Papst sagt, er bete für jene, die ihn “Häretiker” nennen

 

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat im vergangenen Monat gegenüber Jesuiten in Chile gesagt, dass er bereit sei, mit Leuten zu diskutieren, die nicht seiner Meinung sind – aber nicht mit Menschen, die ihm Häresie vorwerfen, auch wenn er für diese bete.

“Wenn ich Widerstand wahrnehme, versuche ich Dialog zu führen, wenn Dialog möglich ist”,

so Franziskus laut einem nun veröffentlichten Bericht des Jesuiten-Magazins “La Civiltà Cattolica” über sein privates Treffen mit 90 jesuitischen Ordensbrüdern am 16. Januar – dem ersten Tag seiner Reise nach Chile und Peru.

Der Papst sagte demzufolge weiter, dass “ein gewisser Widerstand von Leuten” komme, “die glauben, dass sie die wahre Lehre haben, und Dir vorwerfen, Häretiker zu sein.”

“Wenn ich in dem, was diese Leuten sagen oder schreiben, nichts geistlich Gutes finde, bete ich einfach für sie. Ich bedaure das, aber verharre nicht in diesem Gefühl… “, so Franziskus.

Bei dem Treffen beantwortete der Papst die Frage, welchen Widerstand er während seines Pontifikats erlebt, und wie er darauf reagiert habe.

“Im Angesicht von Schwierigkeiten sage ich niemals, dass es ein ‘Widerstand’ ist, denn das würde bedeuten, den Prozess der Unterscheidung aufzugeben”, sagte Franziskus. Damit würde man aber “das Quentchen Wahrheit”, welches oft den Kern des Konflikts ausmache, verwerfen.

Deshalb, so der Pontifex weiter, frage er oft, was die andere Person denke. Dies helfe ihm dabei, Dinge in Zusammenhang zu bringen, die auf den ersten Blick “wie Widerstand erscheinen, aber in Wirklichkeit eine Reaktion darstellen, die aus einem Missverständnis heraus entsteht, aus der Tatsache, dass einige Dinge wiederholt, besser erklärt werden müssen…”.

Franziskus stellte weiter fest, dass Missverständnisse oder Konflikte manchmal seine eigene Schuld seien, zum Beispiel wenn er etwas für offensichtlich halte oder einen gedanklichen Sprung mache, ohne den Gedankengang gut zu erklären in der Annahme, dass der andere seine Argumentation verstanden habe.

“Ich realisiere, dass mein Gegenüber, wenn ich zurückgehe und es besser erkläre, dann sagt: ‘Ah, ja, alles klar …’ Kurz gesagt, es ist sehr hilfreich, den Sinn des Konflikts gut zu untersuchen”.

Franziskus erklärte, dass er, wenn es echten Widerstand gibt, Bedauern empfinde. Die Versuchung, sich dem Wandel zu widersetzen, sei etwas, was ein jeder irgendwann schon mal erlebt habe.

Dazu gehöre für ihn auch Widerstand gegen das Zweite Vatikanische Konzil und Versuche, dieses “zu relativieren” oder “zu verwässern”, so Franziskus zu den Jesuiten.

Er sei sich bewusst, dass es “Kampagnen” gegen das II. Vatikanische Konzil gebe, lese aber nicht die Webseiten “dieses sogenannten Widerstandes”.

“Ich weiß, wer ich bin, ich kenne die Gruppen, aber ich lese sie nicht, meiner geistigen Gesundheit zuliebe. Wenn es etwas sehr Ernstes gibt, werde ich darüber informiert, damit ich es weiß”, so Franziskus. “Das ist eine Enttäuschung, aber wir müssen weitermachen.”


(CNA Deutsch)

„Benedikt XVI. setzt sein theologisches Nachdenken fort”

Vor genau fünf Jahren kündigte Benedikt XVI. seinen Rückzug aus dem Petrusamt an, seitdem bereitet er sich in einem Haus in den Vatikanischen Gärten auf den Tod vor. Doch schreibt der fast 91-Jährige auch noch theologische Werke?

Stefan von Kempis – Vatikanstadt.

Kardinal Marc Ouellet hat diesen Eindruck. Der Kanadier leitet die vatikanische Bischofskongregation. Und er sagt im Gespräch mit Vatikan News über den emeritierten Papst:

„Ich glaube, dass er seine (theologische) Reflexion fortgesetzt hat. Er hat ja seine letzten Erinnerungen mithilfe eines Journalisten, den er kennt, veröffentlicht; sie sind von einer großen Einfachheit, Authentizität, auch Weisheit. Es war sehr bewegend, sie zu lesen. Ich glaube, dass er auch sein Nachdenken über andere Themen fortgesetzt hat; wir werden vielleicht nach seinem Tod noch einige Überraschungen in dieser Hinsicht erleben – man weiß ja nie. Denn das ist ein lebenslänglicher Theologe… er hat weiter nachgedacht. Ich glaube, es könnte da einige posthume Überraschungen aus der Feder Benedikts XVI. geben, zur Erbauung der Kirche.“

Ouellet gehörte zu den Kardinälen, die vor genau fünf Jahren, am 11. Februar 2013, überrascht zuhörten, als der deutsche Papst auf einmal seinen Abschied vom Petrusdienst ankündigte.

„Ich hatte an diesem Morgen den Eindruck, dass irgendetwas passieren würde – obwohl der Papst sehr, sehr diskret gewesen war. Als er am Ende des Konsistoriums auf Latein noch einmal das Wort ergriffen hat, um seinen Rücktritt anzukündigen, kehrte ein absolutes Schweigen ein. Wirklich absolut. Es hat vielleicht fünfzehn oder zwanzig Sekunden gedauert. Dann hat der Doyen des Kardinalskollegiums (Kardinal Angelo Sodano) das Wort ergriffen, um die Überraschung der Anwesenden auszudrücken; aber ich sah, dass er schon etwas Geschriebenes vorbereitet hatte… Und danach sind wir alle aufgewühlt zurückgeblieben, standen in kleinen Gruppen zusammen, um das zu besprechen – das wird uns allen auf besondere Weise ins Gedächtnis eingegraben bleiben.“

„Delikat, klardenkend, sensibel, voll Glauben und Menschlichkeit“: So wirkt der emeritierte Papst noch heute auf den kanadischen Kardinal. Über Benedikts Rückzug spricht Ouellet voller Respekt.

“ Ich glaube nicht, dass sein Tod unmittelbar bevorsteht ”

„Das Zeugnis dieses Mannes ist ein großes Ereignis für die Kirche. Man spricht ja heute von der Reform des Papsttums; nun, die größte Geste dieser Reform war diese Entscheidung zum Rücktritt. Sie hat alle Menschen überrascht, aber zugleich den Horizont geöffnet für die ganzen Transformationen, die jetzt Franziskus durchführt, hin zu einer viel pastoraleren, dem Volk Gottes näheren Amtsführung. Ich glaube, diese Transformation war schon implizit angelegt in der Entscheidung von Benedikt XVI. Die diskrete Begleitung des neuen Pontifikats durch Benedikt lässt uns verstehen, dass der frühere Papst nicht auf einmal weg ist, sondern eine bestimmte bischöfliche, päpstliche Funktion weiter ausübt: die Fürbitte, die Solidarität und dabei die völlige Diskretion.“

Ouellet rechnet es dem emeritierten Papst hoch an, dass dieser (so gut wie) keine öffentlichen Stellungnahmen über seinen Nachfolger abgebe. „Dabei kann man sich vorstellen, dass er sich manchmal Fragen gestellt haben wird, dass ihn manches überrascht haben wird. Aber er ist bewundernswert in seiner Diskretion und seiner inneren Ruhe, auch in seiner diskreten, liebevollen, betenden Präsenz.“

Der Kardinal aus Kanada hat das Gefühl, dass Benedikt noch eine Zeitlang am Leben bleiben wird, das spricht er offen aus. „Ich glaube nicht, dass sein Tod unmittelbar bevorsteht. Es stimmt zwar, dass sein Gesundheitszustand schwächer wird, aber er ist noch ganz da, um noch weiterzumachen. Wie lange noch, das weiß nur Gott…“

Ouellet ist 73 Jahre alt. Er war Erzbischof von Québec in Kanada, Johannes Paul II. machte ihn 2003 zum Kardinal, Benedikt XVI. holte ihn an die Kurie nach Rom. (vatican news)

Benedikt schreibt, ein “Pilger auf dem Heimweg” zu sein

VATIKANSTADT – In einem neuen Brief schreibt Papst emeritus Benedikt XVI., er sei in der letzten Phase seines Lebens, und wenn auch seine körperlichen Kräfte schwinden, sei er von einer “Liebe und Güte” umfangen, die er sich nie hätte vorstellen können.

“Ich kann nur sagen, dass ich am Ende eines langsamen Niedergangs der körperlichen Kräfte innerlich ein Pilger auf dem Heimweg bin”, so Benedikt in dem am 7. Februar in der italienischen Tageszeitung “Corriere della Sera” veröffentlichten Brief.

“Es ist eine große Gnade für mich, auf dieser letzten Wegstrecke, die manchmal etwas ermüdend ist, von einer Liebe und Güte umgeben zu sein, die ich mir nie hätte vorstellen können.”

Benedikts Brief ist an den italienischen Journalisten Massimo Franco von “Corriere della Sera” gerichtet. Dieser hatte dem emeritierten Papst – fünf Jahre nach Benedikts Rücktritt – Briefe übermittelt, darunter vor allem Nachfragen nach seinem Wohlbefinden.

Benedikt löste einen weltweiten Schock aus, als er am 11. Februar 2013 seinen Rücktritt verkündete und erklärte, dass der Stuhl Petri ab 20.00 Uhr unbesetzt sei. Ein Konklave wurde berufen, und am 13. März 2013 wurde Jorge Mario Bergoglio zum Bischof von Rom gewählt – und nahm den Namen Franziskus an.

In seinem Brief, der am heutigen 7. Februar auf der Titelseite von “Corriere della Sera” veröffentlicht wurde, sagt Benedikt, er sei gerührt, dass so viele Leser der Zeitung “wissen wollen, wie ich diese letzte Zeit meines Lebens verbracht habe”.

Er schreibt darin, dass er die Fragen und Sorgen der Leser als Teil der Zuneigung zu schätzen weiß, die er erfahren durfte. Er nehme sie als “Begleitung” in der letzten Phase seines Lebens wahr.

“Deswegen”, sagte er, “kann ich nicht anders, als dankbar zu sein, und versichere euch alle meines Gebets. Freundliche Grüße.” (CNA Deutsch)

Papst: Antisemitismus „an der Wurzel“ bekämpfen

Nicht nachlassen im Kampf gegen Antisemitismus – und nicht nur den offenen Hass bekämpfen, sondern auch schon die Gleichgültigkeit: Dazu hat Papst Franziskus aufgerufen. Auch Einzelne, nicht nur Staaten, trügen Verantwortung dafür, dass es nicht zu „Verbrechen aus antisemitischem Hass“ komme.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt.

„Verantwortung tragen bedeutet imstande sein, zu antworten.“ Das sagte der Papst vor den Teilnehmern einer internationalen Konferenz gegen Antisemitismus der OSZE, die er zwei Tage nach dem Holocaust-Gedenktag im Vatikan empfing.

„Es geht nicht nur darum, die Gründe für Gewalt zu analysieren und die perverse Logik, die dahintersteht, zurückzuweisen, sondern auch darum, schnell und aktiv dagegenzuhalten. Der Feind, gegen den wir kämpfen, ist nicht nur der Hass in all seinen Formen, sondern – noch stärker an der Wurzel liegend – die Gleichgültigkeit. Sie ist es, die Menschen lähmt und daran hindert, das zu tun, was sie für gerecht erkennen.“

„Wo ist dein Bruder?“ Das habe Gott nach Angaben des Buches Genesis den Kain gefragt, nachdem dieser seinen Bruder Abel erschlagen hatte (vgl. Gen 4,7). Und Kain habe keine Antwort auf die Frage gegeben, sondern stattdessen versetzt: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ (V. 9) „Sein Bruder ist ihm egal – hier ist die perverse Wurzel, die Wurzel des Todes, die zu Verzweiflung und Schweigen führt! Ich erinnere mich von meinem Besuch in Auschwitz-Birkenau her an dieses betäubende Schweigen. Ein beunruhigendes Schweigen, das nur Raum lässt für Tränen, für Gebet und für die Bitte um Vergebung.“

“ Impfstoff der Erinnerung ”

Gegen das „Virus der Gleichgültigkeit“ empfahl Papst Franziskus den „Impfstoff der Erinnerung“. Entscheidend sei dabei, dass man sich nicht nur an das Glorreiche und Angenehme erinnere, sondern an „alles“ – auch das Schmerzliche und Unangenehme. „Wir haben vor kurzem den Tag der Erinnerung (an den Holocaust) begangen. Um unsere Menschlichkeit wiederzugewinnen, um ein menschliches Verständnis der Wirklichkeit wiederzugewinnen und so viele Formen der Apathie gegenüber unserem Nächsten zu überwinden, brauchen wir diese Erinnerung, diese Fähigkeit, uns gemeinsam zu erinnern. Erinnerung ist der Schlüssel zur Zukunft. Es liegt in unserer Verantwortung, ihn auf würdige Weise an die kommenden Generationen zu übergeben.“

Die eintägige Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) findet unter hochrangiger Teilnahme am Montag in Rom statt. Anwesend sind unter anderem der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Ronald Lauder und der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses Moshe Kantor.

Aus Österreich ist Außenministerin Karin Kneissl angereist, die auf einem FPÖ-Ticket in der Regierung sitzt. In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass der hochrangige FPÖ-Politiker Udo Landbauer Vizechef einer Burschenschaft war, die in einem Liederbuch eindeutig antisemitisches und nationalsozialistisches Gedankengut verbreitete. Kneissl sagte gegenüber der österreichischen Presseagentur APA, man müsse alles unternehmen, um zu verhindern, dass Antisemitismus in Österreich wieder Fuß fasse. Sie regte eine ähnliche Konferenz wie die in Rom auch in Österreich an. (vatican news)

Papst: „Kirche muss überall präsent sein

Die Kirche muss „überall dort präsent sein, wo die Menschen leben: in ihren Städten, ihren Häusern, an ihren Arbeitsplätzen“.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt.

Auf immer neue Weise soll sie versuchen, „Gottes Segen an seine ganze Schöpfung zu übermitteln“. Das schreibt Papst Franziskus in einem Brief an das Päpstliche Theologische Institut für Ehe und Familie.

Das Institut, das an der Päpstlichen Lateranunversität angesiedelt ist und von Franziskus vor kurzem neu eingerichtet wurde, hat einen neuen Lehrstuhl geschaffen. Er ist nach der Konzilserklärung Gaudium et Spes benannt, dem herausragenden Text zum Thema Kirche in der Welt von heute. Das gibt dem Papst die Gelegenheit, Gaudium et Spes ausführlich zu würdigen. Sein „wertvolles Erbe“ bestehe in einem „missionarischen Impuls“, der auch nach Jahrzehnten noch spürbar sei. Auch mit seiner Aufmerksamkeit für das „Evangelium der Familie“ bleibe Gaudium et Spes bahnbrechend.

“ Räume zu Begegnung und Dialog schaffen ”

Während des synodalen Wegs, der 2016 zu Franziskus Schreiben „Amoris Laetitia“ über eine Neuausrichtung der Ehe- und Familienpastoral führte, hat das Institut kaum eine Rolle gespielt. Manche sahen es als Gralshüter der Lehren Johannes Pauls II., der es einst gegründet hat, und beschrieben es als eine Art Gegenspieler zu der von Franziskus gewollten Neujustierung.

Franziskus erinnert in seinem Brief kurz an den synodalen Weg und an „Amoris Laetitia“, hält sich dabei aber nicht lange auf. Er sei „zuversichtlich“, dass das Institut „angesichts der neuen pastoralen Herausforderungen, auf die die christliche Gemeinschaft antworten muss, in vorderster Linie stehen“ werde.

Dem Bund zwischen Mann und Frau kommt in der Darstellung des Papstes weiterhin „eine außerordentliche anthropologische und soziale Relevanz“ zu. Besonders wichtig sei es, dass die Kirche „Räume zu Begegnung und Dialog“ schaffe, um ihre Lehre zu Ehe und Familie in der heutigen Lebenswirklichkeit der Menschen wirklich präsent zu machen. (vatican news)

Papst Franziskus: Hypokrisie wird immer deutlicher

Zu Beginn des Pontifikates von Franziskus sprach der Papst immer wieder davon, dass er für offene Diskussionen zu wichtigen kirchlichen Themen stehe und die Communio stärken wolle. Doch die Realität im Pontifikat des Papstes spricht eine andere radikale Sprache.

Zur Erinnerung – der Fall Kardinal Müller

 Anfang Juli 2017 verlängerte der Papst die fünfjährige Amtszeit von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation nicht. Als einzige fadenscheinige Begründung gegenüber Müller sagte der Papst:

“Ab sofort werden nur noch Amtszeiten von fünf Jahren zugelassen“.

Diese unbekannte und neue Regelung hätte somit einen Monat später den italienischen Kardinal Gianfranco Ravasi seines Amtes als Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur treffen müssen – hat sie aber nicht! Ravasi ist heute noch Dikasterienleiter des betreffenden Päpstlichen Rates.

Kardinal Müller hat in mehreren öffentlichen Äußerungen Kritik am Papst geübt. Sei es das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“ oder die ungerechte, eines Papstes eigentlich nicht würdige Umgangsweise, mit den Dubia-Kardinälen. Hat der Papst nun im Fall Müller schlicht und einfach die Unwahrheit gesagt, oder ist er unaufrichtig, scheinheilig, und vortäuschend? Darf man dem Papst Hypokrisie vorwerfen?

Franziskus duldet keine Kritik

Müller ist jedoch alles andere als ein Einzelfall. Oftmals hinter den Kulissen der Öffentlichkeit werden unliebsame Kritiker aus ihren kirchlichen bzw. theologischen Ämtern entfernt. So neulich erst an einer großen italienischen Universität geschehen. Der Vatikanist Marco Tosatti berichtet von zwei Fällen an der renommierten Katholischen Universität vom Heiligen Herzen (Università Cattolica del Sacro Cuore) von Mailand. Hier wurden zwei Wissenschaftler von der Liste der Mitarbeiter der Universität gestrichen. Bereits im November hatten beide eine Abmahnung der Universität erhalten. Begründet wurde diese Maßnahme mit der Unterschrift der Wissenschaftler unter die „Correctio filialis gegen die Verbreitung von Häresien“ gegen Papst Franziskus. Unbekannt ist allerdings, ob beide Wissenschaftler auf Anweisung des Papstes oder durch vorauseilenden Gehorsam der Universitätsverantwortlichen vor die Tür gesetzt wurden. Zum Schutz der Wissenschaftler hat Marco Tosatti die Namen nicht veröffentlicht. Dieser aktuelle Vorfall zeigt:

„Wer nicht für den Papst ist, ist gegen ihn“.

und das sind die Konsequenzen. Die vom Papst anfangs propagierte offene Diskussion in seinem Pontifikat wird mehr und mehr zur Maskerade, eben zur Hypokrisie. Seit den Bischofssynoden 2014 und 2015, deren Ausfluss „Amoris laetitia“ war, haben viele Kirchenmänner und Theologen diese Wahrheit zu spüren bekommen.

„Wer nicht auf Kurs bleibt, fliegt raus“.

Papst Franziskus muss sich vorwerfen lassen, weder Kritik zu vertragen noch sich dieser auch nur im Ansatz zu stellen. Schweigen ist keine Lösung – Kritiker zu eliminieren auch nicht. (vh)

Franziskus dankt guterzogenen Römern

 

Der Bischof von Rom, Papst Franziskus, hat Römer und Römerinnen gewürdigt, die im Kleinen mit bloßem zivilem Verhalten Gutes tun.

Von Gudrun Sailer – Vatikanstadt.

Zu seinem Dankeschön nutzte der Papst die traditionelle Vesper zum Jahresschluss im Petersdom, das sogenannte „Te Deum“, benannt nach dem feierlichen Lob-, Dank- und Bittgesang der frühen Kirche.

Den Sinn für Dankbarkeit und die innere Wahrnehmung von „Fülle“ habe die Kirche von der Gottesmutter Maria geerbt, sagte der Papst zu Beginn seiner Predigt. Überhaupt sei Dankbarkeit die „einzige menschliche Antwort auf die immense Gabe Gottes“, eine ergreifende Dankbarkeit, die, ausgehend von der Betrachtung des Kindes in der Krippe, „auf alle und alles übergeht, auf die ganze Welt. Es ist ein ,Danke´, das die Gnade spiegelt, es kommt nicht von uns, sondern von Ihm; es kommt nicht vom Ich, sondern von Gott, und es ergreift das Ich und das Uns“.

“ Dieses Danke kommt nicht von uns, sondern von Ihm; es kommt nicht vom Ich, sondern von Gott, und es ergreift das Ich und das Uns ”

In diese Atmosphäre hinein gelte es, Dank zu sagen für das zu Ende gehende Jahr. Zwar habe es auch 2017 nicht gefehlt an menschlichen „Werken des Todes“, an Lügen und Ungerechtigkeiten und Kriegen, an „großen und kleinen Beleidigungen des Lebens“. Für all diese Verfehlungen „können und müssen wir vor Gott die Verantwortung übernehmen“, so Franziskus. Dennoch überwiege an diesem Abend die Dankbarkeit.

Als Bischof von Rom denke er da an solche Menschen, die an jedem Tag „mit kleinen, aber kostbaren Gesten zum Wohl Roms beitragen: indem sie versuchen, ihre Pflicht so gut wie möglich zu tun, im Straßenverkehr mit Vorsicht und Vernunft unterwegs sind, die öffentlichen Orte respektieren und auf alte und bedürftige Menschen achten, undsofort.“ Diese und tausend andere Verhaltensweisen drückten „konkret Liebe für die Stadt aus“, lobte der Papst: „ohne Ansprachen, ohne Werbung, einfach im Stil zivilen Wohlverhaltens, das in den Alltag übertragen wird.“

“ Sie bemitleiden sich nicht selbst, noch hegen sie Groll, sondern sie bemühen sich jeden Tag, die Dinge ein wenig besser zu machen ”

Auch Lehrer, die die ihnen anvertrauten Kinder zu einem solchen Bürgersinn erziehen, erhielten ein ausdrückliches Lob des Papstes. Solche Menschen, fuhr Franziskus fort, seien die Mehrheit der Bürger Roms, viele lebten in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, „aber sie bemitleiden sich nicht selbst, noch hegen sie Groll, sondern sie bemühen sich jeden Tag, die Dinge ein wenig besser zu machen.“ Franziskus lud dazu ein, solchen „Handwerkern des Gemeinwohls“ auch einmal echte Anerkennung zu zollen. (vatican news)

Niemals im Ruhestand: Benedikt XVI. schreibt Gerhard Ludwig Müller

„Ein Priester und erst recht ein Bischof und Kardinal ist nie einfach im Ruhestand“: Das schreibt der emeritierte Papst Benedikt XVI. dem emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller.

Die Worte Benedikt XVI. stammen aus dem Grußwort zu einer Festschrift, die Müller gewidmet ist. Papst Paul VI. habe gewollt, dass höhere Ämter im Vatikan immer nur auf fünf Jahre vergeben werden, schreibt der emeritierte Papst, aber auch ohne ein bestimmtes Amt könne und werde Müller weiterhin

„öffentlich dem Glauben dienen“,

als Priester und als Theologe.

Benedikt XVI. würdigt das Amt, das beide inne hatten, das des Präfekten der Glaubenskongregation. Dort müsste zur Fachkompetenz auch Weisheit dazu kommen, welche die Grenze des bloß Gelehrten erkenne. Müller habe sich in seinen Jahren in Rom darum bemüht, genau das zu tun. „Du hast die klaren Überlieferungen des Glaubens verteidigt, aber im Sinn von Papst Franziskus ein Verstehen dafür gesucht, wie sie heute gelebt werden können“, heißt es in dem Text.

“ Du hast die klaren Überlieferungen des Glaubens verteidigt, aber im Sinn von Papst Franziskus ein Verstehen dafür gesucht, wie sie heute gelebt werden können ”

Anlass für die Festschrift sind der 70. Geburtstag Mülllers am 31. Dezember diesen Jahres und der 40. Jahrestag seiner Priesterweihe. Beiträge zu dem fast 700 Seiten starken Band steuern unter vielen anderen die Kardinäle Reinhard Marx und Kurt Koch, der Nachfolger Müllers Erzbischof Luis Ladaria, und die Theologen Karl-Heinz Menke und Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz bei.

Der Titel der Festschrift lautet „Der dreifaltige Gott. Christlicher Glaube im säkularen Zeitalter.“ (vatican news)

Angelus: „Zeit finden, um vor der Krippe zu beten”

Papst Franziskus hofft, dass die Menschen in diesen Advents- und Weihnachtstagen nicht von Hektik übermannt werden, sondern Zeit zur Besinnung finden.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„In diesen Stunden, die uns noch von Weihnachten trennen, rate ich Ihnen: Finden Sie einen Moment, um in Ruhe vor der Krippe zu beten. Es geht darum, im Herzen das Geheimnis des echten Weihnachten, der Geburt Jesu nämlich, anzubeten. Er nähert sich uns voller Liebe, Demut und Zärtlichkeit.“

Das sagte der Papst beim Angelus an diesem vierten Adventssonntag. Weihnachten sei das Fest der Geburt des Friedensfürsten, fuhr Franziskus fort. „Bitten wir um das Geschenk des Friedens für die ganze Welt, vor allem für die Menschen, die am meisten unter Konflikten und Kriegen zu leiden haben. Ich erneuere meinen Appell, auf dass zum Weihnachtsfest alle Entführten – Priester, Ordensleute, gläubige Laien – freigelassen werden mögen und in ihre Häuser zurückkehren können.“

Der Papst betete beim Angelus auch für die Einwohner der Insel Mindanao auf den Philippinen, die in den letzten Tagen von einem verheerenden Tropensturm heimgesucht worden sind. „Der barmherzige Gott nehme die Seelen der Verstorbenen auf und tröste alle, die wegen dieser Katastrophe leiden.“ Der Tropensturm hat nach den neuesten Angaben von diesem Sonntag mehr als zweihundert Menschen das Leben gekostet.

Ansonsten kommentierte der Papst vor seinem Mittagsgebet das Evangelium dieses vierten Adventssonntags: Es schildert die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel (Lk 1,26-38).

“ Maria setzt sich nicht in Szene ”

„In diesem Evangelienabschnitt können wir einen Kontrast zwischen den Versprechen des Engels und der Antwort Mariens feststellen. Dieser Kontrast zeigt sich in der Dimension und im Inhalt der Worte, die beide wählen.“ Der Engel halte Maria gegenüber eine längere Rede, in der er „unerhörte Perspektiven“ aufreiße. „Das Kind, das von diesem demütigen Mädchen aus Nazareth geboren werden soll, wird Sohn des Höchsten genannt werden – man kann sich überhaupt keine höhere Würde vorstellen als diese.“ Und auf eine Nachfrage Mariens hin werde die Verkündigung des Engels sogar „noch detaillierter und überraschender“.

„Die Antwort Mariens hingegen ist ein kurzer Satz, der nicht von Ruhm und Privileg spricht, sondern von Bereitschaft und Dienst: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort (V. 38). Auch der Inhalt ist ein anderer. Maria gerät nicht aus dem Häuschen bei der Aussicht, die Mutter des Messias zu werden, sondern bleibt bescheiden und erklärt nur, dass sie beim Heilswirken des Herrn mitwirken will.“

Dieser Kontrast sei voller Bedeutung, sagte Franziskus. „Er lässt uns begreifen, dass Maria wirklich demütig ist und nicht versucht, sich in Szene zu setzen. Sie anerkennt ihr Kleinsein vor Gott, und sie ist auch ganz zufrieden damit. Gleichzeitig ist ihr klar, dass von ihrer Antwort die Verwirklichung von Gottes Heilsplan abhängt und dass sie also dazu berufen ist, sich diesen Plan ganz zu eigen zu machen.“

Diese Haltung Mariens entspreche vollkommen derjenigen Jesu: Auch dieser sei gekommen, um Diener zu sein, „um der Menschheit zu helfen, ganz dem Heilsplan des Vaters zu entsprechen“. „Die Haltung Mariens spiegelt diejenige des Sohnes Gottes, der auch ihr Sohn sein wird, vollkommen wider. Dadurch erweist sie sich als vollkommene Mitarbeiterin am Heilsplan Gottes, und darum kann sie dann im Magnifikat ausrufen, dass Gott die Demütigen erhöht (Lk 1,52).“

Die Gläubigen sollten sich diese Haltung Mariens vor Augen halten und zu ihrer eigenen machen, riet Papst Franziskus. (vatican news)

Nochmal: Der Papst, das Vaterunser, die Versuchung

Führe uns nicht in Versuchung – aber da bin ich ihr schon erlegen. Der Versuchung nämlich, zu der ganzen Debatte um Papst Franziskus und die Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ noch etwas nachzutragen. Immerhin rührt diese Debatte ans Wesentliche: Darf ein Papst einfach so das Vaterunser verändern? Und noch bohrender gefragt: Führt uns tatsächlich Gott in Versuchung, obwohl er doch der gute Gott ist?

Stefan von Kempis – Vatikanstadt.

Zu Franziskus gesprächsweise vorgebrachtem Vorschlag, diese Vaterunser-Bitte doch etwas anders zu übersetzen, haben sich viele Theologen zu Wort gemeldet. Tenor: eher ablehnend. Es stimmt auch, dass der Textbefund eindeutig ist: Sowohl die ältere Vaterunser-Fassung bei Lukas als auch die ausführlichere bei Matthäus lauten, korrekt übersetzt „Führe uns nicht in Versuchung“. So weit, so gut.

Da lässt es aufhorchen, dass der Exeget Klaus Berger, einer der besten und originellsten Kenner des Neuen Testaments im deutschen Sprachraum, in der „Tagespost“ dem Papst beispringt: Auch er, Berger, finde, diese „vieldiskutierte“ Bitte müsse eigentlich so übersetzt werden: „Und lass uns nicht in Versuchung geraten.“

Dabei rüttelt auch Berger nicht am oben genannten Textbefund. Er fragt aber: „Blickt man denn gar nicht darauf, was Menschen heute mit dieser Bitte assoziieren? Hat noch niemand gemerkt, dass die traditionelle deutsche Übersetzung viele in Zweifel und Ungewissheit führt, weil sie mit ihrem Gottesbild nicht mehr zurechtkommen?“

Im Lauf der Jahrhunderte seit Luthers großer Bibelübersetzung haben sich laut Berger „die Assoziationen geändert“. In Versuchung führen bedeute heute „an niedere Triebe appellieren“, „verführen wollen“. „Genau in diesem Sinne“, so Berger, „sagt der Jakobusbrief 1,13: Gott versucht keinen.“ Da helfe „alles Pochen auf eine wörtliche Übersetzung gar nichts, wenn normale Menschen daraus die falschen Schlüsse ziehen“.

“ Verschone uns vor Testsituationen ”

Nein, Gott versuche keinen. Er führe höchstens jemanden in eine Situation hinein, in der dieser dann vom Teufel versucht werden könnte – zum Beispiel Jesus selbst, der nach Angaben des Evangeliums nach seiner Taufe im Jordan vom Geist in die Wüste getrieben wurde, wo er dann den Versucher traf (vgl. Lk 4, 1-2). Und diese Vaterunser-Formulierung bitte nun einfach Gott darum, den Beter vor „Testsituationen“ zu verschonen. „Das passt genau zu der folgenden Bitte ‚Erlöse uns von dem Bösen‘, denn das heißt: Befreie uns von dem Teufel, statt uns ihm begegnen zu lassen.“

Berger weist noch darauf hin, dass Versuchung nicht dasselbe wie „Prüfung und Bewährung“ sei: „Prüfen will und wird uns Gott sehr wohl.“ Aber der Sinn solcher Prüfungen sei „nicht teuflisch“, er habe nichts Heimtückisches an sich. Vielmehr könne die Prüfung „nötig sein, um qualifiziert weiterzuleben – wie bei der Abiturprüfung“. (Da traut der Herr Professor dem deutschen Abitur vielleicht zuviel zu… aber das ist ein anderes Thema.)

“ Warum wurden wir vertrieben? ”

Eine Prüfung „hat eine Zukunft“, erläutert Berger, „die Versuchung nicht“. Er rät dazu, auf Prüfungen und Bewährungsproben mit dem Schrei Jesu am Kreuz zu antworten, nämlich mit der Frage „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wobei auch das „falsch übersetzt“ sei, denn wörtlich müsse es heißen „Wozu hast du mich verlassen?“

Berger dekliniert das dann an ganz konkreten Beispielen durch. „Warum wurden wir aus Schlesien vertrieben? Antwort im Sinne der Bibel: um etwas Neues beginnen zu können, das dann größer und schöner wurde als das Verlorene. Oder: Nicht fragen Warum verliert ein Mädchen ihren Freund? Sie sollte fragen: Wozu? Sonst könnte sie nicht jetzt nach einem Neuanfang glücklich sein.“

Die Bibel denke eben „immer adventlich, nämlich vom Ende her, von der Hoffnung und vom Ziel her“. Das ist das alte „cui bono“, christlich gewendet. In dieser Hinsicht darf man jetzt durchaus fragen: Wozu diese Aufregung um die Überlegungen des Papstes zum Vaterunser? (vatican news)