Ratzinger-Preisträgerin: Frauen brauchen „Diakonie des Wortes“

Die Frage der Frau in der Kirche hat in den vergangenen Jahrzehnten breiten Raum eingenommen, doch zu oft wurde und wird über sie nur in der dritten Person gesprochen – als „sie“. Das beanstandet die französische Bibelwissenschaftlerin und Ratzinger-Preisträgerin Anne-Marie Pelletier in einem Vortrag, den die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ am Samstag druckte. Pelletier hatte am 10. Oktober am Centre Sèvres, der privaten Jesuiten-Universität in Paris, zum Thema „Die Frauen, Zukunft der Kirche“ gesprochen. Dabei forderte Pelletier einen Dialog auf gleicher Höhe zwischen Männern und Frauen in der Kirche und Zugang der Frauen zur „Diakonie des Wortes“.

„Gewiss, die Frauen sind in das Feld des lehramtlichen Wortes eingetreten, aber einmal mehr in der gefährlichen Position der dritten Person“, so Pelletier. „In Wirklichkeit ist das eine alte Tradition, die nur mit frischer Farbe präsentiert wird. Das wird auch deutlich, wenn es darum geht, die Weiblichkeit der Kirche zu feiern, ihren marianischen Charakter, ihr bräutliches Wesen. Oder wenn von einer versöhnenden Komplementarität die Rede ist, im Rahmen einer Kirchlichkeit, die zwei Pole ausdeutet, den petrianischen und den marianischen, um somit dem Weiblichen einen privilegierten Ort zu geben – doch das geschieht auf eine Weise, die spekulativ und abstrakt bleibt.“

Adam macht den Mund auf und spricht: über Eva, nicht zu Eva

Als Biblistin ging Pelletier in ihrem Vortrag von der Szene der Genesis aus, in der der Mensch nach der Schöpfung der Frau sagt: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.“ (Gen 2,23). Diesem anerkennenden Wort fehle freilich das Beziehungshafte, der Mensch spricht von sich selbst als „Ich“, während die Frau in der dritten Person bleibt, die in der Sprachwissenschaft als „Nicht-Person“ gilt.

Zwar habe Papst Johannes Paul II. und vor ihm bereits Paul VI. die Frauen in Botschaften direkt angesprochen, fuhr Pelletier fort. „Dennoch wagen wir zu sagen, dass viele dieser Reden, eben indem sie sich ins Register des Sublimen einfügten, doch wieder nur in das Schema der ,gesprochenen Frauen´ verfielen. … Denn eine Frau, deren Ausnahme-Singularität allzu sehr zelebriert wird, ist wiederum eine Frau, die auf Abstand gehalten wird. Und in Wirklichkeit aus dem Raum herausgehalten wird, in dem die ernsten Fragen verhandelt werden, jene Fragen, die die Entscheidungen und die Effektivität der Macht betreffen.“ So habe dieses wohlwollende Feiern des Weiblichen die Frau letztlich zurückverwiesen auf männliche Vorstellungen, „die auf die eine oder andere Art die Strukturen der Autorität und der Leitung stützen“. Heute hingegen gehe es darum, „dass die Frauen in der Kirche am Wort teilhaben“, erklärte die Theologin.

Heute erforderlich: „dass die Frauen in der Kirche am Wort teilhaben“

Man müsse da präzise sein, es gehe nicht um ein „Sich-Nehmen“, wie die Bastille „genommen“ worden sei, aber auch nicht darum, den Frauen das Wort zu „geben“ nach Art eines Entgegenkommens. Gefordert sei vielmehr eine „Inter-Lokution“ der Frauen mit den Männern, ein Gespräch auf gleicher Ebene. Das Wort der Frauen „muss das Gehege verlassen, in das es verwiesen worden war, und eintreten in das Feld des Zuhörens und des Austauschs“, so die Theologin. Sie verwies auf das alttestamentarische Beispiel des Austausches zwischen König Salomo und der Königin von Saba (1 Kön 1-13), „das Schema einer wirklichen Begegnung zwischen einem Mann und einer Frau“. Das Thema dieser Begegnung ist Weisheit, „und auf dieser Höhe werden Männer und Frauen in der Kirche heute erwartet. Das ist die Höhe der Diakonie des Wortes. Wir wissen sehr gut, dass die Frauen heute von dieser Diakonie noch sorgfältig ausgeschlossen sind. Wir zelebrieren Maria Magdalena, die wir ,Apostelin der Apostel´ nennen, aber in der Praxis ist es nicht so. Oder, genauer gesagt, die Frauen sind ganz vorne in dieser Diakonie des Lebens der Kirche, aber noch weit entfernt von ihrer institutionellen Anerkennung.“

Anne-Marie Pelletier erhielt 2014 als erste Frau den Ratzingerpreis für Theologie. 2017 gestaltete sie auf Einladung von Papst Franziskus die Meditationen für den päpstlichen Kreuzweg am römischen Kolosseum. (rv)

Papst an Seminaristen: „Erst Priester, dann Doktoren“

 

Papst Franziskus rät angehenden Priestern, das intellektuelle Lernen nicht über das geistliche zu stellen. „Akademismus“ und die Versuchung, „aus dem Studium einfach ein Mittel der Selbstbestätigung zu machen“, drohten am Ende den Glauben zu ersticken, sagte der Papst brasilianischen Seminaristen, die er am Samstag in Audienz empfing. Priester müssten auch menschlich gut miteinander umgehen, gerade Brasilien brauche angesichts seiner derzeitigen sozialen Probleme und „skandalösen Korruption“ einen „vereinten, brüderlichen und solidarischen Klerus“ und katholische Priester, die nicht auf Karriere aus sind. Er sei sicher, dass Brasilien seine Krise überwinde, sagte der Papst den in Rom studierenden Seminaristen, und er vertraue darauf, „dass ihr hier Protagonisten werdet“.

„Vergesst bitte nicht, dass ihr, bevor ihr Gelehrte und Doktoren seid, zuerst immer Priester und Hirten des Gottesvolkes seid und bleiben müsst“, so Franziskus. Als Gegenmittel für solche Versuchungen empfahl der Papst die priesterliche Brüderlichkeit. Durch die Weihe „haben wir alle Teil am einen Priestertum Christi, und wir bilden eine echte Familie.“ Die Gnade des Sakraments verändere auch die zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Priestern. Franziskus empfahl den Seminaristen ganz praktisch: „Gemeinsam beten, die Freuden und die Herausforderungen des akademischen Lebens teilen; denen helfen, die an Heimweh leiden; miteinander spazieren gehen; wie eine Familie leben, als Brüder, ohne jemanden auszuschließen, auch nicht jene, die gerade in einer Krise sind oder vielleicht auch tadelnswertes Verhalten gezeigt haben, denn die priesterliche Brüderlichkeit schließt niemanden aus.“ (rv)

1,3 Milliarden Gläubige: Zahl der Katholiken stabil oder wachsend – außer in Europa

VATIKANSTADT – Die Zahl der Katholiken weltweit nimmt insgesamt zu: es gibt in aller Welt fast 1,3 Milliarden Gläubige, rund 17,7 Prozent der Weltbevölkerung. Nur in Europa sinkt der Anteil der katholischen Christen.

Wie aus den Daten des Statistischen Jahrbuchs zum Jahr 2015 hervorgeht, die von der vatikanischen Agentur „Fides“ bearbeitet wurden, sind dies 12 Millionen Katholiken mehr als im Vorjahr (2014).

Zum Sonntag der Weltmission am kommenden Sonntag, der dieses Jahr am 22. Oktober 2017 zum 91. Mal gefeiert wird, veröffentlicht der Fidesdienst traditionsgemäß ausgewählte Statistiken zur Übersicht über die missionarische Tätigkeit der Kirche in aller Welt.

Wie aus dem Dossier hervorgeht, leben in Afrika 1, 1 Milliarden Menschen, von denen 19,42 Prozent Katholiken sind (222 Millionen), wobei der Anteil um 0,12 Prozent anstieg.

In Amerika, sind von insgesamt 982,2 Millionen Einwohnern 63,6 Prozent Katholiken (625 Millionen), mit einem Rückgang um 0,08 Prozent.

In Asien sind von 4,3 Milliarden Einwohnern 3,24 Prozent Katholiken, (141 Millionen), die Zahl ist stabil.

In Europa wächst die Weltbevölkerung (716 Millionen), doch im zweiten aufeinander folgenden Jahr geht der Anteil der Katholiken zurück (-0,21 Prozent), so dass er derzeit noch 39,87 Prozent (285 Millionen) beträgt.

In Ozeanien leben insgesamt 38,7 Millionen Menschen, von denen 26,36 Prozent Katholiken sind (10,2 Millionen), was einen Anstieg um 0,24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, so „Fides“. (CNA Deutsch)

Vatikan: Lesesaal erstrahlt wieder im neuen Glanz

Es gibt wohl keinen schöneren Lesesaal für Bücherratten und Wissenschaftler als die Vatikanische Bibliothek mit ihrem „Salone Sistino“, dem Herzstück der Apostolischen Bibliothek. Für längere Zeit war der Saal wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, nun ist er für die Gäste der Bibliothek seit ein paar Tagen wieder geöffnet worden, wie der Präfekt der Bibliothek, Cesare Pasini, im Gespräch mit Radio Vatikan bestätigt. Das Besondere an dem Saal: Der zweischiffige Raum ist komplett mit Freskenbildern bemalt. 70 Meter lang und elf Meter breit, befindet er sich im letzten Geschoss der Bibliothek. Der Raum stammt vom Ende des 16. Jahrhunderts, eingerichtet wurde er auf Wunsch von Papst Sixtus V.

„Seit Jahren haben wir darauf gewartet, diesen Saal für alle Wissenschaftler wiederzueröffnen. Es hat länger gedauert, weil wir natürlich auch Bücher, Stühle und Tische organisieren mussten.“

Mit der Wiederöffnung des Saales schließt offiziell auch die Komplettrenovierung der Bibliothek.

„Wir hatten zuvor die gesamte Bibliothek für etwa drei Jahren komplett verschlossen gehalten, um die Renovierungsarbeiten anzugehen. Dieser letzte Schritt mit dem ,Salone Sistino‘ wurde sogar schon 1997 begonnen,und wir können nach 20 Jahren sagen: Das ist sehr schön geworden.“

Pasini kann stolz auf seine Bestände sein, sie gehören zu den wertvollsten der Welt. Neben den neueren Beständen zählt die Bibliothek heute über 150.000 Handschriftenbände, ferner über 300.000 Münzen und Medaillen. Insgesamt besitzt die Vatikanische Bibliothek heute mehr als zwei Millionen Bücher und Manuskripte. Zugänglich ist der „Salone Sistino“ nur auf Voranmeldung und für Wissenschaftler, die zuvor im Sekretariat eine entsprechende Akkreditierung erhalten haben. (rv)

„Dan Brown kann mich nicht zitieren, um Gott zu leugnen“, erklärt Wissenschaftler

Der Bestseller-Autor habe offenbar weder die Wissenschaft verstanden noch die Religion, kritisiert ausgerechnet der Professor, dessen Doppelgänger der Held des neuesten Brown-Buchs ist.

Jeremy England, Doktor der Physik an der Stanford University, arbeitet als Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine der führenden Universitäten der Welt. Dan Brown schuf den Charakter Edmond Kirsch für sein Buch „Origin“ und benutzte dafür England und seine Forschungen zum Ursprung des Lebens als Grundlage.

Anlässlich der Vorstellung von „Origin“ bei der Frankfurter Buchmesse versicherte Dan Brown vor Kurzem in einer Erklärung an die Presse, dass er sich durch die Frage, „ob Gott die Wissenschaft überleben werde“ inspirieren ließ.

Im selben Gespräch gab Brown selbst die Antwort: Nein. Und er fragte sich weiter: „Sind wir heute so naiv zu glauben, dass die Götter der Gegenwart überleben werden und dass es sie auch in hundert Jahren noch geben wird?“

Offenbar meinte der Bestseller-Autor das wirklich ernst, denn er fuhr fort, dass „Gott durch eine Art globales Bewusstsein, das wir wahrnehmen, und das sich zu unserer Gottheit entwickeln wird, ersetzt werden“ wird.

Professor England, der sich selbst als orthodoxen Juden betrachtet, sagte in einem Artikel, der von der amerikanischen Tageszeitung Wall Street Journal veröffentlicht wurde, dass „Dan Brown mich nicht zitieren kann, um Gott zu leugnen.“

Der Wissenschaftler bemerkte erst kürzlich, dass Brown seinen „Doppelgänger“ ins Buch aufgenommen hatte und auch wenn England der Meinung ist, dass „die Beschreibung, die Brown von ihm mache, schmeichelhaft ist, so irrt der Schriftsteller doch, was die Bedeutung meiner Forschung angeht.“

„Eine seiner Figuren erklärt, dass mein literarischer Doppelgänger das ‚zugrundeliegende physische Prinzip identifiziert haben könnte, welches den Ursprung und die Evolution des Lebens antreibe.‘ Wenn die Theorie des fiktiven Jeremy England korrekt ist, suggeriert das Buch, wäre das eine transzendentale Widerlegung aller anderen Schöpfungsgeschichten. Alle Religionen könnten obsolet werden“, erläuterte England.

Für den Wissenschaftler des MIT „wäre es ein Leichtes, die Theorien meines fiktiven Ich aufgrund der kurzen Beschreibung von Herrn Brown zu kritisieren, aber es wäre auch ungerecht.“

„Meine echte Forschung darüber, wie lebens-ähnliche Verhaltensweisen in unbelebter Materie entstehen ist offen zugänglich, während die Arbeit der Figur Dan Browns nur vage beschrieben wird.“

Im Buch von Dan Brown „gibt es keine wirkliche Wissenschaft, über die zu diskutieren wäre“, betonte er.

„Meine wirkliche Sorge hat mit der Haltung meines Doppelgängers im Buch zu tun“ präzisierte er, denn er wird dargestellt als „futuristischer Milliardär, dessen Mission es ist, zu beweisen, dass die Wissenschaft Gott irrelevant gemacht hat.“

Der amerikanische Wissenschaftler erklärte, dass „die Sprache der Physik äußerst nützlich sein kann, um über die Welt zu sprechen, aber niemals kann sie alles ansprechen, was über das menschliche Leben gesagt werden muss.“

England führte als Beispiel an, dass „Gleichungen auf elegante Weise erklären, wie sich ein Flugzeug in der Luft halten kann, aber sie können das Staunen eines Menschen, der über den Wolken fliegt, nicht vermitteln.“

„Ich bin enttäuscht von meinem fiktiven Selbst, weil es so vergnügt desinteressiert ist an dem, was jenseits der engen Grenzen des technischen Bereichs liegt“, sagte er.

„Ich bin Wissenschaftler, aber ich studiere auch die hebräische Bibel und lebe nach ihr. Für mich ist die Vorstellung, dass die Physik beweisen könne, dass der Gott Abrahams nicht der Schöpfer und Herrscher der Welt ist, ein schwerwiegendes Missverständnis sowohl der wissenschaftlichen Methode als auch der Funktion des biblischen Textes.“

„Die Wissenschaft ist ein Annäherung an die allgemeine Erfahrung. Sie behandelt das, was objektiv messbar ist, indem sie Modelle erfindet, die die teilweise Vorhersehbarkeit der Welt zusammenfassen“, erklärte er.

„Im Gegensatz dazu sagt der biblische Gott im brennenden Dornbusch zu Mose: ‚Ich bin, der Ich-bin-da‘. Das bezieht sich auf die Ungewissheit, welche die Zukunft für alle darstellt. Keine Vorhersage kann die Frage, was als nächstes passieren wird, vollständig beantworten.“

„Die Menschen werden immer eine Entscheidung darüber treffen müssen, wie sie sich zur unbekannte Zukunft verhalten. Die Begegnungen Gottes mit den jüdischen Propheten werden oft mit Begriffen des Bundes beschrieben, teils auch um hervorzuheben, dass das Erkennen der Hand Gottes, der wirkt, mit einer bewussten Entscheidung beginnt, die Welt auf eine gewisse Weise zu sehen.“

England betonte, dass es „kein wissenschaftliches Argument gebe“ durch das man darauf vertrauen könne, „dass Gott durch die Ereignisse der Welt spricht“, aber „die Wissenschaft kann dies auch auf keinerlei Weise widerlegen, denn das liegt außerhalb der Reichweite ihrer Forschung.“

Für den amerikanischen Wissenschaftler ist „die wichtigste Frage“, ob „wir weiterhin über Gott lernen müssen? Im Licht all dessen, was ich weiß, bin ich mir meinerseits sicher, dass es so ist.“ (CNA Deutsch)

Österreich: Heiligenkreuz distanziert sich von Gastprofessor

Die Hochschule Heiligenkreuz distanziert sich von einem ihrer Gastprofessoren, der eine öffentliche „Zurechtweisung des Papstes“ unterzeichnet hatte. Dieser habe die Unterschrift zwar „einzig und allein in seinem Namen“ geleistet, doch könne man nicht hinnehmen, dass sein Verhalten „einen Schatten“ auf die Hochschule werfe, heißt es in einer Erklärung, die auf der Internetseitseite der Lehrstätte veröffentlicht wurde. Namentlich wurde der Gastprofessor, bei dem es sich um den St.-Pöltener Philosophieprofessor Thomas Stark handelt, nicht genannt.

Seit der Gründung 1802 gehöre es zum Wesensprofil der Hochschule Heiligenkreuz, „unverbrüchlich ‚cum Petro et sub Petro’“ (zu Deutsch: „mit und unter Petrus“) zu lehren und zu handeln, heißt es in der Stellungnahme von Abt Maximilian Heim und Hochschulrektor Pater Karl Wallner. „Wir stellen daher klar, dass die Hochschule Heiligenkreuz dem römischen Lehramt in allem aufs engste verbunden ist und wir es als unsere größte Ehre und erste Pflicht ansehen, dem jeweiligen Petrusnachfolger, das heißt unserem Heiligen Vater Papst Franziskus, die Treue zu halten“, so die Erklärung weiter. Das Zisterzienserkloster Stift Heiligenkreuz ist Träger der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI., an der der Gastprofessor dem Institut für Philosophie angegliedert ist.

Harsche Kritik am Papst

Die Unterzeichner des in mehreren Sprachen publizierten Dokuments „Correctio filialis de haeresibus propagatis“ („Kindliche Zurechtweisung über die Verbreitung von Häresien“) vertreten die Ansicht, Franziskus habe „auf direkte oder indirekte Weise“ häretische Standpunkte zu Ehe, Moral und Sakramentenlehre gefördert. Zentraler Auslöser für den Vorstoß ist das Schreiben „Amoris laetitia“ von 2016. Unterschrieben ist die Erklärung von 62 Laien und Klerikern, unter ihnen der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach, der frühere Chef der Vatikanbank IOR Ettore Gotti Tedeschi sowie der Generalobere der lefebvrianischen Priesterbruderschaft Pius X., Bernard Fellay als einziger Bischof. (rv)

Großbritannien: Kein Brexit für die katholische Kirche

Die katholische Kirche im Vereinigten Königreich wird auch nach dem Brexit weiter mit den europäischen Bischofskonferenzen zusammenarbeiten. „Unabhängig des Status des Vereinigten Königreichs zur EU, wird die katholische Kirche in England und Wales immer Teil der europäischen Kirche sein“, heißt es in einer Meldung nach Gesprächen in Brüssel. Demnach sollen die Beziehungen zwischen der englischen Bischofskonferenz und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece) beibehalten und verstärkt werden. (rv)

Philippinischer Kardinal Vidal gestorben

Kardinal Ricardo Vidal ist tot. Der ehemalige Erzbischof von Cebu starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Infektion. Vidal leitete die Diözese von 1982 bis 2011, bekannt war er vor allem für seine kurzen Predigten. Papst Franziskus hob in einem Kondolenzschreiben dessen „Eintreten für Dialog und Frieden“ hervor. Der Vorsitzende der Philippinischen Bischofskonferenz, Erzbischof Socrates Villegas, würdigte Vidals „Weisheit und seine Demut, seine Liebe zu den Priestern und seine Hingabe an die Jungfrau Maria“.

Nach dem Tod des ältesten der vier philippinischen Kardinäle zählt das Kardinalskollegium noch 219 Mitglieder. 120 von ihnen sind unter 80 Jahre alt und wären somit bei einer Papstwahl stimmberechtigt. (rv)

Papst Franziskus erklärt, warum er Interviews gibt

VATIKANSTADT – Papst Franziskus erklärt in einem neuen Buch, warum er Interviews gibt. Und warum er die Gewohnheit, sie nicht zu geben, als er noch Erzbischof von Buenos Aires in Argentinien war, abgelegt hat.

Der Pontifex spricht darüber im Buch „Adesso fate le vostre domande“ („Jetzt könnt ihr eure Fragen stellen“), in dem Jeusitenpater Antonio Spadaro, Chefredakteur der Zeitschrift La Civilta Cattolica, die von den Jesuiten herausgegeben wird, verschiedene, größtenteils schon bekannte Interviews gesammelt hat.

Im Vorwort erinnert sich Papst Franziskus, dass er „in Buenos Aires ein bisschen Angst vor den Journalisten hatte. Ich dachte, sie könnten mich in Schwierigkeiten bringen und deshalb habe ich keine Interviews gegeben. Aber eines Tages habe ich mich von Francesca Ambrogetti überzeugen lassen und an das Gute gedacht, dass dadurch geschehen könnte.“

Francesca Ambrogetti und Sergio Rubin sind die Journalisten, die El Jesuita geschrieben haben, die erste genehmigte Biographie von Jorge Mario Bergoglio, dem damaligen Erzbischof von Buenos Aires.

„Als ich dann Papst war, kam Pater Antonio Spadaro und bat mich um ein Interview. Meine spontane Reaktion war Unsicherheit, so wie in der Vergangenheit, und ich sagte Nein. Später spürte ich, dass ich Vertrauen haben konnte, dass ich vertrauen musste. Und ich akzeptierte“, so weiter Papst Franziskus.

Dann erklärt er, was er über die Pressekonferenzen denkt, die er auf der Rückkehr von seinen internationalen apostolischen Reisen gewährt: „Nach diesem ersten Interview im August 2013 kamen die anderen, auch die im Flugzeug, wenn ich von apostolischen Reisen zurückkomme. Auch da, bei den Reisen, schaue ich den Leuten gerne in die Augen und antworte ehrlich auf die Fragen.“

„Ich weiß, dass ich vorsichtig sein muss und hoffe, es zu sein. Ich bete immer zum Heiligen Geist, bevor ich die Fragen anhöre und antworte. Und so, wie ich die Klugheit nicht verlieren darf, darf ich auch das Vertrauen nicht verlieren“, fährt er fort.

„Ich weiß, dass mich das verletzlich machen kann, aber das ist ein Risiko, das ich eingehen will. Die Interviews haben für mich immer pastoralen Wert. Alles, was ich tue, hat pastoralen Wert, auf eine Weise oder auf die andere“, betont er.

„Wenn ich dieses Vertrauen nicht hätte, würde ich keine Interviews geben, das ist mir selber sehr klar. Es ist eine Art der Kommunikation in meinem Dienst. Und ich verbinde die Gespräche bei den Interviews mit der täglichen Form meiner Predigten in Santa Marta, das sozusagen meine ´Pfarrei´ ist.“

Der heilige Vater erläutert auch, dass er „diese Kommunikation mit den Leuten“ brauche. In Santa Marta, der Kapelle in der er jeden Tag die Heilige Messe feiert, „kommen 25 Personen aus einer römischen Pfarrei, zusammen mit anderen. Ich brauche diese direkte Kommunikation mit den Leuten wirklich.“

„Ein Interview zu geben ist nicht, wie an den Lehrstuhl zu gehen: Es bedeutet, sich mit Journalisten zu treffen, die dir oft die Fragen der Leute stellen. Was ich gerne mache, ist mit kleinen Zeitschriften oder Tageszeitungen zu reden. Da fühle ich mich in meinem Element. Denn in diesen Fällen höre ich wirklich die Fragen und die Sorgen der normalen Leute.“

Franziskus hebt hervor, dass er in den Interviews versucht, „spontan zu antworten; bei einem Gespräch will ich verständlich sein. Ich benutze auch eine einfache, volksnahe Sprache. Für mich sind die Interviews ein Dialog, keine Unterrichtsstunde.“

„Deshalb bereite ich mich nicht vor. Manchmal bekomme ich die Fragen schon vorher, aber ich lese sie fast nie und denke dann darüber nach. Es fällt mir einfach nichts ein. Andere Male, im Flugzeug, stelle ich mir die Fragen vor, die kommen könnten. Aber um zu antworten, muss ich den Personen begegnen und ihnen in die Augen schauen. Ja, ich fürchte immer noch, missverstanden zu werden. Aber – ich wiederhole – dieses pastorale Risiko will ich eingehen.“ (CNA Deutsch)

PRO POPE FRANCIS: Unterstützer gegen kirchliche Papstkritiker

Unterstützer um Papst Franziskus haben jetzt eine Gegeninitiative ins Leben gerufen. Sie nennt sich „PRO POPE FRANCIS“ (PPF) und hat einen internationalen Hintergrund. Das von den Unterstützern unterzeichnete öffentliche Dokument hat folgenden Originaltext auf ihrer Website (PPF):

Hochgeschätzter Papst Franziskus!

Ihre Pastoralen Initiativen und deren theologische Begründung werden derzeit von einer Gruppe in der Kirche scharf attackiert. Mit diesem öffentlichen Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für ihre mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind.

Es ist Ihnen in kurzer Zeit gelungen, die Pastoralkultur der katholischen Kirche von ihrem jesuanischen Ursprung her zu reformieren. Die verwundeten Menschen, die verwundete Natur gehen Ihnen zu Herzen. Sie sehen die Kirche an den Rändern des Lebens, als Feldlazarett. Ihr Anliegen ist jeder einzelne von Gott geliebte Mensch. Das letzte Wort im Umgang mit den Menschen soll nicht ein legalistisch, sondern ein barmherzig interpretiertes Gesetz haben. Gott und seine Barmherzigkeit prägen die Pastoralkultur, die Sie der Kirche zumuten. Sie träumen von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“. Diesen Ihren Traum teilen wir.

Wir bitten Sie, von diesem eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen und sichern Ihnen unsere volle Unterstützung und unser stetes Gebet zu.

Die Unterzeichner“

Das kurze und leider wenig aussagekräftige Dokument zielt gegen die Papstkritiker der „Correctio filialis“. Scheinbar haben die Befürworter nicht so recht begriffen, das die Kritik gegen den Papst nicht nur aus den kirchlichen Kreisen kommt, sondern derzeit schon weit verbreitet unter den Gläubigen der ganzen Welt anzutreffen ist. Zudem sprechen die Unterzeichner von einer „in kurzer Zeit gelungenen Pastoralkultur in der katholischen Kirche“, Argumente liefern sie dafür jedoch keine. Das Dokument ist hastig schnell mit der heißen Nadel gestrickt und liefert kein einziges überzeugendes Argument gegen die Kritikinhalte der „Correctio filialis“.

Quelle: Radio Vatikan (Screenshot am 17. Oktober)

Das Radio Vatikan unter der Schlagzeile „Pro Pope Francis: Initiative zur Unterstützung des Papstes“ rasch diese Gegeninitiave verbreitet ist verständlich. Unverständlich ist aber, dass man es hier unterlassen hat vorher die aktuellen Fakten zu recherchieren. So liest man in dem Artikel:

„Initiatoren von „Pro Pope Francis“ sind die Theologen Paul Zulehner aus Wien und Thomas Halik aus Prag. Mit der Initiative stellen sich die Unterzeichner und Unterstützer gegen 62 Papstkritiker, die Franziskus in einer „Zurechtweisung“ Ende September aufgefordert haben, sich von „Irrlehren“ zu distanzieren.“

Mit Stand 17. Oktober hat „Correctio filialis“ nicht 62, sondern 245 Signatoris und bei den angeführten Initiatoren weiß vielleicht Radio Vatikan mehr als die offizielle Website, denn hier wird nur der emerit. UnivProf. Dr. Dr. Paul M. Zulehner im Impressum genannt.

Festzustellen bleibt, PPF ist eine bedauernswerte Initiative für „Amoris laetitia“ und den Papst. Die Kritiker wird PPF eher lächeln lassen und zum überfälligen Dialog zu „Amoris laetitia“ trägt sie nichts bei. (vh)