Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

„Nicht herumreden, sondern in See stechen und die Netze auswerfen“

Samstag 9. September 2017 von VH


Papst Franziskus predigt vor einer Million Menschen in Bogota – Klare Absage an Abtreibung, Diskriminierung und Ungerechtigkeit – Appell an Nächstenliebe und Zusammenhalt.

BOGOTÁ – Vor über einer Million Gläubigen hat Papst Franziskus an seinem ersten vollen Tag in Kolumbien im „Simon Bolivar“-Park die heilige Messe gefeiert.

Angesichts der Menschenmenge erinnerte Franziskus an das Bild des Meeres. Der Papst griff damit die Stelle in der Bibel auf, in der Jesus am See Gennesaret – dem Galiläischen Meer – predigt.

So wie das fruchtbare Meer den Fischern auch Enttäuschung bedeuten kann, so könne auch das so reiche und fruchtbare Kolumbien seinen Menschen „dichte Finsternis“ bedeuten, so Franziskus weiter, „die Finsternis der Ungerechtigkeit und der sozialen Ungleichheit; die korrumpierende Finsternis von Einzel- oder Gruppeninteressen, die auf egoistische und hemmungslose Weise aufbrauchen, was für das Wohlergehen aller bestimmt ist; die Finsternis der Missachtung des menschlichen Lebens, die täglich der Existenz so vieler Unschuldiger ein Ende setzt, deren Blut zum Himmel schreit; die Finsternis des Rachedurstes und des Hasses, welche die Hände derer mit menschlichem Blut besudelt, die sich selbst Recht verschaffen wollen; die Finsternis derer, die angesichts des Schmerzes so vieler Opfer gefühllos werden.“ Der Papst betonte:

All diese Finsternisse vertreibt und vernichtet Jesus mit seinem Befehl auf dem Schiff Petri: »Fahr hinaus auf den See« (vgl. Lk 5,4).

Was daraus zu lernen sei? Für Christen gehe es darum, nicht herumzudiskutieren, wenn Versuche scheitern, erklärte Franziskus.

Wir können uns mit endlosen Diskussionen aufhalten, gescheiterte Versuche aufzählen und eine Liste der Bemühungen erstellen, die zu nichts geführt haben; so wie Petrus wissen wir, was es heißt, ohne jeglichen Erfolg zu arbeiten.

Statt des Herumredens müsse ein Christ jedoch wieder hinaus auf das Meer fahren und seine Netze auswerfen.

In Bogotá und in ganz Kolumbien, so der Papst, sei eine sehr große Gemeinschaft unterwegs, die gerufen sei, ein robustes Netz zu werden, das alle in der Einheit versammelt. Franziskus mahnte:

Dabei soll sie sich für den Schutz und die Achtung des menschlichen Lebens einsetzen, insbesondere dann, wenn es am schwächsten und ganz verwundbar ist: im Mutterschoß, im Kindesalter, im Alter, im Fall von Behinderung und in Situationen sozialer Ausgrenzung.

Auch den vielen Menschen, die in Bogotá und Kolumbien leben, kann es gelingen, eine wahrhaft lebendige, gerechte und solidarische Gemeinschaft zu werden, wenn sie das Wort Gottes hören und annehmen, so Franziskus weiter. Aus dieser Schar von evangelisierten Menschen wiederum würden dann viele Männer und Frauen hervorgehen, die zu Jüngern geworden sind und mit einem wahrhaft freien Herzen Jesus folgen; Männer und Frauen, die fähig seien, das Leben in all seinen Abschnitten zu lieben, zu achten und zu fördern.

Wir müssen uns gegenseitig zurufen und uns Zeichen geben wie die Fischer; wir müssen uns wieder als Brüder, als Weggefährten und Teilhaber dieses gemeinsamen Unternehmens, das die Heimat darstellt, betrachten. Bogotá und Kolumbien sind Ufer, See, offenes Meer und Stadt zugleich, wo Jesus hingekommen ist und hinkommt, um seine Gegenwart und sein fruchtbares Wort zu schenken, um uns der Finsternis zu entreißen und uns zum Licht und Leben zu führen. Wir müssen die anderen, alle rufen, damit niemand der Willkür der Unwetter ausgeliefert bleibt; um alle Familien, die das Heiligtum des Lebens sind, ins Boot steigen zu lassen; um das Gemeinwohl über kleinliche oder Sonderinteressen zu stellen; sich um die Schwächsten kümmern und ihre Rechte zu fördern. (CNA Deutsch)

Kategorie: Papstreisen | Keine Kommentare »

Papst an Kolumbiens Bischöfe: Keine „Kaste von Funktionären“

Freitag 8. September 2017 von VH


Papst Franziskus hat die Bischöfe Kolumbiens dazu aufgerufen, Hirten zu sein und nicht Funktionäre, sich nicht den Machthabenden anzudienen, auf geheime Absprachen zu verzichten und dem Land zu helfen, „mutig den ersten Schritt auf dem Weg zum endgültigen Frieden zu tun“. In einer langen und artikulierten Rede äußerte sich der Papst vor den 130 Bischöfen Kolumbiens in Bogota; es war das erste Mal bei einer Reise von Franziskus, dass die Ansprache an den Episkopat eins zu eins öffentlich übertragen wurde.

Franziskus machte das Motto seiner Kolumbienreise, „Tun wir den ersten Schritt“, zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Der erste Schritt, das sei jener Gottes auf den Menschen zu. Diesen ersten Schritt müssten die Bischöfe „mit heiliger Furcht und Ergriffenheit“ behüten, keinesfalls dürfe der Weg hin zur Logik einer weltlichen Macht führen.

„Gott geht uns voraus; wir sind die Reben, nicht der Weinstock. Deshalb bringt nicht die Stimme dessen zum Schweigen, der uns gerufen hat. Glaubt nicht, dass die Summe eurer armseligen Tugenden oder die Schmeicheleien der jeweiligen Mächtigen den Erfolg der euch von Gott anvertrauten Aufgabe garantieren. Im Gegenteil: Bettelt im Gebet, damit ihr denen etwas schenken könnt, die sich immerfort an euer Herz als Hirte wenden.“

Um ihre Identität als „Sakrament des ersten Schrittes Gottes greifbar zu machen“, sei es Aufgabe der Bischöfe, ständig aus sich selbst „herauszugehen“. Franziskus nannte dies geradezu eine „Bedingung für die Ausübung des apostolischen Dienstes“: die „Bereitschaft, sich Jesus zu nähern und alles hinter uns zu lassen, was wir waren“.

Bischöfe sind keine „Kaste von Funktionären“

„Passt euch nicht dem Maßstab derer an, die gerne möchten, ihr wärt bloß eine Kaste von Funktionären, die sich dem Diktat der Gegenwart beugen. Heftet hingegen euren Blick auf die Ewigkeit dessen, der euch erwählt hat, und seid bereit, das endgültige Urteil aus seinem Mund zu hören.“

Franziskus würdigte die Kirche Kolumbiens als besonders vielfältig. Unterschiedliche pastorale Sensibilitäten und regionale Eigenheiten seien bereichernd. Zugleich mahnte der Papst die kolumbianischen Bischöfe zu Einheit und Transparenz. „Bemüht euch ständig um die Bewahrung der Gemeinschaft unter euch. Werdet nicht müde, sie durch den offenen und brüderlichen Dialog aufzubauen, und meidet heimliche Projekte wie die Pest.“

Kolumbien braucht seine Bischöfe

Kolumbien brauche seine Bischöfe besonders für die Arbeit am Frieden, fuhr der Papst sinngemäß fort. Die Bischöfe sollten „ohne Angst das verwundete Fleisch eurer Geschichte und eures Volkes“ berühren – „in Demut, ohne Geltungssucht und mit ungeteiltem Herzen, frei von Kompromissen und Unterwürfigkeiten“. Gott allein sei der Herr, „wir Bischöfe dürfen keinem anderen Zweck dienen“.

Und Franziskus nannte eine Reihe von Herausforderungen für Kolumbien: der Weg zum endgültigen Frieden, Versöhnung, Ablehnung der Gewalt, „Überwindung der Ungleichheiten, welche die Wurzel vielen Leidens ist“, Verzicht auf Korruption, Festigung der Demokratie, „wofür Armut und Ungleichheit überwunden werden müssen“. Zum Meistern all dieser Herausforderungen brauche Kolumbien seine Bischöfe, sagte der Papst; Bischöfe, denen das Gewissen ihrer Gläubigen ein Anliegen ist.

„Ihr seid weder Fachleute noch Politiker, ihr seid Hirten. Christus ist das Wort der Versöhnung, das in unsere Herzen eingeschrieben ist. Ihr habt die Kraft, es nicht nur von den Kanzeln, in kirchlichen Dokumenten oder in Zeitschriftenartikeln verkünden zu können, sondern noch mehr in den Herzen der Menschen, im verborgenen Heiligtum ihrer Gewissen, in der glühenden Hoffnung, dass es sie dazu führt, die Stimme des Himmels zu hören, die sagt: Friede.“

Bischöfe sollen auf konkreten Menschen schauen und nicht auf ihre Idee von Menschen

Ebenso bat der Papst die Bischöfe, „stets auf den konkreten Menschen zu blicken“ und nicht „einem Begriff vom Menschen“ zu dienen. Menschen seien gebildet aus Fleisch und Knochen, aber auch aus „Geschichte, Glaube, Hoffnung, Empfindungen, Enttäuschungen, Frustrierungen, Schmerzen, Wunden“. Franziskus rief die Bischöfe dazu auf, für die Bildung von Laien zu sorgen, die kolumbianische Familie zu stärken, die Jugendlichen wertzuschätzen und ihren Fragen großherzige Räume zu öffnen. Überdies sollten sie ihren Priestern Väter sein und darauf achten, ob diese wirklich Jesus nachfolgten oder eher auf wirtschaftliches Auskommen, Doppelleben oder Karriere aus seien. Auch die Ordensleute sollten die Bischöfe nicht vernachlässigen, die in ihrer Lebensform eine „Ohrfeige für jede Form von Weltlichkeit“ seien.

Am Ende seiner Rede ging Franziskus – eher überraschend an dieser Stelle – auf den Schatz ein, den das Amazonasgebiet und die dort beheimateten Indigenen für Kolumbien und die Kirche darstellen. Er forderte die Bischöfe dazu auf, „die Kirche in Amazonien nicht sich selbst zu überlassen“ und würdigte die „arkane Weisheit“ der Indigenen, von der es zu lernen gelte. „Ich frage mich, ob wir noch fähig sind, von ihnen die Unantastbarkeit des Lebens und die Achtung der Natur zu lernen sowie das Bewusstsein, dass die instrumentelle Vernunft nicht genügt, um das Leben des Menschen zu erfüllen und auf die tiefe Suche, die ihn anfragt, zu antworten.“

Der Episkopat Kolumbiens gilt seit jeher als sehr konservativ ausgerichtet. In dem instabilen und von Konflikten gezeichneten Land wurde die Kirche historisch als Faktor der Stabilität gesehen. Die rund 90 heute amtierenden Bischöfe stehen zwar grundsätzlich hinter dem aktuellen Prozess des Friedens und der Versöhnung und wirkten tatkräftig am Zustandekommen des Friedensvertrages zwischen Regierung und FARC-Rebellen mit; allerdings empfahl die Bischofskonferenz bei der Volksabstimmung kein „Ja“, sondern eine „Gewissensentscheidung“, was ihr als mangelnde Unterstützung zu dem Abkommen ausgelegt wurde. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

Franziskus an Jugendliche in Kolumbien: Lasst Euch nicht die Freude und Hoffnung nehmen

Donnerstag 7. September 2017 von VH


BOGOTÁ – Es war eine emotionale Begegnung mit Tiefgang: Als Papst Franziskus am gestrigen Abend (Ortszeit) bei der Apostolischen Nuntiatur in Bogota ankam, ermutigte er die Jugendlichen, sich nicht „die Freude und die Hoffnung“ rauben zu lassen.

„Danke für die Freude, danke für den Mut. Lasst euch die Freude nicht rauben. Was dürft ihr euch nicht rauben lassen?“ fragte der Heilige Vater.

Die Jugendlichen antworteten: „Die Freude!“

„Niemand darf sie euch nehmen, niemand soll euch täuschen. Lasst euch die Hoffnung nicht stehlen. Was dürft ihr euch nicht stehlen lassen?“, so weiter der Heilige Vater.

„Die Hoffnung!“, lautete die Antwort der Anwesenden.

Das Treffen war umrahmt von einem musikalischen Akt, bei dem auch Raps und traditionelle Tänze auf dem Programm standen, die von den Jugendlichen des Instituto Distrital para la Protección de la Niñez y la Juventud („Bezirksinstitut zum Schutz der Kindheit und Jugend“, kurz Idipron), einer vom Salesianer Pater Javier de Nicolo gegründeten Organisation, aufgeführt wurden. Das Institut betreut Kinder und Jugendliche in Situationen sozialer Gefährdung und Not.

Der Papst bedankte sich für „die Mühe, die ihr euch gemacht habt. Vielen Dank für den Weg, den ihr vorbereitet habt. Das nennt sich Heroismus.“

„Auch die Jüngsten und die Ärmsten können Helden sein. Sie haben im Irrtum gelebt, sie haben Fehler gemacht, sie sind aufgestanden und sind Helden und gehen vorwärts. Macht weiter! Macht weiter so!“, forderte er sie auf.

Nach der musikalischen Darbietung der Jugendlichen des Instituts, trugen Angie und Ferney dem Papst ihr Zeugnis vor. Das junge Mädchen sagte zum Papst, die Jugendlichen würden die „Einladung, den ersten Schritt zu tun, annehmen. Wir haben verstanden, dass Sie das gleiche für uns tun, indem sie von so weit weg hierher kommen.“

„Wie versichern Ihnen, dass wir den unseren tun werden, nicht nur, indem wir Ihnen zuhören und uns ihre Vorschläge der Humanisierung der Ausgegrenzten in unserer Gesellschaft anschließen, sondern auch, indem wir uns dafür einsetzen, über die Versuchungen zu siegen, die uns bedrängen und zerstören“, fügte sie hinzu.

„Dieser Tag wird in unserer Erinnerung und in unserem Herzen unauslöschlich bleiben“, so die Jugendliche.

Ferney betonte, dass „der Schmutz, der uns auf den Straßen schlafen lässt, uns scheinbar unsichtbar macht für einige Herzen, für die wir einfach nur Bedürftige sind, die weggeworfen werden sollten und verschwinden müssten.“

Aber: „Wir sind menschliche Wesen, die zu etwas dienen können, und wir danken jenen, die uns nach dem Beispiel Jesu die Hand reichen, ohne zu urteilen und mit dem Finger auf uns zu zeigen.“

Dann überreichten die Jugendlichen dem Papst drei Geschenke: eine Ruana, eine Kerze und ein Hinterglasbild.

Die Ruana, ein traditionelles Kleidungsstück, das man in vielen Ländern auch „Poncho“ nennt, ist ein Zeichen für „die Arbeitsamkeit unserer Handwerker, der Jugendlichen des IDIPRON, die ihn mit ihren eigenen Händen gewebt haben.“

Als Zeichen der Dankbarkeit zog sich der Papst die Ruana an und lächelte.

Die Kerze, die von den Jugendlichen hergestellt worden war, die in der ersten Phase ihres Weges sind, der sie von der Straße wegbringen soll, symbolisiert „das Licht, das Sie für jeden von uns sind, die wir Christus folgen und an ihn glauben, der uns als Auferstandener erleuchtet.“

Am Ende überreichten die Jugendlichen dem Papst ein Hinterglasbild mit dem Bild einer Monstranz, als Zeichen dafür, dass wir „in ihrem Herzen bleiben wollen und damit sie sich an all diese Jugendlichen erinnern, die an Sie glauben und auf Sie vertrauen“.

Nachdem der Papst die Geschenke entgegengenommen hatte, nahm ergriff er erneut das Wort und sagte: „Darf ich euch um einen Gefallen bitten? Betet für mich. Werdet ihr das tun? Gott segne euch und vielen Dank für die schönen Geschenke.“ (CNA Deutsch)

Kategorie: Papstreisen | Keine Kommentare »

Papst in Kolumbien angekommen: „Eine etwas besondere Reise“

Donnerstag 7. September 2017 von VH


„Eine etwas besondere Reise“: so hatte Papst Franziskus während seines zwölfstündigen Fluges die kommenden Tage in Kolumbien bezeichnet. Gegen 23 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ist er in der Hauptstadt Bogotá gelandet und hat sein Besuchsprogramm dort begonnen.

Wegen des Hurrikans Irma über der Karibik hatte die Papst-Maschine einen Umweg nehmen müssen. Zum Empfang am Militärflughafen hatte die kolumbianische Regierung unter anderem Teilnehmer der Friedensverhandlungen mit den Guerilla-Organisationen FARC und ELN, Vertreter der indigenen Verbände und sozialer Stiftungen, Künstler, Sportler, Gouverneure und Bürgermeister eingeladen. Offizieller Vertreter des Staates war Präsident Juan Manuel Santos, dem Papst Franziskus bei seinen Friedensbemühungen zwischen Regierung und Rebellen nach eigener Auskunft sehr geholfen hatte.

Besonders sei die Reise, weil sie weiterhin Kolumbien „helfen solle, auf seinem Weg des Friedens weiter zu gehen“, hatte der Papst im Flugzeug zu den mitreisenden Journalisten gesagt. Damit ist eines der Themen für die kommenden Tage gesetzt. (rv)

Kategorie: Papstreisen | Keine Kommentare »

Italien: Ehemaliger Kardinal von Bologna verstorben

Mittwoch 6. September 2017 von VH


Der emeritierte Erzbischof von Bologna, Kardinal Carlo Caffarra, ist in der Nacht auf Mittwoch verstorben. Das berichten italienische Medien unter Berufung auf Caffarras Umfeld. Er wurde 79 Jahre alt. Kardinal Caffarra wurde 1961 zum Priester geweiht und war 1995 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Ferrara-Comacchio ernannt worden. Ab 2004 war er Erzbischof von Bologna. Im Jahr 2006 nahm ihn Papst Benedikt XVI. in das Kardinalskollegium auf. Caffarra nahm am Konklave 2013 teil, aus dem Franziskus als Papst hervor ging.

Er galt als Experte für Kirchenrecht und Moraltheologie. Im Umfeld der Weltbischofssynode zur Familie im Jahr 2015 hatte Caffarra sich immer wieder deutlich für seine Standpunkte eingesetzt. Gemeinsam mit den Kardinälen Walter Brandmüller, Raymond Burke und dem mittlerweile verstorbenen Joachim Meisner forderte Caffarra im November 2016 vom Papst eine Klärung offener Fragen und war einer der Mitunterzeichner des sogenannten „Dubia“-Briefes an den Papst. (rv)

Kategorie: Kardinalskollegium | Keine Kommentare »

Neuer Schülerkreis: Theologie Joseph Ratzingers weiter tragen

Samstag 2. September 2017 von VH


Erst waren es nur die direkten Schüler des Theologen Joseph Ratzinger, die sich jährlich trafen um zu diskutieren und ihre Theologie zu vertiefen. 2008 kam dann – auf Anregung des schon Papst gewordenen Theologen – neue Theologinnen und Theologen dazu, die selber nicht bei ihm studiert hatten, aber sich mit Ratzinger-Themen beschäftigten, der ‚Neue Schülerkreis’. An diesem Wochenende versammeln sich beide – Schülerkreis und Neuer Schülerkreis – wieder in Rom.

Der Neue Schülerkreis hat anlässlich seines Treffens einen Schritt auf Zukunft hin gemacht, der Kreis ist nun ein offizieller Verein, er hat sich eine Struktur gegeben. Theologische Vereine gibt es einige, die meisten organisieren theologische Tagungen und Debatten.

Gemeinschaft, die ein gemeinsames Ziel verfolgt

„Der Unterschied zu einem Symposion oder zu Tagungen ist, dass der Schülerkreis zunächst einmal eine Gemeinschaft von Personen ist, die ein gleiches Ziel verfolgen, nämlich die Förderung, die Verbreitung, die Durchdringung der Theologie von Joseph Ratzinger.“ Christoph Ohly doziert in Trier Kirchenrecht und ist seid dem Anfang des Neuen Schülerkreises 2008 dabei, jetzt ist er der erste Vorsitzende des neuen Vereins. Aus den Begegnungen und Debatten seien tiefe Verbindungen und Freundschaften gewachsen, außerdem habe Benedikt XVI. selber angeregt, neue Mitglieder in diesen Neuen Schülerkreis aufzunehmen. „Im vergangenen Jahr ist es der emeritierte Papst selber gewesen, der die Anregung gab, das Ganze doch auf Zukunft hin zu formieren.“ Und genau das sei nun geschehen.

Eine Gruppe von Menschen, die dasselbe Ziel vereint, nämlich die Verbreitung und Vertiefung der Theologie von Joseph Ratzinger. Da kommt natürlich die Frage auf, ob das die Teilnehmer theologisch nicht zu sehr festlegt, auf einen Denker. „Das ist eine heikle Frage“, gibt Michaela Hastetter zu, sie ist Pastoraltheologin und doziert unter anderem am Internationalen Theologischen Institut in Trunau und an der Universität Freiburg.

Eine Theologie, die in die Weite führt

„Man wird festgelegt, legt sich aber nicht in dem Sinne selber fest, weil die Theologie Joseph Ratzingers so breit und so weit ist. Sie geht über jedes Schließen eines Systems hinweg, er wollte selber ja auch nie ein System schließen, er wollte nie eine geschlossene Theologie haben, sondern immer Anstöße geben. Seine Theologie hat mich in die Weite geführt.“ Deswegen sei es schade, in Schubladen gesteckt zu werden, wo man vielleicht gar nicht hinein gehört, sagt Hastetter.

Kirchenrecht, Liturgiewissenschaft, Dogmatik, ganz verschiedene Disziplinen kommen ins Gespräch, das alleine garantiere schon, dass die Perspektiven sehr verschieden seien, jedes Mitglied des Schülerkreises habe seine eigene große Freiheit.

Dabei wird nicht einfach nur das wiederholt, das Joseph Ratzinger vorgedacht habe, darauf besteht Rainer Hangler, der 2013 über ein Ratzinger-Thema promoviert wurde. „Der emeritierte Papst inspiriert uns, Dinge zu hinterfragen, die nicht im ersten Moment offensichtlich und klar sind. In unserem Kreis können wir sehr fruchtbar darüber diskutieren,“ da gehöre auch kritische Auseinandersetzung dazu.

Neue Mitgliederinnen und Mitglieder

Mit der Vereinsgründung blickt der Neue Schülerkreis in die Zukunft, der Kreis ist nicht geschlossen sondern offen für neue Mitglieder. „Jeder schaut in seiner Arbeit egal wo er oder sie steht nach möglichen Kandidaten“, sagt der Vorsitzende Christoph Ohly. „Man merkt das ja auch im Umgang mit Studierenden, da ist jemand, der ein besonderes Gespür hat für Augustinus oder Thomas von Aquin, und da gibt es eben auch welche, die sagen, dass die Texte von Joseph Ratzinger ihnen viel gegeben haben.“ Solche Theologinnen und Theologen würden dann angesprochen und gefragt, ob sie sich nicht in die wissenschaftliche Diskussion des Schülerkreises hineinbegeben wollten. Andererseits ginge auch immer Mal wieder die Initiative von den anderen aus, die anfragen und teilnehmen wollten. „Heute sind wir etwa 35, die den Neuen Schülerkreis ausmachen. Aber wir wollen durch die Vereinsgründung und den Blick in die Zukunft weiter Ausschau halten, dass das Anliegen weiter getragen wird. Denn auch wir werden ja irgendwann älter nicht wahr?“ (rv)

Kategorie: Papsttum | Keine Kommentare »

Papstreise nach Kolumbien: Ein Fest des Friedens

Samstag 2. September 2017 von VH


Im Vatikan wurde am Freitag das Programm der Papstreise nach Kolumbien von 6. bis 11. September vorgestellt. „Gehen wir den ersten Schritt!“ – Schon das Motto setzt das Thema Frieden im Land deutlich ins Zentrum. Der Vatikan betont, es handle sich um eine Pastoralreise, der Papst wolle den Glauben der Menschen feiern und fördern. In der aktuellen sozialen und politischen Lage des Landes, welche auch die Kirche betrifft, ist aber das Thema Frieden an allen Tagen der Reise und bei allen Stationen präsent.

Vier Tage wird Papst Franziskus unterwegs sein, des Zeitunterschiedes von sieben Stunden wegen wird er vor Mitternacht europäischer Zeit in Bogotá, der Hauptstadt des Landes, eintreffen. Es ist das 29. Land, in das er als Papst kommen wird, ein Land aber, das er schon kennt. Als Priester und später als Bischof hat er es mehrmals besucht. Für Kolumbien wiederum ist es der dritte Besuch eines Papstes nach 1968 und 1986.

Alle vier Besuchstage haben ein eigenes Motto. Tag Eins, den der Papst ganz in Bogotá verbringen wird, stellt „Handwerker des Friedens, Schutz des Lebens“ über die Programmpunkte. An diesem Donnerstag wird der Papst vom Staatspräsidenten Juan Manuel Santos empfangen, er begegnet den Vertretern von Staat und Gesellschaft und betet in der Kathedrale der Stadt.

Tag Eins ist auch der „Bischofstag“, zunächst trifft er die Bischöfe des Landes und hält eine Ansprache, dann trifft er die Leitung des Lateinamerikanischen Bischofsrates Celam, auch dazu wird er sprechen. Nachmittags – europäischer Zeit nachts – feiert der Papst eine Messe im Parco Simón Bolivar.

Jeden Abend wird es zum Abschluss des Tages an der Nuntiatur in Bogotá, wo der Papst unterkommt, zu kleineren Begegnungen kommen, wie wir sie schon vom Weltjugendtag im vergangenen Jahr kennen. Besondere Gruppen werden den Papst begrüßen, mit ihm beten und seinen Segen empfangen.

Tag Zwei steht unter dem Motto „Versöhnen wir uns mit Gott, mit dem Nächsten und mit der Natur“: Es greift deutlich die Situation Kolumbiens nach dem Friedensschluss zwischen Regierung und Farc-Rebellen auf. Der Papst fährt nach Villavicencio, etwa 80 km von der Hauptstadt entfernt. Dort wird er zunächst bei einer Messe zwei Kolumbianer selig sprechen, und zwar den Bischof Jesús Emilio Jaramillo Monsalve und den Priester María Ramírez Ramos. Jaramillo wurde von marxistischen Guerillia-Kämpfern 1989 getötet, während Ramirez zu Beginn des Bürgerkrieges 1948 umgebracht worden war.

Nachmittags (Ortszeit) nimmt der Papst dann am großen nationalen Versöhnungstreffen in der Stadt teil, danach betet er am „Kreuz der Versöhnung“, bevor es wieder nach Bogotá zurück geht.

Tag Drei steht unter dem Motto „Jüngerschaft“ und führt den Papst nach Medellin. Erstes Ereignis an diesem Tag ist die Feier der Messe, danach besucht der Papst den „Hogar San José“, das Sankt-Josefs-Heim für Kinder, die Opfer von Gewalt geworden sind oder von ihren Eltern verlassen wurden. Abschließend trifft der Papst im La Macarena, einem ehemaligen Stierkampfstadion, eine Gruppe von 12.000 Menschen, von Priestern und Ordensleuten und ihren Familien.

Tag Vier hat die Würde des Menschen und die Menschenrechte zur Überschrift. Diesen letzten Tag verbringt der Papst in Cartagena. Zunächst segnet er die Grundsteine für zwei Häuser für Obdachlose und für das Werk „Talitha Kum“ für Mädchen aus armen, afrokolumbianischen Familien. Danach wird er den heiligen Peter Claver besuchen, einen Jesuiten, der sich im 17. Jahrhundert in der Stadt für die dort angelandeten afrikanischen Sklaven gekümmert hat. Dort wird der Papst auch seine jesuitischen Mitbrüder aus dem Land treffen, anschließend wird er mit den Gläubigen wie jeden Sonntag öffentlich das Angelus beten.

Nach einem Besuch im Wallfahrtsort Peter Claver segnet der Papst die „Jungfrau der Bucht“, eine Statue, die nach einer schweren Beschädigung durch einen Blitz wieder aufgebaut wurde. Abschließend feiert der Papst auch in dieser Stadt die heilige Messe. Von Catagena geht es dann direkt zurück nach Rom, wo Papst Franziskus am Montag gegen Mittag erwartet wird.

Viel Strecke und viel Höhe

Es wird keine einfache Reise: Kolumbiens Hauptstadt Bogotá, in die der Papst jeden Abend zurückkehrt, auch wenn er zu Besuch in anderen Städten war, liegt über 2.600 Meter hoch, Medellin immerhin noch 1.500 Meter. Cartagena hingegen liegt direkt am Meer und damit auf Meereshöre, Villavicencio auf knapp 500 Metern. Das bedeutet natürlich auch große Unterschiede in Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Insgesamt zwölf Mal wird der Papst das Wort ergreifen, auf dem Programm stehen fünf Ansprachen, vier Predigten, zwei Grußansprachen und natürlich die Worte zum Angelusgebet. Naturgemäß wird der Papst Spanisch sprechen. (rv)

Kategorie: Papstreisen | Keine Kommentare »

Großbritannien: Cormac Kardinal Murphy-O’Connor verstorben

Samstag 2. September 2017 von VH


Der britische Kardinal Murphy-O’Connor ist gestern in einer Londoner Klinik verstorben. Erst vor wenigen Tagen beging Murphy-O’Connor seinen 85 Geburtstag. Von 2000 bis 2009 leitete er das Erzbistum Westminster in Großbritannien. Papst Johannes Paul II. hatte ihn im Februar 2001 in den Kardinalsstand erhoben und ihm die Titelkirche „S. Maria sopra Minerva“ zugeteilt. Durch seinen Tod besteht das Kardinalskollegium noch aus 222 Würdenträgern und von diesen haben 121 ein aktives Wahlrecht bei einer künftigen Papstwahl. (vh)

Kategorie: Kardinalskollegium, Weltkirche | Keine Kommentare »

Die Bibelschätze im Vatikan: ein Überblick

Donnerstag 31. August 2017 von VH


In wie vielen Haushalten im deutschen Sprachraum steht eine Bibel? Eine zulässige Frage im Lutherjahr – beantworten kann sie niemand. Eines aber lässt sich aus vatikanischer Sicht sagen: Jedes Exemplar der Bibel, in welcher Sprache und wo immer es steht, hat eine unsichtbare Verbindung in den Vatikan. Dort nämlich wird mit dem „Codex Vaticanus“ die Bibelhandschrift aufbewahrt, die als Vorlage schlechthin für alle gedruckten Bibeln gleich welcher Sprache gelten muss. Gudrun Sailer hat sich den „Codex Vaticanus“ in der päpstlichen Bibliothek angesehen und mit der dort tätigen österreichischen Historikerin Christine Maria Grafinger über die Bibelhandschriften des Vatikans gesprochen – mehrere Hundert an der Zahl.

Der größte Schatz der Vaticana: der „Codex Vaticanus“

Der „Codex Vaticanus“ ist zweifellos der kostbarste religiöse Schatz der päpstlichen Bibliothek. „Die wichtigste Bibelhandschrift für die Bibeldrucke“, erläutert Christine Grafinger. Dabei sieht der Codex schlicht aus: griechische Großbuchstaben auf feinem Pergament, keine einzige Malerei auf den 733 Doppelseiten. Der Ort der Entstehung ist ungewiss: Rom, Süditalien oder Caesarea in Palästina kommen in Frage. Zwei Kopisten jedenfalls waren es, die die Abschrift des Alten und Neuen Testaments anfertigten.

„Unser Codex Vaticanus ist im 4. Jahrhundert entstanden, und wir haben den vollständigen Text des Alten und Neuen Testaments in griechischen Grußbuchstabenschrift hier im Codex Vaticanus. Eine ganz berühmte Handschrift. …. Es wurden verschiedene Bibel-Texte herausgegeben, sobald der Buchdruck erfunden war, und die Vorlage ist immer der Vatikankodex. Miniaturen hat er zwar keine, aber schon die Schrift allein ist ein Kunstwerk!“

Die von Katholiken, Orthodoxen und Protestanten anerkannte Grundlage für das Neue Testament ist die des Vatikans

Der „Codex Vaticanus“ hat einen Zwillingsbruder, den „Codex Sinaiticus“, der aufgeteilt auf drei Teile im Katherinenkloster am Sinai, in London und in Leipzig liegt. Beide Manuskripte wurden von derselben älteren Stammhandschrift abgeschrieben. Die von Katholiken, Orthodoxen und Protestanten anerkannte Grundlage für das Neue Testament ist aber die des Vatikans.

Die Heilige Schrift zu bewahren und zu überliefern, ist der älteste Auftrag der vatikanischen Bibliothek. Schon die ersten Generationen der römischen Christen begannen mit dem Sammeln von Handschriften. Diese Bestände gingen verloren. Die heutige vatikanische Bibliothek entstand an der Schwelle zur Neuzeit, Papst Nikolaus V. rief sie um 1450 ins Leben. Dabei schwebte ihm keineswegs eine rein religiöse und juristische Sammlung vor. Vielmehr schuf der gebildete Papst eine Universalbibliothek, in der weder die klassische Literatur noch Disziplinen wie Medizin, Astronomie und Mathematik fehlten. Überdies öffnete der Humanistenpapst seine Büchersammlung auch externen Lesern und schuf dazu drei Räume in einem neuen Flügel des Vatikanpalastes.

Sammler, Gönner, Gelehrte… und immer ältere Bibelhandschriften im Vatikan

Bereits im Inventar von 1475 scheint der „Codex Vaticanus“ auf. „Er blieb bis 1968 die älteste Bibelhandschrift im Vatikan“, erklärt Christine Grafinger. „Dann schenkte der Schweizer Sammler Martin Bodmer Papst Paul VI., als dieser Genf besuchte, zwei vollständige Petrusbriefe auf Papyrus, geschrieben zwischen 180 und 200 in Ägypten, wohl bei Theben. Das war über Jahrzehnte die älteste Handschrift im Vatikan – doch seit etlichen Jahren geht es noch weiter zurück, noch näher heran an die Zeit Jesu. Martin Bodmer starb 1971. Die von ihm eingesetzte Stiftung verkaufte 2007 einen Papyrus aus derselben Quelle wie die beiden Petrusbriefe an den US-Geschäftsmann Frank J. Hanna, der ihn seinerseits Papst Benedikt XVI. und damit der Vatikanischen Bibliothek schenkte. Diese Handschrift („Bodmer Papyri P75“) enthält Teile des Lukas- und des Johannesevangeliums. Sie ist das älteste bekannte Zeugnis dieser beiden Evangelientexte überhaupt. „Das sind nur so einzelne Stücke“, sagt Grafinger, „und in einem dieser Stücke ist – in der 6. Zeile – die älteste Version vom Vater unser zu finden.“

„Es geht in die Hunderte mit den Bibelhandschriften an der Vaticana“, referiert die Historikerin. „Wir haben in allen Beständen Bibelhandschriften, sowohl in den lateinischen und griechischen und orientalischen wie auch hebräischen Sammlungen. Und dann ganz frühe Bibeldrucke, unter den Inkunabeln.“

Einzigartiges Prunkstück: Das Lorscher Evangeliar von Karl dem Großen

Ein Prunkexemplar der Vatikan-Bibliothek, das besonders auf den deutschen Raum abstrahlte, ist das Lorscher Evangeliar, das um 810 in Aachen am Kaiserhof entstand und wenig später zu den Benediktinern ins nahegelegene Lorsch gelangte.

„Lorsch war ein bedeutendes Kloster zur Zeit Karls des Großen, und dieses Evangeliar ist in Aachen am Hof Karls des Großen bei seiner Bibelreform entstanden und war das Musterexemplar für alle Bibelabschriften in der Karolingerzeit. Es wurde dann dem Kloster in Lorsch gegeben und ist eine ausgesprochene Prachthandschrift. Der Großteil des Textes in Gold ist in Goldtinte geschrieben.“ Wegweisend war das opulente Manuskript auch für die Buchmalerei. Es gelangte 1623 als Teil der berühmten Bibliotheca Palatina aus Heidelberg in den Vatikan.

Kardinal statt Eremit: Ein neues Kirchenbild kündigt sich an

1430, also am Übergang zwischen Mittelalter und Neuzeit, entstand die prachtvolle Bibel des Herzogs von Este: „Dieses Evangeliar ist wichtig, denn es ist nicht in Latein oder Griechisch geschrieben, wie das ganze Mittelalter über die Bibeln überliefert worden sind, sondern in Altfranzösisch. Eine Zusammenstellung von Bibeltexten aus dem Alten und Neuen Testament.“ Besonders schön darin: eine Darstellung des antiken Kirchenvaters Hieronymus, der Ende des 4. Jahrhunderts die für lange Zeit maßgebliche Übersetzung der Bibel ins Lateinische anfertigte, die sogenannte Vulgata. Auf Gemälden wird Hieronymus gerne als dürrer Eremit in öder Landschaft gemalt, häufig in Gesellschaft eines Löwen, auch Leonardo da Vinci stellte den Kirchenvater in einem berühmten Bild in den Vatikanischen Museen so dar. Anders die Darstellung in der Bibel des Herzogs von Este. Der gezähmte Löwe sitzt zwar auch hier zu Füßen des Heiligen, doch „darüber ist eine Darstellung des Hieronymus in seinem Kardinalsgewand, und daneben hält ein Priester den Kardinalshut.“ Ein Kirchenvater, etwas gegen den ikonographischen Strich gebürstet: Kardinal statt Eremit. Hier scheint sich 1430 bereits ein neues Selbstverständnis von Kirche anzukündigen.

Die meisten ihrer Bibelhandschriften, aber nicht alle, verwahrt die Vatikan-Bibliothek in der Reserve, das heißt im gutgesicherten Magazin. Im Normalfall bekommt der Nutzer zunächst ein Faksimile vorgelegt, also eine originalgetreue Eins-zu-Eins-Kopie mit jedem noch so kleinen Brandloch. Für das Original braucht es einen Sonderantrag, den der Handschriftenleiter prüft. Der weltberühmte „Codex Vaticanus“ wurde zweimal faksimiliert, erstmals im späten 19. Jahrhundert, „in den ersten Faksimile-Versuchen, die an der Vaticana gemacht worden sind“, erklärt Grafinger.

Heutzutage ist die Technik längst in einem neuen Stadium. Viele der etlichen hundert Bibelhandschriften quer durch alle Bestände werden derzeit digitalisiert. Eines Tages können Nutzer auf der ganzen Welt diese Schätze des Christentums online und ohne Zugangsbeschränkung einsehen. (rv)

Kategorie: Vatikan | Keine Kommentare »

D: Kirchensteuer wird falsch verteilt

Montag 28. August 2017 von VH


Die Verteilung der Kirchensteuer in Deutschland muss anders organisiert werden. Das fordert der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, in einem Artikel im aktuellen Heft der Herder-Korrespondenz (Ausgabe September). Nur die Hälfte der eingenommenen sechs Milliarden Euro käme in den Pfarreien an, mit Blick auf das Subsidiaritätsprinzip müsse das anders organisiert werden. Sternberg verweist in diesem Zusammenhang auf die Schweiz und das dortige System der Mitbestimmung durch Laiengremien.

In dem Artikel warnt Sternberg auch vor einem „Diözesan-Egoismus“, der einerseits die Gemeinden und andererseits überdiözesane Aufgaben aus dem Blick verliere. Für eine „grundlegende Reform, die stärker synodale Entscheidungsprinzipien in der katholischen Kirche verankere“ brauche es jetzt eine breite Debatte. (rv)

Kategorie: Weltkirche | Keine Kommentare »

Besucher