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Kirchengeschichte bei VH

Franziskus in Fatima: „Wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein“

Samstag 13. Mai 2017 von VH


Aber mit welcher Maria? Zum Auftakt seiner Fatima-Reise spricht der Papst über die Rolle der Muttergottes im Leben aller Christen und der Kirche.

FATIMA ,- Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Jahrhundert-Gedenken der Marien-Erscheinungen von Fatima hat der Papst die im Heiligtum versammelten Pilger zum rechten Marien-Verständnis ermutigt.

Franziskus warnte dabei – bevor er mit den Gläubigen den Rosenkranz betete – auch davor, die Barmherzigkeit der Muttergottes über die ihres Sohnes zu stellen.

Zusammen mit tausenden Pilgern ist Franziskus in den portugiesischen Wallfahrtsort gekommen, um zu beten – und am morgigen Samstag zwei der Seherkinder heilig zu sprechen, denen Maria erschienen ist.

Das Jahrhundert-Gedenken von Fatima – samt der Heiligsprechung – ist ein historisches Jubiläum für die Weltkirche.

In seiner Begrüßung der Pilger „zu Maria und mit Maria“ dankte der Papst dafür, mit ihnen „in der Hoffnung und im Frieden“ diese Wallfahrt machen zu dürfen.

Sowohl die versammelten Gläubigen als auch alle, die anderswo sind aber im Geist in Fatima umarme er, so Franziskus, im Gefühl, „dass Jesus euch mir anvertraut hat (vgl. Joh 21,15-17)“.

„Daher umarme ich euch alle und empfehle euch Jesus, ‚besonders jene, die seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen‘ – wie die Mutter Gottes uns zu beten gelehrt hat“, so der Papst, der damit das Fatima-Gebet zitierte, dass den Hirtenkindern am 13. Juli 1917 offenbart wurde.

Die „sanfte und fürsorgliche Mutter aller Bedürftigen, möge ihnen den Segen des Herrn erwirken“, betete Franziskus.

Vollkommen erfüllt habe sich dieser Segen in der Jungfrau Maria, so Franziskus weiter: Kein anderes Geschöpf habe über sich das Antlitz Gottes aufstrahlen sehen wie sie, die dem Sohn des ewigen Vaters ein menschliches Gesicht gegeben hat.

Wir können es nun in einer Reihe von freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Momenten ihres Lebens betrachten, die wir beim Beten des Rosenkranzes durchgehen. Mit Christus und Maria bleiben wir in Gott.

Franziskus, seinen Vorgänger Paul VI. zitierend, betonte weiter:

In der Tat, »wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein. Das heißt, wir müssen die wesentliche, lebendige und von der Vorsehung bestimmte Beziehung anerkennen, die Maria mit Jesus verbindet und die uns den Weg eröffnet, auf dem sie uns zu ihm führt« (Paul VI., Ansprache während des Besuchs des Heiligtums der Muttergottes von Bonaria, Cagliari, 24. April 1970).

So nehme das Evangelium, „jedes Mal wenn Christen den Rosenkranz beten“, seinen Weg im Leben eines jeden Einzelnen, der Familien, der Völker und der ganzen Welt auf, erklärte der Papst weiter.

Doch mit welcher Maria?

Die Frage sei allerdings, mit welcher Maria man sich auf den Weg mache, mahnte Franziskus:

Ist sie eine Lehrerin des geistlichen Lebens, die erste, die Christus auf dem „schmalen Weg“ des Kreuzes gefolgt und so unser Vorbild geworden ist – oder ist sie vielmehr eine „unnahbare“ Herrin, die wir nicht nachahmen können?

Es gehe nicht um „ein Heiligenbild, an das man sich wendet, um schnell und billig eine Gunst zu erhalten“, sondern um „die Jungfrau Maria des Evangeliums, die von der betenden Kirche verehrt wird“, so der Papst in Fatima.

Dabei gehe es auch um das rechte Verständnis von Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit:

Natürlich leugnet die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18).

Er bitte, dass „jeder von uns mit Maria zu einem Zeichen und Sakrament der Barmherzigkeit Gottes“ werde, so Franziskus abschließend.

Von Maria an der Hand genommen und unter ihren Augen können wir mit Freuden das Erbarmen des Herrn besingen. Wir können sagen: Meine Seele singt für dich, mein Herr! (CNA Deutsch)

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Fatima: Schritt für Schritt mit Papst Franziskus

Freitag 12. Mai 2017 von VH


Freitag, 12. Mai

14.00 Uhr: Abflug von Rom-Fiumicino mit einer Alitalia-Maschine

16.20 Uhr: Ankunft auf dem Militärflughafen Monte Real. Der portugiesische Präsident Marcelo Nuno Duarte Rebelo de Sousa empfängt den Gast aus Rom, es folgt eine private Begegnung der beiden im Kontrollturm. Ein Elektromobil bringt den Papst zur Kapelle des Militärflughafens, wo Franziskus einige kranke Soldaten und ihre Familien begrüßt und vor dem Allerheiligsten betet.

18.35 Uhr: Im Helikopter fliegt der Papst zum Stadion von Fatima, von dort fährt er im Papamobil weiter zum Heiligtum.

19.15 Uhr: Im Heiligtum von Fatima empfangen der Rektor und Zehntausende Pilger den Papst. Vor dem Gnadenbild der Muttergottes von Fatima betet Franziskus zusammen mit den Anwesenden. Danach verehrt er der Statue die „Goldene Rose“, eine päpstliche Auszeichnung, die für Jesus steht. Das Gebet ist die erste öffentlich übertragene Begegnung von Franziskus in Fatima.

22.10 Uhr: Nach dem Abendessen in der Pilgerherberge „Nossa Senhora do Carmo“, in der Franziskus auch nächtigen wird, fährt der Papst im Papamobil zur Kapelle der Marienerscheinungen von Fatima. Dort betet er in Stille, weiht Kerzen und entzündet sodann eine davon an der Osterkerze. Nach einer Ansprache betet der Papst den Rosenkranz mit den Fatima-Pilgern. Im Anschluss leitet Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eine Marienprozession, während Franziskus sich zur Nachtruhe zurückzieht.

Samstag, 13. Mai

10.10 Uhr: Franziskus empfängt im Pilgerhaus den portugiesischen Premierminister Luis Santos da Costa.

11.00 Uhr: Im Heiligtum feiert der Papst, nachdem er die Gräber der Hirtenkinder verehrt hat, die Heilige Messe, bei der er zwei der Seherkinder heiligspricht: die Geschwister Francisco und Jacinta Marto. Vor dem Schlusssegen richtet er das Wort an Kranke.

13.30 Uhr: Das Mittagessen nimmt der Papst im Pilgerhaus mit den portugiesischen Bischöfen und seinem Gefolge ein.

16.00 Uhr: Militärflughafen: Nach einer kurzen Abschiedszeremonie mit dem portugiesischen Präsidenten im Kontrollturm besteigt der Papst eine Maschine der portugiesischen Fluggesellschaft TAP und fliegt zurück nach Rom.

19.05 Uhr: Ankunft in Rom-Ciampino und direkter Transfer in den Vatikan.

Die fett markierten Programmpunkte sind jene, die Radio Vatikan live und auf Deutsch überträgt. Die angegebenen Zeiten beziehen sich auf mitteleuropäische (römische) Zeit.

(rv)

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Blumig: Papstbotschaft in Richtung Fatima

Donnerstag 11. Mai 2017 von VH


Der Papst freut sich auf Fatima: Am Mittwochabend hat er schon mal eine Videobotschaft nach Portugal geschickt. Darin bittet er zunächst um Verständnis, dass er die zwei Besuchstage auf den Marienwallfahrtsort beschränkt, statt auch noch andere Reiseziele mit ins Programm zu nehmen. Und dann kommt er in ziemlich blumiger Sprache auf seine Absichten zu sprechen.

„Ich komme als Hirte der Weltkirche zur Jungfrau Maria, um ihr die schönsten „Blumen“ anzubieten, die Jesus meiner Sorge anvertraut hat – nämlich die Brüder und Schwestern aus der ganzen Welt, die er ohne Ausnahme losgekauft hat durch sein Blut. Ich brauche Sie alle an meiner Seite, ich bitte um Ihre (physische oder geistliche) Anwesenheit, damit ich Sie alle der Jungfrau anvertrauen kann.“

„Mit Maria – Pilger der Hoffnung und des Friedens“, so lautet das Motto der Papstreise am Freitag und Samstag. Franziskus deutet es in seiner Videobotschaft als ein „Programm der Umkehr“. „Ich freue mich zu hören, dass Sie diese Reise mit intensivem Gebet vorbereiten. Das macht unser Herz weit und empfänglich für die Gaben Gottes. Ich danke Ihnen für die Gebete und Opfer, die Sie mir täglich widmen, ich kann sie gut gebrauchen. Ich komme im Namen Gottes zu Ihnen und freue mich darauf, mit Ihnen das Evangelium der Hoffnung und des Friedens zu teilen.“ (rv)

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Australien: Kardinal Sandri zu Besuch

Dienstag 9. Mai 2017 von VH


Aufgrund der Einwanderung erleben die Ostkirchen in Australien einen Aufschwung. Über diese und andere Entwicklungen auf dem Fünften Kontinent macht sich derzeit der Präfekt der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, ein Bild. Auf Einladung der fünf Bischöfe der in Australien vertretenen Ostkirchen bereist Sandri das Land noch bis zum 15. Mai. Nach Station in Sydney setzte der Kardinal an diesem Montag seine Reise in die Hauptstadt Canberra fort. Begleitet wird er vom Apostolischen Nuntius Adolfo Tito Ylliana und dem australischen maronitischen Bischof Antoine-Charbel Tarabay. (rv)

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Franziskus an neue Gardisten: „Mutige Soldaten Christi“

Samstag 6. Mai 2017 von VH


Seid „mutige Soldaten Christi“ und Vorbild für andere – das hat Papst Franziskus seiner Schweizergarde mit auf den Weg gegeben. Im Vatikan empfing er am Morgen 40 neue Rekruten der Garde, die an diesem Samstagnachmittag im Vatikan vereidigt werden. Franziskus wird an dem feierlichen Ritus selbst nicht teilnehmen, empfing seine Garde aber zuvor in Audienz.

Haltung und Präzision, Professionalität und Vorbildhaftigkeit in Dienst und Leben – dies sind laut Papst Franziskus die Tugenden eines Schweizergardisten: „Möge dies eure erste Sorge sein“, legte er den jungen Neuzugängen ans Herz; die jungen Männer waren, flankiert von erfahrenen Gardisten, mit ihren Familien in den Vatikan gekommen. Sie werden an diesem Samstagnachmittag den Fahnenschwur im Damasushof leisten, unter Anwesenheit von Kardinälen und Bischöfen sowie der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard.

In seiner Ansprache kam Franziskus auf den historischen Gründungsmoment der päpstlichen Garde zu sprechen. Die Vereidigung neuer Schweizergardisten findet traditionell immer am 6. Mai, dem Jahrestag des unter dem Stichwort „Sacco di Roma“ bekannten Ereignisses, statt. Als Landsknechte und Söldner 1527 Rom und den Kirchenstaat plünderten, habe die Schweizergarde „den Papst mutig und unbeugsam verteidigt“ – bis zur Hingabe des eigenen Lebens, erinnerte Franziskus. Heute werde von der Schweizergarde „ein anderes, aber nicht minder mühsames Opfer“ verlangt, fuhr er fort: „der Macht des Glaubens zu dienen. Er ist ein wirksamer Wall, um den verschiedenen Kräften und Mächten dieser Erde zu widerstehen, vor allem dem »Herrscher dieser Welt« und »Vater der Lüge«. Dieser geht, gemäß den Worten des heiligen Petrus, »wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann« (1 Petr 5,8). Ihr sollt tapfer und treu sein, getragen vom Glauben in Christus und von seinem Wort des Heiles. Eure Präsenz in der Kirche und euer wichtiger Dienst im Vatikan bieten eine Gelegenheit, um als mutige ,Soldaten Christi‘ zu wachsen.“

Franziskus rief die jungen Männer zu „ehrlicher Brüderlichkeit“, gegenseitiger Unterstützung, Freundlichkeit und einem exemplarischen christlichen Leben auf. In den kleinen alltäglichen Gesten sollten die Gardisten diesen Werten neues Leben einhauchen, selbst wenn ihr Dienst auch manchmal ein wenig repetitiv sei, so Franziskus, der seine Zuhörer abschließend bat, für ihn zu beten. (rv)

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Papst: Reform mit Milde (und ein bisschen Gewalt)

Freitag 5. Mai 2017 von VH


Papst Franziskus hat einmal mehr die Notwendigkeit von Reformen im Vatikan bekräftigt. Im Vatikan empfing er an diesem Donnerstag sein vor knapp zwei Jahren gegründetes Mediensekretariat, das sich um eine Neuordnung der Medienlandschaft des Heiligen Stuhls bemüht. Dabei sagte er: „Wir sollten keine Angst haben. Reform heißt nicht, die Sachen weiß zu übertünchen – sie bedeutet, den Dingen eine andere Form zu geben. Sie anders zu organisieren. Man muss sie mit Intelligenz, mit Milde, aber auch mit ein bisschen – bitte sehen Sie mir das Wort nach – ein bisschen Gewalt durchführen. Aber guter Gewalt, nicht wahr?“

Das Mediensekretariat hält seine erste Vollversammlung ab, um den Stand der Reformen zu besprechen und neue Ideen zu sammeln. Franziskus bestärkte seine Zuhörer darin, „neue Kriterien und Modalitäten“ zu finden, „um das Evangelium von der Barmherzigkeit zu allen Völkern und ins Herz der verschiedenen Kulturen zu bringen“. Dabei dürfe man um „die neue Digitalkultur“ keinen Bogen schlagen.

„Früher gab es für jede Ausdrucksform ein eigenes Medium: für geschriebene Worte die Zeitung oder Bücher, für bewegte Bilder Kino und Fernsehen, für das gesprochene Wort und Musik Radio und CDs. All diese Kommunikationsformen laufen heute in eins zusammen. Das bedeutet, dass der Osservatore Romano, der ab nächstem Jahr zum neuen Dikasterium gehört, neue und andere Modalitäten suchen muss. Und Radio Vatikan, das seit Jahren eine Vielzahl von Webseiten unterhält, wird nach neuen Modellen umgeordnet, um sich den modernen Technologien und den Erwartungen unserer Zeitgenossen anzupassen.“

Es liege ihm am Herzen, dass Radio Vatikan auch künftig „Länder mit wenig technologischen Möglichkeiten, etwa in Afrika“, per Kurzwelle erreicht. Die entsprechenden Ausstrahlungen seien „nie eingestellt worden“, das unterstreiche er. Damit antwortete Franziskus auf Befürchtungen des afrikanischen Bischofsrates Secam.

„Es gibt viel zu tun; die Herausforderung ist groß, aber man kann und man muss es tun! Natürlich ist die Geschichte ein Erbe aus wertvollen Erfahrungen, die es zu erhalten gilt. Aber die Geschichte muss auch zu Anregungen für die Zukunft werden, sonst würde sie zu einem Museum: interessant und schön für Besucher, aber nicht imstande, Kraft und Stärke für die Fortsetzung des Wegs einzuflößen.“

Das Mediensekretariat will möglichst noch in diesem Jahr einen einheitlichen Web-Auftritt der vatikanischen Kommunikation freischalten. Zu den 16 Mitgliedern des Sekretariats gehören u.a. Kardinal Béchara Rai aus dem Libanon und der frühere ZDF-Intendant Markus Schächter. (rv)

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Zwei Kardinäle auf dem Weg zur Seligsprechung

Donnerstag 4. Mai 2017 von VH


Papst Franziskus hat an diesem Donnerstag eine ganze Reihe von Dekreten seiner Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen gebilligt. Aus der vom Vatikan veröffentlichten Liste ergibt sich, dass auch zwei Kardinäle einer Seligsprechung näherrücken. Es sind der frühere Erzbischof von Florenz, Elia dalla Costa (1872-1961), und der vietnamesische Kardinal Franz Xaver Nguyên Van Thuân (1928-2002). In beiden Fällen anerkannte der Papst „heroische Tugenden“. Dies ist zusammen mit einem noch anzuerkennenden Wunder auf Fürsprache des Kandidaten die Voraussetzung für eine Seligsprechung.

Nguyên Van Thuân war Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden; er hatte unter Vietnams kommunistischem Regime 13 Jahre in Haft verbracht. Benedikt XVI. würdigte ihn in seiner zweiten Enzyklika Spe Salvi als Glaubenszeugen.

Die meisten anderen Dekrete der Seligen- und Heiligenkongregation betreffen, wie üblich, Ordensleute. Auch mehrere Anerkennungen von Wundern sind darunter. (rv)

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Kassandra-Rufe: Kardinal Zen, China und der Vatikan

Donnerstag 4. Mai 2017 von VH


Zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen Regime der Volksrepublik China könnte es bald zu einer Einigung in grundsätzlichen Fragen kommen. Das schreibt der Erzbischof von Hongkong, Kardinal John Tong Hon, in einem Aufsatz für seine Kirchenzeitung. Beide Seiten hätten sich in zwei Jahren sechs Mal getroffen, und eine gemischte Arbeitsgruppe habe grundsätzliche Lösungen für alle heiklen Fragen erarbeitet, angefangen bei der Frage der Bischofsernennungen.

Für Kardinal Tong kommt es jetzt darauf an, dass sich Peking wie Rom die gefundenen Lösungen zu eigen machen. Dazu sei „gegenseitiges Vertrauen“ nötig.

Tongs Vorgänger als Erzbischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, warnt dagegen so wortgewaltig wie hartnäckig vor einer Annäherung des Heiligen Stuhls an China. Er fürchtet, dass sich der Heilige Stuhl über den Tisch ziehen lässt. Zen gibt zu verstehen, dass der Vatikan aus seiner Sicht die Durchtriebenheit seiner kommunistischen Gesprächspartner unterschätzt.

„Es ist mir schon klar, dass ich eine Minderheiten-Meinung vertrete“, so Zen in einem auf Youtube verbreiteten Interview. „Ich muss aber sagen, dass ich nun mal besondere Erfahrungen gemacht habe – das können nicht alle von sich behaupten. Ich bin Chinese, geboren in Shanghai (einem großen Bistum), und auch wenn ich das Bistum schon in jungen Jahren verlassen habe, habe ich doch vieles von dort aufgesogen; die Salesianer waren dort sehr aktiv, und in unserer Gemeinschaft herrschte eine tiefreligiöse Atmosphäre.“

„Ich habe gesehen, wie sie ihre Bischöfe behandeln“

Auch von Hongkong aus habe er immer viele Kontakte nach Festland-China hinein unterhalten, auch als dort das kommunistische Regime ans Ruder kam, sagt Kardinal Zen, der Jahrgang 1932 ist und dem Salesianerorden angehört. „Wir haben viele Brüder, die zur sogenannten Untergrundgemeinschaft gehören, weil sie von Anfang an diese Regierungspolitik der Unabhängigkeit (von Rom) verweigert haben. Und dann haben wir hier von Hongkong aus, das China am nächsten liegt, immer noch Beziehungen unterhalten, auch wenn das während der Kulturrevolution schwierig war. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, sieben Jahre lang in den Priesterseminaren der sogenannten offiziellen Gemeinschaft zu unterrichten – direkt nach den Ereignissen vom Tienanmen-Platz.“ Damit meint der Kardinal die gewaltsame Niederschlagung des Studentenaufstands von Peking im Juni 1989.

„Zwischen 1989 und 1996 habe ich in sieben Seminaren unterrichtet, habe also sechs Monate pro Jahr in China verbracht. Ich konnte alles mit eigenen Augen sehen. Ich selbst bin immer sehr freundlich empfangen und behandelt worden: Sie wussten es zu schätzen, dass in einem Moment, wo alle China verließen, ich hineinwollte. Aber ich habe gesehen, wie sie ihre Bischöfe behandeln – Bischöfe der offiziellen Kirche. Und das kann ich nicht aus meinem Gedächtnis löschen, weil ich das selbst erlebt habe.“

Alles, was er seither aus Festland-China höre und sehe, bestätige ihn in seinem Eindruck, dass das, was er damals erlebt habe, heute dort immer noch Wirklichkeit sei. Er glaube ganz und gar nicht daran, dass das Pekinger Regime sich in irgendeiner Weise um einen Ausgleich mit dem Vatikan bemühe – eher im Gegenteil.

Kardinal Zen: Peking will in Wirklichkeit stärkere Kontrolle

„Ich glaube, dass dieses Wissen, das ich habe, selten ist: Nicht alle konnten diese Erfahrungen machen. Und dieses Wissen lässt mir keine Hoffnung, es lässt mir keinen Grund zu Optimismus, was das Regime betrifft. Und ich füge hinzu: Auch die neuesten Geschehnisse und Ansprachen auf den großen Kongressen, die sie abhalten, die Worte der Regierung unter dem neuen Führer Xi Jinping – alles geht genau in die entgegengesetzte Richtung! Die wollen doch noch mehr einschränken, noch mehr kontrollieren. Welche Hoffnung soll es denn dann geben, dass die Regierung Zugeständnisse an die katholische Kirche machen könnte? Sie kontrolliert alle Religionsgemeinschaften immer stärker – und da soll sie ausgerechnet der katholischen Kirche mehr Freiheit lassen? Nein. Ich weiß nicht – sie hat gar keinen Grund dazu!“

Der Vatikan könne dem Regime in Peking so gut wie nichts bieten, das habe schon alles, nämlich die „komplette Kontrolle der offiziellen Kirche auf nationalem Level“. „Vielleicht hoffen sie ja, dass der Vatikan jetzt auch der Untergrundgemeinschaft sagt, der Regierungslinie zu folgen? Vielleicht ist es ja das, worauf sie rechnen? Jedenfalls bin ich angesichts dieser Erfahrung pessimistisch und glaube auch, Grund zum Pessimismus zu haben, zu Ängsten und Befürchtungen. Das zu sagen, scheint mir meine Pflicht zu sein, weil ja die Vorsehung mir eine besondere Gelegenheit gegeben hat, das kommunistische Regime wirklich kennenzulernen.“

Leider hätten „nicht viele Menschen diese Erfahrung“ gemacht, sagt der Kardinal noch einmal. Papst Johannes Paul II. habe gewusst, was Kommunismus und Nationalsozialismus bedeuten; „auch Papst Benedikt, in geringerem Ausmaß“. „Aber ich habe Angst, dass einige in der Römischen Kurie nicht diese Sensibilität haben – denn ein totalitäres Regime ist furchtbar! Im Vergleich zu diesen wirklichen Totalitarismen war der von Mussolini Rosenwasser…“

Hintergrund

Der Vatikan und Peking haben seit 1951 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Hauptstreitpunkt beider Seiten ist die Ernennung von Bischöfen; Peking bestreitet dem Papst das Recht, frei Bischöfe zu ernennen, das sei eine Einmischung in innere Angelegenheiten des Landes. 1957 entstand auf Veranlassung des Regimes die sogenannte „Patriotische Vereinigung“ zur Kontrolle einer offiziell geduldeten katholischen Kirche. 2007 schrieb der damalige Papst Benedikt XVI. einen Brief an die Katholiken in China. Papst Franziskus hofft auf eine Einigung mit Peking; sein Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat früher schon einmal eine bahnbrechende Einigung des Vatikans mit dem Regime von Vietnam ausgehandelt. (rv)

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Auf einen Klick: Sämtliche Events der Ägyptenreise

Samstag 29. April 2017 von VH


Rund dreißig Stunden lang hat Papst Franziskus am Freitag und Samstag die ägyptische Hauptstadt Kairo besucht; die Visite drückte u.a. Solidarität mit den bedrängten Kopten aus und besiegelte einen Neustart im Dialog mit dem sunnitischen Islam. Hier finden Sie alle wichtigen Events der Ägyptenreise auf einen Klick.

Friedenskonferenz in al-Azhar

An der islamischen Universität al-Azhar von Kairo hat Franziskus am Freitag an einer interreligiösen Friedenskonferenz teilgenommen. Dabei rief er zur Absage an Gewalt auf.

Treffen mit Regierung und Behörden

Bei einer Begegnung mit Vertretern von Regierung und Behörden Ägyptens lobte Franziskus am Freitag den Kampf gegen Terrorismus, erinnerte aber auch an Menschenrechte, Religionsfreiheit und Gleichheit aller Staatsbürger.

Begegnung mit dem koptischen Patriarchen

Franziskus traf in Kairo den koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. und vereinbarte mit ihm eine gegenseitige Anerkennung der Taufe – ein wichtiger ökumenischer Schritt.

Messfeier mit ca. 20.000 Katholiken

Bei einer Messfeier in einem Stadion am Stadtrand von Kairo forderte Franziskus am Samstag die Katholiken Ägyptens zu einem „Extremismus der Nächstenliebe“ auf.

Gebetstreffen mit Priestern und Ordensleuten

Priester und Ordensleute mahnte Franziskus am Samstag in Kairo-Maadi, sie sollten nicht der Versuchung des „Pharaonismus“ nachgeben: „das heißt, das Herz zu verhärten und sich gegenüber den anderen zu verschließen“. (rv)

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Malteserorden: Neuer Großmeister ist gewählt

Samstag 29. April 2017 von VH


Der Malteserorden hat einen neuen Oberen: Der Oberste Staatsrat wählte an diesem Samstagmorgen Fra Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto zum Großmeister. Seinen Eid vor dem Beauftragten des Papstes für den Orden, Erzbischof Angelo Becciù, wird der neue Obere am Sonntagmorgen im Rahmen eines Gottesdienstes ablegen.

Fra Giacomo Dalla Torre folgt in diesem Amt Frau Matthew Festing nach, der im Januar diesen Jahres auf Bitten des Papstes zurück getreten war. Papst Franziskus hatte damals auch Erzbischof Becciù zu seinem Beauftragten für den Orden ernannt. Der Wechsel an der Ordensspitze erfolgt nach Streitigkeiten um die Leitung des Ordens, bei denen es unter anderem um den Großkanzler des Ordens, Albrecht von Boeselager, ging. Fra Matthew hatte von Boeselager abgesetzt, der Papst hatte diese Absetzung aber wieder rückgängig gemacht.

Papst Franziskus ist über die erfolgte Wahl von Fra Giacomo Dalla Torre informiert worden. Sie erfolgte zunächst für ein Jahr, was für den Malteserorden ungewöhnlich ist, der Großmeister wird in der Regel auf Lebenszeit gewählt.

Fra Giacomo war von 2005 bis 2009 Großkomtur des Malteserordens, eine Funktion, die vor allem religiöse Bedeutung hat. Nach dem Tod des Großmeisters Andrew Bertie 2008 bis zur Wahl von Matthew Festing leitete er den Malteserorden interimsmäßig. Seit 2009 leitete er als Großprior das Großpriorat Rom des Ordens. (rv)

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