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Mit „Fake News“ gegen den Papst?

Donnerstag 13. Juli 2017 von VH

Auch Kardinal Gerhard Müller geriet jetzt in den Zielpunkt einer Desinformationskampagne, kommentiert Guido Horst.

Knapp vierzig Grad im Schatten. Draußen, auf dem Petersplatz, scheinen sich die Eisenstangen der Absperrungen in der Sonnenglut zu verbiegen, drinnen, nur einen Steinwurf von den Kolonnaden entfernt, im Palazzo Nummer 1 an der Piazza della Città Leonina, empfängt Kardinal Gerhard Müller ganz leger: Sommerhose, kariertes kurzes Hemd. Auch in seiner Wohnung, die einst lange Jahre das Domizil von Kardinal Joseph Ratzinger war, steigen die Temperaturen beträchtlich an. Der Grund für die etwas unkonventionelle Begegnung ist eine der vielen „fake news“, wie sie in Rom zurzeit nur so die Runde machen. Doch diesmal betraf es Müller direkt, den Papst Franziskus erst vor wenigen Tagen aus dem Amt des Glaubenspräfekten entlassen hat. Der Sekretär des Kardinals. Don Slawek, ist im Ausland, Müller deshalb ohne Zugang zum Internet – und so las er erst jetzt, was in den Stunden zuvor rund um die ganze Welt gegangen war.

Das letzte Gespräch zwischen Papst und Müller sei in Wirklichkeit so verlaufen, hatte Maike Hickson in ihrem Online-Dienst „One Peter Five“ behauptet, und der italienische Journalist Marco Tosatti hatte das auf seinem Blog „Stilum curiae“ auf Italienisch sofort weiterverbreitet. Also: Am 30. Juni in den Apostolischen Palast berufen, habe Müller, mit den zur Entscheidung anstehenden Akten der Glaubenskongregation bewaffnet, eine relativ kurze Unterredung mit Franziskus gehabt. Der Papst habe dem Kardinal nur fünf Fragen stellen wollen, so „One Peter Fice“ und „Stilum curiae“: Sind Sie für oder gegen den Frauendiakonat, habe Franziskus gefragt. Ich bin dagegen, so Müller. Und weiter: Sind Sie für oder gegen die Aufhebung des Zölibat? Ich bin natürlich dagegen, so Müller. Sind sie für oder gegen weibliche Priester. – Ich bin entschieden dagegen. Wollen Sie „Amoris laetitia“ verteidigen? Ja, so die Antwort von Müller, insofern es mir möglich ist. Es gibt da noch Zweideutigkeiten. Und dann die letzte Frage des Papstes: Wollen Sie Ihren Protest gegen die Kündigung Ihrer drei Mitarbeiter zurückziehen? Heiliger Vater, habe der Kardinal entgegnet, das waren gute Leute ohne Makel, die ich vermisse. Es war nicht korrekt, sie über meinen Kopf hinweg zu entlassen, und das kurz vor Weihnachten, so dass sie ihre Büros bis zum 28. Dezember räumen mussten.

Dann, so schreiben Hickson und Tosatti, habe der Papst dem Kardinal nur noch mitgeteilt, dass er sein Mandat als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängern werde, und sei wort- und grußlos gegangen. Als Quelle für diese Version des letzten Gesprächs zwischen Papst und Müller gab Hickson eine „vertrauenswürdige deutsche Quelle“ an, die das anonym berichtet habe, nachdem sie kurz nach der Entlassung Müllers mit diesem an einem Essen des Kardinals mit seinem Abiturjahrgang in Mainz teilgenommen und entsprechende Bemerkungen aufgeschnappt habe. Diese anonyme Quelle ist der Redaktion dieser Zeitung bekannt. In Rom ist sie nur als dubiose Figur bekannt, deren sprudelnde Phantasie keine Grenzen kennt – alles andere also als vertrauenswürdig.

Als jetzt Kardinal Müller am Mittwochmorgen den Ausdruck der beiden – fast gleichlautenden – Berichte las, traute er seinen Augen nicht. „Das stimmt nicht“, so Müller, das Gespräch sei ganz anders gelaufen. Auch der Schluss des vermeintlichen Protokolls der „deutschen Quelle“ sei falsch. Bei Hickson und Tosatti hieß es dort, der Präfekt sei nach dem Weggang des Papstes noch ein wenig sitzengeblieben, in der Erwartung, das Franziskus etwas holen würde, ein kleines Geschenk oder Ähnliches, um den Kardinal zu verabschieden oder sich für seine Dienste zu bedanken. Bis ihm dann der Präfekt des Päpstlichen Haues, Erzbischof Georg Gänswein, mitgeteilt habe, dass die Audienz beendet sei. Kardinal Müller staunte jetzt nicht schlecht, als er nun diese frei erfundene Darstellung lesen musste. Zumal er selber über den Verlauf der besagten Audienz berichtet hatte, der Papst sei mit ihm tatsächlich Akten der Glaubenskongregation durchgegangen und habe ihm erst beim Hinausgehen mitgeteilt, dass er seine Amtszeit als Glaubenspräfekt nicht verlängern werde.

Man könnte diese Blüten der Desinformation, wie sie Kardinal Müller überrascht zur Kenntnis nehmen musste, in dem Fach „fake news“ ablegen und es mit einer knappen Richtigstellung oder einem Dementi bewenden lassen. Aber sie sind symptomatisch für eine Zeit, in der ein Pontifikat für Unruhe sorgt und mancher sich bemüßigt fühlt, mit Fehlinformationen und freien Erfindungen diese Unruhe noch zu steigern – aus den unterschiedlichsten Motiven heraus. Der Franziskus in den Mund gelegte Satz: „Ich werde als der Papst in die Geschichte eingehen, der die Kirche gespalten hat“, schaffte es bis in das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Und schon kreist in deutschen Landen das Gerücht, der päpstliche Autor von „Amoris laetitia“ wolle den deutschen Verein „Donum vitae“ mit dem Segen der Deutschen Bischofskonferenz in die Schwangerenberatung der Kirche integrieren – trotz der Ausstellung des einst von Rom nicht gewollten Beratungsscheins.

Solche Gerüchte – das ist eines der möglichen Motive – sollen die romtreuen Katholiken treffen, die auf dem Boden der traditionellen Lehre stehen und in dem Lehramt von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ein Vermächtnis für die Zukunft sehen. Sie, so die Absicht der Gerüchtestreuer, sollen jetzt ganz verdattert dastehen angesichts eines lateinamerikanischen Jesuiten-Papstes, der Hand anlegt an die Alleinstellungsmerkmale des Katholischen. Die Agenda, die die „anonyme deutsche Quelle“ implizit aus den vermeintlichen Fragen des Papstes an Kardinal Müller ablesen lassen will, ist immerhin ganz beachtlich: Einführung des Frauendiakonats, Abschaffung des Zölibats, Weihe von Frauen zum Priesteramt.

Somit steigt die Verunsicherung, zumal es tatsächlich Initiativen von Papst Franziskus gibt, die selbst bei ganz gemäßigten Kurienprälaten eher ein Kopfschütteln als begeisterte Zustimmung hervorrufen. Am Sonntag ist das dritte Interview erschienen, das Franziskus mittlerweile dem Laizisten-Papst Eugenio Scalfari gegeben hat, wiederum erschienen in der links-liberalen „La Repubblica“. Und wieder hat der 93-jährige Gründer dieser Zeitung darauf verzichtet, bei dem Gespräch in Santa Marta ein Aufnahmegerät mitlaufen zu lassen.

Das Ergebnis ist eine krude Mischung von eigenen Gedanken Scalfaris und Äußerungen von Franziskus zum G20-Gipfel in Hamburg, zu internationalen Allianzen gegen Flüchtlinge und unheilvollen Beziehungen zwischen Putin und Trump, Russland und Syrien oder Nordkorea und China – mit dem vatikanischen Staatssekretariat dürften die Einschätzungen des Papstes wohl kaum abgesprochen gewesen sein. Für Scalfari habe der Papst Zeit, nicht aber für die vier Kardinäle, die wegen ihres Briefs mit den „dubia“ um eine Audienz beim Papst nachgesucht hatten – so der Kommentar in Kurienkreisen. Dass Franziskus etwa zur gleichen Zeit den soeben zum Kardinal erhobenen Weihbischof Gregorio Rosa Chavez aus El Salvador zu seinem Vermittler zwischen Nord- und Südkorea ernannt hat, obwohl dieser weder Koreanisch spricht noch über besondere Kontakte in dieser Region verfügt, machte ebenfalls stutzig. Mancher fragt sich, nach welchen Kriterien Franziskus – der auch in diesem Sommer auf eine Ferienzeit verzichtet – im Gästehaus Santa Marta agiert. Da gießen solche Falschmeldungen wie die von „One Peter Five“ und „Stilum curiae“ zu den vermeintlichen fünf Fragen von Franziskus an Kardinal Müller nur Öl ins Feuer. Die Absicht scheint zu sein, die Verunsicherung rund um die Person des Papstes weiter zu steigern. Der Sache dient das nicht.

Guido Horst ist Chefkorrespondent der Zeitung „Die Tagespost“ in Rom. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung. (CNA Deutsch)

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Buchtipp: Der erste Stellvertreter

Samstag 3. Juni 2017 von VH

Der US-amerikanische Anthropologie-Professor David Kertzer tritt mit einer klaren These an. Pius XI., Papst von 1922 bis 1939, hat aus seiner Sicht dem italienischen Faschismus den Weg geebnet und sei über weite Strecken ein Verbündeter Benito Mussolinis gewesen. In seinem Werk „Der erste Stellvertreter. Papst Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus“ vertieft Kertzer diese Einschätzung auf 600 Seiten, ein Drittel davon sind Fußnoten.

Mit sicherem Blick fürs stimmige Detail zeichnet der Autor den Weg der beiden so ungleichen Männer nach: Achille Ratti, der aufbrausende Papst, der am liebsten Bücher und Berge hat, und der nach Macht, Frauen und sich selbst gierende Aufsteiger Mussolini. Beide kamen im Jahr 1922 an die Macht, beide waren politisch aufeinander angewiesen. Der Papst brauchte ein Stück Land rund um den Petersdom, Souveränität und die Zusicherung freier Kultausübung in Italien, und Mussolini brauchte politische Anerkennung, die er international ausschlachten konnte. Folgerichtig kam es zum Abschluss der Lateran-Verträge 1929. Kertzer zeichnet Pius als ein Kirchenoberhaupt mit deutlichen Sympathien für Mussolinis autoritären Führungsstil, beide hätten mit Demokratie nichts anfangen können und sich in gemeinsamer Feindschaft zu Juden und Sozialisten vereint fühlen dürfen.

Es ist ein lebendig geschriebenes und mit viel Stoff unterfüttertes Zeitporträt, das der Autor hier ausbreitet. Zugleich wird man den Eindruck nicht los, der Autor legt sich freiwillig Scheuklappen an: er lässt manches weg, was seine zentrale These ins Wanken bringen könnte, und bringt anderes, von dem man sich fragt, was es hier zu suchen hat. Bereitwillig lässt sich Kertzer etwa von einer besonders bunten Quellenkategorie umgarnen: von Spitzelberichten. Mussolini unterhielt ein dichtes Netzwerk an Spionen, die auch rund um den Vatikan horchten. Durchgängig zitiert der Autor aus diesen faschistischen Spitzelberichten, die Aufgeschnapptes in wild-gehässigem Tonfall wiedergeben. Dass es unzuverlässige Quellen sind, sagt Kertzer selbst, aber nur in den Fußnoten. Indessen erfährt der verdutzte Leser über homosexuelle Neigungen einzelner Kirchenmänner der 1920er Jahre. Solche Episoden mögen sich süffig lesen, bloß hält sich ihr Erkenntniswert mit Blick auf das Anliegen der Arbeit in Grenzen.

Kertzers Werk ist ein hübscher Mosaikstein der Forschung zum schwierigen Verhältnis zwischen katholischer Kirche und den europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Große neue Erkenntnisse bringt es nicht, dafür viele Anekdoten, plastisch arrangierte Szenen, sogar Dialoge. Dafür gab es den Pulitzer-Preis, die berühmteste journalistische Auszeichnung in den USA.

Zum Mitschreiben: Der erste Stellvertreter. Papst Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus, David I. Kertzer Verlag: Theiss (Rezension: Gudrun Sailer), Preis: 38 Euro. (rv)

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Qumran: Eine Ziege, Manuskripte und ständig neue Debatten

Dienstag 27. September 2016 von VH

qumran_rollendetailImmer noch Überraschungen, neue Fragmente, neue Debatten: Auch siebzig Jahre nach den ersten Funden erregen die Manuskripte von Qumran immer neues Interesse. Es war eine Ziege gewesen, mit der 1947 in der Judäischen Wüste alles angefangen hatte; auf der Suche nach ihr machte ein Hirte in einer Berghöhle nicht weit von Jericho die spektakulärste archäologische Entdeckung des 20. Jahrhunderts. Er fand Schriftrollen aus dem Umfeld der Bibel. Ausgrabungen förderten bis 1956 in elf Höhlen die Überreste von 900 hebräischen Rollen aus dem dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus zutage – darunter die ältesten Manuskripte, die wir von der Hebräischen Bibel überhaupt haben.

„Die überwältigende Mehrheit der Qumran-Texte ist mittlerweile bekannt und publiziert“, erklärt Professor Corrado Martone von der Uni Turin, der in diesen Tagen einen internationalen Kongress zum Stand der Qumran-Forschung in Bologna mitveranstaltet hat. „Unser Bild dieser Zeit hat sich durch die Funde völlig verändert: Wir haben jetzt Quellen aus erster Hand über das Judentum in der Zeit des Zweiten Tempels, also aus der in vielerlei Hinsicht lebhaftesten Epoche jüdischer Kultur, aus der dann das Christentum genau wie das heutige Judentum hervorgegangen sind. Das heißt, wir stehen hier an den Quellen unserer westlichen Kultur. Das Gros der – vor allem biblischen – Texte, die in Qumran aufgetaucht sind, bestätigt das, was viele Jahrhunderte später zum sogenannten masoretischen Text geworden ist, also zu dem Text, der auch heute noch in den Synagogen gelesen wird, zum Text der Hebräischen Bibel. Aber wir können durch die Funde auch die Entwicklung nachvollziehen, die zu dieser Konkretisierung des Textes geführt hat. Es ist also wirklich so, als könnten wir da die Entstehung des Bibeltextes mitansehen!“

Vieles ist noch unklar an den Qumran-Funden. Etwa die Frage, ob sie wirklich aus der Essener-Gemeinschaft hervorgegangen sind, die hier in der Wüste lebte und die im ersten Jahrhundert nach Christus von den Römern vernichtet wurde. Unklar ist auch, ob Johannes der Täufer oder gar Jesus mit dieser Essener-Gruppe etwas zu tun hatten – und wenn ja, was genau. Die Unklarheiten haben im Lauf der Jahrzehnte immer wieder Spekulationen befeuert, bis hin zu der halsbrecherischen These, der Vatikan versuche eine unbequeme Wahrheit über Qumran zu unterdrücken. Die Wirklichkeit ist prosaischer: Experten, die sich über teilweise winzige Fetzen beugen und denen oft nur eine lückenhafte Entzifferung gelingt.

Pentateuch-Rolle erst vor drei Jahren in einer Uni-Bibliothek wieder aufgetaucht

Der Forscher Mauro Perani von der Uni Bologna hat sich auf dem Kongress in den letzten Tagen vor allem mit der Rolle des vollständigen Pentateuch beschäftigt, also mit den fünf Büchern des Mose, die am Beginn der Hebräischen Bibel stehen. Die 36 Meter lange Rolle aus dem elften nachchristlichen Jahrhundert wurde allerdings nicht in Qumran entdeckt, sondern vor nur drei Jahren von ihm selbst in der Universitätsbibliothek von Bologna. Sie ist offenbar von Dominikanern im 13. Jahrhundert von Toulouse nach Bologna gebracht worden, stand dort im Mittelpunkt zahlreicher Studien, war aber nach den napoleonischen Wirren bis vor kurzem verlorengegangen.

„Diese Rolle bildete, wie alle Studien der letzten Jahre gezeigt haben, eine Säule, eine Art Polarstern, einen Leuchtturm der wahren Bibel des Esra. Sie wurde also dem Schreiber Esra zugeschrieben, offenbar um damit auszudrücken, dass sie in uralte Zeiten zurückreichte, und war ein Bezugspunkt nicht nur für das religiöse, sondern auch für das politische Leben. Bei Debatten über politische und religiöse Fragen bezogen sich alle immer auf diese wahre Bibel des Esra, die sich jetzt in der Uni-Bibliothek von Bologna befindet.“

Esra war um 400 vor Christus der Verfasser der beiden alttestamentlichen Bücher Esra und Nehemia, die im Alten Testament zum Korpus der Geschichtswerke gehören. Er berichtet über den Neuanfang des Volkes Israel in Jerusalem und Juda nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil. Das achte Kapitel des Buches Nehemia schildert, wie „der Priester Esra“ dem Volk „das Buch mit dem Gesetz des Mose“ vorliest, zu dessen tiefer Betroffenheit.

Die Qumran-Rollen sind im Jerusalemer Heilig-Land-Museum ausgestellt, in einem eigenen „Schrein des Buches“. Für die in Bologna wiederaufgetauchte Pentateuch-Rolle soll jetzt ein eigenes Museum an der Uni Bologna entstehen, wie Professor Alberto Melloni erklärt. „Angesichts dieser Wiederentdeckung wollen wir mehr als nur eine Ausstellung rund um die Schriftrolle bieten – auch weil Bologna der Ort der ersten “Editio princeps” der Hebräischen Bibel war und weil in Bologna die erste „Jerusalemer Bibel“ auf Italienisch herausgegeben wurde. Dieser große rote Kasten – viele Katholiken in Italien werden sich an ihn erinnern – war so etwas wie eine Heimkehr der Heiligen Schrift in die katholische Tradition. Wir wollen ein Museum, wo die Bibel von Bologna nicht zum Museumsstück wird – das wäre eine Beleidigung, sie so zu behandeln! –, sondern wo sie Menschen, die immer weniger Umgang mit der Bibel haben, eine Möglichkeit zum Kennenlernen der Heiligen Schrift gibt.“ (rv)

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Buchtipp: Die Stadt Rom zur Zeit der Reformation

Sonntag 25. September 2016 von VH

buch-stadt-rom-zur-reformationEinen besonders einnehmenden kleinen Band zur Stadtgeschichte Roms legt das Verlagshaus Herder neu auf. Das Besondere: es handelt sich um ein bereits 100 Jahre altes Buch, das versucht, in Wort und Bild das Rom der Reformation einzufangen. Eine doppelte historische Brechung also. Die aber ist umso reizvoller, als das Werk aus der Feder des betont katholischen Kirchenhistorikers Ludwig von Pastor (1854 – 1928) stammt, der sein wissenschaftliches Lebenswerk der Verteidigung der „una sancta“ in bester Tradition des ausgehenden 19. Jahrhunderts widmete.

Von Pastor unternahm vor 100 Jahren ausgedehnte Stadtspaziergänge durch ein rasant sich wandelndes Rom. Denn mit dem Ende des Kirchenstaates 1870 hörte Rom auf, bloß das Rom der Päpste zu sein, das es rund eineinhalb Jahrtausende gewesen war, und wurde Hauptstadt Italiens. In wenigen Jahrzehnten veränderte ein gewaltiger Bauboom das urbane Gewebe Roms unwiderruflich. Zugleich prägte eine protestantisch dominierte Kirchengeschichtsschreibung namentlich aus Deutschland dem Papst und seiner Stadt einen Stempel des Anachronismus auf. Der aus Aachen gebürtige Ludwig von Pastor, gewiss kein Vorkämpfer der Ökumene, versuchte dem in all seinem Schreiben und Tun gegenzusteuern. Sei es mit seiner 16-bändigen „Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters“, sei es mit seinem Büchlein „Die Stadt Rom zur Zeit der Reformation“, in dem er die untergehende Größe der ewigen Stadt, die so ewig gar nicht ist, in Wort und Bild für die Nachwelt dokumentieren wollte.

Von Pastor verarbeitete Stiche, Zeichnungen, Grund- und Aufriss-Skizzen, Gemälde, Fotografien zur Garnierung seiner nach Stadtvierteln geordneten Spaziergänge. Der Herausgeber der Neuauflage Martin Wallraff fügt mit Bedacht neue Aufnahmen dort hinzu, wo in 100 Jahren alles anders geworden ist, wo also etwa ein malerischer Innenhof Pastors zur Garage mutierte.

Rom anno 1916 konnte überhaupt nicht „papstfrei“ gedacht werden – anders als heute. Die Neuauflage dieses Büchleins erhebt nicht den Anspruch, eine Art religiöser Stadtführer zu sein, aber kirchenhistorisch aufgeladen ist jede Zeile und jede Abbildung dieses höchst ansprechenden Buchs. (rv)

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Buchtipp: Ulrich Nersinger, Gott ist barmherzig

Samstag 27. August 2016 von VH

Nersinger_Buch_Gott_ist_barmberzig„Gott ist barmherzig“ heißt das Büchlein, das der auf Kirche und Vatikan spezialisierte deutsche Historiker Ulrich Nersinger im Verlag media Maria vorgelegt hat. In acht Kapiteln durchläuft der geschichtlich hochversierte Journalist verschiedene Gegebenheiten der Heiligen Jahre, spricht über die Ursprünge, die Pilgerströme durch die Jahrhunderte, die Persönlichkeiten und die Heiligen der Jubeljahre. Beispiel: heilige Pforten. Woher und wozu? Und warum waren die heiligen Pforten beim ersten Heiligen Jahr 1300 noch nicht mit dabei? Ulrich Nersinger:

Nersinger: „Pforten haben in der Menschheitsgeschichte eine immense Bedeutung, in Mesopotamien, Ägypten, germanische Götterwelt. Pforten als Zugang zu den Göttern oder einer himmlischen Wirklichkeit, ein Zugang vom Diesseits zum Jenseits. Gerichtsurteile werden in der Regel in der Pforte gehalten, eine alte Tradition. Diesen Reichtum hat die Kirche 1300 noch nicht aufgenommen.“

RV: Woran lag das?

Nersinger: „In der Geschichte der Heiligen Jahre sieht man eine Entwicklung. 1300 ist eine spontane Sache gewesen. In der Welt tauchte die Nachricht auf, 1300 würde man in Rom einen vollkommenen Ablass bekommen, und das hat die Menschen der Zeit, die stark geprägt waren von einem Sündenbewusstsein, aufgerufen, nach Rom zu kommen. Ohne dass es irgendein Zutun des Papstes gab. Der Papst war überrascht, welche Menschenmengen auf einmal nach Rom strömten, und er wollte diese Menschenmengen anschauen, wovor er gewarnt wurde. Er ist dann doch hin geritten vom Lateran nach Sankt Peter, dann hat er in den Archiven geforscht und ein Konsistorium der Kardinäle einberufen, und hat dann mehr oder weniger spontan die Einrichtung der Heiligen Jahr in der Kirche geschaffen.

RV: Sie fanden zunächst alle 50 Jahre statt.

Nersinger: „Nein, sie fanden zunächst sogar nur alle 100 Jahre statt. Da kam eine andere römische Tradition mit hinein. Wir kennen aus der Antike die 100-JahrFeiern, die Säkularfeiern, die immer einen Neubeginn markieren sollen. Das wurde also auch in der heidnischen Tradition schon etwas vorweg genommen.“

RV: Es gab auch außerordentliche heilige Jahre, aus Sonderanlässen.

Nersinger: „Ja, und das ist eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts. Das erste war 1933 ganz bewusst von Pius XI gesetzt, gegen die damaligen Diktatoren, vor allem den Faschismus. Als er gefragt wurde, warum dieses außerordentliche Jubiläum, sagte er, er wolle der Welt zeigen, wer der wirkliche, der wahre Messias sei. Das war eine deutliche Ansage gegen Nationalsozialismus und den Faschismus.“

RV: Das derzeit laufende außerordentliche Jahr legt den Fokus auf die Barmherzigkeit, aber ist die Barmherzigkeit nicht eigentlich den Heilige Jahren immer schon eingeschrieben gewesen?

Nersinger: „Im Grund wäre es gar nicht nötig gewesen, das jetzige Heilige Jahr mit dem Zusatz „Barmherzigkeit“ zu versehen, denn das ist eigentlich immer die Absicht eines Heiligen Jahres gewesen. Der jetzige Heilige Vater fand das aber wichtig es besonders herauszuheben, weil es ein Leitmotiv seines Pontifikates ist. Und das zu Recht, aber wenn man sich die Geschichte anschaut, jedes Heilige Jahr ist immer ein Zugehen der Kirche auf die Menschen. Und des sich-Erbarmens mit ihren Anliegen.“

Ulrich Nersinger: Gott ist barmherzig. Ein Streifzug durch die Feier der Heiligen Jahre der katholischen Kirche. Media Maria, 15 Euro. (rv)

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Päpstliche Schneider der nun sechsten Generation: Das Erbe der Gammarellis

Sonntag 17. Juli 2016 von VH

Gewaender_des_neuen_ PPROM – Für fünf Generationen haben die Gammarellis den Stellverterter Christi gekleidet. Nun, nach dem Tod von Annibale Gammarelli, geht der Familienbetrieb über an die sechste Generation.

Gegründet im Jahr 1798 durch Giovanni Antonio Gammarelli, begann diese „Ditta“ (Firma) unter Papst Pius VI. als Schneiderei für den Klerus. Nach dem Tod Giovannis ging das Geschäft an seinen Sohn Filippo, und dann an dessen Sohn, Annibale.

Im Jahr 1874 verlegte Annibale den Laden an seine jetzige Adresse in der Via Santa Chiara 34, nur wenige Schritte vom Pantheon entfernt. Das Geschäft befindet sich im Gebäude der Päpstlichen Diplomatenakademie.

Als Annibale starb, entschieden sich seine Söhne Bonaventure und Giuseppe den Namen „Ditta Annibale Gammarelli“ beizubehalten, als Homage an den Vater – heute ist der Name dem Klerus in Italien und der ganzen Welt ein Begriff.

Bonaventura Gammarelli nannte auch seinen Sohn nach seinem Vater: Der „zweite“ Annibale übernahm das Geschäft und führte es viele Jahre.

Als er nun am 12. Juli in Rom verstarb, hinterließ er das Geschäft seinem Sohn Stefano Paolo und seinen Neffen Maximilian und Lorenzo. Diese bilden nun die sechste Generation der Gammarellis, die für den Papst Gewänder fertigt.

Während jeder Konklave werden die Gammarellis beauftragt, drei weiße Soutanen zu liefern – in den Größen klein, medium und groß – die dann bereit stehen für den neuen Nachfolger Petri.

Und auch wenn Franziskus diese nicht verwendet: Die weißten Soutanen werden komplimentiert durch eine rote Mozzetta (ein über dem Chorhemd getragener Schulterkragen) sowie eine weiße Pellegrina (der knopflose, vorne offene Schulterumhang), das weiße Zingulum (der Gürtel) und der weiße Pileolus (das Scheitelkäppchen).

Übrigens tauschen die Päpste meistens alle zwei Monate ihre Soutane aus, denn das silbere Kreuz, das sie tragen, hinterläßt Spuren im weißen Gewand.

Im Jahr 2000 wurde die Ditta Annnibale Gammarelli in die Liste historischer Geschäfte Roms aufgenommen, und der Laden ist der wahrscheinlich älteste, der immer noch von den direkten Nachfahren seines Gründers geleitet wird.

Tausende Priester und hunderte Bischöfe und Kardinäle haben sich bei Gammarelli einkleiden lassen seit der Zeit des seligen Pius IX., der 1846 Bischof von Rom wurde.

An den Wänden in der Werkstatt hängen Bilder der letzten neun Päpste – und werden sie weiter hängen, während eine neue Generation von Gammarellis weitere Päpste bekleidet. (CNA Deutsch)

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Facebook schließt Non-Profit-Seite, die Leben und Familie verteidigt

Donnerstag 14. Juli 2016 von VH

FacebookMEXIKO-STADT – Facebook hat – ohne jegliche vorherige Ankündigung – die Seite „Sexo Seguro“ (Sicherer Sex) A.C. geschlossen. „Sexo Seguro A.C.“ ist ein sozialer Non-Profit-Verband, der die Ehe, das Leben und die Familie verteidigt und aus Ärzten besteht, die Experten auf dem Gebiet Sexualität und Bioethik sind und wissenschaftliche Informationen zu diesen und anderen Themen, wie Verhütung und Abtreibung, verbreiten.

Die Seite hatte mehr als 110.000 Likes und betonte die Wichtigkeit, das Leben von seiner Empfängnis bis zum natürlichen Tod zu verteidigen.

Rosario Laris, Generaldirektorin von Sexo Seguro A.C. und Doktor in Bioethik erklärt gegenüber CNA, dass Facebook am 24. Juni eine Benachrichtigung geschickt habe, in der es heißt, sie würden dessen Normen verletzen: „Es wurde uns jedoch nicht gesagt, welche Norm oder welche Veröffentlichung die Schließung ausgelöst habe. Vielleicht, weil Links zu anderen Seiten gepostet wurden? Das machen wir seit dem Moment, in dem die Seite erstellt wurde, also seit fünf Jahren.

In Mexiko wurde vor drei Monaten der Vorschlag der „gleichgestellten“ Ehe unterbreitet und wir haben uns auf Facebook klar dagegen ausgesprochen. Aber wir haben auf proaktive Weise widersprochen, indem wir von der natürlichen Ehe zwischen Mann und Frau geredet haben“ fügte die Chirurgin hinzu.

Laris betonte, dass die Veröffentlichungen ihren Followern immer gefielen und weiß wirklich nicht, warum diese Schließung erfolgt sei. „Wir wissen immer noch nicht, ob diese Zensur aufgrund von Gruppen, die Druck gemacht haben, erfolgt ist. Es ist kein klarer Grund ersichtlich; es hätte uns gefallen, dass Facebook ihn uns mitgeteilt hätte, zusammen mit der Möglichkeit Korrekturen vorzunehmen. Bis heute haben wir nicht mal eine Email erhalten.“

Vor Kurzem startete eine Kampagne auf Twitter, mit Kopie an Facebook, die versucht, die Seite „Sexo Seguro“ wieder herzustellen.

„Es ist wichtig, diese Kampagne weiterzuführen, damit die Leute diese Ungerechtigkeit wahrnehmen. Immerhin ist Facebook eine soziales Netzwerk, das alle einschließen und verschiedene Sichtweisen zulassen muss. Wir haben nie jemanden direkt beleidigt, wir waren nicht aggressiv, sondern haben nur unseren Standpunkt zu Sexualität und Ehe dargelegt“ sagt sie zu CNA.

Und fügt hinzu, dass dieser Standpunkt ihrer Vereinigung geachtet werden müsse, denn es sei „ein personalistischer Ansatz, der die Würde der Person vom Beginn ihrer Empfängnis bis hin zum natürlichen berücksichtigt.“

„Es ist notwendig, dass die sozialen Netzwerke erkennen, dass es nicht so leicht ist, einigen Seiten redaktionelle Richtlinien vorzugeben, wenn ihnen viele Personen folgen. Wir fühlen uns als Gruppe, die die natürliche Familie verteidigt, diskriminiert. Die einzige Form, um zu erreichen, dass man in den Netzwerken unsere Nichtzustimmung wahrnimmt, ist, dass die Gesellschaft aufsteht, sich organisiert, Unterschriften sammelt und ihre Stimme hören lässt“ endet Dr. Laris. (CNA Deutsch)

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Buchtipp: Politik und Religion bei Dante

Samstag 18. Juni 2016 von VH

DanteDante Alighieri (1265-1321) gehört zu den Säulen der italienischen Literatur und gleichzeitig bieten seine Werke – nicht nur die berühmte „Göttliche Komödie“ – einen tiefen Einblick in das Glaubensleben der Menschen im 13. Jahrhundert. Im vergangenen Jahr feierte Italien seinen 750. Geburtstag, Würdigungen gab es sogar von Papst Franziskus. Trotz der langen Zeit, die seit ihrer Abfassung vergangen ist, haben Dantes Werke heute noch sehr viel zu sagen und zwar sowohl im politischen als auch im religiösen Bereich. Das kann man im neuen Buch des italienischen Politikwissenschaftlers Pietro Luca Azzaro nachlesen. Das Werk mit dem Titel „Politik und Religion bei Dante“ ist nun im Herder-Verlag auf Deutsch erschienen. Der italienische Autor zeigt auf, dass die heutigen Herausforderungen im Hinblick auf das, was Europa ausmacht, bereits zu Dantes Zeiten aktuell waren. Das führt dazu, dass auch die Lösungen, die in Dantes Werken aufgezeigt werden, zukunftsweisend sein könnten und auf das vorausweisen, was auf uns in den nächsten Jahrzehnten zukommen wird. Religion und Politik werden nicht als Gegensätze, sondern als gegenseitige Bereicherungen betrachtet. Das, so die These des Autors, sei ein großes Anliegen Dantes gewesen.

Als „Propheten der Hoffnung“ hatte Papst Franziskus vor einem Jahr Dante Alighieri beschrieben und dazu ermuntert, die Werke des italienischen Autors zu lesen. Franziskus verwies auf die große Hochachtung, die seine Vorgänger Dante entgegengebracht hätten. Zum Beispiel widmete Benedikt XV. (1914-1922) dem Dichter aus Florenz zum 600. Todestag eine eigene Enzyklika. Paul VI. veröffentlichte vor 50 Jahren ein Apostolisches Schreiben über Dante. Und auch Franziskus selbst zitierte Dante in seiner ersten Enzyklika „Lumen fidei“. Übrigens: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. habe Azzaro, so berichtet der Herder-Verlag, zu seinem Werk über Dante Alighieri gratuliert.

Zum Mitschreiben: Pietro Luca Azzaro, Politik und Religion bei Dante. Herder-Verlag, ca. 25 Euro. (rv)

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Eine menschlichere Welt bauen: Erster Humanitärer Weltgipfel in Istanbul

Montag 6. Juni 2016 von VH

WHS_IstanbulISTANBUL – Ende Mai versammelte der erste Humanitäre Weltgipfel in Istanbul 9.000 Teilnehmer aus 173 UN- Mitgliedsstaaten: Vertreter aus der Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen. Das Ziel des Gipfels war, Strategien zur Eindämmung der weltweiten humanitären Krisen zu finden.

Es ist der erste Gipfel in diesem Umfang und seiner Art in der 70-jährigen Geschichte der Weltorganisation.

Ban Ki-Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, will die Staatenlenker verpflichten, die Humanität in das Zentrum ihrer Politik zu stellen. Sie sollen alles Notwendige tun, bestehende Konflikte zu beenden und neue nicht entstehen zu lassen.

Der UN Chef zeigte sich entäuscht darüber, dass viele Regierungsvertreter nicht gekommen waren, besonders die der G7 Mitgliedstaaten, mit Ausnahme der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Auch der Heilige Stuhl und der Souveräne Malteserorden nahmen zusammen mit Führungspersönlichkeiten anderer religiöser Gemeinschaften und Repräsentanten unterschiedlicher Glaubensrichtungen am Gipfel teil.

Der “Aussenminister” des Vatikans, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sagte: „Der Heilige Stuhl möchte mit seiner Anwesenheit die Wichtigkeit von Humanitärer Arbeit unterstreichen…und zum Ausdruck bringen, dass dabei immer der Mensch im Vordergrund stehen muss”.

Der früherer Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, António Guterres, sagte, dass die glaubensbasierten Organisationen immer an vorderster Front kämpfen – mit enormer Großherzigkeit und enormem Mut. “Sie verkörpern einen sehr wichtigen Teil des humanitären Geschehens rund um die Welt. Darüber hinaus wirken sie bewusstseinsbildend, prägen die öffentliche Meinung, damit die Regierungen ihre Verantwortung wahrnehmen, und humanitäre Arbeit besser unterstützen.“

Die Botschafterin des Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf, Marie Therese Pictet-Althann unterstrich die Hoffnung, dass der Gipfel die Bedeutung religiöser Gemeinschaften und glaubensbasierter Organisationen in der humanitären Arbeit anerkenne und dass betont werde, wie wichtig sie sind.

Beobachter stellten fest, dass sich die Medien größtenteils auf politische Aspekte konzentrierten und den einfallsreichen, bunten Darbietungen einiger Hollywood-Berühmtheiten und -aktivisten, wie dem “James Bond”-Darsteller Daniel Craig und Schauspieler Forrest Whitaker. Weniger beachtet wurde so, dass in Nebenveranstaltungen und einer eigenen Sondersitzung der große Beitrag aufgezeigt wurde, den Religionen im Dienst der Menschheit leisten.

In seiner Rede unterstrich Albrecht Freiherr von Boeselager, Großkanzler des Malteserordens, dass es nun um Ergebnisse gehe. „Damit dieser Gipfel zu einem produktiven Ergebnis führt, müssen wir sicherstellen, dass die Ausführungen und Verpflichtungen, von denen wir gehört haben, in konkretes Handeln umgesetzt werden – im Namen all der Menschen, die Schutz und Hilfe von uns erwarten“.

Von Boeselager weiter: „Weil wir eine zunehmende Missachtung eindeutiger humanitärer Rechtsvorschriften beobachten, ist es wichtiger geworden, sich in Sachen Menschlichkeit auf die Werte zu verlassen, die in den verschiedenen Religionen grundgelegt sind. Wir hoffen, dass die Ergebnisse dieses Gipfels die Aufmerksamkeit der humanitären Liga auf diese Tatsache lenken.“

Michel Veuthy, Stellvertretender ständiger Vertreter des Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf, hieb die Rolle des Ordens hervor: „Der Orden als Ganzes kann tatsächlich nicht nur als religiöse Organisation und humanitär Agierender, sondern auch aufgrund seines diplomatischen Status und internationalen Ansehens Regierungen, internationale Organisationen und religiöse Gemeinschaften zusammenbringen.“

Erzbischof Silvano M. Tomasi, Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, war Mitglied der Delegation des Heiligen Stuhls in Istanbul. „Diese Konferenz beschäftigt sich umfassend mit der Tatsache, dass wir eine große Menschheitsfamilie sind, die eine neue Agenda für humanitäres Handeln braucht. Dieses neue Verständnis muss auf gegenseitiger Unterstützung und Toleranz aufbauen, vor allem aber auf Solidarität.“

Wie Kardinal Luis Antonio Gokim Tagle, President von Caritas Internationalis, betonte, „genügt [es] nicht, auf Katastrophen zu reagieren. Wir sollten unser Bestes tun, um zu verhindern, dass von Menschen verursachte Katastrophen das Leben und die Träume anderer Menschen zerstören.“

Am Dreifaltigkeitssonntag hatte Papst Franziskus eingeladen, für den Erfolg des Welthumanitätsgipfels zu beten und in seiner an den Gipfel gerichteten Botschaft sagte er: „Wenn wir von den Opfern und Leidenden lernen, werden wir eine menschlichere Welt bauen können.“

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency, verfasst. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins ‚Vatikano‘. Weitere Informationen zu Pax Press Agency, Genf unter www.paxpressagency.com (CNA Deutsch)

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Italien: Verbeugung oder nicht Verbeugung vor dem Mafiaboss?

Montag 6. Juni 2016 von VH

La RepubblicaAusgerechnet Corleone! Da müht sich die sizilianische Kleinstadt seit Jahren, ihr Image als Mafia-Nest loszuwerden. Und jetzt das: Eine Heiligenprozession zieht letzte Woche feierlich durch eine Straße der Stadt – und bleibt vor dem Haus von Totò Riina stehen. Riina war von 1982 bis zu seiner Verhaftung 1993 Boss der „Cosa Nostra“, der berühmteste und gefürchtetste Mafiaboss Italiens. Seine Frau, Ninetta Bagarella, steht zur Prozession auf dem Balkon des Hauses, wartend. Von einem „Inchino“, einer Verbeugung der feierlich herumgeführten Heiligenstatue, vor der Frau des Mafiabosses spricht die Tageszeitung „La Repubblica“.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Palermo. Und auch der Bischof von Monreale, Michele Pennisi, hat eine eigene Untersuchungskommission eingerichtet. „Ich bin am Sonntag gegen 22 Uhr informiert worden, dass es – nein, keinen „Inchino“, sondern einen unplanmäßigen Halt der Prozession in der Straße gegeben hat, wo die Frau von Totò Riina wohnt. Um 23 Uhr habe ich mit dem Pfarrer gesprochen und ihn um einen detaillierten Bericht geben, den er mir am nächsten Tag geschickt hat. Er beteuert, der Prozessionsweg sei derselbe wie immer und sei auch ordnungsgemäß mit der Polizei und den Carabinieri abgesprochen worden. Es gab einen Halt, der eigentlich nicht vorgesehen war, aber es gab keinerlei Verbeugung des Heiligenbildes (von Johannes dem Täufer). Das haben mir auch die Carabinieri bestätigt.“

Allerdings waren die Carabinieri aufgebracht über den Stopp vor dem Mafia-Haus. Wer sich diesen Stopp ausgedacht hat, wird im Moment untersucht. Im Verdacht steht ein Mitglied der Bruderschaft, die die Prozession alljährlich organisiert; er ist ein Cousin von Totò Riinas Frau.

Bischof Pennisi will, dass künftig keine Prozession mehr durch die betreffende Straße führt. Ansonsten wartet er die Ergebnisse seiner Untersuchungskommission ab. „Dann werde ich entscheiden. Wenn die Bruderschaft die Verantwortung trägt, dann wird sie entweder unter Aufsicht gestellt, oder die Mitglieder, die sich regelwidrig verhalten haben, werden bestraft. Ich habe schon vor zwei Jahren ein Dekret veröffentlicht, das festlegt: Wer Mitglied in einer Mafia ist, kann nicht gleichzeitig zu einer katholischen Bruderschaft gehören, denn Christus und gleichzeitig der Mafia zu dienen, ist unvereinbar. Mir wäre am liebsten, man würde es im ganzen Bistum machen wie hier in Monreale: Wir sprechen mit den Ordnungskräften nicht nur ab, welchen Weg unsere Kreuzprozession nimmt, sondern auch, wo Pausen eingelegt werden. Auf diese Weise kommt es zu keinerlei Missverständnissen.“

Firmpaten und Mafia-Paten

Bruderschaften – auf Italienisch „Confraternità“ – spielen eine große Rolle im sizilianischen Brauchtum. Umso strenger will die Kirche darüber wachen, dass ihre Mitglieder nichts mit der Mafia zu tun haben. Die Bürgermeisterin von Corleone, Leoluchina Savona, ist aufgebracht über die neuen Negativ-Schlagzeilen: Da werde der alte üble Ruf der Stadt wieder einmal von den Medien instrumentalisiert, und das beschädige alles bisher Erreichte im Einsatz für die „legalità“. Bischof Pennisi: „Sie ist auch deshalb verärgert, weil das Innenministerium gerade über eine mögliche Auflösung des Stadtrates (wegen mafiöser Unterwanderung) nachdenkt. Und sie hat das Gefühl, dass da jemand die Politiker in dieser Richtung beeinflussen will. Was jedenfalls die Kirche betrifft, kann ich nur sagen: Die Bruderschaften müssen Orte der „legalità“ sein, und es ist absolut nicht hinnehmbar, dass eine Prozession vor Personen, die mit der Mafia verbunden sind, einen Halt einlegt!“

In Pfarreien und Schulen sei in den letzten Jahren viel getan worden, um Kinder und Jugendliche gegen die Mafia zu sensibilisieren. „Jedesmal, wenn ich Firmungen spende – nicht nur in Corleone –, sage ich: Wir sollen die Freiheit der Kinder Gottes haben und uns keiner Mafia-Macht unterwerfen. Und ich sage immer: Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem christlichen Paten, der den Firmling auf seinem Glaubensweg begleitet, und dem Mafia-Paten, der seinem Schützling dabei hilft, eine mehr oder weniger kriminelle Karriere zu machen. Diese Unterscheidung muss klar sein!“ (rv)

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