Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Kassandra-Rufe: Kardinal Zen, China und der Vatikan

Donnerstag 4. Mai 2017 von VH

Zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen Regime der Volksrepublik China könnte es bald zu einer Einigung in grundsätzlichen Fragen kommen. Das schreibt der Erzbischof von Hongkong, Kardinal John Tong Hon, in einem Aufsatz für seine Kirchenzeitung. Beide Seiten hätten sich in zwei Jahren sechs Mal getroffen, und eine gemischte Arbeitsgruppe habe grundsätzliche Lösungen für alle heiklen Fragen erarbeitet, angefangen bei der Frage der Bischofsernennungen.

Für Kardinal Tong kommt es jetzt darauf an, dass sich Peking wie Rom die gefundenen Lösungen zu eigen machen. Dazu sei „gegenseitiges Vertrauen“ nötig.

Tongs Vorgänger als Erzbischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, warnt dagegen so wortgewaltig wie hartnäckig vor einer Annäherung des Heiligen Stuhls an China. Er fürchtet, dass sich der Heilige Stuhl über den Tisch ziehen lässt. Zen gibt zu verstehen, dass der Vatikan aus seiner Sicht die Durchtriebenheit seiner kommunistischen Gesprächspartner unterschätzt.

„Es ist mir schon klar, dass ich eine Minderheiten-Meinung vertrete“, so Zen in einem auf Youtube verbreiteten Interview. „Ich muss aber sagen, dass ich nun mal besondere Erfahrungen gemacht habe – das können nicht alle von sich behaupten. Ich bin Chinese, geboren in Shanghai (einem großen Bistum), und auch wenn ich das Bistum schon in jungen Jahren verlassen habe, habe ich doch vieles von dort aufgesogen; die Salesianer waren dort sehr aktiv, und in unserer Gemeinschaft herrschte eine tiefreligiöse Atmosphäre.“

„Ich habe gesehen, wie sie ihre Bischöfe behandeln“

Auch von Hongkong aus habe er immer viele Kontakte nach Festland-China hinein unterhalten, auch als dort das kommunistische Regime ans Ruder kam, sagt Kardinal Zen, der Jahrgang 1932 ist und dem Salesianerorden angehört. „Wir haben viele Brüder, die zur sogenannten Untergrundgemeinschaft gehören, weil sie von Anfang an diese Regierungspolitik der Unabhängigkeit (von Rom) verweigert haben. Und dann haben wir hier von Hongkong aus, das China am nächsten liegt, immer noch Beziehungen unterhalten, auch wenn das während der Kulturrevolution schwierig war. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, sieben Jahre lang in den Priesterseminaren der sogenannten offiziellen Gemeinschaft zu unterrichten – direkt nach den Ereignissen vom Tienanmen-Platz.“ Damit meint der Kardinal die gewaltsame Niederschlagung des Studentenaufstands von Peking im Juni 1989.

„Zwischen 1989 und 1996 habe ich in sieben Seminaren unterrichtet, habe also sechs Monate pro Jahr in China verbracht. Ich konnte alles mit eigenen Augen sehen. Ich selbst bin immer sehr freundlich empfangen und behandelt worden: Sie wussten es zu schätzen, dass in einem Moment, wo alle China verließen, ich hineinwollte. Aber ich habe gesehen, wie sie ihre Bischöfe behandeln – Bischöfe der offiziellen Kirche. Und das kann ich nicht aus meinem Gedächtnis löschen, weil ich das selbst erlebt habe.“

Alles, was er seither aus Festland-China höre und sehe, bestätige ihn in seinem Eindruck, dass das, was er damals erlebt habe, heute dort immer noch Wirklichkeit sei. Er glaube ganz und gar nicht daran, dass das Pekinger Regime sich in irgendeiner Weise um einen Ausgleich mit dem Vatikan bemühe – eher im Gegenteil.

Kardinal Zen: Peking will in Wirklichkeit stärkere Kontrolle

„Ich glaube, dass dieses Wissen, das ich habe, selten ist: Nicht alle konnten diese Erfahrungen machen. Und dieses Wissen lässt mir keine Hoffnung, es lässt mir keinen Grund zu Optimismus, was das Regime betrifft. Und ich füge hinzu: Auch die neuesten Geschehnisse und Ansprachen auf den großen Kongressen, die sie abhalten, die Worte der Regierung unter dem neuen Führer Xi Jinping – alles geht genau in die entgegengesetzte Richtung! Die wollen doch noch mehr einschränken, noch mehr kontrollieren. Welche Hoffnung soll es denn dann geben, dass die Regierung Zugeständnisse an die katholische Kirche machen könnte? Sie kontrolliert alle Religionsgemeinschaften immer stärker – und da soll sie ausgerechnet der katholischen Kirche mehr Freiheit lassen? Nein. Ich weiß nicht – sie hat gar keinen Grund dazu!“

Der Vatikan könne dem Regime in Peking so gut wie nichts bieten, das habe schon alles, nämlich die „komplette Kontrolle der offiziellen Kirche auf nationalem Level“. „Vielleicht hoffen sie ja, dass der Vatikan jetzt auch der Untergrundgemeinschaft sagt, der Regierungslinie zu folgen? Vielleicht ist es ja das, worauf sie rechnen? Jedenfalls bin ich angesichts dieser Erfahrung pessimistisch und glaube auch, Grund zum Pessimismus zu haben, zu Ängsten und Befürchtungen. Das zu sagen, scheint mir meine Pflicht zu sein, weil ja die Vorsehung mir eine besondere Gelegenheit gegeben hat, das kommunistische Regime wirklich kennenzulernen.“

Leider hätten „nicht viele Menschen diese Erfahrung“ gemacht, sagt der Kardinal noch einmal. Papst Johannes Paul II. habe gewusst, was Kommunismus und Nationalsozialismus bedeuten; „auch Papst Benedikt, in geringerem Ausmaß“. „Aber ich habe Angst, dass einige in der Römischen Kurie nicht diese Sensibilität haben – denn ein totalitäres Regime ist furchtbar! Im Vergleich zu diesen wirklichen Totalitarismen war der von Mussolini Rosenwasser…“

Hintergrund

Der Vatikan und Peking haben seit 1951 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Hauptstreitpunkt beider Seiten ist die Ernennung von Bischöfen; Peking bestreitet dem Papst das Recht, frei Bischöfe zu ernennen, das sei eine Einmischung in innere Angelegenheiten des Landes. 1957 entstand auf Veranlassung des Regimes die sogenannte „Patriotische Vereinigung“ zur Kontrolle einer offiziell geduldeten katholischen Kirche. 2007 schrieb der damalige Papst Benedikt XVI. einen Brief an die Katholiken in China. Papst Franziskus hofft auf eine Einigung mit Peking; sein Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat früher schon einmal eine bahnbrechende Einigung des Vatikans mit dem Regime von Vietnam ausgehandelt. (rv)

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Die Woche im Vatikan

Montag 13. März 2017 von VH

Die Woche fängt gut an: Am Montag jährt sich zum vierten Mal die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst, und das bedeutet für den Vatikan einen Feiertag. Viele Büros im kleinsten Staat der Welt bleiben deshalb zu. Aber so richtig überschlagen sich die Feier- und Gedenktage erst am Sonntag in einer Woche: Da wird nicht nur der vierte Jahrestag des offiziellen Amtsantritts von Franziskus begangen, sondern auch der Namenstag des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger).

Papst Franziskus nimmt in dieser Woche seine üblichen Termine wahr: Angelusgebet am Sonntag, eine Generalaudienz auf dem Petersplatz am Mittwoch. Hinzu kommen der Besuch in einer Pfarrei am römischen Stadtrand an diesem Sonntagabend und eine Bußfeier in St. Peter am Freitagabend.

Am Montagabend erlebt der Petersdom eine ökumenische Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte wird dort die anglikanische Vesper gefeiert. Erst vor kurzem hat Papst Franziskus beim Besuch der anglikanischen Pfarrei Roms an einem solchen „evensong“ teilgenommen.

Von Donnerstag bis Samstag kommen kanadische Bischöfe in den Vatikan, um über die Lage in ihren Bistümern Bericht zu erstatten: ein sogenannter ad-limina-Besuch. Natürlich werden sie auch mit Papst Franziskus sprechen. Ab Montag der nächsten Woche sind dann die Bischöfe auf El Salvador an der Reihe.

Am Donnerstagabend stellt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, in der deutschsprachigen Pfarrei Santa Maria dell’ Anima sein neues Buch über das Petrusamt vor.

Am Samstag steht Kurienkardinal Angelo Amato im Auftrag des Papstes in Bozen der Seligsprechung von Josef Mayr-Nusser vor; der engagierte südtiroler Katholik starb 1945 im KZ Dachau, nachdem er den Eid auf Hitler verweigert hatte. (rv)

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Neue Kriminalitätsstatistik für den Vatikan

Samstag 18. Februar 2017 von VH

Die Zahl der Diebstähle auf dem Boden des Vatikanstaats ist leicht gestiegen. Das ergibt sich aus einem Bericht zum Start des vatikanischen Gerichtsjahrs, der an diesem Samstag im Vatikan vorgestellt wurde. In den zwölf Monaten bis zum 30. September 2016 seien insgesamt 78 Diebstähle zur Anzeige gekommen, in den zwölf Monaten zuvor waren es „nur“ 58 gewesen.

Opfer der Langfinger sind in der Regel Touristen auf dem Petersplatz oder in den Vatikanischen Museen. Die vatikanische Gendarmerie hat insgesamt viermal mutmaßliche Taschendiebe verhaftet; die Gesamtzahl der Verhaftungen im Vatikan lag im abgelaufenen Gerichtsjahr bei 33. Etwa die Hälfte der Verhafteten seien an die italienische Polizei überstellt worden.

Aus dem neuen Bericht ergibt sich auch, dass in Einzelfällen weiterhin vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan weitergegeben werden. Die Statistik spricht außerdem von 28 Fällen des versuchten Betrugs. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche seien 2016 über zwei Millionen Euro beschlagnahmt worden – das ist auch der Erfolg eines eigens für solche Fälle eingerichteten, neuen Ermittlergremiums. (rv)

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Drahtseilakt: Vatikanische Außenpolitik in der Ära Trump

Donnerstag 9. Februar 2017 von VH

Der Vatikan legt es derzeit nicht auf eine Konfrontation mit der neuen US-Regierung an. Das machte der „Außenminister“ des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, jetzt im Gespräch mit Radio Vatikan deutlich. Auf die Frage, wie er denn den Bau von Mauern gegen Migranten bewerte, sagte der Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten im vatikanischen Staatssekretariat:

„Wir sehen, dass man an vielen Fronten arbeiten muss. Es geht darum, die Konflikte zu lindern und die Kriege da, wo es sie gibt, zu lösen. Man muss mehr für die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung vieler Länder tun, in denen die Armen geradezu gezwungen sind, eine bessere Zukunft für sich selbst und ihre Familien zu suchen – was legitim ist. In diesem Sinn arbeiten wir, und auch für eine neue Vision der Weltwirtschaft. Wir haben doch die Ressourcen und die Fähigkeit, eine gerechtere Welt zu bauen, wo es mehr Möglichkeiten zu einem Leben in Würde gibt.“

Eine Antwort auf die Frage nach der Mauer gab Gallagher nicht. US-Präsident Trump plant den Ausbau der stellenweise bereits existierenden Sperranlage zwischen Mexiko und den USA zu einer lückenlosen Mauer entlang der gesamten Grenze. Ziel ist es, illegale Einwanderung zu stoppen.

Bei einer Japanreise hat der Vatikanverantwortliche für die Beziehungen zu den Staaten in den letzten Tagen unter anderem in Tokio einen Vortrag über die Rechte von Flüchtlingen gehalten. Gallagher gab zu erkennen, dass er in Japan große Unruhe über Trumps Kurs wahrgenommen hat. Die Regierung von Präsident Shinzo Abe fürchtet, dass der neue Mann im Weißen Haus sich nicht mehr an US-Sicherheitsgarantien für Japan gebunden fühlt.

„Nach Japan zu reisen bedeutet, eine sehr spezielle Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und nach den Atombomben-Abwürfen kennenzulernen“, so Erzbischof Gallagher. „Das Land ist immer noch zutiefst traumatisiert von diesen Erfahrungen, und Friede hat für die Menschen dort einen besonderen Sinn. Den Frieden zu sichern ist die Sorge aller Japaner. Sie verstehen, welchen Preis man für Frieden zu zahlen hat und welche Anstrengung der Friede braucht. Jetzt sorgen sie sich etwa wegen der Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel, wegen ihrer Verteidigungs-Allianz mit den USA und anderen Dingen. In der Welt sehen wir ja den Frieden oft als etwas Automatisches, Garantiertes an – aber so ist das nicht. In Japan verstehen sie, welchen Preis der Friede hat und welches Leid der Nicht-Friede mit sich bringt.“

Natürlich hat der hohe Besucher aus dem vatikanischen Staatssekretariat in Japan auch das Mahnmal von Hiroshima besucht, das an den ersten Atombomben-Abwurf von 1945 erinnert. Wer denkt da nicht an die Äußerungen Trumps in seinem Wahlkampf, Japan könne sich doch alleine verteidigen, etwa indem es sich Atomwaffen zulegt. Erzbischof Gallagher ficht hingegen für nukleare Abrüstung und die Nicht-Weiterverbreitung von Atomwaffen, „auch mit einem gewissen Sinn für Realismus“.

„Wir arbeiten da im Wesentlichen an zwei Fronten: in der multilateralen Welt durch die internationalen Organismen. Und dann natürlich auch über unsere kirchlichen Kanäle. Wir hoffen, dass auch die katholischen Gemeinschaften von diesem Geist des Friedens bewegt sind, und von diesem Geist der Suche nach einer Ethik der Brüderlichkeit, von dem der Papst häufig spricht. Wir sollten unsere Ängste überwinden, die uns dazu bringen wollen, uns mit diesen schrecklichen Waffen zu verteidigen.“

Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat Papst Franziskus einiges geleistet auf dem Feld der Friedensdiplomatie. So trug die päpstliche Diplomatie zum Ende der Eiszeit zwischen den USA und Kuba bei. Jetzt könnte Trump einiges von dem, was Franziskus aufgebaut hat, wieder einreißen. Aber der Papst wird nicht lockerlassen, wie Erzbischof Gallagher sagt.

„Ich glaube, der Heilige Vater sieht die Vatikandiplomatie als einen Ausdruck dieses Dienstes, den die Kirche für die internationale Gemeinschaft leisten soll. Wir antworten auf Bitten von Regierungen und Völkern, um zum Frieden beizutragen und unser Mögliches zu tun. Dabei wollen wir nicht Hauptdarsteller sein, wir haben auch keine Patentlösungen für alles, aber in einem Geist der Brüderlichkeit können wir doch versuchen, anderen zu helfen, Vorurteile zu überwinden, miteinander zu reden, einen Dialog anzustoßen. Wir tun, was möglich ist. Der Heilige Vater wünscht, dass wir immer bereit sind, trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen, die es gibt. Wir antworten immer, wenn uns zwei Konfliktparteien anrufen – aber nicht, wenn nur eine von beiden uns ruft. Denn wir müssen immer versuchen, unparteiisch zu bleiben.“ (rv)

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Cyber-Angriff auf den Vatikan: Geschwister festgenommen

Montag 16. Januar 2017 von VH

VATIKANSTADT – Sie sollen eine Cyber-Attacke verübt haben, die auch den Vatikan zum Ziel hatte – nun wurden sie festgenomen: Die Geschwister Giulio Occhionero (45) und Francesca Maria Occhionero (49).

Die beiden sollen 18.000 Konten gehackt und sich Zugang zu vertraulichen Informationen und privaten Daten mehrerer prominenter italienischer Institutionen und Personen verschafft haben, darunter zu tausenden Emails sowie den Computern eines vatikanischen Gästehauses für ausländische Besucher und von Kardinal Giancarlo Ravasi vom Päpstlichen Kulturrat.

Die mutmaßlichen Täter arbeiteten Medienberichten zufolge als Ingenieure und haben Wohnsitze in London und Rom.

Der Vatikan hat sich zu den Vorfällen bislang nicht geäußert; unklar ist bislang unter anderem, wie groß der Schaden ist, den die Hacker anrichten konnten.

Italienische Behörden melden, dass die Cyber-Abteilung des FBI die Ermittlungen unterstütze, da sich einige der abgegriffenen Informationen auf Servern in den USA befanden.

Wie unter anderem die „New York Times“ berichtet, gehen die italienischen Autoritäten davon aus, dass die Occhioneros in Kontakt mit den Freimaurern stehen, da die Malware – die Software mit denen sich die Täter offenbar Zugang verschafften – „Eye Pyramid“ heiße: Eine Anspielung auf das Freimaurer-Symbol. Zudem hätten mehrere der betroffenen Konten Freimaurern gehört, so die Behörden.

Unabhängig von der Frage, ob es einen Bezug zur Freimaurerei gibt gehen Sicherheitsexperten davon aus, dass das Paar nicht alleine handelte – und möglicherweise einen gezielten Auftrag erfüllen sollte.

„Diese Art Information ist nutzlos, es sei denn, ein institutioneller oder finanzieller Kontakt hat daran Interesse“, erklärte Raffaele Marchetti, Studienleiter für Digitale Revolution und Cybersecurity an der Luiss Guido Carli Universität in Rom gegenüber der „New York Times“.

Die Occhioneros streiten jede Beteiligung an der Cyber-Attacke ab. (CNA Deutsch)

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Vatikan/KNA: Kardinal Müller zum Kardinalsbrief

Donnerstag 1. Dezember 2016 von VH

Kardinal MüllerDie Nachrichtenagentur KNA berichtet hierzu folgendes:

Der Vatikan wird vorerst nicht auf den Brief von vier Kardinälen antworten, die vom Papst mehr Klarheit im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen fordern. Die Glaubenskongregation handele und spreche „mit der Autorität des Papstes“ und könne sich „am Streit der Meinungen nicht beteiligen“, sagte ihr Präfekt, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, am Donnerstag im CIC-Interview in Rom.

Müller verwies darauf, dass der Brief an den Papst persönlich gerichtet sei. Dieser könne allerdings die Glaubenskongregation „ad hoc beauftragen, den Meinungsstreit zu schlichten“. Die Glaubenskongregation ist für alle Fragen der kirchlichen Glaubens- und Sittenlehre zuständig.

Der Präfekt der Glaubenskongregation rief zu einer Versachlichung der Debatte über das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ auf. „Im Moment ist es für jeden von uns wichtig, sachlich zu bleiben und sich nicht in eine Polarisierung hineintreiben zu lassen oder sie gar noch anzuheizen“, sagte Müller.

Klärung zu wiederverheirateten Geschiedenen

Zum strittigen Punkt selbst, ob nach „Amoris laetitia“ wiederverheiratete Geschiedene in begründeten Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen, äußerte sich Kardinal Müller in dem Interview nicht direkt. Er betonte jedoch, dass dieses Schreiben nicht so interpretiert werden dürfe, als seien frühere Aussagen von Päpsten und der Glaubenskongregation nicht mehr gültig. Ausdrücklich nannte er die offizielle Antwort der Glaubenskongregation auf das Hirtenschreiben der drei oberrheinischen Bischöfe von 1993 zum Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen. Darin lehnte Kardinal Joseph Ratzinger als damaliger Präfekt der Kongregation den Vorstoß der Bischöfe ab, den Betreffenden in Einzelfällen den Kommunionempfang zu ermöglichen.

Unauflöslichkeit der Ehe als Lehrgrundlage für Pastoral

Die Unauflöslichkeit der Ehe müsse die „unerschütterliche Lehrgrundlage für jede pastorale Begleitung“ sein, betonte Müller. Zugleich wolle Franziskus allen, deren Ehen und Familien sich in einer Krise befinden, helfen, „einen Weg in Übereinstimmung mit dem immer gnädigen Willen Gottes zu finden“.

Müller wies zudem Berichte über angebliche Grabenkämpfe im Vatikan zurück. Gerüchte und Stereotypen vom „Machtkampf hinter den Kulissen oder den ‘hohen Mauern des Vatikans’ zwischen Reformern und Bremsern“ zeigten nur, „wie das Denken und Wahrnehmen von Machtkategorien verdorben sind“. Es gehe um „den Sieg der Wahrheit und nicht um den Triumph der Macht“. (Original kna bei rv)

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Vatikan/Syrien: „Kardinalsrot bedeutet Blut“

Donnerstag 17. November 2016 von VH

zenariAm Samstag kreiert Franziskus neue Kardinäle. Zum Kardinal erhoben zu werden hat vor allem mit Würde und Entscheidungsmacht zu tun, mag man denken – dieser Eindruck verstärkt sich nicht zuletzt durch die pompöse Zeremonie im Petersdom. Der diesjährige Kandidat aus Syrien setzt diesen Akzent: „Das scharlachrote Kardinalsrot bedeutet Blut, es bedeutet dazu bereit zu sein, sein Blut für die Treue zu Christus und seine Kirche zu geben“, erinnert der Nuntius von Damaskus im Interview mit Radio Vatikan. Erzbischof Mario Zenari ist gebürtiger Italiener und einer der 17 kirchlichen Würdenträger, denen der Papst am Samstag das rote Birett aufsetzen wird.

Er deutet seine Erhebung zum Kardinal als Zeichen der Solidarität mit der notleidenden syrischen Bevölkerung:

„Ich habe da direkt an Syrien gedacht: Diese Kardinalswürde enthält das Blut vieler Menschen, vor allem der Kinder. Ich werde also all diese Personen, all das Leid am Samstag und Sonntag zum Petersplatz tragen. Ich erinnere mich etwa an die zwei Kinder, vier und neun Jahre alt, die auf einem Balkon in Damaskus von eine Mörsergranate getroffen wurden, als sie dort auf ihre Mutter warteten. Sie waren auf der Stelle tot. Dann, vor ein paar Monaten, ein weiterer Fall in Aleppo: Eine Granate fiel auf ein Altenheim, das von einer Ordensgemeinschaft geführt wurde. Als ich in Eile dort ankam, sah ich das Blut auf der Erde, das Blut einer alten Frau, die voll getroffen worden war. Wenn ich jetzt zum Petersdom komme, behalte ich meine Schuhe an, an denen dieses Blut klebt. Ich trage es vor das Petrusgrab.“

Zum Ende des Heiligen Jahre der Barmherzigkeit feiert Erzbischof Zenari am kommenden Sonntag zusammen mit dem Papst und den anderen neuen Kardinälen eine Heilige Messe im Petersdom. Das Motto des Jubeljahres versteht der Nuntius in Syrien nicht als guten Vorsatz; es sei für die kirchlichen Helfer vor Ort sozusagen das tägliche Brot im Kriegsalltag – etwa wenn es um die Bestattung der Toten geht: „In Europa ruft man ein Unternehmen an und macht die Beerdigung. In Syrien gibt es Menschen, Priester, die unter Beschuss der Heckenschützen ihr Leben riskieren, um von den Straßen die Toten aufzulesen. Und wenn wir über die Bestattung sprechen: man geht von 400.000 Toten in Syrien aus.“

Von 400.000 Toten und 2 Millionen Verletzten, 5 Millionen Isolierten und tausenden Belagerten, die aufgrund der Kriegsgefechte nur schwer oder gar keine Hilfe erreicht, 4,5 Millionen Flüchtlingen und 7 Millionen Binnenflüchtlingen. Insgesamt seien 13,5 Millionen Menschen im Land dringend auf Hilfe angewiesen. Der Nuntius nennt ein paar Zahlen, zeichnet mit groben Strichen die Fratze des Krieges. Vor allem Essen und Trinkwasser seien ein Riesenproblem, da Zuleitungen zerstört worden seien. Das sei aber noch nicht alles, fügt Zenari dann an: „Das, was man nicht sieht, die größten Schäden, sind die Bomben, die in die Seele eingedrungen sind, in die Herzen der Kinder, die so viel Gewalt gesehen haben. In ein paar Jahren wird man diese Gebäude, die Infrastrukturen wieder aufbauen; wie aber kann man die Herzen, die Seelen dieser Kinder wieder heilen, die solch tiefe Wunden davongetragen haben? Das ist eine Herausforderung für alle Religionen in Syrien, dieser Wiederaufbau der Seelen. (rv)

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Papst berät mit Kurienchefs

Montag 14. November 2016 von VH

cna_Fanziskus im VatikanFranziskus hat am Montag mit den Leitern der einzelnen vatikanischen Dikasterien beraten. Das genaue Thema der Gespräche teilte der Vatikanische Pressesaal allerdings nicht mit. Sogenannte Kabinettssitzungen mit dem Papst sind im Vatikan selten; zuletzt gab es im Mai eine Runde dieses Formats zum Thema Medienreform. Wesentlich häufiger trifft sich Franziskus mit dem von ihm ins Leben gerufenen Kardinalsrat, zu dem neun Kardinäle aus allen Teilen der Welt gehören. (rv)

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Ein McDonald’s im Vatikan? Aufruhr über „McVatican“-Filiale

Mittwoch 19. Oktober 2016 von VH

cna_mcdonaldsVATIKANSTADT – Buchstäblich um die Ecke vom Petersplatz, auf vatikanischem Boden, eröffnet demnächst eine Filiale der amerikanischen Fastfood-Kette McDonald’s – sehr zum Missfallen einiger prominenter Kritiker, darunter Kardinäle, die im gleichen Gebäude leben.

Der „McVatican“, wie er bei manchen jetzt schon heißt, soll an der Ecke der Via del Mascherino und der Via Borgo Pio aufmachen, mit Blick auf Vatikan und Petersdom.

Zahlreiche Firmen hatten sich um die leerstehenden Räumlichkeiten beworben. Doch APSA, die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls, entschied sich, diese an McDonald’s zu vermieten – für monatlich 30.000 Euro Miete.

In einem Interview mit der italienschen Zeitung „La Reppublica“ sagte der italienische Kardinal Elio Sgreccia, Präsident emeritus der Päpstlichen Akademie für das Leben, dies sei „eine umstrittene, eine perverse Entscheidung, um es gelinde auszudrücken“.

Die Anwesenheit einer Filiale der Fastfood-Kette, sagte er, sei ein Akt der Respektlosigkeit gegenüber den architektonischen und urbanen Traditionen eines einzigarten Platzes, der die Kolonnaden von St. Peter überblicke „und täglich von tausenden Pilgern und Touristen besucht wird“, so der Kardinal.

Die „Mega-Sandwiches“ der Fastfood-Kette seien, sagte Kardinal Sgreccia weiter, eine Gefahr für die Gesundheit; die „fragwürdige“ Aktivität hätte für ein vatikanisches Gebäude überhaupt nicht erst in Frage kommen dürfen.

Neben Sgreccia, der dem Papst einen Brief zum Thema geschrieben haben soll, haben auch andere Kardinäle, die im betroffenen Gebäude wohnen, ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verliehen: Was werde etwa mit den Obdachlosen geschehen, die vor dem Gebäude leben, manche schon seit Jahren?

McDonald’s wäre nicht nur eine „Schande“, so Kardinal Sgreccia gegenüber „La Repubblica“; vielmehr hätten – statt einer Fastfood-Filiale zu dienen – die Räumlichkeiten besser der Versorgung Bedürftiger zur Verfügung gestellt werden sollen.

Doch der Kritik zum Trotz sagt der zuständige Präsident von APSA, Kardinal Domenico Calcagno, er verstehe die Aufregung nicht.

Alles sei juristisch einwandfrei, und nichts verstoße gegen das Recht, die Tradition und Interessen des Heiligen Stuhls, so Kardinal Calcagno gegenüber „La Repubblica“. Eine Umentscheidung käme nicht in Frage.

Von Briefen an den Papst wisse er nichts, so Kardinal Calcagno weiter. Er wisse zwar um die Meinung seiner Brüder, doch, wie er betonte: „Wir sind freie Menschen. Jeder hat das Recht, seine Meinung auszudrücken“. Man könne freilich nicht immer der gleichen Ansicht sein.

Als Präsident von APSA sehe er nichts Negatives an der Entscheidung. Das Angebot der amerikanischen Manager sei fair und gerecht gewesen: „Ich kann keinen Skandal erkennen“. (CNA Deutsch)

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Vatikan/UNO: Abrüstung statt nur Embargo gegen Atomwaffen

Dienstag 18. Oktober 2016 von VH

UNO-FahneAtomwaffen geben einen „falschen Sinn für Sicherheit“, so ein Statement des Ständigen Beobachters des Heiligen Stuhls bei der UNO in New York, Erzbischof Bernadito Auza. Es sei falsch, so das Redemanuskript, gegen Staaten mit Boykott und Embargo vorzugehen, die angeblich Atomwaffen produzieren und gleichzeitig selber Nuklearbomben zu besitzen. Vielmehr müssten sich alle Staaten gleichermaßen für den Abbau und die Beseitigung von solchen Waffen einsetzen. Konkrete Staaten wurden nicht namentlich genannt. (rv)

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