Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Bischof Schick: Mehr Wachsamkeit gegenüber Islamismus

Samstag 22. April 2017 von VH

Zu Solidarität mit den Christen in Nigeria hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick aufgerufen. Schick besucht derzeit das westafrikanische Land anlässlich eines „Solidaritätsbesuchs“. Mit einem Blick auf das jüngste Attentat von Paris forderte er zugleich mehr Wachsamkeit gegenüber islamistischen Tendenzen in Europa.

Wie Erzbischof Schick im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert, ging es bei dem Besuch darum, sich ein Bild von der aktuellen Lage im Land zu machen. Der Bamberger Bischof ist in der Deutschen Bischofskonferenz für die Weltkirche zuständig.

Schick: „Wir haben in Lagos begonnen und uns dort mit dem Erzbischof von Lagos getroffen, um in dieser 20 Millionen Einwohner-Stadt auch die Situation der Kirche zu besprechen, Informationen zu holen und dort auch die Nöte und Sorgen, aber auch die Freuden und Hoffnungen und vor allen Dingen die Anforderungen für die Kirche zu erfahren. Dann sind wir in den Nordosten gefahren, in das sogenannte „Boko-Haram-Gebiet“ in Kaduna und jetzt hier in das Gebiet in Jos, in dem wir mit dem Erzbischof Kaigama und auch anderen Bischöfen gesprochen haben. Wir haben uns auch mit muslimischen Religionsführern, mit drei Emiren, getroffen und waren bei verschiedenen Institutionen, die sich um den interreligiösen und ökumenischen Dialog bemühen. Dann waren wir auch in Lagern von Flüchtlingen, die von Boko Haram vertrieben wurden und die sich jetzt in der Nähe von Lagos aufhalten. Die Situation ist sehr trist und traurig, aber es ist auch eine Realität, die zu unserem Besuch dazu gehörte. Die Kirche ist hier sehr aktiv und tut sehr viel für den karitativen Bereich, für den interreligiösen Dialog und für die Gesellschaft, damit die Menschen in Frieden und Gerechtigkeit leben können.“

RV: Was für Wünsche und Bitten hatten Ihre Gesprächspartner auf kirchlicher Seite und auf Seite anderer Religionsgemeinschaften, wie der Muslime etwa, an Sie?

Schick: „Zunächst die Bitte, dass wir sie in ihren Sorgen, Nöten, aber auch in ihren Aktivitäten wahrnehmen, dass Afrika eben nicht als der „schwarze Kontinent“ gesehen wird, der im Chaos versinkt. Es gibt hier wirklich alarmierende Ereignisse, die uns als Christen nicht nichtig lassen dürfen, aber es gibt auch andere Seiten: Es gibt Seiten des friedlichen Miteinanders der Religionen, es gibt aktives soziales Leben und gutes Miteinander. Das wollten sie uns auch zur Kenntnis bringen. Dann möchten sie natürlich auch, dass wir ihnen helfen, und das ist sicher eine multifunktionale Hilfe z.B., dass ihre Institutionen des Dialogs und des Miteinanders gefördert werden, hauptsächlich durch die Kirche, und dass wir da auch finanzielle Unterstützung geben. Deshalb heißt der Besuch auch „Solidaritätsbesuch“. Außerdem sagen sie, dass wir mit unseren Politikern reden sollen, dass die die entsprechenden politischen, aber auch wirtschaftlichen Maßnahmen treffen, dass sich Afrika entwickeln kann, jetzt besonders hier in Nigeria. Da gibt es jetzt viele Ansatzmöglichkeiten: Die Politik kann nur die Korruption in der Politik beenden und da entsprechende Maßnahmen treffen. Sie können entsprechende Wirtschaftsvereinbarungen treffen und die Entwicklungshilfe in den europäischen Ländern steigern. Das sollen wir so unseren Politikern rüberbringen, weil wir gerade in Deutschland eine gute Beziehung zur Politik, zum Außenministerium, zum Entwicklungsministerium und auch zur Kanzlerin haben, dass wir das bei nächster Gelegenheit auch weitergeben.“

RV: Am Donnerstag gab es in Paris einen Anschlag, auch wieder mit einem terroristischen Hintergrund, dem IS. Sie sind jetzt in einem Land, wo auch Terrorismus islamistischer Prägung wütet. Was möchten Sie für eine Botschaft mitgeben, wenn man jetzt auch bei uns in Europa vor der Haustür solche Anschläge hat? Wie sollen wir damit umgehen, wenn es jetzt natürlich auch in den Medien wieder hoch gekocht wird? Wie können wir auch damit umgehen, damit der interreligiöse Dialog nicht noch mehr Risse bekommt?

Schick: „Das ist richtig und sie fragen uns auch: Geht ihr denn richtig mit denen, die einwandern, um? Seid ihr für solche terroristischen Elemente genügend gerüstet? Man darf ja nie sagen, dass der Islam oder alle Muslime Terroristen sind, das wäre völlig falsch und das ist auch hier deutlich: Ganz viele Muslime hier suchen Frieden und Einheit mit den Christen und anderen Religionen für das Land. Meines Erachtens müssen wir aber in vielerlei Hinsicht in Deutschland und in Europa wachsamer werden. Wachsamer werden, was die Einwanderung angeht und wachsamer werden, was die Rückführung in die Länder angeht. Viele Terroristen, die tätig waren, waren schon bekannt und sind nicht zurückgeführt worden. Auch eine gute Sicherheitssituation, das heißt die Polizei sowie eine gute Gerichtsbarkeit sind notwendig. In Europa haben wir eigentlich die Instrumente entwickelt, die für eine sichere, friedliche und freiheitliche Gesellschaft nötig sind. Wir müssen im Augenblick auch hoffen, dass wir das nicht verlieren. Polizisten, Gewerkschaften, Kirche – alle sind da gefordert. Wir müssen auch unsere Botschaft der Gerechtigkeit, des Friedens und des gegenseitigen Respekts aktiver in die Gesellschaft hineinbringen und wir müssen auch sagen, dass es auch Grenzen gibt und wer da nicht mitmachen will, der kann auch nicht in dieser Gesellschaft leben – nicht abschotten, sondern erst einmal aktiv für unsere guten, sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse kämpfen und auch versuchen, diese dann in die Länder wie etwa in Afrika auszubreiten, wo es eben noch nicht so ist. Ein Stück christliches Abendland muss auch wieder aufwachen und entsprechend die Menschen führen und nach den Maßstäben des Evangeliums leiten – das ist unsere Aufgabe im Augenblick.“

Die Fragen stellte Mario Galgano. (rv)

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„Ein Dialog muss ehrlich sein“: Ulrich Nersinger über die Ägypten-Reise des Papstes

Donnerstag 20. April 2017 von VH

ROM – In einer guten Woche reist Papst Franziskus nach Ägypten. Der Besuch und sein Grundanliegen eines Dialogs mit dem Islam wird überschattet vom Terror der Islamisten und deren mörderischen Ideologie. Warum und wie ein Dialog mit dem Islam trotzdem möglich sein kann, und welche Rolle dabei die Papstreise spielen kann, ordnet im Interview mit CNA der Vatikanist und Autor Ulrich Nersinger ein.

Mehr zum Thema „Die Päpste und der Islam“ mit Ulrich Nersinger sehen Sie in der gleichnamigen Sendung beim katholischen Fernsehsender EWTN.TV. Die nächste Sendung wird am kommenden Dienstag, 25. April, um 22 Uhr ausgestrahlt.

CNA: Herr Nersinger, in unserem ersten Gespräch über die Päpste und den Islam haben Sie einen guten Rahmen für die Möglichkeiten eines Dialogs des Katholizismus mit dem Islam abgesteckt. Nun wird Papst Franziskus persönlich nach Kairo fliegen, um den interreligiösen Dialog zu unterstützen. Sprengt der Besuch diesen Rahmen?

NERSINGER: Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Rom St. Paul vor den Mauern, die Basilika und Grabeskirche des großen Völkerapostels, durch einen Brand fast völlig zerstört wurde, versprachen viele Nationen und Länder Europas, darunter auch protestantische und orthodoxe, Hilfe für den Wiederaufbau des Gotteshauses. Aus dem fernen Ägypten bot der dortige Vizekönig, ein muslimischer Potentat, dem Papst Alabaster für die neue Basilika an. Das damalige Oberhaupt der Katholischen Kirche, Gregor XVI. (1831-1846), ein Papst, der von Historikern oft mit dem Etikett „reaktionär“ versehen wird, nutzte die Chance, schickte drei Schiffe unter seiner Flagge zu dem Land am Nil, ließ diese Säulen und Blöcke des kostbaren Baumaterials an Bord nehmen – und iniziierte damit einen frühen christlich-islamischen Dialog. Damals sprengte ein Papst den üblichen Rahmen der Beziehungen zweier Weltreligionen zueinander. Mehr als 170 Jahre später macht sich ein weiterer Nachfolger Petri auf, erneut Begrenzungen hinter sich zu lassen.

Wie hoch sind Ihre Erwartungen denn an diese Reise?

Ich denke, Erwartungen zu formulieren oder über sie zu spekulieren, wird uns nicht weiterbringen. Dafür ist das ganze Problemfeld zu komplex. Bei dieser Reise ist vieles im Fluss und selbst fachkundige Leute dürften sich schwer tun, Entwicklungen, geschweige den Resultate, vorherzusehen. Wer behauptet, das zu können, betreibt Kaffesatzlesen. Als Christen ist uns aber Hoffnung aufgegeben. Und das sollten wir vom Gebet unterstützt tun: Hoffnung haben und vermitteln.

Für uns in der Gegenwart ist die Ägypten-Reise überschattet von den Palmsonntag-Massakern durch Islamisten und jüngst den Versuch von Kämpfern des „IS“, das Katharinenkloster anzugreifen. Was kann und soll der Papst dem Oberhaupt der Kopten, Tawadros II. dazu überhaupt sagen? Stärkt die Katholische Kirche ihren Glaubensbrüdern ausreichend den Rücken?

Angesichts so vieler ermordeter Christen in Afrika und Asien – vor allen im Nahen Osten – steht uns eine Erkenntnis deutlich vor Augen: Das Blutzeugnis für den christlichen Glauben kennt keine Konfessionen. Die grauenvollen Videos der Terrororganisation „IS“, die sich mit dem Abschlachten von Christen brüsten, haben uns in die Zeiten des frühen Christentums zurückversetzt, regelrecht in sie hinein katapultiert! Ein Zusammenrücken der Konfessionen ist daher mehr als nur geboten. Dass der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel anlässlich der Reise des Heiligen Vaters nach Kairo kommt, ist ein gutes und hoffnungsvolles Zeichen. Vielleicht sind die schrecklichen Ereignisse in Ägypten auch ein Impuls dafür, dass die Kirche der Kopten, die ja noch in eine katholische und orthodoxe getrennt ist, wieder zu einer Einheit zurückfindet.

Ich kann mich jedoch nicht des Eindrucks erwehren, dass wir in Europa alle viel zu wenig für unsere verfolgten Glaubensbrüder und –schwestern tun und einstehen. Vor kurzem habe ich mich dafür geschämt, dass mich ausgerechnet muslimische Freunde darauf hinwiesen. Vielleicht hilft uns ja der Besuch des Papstes in Ägypten zu mehr Engagement.

Neben der Begegnung mit Tawadros II. wird Franziskus auch mit dem Imam der Azhar sprechen, Ahmaad Mohammad al-Tayyeb. Diesem wirft der koptische Bischof Damian eine zu große Nähe zur Muslimbruderschaft vor. Mit Papst Benedikt hatte der Großimam bekanntlich allen Dialog abgebrochen, weil Benedikt Angriffe gegen Kopten kritisierte. Wie kann hier ein Dialog entstehen, der die christliche Seite nicht schwach aussehen lässt und dadurch fruchtlos bleibt?

Ein Dialog muss ehrlich sein. Dass heißt, Probleme in den Beziehungen zueinander und in den Gesprächen miteinander sind zu benennen, müssen „auf den Tisch“. Man darf sich berechtigten Anfragen nicht verschließen. So ist beispielsweise die Rolle der Gewalt und der Freiheit des Menschen im Koran zu klären. Ein vorgeblich „diplomatisches“ Verschweigen oder bewusstes Verwässern solcher Thematiken ist nicht hilfreich – und zwar von beiden Seiten nicht. Bei allen nötigen Respekt vor der Religion des Gesprächspartners haben Christen den Dialog von ihrer christlichen Identität her zu führen und nicht aus einer Unverbindlichkeit heraus.

Blicken wir abschließend noch einmal aus historischer Perspektive auf die Situation des Islam heute und eines Dialogs mit ihm von christlicher Seite im Jahr 2017. Was muss aus Ihrer Sicht erst einmal alles auf katholischer Seite geschehen, damit ein sinnvoller Dialog in dieser Zeit möglich ist?

Als Katholiken haben wir zunächst einmal zu lernen, was den Dialog eigentlich ausmacht. Hier ist bedauerlicherweise ein unglaublich großes Defizit zu beklagen. Als Abhilfe und unverzichtbares Basiswissen empfehle ich die Lektüre von „Ecclesiam Suam“, der Antrittsenzyklika des seligen Papst Pauls VI. (1963-1978), die zu Recht als die Dialog-Rede der Kirche gilt. In ihr wird grundlegend vermittelt, wie sich der Dialog definiert, mit wem er zu führen ist und wie er von statten zu gehen hat. Dialog ist kein Geplapper und kein unverbindliches Geschwafel – so wird er von der Kirche nicht verstanden und propagiert. Ich erlaube mir, die Ausführungen des Papstes zu wiederholen, die ich schon in unserem ersten Gespräch zitiert habe.

Für Paul VI. hat die Kirche „sich selbst zum Wort, zur Botschaft, zum Dialog zu machen“. Der Papst betont, die Liebe zur Wahrheit verpflichte dazu, „unserer Überzeugung Ausdruck zu verleihen, dass es nur eine wahre Religion gibt, und das ist die christliche und dass wir die Hoffnung nähren, dass sie als solche einmal von allen anerkannt werde, die Gott suchen und anbeten. Damit wollen wir aber nicht den geistigen und sittlichen Werten der verschiedenen nichtchristlichen Religionen unsere Achtung und Anerkennung versagen. Wir wollen zusammen mit ihnen, soweit wie möglich, die gemeinsamen Ideale der Religionsfreiheit, der menschlichen Brüderlichkeit, der Kultur, der sozialen Wohlfahrt, der staatlichen Ordnung fördern und verteidigen.“ Über diese gemeinsamen Ideale sei der Dialog möglich: „Wir werden uns immer zu ihm bereit finden, wenn er in gegenseitiger aufrichtiger Hochschätzung auch von der anderen Seite aufgegriffen wird.“ Die Sorge, den Menschen näher zu kommen, dürfe aber niemals „zu einer Abschwächung oder Herabminderung der Wahrheit führen. Unser Dialog kann uns nicht von der Verpflichtung gegenüber unserem Glauben entbinden. Das Apostolat darf keinen doppeldeutigen Kompromiss eingehen bezüglich der Prinzipien des Denkens und Handelns, die unser christliches Bekenntnis kennzeichnen.“

Von diesem Dialog, den uns „Ecclesiam Suam“ und das II. Vatikanische Konzil zum Auftrag geben, können wir uns nicht dispensieren. In der aktuellen Situation, in der sich Christen und Muslime befinden, ist er ein Muss, eine unabdingbare Verpflichtung zum Wohle aller Menschen.

Das Buch „Krieg und Frieden. Die Päpste und der Islam“ ist im Bernardus-Verlag als Taschenbuch erschienen. Es hat 126 Seiten.

Mehr zum Thema „Die Päpste und der Islam“ mit Ulrich Nersinger sehen Sie in der gleichnamigen Sendung beim katholischen Fernsehsender EWTN.TV. Die nächste Sendung wird am kommenden Dienstag, 25. April, um 22 Uhr ausgestrahlt. (CNA Deutsch)

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Ägypten: Christliche Lehrerin wegen Blasphemie verurteilt

Mittwoch 18. Juni 2014 von VH

ÄgyptenNicht nur in Pakistan: Eine christliche Lehrerin in Ägypten ist zu sechs Monaten Haft wegen Blasphemie verurteilt worden. Dimyana Abdel Nour habe vor ihren Schülern den islamischen Propheten Mohammed verspottet, urteilte ein Gericht. Die bei ihrer Verhaftung 23-jährige Lehrerin war von drei zehnjährigen Schülern der Sheikh Sultan Grundschule in Luxor beschuldigt worden, in ihrem Unterricht über die Geschichte der Weltreligionen den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Die Eltern der drei Schüler warfen ihr vor, jedes Mal, wenn sie den Namen des islamischen Propheten Mohammed erwähnte, ihre Hand auf ihren Magen oder ihren Hals zu legen. Das berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Trotz der Entmachtung der Muslimbrüder und des eher säkular orientierten neuen Regierungskurses ist die Zahl der Verurteilungen wegen Blasphemie in Ägypten in jüngster Zeit enorm gestiegen. Das bestätigt gegenüber Radio Vatikan auch der koptisch-katholische Bischof von Assiut, William Kyrillos.

„Wir stellen fest, dass ein Christ sofort verurteilt wird, selbst wenn es Zweifel gibt, ob der Vorwurf überhaupt stimmt. Es werden dann auch sehr strenge Haftstrafen verhängt. Umgekehrt ist es aber so, dass ein Muslim hier auch sehr schlimm über Christen und das Christentum sprechen kann, ohne dass er Angst vor einer juristischen Verfolgung haben muss.“

Im Fall der verurteilten Lehrerin hatten sich sogar der muslimische Schuldirektor und die Mehrheit der Schüler für die Christin eingesetzt und sie verteidigt.

„Wir haben den Eindruck, dass es keinen politischen Willen gibt, den Christen Gerechtigkeit zu garantieren. Das stellen wir jetzt nicht nur im konkreten Fall dieser Lehrerin fest, sondern auch bei anderen Fällen ist es so, dass die Christen benachteiligt werden. Es gibt auch zahlreiche Fälle von Gewalt gegenüber Christen, ohne dass sich die Behörden um Gerechtigkeit kümmern. Diese Situation belastet uns sehr.“

Dennoch reagiere die christliche Gemeinschaft in Ägypten friedlich auf solche Fälle. Sie bete für die Betroffenen, stelle ihnen Anwälte zur Verfügung und unterstütze die Familien der Verhafteten.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch in der neuen Regierung viele Islamisten gibt, auch wenn die Muslimbrüder nicht mehr an der Macht sind. Es gibt aber auch viele Muslime in Ägypten, die sich für eine – sagen wir – bereinigte staatliche Verwaltung einsetzen, in der Extremisten keinen Platz haben. Es wäre wünschenswert, wenn nach der Vertreibung der Muslimbrüder auch noch weitere Schritte unternommen werden, damit jeglicher Fanatismus beseitigt wird.“ (rv)

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Vatikan/Ägypten: Dialog mit Al Azhar rückt wieder in den Blick

Dienstag 3. Dezember 2013 von VH

Eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Heiligem Stuhl und der Kairoer Al Azhar Universität wird immer wahrscheinlicher. An diesem Dienstag empfing der Vize-Imam der Einrichtung den Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. Das gab Vatikansprecher Pater Federico Lombardi bekannt. Das „sehr positive und konstruktive Treffen" habe 45 Minuten gedauert und lasse auf eine Wiederaufnahme der Gespräche hoffen. An der Begegnung nahm neben dem Sekretär des Dialogrates, Pater Miguel Ángel Ayuso Guixot, der päpstliche Nuntius in Kairo, Erzbischof Jean-Paul Gobel, teil. Die Al Azhar Universität gilt als die höchste Lehrautorität des sunnitischen Islam. Sie hatte die Gespräche mit dem Heiligen Stuhl im Januar 2011 ausgesetzt, nachdem Papst Benedikt XVI. bei einem Angelusgebet blutige Terroranschläge auf koptische Kirchen in Ägypten verurteilt hatte. (rv)

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Ägypten: „Verfassung bleibt islamisch“

Mittwoch 11. September 2013 von VH

Ägyptens neue Verfassung wird nach Einschätzung eines islamischen Rechtsexperten ihre islamische Prägung behalten. Die Verfassung sei „in guten Händen"; nichts werde „auf Kosten des Islam" oder der islamischen Identität verändert. Das sagte Abdullah al-Naggar nach Angaben der Kairoer Zeitung „Al-Masry Al-Youm". al-Naggar vertritt die al-Azhar-Universität im Komitee zur Überarbeitung des Verfassungstextes. Unter den 50 Mitgliedern des Komitees sind auch drei Vertreter der Christen. Die Salafisten rief al-Naggar auf, in der Arbeit an der neuen Verfassung zu kooperieren und zugleich anderen Sichtweisen Raum zu geben. Die Kairoer Al-Azhar-Universität ist die angesehenste Lehrinstanz im sunnitischen Islam.

Der umstrittene Artikel 219, der die Interpretation des islamischen Religionsrechts festlegt, sei vom Verfassungskomitee noch nicht revidiert worden, so al-Naggar. Dieser Abschnitt ergänzt den zweiten Verfassungsartikel, der die Prinzipien des islamischen Rechts, der Scharia, als Rechtsquelle definiert. Beide Artikel im Verfassungstext vom Dezember 2012 wurden von säkularen und nicht-muslimischen Gruppen kritisiert.

Eine Erklärung von al-Azhar am Wochenende bekräftigt, dass auch die christlichen Kirchen einverstanden sind mit dem islamischen Element in der künftigen Verfassung. Es sei mit den drei Kirchen im Land abgesprochen, dass „es eine Verfassung geben soll, die die islamische Identität des Landes unterstreicht und besonderen Wert auf nationale Aussöhnung durch die Überwindung politischer Einzelinteressen legt", so die Erklärung. Die christlichen Vertreter im Ausschuss, der vom früheren Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, geleitet wird, sind der koptisch-orthodoxe Bischof Paula (Eparchie Tanta), der koptisch-katholische Bischof Antonios Aziz Mina und der Vorsitzende der evangelischen Glaubensgemeinschaft Sawfat al-Bayyady. In der Kommission ist auch die salafistische al-Nour-Partei vertreten, während die Muslimbrüder sie boykottieren.

Der Minister für religiöse Angelegenheiten, Mohammad Mokhtar Gomaa, hat etwa 55.000 islamischen Predigern das Recht entzogen, sich in einer Moschee zu Wort zu melden. Das berichtet an diesem Mittwoch der Fernsehsender al-Arabiya. Die Prediger hätten nicht über die nötige Lizenz verfügt. Die Maßnahme soll die Muslimbrüder treffen, deren Bewegung offenbar wieder vor einem Verbot steht.

Im ägyptischen Minya hat die Polizei am Dienstag 27 Verdächtige festgenommen. Sie sollen an Anschlägen auf Kirchen sowie Polizeistationen und öffentliche Einrichtungen beteiligt gewesen sein. Bei der Razzia wurden nach Zeitungsangaben 16 Feuerwaffen sichergestellt, die zuvor aus Polizeistationen geraubt worden waren. Die Vorwürfe gegen die Verhafteten beziehen sich auf die gewaltsamen Ausschreitungen, die nach der Entmachtung von Staatspräsident Mohammed Mursi Anfang Juli landesweit ausgebrochen waren. Nach einer Schadensliste des koptischen Patriarchats waren bei den Unruhen allein in der mittelägyptischen Provinz Minya 25 Kirchen und kirchliche Einrichtungen unterschiedlicher Konfessionen angegriffen und teils zerstört worden. Landesweit waren nach Kirchenangaben 58 kirchliche Gebäude sowie rund 90 Geschäfte und 40 Privathäuser in koptischem Besitz betroffen. (rv)

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Kardinal Sandri verurteilt Anschläge auf Kirchen in Ägypen

Dienstag 20. August 2013 von VH

Die Angriffe auf Kirchen in Ägypten sind „inakzeptabel". Das betonte der Präfekt der Ostkirchenkongregation, Kurienkardinal Leonardo Sandri, im Gespräch mit Radio Vatikan. Er verurteilte die Anschläge auf christliche Einrichtungen.

„Die Wiedergeburt des Landes muss im Respekt vor der Würde der Person, sowie im gegenseitigen Respekt aller Religionen untereinander und in der Achtung der Religionsfreiheit zum Ausdruck kommen. Glaube und Religion können niemals Krieg und Gewalt rechtfertigen. Terrorismus oder Militärdiktaturen sind ebenfalls keine Lösungen und dürfen auch niemals Religionsgemeinschaften beeinträchtigen. Das Gebot der Nächstenliebe gilt für alle, sowohl für Muslime wie auch für Christen."

Der für die katholischen Ostkirchen zuständige Kurienkardinal bekräftigte die Forderung nach einer friedlichen Beilegung des Konflikts. Papst Franziskus hatte am Sonntag wiederholt zum Gebet für den Frieden in Ägypten aufgerufen.

„Wir alle stehen dafür ein, dass es in Ägypten eine wahre Lösung geben kann, damit das Land durch den Dialog und die Versöhnung aus der gegenwärtigen Krise herauskommt. Wir beten für Ägypten und schauen mit Sorge auf das Schicksal der Christen in Ägypten. Wir beten sowohl für die Kopten unter Seiner Heiligkeit Tawadros II., der vor Kurzem Papst Franziskus getroffen hat als auch für die Katholiken unter Patriarch Naguib und auch Seine Seligkeit Sidrak."

Nach Angaben der christlichen Kirchen Ägyptens wurden in den vergangenen Tagen 58 Kirchen, Klöster, Schulen sowie andere christliche Einrichtungen von Anhängern der Muslimbrüder beschädigt oder teils zerstört. Betroffen sind vor allem Kirchen in den oberägyptischen Städten Minya, Assiut und Fayum. Hauptleidtragender ist die koptische Gemeinde. (rv)

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Ägypten: Sorge der Christen wächst

Montag 19. August 2013 von VH

Unter den Ausschreitungen in Ägypten leiden auch die Christen: Fast 50 christliche Kirchen seien insgesamt in den vergangenen Tagen angegriffen worden oder in Flammen aufgegangen, darunter auch katholische und protestantische Gotteshäuser. Dies berichtet der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz Ägyptens, Pater Rafic Greiche nach Angaben der Nachrichtenagentur Agi. Und das ist noch nicht alles: Andere Quellen berichten, das auch Schulen, Klöster und Geschäfte von Christen immer häufiger angegriffen werden. Radio Vatikan hat mit dem Bischof von Gizeh, Antonius Aziz Mina, über die Lage vor Ort gesprochen:

„Die Sorge hier ist sehr groß. Das ganze Volk steht dicht beisammen, abgesehen von den Muslimbrüdern, die ein Jahr lang an der Macht waren und das schlimmste von sich zeigen. Laut den Statistiken haben sie nicht mehr als 7.000 Anhänger, aber jetzt kommt heraus, dass sie mit der terroristischen Al-Kaida in Verbindung stehen und auch mit der Hamas. Sie interessieren sich nicht für das Land und auch nicht für die Ägypter, ihnen geht es nur um die Interessen der Muslimbruderschaft. In den vergangenen Tagen wurden weit mehr als zehn Kirchen abgefackelt, katholische, orthodoxe und protestantische. Sie glauben, dass sie auf diese Weise die Christen in den Konflikt verwickeln können und sie versuchen, so Unruhe im Land zu sähen. Die Christen sind sich aber bewusst, dass ein Preis gezahlt werden muss für die Isolierung der Muslimbrüder und ihrer Fraktion, die keinerlei Kraft und Erfahrung in der Politik haben. Die einzige Kraft, die diese Gruppierung hat, ist terroristisch."

Die Christen seien im Gebet vereint, auch wenn die Lage vor Ort jeweils sehr unterschiedlich aussehe. Die Situation der Christen im Libanon, sei beispielsweise nicht mit der Lage der Christen in Ägypten, im Irak oder in Syrien vergleichbar, so Bischof Mina.

„In Ägypten ist die Präsenz der Christen groß, auch wenn sie zum Großteil nicht katholisch ist. Aber im Inneren stehen Katholiken, Orthodoxe und Protestanten eng zusammen. Sie haben die gleichen Ansichten und wir hören sie alle vereint rufen: ,Nein zum Terrorismus und dieser Gewalt!’ Dieses ,Nein’ ist sehr friedlich."

Die Hintergründe der Situation in Ägypten lassen sich nicht so einfach erkennen, meint Bischof Mina. Die Wahrheit habe immer viele verschiedene Gesichter. Er vermutet, dass es Leute gibt, die ein Interesse daran haben, die Muslimbrüder zu unterstützen. Ägypten spiele eine wichtige Rolle im Nahen Osten, und irgendwer wolle da wohl das Gleichgewicht stören. Einen Bürgerkrieg sieht der Bischof von Gizeh in seinem Land jedenfalls nicht:

„Hier herrscht kein Bürgerkrieg! Von Bürgerkrieg spricht man, wenn es zwei sehr klar trennbare Fraktionen gibt, die aufeinander treffen. Wenn diese Fraktionen friedlich wären, dann würde keiner irgendetwas sagen. Aber wir sehen hier Verbrennungen, Tortur, Mord und Zerstörung… Das ist kein Bürgerkrieg!" (rv)

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Katholischer Pfarrer in Kairo: „Analphabetismus verschlimmert die Lage“

Freitag 16. August 2013 von VH

ÄgyptenEin großes Problem für die Zukunft – aber auch für die Gegenwart – Ägyptens ist die hohe Zahl an Analphabeten. Diese Masse sei sehr „einfach zu manipulieren". Das betont im Gespräch mit Radio Vatikan der Pfarrer der deutschen katholischen Gemeinde in Kairo, Mons. Joachim Schroedel. Über 50 Prozent der fast 90 Millionen Ägypter hätten kein Schulabschluss, so Schroedel. Man brauche deshalb Geduld und müsse das Land nicht im Stich lassen, fügt er an.

Zur aktuellen Lage sagt Schroedel, dass die Situation ruhig sei. Die Zusammenstösse seien in einigen wenigen Quartieren der ägyptischen Hauptstadt zu verzeichnen. Angriffe auf Kirche gäbe es in Kairo bisher nicht, doch in anderen Städten des Landes sei dies nicht der Fall. Christen gingen derzeit vorsichtiger um.

„Ich kriege eigentlich eher mit, dass Muslime, die mich kennen, wenn sie mich sehen, auf mich zukommen. Sie sagen mir, dass es ihnen leid tue, für die Angriffe auf christliche Gotteshäuser. Das sei nicht die allgemeine Meinung der Muslime und seien selbst wütend auf die Muslimbrüder. Ich selber war am Donnerstag – wie immer – mit Soutane mitten in der Stadt unterwegs und wurde eher freundlich begrüßt. Man weiß auch hier, was ein Priester ist und jeder Muslim hat davor Respekt, weil ein Priester als Mann Gottes betrachtet wird."

Über die schwankenden Zahlen der Opfer werde in Ägypten sehr viel diskutiert. Für Pfarrer Schroedel handele es sich auf jeden Fall um eine Zahl, die man relativieren müsse. In Kairo leben rund 25 Millionen Menschen.

„Es ist eine Tatsache, dass sechs Wochen lang die Demonstrationscamps Widerstandszellen waren. Die Menschen dort waren nicht zu Gesprächen bereit und die Führer der Muslimbrüder auch nicht. So schwer das nun auch für einen Christen klingen mag, die hohe Zahl an Toten in Kauf zu nehmen. Hätte man noch etwas zugewartet, dann wäre es noch viel schlimmer kommen können."

Islamisten und Muslimbrüder hatten zu Großdemonstrationen und einem „Freitag der Wut" aufgerufen. Um aus der Krise rauszukommen, brauche es allerdings etwas ganz anderes, so Schroedel.

„Wir, die in Ägypten wohnen, brauchen ein Großmaß an Geduld, Toleranz und vor allem an Friedfertigkeit. Natürlich wird es weiterhin so sein, dass die Muslimbrüder spüren, dass sie ihre Macht verloren haben. Jeder Politiker im Westen, der sagt, man müsse im Gespräch kommen und die Muslimbrüder einbinden, der hat – mit Verlaub gesagt – keine Ahnung, wer die Muslimbrüder eigentlich sind." (rv)

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Ägypten: Angst vor dem Bürgerkrieg

Mittwoch 10. Juli 2013 von VH

ÄgyptenWurde die Absetzung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi anfangs im Land selbst und in der internationalen Gemeinschaft noch mit Euphorie begrüßt, mehren sich nun die Stimmen, die mit Blick auf die zunehmende Gewalt auf die Gefahr eines Bürgerkriegs hinweisen. Allein am Montag wurden bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern des abgesetzten Präsidenten nach Angaben von Rettungskräften über 50 Menschen getötet; es gab mehrere mehrere hundert Verletzte. Matthias Vogt ist Länderreferent für Ägypten im katholischen Hilfswerk missio. Auch er zeigte sich im Gespräch mit Radio Vatikan tief besorgt über die Eskalation der Situation im Land.

„Ich stelle fest, jetzt mit den doch sehr gewaltsamen Auseinandersetzungen mit vielen Toten in den letzten zwei, drei Tagen, dass die Situation von anfänglicher Euphorie umzuschlagen droht in sehr große Sorge, vorsichtig gesagt, vor einen Bürgerkrieg, oder zumindest einer Radikalisierung der Muslimbrüder und Islamisten, die dann wohl auch bereit sind, massiv Gewalt anzuwenden."

Inwiefern handelt es sich bei der Absetzung Mursis denn tatsächlich um den Willen des Volkes?

„Es sind viele Millionen Menschen vor und in den Tagen nach dem 30. Juni in ganz Ägypten auf die Straße gegangen. Während die Revolution des 25. Januars 2011 gegen Mubarak fast ausschließlich eine Sache der Bevölkerung in Kairo war und es fast nur dort größere Demonstrationen gegeben hat, war diesmal das ganze Land beteiligt. Bei der Absetzung von Mursi selbst war dann ja auch nicht nur das Militär beteiligt, das war dann zwar die Institution, die das ganze durchsetzen konnte, aber bei der Verkündigung durch den Verteidigungsminister und Armeechef waren ja zahlreiche Vertreter der zivilen Opposition anwesend."

Was kann man nach den Ankündigungen der Muslimbrüder jetzt erwarten?

„Also man muss tatsächlich befürchten, dass die Muslimbrüder alle Register ziehen werden, um an der Macht festzuhalten. Das hat sicherlich zwei Gründe. Der eine, offensichtlichte Grund ist der Machtverlust. Sie wollten an einer stark an islamischen Werten und der Sharia orientierten Neuordnung arbeiten. Der zweite Grund ist einer, der im Orient sehr wichtig ist, aber für uns vielleicht gar nicht so leicht einsichtig, nämlich dass sie ihr Gesicht und damit ja auch ihre Ehre durch diesen gewaltsamen Sturz ihres Präsidenten ein bisschen verloren haben. Da muss man jetzt auch schauen, wie man diesen Gesichtsverlust ausgleichen kann, damit sie tatsächlich wieder an einen Tisch mit der Mehrheit der Gesellschaft zurückfinden können und nicht in die gewaltsame Opposition abdriften müssen." (rv)

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Ägypten: Das Land steht vor dem Kollaps

Montag 1. Juli 2013 von VH

Headquarter Muslim BrotherhoodIn Kairo haben gewaltbereite Demonstranten den Hauptsitz der Regierungspartei der Muslimbrüder angegriffen. Das Gebäude ging laut Medienangaben in Flammen auf, Augenzeugenberichten zufolge waren zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Menschen mehr in dem Gebäude. Vertreter der friedlichen Protestbewegung „Tamarod" stellten Präsident Mohammed Mursi unterdessen ein Ultimatum, am Dienstag bis 17.00 Uhr Ortszeit zurückzutreten. Die Bewegung drohte mit zivilem Ungehorsam, sollte Mursi nicht einlenken. Die „Tamarod"-Bewegung, die sich keiner Oppositionsgruppe zuordnen will, aber von diesen unterstützt wird, erhielt seit Mai 2013 laut eigenen Angaben Unterschriften von 22 Millionen ägyptischen Bürgern. „Tamarod", was übersetzt „Rebellion" oder „rebelliere" heißt, fordert vorgezogene Präsidentschaftswahlen. Doch Mursi will davon bislang nichts wissen und beruft sich auf seine demokratische Wahl zum Präsidenten.

Jesuitenpater Samir Khalil Samir ist Berater des Vatikan in Islamfragen und stammt selbst aus Ägypten. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt Samir, er könne nur hoffen, dass Mursi sich angesichts des Ultimatums einsichtig zeige:

„Ich glaube, es gibt nun eine Konfrontation – entweder lenkt Mursi ein und sagt: ,ok, ich bin nicht fähig, wir machen eine neue Wahl und wer kommt, kommt’, oder er sagt – und das ist momentan seine Meinung – ,nein, ich bleibe, denn ich bin demokratisch gewählt.’ Aber er ist demokratisch ungeliebt, und das ist auch eine Tatsache. Deshalb wäre eine neue Wahl am vernünftigsten."

Die rund 20 Millionen Menschen, die sich mit ihrer Unterschrift für Neuwahlen ausgesprochen hätten, seien nicht wenige. Umso mehr, als das Versagen der Verwaltung Mursi sich auch in der Besetzung seiner Mitarbeiter niederschlage, die exklusiv aus den Reihen der Muslimbruderschaft kommen – das Land stehe deswegen kulturell, politisch und wirtschaftlich vor einem Kollaps, so Pater Samir. Sollte es nicht zu Neuwahlen kommen, könnten die Ereignisse weiter eskalieren:

„Sonst bedeutet es, dass die Konfrontation jede Woche stärker wird, und die Polizei heftiger handeln wird. Es ist nicht normal bei uns in Ägypten, dass die Menschen bis zum Tod kämpfen, die Ägypter sind ruhige Leute, sie haben keine echten Waffen, und dennoch sind nun acht gestorben."

Zwar gebe es keine Lichtgestalt, die sich als natürliche Ablöse Mursis bei Neuwahlen aufdrängen würde. Andererseits zeige sich die Opposition im Verlauf der jüngsten Ereignisse immer kompakter, was Hoffnung auf einen möglichen Wechsel mache:

„Es gibt sicher andere Leute, die Erfahrung mitbringen. Es ist zwar nicht sicher, ob sie die Situation verbessern werden, aber es ist doch möglich. Die Menschen haben seit einem Jahr erfahren, dass dieser Präsident es nicht schafft. Ich glaube, die Menschen sind müde. Das dauert seit Monaten, und die Antwort ist nur Gefängnis und Gewalt, er diskutiert nichts und er macht neue Fehler." (rv)

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