Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Papst Franziskus und seine fragwürdigen Personalentscheidungen

Donnerstag 6. Juli 2017 von VH

Der Papst hat Kraft seines Amtes in der Kirche höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt (CIC Can. 331). Er ist also schlicht und einfach höchste Autorität der Kirche. Der Primat des Papstes verhindert so gar, das irgend eine Person gegen Urteile oder Dekrete des Papstes ein Beschwerdeverfahren einleiten oder in Berufung gehen könnte (CIC Can. 333, § 3). Oder anders gesagt, der Papst kann von keiner anderen Instanz zur Verantwortung gezogen werden „Prima Sedes a nemine iudicatus“ (CIC Can. 1404).

Papst Franziskus (80) ist in der Amtsausführung seines Primats in vielen Dingen anders als seine Vorgänger in den vielen Jahrhunderten zuvor, allerdings werfen seine Personalentscheidungen immer wieder Fragen auf, geben dem Beobachter unlösbare Rätsel zu knacken, oder stehen in eklatantem Widerspruch zu bestehenden Dekreten und Richtlinien.

Der jüngste Fall: Gerhard Ludwig Kardinal Müller (69)

Am letzten Freitag eröffnete Franziskus im Rahmen einer Privataudienz Kardinal Müller, dass seine fünfjährige Amtszeit als Präfekt der Kongregation für die Glaubensfragen nicht verlängert werde. Müller hatte dieses Amt seit 02. Juli 2012 inne, nach dem Papst Benedikt XVI. ihn vom Bischofsamt in Regensburg nach Rom geholt hatte. Ein gefundenes Fressen für so manchen Journalisten. Man titulierte Müller, wie so häufig, als Hardliner und Scharfmacher. Laut eigener Aussage war Müller vollkommen überrascht von seiner Abberufung.

„Differenzen zwischen mir und Papst Franziskus gab es nicht“, sagte Müller der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“. Der Papst habe aber beschlossen, ab sofort nur noch Amtszeiten von fünf Jahren zuzulassen. „Ich war der Erste, bei dem er das umgesetzt hat.“

Müllers eigene Aussagen sind sicherlich nicht anzuzweifeln. Die Art und Weise dieser Personalentscheidung ist nicht nur einzigartig in der Kirchengeschichte, sondern stellt in mehrfacher Hinsicht einen Affront dar. Man stelle sich bitte einmal vor, man selbst sei in einer hohen beruflichen Position und man erfährt am Freitag von seinem Chef das man am Montag seinen Posten nicht mehr anzutreten braucht. Allein diese Tatsache beweist, welche Führungsqualitäten Franziskus in Personalentscheidungen praktiziert. Die Krönung der Nichtverlängerung der Amtszeit ist dann noch die Aussage, ab sofort werden nur noch Amtszeiten von fünf Jahren zugelassen. Natürlich kann der Papst die Amtszeiten restriktiv mit fünf Jahren handhaben. Leitende Kardinäle, höhere Prälaten sowie Mitglieder und Konsultoren werden vom Papst ernannt und grundsätzlich für fünf Jahre berufen. Diese Berufung gilt übrigens nicht für den Kardinalstaatssekretär und die Mitglieder des Staatssekretariats, die Apostolische Kammer, die Apostolische Signatur und die Rota Romana. Diese fünf Jahresregel geht zurück auf Papst Paul VI. und dessen Motu proprio „Pro Comperto“ aus dem Jahr 1967. Man findet sie auch in der Apostolische Konstitution „PASTOR BONUS “ über die Römische Kurie von Papst Johannes Paul II. von 1988. Bisher wurden die Amtszeiten der Dikasterienleiter stillschweigend oder durch Veröffentlichung im Bulletin des Presseamts des Heiligen Stuhls um weitere fünf Jahre verlängert.

Diese unbekannte und neue Regel scheint Franziskus im stillen Kämmerlein im Gästehaus Santa Marta gefasst zu haben. Weder der Papst noch sein Staatssekretariat hat bis zum Fall Müller derartiges auch nur im Ansatz publik gemacht. Ein verantwortlicher Personalentscheider gibt modifizierte Regeländerungen bekannt, bevor sie zur Anwendung kommen und nicht mit der ersten Personalentscheidung. Auch ein Kardinal Müller hat das Recht von seinem Papst zu erfahren warum er nicht mehr gebraucht wird. Die Aussage mit der „sofortigen fünfjährigen Amtszeit“ ist eine schwache und fadenscheinige Begründung. Ist dieser Papst nicht Manns genug, Müller die Wahrheit ins Gesicht zu sagen? Bezeichnend waren an diesem Freitag auch die Reaktionen des deutschen Episkopats. Es gab nämlich keine einzige Stellungnahme! Nicht mal der Leiter der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx hatte auch nur ein Wort zu sagen. Soviel zur Kollegialität des Deutschen Episkopats.

Die nahe Zukunft wird zeigen wie Ernst es dem Papst mit dieser neuen Regelung wirklich ist. Der nächste Amtsverlust droht dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur, Gianfranco Kardinal Ravasi (74) Anfang September diesen Jahres. Außer der Päpstliche Rat für die Kultur fällt vorher der Kurienreform zum Opfer.

Ernennung von Renato Raffaele Kardinal Martino (84) zum Kardinalprotodiakon

Der Kardinalprotodiakon ist der ranghöchste (d. h. dienstälteste) Kardinal im Ordo der Kardinaldiakone. Entscheidend ist hierbei, die Reihenfolge der Ernennung am Tag der Kreierung. Er ist somit „Primus inter Pares“ (Erster unter Gleichen) seiner Kardinalsklasse. Seine Aufgabe ist es, nach erfolgter Papstwahl von der Benediktionslogge der Peterskirche aus die Nachricht von der Wahl eines neuen Papstes der Öffentlichkeit mitzuteilen.

Am 21. Oktober 2013 endete die Amtszeit des damaligen Kardinalprotodiakons Kardinal Tauran. Die Geschichte dieses Kardinalsamtes reicht über 400 Jahre zurück und Päpste besetzten es immer zeitnah mit einem Nachfolger, nicht so Franziskus. Er lässt acht Monate verstreichen, bevor er einen Nachfolger ernennt und wirft die bis dato geltende Regelung kommentarlos über den Haufen. Er ernennt am 12. Juni 2014 Kardinal Martino, zum Zeitpunkt der Ernennung bereits 80 Jahre alt, zum Nachfolger von Kardinal Tauran. Martino konnte bereits bei seiner Ernennung die Aufgabe des Kardinalprotodikons überhaupt nicht wahrnehmen. Kardinäle über 80 Jahre haben kein Wahlrecht in einem Konklave und sind somit von der Papstwahl ausgeschlossen. Für den Fall eines Konklaves bestimmte Franziskus Kardinal Levada diese Aufgabe wahrzunehmen. Eigenartig war auch die Bekanntgabe des neuen Kardinalprotodiakons. Üblicherweise wird eine derartige Entscheidung des Papstes in einem Bulletin des Presseamtes des Vatikans veröffentlicht. Das ist aber unterblieben, lediglich Radio Vatikan hat am 12. Juni 2014 in einem Artikel mit der Überschrift „Konsistorium: Interne Kardinalsbeförderungen“ auf diese Veränderung im Kardinalskollegium hingewiesen. Die katholische Nachrichtenagentur kath.net bezeichnet einen Tag später in dem Artikel „Martino neuer Kardinal-Protodiakon“ Levada als Stellvertreter des Kardinalprotodiakons. Ein Stellvertreter für dieses Amt ist nirgends vorgesehen, weder im Kirchenrecht (CIC) noch in der Papstwahlordnung „Universi Dominici Gregis“ von 1996 und somit auch keine Erklärung für diese päpstliche Personalmaßnahme. Kardinal Levada wurde am 20.Juni 2016 zum Kardinalpriester (pro hac vice) erhoben und wurde selbst am 15. Juni 2016 80 Jahre alt. Dank dem Papst hat die Kirche bis zum heutigen Tag keinen Kardinalprotodiakon der die Aufgaben in einem künftigen Konklave wahrnehmen könnte.

Geschichte und Traditionen bedeuten Franziskus scheinbar nur wenig. Das ist nichts Neues. Kritiker bescheinigen ihm gerne, lieber dagegen zu sein, als sich an jahrhundertealte Traditionen zu binden. Beide Fälle, Kardinal Martino und Müller, bestätigen das eindrucksvoll. Der Primat des Papstes kann dafür aber keine Rechtfertigung sein.

Kardinal Müller hat sicherlich mehr als einmal dem Papst den Spiegel vorgehalten. Aber ist das nicht auch eine Aufgabe des Präfekten der Glaubenskongregation? Das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“ ist seit seinem Erscheinen im März 2016 in aller Munde und auch in der Kritik. Selbst hohe Würdenträger der Kirche interpretieren es unterschiedlich. Müller hat mehrfach von „nicht überzeugenden“ Interpretationen gesprochen. So mancher Katholik hält die Zulassung zur Kommunion für Wiederverheiratete für einen nicht hinnehmbaren Verstoß gegen das Sakrament der Ehe. „Amoris laetitia“ sowie die Personalpolitik des Papstes so manchen Katholiken in Gewissenskonflikte gebracht und viele haben sich bereits von der Kirche abgewandt. Diese Entwicklungen hat an vorderster Front nicht der Priester in der Gemeinde, sondern Papst Franziskus zu verantworten. (vh)

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Wie geht es Benedikt XVI.? Fragen an Georg Gänswein

Sonntag 19. März 2017 von VH

Im April wird er neunzig: Spätestens dann werden sich viele fragen, wie es dem emeritierten Papst Benedikt XVI. geht. Wir sprachen darüber jetzt schon mit Benedikts Sekretär – es ist der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Kurienerzbischof Georg Gänswein.

„Papst Benedikt ist guter Dinge! Was ihm etwas Sorgen bereitet, sind die Füße, die Beine. Er hat Schwierigkeiten mit dem Gehen, darum nimmt er den Rollator zu Hilfe, und damit kommt er ganz gut zurecht. Sonst: ganz klar im Kopf, ganz hell. Nimmt Anteil an allem. Er liest, er betet, er hört Musik, er hat Besuch; jeden Tag ist auch ein kleiner Spaziergang mit Rosenkranz angesagt, also – das, was er am Anfang seiner Zeit als Papa emeritus gemacht hat, das macht er auch jetzt.“

„Er liest nicht nur Theologisches“

Frage: Was liest er denn schwerpunktmäßig – vor allem Theologie, oder auch Literatur?

„Er ist natürlich und bleibt ein Theologe – aber er liest nicht nur Theologisches. Was er jetzt konkret liest, das werde ich natürlich nicht verraten… aber die Interessen sind sehr breit.“

Frage: Guckt er italienische oder deutsche Fernsehnachrichten? Liest er den „Osservatore Romano“, italienisch oder deutsch?

Jeden Tag „Osservatore“-Lektüre

„Wenn der Bruder da ist, sind deutsche Nachrichten angesagt. Wenn der Bruder nicht da ist, sieht er – da er ja in Italien lebt – italienische Nachrichten. Der (italienische= „Osservatore Romano“ ist selbstverständlich eine Lektüre, Tag für Tag, und er liest darüber hinaus auch anderes, um sich zu informieren und zu wissen, was in der Welt los ist.“

Frage: Die Menschen, die ihn besuchen – sind das vor allem Professoren oder Kirchenleute, oder Menschen, die er von früher her kennt?

„Es sind Menschen verschiedener Nationen, verschiedenen Alters, verschiedener Berufe. Nicht nur Personen, die er von früher kennt, sondern die ihn im Lauf der Jahre kennengelernt haben oder auch, die ihn noch nie gesehen haben. Es gibt so viele Anfragen – er müsste Überstunden machen!“

Frage: Hat er einen sehr geregelten Tagesablauf, oder bleibt er einfach mal länger im Bett?

„Nein – die Regelmäßigkeit des Ablaufs, die konkrete Einteilung des Tages ist seit eh und je eindeutig. Es ist nicht so, dass er mal ausschläft, und dann fängt der Tag eben später an, sondern der Tag beginnt mit der heiligen Messe, jeden Tag zur gleichen Zeit.“

Sonntag ist Predigttag

Frage: Und hält er da auch eine kleine Predigt oder Betrachtung? Bereitet er sich darauf vor?

„Jeden Sonntag, ja. Am Sonntag hält er immer eine schöne Predigt für uns, die „Memores“ und mich. Ab und zu ist auch ein Besuch da.“

Frage: Schreiben Sie sich eigentlich auf, was der emeritierte Papst predigt, oder geht das einfach so verloren?

„Wir halten es fest, was er predigt, denn er spricht frei. Er hat wohl ein Predigtheft, in das er Notizen macht, aber er predigt frei. Und wir versuchen schon, festzuhalten, was er sagt.“ (rv)

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Ratzinger-Schüler denken über Europas geistliche Krise nach

Mittwoch 24. August 2016 von VH

Papst Benedikt XVI.Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist voller Sorge über Europa und lässt aus diesem Grund den Ratzinger-Schülerkreis in seiner bevorstehenden Jahrestagung über Auswege aus der spirituellen Krise des Kontinents debattieren. Das sagte Pater Stephan Otto Horn, der langjährige Koordinator des Theologenzirkels, im Gespräch mit Radio Vatikan. Die Angehörigen des Ratzinger-Schülerkreises kommen von 25. bis 28. August wie bereits seit 2005 in Castel Gandolfo zusammen.

„Wir wollen über Europa reden unter dem Aspekt, wie die innere Situation von Europa ist, und was das für Herausforderungen für uns Christen in sich trägt“, sagt der Salvatorianerpater. Zunächst gehe es um eine Diagnose, denn: „Papst Benedikt hat uns das sehr ans Herz gelegt, wenn wir von Europa sprechen, müssen wir sehr tief die Situation von Europa analysieren“. Die beiden Hauptreferenten der Tagung von früheren Studenten und Mitarbeitern des einstigen Theologieprofessors Joseph Ratzinger, nachmals Papst Benedikt XVI., sind der emeritierte Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari sowie der Rektor des „Istituto Universitario Europeo“ in Florenz, Joseph Weiler. Der US-amerikanische Jurist wird eine Bestandsaufnahme der spirituellen Krise Europas vorlegen, so Pater Horn.

„Wir erwarten von ihm einen Beitrag von jemandem, der von außen kommt, der nicht Christ ist sondern Jude, aber doch in dieser jüdisch-christlichen Tradition sehr verwurzelt ist und die Werte des Christentums sehr schätzt.“ Bischof Kapellari hingegen werde „mehr noch die Therapie“ dieser europäischen Krise in den Blick nehmen: „Er will über die alten und die neuen Baustellen sprechen, die Europa für uns Christen bereit hält.“

Benedikt XVI. selbst nimmt seit seinem Amtsverzicht 2013 nicht mehr an der Jahresversammlung seiner theologischen Schüler teil, empfängt sie aber im Vatikan. In diesem Jahr feiert er erstmals nicht mehr die Heilige Messe mit ihnen, sondern begrüßt 15 von ihnen bei sich in den vatikanischen Gärten.

Der 89 Jahre alte emeritierte Papst hat als Theologe und Intellektueller viel über Europa geschrieben, erinnert Pater Horn.

„Das ist eines der Themen, die ihm sehr am Herzen liegen. Zugleich ist er voller Sorge über Europa. Und darin stimmt er offenbar mit Präsident Weiler sehr überein. Insofern war er fast ein wenig erschrocken [über den Themenvorschlag des Schülerkreises], er hat gesagt, Europa ist wirklich in einer Krise und muss neu zum Leben kommen. Deshalb muss man die jetzige Situation sehr tief analysieren und von da aus versuchen, neue Wege zu finden, Europa neu zu beleben.“

Der Schülerkreis geht auf das Jahr 1978 zurück. Der Dogmatikprofessor Joseph Ratzinger war 1977 zum Erzbischof von München ernannt worden und beendete seine Universitätslaufbahn. Seit 1978 trafen sich die Teilnehmer jeden Sommer mit ihrem Lehrer zu einer Studienwoche. Im Mittelpunkt stand und steht jeweils ein von Ratzinger benanntes Thema. Die Treffen wurden auf Wunsch Benedikts XVI. nach seiner Papstwahl fortgesetzt: sie verlagerten sich in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom, und Benedikt, der dort Sommerfrische machte, nahm bis 2012 daran teil.

Wie Pater Horn sagte, könne man nunmehr wieder von einem einzigen „Ratzinger-Schülerkreis“ sprechen, weil der ursprüngliche Zirkel und der 2008 gegründete „Neue Schülerkreis“ von jüngeren Theologen nun zusammenwachse. „Wir sind in einer Phase des Übergangs“, so der Salvatorianer. Er ist Jahrgang 1934 und plant eine behutsame Übergabe des Ratzinger-Schülerkreises in jüngere Hände.

„Ich selber kann mich noch nicht ganz zurückziehen, möchte ja Papst Benedikt auch nicht im Stich lassen, aber es ist gut, wenn es einen langsamen, allmählichen Übergang gibt. So möchte ich den jüngsten des ursprünglichen Schülerkreises stärker mit ins Boot holen, Josef Zöhrer, der in Freiburg im Breisgau tätig war und jetzt emeritiert ist, und dann können wir Älteren langsam etwas zurücktreten und die Jungen können vorangehen.“

Der bayerische Salvatorianerpater Horn wirkte von 1972 bis 1977 als Assistent Professor Ratzingers an der Universität Regensburg. Zu den Angehörigen des Schülerkreises gehört unter anderem der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, während der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch dem neuen Schülerkreis zugerechnet wird. Beide wollen im Kreis der rund 40 Theologen und Theologinnen an der Studientagung in Castel Gandolfo teilnehmen. (rv)

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Kardinal Pell: „Keiner kann Benedikt das Wasser reichen“

Mittwoch 28. Oktober 2015 von VH

Kardinal PellKeine Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene: dies werde nach Meinung des australischen Kurienkardinals George Pell „ganz klar“ in dem Abschlussdokument der Bischofssynode festgehalten. 24 Stunden nach der Abschlussmesse zur Ehe- und Familiensynode beginnen schon die ersten Interpretationen zu dem Papier in und außerhalb des Vatikans zu kursieren. Bei einer Buchpräsentation am Montagabend im Campo Santo Teutonico fragten wir Kardinal Pell, was er denn von der deutschen Sprachgruppe bei der Synode hielt:

„Ich hielt sie intellektuell gesehen für nicht so herausragend wie es eigentlich die Bischöfe und vor allem deutschen Theologen in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils waren. Das ist ein großer Verlust für die Kirche. Ich würde sagen, unter den Mitgliedern dieser Sprachgruppe ist keiner, der Papst Benedikt XVI. oder Hans Urs von Balthasar oder Karl Rahner das Wasser reichen kann.“

Er selber sei sehr zufrieden mit dem Abschlussdokument der Synode. Es sei positiv, dass bei allen 94 Paragraphen die Zweidrittelmehrheit erreicht wurde. An Pells Lesart sieht man, wie offen der Text für Interpretationen ist. Im Gespräch mit Radio Vatikan geht er auch auf sein Verhältnis zu Kardinal Marx ein. Pell hatte in einem Interview der französischen Zeitung Le Figaro kritisiert, dass es eine Kluft zwischen Kasper-Anhängern und Benedikt-Befürwortern gebe.

„Ich bin sehr gut mit Kardinal Reinhard Marx befreundet. Wir arbeiten ja in einigen Kommissionen zusammen. Über viele Dinge haben wir absolute Meinungsverschiedenheiten, aber ich bin sehr glücklich darüber, von ihm gehört zu haben, dass es keine Kontraste zwischen den Anhängern von Kardinal Walter Kasper und jenen von Papst Benedikt gegeben habe. Ich bin froh darüber, dass es diesen Gegensatz anscheinend doch nicht gab.“

Der ehemalige Erzbischof von Sydney und Mitglied des Beratergremiums K9-Rat sprach im Campo Santo Teutonico im Vatikan bei der Buchvorstellung des US-Theologen George Weigel. Das Buch ist auf Deutsch erschienen unter dem Titel: „Die Erneuerung der Kirche. Tiefgreifende Reform im 21. Jahrhundert.“ (rv)

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Heiligsprechungen nach vereinfachtem Ritus

Donnerstag 24. April 2014 von VH

Pater Lombardi PressekonferenzDer Vatikan hat an diesem Donnerstag Details zur liturgischen Gestaltung der Heiligsprechungsfeierlichkeiten am kommenden Sonntag bekanntgegeben. Die Kanonisierung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. findet nach dem vereinfachten Ritus statt, der 2005 von Papst Benedikt XVI. eingeführt wurde, erklärte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi in einer Pressekonferenz.

„Die Heiligsprechungsfeier beginnt mit der Prozession und der Heiligenlitanei, dann wird der Altar mit Weihrauch vorbereitet. Danach folgt sofort die Kanonisierung, der eigentliche Ritus der Heiligsprechung – dies ist der erste Teil der Feier. Der Ritus ist ziemlich vereinfacht worden.“

Im Gegensatz zu der zuvor üblichen Praxis sieht der vereinfachte Ritus die Heiligsprechung der beiden Päpste also bereits vor der Eucharistiefeier vor. Ziel der Änderung war es, die Einheit der Eucharistiefeier zu erhalten. Zu den damals auf den Weg gebrachten Neuerungen gehört weiter die mehrfache Petitio: Der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, tritt zusammen mit den Postulatoren vor den Papst und ersucht ihn drei Mal um die Heiligsprechung der beiden seligen Päpste. Dazu Lombardi:

Drei Mal, um die Bedeutung dieser Feierlichkeit zu unterstreichen – bei einer Seligsprechung gibt es ja nur eine Petitio, bei der Heiligsprechung sind es drei.“

Danach wird der Papst feierlich die Kanonisierungsformel verlesen – dies ist das Herzstück des Ritus, bei dem in besonderer Weise die päpstliche Autorität zum Ausdruck kommt.

„In dieser Formel drückt der Papst seine ganze Autorität als Kirchenoberhaupt und als ,Oberster Brückenbauer’ aus.“

Durch das Verlesen der Formel schreibt der Papst gewissermassen die beiden Namen seiner Vorgänger in das Verzeichnis der Heiligen ein. Damit sind beide Päpste offiziell heilig und können in der Weltkirche als solche verehrt werden. Bei einer Seligsprechung ist offiziell nur eine lokale Verehrung erlaubt.

Im Anschluss an den Ritus werden Reliquien der beiden Päpste unter feierlicher Musik in zwei gleich aussehenden Behältern zum Altar getragen: Bei Johannes Paul handelt es sich um die Blutreliquie, die schon bei der Seligsprechung zur Anbetung präsentiert wurde, von Johannes XXIII. werde ein Hautstück verwendet, so Lombardi. Die Reliquien des Konzilspapstes würden von Verwandten getragen, wer das Reliquiar von Johannes Paul II. trage, sei noch nicht entschieden, so der Sprecher.

Danach gehe die Messfeier weiter, so Lombardi. Wie bei wichtigen Feierlichkeiten üblich, werde das Evangelium auf Latein verlesen. Nach dem abschließenden Regina Coeli werde der Papst die Delegationen aus aller Welt auf dem Petersplatz – nicht in der Basilika, wie sonst üblich – begrüßen. 93 internationale Delegationen hätten sich für die Feierlichkeiten angemeldet, darunter seien neben Politikern auch andere Religionsvertreter. Der Sprecher betonte aber, dass der Vatikan keine Einladungen verschickt habe. Der Heilige Stuhl habe lediglich über das Ereignis informiert, die Gäste hätten sich daraufhin angemeldet. Ob der emeritierte Papst Benedikt XVI. erscheinen werde, konnte Lombardi nicht sagen. Zum Abschluss der Feier werde Franziskus eine Runde im Jeep auf dem Petersplatz drehen und die Gläubigen begrüßen, so Lombardi.

Dass zur Einstimmung auf die Heiligsprechung bereits in der Nacht auf Sonntag in der ganzen Stadt Gebetswachen stattfinden, daran erinnerte auf der Pressekonferenz Don Walter Insero vom Vikariat Rom:

„Wir wollten, dass die Stadt, dass vor allem die Kirchen des Zentrums, den Pilgern spirituelle Gastfreundschaft gewähren. Geschlafen wird nicht, sondern es herrscht Erwartung auf das große Ereignis. Wer ankommt, kann beten und sich so auf die Inhalte der Heiligsprechung vom Sonntag vorbereiten, mit entsprechenden Texten. Es wird verschiedene Gruppen geben, die die Gebete in verschiedenen Sprachen leiten.“ (rv)

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Angelus: Nach Gewissen handeln heißt, Willen Gottes tun

Montag 1. Juli 2013 von VH

VatikanplatzVor über 90.000 Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz hat Papst Franziskus unter dem Beifall daran erinnert, dass sein Vorgänger Benedikt XVI. die Gläubigen „ein großes, wunderbares Beispiel" gegeben habe, „als der Herr ihn im Gebet verstehen lassen hat", welchen Schritt er machen müsse. Benedikt sei mit großem Sinn für Unterscheidung und Mut seinem Gewissen gefolgt, so Papst Franziskus beim Mittagsgebet an diesem Sonntag. Der emeritierte Papst habe dem Willen Gottes gehorcht, der zu seinem Herzen sprach. „Und dieses Beispiel unseres Vaters tut uns allen so gut", so Franziskus wörtlich.

Vor dem Angelusgebet ging Papst Franziskus auf das Tagesevangelium ein. Es handelte sich um jene Stelle im Lukas-Evangelium, in der der Beschluss Jesu beschrieben wird, nach Jerusalem zu gehen. Jene Stadt wird sein letztes irdisches Ziel sein, wo er sterben und dann auferstehen wird, damit sich die Heilsgeschichte erfüllen wird. Der Papst erläuterte dazu:

„Jesus sagt seinen Jüngern, dass sie ihm auf den Weg nach Jerusalem vorangehen sollten, damit sie seine Ankunft verkünden können. Gleichzeitig heißt Jesus seine Jünger, niemandem etwas aufzuerlegen: wenn es keine Bereitschaft gebe, ihn aufzunehmen, so sollten sie weitergehen. Jesus erliegt nie etwas auf, er ist demütig und spricht eine Einladung aus."

Diese Stelle im Evangelium rufe dazu auf, auf das Gewissen zu hören, so der Papst weiter. Denn Jesus sei in seinem Dasein auf der Erde nicht „manipuliert" worden und habe seinen Entschluss in seinem Gewissen getroffen.

„Allerdings tat er das nicht allein, vielmehr ist das zusammen mit dem Vater, in voller Einheit mit ihm geschehen. Und im Vater fand Jesus die Kraft, und das Licht für seinen Weg. Jesus war frei in dieser Entscheidung. Jesus will, dass die Christen frei sind. Er will kreative Christen, keine ferngesteuerten Christen. Diese Freiheit entsteht aus dem Dialog mit dem Vater im Gewissen."

Dies gelte auch für die heutigen Gläubigen, fuhr Franziskus fort.

„Wir müssen es lernen, auf unser Gewissen zu hören. Doch Vorsicht! Dies bedeutet nicht, dem eigenen Ich zu folgen, das zu tun, was mich interessiert, was mir nutzt, was mir gefällt. Das Gewissen ist der innere Raum des Hörens auf die Wahrheit, das Gute, des Hörens auf Gott. Es ist der innere Ort meiner Beziehung zu ihm, der zu meinem Herzen spricht und mir hilft, zu unterscheiden, die Straße zu verstehen, die ich begehen muss, und wenn man einmal einen Entschluss gefasst hat, vorwärtszugehen und treu zu bleiben."

In seinem Tweet des Tages hat Papst Franziskus folgendes geschrieben:

„Ein Christ kann nie gelangweilt oder traurig sein. Wer Christus liebt, ist voller Freude und verbreitet Freude." (rv)

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Reden über Gott und Welt: Die „innere Gegenwart“ des Konzils

Sonntag 30. Juni 2013 von VH

  "Liebe Brüder und Schwestern, morgen sind es 50 Jahre, dass Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet hat und an diesem Tag beginnen wir auch ein ‚Jahr des Glaubens’, um uns wieder neu in das Wollen dieses Konzils und in das Wollen des Herrn selbst hinein zu geben, glauben zu lernen und aus dem Glauben zu leben".

Papst Benedikt XVI. am 10. Oktober des vergangenen Jahres: Er erinnert an das Konzil, aber er betont auch den Zweck einer solchen Erinnerung: Es geht nicht um das Gestern, sondern um uns, um heute.

„Johannes XXIII. hat das Konzil einberufen aus dem Bewusstsein heraus, dass das Christentum müde geworden war und nicht mehr so recht in der Zeit zu stehen schien, in Sprache und Formen der Vergangenheit zu gehören schien. So hat er das Stichwort „Aggiornamento" geprägt, das „wieder auf den Tag bringen". Das heißt nicht, es äußerlich irgendwie neu anstreichen, sondern es bedeutet seine innere Gegenwart neu zu entdecken. Er wollte, dass die ständige und lebendige Gegenwärtigkeit des Glaubens wieder sichtbar wird, dass er wieder heute lebt und Menschen und die Welt von heute formt."

Das Wort „heute" fällt auffällig oft, wenn es um die Erinnerung an das Konzil geht. Aber wie geht das? Was bedeutet diese „innere Gegenwart" und wie komme ich dazu?
Es ist ein Thema, das wie kein zweites in der katholischen Kirche so emotional diskutiert wird: Die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils für heute. Sich selbst „Reformer" nennende berufen sich genauso wie Päpste, Theologen und Pfarreien gleichermaßen auf den Aufbruch und die Texte, den Geist oder schlicht auf „das Konzil".

Eine wachsende Gruppe Gläubiger, weltweit mittlerweile die Mehrheit, kennt das Konzil aber nicht mehr aus der eigenen Erinnerung, sie sind erst nach dessen Ende geboren worden. Die Emotionalität, die mit der Debatte unter älteren Generationen verbunden ist, ist ihnen fremd, sie gehen mit ganz eigenen Zugängen an dieses Konzil heran. Das Angelicum – die Hochschule der Dominikaner in Rom – ist ein Ort, an dem sich Studierende aus aller Welt die Konzils-Texte vornehmen und sie miteinander diskutieren. Pater Carsten Barwasser doziert dort systematische Theologie. Er kennt die Debatten der Studierenden um das Zweite Vatikanum:

„Für die ist das Zweite Vatikanische Konzil primär ein historisches Ereignis, das schon ziemlich lange vergangen ist. Es ist aber auch sehr spannend, die unterschiedliche Wahrnehmung und den unterschiedlichen Wissensstand auch was die einzelnen Kulturen betrifft zu betrachten: Wir haben hier am Angelicum Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa: Die haben alle einen sehr unterschiedlichen Hintergrund, auch was Informationen und Wissen um das Konzil betrifft. Ich finde es spannend, dass gerade Studierende aus der so genannten ‚Dritten Welt’, also aus Asien und aus Afrika ein Gespür dafür haben, was das Konzil auch für sie bedeutet. Gerade wenn man mit ihnen über die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes spricht, über die ‚Zeichen der Zeit’, von denen dort die Rede ist, dann kommt da ganz viel herüber von ihren eigenen Erfahrungen, wo das Konzil auch für sie mit spricht. Mir scheint, dass bei diesen Studierenden der pastorale Bezug im Vordergrund steht und diese Wahrnehmung des Kontextes von Armut und Ausbeutung, das ist denen wichtig, weil es die Situation ist, aus der sie kommen."

Die Lebenssituation prägt die Lesart, kein unbekanntes Phänomen, im Gegenteil. Aber die Lektüre und das Studium sind nicht einfach. Ein Problem der Texte, das mit wachsendem Abstand zu ihrer Entstehung noch größer wird, ist zum Beispiel die Sprache:

„Das ist sicherlich ein allgemeines Problem der Konzilstexte, diese Texte sind ja von der ganzen Entstehung her eine durchmischte Komposition aus ganz verschiedenen Quellen. Von der Sprache her sind sie einerseits immer noch sehr dichte theologische Texte aber dann – gerade auch bei Gaudium et Spes – gibt es den Versuch, dort auch mit einer neuen Sprache hinein zu kommen, eine existenzielle oder personale Sprache sollte da hineingebracht werden, wobei auch das mittlerweile wieder einen Fremdheitscharakter hat. Sprachlich gibt es definitiv eine Hürde, weshalb auch viel mehr Menschen vom Geist des Konzils reden oder von der Dynamik, ohne jemals einen Text gelesen zu haben. Ich glaube schon, dass diese Sprache der Texte an sich sehr schwierig ist und ein echtes Hindernis darstellt."

Von den 16 Texten sind nicht alle gleich unzugänglich oder schwierig; ein Ergebnis ihrer Geschichte und ihres Entstehens.

„Wirklich einfach ist keiner dieser Texte. ‚Dei Verbum’ über die Offenbarung hat den Ruf, einer der unorganischsten und unausgewogensten Texte des ganzen Konzils zu sein, der zu stark einen Kompromisscharakter habe. Das ist sicherlich nicht ganz falsch, denn gerade um dieses Thema Offenbarung, bei dem es um das Herz des Glaubens geht, ist ganz stark gerungen worden. Man merkt diesem Text natürlich das Ringen an, insofern ist er nicht einfach glatt und es kostet Mühe, in so einen Text hinein zu kommen, aber ich glaube, dass sich das bei einem Text wie ‚Dei Verbum’ durchaus lohnt, weil gerade in diesem Text eine ganze Reihe von wichtigen Inhalten drin steckt, wie zum Beispiel die Neufassung des Offenbarungsbegriffes als Selbstoffenbarung. Gott offenbart nicht irgendwas, also eine Tafel von Sätzen oder irgendwelche Dogmen, sondern er offenbart sich selbst. Das heißt, in Christus findet Gottesbegegnung statt. Das deutlich zu machen ist sehr wichtig, wenn es darum geht, sich die Texte des Konzils anzuschauen."

Nun hat sich der Planet aber weiter gedreht, neue Philosophie, die Postmodernität, die Globalisierung: all das stellt neue Fragen. Geben denn die alten Texte Antworten auf die neuen Fragen?

„Teilweise sicherlich nicht mehr. Das Konzil hat ja mit seinem pastoralen Anspruch das ganze selber formuliert, es wollte zeitbedingte Antworten formulieren, was damals sehr neu war: Die Wahrnehmung der eigenen Kontextualität und Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit. Zu versuchen, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zwar das Jahr 1965 zu erkennen. Die Zeichen der Zeit von 1965 sind sicherlich nicht mehr die Zeichen der Zeit von 2013, dennoch finde ich es – wenn man hinein schaut in die Texte – erstaunlich, dass eine ganze Reihe von Fragen dort uns weiterhin beschäftigt: Die Armut ist weiterhin ein Thema, die Frage von Arbeit und Ausbeutung aber auch die Frage nach Frieden und Konfliktbewältigung ist weiterhin virulent. Inwieweit jetzt die eher theologischen Texte wie ‚Dei Verbum’ oder ‚Lumen Gentium’ eine gewisse Tagesaktualität haben, ist natürlich eine gute Frage. Insofern braucht es immer Übersetzungsarbeit und ich glaube, dass es eine der Aufgaben von Theologie ist, zu übersetzen, also das was damals geschrieben wurde in eine heutige Sprache und in heutige Kontexte hinein zu übersetzen.

Das Konzil selbst hat sich ja auch so verstanden. Wenn man mal an die Eröffnungsansprache von Johannes XXIII. im Jahr 1962 denkt: dort versucht er, eine Marschrichtung vorzugeben für das Konzil. Da geht es ganz eindeutig um diese Übersetzungsarbeit. Es geht nicht darum, etwas völlig Neues zu schaffen, sondern darum, den Glauben selbst zu verheutigen; den Glauben der etwas ist, was uns von Christus her vorgegeben ist, zu interpretieren in unserem heutigen Kontext und so zu verheutigen – Aggiornamento – das Menschen einen existenziellen Bezug dazu finden können. Das ist eine Aufgabe, die das Konzil in den 60ern versucht hat – sicherlich nicht immer erfolgreich – aber es hat damit eine Richtung vorgegeben, die weiterhin für uns gültig ist."

Diese Übersetzungsarbeit ist zum Teil schon erfolgt: die Würzburger Synode etwa oder die Versammlungen der lateinamerikanischen Bischöfe zuletzt in Aparecida 2007 haben das geleistet, um nur einige wenige zu nennen. Aber es lohnt sich trotzdem, auf die Originale selbst zurück zu greifen, meint Dominikaterpater Carsten Barwasser:

„Weil das Ereignis an und für sich, von seiner Dynamik her, vom Zusammenkommen dieser über 2.000 Bischöfe und Ordensoberen her, ein Ereignis ist, was es so nicht mehr gegeben hat. Auch wenn Bischofssynoden in Rom oder auf Regionalebenen natürlich eine ganz eigene Bedeutung haben. Ich glaube, dass das Zweite Vatikanische Konzil ein ganz eigenes historisches Ereignis ist und deswegen Kirche erfahrbar macht, und zwar in einer Dynamik, die man sonst Kirche vielleicht gar nicht zutraut, weil man sonst Kirche sehr oft auf die Institutionen beschränkt.
Insofern sind es gar nicht unbedingt die Texte selber – auch wenn die weiterhin wichtig sind und gelesen werden sollten – aber ihre Bedeutung bekommen sie unter anderem auch von diesem Ereignis selbst, von der Dynamik dieses Zusammenkommens, der Kommunikation die dort stattgefunden hat zwischen den verschiedenen Traditionen der Kirche und mit den jungen Kirchen. Es ist ein kommunikatives Ereignis einer ganz eigenen besonderen Art gewesen. Das macht ein Stück von dem aus, warum das Konzil bis heute weiterhin von Bedeutung ist und warum es sich lohnt, an die Texte heran zu gehen und warum es dann doch nicht reicht, sich mit den nachfolgenden Texten zufrieden zu geben."

Wenn wir also auf der Suche nach der Lebendigkeit des Konzils für die Kirche heute oder in den Worten von Benedikt XVI. nach der „inneren Gegenwart" sind, kann uns das Konzil bei den schwierigen theologischen, den Glauben betreffenden, den menschlichen und ethischen Entscheidungen helfen?

„Ich glaube, dass zumindest eine Grundrichtung, wie wir uns mit solchen Situationen auseinander setzen, auch durchaus weiterhin noch in den Texten des Konzils zu finden ist, ohne dass wir davon ausgehen können, dass wir dort Patentrezepte finden. Ich glaube, dass es ohnehin ein grundsätzliches Problem ist, wenn man die Texte des Konzils nimmt und sie dann eins zu eins umsetzt, als wären sie Rezepte für kirchliche Reformen oder für kirchliche Erneuerung. Sie sind als theologische Texte und als lehramtliche Texte Vorgaben und sie bilden einen Rahmen und zeigen eine Richtung an. Aber sie sind keine Texte, die man einfach eins zu eins umsetzen kann." (rv)

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19. April: Jahrestag der Wahl Benedikt XVI.

Samstag 20. April 2013 von VH

PP Benedikt XVIAcht Jahre ist es erst her, dass Benedikt XVI. zum Papst gewählt wurde: Am 19. April 2005 wurde er den Gläubigen auf dem Petersplatz mit dem „Habemus Papam" angekündigt. Seit der Wahl von Papst Franziskus ist dieses Pontifikat Vergangenheit, aber der Jahrestag der Wahl Joseph Ratzingers ist auch Gelegenheit, daran zurück zu denken, wie Benedikt XVI. seiner Kirche dienen wollte und wie er sich das damals vorstellte als „einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn". (rv)

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Franziskus gratuliert Benedikt telefonisch

Dienstag 16. April 2013 von VH

Bene_140110An diesem Dienstag Morgen hat Papst Franziskus seinem Vorgänger, Benedikt XVI., zum Geburtstag gratuliert. Dies gab Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag bekannt. Franziskus habe in Castelgandolfo angerufen, wo Benedikt XVI. an diesem Tag im kleinen Kreis seinen 86. Geburtstag feiert. Auch der ältere Bruder des emeritierten Papstes, Georg Ratzinger, ist in Castelgandolfo. In drei Tagen jährt sich auch der Tag des Amtsantritts von Papst Benedikt, der Ende Februar 2013 zurückgetreten ist, zum achten Mal. Öffentliche Feiern zu Geburtstag oder Amtsantritt sind nicht geplant. (rv)

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Franziskus trifft Benedikt XVI. am kommenden Samstag

Samstag 16. März 2013 von VH

B_Franziskus I.  Bene_140110Nun ist es offiziell bekannt: Zu einer ersten Begegnung zwischen Papst Franziskus und Benedikt XVI. kommt es in einer Woche, am kommenden Samstagmittag, in Castel Gandolfo. Das teilte der vatikanische Pressesaal an diesem Samstag mit. Demnach wird sich Papst Franziskus per Hubschrauber nach Castel Gandolfo begeben und am Tag darauf, dem Palmsonntag, auf dem Petersplatz die Messe zum Auftakt der Karwoche feiern. Für kommenden Montag, 18. März, ist eine Audienz für die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner geplant.

Am morgigen Sonntag, 17. März, wird der neue Papst seine erste öffentliche Messe in der vatikanischen Pfarrkirche Sankt Anna feiern. Die direkt neben dem gleichnamigen Tor zur Vatikanstadt gelegene Gemeindekirche wird von Angestellten des Kleinstaates sowie von Anwohnern des nahen Borgo-Viertels besucht, derzeit finden dort Renovierungsarbeiten statt. Am Sonntagmittag betet Papst Franziskus dann mit den Menschen auf dem Petersplatz das Angelus-Gebet.

Am Dienstag tritt Papst Franziskus mit einer feierlichen Messe um 9.30 Uhr auf dem Petersplatz offiziell sein Dienstamt an. Nach der Messe nimmt er im Petersdom die Grüße der Staatsoberhäupter und der Leiter der offiziellen Delegationen entgegen. Am Mittwoch begrüßt er in der Sala Clementina die Vertretungen anderer christlicher Kirchen, die zu seiner Amtseinführung angereist sind. Für Freitag steht die erste Audienz des neuen Papstes für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps bevor. (rv)

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