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Kirchengeschichte bei VH

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Papst: „Klerikalismus entfernt die Menschen von der Kirche“

Samstag 16. September 2017 von VH

Ja zur Barmherzigkeit, Nein zum Klerikalismus: Das hat Papst Franziskus der Kirche einmal mehr ins Stammbuch geschrieben. Im Vatikan empfing er an diesem Samstag das Generalkapitel der Herz-Jesu-Missionare; dabei sagte er:

„Bitte, gebt nicht dem Übel des Klerikalismus nach! Es entfernt das Volk Gottes und speziell die jungen Leute von der Kirche… Lebt unter euch eine wahre Brüderlichkeit, die die Verschiedenheiten in sich aufnimmt und den Reichtum jedes Einzelnen zu würdigen weiß. Habt keine Angst davor, die Gemeinschaft mit den Laien, die bei eurem Apostolat mitwirken, zu verstärken: Macht sie zu Teilhabern eurer Ideale und Projekte, teilt mit ihnen den Reichtum der Spiritualität eures Instituts! Wenn ihr mit ihnen und mit den Schwestern aus den weiblichen Zweigen eures Instituts zusammenarbeitet, wird daraus eine größere, charismatische Familie, und dann wird die Lebendigkeit und Aktualität eures Gründungs-Charismas deutlicher.“

Denn dieses Gründungs-Charisma, die Herz-Jesu-Frömmigkeit, ist aus der Sicht des Papstes nichts Ranziges, Abgestandenes; man müsse es allerdings mit „mutigen Entscheidungen und kreativen Ausdrücken“ ins Heute übersetzen. Missionare der göttlichen Barmherzigkeit sollten die Herz-Jesu-Missionare, die man in Deutschland auch als Hiltruper Missionare kennt, sein.

„Das ist das erste Evangelium, das die Kirche euch anvertraut: in eurem Leben und durch eure Werke die leidenschaftliche und zärtliche Liebe zu zeigen, die Gott zu den Kleinen, den Letzten, den Schutzlosen, den an den Rand Gedrängten der Erde hat!“ (rv)

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Euthanasie: Belgiens Ex-Ministerpräsident fordert Papst Franziskus heraus

Montag 14. August 2017 von VH

BRÜSSEL – Herman van Rompuy, ehemaliger Präsident des Europa-Rates und Ex-Ministerpräsident Belgiens, hat auf Twitter mitgeteilt, dass aus seiner Sicht der Papst einem katholischen Orden in Belgien nicht verbieten kann, in seinen 15 psychiatrischen Kliniken Euthanasie zu verüben.

Van Rompuy, der selber Katholik ist, sitzt im Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft der Broeders van Liefde.

„Die Zeiten von ‚Roma locuta, causa finita‘ sind lang vorbei“, schrieb der belgische Politiker auf niederländisch in Antwort auf den Kirchenrechtsexperten Professor Kurt Martens auf Twitter, wo dieser die Mitglieder des Aufsichtsrats publizierte.

Der lateinische Satz, den van Rompuy zitierte, besagt – an eine Aussage des heiligen Augustinus erinnernd –, dass in der Kirche Rom das letzte Wort hat.

Die Reaktion überraschte viele Beobachter – nicht zuletzt Martens: Der Professor für Kirchenrecht an der Catholic University of America ist selber Belgier.

Herman van Rompuy sei bis jetzt eigentlich ein Beispiel dafür gewesen, „wie man ein echter katholischer Politiker in der heutigen, säkularisierten Gesellschaft sein kann“, so Professor Martens gegenüber CNA Deutsch in einem Email-Interview.

Nun erwecke der ehemalige Präsident des Europarates geradezu den Anschein, als wolle sich der Anweisung des Papstes widersetzen, und befürworte das Praktizieren von aktiver Sterbehilfe.

Franziskus hat den Brüdern der Nächstenliebe noch bis Ende August Zeit gegeben, in den 15 psychiatrischen Zentren in Belgien nicht mehr Euthanasie verüben zu lassen.

Eine offizielle Antwort der Broeders van Liefde steht noch aus. Der Ordensobere, Bruder Rene Stockman, hat sich von Anfang gegen das Anwenden von aktiver Sterbehilfe ausgesprochen. Der Aufsichtsrat hat dennoch für eine Einführung der umstrittenen Praxis gestimmt.

„Bruder Stockman, der Generalobere, hat klargestellt, dass es keine Kompromisse geben kann wenn es um die Lehre der Kirche über das Leben geht“, so Professor Martens weiter. „Das ist eine klare Verteidigung der katholischen Lehre, was in Belgien ganz schön ungewöhnlich ist.“

Sollten sich die Brüder tatsächlich weiter weigern, der Anweisung aus Rom Folge zu leisten, werde der Heilige Stuhl handeln müssen, so der Kirchenrechtler gegenüber CNA Deutsch.

Bereits 1992 habe Stockman – damals Provinzial der Gemeinschaft – untersuchen lassen, wie sich katholische Gesundheitseinrichtungen rechtlich davor absichern könnten, um Situationen wie diese eigentlich zu vermeiden. Interessant sei, inwiefern diese Mechanismen heute noch existieren und möglicherweise greifen könnten, so Kirchenrechtler Martens gegenüber CNA.

Den Brüdern im Aufsichtsrat drohe so oder so nun die Entlassung aus der Gemeinschaft, und den Zentren die Aberkennung des Rechts, sich als katholisch zu bezeichnen.

Euthanasie – die Tötung eines Menschen auf dessen Wunsch und vorheriger Einwilligung unter bestimmten Voraussetzungen – ist in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg legal. Mit der katholischen Lehre und dem christlichen Menschenbild ist die Praxis nicht vereinbar. In Deutschland ist die aktive Sterbehilfe verboten.

Eine Lektion aus dem Fall könne jetzt schon gelernt werden, so Professor Martens. „Wir müssen sicherstellen, dass Aufsichtsräte, die solche Entscheidungen fällen, so aufgestellt sind, dass Satzungen und Statuten der Organisation ermöglichen, dass die Lehre der Kirche aufrecht erhalten wird, indem man Kontrollmechanismen einbaut, die so etwas weitgehend verhindern und zudem erlauben, dass solche Entscheidungen, falls sie doch gefällt werden, rückgängig gemacht werden.“ In den USA habe man dies bereits getan.

„Letzten Endes bedarf es mutiger Menschen wie Bruder Stockman, die klare Grenzen ziehen und eine Auflösung oder Verwässerung der katholischen Lehre aufhalten“, so Professor Martens. „Dazu bedarf es jedoch der Courage, und es birgt Risiken. Diese Risiken muss man jedoch bereit sein, auf sich zu nehmen. Sonst wird man ein NGO wie der ganze Rest“. (CNA Deutsch)

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Venezuela: Ein Appell des Jesuitengenerals

Sonntag 30. Juli 2017 von VH

In Venezuela geht das sozialistische Regime aufs Ganze: Gegen alle Proteste im In- und Ausland lässt Präsident Nicolas Maduro an diesem Sonntag die Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Versammlung stattfinden. Dahinter steht der durchsichtige Plan, das Parlament zu entmachten, weil in ihm die Opposition dominiert.

Seit Wochen demonstrieren auf Venezuelas Straßen und Plätzen Hunderttausende von Menschen gegen das Regime, das das Land in eine schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise geführt hat. Maduro regiert seit Jahren mit Hilfe von Ausnahmezustand und Dekreten am Parlament vorbei; fällige Regional- und Kommunalwahlen fallen aus, weil der Autokrat (wohl zu Recht) eine Blamage an den Urnen befürchtet, und damit einen weiteren Verlust an Legitimität.

„Leiden der Menschen muss Priorität haben“

Der Ordensobere der Jesuiten, Pater Arturo Sosa, ruft Maduro von Rom aus eindringlich zum Umdenken auf. Sosa ist Venezolaner und hat lange Politikwissenschaften in Caracas gelehrt; einer seiner Schüler war Hugo Chavez, Gründer des jetzigen Regimes und politischer Ziehvater Maduros.

„Ich schließe mich den Stimmen, Absichten und Positionen der Bischöfe von Venezuela an“, sagt Sosa in einem über Radio Vatikan lancierten Appell. „Die Bischöfe sind sehr einig untereinander und auf einer Linie mit den Jesuiten Venezuelas und den anderen Ordensleuten im Land. Sie haben sehr mutige Positionen geäußert und betont, dass die Priorität jetzt das Leiden der Menschen sein muss.“

Die Bischofskonferenz hat in dem Appell, auf den sich der Jesuitengeneral bezieht, auch Maduros Projekt einer Verfassungsgebenden Versammlung eine deutliche Absage erteilt. In ihrem Statement warnt sie außerdem davor, der Präsident wolle eine Art marxistisches Regime in Venezuela einführen.

Pater Sosa betont zunächst nicht so sehr das Politische, sondern weist vor allem auf die immer schwierigere Lage der Bevölkerung hin. „Die Menschen leiden im Moment, weil es an den grundlegenden Lebensbedingungen mangelt. Sie haben weder Nahrung noch Sicherheit, keine Medizin, keine funktionierende Schule – nichts, was zu einem normalen Leben gehört.“

Für einen „wirklichen“ Dialog

Dann wird der Ordensmann aus Venezuela aber doch politisch. „Es geht darum, das Leiden der Menschen zu teilen, damit aus der Politik ein echtes Werkzeug wird, um die Probleme der Bevölkerung zu lösen, und nicht ein Ort des Kampfes um Macht oder Privilegien, die die Macht der einen oder anderen Gruppe verschaffen kann. Darum ist es nötig, einen wirklichen Dialog aufzunehmen. Einen Dialog, der in erster Linie das Leiden der Bevölkerung wahrnimmt und auch die verschiedenen Positionen in dieser Krisensituation.“

An Versuchen, einen nationalen Dialog zur Lösung der verknäuelten Probleme Venezuelas in Gang zu bringen, hat es nicht gefehlt, auch der Vatikan hat sich da um eine Vermittlung bemüht. Doch alle sind bislang an Maduros Starrköpfigkeit gescheitert.

„Es ist nötig, durch eine ehrliche und wahrhaftige Vermittlung zu einem Programm der nationalen Einigung zu finden, damit man wirklich prioritär die Probleme angeht, wegen denen Millionen von Venezolanern heute leiden. Schluss mit der Gewalt! Wir sollten doch dazu imstande sein, miteinander zu reden und zu Übereinkünften zu kommen, die zum Nutzen aller sind.“

Nach Angaben einer venezolanischen NGO sind in den letzten Wochen über hundert Menschen bei Protesten ums Leben gekommen. (rv)

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Geraubtes Gehirn wieder aufgetaucht: Gestohlene Reliquie Don Boscos gefunden

Freitag 16. Juni 2017 von VH

ROM – Die Reliquien des heiligen Don Bosco sind zurück: Der Schrein mit der Reliquie, die am vergangenen 3. Juni gestohlen worden war, wurde von der Polizei des Einsatzkommandos der Provinz Asti (Italien) wiedergefunden, wie die örtliche Staatsanwaltschaft meldete.

Der Schrein enthält das Gehirn des Gründers der Kongregation der Salesianer und wurde aus der Basilika entwendet, die sich im Ortsteil Colle Don Boscos (im Städtchen Castelnuovo Don Bosco in der Provinz Asti) befindet, in dem Don Bosco geboren wurde.

Die italienische Presse berichtete, dass der Beschuldigte eine 42-jährige vorbestrafte Person aus Cuneo und derzeit wohnhaft in Pirenolo (Turin) sei. Der Verdächtige wurde von der Polizei festgenommen.

Der Mann gab an, die Reliquie gestohlen zu haben, um sie weiterzuverkaufen, da er glaubte, sie sei aus echtem Gold.

Bevor er den Raub durchführte, hatte er sich am Abend des 2. Juni in die Basilika in Castelnuovo Don Bosco begeben, um sich umzusehen und den Diebstahl vorzubereiten.

Pater Enrico Stasi, Oberer der Salesianer Piemonts und des Aostatals dankte „der Justiz, den Polizisten und allen, die zum positiven Ausgang dieses unangenehmen Zwischenfalls beigetragen haben.“

„Das ist ein großer Trost für die Salesianer, die Kirche von Turin und viele Freunde Don Boscos in aller Welt, die uns in dieser Zeit nahe waren“ erklärte er über die Nachrichtenagentur der Salesianer.

Er versicherte, das „Auffinden und die Rückkehr der Reliquie an ihren ursprünglichen Ort ist für uns und für die Gläubigen ein weiteres Zeichen des Wohlwollens und des Segens Don Boscos für all jene, die seinen Geist auf der ganzen Welt lebendig halten.“ (CNA Deutsch)

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Malteserorden: Neuer Großmeister ist gewählt

Samstag 29. April 2017 von VH

Der Malteserorden hat einen neuen Oberen: Der Oberste Staatsrat wählte an diesem Samstagmorgen Fra Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto zum Großmeister. Seinen Eid vor dem Beauftragten des Papstes für den Orden, Erzbischof Angelo Becciù, wird der neue Obere am Sonntagmorgen im Rahmen eines Gottesdienstes ablegen.

Fra Giacomo Dalla Torre folgt in diesem Amt Frau Matthew Festing nach, der im Januar diesen Jahres auf Bitten des Papstes zurück getreten war. Papst Franziskus hatte damals auch Erzbischof Becciù zu seinem Beauftragten für den Orden ernannt. Der Wechsel an der Ordensspitze erfolgt nach Streitigkeiten um die Leitung des Ordens, bei denen es unter anderem um den Großkanzler des Ordens, Albrecht von Boeselager, ging. Fra Matthew hatte von Boeselager abgesetzt, der Papst hatte diese Absetzung aber wieder rückgängig gemacht.

Papst Franziskus ist über die erfolgte Wahl von Fra Giacomo Dalla Torre informiert worden. Sie erfolgte zunächst für ein Jahr, was für den Malteserorden ungewöhnlich ist, der Großmeister wird in der Regel auf Lebenszeit gewählt.

Fra Giacomo war von 2005 bis 2009 Großkomtur des Malteserordens, eine Funktion, die vor allem religiöse Bedeutung hat. Nach dem Tod des Großmeisters Andrew Bertie 2008 bis zur Wahl von Matthew Festing leitete er den Malteserorden interimsmäßig. Seit 2009 leitete er als Großprior das Großpriorat Rom des Ordens. (rv)

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Malteser-Orden: Vatikan hebt offenbar Reiseverbot für Matthew Festing auf

Donnerstag 27. April 2017 von VH

VATIKANSTADT – Der Vatikan hat offenbar das Reiseverbot für den zurückgetretenen Großmeister des Malteser-Ordens, Fra‘ Matthew Festing, zurückgenommen.

Das berichtet der Vatikanist Edward Pentin des „National Catholic Register“ (NCR). Fra‘ Festing wird nun offenbar zum Großen Staatsrat am 29. April nach Rom reisen.

Ein Grund für die Kehrtwende des Vatikans sei, dass Festings Abwesenheit als Professritter die Wahl seines Nachfolgers ungültig gemacht hätte, schreibt Pentin unter Berufung auf Quellen im Orden.

Meldungen über eine „Missachtung des Reiseverbots“

Die Rücknahme des Reiseverbots, von der Pentin berichtet, wirft ein neues Licht auf Meldungen der Nachrichten-Agentur „Reuters“ sowie einiger Journalisten am gestrigen Donnerstag abend: Diese hatten gemeldet, Fra‘ Festing reise „in Missachtung des päpstlichen Reiseverbots“ nach Rom.

Wie berichtet hatte der von Papst Franziskus bestellte Sonderbeauftragte, Erzbischof Angelo Becciu, in einem Brief dem ehemaligen Großmeister verboten, zur Wahl seines Nachfolgers zu kommen. Dabei berief sich der Delegat auf den Papst.

Pentin hat beim NCR das Schreiben vom 15. April veröffentlicht, in dem das Reise-Verbot ausgesprochen wurde.

Der Vatikanist bewertete das – nun offenbar wieder aufgehobene – Reiseverbot als überraschend, weil Quellen im Orden zufolge Festing, der auf Anweisung von Franziskus im Januar zurücktrat, weiterhin sehr beliebt sei und sogar wiedergewählt werden könnte.

Der Papst habe zudem bereits gesagt, dass er eine Wiederwahl Festings akzeptieren würde, so Pentin weiter; somit werteten einige Mitglieder des Ordens das Reiseverbot als Versuch, den ehemaligen Großmeister daran zu hindern, Einfluß auf die Wahl eines neuen Großmeisters zu nehmen.

Zum Zeitpunkt der Wahl am kommenden Samstag befindet sich Papst Franziskus auf Ägyptenreise. (CNA Deutsch)

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Franziskus besucht Jesuitenkongregation

Montag 13. Februar 2017 von VH

Papst Franziskus war an diesem Sonntagmittag überraschend in der Generalkongregation der Jesuiten zu Besuch. Er traf sich dort mit dem ehemaligen Jesuitengeneral Pater Nicolás, der kurz vor seiner Abreise auf die Philippinen steht, und dem derzeitigen Ordensleiter, dem Venezolaner Arturo Sosa. Anschließend blieb er noch zum gemeinsamen Mittagessen mit den Bewohnern der Kongregation. Pater Nicolàs hatte 2014 im Einvernehmen mit dem Papst seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Ordensgeneral verkündet. Im Dezember 2016 ist Arturo Sosa zu seinem Nachfolger gewählt worden. (rv)

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Dieser Mann soll die Malteser spirituell erneuern: Franziskus ernennt Erzbischof Becciu

Samstag 4. Februar 2017 von VH

VATIKANSTADT – Eine „geistliche und moralische Reform“ des Souveränen Ordens der Malteser soll er überwachen, besonders der zölibatär lebenden Justiz-Ritter: Papst Franziskus hat Erzbischof Giovanni Becciu zu seinem „besonderen Bevollmächtigten“ ernannt.

Die „geistliche Erneuerung“ hat möglicherweise konkrete rechtliche und politische Konsequenzen, bis hin zu einer Änderung der Verfassung des eigentlich souveränen Völkerrechtssubjekts, wie der Heilige Vater in seinem Schreiben darlegt. Sein Bevollmächtigter sei zudem der „ausschließliche Sprecher“ des Papstes und werde eng mit dem amtierenden Leiter des Ordens, Fra‘ Ludwig Hoffmann von Rumerstein, zusammenarbeiten.

Offiziell ist der Kardinalspatron der Vertreter des Papstes beim Malteser-Orden, und als solcher beauftragt mit der Förderung der spirituellen Ausrichtung des Ordens. Dieses Amt des Kardinal Patronus bekleidet seit 8. November 2014 Kardinal Raymond Leo Burke.

Im 900 Jahre alten Souveränen Malteser-Orden stellt die kleine Gruppe der Justiz- oder Profess-Ritter, die Gelübde wie Mönche ablegen, eine kleine aber wichtige Rolle. Der Orden, der seine eigene Währung, Pässe und Nummernschilder hat, und diplomatische Beziehungen zu über 100 Nationen pflegt, zählt rund 13.500 Mitglieder; doch nur 55 gehören diesem „ersten Stand“ des Ordens an. Bislang stellen sie auch die Führung.

Bis zur Wahl eines neuen Großmeisters leitet nun, unterstützt vom päpstlichen Bevollmächtigten, der 80-jährige Österreicher Hoffmann von Rumerstein den Orden. Er ist seit 1970 Professritter und seit 2014 Großkomtur.

Auch Erzbischof Beccius Mandat endet mit dem Abschluss der Wahl eines neuen Großmeisters; damit sei voraussichtlich Ende April zu rechnen, teilte Großkanzler von Boeselager bei einer Pressekonferenz diese Woche mit. Dabei betonte von Boeselager auch, dass er mit dem päpstlichen Delegaten zusammenarbeiten werde. Es gehe darum, wieder das Vertrauen in den Orden herzustellen und das Augenmerk auch wichtigere Dinge in der Welt zu lenken, etwa die Migrationskrise.

Hintergrund

Die auf den 2. Februar datierte, aber erst heute veröffentlichte Beauftragung von Erzbischof Becciu ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, bei der es zum Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Orden über die Absetzung des Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, im vergangenen Dezember gekommen war, nachdem der deutsche Ordensmann einen Rücktritt verweigert hatte.

Nach einer mehrfachen Intervention des Papstes sowie des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin und einer zum Teil öffentlichen geführten, robusten Korrespondenz mit dem bisherigen Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, hatte Franziskus am 24. Januar den Großmeister zum Rücktritt aufgefordert. Dieser war daraufhin sofort zurückgetreten, was der Orden per Gremium später bestätigte. Freiherr von Boeselager kehrte wieder in das Amt des Großkanzlers zurück.

Verhandelt wurde in der Auseinandersetzung jedoch nicht allein die eine oder andere Personalie. Es ist Beobachtern zufolge ein Richtungsstreit, den manche sogar als „Kulturkampf“ bezeichnen, und der internationale Wellen schlug.

In der „Zeit“ schrieb der Journalist Julius Müller-Meiningen, es werde „ein Kampf der Kulturen ausgetragen, wie er in vergleichbaren Zügen in der gesamten katholischen Kirche zu beobachten ist. Ein Armdrücken um die Wahrheit, das nun in einer päpstlichen Blutgrätsche im Namen der Barmherzigkeit sein vorläufiges Ende findet. Müssen sich Katholiken in aller Welt auf Verhältnisse wie im Malteserorden gefasst machen nach der Devise: Wer nicht spurt, fliegt raus? Der letztendlich mit dem Recht des Stärkeren ausgetragene Streit im Orden geht ums Ganze, um die richtige Balance und das rechte Verständnis von Katholizität, Tradition, Dogma und Pastoral. Mit besonderer Teilnahme des deutschen Katholizismus“.

Im „National Catholic Register“ sprach der Präsident der deutschen Malteser, Prinz Erich von Lobkowicz, von einer „Schlacht zwischen all dem, wofür Papst Franziskus steht, und einer kleinen Clique ultrakonservativer, rüschentragender Hardliner in der Kirche, die den Zug in jeder Hinsicht verpasst haben“. (CNA Deutsch)

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Malteser: Fra‘ Festings Rücktritt bestätigt, Großkanzler von Boeselager wieder im Amt

Montag 30. Januar 2017 von VH

ROM – Der entlassene Großkanzler des Souveränen Malteser-Ordens, Freiherr Albrecht von Boeselager, ist wieder im Amt. Gleichzeitig ist der bisherige Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, zurückgetreten. Das hat der Malteser-Orden auf seiner Website offiziell bestätigt.

Wörtlich meldet der Orden, dass sich die Regierung des Ordens am heutigen Samstag Nachmittag versammelt habe. Auf der Tagesordnung habe der vom Großmeister Fra‘ Matthew Festing angekündigte Rücktritt gestanden, „gemäß Artikel 16 der Verfassung des Malteser-Ordens“. Diesen habe der Souveräne Rat – die Ordensregierung – angenommen.

Der Papst sei über diesen Rücktritt verfassungsgemäß informiert werden, heißt es weiter.

Tatsächlich hatte Papst Franziskus den Großmeister zu sich einbestellt, den Rücktritt verlangt, und Berichten zufolge diesen auch gleich in schriftlicher Form von Fra‘ Festing eingefordert. Dieser Aufforderung habe Fra‘ Festing entsprochen. Kurz darauf hatte der Vatikan eine Mitteilung veröffentlicht, die ankündigte, dass ein „päpstlicher Delegat“ eine Untersuchung des Ordens übernehmen werde.

Dieses in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Eingreifen des Papstes war der bisherige Höhepunkt einer Auseinandersetzung des Vatikans mit der Ordensleitung über die Absetzung des Großkanzlers, Freiherr von Boeselager; eine Auseinandersetzung, die wiederum öffentlicher Ausdruck einer komplexen Kontroverse innerhalb des Ordens sein soll, wie Vatikanisten berichteten.

Wie CNA bereits im Vorfeld schrieb, war dieser Schritt des Papstes der zweite von fünf möglichen.

Zwischenzeitlich leitet, so nun die Presse-Mitteilung der Malteser, der Großkommandeur der Malteser, der Österreicher Fra‘ Ludwig Hoffmann von Rumerstein, ad interim den Orden – bis zur Wahl eines neuen Großmeisters.

Dem bisherigen Großmeister, dem Briten Festing, habe die Regierung für sein großes Engagement während seiner neun Jahre im Amt gedankt, so die Mitteilung. Ebenso drückt der Orden seine Dankbarkeit gegenüber dem Papst und seinem Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin aus, „für ihr Interesse an und Sorge für den Orden“.

Unklar ist nun, wer der „Päpstliche Delegat“ sein wird, den Franziskus zur „spirituellen Erneuerung des Ordens“, besonders seiner – zölibatär lebenden – Professritter bestellen werde. Der Souveräne Malteser-Orden werde mit diesem jedoch „voll kooperieren“, teilte der Orden mit. (CNA Deutsch)

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Malteserorden: Untersuchungskommission soll weitermachen

Mittwoch 18. Januar 2017 von VH

Der Heilige Stuhl verwahrt sich gegen Versuche einer Diskreditierung der Untersuchungskommission, die dem Papst über die Leitungskrise des Malteserordens berichten soll. Das geht aus einer Mitteilung des vatikanischen Pressesaals von diesem Dienstag hervor. Der Papst drücke nochmals sein Vertrauen in die fünf Mitglieder der Kommission aus, die am vergangenen 21. Dezember eingesetzt wurden, heißt es darin. „Aufgrund der Dokumente, die sich in seinem Besitz befinden“, weise der Heilige Stuhl „jeden Versuch zurück, ihre Mitglieder sowie ihre Arbeit zu diskreditieren“. In dieser „delikaten“ Phase erwarte man sich die volle Mitarbeit aller. Nach Erhalt des Berichts der Kommission werde der Heilige Stuhl die „geeignetsten Entscheidungen für das Wohl des Souveränen Malteserordens sowie der Kirche“ treffen.

Gleichzeitig ermutige und unterstütze er weiterhin die unermüdliche Arbeit der vielen Freiwilligen, die die Mitglieder und Freiwilligen Helfer des Ordens in allen Teilen der Welt leisteten, betont das Statement.

Der Aufruhr nahm seinen Anfang mit der Entlassung des Großkanzlers der Malteser, dem Deutschen Albrecht von Boeselager. Der hatte seit 2014 das Amt inne, das einem Außenminister entspricht. Im Dezember wurde Boeselager des Amtes enthoben. Nun geht es um Gehorsam und Absetzung, um Souveränität und Ordensleben und im das komplexe Verhältnis zwischen Vatikan und Maltesern. (rv)

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