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Archiv für die 'Christenverfolgung' Kategorie

Islamischer Staat: Unser Krieg ist ein Religionskrieg und wir hassen die Christen

Freitag 5. August 2016 von VH

IS FahneVATIKANSTADT – „Das Gebot ist klar: die Ungläubigen töten, wie Allah gesagt hat“; das war die Antwort des Islamischen Staates (IS) auf Papst Franziskus in der letzten Ausgabe seiner Zeitschrift Dabiq, mit dem Titel „Das Kreuz zerstören“. Darin erklärt der IS, den christlichen Westen zu hassen und beschuldigt den Papst, „die muslimische Nation befrieden zu wollen“.

Die letzte Ausgabe von Dabiq wurde veröffentlicht, nachdem Papst Franziskus auf seinem Rückflug von Polen erklärt hatte, es sei „nicht richtig, den Islam mit Gewalt gleichzusetzen. Das ist weder recht noch wahr.“ Am gleichen Tag hatten Muslime die Kirchen Frankreichs und Italiens besucht, um den Mord am Pater Jacques Hamel, der von zwei Anhängern des IS begangen worden war, zu verurteilen.

„Franziskus verbirgt seine wahren Absichten – die muslimische Nation zu befrieden – weiter hinter einem trügerischen Schleier ‚guten Willens'“, erklärt die Zeitschrift der fundamentalistischen Gruppierung, die auch die Regierung Frankreichs kritisiert, weil diese gesagt hatte, „der authentische Islam und eine angemessene Lektüre des Korans widersprechen jeder Form von Gewalt“.

„Das ist ein göttlich gerechtfertigter Krieg zwischen der muslimischen Nation und den Nationen der Ungläubigen“ steht in einem – mit „Durch das Schwert“ überschriebenen – Artikel über die islamistischen Angriffe in Frankreich, Belgien, den Vereinigten Staaten, Deutschland und gegen westliche Touristen in Bangladesch.

„Keine Religion des Friedens“

Die Islamisten bestehen in dieser Ausgabe darauf, den Papst, sowie „viele Personen der Kreuzzugländer“ anzuklagen, „gegen die Realität anzukämpfen“ in ihren Bemühungen, den Islam als eine Religion des Friedens darstellen zu wollen.

„Tatsächlich ist der Dschihad – das Verbreiten des Gesetzes Allahs mit dem Schwert – eine Verpflichtung, die sich im Koran findet, dem Wort unseres Herrn“ heißt es im Text. „Das Blut der Ungläubigen zu vergießen, ist eine Pflicht. Der Befehl ist klar. Tötet die Ungläubigen, wie Allah gesagt hat: ‚Also tötet die Polytheisten wo immer ihr sie findet.'“

In diesem Sinn lehnen sie auch ab, dass der Papst die Taten des Islamischen Staates als „sinnlose Gewalt“ qualifiziert.

„Der Kern der Angelegenheit besteht darin, dass es tatsächlich ein Schema gibt für unseren Terrorismus, den Krieg, die Grausamkeit und Brutalität“, schreibt der IS und besteht darauf, dass sein Hass auf den Westen absolut und unerbittlich sei.

„Tatsache ist: auch wenn sie aufhören würden uns zu bombardieren, einzusperren, uns zu foltern, zu verunglimpfen und gewaltsam unser Land an sich zu reißen, selbst dann würden wir sie weiter hassen, weil der hauptsächliche Grund für unseren Hass ihnen gegenüber nicht verschwinden wird, bis sie sich dem Islam unterwerft. Selbst wenn sie die Dschizya (die Ungläubigensteuer) bezahlen und gedemütigt unter der Herrschaft des Islam leben würden, auch dann würden wir sie weiterhin hassen“, erklärt der IS.

Zum Schluss warnt die Publikation, dass „die nach Blut dürstenden Ritter des Kalifats den Krieg weiter führen werden“, und droht: „Hegt keine Zweifel daran, dass dieser Krieg erst mit der schwarzen Flagge des Tauhid (des islamischen Monotheismus) enden wird, der Konstantinopel und Rom überschwemmen wird; das ist nicht schwer für Allah.“ (CNA Deutsch)

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Syrien: Anschlag auf Kirchgänger

Dienstag 21. Juni 2016 von VH

SyrienEin Selbstmordattentäter hat am Sonntag in Qamishli im Nordosten Syriens drei Wachleute mit sich in den Tod gerissen. Das Attentat geschah vor einer Kirche, in der gerade das orthodoxe Pfingstfest gefeiert wurde. Offenbar hatte es der Attentäter auf den syrisch-orthodoxen Patriarchen Ignatius Ephrem II. Karim abgesehen. Der Kirchenmann blieb unverletzt.

Bisher hat sich noch niemand zum Anschlag bekannt, doch das Vorgehen des Mörders deutet auf einen islamistischen Hintergrund hin. In den letzten sechs Monaten haben Attentäter schon viermal die assyrisch-orthodoxen Gläubigen von Qamishli angegriffen.

Patriarch Ignatius segnete während des Gottesdienstes auch ein neues Mahnmal. Es soll an den Völkermord an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten vor hundert Jahren erinnern. (rv)

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Neuer Bericht dokumentiert den Völkermord an Christen im Irak und Syrien

Freitag 11. März 2016 von VH

USAWASHINGTON, D.C. – Auf 278 Seiten belegt dieser Bericht die Vernichtung von Christen und anderen religiösen Minderheiten durch die Kämpfer des Islamischen Staates: Eine Woche vor der Entscheidung des US-Außenministeriums, ob der Völkermord des IS offiziell anerkannt wird, haben die katholischen Kolumbusritter zusammen mit anderen einen umfangreichen Bericht vorgelegt, der die neuesten Beweise des Genozids dokumentiert.

„Wir stehen nun vor einer historischen Entscheidung”, sagte Carl Anderson, oberster Ritter der „Knights of Columbus”. Die weltgrößte Laien-Vereinigung katholischer Männer veröffentlichte den Bericht zusammen mit der Gruppe In Defense of Christians – „Zur Verteidigung von Christen” im Nationalen Presse-Klub in Washington.

„Die Beweise in diesem Bericht, zusammen mit den Beweisen, die dem Europäischen Parlament vorgelegt wurden, unterstützen gänzlich, und ich würde sogar sagen, beweisen zwingend, dass es vernünftige Gründe gibt davon auszugehen, dass das Verbrechen des Völkermords gegen Christen in der Region verübt worden ist”, sagte er am 10. März.

„Die Geschichte wird die Gräueltaten gegen religiöse Minderheiten im Nahen Osten als Völkermord aufzeichnen”, fügte er hinzu.

„Die Frage ist, ob Amerika als mutiges Land erinnert werden wird, so wie im Falle Darfurs, oder als weniger mutig, so wie im Falle Ruandas.”

Wie CNA berichtete, haben das Europa-Parlament und andere Einrichtungen den Genozid an Christen und weitere Minderheiten anerkannt. In den USA hatte das Holocaust Museum jedoch einen Bericht vorgelegt, der nur die Jesiden im Nordirak als Opfer eines Genozids bezeichnete. Nun wird darum gerungen, dass auch die Vernichtung, Vertreibung und Verfolgung von Christen und anderer ethno-religiöse Minderheiten in der gesamten Region anerkannt wird.

Das Außenministerium hat nun sechs Tage Zeit, um dem Kongress Bericht zu erstatten über die Verfolgung religiöser Minderheiten im Nahen Osten durch „islamische Extremisten”. Dabei muss es auch um die Frage gehen, ob die Verfolgung „massive Gräueltaten oder Genozid” darstelle. (CNA Deutsch)

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Weltverfolgungsindex: Christenverfolgung steigt

Donnerstag 8. Januar 2015 von VH

Christenverfolgung

In die Kirche gehen, beten, sich taufen lassen, kirchlich heiraten, eine christliche Beerdigung oder einfach Weihnachten feiern. Das ist für Christen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Normalität, das gehört zur Ausübung unserer Religionsfreiheit. Der aktuelle Weltverfolgungsindex 2015, der von der Kerkesheimer Hilfsorganisation Open Doors an diesem Mittwoch veröffentlicht wurde, nennt 50 Länder in einer Rangliste, in welchen Christen verfolgt werden und ihre Religion nicht frei ausüben können. Der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode bestätigt im Interview einen allgemeinen Anstieg der Verfolgungen, vor allem im Mittleren Osten, Afrika und Asien.

Christ sein war noch nie so gefährlich wie heute. Ein Satz, den wir immer wieder hören, können wir diesen Satz anhand des aktuellen Indexes bestätigen?

„Man muss leider den Satz so stehen lassen, denn die weltweite Christenverfolgung hat gerade in den letzten Jahren noch einmal an Dynamik gewonnen, hat nochmals zugenommen und das ist das, was wir auch in dem Weltverfolgungsindex erkennen auch an den Punktzahlen, die letztendlich für die Intensität der Verfolgung stehen und auch die Rangfolge der Länder definieren, in denen die Verfolgung am härtesten ist.“

Platz Eins der fünfzig Länder ist Nordkorea, Platz 50 Kuwait – dazwischen finden wir vor allem asiatische, afrikanische Länder und den Nahen Osten. Die Intensität der Verfolgung hat sich erhöht, das erkennt man an der Punkteanzahl, erklärt Markus Rode. Es brauche mittlerweile 48,5 Punkte der Zählung, um überhaupt auf die Liste der Länder mit verfolgten Christen zu kommen, das sei ein Anstieg von vier Punkten gegenüber der letzten Statistik. Viele denken sofort an den Irak, Platz Eins bleibt aber Nordkorea.

„In Nordkorea kann man als Christ nur im Untergrund überleben, weil dort Christen systematisch ausgerottet werden sollen. Sie werden von einer Gehheimpolizei gesucht und die Christen, die man ausfindig gemacht hat, die sind in Arbeitslagern oder hingerichtet worden. Derzeit gibt es circa 70.000 Christen in Arbeitslagern, die bis zum Tode gequält werden. Also hier gibt es kaum eine Überlebenschance für einen Christen, der bekannt wird.“

Gründe für die Verfolgungen in den fünfzig Ländern gibt es viele, in Nordkorea ist es die kommunistische Unterdrückung oder auch diktatorische Paranoia, wie Markus Rode sagt. Ein Grund der dieses Jahr als verstärkte Haupttriebkraft gelte, sei der islamische Extremismus. Die zunehmende Islamisierung der christlichen Minderheiten gäbe es vor allem im Irak und im Nahen Osten dank der Eroberungsfeldzüge der IS. Davon zeuge die aktuelle Situation in der christenfreien Stadt Mosul, dort gebe es keine Gottesdienste mehr. Die größte Zunahme an Gewalt werde aber in Afrika verzeichnet, denn dort habe sich die Situation drastisch verschlechtert. Neben den afrikanischen Staaten Somalia, Eritrea, Nigeria unter den ersten zehn Ländern ist nun auch der Sudan aufgeführt.

„Die Position des Sudans begründet sich darauf, dass es 2011 eine Trennung gegeben hat, zwischen dem überwiegend christlichen Südsudan und dem Norden. Der Sudan als extrem muslimisches Land steht mit einer deutlichen muslimischen Bevölkerungsmehrheit und dort werden die wenigen Christen, die im Sudan sind unterdrückt und werden nach der Scharia verurteilt, vor allem wenn es um Konvertiten handelt.“

Die schlimmsten zehn Länder, in welchen die Christen verfolgt werden, sind also Nordkorea, Somalia, Irak, Syrien, Afghanistan, Sudan, Iran, Pakistan, Eritrea und Nigeria. Trotz der Schwierigkeit, einzelne Geschichten, Schicksale und Verfolgungen, Gefühle in Zahlen und Statistiken zu verpacken, versucht die Hilfsorganisation Open Doors dies seit 1970 mit ihrem Index. Unabhängige Wissenschaftler werten dazu Fragebögen aus, die Christen in den jeweiligen Ländern beantworten. Die Anzahl der Befragten hängt auch von der Anzahl der Christen ab in den Ländern und die Fragen decken unterschiedliche Bereich ab – sei es nun das Kirchliche Leben, das Leben im Staat, das Soziale Leben oder das Privatleben.

„Wir fragen unter anderem: Kann ein Christ in seiner Familie überhaupt seinen Glauben leben oder den Glauben wechseln. Gibt es da überhaupt Religionsfreiheit, wird er vom Staat verfolgt. Ist er ausgegrenzt, dass er zum Beispiel als Christ nicht mehr am Dorfbrunnen Wasser schöpfen darf?“

Das Ergebnis dieser Fragen: mehr als 100 Millionen Christen werden wegen ihres Glaubens oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt und Markus Rode konnte leider keine Verbesserung der Situation verzeichnen, dennoch warnt er vor einer Instrumentalisierung dieser Daten. Ziel der Veröffentlichung der Daten soll eine Solidarisierung sein mit verfolgten Christen, aber keine Instrumentalisierung für Hassparolen. (rv)

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Syrien/Irak: Vier Forderungen an die EU

Montag 18. August 2014 von VH

Ignatius Joseph III. Younan Als „Blutbad des Jahrhunderts“ hat der ranghöchste syrische Bischof die Verfolgung der Christen und anderer religiöser Minderheiten im Irak bezeichnet. Ignace Youssef III Younan, Patriarch von Antiochien der Syrer, richtete namentlich an Europa einen neuerlichen Appell, die ethnisch-religiöse „Säuberung“ durch die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ zu beenden und den Christen im Irak zu Hilfe zu kommen. Gegenüber der französischen Zeitung „Ouest France“ formulierte der Patriarch vier Dringlichkeiten. Zunächst müsse Europa Waffenlieferungen an Terroristen in Syrien und im Irak stoppen, indem es aufhört, angeblich gemäßigte Oppositionsgruppen in Syrien mit Waffen zu versorgen. Von der UNO müsse Europa eine sofortige Sitzung des Sicherheitsrates einfordern, der Maßnahmen zur Unterstützung der Minderheiten im Irak trifft und eine bindende Resolution erlässt, damit die Vertriebenen in Sicherheit wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Schließlich rief der libanesische Patriarch Europa dazu auf, die humanitäre Versorgung der Notleidenden im Irak und in den Nachbarländern zu verdoppeln. (rv)

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Papstbrief an Ban Ki-moon: Systematische Gewalt gegen Christen stoppen

Donnerstag 14. August 2014 von VH

UNO-Fahne In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, ruft der Papst die Staatengemeinschaft dazu auf, die systematische Gewalt gegen Christen und andere religiöse Minderheiten im Irak zu stoppen. Der Brief ist auf den 9. August 2014 datiert. Lesen Sie hier das Schreiben, das an diesem Mittwoch bekannt wurde, in einer Arbeitsübersetzung.

Ich habe mit schwerem und schmerzendem Herzen die dramatischen Ereignisse der vergangenen Tage im Nordirak verfolgt, wo Christen und andere religiöse Minderheiten gezwungen wurden, aus ihren Häusern zu fliehen und der Zerstörung ihrer Kultstätten und ihres religiösen Erbes zusehen mussten. Bewegt durch ihre Notlage habe ich Kardinal Fernando Filoni, den Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, der als Vertreter meiner Vorgänger Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. den Menschen im Irak diente, gebeten, meine spirituelle Nähe und meine Sorge sowie die der gesamten Katholischen Kirche auszudrücken – angesichts des unerträglichen Leids jener, die lediglich in Frieden, Harmonie und Freiheit im Land ihrer Ahnen leben möchten.

Im selben Geiste schreibe ich Ihnen, Herr Generalsekretär, und führe Ihnen die Tränen, das Leiden und die innigen Verzweiflungsschreie der Christen und anderer religiöser Minderheiten des geliebten Irak vor Augen. Ich erneuere meinen dringenden Appell an die Internationale Gemeinschaft zu handeln, um die gegenwärtig sich vollziehende humanitäre Katastrophe zu beenden. Ich ermutige alle zuständigen Organe der Vereinten Nationen, insbesondere die für Sicherheit, Frieden, humanitäres Recht und Flüchtlingshilfe zuständigen, ihre Anstrengungen in Übereinstimmung mit der Präambel und den entsprechenden Artikeln der Charta der Vereinten Nationen fortzuführen.

Die Welle der brutalen Angriffe im Nordirak muss die Gewissen aller Männer und Frauen guten Willens wachrütteln und sie zu konkreten Handlungen der Solidarität bewegen: Diejenigen müssen geschützt werden, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind, und den vielen Vertriebenen muss die notwendige und dringende Hilfe gewährt werden. Auch muss ihnen einen sichere Heimkehr in ihre Städte und Häuser garantiert werden. Die tragischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts und das grundlegendste Verständnis der menschlichen Würde zwingen die Internationale Gemeinschaft insbesondere durch die Normen und Mechanismen des internationalen Rechtes dazu, alles ihr Mögliche zu tun, um weitere systematische Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten zu stoppen und zu unterbinden.

In dem Vertrauen, dass mein Appell, den ich mit denen der Orientalischen Patriarchen und anderer religiöser Führer vereine, eine positive Antwort haben wird, nutze ich die Gelegenheit, Ihnen meine größte Hochachtung auszusprechen.

Papst Franziskus (rv)

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D: „Bei Christenverfolgung geht es uns zu sehr um uns“

Dienstag 22. Juli 2014 von VH

Erzbischof Schick Ob Irak, Pakistan, Nigeria oder andere Länder: Die Christenverfolgung steht nicht im Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Andere Krisen bekommen in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit, auch unter Christen ist das so. Initiativen, mehr Interesse und Einsatz bei Christen in Mitteleuropa für die bedrängten und verfolgten Christen im Nahen und Mittleren Osten zu wecken, haben aber bislang nur mäßigen Erfolg. Das beklagt der Weltkirchenbeauftragte der deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, gegenüber Radio Vatikan. Er nennt es einen Deutschen und zentraleuropäischen „Egozentrismus“, die Christen seien zu sehr auf sich selbst konzentriert.

„Das Problembewusstsein ist nicht groß genug, zum Beispiel wenn Flüchtlingsströme kommen und der Heilige Vater uns mit seinem Besuch in Süditalien darauf aufmerksam macht, dann spüren wir Bedrohung bei uns. Es geht uns zu sehr um uns. Als Christen müssten wir eigentlich wirklich ‚katholisch‘ sein, gerade was Menschenrechte und die Situation der Christen angeht mehr tun.“

Das war einmal anders, in den 70er und 80er Jahren war es völlig normal, sich als Christen für Latein- und Mittelamerika einzusetzen. Was hat sich da geändert?

„Damals war der Horizont weiter als er heute ist. Das ist eigentlich sehr schade, gerade wir Deutschen haben mit unserem Außenhandelsvolumen eine gute Position in der Welt, wir könnten da viel mehr bewirken. Aber wissen Sie, wenn ich Deutschland betrachte und dann die anderen europäischen Staaten und die EU, dann sage ich, dass in Deutschland noch mehr für verfolgte und bedrängte Christen und für Menschen in Notsituationen in Afrika, Asien, im Nahen und Fernen Osten getan als in anderen Staaten. Das darf uns aber nicht nachlässig machen; wir müssen da mehr fordern und wir müssen uns mehr einsetzen.“

Wir hören Nachrichten, dass Klöster, die es seit 1.700 Jahren gibt, von Islamisten besetzt werden und dass Christen aus Mossul vertrieben werden, wo es seit dem Beginn des Christentums Christen gegeben hat, diese Geschichte ist zu Ende. Aber es scheint, dass es irgendwie nicht unsere Geschichte ist und dass wir nicht wirklich beteiligt sind.

„Das ist auch unser verkürzter Geschichtsverstand, dass wir Iran und Irak auch als christliche Mutterländer sehen, das ist bei uns zu weit entrückt. Wir müssten hier viel mehr für die Bildung tun, damit junge Menschen bei uns diese langen christlichen Zusammenhänge besser kennen lernen. Denn ohne ein gesundes Traditionsbewusstsein gibt es auch kein Zukunftsbewusstsein und damit auch kein Einsatz für die Zukunft.
Wichtig wäre aber auch, dass einmal von namhaften Vertretern des Islam für die Christen gekämpft würde. Ich frage mich immer mal, warum es keine Fatwa, die sagt, dass es nicht sein kann, unschuldige Menschen und Christen zu verfolgen und zu töten. Es gibt ja auch Suren im Koran, die das eigentlich verbieten. Da wünsche ich mir auch von islamischer Seite mehr.“

Papst Franziskus hat von der „Ökumene des Leidens“ gesprochen als Fundament für das gemeinsame Eintreten gegen die Christenverfolgung, was müssen wir tun, um diese „Ökumene des Leidens“ auch bei uns ankommen zu lassen?

„Leiden heißt im griechischen ja ‚sympathein‘; wir müssten als erstes Interesse für diese Christen im Irak, im Gazastreifen, in Palästina und Israel finden. Auch in Indonesien und Pakistan ist die Situation ja ähnlich, oder im Sudan oder in Nigeria. Erstens also wirklich das Interesse. Das zweite ist dann, dass man wirklich innerlich mitleidet und das dritte ist dann, dass man intensiv betet. Und dazu gehört für Christen natürlich auch, dass man alle politischen Möglichkeiten, die wir haben, einsetzt damit man Verantwortliche, die etwas dagegen tun können, auch zum Handeln bringt. Es muss auch einen größeren Druck auf die Staaten geben, auf den Irak, auf die Staaten in Afrika, auf Israel und Palästina, dass sie die Christen mehr schützen.“ (rv)

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Kamerun: Zwei Priester und eine Schwester entführt

Samstag 5. April 2014 von VH

ChristenverfolgungZwei italienische Priester aus dem Bistum Vicenza und eine kanadische Schwester sind in der vergangenen Nacht im Norden Kameruns entführt worden. Papst Franziskus erklärt, er bete für die Verschleppten. Kirchenleute in Kamerun fürchten, dass die drei in Händen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram sind. Die Entführer müssten dazu aus Nigeria nach Kamerun eingedrungen sein. Die Nachricht von der Verschleppung der Missionare hat sich in der Nacht schnell verbreitet; der zuständige Ortsbischof spricht von einer sehr besorgniserregenden Situation. Wir sprachen mit einem Mitarbeiter des Bistums.

„Der Bischof wurde unterrichtet und wird über alle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. Ich habe schon mit unseren Schwestern gesprochen, die in der Stadt Maroua sind, wie die anderen Priester. Aber nicht einmal sie wissen etwas, da es bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Forderungen gibt.“

Seit vielen Jahren arbeiten schon italienische Priester für die Mission in Kamerun. Im Norden sind zehn Priester eingesetzt. Es gibt offenbar schon lange Drohungen von Terroristen.

„Unsere Priester wurden alarmiert und haben die Mission verlassen. Vorsichtshalber sollten sie sich nur in der Stadt bewegen. Die Entführungsopfer haben sich allerdings zu langsam auf den Weg gemacht, und dadurch kam es dann leider zu dieser Entführung in der Nacht.“ (rv)

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Syrien: „Sie spielten mit den geköpften Schädeln“

Montag 31. März 2014 von VH

ChristenverfolgungDas katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ hat ausgerechnet, dass jeder zehnte Christ auf der Welt verfolgt wird. Um auf dieses Problem hinzuweisen, organisiert das Hilfswerk in Frankreich seit zehn Jahren eine sogenannten „Nacht der Zeugen“. Es handelt sich um eine mehrtägige Veranstaltung, die in mehreren französischen Städten durchgeführt wird. In der Pariser Kathedrale Notre-Dame sprach am Wochenende die syrische Ordensfrau Raghida. Sie ist Pädagogin und arbeitet an einer Schule des griechisch-katholischen Patriarchats in Damaskus, doch seit dem Krieg lebt sie in Paris. Ihre sechs Brüder und Schwestern leben jedoch noch in Syrien. Uns gegenüber erläutert sie:

„In den Städten und Dörfern, die von Dschihadisten besetzt sind, können die Christen zwischen zwei Optionen wählen: Entweder sie treten zum Islam über, oder sie werden getötet. Es gibt dann noch die sogenannte Steuer der Ungläubigen: Damit finanzieren sich diese muslimische Extremistengruppen. Die Tötung der Christen ist ein unmenschliches Martyrium.“

In der Ortschaft Maalula, unlängst bekannt geworden durch die zeitweise Entführung von mehreren orthodoxen Nonnen, seien zwei Jugendliche gekreuzigt worden, erklärt Schwester Raghida. Die zwei jungen Männer hätten sich beim Einmarsch der Rebellen geweigert, das islamische Glaubensbekenntnis zu sprechen, und seien darum vor den Augen ihrer Väter gekreuzigt worden, „so wie Jesus“.

„In einem anderen Dorf wurden Christen geköpft, und die Überlebenden mussten mitansehen, wie die Extremisten mit den Schädeln Fußball spielten. Solche grausige Bilder sorgen für Angst und Schrecken bei Christen, aber auch bei Muslimen. Doch trotz all dieser schrecklichen Ereignisse gibt es noch etliche Christen, die ihr Land nicht verlassen und sogar so mutig sind, an Gottesdiensten teilzunehmen.“

Seit drei Jahren herrschen Krieg und Chaos in Syrien. Die UNO geht von über 140.000 Todesopfern und über neun Millionen Flüchtlingen oder Vertriebenen in Syrien und in den Nachbarländern aus. (rv)

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Vatikansprecher zum Amtsverzicht Benedikts: „Ein herausragender Regierungsakt“

Dienstag 11. Februar 2014 von VH

Bene_140110So abrupt ist die Stimmung wohl selten umgeschlagen an einem Rosenmontag: Am 11. Februar vor genau einem Jahr kündigte Benedikt XVI. seinen Verzicht auf das Papstamt an. Kaum jemand war weltweit auf einen solchen Epochenschnitt vorbereitet, die Reaktionen reichten von Verständnis bis Entsetzen. Der Jesuitenpater Federico Lombardi ist Sprecher des Papstes – damals Benedikts, heute der von Papst Franziskus. Im Interview mit Radio Vatikan urteilt er:

„Es war ja Jahrhunderte her, dass kein Papst mehr auf sein Amt verzichtet hatte, und darum war das für eine überwältigende Mehrheit der Menschen eine Überraschung. Wer Benedikt XVI. nahe war, der konnte allerdings spüren, dass er über dieses Thema nachgedacht hatte, dass er darüber betete und sich um geistliche Urteilskraft bemühte. Das alles ist dann eingegangen in seine Erklärung des Amtsverzichts: kurze, aber ausgesprochen dichte Worte, die absolut adäquat und klar die Kriterien erklärten, aufgrund derer er seine Entscheidung getroffen hatte.“

„Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“ Das sagte Benedikt an diesem 11. Februar 2013 vor Kardinälen, die ihm wie vom Donner gerührt lauschten. „Um das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig.“ Diese Kraft habe „in den vergangenen Monaten derart abgenommen“, dass er sein „Unvermögen“ zur weiteren Amtsführung erkenne. Lombardi:

„Das schien mir ein herausragender Regierungsakt – eine frei getroffene Entscheidung, die wirklich in dieser Lage und in der Kirchengeschichte eine Spur hinterlassen hat. Daraus spricht auch ein großer Mut, weil angesichts der mangelnden Präzedenzfälle Fragen zum Warum aufkommen mussten. Die Klarheit, mit der sich Benedikt XVI. auf diese Geste vorbereitet hatte, und der Glaube, mit dem er das tat, zeugen von Mut und innerer Ruhe.“

Er habe nie geglaubt, dass das „Zusammenleben“ zweier Päpste im Vatikan – eines zurückgetretenen und eines aktiven – irgendwelche Probleme schaffen würde, so Pater Lombardi. Das Petrusamt sei nun mal „ein Dienst und nicht eine Macht“. Er spüre eine „tiefe geistliche Solidarität der Diener Gottes“ Benedikt und Franziskus. Auch die jüngste Äußerung des emeritierten Papstes spricht für einen solchen Gleichklang: Nach Angaben der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ hat Benedikt XVI. dem Tübinger Theologen und Kirchenkritiker Hans Küng Ende Januar einen Brief geschrieben. Darin stehe wörtlich: „Ich bin dankbar, mit Papst Franziskus durch eine große Übereinstimmung der Sichtweisen und eine herzliche Freundschaft verbunden zu sein.“ Das jetzige Leben Benedikts in der Verborgenheit gehört nach Darstellung von Pater Lombardi vor allem dem Gebet.

„Das erinnert mich an ein Erlebnis, das ich vor allem zu Beginn seines Pontifikates öfters mit ihm hatte. Jedes Mal vor einer Audienz, wenn ich den Papst kurz begrüßte, gab er mir einen Rosenkranz und sagte: Auch die Priester sollten nicht vergessen, zu beten! Das geht mir nicht aus dem Kopf, weil er so auf sehr einfache Weise seine Überzeugung ausdrückte, dass das Gebet einen wichtigen Platz in unserem Leben haben sollte.“

Benedikt lebe seinen letzten Lebensabschnitt in den Vatikanischen Gärten „wie ein weiser Mann“, so Pater Lombardi; er sei keineswegs eine Art Gefangener.

„Man sollte sehen, dass er zurückgezogen lebt, ohne öffentliche Auftritte, aber das heißt nicht, dass er isoliert wäre oder in strenger Klausur. Er führt das normale Leben eines älteren Menschen – sagen wir, eines älteren Ordensmannes. Gebet, Nachdenken, Lektüre, Antworten auf Briefe, Treffen mit Menschen, die ihm nahestehen, die seinen Rat suchen oder seine geistliche Nähe. Und zu den Menschen, die er trifft, gehört auch sein Nachfolger, Papst Franziskus; sie haben sich schon gegenseitig zuhause besucht, sie telefonieren oder tauschen Botschaften aus. Ich finde es sehr schön, diese seltenen Bilder von zwei Päpsten zu haben, die zusammen beten – ein sehr schönes und ermutigendes Zeichen für die Kontinuität des Petrusdienstes im Dienst der Kirche.“

Der Bruder von Benedikt XVI., Georg Ratzinger, betont, dass Benedikt seine Entscheidung zum Rücktritt vom letzten Jahr nicht bereue. Die Gründe von damals seien auch heute noch gültig, so Ratzinger in einem Zeitungsartikel. (rv)

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