Die Zeit der Buße ist jetzt! Ein Rückblick auf Dublin und Ausblick für die Kirche

Wenn ich an das Weltfamilientreffen in Dublin zurückdenke, breitet sich ein seltsames Gefühl in der Magengegend aus, irgendwo zwischen „Wehmut“ und „Bedrückung“.

Mit meinen Kollegen von EWTN und CNA bin ich eine Woche lang in Dublin gewesen, um von diesem kirchlichen Großereignis zu berichten. Es waren Tage, in denen wir mit einer solchen menschlichen Wärme und Herzlichkeit empfangen wurde, die so gar nicht zum dort vorherrschendem Wetter und den neuesten Nachrichten aus der Weltkirche passte.

Ich hatte diese „Weltfamilientreffen“ bislang nicht wirklich auf dem Radarschirm, doch immerhin war das in Dublin bereits das neunte seiner Art. Konzipiert sind diese Treffen als eine Art „Weltjugendtag für Familien“, bei dem sich vor allem junge Familien treffen sollten, um die Möglichkeit zu haben, miteinander zu beten, zu singen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dazu gibt es Katechesen und ein umfangreiches Kinderprogramm. Abgerundet werden diese Treffen wie auch die Weltjugendtage durch den Besuch des Papstes.

Dennoch: In Dublin war alles eine Nummer kleiner, gemütlicher, oder — familiärer. Bis zum Freitag spielte sich alles auf einem recht überschaubaren Areal ab. Dazu gab es ein paar Hallen, in denen die Stände von verschiedenen katholischen Organisationen oder Ordensgemeinschaften waren oder Podien und Vorträge abgehalten wurden. In einem anderen Bereich spielte sich das Kinderprogramm ab. Dort gab es mehrere Zelte mit Möglichkeiten zum Spielen. Auch der YouCat war mit einem großen Zelt vertreten.

Ab es war nicht so, dass die irische Hauptstadt in diesen Tagen von einer Masse an katholischen Familien überschwemmt wurde. Besonders deutlich wurde es dann, als beim eigentlichen Höhepunkt – der Ankunft des Papstes – die Luftaufnahmen zeigten, dass der Papst stellenweise durch fast menschenleere Straßen fuhr und auch beim Empfang im Croke Park Stadium große Lücken klafften. Die Suche nach den Gründen für das Fernbleiben der Leute ist schwierig – schließlich können Abwesende nicht befragt werden.

Doch es lag eine eigenartige Stimmung über diesem Weltfamilientreffen. Auf der einen Seite war da unter vielen Teilnehmern diese unglaublich große Freude am Glauben, die beeindruckende Internationalität der Kirche, die es schaffte, selbst die größten Sprachbarrieren zu überwinden, und auch junge Familien als personifizierte Hoffnung und Zukunft der Kirche.

Auf der anderen Seite war da dieser lange, dunkle Schatten, der über Dublin lag. Die neuesten Berichte aus den USA und anderen Ländern über den Missbrauch und die systematische Vertuschung durch katholische Geistliche hatten vielen Besuchern des Weltfamilientreffens das brutale Leid der Opfer konkret vor Augen geführt.

Dass diese vertuscht und die Täter gedeckt wurden, bis hinauf in die höchste Kirchenspitze: Das ist mit der Rede von „unterdrückter Sexualität“, „Zölibat“ oder „bedauerliche Einzelfällen“ nicht geklärt, hörte ich immer wieder in Dublin. Viele fanden im persönlichen Gespräch ein deutliches Wort für die Verbrechen und deren Vertuschung: Sie nennen es diabolisch.

Papst Franziskus indes fand ein anderes Wort: „Kacke“.

Beim persönlichen Treffen mit einigen Opfern, so berichteten Teilnehmer, sei der Heilige Vater von den Schilderungen sehr erschüttert gewesen. Missbrauch, Vertuschung und Korruption, sagte er anschließend, seien „caca“. Zwar versuchte der anwesende Übersetzer den Vulgärausdruck noch zu umschreiben mit „das, was in der Toilette liegt“, doch die Botschaft kam an.

Mit großer Spannung war sein Besuch erwartet worden, immerhin war dies der erste Besuch eines Papstes auf der Insel seit fast 40 Jahren. Schon in den Tagen davor prügelten einige führende irische Medien auf ihn ein: Sie forderten endlich Durchgreifen und weitreichende Konsequenzen statt der oft gehörten Bitten um Vergebung und Sprüchen über „Null Toleranz“.

Der irische Regierungschef Leo Varadkar warnte den Pontifex sogar, dass es ein neues Verhältnis zwischen Staat und Kirche geben müsse, und das beim offiziellen Staatsempfang, wo sonst gerne Höflichkeiten ausgetauscht werden. Dass Franziskus ein „ganz anderes Irland“ vorfinden werde als noch Johannes Paul II. bei seinem Besuch 1979 war schon im Vorfeld klar geworden.

Irland sei jetzt ein „modernes, fortschrittliches“ Land, in dem jeder Mensch gleichberechtigt sei, so Varadkar. Nicht erwähnt wurden in der Lobeshymne auf die vom Staat geschaffene Gleichberechtigung all die ungeborenen Menschen, die sich nun einer neuen Bedrohung ausgesetzt sehen: Seit Anfang dieses Jahres sind Abtreibungen nun offiziell auch in Irland erlaubt.

Franziskus entzündete in der St. Mary-Kathedrale eine Kerze für all jene, die den Vergehen von geweihten Personen der Kirche zum Opfer gefallen sind. Er sprach ein öffentliches Schuldbekenntnis aus, bat wieder einmal mehrmals um Vergebung. Auch für die Vertuschung der Verbrechen.

All dies wurde von den Medien aufmerksam registriert, auch wenn besonders durch die Veröffentlichung des Vigano-Briefes (CNA Deutsch hat berichtet) der Papst selbst erneut in die Kritik geriet. Das Problem sei nicht allein der von Franziskus als Hauptgrund bezeichnete „Klerikalismus“, betonte beispielsweise unter anderem der Schweizer Weihbischof Marian Eleganti in einem Interview mit EWTN. Auch der Umgang mit Homosexualität im Klerus dürfe nicht ignoriert werden.

Ob die von vielen als unglücklich empfundenen Aussagen des Papstes auf dem Rückflug von Dublin nach Rom Grund zur Hoffnung auf lückenlose Aufklärung geben? Das darf bezweifelt werden.

Freunde aus Deutschland hatten mir geschrieben, es sei gut, dass EWTN vor Ort sei und wir die Möglichkeit hätten, jetzt nicht „immer nur über das Negative“ zu berichten. Jedoch: Es ging nicht anders.

Das Thema war allgegenwärtig. Ich verstehe jeden Einzelnen, der es satthat, jeden Morgen mit den neuen Enthüllungen über Missetaten der Kirche konfrontiert zu werden. Aber es muss jetzt eine Zeit der Reinigung anbrechen, in der der ganze Schmutz ans Tageslicht kommt. Um wieder Ostern werden zu lassen, muss die Kirche durch eine intensive Fastenzeit. Dann erst kann der Hausputz beginnen.

Viele hatten sich daran gestört, dass der Papst alle Gläubigen zur Buße, zum Fasten und Gebet angeregt hat, denn schließlich sähen sie es nicht ein, das mit auslöffeln zu müssen, was einige Kleriker „eingebrockt“ haben (um nicht bei Franziskus´ skatologischer Wortwahl zu bleiben). Aber: „Wenn ein Glied leidet, leiden alle anderen mit“.

Freilich ist die Frage noch ungeklärt, ob Franziskus von den Vorgängen um McCarrick wusste und inwieweit er einen Teil der Verantwortung an der Vertuschung trägt. Trotzdem war mein persönliches Highlight bei diesem Weltfamilientreffen seine Ankunft im Croke Park Stadium.

Wir hatten seit den Morgenstunden auf ihn gewartet, auch wenn das Stadion immer noch nicht komplett voll war. Als das Papamobil schließlich einfuhr und Applaus aufbrandete, wartete ich hochkonzentriert in meiner Kameraposition, um ein möglichst gutes Foto zu schießen. Plötzlich war der Papst in Sichtweite und der Applaus wurde zum wilden Begeisterungssturm.

Während ich den Auslöser betätigte, bemerkte ich, wie sich mehr und mehr meine Nackenhaare aufstellten und ich richtig Gänsehaut bekam. Es hörte auch nicht auf, als ich weiterrennen musste, um an der nächsten Ecke einen anderen Winkel auf das Papstmobil zu bekommen.

Ich wurde komplett ergriffen von der Begeisterung um mich herum. Diese Menschen da, sie jubelten nicht einem Jorge Bergoglio in Papstklamotten zu, nicht einer Kirche, die gerade ihren tiefsten menschlichen Sündensumpf offenbarte. Sie jubelten dem zu, was dieser Mann trotz allem repräsentierte: Einer Kirche, die ihre Wurzeln und ihre Zukunft woanders hat. In ihren Reihen laufen die größten Heiligen mit, aber auch große Sünder. Sie rettete das Leben vieler Menschen, aber viele verwechseln sie mit den Sündern, die zu ihr gehör(t)en, Schande und Schmerz verursacht haben.

Das mag pathetisch klingen. Dennoch: Selten wurde mir so wie in diesem Moment bewusst, dass Gott uns – Seiner Kirche – erneut eine Chance geben wird. Hoffentlich werden wir sie nutzen. Doch vor allem sollten wir jetzt bei denen sein, die so sehr verletzt worden sind; sie haben die Wahrheit verdient, die nur eine schonungslose Aufklärung bringen wird. (CNA Deutsch)

Papst verurteilt in Irland das Versagen der Bischöfe in Missbrauchsskandalen

Franziskus sagt, er teilt die Empörung der Menschen über die verantwortlichen Würdenträger – Appell an Bewusstsein für eine Völkerfamilie, zu der auch Flüchtlinge gehören.

UBLIN – Die Wut über das Versagen der Bischöfe in den weltweiten Missbrauchsskandalen ist gerechtfertigt, und er selber teile die Empörung der Gläubigen: Das hat Papst Franziskus zum Auftakt seines Besuchs des Weltfamilientreffens in Irland gesagt.

„Was die Schwächsten betrifft, so kann ich nicht umhin, den schweren Skandal anzuerkennen, der in Irland durch den Missbrauch junger Menschen durch Mitglieder der Kirche verursacht wurde, die für ihren Schutz und ihre Bildung verantwortlich sind“, so der Pontifex am 25. August 2018 im Schloss von Dublin.

„Das Versäumnis der kirchlichen Autoritäten – Bischöfe, Ordensoberhäupter, Priester und andere -, diese abscheulichen Verbrechen angemessen anzugehen, hat zu Recht Empörung hervorgerufen und bleibt eine Quelle des Schmerzes und der Schande für die katholische Gemeinschaft“. Er fügte hinzu: „Ich selbst teile diese Gefühle.“

Wie schon in seinem Brief an das Volk Gottes zur Missbrauch- und Vertuschungskrise knüpfte Franziskus in seiner – immer wieder vom Manuskript abweichenden – Rede demonstrativ an die Leistungen seines Vorgängers im Kampf gegen Missbrauch an. Papst Benedikt XVI. habe nicht nur gefordert, „dass als Antwort auf diesen Vertrauensbruch Maßnahmen ergriffen werden, die »wirklich dem Evangelium gemäß, gerecht und effektiv« sind (vgl. Hirtenbrief an die Katholiken in Irland, 10)“, sagte der argentinische Pontifex nun in Dublin, und fuhr fort:

„Sein freimütiges und entschlossenes Eingreifen dient weiterhin als Ansporn für die Bemühungen der kirchlichen Verantwortungsträger, die Fehler der Vergangenheit zu beheben und strenge Regeln zu erlassen, um sicherzustellen, dass sie sich nicht wiederholen“.

Was Franziskus selber tun wird, der ja als Bischof von Rom die entscheidende Verantwortung für den Umgang mit dieser Krise schultert, um diese anzupacken und hoffentlich dauerhaft zu lösen: Das war bereits vor seiner Ankunft zur Schlüsselfrage des Weltfamilientages geworden.

Ausgelöst durch Skandale in den USA, Chile, Honduras, Australien und anderen Ländern, ist die Krise auch und gerade in Irland ein brennendes Problem, weil auf der einst so katholischen Insel das Vertrauen in die Kirche massiv erschüttert worden ist.

Missbrauchs-Opfer, Kardinäle und viele andere haben gefordert, dass schuldige Kardinäle und Bischöfe ihr Amt verlieren und in schweren Fällen laisiert werden müssen. Wenn nötig, müsse auch das Kirchenrecht aktualisiert werden, forderte etwa Marie Collins, wie CNA Deutsch berichtete.

In seiner Rede im Schloss von Dublin erinnerte Franziskus an die Rolle von Familien – die ja Anlass seiner Reise nach Irland sind – und sprach über das Thema, dass ihn wie wenig andere am herzen liegen: die Migrationskrise. Auch Flüchtlinge seien Teil der „Vielvölkerfamilie“ der Welt, so der Papst.

„Wie notwendig wäre in allen Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens die Wiedererlangung des Bewusstseins dafür, dass wir eine wahre Völkerfamilie sind!“

Die Flüchtlinge seien dabei die „vielleicht beunruhigendste“ Herausforderung für das Gewissen, sagte Franziskus. (CNA Deutsch)

Franziskus wird in Dublin voraussichtlich auch ehemalige Opfer von Missbrauch treffen

Analyse: Nach dem Papstbrief hoffen viele Katholiken auf Konsequenzen aus der Krise – Doch nur eine Umverteilung von Macht wird das eigentliche Problem nicht lösen.

VATIKANSTADT – Wenn Papst Franziskus am kommenden Wochenende nach Dublin fliegt, zum Abschluss des Weltfamilientreffens, dann wird das Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, wie er die schwere Krise anpackt, welche die Missbrauch- und Vertuschungsskandale ausgelöst haben.

Das liegt zum einen daran, dass sexuelle Gewalt, unmoralisches Fehlverhalten und dessen Vertuschung bislang nicht nur in den USA, Chile, Honduras oder Australien ans Tageslicht gekommen ist, sondern auch und gerade Irland selber davon betroffen ist.

Mehr noch: Wenige Gesellschaften sind wohl so geprägt von ihrem Verhältnis zur krisengebeutelten Kirche wie die irische.

Einige Missbrauchsopfer forderten sogar, dass Papst Franziskus überhaupt nicht nach Irland kommen sollte, und mehrere Boykott-Initiativen waren in den vergangenen Wochen in sozialen Medien gestartet worden.

Auch zwei prominente US-Kardinäle haben ihre Teilnahme am Treffen wegen der Krise abgesagt, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, wie CNA Deutsch berichtete.

Marie Collins: „Nichts gegen Papstbesuch“

Doch die prominente Expertin Marie Collins, selber Opfer von Missbrauch, sagte gegenüber der Website „Crux„, sie habe nichts gegen den Besuch von Franziskus in Irland, oder dass Katholiken Events mit dem Pontifex besuchen.

Was der Papst jedoch zu sagen habe: Dem werde sie besondere Aufmerksamkeit schenken.

Für Irland, „das in den letzten 20 Jahren durch Enthüllungen über klerikalen sexuellen Missbrauch verwüstet wurde“ sei es „extrem wichtig“, dass Franziskus das Thema nicht ausgerechnet ignoriere, wenn er die einst so katholische Insel besucht, so die irische Katholikin zu „Crux“.

Es gehe nicht um Entschuldigungen, betonte Collins, sondern darum, nun auch zu handeln.

Marie Collins war eines von zwei Missbrauchsopfern, die 2014 in die Päpstliche Kommission für den Schutz Minderjähriger – als Gründungsmitglied – berufen wurde. Im März 2017 gab sie bekannt, sich aus dem Gremium zurückzuziehen: Aus Frust über die „mangelnde Kooperation in der Kurie“, wie CNA Deutsch berichtete.

Papst Franziskus wird sich wahrscheinlich in Irland mit Opfern treffen, kündigte Vatikansprecher Greg Burke gestrigen am Dienstag an. Der Pontifex wolle den Opfern zuhören, und zwar privat, ohne dass Einzelheiten veröffentlicht werden, hieß es.

Das mögliche Treffen würde dem gleichen Muster folgen wie das Treffen von Franziskus mit Opfern von Missbrauch in Chile während seines Besuchs im Januar 2018.

Reaktionen auf Papstbrief

Die Reise des Papstes zum Weltfamilientreffen folgt der Veröffentlichung seines Briefs „an das Volk Gottes“, in dem Franziskus unter anderem zu Gebet, Fasten und Buße aufrief und einen „Klerikalismus“ als Hauptproblem beschreibt.

Doch Bischöfe werden nicht einmal erwähnt, wie unter anderem Petra Lorleberg in einem Gastkommentar kritisierte. Und wie sie fordert Ulrich Waschki auf dem Portal der Deutschen Bischofskonferenz, es müssten nun auch „Rücktritte und Amtsenthebungen von Bischöfen, die Missbrauchstäter – aus welchen Gründen auch immer – gedeckt haben“ folgen.

Der Jurist und Theologe Markus Büning, selber ehemaliges Missbrauchsopfer, zog aus Konsequenz über den Brief von Franziskus seine Unterstützung des Papstes zurück, wie mehrere Medien berichteten, darunter Maike Hickson auf „Lifesite News“.

Bischof Stephan Ackermann von Trier, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte, dass das Schreiben aus seiner Sicht auch für Deutschland aufrüttelnd sei.

Gleichzeitig werde sicher die Frage gestellt werden, warum der Brief an das ganze Volk Gottes gerichtet sei, „wo doch die Schuld und Verantwortung in erster Linie bei den Priestern, den Bischöfen und Ordensoberen“ liege, so Bischof Ackermann.

„Spricht der Papst nicht allzu leicht in der Wir-Form und nimmt damit diejenigen in der Kirche mit in Haftung, die aufgrund des skandalösen Verhaltens von Priestern selbst eher zu den Leidtragenden gehören? Der Brief wird sich diese Frage gefallen lassen müssen.“

Auf die Gefahr hin, grob zu vereinfachen: Zwei grundsätzliche Fragen werden von Kommentatoren aus dem gesamten katholischen Spektrum immer wieder aufgeworfen.

Erstens die grundlegende nach dem Umgang mit sexuellem Fehlverhalten, egal ob durch Bischöfe, Priester oder Seminaristen, und zweitens die dringende nach echten Konsequenzen für die Vertuscher und stillen Mitwisser.

Hier ist der Papst aus Sicht mehrerer Beobachter unter doppeltem Zugzwang, nicht zuletzt weil einige seiner engsten Berater und von ihm geförderten Personen von Skandalen betroffen sind – und auch Franziskus selber, zumindest im Fall Chiles, bereits eingeräumt hat, „schwere Fehler“ gemacht zu haben.

Der Zugzwang ist doppelt, insofern einerseits die große Mehrheit – von Opfern wie Marie Collins oder Markus Büning über weltliche, nicht auch nur annähernd der Kirchennähe verdächtige Medien wie die „New York Times“ oder der „Guardian“ bis hin zum kompletten Spektrum katholischer Stimmen, mit Ausnahme einiger, weniger – vom Papst konkrete Schritte erwarten und nicht verstehen, warum diese bislang ausbleiben.

Andererseits aber versuchen Papstgegner und Partisanen partikularer Interessen natürlich, sich des Themas zu bedienen, um ihre jeweilige Agenda zu befeuern. Dies könnte sowohl dem Papst als auch der Kirche weiteren, völlig vermeidbaren Schaden zufügen. Und einige Zauderer werden schnell merken, dass man manche Dominosteine nicht vor ihrem Umfallen bewahren kann.

Umgekehrt betrachtet freilich ist diese Krise potentiell immer noch eine gewaltige Chance für alle Gläubigen, nicht nur den Papst, der eigentlichen Ursache auf den sündhaften Leib zu rücken: der Gottlosigkeit, die all dem zugrunde liegt. Es ist diese „galoppierende Apostasie„, auf die auch Kardinal Burke deutlich hingewiesen hat, und zu deren Heilung Franziskus aufruft, wenn er zu Buße, zu Gebet und Fasten ermutigt.

Dazu bedarf es jedoch einer Einsicht: Dass Macht allein, oder die Umverteilung von Verantwortung, allein das Problem eben nicht lösen kann oder wird. Wie Professor Chad Pecknold auf Twitter schreibt:

„Wenn sich alles um ‚Macht‘ und nicht um Wahrheit dreht, ist es unvermeidlich, dass jedes Problem ‚lösbar‘ sein wird, indem behauptet wird, es gäbe entweder zu viel oder zu wenig Macht, was stets eine Umverteilung der Macht erfordert. So vermeiden die Mächtigen die Wahrheit.“

(CNA Deutsch)

Das offizielle Programm der Reise von Papst Franziskus nach Irland

VATIKANSTADT – Der Heilige Stuhl hat das offizielle Programm der Reise von Papst Franziskus nach Irland veröffentlicht. Vom 25. und 26. August wird der Pontifex auch am Weltfamilientreffen in Dublin teilnehmen.

So wird der Papst am Samstag, 25. August, um 10.30 Uhr Ortszeit auf dem internationalen Flughafen von Dublin landen; anschließend folgt dort der offizielle Empfang. Um 11.15 Uhr wird ihn der Präsident im Palast Áras an Uachtaráin, dem offiziellen Amtssitz der irländischen Präsidenten, empfangen. Vor dem Haupteingang des Palastes wird eine Willkommenszeremonie stattfinden.

Nach dem Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten wird sich der Heilige Vater zum Dublin Castle begeben, in dem er um 12.10 Uhr Vertreter der Regierung und der Gesellschaft sowie das diplomatische Corps treffen wird. Vor ihnen wird Papst Franziskus seine erste Rede halten.

Um 15.30 Uhr wird er die Kathedrale von St. Mary’s und um 16.15 Uhr das Aufnahmezentrum für obdachlose Familien der Kapuziner besuchen. Um 19.45 Uhr folgt die Feier des Weltfamilientreffens im Croke Park Stadion mit einer Ansprache vor den dort versammelten Menschen.

Am Sonntag, 26. August, wird der Papst mit dem Flugzeug nach Knock reisen, wo er um 9.20 Uhr morgens landen wird. Sein erster Station ist dort um 9.45 Uhr das Heiligtum von Knock, in dem er den Angelus beten wird.

Um 11.50 Uhr wird er nach Dublin zurückkehren und um 15:00 Uhr die heilige Messe im Phoenix Park feiern. Im Anschluss wird er sich mit den irischen Bischöfen im Kloster der Dominikanerinnen treffen.

Abschließend fährt er um 18.30 Uhr zum Flughafen, auf dem er vor dem Rückflug nach Rom offiziell verabschiedet werden wird.

Offizielles Programm der Papstreise nach Irland:

Samstag, 25. August 2018

ROM-DUBLIN

08:15 Uhr
Abflug von Rom / Fiumicino nach Dublin

10:30 Uhr
Ankunft am internationalen Flughafen von Dublin
OFFIZIELLER EMPFANG

10:45 Uhr
Weiterfahrt nach Áras an Uachtaráin

11:15 Uhr
Ankunft bei der Residenz des Präsidenten
WILLKOMMENSZEREMONIE vor dem Haupteingang der Residenz

11:30 Uhr
HÖFLICHKEITSBESUCH in der Residenz des Präsidenten

12:00 Uhr
Fahrt zum Dublin Castle

12:10
Ankunft im Dublin Castle
TREFFEN MIT VERTRETERN AUS REGIERUNG UND GESELLSCHAFT UND MIT DEM DIPLOMATISCHEN CORPS im Dublin Castle:
Ansprache des Heiligen Vaters

15:30 Uhr
Ankunft in der St. Mary’s Pro-Cathedral
BESUCH DER KATHEDRALE: Grußwort des Heiligen Vaters

16:15 Uhr
Fahrt zum Aufnahmezentrum der Kapuziner

16:30 Uhr
PRIVATER BESUCH IM AUFNAHMEZENTRUM FÜR OBDACHLOSE FAMILIEN

19:30 Uhr
Ankunft im Croke Park Stadion

19:45 Uhr
FEST DER FAMILIE im Croke Park Stadion: Ansprache des Heiligen Vaters

Sonntag, 26. August 2018

DUBLIN-KNOCK-DUBLIN-ROM

08:40
Abflug nach Knock

09:20 Uhr
Ankunft am Flughafen Knock
Sofort Abfahrt zum Heiligtum

09:45 Uhr
Ankunft im Heiligtum von Knock
BESUCH IN DER KAPELLE des Heiligtums von Knock
GEBET DES ANGELUS auf dem Vorplatz des Heiligtums

10:45 Uhr
Transfer zum Flughafen Knock

11:10 Uhr
Ankunft am Flughafen Knock

11:15
Abflug nach Dublin

11:50
Ankunft am Flughafen von Dublin
Mittagessen mit dem päpstlichen Gefolge

14:30 Uhr
Ankunft im Phoenix Park

15:00 Uhr
Heilige Messe im Phoenix Park: Predigt des Heiligen Vaters
BEGEGNUNG MIT DEN BISCHÖFEN im Kloster der Dominikanerinnen: Ansprache des Heiligen Vaters

18:30 Uhr
Ankunft am Flughafen
Abschiedszeremonie

18:45 Uhr
Abflug nach Rom / Ciampino

23:00 Uhr
Ankunft am Flughafen Rom / Ciampino

(© CNA Deutsch)

Bischöfe Irlands: Ergebnis des Referendums zugunsten der Abtreibung ist schaurig

DUBLIN – Die Bischöfe Irlands haben kritisch auf die Entscheidung zur Streichung des Schutzes ungeborenen Lebens aus der Verfassung reagiert.

Das am vergangenen Freitag, dem 25. Mai, gehaltene Referendum und dessen Ausgang hat weltweit Katholiken und Lebensschützer enttäuscht.

Die Bischöfe erinnerten daran, dass das Leben immer verteidigt werden müsse, unabhängig ob innerhalb oder außerhalb des Mutterleibes.

Am vergangenen Samstag hatte die für die Auszählung zuständige Kommission mitgeteilt, dass 66,4% der Wähler für die Änderung der Verfassung stimmten, die das Recht auf Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes schützte, während 33,6% dafür stimmten, den Schutz beizubehalten.

Mit dieser Entscheidung wird die irische Regierung in der Lage sein, die Gesetze so zu abzuändern, dass Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich sind, in einigen Fällen sogar bis zur 24. Woche.

Nachdem Bischof Brendan Leahy von Limerick das Ergebnis des Referendums erfahren hatte, erklärte er: „Obwohl das Endergebnis des Referendums den Willen der Mehrheit zeigt, bedeutet es nicht, dass alle es wollen.“

Laut Angaben der Zeitung Limerick Leader betonte der Bischof in einer Botschaft, die in allen Messen seiner Diözese verlesen wurde, dass „die Kirche das Leben über alles schätzt, auch schon im Mutterleib. Schon vor dem Referendum war das ein wesentlicher Wert und es wird auch so bleiben. In diesem Sinne ist dieses Ergebnis zutiefst bedauerlich und schaurig.“

Der kirchliche Würdenträger ermutigte auch dazu, schwangeren Frauen in schwierigen Situationen zu helfen und forderte „eine verbindlicher aufmerksame Gesellschaft, eine Gesellschaft, die Frauen in diesen Umständen unterstützt und sie stets mit Liebe und Hilfe empfängt.“

Der Erzbischof von Armagh und Primas von Irland, Monsignore Eamon Martin, bedauerte seinerseits, dass „wir mit dem Referendum das Recht auf eine persönliche Entscheidung über das Grundrecht auf Leben erhoben haben.“

Laut der Irish Times sagte der Bischof dies bei der Sonntagsmesse in der Stadt Knock, in der er auch erklärte, er sei „zutiefst bekümmert, dass es so aussieht, als hätten wir das Recht auf Leben annulliert, in der Verfassung, für alle Ungeborenen. Unser Land befindet sich jetzt auf dem Weg, gesetzlich eine liberales Abtreibungssystem festzulegen.“

Es ist jedoch „weiterhin wichtig, vielleicht mehr denn je, die Heiligkeit allen menschlichen Lebens zu bekräftigen.“

„Das Leben irgendeines unschuldigen Menschen zu beseitigen, bleibt weiterhin ernsthaft falsch“, mahnte er.

Für Erzbischof Diarmuid Martin von Dublin stellt das Ergebnis des Referendums auch eine Art Bewertung der Kirche und des Katholizismus dar.

Bei der heiligen Messe am vergangenen Sonntag in der Stadt Maynooth erklärte der Priester: „Viele werden die Ergebnisse des Referendums vom Freitag als ein Anzeichen dafür sehen, dass die katholische Kirche in Irland heute von vielen mit Gleichgültigkeit und einer marginalen Rolle für die Bildung der irischen Kultur angesehen wird.“

Er unterstrich auch, dass die Kirche ihre Verpflichtung, das Leben zu verteidigen – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten, die die Liebe Jesu bezeugen – neu beleben müsse.

„Pro-Life zu sein heißt, in unserem ganzen Leben eine besondere Liebe für die Armen radikal neu zu entdecken. Das ist das Merkmal der Nachfolger Jesu“ so der Erzbischof. (CNA Deutsch)

Irland: Papstbesuch vorerst nur für Dublin vorgesehen, aber…

Papst Franziskus reist im August nach Dublin zum katholischen Weltfamilientreffen. Irische Medien brachten auch einen möglichen „Ausflug“ des Papst an die Grenze nach Nordirland, also Großbritannien, ins Gespräch. Das sei nicht geplant, sagt der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin.

Mario Galgano und Philippa Hitchen – Vatikanstadt

Der Papstbesuch in Irland zum Weltfamilientreffen ist alles andere als eine einfache Reise: Die Iren stimmen am 25. Mai über die Legalisierung von Abtreibungen ab. Die Mehrheit ist dafür, doch jüngsten Umfragen zufolge hat sich der Vorsprung nun verringert. Drei Monate später fährt Franziskus nach Dublin.

Das Thema Lebensschutz wird beim Weltfamilientreffen in der einstigen katholischen Hochburg Irland mit Sicherheit zur Sprache kommen. Es wird aber bei weitem nicht das einzige Thema sein, sagt Erzbischof Martin. „In einer großen Stadt wie Dublin gibt es viele Probleme, die mit dieser neuen Armut verbunden sind. Diese Schwierigkeiten sind klar ersichtlich und sind eine große Herausforderung für die Familien.“ Deshalb hoffe er, dass das Treffen im August vor allem auf diese Fragen eingehen werde.

“ Das Leben der Familien betrifft ganz konkrete Herausforderungen unserer Zeit ”

„Viele denken beim Stichwort Familie an eine ideologische und abstrakte Weise, wir müssen aber einsehen, dass das Leben der Familien ganz konkrete Herausforderungen unserer Zeit betrifft wie Armut, Flüchtlinge oder das Leben im Gefängnis“, so Erzbischof Martin. Die Vorbereitungen für das Treffen liefen auch Hochtouren: „Großes Treffen bedeutet große Herausforderung, aber wir bleiben dran!“

Irland ist auch direkt mit den Folgen des Brexit konfrontiert. Die Frage um die Grenze mit Nordirland beschäftigt derzeit die Unterhändler der Vereinbarungen zwischen der EU und Großbritannien. Die fragile Frage um Friedenssicherung in der nordirischen Region steht in der Luft, und deshalb hoffen viele, der Papst möge bei seinem Besuch auch da ein Zeichen setzen.

“ …doch dieser Papst hat einen besonderen Stil, was seine Reisen betrifft ”

Ob der Papst auch an die nördliche Grenze der Inselrepublik reisen wird, ist derzeit nicht klar: „Das Reiseprogramm ist noch nicht definitiv fertig erstellt worden. Sicher ist, dass der Papst nach Dublin zum Weltfamilientreffen kommt. Das war immer sein Vorhaben“, sagt der Erzbischof; „doch dieser Papst hat einen besonderen Stil, was seine Reisen betrifft im Vergleich zu seinen Vorgängern und ich denke, alles wird so ausgehen, wie es sein soll.“ (vatican news)

Enormer Anstieg an Exorzismus-Anfragen: Irischer Priester bittet um Unterstützung

DUBLIN – Aufgrund eines dramatischen Anstiegs „dämonischer Aktivitäten im Land“ bittet ein irischer Priester und Exorzist die Bischöfe seines Landes um mehr Unterstützung.

In einem Interview mit „The Irish Catholic“ sagte Pater Pat Collins, er sei überwältigt mit Anfragen nach Exorzismen. In einem offenen Brief hat er die irischen Bischöfe aufgefordert, mehr Priester auszubilden, um mit der Nachfrage fertig zu werden.

„Allein in den letzten Jahren ist die Nachfrage exponentiell gestiegen“, sagte Collins dem „Irish Catholic“.

Die Bitte des irischen Exorzisten ist kein Einzelfall. Weltweit wird von einem dramatischen Anstieg dämonischer Aktivitäten berichtet, von einzelnen Exorzisten wie von der Internationalen Vereinigung der Exorzisten (IAE), einer Gruppe von 400 katholischen Geistlichen.

Im Jahr 2014 teilte die IAE mit, dass die dämonischen Aktivitäten auf der ganzen Welt einen „pastoralen Notstand“ darstellten.

Collins sagte, er sei „verblüfft“, dass die Bischöfe nicht mehr Exorzisten für Irland ausgebildet hätten, und fügte hinzu, dass jeder, der keine Notwendigkeit für mehr Exorzisten sieht, „keinen Kontakt zur Realität“ habe.

Ob zurecht oder nicht: Er stelle „verzweifelt fest“, dass Menschen glauben, von einem bösen Geist befallen zu sein, so Collins.

Schlimmer noch: Die Kirche sei oft überfordert. Selbst in den sehr häufigen Fällen, in denen keine Besessenheit bestehe, wisse die Kirche nicht, wie zu verfahren sei, sagte der Priester. Mit einem Empfehlungsschreiben für einen Psychologen oder eine ähnliche Person werde das Problem nicht gelöst. Oft blieben Hilfesuchende auf der Strecke.

Ein Sprecher der Bischofskonferenz in Maynooth sagte dem „Irish Catholic“, dass jede Diözese einen ausgebildeten Exorzisten haben müsse, der in der Lage sei, den Unterschied zwischen Anzeichen echter dämonischer Besessenheit und Zeichen mentaler oder psychischer Krankheit zu erkennen.

„Exorzismen sind sehr selten und unseres Wissens hat es in den letzten Jahren keinen Exorzismus in Irland gegeben“, so der Sprecher.

Der Katechismus der Katholischen Kirche betont die Wichtigkeit, zwischen dämonischer Aktivität und psychischer Krankheit zu unterscheiden.

„Der Exorzismus dient dazu, Dämonen auszutreiben oder vom Einfluß von Dämonen zu befreien und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat. Etwas ganz anderes sind Krankheiten, vor allem psychischer Art; solche zu behandeln ist Sache der ärztlichen Heilkunde. Folglich ist es wichtig, daß man, bevor man einen Exorzismus feiert, sich Gewißheit darüber verschafft, daß es sich wirklich um die Gegenwart des bösen Feindes und nicht um eine Krankheit handelt (KKK, 1673)“.

Im April 2015 veranstaltete die Kongregation für den Klerus zusammen mit der Universität Regina Apostolorum in Rom ein Seminar, das speziell Priester und Laien darin schulte, die Unterschiede zwischen psychologischen Problemen und dämonischem Besitz zu erkennen.

Bei der Konferenz sprachen praktizierende Exorzisten, Mediziner, Psychologen, Juristen und Theologen.

Kürzlich aktualisierte Regeln für die Austreibung von Dämonen besagen auch, dass eine Person, die glaubt, besessen zu sein, zuerst Geisteskrankheit ausschließen muss, bevor sie einen Exorzismus sucht. Wenn der Ritus des Exorzismus noch benötigt wird, können sie einen Priester suchen, der von seinem Bischof als Exorzisten für seine Diözese ausgebildet und ernannt wurde.

Egal ob Exorzismus oder andere Probleme: Der Gesprächsbedarf ist hoch und in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, betont Collins.

Pater Vincent Lampert, ein vom Vatikan ausgebildeter Exorzist und Pfarrer der Erzdiözese Indianapolis, sagte bereits vor einiger Zeit gegenüber CNA, dass die beste Verteidigung gegen dämonische Besessenheit sei, sich an die Sakramente zu halten.

In seinem offenen Brief an die irischen Bischöfe schrieb Collins: „… Es gibt immer mehr Beweise für das niederträchtige Treiben des Bösen.“ (CNA Deutsch)

 

Irland: Desmond Kardinal Connell verstorben

Wie das Staatssekretariat des Vatikan heute berichtet, ist der irische Kardinal Connell am 21. Februar verstorben. Connell war von März 1988 bis April 2004 Erzbischof von Dublin (Irland). Papst Johannes Paul II. erhob ihn am 21. Februar 2001 in den Kardinalsstand und übertrug ihm die Titelkirche S. Silvestro in Capite. Mit seinem Tod zählt das Kardinalskollegium nunmehr 225 Mitglieder und 118 Kardinäle haben ein aktives Wahlrecht bei einem künftigen Konklave. (vh)

Vatikan: Papstreise nach Irland geplant

bischof-eganDie Zeichen verdichten sich, dass Papst Franziskus für das Jahr 2018 eine Reise nach Irland plant. Darauf deutet eine Twitter-Kurznachricht des irischen Bischofs Philip Egan von diesem Montag hin, der dort eine solche Reise eine „großartige Neuigkeit“ nennt. Er hoffe, dass der Papst Irland „Hoffnung, Segen und einen erneuerten Glauben“ bringen könne, so der Bischof von Portsmouth. Details wurden ansonsten nicht bekannt. Eine offizielle Bestätigung der Reise durch den Vatikan steht aus.

Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, hatte im Mai diesen Jahres in einem Interview bereits von einem möglichen Papstbesuch in Irland anlässlich des Weltfamilientreffens in Dublin gesprochen. Der Papst habe damals auf Martins Einladung hin den Willen bekundet zu kommen, so der Erzbischof in einem Interview mit dem „Irish Independent“. Martin wird als Primas von Irland Gastgeber des neunten Weltfamilientreffens sein.

Als bislang einziger Papst war Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 1979 nach Irland gereist und hatte dort unter anderem Dublin, Limerick und den Wallfahrtsort Knock besucht. Medienberichten zufolge könnte bei einer Reise von Franziskus neben Dublin auch Nordirland auf dem Besuchsprogramm stehen. (rv)

Kardinalstaatssekretär: Abstimmung in Irland ist Niederlage

Kardinal Pietro ParolinDas Abstimmungsergebnis von Irland ist eine Niederlage für die Menschheit. Mit diesen Worten kommentierte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegenüber Radio Vatikan den Ausgang der Volksabstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe in Irland. „Das Ergebnis hat mich sehr traurig gestimmt“, so der Kardinal am Rande der Tagung der päpstlichen Stiftung Centesimus Annus, die sich mit katholischer Soziallehre beschäftigt. „Natürlich muss die Kirche, wie es der Erzbischof von Dublin gesagt hat, sich dieser Realität stellen, aber nach meiner Ansicht muss sie es in dem Sinn tun, dass sie erneute Anstrengungen unternimmt, auch die Kultur von heute zu evangelisieren. Und ich denke, dass das nicht nur eine Niederlage der christlichen Prinzipien war, sondern auch ein wenig eine Niederlage der Menschheit.“

Angesprochen auf die noch offene Frage nach der Akkreditierung des Botschafters Frankreichs bestätigte Parolin, dass der Dialog noch offen sei. Medienberichten zufolge lehnt der Vatikan einen von der Pariser Regierung vorgeschlagenen Diplomaten ab, der homosexuell ist. Seine Nominierung wird diesen Berichten zufolge vom Vatikan im Zusammenhang mit der von Präsident Francois Hollande in Frankreich durchgesetzten gleichgeschlechtlichen Ehe gesehen. Gegen dieses Projekt hatten in Frankreich weite Teile der Gesellschaft, darunter auch katholische Gruppen, vergeblich protestiert.

Für mehr Solidarität mit Griechenland

Kardinal Parolin äußerte sich in Rom auch zur prekären Finanzlage Griechenlands. „Das ist eine Lage, die wirklich zu einer gewissen Destabilisierung (in Europa) führen könnte. Darum wünschen wir uns, dass man da so bald wie möglich zu einem Abkommen, zu einer Lösung findet.“ Einer seiner Mitarbeiter, Kurienerzbischof Silvano Maria Tomasi, wurde in Sachen Griechenland noch deutlicher: Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO in Genf forderte mehr europäische Solidarität mit Athen. „Ein grundlegender Zug des Menschlichen ist es, sich mit anderen solidarisch zu fühlen, denn sie haben teil an dem, was uns ausmacht. Wenn wir von dieser Prämisse ausgehen, wird Solidarität zu einer auch politischen Strategie, die zum Wohle aller ganz operative, praktische Konsequenzen hat. Also: Wenn es ein Land gibt, das Probleme hat, dann schützen wir uns nicht, indem wir es isolieren. Wir schützen uns, indem wir Anteil an den Problemen des Landes, das in der Krise ist, nehmen und ihm helfen, die Probleme zu lösen!“ (rv)