D: „Ohne Ratzinger keine gemeinsame Rechtfertigungslehre“

Ein katholischer Theologe, ein estnischer Musiker und ein evangelischer Theologe: Die drei diesjährigen Preisträger des Ratzinger-Preises sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich und doch verbindet ihre Arbeit und Tätigkeit dank des Theologen Joseph Ratzinger viel. Der Preisträger Theodor Dieter ist Leiter des Instituts für Ökumenische Forschung in Straßburg, ein Institut des Lutherischen Weltbundes, das für die ökumenischen Beziehungen der lutherischen Kirchen Sorge trägt und sie theologisch begleitet. Unser Kollege Mario Galgano hat ihn vor der Preisverleihung am Samstagmorgen im Vatikan getroffen.

RV: An diesem Samstag wird Ihnen Papst Franziskus einen besonderen Preis überreichen, und zwar den Ratzinger-Preis. Wie kommt es, dass Sie diesen Preis als lutherischer Theologe erhalten, und wie sind Sie zur Theologie Ratzingers gestoßen?

Dieter: „Der Preis wird mir mit Bezug auf meinen Einsatz für die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 in Augsburg von der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund unterzeichnet worden ist, verliehen. Das ist die eine Seite. Zur Frage, wie ich zur Theologie Ratzinger gekommen bin: Das war ein langer Weg. Das fing mit der Lektüre von Ratzingers „Einführung in das Christentum“ an. Ich habe im Lauf der Zeit viele weitere Schriften gelesen. Besonders interessiert hat mich seine Doktorarbeit, in der er als junger Theologe, anhand von Augustinus, die Grundlinien seines Kirchenverständnisses aufzeigte. Das kam dann auch im Zweiten Vatikanischen Konzil zum Tragen und ist bis heute maßgeblich für Ratzingers Denken. Dass jemand schon so früh eine so grundlegende Einsicht in das Kirchenverständnis gewinnen kann, hat mich außerordentlich beeindruckt.

Und im Blick auf das Offenbarungsverständnis bin ich auf den vor einigen Jahren veröffentlichten zweiten Teil seiner Habilitationsschrift gestoßen. Da geht es um das Offenbarungsverständnis bei Bonaventura. Da hat Ratzinger das traditionelle instruktionstheoretische Verständnis von Offenbarung in der Arbeit über Bonaventura überwunden. Offenbarung ist Begegnung, Offenbarung ist eine Person, und zwar Jesus Christus. Offenbarung braucht immer jemanden, der sie zur Kenntnis nimmt. Diese Grundlinien, die er in seiner Habilitation entwickelt hat, sind dann auch im Zweiten Vatikanischen Konzil zum Tragen gekommen. Dass jemand so früh Grundlinien entwickelt, die nicht nur für seine persönliche Theologie gültig sind, sondern auch in der Kirche fruchtbar werden, finde ich sehr bemerkenswert. In den Ratzinger-Studien habe ich einen Aufsatz über ,Die eucharistische Ekklesiologie Joseph Ratzingers´ veröffentlicht, und im Oxford Handbook of Ecclesiology wird von mir ein Artikel über die Ekklesiologie Joseph Ratzingers erscheinen.“

RV: Wie schätzen Sie die ökumenische Dimension in Ratzingers Theologie ein?

Dieter: „Ökumenisch ist mir Joseph Ratzinger zunächst aufgefallen in der Doktorarbeit von Vinzenz Pfnür ,Einig in der Rechtfertigungslehre?´. Sie stammte aus einem Seminar über das Augsburger Bekenntnis, das Joseph Ratzinger bereits als junger Theologe in Freising gehalten hat. 1980 hat er sich sehr intensiv mit der Frage einer katholischen Anerkennung des Augsburger Bekenntnisses beschäftigt. Er hat also nicht nur die lutherische Theologie, sondern auch die lutherische Kirchenlehre zur Kenntnis genommen. Das ist ökumenisch von großer Bedeutung. Ganz konkret ökumenisch aktiv ist Joseph Ratzinger dann gewesen, als es um die Erklärung zur Rechtfertigungslehre ging. Der Prozess, in dem diese Erklärung von lutherischen Kirchen und auch von der römisch-katholischen Kirche angenommen werden sollte, ist gegen Ende in eine Krise geraten, und Joseph Ratzinger hat sich außerordentlich intensiv und konstruktiv im Gespräch mit dem damaligen Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Hanselmann, und anderen um eine Lösung bemüht. Diese findet sich nun im Annex zur Gemeinsamen Erklärung. Joseph Ratzinger hat große Verdienste erworben für diese Gemeinsame Erklärung. Man kann sagen: Ohne ihn würde es diese Erklärung nicht geben.“

RV: Am Freitagmorgen haben Sie den emeritierten Papst getroffen. Wie geht es ihm?

Dieter: „Ich bin beeindruckt von der geistigen Wachheit, Heiterkeit und Freundlichkeit, mit der Papst emeritus Benedikt uns begegnet ist. Er hat sich für viele Dinge interessiert und mit einer Leichtigkeit über die verschiedensten Fragen gesprochen, mit einem unglaublich lebendigen Gedächtnis. Er hat sich an Kollegen aus der Tübinger Zeit vor 50 Jahren erinnert. Wir haben über verschiedene theologische Fragen gesprochen, daneben haben wir auch über die Musik von Arvo Pärt geredet. Es war ein weites Spektrum von Themen, die Gegenstand unseres Gesprächs waren.“

RV: Auch Arvo Pärt und Professor Karl-Heinz Menke haben auch den Ratzinger-Preis erhalten. Hatten Sie schon Gelegenheit mit diesen beiden Herren über die Theologie Ratzingers zu sprechen?

Dieter: „Wir haben uns erst am Freitag beim Frühstück persönlich zum ersten Mal getroffen. Natürlich habe ich einige Bücher des Kollegen Menke gelesen und auch die Musik von Arvo Pärt gehört. Wir haben über theologische Fragen im Allgemeinen gesprochen.“

RV: Was liegt Ihnen besonders am Herzen im Rahmen dieser Preisverleihung?

Dieter: „Was für mich an der Preisverleihung wichtig ist, ist natürlich neben der Freude, dass auch meine eigene Arbeit auf diese Weise gewürdigt wird, vor allem die Tatsache, dass mit dieser Preisverleihung und mit dem Bezug auf die Gemeinsame Erklärung, die vor fast 20 Jahren unterzeichnet worden ist, noch einmal von höchster katholischer Seite – also von Papst emeritus Benedikt und auch von Papst Franziskus – anerkannt wird, dass dieser Weg der Ökumene, den wir damals mit der Gemeinsamen Erklärung gegangen sind, aus katholischer Hinsicht sinnvoll, fruchtbar und wegweisend ist. Diese Anerkennung und Ermutigung, aber auch die Verpflichtung, diesen Weg weiterzugehen, das ist für mich das eigentlich Wichtige bei dieser Preisverleihung. Es ist ein großes ökumenisches Zeichen im 500. Jahr der Reformation.“ (rv)

Benedikt XVI. sendet Botschaft an Bonaventura-Konferenz

Da durfte eine Botschaft von ihm nicht fehlen: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat an die Teilnehmer einer Konferenz über den heiligen Bonaventura eine Grußbotschaft gerichtet. Benedikt XVI. gilt seit jeher als großer Kenner des Kirchenlehrers. An dem Symposium an der Päpstlichen Universität Gregoriana nehmen 48 Redner aus der ganzen Welt teil. „Wenn ich das Programm des Symposiums und die behandelten Themen ansehe, so merke ich, wie stark das Bild des heiligen Bonaventura in der Zwischenzeit bereichert wurde und wie er uns deshalb auch heute noch viel zu sagen hat“, so der emeritierte Papst. Benedikt XVI. hatte in seiner Zeit als junger Theologe und Professor dem Heiligen aus Mittelitalien ein vertieftes Studium gewidmet, unter anderem verfasste er seine Habilitationsschrift über den „Doctor seraphicus”. Auch als amtierender Papst hatte Benedikt XVI. immer wieder aus Werken Bonaventuras zitiert. (rv)

Viri probati: Papst Franziskus und der bröckelnde Zölibat

Anfang des Jahres hat der Papst eine mögliche Öffnung bei der Vorschrift der Ehelosigkeit für Priester angedeutet. Er sagte:

“Wir müssen darüber nachdenken, ob “viri probati” (bewährte verheiratete Männer) eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.”

Derzeit gibt es drei Ausnahmemöglichkeiten als verheirateter Kleriker eingesetzt werden zu können.

  • Übergetretene Pfarrer aus einer evangelischen oder anglikanischen Kirche.
  • Priester einer katholischen Ostkirche.
  • Verheiratete Diakone, welche aber keine Priester werden können.

Priestermangel ist kein Phänomen Europas, sondern existiert weltweit. Die Diskussion darüber ist auch nicht neu, schließlich hat die Katholische Kirche diese Mangelerscheinung in den Priesterseminaren und Pfarreien schon seit Jahrzehnten. Der Papst sprach allerdings von dieser Möglichkeit speziell von „weit entlegenen Gemeinden“, was er genau damit meinte bleibt noch abzuwarten.

Amazonas Bischofssynode 2019

Im Oktober kündigte Franziskus eine Sonderversammlung der Bischofssynode 2019 für das Amazonas-Gebiet in Rom an. Im Amazonasgebiet herrscht ein besonderer Mangel an Priestern und offenbar findet der Papst für eine mögliche Veränderung im Sinne von „viri probati“ die ersten Mitstreiter zum Thema. So der Österreicher Erich Kräutler C.P.P.S., dieser war von 1981 bis 2015 Bischof und Prälat von Xingu, der größten Diözese Brasiliens und der Brasilianer Kardinal Cláudio Hummes O.F.M., von 2006 bis 2010 Präfekt der Kleruskongregation in Rom und von 1999 bis 2014 Mitglied der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Beide Kirchenmänner sind treibende Kräfte für Veränderungen des Priestertums im Amazonasgebiet. Ihre Vorstellungen sind radikaler als die Ankündigungen des Papstes. Geht es nach ihnen, so kommt es unweigerlich zur Zölibatsabschaffung durch den Papst.

Kardinal Marx und „viri probati“

Am Freitag dieser Woche fand in München bei der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern das Thema deutlichen Anklang. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx sagte hier: „Das Thema “viri probati” muss einmal gründlich durchdacht und in der ganzen Bandbreite der Problematik besprochen werden“. Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner äußerte in einem Impulsreferat die Überzeugung, dass der Papst neue Formen des Priestertums zulassen wird. Verdeutlichend sagte er: „Wir werden das noch erleben, wenn niemand den Papst erschießt oder vergiftet.” Der emeritierte Universitätsprofessor Zulehner ist der Herausgeber der Initiative „Pro Pope Francis“ vom Oktober diesen Jahres.

Bis das Thema „viri probatis“ durch den Papst am Ende der Amazonas Bischofssynode entschieden wird, vergehen mindestens noch zwei Jahre. Wie brisant das Thema ist, beweisen aber schon heute die Äußerungen eines Marx und Zulehner in der Öffentlichkeit.

Es bleibt zu Hoffen, dass „viri probati“ nicht im selben Informationsdesaster wie „Amoris laetitia“ enden wird. (vh)

Weg frei für Seligsprechung von Papst Johannes Paul I.

Papst Franziskus hat den Weg zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul I. frei gemacht. Er unterzeichnete am Mittwoch das Dekret, das dem 1978 gewählten und verstorbenen Papst den sogenannten heroischen Tugendgrad zuerkennt, wie der Vatikan mitteilte. Damit kann eine Seligsprechung des als “lächelnder Papst” populären Kirchenoberhauptes stattfinden.

Bei der Audienz für den Präfekten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, am Mittwoch unterzeichnete Franziskus noch weitere Dekrete. Eines betrifft den seligen Bernhard von Baden, der im 15. Jahrhundert lebte und Graf von Baden war. Außerdem anerkannte der Papst das Martyrium des ungarischen Priesters Johannes Brenner, der 1957 aus Glaubenshass ermordet wurde. (rv)

Papst emeritus Benedikt nimmt Regensburger Sonntagsbibel entgegen

REGENSBURG – Die Regensburger Sonntagsbibel ist in der Ewigen Stadt angekommen: Das Redaktionsteam um Bischof Rudolf Voderholzer hat in Rom ein Exemplar der Regensburger Sonntagsbibel an Papst emeritus Benedikt XVI. übergeben.

In dieser sind unter anderem Texte von Benedikt XVI. enthalten.

Das 11-köpfige Team traf den emeritierten Papst am Montagmittag in seinem Wohnsitz im Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten.

Benedikt zeigte sich gerührt und erfreut, auf so viele Regensburger zu treffen. Bischof Rudolf Voderholzer stellte jeden einzelnen vor und erläuterte, welche Funktion derjenige bei der Entstehung der Sonntagsbibel hatte. Benedikt XVI. fand am Ende des Treffens für jeden einige persönliche Worte.

Benedikt erinnert die Hausbibel an seine Kindheit

Mit der Tradition der Hausbücher, wie die Regensburger Sonntagsbibel eines ist, ist Benedikt XVI. seit jeher verbunden. Schon als Kind begann der Sonntag für ihn bereits am Samstag mit der Lesung, die sein Vater vortrug – aus eben einem solchen Hausbuch. So berichtet er in einer Ansprache vom 2. Juni 2012 beim Pastoralbesuch in der Erzdiözese Mailand. Beim Treffen mit den Regensburgern in Rom nahm er erneut Bezug darauf und stellte heraus, wie schön diese samstagabendlichen Lesungen für ihn waren.

Die Tradition der Hausbücher ist nur noch wenig im Bewusstsein vieler Menschen verankert. Mit der Einführung der neuen Leseordnung nach dem zweiten Vatikanischen Konzil wurden die alten Hausbücher unbrauchbar. Danach gab es wenige, meistens kleinere Versuche, diese Tradition neu zu beleben. Die Sonntagsbibel ist jetzt der erste Versuch im großen Stil.

Mit ihr knüpft Bischof Rudolf Voderholzer an die katholische Tradition der liturgienahen Hausbibeln an. Die Regensburger Sonntagsbibel enthält jeweils die beiden Lesungen und das Evangelium für alle Sonn- und Feiertage der drei Lesejahre. Allen Lesungen ist ein Kommentar aus dem theologischen Gesamtwerk von Papst em. Benedikt XVI. zugeordnet. Dass in ihr Texte von ihm enthalten sind zeigt gleichermaßen seine Liebe zur Heiligen Schrift und seine Heimatverbundenheit.

Wie der Image-Film des Bistums Regensburg zeigt, liegt die 960 Seiten starke Regensburger Sonntagsbibel seit Oktober im Buchhandel vor. Sie enthält alle Schrifttexte der Sonn- und Feiertage eines Kirchenjahres. Zu Beginn steht das Tagesgebet, es folgen Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament, zwei Impulsfragen, die zum Nachdenken anregen sollen sowie eine Betrachtung zum Evangelium von Papst Benedikt XVI. Eine Besonderheit stellen die insgesamt 240 abgebildeten christlichen Kunstwerke dar, die allesamt aus dem Bistum Regensburg kommen.

Viel gute Resonanz

Bereits am Montagmorgen hat die Gruppe eine Heilige Messe im Petersdom gefeiert. In der Kapelle der Ungarn nahe dem Grab des Apostels Petrus dankte Bischof Rudolf dem gesamten Team für die Leistung, die es bei der Arbeit an der Regensburger Sonntagsbibel erbracht hat. Mit erkennbarer Freude erklärte er, wie viele positive Rückmeldungen er bereits erhalten habe. Allem voran die dargestellten Bilder der Kunstwerke aus dem ganzen Bistum würden viel Aufmerksamkeit bekommen.

Neben Bischof Rudolf Voderholzer und Weihbischof Josef Graf besteht das Team aus Hans-Georg Gradl, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Theologischen Fakultät Trier und Priester des Bistums Regensburg; Wolfgang Stöckl, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung; Gabriel Weiten, Theologischer Referent des Bischofs; Maria Baumann, Leiterin des Diözesanmuseums; Professor Sigmund Bonk, Leiter des Akademischen Forums Albertus Magnus; Albrecht Weiland, Verleger des Schnell & Steiner Verlages; Fotograf Anton Brandl sowie Manfred Cuno vom Grafischen Centrum Cuno in Calbe und Falk Flach von Typegerecht in Berlin. (CNA Deutsch)

Seligsprechungs-Verfahren von Johannes Paul I. kommt voran

Das Verfahren zu einer Seligsprechung von Johannes Paul I. kommt voran: Schon bald wird mit einer Anerkennung der sogenannten heroischen Tugenden gerechnet. Pünktlich dazu erscheint jetzt in Italien eine ausführliche Biografie des Papstes, der 1978 schon nach 33 Tagen im Amt starb; die Autorin ist Stefania Falasca. Ihre Recherche trägt den Titel „Papa Luciani – Cronaca di una morte“ und kostet 17 Euro.

Um den 33-Tage-Papst ranken sich viele Mythen. Sein unprätentiöses Auftreten hat ihm den Spitznamen „der lächelnde Papst“ eingebracht, während sein plötzlicher Tod Verschwörungstheorien aufkommen ließ. Etwa ein Jahrzehnt hat Stefania Falasca nun in Archiven recherchiert, Dokumente gesichtet und Zeugen befragt. Jetzt erscheint das Resultat: eine historisch-wissenschaftliche Rekonstruktion. (rv)

Papst Franziskus betet in den Ardeatinischen Höhlen

ROM – Ein Augenblick des Gebetes an dem Ort jenes Massakers, das heute in Italien als Symbol aller kriegerischen Repressalien gilt: Am Ende eines Tages, der den Toten aller Kriege gewidmet war, nach der Heiligen Messe auf dem amerikanischen Friedhof von Nettuno und vor dem Besuch in den vatikanischen Grotten und dem Gebet an den Gräbern seiner Vorgänger, kam Papst Franziskus an der Gedenkstätte der Ardeatinischen Höhlen an.

Bei seiner Ankunft wurde er vom Verantwortlichen der Vereinigung “Onorcaduti” (Ehre den Gefallenen), vom Direktor der Gedenkstätte und vom Oberrabbiner Roms, Riccardo Di Segni, empfangen. Auch die Mitglieder der nationalen Vereinigung der “Italienischen Familien der für das Vaterland Gefallenen” (ANFIM) waren anwesend, darunter Adriana Montezemolo, die Schwester des Kardinals Andrea Cordero Lanza di Montezemolo: Ihr Vater Giuseppe war eines der Opfer des Massakers gewesen.

Nach einer Erklärung zum Monument – die Statue versinnbildlicht die drei beteiligten Generationen, der Monolith die Gewichtigkeit des Ereignisses – betrat der Papst die Gedenkstätte und lief allein die Gänge entlang, die zu Grabmal führen. Einige Schritte hinter ihm ein kleines Gefolge, zu dem der Rabbiner Di Segni und der Leiter der Gedenkstätte gehörten.

Dann verweilte der Papst ein paar Minuten in stillem Gebet an jenem Ort, an dem die Leichen, jeweils in Gruppen von fünf, aufgestapelt worden waren.

Danach sprach Rabbiner Di Segni noch kurz mit Papst Franziskus. “Unter den Opfer der Ardeatinischen Höhlen waren auch 75 Juden (…) es ist eine geteilte Trauer. Wir sind hier gemeinsam, um dieser schrecklichen Dinge, die nie wieder geschehen dürfen, zu gedenken”, sagte er.

Dann ging die kleine Gruppe weiter zum Mausoleum. Die Website des Verteidigungsministeriums erklärt, dass “die Leichen der 335 Ermordeten in einem riesigen Grabe in der Erde gelegt wurden, das von einem großen Grabstein überdeckt wird, der auf symbolische Weise die Unterdrückung der Opfer und das Verbergen der Leichen darstellt.”

Weiter heißt es – und der Papst nahm diese Information auf – dass “die die sterblichen Überreste der Personen in der Reihenfolge ihrer Exhumierung in der Grotte angeordnet worden waren.”

Die Gräber sind alle aus Granit gefertigt und wurden in sieben parallelen Doppelreihen angelegt; die Daten der 326 identifizierten Leichen sind auf den zugehörigen Grabplatten eingemeißelt. Von weiteren acht Opfern kennt man den Namen, sie wurden jedoch nicht identifiziert; zu einer Leiche schließlich besitzt man keinerlei Angaben. Die Gräber dieser Ermordeten tragen die Inschrift “Ignoto” – ein Unbekannter.

Der Papst legte weiße Rosen nieder. Am Ende eines Augenblicks der Stille stimmt Rabbiner Di Segni den Gesang eines jüdischen Gebetes an.

Neben ihm stand Papst Franziskus. Dieser betete im Anschluss: “Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, mit diesen Namen hast Du dich Moses vorgestellt, als du ihm deinen Willen geoffenbart hast, ihn aus der Knechtschaft in Ägypten zu befreien”. Dieser Gott “bindet sich in einem Bund der Liebe für immer an den Menschen”, er ist barmherzig gegenüber “jedem Volk und jedem Menschen”, die unterdrückt werden.

“Gott der Gesichter und der Namen, Gott eines jeden dieser 355 am 24. März 1944 Ermordeten, deren sterbliche Überreste hier ruhen. Du, Herr, kennst ihre Gesichter und ihren Namen. Auch die jener, die für uns unbekannt geblieben sind. Für Dich, Herr, ist niemand unbekannt”.

“Gott Jesu Christi, Vater unser im Himmel. Dank ihm, dem auferstandenen Gekreuzigten, wissen wir, dass dein Name bedeutet, dass Du kein Gott der Toten, sondern der Lebenden bist. Dass dein treuer Bund der Liebe stärker als der Tod und Unterpfand der Auferstehung ist.”

Am Ende des Gebetes schrieb Papst Franziskus einige Zeilen in das Gedenkbuch: “Das ist die Furch des Krieges: Hass, Tod, Rache… Herr, vergib uns.”

Das Mausoleum der Ardeatinischen Höhlen ist ein Ort großer Bedeutung. Dort wurden die Leichen der 335 Zivilisten verborgen, die von der deutschen Wehrmacht als Rache für einen Angriff der “Resistenza” (italienische Widerstandsbewegung) auf die deutschen Truppen am 23. März in der Via Rasella, getötet wurden.

Dieses Ereignis wurde zum Symbol der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten. Und die Höhlen aus Pozzolanerde in der Nähe der Via Ardeatina wurden zum geeigneten Ort für eine Gedenkstätte. Gleich nach dem Krieg gab es eine Ausschreibung für die Gestaltung der Ardeatinischen Höhlen und die Errichtung eines Monuments zum Gedenken an die Opfer des Massakers, das am Ort ihrer Ermordung stehen sollte. Es war die erste Ausschreibung im befreiten Italien.

In einem Italien, das durch die deutsch-britischen Auseinandersetzungen zweigeteilt war, erweckten die Vielfältigkeit der Opfer (Katholiken und Juden, Mitglieder des Widerstands und gemeinsame Inhaftierte) und die Brutalität des Massakers auf gewisse Weise neu das Gefühl der nationalen Einheit. Mit dem Mausoleum wollte man nicht nur der Opfer gedenken, sondern den Krieg hinter sich lassen. Auch das hat Papst Franziskus gefordert durch diesen Tag, den er den Opfern aller Kriege gewidmet hat.

Übersetzt aus dem Italienischen von Susanne Finner. (CNA Deutsch)

Europa leidet an Gedächtnisverlust und ist unfruchtbar, warnt Papst Franziskus

Konflikt der 1960er führte zum Verrat am eigenen Vermächtnis und lässt Jugend ohne Wurzeln – Rückbesinnung auf christlichen Ursprung und sakramental verortetes Familienbild nötig für eine christliche, solidarische Gesellschaft, so der Pontifex.

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat in einer ausführlichen Rede zu Europa die Ehe von Mann und Frau verteidigt, die Unfruchtbarkeit der Revolution der 1968er verurteilt und betont, dass die Familie das notwendige Fundament einer christlichen, solidarischen Gesellschaft ist – auch und gerade für ein Europa, dem man vorwerfen könne, “Verrat an seinen Idealen” verübt zu haben.

Der Pontifex sprach vor vor Teilnehmern der Tagung “(Re)Thinking Europe”, bei der 350 Teilnehmer aus 28 Delegationen sämtlicher EU-Nationen, zusammen mit Vertretern katholischer Organisationen und Bewegungen, an diesem Wochenende in Rom den christliche Beitrag für eine Zukunft Europas diskutierten.

Franziskus wörtlich:

“Die Familie bleibt als erste Gemeinschaft der grundlegendste Ort dieser Entdeckung [christlicher Identität]. In ihr wird die Verschiedenheit hochgehalten und zugleich in der Einheit wieder zusammengefasst. Die Familie ist die harmonische Einheit der Unterschiede zwischen Mann und Frau, die umso wahrer und tiefer ist, je mehr sie fruchtbar und fähig ist, sich für das Leben und für die anderen zu öffnen.”

Seit den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, so der Papst weiter, sei “ein beispielloser Generationenkonflikt im Gang”.

Dieser habe dazu geführt, “dass man bei der Weitergabe der Ideale, die das große Europa gebildet haben, dem Vermächtnis den Verrat vorgezogen hat”.

“Auf die Ablehnung dessen, was von den Vätern kam, folgte so die Zeit einer dramatischen Unfruchtbarkeit und dies nicht nur weil in Europa wenig Kinder gezeugt werden und es allzu viele sind, die ihres Rechtes, geboren zu werden, beraubt worden sind (…)”.

Schlimmer noch als diese Verleugnung der natürlichen wie übernatürlichen Wahrheit über Sexualität: Diese Revolution habe sich als unfähig erwiesen, so Franziskus weiter, “den jungen Menschen die materiellen und kulturellen Werkzeuge zu übergeben, um sich der Zukunft zu stellen”.

“Europa erlebt eine Art Gedächtnisverlust. Dazu zurückzukehren, eine solidarische Gemeinschaft zu sein, bedeutet, den Wert der eigenen Vergangenheit wiederzuentdecken, um die eigene Gegenwart zu bereichern und den nachfolgenden Generationen eine Zukunft der Hoffnung zu übergeben”. (CNA Deutsch)

Blutreliquien des heiligen Johannes Paul II. gestohlen

VATIKANSTADT – Die italienischen Behörden ermitteln im Fall des Diebstahls von Blutreliquien des heiligen Papstes Johannes Paul II. aus dem Heiligtum von Montecastello im Norden des Landes.

Laut Angaben der Nachrichtenagentur Efe wurden die Reliquien zusammen mit Knochenfragmenten des seligen Jerzy Popieluszko, einem polnischen Priester, der 1984 getötet worden war, gestohlen. Beide befanden sich im Hochaltar.

Der Vorfall ereignete sich letzte Woche, die Nachricht wurde aber erst gestern bekanntgegeben. Nach dem ersten Stand der Ermittlungen gaben sich die Diebe als Touristen aus und entwendeten die Reliquien kurz vor Schließung des Heiligtums.

Der Pfarrer des Heiligtums, Giuseppe Mattanza, erklärte gegenüber Efe, dass es sich um eine “schwerwiegende Tat” handle und forderte die Diebe auf, die Reliquien zurückzugeben.

Wie es oft der Fall ist, waren die Reliquien des Papstes und des seligen Popieluszko ein Geschenk an das Heiligtum, hier ein Geschenk des emeritierten Erzbischofs von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz, dem ehemaligen Privatsekretär des Papstes.

Der Priester Jerzy Popieluszko wurde am 14. September 1947 geboren. Das kommunistische Regime hatte für den 13. Oktober 1984 einen Anschlag auf sein Auto geplant, um ihn zu töten, der jedoch scheiterte. Ein alternativer Plan – seine Entführung – wurde am 19. Oktober von drei Offizieren durchgeführt. Diese warfen ihn lebend in den Weichsel-Stausee, nachdem sie Steine an seine Füße gebunden hatten, damit sein Körper nicht an die Oberfläche käme. Sein Leichnam wurde am 30. Oktober geborgen.

Die Meldung dieses politischen Mordes erschütterte ganz Polen und die Mörder sowie einer ihrer Vorgesetzten wurden für die Straftat verurteilt. (CNA Deutsch)

PRO POPE FRANCIS: Unterstützer gegen kirchliche Papstkritiker

Unterstützer um Papst Franziskus haben jetzt eine Gegeninitiative ins Leben gerufen. Sie nennt sich „PRO POPE FRANCIS“ (PPF) und hat einen internationalen Hintergrund. Das von den Unterstützern unterzeichnete öffentliche Dokument hat folgenden Originaltext auf ihrer Website (PPF):

Hochgeschätzter Papst Franziskus!

Ihre Pastoralen Initiativen und deren theologische Begründung werden derzeit von einer Gruppe in der Kirche scharf attackiert. Mit diesem öffentlichen Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für ihre mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind.

Es ist Ihnen in kurzer Zeit gelungen, die Pastoralkultur der katholischen Kirche von ihrem jesuanischen Ursprung her zu reformieren. Die verwundeten Menschen, die verwundete Natur gehen Ihnen zu Herzen. Sie sehen die Kirche an den Rändern des Lebens, als Feldlazarett. Ihr Anliegen ist jeder einzelne von Gott geliebte Mensch. Das letzte Wort im Umgang mit den Menschen soll nicht ein legalistisch, sondern ein barmherzig interpretiertes Gesetz haben. Gott und seine Barmherzigkeit prägen die Pastoralkultur, die Sie der Kirche zumuten. Sie träumen von einer „Kirche als Mutter und Hirtin”. Diesen Ihren Traum teilen wir.

Wir bitten Sie, von diesem eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen und sichern Ihnen unsere volle Unterstützung und unser stetes Gebet zu.

Die Unterzeichner”

Das kurze und leider wenig aussagekräftige Dokument zielt gegen die Papstkritiker der „Correctio filialis“. Scheinbar haben die Befürworter nicht so recht begriffen, das die Kritik gegen den Papst nicht nur aus den kirchlichen Kreisen kommt, sondern derzeit schon weit verbreitet unter den Gläubigen der ganzen Welt anzutreffen ist. Zudem sprechen die Unterzeichner von einer „in kurzer Zeit gelungenen Pastoralkultur in der katholischen Kirche“, Argumente liefern sie dafür jedoch keine. Das Dokument ist hastig schnell mit der heißen Nadel gestrickt und liefert kein einziges überzeugendes Argument gegen die Kritikinhalte der „Correctio filialis“.

Quelle: Radio Vatikan (Screenshot am 17. Oktober)

Das Radio Vatikan unter der Schlagzeile „Pro Pope Francis: Initiative zur Unterstützung des Papstes“ rasch diese Gegeninitiave verbreitet ist verständlich. Unverständlich ist aber, dass man es hier unterlassen hat vorher die aktuellen Fakten zu recherchieren. So liest man in dem Artikel:

„Initiatoren von „Pro Pope Francis“ sind die Theologen Paul Zulehner aus Wien und Thomas Halik aus Prag. Mit der Initiative stellen sich die Unterzeichner und Unterstützer gegen 62 Papstkritiker, die Franziskus in einer „Zurechtweisung“ Ende September aufgefordert haben, sich von „Irrlehren“ zu distanzieren.“

Mit Stand 17. Oktober hat „Correctio filialis“ nicht 62, sondern 245 Signatoris und bei den angeführten Initiatoren weiß vielleicht Radio Vatikan mehr als die offizielle Website, denn hier wird nur der emerit. UnivProf. Dr. Dr. Paul M. Zulehner im Impressum genannt.

Festzustellen bleibt, PPF ist eine bedauernswerte Initiative für „Amoris laetitia“ und den Papst. Die Kritiker wird PPF eher lächeln lassen und zum überfälligen Dialog zu „Amoris laetitia“ trägt sie nichts bei. (vh)