Gestohlener Kolumbus-Brief aus dem Jahr 1493 zurück im Vatikan

VATIKANSTADT – Der historische Abdruck eines Briefs von Christoph Kolumbus ist zu ihrem rechtmäßigen Platz in der Vatikanischen Bibliothek zurückgekehrt.

Der Seefahrer schildert darin seine Erfahrungen auf der Reise an die Küsten Amerikas.

Kolumbus schrieb den Brief an den spanischen König Ferdinand und Königin Isabella im Jahre 1493, nachdem er von seiner Entdeckungsreise zurückgekehrt war. Er schildert darin, was er auf seinen Reisen gesehen und erlebt hatte.

Der “Kolumbus-Brief”, inoffiziell oft als “Brief über die kürzlich entdeckten Inseln” bezeichnet, wurde übersetzt und in lateinischer Fassung handgedruckt, um in ganz Europa verteilt zu werden. Rund 80 authentische Exemplare existieren noch heute.

Eines der ältesten Exemplare des achtseitigen, dicht geschriebenen Briefes wurde dem Vatikan 1921 als Teil der “Sammlung De Rossi” übergeben, die aus seltenen Büchern und Manuskripten bestand, die dem Vatikan auf Wunsch des Bibliophilen Giovanni Francesco Rossi nach seinem Tod 1854 übergeben wurden.

Irgendwann – der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt – wurde der Brief gestohlen.

Erst 2011 entdeckte ein Experte für seltene Bücher und Manuskripte, dass es sich bei dem Exemplar in der Sammlung der Vatikanischen Bibliothek um eine Fälschung handelte, nachdem er die Merkmale des Schriftstücks genauer untersucht hatte.

Der Experte kontaktierte US-Behörden über den möglichen Diebstahl, die wiederum den Vatikan informierte. Der gefälschte Brief wurde von weiteren Experten geprüft, darunter Spezialisten der Princeton University, die alle ebenfalls bestätigten, dass der Brief eine Fälschung war.

Die ursprüngliche Kopie des Briefes des Vatikans wurde schließlich auf David Parsons zurückverfolgt, ein wohlhabender Sammler aus Atlanta, der das Dokument im Jahr 2004 für 875.000 Dollar von einem Antiquar in New York gekauft hatte – allerdings ohne zu wissen, dass dieser Druck aus dem Vatikan gestohlen worden war.

Im Jahr 2013 schickte Parsons seinen gekauften Brief an den Experten, der die Fälschung ursprünglich entdeckt hatte. Nach eingehender Prüfung befand der Experte diesen als echt.

Ein weiteres Kapitel im Krimi um den Kolumbusbrief nahm seinen Anfang im Jahr 2016. Ermittlungen ergaben, dass der New Yorker Buchhändler das geraubte Dokument von dem berüchtigten italienischen Buchdieb Marino Massimo De Caro gekauft hatte. Dieser sitzt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe in Italien ab. Sein Verbrechen: Der Diebstahl von etwa 4.000 alten Büchern und Manuskripten aus ganz Italien.

Bei einer weiteren vergleichenden Analyse im April 2017 wurde nicht nur bestätigt, dass Parsons’ Brief tatsächlich aus der Vatikanischen Bibliothek gestohlen worden war. Die Experten stellten fest, dass der Diebstahl irgendwann vor 2004 stattgefunden haben musste.

Im August dieses Jahres kontaktierten die Ermittler die Witwe von David Parsons, Mary Parsons, und zeigten ihr die Beweise für den Diebstahl und die Fälschung.

Die Witwe stimmte zu, sich von dem Brief zu trennen und auf alle Rechte, Titel und Interessen zu verzichten, damit er in seine ursprüngliche Heimat in der Vatikanischen Bibliothek zurückgebracht werden konnte.

Der Kolumbus-Brief wurde am gestrigen 14. Juni 2018 offiziell ausgetauscht. Der US-Botschafterin am Heiligen Stuhl, Callista Gingrich, überreichte das Schriftstück dem Archivar und Bibliothekar des Vatikans, Erzbischof Jean-Louis Bruguès, O.P. und dem Präfekten der Bibliothek, Bischof Cesare Pasini, in der Vatikanischen Bibliothek.

Bei der Übergabe nannte Gingrich den Brief “ein unbezahlbares Stück Kulturgeschichte” und sagte, sie fühle sich geehrt, den Brief “seinem rechtmäßigen Besitzer” zurückzugeben.

Sie bemerkte, dass Agenten der US-Homeland Security Investigations (HSI) seit 2007 mehr als 11.000 Artefakte und Kunstwerke aus über 30 Ländern als Teil einer laufenden Untersuchung über den illegalen Verkauf gestohlener Bücher und Manuskripte zurückgegeben haben.

Bis heute, so Gingrich, hat HSI sowohl Gemälde als auch Manuskripte nach Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Polen repatriiert und antike Artefakte aus verschiedenen Regionen Europas, Südamerikas, Asiens und dem Nahen Osten geborgen.

Zusätzlich zu dem Brief, der von Parsons gefunden wurde, hat HSI zwei weitere Kolumbus-Briefe als Teil ihrer laufenden Untersuchung über den Verkauf gestohlener Bücher und Manuskripte zurückgegeben. Die beiden weiteren beschlagnahmten Kolumbus-Schreiben wurden an die Riccardiana-Bibliothek in Florenz und die Bibliothek von Katalonien in Barcelona zurückgegeben.

Als eine Geste der Dankbarkeit an Frau Parsons, dass sie sich von dem wertvollen Schreiben aus dem Besitz ihres verstorbenen Mannes getrennt hat, übergab die US-Botschaft Anfang dieser Woche eine persönliche Nachricht von Frau Parsons an den Papst.

Erzbischof Bruguès bedankte sich während der Rückführungszeremonie bei allen, die an der Bergung des Briefes beteiligt waren, der “ein unbezahlbares kulturgeschichtliches Artefakt ist, das heute seinen Weg zurück in seine Heimat gefunden hat”.

Er sagte, die Bibliothek sei “überrascht”, als sie herausfand, dass ihre Kopie eine Fälschung sei, und bemerkte, dass die Technik der Fälschung, die als “Stereotypisierung” bezeichnet wird, während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbreitet war und nicht nur die visuellen, sondern auch die Eigenschaften der Oberflächen des Originals wiedergibt.

“Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Band wieder in die De Rossi-Sammlung aufnehmen können”, sagte er und fügte hinzu, dass der Brief “den Forschern aus der ganzen Welt zur Verfügung stehen wird, um die Sammlungen der Vatikanischen Bibliothek zu studieren”. (CNA Deutsch)

Analyse: Kardinal Parolin beim elitären Bilderberg-Treffen

VATIKANSTADT – Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär des Vatikans, nimmt vom heutigen 7. bis 10. Juni an der Bilderberg-Konferenz teil.

Das jährlich abgehaltene, private Treffen führender Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien, findet dieses Jahr im italienischen Turin statt.

Der Name von des Kardinalstaatssekretärs ist auf der veröffentlichen Liste der 131 Teilnehmer des diesjährigen Bilderberg-Treffens aufgeführt.

Seine Teilnahme an dem Treffen wurde vom Vatikan nicht offiziell angekündigt, obwohl Quellen im Staatssekretariat bestätigt haben, dass er an dem Treffen teilnehmen wird.

Wenn seine Teilnahme bestätigt würde, wäre es das erste Mal, dass ein hochrangiger Vatikanbeamter an den Bilderberg-Konferenzen teilnimmt.

Gegründet 1954 im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek, Niederlande, und benannt nach demselben Hotel, versammelt die Bilderberg-Konferenz jedes Jahr etwa 120 bis 150 Teilnehmer, darunter europäische und nordamerikanische politische Eliten, sowie Persönlichkeiten aus Industrie, Finanzen, Wissenschaft und Medien.

Das erste Treffen fand auf Einladung von Fürst Bernhard von Lippe-Biesterfeld statt. Mitbegründer des Treffens waren der polnische Politiker Jozef Retinger, der ehemalige belgische Premierminister Paul van Zeeland und Paul Rijkens, der damals Chef von Unilever war.

Der Erfolg des ersten Treffens brachte die Organisatoren dazu, ein jährliches Treffen zu veranstalten.

Laut der offiziellen Website der Gruppe kommen etwa zwei Drittel der Teilnehmer aus Europa, der Rest aus Nordamerika und ein Drittel sind Politiker oder Regierungsbeamte.

Das ursprüngliche Ziel des Treffens war es, die Beziehungen zwischen den USA und Europa zu stärken. Im Laufe der Jahre wurden die jährlichen Treffen zu einem Forum für Diskussionen über ein breiteres Themenspektrum, von der Ökologie bis zur Handels- und Finanzpolitik.

Das diesjährige Treffen soll offenbar den Populismus in Europa, die Herausforderungen der sozialen Ungleichheit, die Zukunft der Arbeit, künstliche Intelligenz, Wahlen in den USA, den freien Handel, die globale Führung der USA, Russland, Quantencomputer, Saudi-Arabien und den Iran, die angebliche “Post-Truth World” – eine “Welt nach der Wahrheit” – und andere aktuelle Themen und Ereignisse errörtern.

Die offizielle Website des Bilderberg-Treffens betont, dass Diskussionen privat sind, keine Protokolle geführt werden und keine Berichte verfasst werden.

Die Treffen finden nach den sogenannten “Chatham House Rules” statt, einer Vereinbarung, die typisch für Off-Record-Meetings zwischen Akademikern oder Politikern ist. Gemäß dieser Vereinbarung steht es den Teilnehmern frei, die erhaltenen Informationen zu verwenden, aber sie dürfen weder die Identität noch die Zugehörigkeit der Redner offenlegen, noch dürfen sie die anderen Teilnehmer, die an dem Gespräch teilnehmen, offen legen.

Von Kritikern als eine Art “globale Schattenregierung” bezeichnet und immer wieder Ziel von Demonstrationen am jeweiligen Veranstaltungsort, hat das Bilderberger Treffen seit 2011 eine offizielle Website und veröffentlicht die Namen der Teilnehmer des jährlichen Treffens am Tag vor Beginn des Treffens.

Die Teilnahme von Kardinal Parolin mag ein Ausdruck der von Papst Franziskus angeregten “Kultur der Begegnung” sein. Der Papst hat oft Beamte gebeten, einen “Dialog mit der Welt” zu führen.

Bei der Verleihung des Aachener Karlspreises am 6. Mai 2016 betonte Papst Franziskus, dass “wir heute dringend alle Mitglieder der Gesellschaft in den Aufbau einer Kultur einbinden müssen, die den Dialog als eine Form der Begegnung privilegiert” und “ein Mittel zur Konsensbildung und Einigung schafft und gleichzeitig das Ziel einer gerechten, reaktionsschnellen und integrativen Gesellschaft anstrebt”.

Die Teilnahme des Kardinals an der Bilderberg-Gruppe könnte Teil einer Dialogstrategie sein, die der Heilige Stuhl mit einer kleinen einflussreichen Elitegruppe führt: Es ist bemerkenswert, dass Kardinal Pietro Parolin im vergangenen Jahr am Weltwirtschaftsforum in Davos teilnahm und dort am 19. Januar eine Rede hielt, in der er die Ziele der päpstlichen Diplomatie aufführte. (CNA Deutsch)

Erzbischof Chaput würdigt Papst-Film von Wim Wenders

PHILADELPHIA – Am 14. Juni kommt der Film “Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes” in deutsche Kinos, für den Wim Wenders Regie geführt hat. In den USA ist er bereits ab dem 18. Mai zu sehen – und Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia hat ihn nicht nur jetzt schon gesehen, sondern auch besprochen.

Der Film leiste ein überzeugendes Portrait des Papstes, so Chaput, und Regisseur Wenders gelinge “ein kontinuierliches, intimes Einzelgespräch mit dem Papst während des gesamten Films. Es ist eine sehr effektive Technik; Man hat das Gefühl, dass Franziskus direkt auf den einzelnen Betrachter schaut und direkt mit ihm spricht “, schreibt der Erzbischof in einer am 14. Mai erschienen Kolumne.

Die anderthalb Stunden lange Dokumentation ist eine “wunderschöne Hommage” (Chaput) an die öffentliche Person. Der Zuschauer begleitet Franziskus auf Reisen, erlebt seine Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und Reden. Schwerpunkt sind dabei die Aspekte, die nicht nur den Filmemacher Wenders persönlich bewegen, sondern auch die mediale Öffentlichkeit. Dabei kommen auch einige Aspekte zu kurz, so Erzbischof Chaput.

Die Arbeit des Regisseurs sei “von einer christlich inspirierten Spiritualität geprägt”, so Erzbischof Chaput: “Er konzentriert sich überzeugend auf die Sorge des Papstes um die Umwelt, die Armen und Immigranten. Er fängt auch das starke Engagement des Papstes für die Ehe, die Familie und die Komplementarität von Männern und Frauen ein.”

Zu den beeindruckendsten Szenen, schreibt Erzbischof Chaput, gehören die Besuche des Papstes bei “Einwanderern, Armen, Kranken, der Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel und der Westmauer in Jerusalem”.

Was kommt dabei zu kurz? Der Erzbischof kritisierte mehrere Punkte am Film. Einmal sei er einfach ein wenig lang geraten. Und schaffe es doch nicht, die katholische Lehre von der menschlichen Person vollständig darzustellen.

“Wenders verpasst (oder vermeidet) es, die ganzheitliche katholische Vision der menschlichen Würde, die Franziskus vertritt, abzubilden, das heißt, den eigentlichen Grund dafür, warum katholische Anliegen für das ungeborene Kind, die Behinderten, die Alten, die Umwelt und Migranten untrennbar miteinander verbunden sind in einem Netzwerk von Prioritäten.”

Ein verkürzter Franz

Genauso wenig gerecht wird der Film der Darstellung des heiligen Franz von Assisi, so Erzbischof Chaput weiter.

Darüber leiste der Film eine unvollständige Darstellung des heiligen Franz von Assisi, nach dessen Vorbild Kardinal Jorge Bergoglio sich den Namen “Franziskus” als Papst aussuchte.

Das Porträt von Franziskus von Assisi, obschon nützlich für die Erzählung, sei selektiv und oberflächlich, kritisiert Chaput. Es werde nicht dem wahren Heiligen gerecht, “der eine komplexe, formidable Gestalt war, der sich für die Schöpfung als Widerspiegelung der Herrlichkeit Gottes interessierte, nicht als begrenzte natürliche Ressource”, mahnt der Oberhirte.

Trotz dieser Mängel ist der Erzbischof angetan von einem Film, dessen “Schönheit und Substanz” durch die Fehler nicht beeinträchtigt würden.

Er ermutige daher Katholiken, “Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes” im Kino zu sehen. Dem Filmemacher und Produzenten gebühre ebenso Dank wie dem Papst, für diese Möglichkeit, dem Nachfolger Petri zu begegnen.

“Möge er Tausende von Herzen berühren”, so Chaput.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original. (CNA Deutsch)

Wer kennt die Wahrheit über die Inquisition?

Wahrheit und Legenden: Vor 20 Jahren öffnete die Glaubenskongregation ihre Archive. Was die Wissenschaftler fanden: Das passt nicht zu den landläufigen Legenden, oder doch?

VATIKANSTADT – Als im Jahre 1998 erstmals die Archive der Kongregation für die Glaubenslehre, oder besser gesagt des Heiligen Offiziums, für die Wissenschaftler geöffnet wurden, sagte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, man könne nicht vorhersehen, welche Entwicklungen dies für die Welt der Wissenschaft bedeuten würde.

Zwanzig Jahre später kann man eine Bilanz ziehen und die Arbeiten einiger Forscher präsentieren. Das ist der Zweck einer internationalen Konferenz, die gestern begann: “Die römische Inquisition und ihre Archive”.

Im Jahr 1998 begann mit einem feierlichen Tag an der Accademia Nazionale die Lincei, dem der damalige Präfekten der Kongregation, Kardinal Joseph Ratzinger vorstand, ein Weg, der seit nunmehr zwei Jahrzehnten beschritten wird. Bis zum morgigen 17. Mai gehen die Arbeiten der Wissenschaftler in der Bibliothek des Senats auf der Piazza della Minerva, innerhalb der sogenannten Insula Domenicana von Santa Maria sopra Minerva weiter, die so sehr mit den historischen Ereignissen um die Kongregation des Heiligen Offiziums und dem Index der verbotenen Bücher verbunden ist.

Die Konferenz stellt den vierten Termin des Zyklus Memoria Fidei dar, der 2013 als ständiges Forum der Zusammenarbeit und Weiterbildung zwischen den kirchlichen Archiven gegründet worden war. Zum Forum gehören 40 Wissenschaftler aus Italien, verschiedenen europäischen Ländern, den Vereinigten Staaten und Kanada. Die Einleitungsrede zur Konferenz hielt Kurienerzbischof Francisco Luis Ladaria Ferrer SJ, Präfekt der Kongregation.

Neben Vorträgen zu einzelnen Aspekte des Wirkens der Inquisition gibt es auch Betrachtungen über Kunst und sogar Kino. Pierfranco Bruni beispielsweise spricht über die kinematografische Sprache beim Erzählen von Ereignissen, die mit der Inquisition in Zusammenhang stehen. “Der Name der Rose” von 1986 ist einer jener Texte, die als Beispiel angeführt werden könnten – nicht nur für den Bruch von Mustern zwischen den Bildern und dem im Buch wiedergegeben Erzählfaden, sondern vor allem auch als gänzlich ideologische Interpretation des Themas der Inquisition, mit einem verzerrten Schlüssel der Lektüre hinsichtlich historischer Bezüge, die absichtlich verdreht werden.

Die Filmografie, die sich der Inquisition widmet, hat leider mehr die spektakulären als die geschichtstreuen Aspekte berücksichtigt. Das betrifft verschiedenen Facetten der Inquisition, wie es bei den Filmen Dangerous Beauty aus dem Jahr 1998 oder L’Oeuvre a noir von 1988 der Fall ist. Ab 1943 und dem Film “Dies Irae” werden Dinge verflochten und die Inquisition wird mit Elementen verwoben, die nicht italienisch, sondern spanisch sind. Dieser Aspekt wäre zu klären, bis hin zu einem der jüngsten Filme – Sangue del mio sangue – aus dem Jahr 2015.

Anna Foa spricht über die Vorstellung von der Inquisition in den Medien der letzten 20 Jahre. 1988 waren die Medien der Meinung, dass “die Öffnung der Archive zu einer geschichtlichen und ‘politischen’ Revision führen würde, also dass sich die Kirche, indem sie die Archive zugänglich machte, auch für ein Mea culpa bezüglich der Inquisitionsgerichte vorbereiten würde. Als Georges Cottier 2004 den Band mit den Niederschriften des Symposiums von 1998 vorstellte, wurde klar, dass die Absicht eine andere gewesen war: Die Forschungen der Wissenschaftler voranzubringen, ihnen bislang unzugängliche Quellen zur Verfügung zu stellen und einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen schwarzer und rosa Legende aufzutun.”

Die jüdische Forscherin erklärt, dass “von diesem Moment an, in den letzten 10-15 Jahren, die Kluft zwischen Wissenschaft und Medien immer größer geworden ist. Während die Wissenschaft von der neu verfügbaren Dokumentation ausging, um zu wenigstens teilweise gemeinsamen Schlussfolgerungen und Standpunkten zu gelangen, verankerten sich die Medien in mythologischen Visionen, in denen sich zur Darbietung alter Schemata der schwarzen Legende hagiographische Überspanntheit gesellte, die noch weniger glaubwürdig war als erstere.”

Leider stellt “diese Kluft zwischen Forschung und Medien, wie uns allen bekannt ist, eine Situation dar, die für jeden Inhalt der Geschichte gilt; sie ist jedoch noch heikler bei einem Thema wie diesem, das mit Leidenschaften und Vorurteile behaftet ist und jeder Argumentation trotzt. Aus diesem Grund bleibt die Verbreitung von Informationen zu dieser Thematik auch heute sehr schwierig.”

Die drei Konferenztage sind somit auch für die Medien von großer Bedeutung, die dadurch Gelegenheit erhalten, die Arbeit der Wissenschaftler kennenzulernen und sich von Vorurteilen und Unwissenheit zu befreien.

Übersetzt von Susanne Finner aus dem italienischen Original, das bei der CNA Deutsch-Schwesteragentur ACI Stampa veröffentlicht wurde. (CNA Deutsch)

Frankreich: Soldatenwallfahrt nach Lourdes beginnt

Soldaten und Soldatinnen aus rund 50 Nationen, darunter Deutschland, pilgern in diesem Jahr nach Lourdes zur Internationalen Soldatenwallfahrt, die an diesem Donnerstag beginnt.

Das Motto lautet „Pacem in terris – Friede auf Erden“ und verweist auf die gleichnamige Friedensenzyklika des heiligen Papstes Johannes XXIII. von 1963. Bis Dienstag erwartet die Teilnehmenden ein überwiegend spirituelles Programm an dem traditionsreichen Marienwallfahrtsort. In diesem Jahr feiert die Kirche den 160. Jahrestag der Marienerscheinungen an der Grotte von Lourdes.

Auf Einladung des französischen Militärbischofs Antoine de Romanet de Beaune reisen 880 Pilgerinnen und Pilger aus Deutschland in zwei Sonderzügen zu dem Marienwallfahrtsort in Südwestfrankreich. Insgesamt werden rund 12.000 Soldaten und Soldatinnen erwartet, auch aus Litauen, Norwegen, Großbritannien und den USA.

Ein Soldat empfängt in Lourdes die Taufe

Der deutsche Militärbischof Franz-Josef Overbeck wird in Lourdes einem Soldaten das Sakrament der Taufe spenden und drei Soldaten das Sakrament der Firmung.

Die alljährliche internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes findet bereits seit 1958 statt. Ihr Anliegen ist es, Lourdes zum Ort der Begegnung und der Versöhnung jener Nationen zu machen, die einander im Zweiten Weltkrieg bekämpften. (Vatican News – gs)

ZdK widerspricht Voderholzer-Kritik am Katholikentag

MÜNSTER – Die Veranstalter des Deutschen Katholikentags haben die Kritik des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zurückgewiesen. Wie Stefan Vesper, der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Freitag erklärte, werde auch weiterhin “selbstverständlich” über theologische und kirchenpolitische Fragen diskutiert.

Vesper erhob den Anspruch, im Sinne von Papst Franziskus zu handeln, denn alles, was die Laien angehe, werde auch von ihnen diskutiert und besprochen: “Der Katholikentag wird all diese Fragen thematisieren, manches kritisieren und würdigen und Vorschläge dazu machen.”

In seiner Predigt am Mittwochabend zum Vorabend des Hochfestes Christi Himmelfahrt hatte Voderholzer davor gewarnt, den Katholikentag als Bühne für kirchenpolitische Agitation zu missbrauchen (CNA Deutsch hat berichtet).

Die politische Ausrichtung des Treffens sollte demnach nicht einseitig sein, sondern auch andere wichtige Themen berücksichtigen, “etwa beim Lebensschutz, in der Familienpolitik, beim Verständnis von Ehe als Verbindung von Mann und Frau, beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vieles mehr.” Außerdem warnte er davor, “jetzt aus aktuellem Anlass Druck aufzubauen in der Debatte um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen”.

Kritische Debatten über die Ausrichtung des vom ZdK ausgerichteten Katholikentages gibt es auch in den Medien. Vor allem die geplante Diskussion mit dem religionspolitischen AfD-Abgeordneten zum Abschluss der Veranstaltung erhitzte Gemüter. Man dürfe Populisten keine Bühne geben, sagen die einen. Man müsse den wenigstens Menschen zuhören, da sie auch in den Gemeinden vertreten seien, meinen die Veranstalter.

Oliver Maksan, Chefredakteur der katholischen Zeitung “Die Tagespost”, beurteilte die Wirkung des Katholikentags in der öffentlichen Wahrnehmung als “inszenierte Relevanz“. Die zu erwartenden Bilder vom “beeindruckenden Aufmarsch der Politprominenz” können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Christentum in Deutschland auf dem Rückmarsch sei.

Zudem könne das ZdK, das den Anspruch vermittelt, alle deutschen Katholiken zu vertreten, die politische Diskussion nur verstärken, jedoch nicht prägen. Auch bei theologischen Streitthemen verhalte sich der “beeindruckende Apparat” problematisch: “Die Kommuniondebatte für Protestanten macht glauben, Sakramente würden zum Aktionspreis angeboten”, so Maksan.

“Von Münster werden derweil wieder Bilder einer mit sich selbst beschäftigten Kirche ausgehen”, resümierte der “Tagespost”-Chefredakteur. Der Verbandskatholizismus habe keine Zukunft, da aus Selbstbespiegelung kein Aufbruch erwachsen werde:

“Das Modell der Kirche, das sich dieser Tage in Münster mit Millionenmitteln feiert, hat keine Zukunft. Die Erneuerung des Katholischen wird von anderswoher kommen müssen. Und zwar unabhängig von Strukturreformen. Denn die Kirche hat von ihrem Herrn bereits alles, was sie auch in einer säkularen Umgebung braucht: die Wahrheit über Gott und den Menschen, die Sakramente, den Heiligen Geist.”

Unterdessen zeigten sich die Veranstalter des Katholikentags sehr zufrieden mit der Resonanz auf die Veranstaltungen. Auch die politischen Podien seien stark nachgefragt und die Hallen häufig überfüllt, sagte Katholikentagsgeschäftsführer Roland Vilsmaier. Das Interesse an inhaltlichen Fragen sei riesig. (CNA Deutsch)

USA: Gute Nachrichten für Genealogen

Quelle: NCR (Screenshot am 30. April)

Wer den Stammbaum der eigenen Familie erforschen will, kommt ohne Einsichtnahme der Kirchenbücher nicht zum Ziel.

Vaticanhistory – Martin Marker.

Aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommt für Genealogen eine gute Nachricht. Das Erzbistum New York digitalisiert 8 Millionen kirchliche Aufzeichnungen. Hierzu berichtete „National Catholic Register“ (NCR) wichtige Details am Sonntag.

„Die Diözesanakten befinden sich derzeit auf Mikrofilm, in Datenbanken und auf Papierkopien in den Pfarreien und den Hauptarchiven. Alles in allem enthalten die veröffentlichten Indices 8 Millionen sakramentale Aufzeichnungen, die von 1785 bis 1918 reichen. Neue Aufzeichnungen werden jedes Jahr verfügbar sein, während eine Lücke von 100 Jahren aufrechterhalten wird, um die Privatsphäre von Menschen, die noch leben, zu respektieren.“

Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York, bemerkt in einer Erklärung:

“Es ist für uns äußerst wichtig, dass wir diese Offenheit mit einem Respekt für die Privatsphäre derer, deren Leben sich in diesen Aufzeichnungen widerspiegelt, ausbalancieren. Aus diesem Grund haben wir für alle von uns veröffentlichten Datensätze eine 100-jährige Datenschutzregel eingeführt.“

Der Index ist jetzt auf „Find My Past“ aktiv und kann nach Namen, Daten, Sakramenten und Pfarreien durchsucht werden. „Find My Past“ ist das größte genealogische Archiv für England und Irland. Es enthält 8,5 Milliarden Familiengeschichtsaufzeichnungen, darunter die größte Sammlung britischer Kirchenbücher, Wählerverzeichnisse, 24 Millionen Seiten britischer und irischer Zeitungen und viele katholische Kirchenbücher aus U.K. und den US.

Viele Ahnenforscher werden sicherlich die sogenannten „Mormonenfilme“ kennen. Forscher, deren Ahnen nicht in Deutschland sondern im Ausland gelebt haben, schätzen diese Filme der Mormonen „Kirche der Heiligen der Letzten Tage“ (wie Ancestry.com) besonders. Wie NCR berichtet wird jedoch mit der “Kirche der Heiligen der Letzten Tage“ keine Zusammenarbeit angestrebt. Im Jahr 2017 arbeitete „Find My Past“ mit der Erzdiözese von Philadelphia zusammen, um seine Aufzeichnungen online zu bringen. Cait Kokolus, Direktorin des Philadelphia Archdiocesan Historical Records Center, fand, dass die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen einfach sei, und empfahl es anderen Diözesen. Das Genealogieunternehmen digitalisierte den Mikrofilm und übernahm die Kosten für den Versand und das Fotografieren von Aufzeichnungen, die während des ursprünglichen Mikrofilmverfahrens ausgelassen worden waren.

NCR berichtet ferner:

“Eine vertragliche Vereinbarung, die wir getroffen haben”, sagte sie, “war, dass die Information nicht mit irgendeiner mormonischen Organisation geteilt werden. Dies stand im Einklang mit einer Entscheidung des USCCB vor einigen Jahren, als sich viele Diözesen der Mormonen näherten, um freie Taufaufzeichnungen zu digitalisieren.

Alle Register der Pfarreien werden ins Archiv gebracht und in Farbe fotografiert. Vierzig Jahre sind vergangen, seit sie zum letzten Mal auf Mikrofilme aufgenommen wurden, und die Technologie ermöglicht jetzt eine viel höhere Bildqualität. Die Archivare werden neben den Bildern auch die in den Aufzeichnungen gefundenen Anmerkungen überprüfen. Zusätzlich werden Konservierungsarbeiten an älteren Registern durchführen. Gerade diese Konservierungsarbeiten sind besonders wichtig. Oftmals sind Kirchenbücher durch ihre lange Lagerung beschädigt und im Original bzw. auf Mikrofilmen kaum noch zu identifizieren. Die letzte Phase wird die Digitalisierung des gesamten Bestandes der Erzdiözese New York sein. (vh – mm)

Der Fall Pacelli: Ein Gespräch mit Autor Ingo Langner

Der in Deutschland nicht unbekannte Journalist Ingo Langner lebt seit einigen Jahren im Ruhestand. Zumindest arbeitet er nicht mehr für die deutschen Rundfunkanstalten, für die er viele Jahrzehnte Fernsehfilme und Dokumentationen produziert hat. Darunter etwa “Der Petersdom. Das Wunder von Rom”, “Manoppello. Das wahre Gesicht Christi?” und “Benedikt XVI.”

Langner war einer der frühen Kritiker von Rolf Hochhuths “Der Stellvertreter”. In diesem Theaterstück behauptet Hochhuth, Papst Pius XII. sei verantwortlich für die Ermordung unzähliger Juden durch die Nazis gewesen. Obgleich heute die wahren Fakten auf dem Tisch liegen, wird immer wieder und gebetsmühlenartig die Unwahrheit behauptet. Verantwortlich sind die Medien und jene, die diese geschickt nutzen, um “ihre Wahrheit” in die Köpfe der Menschen zu transportieren. Die Menschen nehmen dasjenige “für wahr” an, das ihnen immer wieder als wahr eingetrichtert wird, solange, bis eine Mehrheit davon überzeugt ist. Dies nennen wir heute den Mainstream.

Ingo Langner hat mit dem literarischen Mittel des Kriminalromans versucht, den “Fall Pacelli” von einer anderen Seite her anzugehen. Unter dem Pseudonym Julius Wintermanthel erschien 2012 sein Roman “Die schwarze Legende”. Inzwischen hat der Bernardus-Verlag Langners Auseinandersetzung mit Hochhuths ‚Stellvertreter‘ mit dem Titel “Der Fall Pacelli” herausgegeben. Das 228 Seite starke Taschenbuch sei nicht nur dem Krimifans zum Lesen empfohlen.

Im Gespräch beantwortete Ingo Langner einige Fragen zu seinem Buch.

Herr Langner, Sie haben sich in Ihrem Leben als Journalist seit Jahrzehnten mehrfach mit Papst Pius XII. beschäftigt. Stets sind Sie Rolf Hochhuths “Stellvertreter” entgegengetreten, wo dieser behauptet, Eugenio Pacelli sei als Papst für die Ermordung von Juden verantwortlich zu machen. Können Sie kurz skizzieren, warum und wie Sie sich des Themas angenommen haben?

Wer sich ohne ideologische Scheuklappen und jenseits von Verschwörungstheorien mit dem “Fall Pacelli” beschäftigt, wird schnell merken, daß Hochhuth eine schwarze Legende in die Welt gesetzt hat. Inspiriert worden ist er vermutlich direkt oder indirekt von einem leicht zu durchschauenden politischen Manöver aus dem sowjetischen Politbüro in Moskau. Nicht von ungefähr ist sein Drama ja auch von dem Regisseur Erwin Piscator, einem lebenslang bekennenden Kommunisten, uraufgeführt worden. Ich habe mich mehrfach mit der Causa beschäftigt. Sehr ausführlich, als ich für Papst Benedikt XVI. und Kardinal Walter Brandmüller 2009 die Berliner Station der Pius XII.-Ausstellung im Schloss Charlottenburg produzieren durfte. Gerne hätte ich darüber auch eine große TV-Dokumentation gemacht. Doch für die historische Wahrheit habe ich keine deutsche Fernsehanstalt gewinnen können. Auch darum ist das Thema zu dem Kriminalroman “Der Fall Pacelli” geworden.

Welche Quellen konnten Sie finden, zu welchen Dokumenten hatten sie Zugriff?

Meine Hauptquellen sind die einschlägigen Dokumente des Vatikans, Bücher zum Thema von Thomas Brechenmacher, der sich als Historiker intensiv mit diversen Aspekten der Causa befasst hat, das Piscator-Archiv in Berlin und verdeckte Recherchen Hochhuth-Archiv, das mir selbst naturgemäß nicht offen stand.

Warum kommen Sie jetzt mit einem Kriminalroman mit dem reißerischen Titel “Der Fall Pacelli” an die Öffentlichkeit? Wäre nicht ein “seriöses” Buch sinnvoller für die gute Sache?

Ist der Titel reißerisch? Seriöse Sachbücher zu dem Thema gibt es vermutlich ein Dutzend. Keines davon hat den journalistischen “Mainstream” dazu gebracht, Hochhuths schwarze Legende auf den Müll zu werfen. Im Gegenteil: obwohl 80 Prozent der Presse über unsere Berliner Ausstellung geschrieben haben, dass Papst Pius XII. zum Völkermord an den europäischen Juden nicht geschwiegen habe, stand beim nächsten runden Hochhuth-Geburtstag wieder derselbe alte Unsinn in den Zeitungen. Nun habe ich es mit einem Krimi versucht. Vielleicht hilft er der Wahrheit auf die Sprünge.

Befürchten Sie nicht, dass mit Ihrem Roman noch mehr Zweifel an der Integrität Pius XII. entstehen könnte? Wie soll der unbedarfte Leser Wahrheit von Fiktion unterscheiden können?

Ich fürchte mich nur davor, nicht in den Himmel zu kommen. Und um es klar zu sagen: mein Kriminalroman ist keine lexikalischer Eintrag.

Kann es sein, dass Sie in Ihrem Kriminalroman autobiografische Szenen eingebaut haben? Wenn ja, warum das?

Alle Personen in meinen Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit der wirklichen Wirklichkeit müssen die Leser sich selbst erschließen.

Erwarten Sie noch in diesen Zeiten der häufigeren Selig- und Heiligsprechungen von Päpsten – oder irgendwann – auch jene des Pacelli-Papstes?

Die Akte Pacelli lag fertig schon Papst Benedikt XVI. auf dem Tisch. Alles, was zur Seligsprechung von Eugenio Pacelli/Pius XII. noch fehlt, ist die Unterschrift des Papstes. Das wäre nach dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. jetzt also Papst Franziskus. Am 5. November 2005 stand auf kath.net “Das Gebet für die Seligsprechung Papst Pius XII.” Darin heißt es zu Schluß: “Deshalb beten wir zu Dir, wenn es für deine größere Glorie und für das Wohl unserer Seelen ist, Deinen Diener, Papst Pius XII, zu verherrlichen.” Ich habe mir den Gebetstext damals ausgeruckt und bete ihn seitdem jeden Abend. Mehr kann ich in der Sache nicht tun.

Ingo Langner, Der Fall Pacelli, ist 2018 erschienen im Bernardus-Verlag und hat 228 Seiten. (CNA Deutsch)

Persönliches und Kostbares aus dem Nachlass von Kardinal Meisner kommt unter den Hammer

KÖLN – Wertvolle Kunst, aber auch ganz persönliche Erinnerungsstücke mit einem besonderen Bezug zu Kardinal Joachim Meisner kommen im Mai und September unter den Hammer: Sie werden zu einem guten Zweck versteigert.

Darunter auch ein Stück aus der Toskana, das besonderes Aufsehen erregt hat.

Die wertvollsten Kunstwerke, die am 16. Mai unter den Hammer kommen, stammen aus dem Nachlass der Bildhauerin Hildegard Domizlaff, der Kardinal Meisner aufgrund persönlicher Verbundenheit mit der Künstlerin zugefallen war.

Nachdem Meisner schon zu Lebzeiten die mit diesem Nachlass verbundenen Auflagen, damit Gutes zu tun, erfüllt hatte, wollte er, dass auch die übrigen Stücke nach seinem Tode einem guten Zweck zugeführt werden.

Der Erlös der Auktion geht zu 100 Prozent an die Kardinal-Meisner-Stiftung, so wie der gesamte Nachlass Meisners. Die Kardinal-Meisner-Stiftung hat als Zweck die Förderung der Seelsorge im Erzbistum Köln und in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

Dabei erweckt insbesondere ein Werk das Interesse der Fachwelt. Ein kleiner gotischer Altar aus der Toskana konnte im Rahmen einer aufwendigen Recherche durch die Experten von Lempertz neu zugeschrieben und eingeordnet werden. Kardinal Meisner wäre wohl selbst mehr als überrascht über den nun angesetzten Schätzpreis gewesen.

Weitere Kunstwerke des Nachlasses sind ihm – so die Pressestelle des Erzbistums Köln in einer Mitteilung – im Lauf eines langen Lebens von Freunden und Wohltätern geschenkt worden, etwa als Anerkennung für seinen hohen persönlichen Einsatz für die Kirche in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Vieles hat er als Kunstliebhaber und -kenner auch selbst erworben, insbesondere zu Zeiten, als heute hoch gehandelte Kunst noch günstig zu erwerben war, so etwa Malerei des 19. Jahrhunderts.

Ein langjähriger Bekannter Meisners sagte, der Kardinal habe mit dem Auge Kunst gesammelt und nicht mit dem Ohr. Will sagen: Für ihn war das Dargestellte wichtig und wie es ihn ansprach, nicht der Sammlerwert oder die erwartete Wertentwicklung. Er besaß kunsthistorischen Sachverstand und konnte es doch gut haben, dass neben einer wertvollen Ikone ein Bild hing, dass mancher eher als “Kunsthandwerk” qualifizieren würde.

Zum Nachlass von Kardinal Meisner gehören Gemälde, Ikonen, Skulpturen, Möbel und Porzellan. Darunter finden sich viele sakrale Stücke und auch Bilder mit Bezug zu seiner Heimat und seinen Lebensstationen.

Der überwiegende Teil des Nachlasses wird im Rahmen einer Ende September bei Lempertz stattfindenden Benefiz-Auktion versteigert werden. Dort wird es für eine breitere Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, sich ein Erinnerungsstück an den Kardinal zu ersteigern. Der Erlös dieser Auktion geht ebenfalls zur Gänze an die Kardinal-Meisner-Stiftung.

Details zur Stiftung:

www.erzbistum-koeln.de/institutionen/
stiftungszentrum/stiftungen_und_fonds/kardinal-meisner-stiftung/

Die Vorbesichtigung findet vom 9. bis einschließlich 15. Mai bei “Lempertz” statt; der Katalog ist online abrufbar unter www.lempertz.com. (CNA Deutsch)

 

Der Drache und der Papst

Offen gesagt: Dass der 23. April das Fest des heiligen Georg ist, hat bis vor ein paar Jahren noch niemanden im Vatikan groß interessiert. Doch inzwischen ist das anders.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Denn der Heilige aus Kappadozien, der gegen einen Drachen gekämpft und im vierten Jahrhundert als Märtyrer gestorben sein soll, hat in einer vatikaninternen Rangliste dem hl. Joseph den Rang abgelaufen. Nicht mehr der Josephstag ist Feiertag im Papststaat, sondern der Georgstag.

Das liegt daran, dass der weltliche Namenstag eines amtierenden Papstes im Vatikan ein arbeitsfreier Tag ist – und auf Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) ist vor fünf Jahren Jorge, also Georg, Bergoglio (Franziskus) gefolgt. Das heißt: An diesem Montag haben die meisten Vatikanbüros, aber auch die Post, der Supermarkt oder die Mensa des Vatikans geschlossen.

Nicht nur der Namenstag eines amtierenden Papstes ist Vatikan-Feiertag, sondern auch sein Geburtstag und der Tag seiner Wahl auf den Stuhl Petri.

Unser Video zeigt einige Darstellungen des hl. Georg. Sie entstammen verschiedenen Epochen und werden alle in der Pinakothek gezeigt, die zum Komplex der Vatikanischen Museen gehört. (vatican news)