Vaticanhistory-News

Kirchengeschichte bei VH

Venezuela: Kardinal wiederholt Kritik an Chavez

Thursday 29. July 2010 von VH

Der Erzbischof von Caracas, Kardinal Jorge Urosa Savino, läßt sich nicht einschüchtern: Auch vor Parlamentsabgeordneten wiederholte er am Dienstag seine beißende Kritik am populistischen Präsidenten Hugo Chavez. Urosa machte bei einer mit Spannung erwarteten Anhörung im Parlament aber auch deutlich, dass er sich nicht von der Opposition vereinnahmen lasse.
 Mehrere Stunden lang hatte sich der Kardinal den Fragen von Abgeordneten gestellt – hinter verschlossener Tür. Die Parlamentarier hatten ihn aufgefordert, einige Äußerungen gegen Chavez zu erklären. So hatte Urosa dem Präsidenten vor kurzem wiederholten Bruch der Verfassung und Schritte in Richtung einer Diktatur vorgehalten. Die Anhörung, die erst im zweiten Anlauf zustande kam, verlief nun offenbar „ruhig, sehr offen und respektvoll" – sagte der Kardinal hinterher. Vor Journalisten bestand er darauf, die Kirche habe das Recht, innerhalb der Gesellschaft ihre Stimme zu erheben, wenn es um das Gemeinwohl gehe: „Die Bischöfe wollen keine Macht, und sie sind auch nicht parteiisch."
Er habe den Abgeordneten deutlich seine Meinung gesagt – dass nämlich die von Chavez initiierte „bolivarische Revolution" auf einen „marxistischen Sozialismus" ziele, und das sei „nicht im Interesse der Venezolaner". Immerhin, so meinte die Parlamentspräsidentin Cilia Flores begütigend, habe der Kardinal „die Institutionen und die Legitimität von Präsident Chavez anerkannt". Und dass er einige Entscheidungen der Regierung für nicht verfassungskonform halte, habe Urosa als „seine Meinung" qualifiziert, nicht als Urteil. Für sowas sei schließlich das Oberste Gericht zuständig. Vor dem Parlamentsgebäude hatten sich Befürworter und Kritiker des Erzbischofs von Caracas versammelt.
Was Kardinal und Abgeordnete genau gesagt haben, wird ein Geheimnis bleiben. Schließlich hatten die Parlamentarier eine Live-Übertragung der Begegnung im staatlichen Fernsehen sicherheitshalber abgelehnt. Das Fernsehen ist die Bühne für Chavez, der in seiner Sendung „Alo Presidente" immer wieder mal Stimmung gegen die Kirche macht. Etwa, indem er Venezuelas Bischöfe als „Höhlenmenschen" abqualifiziert. Ob sich an diesem Stil jetzt etwas ändern wird, das ist die Frage.
(rv)

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Vatikan: Neue Ära für Päpstliche Bibliothek

Thursday 29. July 2010 von VH

Einige können es kaum abwarten: Drei lange Jahre haben Historiker und Wissenschaftler auf diesen Moment gewartet. Nicht mehr lange, und die frisch gestrichenen neuen Vatikan-Tore zur Päpstlichen Bibliothek werden wieder offen sein. Am 20. September ist es soweit, wie uns der Präfekt der Vatikan-Bibliothek bestätigt. Monsignor Cesare Pasini ist selber froh, dass die wertvollen Bücher wieder öffentlich zugänglich sind. Mit der Wiedereröffnung werden auch einige Neuheiten eingeführt.
„Wir werden am 13. September – also eine Woche vor Öffnungsbeginn – in einer Pressekonferenz erläutern, weshalb und was wir neu gemacht haben. Im Übrigen ist die Renovierung noch lange nicht abgeschlossen. Auch nach der Wiedereröffnung werden einige Räumlichkeiten noch geschlossen bleiben und renoviert."
Die künftigen Benützer werden neue elektronische Zugangskarten haben, sowie kabellos im Internet surfen können. Und das sind nur einige der Neuheiten, die bald Wirklichkeit werden.
„Das ist der Preis dafür, dass wir drei Jahre lang den Zugang zu den Büchern verwehren mussten. Es ist eine neue Ära für die Wissenschaftler, die unsere Dienste in Anspruch nehmen."
Altes und Neues treffen aufeinander: In den noblen Sälen der Vatikan-Bibliothek werden nicht nur „alte Schinken" zum Nachlesen aufbewahrt. Die Zukunft der Bibliothek liegt in der digitalen Welt, so der Präfekt der Bibliothek, Monsignor Cesare Pasini.
„Wir haben seit einiger Zeit angefangen, unsere Werke einzuscannen. Auch die Testphase haben wir erfolgreich abgeschlossen. Doch die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Es fehlen uns noch finanzielle Mittel, um dieses Großprojekt überhaupt weiter führen zu können. Aber wir sind zuversichtlich." (rv)

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GB: Ex-EU-Kommissar Patten zur Papstvisite

Tuesday 27. July 2010 von VH

In rund eineinhalb Monaten geht’s los – dann reist der Papst nach Schottland und England. Auch wenn im Vorfeld der Reise Kritik laut wurde, setzt Großbritannien große Hoffnungen in die Visite. Der Organisator der britischen Regierung für den Papstbesuch, Lord Chris Patten, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan:
 „Ich denke, es gibt uns die Möglichkeit, Folgendes zu zeigen: Die Regierung eines großen nichtkatholischen Landes ist in vielen Themen mit der römisch-katholischen Kirche einer Meinung. Ich denke hier vor allem an globale Gerechtigkeit, Klimawandel oder Nachhaltigkeit im Umweltbereich. Das ist weit wichtiger als die Kritik, die Einzelne äußern…"
Britische Medien hatten zuletzt die Kosten der Reise kritisiert, für die Steuergelder herangezogen werden. Für weiteren Unmut sorgten angesetzte Eintrittsgebühren der katholischen Kirchen bei manchen Papstmessen und die eingeschränkte Platzkapazität bei den liturgischen Feiern mit Benedikt XVI. Die Kosten für den viertägigen Besuch seien genau so hoch wie die Kosten eines Sitzungstages der großen Industriestaaten der Welt, der so genannten G 20. Das gibt Lord Chris Patten dann doch zu. Aber: Der Wille zur Einheit mit der katholischen Kirche muss auch sichtbare Formen finden. Und schließlich handelt es sich ja um den ersten offiziellen Staatsbesuch eines Papstes auf der Insel; Johannes Paul II. war 1982 lediglich im Rahmen eines Pastoralbesuchs nach Großbritannien gekommen.
Programm
In seinem auf vier Tage angesetzten Aufenthalt – vom 16. bis 19. September – wird Benedikt XVI. Edinburg, Glasgow, London und Birmingham besuchen. Es kommt zu Begegnungen mit Königin Elizabeth II. , dem anglikanischen Primas und Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und der Papst wird auch die Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman vornehmen. Die finalen Planungen der Papstreise nach Großbritannien laufen auf Hochtouren. (rv)

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Venezuela: Kardinal Urosa trifft Abgeordnete

Tuesday 27. July 2010 von VH

Der Erzbischof von Caracas hat einem Treffen mit dem Koordinierungsausschuss der Nationalversammlung zugestimmt. Das geht aus einem Kommuniqué der Erzdiözese Caracas hervor. Demnach findet das Gespräch von Kardinal Jorge Urosa mit den Parlamentariern an diesem Dienstag statt. Der Kardinal werde sich den Fragen der Abgeordneten stellen, heißt es weiter, und hoffe auf einen „ruhigen und nützlichen" Dialog. Das Parlament habe dem Kardinal „Sicherheit und den gebührenden Respekt gegenüber seiner Würde" garantiert, gibt das Schreiben weiter an. Bei der Befragung sollen kritische Äußerungen Urosas untersucht werden. Der Kardinal hatte die Befragung bis vor kurzem abgelehnt. (rv) 

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Vatikan: Doch kein Caravaggio

Tuesday 27. July 2010 von VH

Der Sensationsfund entpuppte sich als ein Kommunikationsfehler: Der Vatikan hat den Bericht des „L´Osservatore Romano" von vergangener Woche korrigiert. Es ging um die angebliche Entdeckung eines bislang unbekannten Caravaggio-Gemäldes. Das Bild, das die Vatikan-Zeitung vor einer Woche als möglichen Sensationsfund geschildert hatte, stamme keineswegs von dem italienischen Barockmaler Michelangelo Merisi – besser bekannt unter dem Namen Caravaggio. Die Richtigstellung kommt vom Leiter der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci. Die Qualität des in der Sakristei einer Jesuitenkirche in Rom entdeckten Gemäldes sei eher bescheiden. Die Autorin des ersten Artikels hatte darauf hingewiesen, dass noch untersucht werden müsse, ob das Gemälde tatsächlich von Caravaggio stamme. Die Vatikanzeitung hatte aber auf der Titelseite ihres Blattes und als Schlagzeile das Bild als Carvaggio-Werk gepriesen. (rv)

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Spanien: Programm des Papstbesuches

Sunday 25. July 2010 von VH

Der Erzbischof von Barcelona, Kardinal Lluís Martínez Sistach, hat am Freitag das Programm des Papstbesuches in Barcelona vorgestellt. So wird Benedikt XVI. nach seinem Besuch im Wallfahrtsort Santiago de Compostela am Abend des 6. Novembers in Barcelona ankommen. Am Sonntag wird er eine Messe in der Sagrada Familia feiern und die Kathedrale weihen. Nach der Messe wird er das Angelus-Gebet sprechen. Das Erzbistum geht von bis zu einer halben Million Besuchern aus, auch das spanische Königspaar wird erwartet. Am Nachmittag wird Benedikt XVI. ein Sozialzentrum für Familien besuchen und damit seinen Besuch in Barcelona beenden. Es ist der erste Papstbesuch in der Stadt seit 1982. Kardinal Sistach rief alle Gläubigen dazu auf, Interesse zu zeigen und an den Feierlichkeiten teilzunehmen. (rv) 

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D: Neuer Rektor am Campo Santo Teutonico

Friday 23. July 2010 von VH

Diözesanpriester Hans-Peter Fischer folgt dem Prälaten Erwin Gatz als Rektor des Campo Santo Teutonico im Vatikan. Das gab am Freitag die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) bekannt.

Zum Artikel bei   >>>Radio Vatikan<<<

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Vatikan: Lombardi: Papst nutzt Ferien für drittes Jesusbuch

Friday 23. July 2010 von VH

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Urlaub mit den Vorbereitungen für sein drittes Jesusbuch begonnen. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Wochenkommentar von Vatikansprecher Federico Lombardi hervor. Der dritte und letzte Teil sei der „Kindheitsgeschichte" gewidmet. Unmittelbar nach der Ankunft in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo habe sich der Papst der Lektüre und dem Studium gewidmet, berichtet Lombardi. Momentan arbeite er daran, sein Werk über Jesus zu vollenden. Das zweite Werk, das der Passion und der Auferstehung gewidmet ist, werde im Augenblick übersetzt und auf die Herausgabe im kommenden Frühjahr vorbereitet. Wie die Gläubigen selbst während des Angelusgebetes sehen konnten, sagte Lombardi weiter, sei der Papst bereits wieder gestärkt und guter Dinge. Das Studium sei zwar anstrengend, aber ermüde ihn nicht. (rv) 

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Kosovo: „Auf dem Balkan ist jede Entscheidung falsch”

Friday 23. July 2010 von VH

Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien im Jahr 2008 hat nicht gegen das Völkerrecht verstoßen. Zu diesem Schluss ist am Donnerstagnachmittag der internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen in Den Haag gekommen. Bei dem Urteil des Gerichtes handelt es sich um eine nicht bindende Stellungnahme. Michael Feit ist Kosovo-Experte und arbeitet für die Caritas Luxemburg. Radio Vatikan hat ihn nach Veröffentlichung des Gutachtens um eine Einschätzung gebeten. Die Fragen stellte P. Bernd Hagenkord.
 „Auf dem Balkan ist jede Entscheidung falsch, das haben schon die Diplomaten im 19. Jahrhundert immer wieder gesagt. Trotzdem bin ich froh, dass die Konflikte, wie wir sie in den 90er Jahren erlebt haben, jetzt nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern im Gericht entschieden werden. Da bin ich sehr froh. Ich denke, dass diese Entscheidung dazu beiträgt, den Balkan zu stabilisieren und nicht – wie es die Serben jetzt proklamieren – zu weiteren Auseinandersetzungen führen wird."
Warum stabilisiert ein solches Gutachten den Balkan?
„Es sorgt für Stabilität, weil jetzt die Möglichkeiten gegeben sind, tatsächlich Realpolitik zu machen. Bis jetzt konnten serbische Politiker den Kosovo nicht anerkennen. Das ging nicht. Wer sich für die Anerkennung des Kosovo ausspricht, hat in Serbien bei den Wahlen verloren. Durch das Gutachten können die serbischen Politiker jetzt sagen, dass sie alles versucht haben, sich aber jetzt mit dieser Rechtssituation abfinden müssen. Dies ist die einzige Möglichkeit, mittelfristig in die EU zu kommen. Dadurch kann jetzt Realpolitik gemacht werden. Und diese Realpolitik wird dazu beitragen, den Balkan weiter zu stabilisieren."
Es gab im Zuge der Begutachtung ja auch antiserbische Rhetorik. Ein EU-Vertreter sagte, das Urteil sei ein „Aufwärtshaken gegen das Kinn Serbiens". Das klingt ja nicht gerade versöhnlich…
„Es gibt sicherlich auch auf Seiten der EU Leute, die nicht die richtigen Worte finden. Hier muss jetzt das getan werden, was ja auch schon viele Politiker gemacht haben: Nämlich der Aufruf an beide Parteien, sich zu arrangieren im Sinne der Menschen, die dort leben, die sicherlich viele Probleme haben, sowohl in Serbien als auch im Balkan. Das sind Probleme des Alltags, ein vernünftiges Leben dort zu führen. Ich denke, dass man sich darauf konzentrieren sollte und nicht auf diplomatische Schlagabtausche."
Ein Blick auf die religiöse Situation, denn das spielt ja auch immer mit: Albaner, Kosovaren und Serben sind ja auch religiös voneinander getrennt. Ist das der Lack auf dem Konflikt oder ist das die Substanz? Wie schätzen Sie das ein?
„Wenn man das aus der Perspektive des Kosovo sieht: Die Serben, die dort leben, haben kein religiöses Problem. Natürlich sind das Serben und dadurch, dass sie in der Minderheit sind, dass sie unterdrückt sind, sind sie auch stärker religiös tätig. Die Albaner tun das eigentlich nicht. Natürlich wird die Islamisierung des Kosovo ein wenig von außen forciert und gesteuert, aber es ist nicht so stark wie in anderen Ländern. Wie gesagt, die Menschen im Kosovo haben tatsächlich andere Probleme. Sie haben eine Arbeitslosigkeit von 60 %, da haben sie andere Probleme, sich mit der Religiosität als Konflikt zu beschäftigen. Sicherlich finden viele darin einen Halt, aber sie sehen es nicht als Konfliktfeld. Ich sehe nicht, dass der Konflikt religiös geschürt werden kann."
Ist der Kosovo denn alleine überhaupt wirtschaftlich lebensfähig? Ich erinnere mich an sehr viele Diskussionen nach der Unabhängigkeit, in der viele Kommentatoren sagten, Kosovo sei überhaupt nicht alleine lebensfähig.
„Wir haben ein Handelsdefizit von 43 %. Das ist enorm und wird immer schlimmer. Wir haben ein Bruttosozialprodukt pro Kopf von 1.300 €. Im Augenblick ist der Kosovo nicht lebensfähig. Die Leute leben von dem Geld, das Kosovaren, die im Ausland leben, nach Hause zu ihren Familien schicken und wenn diese Quelle versiegt – wir haben das gesehen bei der globalen Finanzkrise – hat das einen enormen Einfluss zu Hause im Kosovo. In der derzeitigen Form mit der Korruption vor Ort geht das sicherlich nicht. Man muss die Korruption bekämpfen, man muss Infrastruktur schaffen, man muss die Basis schaffen für Investitionen. Erst dann kann der Kosovo nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich unabhängig werden." (rv)

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EU: Kirche und Europa gemeinsam gegen Armut

Friday 23. July 2010 von VH

Thron und Altar, Politik und Religion können durchaus eine heilvolle Allianz bilden – das zeigte sich an diesem Montag in Brüssel, als Vertreter der europäischen Religionsgemeinschaften mit Spitzen der europäischen Staatengemeinschaft zusammenkamen. Zum sechsten Mal trafen christliche, muslimische, jüdische und noch viele weitere Religionsvertreter das Triumvirat der EU, d.h. den Präsidenten der Kommission, des Parlaments und des Rates. Damit das Treffen sich nicht zu einem der zahlreichen Pflichttermine für die EU-Bürokratie entwickelt, hatten Kirchenvertreter dieses Jahr ein konkretes Thema gesetzt: Im europäischen Jahr gegen Armut und Ausgrenzung lag es auf der Hand, den Kampf gegen die Armut auf die Tagesordnung zu setzen. Johanna Touzel ist Sprecherin der Kommission der europäischen Bischofskonferenzen (COMECE). Im Gespräch mit Radio Vatikan erzählt sie:
 „Die EU hat sich in diesem Jahr selbst verpflichtet, die Zahl der Armen in der EU um 20 Millionen zu senken. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Und für die Politiker ist es natürlich sehr schwer, es konkret zu erreichen. Das ist der Punkt, wo Kirchen und ihre Organisationen eine wichtige Rolle spielen, da sie große Expertise in der Armutsbekämpfung haben. Wir kennen alle die extrem wichtige Arbeit, die z.B. Caritas Europa und andere christliche Sozialinitiativen leisten. Es war ein sehr interessanter Austausch mit allen drei Präsidenten, wo Religionsvertreter auf sehr theoretischem Niveau Armut definiert haben, aber auch konkrete Vorschläge an die Politik gemacht haben, wie Armut bekämpft werden kann."
Armut meint nicht nur materielle Armut, sondern hängt auch von sozialen Bindungen und Beziehungen ab. Das hatte der Vorsitzende des Rats der EU-Bischofskonferenzen, Kardinal Peter Erdö, unterstrichen. Dem schloss sich EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso an. Er sagte:
„Der Kampf gegen Armut darf nicht nur der Kampf für Beschäftigung sein. Arbeit ist ungemein wichtig und das beste Werkzeug, um Armut zu bekämpfen. Aber wir müssen darüber hinausgehen. Die gegenwärtige Situation in vielen Teilen Europas ist dramatisch und inakzeptabel."
„Armut ist eine Herausforderung, der sich die EU und die Kirchen gemeinsam stellen müssen." Diesen eindringlichen Appell richtete der Präsident der COMECE, Adrianus van Luyn, an die Konferenzteilnehmer. Doch nicht nur in Europa leiden viel zu viele Menschen unter Hunger und Entbehrungen, so van Luyn. Zwar sei es ein EU-Treffen, doch die globale Perspektive dürfe man nicht aus dem Blickfeld verlieren; Maßstab und Ziel seien nach wie vor die von der UNO ausgegebenen Millenniumsziele. Seine Sprecherin erzählt:
„Wir müssen diese Millenniumsziele erreichen, und Bischof van Luyn unterstrich, dass wir Armut nicht nur innerhalb der EU, sondern auch auf globaler Ebene betrachten und bekämpfen müssen. Das betrifft sowohl Afrika als auch die Migranten, die nach Europa kommen. Er sagte auch, dass die Ärmsten unter uns nicht zu den Opfern dieser Krise werden dürfen. Künftige Generationen dürfen nicht unsere Fehler ausbügeln, während wir es nicht schaffen, es selbst zu tun."
Mit im Bunde der katholischen Vertreter auf der Konferenz war auch Flaminia Giovanelli vom Päpstlichen Rat Justitia et Pax. Sie erinnerte daran, dass die Kirche mit ihren Projekten schon länger das tut, was Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Caritas in veritate" einforderte, dass sie nämlich „das Private und das Öffentliche einbezieht und den Gewinn nicht ausschließt, ihn aber als Mittel für die Verwirklichung humaner und sozialer Ziele betrachtet." Caritas, Liebe, betonte auch EU-Ratspräsident Herman van Rompuy:
„Das Herz einer jeden Religion ist Liebe. Deswegen sind Initiativen aus der Zivilgesellschaft und von Religionsgemeinschaften so wichtig. Jemanden richtig zu lieben, heißt, alles dafür zu tun, dass es letzten Endes keine Armen mehr gibt." (rv)

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