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Die Kraft der Stille: Kardinal Sarah stellt sein neues Buch in deutscher Sprache vor

Donnerstag 25. Mai 2017 von VH

ROM – Sein neues Buch hat in französischer und englischer Sprache bereits Furore gemacht – nun liegt das Werk von Kardinal Robert Sarah über die Kraft der Stille auf Deutsch vor.

Die beim Fe-Medienverlag verlegte deutsche Fassung wurde am heutigen Mittwoch in Rom vorgestellt. CNA Deutsch dokumentiert den Wortlaut der Rede des Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, übersetzt aus dem Italienischen von Paul Badde.

Sehr geehrte Damen und Herren

Eminenzen, Exzellenzen,

zuerst einmal muss ich mich heute Abend bedanken. Ich danke jedem der hier Anwesenden. Mit Ihrer zahlreichen Anwesenheit zeigen Sie, dass die Stille kein Thema der Vergangenheit, sondern dass sie auch heute von wesentlicher Bedeutung ist. Mit Ihrer Anwesenheit bestätigen Sie schon, dass die Stille nicht nur das mönchische Leben betrifft, sondern dass auch wir die Stille nötig haben. Sehr herzlich danke ich seiner Exzellenz Monsignore Georg Gänswein und bitte ihn, meine dankbaren und ehrerbietigen Grüße an Seine Heiligkeit Benedikt XVI zu übermitteln, der mich so großzügig mit seiner Nähe und moralischen Unterstützung ehrt.

Ich danke dem päpstlichen Institut der Santa Maria dell’Anima, und besonders seinem Rektor, Monsignore Brandmayr, der diesen Raum anbietet, um das Buch der Öffentlichkeit vorzustellen.

Ich danke schließlich dem FE-Medienverlag und besonders seinem Herausgeber Bernhard Müller, der die Last der Veröffentlichung des Buches der „Kraft der Stille“ in deutscher Sprache übernommen hat, das wir heute in den Händen halten.

Die deutsche Ausgabe meines ersten Buches „Gott oder Nichts“ hat eine sehr schöne Aufnahme erfahren. Ich hoffe, dass die deutsche Öffentlichkeit auch jetzt wieder die Überlegungen, die ich hier in der „Kraft der Stille“ anbiete, schätzen wird. Tatsächlich ist die Stille ein universales Thema, durch das jene Horizonte aufgerissen werden, die uns erlauben, in die Wahrheit unseres Lebens einzutreten.

Dieses Buch ist dem Leben entwachsen. Es verdankt sich meiner persönlicher Erfahrung und der Erfahrung mir teurer Personen, die ich kennenlernen durfte und die in der Stille und durch ihre Stille reiche Früchte der Heiligkeit und Güte hervorgebracht haben. Ich denke dabei besonders an den Bruder Vincent-Marie de la Résurrection, einen Kanoniker der Abtei Sainte Marie di Lagrasse, den ich 2014 kennenlernen durfte. Er litt unter Multipler Sklerose, die ihn 2016 mit 37 Jahren sterben ließ. Bruder Vincent konnte nicht sprechen. Doch zwischen uns entstand eine wundervolle spirituelle Beziehung, nicht durch Worte, sondern durch Blicke, durch die Stille, und durch das Gebet, an dem Bruder Vincent nur durch die Bewegung seiner Lippen teilnahm.

Diese menschliche und mystische Dimension der Stille hat mir Bruder Vincent in ganz besonderer Weise erschlossen. Ich kann also sagen, dass das Buch, das hier heute vorgestellt wird, der Kammer eines Kranken entwachsen ist, eines jungen Ordensmannes, der den Himmel in einem Körper erwartete, der immer stärker vom Leid gezeichnet war, der aber auch – wie ich sagen möchte – leuchtete, weil in ihm schon das Licht der Auferstehung durchschien.

Für mich ist die Stille aber auch Teil einer persönlichen Erfahrung der ersten Jahre meines Bischofsdienstes in Conakry in Guinea, als ich sehr isoliert und kontrolliert lebte, unter jenen bekannten politischen Umständen, die ich schon in meinem ersten Buch beschrieben habe. Die äußere Isolation öffnete mir damals – als ein großes Geschenk Gottes – aber auch jene inneren Räume, in die Gott eintritt und wohnt und spricht und tröstet.

Es sind diese Erfahrungen, die auch heute helfen, zu einer tieferen Unterscheidung dessen zu gelangen, was uns jetzt umgibt – in einer kulturellen Umwelt, die fast systematisch vermeidet, mit sich selbst allein zu sein und nach innen zu schauen. Der Lärm, das Geschwätz, und die neuen Technologien, die dieses Getöse transportieren, verdecken die Leere eines neuen Menschen, der kaum mehr weiß, wofür er leben soll.

Noch schmerzhafter ist es aber für mich, festzustellen, wie diese Oberflächlichkeit und Gottlosigkeit und Verachtung der menschlichen Person inzwischen auch in die Kirche eingedrungen ist. Ich kann nicht leugnen, dass sich dieses Buch also auch meinen Erfahrungen als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung verdankt. Denn ich muss sagen, dass die Liturgie jene Dimension im Leben der Kirche ist, die wohl am meisten leidet unter dieser entwertenden Verweltlichung, die auch in die Kirche eingedrungen ist. Das muss ich erklären.

Es ist kein Geheimnis – und dies sage ich mit großem Schmerz – dass unsere moderne Welt auf eine Weise lebt, als würde es Gott nicht geben. Das sollten wir nicht nur als intellektuelles Gedankenspiel verstehen. Diese Entfremdung ist ein Faktum und eine reale Erfahrung. Es ist das tägliche Leben von Millionen Menschen, das ganz konkret gekennzeichnet ist von einer Leere, die von der Abwesenheit Gottes herrührt. Aber wenn Gott fehlt, muss der Mensch verzweifelt nach etwas suchen, das ihm einen Zugang zum Absoluten verspricht, und er muss dabei leider gleichzeitig feststellen, dass nichts, was einfach nur menschlich ist, sein Herz vollkommen ausfüllen kann.

Es ist aber problematisch, dass wir nur menschliche Lösungen suchen als Antwort nach unserer Bestimmung.

Angesichts unleugbarer großer Probleme versteifen wir uns auf die Suche nach menschlichen Mitteln, anstatt unser Herz zu Gott zu erheben. Manchmal habe ich den Eindruck, dass diese Verweltlichung in die Kirche eingedrungen ist, um auch unseren Glauben auf ein menschliches Maß zu reduzieren. Anstatt den Menschen für die Initiative Gottes zu öffnen, der immer unerwartet, sprengend und befreiend ist, denken viele, dass der Mensch von heute besser glauben könne, wenn wir ihm einen Glauben nach menschlichem Maß vorschlagen, der nicht mehr in der Tiefe der Offenbarung durch Christus wurzelt und in der Überlieferung der Kirche, sondern in den Ansprüchen und Bedürfnissen des modernen Menschen, und den Begrenzungen seiner Möglichkeiten.

Diese Verweltlichung drückt sich auch in der Liturgie aus. Das II. Vatikanische Konzil hat festgelegt, dass die Liturgie Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens ist.

Ich würde noch mehr sagen. Die Liturgie ist der Hochzeitsraum, wo sich Gott in einem Akt vollkommener Liebe Seiner Kirche hingibt und wo der Christ in vollkommener Gemeinschaft von Leib und Seele seinem Herrn begegnet. Und genau in dieser Wesensmitte der Liturgie, als empfindlichstem Punkt im Leben der Kirche, ist eine Verkürzung des Glaubens nach allein menschlichem Maß und Gutdünken in seiner ganzen Schwere zu erfahren, sei es in den Worten oder den Gesten. Wie in dem Buch dargestellt, hören wir fast nie mehr, wie in unseren Predigten über den Glauben, das ewige Leben, die Gemeinschaft mit der Person Christi, der Sünde als Bruch und Rebellion gegen Gott gesprochen wird.

Und wird nicht versucht, auch alle jene Gesten auszulöschen, die dem modernen „unverständlich“ scheinen, um sie durch einen Wortschwall zu ersetzen, die unsere Eucharistiefeiern immer mehr in große Happenings umwandeln, in deren Mittelpunkt der in sich eingeschlossene Mensch mit seinen Problemen steht und seinem eigenen Urteilsvermögen, diese Probleme zu lösen? Ist dies aber nicht eher nur noch eine menschliche Feier – als ein wahrer Gottesdienst und ein Fest der Kirche?

Es ist diese offensichtliche Abwesenheit Gottes auch in der Liturgie – wenn Sie mir die Beobachtung erlauben – von der sich mein Buch über die Stille herleitet, um Gott hier wieder an die erste Stelle zu setzen.

Es dreht sich dabei freilich nicht um eine Stille um der Stille willen, sondern um eine Stille, in der Gott wieder reden und gehört werden kann. Der Primat Gottes, Gott in unserer Mitte, die Anbetung Gottes und das Opfer des Menschen bilden Herz und Wesen christlicher Liturgie. Das Konzil hat uns ein großes Erbe hinterlassen, besonders in der Konstitution über die Liturgie und den Auftrag zur liturgischen Erneuerung: das ist die Heiligung jedes Getauften. Diesen Aspekt gilt es wieder zu entdecken. Diese Heiligung geschieht wesentlich im Moment der Begegnung mit Ihm in der Liturgie, wenn wir rufen: Heilig, heilig, heilig!

Aber wie können wir Ihm begegnen, wenn wir voll mit uns selbst sind, ohne jeden Raum für Ihn? Wie können wir uns erfüllen lassen von Seiner göttlichen Gegenwart, von Seinem Wort des Lebens, von Seiner trostvollen Botschaft von Tod und Auferstehung, wenn wir voll sind mit Worten, Tönen und absolut weltlichen Nachrichten? Diese Überlegung gilt für jeden einzelnen Gläubigen, aber auch für die ganze Gemeinde, wenn sie feiert: Wenn wir selber im Zentrum der Feier stehen, wie kann da die Gemeinde das Wirken des Heiligen Geistes erfahren, der sie belebt?

Die Herausforderung der Stille ist eine große Aufgabe, weil sie uns an den Sinn der menschlichen Existenz hinführt, an das Verhältnis des Menschen zu Gott, oder noch besser: an die Beziehung Gottes zum Menschen.

Ich kehre im Geist zurück zu einem Vers der Bibel, der uns vielleicht hilft, die Augen für die göttliche Perspektive des Glaubens zu öffnen. „Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,“ lesen wir im Buch der Weisheit, Kapitel 18, Vers 14 – 15, „da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land.“

Wenn die Schöpfung sich in Schweigen hüllt, lässt Gott seine Stimme hören. Das ist die Stimme und das Fleisch gewordene Wort. Es ist Jesus Christus, das Wort, und es ist wirklich das Geheimnis der Menschwerdung, das Licht in die Beziehung zwischen Gott und den Menschen bringt. Und es ist dieses Licht, das den Sinn der Liturgie erhellt. Das ist der Einbruch des Göttlichen in das menschliche Dasein. Es ist ein Einfall des Lichts auf uns, der all unsere Schatten erleuchtet.

Wie ich sagte, genügt die Stille sich nicht selbst. Aber sie ist eine notwendige Bedingung: die Stille schafft jenes Klima, das die Wahrnehmung der Menschwerdung Gottes ermöglicht. Ich möchte noch darüber hinaus gehen.

Wie Benedikt XVI. es in seinem Geleitwort sagt, ist Jesus Stille und Wort, und so ist auch die Kirche Stille und Wort, die sich gegenseitig befruchten. Auf diese Weise bringen sie mindestens zwei Überlegungen hervor, die ich hinsichtlich der Liturgie vorstellen will. In Anbetracht der Natur der Menschwerdung, das heißt angesichts der Tatsache, dass Gott Mensch geworden ist und das Göttliche das Menschliche angenommen hat und der Ewige das Zeitliche – und nicht umgekehrt – bekräftige ich, dass dies nicht so ist, um das Menschliche zu erniedrigen und die Würde des Menschen zu verkleinern. Denn Gott selbst hat sich in seiner Menschwerdung doch vor dem Menschen verneigt! Dabei müssen wir aber doch einen klaren Blick darauf werfen, dass die erste Initiative von Gott her kommt. Denn der Mensch kann ja aus sich selbst nicht zum Himmel empor steigen.

Diese Logik der Fleischwerdung gilt genauso aber auch für die Liturgie, die ein Werk Gottes ist, ein opus divinum, nur in menschlichen Ausdruck gekleidet. Auf zwei Überlegungen möchte ich deshalb am Schluss mein Augenmerk richten, die sich – unter anderen – in dem Buch finden, das wir heute hier vorstellen.

1. Die Frage nach der Inkulturation ist zuerst keine Frage, wie wir die Liturgie afrikanischer oder asiatischer machen können, oder dem Brauch der australischen Ureinwohner anpassen. Das Göttliche bricht in das Menschliche ein, nicht um das Menschliche zu entfesseln, sondern um es zu öffnen, zu reinigen, zu befreien, zu verwandeln und zu vergöttlichen. Ich habe zu oft den Eindruck, dass wir uns mehr damit beschäftigen, wie wir die Liturgie „anpassen“ können statt ihren ganzen Reichtum anzubieten. Es ist offensichtlich, dass sich die Liturgie an die konkrete Person wenden und Formen finden muss, um die konkrete Person anzusprechen, so wie Gott Mensch geworden ist, um mit uns zu sprechen, aber nicht, um das Göttliche zu reduzieren, dass wir es „kapieren“ können, sondern vor allem um den Menschen für das Heil zu öffnen, das Gott anbieten will. Wir dürfen das Göttliche nicht in unsere menschlichen Kategorien einsperren. Es ist bezeichnend, dass die frühe Christenheit – bevor sie verschiedene Formen heidnischer Opferfeiern aufnahm – in ihrer ersten Begegnung mit der heidnischen Kultur denen, die Christen wurden, zuerst ihren eigenen liturgischen Reichtum weitergab, der zum großen Teil ein für die Heiden fremdes Erbe der jüdischen Offenbarung war.

2. Eine zweite Überlegung betrifft die Ehrfurcht vor Gott. Die Heilige Schrift ist voll mit Hinweisen auf die so genannte „Gottesfurcht“. Der Anfang der Weisheit ist die Furcht Gottes, heißt es da: initium sapientiae timor Domini. Die Furcht Gottes ist eine der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Diese Furcht ist keine Angst. Denn es ist, wie der heilige Johannes sagt: „Die Liebe vertreibt jede Angst“. Aber die Gottesfurcht ist Respekt und kindliche Verehrung. Respekt und Ehrfurcht vor den Dingen Gottes, der immer viel größer ist als der Mensch. Er ist der Schöpfer, wir sind Teil seiner Schöpfung. Die intime Nähe zu Gott hebt den Respekt vor ihm nicht auf. Die Würde unserer Haltung in der Liturgie, die Bereitstellung der liturgischen Geräte, das Verhalten innerhalb des Tempels Gottes sind ein Ausdruck dessen, dass wir über Gott nicht zu verfügen haben. Das Zitat aus dem Buch der Weisheit, das Sie vorhin gehört haben, zeigt an, dass die Äußerungen Gottes wie ein scharfes Schwert sind. Es ist das gleiche Bild, das der Brief an die Hebräer benutzt, wo es heißt: „Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens“. – Wenn es keine Ehrfurcht vor Gott gibt, können wir auch sein heilendes Wort nicht ernst nehmen, das uns in Frage stellt und erleuchtet.

Die Stille ist ein inneres Klima, eine innere Haltung, die innere Bereitschaft, die all das erlaubt, was das Wort der Kirche fruchtbar werden lässt. An eine Kirche, die es wagt zu verarmen, weil sie sich ganz allein dem menschlichen Urteil anheim stellt, erlaube ich mir in aller Bescheidenheit auf die Straße der Stille hinzuweisen, weil jeder Gläubige, aber auch jede feiernde Gemeinschaft sich der Initiative Gottes hin öffnen soll und der Gnade, die von Ihm allein herkommt.

Zusammenfassend möchte ich danach Ihrer Aufmerksamkeit das außerordentliche Buch A.M. Triaccas mit dem Titel „Heiliger Geist und Liturgie“ empfehlen, wo es an einer Stelle heißt: „Die Stille in der Liturgie ist keine Zeremonie. Es ist vor allem ein Aussetzen jeder Geste, von jedem Wort und jeder Handlung. Es ist keine Pause der Feier, vielmehr ein Eintreten in das Herz der Liturgie. Es ist kein toter Punkt, es ist ein Höhepunkt, der auf den Heiligen Geist hinweist: auf seine Gegenwart, sein Wirken, das uns zur Betrachtung führt. (…) Die liturgische Stille ist ein Ruf, in dem wir uns dem Handeln des Geistes zur Verfügung stellen. Er spricht in der Stille. Um ihn zu hören, braucht es die Stille.“

Ich danke Ihnen, weil jeder an seinem Ort sich diesem Raum der Stille öffnen und ihm etwas hinzufügen kann.

(Aus dem Italienischen von Paul Badde)

(© CNA Deutsch)

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Papst ernennt fünf neue Kardinäle, zwei davon aus Europa

Sonntag 21. Mai 2017 von VH

Papst Franziskus wird am 28. Juni fünf Kirchenmänner zu Kardinälen machen. Das hat der Papst überraschend nach dem Regina Coeli-Gebet an diesem Sonntag angekündigt. Die fünf stammen aus Mali, Spanien, Schweden, Laos und El Salvador. Es handelt sich um Jean Zerbo, Erzbischof von Bamako, Mali; Juan José Omella, Erzbischof von Barcelona; Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, Louis-Marie Ling Mangkhanekoun, den Apostolischen Vikar von Paksé in Laos sowie um Gregorio Rosa Chavez, Weihbischof im Erzbistum San Salvador.

Nach dem Konsistorium vom 28. Juni werde er mit den neuen Kardinälen sowie mit den im Vorjahr ernannten Metropolitan-Erzbischöfen in Sankt Peter die traditionelle Festmesse zu Ehren der römischen Stadtpatrone Peter und Paul feiern, kündigte der Papst an.

Ernennungen auf der Linie von Papst Franziskus

Die Ernennungen entsprechen der Linie von Papst Franziskus, verdiente Bischöfe aus randständigen Gebieten der katholischen Kirche – wie Mali und Laos – ins Kardinalskollegium aufzunehmen. Bis zum Amtsantritt von Papst Franziskus konnten jeweils die Inhaber von Bischofsstühlen großer Erzdiözesen mit dem Kardinalspurpur rechnen, dies trifft bei den fünf neuen Kardinälen ausschließlich auf den Erzbischof von Barcelona zu.

Besonders überraschend kommt die Erhebung in den Kardinalstand im Fall des Weihbischofs von San Salvador. Zum einen steigen Weihbischöfe selten ins Kardinalskollegium auf, zum anderen ist der Erzbischof der Hauptstadtdiözese, José Luis Escobar Alas, selbst nicht Kardinal. Ebenso ungewöhnlich ist die Erhebung in den Kardinalstand für einen Apostolischen Vikar. Ein Apostolisches Vikariat ist die Vorstufe einer Diözese.

Kardinäle sind die engsten Berater des Papstes. Sie wirken als Mitglieder der vatikanischen Behörden, wo sie an Entscheidungen von weltkirchlicher Bedeutung beteiligt sind. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Wahl des nächsten Papstes.

Franziskus hat in seinen vier Jahren als Papst bisher drei Konsistorien zur Schaffung von Kardinälen abgehalten und dabei 56 Kardinäle kreiert. 13 von ihnen waren bereits über 80 Jahre alt und sind somit bei einem Konklave nicht mehr wahlberechtigt. Die fünf zukünftigen Kardinäle sind zwischen 68 und 75 Jahre alt und somit alle zur Papstwahl zugelassen.

Die zukünftigen Kardinäle in Kurzbiografie

Erzbischof Jean Zerbo (74) steht seit 1998 an der Spitze der Erzdiözese Bamako in der Hauptstadt des überwiegend muslimischen Mali, in dessen Norden in den vergangenen Jahren Islamisten Fuß gefasst haben. Der Erzbischof spielte „eine aktive Rolle bei den Friedensverhandlungen in Mali“, heißt es in seine Kurzbiografie, die der Heilige Stuhl am Sonntag veröffentlichte. Außerdem setze sich Zerbo für Versöhnung und Solidarität in dem westafrikanischen Staat ein und kämpfe gegen sozialen Ausschluss. Nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung Malis sind Katholiken.

Erzbischof Juan José Omella (71) wurde von Papst Franziskus im Dezember 2015 zum Erzbischof von Barcelona ernannt, nachdem er zuvor verschiedene andere Stationen als (Weih-) Bischof durchlaufen hatte. In den 1970er Jahren wirkte er ein Jahr lang als Missionar im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. In der Spanischen Bischofskonferenz leitet Omella die Kommission für Sozialpastoral.

Der Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, ist mit 68 Jahren der jüngste der zukünftigen neuen Kardinäle. Franziskus lernte ihn bei seiner jüngsten Reise nach Lund zum ökumenischen Reformationsgedenken näher kennen. Arborelius konvertierte mit 20 Jahren zur katholischen Kirche und trat zwei Jahre später in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten ein. Als er 1998 die Bischofsweihe für Stockholm empfing, war er der erste schwedische Bischof in Schweden seit der Zeit der Reformation. 2005 bis 2015 wirkte Arborelius als Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, seither als Vizevorsitzender.

Bischof Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun (73) ist aus Laos gebürtiger Apostolischer Vikar von Paksé in seinem Heimatland. Er studierte in Laos und in Kanada, empfing die Priesterweihe 1972, erfand eine Katechistenschule und ein System der Seelsorgebesuche in den abgelegenen Bergdörfern in Laos. Die Katholiken in dem südostasiatischen Land leben in einer extremen Diasporasituation, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 1,5 Prozent, es besteht eine Situation der Unterdrückung der Kirche. So gibt es in Laos keine Bistümer, sondern bisher bloß Apostolische Vikariate.

Bischof Gregorio Rosa Chávez (75) wirkt bereits seit 1982 als Weihbischof von San Salvador. Er studierte unter anderem in Belgien und wirkt auch als Pfarrer. Auf kontinentaler Ebene ist er Präsident der Caritas für Lateinamerika und die Karibik. (rv)

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Unser Buchtipp: Konklave. Die Geheimnisse der Papstwahl

Samstag 18. März 2017 von VH

Auf dem Buchumschlag thront eine Tiara, die letzte, die ein Papst von Anfang bis Ende getragen hat. Klassisch im Aufbau zeigt die Dreifachkrone Papst Johannes XXIII. viel vom Selbstverständnis der Päpste. Das war davor aber nicht immer so. Und auch danach hat sich so einiges getan, von Johannes bis Franziskus gab es eine reiche Entwicklung.

Was das Papstamt ist, was es sein will und welche theologischen Ansprüche es erhebt, drückt sich nirgendwo so deutlich aus wie in der Art und Weise, wie jemand Papst wird. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat ein Buch darüber geschrieben, Konklave heißt es, was nicht ganz korrekt ist, denn Papstwahlen nach diesem Prozedere gibt es erst seit 1.000 Jahren. Aber da die verschlossenen Türen und die Geheimnisse da herum heute das Interessante ausmachen, ist der Titel wahrscheinlich richtig.

Es gibt wenig, was man nicht erfährt in diesem Buch. Es ist ein historischer Durchlauf durch die Papstgeschichte, gleichzeitig aber arbeitet sich Wolf auch thematisch an einzelnen Bereichen ab. Man findet man in dem Buch alles, was man wissen muss. Und man wird außerdem auch noch unterhalten, denn das Buch ist alles andere als trocken geschrieben.

Zwei Hauptlinien ziehen sich durch das Buch. Zum einen betont Wolf den Wandel, den dieses Amt im Laufe seiner Zeit unterlaufen hat. Wenn wir heute von „Papst“ sprechen, haben wir ein Bild im Kopf, das über den Großteil der Kirchengeschichte keinerlei Wirklichkeit hatte. Es ist spannend zu lesen, wie zu verschiedenen Zeiten unter verschiedenen Herausforderungen sich Papstamt gestaltet hat. Manchmal gerät dem Autor das etwas zu „heutig“, er legt gerne heutige Maßstäbe an, um die Vergangenheit zu beleuchten. Das wirkt manchmal störend. Aber insgesamt gerät die Beschreibung dieses dauernden Wandels sehr anschaulich und nachvollziehbar, vor allem weil sie mit allerlei Geschichten versehen ist.

Die zweite Hauptlinie ist die Weise, wie Wolf immer wieder darauf zurück kommt, wie das Amt entstanden ist, das wir heute kennen. Dass wir Konklave heute fast schon als Gottesdienst sehen, mit Geheimnis, mit Ritualen, in der Kapelle und so weiter, ist noch gar nicht so alt, Wolf untersucht, wie es seit der Wahl Papst Johannes Paul II. so geworden ist. Nicht mehr Krönung und Fischerring, sondern das geheimnisvolle Geschehen in der Sixtina, das dem Heiligen Geist Raum geben soll, machen heute den Papst aus. So versteht man viel besser, was diese Wahl – das Konklave – heute ist. Und auch, was das Papstamt heute im Selbstverständnis sein will.

Hubert Wolf: Konklave. Die Geheimnisse der Papstwahl. Das Buch ist im Verlag C.H. Beck erschienen und kostet etwa 20 Euro. (rv)

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Irland: Desmond Kardinal Connell verstorben

Mittwoch 22. Februar 2017 von VH

Wie das Staatssekretariat des Vatikan heute berichtet, ist der irische Kardinal Connell am 21. Februar verstorben. Connell war von März 1988 bis April 2004 Erzbischof von Dublin (Irland). Papst Johannes Paul II. erhob ihn am 21. Februar 2001 in den Kardinalsstand und übertrug ihm die Titelkirche S. Silvestro in Capite. Mit seinem Tod zählt das Kardinalskollegium nunmehr 225 Mitglieder und 118 Kardinäle haben ein aktives Wahlrecht bei einem künftigen Konklave. (vh)

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Amoris Laetitia: Kardinal Caffara erklärt Anliegen der „Dubia“

Mittwoch 18. Januar 2017 von VH

VATIKANSTADT – In die Diskussionen um die offenen Fragen zu Amoris Laetitia hat sich einer der Autoren des Bittbriefs an den Papst geäußert. Kardinal Carlo Caffarra ist einer der vier Unterzeichner der“Dubia“.

Der emeritierte Erzbischof von Bologna war von 1981 bis 1995 Leiter des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie. Er sprach mit Matteo Matzuzzi von „Il Foglio“.

Beweggründe für den Brief an Franziskus

In seinem Interview erklärt Kardinal Caffarra die Beweggründe für den Brief an Papst Franziskus, in dem er mit drei weiteren Unterzeichnern den Papst bittet, fünf Zweifel, lateinisch Dubia, „aufzulösen, welche die Ursache von Verunsicherung und Verwirrung sind“.

Der Brief wurde Mitte September an den Papst sowie den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, geschickt, und zwei Monate später veröffentlicht.

Über den Brief und seine Dubia habe er „monatelang nachgedacht…und meines Teils waren sie auch Gegenstand langer Gebete vor dem Allerheiligesten Sakrament“, sagte Kardinal Caffarra gegenüber „Il Foglio“.

Die vier Kardinäle hätten sich verpflichtet gefühlt, die Dubia vorzulegen aufgrund ihrer Rolle als Berater des Papstes, und aufgrund „der Tatsache – die nur ein Blinder abstreiten könnte – dass in der Kirche eine große Verwirrung, Unklarheit, Unsicherheit herrscht aufgrund einiger Abschnitte in Amoris Laetitia.“

„In diesen Monaten haben, was die grundsätzlichen Fragen der sakramentalen Ökonomie (Heirat, Beichte und die Eucharistie) und den christlichen Lebensweg betrifft, einige Bischöfe ‚A‘ gesagt, während andere das Gegenteil von ‚A‘ gesagt haben in der Absicht, den gleichen Text zu interpretieren“, so Kardinal Caffara.

Der Ausweg aus diesem „Deutungskonflikt“ war, auf grundsätzliche theologische Interpretationskriterien zurückgreifen zu können, anhand derer seines Erachtens „einigermaßen nachgewiesen werden könnte, dass Amoris Laetitia nicht Familiaris Consortio widerspricht“.

Doch, so Kardinal Caffarra weiter, habe sich gezeigt, „dass dieser epistemologische Ansatz nicht ausreichen würde. Der Kontrast zwischen den beiden Interpretationen setzte sich fort“ – und daher sei die einzige Möglichkeit einer Klärung gewesen, den Autor von Amoris Laetitia zu bitten, dies zu klären.

„Lauter stumme Hunde“?

Aus Achtung vor dem Papst hätten die Kardinäle entschieden, den Brief als privates Schreiben zu verfassen, und sich nur entschieden, den Brief auch zu veröffentlichen, „als wir sicher waren, dass der Papst nicht antworten würde… Wir interpretierten sein Schweigen als Erlaubnis, die theologische Diskussion fortzusetzen. Zudem betrifft das Problem darüberhinaus sowohl das Magisterium der Bischöfe (die, was wir nicht vergessen sollten, dieses Lehramt nicht ausüben weil ihnen der Papst es an sie delegiert hat, sondern aufgrund des Sakramentes, dass sie empfangen haben), als auch das Leben der Gläubigen“.

In Anspielung auf die Stelle in Jesaja 56:10 – „Die Wächter des Volkes sind blind, / sie merken allesamt nichts. Es sind lauter stumme Hunde, / sie können nicht bellen. Träumend liegen sie da / und haben gern ihre Ruhe“, sagte Kardinal Caffarra weiter, dass die Skandalisierung der Gläubigen zudem zugenommen habe, „als hätten wir uns Verhalten wie die Hunde, die nicht bellen“.

Die Spaltung innerhalb der Kirche „ist der Anlass des Schreibens, nicht seine Folge“, so der italienische Purpurträger wörtlich.

Als Beispiel nannte der emeritierte Erzbischof das Schreiben eines Pfarrers, der nicht mehr wisse, was er in der geistlichen Begleitung und im Beichtstuhl tun solle wenn Gläubige zu ihm kämen und die Kommunion verlangten, trotz ihrer ehebrüchigen Situation, und zu ihrer Rechtfertigung den Papst zitierten.

„Das ist die Situation vieler Seelsorger, vor allem der Pfarrer“, so Kardinal Caffarra weiter. „Das ist eine Last, die sie nicht alleine schultern können“.

Trennung von Lehre und Praxis „eine Absurdität“

Ein schwerwiegendes Problem sei zudem, von einer zu großen Unterscheidung zwischen Lehre und pastoraler Praxis zu sprechen, sagte der Kardinal. Wer meine, pastorale Praxis sei nicht begründet in der Lehre tue so, als sei deren Ursprung beliebig. „Eine Kirche, die der Glaubenslehre wenig Aufmerksamkeit schenkt ist keine pastoralere Kirche, sondern eine ignorantere Kirche“.

Der Kardinal weiter: „Wenn ich höre, das sei nur eine pastorale Änderung, und keine doktrinäre, oder dass das Gebot, welches Ehebruch verbietet nur ein rein positives Gesetz sei, dass geändert werden könne (und ich glaube kein redlicher Mensch kann das meinen), dann heißt das, dass ja, ein Dreieick hat allgemein drei Seiten, aber es ist möglich, eines mit vier Seiten zu machen. Mit anderen Worten: Das ist eine Absurdität.“

„Weiterentwicklung der Lehre“ kann nicht widersprüchlich sein

Die Idee einer „Weiterentwicklung des Lehramtes“, mit der einige Interpreten von Amoris Laetitia die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion für möglich halten, stößt bei Kardinal Caffarra ebenfalls auf Kritik.

„Wenn etwas klar ist, dann, dass es keine Weiterentwicklung gibt wo es Widersprüchlichkeit gibt. Wenn ich von ‚S‘ sage, dass es ‚P‘ ist und dann sage, dass ‚S‘ nicht ‚P‘ ist, dann entwickelt sich die zweite These nicht aus der ersten, sondern widerspricht ihr. Bereits Aristoteles hat zurecht gelehrt: Wenn man ein allgemein affirmatives Prinzip hat (etwa, dass jeder Ehebruch schlecht ist) und gleichzeitig eine bestimmte negative Aussage mit dem gleichen Subjekt und Prädikat (etwa, dass mancher Ehebruch nicht schlecht ist), dann stellt das keine Ausnahme dar zum ersten Prinzip, sondern dann widerspricht es diesem.“

Die Dubia sollten klären, ob Amoris Laetitia eine Weiterentwicklung der bisherigen Glaubenslehre darstelle, oder dieser widerspreche – da es auf Seiten beider Interpretationen Bischöfe gebe, die die jeweilige Sichtweise vertreten, so Caffarra.

„Hat Amoris Laetitia gelehrt, dass unter bestimmten Umständen und nach Durchlaufen eines bestimmten Prozesses [geschiedene und wiederverheiratete] Gläubige die Eucharistie empfangen können ohne beschlossen zu haben, enthaltsam zu leben? Es gibt Bischöfe, die ausgesagt haben, dass dies möglich ist“, so der Kardinal. Es sei eine einfache logische Ableitung, dass man dann auch lehren müsse, dass Ehebruch nicht an sich ein Übel ist.“

Das Wertvolle an Amoris Laetitia sei, betonte Kardinal Caffarra, dass es Seelsorger auffordert, nicht einfach Menschen „Nein“ zu sagen, sondern sich dieser Gläubigen anzunehmen und um sie zu kümmern, ihre Situation prüfen und unterscheiden zu helfen.

Wichtig an den Dubia sei, dass sie Bischöfe und Priester daran erinnern, dass es an sich schlechte Handlungen [intrinsece malum, Anm.d.R.] gebe, welche durch Vernunft erkennbar seien, wie als erster im Westen Aristoteles erkannt habe.

Missverständnis der Rolle des Gewissens

Abschließend erklärte Kardinal Caffarra, dass der Begriff des Gewissens und seine Rolle nicht missverstanden werden dürfe.

Das Gewissen und seine Prüfung sei ein Akt der Vernunft, der nicht verwechselt werden dürfe mit einer Art unanfechtbaren Instanz, die über Gut und Böse des eigenen Handelns, der eigenen Subjektivität entscheide.

Daher sei das fünfte Dubium auch das wichtigste, so Kardinal Caffarra, weil es sich der Frage des Gewissens widme, und ob dieses „niemals dazu autorisiert ist, Ausnahmen von den absoluten moralischen Normen zu legitimieren, welche Handlungen verbieten, die durch ihr Objekt in sich schlecht sind“, wie es in der Frage an Kardinäle heißt.

Tatsächlich gebe es einen Abschnitt in Amoris Laetitia, der scheinbar „die Möglichkeit erlaubt, dass es eine wahre Gewissensentscheidung geben kann…im Widerspruch mit der Lehre der Kirche betreffend des Schatzes der göttlichen Offenbarung. Das ist der Eindruck. Deshalb haben wir dem Papst die Dubia gegeben“.

Abschließend erinnerte Kardinal Caffarra an den Seligen John Henry Newman. Dieser habe das Gewissen „in einleuchtendster Weise“ verstanden. Der englische Konvertit erkannte, dass eine privates Urteil nicht zum „höchsten Kriterium moralischer Wahrheit“ erhoben werden könne.

„Sage niemals einer Person: ‚Folge immer Deinem Gewissen‘, ohne sofort hinzu zu fügen: ‚liebe und suche die Wahrheit über das Gute‘. Sonst gibt man dieser Person die zerstörerischste Waffe seiner Menschlichkeit an die Hand“. (CNA Deutsch)

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Der Kardinal: Teil des Päpstlichen Leibes

Donnerstag 22. Dezember 2016 von VH

Von Ulrich Nersinger / VATICAN Magazin. Überlegungen und Anfragen zu einer kirchlichen Institution – Ein Kommentar von Ulrich Nersinger.

Die Kardinäle der katholischen Kirche sind immer noch etwas ganz Besonderes. Jetzt ist Unruhe in diesen erlauchten Kreis gekommen. Vier Purpurträger haben „Zweifel“ an dem nachsynodalen Schreiben Amoris Laetitia geäußert und den entsprechenden Brief an Franziskus veröffentlicht, nachdem sie vom Papst keine Antwort erhalten hatten. Dafür wurden sie aus dem Kardinalskollegium attackiert, aber auch verteidigt. Ein Grund, nochmals zu fragen, was Kardinäle eigentlich sind.

Cardinales creantur… Kardinäle werden nicht ernannt, gewählt oder geweiht. Sie werden kreiert, geschaffen, und zwar allein durch eine Willensbekundung des Papstes. So ist ihre Stellung in der Kirche zwar einzigartig, mit höchsten Ehren und dem Privileg der Papstwahl ausgestattet, aber dennoch nur begrenzt eigenbestimmt. Und verlierbar.

Besuch aus Aachen im Vatikan

In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, gegen Ende des Pontifikats Papst Pauls VI. (1963–1978), waren zwei Schüler und der Direktor des Heilig-Geist-Gymnasiums in Broichweiden bei Aachen im Vatikan zu Besuch. Sie hatten dort in einem Palazzo, nicht weit entfernt vom alten Gästehospiz Santa Marta, auf bequemen, mit Damast bespannten Sesseln Platz genommen. Ihnen gegenüber saß in schwarzer Soutane, mit Ring und Brustkreuz, Sergio Pignedoli (1910–1980), der Präsident des vatikanischen Sekretariates für die Nichtchristen. Was die Kleidung des Geistlichen betraf, verriet nur ein Hauch von Scharlachrot, der sich unterhalb des Kollars zeigte, dass der Gastgeber im Rang eines Kardinals stand.

Seit dem Heiligen Jahr 1975 hatten die Gymnasiasten gemeinsam mit ihrem Direktor Fahrten in die Ewige Stadt organisiert. Jahr für Jahr kamen sie mit Mitschülern in der Osterwoche nach Rom, um hier die frühen Stätten der Christenheit zu erkunden und den Vatikan kennenzulernen. Dazu gehörten auch Besuche bei vatikanischen Einrichtungen: der Schweizergarde, Radio Vatikan, Kurienbehörden – und Kardinälen. Kardinal Pignedoli fragte seine Gäste, ob diesmal nur sie drei in Rom seien. Die Antwort lautete nein. Man habe Seiner Eminenz nur kurz die Aufwartung machen wollen. Die Gruppe besichtige die päpstlichen Museen und zwei Damen, die Schulsekretärin und eine Arbeitskraft (vulgo Putzfrau), würden am Glockenturm, einem Eingang zur Vatikanstadt, auf sie warten.

Der Kardinal stand auf, ging zum Telefon und sprach kurz mit den Wachtposten der Vigilanza (so nannte sich damals die Gendarmerie) und der Schweizergarde, die am Glockenturm Dienst taten. Nicht einmal zehn Minuten später befanden sich die beiden Damen im Palazzo des Kardinals, ein Glas Orangensaft in der Hand.

Für den folgenden Tag lud der Purpurträger die ganze, gut zwanzigköpfige Reisegruppe in seine Residenz. Die vier Ordenschwestern, die seinen Haushalt führten (welcher Skandal für die Pauperisten unserer Zeit!), hatten eine Kaffeetafel hergerichtet, die ihresgleichen suchte. Bei noch dampfendem Espresso, Mineralwasser con gas, frisch gepresstem Orangensaft und einem kühlen Tropfen aus den Albaner Bergen, bei allerlei Dolci, schmackhaften Tramezzini (Sandwichhappen) und großzügig bereitgestellten Zigaretten und Zigarillos (vom Direktor des Gymnasiums kritisch beäugt) hatte sich die recht große Besucherschar eingefunden. Der Kardinal unterhielt sich angeregt mit seinen Gästen – in gebrochenem Deutsch, perfekt auf Englisch und Französisch. Niemanden ließ er unbeachtet, für jeden gab es ein freundliches und interessiertes Wort. Seine Eminenz machte bella figura. Sein Auftreten war nicht eine Spur gekünstelt.

Noch heute prägt es die damaligen Besucher in ihrem Bild von einer Kirche, die in Traditionen und abendländischer Kultur wurzelt und von Offenheit und Menschenfreundlichkeit geprägt ist. Den einem Kardinal nach internationalen Gepflogenheiten zustehenden Rang eines „Prinzen königlichen Geblüts“ (die stets griesgrämig dreinblickenden Vertreter einer ecclesiastical correctness werden die Köpfe schütteln) verband Sergio Pignedoli durch eine zeitgemäße Aktualisierung mit natürlicher Liebenswürdigkeit zu einer beeindruckenden Symbiose.

„Weiter sehen, universeller lieben können“

Das Kardinalat erfährt heute nicht selten rein „ekklesiologisch-pastorale“ Deutungen. Papst Franziskus schrieb 2014 in einem Brief an neunzehn von ihm neu benannte Kardinäle:

„Lieber Bruder, die Kardinalswürde ist keine Beförderung, weder eine Ehre noch eine Zierde. Sie ist schlicht ein Dienst, der danach verlangt, den Blick zu weiten und das Herz zu öffnen. Und dieses Weiter-Sehen- und Universeller-Lieben-Können, mit größerer Intensität, kann man, obwohl das paradox scheint, nur erreichen, indem man dem Weg des Herrn folgt: den Weg des Sich-Kleinmachens und der Demut, wie ein Sklave zu werden (Phil 2,5-8). Deshalb bitte ich dich mit Nachdruck, diese Ernennung mit einem einfachen und demütigen Herzen zu empfangen. Und auch wenn du sie mit Wonne und Freude aufnehmen solltest, passe auf, dass dieses Gefühl weit entfernt ist von jedem Ausdruck der Weltlichkeit.“

Die Einbindung des Kardinalats in die politische und kulturelle Geschichte der Menschheit und sein Dialog mit und in der Welt scheint dem jetzigen Heiligen Vater kein mehr zu förderndes Charakteristikum seines Senats zu sein. In der Vergangenheit verband man die Dinge miteinander.

Kein Selbstzweck

Als Giovanni de’ Medici mit siebzehn Jahren Kardinal wurde, schärfte ihm sein Vater, der große Lorenzo il Magnifico, ein: „Steht früh auf, denn Euer Stand verpflichtet Euch, das Brevier zu beten und Empfänge zu geben.“ Der Respekt, die Ehren und das Zeremoniell, die einem Mitglied des Heiligen Kollegiums zukamen (und zukommen), waren ebenso wie das Auftreten eines Kardinals kein Selbstzweck. Reinhard Raffalt merkte in seinem Buch „Wohin steuert der Vatikan?“ an, dass die Anmut der Rede und der Schliff der Umgangsformen bei den Purpurträgern nicht Ausdruck der Hoffart waren. Er zitierte einen Ausspruch von Kardinal Valerio Valeri: „Die Ehren, die wir empfangen, geben uns die Möglichkeit, jene zu ehren, die sie uns entgegenbringen.“

Die Päpste haben das Recht, ihren Senat zu formen und zu reformieren. Das Heft des Handelns liegt in ihrer Verantwortung. Aber schließt ein solches Handeln nur das Jetzt ein? Muss nicht der Blick auch in die Vergangenheit gehen? In die Jahrhunderte, auf eine Vielzahl von Jahrhunderten gerichtet sein? Und verdient nicht auch das Kardinalat eine Akzeptanz der Plurialität der Tugenden und Charismen, als auf ein einziges Verhalten, nur eine Haltung begrenzt zu werden? Ein Ideal muss verinnerlicht sein. Was nützt es, bei Brustkreuzen (wenn man sie denn trägt) von Silber oder Gold zu Eisen oder Holz zu wechseln, aber unter der Soutane das Armgelenk mit einer Rollex zu schmücken? Was bringt es, der „Welt“ zu entsagen, aber dem Zeitgeist rekordverdächtig nachzulaufen und dies dann auch noch publik zu machen? Kardinäle haben Männer zu sein! Jeglichem Verlangen nach Genderismus zum Trotz und zur Beschämung. Wladimir d’Ormesson, langjähriger Botschafter Frankreichs beim Heiligen Stuhl, bekannte einmal zu Kardinal Eugene Tisserant (1884–1972): „Jedesmal, wenn ich in den vatikanischen Museen die Rüstung sah, die Papst Julius II. getragen hat, stellte ich mir vor, wie vortrefflich sich Eure Eminenz darin ausnehmen würde, das Banner der Kirche in gepanzerter Faust.“

Die Kreaturen des Papstes

In der römischen Antike, zur Zeit der Cäsaren, galten die Senatoren als pars corporis Imperatoris, als Teil des kaiserlichen Leibes. Ähnlich eng wurde später von Theologen und Rechtsgelehrten das Verhältnis der Kardinäle zum Papst gesehen; sie galten als pars corporis Papae, als Teil des päpstlichen Leibes (Cod. Just., IX, VIII, 5). Diese enge „organische“ Verbindung erklärt auch, warum die Kardinäle nicht ernannt, sondern kreiert werden – vom lateinischen creare (erschaffen).

Sie gelten als Kreaturen, Geschöpfe des Papstes, die allein dem Obersten Hirten und keinem anderen Souverän dienen und verantwortlich sind, nur ihm zugehören. Doch die Begrifflichkeit „Kreatur“ muss stets in ein christliches Verständnis eingebunden sein. So ist ein beseeltes Geschöpf mitnichten ein Spielzeug, keine willenlose Figur auf einem Schachbrett. Sie hat Persönlichkeit. „An der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf den Schöpfer schließen“, heißt es im Buch der Weisheit 13,5.

Noch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurde bei der Kreierung neuer Kardinäle ein eigenartig erscheinender Brauch geübt: die Schließung und Öffnung des Mundes. Zu dieser Zeremonie sprach der Papst die Worte: „Wir schließen Euch den Mund, so dass Ihr weder in den Konsistorien noch in den Kongregationen oder in anderen Funktionen, die zur Würde des Kardinalates gehören, Eure Meinung äußern könnt.“

Darauf vergingen einige Minuten und der Papst hielt eine kurze Ansprache, bei der er die neuen Purpurträger lobte. Dann sagte er: „Wir öffnen Euch den Mund, so dass Ihr in den Konsistorien, in den Kongregationen und in den anderen Funktionen, die zur Würde des Kardinalates gehören, Eure Meinung äußern könnt“. Das Schließen und Öffnen des Mundes war eine Erinnerung an die Probezeit, welche die Kardinäle früher als eine Art Noviziat bestehen mussten.

Als Papst Paul VI. im Jahre 1970 das aktive Wahlrecht der Kardinäle auf achtzig Lebensjahre begrenzte und damit den Senioren unter ihnen den Einzug ins Konklave verwehrte, begann man im Senat des Papstes zu murren. Die Kritik der Entmachteten blieb in der Öffentlichkeit verhalten. Die verbale und die direkte Auseinandersetzung mit dem Papst scheute das Kardinalskollegium in toto, eine Antwort auf die Beschneidung seiner traditionellem Vorrechte gab es ihm dennoch. Als im Jahre 1972 der Dekan des Kardinalskollegiums starb, galt es einen neuen zu wählen. Die Senatoren des Papstes entschieden sich für den 90-jährigen ehemaligen Kardinalstaatssekretär Cicognani. So kann auch, ohne ein einziges Wort zu verlieren, ein kraftvolles und eindeutiges Votum gegenüber dem Pontifex Maximus abgegeben werden.

Kardinäle haben das Recht, ja die Pflicht, zum Wohle des Papstes und der Kirche ihre Meinung kundzutun. Sie sollten dem in der Regel durch das gesprochene oder geschriebene Wort nachkommen. Und wenn es durch Bedeutung und Schwere des Anliegens geboten erscheint, suaviter in modo, fortiter in re – stark in der Sache, mild in der Methode, wie es in der Gesellschaft Jesu üblich ist. Kürzlich haben hochverdiente Mitglieder des Kardinalskollegiums dies beherzt. Mit Respekt vor der Person und dem Amt des Obersten Hirten der Kirche trugen sie dem Heiligen Vater ihre Sorgen vor. Sie wurden ihrem Auftrag als Berater des Papstes und Stützen des Petrusamtes gerecht.

Nichts an ihrem Vorgehen ist unbotmäßig, geschweige denn verwerflich oder „verbrecherisch“. In der kirchlichen Öffentlichkeit mussten sich die vier Purpurträger den Tiraden eines Kirchenrechtsprofessors aus der deutschen Provinz (eine bekannte katholische Journalistin sprach von „Giftzwergigkeit“), den untergriffigen „Mitteilungen“ eines dubiosen vatikanischen Twitteraccounts und den nicht minder dubiosen Interpretationen des kanonischen Rechts durch einen vatikanischen Höchstrichter aussetzen. Der Tenor der Angriffswelle schien nicht nur in Ansätzen jenem wütenden Geschrei zu gleichen, das zu Zeiten der Französischen Revolution zu Füßen der Guillotine zu vernehmen war. Zwar wurden noch nicht die Köpfe, wohl aber schon die Roten Hüte der vier Eminenzen gefordert. Man fragt sich, worüber mehr Verwunderung angesagt ist, über die Arroganz und Überheblichkeit der Angreifer, deren fundamentalem Verlust der Anständigkeit oder ihrem Mangel an fachlichem Wissen. Eines steht auf jeden Fall fest: Die Kardinäle erfreuen sich des privilegium canonis und des privilegium fori, wonach allein der Papst in Rechtsfragen und -angelegenheiten für sie zuständig ist.

Als ein Pontifex Maximus früherer Zeiten einmal einem Kardinal bei einem heftigen Streit den Verlust des Purpurs androhte, gab der pars corporis Papae mit ruhiger, aber eindringlicher Stimme zu bedenken: „Man amputiert und verstümmelt sich nicht selbst“. Nur selten nahmen die Päpste Kardinälen den Roten Hut. Es mussten schon schwere Vergehen und Verbrechen sein, die sie dazu zwangen: Angriffe auf das depositum fidei der Kirche, Attentate auf Leib und Leben des Heiligen Vaters. Aber selbst in diesen Fällen geschah nicht selten – wenn die Betroffenen Einsicht in ihre Schuld und echte Reue gezeigt hatten – die Wiedereinsetzung in den früheren Stand. Noch nie sind Kardinäle, die in tiefer Sorge um das Seelenheil der Gläubigen vor den Papst traten, bestraft, ihrer Würde beraubt worden.

Eine Institution, deren Ursprung sich bis in die frühen Zeiten der Kirche zurückverfolgen lässt, verdient Respekt und mit Anstand behandelt zu werden. Vor allem ihre aktiven Mitglieder, egal ob sie nun das achtzigste Lebensjahr vollendet haben oder nicht. Es gilt, die katholische Freiheit eines Christenmenschen zu verteidigen und zu fördern. Jemanden mundtot zu machen, ist das Signum der Diktaturen. Und Proskriptions-Listen, die sollte man ganz in der heidnischen Antike hängen lassen.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von Vatican Magazin.

Hinweis: Kommentare spiegeln die Meinung des Autors wieder, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch. (CNA Deutsch)

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Vatikan: Kirchenrichter kritisiert vier Kardinäle

Mittwoch 30. November 2016 von VH

amoris_laetitia1Ein Kurienchef mahnt Kritiker des päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ ab: die vier Kardinäle, die jüngst per Brief vom Papst Klarstellungen zur seelsorgerlichen Praxis erbaten, hätten einen „schwerwiegenden Skandal“ erregt, sagte der Dekan des kirchlichen Gerichts der „Römischen Rota“, Erzbischof Pio Vito Pinto. Ein solcher Vorgang könne sogar den Verlust der Kardinalswürde nach sich ziehen. „Welche Kirche verteidigen diese Kardinäle eigentlich? Der Papst ist der Lehre der Kirche treu“, sagte der Gerichtsdekan im Gespräch mit dem spanischen Portal „Religión Confidencial“. Wer „Amoris Laetitia“ in Frage stelle, lehne damit zwei Bischofssynoden ab. Die Römische Rota ist hauptsächlich mit Ehenichtigkeitsverfahren beschäftigt.

Zwei der vier Kardinäle, die den Brief veröffentlichten, sind Deutsche, der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner und der im Vatikan lebende Walter Brandmüller. Die vier wünschen sich vom Papst unter anderem eine Klärung, ob eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion nach seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ nun in Ausnahmefällen möglich sei. (rv)

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Franziskus warnt Kardinäle vor „Virus der Polarisierung“ (Bericht, Wortlaut & Video)

Samstag 19. November 2016 von VH

cna_konsistorium19_11_2016VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat am heutigen Samstag 17 neue Kardinäle der katholischen Kirche kreiert – und die anwesenden Purpurträger vor dem „Virus der Polarisierung“ gewarnt.

Im Rahmen einer heiligen Messe des Konsistoriums im Dom von St. Peter setzte der Pontifex den neuen Kardinälen ihr Birett auf. Als einziger nicht anwesend war – aus Gesundheitsgründen – der 87 Jahre alte Bischof emeritus Sebastian Koto Khoarai aus Lesotho im südlichen Afrika.

In seiner Predigt betonte Franziskus, in Anlehnung an die Worte Jesus im Tagesevangelium nach Lukas (Lk 6,27-36), dass es wichtig sei, vier Dinge zu tun: „Liebt, tut Gutes, segnet und betet“.

Dies sei jedoch nicht leicht, wenn man es auf seine Feinde anwende, so der Papst. Dabei sie genau dies eine der „ureigensten“ Merkmale der Lehre Jesu. Franziskus warnte, statt dieser Lehre der Logik der Gegnerschaft zu folgen, welche eine „Zunahme der Feindschaft unter den Völkern, unter uns, ausgesät [hat]! Ja, unter uns, in unseren Gemeinschaften, unseren Priesterkollegien, unseren Versammlungen“. Der Papst weiter:

Das Virus der Polarisierung und der Feindschaft dringt in unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ein. Dagegen sind wir nicht immun, und wir müssen aufpassen, dass eine solche Haltung nicht unser Herz in Beschlag nimmt, denn das würde sich gegen den Reichtum der Universalität der Kirche wenden, den wir in diesem Kardinalskollegium mit Händen greifen können.

Nach der Feier besuchte Franziskus mit den 17 neuen Kardinälen seinen Vorgänger, Benedikt XVI.

Benedikt wird auch morgen bei der Schließung der Heiligen Pforte im Petersdom nicht dabeisein, teilte der Vatikan mit. Bei der Öffnung war Benedikt noch als erster durch die Pforte gegangen.

Elise Harris trug zur Berichterstattung bei; ergänzt um 16:06 Uhr durch weitere Informationen.

CNA dokumentiert den vollen Wortlaut der Predigt von Franziskus, wie sie der Heilige Stuhl zur Verfügung gestellt hat.

Der Abschnitt aus dem Evangelium, den wir eben gehört haben (vgl. Lk 6,27-36), ist von vielen die „Feldpredigt“ genannt worden. Nach der Einsetzung der Zwölf stieg Jesus mit seinen Jüngern hinunter in die Ebene, wo eine Menschenmenge auf ihn wartete, um ihn zu hören und sich heilen zu lassen. Die Berufung der Apostel geht einher mit diesem „Sich-auf-den-Weg-Machen“ in die Ebene, zur Begegnung mit einer großen Anzahl von Menschen, die – wie der Evangelientext sagt – „geplagt“ waren (vgl. V. 18). Anstatt die Jünger oben auf dem Berg, auf dem Gipfel zu lassen, führt die Wahl sie ins Herz der Menge, stellt sie mitten in ihre Qualen hinein, auf die Ebene ihres Lebens. Auf diese Weise offenbart der Herr ihnen und uns, dass man den wahren Gipfel in der Ebene erreicht, und die Ebene erinnert uns daran, dass der Gipfel in einem Blick liegt und besonders in einem Aufruf: »Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!« (V. 36).

Es ist eine Einladung, die von vier Imperativen, wir könnten sagen von vier Ermahnungen begleitet ist, die der Herr an sie richtet, um ihre Berufung in der Konkretheit, im Alltag des Lebens zu formen. Es sind vier Tätigkeiten, die dem Weg des Jüngers Form geben, Leibhaftigkeit verleihen und ihn greifbar machen sollten. Wir könnten sagen, dass es vier Abschnitte der Mystagogie der Barmherzigkeit sind: Liebt, tut Gutes, segnet und betet. Ich denke, dass wir über diese Aspekte alle einer Meinung sein können und dass sie uns auch als vernünftig erscheinen. Es sind vier Handlungen, die wir leicht verwirklichen mit unseren Freunden, mit den Menschen, die uns mehr oder weniger nahe stehen, nahe im Hinblick auf Zuneigung, Geschmack und Gewohnheiten.

Das Problem kommt auf, wenn Jesus uns die Zielgruppe dieser Handlungen vorstellt, und darin ist er ganz unmissverständlich, gebraucht er weder Umschweife, noch Beschönigungen. Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch misshandeln (vgl. V. 27-28).

Und das sind keine Handlungen, die gegenüber einem, der als Gegner, als Feind vor uns steht, selbstverständlich sind. Solchen gegenüber ist unsere erste, instinktive Haltung die, sie zu disqualifizieren, sie zu diskreditieren, sie zu verfluchen; in vielen Fällen versuchen wir, sie zu „verteufeln“, mit dem Ziel, eine „heilige“ Rechtfertigung zu haben, um sie uns vom Halse zu schaffen. Im Gegensatz dazu sagt uns Jesus in Bezug auf den Feind, auf den, der dich hasst, dich verflucht oder dich diffamiert: Liebe ihn, tu ihm Gutes, segne ihn und bete für ihn.

Wir stehen vor einer der ureigensten Charakteristiken der Botschaft Jesu, dort, wo sich seine Kraft und sein Geheimnis verbergen. Dort entspringt die Quelle unserer Freude, von dort kommen die Macht unserer Sendung und die Verkündigung der Frohen Botschaft. Der Feind ist einer, den ich lieben muss. Im Herzen Gottes gibt es keine Feinde, Gott hat nur Söhne und Töchter. Wir richten Mauern auf, bauen Barrieren und stufen die Menschen ein. Gott hat Söhne und Töchter, und zwar nicht, um sie sich vom Leibe zu halten. Die Liebe Gottes hat das Merkmal der Treue zu den Menschen, denn es ist eine leidenschaftliche Liebe, eine Mutter- und Vaterliebe zugleich, die sie nicht im Stich lässt, selbst wenn sie Fehler begangen haben.

Unser Vater wartet nicht darauf, die Welt erst dann zu lieben, wenn wir gut sein werden, er wartet nicht darauf, uns erst dann zu lieben, wenn wir weniger ungerecht oder wenn wir vollkommen sein werden. Er liebt uns, weil er die Wahl getroffen hat, uns zu lieben; er liebt uns, weil er uns die Gotteskindschaft verliehen hat. Er hat uns sogar geliebt, als wir noch Feinde waren (vgl. Röm 5,10). Die bedingungslose Liebe des Vaters zu allen war und ist ein echtes Erfordernis der Umkehr für unser armseliges Herz, das dazu neigt, zu richten, zu trennen, Gegensätze zu schaffen und zu verurteilen. Das Wissen, dass Gott auch den, der ihn ablehnt, weiter liebt, ist eine unerschöpfliche Quelle der Zuversicht und ein Ansporn für die Mission. Keine schmutzige Hand kann verhindern, dass Gott in diese Hand das Leben legt, das er uns schenken möchte.

Unsere Epoche ist gekennzeichnet durch gewaltige Problemkomplexe und Fragen auf Weltebene. Wir erleben eine Zeit, in der in unseren Gesellschaften die Polarisierung und die Ausschließung als einzige Möglichkeit zur Lösung von Konflikten seuchenartig wieder aufleben. So sehen wir zum Beispiel, wie jemand neben uns rasch nicht nur als Unbekannter oder Immigrant oder Flüchtling eingestuft, sondern als Bedrohung wahrgenommen und als Feind eingestuft wird. Feind, weil er aus einem fernen Land kommt oder weil er andere Bräuche hat. Feind wegen seiner Hautfarbe, wegen seiner Sprache oder seiner gesellschaftlichen Stellung, Feind, weil er anders denkt und auch weil er einen anderen Glauben hat. Feind weil… Und ohne dass wir es merken, macht sich diese Logik in unserer Lebens-, Handlungs- und Vorgehensweise breit. Dann beginnen alle und alles den Beigeschmack der Feindschaft zu haben.

Nach und nach verwandeln sich die Verschiedenheiten in Symptome von Feindseligkeit, Bedrohung und Gewalt. Wie viele Wunden vergrößern sich aufgrund dieser Seuche der Feindschaft und Gewalt, die im Fleisch vieler ihre Spuren hinterlässt, die keine Stimme haben, weil ihr Aufschrei schwächer geworden und schließlich verstummt ist aufgrund dieser Pathologie der Gleichgültigkeit! Wie viele Situationen der Unsicherheit und des Leidens werden durch diese Zunahme der Feindschaft unter den Völkern, unter uns, ausgesät! Ja, unter uns, in unseren Gemeinschaften, unseren Priesterkollegien, unseren Versammlungen.

Das Virus der Polarisierung und der Feindschaft dringt in unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ein. Dagegen sind wir nicht immun, und wir müssen aufpassen, dass eine solche Haltung nicht unser Herz in Beschlag nimmt, denn das würde sich gegen den Reichtum der Universalität der Kirche wenden, den wir in diesem Kardinalskollegium mit Händen greifen können.

Wir kommen aus fernen Ländern, haben unterschiedliche Bräuche, Hautfarben, Sprachen und gesellschaftliche Stellungen; wir haben unterschiedliche Denkweisen und feiern sogar den Glauben in verschiedenen Riten. Und nichts von alledem macht uns zu Feinden, im Gegenteil, es ist einer unserer größten Reichtümer.

Liebe Brüder, Jesus hört nicht auf, „vom Berg hinabzusteigen“, unaufhörlich möchte er uns in den Kreuzweg unserer Geschichte einfügen, um das Evangelium der Barmherzigkeit zu verkünden. Immer wieder ruft Jesus uns und sendet uns in die „Ebene“ unserer Völker, immer wieder lädt er uns ein, unser Leben damit zu verbringen, die Hoffnung unserer Leute zu unterstützen, als Zeichen der Versöhnung. Als Kirche sind wir immer wieder eingeladen, unsere Augen zu öffnen, um auf die Wunden so vieler Brüder und Schwestern zu schauen, die ihrer Würde beraubt sind, die in ihrer Würde beraubt sind.

Lieber Mitbruder und neuer Kardinal, der Weg zum Himmel beginnt in der Ebene, im Alltag des zerstückelten und miteinander geteilten Lebens, eines verausgabten und verschenkten Lebens. In der täglichen und stillschweigenden Gabe dessen, was wir sind. Unser Gipfel ist diese Qualität der Liebe; unser Ziel und unsere Bestrebung ist, zu versuchen, in der Ebene des Lebens gemeinsam mit dem Volk Gottes uns in Menschen zu verwandeln, die zu Vergebung und Versöhnung fähig sind.

Lieber Bruder, heute wird von dir verlangt, in deinem Herzen und in dem der Kirche diese Einladung zu bewahren, barmherzig wie der Vater zu sein und dabei dies im Bewusstsein zu haben: »Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium 49. (CNA Deutsch)

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Kommentar zum Konsistorium: Die Schuhe anlassen

Samstag 19. November 2016 von VH

BirettFeierliche Zeremonie im Petersdom, Franziskus kreiert 17 neue Kardinäle. Sie kommen aus aller Welt und werden das Gesicht des Kardinalskollegiums weiter verändern. Ein Kommentar von Anne Preckel.

Wie es der Ritus verlangt, schwören die Neuernannten dem Papst ihre Treue, im Notfall bis aufs Blut – deshalb die rote Farbe des Kardinalsbiretts, das der Pontifex seinen Kardinälen verleiht. Was auf den ersten Blick symbolträchtig und etwas überkommen erscheint, dem wird unter Papst Franziskus neues Leben eingehaucht: Vielen der Kirchenmännern, die der Papst an diesem trüben Novembertag in den Kardinalsstand hob, ist Blut ein Begriff, und zwar nicht nur als starkes Symbol.

Er wolle seine normalen Schuhe anlassen, bekannte etwa der Apostolische Nuntius von Damaskus vor seiner Erhebung zum Kardinal. Mit Bescheidenheit hatte das nichts zu tun, eher mit Zeugnis: Daran klebe das Blut syrischer Kinder, das er vors Petrusgrab tragen wolle, führte Mario Zenari aus. Kein Moment, um plakativ zu sein, nein, ganz ernsthaft: Der Nuntius und seine Priester waren in Aleppo und Damaskus wenige Tage zuvor noch über Leichen gestiegen.

Bekanntschaft mit dem Blut hat auch der Erzbischof von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik gemacht. Dieudonne Nzapalainga ist der jüngste Neuzugang im Kardinalskollegium und erste Kardinal seines Landes. Immer wieder brechen in dem Bürgerkriegsland Differenzen entlang ethnisch-religiöser Linien auf, Anschläge extremer Muslime, Vergeltungsschläge von Christen, eine perfide Spirale der Gewalt. Nzapalainga ging beherzt auf seine muslimischen Mitbürger zu und brachte eine interreligiöse Friedensinitiative auf den Weg. Und es war in Bangui, nicht in Rom, wo Papst Franziskus die erste der Heiligen Pforten aufstieß.

Einer, der schon vor Jahrzehnten bereit war, sein Blut für die Kirche zu geben, ist der albanische Märtyrerpriester Ernest Simoni. Er war von den Kommunisten aufgrund seines Glaubens zu 18 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden und entging mehrere Male nur knapp dem Tod. Franziskus lernte den drahtigen, wortkargen Mann vor zwei Jahren in Tirana besser kennen und entschied daraufhin, Simoni für sein „Überlebenszeugnis“ mit der Kardinalswürde zu krönen.

Zugegeben, nicht alle der neuen Kardinäle kommen aus solch extremen Kontexten, viele jedoch, wie es Franziskus gefällt, „vom anderen Ende der Welt“ und aus Krisenregionen, die in Europa wenig Beachtung finden: Würdenträger aus fünf Ländern und sieben Diözesen sind dabei, die niemals einen Kardinal stellten, engagierte Seelsorger wie etwa der erste Kardinal Papua-Neuguineas, Erzbischof John Ribat, der sich für Flüchtlinge, Aids- und Malaria-Kranke einsetzt, oder der neue Erzbischof der Diözese Newark in den USA, dem ethnische Vielfalt und Einwanderer keine Angst machen. Auch nicht die Rassenkonflikte in den USA, schon wieder Blut, die die Kirche dort aktuell umtreiben.

Die Liste lässt sich fortsetzen, doch das führte hier zu weit. Halten wir fest: Was Europa gern als „Ränder der westlichen Zivilisation“, Entwicklungsländer oder Risikozonen abstempelt, will dieser Papst ganz nah bei sich und im Herzen der Kirche wissen. Darum geht es, wenn man sich ansieht, wie Franziskus entscheidet, in Punkto Personal und Pastoral. Dass dieser Papst keine Mehrheiten für eine Papstwahl am Schreibtisch austüftelt, muss man wohl nicht noch unterstreichen. Das Kardinalskollegium wird mit ihm internationaler, bunter, weniger europäisch, ja, man könnte auch sagen: Wirklichkeit hält stärker Einzug im Vatikan.

Vor einer Woche waren es im Petersdom noch Obdachlose, die den Marmorboden traten, die Woche davor Häftlinge, an diesem Samstag umarmt der Papst eben Kardinäle – keine disparate Reihe für Franziskus. Er sieht in Barmherzigkeit den Auftrag eines jeden Christen sieht, mit oder ohne Birett. (rv)

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Papst an neue Kardinäle: Vorsicht vor Virus der Polarisierung

Samstag 19. November 2016 von VH

KonsistoriumDie katholische Kirche hat 17 neue Kardinäle: in einem feierlichen Gottesdienst überreichte der Papst an diesem Samstag, einen Tag vor der Schließung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, das rote Birett und mahnte sie, sich nicht vor Polarisierungen und Feindseligkeiten leiten zu lassen. Nach der Feier fuhren Franziskus und die 17 neuen Kardinäle in den Vatikanischen Gärten zum ehemaligen Kloster Mater Ecclesiae, wo der emeritierte Papst Benedikt XVI. wohnt. Dieser wird auch am Sonntag bei der Schließung der Heiligen Pforte von St. Peter nicht kommen, ließ der Vatikan verlauten.

Einzig der 87jährige Sebastian Koto Khoarai, emeritierter Bischof von Mohale’s Hoek im Lesotho, war nicht in Rom anwesend. Der Oblaten-Missionar ist der erste Kardinal aus dem Königreich Lesotho.

In seiner Predigt beim Ordentlichen Öffentlichen Konsistorium – wie die Kardinalskreierungsfeier heißt – ging der Papst auf das Tagesevangelium nach Lukas (Lk 6,27-36) ein, bei dem es um die sogenannte „Feldpredigt“ Jesu geht. Die Kardinäle als Kirchenmänner seien wie die Apostel dazu berufen, „sich auf den Weg“ zu machen und dem Aufruf Jesu zu folgen, barmherzig „wie es auch euer Vater ist“ zu sein.

Liebt, tut Gutes, segnet und betet

Vier Ermahnungen seien hierbei wichtig, fuhr Franziskus fort: Liebt, tut Gutes, segnet und betet. „Ich denke, dass wir über diese Aspekte alle einer Meinung sein können und dass sie uns auch als vernünftig erscheinen“, sagte der Papst. Es seien vier Handlungen, „die wir leicht verwirklichen mit unseren Freunden, mit den Menschen, die uns mehr oder weniger nahe stehen, nahe im Hinblick auf Zuneigung, Geschmack und Gewohnheiten“.

Aber so einfach ist es dann doch nicht, vor allem wenn man die eigentliche Zielgruppe nimmt, die Jesus angibt: Wie es in der Bibel geschrieben steht, soll man die eigenen Feinde lieben und jenen Gutes tun, die einen hassen. Man soll jene segnen, die einen verfluchen und für jene beten, die einen misshandeln.

Ihm sei bewusst, so der Papst, dass dies nicht selbstverständlich sei. Instinktiv sei man eher versucht, die Feinde zu verfluchen oder zu diskreditieren. „In vielen Fällen versuchen wir, sie zu ,verteufeln´, mit dem Ziel, eine ,heilige´ Rechtfertigung zu haben, um sie uns vom Halse zu schaffen“, so der Papst wörtlich.

Die Feindesliebe sei aber jener Ort, wo „die Quelle unserer Freude“ entspringe, denn im Herzen Gottes gebe es keine Feinde. „Wir richten Mauern auf, bauen Barrieren und stufen die Menschen ein. Gott hat Söhne und Töchter, und zwar nicht, um sie sich vom Leibe zu halten“, erläuterte der Papst. Selbst jener, der Gott ablehnt, wird vom Herrn geliebt.

Wir leben in einer Zeit der Polarisierung

Weiter ging Franziskus auf die gegenwärtige Zeit ein und die Schwierigkeit, die Problemkomplexe und Fragen auf Weltebene anzugehen. „Wir erleben eine Zeit, in der in unseren Gesellschaften die Polarisierung und die Ausschließung als einzige Möglichkeit zur Lösung von Konflikten seuchenartig wieder aufleben“, betonte der Papst. Ein Unbekannter oder ein Flüchtling werde auf diese Weise rasch als Bedrohung wahrgenommen, ja sogar als Feind eingestuft. Und das nur, weil der Andere eine andere Hautfarbe, Bräuche oder Glauben hat. „Und ohne dass wir es merken, macht sich diese Logik in unserer Lebens-, Handlungs- und Vorgehensweise breit. Dann beginnen alle und alles den Beigeschmack der Feindschaft zu haben“, erläuterte der Papst.

Die Verschiedenheit wird zur Feindseligkeit, die Bedrohung wandelt sich in Gewalt um. Und noch schlimmer wird es, wenn Gleichgültigkeit herrscht. „Wie viele Situationen der Unsicherheit und des Leidens werden durch diese Zunahme der Feindschaft unter den Völkern, unter uns, ausgesät! Ja, unter uns, in unseren Gemeinschaften, unseren Priesterkollegien, unseren Versammlungen“, hob der Papst hervor und sprach vom „Virus der Polarisierung“, der das Denken, Fühlen und Handeln befallen kann. Die verschiedenen Herkunft der neuen Kardinälen zeigten trotz der Unterschiede, dass „nichts von alledem“ sie zu Feinden mache, „im Gegenteil, es ist einer unserer größten Reichtümer“, fügte Franziskus an. (rv)

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