Kurienreform: Entwicklung eines Entwurfes

VATIKANSTADT – Endlich gibt es ihn: Den Entwurf für die neue Apostolische Konstitution – das Schreiben, das die Funktionen und Aufgaben einer “reformierten” Kurie regeln wird. Der Kardinalsrat hat ihn bei seinem letzten Treffen prüfend “durchgelesen”. Aber es ist noch nichts endgültig, nicht einmal der Name des Schreibens – der wahrscheinlich etwas mit der Idee einer “missionarischen Kirche” zu tun haben wird – steht fest. Wie auch die Diskussionen noch nicht beendet sind.

Das ist die wichtigste Neuigkeit, die vom Kardinalsrat kam, der sich vom 23. bis 25. April versammelt hatte. Der Rat war vom Papst im September 2013 mit der Aufgabe betraut worden, eine Reform der Römischen Kurie auszuarbeiten und ihn auch bei der Leitung der Kirche zu unterstützen; generell hat er eine beratende Funktion.

Das merkt man auch bei der Art und Weise, mit der die neue pastorale Konstitution behandelt wird, welche die von Johannes Paul II. 1988 veröffentlichte Konstitution Pastor Bonus ersetzen wird, die bisher die Funktionen und Aufgaben der römischen Kurie geregelt hat und formell noch wirksam bleibt, solange bis es einen neuen Entwurf geben wird.

Die Ausarbeitung des neuen Entwurfes “wird noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen” informierte das vatikanische Presseamt. Dann werden die Kardinäle den Text verabschieden, der dem Heiligen Vater zu einer weiteren Konsultation und zur endgültigen Zustimmung übergeben werden wird.” Kurz gesagt: Noch nichts Definitives.

Bislang wurde von verschiedenen Entwürfen und einer bereits fertigen Einleitung gesprochen, nie aber von einem fertigen Entwurf. Die neue Konstitution basiert, wie ebenfalls das Presseamt des Heiligen Stuhls mitteilte, auf folgenden Themen: Die Römische Kurie im Dienst des Heiligen Vaters und der Teilkirchen; der pastorale Charakter der kurialen Tätigkeiten, die Errichtung und die Funktion der dritten Sektion des Staatssekretariats – das letztendlich für die Aufgabe der Seelsorge am Personal der Diplomatie entstanden ist; die Verkündigung des Evangeliums und der missionarische Geist als Perspektive, die die Aktivität der gesamten Kurie charakterisiert.

Es handelt sich im Grunde um Themen, die bereits in den vergangenen Sitzungen der Kardinäle umfassend diskutiert worden waren.

Nicht anwesend war Kardinal George Pell, Präfekt des Wirtschaftssekretariats, der sich in Australien befand, um sich gegen diffamierende Vorwürfen zu verteidigen – zusammen mit Kardinal Reinhard Marx, dem Präsidenten des Wirtschaftsrates, der auch erst ab Dienstag anwesend war; die wirtschaftlichen Themen waren nicht Teil der Diskussionen, wie es normalerweise passiert. In einer früheren Sitzung hatte man eine Arbeitsgruppe für Wirtschaft festgelegt, über die jedoch nicht mehr gesprochen wurde.

Stattdessen sprach Kardinal Sean O’Malley, Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, über die Aktivitäten dieser Kommission und über die erste Vollversammlung der Kommission seit Erneuerung der Mitglieder.

Das vatikanische Presseamt erinnert daran, dass “die Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen während der jüngsten Vollversammlung die Zeugnisse der neu ernannten Mitglieder aus Brasilien, Äthiopien, Australien und Italien angehört hatte”, sowie das Survivor Advisory Panel des Vereinigten Königreichs. Kardinal O’Malley bekräftigte “die Priorität, von den Erfahrungen der Menschen auszugehen und weiterhin den Opfern zuzuhören und ihre Erfahrungen aufzunehmen.”

Bei dem dreitägigen Treffen hielt auch der Sekretär des Sekretariats für die Kommunikation, Monsignore Lucio Adrian Ruiz, einen Vortrag, der seit dem Rücktritt von Monsignore Dario Edoardo Viganò die Rolle des Präfekten übernommen hat. Monsignore Ruiz informierte den Rat über den Stand der vatikanischen Medienreform.

Die nächste Sitzung des Kardinalrates wird vom 11. bis zum 13. Juni 2018 stattfinden. (CNA Deutsch)

Kardinalsrat: Vom „pastoralen Charakter“ der Kurie

Das neue „Grundgesetz“ des Vatikans ist noch nicht fertig. Bei den Beratungen des Kardinalsrates mit dem Papst hat sich in den letzten Tagen herausgestellt, dass der Entwurf noch ein wenig der Überarbeitung bedarf.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Der Kardinalsrat K-9, der den Papst in Sachen Kurienreform berät, hat sich von Montag bis Mittwoch im Vatikan getroffen. Vatikansprecher Greg Burke informierte am Mittwoch über die jüngste Sitzungsrunde.

Dabei sei der Entwurf der neuen „Apostolischen Konstitution der Römischen Kurie“, dessen Text noch nicht öffentlich bekannt ist, vorgelesen worden. Die Änderungen werden noch etwas brauchen”, so Burke. Danach sollen die Kardinäle des Rates das Dokument billigen, ehe es an den Papst „zur endgültigen Inkraftsetzung“ geht.

Beratungen auch zu Kinderschutz und Medienreform

Burke ließ sich auch einige Einzelheiten zum Inhalt des neuen Dokuments entlocken. Der Text betone, dass die Kurie „im Dienst am Heiligen Vater und den Ortskirchen“ stehe und dass ihre Aktivitäten „pastoralen Charakter“ trügen. „Die Verkündigung des Evangeliums und der missionarische Geist“ sollten die „Perspektive“ allen Handelns „der gesamten Kurie“ darstellen.

Der US-amerikanische Kardinal Sean O’Malley unterrichtete die Teilnehmer über die neuen Entwicklungen bei der päpstlichen Kommission für Kinderschutz. Der Interims-Präfekt des Kommunikationssekretariats, Lucio Ruiz, sprach über den derzeitigen Stand der Reformen im vatikanischen Medienbereich.

Von den neun Kardinälen, die dem Rat angehören, fehlte durchgehend nur der Australier George Pell, der sich in seiner Heimat Missbrauchsvorwürfen stellt. Kardinal Marx nahm am Dienstag und Mittwoch an den Sitzungen teil. Die Beratungen sind jedes mal von Montag bis Mittwoch angesetzt, sodass Papst Franziskus an den ersten beiden Tagen daran teilnehmen kann. Die nächste Sitzung des Kardinalsrates findet vom 11. bis 13. Juni statt. (vatican news)

K9-Kardinäle beraten weiter über Kurienreform

Papst Franziskus nimmt ab diesem Montag wieder an einer Sitzung seines Kardinalsrates „K9“ teil, der sich zur inzwischen 23. Gesprächsrunde trifft.

Die Besprechung ist bis Mittwoch anberaumt, danach will Vatikansprecher Greg Burke über die besprochenen Themen informieren. Die Arbeit der neunköpfigen päpstlichen Beratergruppe, die im Auftrag von Franziskus Vorschläge zur Kurienreform erarbeitet, nähert sich ihrem Ende, wie vergangene Woche der Sekretär des K9-Rates, Bischof Marcello Semeraro, im Gespräch mit Vatican News sagte. Man sei bereits bei der Durchsicht der bisher umgesetzten Reformschritte.

Die neun Kardinäle, die dem Beraterkreis angehören, kommen aus allen Erdteilen. Europa vertritt der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx. Seit Sommer 2017 verhindert ist der australische Kurienkardinal George Pell, der sich in seiner Heimat gerichtlich gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt. Als Koordinator des K9-Rates wirkt der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga. (vatican news)

 

Papst berät mit seinem Kardinalsrat

Der Kardinalsrat und der Papst haben sich von Montag bis Mittwoch mit dem Stand der Kurienreform beschäftigt: „Das ist so, wie wenn man sein Auto zum Mechaniker bringt, damit er es mal richtig durchcheckt“, sagte Vatikansprecher Greg Burke im Gespräch mit Radio Vatikan. Besonders das neue Dikasterium über Laien, Familie und Leben habe im Mittelpunkt der Gespräche gestanden. Auch über die Hilfe für Flüchtlinge und Migranten hat der Papst mit den Kardinälen, die zum Rat gehören, geredet. Zwei Kardinäle fehlten übrigens: George Pell aus Australien und Monsengwo aus dem Kongo.

Der Präfekt des päpstlichen Sekretariats für Kommunikation, Dario Viganò, stellte dem Kardinalsrat Neuigkeiten bei der Reform der Vatikanmedien vor. In wenigen Tagen geht ein vatikanisches Info-Portal online; es heißt „Vatican News“ und bietet multimedial in sechs Sprachen, darunter Deutsch, das Neueste über den Vatikan und die Weltkirche. Ende Februar tritt der Kardinalsrat wieder zusammen. (rv)

Durch die Woche mit dem Papst

Eine neue Sitzungsrunde mit dem Kardinalsrat K-9, eine große Messe für Lateinamerika, ein Weihnachtskonzert mit Annie Lennox und Pattie Smith sowie der 81. Geburtstag von Jorge Mario Bergoglio: Das sind die Höhepunkte dieser Woche im Vatikan.

Am Montag tritt das aus neun Kardinälen bestehende Beratergremium des Papstes zu seiner 22. Sitzung zusammen. Wie üblich wird Papst Franziskus zeitweise an den Beratungen teilnehmen. Am Dienstagabend steht Papst Franziskus dann im Petersdom einer Messe für Lateinamerika vor. Der 12. Dezember ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Guadalupe, die insbesondere in Lateinamerika große Verehrung genießt.

Am Mittwoch wird der Papst wie gewohnt seine Generalaudienz abhalten, während er am Donnerstagvormittag einen Reigen von Terminen wahrzunehmen hat, unter anderem wird er die Beglaubigungsschreiben einer Reihe von neuen Botschaftern am Heiligen Stuhl entgegennehmen sowie sich mit den Kardinälen Kurt Koch (Einheitsrat) und Sean Patrick O´Malley (Kinderschutzkommission) unterreden. Viel zu besprechen haben wird er auch mit Erzbischof Bernardito Auza, dem Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Organisationen der Vereinten Nationen in New York und bei der Organisation der Amerikanischen Staaten, den er im Anschluss trifft.

Am Samstag wird es in der Audienzhalle Paul VI. ein großes Benefizkonzert geben, internationale und italienische Künstler wie Annie Lennox, Pattie Smith, Joaquín Cortés, Al Bano und andere werden mit dabei sein. Der Erlös der Veranstaltung kommt der von Erzbischof Mario Jorge Bergoglio gegründeten Stiftung Scholas Occurentes sowie der Stiftung Don Bosco Mondo zugute.

Die Woche schließt mit dem 81. Geburtstag des Papstes und dem Angelusgebet, das er an seinem Ehrentag wie gewohnt vom Fenster des Apostolischen Palastes auf dem Petersplatz sprechen wird. (rv)

“Ende des Tunnels in Sicht” für die Kurienreform: Kardinal Gracias

“Der Papst ist eine sehr effektive Führungskraft” – Ziel sei die Umsetzung der “Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils”

VATIKANSTADT – Nur noch ein paar Sitzungen, dann soll die “Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils” umgesetzt sein: Knapp vier Jahre nach der Gründung des als K9 bekannten Kardinalsrates durch Papst Franziskus zur Unterstützung seiner Pläne einer Kurienreform hat einer der Mitglieder der Gruppe gesagt, dass der Rat seine Arbeit bald beenden wird.

Der andauernde Reformprozess befinde sich in verschiedenen Entwicklungsstufen, so der Erzbischof von Bombay (Indien) gegenüber CNA am 14. September. “Ich hoffe, dass wir alle bald abschließen können”.

“Noch zwei oder drei Sitzungen werden vonnöten sein”, so Kardinal Gracias weiter. “Bis Juni haben wir vielleicht das Ende des Tunnels in Sicht”.

Der indische Würdenträger ist Vorsitzender der Asiatischen Bischofskonferenz. IM Jahr 2013 wählte ihn Franziskus zusammen mit acht weiteren Kardinälen aus aller Welt, um ihn in Fragen der Kurienreform zu beraten.

Kardinal Gracias sprach mit CNA in einem langen Interview nach Abschluss der letzten “K9”-Runde vergangene Woche.

Was die Reform betreffe, so der Kardinal, werde es keine sehr großen Änderungen geben; es handele sich um die Führung der Kirche, da können wir nicht einfach alles auf den Kopf stellen”. Vielmehr werde es “einen allmählichen Wandel, einen Wandel der Mentalität, einen Wandel der Herangehensweise, eine geringfügige Umstrukturierung der Abteilungen, damit sie für die Anforderungen von heute besser geeignet sind”, geben.

Ein Hauptziel der K9 sei die Umsetzung der “Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils”, so Kardinal Gracias, besonders was die Wichtigkeit der Rolle von Frauen und der Laien betreffe, sowie Raum für mehr Synodalität und Kollegialität in den Strukturen der Kirche.

Papst Franziskus sei von Anfang an “sehr klar darüber gewesen, was er von dieser Gruppe erwartete”. “Er hat nicht gezögert, er ist ein guter Anführer. Er hatte eine klare Vision”, so der indische Erzbischof.

Er habe anfänglich Bedenken gehabt, räumte Kardinal Gracias ein, ob sich alles in die richtige Richtung entwickeln würde. Er habe sich auch Sorgen darüber gemacht, wie die Arbeit des Rates von außen wahrgenommen werde, und ob der Eindruck entstand, dass die Dinge sich “zu langsam” entwickelten.

Doch nach der Weihnachtsansprache des Papstes an die Kurie habe sich für ihn alles gewendet. Vor allem eine Änderung der Mentalität sei vonnöten, und diese werde länger brauchen als eine Änderung der Strukturen des Vatikans. Er sei “sehr zuversichtlich, dass es so passieren wird, denn der Papst ist eine sehr effektive Führungskraft”. (CNA Deutsch)

K-9: Vatikan sollte mehr Frauen einstellen

„Weniger klerikal, internationaler, mit einem höheren Anteil an jungen Leuten und an Frauen“: So wünscht sich der Kardinalsrat des Papstes das Personal des Vatikans. Auf seiner 21. Sitzungsrunde von Montag bis Mittwoch hat darum der Rat, der kurz K-9 genannt wird, auch über mögliche Änderungen bei der Auswahl des Personals beraten.

Ansonsten ging es nach Auskunft des vatikanischen Pressesaals bei den Kardinalsberatungen um den allgemeinen Stand der Kurienreform. Kurienkardinal Filoni und Kurienerzbischof Fisichella hielten Vorträge über die Arbeit ihrer Dikasterien (Mission und Neuevangelisierung), der honduranische Kardinal Rodriguez Maradiaga gab einen Überblick darüber, wie sich der Papst die Kurienreform vorstellt, und US-Kardinal O’Malley informierte über die Arbeiten der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. Überdies widmeten sich die Kardinäle der vom Franziskus eingesetzten Beratungstruppe der Rolle der päpstlichen Nuntiaturen.

Sie befassten sich auch mit den Statuten des neuen Dikasteriums für Laien, Familie und Leben und mit einem am Samstag erschienenen Erlass, der die Zusammenarbeit von Bischofskonferenzen und Vatikan bei der Übersetzung liturgischer Texte regelt. Dabei ging es um konkrete Folgen für die Arbeit der Gottesdienstkongregation.

Zwei der eigentlich neun Kardinäle, die zum Rat gehören, konnten nicht teilnehmen, nämlich der Kongolese Monsengwo Pasinya und der Australier Pell, der sich vor einem Gericht in seiner australischen Heimat in einem Missbrauchsverfahren verantwortet . Papst Franziskus selbst fehlte bei einigen Sitzungen, weil er erst am Montag von seiner Kolumbienreise zurückgekommen ist und an diesem Mittwochmorgen seine Generalaudienz auf dem Petersplatz gehalten hat. Die nächste Sitzungsrunde des K-9 ist für den 11., 12. und 13. Dezember anberaumt.

Die K9-Kardinäle helfen dem Papst bei der inhaltlichen Vorbereitung der Kurienreform. Der Papst ist an die Vorschläge der Gruppe nicht gebunden, die vergangenen Jahre zeigen aber, dass er viele Eingaben der Kardinalsrunde umsetzt. (rv)

K-9: „Drei Viertel der Kurienreform sind fertig geplant“

Die Reform rollt: Zum 21. Mal trifft sich in diesen Tagen der Kardinalsrat von Papst Franziskus, wegen seiner neun Mitglieder K-9 genannt, auch wenn einer von ihnen, der australische Kardinal George Pell, bis auf weiteres wegen eines längeren Aufenthalts in seiner Heimat nicht mehr daran teilnimmt. Bis Mittwoch berät der Rat über den Fortgang der Neuformulierung eines vatikanischen Grundgesetzes; es soll an die Stelle der bisher gültigen Apostolischen Konstitution „Pastor bonus“ treten.

Ende September 2013, sechs Monate nach seiner Wahl ins römische Bischofsamt, hatte Franziskus den Kardinalsrat eingerichtet. „Der Papst fühlt sich eigentlich nicht als Reformer“, sagt der Sekretär des Kardinalsrates, Bischof Marcello Semeraro von Albano, in einem Interview mit Radio Vatikan. „Diese Kurienreform hat der Papst auf den Weg gebracht, weil vor allem in den Kardinalssitzungen vor dem Konklave entsprechende Vorschläge eine Rolle gespielt hatten. Wie wir sehen, hat er zumindest anfangs als Mitglieder Kardinäle ausgesucht, die an der Spitze von Bistümern, von Ortskirchen auf den verschiedenen Kontinenten stehen. Es geht also darum, die Stimmen der einzelnen Kirchen zu hören, um in der Reform der Römischen Kurie voranzugehen.“

Anregung aus dem Vorkonklave

Wie ist das nun, wenn da der Papst und seine Berater in einem Saal der Vatikanresidenz Santa Marta zusammensitzen? Chaotisch? Oder eher bürokratisch? „Ich würde die Arbeitsmethode mit einigen Verben umschreiben“, sagt Semeraro. „Vor allem: zuhören. Alles begann im Oktober 2013 mit dem Anhören verschiedener Beiträge, die von Bischofskonferenzen kamen, den Einrichtungen der Römischen Kurie und auch vielen Einzelnen. Zweites Verb: nachdenken. Der Rat denkt über die Vorschläge und das Prozedere nach. Drittes Verb: verifizieren. Und schließlich: vorschlagen. Der Kardinalsrat entscheidet nichts, sondern er macht dem Papst Vorschläge.“

Der Bischof von Albano betont, dass der Rat eine „synodale Struktur“ sei; da er aus Bischöfen bestehe, gehe es hier um die vom Konzil bekräftigte Kollegialität der Bischöfe. Übrigens stehe der K-9 „nicht nur im Dienst des Papstes, sondern auch der einzelnen Ortskirchen“. Und er beschäftige sich auch nicht nur mit der Kurienreform: Wenn diese Arbeit einmal fertiggestellt sei, werde es zur wichtigsten Aufgabe des Rates werden, „dem Papst Ratschläge und Meinungen zu allen Themen, die der Papst ihm unterbreitet, zu geben“.

Vorschläge an den Papst

„Es ist ja zum Beispiel bekannt, dass der Kardinalsrat sehr oft diese schmerzhafte Realität des Kindesmissbrauchs behandelt hat. Und das ist ja per se nichts, was die Reform der Römischen Kurie betrifft; der Papst wollte eben den Rat auch in dieser Angelegenheit anhören.“

Nach so vielen Begegnungen im Vatikan sei die Atmosphäre im Rat mittlerweile eine „sehr familiäre“, verrät Bischof Semeraro. Das merke man in den Kaffeepausen. Immer wieder mache einer der Kardinäle auch einen Witz, dann lachten sie alle „brüderlich“. „Der Papst ist in der Regel präsent und hört vor allem zu. Manchmal sagt er auch etwas; das sind dann meistens persönliche Erfahrungen aus der Zeit, als er noch Erzbischof von Buenos Aires war, oder Bemerkungen zu aktuellen Situationen im Leben der Kirche.“

Wie weit ist der K-9 denn nun mit der Kurienreform gekommen? „Ich würde sagen, er hat etwa drei Viertel des Weges geschafft. Bald ist das fertig. Bald kann jedenfalls dem Papst der fertige Vorschlag vorgelegt werden. Wir wissen, dass er sehr schnell einige Zusammenlegungen von Päpstlichen Räten beschlossen hat. Bei Laien, Familien und Leben gibt es einen gewissen, thematischen Zusammenhang; das neue Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen nimmt nicht einfach nur frühere Strukturen in sich auf, sondern drückt auf neue, einheitliche Weise den Willen des Konzilsdokuments „Gaudium et Spes“ aus.“

Reformbrocken Kommunikation und Medien

Ein ganz schön dicker Reformbrocken ist auch das neue Sekretariat für Kommunikation, in das u.a. der frühere Päpstliche Medienrat und Radio Vatikan eingegangen sind. „Das Sekretariat für Kommunikation hat wegen seiner Größe auch eine enorme, administrative Verantwortung. Außerdem ist auch das Thema der Kommunikation sehr wichtig. Das macht dieses Dikasterium zentral für das Projekt der Kurienreform.“

Der Bischof wiederholt: Aus seiner Sicht seien drei Viertel der Kurienreform fertig durchdacht. Jetzt werde es wohl nur noch „ein paar Monate“ dauern. „Dann hat der Papst die Vorschläge auf dem Tisch, die alle Dikasterien betreffen, und kann entscheiden, wie und wann er sie umsetzen will. Im Augenblick hat der Papst eine graduelle Umsetzung vorgezogen und hat dann auch in einigen Fällen noch einmal nachgebessert, wenn sich zeigte, dass beim Übergang von der Theorie zur Praxis doch noch mal Korrekturbedarf aufkam.“ (rv)

K-9 will Ortskirchen mehr Kompetenzen geben

Wie kann man dafür sorgen, dass die Römische Kurie noch mehr im Dienst der Ortskirchen steht? Mit dieser Frage hat sich der Kardinalsrat, der sogenannte K-9, von Montag bis Mittwoch beschäftigt – fast die ganze Zeit in der Anwesenheit des Papstes.

An diesem Mittwoch gab der Vatikan ein paar Einzelheiten aus der mittlerweile 20. Runde des K-9 bekannt. Da sei etwa darüber gesprochen worden, ob vor einer Bischofsernennung nicht ein breiterer Konsultationsprozess stattfinden sollte; auch Ordensleute oder Laien könnten doch zu ihrer Meinung befragt werden.

Ein weiterer Vorschlag habe „im Geist einer gesunden Dezentralisierung“ auf die Übertragung einzelner Kompetenzen aus dem Vatikan auf Ortsbischöfe oder Bischofskonferenzen gezielt. Ganz konkret könnte das bedeuten, dass künftig über die Priesterweihe eines (unverheirateten) Diakons oder über die Neu-Verheiratung eines verwitweten Diakons nicht mehr in der Kleruskongregation entschieden wird, sondern in einer Bischofskonferenz. Dasselbe könnte nach Vatikan-Angaben auch für den Fall gelten, dass ein Diakon, dessen Frau gestorben ist, um die Priesterweihe nachsucht.

Ansonsten kreisten die K-9-Beratungen mit Papst Franziskus um eine Reihe von Vatikan-Einrichtungen, „vor allem um die Missionskongregation“. Kardinal George Pell informierte über die Arbeit des Wirtschaftssekretariats, das er leitet, und sprach mit seinen Mitbrüdern im Kardinalsrang über einzelne Posten in den Haushaltsplänen des Vatikans. Der Präfekt des Kommunikationssekretariats, Dario Edoardo Viganò, präsentierte einen Bericht über den Stand der Reform der Vatikanmedien, in dem von „positiven Resultaten“ die Rede war.

Das nächste Mal will sich der Papst in der ersten Septemberhälfte wieder mit seinem Kardinalsrat treffen. (rv)

Kardinalsrat bespricht mit dem Papst Kurienreform

Zum zwanzigsten Mal trifft sich ab diesem Montag der sogenannte K-9 mit dem Papst. Der Kardinalsrat spricht mit Franziskus von Montag bis Mittwoch über den derzeitigen Stand der Reformprozesse an der Römischen Kurie; dabei soll es dem Vernehmen nach auch um die Reform der Vatikanmedien gehen. Der Papst hat den Rat von neun Kardinälen kurz nach seiner Wahl im Jahr 2013 eingerichtet. Zu dem Gremium gehört auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. (rv)