Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Kardinal Müller: Dem Papst ist nicht mit Personenkult gedient

Montag 20. Februar 2017 von VH


Befreiungstheologie, Wahrheit Gottes und Freiheit des Menschen, Ökumene, Kapitalismuskritik, ewiges Leben: Würden Sie vermuten, dass ein Buch, das diese Inhalte vereint, den Titel „Der Papst“ trägt? An diesem Montag ist ein solches Buch erschienen, der Autor ist kein Geringerer als der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Gleich zu Beginn betont der deutsche Kurienkardinal, er wolle nicht über „das Papsttum“ schreiben, also eine anonyme Institution. Papst, das sei eine Abfolge von Menschen, die personale Beziehung hat Vorrang, so Kardinal Müller im Interview gegenüber Radio Vatikan. „Es gibt viele Bücher über ‚das Papsttum’, oder über die Päpste, aber es ist wichtig, dass man diese Sendung als eine Sendung von Personen auffasst und nicht von einer Institution redet. Jesus hat selber zu Simon gesagt ‚du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen’. Es ist eine personale Relation, welche dieses besondere Amt ausmacht.“ Das Buch ist insgesamt ein theologisch-spiritueller Gang durch das Papstamt, „von mir als alteingesessenem Theologieprofessor, da erwartet man halt so ein Buch“, sagt Müller lachend.

„Eine Gefahr heute, in den Medien: dass nur noch die Stimme des Papstes erklingt“

Kardinal Müller beginnt aber zunächst biographisch, mit seiner persönlichen Geschichte der Päpste, von der Jugend an. Er wolle nicht nur eine theologische Abhandlung vorlegen, sondern bewusst auch als reflektierter Gläubiger schreiben, so Müller, „dass wir also nicht etwas errichten, was seine lebendigen Wurzeln verloren hat und dann wie ein toter Baum vielleicht schön anzusehen ist, aber ohne Leben in der Landschaft herum steht.“

Die katholische Kirche sei keine „Papstkirche“, das Zentrum ist Christus selber, betont Kardinal Müller. „Es muss auch nicht alles auf Rom hin konzentriert sein“, verweist er auf das Zweite Vatikanische Konzil. Dementsprechend ausführlich zitiert der Autor in seinem Buch immer wieder vor allem das Dokument Gaudium et Spes. „Man muss einerseits betonen, wie wichtig der Papst für die Einheit der gesamten Kirche im Glauben ist, aber andererseits darf man das nicht zentralistisch auffassen. Man kann nicht dem Papst dienen, wenn man einen Personenkult um ihn herum betreibt. Das ist sicherlich eine Gefahr heute, in den Medien, dass nur noch die Stimme des Papstes erklingt, während die Sichtweise von der natürlichen Verfassung der Kirche her eigentlich andersherum ist.“ Die konkrete Versammlung – ob nun die biblischen „zwei oder drei“ oder auch fünfzig – sei das Ursprüngliche, zunächst in der Familie, dann in der Gemeinde und von da aus weite sich das. Das Konkrete vor Ort dürfe nicht als nachgeordnet erscheinen.

Christus hat einfache Menschen gewählt

Papstverherrlichung schade dem Amt mehr, als sie ihm nutze. „Wir kennen das ja schon von Paulus her, dass er Petrus als den Ersten anerkannt hat, aber doch in einer wichtigen Frage der praktischen Umsetzung kritisch etwas zu ihm gesagt hat. Das äußere Verhalten muss mit der inneren Haltung überein stimmen, das begleitet die Geschichte der Päpste. Es war die Wahl Christi selber, dass er nicht die Schönsten und Mächtigsten zu seinen Aposteln gemacht hat, sondern einfache Menschen, die sich auch bewusst sind, dass sie keine Übermenschen sind, sondern die immer der Gnade Gottes bedürfen.“

Kardinal Müller warnt deswegen auch vor überzogenen Erwartungen, weil diese bei – voraussehbarer – Nichterfüllung ins Gegenteil umschlagen. Die Schwächen gehörten aber zum Menschen, „ein erwachsener Christ muss umgehen können mit den Schwächen und Grenzen der offiziellen Repräsentanten der Kirche.“ Verehrung und Anerkennung sei für einen Katholiken dem Papst gegenüber selbstverständlich, auch dem konkreten Papst, nicht nur dem Amt – aber bitte nicht übertreiben.

Reform: wieder Fahrt gewinnen

Kardinal Müller zitiert an dieser Stelle in seinem Buch einen Theologen des 16. Jahrhunderts, Melchior Cano, also aus einer Zeit der nötigen Kirchenreform. Um Reform geht es auch ihm, Müller, wenn sie auch anders gelagert ist als vor 500 Jahren. Damals sei es um tiefgreifende Schwächen, auch strukturelle, der Kirche gegangen, „während ich heute unter Kurienreform eher verstehen würde, dass wir alle neu motiviert werden und nicht in die bürgerliche Bequemlichkeit zurück fallen. Was wir heute unter Reform verstehen ist die Frage, wie wir wieder Fahrt gewinnen, wenn es um die großen Herausforderungen der Säkularisierungen geht. Es geht darum, dass wir positiv die Fülle des Glaubens und der Hoffnung, die uns geschenkt worden ist, werbend, einladend, ermöglichend in den großen gesellschaftlichen Diskurs einbringen.“

Aber auch die äußeren Zeichen des Papsttums verändern sich, sagt Kardinal Müller, das Papsttum nehme natürlich immer auch die Züge seiner Zeit an, weil es auf konkrete Umstände Antwort geben müsse. „Das hat aber nichts mit einer von einigen befürchteten De-Sakralisierung des Bischofsamtes oder des Papstamtes zu tun. Es wäre ja auch nicht möglich, einen reinen Funktionalismus aufzubauen. Die Kirche ist Leib Christi und Volk Gottes und nicht eine von uns gemachte soziale Organisation mit ihren einzelnen Abteilungen, die innerweltliche Verbesserungsvorschläge einbringt.“

Ausrichtung auf Seelsorge und die Würde des Menschen

Konkret wird gerade der aktuelle Papst gegenüber den sozialen und ökologischen Herausforderungen heute, was Kardinal Müller in seinem Buch mit einer ausführlichen Betrachtung der Enzyklika Laudato Si’ beantwortet. „Die Ausrichtung auf die Seelsorge, eine konstruktive und aufbauende Gesellschaftskritik, die Soziallehre, die Befreiungstheologie nicht nur als fünftes Rad am Wagen eines politischen Programms sondern als echte Theologie, die von Gott her Entscheidendes beiträgt zur Unterstreichung oder Wiederherstellung der Menschenwürde in vielen Teilen der Welt: Das alles gehört innerlich zusammen und ist nicht nur eine äußerliche Kombination. Es gehört so untrennbar zusammen wie Gottes- und Nächstenliebe.“

Gerhard Ludwig Müller: Der Papst. Sendung und Auftrag. Das Buch ist im Verlag Herder erschienen und kostet etwa 30 Euro. (rv)

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Frankreich: „Ein dunkler Tag für das Recht auf Leben“

Samstag 18. Februar 2017 von VH


Informationen auf Webseiten zu veröffentlichen, die Frauen von einer Abtreibung abhalten sollen, ist in Frankreich nun strafbar. Das Parlament hat am Donnerstag einem entsprechenden Gesetzentwurf zugestimmt. Das neue Gesetz wird von verschiedenen Seiten als ein Angriff auf die Meinungsfreiheit bewertet. Wer dennoch eine Webseite gegen Abtreibung betreibt, kann mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Euro bestraft werden. Von einem „dunklen Tag für das Recht auf Leben“ und einem „schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit“ sprachen die Vereinigung katholischer Familien in Frankreich. Die als linksliberal geltende Tageszeitung „Le Monde“ schrieb, das Gesetz schränke die Freiheit ein und sei eine Maulkorb-Maßnahme.

Schon seit 1993 gilt dieser Straftatbestand für nicht-digitale Veröffentlichungen. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hat in einem Urteil klargestellt, dass Betreiber von Internetseiten gegen Abtreibung nur dann bestraft werden können, wenn sie zu Gewalt aufrufen oder Pflegepersonal beleidigen. Die französischen Bischöfe hatten sich in einem Brief an Staatspräsident Hollande gegen den Gesetzentwurf gewandt. Auch Papst Franziskus unterstütze den „Marsch für das Leben in Frankreich. Jährlich werden in Frankreich 200.000 Abtreibungen durchgeführt. (rv)

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Vatikan im Dritten Reich: Archivar legt Zahlen vor

Samstag 18. Februar 2017 von VH


Der Heilige Stuhl hat während des Dritten Reichs systematisch Juden und Flüchtlingen geholfen und ihnen Schutz geboten. Das belegt der Vortrag des Archivars des vatikanischen Staatssekretariats Johan Ickx bei der Tagung „Refugee Policies from 1933 until Today: Challenges and Responsibilities“ am Freitag in Rom. Fast 5.000 Juden haben in 280 Klöstern Unterkunft gefunden, 3.000 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, 1.460 in katholischen Privathäusern, 60 in Gebäuden auf extraterritorialem Grund und 40 im Vatikan. Die Zahlen gingen aus den Akten des vatikanischen Archivs hervor, so der Vortragende. Ein Abkommen von Oktober 1943 mit den Nationalsozialisten sicherte Ickx zufolge den vatikanischen Gebäuden einen neutralen Status zu. Der Archivar wies auch darauf hin, dass der Vatikan schon im spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939 drei Millionen Flüchtlingen half.

Die zweitägige Tagung wurde von der „International Holocaust Remembrance Alliance“ (IHRA) organisiert und begann am Donnerstag. (rv)

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Neue Kriminalitätsstatistik für den Vatikan

Samstag 18. Februar 2017 von VH


Die Zahl der Diebstähle auf dem Boden des Vatikanstaats ist leicht gestiegen. Das ergibt sich aus einem Bericht zum Start des vatikanischen Gerichtsjahrs, der an diesem Samstag im Vatikan vorgestellt wurde. In den zwölf Monaten bis zum 30. September 2016 seien insgesamt 78 Diebstähle zur Anzeige gekommen, in den zwölf Monaten zuvor waren es „nur“ 58 gewesen.

Opfer der Langfinger sind in der Regel Touristen auf dem Petersplatz oder in den Vatikanischen Museen. Die vatikanische Gendarmerie hat insgesamt viermal mutmaßliche Taschendiebe verhaftet; die Gesamtzahl der Verhaftungen im Vatikan lag im abgelaufenen Gerichtsjahr bei 33. Etwa die Hälfte der Verhafteten seien an die italienische Polizei überstellt worden.

Aus dem neuen Bericht ergibt sich auch, dass in Einzelfällen weiterhin vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan weitergegeben werden. Die Statistik spricht außerdem von 28 Fällen des versuchten Betrugs. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche seien 2016 über zwei Millionen Euro beschlagnahmt worden – das ist auch der Erfolg eines eigens für solche Fälle eingerichteten, neuen Ermittlergremiums. (rv)

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Kurienreform-Beratungen mit dem Papst: „Kein Drama“

Donnerstag 16. Februar 2017 von VH


Schon hundert Mal haben Papst Franziskus und sein Kardinalsrat eine Arbeitssitzung abgehalten: Das sagte die stellvertretende Vatikansprecherin Paloma García Ovejero an diesem Mittwoch. Auch in diesen Tagen ist der K-9-Rat zusammengetreten; er heißt so, weil ihm neun Kardinäle – aus allen Erdteilen – angehören. Aufhorchen ließ der Rat diesmal, weil er zu Beginn seiner Beratungen mit Franziskus am Montag diesem in einer Erklärung seine Loyalität versicherte.

„Wir hatten einfach das Gefühl, dass so eine Erklärung eine gute Sache sein würde“, erklärte Kardinal Reinhard Marx vor der Presse. „Wir wollten da keine große Sache veranstalten, kein großes Drama. Es schien uns eben an der Zeit, zu versichern: Wir unterstützen den Papst und gehen mit ihm zusammen vor.“ Auch auf Nachfrage von CNN wollte der Münchner Erzbischof, der zum K-9-Rat gehört, nicht direkt sagen, warum Franziskus‘ Beratern gerade jetzt so eine Erklärung richtig schien. „Sie wissen doch besser als ich, was vorgeht, Sie haben doch die Diskussionen gesehen.“ Mutmaßlich bezog sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auf die andauernde Debatte über das Papstdokument „Amoris Laetitia“ über Ehe und Familie, mit dem vier Kardinäle in einem später veröffentlichten Brief unter dem Titel „Dubia“ hart ins Gericht gingen.

Zum genauen Inhalt der K-9-Beratungen von Montag bis Mittwoch gab sich die zweite Vatikansprecherin zugeknöpft: Um die Missions- und die Ostkirchenkongregation sei es gegangen, um den Dialograt, der die Beziehungen der Kirche zum Islam im Blick hat, um die Wirtschafts- und Medienreform sowie um den „Prozess für die Auswahl von Kandidaten für das Bischofsamt“.

Auch über die höchsten kirchlichen Gerichte hätten die Kardinäle unter Anwesenheit des Papstes gesprochen: über die Apostolische Pönitentiarie, das Tribunal der Apostolischen Signatur und das der Römischen Rota. Eine Zusammenlegung dieser drei unabhängigen Gerichte stehe nicht auf der Tagesordnung, überhaupt sei das nur eine „piccolissima riforma“, eine ganz kleine Reform. Oder wie Kardinal Marx gesagt hätte: „keine große Sache, kein Drama“. (rv)

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Amoris Laetitia: So interpretiert der Präsident der Gesetzestexte das Schreiben

Mittwoch 15. Februar 2017 von VH


VATIKANSTADT – Keine Antworten, aber weitere Fragen: Für den heutigen Dienstag war angekündigt, dass Kardinal Francesco Coccopalmerio mit einem Buch über das umstrittene achte Kapitel von Amoris Laetitia (AL) Antworten auf die offenen Fragen von AL liefern werde. Doch der Kardinal erschien nicht zum Termin – und seine Sprecher erklärten, das Buch liefere keine Antworten auf die Dubia.

Offizieller geht es kaum: Es war eine vorab angekündigte Presse-Konferenz bei Radio Vatikan, bei der das Werk vorgestellt werden sollte; geschrieben hat es der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte; und verlegt wird es beim Verlag des Vatikans, der Libreria Editrice Vaticana. Das Buch trägt zudem den Titel: „Das Achte Kapitel der Post-Synodalen Apostolischen Exhortation Amoris Laetitia“.

Im Vorfeld hieß es daher bereits seitens vieler Beobachter: Damit würden die Fragen zu AL nun endlich beantwortet. Zumal die Sprecher des Autors, darunter der Vatikanist Orazio La Rocca, das Buch als Antworten auf die fünf „Ja/Nein“-Fragen der vier Kardinäle bezeichnet hatten.

Doch dann kam alles anders.

Wegen einer „Terminkollision“ sei der Autor verhindert: So erklärten die Veranstalter die Abwesenheit von Kardinal Coccopalmerio bei der Vorstellung seines Buches am heutigen Dienstag. Und die Moderatoren des Events erklärten, es liefere keine Antworten auf die Dubia.

„Nur Pastorale Überlegungen“

Tatsächlich liefere das kurze Büchlein mit dem langen Titel nur pastorale Überlegungen zum Thema, so die anwesenden Sprecher der Pressekonferenz. Auf keinen Fall schreibe der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte hier als Kirchenrechtler, wurde betont.

Das Fazit der Überlegungen ähnelt den Interpretationen der Maltesischen und Deutschen Bischofskonferenzen: Dank AL sollen geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion gehen können. Die Entscheidung liege beim einzelnen; dieser kann das für sich entscheiden, deutet der Autor die Exhortation.

Gleichzeitig betont der Kurienkardinal, dass trotzdem die Lehre der Kirche weiter bestehe und auch kein Eindruck aufkommen sollte, die Änderungen von AL bedeuteten nun, „dass diese Verbindung regulär sei und daher die Ehe nicht nötig oder nicht unauflöslich“ sei.

Damit widerspricht der Präfekt der Gesetztestexte freilich dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Dieser hat erst jüngst erklärt, dass eine Kommunion für geschiedene und Wiederverheiratete gegen die Lehre der Kirche verstoße; und dass niemand, auch der Papst, dies ändern könne.

Offene Fragen

Vor diesem Hintergrund stellen die nun vorgelegten Reflektionen von Kardinal Coccopalmerio einen neuen Diskussionbeitrag dar, der nun anderen Beiträgen (nicht weniger renommierter Würdenträger und Experten) widerspricht und somit die Debatte über die „Freude der Liebe“ und deren Auslegung weiter beschleunigt. Eine Klärung des „faktischen Schismas“ (der Vatikanist Guido Horst), dass diese Situation hervorgerufen hat, findet nicht statt; und die offene Fragen zu Amoris Laetitia harren weiter einer Beantwortung. (CNA Deutsch)

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Ökumene mit der Orthodoxie: Einheit geschieht auf dem Weg

Dienstag 14. Februar 2017 von VH


Es war die erste Begegnung zwischen einem Papst und dem orthodoxen Patriarchen von Moskau überhaupt, vor genau einem Jahr trafen sich die beiden in denkbar nüchterner Umgebung auf dem Flughafen von Havanna. Papst Franziskus war tags zuvor Richtung Mexiko aufgebrochen, um den Patriarchen auf Kuba treffen zu können.

„Wir sind Brüder, und es ist ganz klar, dass das hier der Wille Gottes ist,“ hatte der Papst damals nach der Unterzeichnung eines gemeinsamen Dokumentes gesagt. Was aber bleibt von diesem kurzen Treffen, ein Jahr danach? Dieser Frage ist am Sonntag an der Universität Fribourg in der Schweiz ein Studientag nachgegangen, den das dort ansässige Institut für Ökumenische Studien gemeinsam mit der Schweizer Bischofskonferenz ausrichtete. Mit dabei waren die Ökumene-Verantwortlichen sowohl der russisch-orthodoxen als auch der katholischen Kirche, Metropolit Hilarion aus Moskau und Kardinal Kurt Koch aus dem Vatikan.

Die Frage war, was sich in den Beziehungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche durch und seit der Begegnung auf Kuba getan hat. „Wahrscheinlich mehr noch als konkrete Ereignisse ist wichtig, dass sich die Atmosphäre geändert hat“, berichtet Barbara Hallensleben, Dogmatik-Professorin in Fribourg und eine der Organisatorinnen des Treffens. Patriarch und Papst hatten gewollt, dass ihr Wunsch, aufeinander zuzugehen und Vertrauen zu schenken, sich in den Kirchen verbreite.

Eine neue Art Theologie

Die Hauptvorträge des Tages hielten für die orthodoxe Kirche von Moskau Metropolit Hilarion und für den Vatikan der Ökumenebeauftragte Kardinal Kurt Koch. Beide sprachen auch konkretere Ergebnisse angesprochen, berichtet Hallensleben. „Eine Ökumene der Heiligen, eine kulturelle Ökumene und das, was sie die Ökumene der praktischen Zusammenarbeit genannt haben, die bis auf die politische Ebene geht. Hier wird die internationale politische Lage angesprochen, die Vertreibung der Christen in Syrien und anderen Kernlanden des ursprünglichen Christentums.“ Gemeinsame Reisen und Delegationen, zusammen vorgebrachte Appelle, aber auch gemeinsame Hilfe für die lokalen Bevölkerungen, das alles bringt die Ökumene voran.

„Was mich lange als Theologin beschäftigt hat war die Unruhe, ob das nicht eine Art Ausweichen aus der Theorie in die Praxis ist, aus der Glaubenslehre in eine einfache soziale Zusammenarbeit“, bekennt die Professorin, die auch als Konsultorin des von Kardinal Koch geleiteten Päpstlichen Einheitsrates wirkt. „Wenn ich aber die Texte jetzt lese und höre, was hier geschieht, scheint mir genau umgekehrt eine neue Art Theologie zu entstehen. Eine Theologie, welche die nichttheologischen Faktoren nicht einfach abtut, sondern sie in ihre Arbeit einbezieht, eine Theologie, die sich hier und heute engagiert, um den Glauben zu leben und Christus nachzufolgen.“

Misstrauen und Nichtwissen überwinden

Es gebe viel Misstrauen und Nichtwissen voneinander, so Hallensleben; dem versuchten die Dimensionen der Ökumene der Heiligen, also des Kennenlernens religiöser Traditionen, und die kulturelle Ökumene entgegen zu wirken. „Natürlich gibt es sowohl in der katholischen Kirche als auch in der russisch-orthodoxen Kirche gewisse Kreise, wo sehr viel Skepsis herrscht. Etwa in der katholischen Tradition gegenüber der Öffnung, für die Papst Franziskus steht, aber auch in der orthodoxen Kirche gibt es Skepsis gegenüber dem, was Patriarch Kyrill als Annäherung an die katholische Kirche vollzieht“, beobachten Hallensleben. Aber es sei zu schade, sich auf diese Beharrungskräfte und Widerstände zu konzentrieren. Wichtiger, zugleich auch schwieriger zu überwinden seien die verbreitete Unkenntnis und auch Missinformation übereinander. „Das kann man nicht in Grundsatzerklärungen in einem Schritt überwinden, sondern man braucht sehr viel Zeit und Geduld, man braucht Begegnung, man braucht neue und positive Erfahrungen, welche die alten negativen Erfahrungen und Elemente des Misstrauens mehr und mehr ersetzen.“

Darum solle diese Initiative von Havanna einerseits auch in Zukunft fortgesetzt werden, aber auch in die Ortskichen eingebracht werden, etwa durch Austausch von Studenten oder durch das Erlernen der jeweiligen Sprachen.

Die große Frage im Hintergrund ist immer die, ob denn in absehbarer Zeit einmal ein Papst auch nach Russland werde reisen können. Barbara Hallensleben wagt keine Prognose, findet aber die dezentral stattfindenden Jahrestage von Havanna im Prinzip nicht unwichtiger als eine solche Reise. „Ich bin sehr sicher, dass vielleicht tatsächlich sogar schon Patriarch Kyrill einmal Rom besuchen wird, als auch dass der Papst in absehbarer Zeit nach Moskau reisen wird.“ (rv)

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K9-Rat stellt sich hinter Franziskus

Montag 13. Februar 2017 von VH


Ein Dank für seine Weihnachtsansprache an die Kurie und die Zusicherung, ganz hinter ihm und seinem Lehramt zu stehen: Papst Franziskus erhält an diesem Montag Rückendeckung durch sein Beratergremium K9. In einer ungewöhnlichen Stellungnahme des Kardinalsrates schreibt dessen Koordinator, Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga, er und seine Kollegen hätten dem Heiligen Vater bei ihrer Begegnung am Montag für seine Weihnachtsansprache gedankt. Sie hätten daraus Ermutigung und Richtungsweisung für die Arbeit des Rates gezogen. In Zusammenhang mit – nicht näher bezeichneten – jüngst vorgefallenen Ereignissen versicherte der Kardinalsrat dem Papst die „volle Unterstützung“ seiner Arbeit, seiner Person und seines Lehramtes.

In seiner Weihnachtsansprache an die Kurie 2016 hatte Franziskus über die Kurienreform gesprochen. Es gehe dabei um einen „Prozess des Wachstums und vor allem der Bekehrung“, sagte der Papst vor den versammelten Kurienmitarbeitern. Kurz ging er auf Kritiker aus den eigenen Reihen ein: Neben konstruktiver Kritik, Angst und Trägheit gebe es an der Kurie bisweilen „böswillige Widerstände“ aus einem „verqueren Geist“. Diese Art von Reformverweigerung, die „oft im Schafspelz“ daherkomme, verstecke sich „hinter rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten“ und flüchte sich „in Traditionen, Schein, Formalitäten, in das Bekannte“.

Ab diesem Montag tagt der K9-Rat zum 18. Mal im Vatikan. Der hochkarätigen Gruppe gehört als Vertreter Europas der Münchner Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx an. (rv)

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Franziskus besucht Jesuitenkongregation

Montag 13. Februar 2017 von VH


Papst Franziskus war an diesem Sonntagmittag überraschend in der Generalkongregation der Jesuiten zu Besuch. Er traf sich dort mit dem ehemaligen Jesuitengeneral Pater Nicolás, der kurz vor seiner Abreise auf die Philippinen steht, und dem derzeitigen Ordensleiter, dem Venezolaner Arturo Sosa. Anschließend blieb er noch zum gemeinsamen Mittagessen mit den Bewohnern der Kongregation. Pater Nicolàs hatte 2014 im Einvernehmen mit dem Papst seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Ordensgeneral verkündet. Im Dezember 2016 ist Arturo Sosa zu seinem Nachfolger gewählt worden. (rv)

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Vatikan veröffentlicht Logo für Papstbesuch in Fatima

Montag 13. Februar 2017 von VH


Der Vatikan hat an diesem Montag das Logo für den kommenden Papstbesuch in Fatima veröffentlicht. Es besteht aus einem Rosenkranz, der in Herzform gelegt ist – und vereint somit die beiden zentralen Bildelemente des portugiesischen Marienwallfahrtsortes Fatima, wie der Designer des Logos betonte. In das Herz eingeschrieben stehen die Worte „Papst Franziskus“ und „Fatima 2017“. Der „Geist der Barmherzigkeit und des Friedens“, der das Pontifikat von Franziskus kennzeichne, aber auch sein einfacher und klarer Stil sollten in dem Logo deutlich werden, so die Erklärung des Designers Francisco Providence. Das Motto zu der Reise lautet „Com Maria, Peregrino na esperanca e na paz“ (Mit Maria, Pilger in Hoffnung und in Frieden). Anlass des Papstbesuchs vom 12. und 13. Mai ist der 100. Jahrestag der dortigen Marienerscheinungen. (rv)

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