Mit neuen Kardinälen an der Startlinie: Wie geht es weiter mit der römischen Kurie?

VATIKANSTADT – Die Ankündigung von Papst Franziskus, neue Kardinäle zu kreieren, wird auch Konsequenzen für die römische Kurie und ihre Amtsträger haben.

Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, bisher im Staatssekretariat, ist zum Präfekten für die Kongregation der Heiligsprechungsverfahren ernannt worden. Er wird Kardinal Angelo Amato ersetzen, der am 8. Juni 80 Jahre alt wird.

Becciu war bisher die Nummer Zwei im Staatssekretariat. Dieses Amt aufgeben wird er am 29. Juni 2018, und Papst Franziskus wird dann einen neuen Stellvertreter des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin ernennen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass Papst am 19. Mai eine Privataudienz mit den Erzbischöfen Gabriele Giordano Caccia und Nicola Girasoli hatte. Caccia ist Apostolischer Nuntius auf den Philippinen, Girasoli der Nuntius in Peru.

Erzbischof Caccia gilt seit längerer Zeit als möglicher Kandidat für die Position, die bisher Becciu innehatte: Er hat mit Kardinal Parolin bereits im Staatssekretariat zusammengearbeitet, als dieser Vizeminister für Außenangelegenheiten war.

Papst Benedikt XVI. weihte die beiden am 12. September 2009 zu Bischöfen.

Zudem wurden Kardinal Parolin und Erzbischof Caccia zeitgleich jeweils zum Nuntius für Venezuela und respektive Peru ernannt. Auf die Philippinen versetzt wurde Caccia am 12. September 2017.

Im gleichen Jahr wurde Erzbischof Nicola Girasoli zum Nuntius in Peru ernannt. Er ist seit 1985 Diplomat. Er arbeitete in den Apostolischen Nuntiaturen in Indonesien und Australien, dann verbrachte er einige Zeit im Staatssekretariat, um anschließend in den Nuntiaturen Ungarns, Belgiens, der USA und Argentiniens zu dienen. Von 2006 bis 2011 war er Nuntius in Zambia und Malawi, dann diente er von 2011 bis 2017 als Nuntius in Trinidad und Tobago, bevor er nach Peru versetzt wurde.

Er gilt als enger Vertrauter des Papstes, und auch Kardinal Parolin soll ihm zugetan sein. Gerüchten zufolge wäre er der qualifizierteste Kandidat für die Rolle des Stellvertreters des Kardinalstaatsekretärs.

Gleichzeitig hat das Personalkarussel im Vatikan bereits zu kreisen begonnen: Monsignore Joseph Murphy at Erzbischof Avelino Bettencourt, der zum Nuntius in Armenien und Georgien befördert wurde.

Personelle Änderungen in der Kurie

Nicht nur unter den Diplomaten des mächtigen Staatssekretariates gibt es Personalrochaden. Praktisch alle vatikanischen Dikasterien sind betroffen – besonders die zehn „Ministerien“, deren Vorsitzende und Präfekten voraussichtlich in den Ruhestand gehen werden.

  • Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, ist 79;
  • Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, ist 77;
  • Kardinal George Pell, Präfekt des Wirtschaftssekretariates, ist 76;
  • Kardinal Beniamino Stella, Präfekt der Kongregation für den Klerus, ist 76;
  • Kardinal Giuseppe Bertello, Regierungschef der Vatikanstadt, ist 75;
  • Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, ist 75;
  • Kardinal Domenico Calcagno, Präfekt der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA), ist 75;
  • Erzbischof Marcelo Sanchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, ist 75;
  • Erzbischof Piero Marini, Präsident des Päpstlichen Komitees für die Eucharistischen Weltkongresse, ist 76; und
  • Pio Vito Pinto, Dekan der Rota, ist 76 Jahre alt.

Die Kardinäle Pell und Bertello haben bereits eine Verlängerung ihrer Amtszeit erhalten: Kardinal Pell wird bis 2019 seinen Posten behalten, Kardinal Bertello bis 2010. Auch Erzbischof Sorondos Amtszeit wurde verlängert, während Kardinal Amato mit Erreichen des 80. Lebensjahres aus dem aktiven Dienst scheidet.

Papst Franziskus hat also jede Menge Möglichkeiten, die Kurie personell umzugestalten. Zumal weitere Schlüsselpositionen nicht besetzt sind: Die des Untersekretärs für Familie im Dikasterium für Laien, Familie und Leben; die des Kirchenanwalts am Tribunal Rota Romanae; und die des Präfekt für das Sekretariat für Kommunikation.

Letzteres heißt mittlerweile „Dikasterium für Kommunikation“, und die Mitarbeiter bekommen derzeit neue Ausweise mit diesem Behördennamen ausgestellt.

Dieser Schritt bedeutet eine Herabstufung des Sekretariats: Es ist nicht mehr auf gleicher Ranghöhe wie das Staatssekretariat, sondern nur eines der Dikasterien, die nach Abschluss der Kurienreform ihren Dienst leisten.

Der Posten des Präfekten bleibt möglicherweise unbesetzt. Der ehemalige Präfekt, Monsignore Dario Viganò, war am 21. März zurück getreten, wurde aber im gleichen Zug von Papst zum „Assessor“ des Sekretariats ernannt.

Wenige Tage später tauchte dieser Posten eines „Assessors“ auf der Website des Kommunikationssekretariates im Organisationsdiagramm auf, obwohl er nicht in den Statuen des Dikasteriums zu finden ist, die am 6. September 2017 erlassen wurden.

Nun ist das Amt des Präfekten unbesetzt, und der Assessor laut Webseite der dritthöchste Posten.

Im Organisationsdiagramm steht nichts über die inhaltliche Ausrichtung, die Monsignore Viganò ad interim steuerte. Als Editorial Direction steht sie zwar in den Statuten, fehlt aber im Diagramm.

Als Interimspräfekt dient indessen Monsignore Lucio Adrian Ruiz.

Das sind nicht nur Details, sondern dies sind Einblicke in den Reformprozess.

In mehreren Artikeln für das Magazin „Il Regno“ hat Bischof Marcello Semeraro erklärt, dass Papst Franziskus die Reformen „im Gehen“ durchführen will. Das bedeutet: Es gibt keinen Rahmen für die Reformen. Vielmehr sollen diese den Rahmen ergeben.

Das ist das Gegenteil dessen, was Papst Johannes Paul II. mit Pastor Bonus tat, der Apostolischen Konstitution, die Funktionen und Aufgaben der Kurie regelt.

Pastor Bonus wurde 1988 veröffentlicht, und davor über Jahre ausführlich beraten. Dann wurden die Veränderungen gemäß dem Dokument umgesetzt.

Diesmal wird der endgültige Text wohl abbilden, welche Änderungen vorgenommen wurden – und erst dann wird es möglich sein, einen allgemeinen Überblick über die Änderungen zu bekommen, und was diese darstellen.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original. (CNA Deutsch)

Papst verlängert Mandat seines Sondergesandten für die Malteser-Ritter

VATIKAN – Fünfzehn Monate nach der Ernennung von Erzbischof Giovanni Angelo Becciu zu seinem persönlichen Gesandten bei den Malteserrittern hat Papst Franziskus das ursprüngliche Mandat verlängert. Becciu soll auf dem Posten bleiben, bis der Umbau des „Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta“, wie die Malteser mit vollem Namen heißen, beendet ist.

In einem Brief, der am 4. Mai veröffentlicht wurde, dankte Papst Franziskus Becciu für seine Arbeit, vor allem im „aufmerksamen Treffen und Zuhören“ von Mitgliedern des Ordens; und bat ihn, weiterhin der „Sprecher“ des Papstes in Bezug auf die Beziehungen zwischen den Rittern und dem Heiligen Stuhl zu sein.

Papst Franziskus benannte Erzbischof Becciu, der seit 2011 als Stellvertreter des Staatssekretariats fungiert, im Februar 2017 seinen persönlichen Delegierten, der die „spirituelle und moralische Reform“ des Malteserordens unter besonderer Berücksichtigung der Professen überwachen soll: Dies sind die als gottgeweihte Laien zölibatär lebenden, auch als Justiztritter bekannten Mitglieder des „Ersten Standes“, die seit 900 Jahren den Kern des alten Ordens bildeten.

Beccius Position als Sonderbeauftragter sollte mit der Wahl des neuen Großmeisters des Ritters enden, der am 2. Mai mit der Wahl von Fra ‚Giacomo Dalla Torre stattfand, aber Franziskus hat beschlossen, das Mandat auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

„In Anbetracht der Tatsache, dass der Weg der spirituellen und juristischen Erneuerung“ des Malteserordens noch nicht abgeschlossen ist, „bitte ich Sie, das Amt meines Delegierten bis zum Abschluss des Reformprozesses fortzusetzen“, so der Papst.

Der neu gewählte Großmeister Dalla Torre war seit April 2017 Interims-Großmeister. Seine Ernennung zu dieser Position ist ein Teil der laufenden, als „Reform“ bezeichneten Umbauten, nachdem der frühere Großmeister der Ritter, Matthew Festing, am 24. Januar 2017 auf Anweisung von Papst Franziskus zurückgetreten war.

Hintergrund

Die nun erneuerte Beauftragung von Erzbischof Becciu war das Resultat eines Konflikts zwischen Protagonisten im Vatikan und dem Orden über die Absetzung des Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, im Dezember 2016, nachdem der deutsche Ordensmann einen Rücktritt verweigert hatte.

Nach einer mehrfachen Intervention des Papstes sowie des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin und einer zum Teil öffentlichen geführten, robusten Korrespondenz mit dem damaligen Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, hatte Franziskus am 24. Januar 2017 diesen zum Rücktritt aufgefordert. Der Brite war daraufhin sofort zurückgetreten, was der Orden per Gremium später bestätigte. Freiherr von Boeselager kehrte wieder in das Amt des Großkanzlers zurück.

Verhandelt wurde in der Auseinandersetzung, die dem jetzt andauernden Prozess vorausging, ein Richtungsstreit, den manche sogar als „Kulturkampf“ bezeichneten, und der internationale Wellen schlug. (CNA Deutsch)

Dieser Mann soll die Malteser spirituell erneuern: Franziskus ernennt Erzbischof Becciu

VATIKANSTADT – Eine „geistliche und moralische Reform“ des Souveränen Ordens der Malteser soll er überwachen, besonders der zölibatär lebenden Justiz-Ritter: Papst Franziskus hat Erzbischof Giovanni Becciu zu seinem „besonderen Bevollmächtigten“ ernannt.

Die „geistliche Erneuerung“ hat möglicherweise konkrete rechtliche und politische Konsequenzen, bis hin zu einer Änderung der Verfassung des eigentlich souveränen Völkerrechtssubjekts, wie der Heilige Vater in seinem Schreiben darlegt. Sein Bevollmächtigter sei zudem der „ausschließliche Sprecher“ des Papstes und werde eng mit dem amtierenden Leiter des Ordens, Fra‘ Ludwig Hoffmann von Rumerstein, zusammenarbeiten.

Offiziell ist der Kardinalspatron der Vertreter des Papstes beim Malteser-Orden, und als solcher beauftragt mit der Förderung der spirituellen Ausrichtung des Ordens. Dieses Amt des Kardinal Patronus bekleidet seit 8. November 2014 Kardinal Raymond Leo Burke.

Im 900 Jahre alten Souveränen Malteser-Orden stellt die kleine Gruppe der Justiz- oder Profess-Ritter, die Gelübde wie Mönche ablegen, eine kleine aber wichtige Rolle. Der Orden, der seine eigene Währung, Pässe und Nummernschilder hat, und diplomatische Beziehungen zu über 100 Nationen pflegt, zählt rund 13.500 Mitglieder; doch nur 55 gehören diesem „ersten Stand“ des Ordens an. Bislang stellen sie auch die Führung.

Bis zur Wahl eines neuen Großmeisters leitet nun, unterstützt vom päpstlichen Bevollmächtigten, der 80-jährige Österreicher Hoffmann von Rumerstein den Orden. Er ist seit 1970 Professritter und seit 2014 Großkomtur.

Auch Erzbischof Beccius Mandat endet mit dem Abschluss der Wahl eines neuen Großmeisters; damit sei voraussichtlich Ende April zu rechnen, teilte Großkanzler von Boeselager bei einer Pressekonferenz diese Woche mit. Dabei betonte von Boeselager auch, dass er mit dem päpstlichen Delegaten zusammenarbeiten werde. Es gehe darum, wieder das Vertrauen in den Orden herzustellen und das Augenmerk auch wichtigere Dinge in der Welt zu lenken, etwa die Migrationskrise.

Hintergrund

Die auf den 2. Februar datierte, aber erst heute veröffentlichte Beauftragung von Erzbischof Becciu ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, bei der es zum Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Orden über die Absetzung des Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, im vergangenen Dezember gekommen war, nachdem der deutsche Ordensmann einen Rücktritt verweigert hatte.

Nach einer mehrfachen Intervention des Papstes sowie des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin und einer zum Teil öffentlichen geführten, robusten Korrespondenz mit dem bisherigen Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, hatte Franziskus am 24. Januar den Großmeister zum Rücktritt aufgefordert. Dieser war daraufhin sofort zurückgetreten, was der Orden per Gremium später bestätigte. Freiherr von Boeselager kehrte wieder in das Amt des Großkanzlers zurück.

Verhandelt wurde in der Auseinandersetzung jedoch nicht allein die eine oder andere Personalie. Es ist Beobachtern zufolge ein Richtungsstreit, den manche sogar als „Kulturkampf“ bezeichnen, und der internationale Wellen schlug.

In der „Zeit“ schrieb der Journalist Julius Müller-Meiningen, es werde „ein Kampf der Kulturen ausgetragen, wie er in vergleichbaren Zügen in der gesamten katholischen Kirche zu beobachten ist. Ein Armdrücken um die Wahrheit, das nun in einer päpstlichen Blutgrätsche im Namen der Barmherzigkeit sein vorläufiges Ende findet. Müssen sich Katholiken in aller Welt auf Verhältnisse wie im Malteserorden gefasst machen nach der Devise: Wer nicht spurt, fliegt raus? Der letztendlich mit dem Recht des Stärkeren ausgetragene Streit im Orden geht ums Ganze, um die richtige Balance und das rechte Verständnis von Katholizität, Tradition, Dogma und Pastoral. Mit besonderer Teilnahme des deutschen Katholizismus“.

Im „National Catholic Register“ sprach der Präsident der deutschen Malteser, Prinz Erich von Lobkowicz, von einer „Schlacht zwischen all dem, wofür Papst Franziskus steht, und einer kleinen Clique ultrakonservativer, rüschentragender Hardliner in der Kirche, die den Zug in jeder Hinsicht verpasst haben“. (CNA Deutsch)

Schweizer Garde: „Ein Leben lang….“

Schweizer Garde„Dieser Schwur ist eine spezielle Sache, der gilt ein Leben lang.“ Patrick Sonderecker ist 22 Jahre alt und hat vor einem Jahr seinen Eid als Schweizergardist geleistet, dem Heiligen Vater zu dienen und ihn mit seinem Leben zu beschützen. An diesem Dienstag sind 30 neue Gardisten dran. 20 Gardisten aus der Deutschschweiz, sechs aus der französischsprachigen und vier aus der italienischsprachigen Schweiz. Im Alter zwischen 19 und 30 Jahren kann man sich bewerben, meistens sind die Gardisten bei Antritt zwischen 21 und 24 Jahre alt. Der Damasus-Hof des Apostolischen Palastes war wie immer bei gutem Wetter der Ort, um ihren feierlichen Eid vor Gästen, Familie, Angehörigen und Geistlichen zu leisten.

„Heute liegt im Apostolischen Palast, im Haus von Papst Franziskus, Festtagsstimmung in der Luft. Das Wiedererklingen der Stimmen, der Musik, die Fahnen und die vielen Gäste weisen darauf hin, dass wir heute einen besonderen Moment erleben,“ sagt etwas stolz der vatikanische „Innenminister“ Erzbischof Giovanni Angelo Becciu. Anwesend unter anderen auch der Generalkaplan ad interim Markus Heinz aus der Diözese St. Pölten.

Die rechte Hand der Gardisten zeigt mit drei Fingern gespreizt zum Himmel, der Schwur wird so laut wie möglich in der jeweiligen Sprache des Gardisten verlautbart und dann ertönt wieder feierliche Blasmusik, gespielt von den Gardisten selbst.

„Nun seid ihr keine Zeitgeister mehr, sondern echte Soldate.“, sagt der Oberkommandant Daniel Anrig zu den jungen Gardisten. Vor der Zeremonie wurde der traditionelle Kranz niedergelegt, zum Gedenken an die verstorbenen Gardisten vom 6. Mai 1527. Am Tag der „Feuertaufe“ der Schweizer Garde, wobei 147 Soldaten auf grausame Weise getötet wurden, als sie Papst Clemens VII. vor deutschen und spanischen Söldnern beschützen wollten. Oberkommandant Daniel Anrig hat Radio Vatikan erklärt, was einen Schweizergardisten heute ausmacht:

„Das Ideale ist, wenn der Gardist ein Soldat vom Scheitel bis zur Sohle ist und im Glauben eingebettet. Natürlich spielt auch die Gesundheit und die Größe eine Rolle – aber er soll vor allem fromm sein.“
Der Andrang sei nicht übermäßig groß, die „Arme seien offen“, für neue Rekruten, so der Kommandant. Die Gardisten, welche mindestens 1,74 m groß sein sollen, verpflichten sich bei der Garde zu einer Dienstzeit von mindestens zwei Jahren und einem Monat. Rund drei Viertel verlassen die 110-Männer-Amee nach dieser Zeit. Eine Frau gab es noch nicht unter den Bewerbern, aber man sei Erneuerungen nicht abgeneigt. Auch was die Uniform betreffe, doch sie hat dieses Jahr ihr hundertjähriges Jubiläum. Blau-Rot-Gelb, die Medici Farben der altschweizer Kriegertracht haben sich bewährt. Die außergewöhnlich bunte Uniform war früher furchteinflößend, heute eher ein Erkennungsmerkmal. 1914 von Oberst Jules Repond neu-entworfen und als Renaissance-Uniform eingeführt, ist sie heute ein Zeichen des Vatikans, ein „Label“, so der Kommandant und das sei auch für die Pilger und Touristen sehr hilfreich.

Als Schweizergardist kann man auch das Glück haben den Papst persönlich kennenzulernen. Wie ein Vater sei Papst Franziskus – so der junge Gardist Patrick Sonderecker zu Radio Vatikan. So nah komme man den Papst auch nur, wenn man ihn beschütze:

„Er hat mir einmal ein Biskuit gegeben. Und ich habe ihm gesagt, ich kann nicht so viel essen, sonst wird man dick, denn es war ja auch noch Fastenzeit. Er sagte, dass es kein Problem sei. Wenn man arbeitet, dann muss man auch essen, hat mir Papst Franziskus gesagt.“

Seit 1506 hat die Garde dieselbe Aufgabe: den Papst zu beschützen, die Grenzen zu bewachen und für die Sicherheit der päpstlichen Residenz zu sorgen. Sie helfen aber auch dem Almosendienst und verteilen Essen. Wenn sie frei haben, dann dürfen sie sogar das Nachtleben in Rom genießen, so Anrig. Aber für Patrick ist die Schweizer Garde viel mehr:

„Die päpstliche Schweizer Garde ist wie eine kleine Familie. Leben auf engen Raum, das schweißt zusammen. Man genießt diese Zeit und man wird sie sicher vermissen, wenn man nach Hause geht.“ (rv)