Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Archiv für die 'Vatikan' Kategorie

„Eine neue Dimension des politischen Aufstiegs des Papsttums“

Mittwoch 29. März 2017 von VH

VATIKANSTADT – „Der politische Aufstieg des Papsttums: Mobilisierung, Medien und die Macht der modernen Päpste“ war das nicht nur aus aktuellen Gründen spannende Thema einer Tagung am Campo Santo Teutonico.

Einer der Redner war der renommierte Autor und Vatikanist Ulrich Nersinger, bekannt auch aus mehreren Sendungen bei EWTN – Katholisches Fernsehen. Im Interview mit CNA sprach er über die Rolle von Papst Franziskus – und warum Eisenbahnen zeigen, dass die Kirche in Jahrhunderten denkt.

CNA: Herr Nersinger, leben wir in einem Zeitalter politischen Aufstiegs des Papsttums? Wie bewerten Sie das Motto der Tagung?

ULRICH NERSINGER: Zeitgleich zur Tagung fanden zwei Großereignisse statt: Das eine nur wenige Schritte von uns entfernt, das Zusammentreffen des Heiligen Vaters mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union; und einen Tag später der Besuch von Papst Franziskus in Mailand. Eine gelungenere Illustrierung und Aktualisierung des Themas, das der Tagung gegeben war, hätte man sich wahrhaftig nicht vorstellen können. In der Sala Regia des Apostolischen Palastes kam von sich aus – wohlgemerkt nicht geladen – die politische Führungsmanschaft unseres Kontinents mit dem Herrscher des kleinsten Staates der Erde zusammen, um von ihm Unterstützung für das Projekt Europa zu erhalten – man darf hier wohl zu Recht von einem fortdauernden, ja neue Dimensionen erreichenden politischen Aufstieg des Papsttums sprechen. Und in der vermutlich bedeutendsten Erzdiözese Norditaliens wurde der Welt – nicht nur der katholischen – überdeutlich vor Augen geführt, wie auch heute noch das Oberhaupt der Katholischen Kirche die Massen für sich zu mobilisieren vermag.

Wir haben es ja nicht nur mit „Soft Power“ zu tun – wie jüngst im Fall der Malteser geschehen. Wie sicher ist der Status des Vatikans, des Heiligen Stuhls auf dem internationalen Parkett heute?

Ihre Frage wurde mir auch auf der Tagung gestellt. So verwies man auf die Verletzbarkeit des neutralen Vatikanstaates im Zweiten Weltkrieg hin. Sowohl der Vatikanstaat wie auch der Heilige Stuhl – aus völkerrechtlicher Sicht sind dies zwei verschiedene Subjekte, wenn auch der „Chef“ beider derselbe, das heißt der Papst, ist – erfreuen sich heute der Anerkennung von so gut wie allen Staaten der Erde und pflegen mit diesen diplomatische Beziehungen. Doch die Geschichte lehrt uns, dass auf der Bühne der internationalen Politik nichts absolut gesichert und ewig ist. In unseren Tagen versuchen manche Strömungen, besonders glaubensfeindliche Ideologien der westlichen Hemisphäre, den Einfluss des Christentums und auch den anderer Religionen zurückzudrängen, ja sogar diese zu bekämpfen und zu eliminieren. Daher ist ein unentwegter Einsatz des Papsttums für die eigenen Gläubigen und alle Menschen guten Willens so wichtig und nötig. Dass heißt für den Papst, klar und deutlich Präsenz in der Welt zu zeigen.

Sie selber sprachen über Eisenbahnen nach Rom. Was können wir über diese „stählernen Pilgerwege“ im digitalen Zeitalter lernen?

Sehr viel! Sie vermitteln uns etwas von der Entschlossenheit, aber auch der Weitsicht des Papsttums. Pius IX. (1846-1878) schuf in den Päpstlichen Staaten „stählerne Pilgerwege“ um „den Gläubigen Gelegenheit zu bieten, zu den Gräbern der Apostelfürsten zu wallfahren und beim Statthalter Christi Trost und Erhebung zu suchen“. Als sich der Heilige Vater nach der Einnahme Roms in den Apostolischen Palast bei Sankt Peter als freiwilliger „Gefangener des Vatikans“ zurückzog, hinterließ er ein durch seine Person erwirktes und geschaffenes Eisenbahnnetz, das ihm und seinen Nachfolgern eine kaum zu überschätzende Grundlage gab, um mit den Katholiken in aller Welt persönlich, unmittelbar und dauerhaft bis in unsere Tage hinein in Kontakt zu treten und zu bleiben. Die Isolation durch den Verlust territorialer Souveränität im Jahre 1870 wurde durch das Strömen gewaltiger Pilgermassen nach Rom in beeindruckender Weise für jedermann sichtbar durchbrochen und zu einem wahren Triumph des Papsttums.

In den letzten Jahrzehnten mussten sich die Eisenbahnen vermehrt den Transport von Rompilgern mit Reisebussen und Fluggesellschaften teilen. Kurz vor der Jahrtausendwende bescherten Billigflieger all jenen, die eine Fahrt in die Ewige Stadt erwogen, eine beinahe konkurrenzlose, preislich nicht mehr zu unterbietende Alternative zum Verreisen auf Schienen. Romfahrten mit der Eisenbahn sind dennoch eine Option geblieben. Ihre (kirchen-)geschichtliche Dimension ist den meisten der außeritalienischen Bahnreisenden, Touristen wie Pilgern, verborgen. Dass Zugfahrten nach Rom nicht unwesentlich dem am 3. September 2000 von Johannes Paul II. (1978-2005) seliggesprochenen Pius IX. zu verdanken sind, entzieht sich leider in der Regel ihrer Kenntnis – ist aber eine unumstößliche Tatsache. Die „stählernen Pilgerwege“ nach Rom zeigen auch auf, dass die Kirche bekanntlich nicht in Jahren und Jahrzehnten denkt, sondern in Jahrhunderten. (CNA Deutsch)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Kinderschutzkommission: Briefe von Opfern beantworten

Montag 27. März 2017 von VH

Die Päpstliche Kinderschutzkommission will auch fortan die Mitarbeit und Beratung von Missbrauchsopfern in Anspruch nehmen. Das geht aus einer Erklärung der Kommission zu ihrer achten Plenarsitzung hervor, die am Wochenende in Rom zu Ende ging. Nach dem Austritt der irischen Missbrauchsüberlebenden Marie Collins aus der Kommission wolle man nun „neue Wege suchen“, um den Beitrag von Missbrauchsopfern für die Präventionsarbeit zu garantieren, heißt es in der Erklärung, die der Vatikan an diesem Montag veröffentlichte. Verschiedene Ansätze hierzu würden derzeit geprüft, um im Anschluss dem Papst vorgelegt zu werden.

Ausdrücklich sprach sich die Kommission auf ihrer Sitzung für einen engen Kontakt des Heiligen Stuhles zu Missbrauchsopfern aus: An den Vatikan gerichtete Briefe von Missbrauchsüberlebenden sollten „zeitnah“ und „persönlich“ beantwortet werden, hält die Kommission fest. Dies könne zu „weiterer Transparenz und Heilung“ beitragen, schreibt das Gremium, das sich mit einer entsprechenden Empfehlung bereits an die Glaubenskongregation gewandt hatte. Man sei sich darüber im Klaren, dass diese „besondere Aufgabe“ „klare und spezifische Ressourcen und Prozeduren“ erfordere, führt die Kommission weiter aus, die laut eigener Angaben entsprechende Vorschläge dem Papst unterbreiten will.

Mit Blick auf die Beantwortung von Briefen von Missbrauchsopfern hatte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation auf die Aufgaben der Ortsbischöfe verwiesen: „Dieser Akt der pastoralen Sorge ist eine Aufgabe der Bischöfe in ihren jeweiligen Teilkirchen und der Generaloberen der religiösen Institute. (…) Der persönliche Kontakt mit den Opfern sollte besser von den Ortsbischöfen unterhalten werden. (…) Es ist ein Missverständnis, dass dieses Dikasterium in Rom sich um alle Diözesen und religiösen Orden der Welt kümmern kann.“ Das sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller Anfang März in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.

Müller reagierte mit dem Interview auf Vorwürfe von Marie Collins. Die Irin, die ihre Mitarbeit in der Päpstlichen Kinderschutzkommission aus Frustration über „mangelnde Kooperationsbereitschaft“ an der römischen Kurie beendet hatte, hatte mehreren Behörden im Vatikan gerliches Handeln und mangelndes Interesse an der Arbeit der Missbrauchskommission vorgeworfen. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

USA: William Henry Kardinal Keeler verstorben

Freitag 24. März 2017 von VH

Der aus Texas stammende Kardinal Keeler ist am Donnerstag, den 23. März verstorben. Keeler war erst vor wenigen Tagen 86 Jahre alt geworden. Er leitete die Erzdiözese Baltimor (USA) von 1989 bis 2007. Papst Johannes Paul II. hatte ihn im November 1994 in den Kardinalsstand erhoben und ihm die Titelkirche „S. Maria degli Angeli“ als Kardinalpriester übertragen. Somit umfasst das Kardinalskollegium noch 223 Purpurträger und von diesen sind 117 wahlberechtigt bei einem künftigen Konkalve. (vh)

Kategorie: Vatikan, Weltkirche | Keine Kommentare »

Italien: Interessante Tagungen im Dunstkreis des Vatikans

Montag 20. März 2017 von VH

Gleich zwei interessante Tagungen finden während der nächsten Tage fast zeitgleich in Rom statt.

Das Deutsche Historische Institut in Rom lädt von 22.-24.März zum internationalen Fachgespräch „Menschenrechte in der katholischen Kirche – Historische, systematische und praktische Perspektiven“ ein. In Zusammenarbeit mit Theologen und Theologinnen der Universitäten Münster, Köln und Wuppertal werden unter anderem das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den Menschenrechten der letzten 200 Jahren in verschiedenen historischen Kontexten und Konstellationen thematisiert. Im Fokus steht dabei die Ambivalenz zwischen dem ungeteilten und universalen Geltungsanspruch der Menschenrechte sowie dem humanitären Anspruch des Christentums in Erwartung der auch innerkirchlichen Anerkennung und Umsetzung der Menschenrechte.

Ebenfalls am 22. März startet am Campo Santo Teutonico eine deutsch-englischsprachige Tagung zum Thema „Der politische Aufstieg des Papsttums: Mobilisierung, Medien und die Macht der modernen Päpste“. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Religion und Moderne der Universität Münster und dem Römischen Institut der Görres-Gesellschaft und geht bis Sonntag, dem 26. März. Über vierzig Referenten und Referentinnen (aus Deutschland, Italien, USA, Großbritannien, Polen, Dänemark, Holland, Spanien, Tschechien) aus historischen, medialen, kulturwissenschaftlichen und soziologischen Kreisen beschäftigen sich mit dem – vor dem Hintergrund von Säkularisierungserwartungen überraschenden – Aufstieg des modernen Papsttums in der globalen Politik des späten 19., 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Diskussion nach dem politischen Einfluss des Papsttums steht die Frage nach der Mobilisierungsfähigkeit von Massen, aber auch von Eliten, und der Rolle, die dabei die Medien im Wandel der Zeit spielen. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Kardinal Müller: Papst Gabe für Kirche, Nein zu Zentralismus

Freitag 17. März 2017 von VH

Der Papst ist nach Worten von Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller „das Prinzip der Einheit der Kirche in der empfangenen Glaubensoffenbarung“. Dies betonte der Leiter der vatikanischen Glaubenskongregation am Donnerstagabend in Rom bei der Vorstellung seines neuen Buches zum Papstamt. Sein Anliegen sei, das Papsttum so zu vermitteln, „dass es mit unserer christlichen Glaubensüberzeugung zu tun hat und als Gabe und Hilfe für die ganze Christenheit verstanden werden kann“.

Zugleich sprach Müller von einer „großen Gefahr“, den Papst zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken. „Kirche spielt sich nicht nur in Rom ab, sondern überall da, wo sich Menschen um den Altar versammeln“, so Müller. Schuld an einem „Papstzentralismus“ gab er auch den Medien. Zugleich gab er freimütig zu: „Ich bin katholisch. Ich brauche einen Papst.“

Mit Blick auf die Ökumene lobte der Kardinal das unter Papst Franziskus vertiefte Verhältnis zu Pfingstkirchen. Man dürfe allerdings nicht „beim guten persönlichen Verhältnis stehenbleiben“. Die Rolle des Papstes sei nach wie vor unverzichtbar. „Wer vertritt in der heutigen Weltgesellschaft so entschieden die Menschenwürde? Wer bemüht sich so um die Einheit der Christen in der einen Kirche?“, fragte Müller. „Das sind die Päpste der letzten Zeit.“

In seinem Buch spricht sich Müller unter anderem für eine behutsame Dezentralisierung der katholischen Kirche aus. „Im Sinne der Neuevangelisierung müssen auch die Bischöfe, die Synoden und Bischofskonferenzen eine größere Verantwortung wahrnehmen inklusive einer ,gewissen lehramtlichen Kompetenz´“, schreibt der Präfekt der Glaubenskongregation in dem Buch, das im Freiburger Verlag Herder erschien.

Papst Franziskus habe mit seiner Forderung nach einer „heilsamen Dezentralisierung“ jedoch keineswegs ein „Signal für einen Richtungswechsel oder eine Revolution im Vatikan gegeben“, so Müller weiter. „Separatistische Tendenzen und präpotentes Verhalten“ schadeten der katholischen Kirche. Eine Bischofskonferenz könne niemals „separate verbindliche dogmatische Erklärungen abgeben oder gar definierte Dogmen und konstitutive sakramentale Strukturen relativieren“. Konkrete Beispiele dafür, was Bischofskonferenzen künftig selbst entscheiden könnten, nennt Müller nicht.

In seinem Buch mit dem Titel „Der Papst – Sendung und Auftrag“ erklärt der deutsche Kardinal dieses Amt und seine historische Entwicklung. Ein Schwerpunkt bildet hierbei auch die Kontroverse über den Papst zwischen Katholiken und Protestanten. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Koch: „Papst übt eine Art von ökumenischem Primat aus“

Freitag 17. März 2017 von VH

Einer der größten Stolpersteine auf dem Weg der Ökumene: So hat der selige Paul VI. sein Amt, das Papstamt, einmal genannt. Sollten die Päpste also ihren Anspruch herunterschrauben, um kein ökumenisches Ärgernis mehr zu sein? Jein, antwortet auf diese Frage Kardinal Kurt Koch. Der Schweizer leitet den Päpstlichen Einheitsrat.

„Sicher stimmt es auf der einen Seite, was Papst Paul VI. beim Besuch des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen Ende der sechziger Jahre gesagt hat: dass er sich sehr wohl bewusst sei, dass sein Amt eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Einheit ist. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass das Papstamt eine großartige Möglichkeit für die Einheit der Christen ist! Und da hat sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr viel entwickelt. Wenn ich jetzt gerade bei Papst Franziskus sehe, wie viele Repräsentanten anderer Kirchen nach Rom kommen wollen, mit dem Papst reden wollen, dem Papst begegnen möchten, und wie viel Zeit der Papst sich dafür nimmt – dann muss ich eigentlich sagen, dass der Papst schon so eine Art von ökumenischem Primat ausübt. In der Art und Weise, wie er sich Zeit für die Ökumene nimmt.“

„Ich bin zuversichtlich, dass kein Papst das rückgängig machen kann“

Er sehe die Christen längst auf dem Weg „vom größten Hindernis zu einer Möglichkeit der ökumenischen Einheit im Papstamt“. Das liege auch daran, „dass wir seit dem Konzil alles ökumenische Päpste gehabt haben“. „Johannes XXIII. hat diese Öffnung gebracht. Paul VI. war ein großartiger Ökumeniker, vor allem mit seinen Gästen. Wenn ich daran denke, wie er einen orthodoxen Metropoliten empfängt, indem er sich vor ihn kniet und ihm die Füße küsst… im Unterschied zu seinem (Vor-) Vorgänger, der das von Orthodoxen verlangt hat! Dass er dem anglikanischen Primas 1967 den Ring geschenkt hat. Das sind alles großartige Zeichen gewesen. Johannes Paul II. war ein großartiger Ökumeniker, der aus der Hoffnung gelebt hat, dass das dritte Jahrtausend das Zeitalter der Einheit sein muss. Papst Benedikt XVI. hat theologisch viel für die Einheit der Christen gearbeitet, Papst Franziskus führt das weiter. Ich bin absolut zuversichtlich, dass kein Papst das rückgängig machen kann, wenn er dem Zweiten Vatikanischen Konzil treu bleiben will, und dazu gehört die ökumenische Verpflichtung.“

Natürlich sei die Frage, „die Johannes Paul II. in die ganze Christenheit hineingegeben hat“, immer noch aktuell, so Kardinal Koch. Der heilige Papst aus Polen hatte in seiner Enzyklika „Ut Unum Sint“ eine Debatte darüber angeregt, wie das Papstamt so ausgeübt werden könne, dass es auch für die getrennten christlichen Geschwister akzeptabel sei. „Da müssen die Dialoge weitergeführt werden“, sagt Koch.

Der Chef-Ökumeniker des Vatikans äußerte sich auch zum Stand des Dialogs mit den Lutheranern – schließlich läuft ja gerade das Reformations-Gedenkjahr. Die letzten lehrmäßig strittigen Punkte zwischen beiden Seiten sollen in einem Konsenspapier ausgeräumt werden. Da geht es um Kirche, Eucharistie und kirchliches Amt. Rückt, wenn ein solches Dokument einmal zustande gekommen sein wird, die Einheit der Kirchen in Reichweite?

„Dann wäre Kirchengemeinschaft in Reichweite“

„Also, zunächst einmal ist das die logische Konsequenz, weil das in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (von Augsburg) selber gesagt wird, dass damit die ekklesiologischen Fragen dieses Konsenses noch nicht gelöst sind. Und deshalb ist der Vorschlag, den ich eingebracht habe, jetzt eine Gemeinsame Erklärung zu Kirche, Eucharistie und Amt zu verfassen, nur die logische Konsequenz, die sich aus diesem Konsens ergibt. Es wäre wirklich ein großartiger Schritt, wenn das gelingen könnte, zu dieser Gemeinsamen Erklärung zu kommen: Das scheint mir der unabdingbare Schritt für Kirchengemeinschaft und auch Eucharistiegemeinschaft zu sein!“

Noch einmal nachgefragt: Wenn eine solche Gemeinsame Erklärung einmal vorliegt – wäre dann die Eucharistiegemeinschaft in Reichweite? Koch: „Dann wäre Kirchengemeinschaft in Reichweite – und das ist die unmittelbare Voraussetzung für Eucharistiegemeinschaft.“ – Frage: „Ja, aber in zwanzig Jahren hat man eine solche Erklärung doch fertig…“ – Koch: „Ich weiß nicht, ob ich es noch… Also, ich werde es sicher noch erleben. Ich weiß nur nicht, ob ich noch auf Erden bin oder schon im Himmel. Aber erleben werde ich es, davon bin ich überzeugt!“

„Mein Vorbild in der Ökumene ist Mose“

Frage: „Aber so nah dran sind wir also an der Möglichkeit einer Einheit mit der lutherischen Kirche?“ – Koch: „Das hängt jetzt von den Antworten ab, die da kommen und was da erarbeitet werden soll. Ich bin auf jeden Fall dankbar, dass dieser Vorschlag auf offene Ohren und Herzen stößt und dass die Bereitschaft da ist, sich auf den Weg zu begeben. Dann werden wir sehen, wann und wie das geht… Wissen Sie: Mein Vorbild in der Ökumene ist Mose. Der muss sein Volk in das Gelobte Land führen. Aber er ist nicht traurig, weil er das Gelobte Land nicht mehr erreicht. Das ist meine Spiritualität: Es kommt für mich nicht darauf an, was ich erreiche, sondern ich sehe meine Aufgabe darin, diesen Weg zu bereiten, das andere ist ohnehin das Departement des Heiligen Geistes.“

Kardinal Koch äußerte sich am Rand einer Buchvorstellung am Donnerstagabend in Rom. In der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima stellte er ein Buch von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der Glaubenskongregation, mit dem Titel „Der Papst“ vor. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Vatikan: Missbrauchsopfer will Klärungen von Kardinal Müller

Mittwoch 15. März 2017 von VH

Radio Vatikan berichtet unter Bezugnahme auf „National Catholic Reporter“ am Dienstag:

„Die irische Missbrauchs-Überlebende Marie Collins, ie jüngst aus Frustration ihr Engagement bei der päpstlichen Kinderschutzkommission beendete, hat einen offenen Brief an Kardinal Gerhard Ludwig Müller geschrieben. Darin wirft sie dem Präsidenten der vatikanischen Glaubenskongregation zögerliches Handeln und mangelndes Interesse an der Arbeit der Kommission vor, die Missbrauch von Kindern durch Kleriker vorbeugen will. Müller hatte sich in einem Interview zum Ausscheiden von Marie Collins aus der Kommission geäußert und gesagt, aus seiner Sicht gebe es keine mangelnde Zusammenarbeit zwischen seiner Behörde und der Kommission.

Collins machte nun ihrem Ärger in einem geharnischten Brief an den Kardinal Luft; der National Catholic Reporter veröffentlichte das Schreiben am Dienstag. Collins wies Müller darin auf Unstimmigkeiten in seinen Aussagen hin. So beanstandete sie erneut, dass ein vom Papst 2015 gewünschtes Sondertribunal zur Aufklärung von Missbrauchsfällen bei der Glaubenskongregation noch immer nicht eingerichtet sei, obwohl Franziskus die nötigen Mittel autorisiert habe. Müller hatte im Interview gesagt, ein solches Gericht sei nicht nötig, weil seine Zuständigkeit von der Bischofskongregation abgedeckt sei. Collins wandte ein, dass trotzdem noch nie ein Bischof wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch in seiner Diözese offiziell bestraft worden sei und fragte, ob hier, wenn nicht ein Mangel an Gesetz, so vielleicht ein Mangel an Willen vorliege.

Der deutsche Jesuit Hans Zollner, Mitglied in der Päpstlichen Kinderschutzkommission und Leiter eines Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, hatte in einem Interview mit Radio Vatikan zu den Gründen, die Collins zum Austritt aus der Kinderschutzkommission veranlassten, Stellung genommen. Dabei hatte er betont, dass im Vatikan de facto auch schon bereits vor 2015 der Vertuschung von Missbrauchsfällen nachgegangen worden sei. Ähnlich wie Kardinal Müller findet Zollner: „Man brauchte kein neues Gericht zu schaffen – das gibt es bereits! Und es hat auch funktioniert, auch wenn es nicht so häufig in Anspruch genommen wurde“, so der Jesuit gegenüber Radio Vatikan.

Die päpstliche Kinderschutzkommission sei dazu da, Kinder und verletzliche Erwachsene in der Kirche besser zu schützen, schreibt Collins in ihrem offenen Brief an Kardinal Müller weiter. Das Thema sei zu wichtig, um sich in „Sackgassen welcher Art auch immer“ zu verfahren. „Wenn es Probleme gibt, ist nichts damit gewonnen, so zu tun, als sei alles in Ordnung“. Statt angesichts von Kritik wie der ihren in eine alte Haltung des Abstreitens und Verdunkelns zu verfallen, tue die Kirche besser daran, ihren Angehörigen echte Erklärungen zu bieten. „Wir haben einen Anspruch auf Transparenz, Ehrlichkeit und Klarheit“, so die Irin. Sie hatte ihren Rückzug aus der Kinderschutzkommission mit mangelnder Kooperationsbereitschaft an der römischen Kurie begründet.“ (Quelle rv/ncr)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Die Woche im Vatikan

Montag 13. März 2017 von VH

Die Woche fängt gut an: Am Montag jährt sich zum vierten Mal die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst, und das bedeutet für den Vatikan einen Feiertag. Viele Büros im kleinsten Staat der Welt bleiben deshalb zu. Aber so richtig überschlagen sich die Feier- und Gedenktage erst am Sonntag in einer Woche: Da wird nicht nur der vierte Jahrestag des offiziellen Amtsantritts von Franziskus begangen, sondern auch der Namenstag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger).

Papst Franziskus nimmt in dieser Woche seine üblichen Termine wahr: Angelusgebet am Sonntag, eine Generalaudienz auf dem Petersplatz am Mittwoch. Hinzu kommen der Besuch in einer Pfarrei am römischen Stadtrand an diesem Sonntagabend und eine Bußfeier in St. Peter am Freitagabend.

Am Montagabend erlebt der Petersdom eine ökumenische Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte wird dort die anglikanische Vesper gefeiert. Erst vor kurzem hat Papst Franziskus beim Besuch der anglikanischen Pfarrei Roms an einem solchen „evensong“ teilgenommen.

Von Donnerstag bis Samstag kommen kanadische Bischöfe in den Vatikan, um über die Lage in ihren Bistümern Bericht zu erstatten: ein sogenannter ad-limina-Besuch. Natürlich werden sie auch mit Papst Franziskus sprechen. Ab Montag der nächsten Woche sind dann die Bischöfe auf El Salvador an der Reihe.

Am Donnerstagabend stellt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, in der deutschsprachigen Pfarrei Santa Maria dell’ Anima sein neues Buch über das Petrusamt vor.

Am Samstag steht Kurienkardinal Angelo Amato im Auftrag des Papstes in Bozen der Seligsprechung von Josef Mayr-Nusser vor; der engagierte südtiroler Katholik starb 1945 im KZ Dachau, nachdem er den Eid auf Hitler verweigert hatte. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Papstbesuch im Lateran: „Absolut privat“

Sonntag 12. März 2017 von VH

Kaum ist Papst Franziskus am Freitag von Fastenexerzitien nach Rom zurückgekehrt, hat er am Abend den Lateran besucht. Dort traf er sich mit den Dekanen seines Bistums Rom. Das Vatikanische Presseamt sprach von einer „absolut privaten Begegnung“.

Italienische Zeitungen bringen die Visite mit der Tatsache in Zusammenhang, dass Franziskus’ Kardinalvikar für Rom bald in den Ruhestand geht. Der Papst suche nach einem Nachfolger für den 77-jährigen Kardinal Agostino Vallini und ermutige alle, auch die Laien im Bistum, Kandidaten vorzuschlagen. Aus dem Vatikan gibt es zu diesen Berichten keinen Kommentar.

Vallini war seit 2008 Kardinalvikar des Papstes für das Bistum Rom und damit Stellvertreter des Papstes an der Spitze des Hauptstadt-Bistums. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

D: Bischöfe reden über soziale Umbrüche und Populismus

Mittwoch 8. März 2017 von VH

Bischof OverbeckÜber Rechtspopulismus, Fake-News, soziale Sorge und schwindendes Vertrauen in Institutionen haben die deutschen Bischöfe am Dienstag bei ihrer Vollversammlung gesprochen. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagte vor Journalisten, die beiden Punkte Gerechtigkeit und Sicherheit seien grundlegend für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Das zeige gerade der Erfolg populistischer Bewegungen und Parteien, Overbeck nannte Pegida und die AfD.

„Wer den Populisten das Wasser abgraben will, muss diese Themen ernst nehmen: Gerechtigkeit mit Blick auf soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit, und Sicherheit. Wir wissen, wenn Bürger das Gefühl haben, dass es insgesamt gerecht und sicher zugeht, dann können sie dem Gemeinwesen mehr Vertrauen entgegenbringen, aber auch den Institutionen.“

Die Frage, ob Christen eine Partei wie die AfD wählen können, wollte Overbeck nicht mit ja oder nein beantworten. Allgemein sei jede in Deutschland offiziell anerkannte Partei „für den Christen anhand gewisser Kriterien wählbar“. Dazu gehöre, dass die Partei die Würde eines jeden Menschen anerkennen müsse, auch wenn er aus guten Gründen flieht; sie müsse auch dialogfähig sein und die Prinzipien von Gerechtigkeit, Solidarität und Subsidiarität anerkennen. Klarer äußerte sich der deutsche Caritaspräsident Peter Neher: „Es ist wenig hilfreich, Wähler der AFD mit dem Stigma des Nichtchristen zu versehen.“

Auf die Frage nach Allianzen zwischen konservativen Christen und populistischen Bewegungen sagte Overbeck, „Frömmigkeit hat immer zwei Seiten, die Gott zugewandte und die dem Nächsten Zugewandte, das sind zwei Seiten einer Medaille, die man nicht trennen darf, weil man sonst nicht Jesus entsprechend agiert. Das ist umgesetztes christliches Leben im Alltag.“

Neher arbeitete drei Punkte heraus, die aus seiner Sicht das Vertrauen in den Sozialstaat bestärken: soziale Ungleichheit mindern, Grundsicherung erhöhen und Zugang zu Bildung sichern. Neher: „Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist dann gefährdet, wenn Menschen sich ausgegrenzt fühlen, wenn sie keine Chancen mehr für sich und ihre Kinder sehen. Oder unter Abstiegsängsten leiden, wie wir das zunehmend in der unteren und unteren Mittelschicht wahrnehmen. Diese Abstiegsängste können dazu führen, dass sich die Mittelschicht nach unten abschottet und die Bereitschaft zur Solidarität mit den Schwächeren sinkt.“

Zudem gebe es weitere diffuse Ängste, die sich bevorzugt an jenen festmachen, die noch weniger haben als die sozial schwächsten Schichten in Deutschland: „Flüchtlinge sind die neuen Hexen“; formulierte Neher in Anlehnung an den Psychologen Stephan Grünewald.

Der Mainzer Sozialethiker Gerhard Kruip führte die grassierende Verunsicherung in der Gesellschaft auch auf die Entwicklung des Mediensystems zurück. Viele zögen sich zurück in die „Echoräume ihrer Selbstbestätigung“. „Fakenews haben da leichtes Spiel, während gleichzeitig viele Menschen jene Medien, die ihnen Fakten bringen, die sie infrage stellen, als Lügenpresse diffamieren“. Zugleich seien auch traditionelle Medien dazu gezwungen, sich auf Konflikte und Skandale zu konzentrieren. „Offenbar sind sich viele Menschen über diese Mechanismus nicht im Klaren und nehmen di Verzerrung der Wirklichkeit nicht war. Wir sind eine Gesellschaft geworden, die sich selbst gegenüber massive Vorurteile hat.“ Christen sollten in einer solchen Lage, so der katholische Sozialethiker, immer auch von ihrer Hoffnung sprechen. Kruip zitierte die Würzburger Synode: Die Welt braucht keine Verdoppelung ihrer Hoffnungslosigkeit durch Religion.

Die deutschen Bischöfe hatten am Montag ihre Frühjahrsvollversammlung begonnen. Im Mittelpunkt ihrer Beratungen stehen auch der Umgang mit Flüchtlingen, die Priesterausbildung und die ökumenischen Feiern zum 500. Reformationsjubiläum. Das Treffen dauert bis Donnerstag, Sitzungsort ist Bergisch Gladbach-Bensberg. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »