Weißer Rauch! Ein neuer Papst ist gewählt

Weisser RauchEin neuer Papst ist gewählt! Nach dem fünften Wahlgang ist es soweit: Weißer Rauch ist um 19.06 Uhr aufgestiegen. Mit Spannung wird nun das Erscheinen des neuen Papstes auf dem Balkon erwartet. Bereits 150.000 Menschen haben sich versammelt, um den neuen Papst bei seinem ersten Auftritt zu begrüßen, doch der Menschenstrom auf der Via della Conciliazione, die auf den Petersplatz zuführt, will nicht abnehmen. Um circa 19.50 Uhr könnte es soweit sein und die berühmten Worte „habemus papam” erklingen. Pünktlich mit Erklingen der Glocken hat auch der strömende Regen ausgesetzt, dem die Menschen teilweise den ganzen Nachmittag lang getrotzt haben. (rv)

 

Schwarzer Rauch: Dritter Wahlgang vorbei

Schwarzer RauchAuch an diesem Mittwoch nach dem dritten Wahlgang gibt es noch keinen neuen Papst: um 11.39 Uhr rauchte es zum zweiten Mal nach Beginn des Konklaves deutlich schwarz aus dem Schornstein. Wie am gestrigen Dienstagabend trotzten zahlreiche Neugierige dem schlechten Wetter und standen bei strömendem Regen auf dem Petersplatz, die Blicke gebannt auf die Großbildschirme gerichtet. Wie planmäßig vorgesehen, wurden die Stimmzettel nach dem zweiten Wahlgang am Mittwoch verbrannt.

Das erste Mal hatte es um 19.41 Uhr an diesem Dienstagabend geraucht. (rv)

Schwarzer Rauch – erster Wahlgang vorbei

Schwarzer RauchUm 19.41 Uhr an diesem Dienstagabend wurde die Geduld der zahlreichen Neugierigen, die sich seit Beginn des Konklaves an diesem Nachmittag auf dem Petersplatz versammelt haben, belohnt – der erste Wahlgang fand sein sichtbares Ende, schwarzer Rauch entströmte dem Schornstein, der seit vergangenem Samstag auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle thront. Der Petersplatz war mit bunten Regenschirmen übersät, viele Zuschauer hatten dem Regen getrotzt und die Ungewissheit darüber in Kauf genommen, ob der Wahlgang tatsächlich stattfinden würde. Zwar hat es sich eingebürgert, dass bereits am ersten Tag des Konklaves zumindest eine Wahl stattfindet, zwingend vorgeschrieben ist dies aber nicht. Mit dem nächsten Rauch kann also planmäßig am Mittwoch gegen 12 Uhr gerechnet werden. (rv)

Letzte große Messe in Rom vor der Papstwahl

St_PeterDie Aufgaben des künftigen Papstes, die Verpflichtung der Kirche zur Einheit und die Barmherzigkeit Gottes – das waren die zentralen Themen in der Messe für die Wahl des neuen Papstes an diesem Dienstag. Mit der „Missa pro eligendo Romano Pontifice” bereiteten sich die Kardinäle am Dienstagmorgen im Petersdom auf das am Nachmittag beginnende Konklave vor. Mit ihnen beteten auch zahlreiche Kurienmitarbeiter und Gläubige im Petersdom für die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes. Kardinaldekan Angelo Sodano, der die Messe leitete und der aus Altersgründen nicht am Konklave teilnehmen wird, dankte zunächst dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. unter dem Beifall der Kardinäle für das „leuchtende Pontifikat”.

„Zugleich wollen wir heute den Herrn anflehen, dass er uns mit Hilfe der Kardinäle bald einen anderen guten Hirten für seine heilige Kirche zugestehen möge. Ganz sicher stützt uns in dieser Stunde der Glaube an das Versprechen Christi über den unvergänglichen Charakter seiner Kirche. In der Tat sagte Jesus zu Petrus: ‚Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen’ (vgl. Mt 16,18).”

Die Botschaft der Liebe

Diese Worte aus dem Matthäusevangelium stehen in Großbuchstaben, auf Griechisch und Latein, oben im Petersdom unter der Kuppel des Michelangelo. Sodano deutete die Aufgaben des künftigen Papstes, indem er von den Lesungen und dem Evangelium ausging. Der Jesajatext aus der ersten Lesung spreche vor allem von der Liebe Gottes zu den Menschen:

„Es ist eine Liebe, die sich besonders im Kontakt mit dem Leid bemerkbar macht, mit Ungerechtigkeit, Armut, mit allen Zerbrechlichkeiten des Menschen, seien sie physisch oder moralisch. Darauf bezieht sich die bekannte Enzyklika von Papst Johannes Paul II. „Dives in misericordia” (Über das göttliche Erbarmen). Darin merkt er an, dass die Art und Weise, in der sich diese Liebe zeigt, gerade im biblischen Wort des Erbarmens zum Ausdruck kommt.”

Dieser Auftrag der Barmherzigkeit sei von Christus den Hirten seiner Kirche anvertraut worden. Ein Auftrag, der jeden Priester und Bischof verpflichte – doch besonders den Bischof von Rom, den Hirten der Weltkirche, so Sodano. Die Liebe Gottes treibe die Hirten der Kirche dazu an, ihren Dienst für die Menschen jeder Zeit zu leisten, vom unmittelbareren karitativen Dienst bis zum Dienst, den Menschen das Licht des Evangeliums und die Kraft der Gnade zu bringen.

„So hat es Benedikt XVI. in seiner Botschaft für die Fastenzeit für dieses Jahr formuliert. Dort lesen wir: ‚Manchmal neigt man in der Tat dazu, den Begriff ,Nächstenliebe’ auf die Solidarität oder die einfache humanitäre Hilfeleistung zu beschränken. Es gilt jedoch zu bedenken, dass das höchste Werk der Nächstenliebe gerade die Evangelisierung, also der ,Dienst am Wort’ ist. Es gibt kein heilsameres und somit wohltätigeres Werk am Nächsten, als das Brot des Wortes Gottes mit ihm zu brechen, ihn an der Frohen Botschaft des Evangeliums teilhaben zu lassen, ihn in die Beziehung zu Gott einzuführen: Die Evangelisierung ist die höchste und umfassendste Förderung des Menschen.’”

Die Botschaft der Einheit

Kardinaldekan Angelo Sodano ging dann genauer auf die zweite Lesung ein, aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 4-6:

„Hier zeigt Paulus die praktischen Konsequenzen der Lehre auf, die er zuvor ausgebreitet hat, und beginnt mit einem starken Appell zur Einheit der Kirche: ’Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält’”

Sodano führte weiter aus, dass innerhalb der Einheit der Kirche eine Vielfalt der Gaben existiere, der vielfältigen Gnade Christi entsprechend. Diese Vielfalt diene dazu, den einen Leib Christi aufzubauen:

„In unserem Text lehrt uns der heilige Paulus, dass auch wir alle zusammenstehen müssen, um die Einheit der Kirche zu errichten, denn um zu ihr zu gelangen, ist es notwendig, dass ‚der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt [wird] in jedem Gelenk’ (Eph 4,16). Wir alle sind daher aufgefordert, mit dem Nachfolger Petri, dem sichtbaren Fundament jener Einheit der Kirche, zusammenzuwirken.”

Die Sendung des Papstes

Schließlich bezog sich Sodano auf das in dieser Messe verlesene Evangelium (Joh 21, 15-17). Der Text erinnere daran, dass die grundlegende Haltung der Hirten der Kirche die Liebe sei – und zwar jene Liebe, die dazu veranlasse, das eigene Leben für die Brüder hinzugeben.

„Die grundlegende Haltung jedes guten Hirten ist es also, sein Leben hinzugeben für die Schafe (vgl. Joh 10,15). Dies gilt vor allem für den Nachfolger Petri, den Hirten der universellen Kirche. Denn je höher und universeller das Amt des Hirten ist, desto größer muss seine Liebe sein.”

In diesem Liebesdienst an der Kirche und der ganzen Menschheit hätten die letzten Päpste viel Gutes getan für die Völker und die Weltgemeinschaft, so Sodano. Sie alle hätten sich unablässig für Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt. Er rief zum Gebet darum auf, dass auch der zukünftige Papst dieses Werk unermüdlich weltweit fortführen möge. Dazu zitierte Sodano noch einmal den emeritierten Papst:

„Papst Benedikt XVI. hat uns daran erinnert, als er sagte: „Auch der Dienst der Liebe ist ein konstitutives Element der kirchlichen Sendung und unverzichtbarer Ausdruck ihres eigenen Wesens.” Es ist eine Sendung der Liebe, die der Kirche eigen ist, insbesondere der römischen Kirche, die nach dem schönen Wort des heiligen Ignatius von Antiochien die Kirche ist, die ‚den Vorsitz in der Liebe’ führt; ‚praesidet caritati’ (vgl. Ad Romanos, praef.; Lumen gentium, 13).”

Vor acht Jahren hatte zum Beginn des letzten Konklaves der damalige Kardinaldekan in Sankt Peter gepredigt: Es war der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger, der mit seiner programmatischen Rede viele Themen seines bevorstehenden Pontifikats vorwegnahm.

Wie es am Dienstag weitergeht

Um 16.30 Uhr ziehen die Kardinäle feierlich in die Sixtinische Kapelle ein. Mit dem Ruf „Extra omnes” (Alle hinaus) werden danach die Türen der Sixtina geschlossen. Nach einer Vereidigung jedes einzelnen Kardinals und einer Meditation, die der maltesische Kardinal Prosper Grech hält, kann der erste Wahlgang erfolgen.

Für die Wahl eines neuen Papstes ist die Zweidrittelmehrheit erforderlich, also 77 Stimmen. Mit einem Rauchzeichen, das einen erfolglosen oder erfolgreichen Abschluss eines Wahlgangs signalisiert, ist nach Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi erst gegen 20.00 Uhr zu rechnen. Es sei aber nicht anzunehmen, dass die Entscheidung schon im ersten Wahlgang falle. Bei der Wahl Benedikts XVI. vor acht Jahren dauerte es nach dem Einzug ins Konklave 26 Stunden, bis das neue Oberhaupt auf den Balkon trat. (rv)

Einzug in die Sixtinische Kapelle: Erzbischof Gänswein mit dabei

Erzbischof GänsweinErzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., zieht am Dienstag mit den Kardinälen zum Konklave in die Sixtinische Kapelle ein, gab der Vatikan am Montag bekannt. Gänswein werde in seiner Eigenschaft als Präfekt des Päpstlichen Hauses an der Prozession der Kardinäle von der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes in die Sixtinische Kapelle teilnehmen. Er gehöre wie etwa der vatikanische Innenminister Erzbischof Angelo Becciu zu den ranghohen Kurienbeamten, deren Miteinzug ins Konklave vorgesehen sei. Vor Beginn des eigentlichen Wahlgangs muss Gänswein wie alle anderen anwesenden Nichtpapstwähler die Sixtina jedoch verlassen, sobald der päpstliche Zeremoniemeister Guido Marini „Extra omnes” – „Alle hinaus” – ruft. (rv)

Sind wirklich alle wahlberechtigten Kardinäle in Rom anwesend?

Konklave 2013

 Der Aspekt, um den es hier geht, ist die Anzahl der Eminenzen, die eigentlich durch die Apostolische Konstitution „Universi dominici gregis“ (UDG) an der Papstwahl im März teilnehmen müssten. Am Tag der Bekanntgabe des Amtsverzichtes, Rosenmontag 11. Februar 2013, umfasste das gesamte Kardinalskollegium 209 Kardinäle. Von diesen hatten 118 Kardinäle ein aktives Wahlrecht.

 Am 21. Februar wurde bekannt, dass der indonesische Kardinal Darmaatmadja an einer schweren Sehschwäche leide und somit nicht am Konklave teilnehmen werde. Die Zahl der Papstwähler sank auf 117 Kardinäle.

 Wenig später, am 25. Februar, ging die Nachricht um den britischen Kardinal O´Brien um die Welt. Wegen persönlicher Missbrauchsfälle gegenüber Priestern hatte er seinen Rücktritt als Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh beim Papst eingereicht. Benedikt XVI. hatte diesem Wunsch entsprochen. Parallel lies Kardinal O´Brien verlautbaren er nehme nicht am Konklave teil: „Ich will nicht, dass sich die Aufmerksamkeit der Medien in Rom auf mich konzentriert statt auf Benedikt XVI. und auf seinen Nachfolger“. Mit dieser Ankündigung sank das Wahlgremium auf 116 Kardinäle.

 Schließlich erreichte am 26. Februar der ukrainische Kardinal Husar seinen 80. Geburtstag und verlor somit sein aktives Wahlrecht. Zur Papstwahl standen insofern noch 115 Kardinäle bereit.

 Stellt sich nun die Frage, sind die Verlautbarungen des Vatikans zu den wahlberechtigten Kardinälen rechtens?

 Die Fälle Kardinal Darmaatmadja und Kardinal O´Brien müssen genau betrachtet werden. Eine offensichtlich endgültige Entscheidung wurde durch die 7. Generalkongregation am 08. März getroffen. In beiden Fällen hatte die Mehrheit der Kardinäle das Fernbleiben von Kardinal Darmaatmadja und O´Brien akzeptiert. War diese Entscheidung überhaupt konform mit der UDG? Geht man davon aus, dass der indonesische Kardinal Darmaatmadja ein ärztliches Gutachten vorgelegt hatte, ist sein Fernbleiben nach Zustimmung des Kardinalskollegiums rechtens und durch die UDG Nr. 38 anerkannt. Im Fall des britischen Kardinals O´Brien stellt sich der Sachverhalt nicht so eindeutig dar. Die UDG Nr. 38 besagt folgendes:

 „Alle wahlberechtigten Kardinäle, die durch den Dekan oder in seinem Namen durch einen anderen Kardinal zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen wurden, sind kraft heiligen Gehorsams gehalten, der Ankündigung der Einberufung nachzukommen und sich an den dazu festgelegten Ort zu begeben, außer sie seien durch Krankheit oder einen anderen schwerwiegenden Grund verhindert, der jedoch vom Kardinalskollegium als solcher anerkannt werden muss“.

 Es erscheint sehr fragwürdig, ob der Verfasser der UDG, Papst Johannes Paul II. vor ziemlich genau 17 Jahren mit der Nr. 38 einem Kardinal das Recht einräumen wollte, die Teilnahme an einem künftigen Konklave von persönlichen Empfindlichkeiten abhängig zu machen. Jedoch noch fragwürdiger ist die Entscheidung der Generalkongregation vom 08. März 2013. Mit welchem Recht haben die Kardinäle den Wunsch von Kardinal O´Brien akzeptiert? Wieso hat man ihn nicht zum heiligen Gehorsam ermahnt und nach Rom beordert? Genau diese Entscheidung wäre die einzig Richtige gewesen. O´Briens Argumentation zum Fernbleiben sind eines Kardinals nicht würdig geschweige dem Heiligen Kollegium zuträglich. An dieser Stelle ist es auch vollkommen unerheblich, ob die vorangegangenen Handlungen von Kardinal O´Brien moralisch verwerflich sind oder strafrechtlich verfolgt werden können. Wäre Kardinal O´Brien inhaftiert und könnte somit nicht am Konklave teilnehmen, käme Nr. 38 der UDG voll zu tragen. Aber dieser Fall ist nicht eingetreten.

 Der Fall Kardinal O´Brien wird noch suspekter, wenn man den missbrauchsgeschüttelten Kardinal Mahony mitbetrachtet. Mahony ist seit Jahren in Missbrauchsfälle in den USA verwickelt. Nicht umsonst war er am 01.03.2011 als Erzbischof von Los Angeles zurückgetreten. Kaum war der Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. bekannt, propagierte eine Gruppe namens „Catholic United”, sie werde Mahonys Teilnahme am Konklave verhindern. Kardinal Mahony hatte es dann auch ziemlich eilig nach Rom zu kommen. Der emeritierte Kurienkardinal de Paolis nahm Kardinal Mahony sogar öffentlich in Schutz und sagte: “Nach den geltenden Vorschriften habe jeder wahlberechtigte Kardinal das Recht und die Pflicht zur Teilnahme am Konklave“. Scheinbar ist die Rechtfertigungspraxis der Kardinäle in Rom fallabhängig.

 Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Generalkongregation im Fall Kardinal O´Briens den tieferen Geist der UDG missachtet hat und den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist. Eigentlich müssten mit Konklavebeginn am Dienstag, den 12. März 2013 116 Kardinäle in die Sixtinische Kapelle einziehen und nicht nur 115 Eminenzen. (vh)

10. GK: Letzte Generalkongregation: Bertone berichtet über Vatikanbank

AulaIm Vatikan ist an diesem Montag die 10. und letzte Generalkongregation zusammengetreten, um das Konklave vorzubereiten. Nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi nahmen 152 Kardinäle daran teil, unter ihnen die 115, die ab Dienstag Nachmittag zur Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle zusammentreten werden. Im Lauf der Beratungen wurden drei Kardinalhelfer des Camerlengos (Kardinalkämmerer) ausgelost, die für drei Tage im Amt sein werden: Es sind der Ägypter Naguib, der Kanadier Ouellet und der Italiener Monterisi.
Lombardi sprach vor Journalisten von 28 Wortmeldungen unterschiedlicher Länge; der frühere Kardinalstaatssekretär und jetzige Camerlengo Tarcisio Bertone habe über die Vatikanbank IOR gesprochen und ihre Versuche, sich internationalen Standards anzupassen. Insgesamt seien in allen Generalkongregationen der letzten Tage 161 Wortbeiträge gehalten worden; wieviele Kardinäle dabei mehrfach sprachen, wußte der Jesuit nicht genau anzugeben. Die Generalkongregation habe beschlossen, am Montag Abend nicht mehr zusammenzutreten, obwohl noch ein paar Kardinäle auf der Rednerliste gestanden hätten. (rv)

Kardinal Lehmann: „Das geht einem schon durch Mark und Bein”

Kardinal LehmannKnapp fünfzig der wählenden Kardinäle sind nicht das erste mal dabei, sie haben bereits 2005 Benedikt XVI. mit gewählt. Darunter ist auch der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann. Pater Bernd Hagenkord hat ihn zur geistlichen und persönlichen Seite der Wahl eines neuen Papstes befragt.

Herr Kardinal Lehmann, wir Journalisten hatten am Samstag die Gelegenheit, die Sixtinische Kapelle zu besuchen, die noch eine Baustelle ist, aber man sieht schon die Sitzungstische und den ‚Vorstandstisch’. Das drängt den liturgischen Charakter der Kapelle etwas zurück. Ist das Konklave wirklich ein geistliches und liturgisches oder doch eher ein demokratisches Verfahren?

„Es hat viel von demokratischen Verfahren in sich, aber der Raum prägt natürlich doch den Grundcharakter der Verfahren. Es ist für mich auch ein ganz wichtiges Zeichen, dass man – wenn man den Stimmzettel in den Kelch oder die Urne hineingibt – einen ganz kurzen Satz spricht, in dem man sagt: ,Ich versichere, dass ich dem meine Stimme gegeben habe, den ich am meisten geeignet nach dem Willen Gottes finde.‘ Das geht einem schon durch Mark und Bein. Man fragt sich dann, welche Gesichtspunkte da eine Rolle spielen und was das Maß ist, an dem ich den Menschen da gemessen habe.
Es gibt auch dadurch, dass das Ganze relativ langsam geht und keine Eile und keine Hektik da ist, eine gewisse Ruhe. Jeder geht vor, es gibt also schon eine meditative Grundstimmung dadurch, dass man sich da langsam nähert und zurück geht. Es hängt natürlich auch von den Teilnehmern ab. Wenn ich mich an das letzte Mal erinnere: Man kann mit etwas unterdrückter Stimme mit dem Nachbarn reden, es ist also nicht einfach nur ein einfaches Schweigen, ein stummes Dasitzen. Aber andererseits gibt es auch auf keinen Fall irgendein Palaver, das da wäre. Insofern fand ich es eigentlich enorm gut, dass dieser Raum von selbst – ohne die Sachlichkeit der Abstimmung irgendwie zu beeinflussen – doch eine gewisse Stimmung verursachte.
Und nicht zu vergessen das große Gemälde des Jüngsten Gerichtes. Man muss sich vor dem verantworten, der als Richter vor einem ist. Das ist ja nun so groß und so mächtig und so eindrucksvoll, dass es einem nicht entgehen kann.”

Kardinal Schönborn hat das so formuliert: Wie gehen nicht nach Rom, um den Papst zu wählen, sondern um gemeinsam herauszufinden, wen Gott gewählt hat. Trifft das auch Ihre Einstellung?

„Also, ich würde das nicht so ausdrücken, auch wenn es so ist. Zweifellos hat man das Vertrauen, dass alle sich und ihr Denken ein Stück weit ausrichten auf die Person des Papstes, die man in den Augen Gottes sucht. Wenn man sich in seinem Denken immer auch ein Stück weit reinigen muss und sagen muss, dass man keine falschen Gefühle und falschen Voraussetzungen hereinbringt, so steht eigentlich für mich im Vordergrund, dass es eine sachliche Vorbereitung und Entscheidung ist. Sich zu informieren, offen zu bleiben, ist auch wichtig, eventuell auch neue Leute zu entdecken, die man vorher nicht so im Sinn hatte. Am Ende habe ich die Hoffnung und die Zuversicht, dass Gott seinen Segen dazu gibt, aber erkennen kann man das nicht.”

„Was ein Papst erwägen muss”

Sie haben es angesprochen, es ist Ihr zweites Konklave. Wie bereiten Sie sich eigentlich darauf vor?

„Also zunächst einmal habe ich keine Sonderveranstaltungen. Bei dem, was man tut, wenn man in den Tag hinein geht, das Morgen- und das Abendgebet spricht und abends auch Gewissenserforschung macht, ist natürlich das Thema im Vordergrund. Man fragt sich da schon, wie man den Tag beurteilt, was man gewonnen und was falsch gemacht hat. Ich glaube, dass an jedem Tag in den liturgischen Texten, im Stundengebet und in der Messe so viele aufrüttelnde Verse gerade auch in der österlichen Bußzeit enthalten sind, dass man immer wieder etwas für sich selbst findet.
Und ich lese, wie beim letzten Mal, ein kleines Buch, das Bernhard von Clairvaux etwa um 1150 geschrieben hat mit dem lateinischen Namen ‚de consideratione’, auf Deutsch könnte man einfach ‚Erwägungen’ sagen. Hans Urs von Balthasar hat eine Auswahl davon herausgegeben mit dem Titel ‚Was ein Papst erwägen muss’.
Was da geschrieben steht gilt nicht nur für die spirituelle und aszetische Gestalt des Papstes, sondern das gilt auch für die Normen und für die Kriterien, mit denen man jemanden beurteilt. Es ist unglaublich, wie nüchtern er die gute Auswahl von Beratern und Mitarbeitern sieht, wie nüchtern er auch beurteilt, wie Menschen verführt werden können in solchen Positionen. Da wird man doch sehr nachdenklich. Wir meinen heute, dass wir heute durch die moderne Entwicklung in vielen Dingen besonders bestimmt, abhängig und auch verführt sind; in dem Buch kann man sehen, dass das auch damals schon elementare Gefahren waren, auf die man aufmerksam machte.
Das macht einen auch etwas demütig.”

Inneres Schaudern

Freuen Sie sich eigentlich oder sind sie nervös?

„Nervös bin ich, glaube ich, gar nicht. Freuen wäre zu viel gesagt. Weil gerade, wenn man noch keine innere Gewissheit hat, wem man die Stimme geben soll, ist da schon auch ein Schaudern in einem, vielleicht auch noch ein gewisses Maß an Ängstlichkeit, wenn man sich fragt, ob man wirklich gemeinsam den Richtigen findet. Ich würde sagen: Wie bei anderen Dingen, wo Menschen mit im Spiel sind, wo man Menschen beurteilen muss und sich den Kopf zerbrechen muss – so geht man da mit noch mehr Sorgfalt und Ernst an die Arbeit.” (rv)

Kardinalskongregationen: Offen, frei und in großer Wahrhaftigkeit

Kardinal SchönbornWer das Konklave in seinem tieferen Sinn verstehen will, muss sich den religiösen Charakter vor Augen halten, es geht um den Willen Gottes und nicht um die Besetzung einer Managerstelle. Das sagte Kardinal Christopf Schönborn am Sonntag Abend vor Journalisten, nachdem er in seiner Titelkirche Gesù Divino Lavoratore die Abendmesse gefeiert hatte. Darüber hinaus sei aber das anstehende Konklave etwas ganz Besonderes, sei es doch geprägt vom „unvergleichlichen und auch neuen Akt” des Rücktritts Benedikts XVI.

„Ich möchte versuchen, diesen Akt vor allem als ein sehr starkes Zeichen der Freiheit zu sehen. Dieser Verzicht macht deutlich, dass die höchste und verbindlichste Norm für den Menschen und sein Verhalten immer die persönliche und freie Gewissensentscheidung ist. Diese innere Freiheit hat Papst Benedikt durch diesen Akt gezeigt, aber neben dieser inneren Freiheit wurde auch gleichzeitig deutlich, dass der Papst nach außen hin in Freiheit handeln darf.

Das setzt aber auch voraus – und das haben wir in diesen Kardinalsversammlungen während der vergangenen Woche sehr deutlich erlebt – dass wir das Wort Jesu ernstnehmen ‚Die Wahrheit wird euch frei machen’. Es ist in beeindruckender Weise in dieser Woche – ich sage das, ohne die gebotene Diskretion zu verletzen – offen, frei und in großer Wahrhaftigkeit miteinander gesprochen worden über die Licht-, aber auch die Schattenseiten der gegenwärtigen kirchlichen Situation. Und das ist nur möglich, wo Freiheit ist, innere und äußere Freiheit.”

Ehrlich und im gegenseitigen Wohlwollen habe man unter den Kardinälen geredet, so Schönborn. Themen seien die Herausforderungen und Verfolgungen gewesen, die Frage nach der Zerstörung der Schöpfung, aber auch die religiöse Sprachlosigkeit und Ratlosigkeit, wie mit den Herausforderungen der Zeit umzugehen ist und das Evangelium neu verkündet werden könne. Der neue Papst müsse, um mit all dem umgehen zu können, ein Mann des Glaubens und glaubwürdig sein, so Schönborn.

„Es wird bei den Wahlvorgängen nicht diskutiert. Es wird gebetet. Das mag etwas seltsam erscheinen, aber man geht ja auch bewusst in eine Kapelle. Denn es geht ja bei dieser Wahl darum, herauszufinden, wie der Eid lautet, den jeder Einzelne dann unter dem Jüngsten Gericht des Michelangelo ausspricht: Wer ist der von Gott Erwählte? Natürlich müssen wir da mitarbeiten und mitwirken, aber es geht zuerst einmal nicht um irgendwelche Parteien und Gruppierungen, sondern darum, wer das geistliche Oberhaupt der Kirche sein soll.”

Das wirke sich auch direkt aus auf die Eigenschaften, die ein neuer Papst mitbringen müsse, es gehe hier vor allem um seine religiösen Eigenschaften.

„Ich glaube, dass man das nicht genug betonen kann. Es gibt hervorragende Manager, und auch eine große Gemeinschaft wie die katholische Kirche braucht Managerqualitäten, aber das ist nicht das Erste, was man vom Papst erwartet. Er soll gute Mitarbeiter haben. Natürlich schaut man unter den Kardinälen auch auf Qualitäten, wie jemand eine Diözese leitet, wenn er Bischof einer Diözese war, was ja bei den meisten Kardinälen der Fall ist. Man wird sicherlich nicht jemanden zum Papst wählen, der in seiner Diözese ein Desaster hinterlassen hat. Da gibt es auch ganz einfache Klugheitsregeln. Man schaut natürlich auf menschliche Qualitäten, ob er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen kann. Aber die entscheidende Voraussetzung ist sicherlich die, ob er ein Mann des Evangeliums ist. Das ist glaube ich die entscheidende Frage.”
(rv)

Zeitplan für das Konklave

Sixtina_KonklaveDas Konklave zur Wahl eines neuen Papstes wird nach folgendem Zeitplan ablaufen:

Erster Tag, Dienstag:
Um 10 Uhr wird mit der Messe „pro eligendo romano pontifice” das Konklave offiziell eröffnet, Kardinaldekan Angelo Sodano wird der Messfeier vorstehen. Zuvor ziehen die Kardinäle in die ihnen zugelosten Unterkünfte im Gästehaus des Vatikan.
Am Dienstag werden die Kardinäle ab 15.45 Uhr vom Domus Santae Marthae, ihrer Unterkunft, in den Komplex des Apostolischen Palastes gebracht, wo sie sich in der Capella Paolina versammeln. Diese Kapelle ist von der Sixtinischen Kapelle durch einen Saal getrennt, die Sala Regia (Königssaal).
Um 16.30 Uhr werden die Kardinäle feierlich in die Sixtinische Kapelle einziehen, es folgt die Ablegung des Eides, eine weitere Ansprache oder geistliche Betrachtung, in diesem Jagh durch Kardinal Prosper Grech (Malta, über 80 Jahre) und dann das Einschließen und ein eventueller erster Wahlgang.
Um 19.15 Uhr feiern die Kardinäle gemeinsam in der Sixtinischen Kapelle die Vesper, um 19.30 Uhr geht es zurück ins Domus Santae Marthae.

Alle weiteren Tage:
Nach dem Frühstück geht es um 7.45 Uhr zur Feier der Heiligen Messe in die Capella Paolina. Ab 9.30 Uhr finden dann in der Sixtinischen Kapelle zwei Wahlgänge statt. Nach dem Mittagessen in der Unterkunft begeben sich die Wähler um 16 Uhr erneut in die Sixtinische Kapelle, wo ab 16.50 bis 19.15 Uhr erneut zwei Wahlgänge stattfinden. Nach der Feier der Vesper endet der jeweilige Tag.

Die Angaben stammen aus der Pressekonferenz des Vatikan vom Samstag. (rv)