Papst eröffnet Vorbereitungstreffen zur Amazonassynode

Papst Franziskus hat an diesem Donnerstag die vorsynodalen Arbeiten zur Amazonassynode eröffnet. Das gab der Vatikan am Nachmittag bekannt.

Die 18 Mitglieder des Synodenrats sowie 13 Experten für das Amazonasgebiet tagen noch bis Freitag zur Vorbereitung der kommenden Amazonassynode. Der Papst werde den Angaben nach auch an den weiteren Arbeiten Anteil nehmen.

Kardinal Lorenzo Baldisseri, der Sekretär der Synode, hat bei dem Treffen Amazonien als einen „Garten immenser Reichtümer und natürlicher Ressourcen“ bezeichnet. Die „Mutter Erde der indigenen Völker“, so Baldisseri weiter, habe ihre „eigene Geschichte und ein unverkennbares Antlitz“, sei jedoch durch „Ehrgeiz ohne Grenzen“ gedroht.

Der einzige indigene Teilnehmer an den Arbeiten der Vorsynode, Pater Justino Rezende von der Tribu der Tuiuca drückte in seiner Ansprache insbesondere Freude darüber aus, wie nah die Kirche den indigenen Völkern in Amazonien sei. (vatican news – cs)

Päpstliche Kommission schlägt Franziskus eine Synode über die Rolle der Frau vor

VATIKANSTADT – Die Päpstliche Kommission für Lateinamerika hat vorgeschlagen, dass Papst Franziskus eine Synode über die Rolle der Frau im Leben und in der Mission der Kirche einberuft.

Der Vorschlag ist in einer Erklärung enthalten, deren 15 Paragraphen vor einem Monat von der Päpstlichen Kommission für die lateinamerikanische Vollversammlung verabschiedet und am 11. April im L’Osservatore Romano veröffentlicht wurde.

Die Päpstliche Kommission für Lateinamerika betonte, dass die katholische Kirche “von Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierungen befreit” werden müsse, und deshalb sei eine “pastorale Umkehr” nötig, um die Vergebung der Frauen “für alle Situationen” zu fordern, in denen christliche Gemeinschaften “Komplizen eines Angriffs auf die Würde der Frau” waren und sind.

Das Dokument forderte auch die lokalen Diözesen auf, “mutig” zu sein und “alle Formen von Diskriminierung und Unterdrückung, von Gewalt und Ausbeutung anzuprangern”, denen Frauen ausgesetzt worden sind.

Die Kommission warnte gleichzeitig vor einer “kulturellen und ideologischen Kolonisierung”, die von “gut organisierten Lobbys” betrieben werde, bis hin zur “Instrumentalisierung feministischer Ansprüche” um gegen die Wahrheit von Ehe und Familie zu argumentieren.

Die Päpstliche Kommission Lateinamerikas bat die Kirche, “die Orte und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Frauen mit der pastoralen Struktur zu multiplizieren und zu erweitern” – in Pfarreien, Diözesen, Bischofskonferenzen und in der Römischen Kurie.

Es ist – so heißt es in dem Dokument – “eine notwendige und dringende Öffnung”, die “eine Investition in die christliche, theologische und berufliche Bildung” von Frauen – seien es Ordensschwestern oder Laien – erfordert, damit sie “auf dem gleichen Niveau mit Männern arbeiten können.”

Weiter wird eine Ausbildung gefordert, die “chauvinistischen Widerstand der Männer, häufige Abwesenheit als Väter und in der Familie, und Verantwortungslosigkeit im sexuellen Verhalten” anzupacken.

Zudem fordern die Autoren mehr Forschung zu diesen Themen an katholischen Universitäten, da “die Ära des Feminismus eine gute Gelegenheit zur Befreiung sein könnte”, welche “die volle Achtung der Würde der Frauen und gleichzeitig eine verantwortungsvolle Vaterschaft” für “Kindererziehung” beanspruchen könnte, an der Seite der Mutter. ”

Die Erklärung besagt weiter, dass die Moderne “einen Wandel der Mentalität und einen Transformationsprozess” erfordere, der dem ähnlich sei, was Papst Franziskus mit den beiden Synoden über die Familie, die bekanntlich zu dem Dokument Amoris Laetitia führten, “konkretisiert” habe, und welche nun auf der kommenden Bischofssynode über Jugend, Glauben und Berufsbildung, die nächsten Oktober stattfinden wird, fortzusetzen sei.

Die Vollversammlung der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika fand vom 6. bis 9. März statt. Das von Papst Franziskus gewählte Thema lautete “Die Frau: eine Säule der Erbauung der Kirche und der Gesellschaft in Lateinamerika”.

Ausnahmsweise gehörten der Vollversammlung einige Frauen an, was insofern ungewöhnlich ist, weil alle Mitglieder und Konsultoren der Kommission Kardinäle und Bischöfe sind. Themen der Diskussion während der Versammlung waren die Förderung der Frau in Lateinamerika, die Anwesenheit der Jungfrau Maria und die Rolle der Frauen bei der Evangelisierung der lateinamerikanischen Menschen, und auch die Frau als “Säule der Familie” – sowie die Rolle der Frauen in Katechese, Gesellschaft, Politik.

Es wird erwartet, dass “die Rolle der Frau” 2019 auf einer Sondersynode für die Panamazonische Region und auf der Synode über junge Erwachsene und Berufungen im Oktober 2018 diskutiert wird. Es ist möglich, dass die nächsten ordentlichen Bischofssynoden, die für 2021 geplant sind, auch einer Diskussion über Frauen gewidmet sein könnten.

Papst Franziskus hat oft über die Bedeutung der Rolle der Frau in der Gesellschaft gesprochen und 2016 eine Kommission eingesetzt, um die Möglichkeit zu untersuchen, Frauen als Diakone zu weihen.

Erzbischof Luis Ladaria, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, wurde zum Präsidenten einer aus 12 Mitgliedern – 6 Männern und 6 Frauen – bestehenden Kommission ernannt. Die Mitglieder sind: Msgr. Piero Coda; Sr. Nuria Calduch-Benages; Francesca Cocchini; Fr. Robert Dodaro; Fr. Santiago Madrigal Terrazas; Sr. Mary Malone; Fr. Karl-Heinz Menke; Fr. Amailble Musoni; Fr. Bernard Pottier; Marianne Schlosser; Michelina Tenace; Phyllis Zagano.

Quellen zufolge entwirft die Kommission derzeit ihren Abschlussbericht, der voraussichtlich in diesem Jahr dem Papst vorgelegt wird.

Die Frage eines Diakonats der Frau wurde in der jüngsten Vergangenheit diskutiert: Ein Bericht der Internationalen Theologischen Kommission von 2002 mit dem Titel “Von der Diakonie Christi zur Diakonie der Apostel” widmete der Rolle der weiblicher Diakone in der frühen Kirche ein ganzes Kapitel.

Im Hinblick auf die Weihe von Frauen zum Diakonat wurde in den Dokumenten betont, dass “Diakonissen” der Tradition der alten Kirche keineswegs als geweihte Diakone angesehen wurden, oder heute werden können. Darüber hinaus unterstrich das Dokument, dass sowohl die kirchliche Tradition als auch das Lehramt den diakonischen Dienst als ein Element heiliger Weihen betrachten.

Auf Grundlage dieser beiden Punkte schlug das Dokument des Jahres 2002 vor, dass Frauen nicht zum Diakonat ordiniert werden können.

Obwohl er sich dieser erst vor einigen Jahren geleisteten Arbeit bewusst war, wollte Papst Franziskus offenbar eine neue Kommission einrichten, um mögliche Zweifel auszuräumen. (CNA Deutsch)

Jugend-Vorsynode: „Wir fordern keine revolutionären Umstürze

Viele Kirchenverantwortliche im Vatikan sind wohl erleichtert darüber, dass die Jugendlichen, die an der Vorsynode in Rom teilnahmen, „keine revolutionären Umstürze“ in der Kirche fordern. Mit diesen Worten bilanziert Alina Oehler, eine der Teilnehmerinnen aus dem deutschen Sprachraum, die Arbeit der Vorsynode.

Persönlich freut sich die 27-jährige Theologin und Journalistin darüber, dass das Anliegen nach mehr Sichtbarkeit für Frauen in der katholischen Kirche ein universell geteiltes Thema war und im Dokument breiten Niederschlag fand. Und: das Interesse an der „Alten Messe“ unter jungen Leuten sei hoch.

Gudrun Sailer traf sich mit Alina Oehler zum Bilanzinterview in einem römischen Straßencafé.

Vatican News: Eine Vorsynode der Jugendlichen im Vatikan hat noch nie stattgefunden. Was kann das, was Sie da gemacht haben, mitsamt dem Text, den Sie dem Papst übergeben haben, für die Kirche bewirken?

Alina Oehler: „Ich hoffe natürlich, dass das geschieht, was in den letzten Tagen geschehen ist: dass die Hierarchie der Kirche uns aufmerksam zuhört und ernst nimmt, was Jugendliche sich von dieser Kirche wünschen und erhoffen. Denn die gute Nachricht für viele in der Hierarchie ist, dass wir keine revolutionären Umstürze gefordert haben, sondern in der Einleitung des Dokuments wird schon deutlich, dass wir diese Kirche lieben und in dieser Kirche Gott erfahren und dass wir sie nicht verändern wollen im Sinn: die Lehre muss komplett neu werden. Deswegen ermutige ich die Hierarchie der Kirche, sich das Dokument anzuschauen, weil wir nicht die revolutionäre Generation sind, die alles ändern möchte, wovor viele, glaube ich, Angst hatten.“

Vatican News: Was hat Ihnen im Dokument gefehlt?

Alina Oehler: „Ich finde, es ist eigentlich viel darin für die wenigen Tage und die vielen Hintergründe, aus denen die Jugendlichen kamen. Für mich persönlich wurde im Gespräch mit anderen deutlich, dass die Anliegen der asiatischen Jugendlichen zu wenig berücksichtig wurden. Ich als Deutsche kann das inhaltlich schlecht beurteilen, aber der Eindruck kam vermehrt. In der Hinsicht hätte das Dokument, meine ich, noch wachsen können, dass einfach die Lebensrealitäten der Jugendlichen außerhalb von Europa noch stärker Einfluss genommen hätten.“

Vatican News: Ihr persönliches Ziel war es, die Anliegen junger Frauen nach mehr Sichtbarkeit in der Kirche zu bestärken, in den Debatten wie auch im Dokument. Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?

Alina Oehler: „Ich bin sehr glücklich damit, wie die Rolle der Frau in diesem Dokument auftaucht. An vier unterschiedlichen Stellen im Dokument ist davon die Rede, jeweils nicht in einem Halbsatz, sondern als ganzer Absatz. Für mich ist das sehr erfreulich und auch überraschend gewesen, dass es so breiten Raum einnimmt. Weil natürlich für mich persönlich war es ein wichtiges Anliegen – aber zu sehen, dass es über die Kontinente und über die verschiedenen Hintergründe hinweg ein gemeinsames Anliegen ist, von Afrikanern, von Asiaten, von Europäern, von Amerikanern, das finde ich ein sehr starkes Zeichen, und ich finde da ist es auch nicht zu viel gesagt, vielleicht das Wirken des Heiligen Geistes an der Stelle zu vermuten. Und ich hoffe, dass es so wahrgenommen wird.“

Vatican News: Sie sind in Ihrer journalistischen Arbeit auch als Befürworterin der christlichen Tradition in Erscheinung getreten. Welchen Stellenwert hatte die Debatte um christliche, katholische Tradition, bei der Jugendvorsynode? Gab es daran überhaupt ein Interesse?

Alina Oehler: „Ja, da gab es ein großes Interesse. Vor allem beim Thema Liturgie wurde das sehr deutlich. Das Thema außerordentliche Form des römischen Ritus kam häufig in den Diskussionen vor, das hat mich persönlich überrascht, über Ländergrenzen hinweg. Es hat im Dokument mit dieser konkreten Formulierung keinen Einzug gefunden, ich kann es nicht einschätzen wieso, weil ich nicht im Redaktionsteam am Ende war, vielleicht war die konkrete Nennung des Terminus zu wenig. Aber das Interesse der Jugend an traditionellen Formen von Liturgie hat Einzug ins Dokument genommen. Und auch das ist eine Realität, der man sich stellen muss.“ (Vatican News – gs)

In die Kirche kommt Bewegung

Veränderungen in eine 2000 Jahre alte Institution zu bringen, ist sicher keine leichte Aufgabe. Die Kirche wird es trotzdem versuchen. Rund 300 Jugendliche machen sich nun an diese Aufgabe, sie haben sich zur Vorsynode in Rom versammelt.

Nadine Vogelsberg – Vatikanstadt.

Es ist ganz schön laut, bei 300 Jugendlichen aus allen Teilen der Welt an einem Ort – immerhin haben sie einander viel zu sagen. Dazu hat der Papst sie in seiner Rede zur Eröffnung der Vorsynode ja aufgefordert: Mutig zu sprechen und auch zuzuhören.

In Rom tagt in dieser Woche die Vorsynode, die die eigentliche Synode im Oktober vorbereiten soll. Zuvor konnten die Jugendliche einen Fragebogen online ausfüllen – tausende haben das getan. Aus diesen tausenden wurden die 300 Anwesenden ausgewählt, nach Rom zu kommen und zu diskutieren, was die Kirche besser machen kann, wenn es um Jugendliche geht.

Immerhin gibt es da einige Vorurteile, die junge Menschen gegenüber der Kirche haben könnten, wie Annelien Boone aus Belgien erzählt: „Die Kirche ist nicht etwas, wo es nur Regeln gibt, was sie oft denken, oder die nur alt ist, was auch nicht stimmt. Ich denke, dass es wichtig ist, der Kirche ein neues Image gegenüber der Jugend zu geben, damit sich alle willkommen fühlen.“

Boone sprach bei der Eröffnung des Vorsynode über die Situation junger Christen in Europa – so, wie auch jeder andere Kontinent einen Vertreter oder eine Vertreterin hatte. Wonach diese ausgewählt wurden, ist ihnen selbst ein Rätsel. Aber der Vatikan fragte sie, und sie haben geantwortet, ihre Gedanken, Gefühle und Hoffnungen über die Situation in ihrer Heimat zu Papier gebracht und vorgetragen.

Anschließend hatten sie alle die Gelegenheit, den Papst zu treffen, ein überwältigendes Gefühl, nicht nur für die Vertreter sondern für alle Jugendlichen: „Toll, ich war so überrascht, dass es real war!“ – „Ich konnte einfach nicht glauben, dass der Papst mir so nahe war!“ und „Es war einfach toll!“ heißt es da einstimmig begeistert von Jugendlichen unterschiedlicher Nationen.

Doch neben der Begeisterung für den Papst bringen die Jugendlichen auch eine Menge Pläne mit. Sie alle haben andere Anliegen, was ihnen für die Zukunft der Kirche wichtig ist. Für Christen aus dem islamisch geprägten Iran ist Frieden beispielsweise ein wichtiges Anliegen: „Ich hoffe die Welt verändern zu können: Frieden, kein Kämpfen. Vielleicht können junge Menschen beginnen, die Welt zu verändern, sodass niemand mehr miteinander kämpft.“

Mathilde, aus Frankreich, wünscht sich dagegen mehr Gebet: „Ich denke es geht darum, gemeinsam zu beten. Das Gebet kann viel verändern und ich denke, das ist das wichtigste für uns – Jesus nah zu sein.“

Man merkt den Jugendlichen ihre Aufbruchstimmung deutlich an. Sie sind in Rom, um etwas zu verändern – und sie sind zuversichtlich, dass ihnen das gelingen wird. Tendai Karombo aus Simbabwe, die bei den Reden zur Eröffnung Afrika repräsentierte, fasst den Eindruck der Jugendlichen zusammen: „Ich glaube, dass man uns zuhört, nicht nur der Papst, sondern auch die Autoritäten, der Klerus, all diese Menschen, die etwas verändern können.“

Bis Freitag tagt die Vorsynode noch in Rom. Die Ergebnisse werden dann in die Bischofssynode im Herbst einfließen – und vielleicht werden sie das Angesicht der Kirche neuer und jünger machen. (vatican news)

Papst Franziskus eröffnet Vorsynode zum Thema Jugend: „Riskiert was!

 

„Danke, dass ihr die Einladung angenommen habt!“ Am Anfang der Papstansprache stand der Dank dafür, dass die jungen Menschen sich auf das Experiment einlassen, sich durch eine Tagung an der Vorbereitung der kommenden Bischofssynode vorzubereiten. Auch betonte der Papst, dass die Träume der Jugend vor allem für ältere Menschen wichtig seien.

P. Bernd Hagenkord – Vatikanstadt.

Er grüße alle 15.340 Teilnehmer der vorsynodalen Versammlung, so begann der Papst seine Rede. Man müsse sich nicht schämen und jeder solle mutig seine „Sicht der Dinge“ einbringen, fügte Franziskus an. Falls sich jemand beleidigt fühle, dann müsse man ihm um Verzeihung bitten und „vorwärts gehen“. Wichtig sei es auch, „mit Bescheidenheit“ auf die anderen Stimmen zu hören. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer habe das Recht, sich an dieser Versammlung einzubringen, so der Papst.

Der Beitrag der jungen Menschen ist „unentbehrlich“, so der Papst. „Oft hat Gott in der Kirche wie auch schon in vielen biblischen Geschichten durch die Jüngsten gesprochen“, als Beispiel nennt Franziskus die alttestamentlichen Gestalten Samuel, David und Daniel. Er hoffe, dass Gott das in den kommenden Tagen auch tun werde.

Ausdrücklich begrüßte der Papst auch diejenigen unter den Teilnehmenden, die keine Christen sind. „Ihr seid angetrieben vom Wunsch, euer Bestes zu tun“, so der Papst. In seinen Gruß schloss der Papst auch die Teilnehmer über die Facebook-Gruppen ein.

“ Ihr seid angetrieben vom Wunsch, euer Bestes zu tun ”

Zu viel spräche man über, und nicht mit, der Jugend. Auch die beste Studie könne die Begegnung nicht ersetzen. „Mir scheint, dass wir von einer Kultur umgeben sind, die einerseits Jugend vergöttert und sie niemals vorüber gehen zu lassen, andererseits aber viele Jugendliche ausschließt.“ In der Kirche dürfe das nicht so sein, deswegen gebe es diese Versammlung.

In seiner Rede ging er auch auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern ein. Man kenne zwar die genauen Prozentzahlen der Jugendarbeitslosigkeit, nicht aber jener der Suizidfälle von Jugendlichen, die sich ihr Leben nehmen, weil hoffnungslos seien. Es werde viel „Schminke“ aufgetragen und falsche Zahlen hervorgehoben, so der Papst. Damit werde aber der Jugend ihrer Zukunft genommen. Die Jugendarbeitslosigkeit sei eine „soziale Sünde“, so der Papst. Jeder Jugendliche, gerade ohne Arbeit, solle aber wissen, dass Gott ihn liebe und für ihn da sei.

Das Jungsein wird vergöttert, die Jugend ausgeschlossen

Die Synode wie auch dieses Vortreffen habe darüber hinaus ein ganz konkretes Thema, es ginge um die Begleitung bei der Erkennung der je eigenen Berufung. „Gott liebe jede und jeden und richtet an alle persönlich einen Ruf“, zeigte sich der Papst überzeugt.

Bei der Synode ginge es aber nicht nur um die Jugend, sondern auch um die Kirche, um eine „erneuerte junge Dynamik“. Die Kirche müsse neue Wege der Begleitung und Nähe entdecken und wagen, auch wenn dies Risiken eingehen bedeutet. „Wir müssen etwas riskieren, denn es gehört zur Liebe dazu. Ohne Risiken altern junge Menschen, und altert auch die Kirche.“

Ohne Risiken altert die Kirche

Jugend provoziere dazu, das „wir haben das immer schon so gemacht“ zu verlassen, um kreativ in der Tradition stehen zu können. „Ich lade euch dazu ein, euch in dieser kommenden Woche offen und voller Freiheit auszudrücken. Es geht um euch und es ist wichtig, dass ihr offen redet“, schloss der Papst seine Grußansprache. „Ich versichere euch, dass wir euren Beitrag ernst nehmen.“

Zum Schluss rief der Papst die Anwesenden zum Gebet auf und wer nicht beten könne, der solle einfach einen positiven Gedanken haben. (vatican news)

Synoden-Vorbereitung über Soziale Medien: Vatikan lädt Jugendliche zu Facebook-Gruppen ein

VATIKANSTADT – In Vorbereitung auf die nächste Synode will der Vatikan junge Katholiken auf der ganzen Welt einladen, sich über Soziale Medien einzubringen. Unter anderem über Facebook-Gruppen in sechs verschiedenen Sprachen – darunter auch Deutsch – soll “ehrlich und aufmerksam” zugehört werden, teilte der Vatikan mit.

Die Bischofssynode 2018 zu Jugend, Glauben und Berufung wird diesen Oktober stattfinden, aber vom 19. bis 24. März findet in Rom eine vorsynodale Sitzung mit 315 jüngeren Christen statt, die aus verschiedenen Ländern kommen.

“Auf diesem Weg möchte die Kirche den Stimmen, Gefühlen, dem Glauben und sogar den Zweifeln und Kritik der Jugendlichen Gehör schenken”, so Papst Franziskus bei der Ankündigung des Events.

Ziel der Aktion sei, Jugendliche anzuhören: Über ihr Leben, ihre Situation und ihre Herausforderungen: Dies solle der Vorbereitung auf das Treffen der Bischöfe im Oktober dienen.

Für diejenigen, die nicht am Event teilnehmen können, wurden Facebook-Gruppen in sechs Sprachen eingerichtet, damit dort mit debattiert werden kann. Die Facebook-Gruppen, die vor einem Monat eröffnet wurden, werden am 16. März geschlossen.

Alle jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 29 Jahren sind eingeladen, virtuell am Treffen der Vorsynodalen teilzunehmen. Nach der Aufnahme in die Facebook-Gruppe haben die Menschen die Möglichkeit, Fragen zu beantworten, die zusammengefasst und dem Heiligen Vater präsentiert werden.

Um teilnehmen zu können, müssen Mitglieder ein individuelles Profil haben, nicht eine Seite, die eine Organisation, Gruppe oder Ursache repräsentiert. Die Antworten auf die Fragen müssen ebenfalls auf 200 Wörter oder ein einminütiges Video beschränkt sein, das an WhatsApp geschickt wird unter der Nummer +39 342 601 5596.

Sämtliche Fragen und den gesamten Arbeitsplan hat der Vatikan auf der Synoden-Webseite bereits veröffentlicht– etwa die Frage:

“Gibt es unter den jungen Generationen ein klares Bewusstsein, mit einer persönlichen Berufung und einer spezifischen Sendung auf der Welt zu sein?”

Am Montag wird das Vorsynodentreffen in Rom mit einer Fragestunde mit Papst Franziskus beginnen. Dann werden die Teilnehmer in Gruppen eintauchen, um verschiedene Themen wie Freiwilligenarbeit, Technologie und Politik zu diskutieren.

Am Ende der Veranstaltung werden die Notizen der verschiedenen Diskussionen zu einem umfassenden Abschlussdokument zusammengefasst, das Papst Franziskus vorgelegt und als Teil des Instrumentum Laboris – “Arbeitsdokuments” – der Oktober-Synode verwendet werden soll, heißt es.

Die März-Veranstaltung wird auch Gelegenheiten zum Gebet beinhalten, wie zum Beispiel den Kreuzweg zu beten, während man die römischen Katakomben von San Callisto durchquert. Die Palmsonntagsmesse wird die Woche beenden, die von Papst Franziskus auf dem Petersplatz gefeiert wird. (CNA Deutsch)

Vatikan: Wer und was zur Amazonassynode bekanntgegeben

Papst Franziskus hat über den Titel der Amazonassynode für 2019 entschieden. Wie der vatikanische Pressesaal an diesem Donnerstag mitteilte, wird das große Bischofstreffen im Oktober 2019 den Namen tragen:

„Amazonas: neue Wege für die Kirche und für eine integrale Ökologie“.

Wie es in der Vatikannote weiter heißt, hat der Papst auch entschieden, wer dem Mitgliederrat der Vorsynode zu diesem Thema angehören wird. Unter den Ernannten finden sich prominente brasilianische Bischöfe, wie beispielsweise der emeritierte Erzbischof von Sao Paolo, Kardinal Claudio Hummes, der dem kirchlichen Amazonasnetzwerk REPAM vorsteht, oder der aus Österreich stammende ehemalige Amazonas-Bischof Erwin Kräutler. Den Vatikan vertreten Kardinal Peter Turkson vom vatikanischen Entwicklungsdikasterium sowie der für Außenbeziehungen zuständige Erzbischof Paul Gallagher. Auch Vertreter aus Kolumbien, Peru, Ecuador, Paraguay, Mexiko und Venezuela wurden bestimmt. Der Mitgliederrat wird bei der Vorbereitung des weltweiten Bischofstreffens eng mit dem Synodensekretariat zusammenarbeiten. (vatican news)

Vorsynode im Vatikan: Jugend als „Synodenväter”

Eine Neuheit für den Vatikan in Sachen Partizipation: Bei einer „Vorsynode“ im Vatikan sollen Jugendliche ab dem 19. März erstmals auch über die sozialen Netzwerke Vorschläge einbringen können. Das gab der Vatikan an diesem Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt. Das Treffen mit Jugendlichen aus aller Welt dient der Vorbereitung der für Oktober angesetzten Synode zum Thema Jugend, Glaube und Berufungen.

Anne Preckel und Christiane Murray – Vatikanstadt.

Das Format der „Vor-Synode“ ist im Vatikan nicht unbekannt; so fand bereits im Jahr 1987 als Vorbereitung auf die Laien-Synode ein vorbereitendes Treffen in Rom statt. Neu in diesem Jahr ist allerdings die Verbreiterung der Teilnahmemöglichkeiten über die sozialen Netzwerke. So sollen bei der kommenden Vor-Synode Jugendliche auch über Plattformen wie Facebook und Twitter Ideen, Anmerkungen und Vorschläge absetzen können, wodurch eine größtmögliche Partizipation der jungen Generation garantiert werden soll.

Dieser Ansatz ist auch für den Vatikan Neuland, räumt Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, im Interview mit Vatican News ein: „Normalerweise sind wir es gewohnt, Projekte einzuführen oder zu präsentieren, und nicht die Bedingungen dafür zu schaffen, dass es wirklich die Jugendlichen sind – in diesem Fall –, die uns empfehlen, was für sie zu tun ist. Es erschien uns sehr wichtig, dass die jungen Leute zu Wort kommen können, dass sie sozusagen zu ,Synodenvätern‘ werden können und die Themen präsentieren können, die ihr Leben und ihre Aktivitäten betreffen.“

360 Grad Inklusion

Eine ganze Woche lang, vom 19. bis 24. März, wolle sich also junge Leute aus aller Welt im Rahmen der Vorsynode auf Themen verständigen, die sie bewegen und die sie für Kirche heute als wichtig erachten. Auch Eltern, Erzieher, pastorale Mitarbeiter und andere in der Jugendarbeit engagierte Vertreter kommen nach Rom, um den Austausch der Jugendlichen mit Vatikanvertretern zu begleiten.

So breit wie der Zugang der Jugendlichen zur Synode sein soll, so vielfältig soll auch das Teilnehmer-Spektrum sein, das Vorschläge einbringt, betont Kardinal Baldisseri. Der Vatikan setzt „360 Grad“ auf Inklusion. Schließlich gehe das Thema der Synode vom Oktober „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ jeden jungen Weltbürger etwas an, findet Kardinal Baldisseri, auch glaubensferne und glaubenskritische Gäste. Man suche Dialog und konstruktive Auseinandersetzung, den Blick über den eigenen Tellerrand begreife man als Bereicherung, wird der Kurienkardinal nicht müde zu betonen.

„Dieses breite Spektrum erlaubt es uns, alle Jugendlichen zu erreichen – diejenigen, die im kirchlichen Leben stehen, und diejenigen, die sozusagen ,lauwarme‘ Christen sind. Diejenigen, die getauft sind, aber nicht am kirchlichen Leben teilnehmen, und diejenigen, die außerhalb der Kirche stehen, die den Glauben anzweifeln, Agnostiker und – warum nicht, wie der Papst sagt – auch die Atheisten. Sie alle sind zu uns gerufen und haben hier ihren Platz. Deshalb haben wir uns auch darum bemüht, Vertreter der Laien-Verbände dabeizuhaben, die keinerlei konfessionelle Bindung haben, sie kommen so, wie sie sind, aus dem Bereich des Sports, der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Auch junge Menschen mit Behinderung werden vertreten sein.“

Mindestens ein Viertel der Teilnehmer nicht konfessionell gebunden

Der Vatikan rechne damit, dass mindestens ein Viertel der Teilnehmer aus nicht konfessionell gebundenen Laien-Organisationen stammen wird, präzisiert Baldisseri. Wie aber werden die Vorschläge der Jugendlichen formal in die Beratungen der Synodenväter einfließen, die vom 3.-28. Oktober im Vatikan für die Jugendsynode zusammenkommen? Einerseits werden die Ergebnisse der Fragebögen zur Synode, die in diesen Monaten gesammelt wurden, in die Beratungen der Synodenväter eingehen. Papst Franziskus hatte das Instrument der Fragebögen bereits für die Synoden zum Thema Ehe und Familie eingesetzt. Andererseits sollen die Vorschläge und Anmerkungen, die die jungen Teilnehmer bei der Vorsynode im März sammelten, in einem Dokument gebündelt werden, kündigt Baldisseri im Interview mit Vatican News weiter an:

„Und das ist sehr wichtig. Denn dieses Dokument, das dem Papst übergeben wird, ist eine Präsentation ihrer Vorschläge und Mahnungen, Informationen und Ratschläge. Es soll an die Synodenväter im Oktober während der Synode übergeben werden und dazu dienen, unsere Arbeit am ,Instrumentum Laboris‘, dem Arbeitsinstrument zur Synode, zu vervollständigen. Dem Papst wird das Schreiben der Jugendlichen offiziell im Rahmen der Palmsonntagsprozession am 25. März übergeben, wenn wir hier in Rom den diözesanen Weltjugendtag feiern.“

Online-Umfrage: Mehr weibliche Teilnehmer

Wie auf der Vatikan-Pressekonferenz am Freitag weiter bekannt wurde, haben an der Online-Jugend-Umfrage des Vatikan zu Leben, Einstellungen und Medienverhalten der jungen Leute weltweit rund 221.000 Menschen teilgenommen. 100.500 Personen beantworteten die mehrseitige Umfrage zur Vorbereitung einer Bischofssynode zum Thema Jugend vollständig, sagte der Untersekretär der Synode, Bischof Fabio Fabene. Gut die Hälfte von ihnen war den Angaben zufolge zwischen 16 und 19 Jahre alt; es nahmen mehr Frauen (58.000) als Männer (42.500) teil.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (56,4 Prozent) stammte demnach aus Europa, gefolgt von Zentral- und Südamerika (19,8 Prozent). Aus Afrika kamen 18,1 Prozent der Teilnehmer. Die Mehrzahl der Befragten bezeichnete sich den Angaben zufolge als Katholiken, für die Religion wichtig sei (73,9 Prozent). 8,8 Prozent gaben an, katholisch zu sein, die Religion jedoch nicht als bedeutsam zu empfinden. 6,1 Prozent der Teilnehmer waren laut Fabene nicht katholisch, halten Religion jedoch für wichtig. 11,2 Prozent gaben an, nicht katholisch zu sein und Religion unwichtig zu finden.

Die Umfrage werde aktuell noch ausgewertet, es zeichne sich jedoch ab, dass Sinnfragen sowie die Themen Arbeit, Glück, Familie und Gefühlsleben eine wichtige Rolle spielten, fügte der Generalsekretär der Synode Kardinal Baldisseri an. Wann und in welcher Form die Ergebnisse veröffentlicht werden, ist noch nicht bekannt.

Die Umfrage war mehr als ein halbes Jahr online. Sie richtete sich an Personen zwischen 16 und 29 Jahren unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Die Teilnehmer waren aufgerufen, Fragen über Lebensziele, Familie, Arbeit und Religion zu beantworten. Dabei ging es auch um das Vertrauen in Institutionen wie Kirche, Parteien und Medien sowie um Vorstellungen von Familiengründung. (vatican news)

Amazonasbischof Kräutler: Amazonassynode und zölibatäres Priestertum

Erwin Kräutler, von 1981 bis 2015 Bischof und Prälat von Xingu (Brasilien) und Angehöriger der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut (C.C.P.S.) hat sich in einem Telefoninterview mit Christine Seuss von vatican.news erneut zur geplanten Amazonassynode 2019 geäußert.

Kräutler war Co-Autor der zweiter Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2015 die sich im ersten Kapitel mit dem Umweltschutz beschäftigte. Seither ist er zusammen mit Kardinal Hummes, ein Verfechter das Zölibat für das Amazonasgebiet außer Kraft zu setzen. Bei diesem Vorgehen stehen beide nicht alleine, bereits Anfang 2017 hatte der Papst eine mögliche Öffnung bei der Vorschrift der Ehelosigkeit für Priester angedeutet:

“Wir müssen darüber nachdenken, ob “viri probati” (bewährte verheiratete Männer) eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.”

Neben dem Interpretationschaos von „Amoris laetitia“ bei dem sogar ein Schisma nicht ausgeschlossen scheint, beabsichtigt Franziskus offenbar beim Zölibat einen Jahrhunderte alten Grundsatz der katholischen Kirche in seinem Sinne zu eliminieren. Bischof (Emeritus) Kräutler handelt genau in diesem Sinne. Im Interview mit Christine Seuss mit dem Titel “Amazonasbischof Kräutler: Indios verdanken ihr Überleben auch der Kirche“ äußerte er:

„Wir müssen endlich Abschied nehmen von einer „Evangelisierung der Kulturen“ und stattdessen eine Evangelisierung intensivieren, die von den Kulturen der Indigenen Völkern ausgeht und sie berücksichtigt, so wie wir uns das schon in der Kommission 26 der 4. lateinamerikanischen Bischofskonferenz (CELAM) in Santo Domingo 1992 gewünscht haben. Ich war damals Delegierter der Brasilianischen Bischofskonferenz und als Präsident des CIMI zusammen mit Dom José Maria Pires (für die Afroamerikaner) Mitglied dieser Kommission. Leider wurde damals unser Vorschlag brutal abgewürgt. Ich denke, die Synode wird nun diese Angelegenheit wieder aufs Tapet bringen. Ein weiteres Thema werden wohl sicher die Zulassungsbedingungen zum Weihepriestertum sein. Insbesondere bei den Indigenen Völkern ist größtenteils ein zölibatäres Priestertum sehr problematisch und praktisch unverständlich“.

Bisher gibt es drei Ausnahmemöglichkeiten als verheirateter Kleriker eingesetzt werden zu können.

  • Übergetretene Pfarrer aus einer evangelischen oder anglikanischen Kirche.
  • Priester einer katholischen Ostkirche.
  • Verheiratete Diakone, welche aber keine Priester werden können.

Kardinal Marx

 

Was Franziskus und Kräutler hier versuchen voranzutreiben, wird sicherlich nicht auf das Amazonasgebiet beschränkt bleiben. Schon kurz nach der päpstlichen Verlautbarung zu „viri probati meldete sich der deutsche Kardinal Marx mit den Worten:

“Das Thema “viri probati” muss einmal gründlich durchdacht und in der ganzen Bandbreite der Problematik besprochen werden“.

Weltweit haben Theologen begründete Argumente, dass eine Veränderung des zölibatären Priestertums die Probleme im Amazonasgebiet und der Weltkirche nicht lösen werden. Man kann davon ausgehen, dass das Pontifikat von Papst Franziskus hier sein nächstes Desaster erleben wird. (vh)

Amazonasbischof Kräutler: Indios verdanken ihr Überleben auch der Kirche

Ein schreckliches Jahr liegt hinter den Indigenen des Amazonasgebietes – Kardinal Claudio Hummes und Amazonasbischof Erwin Kräutler, ihres Zeichens Präsident des kirchlichen Amazonas-Netzwerkes REPAM und Präsident von REPAM-Brasilien, schlugen zu Neujahr mit einem Brandbrief Alarm. Christine Seuss hat im Vorfeld der Begegnung des Papstes mit Indios in Peru Bischof Kräutler telefonisch erreicht.

VN:

Sie haben in ihrer Funktion als Repam-Brasilien-Präsident gemeinsam mit Kardinal Hummes, Präsident von Repam, einen Brief geschrieben, in dem sie von 2017 als einem ,annus horribilis´ für die Indigenen sprechen. Was macht das zurück liegende Jahr so besonders schlimm für die Ureinwohner des Amazonas-Gebietes?

Bischof Kräutler:

In der Brasilianischen Verfassung von 1988 sind die Rechte der Indigenen Völker auf Ihr angestammtes Land, ihre kulturellen Ausdrucksformen und ihr soziales Gefüge festgeschrieben. Wir haben bei der Verfassungsgebenden Versammlung 1987/88 aktiv mitgewirkt und damals die Abgeordneten überzeugen können, dass die Rechte der Indigenen Völker in die Verfassung gehören. Die Promulgation der Verfassung am 5. Oktober 1988 bedeutete deshalb eine kopernikanische Wende für die Indios und für Brasilien. Damit sollte die brasilianische Apartheid Geschichte sein. Leider ist aber bis heute der qualitative Sprung vom Papier in die Realität der Indigenen Völker nicht gelungen und verantwortlich dafür ist der mangelnde politische Willen der folgenden Regierungen, die Verfassungsbestimmungen zu respektieren.

Inzwischen hat die „Bancada Ruralista“, also die Vertretung des Agrobusiness, das Sagen im Nationalkongress und für diese Abgeordneten sind die Indios ein Hemmschuh für den Fortschritt. So wird alles und jedes unternommen, um die längst fälligen Demarkierungen indigener Gebiete zu unterbinden. Mehr noch, es wird an einer Verfassungsänderung gebastelt, die die entsprechenden Artikel der Carta Magna (231 und 232) abändern soll. Also ein Zurück zu den Verfassungen von 1934, 1946 und 1967 (Militärdiktatur), in denen es hieß: „Die Waldbewohner sollen in die Nationale Gesellschaft eingegliedert werden“. Im Klartext: „Die Indios haben ihre indigene Identität aufzugeben“.

Eine brasilienweite anti-indigene Kampagne hat sich in letzter Zeit immer mehr zugespitzt. Mord und Todschlag und unmissverständliche Verfolgung der Indigenen in allen Breitengraden Brasiliens sind die Folge.

VN:

Was sind die Faktoren, die die bereits prekäre Situation nochmals verschlimmert haben?

Bischof Kräutler:

An allererster Stelle steht die Nichtbeachtung der in der Verfassung grundgelegten indigenen Rechte auf ihr angestammtes Gebiet. Alle indigenen Gebiete hätten innerhalb von fünf Jahren nach der Promulgation der Verfassung (also bis 1993) identifiziert, abgegrenzt und als Indigenes Gebiet ins Grundbuch eingetragen gehört. Nur bei etwa der Hälfte der Indiogebiete ist dieser Prozess bis zum Ende durchgeführt worden. Bei anderen Gebieten wird das wohl kaum mehr geschehen und damit stehen Tür und Tor für alle möglichen Invasionen in indigene Gebiete offen. Dazu kommen bundesstaatliche Entscheide, die Großgrundbesitzern Indioland zugestanden haben. Die Indios wollen ihr Land zurück und damit sind Konflikte an der Tagesordnung, bei denen die Indios immer die Verlierer sind. Im südlichen Bundesstaat Mato Grosso do Sul sind die Indios in winzige Reservate eingepfercht. Es ist ihnen so unmöglich, kulturell und teils sogar physisch zu überleben. Die Selbstmordrate ist alarmierend hoch, insbesondere bei Jugendlichen, die plötzlich absolut keine Perspektive mehr für ihre Zukunft erblicken und den Suizid wählen, weil sie glauben, im Jenseits als Guarani-Kaiowá in Frieden und glücklich leben zu können.

VN:

Wie kann die katholische Kirche den Indios helfen?

Bischof Kräutler:

Die Katholische Kirche hat sich immer wieder für die Rechte der Indios eingesetzt. Im Jahre 1972 wurde der Rat für Indigene Völker CIMI gegründet. Er ist der Bischofskonferenz CNBB angegliedert und widmet sich seither mit viel Engagement diesen Völkern. Die Missionarinnen und Missionare des CIMI sind vor Ort, kennen die indigenen Gemeinschaften und leben zum großen Teil in ihren Dörfern. Die andere Aufgabe dieses Rates ist die Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Gesellschaft für die Indios. Ich wage zu behaupten, dass die indigenen Völker Brasiliens ihr kulturelles und auch physisches Überleben zu einem Gutteil dem mutigen Einsatz der Katholischen Kirche verdanken. Unsere Kirche hat nicht geschwiegen, sondern sich dezidiert auf die Seite der Indios gestellt und sich nie gescheut, Verbrechen an den Indigenen Völkern zu denunzieren. Viele Missionarinnen und Missionare haben ihren Einsatz sogar mit dem Leben bezahlt. Es sind die Märtyrer der Causa Indígena.

VN:

Auch Papst Franziskus persönlich liegt das Schicksal der Ureinwohner besonders am Herzen, bei seiner Reise nach Peru wird er auch mit Völkern aus dem Amazonas-Gebiet zusammen treffen. Was erhoffen Sie sich von dieser Begegnung?

Bischof Kräutler:

Seit Anfang seines Pontifikats hat Papst Franziskus mit einer ganz besonderen Liebe und Aufmerksamkeit die Indigenen Völker Lateinamerikas in sein Herz geschlossen. Ich habe das selbst bei der Privataudienz erfahren, die er mir im April 2014 gewährte. In der Enzyklika Laudato Sì erwähnt er diese Völker und ihre Rechte wörtlich: „Denn für sie ist das Land nicht ein Wirtschaftsgut, sondern eine Gabe Gottes und der Vorfahren, die in ihm ruhen; ein heiliger Raum, mit dem sie in Wechselbeziehung stehen müssen, um ihre Identität und ihre Werte zu erhalten. Wenn sie in ihren Territorien bleiben, sind es gerade sie, die am besten für sie sorgen“ (LS 146). Ich bin der Überzeugung, dass die Begegnung mit den Indios in Porto Maldonado genau diese Dimension unterstreichen wird und ihnen noch einmal beweist, dass der Papst aus Lateinamerika die Ureinwohner dieses Kontinents besonders schätzt und für ihre Rechte (auch gegen Bergwerksgesellschaften) eintritt.

VN:

Im Oktober 2019 werden die Bischöfe in Rom auf Einladung von Papst Franziskus in einer außerordentlichen Synode über das Amazonas-Gebiet beraten. Was sind Ihrer Ansicht nach die Punkte, die in einer solchen Synode bevorzugt behandelt werden sollten?

Bischof Kräutler:

Papst Franziskus hat nach der Heiligsprechung der Protomärtyrer Brasiliens am 15. Oktober 2017 die Synode für Panamazonien mit einer ganz klaren Zielsetzung einberufen: Neue Wege und Formen der Evangelisierung sollen gesucht werden, besonders in Hinsicht auf die Indigenen Völker. Außerdem ist die Rettung Amazoniens für die ganze Menschheit von Bedeutung und somit auch eine besondere Aufgabe für die Kirche nicht nur vor Ort, sondern für die gesamte katholische Kirche. Darum eine Synode mit weltweitem Charakter.

Unsere bisherige pastorale Praxis in Amazonien mit allen Höhen und Tiefen, Sorgen und Nöten, Leiden und Freuden wird sicher die Hintergrundszenerie der Synode bilden, von der aus sich der Blick in die Zukunft für die Völker Amazoniens und ihre Mitwelt richten wird.

Wir müssen endlich Abschied nehmen von einer „Evangelisierung der Kulturen“ und stattdessen eine Evangelisierung intensivieren, die von den Kulturen der Indigenen Völkern ausgeht und sie berücksichtigt, so wie wir uns das schon in der Kommission 26 der 4. lateinamerikanischen Bischofskonferenz (CELAM) in Santo Domingo 1992 gewünscht haben. Ich war damals Delegierter der Brasilianischen Bischofskonferenz und als Präsident des CIMI zusammen mit Dom José Maria Pires (für die Afroamerikaner) Mitglied dieser Kommission. Leider wurde damals unser Vorschlag brutal abgewürgt. Ich denke, die Synode wird nun diese Angelegenheit wieder aufs Tapet bringen. Ein weiteres Thema werden wohl sicher die Zulassungsbedingungen zum Weihepriestertum sein. Insbesondere bei den Indigenen Völkern ist größtenteils ein zölibatäres Priestertum sehr problematisch und praktisch unverständlich.

Und im Zusammenhang mit der Bewahrung der Schöpfung in Amazonien wird es sich sicher um die Weiterführung und Applikation der Aussagen des Papstes in Laudato Sì (insbesondre N. (37/38 und 145/146) gehen. (vatican news)