Interkommunion: Rom widerspricht offenbar dem Vorstoß deutscher Bischöfe

VATIKANSTADT – Die Glaubenskongregation hat offenbar der von der Deutschen Bischofskonferenz angekündigten Handreichung für Seelsorger widersprochen, die eine Zulassung protestantischer Ehepartner katholischer Christen zur heiligen Kommunion zum Thema hat. Wie Quellen in Rom gegenüber CNA bestätigten, hat dabei die Glaubenskongregation offenbar mit ausdrücklicher Zustimmung von Papst Franziskus agiert. Die österreichische Website “kath.net” hatte zuerst von einer Ablehnung aus Rom berichtet.

Wesentliche Details sind zur Stunde jedoch weiterhin unklar, etwa die Frage, ob Rom nur um Nachbesserungen bittet oder den Vorstoß grundsätzlich ablehnt.

Dieser hatte bereits im Vorfeld zu Spannungen unter den deutschen Bischöfen geführt.

Der Streit trat vergangene Woche offen zutage, nachdem bekannt wurde, dass sieben deutsche Hirten, darunter Kardinal Rainer Maria Woelki sowie fünf bayerische Bischöfe, sich mit einem direkten Brief an Rom wandten – ohne vorherige Absprache mit dem Vorsitzenden der DBK, Kardinal Reinhard Marx. Der Brief ging an Kardinal Kurt Koch, Präsident des Rates der Einheit der Christen, und an Kurienerzbischof Luis Ladaria, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre.

Vorstoß bei Vollversammlung der Bischöfe

Auslöser des Brandbriefs war der zum Abschluss der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 20. Februar vom Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, angekündigte Vorstoß in Sachen Interkommunion in Deutschland: Eine Handreichung für Seelsorger, die regelt, wie in deutschen Bistümern “unter bestimmten Umständen” und “in Einzelfällen” evangelischen Ehepartnern der Empfang der Heiligen Kommunion möglich sein sollte.

Am 22. März 2018 hatten sich daraufhin der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sowie der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, die Bischöfe Konrad Zdarsa von Augsburg, Gregor Maria Hanke von Eichstätt, Stefan Oster von Passau und Rudolf Voderholzer von Regensburg sowie Bischof Wolfgang Ipolt von Görlitz direkt an den Vatikan gewandt.

Kardinal Marx hatte bereits bei Bekanntwerden dieses ungewöhnlichen Schritts mit einer eigenen öffentlichen Stellungnahme reagiert. (CNA Deutsch)

Vatikan-Dokument: Keiner kann sich selbst erlösen

Keiner kann von sich aus das Heil erlangen: Das ist die Kernthese eines Briefs, den der Vatikan an diesem Donnerstag veröffentlicht hat.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt.

Zum ersten Mal, seit Erzbischof Luis Ladaria im letzten Sommer die Leitung der Glaubenskongregation übernommen hat, publiziert das vatikanische Spitzenministerium einen längeren Text. „Placuit Deo“ heißt er, „Es hat Gott gefallen“, die Form ist ein Brief, gerichtet an die Bischöfe der Weltkirche. Thema: „Einige Aspekte des christlichen Heils“. „Die Lehre über das Heil in Christus muss immer wieder neu vertieft werden“, begründet die Kongregation ihre Themenwahl.

Vor allem zielt der Brief auf den heute verbreiteten Individualismus: Da werde der Mensch „als ein Wesen“ betrachtet, „dessen Verwirklichung allein von seinen eigenen Kräften abhängt“ und das ganz für sich, ohne andere, das Heil erlangen kann. Eine Tendenz, die an zwei alte Häresien erinnert, nämlich Pelagianismus und Gnostizismus: Das Erstgenannte meint Selbsterlösung, das Zweite einen Aufschwung des Verstands zum göttlichen Mysterium. Leibfeindlichkeit also, wenn man’s in ein Wort pressen will.

Beidem erteilt der Brief eine deutliche Absage. „Der Individualismus des Neu-Pelagianismus sowie die Leibverachtung des Neu-Gnostizismus entstellen das Bekenntnis des Glaubens an Christus, den einzigen und universalen Retter. Wie könnte Christus den Bund mit der ganzen Menschheitsfamilie aufrichten, wenn der Mensch ein isoliertes Individuum wäre, das sich nur mit eigenen Kräften selbstverwirklichen könnte, wie der Neu-Pelagianismus vorgibt? Und wie könnte das Heil durch die Menschwerdung Jesu, sein Leben und Sterben und die Auferstehung in seinem wahren Leib zu uns kommen, wenn nur das wichtig wäre, was das Innere des Menschen von den Begrenzungen des Leibes und der Materie befreit, wie der Neu-Gnostizismus meint?“

Zitate von Augustinus bis Benedikt XVI.

Das Vatikan-Schreiben hält den neuen Irrlehren unter Berufung auf Augustinus, Thomas von Aquin und Papstdokumente von Johannes Paul II. bis Franziskus die christliche Sicht der Erlösung entgegen. Das Heil bestehe „in unserer Vereinigung mit Christus“. Und wir gelangen nur dann zum Heil, „wenn Gott selbst dies möglich macht und uns an sich zieht“. Im Übrigen sei das Heil umfassend, es betreffe „unser ganzes Menschsein“. „Die ganze Person, Leib und Seele, ist nämlich durch die Liebe Gottes nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen, und sie ist berufen, in Gemeinschaft mit ihm zu leben.“ Und der „Ort, wo uns das von Christus gebrachte Heil geschenkt wird“, sei die Kirche.

Das neue Vatikan-Dokument orientiert sich spürbar am Denken von Papst Franziskus; Bezüge zu seiner Ansprache auf einem italienischen Kirchentreffen vom November 2015 in Florenz sind deutlich. Am Schluss steht ein missionarischer Impuls, wie er auch für den jetzigen Papst kennzeichnend ist: „Das Bewusstsein der Lebensfülle, in die uns Jesus, der Retter, hineinnimmt, drängt die Christen zur Mission, um allen Menschen die Freude und das Licht des Evangeliums zu verkünden.“ (vatican news)

Fall Barros: Päpstlicher Gesandter beendet Mission in Chile, würdigt Klima des Vertrauens

SANTIAGO DE CHILE – Vor seiner Rückkehr in den Vatikan am 28. Februar hat Erzbischof Charles Scicluna sich für das Klima “des Zuhörens und des Vertrauens” bedankt sowie für den “besonnen Dialog” bei der Zeugenanhörung im Fall des chilenischen Bischofs Juan Barros.

Der Vorsitzende des Gremiums der Glaubenskongregation für die Untersuchung schwerwiegender Delikte war von Papst Franziskus nach Chile entsandt worden. Dort sollte er die Zeugenaussagen hinsichtlich einer angeblich von Bischof Juan Barros von Osorno verübten Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs durch den Priester Fernando Karadima aufnehmen.

Erzbischof Scicluna erneuerte durch den Pressesprecher der Chilenischen Bischofskonferenz (CECH) seine Dankbarkeit gegenüber dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Ivo Scapolo, sowie gegenüber den Mitarbeitern der Nuntiatur und der Belegschaft der Klinik San Carlos de Apoquindo, in der er am 21. Februar an der Gallenblase operiert worden war.

Während Erzbischof Scicluna sich “zufriedenstellend erholte”, wurden die Aufgaben von seinem Sekretär und Mitarbeiter, dem Geistlichen Jordi Bertomeu, übernommen.

Erzbischof Scicluna empfing unter anderem Personen und Gruppen, die mit dem Fall Barros in Verbindung stehen, den Bischof von Osorno selbst, die Kommission zur Prävention sexuellen Missbrauchs und Zeugen, die in Verbindung zu angeblichen Fällen sexuellen Missbrauchs durch Maristen in Chile stehen.

Letzteren gab er Informationen und Ratschläge aus den Normen und Verfahren des Kirchenrechts.

Coiro erklärte, dass Erzbischof Scicluna in Rom einen Bericht erarbeiten wird, den er dann Papst Franziskus überreichen werde. Wer noch Informationen zu Vorfällen vorbringen will, möge dies so schnell wie möglich tun.

Wenn es ihm sachdienlich scheine, werde Scicluna einige Fälle “dem Heiligen Stuhl persönlich vorlegen”, fügte Coiro hinzu.

Erzbischof Scicluna, der auch Oberhirte von Malta ist, kam am 19. Februar in Chile an und kehrt heute, am 1. März, nach Rom zurück.

Übersetzt aus dem Spanischen von Susanne Finner. (CNA Deutsch)

Kardinalsrat für „gesunde Dezentralisierung

Der Schneefall in Rom hat sogar die Vatikan-Reformen ein bisschen gebremst: Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya aus dem Kongo konnte wegen des Schnees erst am Montagabend zu den Beratungen des K-9-Kardinalsrats mit dem Papst stoßen. Sein Flug nach Rom war wegen „maltempo“ gestrichen worden.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Der Vatikanische Pressesaal stellte an diesem Mittwochmittag die Ergebnisse der K-9-Beratungen mit Franziskus vor, bei denen es um eine Reform der Römischen Kurie geht. Eher beiläufig erwähnt das Statement, dass Kardinal George Pell nicht teilnehmen konnte; der Australier muss sich in der Heimat vor Gericht gegen Missbrauchs-Vorwürfe verteidigen.

Laut Vatikan ging es bei den Beratungen um „das theologische Statut der Bischofskonferenzen“, Kosten und Mitarbeiterentwicklung beim Heiligen Stuhl sowie um den Kinderschutz. Im letztgenannten Punkt diskutierten die Kardinäle mit dem Papst „mehrere Optionen, wie die Glaubenskongregation Verfahren zu Missbrauchs-Fällen schneller durchführen könnte“. Auch über die Vatikan-Dikasterien zu nachhaltiger menschlicher Entwicklung, Ostkirchen und Mission sei gesprochen worden.

Die Kosten reduzieren

Was das „theologische Statut der Bischofskonferenzen“ betrifft, bekräftigte der Vatikan, dass diesen nationalen Bischofsverbänden auch „eine authentische Lehr-Autorität“ zukomme und dass es dem Papst mit einer Dezentralisierung ernst sei. Der Papst bleibe „der Hüter der Einheit der Kirche“; eine „gesunden Dezentralisierung“ stehe dazu nicht in Widerspruch.

Kardinal Reinhard Marx, der europäische Vertreter in Franziskus‘ Beraterkreis, stellte den Teilnehmern die Arbeit des vatikanischen Wirtschaftsrates vor. Dabei ging es vor allem „um Fortschritte bei der Präsentation des Haushalts, bei der Kosteneindämmung und bei der Reduzierung des Defizits des Heiligen Stuhls“. Der Wirtschaftsrat ist nach den Vatikanangaben vom Mittwoch dabei, Richtlinien für die einzelnen Einrichtungen des Heiligen Stuhls zu erarbeiten, um die Kosten zu reduzieren.

Vom 23. bis 25. April will der Kardinalsrat erneut im Vatikan zusammentreten. (vatican news)

Am Donnerstag: Vatikan-Brief an Bischöfe

An diesem Donnerstag wird der Vatikan einen Brief an die Bischöfe der Weltkirche veröffentlichen. Eine entsprechende Pressekonferenz ist für den Donnerstagmittag angesetzt.

Der Brief, in dem es um die Themen Heil und Erlösung geht, stammt von der Glaubenskongregation. Er ist die erste größere Veröffentlichung dieser Kongregation, seit sie nicht mehr von Kardinal Gerhard Ludwig Müller geleitet wird, sondern von Erzbischof Luis Ladaria Ferrer. Der Jesuit Ladaria steht seit Juli letzten Jahres an der Spitze des wichtigsten Vatikanministeriums.

Bei einer Ansprache an die Mitglieder der Glaubenskongregation hatte Papst Franziskus Ende Januar einen entsprechenden Text angekündigt. Darin gehe es darum, „angesichts der heutigen neopelagianischen und neugnostischen Tendenzen die Bedeutung der Erlösung wieder zu bekräftigen“. (vatican news)

Papst erinnert Glaubenskongregation an pastorale Dimension ihres Wirkens

Papst Franziskus hat an diesem Freitag den Mitgliedern der Glaubenskongregation für ihren Einsatz auf den sensiblen Feldern des Glaubens gedankt. Derzeit tagt die Glaubenskongregation, seit vergangenem Juli unter der Leitung ihres bisherigen Sekretärs Luis Francisco Ladaria Ferrer, zu ihrer Vollversammlung im Vatikan.

Christine Seuss – Vatikanstadt.

Der Papst ging auf verschiedene Themenbereiche ein: Behandlung von Fällen, die einer gründlichen pastorale Unterscheidung bedürfen, Vertiefung bestimmter Aspekte der Heilsgeschichte sowie Richtlinien im Hinblick auf Fragen der Wirtschaftsethik und des Umgangs mit dem Lebensende. „Der Mensch heute weiß nicht mehr, wer er ist – deshalb fällt es ihm schwer, zu erkennen, wie er gut handeln kann,“ betonte Franziskus in seiner Ansprache an die Mitglieder dieses Vatikan-Dikasteriums. Er danke ihnen deshalb für ihre Arbeit und die tägliche Unterstützung der „Lehre der Bischöfe, im Schutz des rechten Glaubens und der Heiligkeit der Sakramente, bei all den verschiedenen Fragen, die heute eine wichtige pastorale Unterscheidung verlangen, wie das Studium der Fälle, die graviora delicta (also die „schwerwiegenderen Straftaten“, Anm.) betreffen oder die Fragen von Eheauflösungsverfahren in favorem fidei (Spezielles Eheauflösungsverfahren „zugunsten des Glaubens“, bei dem beispielsweise einer der beiden Ehepartner nicht getauft ist, Anm.).“

Papst schätzt Vertiefung auf christliche Heilsgeschichte

Die Aufgabe der Kongregation, auf die jenseitige Hinwendung des Menschen und die Verbindung „seiner Vernunft mit der Wahrheit und dem Guten, zu denen der Glaube an Jesus Christus hinführt,“ erscheine in diesem Sinn „entscheidend“, würdigte der Papst die Arbeit seiner Gäste. Er schätze insbesondere die Vertiefung, die im Hinblick auf einige Aspekte der christlichen Heilsgeschichte vorgenommen worden seien, um Antworten auf agnostische Tendenzen der heutigen Zeit zu geben, betonte er.

„Diese Tendenzen sind Ausdruck eines Individualismus, der sich für die Rettung auf die eigenen Kräfte verlässt. Wir hingegen glauben, dass das Heil in der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus liegt, der, dank der Gabe seines Geistes, uns in eine neue Ordnung der Beziehungen zwischen dem Vater und den Menschen eingeführt hat.“

Besondere Bedeutung komme auch den Untersuchungen zu, die die ethischen Auswirkungen einer angemessenen Anthropologie im wirtschaftlich-finanziellen Bereich betreffe. „Nur eine Vision des Menschen als Person, also grundsätzlich als Wesen, das Beziehungen sucht und mit einer eigenen und breit angelegten Vernunft ausgestattet ist, kann im Einklang mit den objektiven moralischen Anforderungen handeln,“ betonte Franziskus mit Blick auf die Lehre der Kirche, die dieses Prinzip stets „klar vertreten“ habe.

Einige delikate Fragen

Ein weiterer Schwerpunkt der thematischen Beratungen während der Plenarsitzung habe auf „einigen delikaten Fragen“ im Hinblick auf die Begleitung Sterbender gelegen, lenkte Franziskus den Blick auf ein weiteres Feld, das immer stärker in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion rückt. Die „Prozess der Säkularisierung“ und eine Verabsolutierung von Konzepten der Selbstbestimmung und Autonomie habe in einigen Ländern zu einem Anstieg von Euthanasie-Bestrebungen als „ideologische Bestätigung“ des Willens nach „Macht des Menschen über das Leben“ geführt, beklagte der Papst. Der freiwillige Abbruch des menschlichen Lebens als Ausdruck von Zivilisation? Auch diese Betrachtungsweise werde mittlerweile vertreten, führte der Papst aus:

„Es ist klar, dass dort, wo das Leben nicht aufgrund seiner Würde, sondern wegen seiner Effizienz und seine Produktivität wertgeschätzt wird, all dies möglich wird. In diesem Bild ist es nötig, zu wiederholen, dass das menschliche Leben, von seiner Zeugung bis hin zu seinem natürlichen Ende, eine Würde besitzt, die es unantastbar macht.“

Es sei für den Menschen heutzutage schwierig geworden, den misslichen und schmerzlichen Situationen des Lebens mit einem Blick der Hoffnung gegenüberzutreten. Doch genau hier setze eine wichtige Aufgabe der Kirche an, betonte der Papst, der die Glaubenskongregation abschließend an die pastorale Dimension ihrer Arbeit erinnerte:

“ Wahre Hirten sind diejenigen, die den Menschen nicht sich selbst überlassen ”

 „Wahre Hirten sind diejenigen, die den Menschen nicht sich selbst überlassen, noch ihn in den Fängen seiner Desorientierung und seiner Fehler lassen, sondern die ihn mit Wahrheit und Barmherzigkeit dahin zurückführen, sein authentisches Antlitz im Guten wieder zu finden. Wahrhaft pastoral ist also jede Handlung, die darauf zielt, den Menschen an der Hand zu nehmen, wenn dieser den Sinn seiner Würde und seiner Bestimmung verloren hat, um ihm mit Vertrauen dorthin zu führen, die liebevolle Vaterschaft Gottes wiederzuentdecken, seine gute Bestimmung und die Wege, eine menschlichere Welt zu schaffen. Das ist die große Aufgabe, die eure Kongregation und eine jede andere pastorale Einrichtung in der Kirche erwartet.“ (vatican news)

Vatikan: Glaubenskongregation hat einen neuen Sekretär

Der italienische Geistliche Giacomo Morandi ist neuer Sekretär der vatikanischen Glaubenskongregation. Papst Franziskus hat ihn dazu ernannt, wie der Vatikan an diesem Dienstag mitteilte. Morandi war bisher Untersekretär in der selben Kongregation. Gleichzeitig erhält Morandi auch den erzbischöflichen Titel. Sein Vorgänger war Luis Francisco Ladaria Ferrer, der jetzt Präfekt der Kongregation ist und auf den deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller nachgefolgt ist. Morandi ist 42 Jahre alt und stammt aus der norditalienischen Stadt Modena. Er arbeitet seit zwei Jahren an der Glaubenskongregation. (rv)

Glaubenskongregation: Wer ist Erzbischof Luis Ladaria?

Der Präfekt der Glaubenskongregation ist eines der wichtigsten Ämter im Vatikan, Papst Franziskus hat es an diesem Samstag mit Erzbischof Luis Ladaria neu besetzt. Er sei ein „moderater Konservativer“, hatte er in einem Interview über sich selber gesagt. „Mir gefallen Extremistmen nicht, weder die progressistischen noch die traditionalistischen. Ich glaube, dass es einen Mittelweg gibt, dem es zu folgen gilt.“

Ladaria ist Jesuit, wie Papst Franziskus auch, und auch wie Pater Bernd Hagenkord, unser Redaktionsleiter. Deswegen unsere Frage: Wer ist Luis Ladaria?

Hagenkord: Luis Ladaria ist ein Theologieprofessor, der schon seit bald neun Jahren der zweite Mann in der Glaubenskongregation ist und damit zuständig für die Organisation und die inneren Abläufe. Ich kenne viele Leute, die ihn in dieser Arbeit schätzen gelernt haben. Er ist mit über siebzig Jahren nicht mehr der Jüngste, aber dafür ist er sehr erfahren und muss sich nicht erst einarbeiten.

Luis Ladaria ist Jesuit und ist auch nach seiner Bischofsweihe in seiner Jesuitenkommunität wohnen geblieben, regelmäßig begegnen wir uns auf der Straße vor dem Vatikan, auf dem Weg zur Arbeit. Da ist er ein wenig wie damals Kardinal Ratzinger, zu Fuß, Aktentasche unter dem Arm, irgendwie unauffällig auf der Straße. Unprätentiös würde ich ihn nennen. Aber er hat auch Energie, das habe ich in den Gesprächen bemerkt, in denen es um Missbrauchsfälle ging, deren Aufarbeitung fällt und fiel ja in seine Kompetenz, da wirkt er auf mich sehr konzentriert und ernsthaft. Was ich als gutes Zeichen werte.

Interessant ist vielleicht das Detail, dass Luis Ladaria sein Theologiestudium in Frankfurt am Main absolviert hat, er spricht also nicht nur gut Deutsch, sondern kennt auch die theologische Tradition bei uns gut, Rahner, Balthasar und so weiter.

RV: Damit bekommt jetzt ein zweiter Jesuit – nach Papst Franziskus – einen der wichtigsten Posten in der Weltkirche.

Hagenkord: Ich glaube, dass man das gelassen sehen sollte. Gerne werden ja Listen geführt, wer Nummer zwei, wer Nummer drei und so weiter sei. Der Posten ist wichtig, einflussreich weil er Disziplinfragen wie auch Lehrfragen betrifft, man darf das also nicht unterbewerten, aber auch eine Überbewertung tut dem nicht gut.

Und was den Jesuiten angeht: Die Ernennung zum Sekretär hat damals Papst Benedikt XVI. vorgenommen, das halte ich nicht für „Jesuit ernennt Jesuiten“. Wenn man auf all die Ernennungen des Papstes schaut, da sind sehr wenige Jesuiten dabei. Er hat einen erfahrenen Mann ernannt und der ist halt Jesuit, mehr ist da glaube ich nicht dabei.

RV: Steht nach Kardinal Pell, der in der vergangenen Woche sich hat beurlauben lassen, und jetzt Kardinal Müller jetzt eine größere Umorganisierung an der Spitze der Kurie an?

Hagenkord: Dass der Prozess in Australien, zu dem Kardinal Pell fährt, und das Ende der Amtszeit von Kardinal Müller zeitlich eng beieinander liegen, halte ich für Zufall. Es sieht natürlich nicht so schön aus, dass in einer Woche gleich zwei gehen, zumal unter nicht ganz einfachen Umständen. Pell will sich in einem Prozess verantworten und Kardinal Müller ist noch nicht an der Altersgrenze. Trotzdem hielte ich es für falsch, dahinter einen Zusammenhang zu vermuten. (rv)

Ladaria neuer Chef der Glaubenskongregation

  Erzbischof Luis Ladaria ist der neue Präfekt der Glaubenskongregation. Das gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt. Der Jesuit und Theologe war bislang als Sekretär die Nummer Zwei des Dikasteriums, er rückt an die Stelle von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Amtszeit an diesem Sonntag ausläuft.

Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer SJ stammt gebürtig aus Mallorca, ist Jurist und seit 1966 Mitglied im Jesuitenorden. Einen Teil seiner Studien absolvierte er an der Jesuitenhochschule in Sankt Georgen, Frankfurt am Main. Seit Mitte der 80er Jahre dozierte er Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, bevor er 2008 als Nachfolger von Angelo Amato zum Sekretär der Glaubenskongregation ernannt und zum Bischof geweiht wurde. 2013 bestätigte ihn Papst Franziskus in seinem Amt.

An diesem Sonntag endet regulär die fünfjährige Amtszeit von Gerhard Ludwig Müller an der Spitze der Kongregation. Papst Franziskus hat entschieden, ihn nicht um weitere fünf Jahre zu verlängern. Kardinal Müller war 2012 von Papst Benedikt zum Nachfolger von Kardinal William Levada berufen worden, der in den Ruhestand ging. Bis zu seiner Wahl zum Papst war Benedikt – Joseph Ratzinger – selbst Präfekt der Glaubenskongregation gewesen.

Müller stammt aus Mainz, promovierte in Theologie bei Karl Lehmann und dozierte Dogmatik in München, bevor er zum Bischof von Regensburg ernannt wurde. (rv)

Neues Vatikanschreiben: Unser Interview mit Kardinal Müller

Kardinal MuellerDem neuen Vatikandokument ‚Iuvenescit Ecclesia‘ geht es vor allem darum, einen falschen „Gegensatz“ zwischen der angeblich starren Hierarchie und den Charismen in der Kirche zu überwinden. „Die Charismen sind ja auch nicht einfach auf die Laien verteilt, und die anderen würden sozusagen nur in dumpfer Institutionalität vor sich hingehen“, sagte der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, am Dienstag in einem Interview mit Radio Vatikan. Die Fragen stellte Stefan v. Kempis.

Wenn die Hierarchie – also die Glaubenskongregation – ein Dokument über Charismen schreibt, dann würde man denken, es würde nicht heißen ‚Die Kirche verjüngt sich‘, sondern ‚Die Kirche hat Sorgenfalten‘…

„Ja, das ist das falsche Image, das mit uns verbunden wird. Die Glaubenskongregation ist ja 1965 völlig neu ausgerichtet worden; sie hat die Hauptaufgabe, den Glauben zu fördern und Anstöße zu geben – und erst in zweiter Linie die Aufgabe, bestimmte Probleme zu lösen. Wir sind, auch wenn das viele nicht kapieren wollen, nicht die Inquisition, die sozusagen gerichtlich, wie das vor fünfhundert Jahren der Fall war, auf bestimmte Entwicklungen und Herausforderungen – damals des Protestantismus – reagiert, sondern im Sinne des Zweiten Vatikanums ist auch diese Kongregation eine missionarische Kongregation.“

Dennoch gab es immer eine Spannung zwischen Institution/Hierarchie auf der einen und Charisma/Orden/Bewegungen auf der anderen Seite. ‚Löscht den Geist nicht aus!‘, schreibt der Apostel Paulus. In diese Spannung tritt nun das Dokument hinein…

„Die Kirche hat eine ganz bestimmte Mission, einen ganz bestimmten Auftrag: die Lehre Christi zu verkünden, die Taufe zu spenden, also die Sakramente zu feiern und somit eben auch durch den apostolischen Dienst die Gottesbeziehung auf diese sakramentale Ebene hin zu führen. Aber darüber hinaus ist ja die Kirche auch der Leib Christi, das Volk Gottes, jeweils lebend in der Zeit. Und deshalb gibt es auch neue Formen, Methoden, Arten, wie der Glaube verkündet und gelebt wird, über diese Grunddienste der Kirche ‚Bekenntnis, Liturgie und Diakonie‘ hinaus. Von der ‚Diakonie‘ wissen wir, dass es darum geht, die Liebe Christi den Armen, Bedürftigen, Notleidenden zuzuwenden. Aber das bedarf immer neuer Initiativen. In der Neuzeit, als die barbaresken Staaten Italien und die Küsten Spaniens überfallen haben und die Türken, das Osmanische Reich, viele Christen als Sklaven gefangen haben, war der Freikauf der Sklaven eine große Herausforderung…

Heute sagt uns ja der Heilige Vater, dass wir an die Peripherie gehen sollen: Hier müssen wir auch neue Formen entwickeln. Aber das sind neue Formen, sie reagieren auf die Herausforderungen der Zeit, und nicht sozusagen neue Inhalte. Statt der Liebe Christi können wir nichts anderes verkünden und verwirklichen. Wir verkünden immer die Lehre Christi – aber in unterschiedlicher Weise und unterschiedlichen Formen.“

Das Dokument spricht von einer ‚Gleichwesentlichkeit‘ – coessenzialità – zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben. Ist das der springende Punkt – dass es da kein Gegen- oder Nebeneinander gibt, sondern ein Miteinander?

„Ja, die Charismen sind ja auch nicht einfach auf die Laien verteilt, und die anderen würden sozusagen nur in dumpfer Institutionalität vor sich hingehen, sondern die Charismen sind eben auch verteilt auf die Geistlichen, auf den Kleriker- und Ordensstand, auf die Laien. Das ist sozusagen das, was Christus uns ein für alle Mal gegeben hat – wie wird das lebendig durch den Geist Jesu Christi? Und sowenig es einen Widerspruch gibt zwischen Christus und dem Heiligen Geist, so wenig kann es einen Widerspruch geben zwischen dem, was durch Christus eingesetzt worden ist – apostolischer Dienst, Sakramente – und der stetigen Verlebendigung durch den Heiligen Geist. Man hat das oft auch so formuliert: Christus ist ja der Leib der Kirche, der Heilige Geist die Seele, also das Leben im Leibe Christi. Das muss zusammengesehen werden. So wie Christus und der Heilige Geist eine Einheit bilden, so ist es eben auch der gemeinsame Dienst der Menschen in der apostolischen Sendung, mit allen anderen zusammen aufgrund der Gabe des Heiligen Geistes – das Weihesakrament ist auch eine Gabe des Heiligen Geistes!“

Das Dokument wurde im Jahr 2000 angefangen, jetzt schreiben wir 2016 und haben zwei weitere Päpste erlebt. Warum hat das so lange gedauert?

„Das Ganze stand nicht unter Zeitdruck, weil die Charismen nicht von unserem Dokument abhängen, sondern in diesem Dokument gewissermaßen mal eine Zusammenschau versucht worden ist. Und gut Ding braucht Weile…“ (rv)