie das Redemanuskript zeigt – Gesellschaft schwinden die Bezugspunkte, von denen aus Menschen ihr Leben aufbauen können, warnte der Papst.

“Es scheint, dass heute die »Wolke« [die digitale ‘Cloud’, Anm.d.Red.] der neue Ort der Begegnung ist, der vom Mangel an Stabilität geprägt ist, da ja alles sich verflüchtigt und deshalb an Konsistenz verliert”.

Nicht einfach als Vermittler von Werten ist das Bildungswesen daher wichtig, so Franziskus; seine Wichtigkeit bestehe auch in einer “Bildung (Alphabetisierung), die den Intellekt (den Kopf), die Affekte (das Herz) und die Aktion (die Hände) einbezieht und in Einklang bringt”.

Die klassische Forma Mentis sei das, sagte der Papst weiter – eine Geisteshaltung also.

“Und um dies zu erreichen, ist es notwendig, eine – wie ich es nennen würde – integrierende Alphabetisierung zu entwickeln, die es versteht, die Transformationsprozesse, die im Schoß unser Gesellschaften erzeugt werden, aufeinander abzustimmen.”

So könne das Individuum von der Beschränkung auf sich selbst bewahrt werden, argumentierte der Papst, und ein öffentlicher Raum gepflegt werden, der als “Bewusstsein” notwendig ist, um eine Nation abzubilden, und Frieden zu sichern:

“Ohne das »Wir« eines Volkes, einer Familie, einer Nation und zugleich ohne das »Wir« der Zukunft, der Kinder und des Morgens; ohne das »Wir« einer Stadt, die »Mich« übersteigt und reicher ist als die individuellen Interessen, wird das Leben nicht nur immer mehr zerstückelt, sondern reicher an Konflikt und Gewalt.”

Die Universität stehe in diesem Sinn vor der Herausforderung, die “neuen Dynamiken  innerhalb ihres eigenen Lehrkörpers zu erzeugen, die jegliche Fragmentierung des Wissens
überwinden und zu einer wahrhaftigen universitas anregen sollen”, so der Papst.

“In Gemeinschaft vorankommen”

Von daher sei das zweite für dieses Haus des Studiums so wichtige Element: die Fähigkeit,  in Gemeinschaft voranzukommen, fuhr der Pontifex fort.

Er habe mit Freude von der Evangelisierungsbemühung der Universitätspastoral erfahren. Diese sei Zeichen einer jungen, lebendigen Kirche »im Aufbruch«, so der Pontifex. Mit Blick auf diese Aktivitäten sagte er weiter:

“Der »Missionar« kehrt nie als der Gleiche aus der Mission zurück; er erfährt den Vorübergang Gottes in der Begegnung mit so vielen Gesichtern.”

Solche Erfahrungen könnten dabei nicht vom universitären Geschehen getrennt bleiben: “Die klassischen Forschungsmethoden erfahren gewisse Grenzen, umso mehr, wenn es sich um eine Kultur wie die unsere handelt, die die direkte und unmittelbare Partizipation der Subjekte anregt”, so Franziskus wörtlich.

Die aktuelle Kultur erfordere jedoch “neue Formen, die geeignet sind, alle einzubeziehen, die das soziale Geschehen und daher das Bildungsgeschehen mitgestalten”.

Deshalb gelte es, “das Konzept der Bildungsgemeinschaft zu erweitern”, fuhr der Papst fort:

“Diese Gemeinschaft ist herausgefordert, nicht isoliert zu bleiben von den Erkenntnisweisen. (…) Es ist notwendig, dass der Erkenntniserwerb dazu befähigt, eine Interaktion zwischen dem Hörsaal und der Weisheit der Völker hervorzubringen, die diese gesegnete Erde mitgestalten. Eine Weisheit reich an Intuitionen, an »Geruchs-/Spürsinn«, den man nicht ignorieren kann (…) Auf diese Weise wird diese so bereichernde Synergie zwischen wissenschaftlicher Strenge und der Intuition des Volkes hergestellt werden.”

Das “Erkennen muss sich immer zum Dienst am Leben berufen fühlen und sich mit dem Leben konfrontieren, um weiter Fortschritte machen zu können”, so Franziskus. Von daher könne sich die Bildungsgemeinschaft nicht auf Hörsäle und Bibliotheken reduzieren.

“Der universitäre Dienst muss immer darauf abzielen, von Qualität und Exzellenz zu sein, die in den Dienst des nationalen Zusammenlebens gestellt werden. In diesem Sinn könnten wir sagen, dass die Universität zu einem Labor für die Zukunft des Landes wird, da es ihr gelingt, in ihrem Schoß das Leben und das Unterwegssein des Volkes aufzunehmen, indem sie jede antagonistische und elitäre Logik des Wissens überwindet.”

Eine alte Tradition der Kabbala erzähle, fuhr Franziskus an dieser Stelle fort, dass der Ursprung des Bösen in der Spaltung liege, die der Mensch verursache, “indem er vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse isst”. Auf diese Weise erlangte die Erkenntnis eine Vorherrschaft über die Schöpfung und unterwarf sie ihren Schemata und Wünschen, so der Papst im Redemanuskript unter Verweis auf Gershom Sholems Mystique Juive.

“Die latente Versuchung in jedem akademischen Umfeld ist wohl, die Schöpfung auf einige interpretative Schemata zu reduzieren und sie so des eigentlichen Mysteriums zu berauben, das ganze Generationen dazu bewegt hat, das unbedingt Notwendige, Gute, Schöne und Wahre zu suchen.”

Die Mission der Universität erweise sich daher “als eine prophetische”, so der Papst abschließend. Sie sei “aufgefordert, Prozesse zu schaffen, die die aktuelle Kultur erleuchten, indem sie einen erneuerten Humanismus vorstellen” – es gehe darum, “Räume zu suchen, die mehr auf Dialog als auf Konfrontation zurückgreifen; Räume mehr der Begegnung als der Trennung; Wege der freundschaftlichen Auseinandersetzung”. (CNA Deutsch)

Papst beruft Leiter der Glaubenskongregation an den Ökumenerat

Die stärkere Vernetzung von Vatikanbehörden untereinander schreitet voran: An diesem Donnerstag hat Papst Franziskus den Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria , als Mitglied des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen berufen.

Bislang war der Kurienerzbischof Berater an dem Vatikandikasterium, das von dem Schweizer Kardinal Kurt Koch geleitet wird. Im vergangenen Juli hatte der Papst den spanischen Jesuiten zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt, deren Sekretär er zuvor war. Als Präfekt folgte er auf den deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der mit Beendigung seiner fünfjährigen Amtszeit vom Papst entpflichtet wurde. (vatican news)

Vatikan: Museumsdirektorin will zweiten Eingang

 

Die Vatikanischen Museen prüfen den Bau eines zweiten Eingangs, um den Andrang der jährlich sechs Millionen Besucher besser zu bewältigen. Das sagte die seit einem Jahr amtierende Direktorin der Museen, Barbara Jatta, im Gespräch mit Vatican News.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt.

Auch personell sind die Museen im Begriff aufzustocken, so Jatta. „Wir haben schon in den vergangenen Monaten begonnen, neue Kustoden einzustellen, um Teile der Sammlungen wieder zu öffnen, die jetzt aufgrund von Ausfällen vonseiten unserer 350 Aufseher geschlossen sind. In solchen Fällen müssen wir die Teile der Museen schließen, die nicht so gut besucht sind. Mit dieser Aufstockung werden wir in der Lage sein, alle unsere Sammlungen auch nachmittags offen zu halten.“

Seit 11. Dezember beschäftigt sich eine eigens eingerichtete Kommission mit dem Vorhaben des neuen Zugangsportals, so Jatta. Der zweite Eingang werde sich etwas oberhalb, aber in der Nähe des bisherigen befinden und zu ebenjenen weniger besuchten Teilen der Museen führen, erklärte Jatta: zum Museum Gregoriano-Profano und zur ethnologischen Sammlung. Mit diesem Vorhaben könnten die Museumsbesucher insgesamt besser verteilt werden. Im Moment durchliefen die Aufseher überdies kunsthistorische Fortbildungen, um die Besucher auf schöne, aber weniger bekannte Abschnitte der päpstlichen Sammlungen neugierig zu machen.

Auch wenn die Belastung für die Kunstwerke durch die große Masse an Besuchern steigt: An die Einführung einer Obergrenze in den Museen des Papstes mag Jatta nicht denken.

„Ein Pilger, der einmal im Leben nach Rom kommt und dann hört: du kannst nicht in die Museen und nicht in die Sixtinische Kapelle, weil schon zu viele Leute drin sind – das geht nicht. Ich bin wirklich gegen eine solche Zugangsbeschränkung. Natürlich muss man die Kunstwerke schützen. Aber eine Obergrenze ist undenkbar gerade für unsere Museen, das sind ja nicht bloß Kunstschätze, sondern auch Zeugen von Jahrhunderten des Glaubens und der christlichen Frömmigkeit. Es scheint uns nicht richtig, sie beschränken zu müssen.“

In Planung ist auch ein größerer Konferenzsaal, da der bisherige mit seinen 120 Plätzen für die Zwecke der Museen zu klein ist. Auch einen neuen Ausstellungsraum wünscht sich die Direktorin. Mit dem „Braccio di Carlomagno“ bespielen die Museen einen sehr günstig direkt auf dem Petersplatz gelegenen Raum, der sich allerdings für große Schauen eigne, während ein Ambiente für mittelgroße Schauen fehle.

Für das Jahr 2018 kündigte Jatta den Abschluss der Restaurierung eines berühmten Freskos an: die „Schlacht an der Milvischen Brücke” in den sogenannten Raffael-Stanzen. Eine Wanderausstellung der vatikanischen Museen und ein Studientag werde sich dieses Jahr mit dem deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann beschäftigen, dem Begründer der Archäologie nach heutiger Vorstellung. Im Dezember kommt der Museumsdirektorin zufolge eine Ausstellung mit Werken aus Russland in den „Braccio di Carlomagno“. (vatican news)

Parolin: Kurienreform ist ein gutes Stück vorangekommen

Die Kurienreform von Papst Franziskus hat weniger mit Ernennungen, Dekreten und strukturellen Umschichtungen zu tun, sondern zielt eher darauf, dass die Kurie durch eine neue Haltung ein Hilfsinstrument des Papstes zur Verkündigung der Frohen Botschaft wird. Das sagte im Gespräch mit vaticannews Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt.

Die von Franziskus anvisierte und betriebene Kurienreform habe indessen „bemerkenswerte Schritte nach vorn“ getan, sagte der Kardinal im Gespräch mit vaticannews. Parolin gehört als einer von neun Kardinälen – und als einziger am Heiligen Stuhl – dem Kardinalsrat „K9“ an, der die Reform für Franziskus vorbereitet.

Schon letztes Jahr habe der Papst in seiner Rede an die Kurie den Zwischenstand der Reform umrissen. „Ich denke, in der Rede – und das ist ein wiederkehrendes Motiv im Lehramt von Papst Franziskus, wenn von der Kurie die Rede ist – besteht er nicht so sehr auf den strukturellen Reformen, mit dem Erlass neuer Gesetze, neuer Normen, Ernennungen, undsoweiter; sondern es geht um den tiefen Geist, der jede Kurienreform beseelen muss, und das ist die Grunddimension des christlichen Lebens, nämlich: Bekehrung. Es gilt also sicherzustellen, dass die Kurie immer mehr und immer besser – auch unter Überwindung jener Schatten, die diese Sendung behindern können – wirklich eine Hilfe des Papstes werden kann, um das Evangelium zu verkünden, um die Welt von heute zu evangelisieren.“

Konkrete Schritte der Kurienreform wird es nach Parolin weiterhin geben. Zurzeit seien einige noch nicht von der Reform betroffenen Einheiten des Heiligen Stuhles Gegenstand der Untersuchung, sagte der Kardinal, ohne Einzelheiten zu nennen.

Im selben Interview äußerte sich der Kardinalstaatssekretär über die innerkirchliche Kontroversen um „Amoris Laetitia“ und sagte, das Papstschreiben zu Ehe und Familie sei aus einer neuen Haltung der Kirche hervorgegangen. Die Kritiken seien Anlass, die Dinge weiter zu vertiefen und insgesamt zu wachsen.

Im Jahr 2018 werde ein Schwerpunkt des Papstes und der Kirche auf der Jugend liegen, erklärte Parolin mit Blick auf die Bischofssynode zum Thema, die im Oktober stattfinden wird. Man werde sich konzentrieren auf die Erwartungen, die Herausforderungen und Hoffnungen, die junge Menschen heute umtrieben, „auch auf ihre Schwächen und Ängste“. „Ich meine, das Innovative an diesem Zugang ist die Suche einer neuen Verbindung der Kirche mit den jungen Menschen, geprägt von einem Leitbild der Verantwortung, aber ohne jeden Paternalismus. Die Kirche will wirklich in Dialog mit der Wirklichkeit der Jugendlichen treten, sie will die Jugendlichen verstehen und ihnen helfen.“

Zugleich seien aber die Jugendlichen selbst gefordert, sich zu fragen, was sie der Kirche anbieten könnten. Parolin zitierte den US-Präsidenten John Kennedy, der 1961 seine Landsleute bat: „Fragt euch nicht, was das Land für euch tun kann, sondern fragt euch, was ihr für euer Land tun könnt und sollt.“ Ebenso ergehe heute die Frage an die Jugendlichen, welchen Beitrag sie zur Verbreitung der Frohen Botschaft heute tun könnten. „Und ich glaube, dass die Jugendlichen auf diese Einladung mit ihrer Großzügigkeit und ihrer Begeisterung antworten werden.“ (vatican news)

Parolin: „Amoris Laetitia“ ist Frucht eines neuen Leitbilds

Das Papstdokument „Amoris Laetitita“ zu Ehe und Familie ist nicht nur eine „Umarmung“, sondern auch ein „Hilferuf“ der Kirche an die Familien. Mit diesen Worten hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Aufnahme des Schreibens resümiert, das seit seinem Erscheinen 2016 viel Lob und manche Kritik auf sich gezogen hatte.

Von Gudrun Sailer – Vatikanstadt.

Franziskus vertieft in „Amoris Laetitita“ die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie und verlangt mehr pastorale Sensibilität für Menschen in Situationen, die nicht dem katholischen Ideal entsprechen. Die Kritik bezieht sich überwiegend auf die Stelle, in der Franziskus geschiedenen katholischen Gläubigen in einer zweiten, zivilen Ehe im Einzelfall den Weg zu den Sakramenten in Aussicht stellt.

Die Kirche habe sich nach den beiden Synoden zu Ehe und Familie und dem Erscheinen von „Amoris Laetitita“ „bewegt“, sagt nun Kardinalstaatssekretär Parolin, die „Nummer zwei“ im Vatikan nach dem Papst, im Gespräch mit vaticannews. Letztendlich sei „Amoris Laetitia“ aus einem „neuen Paradigma“, also einem neuen Leitbild hervorgegangen, „das Papst Franziskus mit Weisheit, Vorsicht und auch Geduld voranbringt. Wahrscheinlich sind die Schwierigkeiten, die aufgetreten und in der Kirche immer noch vorhanden sind, nicht nur einigen Aspekten des Inhalts geschuldet, sondern auch diesem Haltungswechsel, um den der Papst uns bittet. Ein Paradigmenwechsel, der dem Text innewohnt, und der uns abverlangt wird: dieser neue Geist, dieser neue Zugang.“

Jede Änderung bringe Schwierigkeiten mit sich, fuhr Kardinal Parolin fort. Solche Schwierigkeiten müssten „in Rechnung gestellt und mit Engagement angegangen werden“, um Antworten zu finden, die letztlich „Gelegenheiten zum Wachstum und zu weiterer Vertiefung“ seien.

Parolin verspricht sich in dieser Hinsicht nach eigenen Worten auch Entwicklungen beim kommenden Weltfamilientreffen in Dublin, das erste, das nach „Amoris Laetitia“ stattfindet. Zu dem Treffen von 21. bis 26. August 2018 wird auch Papst Franziskus erwartet, wenngleich eine offizielle Bestätigung seiner Teilnahme noch aussteht.

Der Kardinalstaatssekretär betont zugleich, dass die neue pastorale Haltung der Kirche auch ein Auftrag an die Familien selbst sei: „Ich glaube, dass Amoris Laetitia nicht bloß eine Umarmung der Kirche für die Familie und ihre Schwierigkeiten in der Welt von heute ist, sondern zugleich auch ein Hilferuf an die Familien, damit sie mithelfen und zum Wachstum der Kirche beitragen.“ (vatican news)

Die Heiligen und Seligen sind das Flaggschiff der Kirche: Kardinal Amato

VATIKANSTADT – Der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Amato, hat erklärt, dass die Männer und Frauen, die “aufgrund ihres außerordentlichen Zeugnisses für das Evangelium den Himmel erreicht haben, in unseren Zeiten das Flaggschiff der Kirche und der Gesellschaft sind.”

Das berichtet die vatikanische Tageszeitung L’Osservatore Romano über die am Montag, den 8. Januar, an der Päpstlichen Universität Urbaniana gehaltene Rede.

Kardinal Amato betonte, dass “die Gewissenhaftigkeit, die der Entwicklung von Qualitätsprodukten vorbehalten ist” dieselbe sei, die “auch im kanonischen Prozess angewendet wird, um zur Seligsprechung der Diener Gottes und zur Heiligsprechung der Seligen zu gelangen.”

Der Präfekt hob hervor, dass “der Dienst der Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse an der Kirche und der Gesellschaft darin besteht, die kleinen und großen Männer und Frauen jeder Sprache und Nation zu feiern, die auf heldenhafte Weise die christlichen Tugenden gelebt haben oder die ihr Leben durch das Martyrium verloren und so stolz ihre eigene christliche Identität vor den Feinden Gottes und der Kirche ausgedrückt haben.”

Die Heiligsprechungen und Seligsprechungen, so weiter der Kardinal, “stehen am Ende eines gründlichen und komplexen Prozesses, an dem neben den Sachbearbeitern der Kongregation und den zahlreichen Postulatoren auch viele externe Fachleute aus Geschichte, Theologie, Kirchenrecht, Medizin und Humanwissenschaften mitarbeiten.”

Der Kardinal erklärte auch, dass “der kanonische Prozess, obwohl er auf einer qualifizierten und soliden Erfahrung von Jahrhunderten basiert, nie endgültig abgeschlossen ist, sondern immer offen bleibt für größere Genauigkeit und für Fortschritte.”

Ein Beweis dafür sei das Motu Proprio, das von Papst Franziskus am 11. Juli 2017 veröffentlicht worden war und in dem ein dritter Weg für die Seligsprechung eröffnet wurde, nämlich jener der Hingabe des Lebens.

Die zwei üblichen Wege zur Seligsprechung waren bislang und sind immer noch das heroische Leben der christlichen Tugenden und das Martyrium.

Ein weiterer Text, der das aufzeigt, was der Kardinal gesagt hat, ist die am 17. Dezember veröffentlichte Instruktion der Kongregation zum Umgang mit den Reliquien der Kirche.

Selig- und Heiligsprechungen im Jahr 2017

In seiner Ansprache an der Päpstlichen Universität Urbaniana erinnerte der Kardinal daran, dass es im vergangenen Jahr neunzehn Seligsprechungen und zwei Heiligsprechungen gegeben hatte.

Die Seligsprechungen fanden in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Japan, Indien, Irland, Italien, Litauen, der Slowakei, Spanien und den Vereinigten Staaten statt; die Heiligsprechungen hingegen wurden in Fatima (Portugal) und im Vatikan zelebriert.

Im vergangenen Jahr stand Papst Franziskus in Portugal der Heiligsprechungen der Hirtenkinder von Fatima und im Vatikan jener der Märtyrerkinder von Tlaxcala vor. (CNA Deutsch)

Sekretariat für Kommunikation: Soziale Medien knacken 4-Millionen-Marke

Wie das Kommunikationssekretariat des Heiligen Stuhls an diesem Dienstag bekannt gab, überschreitet die Benutzergemeinde der sozialen Netzwerke von Vatican News mittlerweile die 4-Millionen-Marke. Die Umstrukturierung der Netzwerkplattformen zeigt erste Ergebnisse.

Eine Community von mehr als 4 Millionen Nutzern der sozialen Netzwerke FacebookTwitterYouTube und Instagram: Das ist nur eines der Resultate der Umstrukturierung der sozialen Netzwerke des Kommunikationssekretariats des Heiligen Stuhls, die in den letzten Wochen unter dem Logo „Vatican News“ vereint wurden. Dank der neuen Facebook Global Page stieg die Zahl der Follower auf 3 Millionen: sie alle können die entsprechenden Seiten nun in sechs Sprachen  einsehen (italienisch, englisch, französisch, deutsch, spanisch und portugiesisch)!

Auch an der Twitter-Front ist festzustellen, dass der sechssprachige Account @vaticannews eine sehr viel größere Sichtbarkeit ermöglicht, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch der neue Account @radiovaticanaitalia, der über die Aktivitäten von  Radio Vatikan Italien informiert, und der mehrsprachige „Vatican News“-Kanal auf Instagram. Zu diesen drei sozialen Netzwerken kommt noch der YouTube-Kanal hinzu (in 6 Sprachen), der ebenfalls auf der Homepage „Vatican News“ zur Verfügung steht und nicht nur Live-, sondern auch Abrufvideos zu den Terminen des Papstes anbietet.

Koordiniert werden die sozialen Netzwerke des Logos „Vatican News“ von der Redaktionsdirektion und der Theologisch-Pastoralen Direktion des Kommunikationssekretariats. Letzteres verfügt über ein eigenes Team, das in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für die sozialen Accounts des Papstes zuständig ist: @Pontifex auf Twitter (mehr als 44 Millionen Follower in 9 Sprachen) und @Franciscus auf Instagram (mehr als 5 Millionen Follower auf einem einzigen mehrsprachigen Kanal).

Wie Mons. Dario Edoardo Viganò, Präfekt des Kommunikationssekretariats, erklärt, „ist die Verstärkung unserer Präsenz in den sozialen Netzwerken ein Resultat der umfassenden Reformierung der vatikanischen Medien, die kurz vor ihrem Abschluss seht. Und dieses positive Resultat haben wir dem lobenswerten Einsatz unserer Journalisten und Techniker zu verdanken. Als im Kommunikationsbereich Tätige müssen wir der Logik einer Kirche folgen, die im Aufbruch ist und uns ruft, zu den Menschen zu gehen. Und das bedeutet heute, dass man in den sozialen Netzwerken präsent sein muss – nicht nur mit Überzeugung, sondern auch der damit verbundenen Verantwortung! Was wir in den Mittelpunkt stellen müssen, ist also klar: den Menschen, die Beziehungen, die Begegnungskultur – und ganz am Schluss erst die Technik!“

(vatican news)

Papst würdigt Menschenrechtserklärung und kritisiert 68er-Verwerfungen

Die UN-Menschenrechtserklärung bildete den roten Faden der diesjährigen Papstrede an das diplomatische Corps. Deutschland lobte er zum wiederholten Mal ausdrücklich für die Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge aus Krisenländern. Mit 185 Staaten weltweit pflegt der Vatikan diplomatische Beziehungen, darunter seit vergangenem Jahr auch Myanmar, das er im November besucht hatte. Der Papst ging bei seiner Ansprache auf diesen und andere Höhepunkte seiner Tätigkeit im vergangen Jahr ein.

Mario Galgano – Vatikanstadt.

Der Papst begann seine Rede damit, auf das Ziel und den Zweck der vatikanischen Diplomatie hinzuweisen. Bei den Beziehungen zu den Staaten gehe es um „das geistliche und materielle Wohl der menschlichen Person“. Es gehe aber auch um die Förderung des Gemeinwohls, fügte Franziskus an. Die apostolischen Reisen, die er im Laufe des vergangenen Jahres nach Ägypten, Portugal, Kolumbien, Myanmar und Bangladesch unternommen habe, seien „Ausdruck dieses Anliegens“ gewesen.

Fatima als Freudenfest

Die Reise nach Fatima zur Hundertjahrfeier der Erscheinungen der Muttergottes und der Heiligsprechung der Hirtenkinder Jacinta und Francisco Marto sei ein Freudenfest gewesen. Da habe er als Pilger „den Glauben voll Begeisterung und Freude“ erleben können, ließ Franziskus die Reise an das Marienheiligtum Revue passieren. In Ägypten, Myanmar und Bangladesch hingegen ging es beim Treffen mit den örtlichen christlichen Gemeinschaften um den Beitrag der Gläubigen als Minderheit in den jeweiligen Ländern. Franziskus betonte diesbezüglich auch die Treffen mit den Vertretern anderer Religionen. Dies sei bei den Reisen ein Zeugnis dafür, „wie die jeweiligen Besonderheiten nicht ein Hindernis für den Dialog“ sein könnten, „sondern der Lebenssaft, der das gemeinsame Streben nährt, die Wahrheit zu erkennen und die Gerechtigkeit zu üben“. Der Papst erwähnte auch seine Reise nach Kolumbien, bei der er „die Bemühungen und den Mut dieses geliebten Volkes gesegnet habe. Er konnte dort feststellen, dass die Kolumbianer „nach über einem halben Jahrhundert des inneren Konflikts von einer großen Sehnsucht nach Frieden durchdrungen“ seien.

Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

Franziskus erinnerte daran, dass sich im Jahr 2018 das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt. „Aus dem Trümmerhaufen des Weltkriegs“ könne man zwei Mahnungen lesen, so der Papst. Leider hätten dies die Menschen auch direkt nach dem Krieg nicht verstanden, so dass es „nach zwanzig Jahren zu einem neuen Konflikt kam, der noch zerstörerischer als der vorherige sein sollte“.

Die erste Mahnung sei: Siegen bedeutet niemals, „den bezwungenen Gegner zu demütigen“. „Der Friede wird nicht als Machtbestätigung des Siegers über den Besiegten aufgebaut“, erläuterte der Papst. Die zweite Mahnung hingegen laute, dass der Friede gefestigt werde, „wenn sich die Nationen in einem Klima der Gleichheit gegenübertreten können“. Ausgehend von der Enzyklika Pacem in terris von Johannes XXIII. von 1963 fügte Franziskus an, dass die Anerkennung der beiderseitigen Rechte jeweils mit Pflichten verbunden sei. Es gehe darum, die Würde eines jeden Menschen zu achten. Alles andere führe nur zu „Akten der Barbarei“.

70 Jahre Menschenrechtserklärung

Ein weiteres rundes Jubiläum sprach der Papst an. Vor 70 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der UN-Generalversammlung angenommen. Aus Vatikan-Sicht bedeutet diese Erklärung vor allem die Hervorhebung, dass der Mensch „von Gott gewollt und sein Abbild“ sei. „Wenn der Herr Jesus Christus Aussätzige heilte, Blinde sehend machte, mit Zöllnern verkehrte, das Leben der Ehebrecherin verschonte und dazu einlud, den verwundeten Reisenden zu pflegen, hat er damit selbst zu verstehen gegeben, dass jeder Mensch unabhängig von seiner körperlichen, geistigen und gesellschaftlichen Lage Respekt und Beachtung verdient“, so der Papst. Wiederholt hatten Päpste die Erklärung gewürdigt, der Heilige Stuhl hat diese aber niemals ratifiziert.

Kritik an 68er-Unruhen

Alle guten Dinge sind drei: Einen weiteren runden Geburtstag erwähnte der Papst, und zwar die sozialen Unruhen der 68er-Jahre. Da hätte es Überschreitungen bei der „Interpretation einiger Rechte“ geben, die „oft im Widerspruch zueinander stehen“. Das habe sogar zu Spannungen zwischen Nationen geführt, erinnerte er. „Es kann deshalb die auf gewisse Weise paradoxe Gefahr bestehen, dass im Namen der Menschenrechte moderne Formen von ideologischer Kolonisierung der Starken und Reichen zum Schaden der Armen und Schwachen entstehen“, erläuterte der Papst. Es sei ebenfalls falsch, Traditionen einzelner Völker als Vorwand zu benutzen, „um die gebührende Beachtung der von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formulierten Grundrechte zu unterlassen“.

Hauptkritikpunkt gegenüber der 68er-Revolution ist aus der Perspektive der Kirche aber die Verbreitung und Akzeptierung von Abtreibung. Dazu sagte der Papst: „Ich denke vor allem an die unschuldigen Kinder, die noch vor ihrer Geburt ,weggeworfen´ werden; man will sie zuweilen nicht, nur weil sie krank oder missgebildet sind oder aufgrund des Egoismus der Erwachsenen.“

Dies habe zu einer Wegwerfkultur geführt, von der auch alte Menschen betroffen seien, die oftmals ebenso „weggeworfen“ würden, fügte Franziskus an. Ebenfalls gehörten Opfer des Menschenhandels dazu, insbesondere jene, die auf der Flucht vor Armut und Krieg seien und zum Spielball „von skrupellosen Leuten“ würden. Die Staatengemeinschaft solle das Recht auf die Gesundheit der Person und ihrer Familienangehörigen schützen, sich aktiv für den Frieden einsetzen und eine vollständige Abrüstung fördern. Dies alles stehe in einer engen Wechselbeziehung zur ganzheitlichen Entwicklung der Menschen. Die Suche nach Frieden als Voraussetzung für Entwicklung schließt wiederum mit ein, Ungerechtigkeit zu bekämpfen und gewaltlos die Konfliktgründe auszumerzen, die zu Kriegen führen. Deshalb habe auch der Heilige Stuhl den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet und ratifiziert, erläuterte der Papst.

Korea, Syrien und Flüchtlinge

In seiner Rede an das diplomatische Corps nannte der Papst auch die derzeitigen Hauptkrisenherde beim Namen. Er hoffe, dass auf der koreanischen Halbinsel der Dialog Früchte trage. Auch erinnerte er an die dramatische Situation in Syrien. Es sei der allgemeine Wunsch, „dass nach so viel Zerstörung die Zeit des Wiederaufbaus gekommen ist“, so der Papst. Aber noch mehr als Gebäude sei es in Syrien notwendig, „die Herzen wieder aufzubauen und das Netz des gegenseitigen Vertrauens neu zu knüpfen, das für das Florieren einer jeglichen Gesellschaft eine unverzichtbare Voraussetzung darstellt“. Der Wille zum Dialog sei auch im geschätzten Irak vonnöten. Lobende Worte fand Franziskus für deren Nachbarländer, die die zahlreichen Flüchtlinge aufgenommen haben.

Konflikte im Heiligen Land, Venezuela und Afrika

Franziskus ging auch auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ein. Er wiederholte abermals die Haltung des Heiligen Stuhls, den Status quo Jerusalems zu respektieren. Jene Stadt sei für alle drei großen monotheistischen Religionen heilig.

Einen weiteren Konflikt, den der Papst nannte, betraf die innerstaatliche Auseinandersetzung in Venezuela. Er hoffe, dass dort baldmöglichst eine friedliche und respektvolle Lösung gefunden werde. Positive Ergebnisse wünsche er auch für jene afrikanischen Länder, die von Unruhen geprägt sind. Namentlich nannte er den Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Somalia, Niger und die Zentralafrikanische Republik, „wo das Recht auf Leben von einer wahllosen Ausbeutung der Rohstoffe, von Terrorismus und von dem Anwachsen bewaffneter Gruppierungen sowie von andauernden Konflikten bedroht ist“.

Brückenbauen in der Ukraine

Der Papst erwähnte auch den Krieg in der Ostukraine. Es sei dort wichtig, „ein gemeinsames Bemühen um den Wiederaufbau von Brücken“ zu fördern. Auch mehrere Jahre nach Beginn des Konflikts seien „zahlreiche neue Opfer“ zu beklagen und der Bevölkerung „großes Leid“ zugefügt worden. Man dürfe nicht vergessen, dass in den Kriegsgebieten vor allem Familien, Kinder und Alte direkt betroffen seien.

Familie fördern und demographischer Winter

Es folgte das Thema der Familie, die laut Franziskus im Westen „als veraltete Institution“ betrachtet werde. Das Grundelement einer Familie sei, so betonte er in Widerspruch zu zahlreichen gegenteiligen Gesetzesinitiativen die unverrückbare Auffassung der katholischen Kirche, die Ehe zwischen Mann und Frau. Zusätzlich bedürfe es jedoch der Förderung durch den Staat. Ansonsten riskiere man das, was man bereits in vielen Ländern feststelle: das Sinken der Geburtszahlen. Der Papst sprach in diesem Zusammenhang gar von einem „demographischen Winter“.

Familien auf der Flucht

Viele Familie seien auf der Flucht und es sei wichtig, diese aufzunehmen. Er erinnerte an die Begegnung mit einigen Angehörigen des Volkes der Rohingya während seiner Bangladeschreise in Dakka. „Ferner möchte ich Italien besonderen Dank aussprechen, das in den vergangenen Jahren ein offenes und großmütiges Herz gezeigt hat und auch positive Beispiele von Integration aufzeigen konnte“, sagte der Papst in seiner Rede. „Ebenso danke ich weiteren europäischen Staaten für ihren Einsatz, besonders Griechenland und Deutschland“, würdigte der Papst deren Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingskrise. Die Ankunft der Flüchtlinge solle Europa dazu anspornen, das eigene kulturelle und religiöse Erbe wiederzuentdecken. Im heutigen internationalen Kontext fehlten weder die Möglichkeiten noch die Mittel, „um jedem Mann und jeder Frau dieser Erde die Lebensbedingungen zu garantieren, die der Würde der menschlichen Person entsprechen“.

Recht auf Religionsfreiheit und Arbeit

Religionsfreiheit und das Recht auf Arbeit waren weitere Themen, die er in seiner Rede an das diplomatische Corps ansprach. Auf der anderen Seite gebe es aber noch die Plage der Kinderarbeit. Diese beeinträchtige „die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder, nimmt ihnen die Freuden der Kindheit und fordert unschuldige Opfer“.

Umweltschutz als Pflicht

Es sei eine „besonders dringende Pflicht“, für die Pflege der Erde zu sorgen. Erdbeben in Mexiko und im Iran oder auch Wirbelstürme in der Karibik und an der US-amerikanischen Küste sowie über die Philippinen hätten viele Menschen das Leben gekostet. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es auch eine hauptsächliche Verantwortung des Menschen im Zusammenspiel mit der Natur gibt“, erinnerte der Papst. Er würdigte in diesem Zusammenhang ausdrücklich das Pariser Klimaabkommen und erinnerte an dessen Ziele.

Wie mittelalterliche Kathedrale

Zum Abschluss erläuterte der Papst, dass das Zusammenspiel zwischen den Staaten so vonstattengehen könne, wie es für die „Erbauer der mittelalterlichen Kathedralen in ganz Europa“ war: „Diese gewaltigen Bauten erzählen, wie wichtig die Teilnahme eines jeden an einem Werk ist, das die Grenzen der Zeit überdauert“, so der Papst. Der Baumeister an einer Kathedrale hätte von vornherein gewusst, dass er die Vollendung seines Werkes nicht erleben würde. „Trotzdem hat er kräftig mitgeholfen, denn er verstand sich als Teil eines Projektes, das seinen Kinder zu Gute kommen sollte und die es dann ihrerseits für ihre Kinder verschönern und erweitern würden“, so die abschließende Ermunterung des Papstes. (vatican news)

Wie funktioniert eigentlich die Papstdiplomatie?

Am kommenden Montag wird Papst Franziskus die am Vatikan akkreditierten Diplomaten empfangen und eine Grundsatzansprache halten. Uns interessierte in diesem Zusammenhang: Wie funktioniert die päpstliche Diplomatie eigentlich? Ein Gespräch mit Pater Bernd Hagenkord vom Vatican News-Leitungsteam.

Christine Seuss – Vatikanstadt.

Frage: Pater Hagenkord, der Papst schlägt ja in seinen Ansprachen an das Diplomatische Korps den ganz großen Bogen, von Frieden und Krieg, über Menschen- und Waffenhandel, zu Perspektiven der Jugend und anderes im vergangenen Jahr zum Beispiel. Was bezweckt der Papst mit derartigen groß angelegten Ansprachen an die Diplomaten aus aller Welt?

P. Bernd Hagenkord: Es ist so etwas wie eine Grundsatzansprache, also, was ist wichtig, was ist uns in unserer Perspektive als Kirche wichtig, was wollen wir angesprochen haben und wo machen wir uns Sorgen – das sind die Dinge, die der Papst nennt, um einfach mal die große „Zusammenschau“ für den ganzen Planeten zu haben, politisch, gesellschaftlich, moralisch, will er einfach mal all die Dinge versammeln, die besonders wichtig sind. Und das zeigt auch so ein wenig die Prioritäten, die der Vatikan im kommenden Jahr zu setzen gedenkt.

Frage: Inwieweit kann er sich auf dem politischen Parkett denn überhaupt Gehör verschaffen?

P. Bernd Hagenkord: Es ist schon relativ viel, wenn man sich hier in Rom unterhält mit Diplomaten, die am Vatikan akkreditiert sind. Das was der Papst sagt, spielt da schon eine Rolle, nicht nur das, was er bei der Diplomatenansprache sagt, sondern überhaupt, wenn er politische, gesellschaftliche und moralische Themen anspricht. Das spricht offensichtlich eine große Rolle, der Papst wird überall zitiert, bei der UNO, in der EU, überall taucht er als Referenzgröße auf und deswegen ist es eben nicht nur so eine „was ich euch immer schon einmal sagen wollte“-Ansprache, sondern tatsächlich in der diplomatischen Welt und in der politischen Realität offensichtlich wahrgenommen und als wichtig empfunden wird.

Frage: Er wird ja teilweise durchaus deutlich, sogar politisch, könnte man sagen, gibt konkrete Handlungsvorschläge. Ist dieser Papst eigentlich zu politisch für sein Amt?

P. Bernd Hagenkord: Ja, das wird ja immer wieder vorgeworfen, wir hatten jetzt zu Weihnachten in Deutschland die Debatte, was darf eine Predigt politisch aussagen, darf die überhaupt politisch etwas aussagen, und so weiter. Wenn man das Christsein Ernst nimmt, dann will man natürlich auch die Welt verändern, verbessern, vielleicht sogar retten sozusagen. Im gesellschaftlichen Sinn will man die Welt prägen. Und der Papst warnt ja auch davor, als Christ die Welt nicht prägen zu wollen. Was er also macht, ist aus der christlichen und kirchlichen Perspektive heraus Schlüsse zu ziehen, aus dem Glauben für die Gesellschaft. Und das kommt natürlich imminent politisch herüber, weil das mit Gerechtigkeit, mit Würde, mit Leben und Lebensschutz zu tun hat. Und dieser Papst wird dabei sehr konkret. Das mag einigen Menschen auf die Füße treten, aber ich denke, das muss man tun, wenn man wirklich konsequent christlich und kirchlich in der Welt leben will, dann hat das eben Folgen und das benennt der Papst.

Frage: Wie könnte man ganz grundsätzlich Franziskus´ Verständnis von Diplomatie umreißen?

P. Bernd Hagenkord: Sich einmischen. Also, er spricht Dinge an aber immer im Dialog. Er würde niemals einen Dialog abbrechen. Es ist immer besser, zu reden, als nicht miteinander zu reden. Deshalb redet er auch mit jedem, was ihm ja auch schon vorgeworfen worden ist, dass er sich mit Machthabern zusetzt, wo man normalerweise sagen würde, da geht eigentlich kein Dialog. Aber nein, er sagt, wir reden mit allen und versuchen – er nennt das Kultur der Begegnung oder eben Dialog – wir versuchen, im Gespräch dahin zu kommen, dass beide Seiten sich bewegen. Und das ist eben der Sinn von Diplomatie, wie Papst Franziskus sie versteht. Das ist eine sehr kirchliche Diplomatie, sie ist in dem Fall ja einfacher, in dem Sinn, dass sie nichts politisch erreichen muss, also sie muss sich nicht mit politischen Zielen vereinbaren lassen. Auf der anderen Seite ist es schwieriger, weil sie mit einem sehr hohen moralischen Anspruch daher kommt. Also ist es eine ganz besondere Form von Diplomatie, die der Papst macht, aber es ist genau das, nämlich Diplomatie. (vatican news)

Ein Jahr Dikasterium für ganzheitliche Entwicklung

Das vatikanische Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen feiert sein erstes Jahr des Bestehens. Zeit also für eine erste Bilanz mit dem Präfekten des Dikasteriums, dem afrikanischen Kurienkardinal Peter Turkson: Er sagt gegenüber Vatican News, dass die vatikanische Einrichtung, die er leitet, vier Schritte unternommen habe.

Mario Galgano –Vatikanstadt.

Es war Ende August 2016 als Papst Franziskus ankündigte, ein neues Dikasterium ins Leben zu rufen. In dem Motu proprio „Humanam progressionem“ gab der Papst bekannt, dass das Dikasterium der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen gewidmet sei und dass die Einrichtung vom damaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Turkson, geleitet werden soll. Am 1. Januar 2017 begann das neue Dikasterium offiziell seine Geschichte. Vier ehemalige vatikanische Institutionen lösten sich in ihr auf: neben dem Rat für Gerechtigkeit und Frieden waren dies Cor Unum sowie der Rat für die Seelsorge für Migranten sowie jener für Seelsorge im Krankendienst.

Arbeit auf vier Ebenen

„Wir arbeiten auf vier Ebenen“, sagt gegenüber Vatican News Kardinal Turkson. Der erste Bereich bestehe darin, die Tätigkeiten der bisherigen vier Räte und vatikanischen Einrichtungen unter einem Hut zu bringen. Es folgt dann ein zweiter Bereich, bei der es um die Arbeitsaufteilung unter den Mitarbeitern gehe. „Es war und ist uns wichtig, dass es keine Verdoppelung sondern im Gegenteil Vereinfachung der Tätigkeiten geben soll“, erläutert Kardinal Turkson. Die dritte Ebene, die in den vergangenen 365 Tagen erarbeitet wurde, betrifft die Einrichtung der Arbeitsplätze. „Da müssen wir ehrlicherweise sagen, dass wir noch nicht so weit sind. Die Büros sind noch nicht fertig erstellt worden“, so Kardinal Turkson.

„Jetzt geht es darum, diese Einrichtung weiter in Gang zu setzen“, fügt er hinzu. Der vierte und somit letzte Schritt bestehe darin, den Austausch mit den Ortskirchen und Bischöfen zu fördern. Hier sei in diesem ersten Jahr des Bestehens bereits einiges erreicht worden. „Wir hatten schon viele Treffen mit Bischöfen, um uns vorzustellen“, verriet Kardinal Turkson. Diese Gespräche seien vor allem während der Ad Limina-Besuche der Bischöfe im vergangenen Jahr geschehen.

„Laudato Si“ fördern

Ein Schwerpunkt in der Kommunikation im ersten Jahr des Bestehens sei es gewesen, die Anliegen der Papst-Enzyklika „Laudato Si“ zu fördern. Es seien diesbezüglich zu Zusammenarbeiten mit Ortskirchen – also Diözesen und sogar Pfarreien – gekommen, um konkrete Anwendungen zu erarbeiten, wie es Papst Franziskus bezüglich der Bewahrung der Schöpfung wünscht. Es gebe aber etliche Kirchgemeinden die bisher gar nichts unternommen hätten und hier wolle er künftig einen Schwerpunkt setzen, so Turksons Ausblick auf die Arbeit der nächsten Monaten.

Um das Arbeitsklima in seinem Dikasterium noch weiter zu verbessern, wolle er auch einen „kleinen spirituellen Besinnungsmoment“ einführen. Es gehe nicht nur darum, gemeinsam zu beten, sondern gemeinsam über die Ziele und Tätigkeit des Dikasteriums auszutauschen. „Auf diese Weise hoffen wir, gemeinsam voranzuschreiten“, so der aus Ghana stammende Kurienkardinal. (vatican news)