Deutsche Bischöfe beenden Vollversammlung

„Gerade in dieser Woche, in der so viele andere Themen präsent sind, in Berlin und in der öffentlichen Debatte in Deutschland, ist es gut, daran zu erinnern, das normale Leben geht weiter…“ Mit diesen Worten leitete Kardinal Reinhard Marx an diesem Donnerstag die Abschlusspressekonferenz zur Herbstvollversammlung der Deutschen Bischöfe in Fulda ein. Und in der Tat, die Themen, die die Bischöfe seit Montag zu besprechen hatten, waren breit gefächert. Es ging um das Reformationsjubiläum und die Fortschritte in der Ökumene, die deutsch-polnischen Beziehungen, den jüdisch-christlichen Dialog und die Gefahren des Internationalen Terrorismus, aber auch die eingehende Beschäftigung mit der Enzyklika Laudato si und der für Oktober 2018 geplanten Weltbischofssynode „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“.

„Was immer wieder diskutiert wird“, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz angesichts der Wahlen zum Deutschen Bundestag vom vergangenen Sonntag, „ist, wie geht es jetzt weiter. Das ist nicht Sache der Kirche, die Politiker müssen sich zusammenraufen, und eine Regierung bilden. Wir sind Verteidiger der Demokratie, rauft euch zusammen, und versucht, für das Gemeinwohl zu arbeiten.“ In diesem Zusammenhang lud der Kardinal erneut zur „verbalen Abrüstung“ ein und erinnerte an die Würde der Institution des Bundestages. „Ich sage noch einmal deutlich und klar, alle Parteien, die im Deutschen Bundestag sitzen, mit denen wird man prüfen und klären, wie ein solches Gespräch stattfinden kann. Es gibt keine generelle Gesprächsverweigerung bei irgendeiner Partei von Seiten der deutschen Bischöfe.“ Es sei Aufgabe der Kirche, die politischen Prozesse kommentierend zu begleiten, so Marx.

Einen ganzen halben Tag habe die Bischofskonferenz sich eingehend mit der Enzyklika Laudato si befasst. Denn, so betonte der ausgewiesene Experte für die Soziallehre Marx, „es geht nicht nur um eine Umweltenzyklika, es geht um eine Sozialenzyklika, es geht um eine neue Fortschrittsidee, da sind wir als Kirche gefordert. Das ist wirklich ein neuer Impuls in der katholischen Soziallehre. Ich habe gesagt, wir müssen zumindest das, was wir beim Studientag diskutiert haben, jetzt einbeziehen in unsere Schlussfolgerung, dass in vielen Diözesen vieles passiert, aber wir noch nicht diesen Vernetzungsgrad erreicht haben, da ist es noch Umwelttext geblieben.“ Dabei solle auch die Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken intensiviert werden.

Stärker wollen sich die Bischöfe in Zukunft um die Verkündigung der christlichen Botschaft bemühen. Man müsse darüber nachdenken, wie angesichts veränderter Kommunikationsformen und Lebensweisen das Evangelium verkündet werden könne. Dabei gehe es bei Weitem nicht nur um das Wachstum der Kirche, unterstrich der Kardinal. „Es muss Freiheit herrschen, und zur Religionsfreiheit gehört, dass jemand die Religion wechseln kann, und dass wir uns auch intensiv darum bemühen. Man drängt nicht eine Botschaft auf, sondern man lädt zu einem Fest ein. Das ist Mission! Nicht, wenn du das nicht glaubst kommst du in die Hölle. Sondern, dass man anders und neu entdecken kann, was heißt das, den Schritt auf Jesus Christus zuzumachen.“

Zufrieden zeigte sich Marx über den Ausgang des Reformationsjubiläums. Ein Schlüsselpunkt des Reformationsjubiläums sei sicher der Gottesdienst von Hildesheim gewesen, unterstrich Marx; dieser habe bei allen Anwesenden großen Eindruck hinterlassen. Natürlich gibt es auch immer wieder Diskussionen, wie weit sind wir denn, was erwarten wir oder was erwarten wir nicht? Meine Position ist da ziemlich deutlich, und das haben die meisten Bischöfe bestätigt, die sich da zu Wort gemeldet haben, dass der Grundwasserspiegel der Freundschaft gestiegen ist – so hat es einer einmal formuliert. Also die intensivere Beziehung zueinander ist gewachsen, und da wird man weiter darauf aufbauen können.“ Gerade die größere Nähe ermögliche es auch, sich über die Differenzen, die in der Beziehung durchaus noch bestünden, auszutauschen, und nicht nur „in den eigenen Gruppierungen“ über die anderen zu reden.

Über den internationalen Terrorismus habe man sich eingehend unterhalten, so Marx. Bei der Präventionsarbeit gegen Radikalisierung von Flüchtlingen, die nach Deutschland gelangten, sei sicherlich auch die Kirche stärker gefordert, fasste der Kardinal die Diskussionen zusammen. „Was können wir tun als Kirche? Mithelfen an der Integration, da wo Menschen zusammenkommen, wo man etwas tut bei Bildungsmaßnahmen, wo diese manchmal ortlosen, jungen Männer in der Regel ja von der Seite und der Seite neue Anhängerschaften suchen, da ist etwas zu tun.“ In diesem Zusammenhang seien auch neue Wege bei der Stadtplanung und Wohnungsbauentwicklung wünschenswert.

Lobend erwähnte der Kardinal die intensive Arbeit der Kontaktgruppe der deutschen und polnischen Bischofskonferenz. Er fände es „großartig“, so Marx, dass die fünf Bischöfe der Kontaktgruppe einen „deutlichen Brief über die Versöhnung zwischen Deutschland und Polen“ geschrieben hätten. „Das war sehr wichtig und auch mutig, das jetzt zu tun. Ich habe den Brief sofort gelesen und fand das wirklich einen wunderbaren Beitrag und möchte das hier auch noch einmal deutlich machen: da sieht man, dass die Beziehungen stabil sind und auch jetzt in dieser Situation, wo wieder andere Töne versuchen, sich nach vorne zu drängen – damit man dem entgegen treten kann.“

Im Plenum wurde auch die Vorbereitung der Weltbischofssynode 2018 zum Thema Jugend besprochen. Im von Rom angestoßenen Konsultationsprozess hätten die Bischöfe Antworten aus allen Bistümern zusammengetragen und den Entwurf des Antwortschreibens nach Rom in der Vollversammlung erörtert, erläuterte der Kardinal. In den kommenden Wochen sei mit einer Veröffentlichung der Ergebnisse, die durch Hinweise aus den Diskussionen angereichert würden, zu rechnen. Doch auch die Jugendlichen selbst seien dazu aufgerufen, ihre Stimme einzubringen, erinnerte der Kardinal. Der Fragebogen aus dem Vatikan sei in Zusammenarbeit mit Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sowie der Initiative „Nightfever“ ins Deutsche übersetzt worden – bis zum 30. November 2017 ist eine Teilnahme noch möglich. (rv)

Marx: „Deutschland dreht sich nicht um eine einzige Partei“

Nicht nur auf die AfD starren, sondern „verbal abrüsten“: Dazu lädt Kardinal Reinhard Marx ein, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Die Debatten in Deutschland dürften sich nicht ausschließlich um eine Partei drehen, sagte er zum Beginn der Herbstvollversammlung der Bischöfe am Montagnachmittag in Fulda.

„Deutschland dreht sich nicht nur um eine Partei! Sechs Parteien sind im Bundestag vertreten; es geht nicht nur um den Blick auf eine Partei, sondern um den Blick auf Lösungen für Probleme. Nicht von vornherein die Fixierung auf ein einziges Thema und eine einzige Partei – das wäre kontraproduktiv!“

Zwar mache ihm der „Rechtsruck“, der bei der Bundestagswahl zutage getreten sei, durchaus Sorge, sagte der Kardinal. Doch das sei „ein Trend, der generell durch Europa geht, nichts typisch Deutsches“.

„Jeder Abgeordnete ist dem ganzen deutschen Volk verpflichtet. Ich appelliere, verbal abzurüsten und jetzt zur Sachdiskussion zu kommen. Das Parlament hat auch seine Würde. Ich bitte alle Abgeordneten darum, zwar zu streiten, aber mit Respekt vor dem anderen, in der Form eines Dialogs, im Streit um das bessere Argument und in der Suche nach dem Gemeinwohl.“

Aus seiner Sicht gebe es in allen Parteien „Menschen, die sich auf den christlichen Glauben berufen“, fuhr Marx fort. Er hoffe auch im neuen Bundestag auf eine anständige Form der Auseinandersetzung. „Es geht darum, dass der Stil auch deutlich macht: Wir ringen um einen guten Weg. Da ist es sehr wichtig, dass man keine Sprache des Hasses in eine politische Kultur hineinbringt.“

Der Erzbischof von München und Freising nannte ein paar Themenfelder, die auch künftig in der Politik wichtig sein werden und denen das besondere Augenmerk der deutschen Bischöfe gehöre. „Wie gehen wir mit den Fremden um, wie gehen wir mit den Armen um? Wie gehen wir mit Menschen um, die wegen einer Notsituation zu uns gekommen sind? Das sind Fragen, die für Christen in allen politischen Gruppierungen bedeutsam sein sollten.“ Er könne verstehen, dass sich bei den Menschen in Deutschland angesichts von Migranten Ängste entwickelten. „Dass wir die Sorgen der Menschen ernst nehmen, ist klar; diesen Sorgen können wir nur durch eine gute Integration der Menschen begegnen.“ (rv)

(UPDATE) 12 Tote nach LKW-Fahrt in Berliner Weihnachtsmarkt

BERLIN – (UPDATE Dienstag 20. Dezember 7:07 Uhr: Korrigierte Opferzahlen, Fahrer-Herkunft und Motivfrage) Bei einem nach Polizei-Analyse offenbar gezielten Terror-Anschlag ist am gestrigen Montagabend gegen 20 Uhr ein LKW in einen Weihnachtsmarkt unweit der Gedächtniskirche in Berlin gefahren. 12 Menschen starben, 48 Personen wurden verletzt, zum Teil schwer.

Der Fahrer des LKW floh zu Fuß, wurde jedoch festgenommen. Der RBB meldet, der Mann komme aus Pakistan und sei als Flüchtling eingereist. Die DPA meldet unter Berufung auf Angaben von Sicherheitskräften, dass der LKW-Fahrer ein afghanischer oder pakistanischer Asylbewerber gewesen sei. Ob der Mann tatsächlich im Februar als Flüchtling eingereist war, sei unklar, da der Verdächtige unterschiedliche Namen verwendete.

Wie berichtet wird, steuerte der Mann den Lastwagen auf den Gehweg und dann direkt in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hinein, durch Buden und Aufbauten. Dabei legte er eine Strecke von bis zu 80 Metern zurück, so Augenzeugenberichte.

Erzbischof Heiner Koch dankte den Einsatzkräften vor Ort per Twitter für ihren Dienst. Für den heutigen Dienstag ist eine gemeinsame Gebetstunde für Opfer und Angehörige in der Kathedrale angekündigt. Um 15 Uhr wird ein Gottesdienst gefeiert.

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, äußerte sich in einer Mitteilung am heutigen Dienstag morgen:

“Die Nachrichten aus Berlin haben mich tief erschüttert. Die Gewalt auf dem Weihnachtsmarkt ist das Gegenteil dessen, was die Besucher wollten. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Verletzten. Für alle werde ich beten. In dieser schweren Stunde für die Stadt Berlin und unser Land gilt es, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und zusammenhalten.” (CNA Deutsch)

Arbeitshilfe Gemeinsam Kirche sein: Einladung zum Experimentieren

dbkEin Papier, das zum Experimentieren einlädt, um für die Kirche der Zukunft zu lernen: Nach vielen bundesweiten und diözesanen Pastoralpapieren und nach einem mehrjährigen Dialog- und Gesprächsprozess macht die Deutsche Bischofskonferenz nun einen weiteren Schritt. Nach dem Dokument „Gemeinsam Kirche sein“ vom vergangenen Jahr gibt es jetzt eine Arbeitshilfe dazu, es wird konkret. Impulse und Ideen sollen es sein, aber auch Einsprüche, wie der Untertitel verrät.

Die Krisenphänomene der Kirche werden schon auch benannt, sagt Hubertus Schönemann, Leiter der Arbeitsstelle für Missionarische Pastoral und Mitarbeiter am Projekt „Gemeinsam Kirche sein.“ „Aber man muss aufpassen, dass man nicht die Mangelsituation als Ausgangspunkt für Reorganisation oder Rechristianisierung nimmt. Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass hier Veränderungsprozesse stattfinden und dass das, was Kirche und Evangelium ausmacht, neu gelernt werden muss.“ Das Papier trage viele Anregungen zusammen, die zeigten, dass Kirche eine lernende Kirche werden müsse, so der Theologe.

Und so spricht die Arbeitshilfe über Taufe und Konversion, über Leitung und Ehrenamt, über Sendung der Kirche und Ökumene. Alles aus der Praxis heraus, alles mit dem Ziel, die veränderten sozio-kulturellen Bedingungen für Kirche in den Blick zu bekommen. Das seien Weisen zu lernen, wie man heute Kirche sein könne, betont Schünemann.

In dieser Deutlichkeit noch nicht gehört

Neu sei etwa die Betonung des Priestertums aller Getauften – an sich nicht ganz originell, aber in der Form, wie das Papier darüber spreche und was das dann pastoral auch bedeute, habe die Kirche das in dieser Deutlichkeit noch nicht gehört. „An vielen Stellen ist Kritik gekommen, dass die Bischöfe jetzt die Taufberufung entdecken, weil es immer weniger Priester gibt. Aber vielleicht ist das der äußere Anlass, der dazu führt, dass wir lernen, wie wir auf neue Weise Kirche sein können und wie Sakramentalität der Kirche nicht nur enggeführt werden kann auf Priesteramt und Eucharistie, sondern letztlich die Sakramentalität des Gottesvolkes neu entdeckt wird.“

Dahinter stecke die Frage der Charismen, also der Gaben Gottes an seine Kirche; dahinter stecke dann auch die Frage, wie Priester und Hauptberufliche in der Zukunft aufgerufen seien, diese Charismen zum Leben und Tragen zu bringen. „Damit verbindet sich noch ein weiterer Aspekt, der, wie ich finde, sehr deutlich in dem Papier zum Ausdruck kommt, und das ist die Frage der Leitung“, fügt Schünemann an. „Die Bischöfe sprechen von vielfältigen Formen von Leitung.“ In der pastoralen Praxis bedeute das eine vermehrte Einbeziehung von Frauen in die Leitung, etwa in Pastoralämtern. Auch Leitung im Team solle weiter entwickelt werden.

Vielfältige Formen von Leitung

Das Dokument vom vergangenen Jahr samt seinen Arbeitshilfen baut auf den Vorgängerdokumenten auf, auf dem Dialogprozess und diözesanen wie auch deutschlandweiten Vorüberlegungen. „Man kann sicher sagen, dass dieses Papier einiges zusammenfasst von dem, was im Gesprächsprozess gelaufen ist. Zum einen ist das also eine Zusammenfassung dessen, was ist, auch von Bistumsprozessen. Aber natürlich sind auch die Bistümer in Deutschland sehr unterschiedlich unterwegs, und von daher sehe ich auch, dass das Papier dazu einlädt, zu experimentieren. Es ist kein Schlusspunkt, sondern lädt dazu ein, in vielen Feldern der Pastoral neue Erfahrungen zu machen. Es ermutigt zum Lernen und zum Schauen, wie die Kirche in Deutschland sich weiterentwickeln kann, um ihre Sendung in – und das ist wichtig – veränderten sozio-kulturellen Gegebenheiten ausführen zu können.“

Konkret wird es etwa mit Bezug auf eine Erfahrung, die viele Gemeinden und Bistümer gerade machen: die Realität der Großpfarrei. Dabei gehe es nicht darum, einfach in größeren Räumen das Alte weiter zu machen, betont Schünemann. „Wenn man es richtig versteht, dann geht es darum, dass sich auf diesem Territorium ganz unterschiedliche Formen von christlichen Gemeinschaften bilden können.“ Das könnten kurzfristige oder länger bestehende Formen sein, es kommen Gemeinschaften neu in den Blick, genauso wie neue Kirchorte.

Kirche morgen

Das werde die Sozialgestalt von Kirche verändern. „Kleine Gemeinschaften, die bei den Menschen sind, wo vielleicht die Übersichtlichkeit nicht mehr so da ist, wie das früher war, aber letztlich differenziert und angelehnt an die Milieus und die Situation: Das ist die Zukunftsoption.“ Einige Bistümer hätten bereits jahrelang Erfahrung, würden aber erst jetzt merken, worum es wirklich gehe. Es seien also langfristige Prozesse, auf die man vorbereitet sein müsse, so Hubertus Schönemann. Bei Leitenden und Gläubigen gebe es gleichermaßen Beharrungsvermögen und auch viel Wunsch nach dem, wie es vor dreißig Jahren gewesen sei. „Aber ich bin überzeugt davon, dass wir dahin nicht wieder zurückkommen. Das Papier ermutigt dazu, Erfahrungen zu machen, diese anzuschauen und gemeinsam daran zu lernen.“

Das Dokument, die Arbeitshilfe und Weiteres finden Sie auch auf einer eigenen Webseite. (rv)

Kardinal Lehmann: „Ein Mann der Zusammenarbeit”

Kardinal Lehmann21 Jahre lang war er das Gesicht der deutschen Kirche: Als Karl Kardinal Lehmann 2008 den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz abgab, lag eine prägende Zeit für die deutsche Kirche hinter ihm. Vier Jahre lang war er erst Bischof von Mainz gewesen, als die Bischofskonferenz den ehemaligen Theologieprofessor und Schüler von Karl Rahner zu ihrem Vorsitzenden wählte.

Er ist erst einmal ein guter Mensch, so urteilt Pater Hans Langendörfer, 10 Jahre lang an Lehmanns Seite als Sekretär der Bischofskonferenz. Er könne auf Menschen zugehen, sie zusammenführen und vermitteln. Als Jesuitenpater Hans Langendörfer 1996 das Amt des Sekretärs der Deutschen Bischofskonferenz übernahm, da war schon Halbzeit für deren Vorsitzenden Bischof Lehmann. 200 Kilometer trennten die Büros, die DBK in Bonn und den Vorsitzenden in Mainz.

Kommunikation, täglich

Überbrückt wurde die Distanz seit Tag eins seiner Aufgabe vor allem durch das Telefon, berichtet Langendörfer. Praktisch jeden Tag habe man telefoniert, „das war sehr intensiv. Er war immer ein Meister der Information.“ Informationen, Kopien von Briefen, Memos und Vermerke und vor allem sein „Lieblingsmedium“ Telefon, der Vorsitzende der Bischofskonferenz bezog seine Mitarbeiter ein. Er habe eine große Fähigkeit gehabt, mit Leuten zusammenzuarbeiten. „Er hat sich beraten lassen und allen den Eindruck gegeben, dass sie gefragt sind und ihren Teil beitragen können. Das ist eine große Gabe.“

Dasselbe galt auch für die Sitzungen der Bischofskonferenz, erinnert sich Langendörfer, der bei solchen Zusammenkünften zwölf Jahre buchstäblich an der Seite Lehmanns saß. „Er hat immer eine sehr starke Autorität gehabt. Wenn Bischof Lehmann in einer Sitzung das Wort ergriffen hat, dann hatte das Gewicht.“ Auch wenn die Vorsitzenden jeweils nur Primus inter Pares seien und keine Weisungen geben könnten, könnten sie Einfluss auf die Beratungen der Bischofskonferenz nehmen, „und Lehmann hatte als Vorsitzender Einfluss, weil er so klug und gebildet ist. Lehmann war in seinem vorigen Leben Professor, und man konnte immer wieder sehen, wie Lehmann-Seminare ausgesehen haben mögen: Jeder ist zu Wort gekommen. Und das war gut.“ Wenn Lehmann die Debatten dann zusammen gefasst hat, hatte das ein derartiges Gewicht, dass man oftmals in diese Richtung gegangen sei.

Persönliche Autorität

Getestet wurde diese Leitungskraft einige Male in den 21 Jahren Amtszeit, niemals aber wohl so stark wie während der Debatte um die Schwangerschaftskonfliktberatung, als es sowohl innerhalb der Bischofskonferenz als auch zwischen Deutschland und dem Vatikan immer wieder gegensätzliche und konfliktive Überzeugungen gab. Begonnen hatte das beim Papstbesuch Johannes Pauls II. 1996, 1998 kam es dann zum Ausstieg der Bischöfe aus dem staatlichen System. „Das ist immer wieder ein neues Ringen um den richtigen Weg gewesen“, erinnert sich Langendörfer an die intensive Zeit, seine Anfangsjahre in der DBK. „Es war manchmal eine große Anspannung in der Bischofskonferenz“, auch wenn die endgültige Lösung – also der Ausstieg aus der Beratung – nicht die Lösung gewesen sei, die Lehmann und andere deutsche Bischöfe favorisiert hätten.

2001 wurde Karl Lehmann dann vom Papst zum Kardinal erhoben – übrigens gemeinsam mit Walter Kasper, Johannes Degenhardt und dem Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, dem heutigen Papst. Warum er damals sozusagen erst auf einer Nachrückerliste genannt wurde, eine Woche nach dem Großteil der anderen, darüber wird bis heute Stillschweigen bewahrt.

Das Erbe des Konzils und der Synode

Der große Kommunikator, Netzwerker und Theologe Lehmann hat Spuren in der Deutschen Bischofskonferenz und Kirche hinterlassen, ist Pater Langendörfer überzeugt. „Kardinal Lehmann ist der Mann, der das Erbe des Konzils und das Erbe der gemeinsamen Synode der Bistümer in Deutschland (Würzburger Synode) verkörpert und in die Kirche hineingetragen hat.“ Das Konzil lag schon etwas länger zurück, als er Vorsitzender geworden sei, aber er habe das Netzwerk der Personen aus der Synode zusammen gehalten. Er habe es gut verstanden, auch mit den verschiedenen Gremien wie dem ZdK zusammen zu arbeiten. Er stehe auch für das ökumenische Erbe des Konzils und habe es treu fortgeschrieben, „ein brillanter und gesuchter Gesprächspartner für die evangelische Kirche“. Seine Rolle habe er im „breiten Prozess der Erneuerung der Kirche” gespielt, urteilt Langendörfer.

Nicht zu unterschätzen sei die theologische Bildung Lehmanns, auch für seine Arbeit als Vorsitzender. Enzyklopädisches Wissen bescheinigt Langendörfer ihm, manchmal auch einen etwas zu starken professoralen Habitus, selbst wenn der Jesuit das mit einem Lachen sagt. Es sei ihm jedenfalls immer um ein sachgemäßes und angemessenes Urteil gegangen. „Typisch war, dass er seine Tasche neben sich stellte und im Laufe einer Beratung ein Buch nach dem anderen auspackte, oft unter dem beifälligen Grinsen der Mitbrüder, und daraus zitierte.“ Das zeige, wie behutsam und gründlich er Positionen erarbeitet habe.

Eine große theologische Bildung, Informationen, Netzwerken und Kommunizieren, Behutsamkeit in der Urteilsbildung und ein Hören auf alle Stimmen der Konferenz: Karl Lehmann hat in seiner Zeit als Vorsitzender die Konferenz und darüber hinaus die katholische Kirche in Deutschland geprägt. Er sei, sagt Pater Langendöfer abschließend „wie man sich das wünscht: ein Mann der Zusammenarbeit.“ (rv)

Bischof Fürst: Plädoyer fürs Brückenbauen und für „Qualitätsjournalismus”

Bischof Gerhard FürstVielfältige Brücken zu bauen in einer pluralen Gesellschaft, zwischen verschiedenen Nationalitäten, sozialen Gruppen und auch verschiedenen „Frömmigkeiten” – das erhofft sich „Medienbischof” Gebhard Fürst vom laufenden Katholikentag in Regensburg. Der in der Deutschen Bischofskonferenz für Publizistik und Medien zuständige Bischof geht im Gespräch mit Radio Vatikan auch noch einmal auf den Fall Limburg ein: „Was in Limburg geschehen ist, ist nicht von den Medien gemacht, aber die Art und Weise, wie die Medien damit umgegangen sind, muss man auch teilweise kritisch anfragen.” Fürst plädiert hier für einen differenzierten Blick: Journalisten müssten kritisch sein, aber auch fair, sie sollten gut recherchieren und den Qualitäts- dem Skandaljournalismus vorziehen. (rv)

D: Kardinal Marx neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

Kardinal MarxKardinal Reinhard Marx ist der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Die in Münster versammelten Bischöfe wählten ihn an diesem Mittwoch ins Amt. Damit wird der 60 Jahre alte Marx Nachfolger von Erzbischof Robert Zollitsch, dem emeritierten Erzbischof von Freiburg. Aus Altersgründen konnte Zollitsch nicht wieder zur Wahl antreten.

Kardinal Marx ist Erzbischof von München und Freising, daneben übt er mehrere Funktionen beim Heiligen Stuhl aus. So ist er Mitglied des Kardinalsrates des Papstes zur Kurienreform und seit einigen Tagen auch Koordinator des Rates des neuen vatikanischen Wirtschaftssekretariates. Ferner übt er den Vorsitz des Rates der europäischen Bischofskonferenzen COMECE in Brüssel aus. In einer ersten Stellungnahme nach seiner Wahl äußerte Marx, er werde künftig nicht alles selbst machen, sondern auch delegieren. Der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz sei für ihn eine „neue große Herausforderung”, sagte er der versammelten Presse.

„Ich weiß, manche von Ihnen haben geschrieben: Wann soll der das alles noch machen, was er sich auf die Schultern legt? Aber es gibt gute Formen der Organisation, und man kann auch einige Aufgaben abgeben, man muss nicht alles behalten, man muss kein Sammler und Jäger sein von Posten und Aufgaben, man kann auch andere mit einbeziehen, und das werde ich in den nächsten Tagen gründlich überlegen.”

„Kein Sammler und Jäger von Posten”

Reinhard Marx stammt aus Westfalen. Nach seiner Zeit als Weihbischof in Paderborn und Bischof von Trier wurde er 2007 Erzbischof von München, im November 2010 erhob der Papst ihn in den Kardinalsstand. Dass die katholische Kirche Deutschlands in der Weltkirche und auch im Vatikan ihren Beitrag leistet, findet Kardinal Marx „richtig”.

„Wir haben einen Aufbruch durch Papst Franziskus, der muss sich auch bestätigen, denn vieles wird auf uns zukommen, was wieder zu neuen Problemen und Krisen führt. Das kann gar nicht anders sein in der Verkündigung des Evangeliums, in dem Weg der Kirche durch die Geschichte gibt es immer Turbulenzen, Neuaufbrüche, Korrekturen, Umkehr. Aber das, was Papst Franziskus in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium” gesagt hat, hat viele angesprochen, und das ist auch ein guter Orientierungsrahmen für das, was die katholische Kirche in Deutschland betrifft. Insofern ist es vielleicht ganz hilfreich, dass ich in engerer Verbindung stehe mit dem, was in Rom passiert. Ich will das eine nicht mit dem anderen vermischen, jedes Amt hat seine eigene Herausforderung und Aufgabe, aber es kann sich gut ergänzen.”

Den Prüfbericht der Bischofskonferenz über die Vorgänge in Limburg kennt Marx eigenen Angaben zufolge nicht. Er werde sich in die Sache einarbeiten. Was die Kirche in Deutschland derzeit brauche, sei Einheit, gerade angesichts einer vielfältigen Umgebung. Kardinal Marx:

„Wir sind vielfältig”

„Wir sind vielfältig. Wir werden nicht in überschaubare Lebensverhältnisse zurückkommen, aber in dieser Pluralität brauchen wir eine starke Stimme des Evangeliums. Alle Untersuchungen zeigen, dass ohne die konkrete sichtbare Gemeinschaft der Kirche der Glaube und die Stimme der Kirche in diesem Land schwächer werden. Deshalb müssen wir uns bemühen, glaubwürdig und authentisch auch diese konkrete, sichtbare katholische Kirche zu einer Stimme zu machen, die in diesem Land gehört wird.”

Die Wahl des Vorsitzenden war im fünften Wahlgang erfolgreich. Dazu war eine absolute Mehrheit erforderlich. Die ersten beiden Wahlgänge hätten hingegen zumindest eine Zweidrittelmehrheit erfordert. Es habe „viele” geeignete Kandidaten gegeben, verriet der scheidende Vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch.
Nach der Wahl des Vorsitzenden wurde der Sekretär der Konferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, von den Bischöfen in seinem Amt bestätigt. Auch Pressesprecher Matthias Kopp bleibt im Amt. (rv)

D: Hier wird sich etwas ändern

DBK_LogoDie deutschen Bischöfe treffen sich ab Montag zu einer entscheidenden Vollversammlung in Münster. Dort wollen sie am Mittwoch einen neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz wählen. Er wird Nachfolger des 75-jährigen emeritierten Erzbischofs von Freiburg, Robert Zollitsch, werden. Wahlberechtigt sind 66 Mitglieder der Bischofskonferenz; eine wichtige Rolle könnten bei der Abstimmung die Weihbischöfe spielen. Kardinal Joachim Meisner wird nicht mehr an der Wahl teilnehmen, weil Papst Franziskus letzte Woche sein Rücktrittsgesuch als Erzbischof von Köln angenommen hat. Auch der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der derzeit auf Anweisung des Papstes eine Auszeit außerhalb des Bistums nimmt, ist nicht in Münster angemeldet. Zum ersten Mal nimmt der neue Päpstliche Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, an einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz teil. (rv)

„Unerschrockener Kämpfer”: Zollitsch würdigt Kardinal Meisner

Erzbischof Robert Zollitsch„Irgendwo wird er mir fehlen!“ Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat im Gespräch mit Radio Vatikan Kardinal Meisner gewürdigt, dessen Rücktritt aus Altersgründen Papst Franziskus an diesem Freitag angenommen hat.

„Mit Kardinal Meisner verlässt das dienstälteste Mitglied unserer Konferenz die Bischofskonferenz, und das ist durchaus ein Einschnitt. Er ist einer der markanten deutschen Bischöfe, der den Mut hatte, seine Meinung zu sagen, der das auch gekonnt tat und Position bezog, der mit Leidenschaft für den Schutz des Lebens eintrat in all seinen Situationen, und der sicher eine Generation geprägt hat durch seine Predigten, durch das Einstehen für den katholischen Glauben. Da ist er ein unerschrockener Kämpfer. Wenn ich daran denke, dass er jetzt nicht mehr in der Konferenz sein wird, irgendwo wird er mir fehlen! Denn er ist ein überzeugender Bischof, der nun sagt, gut, mit 80 Jahren darf ich auch die Verantwortung in andere Hände legen. Ich bin überzeugt, er wird nun unsere Arbeit im Gebet weiterhin begleiten. Ich möchte ihm ein herzliches Vergeltsgott sagen, vielen Dank, Kardinal Meisner, für das, was er auch all die Jahre in der Bischofskonferenz getan hat, denn er gehörte zu den treuesten Besuchern unserer Konferenz und zu den engagiertesten in den Kommissionen, und das ist nicht selbstverständlich.“  (rv)

D: DBK dementiert Bericht des „Focus“

DBK_LogoDie Prüfungskommission zur Causa Limburg hat noch keinen Bericht vorgelegt. Mit diesen Worten widerspricht der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, einem Bericht des Magazins Focus. In einem Online- Bericht behauptet der Focus, aus Rom erfahren zu haben, dass die von Erzbischof Robert Zollitsch eingesetzte Kommission bereits zu einem Ergebnis gekommen sei. Bischof Tebartz-van Elst sei weder Geldverschwendung noch das Übergehen der Kontrollgremien vorzuhalten, berichtet der Focus über die angeblichen Ergebnisse der Kommission. „Die Prüfungskommission arbeitet weiterhin an ihrem Bericht. Es liegt – anders als der Focus berichtet – noch kein Ergebnis vor“, so Kopp in einer Stellungnahme. Bei der noch anstehenden Arbeit gehe es nicht ‚um abschließende Formulierungen‘, wie der Focus schreibe, sondern um das „kontinuierliche Aufarbeiten inhaltlicher Fragen.“ Wegen der aktuellen Arbeiten am Bericht werde die Kommission diesen erst im Laufe des Monats Februar dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch vorlegen, so Kopp weiter. "Inhalte des Berichts sind dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz bisher nicht bekannt.“ (rv)