Sind dies wirklich neu gefundene Reliquien des heiligen Petrus?

ROM – In den letzten Tagen machte in verschiedenen Medien und in den sozialen Netzwerken die Nachricht die Runde, dass bei Restaurierungsarbeiten in der Kirche Santa Maria in Cappella in Rom Knochen gefunden worden waren, die angeblich vom heiligen Apostel Petrus stammen würden. Was steckt dahinter?

Mehrfach wurde berichtet, man hätte bei Arbeiten in dieser Kirche im römischen Viertel Trastevere hinter einem mittelalterlichen Altar eine Reihe kleiner Urnen aus Ton gefunden, in denen Knochenreste enthalten waren.

Auf einer dieser Urnen befand sich eine Inschrift, die den Namen des heiligen Petrus zusammen mit den Namen der Päpste Cornelius, Calixt und Felix aufwies.

Forschungen von Archäologen haben ergeben, dass die gefundenen Knochenreste wahrscheinlich ursprünglich aus einer der Katakomben stammen, die außerhalb der Stadt Rom liegen.

Es gibt jedoch bislang keinerlei wissenschaftlichen Beweis, der die Funde authentifiziert: Die echten Überreste des ersten Bischofs von Rom sind weiterhin jene, die im Petersdom im Vatikan verehrt werden.

Die Katakomben waren Orte, an denen die römischen Christen der ersten Jahrhunderte begraben worden waren. Im Gegensatz zu dem, was viele glauben, waren sie weder geheime Orte, noch Stätten, an denen heilige Messen gefeiert wurden, um der Verfolgung im römischen Kaiserreich zu entgehen.

Die alten heidnischen Römer achteten den Tod und verehrten ihn sogar. Deshalb erlaubten sie, Christen zu beerdigen und respektierten ihre Begräbnisstätten, auch wenn das Christentum selbst durch die kaiserlichen Machthaber verboten war. Die ersten Christen feierten die Heilige Messe jedenfalls in den Domus Ecclesiae, nicht in den Katakomben.

Daher wurden die ersten Märtyrer und die ersten Päpste in den Katakomben beigesetzt, wie beispielsweise in den Katakomben des heiligen Calixtus oder des heiligen Sebastian, die sich auf der Via Appia befinden, die das Zentrum Roms mit dem Hafen von Ostia verband.

Erst nach dem Einfall der barbarischen Völker ab dem IV. Jahrhundert und vor allem im V. Jahrhundert wurde Rom offiziell ein christliches Reich; die Kirche begann die sterblichen Überreste der Märtyrer und Päpste in die Kirche im Stadtinneren zu übertragen, um die Reliquien besser schützen zu können.

Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die in Trastevere gefundenen Überreste diesen Ursprung haben. Diese Interpretation wird durch die Tatsache gestärkt, dass die Archäologen die Urnen auf das XI. Jahrhundert datiert haben, in dem auch die Kirche Santa Maria in Cappella errichtet worden war.

Andererseits zeigen die Inschriften nicht notwendigerweise die Identität der verehrten Personen an. In den Katakomben des heiligen Sebastian wurden auch Grabsteine mit den Namen des heiligen Petrus, des heiligen Paulus und anderer Apostel gefunden. Das bedeute nicht, dass die Gräber Reliquien der Apostel beinhalten würden, sondern es war eine Art und Weise, auf die man um ihre Fürbitte für die Seele des dort Begrabenen bat.

Das Grab des heiligen Petrus im Vatikan

Die katholische Kirche verortet, ausgehend von zahlreichen durchgeführten Untersuchungen, die echten Reliquien des Apostels Petrus in der Nekropolis, die sich unter der Basilika im Vatikan befindet.

Der Ort, an dem sich aktuell der Petersdom und der Petersplatz befinden, war im ersten Jahrhundert der christlichen Ära ein großes freies Feld, außerhalb der römischen Stadtmauern. Dort hatten einige reichsten Familien Roms einen Friedhof errichtet, eine heidnische Nekropolis, die die Überreste ihrer Verstorbenen aufnehmen sollte.

Neben der Nekropolis gab es einen Circus, der von Nero erbaut worden war und der – im Gegensatz zum Circus Maximus – nur zu privaten Zwecken für Veranstaltungen des Kaisers benutzt wurde.

Diese Art von privaten Bauwerken für die Aufführung von Spielen war im alten Rom gebräuchlich. Zwei davon kann man noch heute besuchen: Das Stadion auf dem Palatin und den Circus des Maxentius.

Im von Nero erbauten Circus auf dem vatikanischen Hügel wurde gemäß der Tradition im Jahr 67 der heilige Petrus getötet. Sein Leib wurde anschließend in der Nekropolis beigesetzt, die sich auf demselben Hügel befand.

Als Erinnerung an jenen Circus wurde der Obelisk, der in seiner Mitte errichtet worden war, auf dem jetzigen Petersplatz platziert, auf dem er immer noch steht.

Das Andenken an das Grab des heiligen Petrus blieb in der ersten christlichen Gemeinde Roms lebendig und in den ersten Jahrhunderten des Christentums, vor der Bau der Katakomben, wurden viele Christen in der vatikanischen Nekropolis um das Grab des heiligen Petrus herum bestattet.

Und so befahl Kaiser Konstantin, der erste christliche Kaiser, über die Nekropole die ursprüngliche Basilika des heiligen Petrus zu errichten, die heute nicht mehr existiert. Das Grab des Apostels sollte sich unter dem Schnittpunkt der Kirchenschiffe befinden. Diese Struktur findet man auch heute, in der barocken Basilika, noch. Das Grab des Petrus befindet sich genau unter dem bronzenen Baldachin Berninis.

Nach dem Verschwinden der konstantinischen Basilika und dem Bau der aktuellen Basilika im XV., XVI. und XVII. Jahrhundert, wurde der Zugang zum Grab verschlossen; deshalb ging das Andenken daran verloren und es gab sogar Zweifel an seiner wirklichen Existenz auf dem Vatikanhügel.

Um diese Diskussionen bezüglich der Existenz der Überreste des heiligen Petrus im Vatikan zu beenden, ließ Papst Pius XII. im Jahre 1940 eine große archäologische Ausgrabung unter der Basilika durchführen, die unter Papst Paul VI. beendet wurde.

Diese Untersuchung ermöglichte es, die Reste der durch Konstantin erbauten Basilika wieder zu entdecken und auf einer zweiten Ebene die römische Nekropolis, in einem Zustand, der die Archäologen jener Zeit erstaunte.

Dort fand man, zwischen luxuriösen Mausoleen der heidnischen Patrizierfamilien, die Überreste eines alten, leeren Grabmals inmitten einer Reihe zweifellos christlicher Gräber.

Das Grabmal wies mehrere christliche Graffiti auf, die anzeigen, dass dort ein bedeutender christlicher Märtyrer ruhe. Die Aufschrift „Hier ist Petrus“ gab seine Identität an.

Über diesem Grabmal, in einer Konstruktion aus der Zeit der konstantinischen Basilika, fand man eine Urne mit verschiedenen, in ein purpurnes Tuch gewickelten, Knochen. Das war die Farbe für die römischen Kaiser, aber auch für die christlichen Märtyrer. Die Knochen waren aufgrund des Tuches, in das sie eingewickelt waren, rot gefärbt.

Die Kirche verkündete damals der Welt, dass das Grab des heiligen Petrus entdeckt und identifiziert worden war. Spätere Untersuchungen der Überreste ergaben, dass – auch wenn es unmöglich wäre, diese Überreste mit hundertprozentiger Sicherheit einer bestimmten Person zuordnen zu können – man doch bescheinigen könne, dass sie einem Mann gehörten, der im ersten Jahrhundert des Christentums gelebt hatte und der ähnliche körperliche Merkmale aufwies, wie man sie dem heiligen Petrus zuschrieb.

Die Überreste des heiligen Petrus können heute in den vatikanischen Grotten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind, besichtigt werden.

Übersetzt aus dem Spanischen von Susanne Finner. (CNA Deutsch)

Ehemaliger Vatikansprecher Navarro-Valls gestorben

Der frühere Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls ist am Mittwochnachmittag nach langer Krankheit in Rom gestorben. Das teilte der vatikanische Pressesaal mit. Er war von 1984 bis 2006 Leiter des vatikanischen Presseamtes und enger Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II. Navarro-Valls war Spanier und starb im Alter von 80 Jahren.

Der gelernte Arzt und Journalist, ein Mitglied des Opus Dei, übte auch im Pontifikat von Benedikt XVI. ein Jahr das Amt des Papstsprechers aus, bevor der Papst aus Deutschland ihn gegen den Jesuiten Federico Lombardi austauschte. Seinen letzten großen Auftritt hatte Navarro-Valls im April 2011, als er zur Seligsprechung von Johannes Paul II. vor rund 200.000 Menschen „seinen“ Pontifex würdigte.

Der Pressesprecher, der eigentlich keiner war

Der Nachfolger Navarros, Pater Federico Lombardi, würdigt im Gespräch mit Radio Vatikan den Verstorbenen. „Ich habe ihn zum ersten Mal kennen gelernt, als ich 1991 als Programmdirektor von Radio Vatikan nach Rom kam. Seitdem habe ich seine Arbeit im Pressesaal von ganz nahe mit verfolgt und gemerkt, wie wichtig diese Stelle als Informationsquelle ist und welche Rolle die Papstreisen spielen.“

Eigentlich war Navarro-Valls nicht „Pressesprecher des Papstes“, denn diese Bezeichnung gab es so nicht, erläutert Lombardi. Doch bei Navarro-Valls passte diese fiktive Bezeichnung irgendwie doch, so der Jesuitenpater. „Für ihn war es von Anfang an klar, dass es unabdingbar ist, als Vatikanmitarbeiter einen direkten Draht zum Papst zu haben. Auf diese Weise war für ihn jedes mal klar, wie der Heilige Vater über das denkt, was er als Sprecher den Medien erläutern musste. Er konnte sich ja nicht einfach auf Gerüchte stützen.“

Pater Lombardi erinnert auch daran, dass Navarro-Valls im Auftrag des Heiligen Stuhls auch für politische und diplomatische Missionen im Einsatz war. So gehörte er zur offiziellen Delegation des Heiligen Stuhls bei der UNO-Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo. Vor der Kuba-Reise 1998 führte er dort vor Ort klärende Gespräche.

„Gnade unter Druck“

Auch der jetzige Leiter des Vatikanischen Pressesaals, der Amerikaner Greg Burke, würdigt Navarro-Valls: Der Spanier habe „das verkörpert, was Hemingway Mut nannte, nämlich Gnade unter Druck“. Er sei nicht nur „ein Glaubender“, sondern auch „ein Meister erster Klasse“ gewesen.

Der langjährige Vize-Direktor des Pressesaals, Ciro Benedettini, streicht heraus, dass Navarro-Valls allen Mitarbeitern das Gefühl vermittelt habe, wichtig und Teil einer einzigen Mission zu sein. Der Verstorbene habe sich immer für die Ansichten und Meinungen seiner Mitarbeiter interessiert.

Die Totenmesse für Navarro-Valls wird am Freitag um elf Uhr in der Opus-Dei-Kirche Sant’Eugenio in der Nähe des Parks Villa Borghese zelebriert. (rv)

Ladaria neuer Chef der Glaubenskongregation

  Erzbischof Luis Ladaria ist der neue Präfekt der Glaubenskongregation. Das gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt. Der Jesuit und Theologe war bislang als Sekretär die Nummer Zwei des Dikasteriums, er rückt an die Stelle von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Amtszeit an diesem Sonntag ausläuft.

Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer SJ stammt gebürtig aus Mallorca, ist Jurist und seit 1966 Mitglied im Jesuitenorden. Einen Teil seiner Studien absolvierte er an der Jesuitenhochschule in Sankt Georgen, Frankfurt am Main. Seit Mitte der 80er Jahre dozierte er Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, bevor er 2008 als Nachfolger von Angelo Amato zum Sekretär der Glaubenskongregation ernannt und zum Bischof geweiht wurde. 2013 bestätigte ihn Papst Franziskus in seinem Amt.

An diesem Sonntag endet regulär die fünfjährige Amtszeit von Gerhard Ludwig Müller an der Spitze der Kongregation. Papst Franziskus hat entschieden, ihn nicht um weitere fünf Jahre zu verlängern. Kardinal Müller war 2012 von Papst Benedikt zum Nachfolger von Kardinal William Levada berufen worden, der in den Ruhestand ging. Bis zu seiner Wahl zum Papst war Benedikt – Joseph Ratzinger – selbst Präfekt der Glaubenskongregation gewesen.

Müller stammt aus Mainz, promovierte in Theologie bei Karl Lehmann und dozierte Dogmatik in München, bevor er zum Bischof von Regensburg ernannt wurde. (rv)

Bistum Rom: Neuer Vikar tritt sein Amt an

Dass Rom Zentrum der Weltkirche ist und Ort des Papstes, ist jedem einleuchtend. Dass Rom aber auch ein normales Erzbistum ist, mit Pfarreien, Priesterseminar, Initiativen und Verwaltung, das fällt meistens unter den Tisch. Nicht so bei den über zwei Millionen Katholiken in den über 300 Pfarreien des Bistums, das kleiner ist als die Stadt Rom selber. Hier hat das normale Pfarreileben Vorrang vor dem großen Bild der Weltkirche. Bischof der Stadt ist Papst Franziskus, zuständig für diese pastoralen Belange in der Stadt ist aber sein Vikar, der de facto die Amtsgeschäfte des Ortsbischofs verwaltet.

Bischofskirche Roms ist San Giovanni in Lateran – nicht der Petersdom -, und so führt der neue Vikar offiziell auch den Titel des Erzpriesters dieser Basilika. An diesem Donnerstag, dem Hochfest der Stadtpatrone Peter und Paul, hat diesen Dienst als Vikar des Papstes für Rom nun offiziell übernommen. Ende Mai hatte der Papst den früheren Pfarrer in Rom und späteren Weihbischof in dieses Amt als Nachfolger für Kardinal Agostino Vallini berufen.

Er wolle vor allem ein Bischof sein, der immer gut zuhöre, so De Donatis in einer ersten Botschaft an „sein“ Bistum. Gebürtig stammt er zwar aus Apulien, ist aber seit 1983 Priester in Rom und kennt deswegen das Bistum, vor allem auch deswegen, weil er in der Priesterausbildung tätig war.

Herausforderungen gibt es viele im Bistum. Noch vor 50 Jahren gab es lediglich 30 Pfarreien, die Zahl hat sich seitdem verzehnfacht. Außerdem kommen viele Migranten und Flüchtlinge in die Stadt, die Armut ist in den Straßen nicht zu übersehen.

„Wir erwarten uns von ihm einen Ansprechpartner für uns Priester“, sagt Maurizio Mirilli, Pfarrer in Rom, über seinen neuen Chef. „Die Laien wünschen sich besonders, dass er ein Gelenk sei, ein Beschleuniger, für die Anstöße von Papst Franziskus für eine Kirche im Aufbruch.“ Pfarrer-Kollege Pater Lucio Zappatore weist auf das Grundproblem auch dieses Bistums hin: „Wir haben die Praxis des Sonntagsmesse verloren, wir müssen den Glauben neu entdecken. Die Sakramente sind das Fundament unseres Glaubens, die uns dann den Anstoß geben, zu den Armen zu gehen, andere willkommen zu heißen. Allen zu helfen, die Flüchtlinge aufzunehmen, alle Menschen wert zu schätzen, das alles bekommt einen neuen Geschmack, wenn es aus dem Glauben heraus kommt.“

Viel Arbeit also für den neuen Vertreter des Papstes als Bischof von Rom, Angelo De Donatis. (rv)

800 Jahre Dominikaner: Papstmesse am Samstag

Mit einer Papstmesse und einem internationalen Kongress findet das 800-Jahr-Jubiläum des Dominikanerordens in dieser Woche in Rom seinen Abschluss. Zur internationalen Tagung an der päpstlichen Thomas von Aquin-Universität sind über 600 Teilnehmer angereist, Laien wie Ordensbrüder und Ordensschwestern aus aller Welt. Im Zentrum der internationalen Begegnung, die an diesem Dienstagnachmittag startet, steht der missionarische Auftrag des Predigerordens, die Verkündigung des Evangeliums. Die Morgen- und Nachmittagsveranstaltungen werden über die Seite des Ordens www.op.org auf Französisch, Englisch und Spanisch als Live-Video im Internet übertragen. Darüber hinaus besteht über die Seite die Möglichkeit, den Relatoren Fragen zu stellen, gab der Orden in einer Pressemeldung bekannt.

Am kommenden Samstagnachmittag, dem letzten Tag des Jubiläumsjahres, findet für die Teilnehmer dann in der Lateranbasilika die Messe mit Papst Franziskus statt. Dieses Ereignis überträgt Radio Vatikan live und mit deutschem Kommentar.

Der Dominikanerorden wurde 1215 durch den heiligen Dominikus gegründet und im Folgejahr vom Papst bestätigt. Im Anschluss breitete er sich rasch in ganz Europa aus. Mit dem Bettel- und Predigerorden griff Dominikus Ideen der damaligen Armutsbewegung auf und wollte eine Generation von Predigern ausbilden, die die Glaubenslehre gut darlegen und Häresien die Stirn bieten konnten. (rv)

Vatikan: Campo Santo Teutonico mit neuer Webseite

c_sEine deutsch-flämische Enklave im Vatikan hat einen neuen Webauftritt: Der Campo Santo Teutonico hat kurz vor seinem Patroziniumsfest am 8. Dezember seine neugestaltete Homepage freigeschaltet. Unter camposanto.va sind nun umfassende historische und praktische Informationen zum Friedhof der Deutschen und Flamen direkt südlich des Petersdoms abzurufen. Am Campo Santo sind drei Institutionen ansässig, die Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Mutter Gottes als Eigentümerin des gesamten Komplexes, darüber hinaus ein Päpstliches Priesterkolleg sowie das Römische Institut der Görres-Gesellschaft. Die deutschsprachigen Sonntagsmessen am Campo Santo sowie der malerische Friedhof hinter Vatikanmauern sind ein beliebtes Ziel von Pilgergruppen aus dem deutschen und flämischen Sprachraum. (rv)

Papst Franziskus bei den Jesuiten: Seid „frei und gehorsam“

jesuitenorden„Frei und gehorsam“: So wünscht sich Franziskus seinen Jesuitenorden. An diesem Montag stattete er der Generalkongregation des Ordens in Rom einen historischen Besuch ab – historisch deshalb, weil da zum ersten Mal ein Papst, der selbst aus dem Jesuitenorden kommt, vor der höchsten Instanz des Ordens das Wort ergriff. Er nutzte die Gunst der Stunde zu einer Grundsatzrede.

„Zusammen vorangehen, frei und gehorsam – vorangehen an die Peripherien, an die andere nicht gelangen… Für die ‚Gesellschaft Jesu’ sollte, wie Nadal [Pater Jeronimo Nadal, einer der ersten Jesuiten] schrieb, die ganze Welt ihr Zuhause sein… Die Seinsweise des Ordens ist das Zugehen auf Ihn (auf Gott). So war das schon für die ersten Gefährten [des Ordensgründers Ignatius], und diese sahen schon voraus, dass das auch für die so sein würde, die ihnen „auf diesem Weg“ folgen würden. In dieser Hinsicht sind Armut, Gehorsam oder die Freiheit von bestimmten Verpflichtungen wie zum Beispiel dem Chorgebet nicht so sehr Ansprüche oder Privilegien, sondern vor allem eine Hilfe zur Mobilität der Gemeinschaft. Sie soll wirklich fähig sein, auf der Straße unseres Herrn Jesus Christus vorwärtszukommen.“

Für den Gründer des Jesuitenordens, den hl. Ignatius von Loyola, sei das Vorwärtsgehen ein spirituell wichtiger Begriff gewesen: Er habe auch bedeutet, „etwas für andere zu tun“. Streben nach Vollkommenheit gebe es seit Ignatius nur, wenn damit immer auch die anderen Menschen mitgemeint und erreicht würden. Keiner werde allein vollkommen, auch kein Jesuit; eigenes Heil und das Heil des Nächsten bedingten sich gegenseitig.

Fruchtbare Spannungen

Franziskus machte hier auf eine aus seiner Sicht fruchtbare Spannung aufmerksam – nicht die einzige in der DNA seines Ordens. „Kontemplation und Aktion. Glaube und Gerechtigkeit. Charisma und Institution. Gemeinschaft und Mission… Die Harmonisierung dieser und aller Spannungen gelingt nicht durch abstrakte Formeln, sondern nur … durch das Vorwärtsgehen in der Jüngerschaft des Herrn.“

Mit Nachdruck sagte der Papst, dass die Grundbestrebungen der Jesuiten „nicht elitär“ sein sollten. Sie sollten sich vor „spiritueller Weltlichkeit“ hüten, einer Versuchung, „die uns vom Wesentlichen ablenkt, nämlich eine Spur zu hinterlassen, Geschichte zu machen, vor allem im Leben der Schwächsten“. Drei Punkte legte Franziskus dem Jesuitenorden unter dem neugewählten Generaloberen Arturo Sosa ans Herz. Der erste davon: Sorgt für geistlichen Trost.

„Dieser Dienst an der Freude und am geistlichen Trost ist im Gebet verankert. Er besteht darin, Gott inständig um seinen Trost zu bitten. Dieses Gebet ist der größte Dienst an der Freude… Eine gute Nachricht lässt sich nicht mit traurigem Gesicht überbringen. Freude ist kein dekoratives Plus, sondern klares Indiz der Gnade: Sie zeigt, dass die Liebe aktiv ist, am Werk, präsent… Dieser Dienst an der Freude war es, der die ersten Gefährten dazu brachte, sich zusammenzuschließen; das Merkmal ihres Zusammenschlusses war die Freude, die ihnen das gemeinsame Beten und Missionieren machte… Es war diese Freude an der expliziten Verkündigung des Evangeliums (durch Predigt und durch Werke der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit), der die Gesellschaft Jesu dazu veranlasste, an alle Peripherien zu gehen. Der Jesuit ist ein Diener der Freude des Evangeliums.“

Der Herr am Kreuz

Das zweite Wort, das der Papst den Jesuiten ins Stammbuch schrieb: „Lasst euch vom Herrn am Kreuz innerlich bewegen.“ Der gekreuzigte Jesus sei „in so vielen Geschwistern, die leiden, präsent – es ist die große Mehrheit der Menschheit!“ Der frühere Ordensgeneral Pater Pedro Arrupe habe zu Recht formuliert, wo ein Leiden sei, da sei die Gesellschaft Jesu.

„Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist eine günstige Zeit, um über die Dienste der Barmherzigkeit nachzudenken. Ich sage das im Plural, denn Barmherzigkeit ist kein abstrakter Begriff, sondern ein Lebensstil. Er zieht den Worten konkrete Gesten vor, die das Fleisch des Nächsten berühren und zu Werken der Barmherzigkeit werden… Der hl. Ignatius lebte auch in den kleinsten Angelegenheiten seines Lebens und seiner Person von der reinen Barmherzigkeit Gottes. Und er spürte: Je mehr Hindernisse er dem entgegensetzte, mit umso größerer Güte behandelte ihn der Herr.“

Barmherzigkeit habe eine „befreiende Kraft“, so der Papst, „die wir allzuoft mit abstrakten Formulierungen und legalistischen Bedingungen verwässern“. „Der Herr, der auf uns mit Barmherzigkeit schaut und der uns erwählt, sende uns aus, damit die Barmherzigkeit wirksam zu den Armen, den Sündern, den Ausgesonderten und den Gekreuzigten der heutigen Welt gelangt, die unter Ungerechtigkeit und Gewalt leiden!“

Der Geist, der uns in der Kirche verankert

Drittes Papstwort an die Jesuiten: „Das Gute in gutem Geist tun und dabei mit der Kirche fühlen“. Es reiche nicht, das Gute zu denken oder zu tun – das müsse auch im richtigen Geist geschehen, „dem Geist, der uns in der Kirche verankert“. „Es zeichnet die Gesellschaft Jesu aus, die Dinge zu tun, indem sie mit der Kirche fühlt! … Dieser Dienst in gutem Geist und in der Unterscheidung macht uns zu Männern der Kirche – nicht zu Klerikalen, sondern zu Kirchenleuten. Menschen für die anderen, die alles, was wir haben, in den Dienst (aller) stellen… Diese Selbstentäußerung führt dazu, dass die Gesellschaft Jesu das Gesicht, den Akzent und die Art und Weise aller Völker, jeder Kultur haben kann. Dass sie sich in alle (Kulturen) integrieren kann, in das Spezifische des Herzens jedes Volkes…, und dass so das Evangelium inkulturiert und jede Kultur evangelisiert wird.“

Trost, Barmherzigkeit, Unterscheidung – drei Akzente hat Papst Franziskus dem Jesuitenorden auf den Weg gegeben. Auch nach seiner Grundsatzrede hielt sich Papst Bergoglio SJ noch mehrere Stunden bei der Generalkongregation des Ordens auf. (rv)

Ein McDonald’s im Vatikan? Aufruhr über „McVatican“-Filiale

cna_mcdonaldsVATIKANSTADT – Buchstäblich um die Ecke vom Petersplatz, auf vatikanischem Boden, eröffnet demnächst eine Filiale der amerikanischen Fastfood-Kette McDonald’s – sehr zum Missfallen einiger prominenter Kritiker, darunter Kardinäle, die im gleichen Gebäude leben.

Der „McVatican“, wie er bei manchen jetzt schon heißt, soll an der Ecke der Via del Mascherino und der Via Borgo Pio aufmachen, mit Blick auf Vatikan und Petersdom.

Zahlreiche Firmen hatten sich um die leerstehenden Räumlichkeiten beworben. Doch APSA, die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls, entschied sich, diese an McDonald’s zu vermieten – für monatlich 30.000 Euro Miete.

In einem Interview mit der italienschen Zeitung „La Reppublica“ sagte der italienische Kardinal Elio Sgreccia, Präsident emeritus der Päpstlichen Akademie für das Leben, dies sei „eine umstrittene, eine perverse Entscheidung, um es gelinde auszudrücken“.

Die Anwesenheit einer Filiale der Fastfood-Kette, sagte er, sei ein Akt der Respektlosigkeit gegenüber den architektonischen und urbanen Traditionen eines einzigarten Platzes, der die Kolonnaden von St. Peter überblicke „und täglich von tausenden Pilgern und Touristen besucht wird“, so der Kardinal.

Die „Mega-Sandwiches“ der Fastfood-Kette seien, sagte Kardinal Sgreccia weiter, eine Gefahr für die Gesundheit; die „fragwürdige“ Aktivität hätte für ein vatikanisches Gebäude überhaupt nicht erst in Frage kommen dürfen.

Neben Sgreccia, der dem Papst einen Brief zum Thema geschrieben haben soll, haben auch andere Kardinäle, die im betroffenen Gebäude wohnen, ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verliehen: Was werde etwa mit den Obdachlosen geschehen, die vor dem Gebäude leben, manche schon seit Jahren?

McDonald’s wäre nicht nur eine „Schande“, so Kardinal Sgreccia gegenüber „La Repubblica“; vielmehr hätten – statt einer Fastfood-Filiale zu dienen – die Räumlichkeiten besser der Versorgung Bedürftiger zur Verfügung gestellt werden sollen.

Doch der Kritik zum Trotz sagt der zuständige Präsident von APSA, Kardinal Domenico Calcagno, er verstehe die Aufregung nicht.

Alles sei juristisch einwandfrei, und nichts verstoße gegen das Recht, die Tradition und Interessen des Heiligen Stuhls, so Kardinal Calcagno gegenüber „La Repubblica“. Eine Umentscheidung käme nicht in Frage.

Von Briefen an den Papst wisse er nichts, so Kardinal Calcagno weiter. Er wisse zwar um die Meinung seiner Brüder, doch, wie er betonte: „Wir sind freie Menschen. Jeder hat das Recht, seine Meinung auszudrücken“. Man könne freilich nicht immer der gleichen Ansicht sein.

Als Präsident von APSA sehe er nichts Negatives an der Entscheidung. Das Angebot der amerikanischen Manager sei fair und gerecht gewesen: „Ich kann keinen Skandal erkennen“. (CNA Deutsch)

Jubiläum der Nuntien: Papstbotschafter aus aller Welt in Rom

Kardinal ParolinEin vatikanisches Botschaftertreffen neuer Art: Papst Franziskus hat seine Nuntien aus aller Welt zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit nach Rom eingeladen, und fast alle sind gekommen. Von 108 Nuntien und Ständigen Beobachtern halten sich nicht weniger als 106 zum „Jubiläum der päpstlichen Repräsentanten“ dieser Tage im Vatikan auf, wie der Pressesaal des Heiligen Stuhles am Donnerstag informierte. Das Treffen dauert bis Samstag und enthält geistliche Impulse, Fortbildungsvorträge, zwei Empfänge sowie insgesamt vier Begegnungen mit Papst Franziskus. Am letzten Tag, zu dem auch die 40 emeritierten Nuntien eingeladen sind, durchschreiten die päpstlichen Diplomaten gemeinsam die Heilige Pforte des Petersdoms, danach ist eine Papstaudienz anberaumt.

Die Serie der Begegnungen eröffnete eine Messe im Petersdom, die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Donnerstagmorgen zelebrierte. Danach hören die Nuntien in der Synodenaula über der Audienzhalle zwei Vorträge, einen davon über die „Kultur des Gender“ von dem Opus-Dei-Priester Robert Gahl, der Ethik an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom lehrt. Am Abend ist ein gemeinsames Essen mit Papst Franziskus in der Casina Pio IV. in den vatikanischen Gärten vorgesehen.

Der Freitag ist einer Arbeitsbegegnung mit den Spitzen des Staatssekretariats gewidmet, danach hält der Präsident des päpstlichen Dialogrates, Kardinal Jean-Loius Tauran, selbst ein früherer Spitzendiplomat des Heiligen Stuhles, einen Vortrag über die Beziehungen zum Islam. Abends folgt ein großer Empfang mit den Kurienchefs und den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern auf der Terrasse der Gemäldesammlung der Vatikanischen Museen.

Am Samstag feiern die Nuntien die Frühmesse mit dem Papst in der Kapelle von dessen Residenz Santa Marta. Am selben Ort hören die Diplomaten sodann einen Vortrag vom neuen Präsidenten des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie, Pierangelo Sequeri. Nach dem pilgernden Durchschreiten der Heiligen Pforte und der Papstaudienz in der Sala Clementina im Apostolischen Palast ist eine „brüderliche Agape“ mit Franziskus in seiner Residenz vorgesehen.

Die übrigen Mitarbeiter im diplomatischen Dienst sind zu einer gesonderten Begegnung mit Franziskus im Vatikan am 18. November eingeladen. Dann werden, wie der Pressesaal informierte, alle 163 festen Mitarbeiter der päpstlichen diplomatischen Vertretungen – Botschaftsräte, Sekretäre und Attaches – zur Feier eines Jubiläumstages nach Rom kommen.

Von den derzeit 108 Päpstlichen Repräsentanten sind 103 Apostolische Nuntien im Rang eines Erzbischofs, die fünf anderen sind Priester, die als Ständige Beobachter zu verschiedenen internationalen Organisationen entsandt sind.

Der Heilige Stuhl unterhält diplomatische Beziehungen mit 180 Staaten auf allen Kontinenten; nicht vertreten sind unter anderem Saudi-Arabien und China. Die katholische Kirche ist die einzige Religionsgemeinschaft, die ein eigenes, hochartikuliertes System diplomatischer Vertretungen unterhält. In ihren Gastländern nehmen die Botschafter – Nuntien – im Auftrag des Papstes sowohl diplomatische als auch kirchliche Aufgaben wahr. (rv)

Ein Stückchen Heimat für Deutsche in Rom

Santa Maria dell AnimaDas schlagende Herz der Weltkirche. Das sagt man gerne über Rom. Die ewige Stadt ist gerade im Heiligen Jahr ein Anlaufpunkt für viele Pilger aus aller Welt, darunter auch viele Deutsche. Was macht man aber, wenn man in Rom angekommen ist, zum Gottesdienst will, aber kein Italienisch kann? Dafür gibt es in Rom schon seit Jahrhunderten eine Anlaufstelle: Die deutsche Nationalkirche Santa Maria dell’Anima.

Sie liegt in einer kleinen Seitenstraße hinter der Piazza Navona, einer der Haupt-Treffpunkte für Touristen in Rom. Viel ist hier los, fast rund um die Uhr. Kommt man aus dem Trubel heraus und betritt die Kirche, ist man in einer vollkommen anderen Welt: „Wer durch die Türe tritt, kommt in einen hellen, schönen, großen Raum. Er wird angetan sein von der Fülle von Eindrücken, die auf ihn einströmen. Unsere Kirche lädt, obwohl mitten in der Stadt, zur Stille ein.“

Santa Maria dell’Anima ist die Kirche der deutschen katholischen Gemeinde in Rom. Neben dem Kirchengebäude beherbergt der Komplex Unterkünfte für Theologiestudenten aus Deutschland – und steht auch immer offen für deutsche Pilger und Touristen. Pfarrer Peter Unkelbach ist Kurat der Gemeinde. Eine Aufgabe die in Rom nicht viel anders aussieht als in Deutschland: „Ich bin Seelsorgs-Geistlicher. Mir sind Dienste aufgetragen, wie sie jedem Priester aufgegeben sind: Die Feier der Heiligen Messe oder Spendung der Sakramente.“

Die Geschichte der Kirche reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Einem deutschen Ehepaar ist ihre Errichtung zu verdanken. Einen Ort für deutsche Pilger in Rom wollten sie schaffen: „Beim Haupteingang zur Anima finden Sie eine lateinische Inschrift, die die damalige Bestimmung festgehalten hat. Zu Deutsch: Fremdenherberge Beata Maria de Anima, (Maria der Seelen). Errichtet für die Betreuung der armen deutschen Pilger.“

Und das ist auch heute noch eine der Hauptaufgaben der Anima in Rom. Betritt man die Kirche, hat man den Eindruck eines großen, offenen Raumes, da alles zentral auf den Altar ausgerichtet ist. Die offenen Seitenkapellen reichen fast bis zur Decke. Auf der rechten Seite des Chores findet sich das Grabmal von Papst Hadrian VI. Ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Vatikan. Die deutsche Kirche in Rom ist jedoch kein Ort des Todes, sondern ein Ort des Lebens. Ein aktives Gemeindeleben prägt die Anima. Gottesdienste, Konzerte, Führungen und andere Veranstaltungen stehen offen für deutsche Römer, Pilger und Touristen. „Menschen die zu uns kommen, haben das Gefühl ‚hier bin ich daheim‘.“

Täglich werden Gottesdienste in deutscher Sprache gefeiert. Am Sonntagabend auch auf Latein, mit Predigt auf Deutsch und Italienisch. Die Anima liegt eben mittendrin: Zwischen Römern und Touristen, zwischen Pilgern und Passanten, zwischen Deutschland und Italien. „Wir wollen für jene da sein, die in Rom ein Zuhause gefunden haben,“ sagt Pfarrer Unkelbach. (rv)