Papst Franziskus über Abkommen mit China: „Ich bin verantwortlich“

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat bestätigt, dass er persönlich für das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China verantwortlich ist.

Der Pontifex sagte gegenüber Journalisten auf dem Rückflug von seiner Reise ins Baltikum am 25. September, dass bei solchen Verhandlungen „beide Seiten etwas verlieren“.

Der Journalist Antonio Pelayo von „Vida Nueva“ hatte Franziskus über das „provisorische Abkommen“ gefragt; die Vereinbarung zwischen Vatikan und Volksrepublik über die Ernennung von Bischöfen auf dem chinesischen Festland wurde am 22. September in Peking unterzeichnet, wie CNA Deutsch berichtete.

Franziskus sagte, dass die Vereinbarung das Ergebnis eines mehrjährigen Dialogs sei.

„Das Vatikan-Team hat viel gearbeitet“, so der Pontifex, der die Bemühungen von Erzbischof Claudio Maria Celli, emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates für soziale Kommunikation, Pater Rota Graziosi, Beamter der römischen Kurie, und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hervorhob.

Franziskus sagte, Parolin „hat eine besondere Hingabe an die Lupe; er studiert alle Dokumente bis auf Punkt und Komma, achtet auf Notizen, und das gibt mir eine große Sicherheit“.

„Sie wissen, wenn man ein Friedensabkommen oder eine Verhandlung abschließt, dann verlieren beide Seiten etwas“, sagte der Papst weiter. „Das ist Gesetz. Beide Seiten. Und dann machst du weiter.“

„Ich habe meine Ideen eingebracht“

Franziskus sagte weiter, dass der Dialog mit der chinesischen Regierung, der zu dem Abkommen führte, ein Prozess gewesen sei, bei dem zwei Schritte vorwärts und ein Schritt zurück gegangen wurde.

„Dann vergingen Monate, ohne miteinander zu sprechen, und dann die Zeit Gottes, welche [die Zeit] der Chinesen zu sein scheint. Langsam. Das ist Weisheit, die Weisheit der Chinesen“, so der Papst wörtlich.

Mit Blick auf die exkommunizierten Bischöfe der direkt der Kommunistischen Partei unterstellten „Patriotischen Vereinigung“ sagte Franziskus, dass „die Bischöfe, die in Schwierigkeiten waren, von Fall zu Fall untersucht wurden“, und dass „die Dossiers über jeden einzelnen auf meinen Schreibtisch kamen. Und ich war dafür verantwortlich, den Fall der Bischöfe zu unterschreiben.“

Daraufhin seien die Entwürfe der Vereinbarung auf seinen Schreibtisch gekommen, sagte Franziskus. Man habe diese diskutiert und: „Ich habe meine Ideen eingebracht“, so der Papst, und weiter:

„Ich denke an den Widerstand, an die Katholiken, die gelitten haben. Es ist wahr. Und sie werden leiden. Bei einem Abkommen gibt es immer Leiden. Sie haben einen großen Glauben.“

Der Pontifex fuhr fort, dass „sie“ ihm geschrieben hätten: „Was der Heilige Stuhl, was Petrus sagt, ist das, was Jesus sagt. Der Märtyrer-Glaube dieser Menschen hält auch heute durch. Sie sind die Großartigen!“

„Ich habe die Vereinbarung unterschrieben“, sagte Papst Franziskus. „Ich bin verantwortlich.“

Dann fügte er hinzu: „Die anderen, die ich ernannt habe, arbeiten insgesamt seit mehr als 10 Jahren. Es ist keine Improvisation. Es ist ein Weg, ein wahrer Weg.“

Papst Franziskus sagte weiter, dass ihm nach der Veröffentlichung eines „berühmten Kommuniqués eines ehemaligen apostolischen Nuntius, die Episkopate der Welt schrieben und deutlich sagten, dass sie sich mir nahe fühlten, dass sie für mich beteten“.

Derr Pontifex weiter wörtlich:

„Die chinesischen Gläubigen schrieben mir und die Unterschrift dieses Schreibens kam von einem Bischof der, sagen wir mal so, traditionellen katholischen Kirche, und von einem Bischof der patriotischen Kirche, gemeinsam und treu, alle beide. Für mich war das ein Zeichen Gottes“.

Der Papst erinnerte dann die Journalisten im Flugzeug daran, dass es in Lateinamerika „350 Jahre lang Aufgabe des Königs von Portugal und Spanien war, die Bischöfe zu ernennen, und der Papst gab nur die Zuständigkeit“.

Franziskus weiter: „Wir vergessen den Fall von Österreich-Ungarn. Maria Theresia war es leid, die Ernennungen der Bischöfe zu unterschreiben und gab dem Vatikan die Zuständigkeit. Das waren andere Zeiten, und Gott sei Dank, dass sie sich nicht wiederholen.“

Was das Abkommen mit China betreffe, so Franziskus, werde die Volksrepublik einen Dialog mit dem Vatikan „über mögliche Kandidaten“ führen, „aber Rom ernennt, der Papst ernennt.“

Franziskus fügte hinzu: „Und lasst uns für das Leid derer beten, die das nicht verstehen und die so viele Jahre lang im Untergrund hinter sich haben.“

Tatsächlich sind die Einzelheiten des Abkommens nicht bekannt und somit sind die Modalitäten der Ernennung zukünftiger Bischöfe weiter unklar, einschließlich der Frage, inwiefern die Volksrepublik etwa Kandidaten bestimmt, aus denen dann der Papst einen Bischof auswählt.

In einer Erklärung am 22. September teilte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin laut „Vatican News“ mit, das Ziel des Abkommens sei „pastoral“.

„Papst Franziskus, wie es seine unmittelbaren Vorgänger auch schon getan haben, schaut mit besonderer Aufmerksamkeit auf das chinesische Volk. Was jetzt gebraucht wird, ist Einheit, ist Vertrauen und ein neuer Impuls“, so Parolin wörtlich.

Es gehe darum „Gute Hirten zu haben, anerkannt vom Nachfolger Petri – vom Papst – und von den legitimen zivilen Behörden“. Parolin sagte, er hoffe, dass das Abkommen ein Mittel dafür sein werde.

In China geht die Regierung systematisch gegen Religionsgemeinschaften vor, auch und gerade Christen. Die „Patriotische“ Kirche untersteht direkt der Kommunistischen Partei. Berichten zufolge werden immer wieder Kreuze entfernt, Kirchen abgerissen, Gläubige schikaniert. Seit kurzem ist selbst das Teilen von Gebeten in den Sozialen Medien verboten, wie CNA Deutsch berichtete. (CNA Deutsch)

Abkommen zwischen Vatikan und China: Analyse eines Experten

HONG KONG – Ein Missionspriester und Experte für die katholischen Kirche in China hat das „vorläufige Abkommen“ zwischen Vatikan und Volksrepublik analysiert, das weltweit für Unverständnis und scharfe Kritik gesorgt hat, vereinzelt aber auch auf Zustimmung gestoßen ist.

Pater Bernardo Cervellera, Chefredakteur der Nachrichtenagentur „Asia News“ – ein Projekt des Päpstlichen Instituts für die auswärtige Missionen (PIME) – hat eine differenzierte Analyse der Vereinbarung veröffentlicht, die am 22. September unterschrieben wurde.

Das Abkommen, dessen genauer Inhalt bislang geheimgehalten wird, regelt offenbar die Anerkennung der von der Kommunistischen Partei bestimmten Bischöfe. Diese waren bislang exkommuniziert; mehrere sind selber Parteimitglieder.

Außerdem räumt der Vatikan der Regierung Chinas offenbar ein Mitsprache-Recht bei der Auswahl zukünftiger Bischöfe ein.

Ein bekannter Gegner dieser Vereinbarung mit der Volksrepublik ist der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen. Er forderte den Rücktritt von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der für dieses Abkommen – im Auftrag des Papstes – verantwortlich zeichnet.

Parolin selber betonte, das Abkommen sei „vorläufig“ und „pastoral“, wie CNA Deutsch berichtete.

Die von der Kommunistischen Partei direkt kontrollierte „Katholische Patriotische Vereinigung“ erklärte ihrerseits, dass die Kirche in China – so wörtlich – „weiterhin unabhängig funktionieren“ werde, und weiter:

„Wir lieben das Land und die Kirche, wir werden das Prinzip der Unabhängigkeit und der Sinisierung der Religion weiterführen und auf dem Weg bleiben, der zur sozialistischen Gesellschaft führt.“

Tatsächlich ist die Religionsfreiheit in China alles andere als „funktionierend“; das Menschenrecht wird durch die Regierung massiv eingeschränkt, es werden Kirchen immer wieder zerstört, Kreuze entfernt, Christen schikaniert, und Minderjährigen ist sogar der Zutritt zu Kirchen verboten, wie CNA Deutsch berichtete.

Trotzdem – oder gerade deshalb – meinen Beobachter wie Pater Cervellera, dass die Vereinbarung nicht unbedingt katastrophal ist.

So schreibt Pater Cervellera, dass die „vorläufige“ Vereinbarung für Optimisten „historisch“ sei.

„Bei den Optimisten wurde das Adjektiv ‚historisch‘ sehr verschwenderisch benutzt, und dabei vergessen, dass es sich um ein als ‚vorläufig‘ definiertes Abkommen handelt, das ‚regelmäßigen Bewertungen‘ unterliegt, und dass der Direktor des Presseamtes [Greg Burke, Anm.d.R.] selbst vom ‚Beginn‘ eines Prozesses sprach, und nicht von seinem Ende.“

Für die „Pessimisten“ bedeute das Abkommen nicht weniger als den Startschuss einer völligen Auslieferung der chinesischen Kirche und ihrer Millionen, im Untergrund lebenden, Gläubigen an die Machthaber in Peking: „Die Regierung wird machen, was sie will – wie es ja bereits geschieht“, so der Priester.

Damit werde die Kirche „ein Werkzeug der Partei“ – und das vor dem Hintergrund der Verfolgung und des Leids, das „Katholiken seit 70 Jahren ertragen“, so Pater Cervellera.

Nachdem er betont, dass der Text der Vereinbarung „nicht veröffentlicht wurde und auch nicht veröffentlicht werden wird“ räumt der Experte ein, dass Franziskus mit seiner Anerkennung von Bischöfen, welche die chinesische Regierung eingesetzt hat, „auf dem Papier“ das „Ende der ‚unabhängigen‘ Kirche“ in Kauf nehme.

Allerdings, so der Autor weiter, könne der Papst immerhin nun einen Kandidaten ablehnen, den die von der Kommunistischen Partei kontrollierten Gremien vorschlagen. „Und das ist der optimistische Teil“, schreibt Pater Cervellera.

Aber stimmt das überhaupt? Cervellera stellt die Frage:

„Was wird passieren, wenn der von China vorgeschlagene Kandidat vom Papst nicht akzeptiert wird?“

Bislang habe es die Möglichkeit eines „temporären Vetos“ gegeben: Der Papst musste die Gründe für seine Ablehnung innerhalb von drei Monaten vorlegen, so Cervellera.

„Aber wenn die Regierung die päpstlichen Gründe für haltlos befand, musste man mit der Ernennung und der Weihe des Kandidaten fortfahren.“

Und jetzt? Da der Text der „provisorischen“ Vereinbarung nicht bekannt ist, sei unklar, ob diese Klausel weiter gilt, schreibt der Autor.

Die Aufhebung der Exkommunikation

Pater Cervellera ist der Meinung, dass dies „eine positive Maßnahme“ sei. Denn „zumindest am Anfang wird es den chinesischen Katholiken helfen, in größerer Einheit zu leben“, hofft der Autor.

„Diese exkommunizierten Bischöfe waren von der Katholisch-Patriotischen Vereinigung benutzt worden, um die Kirche zu spalten. Bei den Zeremonien der Bischofsweihen war die Polizei anwesend.“

Wie kann dann deren Anerkennung durch den Papst – über die Köpfe der Gläubigen in China hinweg – ein positiver Schritt sein? „Einige von ihnen“, so Cervellera, „sind einen Weg der Umkehr gegangen und bitten seit ein paar Jahren die Versöhnung mit Rom.“

Die Aufhebung der Exkommunikationen sei nicht Teil des „vorläufigen“ Abkommens, sondern eine „Geste“ des Vatikans.

Konkubinen und Kinder

Allerdings räumt auch Cervellera ein, dass einige der nun vom Papst anerkannten Bischöfe nicht nur linientreue Partei-Funktionäre sind: Was viele Gläubige demütige und traurig mache, sei, dass auch „einige dieser Bischöfe dafür bekannt sind, Geliebte und Kinder zu haben“.

Wie dieser Skandal mit dem Anliegen der Einheit der Kirche vereinbar ist – die ja auch aus den skandalisierten Gläubigen besteht – erklärt Cervellera nicht.

Ein eventuell weiterer „positiver“ Aspekt aus Sicht des Priester ist, dass in der vorläufigen Vereinbarung das Thema Taiwan nicht genannt wird. Das bedeute: Der Vatikan musste die Beziehungen zu diesem Staat nicht brechen, um das Abkommen zu unterzeichnen.

Allerdings werden die Beziehungen zu Taiwan vom Vatikan seit Jahren abgeschwächt, wie CNA Deutsch berichtete.

Verfolgung und Leid dauern an

Selbst für Pater Cervellera ein „komplett negativer“ Aspekt ist, dass offenbar weder in der Vereinbarung, noch in den Verlautbarungen von Kardinal Parolin und anderen aus dem Vatikan „die Verfolgung erwähnt wird, die die Katholiken und alle Christen derzeit in China erleiden.“

„Im Namen der ‚Sinisierung‘ werden in China zahlreiche Kreuze verbrannt und zerstört, Kirchen demoliert, Gläubige verhaftet und den jungen Menschen unter 18 Jahren wird verboten, an Gottesdiensten teilzunehmen oder eine religiöse Erziehung zu erhalten, wie viele Nachrichtenagenturen berichten“, beklagt der Experte.

Zudem gebe es Bischöfe und Priester, die von der Polizei verhaftet werden und ‚verschwinden‘; Bischöfe, die wie Verbrecher in Hausarrest inhaftiert leben, so Cervellera weiter. Der Priester verweist auch auf die Schikanen und Verfolgung anderer Religionsgemeinschaften, darunter Buddhisten, Taoisten und Muslime.

„Das zeigt, welch negative Sicht China in Bezug auf die Religionen besitzt, sowie seinen Plan, sie zu assimlieren oder zu zerstören“, so der Autor.

Ob der Vatikan mit seinem „vorläufigen“ Abkommen tatsächlich einen eventuell „positiven“ Schritt leistet, wird sich zeigen müssen.

Am 29. Januar schrieb Kardinal Zen über ein Treffen mit Papst Franziskus, dass dieser ihm eigentlich gesagt habe, er wolle ausdrücklich einen „weiteren Mindszenty-Fall“ vermeiden.

Kardinal Josef Mindszenty (1892-1975) war Primas von Ungarn und ein unerschrockener Gegner der kommunistischen Herrschaft. Er wurde verhaftet, gefoltert und in einem Schauprozess verurteilt. Später wies ihn der Vatikan an, das Land zu verlassen – Teil einer umstrittenen Appeasement-Politik gegenüber den Kommunisten.

Nicht wenige Beobachter erinnert das jetzige Abkommen mit der Volksrepublik an dieses – vergebliche – Appeasement im 20. Jahrhundert. (CNA Deutsch)

Kirchenkrise: Kardinal Marx predigt über Missbrauch und Vertuschung bei Vollversammlung

FULDA – Angesichts der Kirchenkrise über die Vertuschung sexuellen Missbrauchs hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, über sexuellen Missbrauch bei der heiligen Messe zur Eröffnung der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz gepredigt.

„Wir schauen in jeder Eucharistiefeier auf die Sünden der Kirche, nicht nur auf die Heiligen. Wir schauen auf unsere eigene Schwäche, auf die dunklen Seiten unseres Lebens und des Lebens der ganzen Kirche“, so Kardinal Marx.

„Gerade heute tun wir das, wenn wir unsere Beratungen aufnehmen – Beratungen über Missbrauch, sexuelle Gewalt, Erniedrigung inmitten der Kirche, auch durch Amtsträger. Wir sind erschrocken und tief erschüttert über das, was möglich war im Volk Gottes, durch Priester, die den Auftrag des Evangeliums hatten, Menschen aufzurichten.“

Kardinal Marx weiter: „Wir müssen das anschauen, auch wenn wir schon viel getan haben. Aber wir müssen noch mehr tun. Die Opfer, die Betroffenen haben ein Anrecht auf Recht und Gerechtigkeit. Wir müssen das Gespräch mit den Betroffenen suchen. Bei all dem Dunklen ist es unsere Verpflichtung hinzuschauen, zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen.“

Dazu brauche es auch das Gebet des ganzen Volkes Gottes. „Wir brauchen den Mut und die Kraft, einen neuen Anfang zu machen, neue Zeichen zu setzen, damit die Menschen uns wieder glauben! Denn viele glauben uns nicht mehr“, so Kardinal Marx. „Ich bitte Sie alle, dass wir uns im Gebet gegenseitig stärken. Wir treten vor ihn, unsere Hoffnung und unser Leben und bekennen unsere Schuld.“

In seiner Predigt fragte der westfälische Würdenträger, der als Erzbischof von München und Freising wirkt, wie ein gelingendes Leben aussehen könne. Für die Christen komme es darauf an, zu verstehen, was die Gemeinschaft des Gottesvolkes ausmache: „Was ist das Projekt der Kirche? Was ist das gute Leben der Kirche? Gerade in herausfordernden Zeiten wie jetzt, wo wir in der Diskussion um sexuellen Missbrauch die dunklen Realitäten des kirchlichen Lebens sehen, ist die Frage nach dem Kern dessen, was wir als Kirche tun wollen, umso wichtiger.“

Kardinal Marx erinnerte an den Weg Jesu: Er habe zuerst zugehört, dann eine neue Lebenspraxis gezeigt und das Gebet gelehrt. „Diese drei Elemente machen die wesentliche Ausrichtung der Kirche aus, wenn sie gut werden will, wenn sie das Ziel Jesu verwirklicht. Nur wenn diese drei Elemente miteinander gelebt werden, kann die Kirche neue Glaubwürdigkeit gewinnen. Nicht die reine Lehre macht uns glaubwürdig, nicht der Katechismus allein, sondern das, was Jesus uns als Lebenspraxis und Gebet mitgibt.“ Die Verschränkung von Lehre, Praxis und Gebet zu erkennen, zeichne eine neue Epoche der Kirche aus.

„Das Gebet verändert den Glauben, es bringt ihm neue Perspektiven hinzu. Wir sollen nicht nur hören und alles besser wissen, sondern wir haben den Auftrag zu bezeugen was es heißt, Christ zu sein. Dann werden wir das Evangelium wieder sichtbar machen können in unserer Gesellschaft“, so Kardinal Marx.

„Bitten wir den Herrn in dieser herausfordernden Stunde der Kirche, dass wir neu mutig werden, den Weg der Kirche einzuschlagen, den Jesus von uns will. Er verlässt die Kirche nicht.“

Während des Gottesdienstes wurde in den Fürbitten der Betroffenen sexuellen Missbrauchs gedacht. Der Wortlaut der Fürbitten:

  • Für alle, die sexuell oder auf andere Weise missbraucht wurden, innerhalb und außerhalb der Kirche: Um deine besondere Nähe und um Heilung ihrer Wunden an Leib und Seele.
  • Für alle, die anderen mit Rat und Tat helfend zur Seite stehen: Um ein hörendes Herz und die nötige Geduld im Umgang miteinander.
  • Für unseren Papst Franziskus und das ganze Volk Gottes: Um Glaubensfreude, Mut und Zuversicht bei der Verkündigung deines Wortes.
  • Für die hier versammelten Bischöfe: Um Frucht bringende Beratungen in den drängenden Fragen und Problemen unserer Tage.
  • Für die Regierenden in unserem Land und für alle Machthaber dieser Erde: Um weise Entscheidungen und den Einsatz für Frieden in Gerechtigkeit.
  • Für unsere verstorbenen Seelsorger, Angehörigen und Freunde – und für alle Toten: Um das ewige Leben in deiner Herrlichkeit.

(CNA Deutsch)

Der Papst in Lettland: Freiheit und Verantwortung, Ökumene, Mission und Geduld

RIGA – Gleich mehrere Anliegen hat Papst Franziskus am Vormittag seiner Tagesreise nach Lettland in Begegnungen mit Politikern und Protestanten, aber auch gegenüber den Katholiken des Landes zur Sprache gebracht.

Der Besuch begann – wie bei diesen Reisen üblich – mit einer Rede vor Vertretern aus Politik und Gesellschaft. Darin betonte der Pontifex, dass Freiheit und Unabhängigkeit sowohl ein Geschenk seien, als auch eine Verantwortung darstelle, derer man nur entsprechen kann, wenn man auch einen „Bezug zum Höheren“ habe.

Anschließend legte Franziskus am Freiheitsdenkmal im Zentrum Rigas nieder, das die kommunistischen Sowjets einst abreißen wollten.

Mission als Schlüssel zur Einheit

Bei einer ökumenischen Begegnung – Lettland ist vorwiegend protestantisch geprägt – stellte Franziskus dann erneut die Einheit der Christen unter das Vorzeichen der Mission: Ein Lösungsansatz zur Überwindung der Spaltung, den er zuletzt in Genf beim Ökumenischen Rat der Kirchen vorgetragen hat, wie CNA Deutsch berichtete.

Nächster Halt in Riga war die katholische Kathedrale St. Jakob. In seiner dortigen Ansprache widmete der Papst sich dem Apostel und Namenspatron des Doms, vor allem dessen Aufruf zu Beharrlichkeit im Glauben und zur Geduld:

„Der Apostel Jakobus lädt uns ein, beständig zu sein und nicht aufzugeben“, so der Pontifex.

Nach dem Mittagessen wird Franziskus per Hubschrauber zum Marienheiligtum Aglona geflogen, um dort die heilige Messe zu feiern.

Die Papstreise ins Baltikum, die vom 22. bis 25. September dauert, brachte Franziskus zuerst nach Litauen, wie CNA Deutsch berichtete.

Letzte Station ist am morgigen Dienstag dann Estland. (CNA Deutsch)

Rom erkennt von chinesischer Regierung geweihte Bischöfe an

VATIKANSTADT – Nach der Unterzeichnung eines vorläufigen Abkommens zwischen dem Vatikan und China über die Ernennung von Bischöfen hat der Vatikan angekündigt, die sieben Bischöfe anzuerkennen, die gegen den Willen Roms von der chinesischen Regierung geweiht wurden.

Die Exkommunikation der sieben Männer ist somit aufgehoben. Die Entscheidung werde „im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Verkündigung des Evangeliums in China“ getroffen, so wörtlich ein Pressebericht des Vatikans. Die Bischöfe, die nun zur vollen Gemeinschaft mit der Kirche zugelassen werden:

Bischof Joseph Guo Jincai von Rehe,

Bischof Joseph Huang Bingzhang von Shantou,

Bischof Paul Lei Shiyin von Jiading,

Bischof Joseph Liu Xinhong von Wuhu,

Metropolit Joseph Ma Yinglin von Kunming,

Bischof Joseph Yue Fusheng, apostolischer Verwalter von Harbin und

Bischof Vincent Zhan Silu von Funing.

Es wurde auch bekannt gegeben, dass Papst Franziskus – der eigentliche gerade das Baltikum besucht – in China eine neue Diözese gegründet habe. Das Bistum Chengde ist dem Erzbistum Peking zugeordnet; rund 25.000 Katholiken sollen in seinen Grenzen leben, so der Vatikan.

In einer Erklärung teilte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin laut „Vatican News“ mit, das Ziel des Abkommens sei „pastoral“.

„Papst Franziskus, wie es seine unmittelbaren Vorgänger auch schon getan haben, schaut mit besonderer Aufmerksamkeit auf das chinesische Volk. Was jetzt gebraucht wird, ist Einheit, ist Vertrauen und ein neuer Impuls.“

Es gehe darum „Gute Hirten zu haben, anerkannt vom Nachfolger Petri – vom Papst – und von den legitimen zivilen Behörden“, so Parolin.

Er hoffe, dass das Abkommen ein Mittel dafür sein werde.

„Der Papst vertraut der katholischen Gemeinschaft in China – den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Gläubigen – vor allem die Verpflichtung an, konkrete brüderliche Gesten der Versöhnung untereinander zu machen und so vergangene Missverständnisse, vergangene Spannungen, auch die jüngsten, zu überwinden“, so Parolin. (CNA Deutsch)

Kardinal Tobin sagt Teilnahme an Jugendsynode ab

WASHINGTON – Der Erzbischof von Newark hat angekündigt, dass er nicht an der Jugendsynode im Oktober teilnehmen wird.

Kardinal Joseph Tobin war von Papst Franziskus dazu persönlich eingeladen worden. Der Erzbischof begründete seine Absage mit „pastoralen Verpflichtungen“ in der Erzdiözese angesichts der Missbrauchskrise. Er habe dies dem Papst bereits mitgeteilt.

„Der Heilige Vater antwortete am nächsten Tag mit einer schönen pastoralen und mitfühlenden Botschaft. Er sagte mir, dass er versteht, warum ich in der Nähe von zu Hause bleiben muss, und er befreite mich von der Verpflichtung, nächsten Monat an der Synode teilzunehmen“, so Tobin in einem Hirtenbrief an die Katholiken seiner Diözese.

Tatsächlich ist das Erzbistum Newark – in dem dern mutmaßliche Sexualstraftäter Theodore McCarrick als Erzbischof wirkte – von mehreren Skandalen erschüttert worden, darunter Meldungen über homosexuelle Aktivitäten von Priestern der Diözese.

Kirchenkrise und Jugendsynode

Kardinal Tobin ist bereits der zweite Bischof, der seine Teilnahme an dem Treffen abgesagt hat. Vor einigen Tagen teilte der Jugendbischof der Niederlande, Rob Mutsaerts mit, dass er den Zeitpunkt der Synode für falsch hält angesichts der Kirchenkrise, wie CNA Deutsch berichtete.

Weitere US-Bischöfe, die teilnehmen werden, sind Kardinal Blase Cupich von Chicago, der ebenfalls von Papst Francis zum Teilnehmer ernannt wurde, sowie als Delegierte der Bischofskonferenz deren Vorsitzender und Stellvertreter, Kardinal Daniel DiNardo und Erzbischof José Gomez, sowie Erzbischof Charles Chaput, Bischof Frank Caggiano und Bischof Robert Barron. Erzbischof William Skurla, Leiter der Ruthenischen Erzdiözese von Pittsburgh, wird ex officio als Mitglied der Synode teilnehmen.

Am 19. September kündigte auch der von der Bischofskonferenz seines Landes gewählte niederländische Bischof Rob Mutsaerts an, dass er nicht an der Synode teilnehmen werde. (CNA Deutsch)

Analyse: McCarricks Rolle als Vermittler zwischen China und Vatikan

Der ehemalige Kardinal war ein fleissiger Flugreisender in die Volksrepublik, wohnte im Pekinger Priesterseminar.

PEKING – Angesichts neuer Meldungen, dass ein Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und China bevorsteht, das unter anderem die Ernennung von Bischöfen regeln soll, stellt sich die Frage nach der Rolle von Erzbischof Theodore McCarrick bei der diplomatischen Annäherung zwischen Vatikan und Volksrepublik.

McCarrick war oft in China, und bis 2016 war er ein inoffiziell reisender Vertreter des Vatikans vor Ort: Mindestens achtmal besuchte er über einen Zeitraum von 20 Jahren die Volksrepublik. Dabei wohnte der des jahrezehntelangen sexuellen Missbrauchs und der Nötigung männlicher Minderjähriger, Seminaristen und Priester beschuldigte Bischof immer wieder im staatlich kontrollierten Priesterseminar in Peking.

„Ein besonderes Geschenk für die Welt“

Bis zum öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2018 – CNA Deutsch berichtete – war der ehemalige Kardinal chinesischen Berichten zufolge ein lautstarker Verfechter eines Abkommens zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und der Kirche unter Papst Franziskus gewesen.

„Ich sehe viele Dinge geschehen, die wirklich viele Türen öffnen würden, weil Präsident Xi und seine Regierung über Dinge besorgt sind, um die sich Papst Franzisksus sorgt“, sagte McCarrick der „Global“ Times in einem Exklusivinterview im Februar 2016.

Das Interview zitierte McCarrick mit der Bemerkung, dass die Ähnlichkeiten zwischen Papst Franziskus und Xi Jinping „ein besonderes Geschenk für die Welt“ sein könnten.

Die staatlich anerkannte chinesische Zeitung berichtete auch, dass McCarrick im Februar 2016 nach China gereist sei – „eine Reise, bei der der Kardinal sagte, er würde einige ‚alte Freunde‘ besuchen“.

Details bestätigen Aussage von Vigano

„Zu seinen bisherigen Besuchen gehörten Treffen mit Wang Zuo’an, dem Leiter der Staatlichen Verwaltung für religiöse Angelegenheiten, und dem verstorbenen Bischof Fu Tieshan, dem ehemaligen Präsidenten der Bischofskonferenz der Katholischen Kirche in China (BCCCC), einer vom Heiligen Stuhl nicht anerkannten Organisation“, berichtete „The Global Times“.

Im Juni 2014 berichtete David Gibson in der „Washington Post“, dass McCarrick „im vergangenen Jahr“ nach China gereist sei, um „sensible Gespräche über Religionsfreiheit“ zu führen.

Dieses Detail stimmt zum Teil mit dem 11-seitigen „Zeugnis“ des ehemaligen Apostolischen Nuntius Erzbischofs Carlo Maria Viganò überein. Viganò schildert eine Begegnung mit McCarrick im Juni 2013, bei dem Viganò behauptet, dass McCarrick ihm gesagt habe: „Gestern hat mich der Papst empfangen, morgen fliege ich nach China.“

Wie ein über „Wikileaks“ an die Öffentlichkeit gekommenes Dokument des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2006 dokumentiert, wurde McCarrick auf mindestens zwei seiner Reisen im Priesterseminar in Peking untergebracht.

Der Vizerektor eines von der Kommunistischen Partei anerkannten Priesterseminars, Pater Shu-Jie Chen, beschreibt zweimal die Unterbringung von McCarrick in einem Bericht, den Christopher Sandrolini, stellvertretender Missionsleiter an der US-Botschaft beim Heiligen Stuhl, verfasst hat.

Chen bezeichnet sich darin selbst als „König“ des Seminars und sagt, dass er „innerhalb seiner Wände tun könne, was er wolle“.

Sandrolini stellte auch fest, dass der Vizerektor die Verfolgung der Untergrundkirche „heruntergespielt“ habe und die Untergrundkirche als „ungebildet“ bezeichnete, in der nur „ältere Menschen“ seien. Er sagte, dass Chen „unbesorgt“ schien, dass „die Evangelisierung keine Option für offizielles religiöses Personal war.

Grüße über Nancy Pelosi bestellt

Ein Telegramm des US-Botschafters am Vatikan, Francis Rooney, vom März 2006 stellt fest, dass Erzbischof Claudio Celli – damals der wichtigste Verhandlungsführer des Heiligen Stuhls in China – darauf bestand, dass McCarrick nicht in der Lage sei, für den Vatikan mit China zu verhandeln, und dass dessen Besuche in China „inoffiziell“ seien.

In den Jahren 2006 bis 2013 klafft eine Lücke auf: McCarrick scheint wenig bis gar nicht nach China gereist zu sein. Doch Einfluss hatte er nach wie vor.

Im Jahr 2009 ließ der Erzbischof über Nancy Pelosi, damals Sprecherin des Repräsentantenhauses, eine Botschaft an einen Freund in China weitergegen. Pelosi übermittelte McCarricks Grüße an Bischof Aloysius Jin von Shanghai, einem ehemals führenden chinesischen Jesuiten.

„Sie[Pelosi] übermittelte Kardinal McCarricks Glückwünsche an Bischof Jin. Bischof Jin sagte, dass er und Kardinal McCarrick Besuche ausgetauscht hatten, beginnend, als letzterer Bischof von Newark war“, so das Telegramm des Außenministeriums.

Während McCarricks Zeit als Erzbischof von Newark war Aloysius Jin Luxian vom Vatikan nicht als Bischof anerkannt. Er wurde 1985 ohne päpstliche Zustimmung zum Coadjutor-Bischof von Shanghai geweiht, seine Position wurde knapp 20 Jahre später erst anerkannt, im Jahr 2004. Bischof Jin starb 2013.

Ein Artikel aus dem Jahr 2007 in „The Atlantic“ beschreibt die enge Freundschaft zwischen McCarrick und Jin und dass McCarrick sich damit brüstete, in den 1990er Jahren Nachrichten des von der chinesischen Regierung ernannten Bischofs an den Papst weitergeleitet zu haben.

Sowohl das Außenministerium als auch die chinesischen Medien haben einen Besuch von Erzbischof McCarrick in China 1998 dokumentiert.

Auf dieser Reise war er einer von drei amerikanischen Geistlichen, die China besuchten, um über Religionsfreiheit zu diskutieren. McCarrick traf Bischof Michael Fu Tieshan, der als stellvertretender Vorsitzender des Ständigen Ausschusses der Kommunistischen Partei Chinas im Nationalen Volkskongress Chinas fungierte.

Der linientreue Fu wurde 1979 von Peking ohne Zustimmung des Papstes zum Bischof ernannt.

Chinesische Medien berichteten, dass McCarrick 1998 das Nationale Priesterseminar in Peking besuchte.

Am 2. August 2003 berichtete die „South China Morning Post„, dass McCarrick „Anfang dieser Woche drei Tage in Peking verbrachte, um einen angeblich privaten Besuch zu machen“.

McCarrick sei „der erste Kardinal aus einem westlichen Land“ gewesen, so die Zeitung weiter, „der das Festland besuchte, seit die Beziehungen zwischen China und dem Vatikan nach einem Streit über die Heiligsprechung im Oktober 2000 frostig wurden“.

Kandidaten der Kommunistischen Partei

In einer Nachricht des Außenministeriums vom Dezember 2003 schrieb der US-Botschafter im Vatikan, Jim Nicholson, dass der Direktor des Vatikanbüros für China, Monsignore Gianfranco Rota-Graziosi, „keine konkrete Verbesserung erwartet habe, die sich aus der informellen Reise des Washingtoner Kardinals McCarrick nach China im vergangenen Sommer ergeben habe“.

Am 14. September 2018 berichtete das „Wall Street Journal“, dass der Heilige Stuhl im Begriff sein könnte, ein Abkommen mit China abzuschließen, das auch sieben illegal geweihte – und somit exkommunizierte – Bischöfen anerkennen würde, die in der regimetreuen und von der Kommunistischen Partei kontrollierten „Chinesischen Patriotischen Katholischen Vereinigung“ sitzen.

Bereits seit Januar 2018 gibt es Hinweise auf ein formales Abkommen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik, was die Ernennung von Bischöfen betrifft.

Gleichzeitig hat China massive Beschränkungen der Religionsfreiheit verhängt, welche die religiöse Praxis im Land extrem beschränken: Kreuze werden entfernt Kirchen werden zerstört, Kindern ist der Zutritt zu Kirchen verboten, und Christen werden bedrängt und schikaniert. (CNA Deutsch)

Scicluna: In der Kirchenkrise müssen den Worten auch Taten folgen

POSEN – Die jüngste Entscheidung des Papstes, die Vorsitzenden von Bischofskonferenzen aus der ganzen Welt nach Rom zu berufen, ist laut Erzbischof Charles Scicluna ein Zeichen dafür, dass die Prävention von Missbrauch und der Schutz von Minderjährigen ein Anliegen der gesamten Kirche sein muss.

Erzbischof Charles J. Scicluna von La Valletta, Malta, war von 2002 bis 2012 in der Kongregation für die Glaubenslehre tätig. Er half, die ersten Konsequenzen der Kirche als Reaktion auf die Missbrauchskrise im Jahr 2002 auszuarbeiten, und seine Arbeit gilt immer noch als ein Meilenstein im Kampf gegen Missbrauch und Vertuschung.

Nach seinem Einlenken über die Krise in Chile schickte Papst Franziskus den Erzbischof nach Chile, um die dortigen Vorwürfe offiziell zu untersuchen, dass Bischof Juan Barros Madrid Verbrechen gegen Minderjährige vertuscht hat.

Scicluna betonte im polnischen Posen, wo er an der Jahrestagung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen teilnahm, dass die Entscheidung des Papstes, Präsidenten der verschiedenen Bischofskonferenzen der Welt nach Rom zu berufen, „ein klares Zeichen dafür ist, dass der Schutz von Minderjährigen und die Verhinderung von Missbrauch für die ganze Kirche oberste Priorität haben“.

Scicluna betont: „Das Engagement der Kirche als sicherer Ort für Minderjährige sollte für die ganze Kirche gelten und das Anliegen aller in der Kirche sein“.

Scicluna betonte auch, dass „der Schutz von Minderjährigen ein fortlaufender Prozess in der Kirche sein muss, und deshalb beginnt er mit der guten Überprüfung der zukünftigen Priester, wie es der heilige Johannes Paul II. 1992 gefordert hat“.

Der Erzbischof verwies auf das Schreiben Pastores Dabo Vobis von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992.

„Es war die prophetische Botschaft des heiligen Johannes Paul II.“, sagte er, dass dieses Dokument, „das von der Ausbildung zukünftiger Priester spricht, die Frage der menschlichen Ausbildung, der psychologischen Untersuchung und auch einer klaren Bewertung des Kandidaten“ auf seine Eignung hin thematisierte.

Das Dokument betont, der Seminarist sollte über ein ausreichendes Maß an psychologischer und sexueller Reife sowie ein fleißiges und authentisches Gebetsleben verfügen und sich der Leitung eines geistlichen Vaters unterstellen.

Scicluna sagte, dass es über die Überprüfung zukünftiger Priester hinaus auch „eine Befähigung der Gemeinschaft geben muss, Missbrauch aufzudecken, wenn er geschieht, und auch eine Befähigung der Gemeinschaft, damit wir gemeinsam feststellen und garantieren können, dass die Kirche ein sicherer Ort für alle ist, einschließlich Minderjähriger“.

Der Erzbischof stellte auch fest, dass die Kongregation für die Glaubenslehre im Mai 2001 Bischofskonferenzen auf der ganzen Welt gebeten hat, Leitlinien zur Bekämpfung von Missbrauch auszuarbeiten.

Das Schreiben„, sagte Scicluna, „gab wichtige Hinweise, da es über die Ausbildung von zukünftigen Priestern sprach, aber auch über den Schutz der Gemeinschaft und die Zusammenarbeit mit den Zivilbehörden“.

In dem Schreiben des Jahres 20011 heißt es bereits: „Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger ist nicht nur eine Straftat nach kanonischem Recht, sondern stellt auch ein Verbrechen dar, das staatlicherseits verfolgt wird. Wenngleich sich die Beziehungen zu staatlichen Behörden in den einzelnen Ländern unterschiedlich gestalten, ist es doch wichtig, mit den zuständigen Stellen unter Beachtung der jeweiligen Kompetenzen zusammenzuarbeiten. Insbesondere sind die staatlichen Rechtsvorschriften bezüglich einer Anzeigepflicht für solche Verbrechen immer zu beachten, „

Erzbischof Scicluna kommentierte, dass dies freilich auch „umgesetzt und ständig in die Agenda der Ortskirche aufgenommen werden muss“.

Er sagte auch, dass die meisten Bischofskonferenzen Leitlinien nach dem Rat der Kongregation für die Glaubenslehre herausgegeben haben und dass alle bestehenden Leitlinien vom Vatikan überprüft wurden.

Allerdings, so Scicluna weiter, „reichen Dokumente nicht aus. Wir müssen ganze Gemeinschaften sensibilisieren, denn dieses traurige Phänomen kann nicht durch hierarchische Entscheidungen gelöst werden, sondern muss alle einbeziehen.“

In Bezug auf die von Papst Franziskus für Februar 2019 einberufene Versammlung der Bischofskonferenzvorsitzenden sagte Scicluna, dass das Treffen auf eine Entscheidung des „K9“-Rates der Kardinäle zurückzuführen sei, aber auch „eine Antwort auf die Erwartung der Menschen, dass wir von Dokumenten zu Handlungen übergehen“. (CNA Deutsch)

Episcopalis Communio: So ändert Franziskus die Bischofssynode

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat die Apostolische Konstitution Episcopalis Communio über die Struktur der Bischofssynode veröffentlicht. Die Entscheidungen des Papstes kommen wenige Tage vor der Eröffnung der XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die für den 3. Oktober geplant ist.

Der Papst hat – in Anlehnung an die Konstitution Apostolica Sollicitudo von Paul VI. und an die Änderungen der Synodenordnung durch Benedikt XVI. – einige Elemente modifiziert.

Die Apostolische Konstitution besteht aus 27 Artikeln. Der erste Teil ist der Synodenversammlung gewidmet. Bereits in Artikel 2 legt der Papst dar, dass „je nach Thema und Umständen auch einige andere zur Versammlung der Synode gerufen werden können, die nicht mit dem bischöflichen munus ausgezeichnet sind und deren Rolle von Mal zu Mal vom römischen Pontifex bestimmt wird.“

Auf der Liste der Synodenteilnehmer steht beispielsweise in diesem Jahr in der Tat ein Laie: Paolo Ruffini, Präfekt des Dikasteriums für die Kommunikation, als Leiter der Kommission für die Information.

Im Text institutionalisiert der Papst zudem die Vorbereitungsphase der Synodenversammlung. Diese Zeit „hat die Konsultation des Gottesvolkes zum Thema der Synodenversammlung als Zweck. Die Konsultation des Gottesvolkes wird in den Teilkirchen durch die Bischofssynode der Patriarchate und der großerzbischöflichen Kirchen, die Hierarchen der Kirchen sui iuris und die Bischofskonferenzen durchgeführt. In jeder Teilkirche führen die Bischöfe eine Befragung des Gottesvolkes durch und bedienen sich dabei der vom Recht vorgesehenen Organismen, ohne jedwede andere Modalität auszuschließen, die sie für angemessen erachten.“

Darauf folgt die Übertragung der vorbereitenden Beiträge auf das Generalsekretariat der Synode, die Einberufung einer vorsynodalen Versammlung und die Errichtung einer vorbereitenden Kommission, die vom Generalsekretär der Bischofssynode ernannt wird und unter dessen Vorsitz steht.

Papst Franziskus beschreibt dann ausführlich die Phase der Durchführung der Synodenversammlung, deren Beschlüsse in einem Abschlussdokument gesammelt werden, das von einer eigens dafür vorgesehenen Kommission verfasst wird, die „aus einem Generalreferenten, der ihr vorsteht, dem Generalsekretär, dem Fachsekretär und einigen von der Synodenversammlung gewählten Mitgliedern besteht.“

Sobald das Dokument verabschiedet ist, wird es dem Papst überreicht.

„Wenn es die Zustimmung der Mitglieder erhalten hat, wird das Abschlussdokument der Versammlung dem römischen Pontifex überreicht, der über seine Veröffentlichung entscheidet. Wenn es ausdrücklich vom römischen Pontifex verabschiedet wird, gehört das Abschlussdokumentzum ordentlichen Lehramt des Nachfolgers Petri.“

Der letzte Teil der Apostolischen Konstitution betrifft die Umsetzungsphase. „Das Generalsekretariat des Synode kann sich für die Ausführung einer Kommission bedienen, die aus Experten gebildet ist.“ Auch diese ist direkt dem Papst unterstellt.

Übersetzt aus dem Italienischen von Susanne Finner. (CNA Deutsch)

Missbrauch: Papst versetzt chilenischen Priester in den Laienstand

SANTIAGO DE CHILE , Papst Franziskus hat verfügt, dass der Priester Cristián Precht, der beschuldigt wird, Minderjährige in Chile missbraucht zu haben, des Priesterstandes verwiesen und in den Laienstand versetzt wird.

Dies teilte der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Luis Ladaria, dem Erzbischof von Santiago, Kardinal Ricardo Ezzati, mit.

Mit Datum vom 12. September, so eine Meldung des Erzbistums Santiago, habe „Franziskus per Dekret und unwiderruflich die Entlassung aus dem Priesterstand ex officio et pro bono Ecclesiae angeordnet, sowie die Dispens von allen Verpflichtungen, die mit der heiligen Weihe einhergehen, des Ehrw. Cristián Precht Bañados angeordnet.“

Dasselbe Dekret legt fest, dass „der Bischof dem Volk Gottes schnellstmöglich die neue kirchenrechtliche Situation des Betroffenen mitteilen solle.“

Bereits im Jahr 2012 hatte die Kongregation für die Glaubenslehre Cristián Precht des Missbrauchs für schuldig befunden; daraufhin hatte ihn das Erzbistum Santiago für fünf Jahre suspendiert.

Vorwürfe gegen den überführten Kinderschänder wurden bereits 2011 erhoben. Das Ergebnis des strafrechtlichen Untersuchungsverfahrens bestätigten dessen Verbrechen. Angesichtes der „der Schwere der Beschuldigungen“ befürwortete die Glaubenskongregation, die Verjährung aufzuheben.

Precht zählte zu den Gründern der Vicaría de la Solidaridad („Vikariat der Solidarität“), einer Organisation, die geschaffen wurde, um den Opfern des mörderischen Regimes von Augusto Pinochet zu helfen. (CNA Deutsch)