Neuer Erzbischof von Paris: Michel Aupetit

Stabwechsel in einer der wichtigsten Diözesen Europas: Kardinal André Vingt-Trois räumt seinen Platz als Erzbischof von Paris. Neuer Hausherr in der Kathedrale Notre Dame wird – für viele überraschend – der bisherige Bischof von Nanterre, Michel Aupetit.

Es ist vor allem Jean-Marie Lustiger, der dem Erzbistum Paris innerkirchlichen Glanz gegeben hat. Lustiger, ein zum Christentum konvertierter Jude, war von 1981 bis 2005 einer der profiliertesten Denker der Kirche, auch die Académie Francais wählte ihn in die Reihen der „Unsterblichen“. Vingt-Trois, ein gebürtiger Pariser, konnte in seinen zwölf Jahren an der Spitze des Erzbistums mit dem Charisma seines Vorgängers zwar nicht mithalten, sorgte aber auf solide Weise dafür, dass die Stimme der Kirche in den zeitweise wilden Debatten der französischen Gesellschaft gehört wurde.

Jetzt beginnt an der Seine also die Ära Aupetit. Er wurde 1951 in Versailles geboren, studierte Medizin in Créteil, arbeitete zwölf Jahre lang als Arzt in Colombes – immer in der Peripherie der Hauptstadt. Seine Spezialität: Bioethik. 1990 entschied er sich, ins Priesterseminar einzutreten; fünf Jahre später war er Priester des Erzbistums Paris. Zunächst arbeitete er als Pfarrer und Schulseelsorger im für seine Buntheit bekannten Stadtviertel Marais; ab 2006 war er Generalvikar, ab 2013 Weihbischof von Paris. Schon ein Jahr später machte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Nanterre.

Innerhalb der französischen Bischofskonferenz ist Aupetit für das Thema Familie und Gesellschaft zuständig – keine Kleinigkeit angesichts der heftigen Debatten um „Ehe für alle“ und angesichts der katholisch geprägten Bewegung „Demo für alle“. Er sitzt auch in der Bioethik-Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz. (rv)

Internationale Kritik nach französischem Kreuzverbot an öffentlichem Platz

PARIS – Während am vergangenen Wochenende – auf Einladung des Vatikans – die Vertreter der EU über das Verhältnis Europas zum Christentum diskutiert haben, erregt das Verbot eines christlichen Symbols in einer bretonischen Kleinstadt international Aufsehen.

Ein schlichtes, aber großes Kreuz über einer Statue des heiligen Papstes Johannes Paul II. in Ploërmel will das oberste französische Verwaltungsgericht entfernen lassen.

Das Symbol der Christenheit ist auf dem Bogen angebracht, der sich über das Denkmal spannt, das an den Papstbesuch der Region im Jahr 1996 erinnert. Das 2006 errichtete Kunstwerk ist ein Geschenk des Präsidenten der Akademie der Schönen Künste in Moskau.

Nun müsse das Kreuz, das am “Platz Johannes Paul II.” steht, verschwinden, haben die Richter nach einer Klage entschieden. Die Begründung: Das Kreuz verstoße gegen das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche.

Das Urteil verursachte einen politischen Eklat und sorgte europaweit für scharfe Kritik.

Die Tageszeitung “Il Giornale” aus Mailand kommentierte bissig:

“Wir befinden uns nicht in Raqqa, der Hauptstadt des Islamischen Staates in Syrien, sondern in der Bretagne, im Herzen Westeuropas”.

Besorgt reagierte Polens Regierungschefin Beata Szydlo. Statt das Denkmal zu zensieren solle man es lieber nach Polen bringen, so die Politikerin, die selber Mutter eines katholischen Priesters ist. Der heilige Johannes Paul II. verkörpere wie kein anderer ein vereintes, christliches Europa.

In den Sozialen Medien kam es zu viralen Reaktionen. Unter anderem wurde behauptet, eine ungarische Grundschule wolle das Kreuz adoptieren:

Tatsächlich veröffentlichten Christen aus aller Welt in den Sozialen Medien unter dem Hashtag “Zeig Dein Kreuz” – #MontreTaCroix – Bilder öffentlich sichtbarer Kreuze und christlicher Symbole und Denkmäler, auf Gipfeln und auf Gemälden, an Türmen und Halsketten.

Doch warum jetzt die ganze Aufregung über ein einzelnes Kreuz in der Bretagne? Schließlich wird in Frankreich immer wieder das Verbot religiöser Symbole debattiert, zumal bei prominenteren Themen – etwa islamischer Kopfbedeckungen.

Scharfe Worte von Papst Franziskus

Der Grund dafür ist klar, meinen Beobachter: Weil im Jahr 2017 der Fall einer kleinen Gemeinde im Nordwesten Frankreichs die Schicksalsfrage Europas verkörpert, die an Brisanz enorm gewonnen hat, auch weil der Hass auf christliche Symbole und die Aggression gegenüber Christen weltweit erneut gestiegen ist, und damit die Sensibilität für die Frage nach der eigenen Heimat und Identität.

Für diese plädieren auch die Unterzeichner der Pariser Erklärung, darunter gleich mehrere französische Intellektuelle, deren Statement sich für “ein Europa wo(ran) wir glauben können” einsetzt.

Die Frage nach der Rolle des Christentums in Europa beantwortete indessen auch Papst Franziskus in einer großen Rede am Samstag scharf und deutlich; und er knüpfte damit nahtlos an die Reden seiner Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. an, die unverdrossen für die christliche Seele Europas kämpften. Franziskus wörtlich:

“Europa erlebt eine Art Gedächtnisverlust. Dazu zurückzukehren, eine solidarische Gemeinschaft zu sein, bedeutet, den Wert der eigenen Vergangenheit wiederzuentdecken, um die eigene Gegenwart zu bereichern und den nachfolgenden Generationen eine Zukunft der Hoffnung zu übergeben”.

Ein Ratschlag für alle indessen ist am Fuß des umstrittenen Denkmals in der Bretagne angebracht. Es ist ein berühmtes Zitat des heiligen Papstes, dass er den Gläubigen immer wieder auf den Weg gab: n’ayez pas peur – “Habt keine Angst!“. (CNA Deutsch)

Frankreich: „Ein dunkler Tag für das Recht auf Leben“

Informationen auf Webseiten zu veröffentlichen, die Frauen von einer Abtreibung abhalten sollen, ist in Frankreich nun strafbar. Das Parlament hat am Donnerstag einem entsprechenden Gesetzentwurf zugestimmt. Das neue Gesetz wird von verschiedenen Seiten als ein Angriff auf die Meinungsfreiheit bewertet. Wer dennoch eine Webseite gegen Abtreibung betreibt, kann mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Euro bestraft werden. Von einem „dunklen Tag für das Recht auf Leben“ und einem „schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit“ sprachen die Vereinigung katholischer Familien in Frankreich. Die als linksliberal geltende Tageszeitung „Le Monde“ schrieb, das Gesetz schränke die Freiheit ein und sei eine Maulkorb-Maßnahme.

Schon seit 1993 gilt dieser Straftatbestand für nicht-digitale Veröffentlichungen. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hat in einem Urteil klargestellt, dass Betreiber von Internetseiten gegen Abtreibung nur dann bestraft werden können, wenn sie zu Gewalt aufrufen oder Pflegepersonal beleidigen. Die französischen Bischöfe hatten sich in einem Brief an Staatspräsident Hollande gegen den Gesetzentwurf gewandt. Auch Papst Franziskus unterstütze den „Marsch für das Leben in Frankreich. Jährlich werden in Frankreich 200.000 Abtreibungen durchgeführt. (rv)

Frankreich: Angriff auf Missionarsheim

FrankreichEin unbekannter Mann ist, mit einem Messer und eventuell auch mit einer Pump-gun bewaffnet, in ein Seniorenheim für pensionierte Afrikamissionare in Südfrankreich eingedrungen und hat eine Aufpasserin ermordet. Der vermummte Täter konnte entkommen, die Polizei brachte die etwa sechzig Bewohner des Seniorenheims (Durchschnittsalter ca. 75 Jahre) in Sicherheit.

Das Seniorenheim war nicht besonders gesichert; außer den Senioren wohnen noch etwa zehn weitere Personen auf dem Areal. Ob der Überfall vom Donnerstagabend in der Nähe von Montpellier einen terroristischen Hintergrund hat, ist unklar, die Präfektur vermutet einen kriminellen Hintergrund. Doch die Tat weckt üble Erinnerungen an die Ermordung des Priesters Jacques Hamel durch IS-Terroristen in der Normandie im Juli dieses Jahres. (rv)

Frankreich: „Der Alarmschrei der Bischöfe“

le-mondejpg„Der Alarmschrei der Bischöfe“: So titelt an diesem Freitag die französische Tageszeitung „Le Monde“ auf Seite eins. Das ist eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit, wenn man bedenkt, dass Bischöfe in vielen Ländern der Welt vor wichtigen Wahlen einen Brief ans Wahlvolk schreiben. Meistens steht in diesen Briefen auch nichts richtig Spannendes drin – erst recht keine Wahlempfehlung.

Trotzdem, in Frankreich ist die Aufmerksamkeit groß für den Brief, den der Ständige Rat der Bischofskonferenz am Donnerstag „an die Einwohner des Landes“ geschrieben hat. Aber es sind ja auch keine normalen Zeiten für die „Grande Nation“; ein Jahr vor den Präsidentenwahlen, die einen Sieg des rechtsextremen „Front National“ herbeiführen könnten, und angesichts von Terror und selbstquälerischen Debatten herrscht flächendeckung Verunsicherung.

„Das Dokument handelt vom Politischen. Wie baut man ein Projekt auf, das der Gesellschaft im Ganzen zugutekommt.“ Das erklärt der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Olivier Ribadeau-Dumas, im Gespräch mit Radio Vatikan. „Und da stellen wir als erstes eine tiefe Krise des Politischen fest. Wir sehen ja, wie wenig Politiker in der Gesellschaft mittlerweile geschätzt werden. Es gibt eine Krise des Wortes, eine Krise des Schul- und Ausbildungssystems und eine Krise des Sinnes, den wir unserem Leben… unserem Zusammenleben geben wollen. Mit diesem Text wollen wir ein gemeinsames Projekt wiederfinden, wir wollen neu herausarbeiten, was Gemeinwohl bedeutet, das Zusammenspiel zwischen dem Ich des Einzelnen und dem Wir der Gemeinschaft beleuchten.“

„Wenn wir heute das Wort ergreifen, dann deshalb, weil wir unser Land lieben und über seine Lage besorgt sind“: So lautet der erste Satz des Zehn-Punkte-Papiers, der Krise um Krise analysiert. Seit 1999 haben die Bischöfe keinen Offenen Brief dieser Art mehr veröffentlicht, der so direkt aufs Politische zielt. Die katholische Kirche ist trotz immer neuer Laicité-Debatten besonders angesehen im Land und bei den Politikern, übrigens auch bei prononciert nichtglaubenden Politikern. Dieses Ansehen hat nach dem barbarischen Mord an einem Priester im Sommer noch einmal einen neuen Schub gewonnen.

„Unser Text stellt Fragen – etwa die nach der Glaubwürdigkeit von Politikern heute oder von bestimmten politischen Manövern. Wir fragen danach, warum Politik oft gar nicht im Dienst des eigentlich Politischen steht, also im Dienst eines umfassenden Projekts, im Dienst des Gemeinwohls, im Dienst eines sozialen Projekts. Jeder Franzose merkt doch täglich, in welchen Bereich die Politik zu kurz springt… Wir laden vor allem ein zu einer umfassenden Debatte in unserer Gesellschaft, jenseits der Posen – zu einer tiefgehenden Debatte, ohne es sich zu leicht zu machen.“

„Man muss wirklich taub und blind sein, um nicht zu merken, wie viele der Einwohner unseres Landes müde, frustriert, ängstlich oder auch wütend sind, und wieviele auf einen echten Wechsel warten“, schreiben die Bischöfe. Die Krise der Politik ist nach ihrer Diagnose eine „Krise des Wortes“: Die Fähigkeit „zu Auseinandersetzung, Dialog, aber auch zum Zuhören“ gehe verloren, das Extreme werde dadurch stark.

„Die Bischöfe sind Franzosen, sie lieben ihr Land“, sagt Bischof Ribadeau-Dumas. „Schon deswegen haben sie auch das Recht, in nationalen Belangen das Wort zu ergreifen. Wie schon das Konzil formulierte: Die Sorgen, Ängste und Nöte der Menschen unserer Zeit sind auch die unseren. Wir versuchen aber auch eine Tonart der Hoffnung in die Debatte hineinzubringen; Hoffnung ist eine christliche Tugend, sie bedeutet, dass es immer noch einen Horizont des Möglichen gibt. So schwierig auch eine Situation sein mag, sie öffnet sich immer auf eine bessere Zukunft hin, wenn wir uns zusammen an die Arbeit machen!“ (rv)

Frankreich: Immer mehr Katholiken wählen Front National

FrankreichImmer mehr Katholiken in Frankreich würden der rechtsextremen Partei Front National ihre Stimme abgeben. Das geht aus einer Umfrage der Zeitschrift „Pélerin“ hervor. So hätten die französischen Katholiken bei den letzten Regionalwahlen 2015 etwa zu 32 Prozent für die Partei von Marine Le Pen gestimmt. Früher überstieg ihre Quote nie die Neun-Prozent-Hürde. Die Präsidentin der „Semaines Sociales de France“ – eine Art Katholikentag – ruft dazu auf, die neuen Zahlen sehr „ernst zu nehmen“. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt Dominique Quinio, dass es vor allem darum gehe, über die Gründe für die starke Zuwendung der Katholiken zum Front National nachzudenken.

„Wir müssen verstehen, weshalb die Katholiken diese Partei wählen würden. Es geht nicht darum, das einfach nur zu kritisieren. Verstehen bedeutet, die Verantwortung der Wähler ernst zu nehmen. Viele fühlen sich von den jetzigen gewählten Politikern im Stich gelassen, und deshalb müssen wir auf diese Protestwähler eingehen.“

Da sei auch die katholische Kirche gefordert, auch wenn diese nicht Parteipolitik betreibe und dies in Frankreich auch nicht tun werde. „Wir sollten regelmäßig die Wähler auf die Bedeutung der Wahlen hinweisen. Es geht nicht darum, die eine oder andere Partei schlecht zu reden. Es geht darum, die christliche Verantwortung für das Allgemeinwohl zu berücksichtigen. Ein Christ muss vor allem an das Wohl der Gemeinschaft denken, und das impliziert eine große Verantwortung bei der Wahl der entsprechenden Partei. Darauf hinzuweisen, ist also eine christliche Pflicht!“

Die nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich finden in einem Jahr statt. Der Front National – und seine Spitzenkandidatin Marine Le Pen – stehen derzeit in den Umfragewerten weit oben. (rv)

Blutbad in Nizza: LKW-Fahrer steuert auf Menschenmenge, über 70 Tote

FrankreichNIZZA – Ein Mann ist in der Nacht auf Freitag in Nizza mit einem Lastwagen offenbar absichtlich in eine Menschenmenge gefahren und hat nach offiziellen Angaben mindestens 70 Menschen umgebracht. Über 100 Personen wurden verletzt, wird gemeldet. Behördensprechern zufolge war der Lastwagen mit Waffen und Granaten ausgestattet. Die Polizei erschoss den Angreifer. Bürger sind aufgerufen, in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Das Motiv des Täters ist zur Stunde noch unklar. Nach mehreren Terror-Angriffen durch Islamisten ist Frankreich seit Monaten in erhöhter Alarmbereitschaft.

Behörden baten um Zurückhaltung bei der Weiterverbreitung von Bildern des eigentlichen Blutbades, aus Rücksicht gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen.

Frankreich feierte am 14. Juli seinen Nationalfeiertag. Die Opfer waren auf der Promenade des Anglais versammelt, um ein Feuerwerk zu sehen. (CNA Deutsch)

Vatikan-Außenminister: Rückkehr der Flüchtlinge garantieren

Erzbischof Paul Richard GallagherDie internationale Staatengemeinschaft muss alles dafür tun, dass diejenigen, die derzeit aus ihren Heimatländer flüchten, wieder zurückkehren können. Das fordert der vatikanische Außenminister Erzbischof Paul Richard Gallagher am Dienstag bei einer internationalen Konferenz in Paris. Das Treffen wurde von der französischen und der jordanischen Regierung organisiert und behandelte die Gewaltwelle im Nahen Osten und die Verfolgung von religiösen Minderheiten. Der beste Weg, um den Konflikt zwischen den Religionsgemeinschaften beizulegen und den religiösen Fundamentalismus zu verhindern sei der interreligiöse Dialog, so Erzbischof Gallagher. Religion könne niemals eine Rechtfertigung für Gewalt sei. An der Konferenz nahmen Vertreter aus 60 Nationen teil. Das Treffen soll nächstes Jahr in Spanien durchgeführt werden, so die Organisatoren der Konferenz. (rv)

Die Päpste und Europa: Einheit, Freiheit, Menschenrechte

EU ParlamentEuropaparlament und Europarat stehen – jeweils in ihren politischen Zusammenhängen – für die Einigungsbewegung des Kontinents. Geboren aus der Erfahrung der Kriege ist diese Bewegung von Anfang an von den Päpsten positiv begleitet worden, beginnend mit Papst Benedikt XV. während des Ersten Weltkrieges.

Sichtbar wird das natürlich vor allem in den letzten Jahrzehnten und hier besonders während des Pontifikates Papst Johannes Paul II. Sein Einsatz für die Freiheit Osteuropas und die Stabilität und den Frieden auf dem gesamten Kontinent war eines der Zentren seiner Überzeugungen.

1999 – zum 50. Geburtstag des Europarates – richtete Johannes Paul II. eine Botschaft an die Mitglieder. Er betonte damals die Bedeutung dieses Rates als erster Einrichtung, die „der Schaffung einer auf geistigen und moralischen Werten, dem gemeinsamen Erbe der europäischen Völker, gegründeten neuen Einheit unter den Völkern des Kontinents” diente. Er würdigte in seiner Botschaft die Konvention für Menschenrechte, den Geist der europäischen Demokratie und das „politisches Projekt” (..) das den europäischen Nationen ermöglichen würde, ein durch unverzichtbare Werte wie Vergebung, Frieden, Gerechtigkeit, Zusammenarbeit, Hoffnung und Brüderlichkeit gefestigtes „gemeinsames Heim” aufzubauen.” Diese Werte gelte es wieder zu entdecken, so Johannes Paul II.

Elf Jahr zuvor – die Mauer stand noch – hatte Papst Johannes Paul selber Straßburg besucht, er sprach vor der parlamentarischen Versammlung des Europarats und dem Europaparlament davon, dass der Rat für „Hoffnung der Völker” arbeite, „um einem Ideal der Freiheit, der Toleranz und der Achtung des Rechts zu dienen”: Ein Europa, geeint, offen und frei.

Beide Male – 1999 wie 1988 – nahm der Papst Bezug auf die Gründung, die Zeit nach dem Krieg und den Wunsch, Feindschaft in Europa zu überwinden. Diese Gründungsidee gelte es wach zu halten, denn ohne lasse sich die europäische Einigung nicht verstehen.

Der Gedanke selber hat tiefe Wurzeln, als erster äußerte sich Papst Benedikt XV. während des Ersten Weltkrieges in diesem Sinn, auch Papst Pius XII. hatte nach dem Zweiten Weltkrieg Europa zur Einheit aufgerufen. Für Papst Johannes XXIII. war die wirtschaftliche Verflechtung einer der Garanten für einen stabilen Frieden, so der Papst in seiner Enzyklika Pacem in Terris.

Anliegen der Päpste

Besonders wichtig war den Päpsten immer die Betonung der Wurzeln, aus denen die europäische Zivilisation und Geschichte lebt. Hier sind besonders die Ansprache Johannes Pauls II. und die immer wiederkehrende Betonung durch Papst Benedikt XVI. bedeutsam. „Die Kirche vertritt die Ansicht, dass der Mensch ein Anrecht auf die erforderliche Freiheit und Sicherheit besitzt, um sein Leben nach den Forderungen seines rechten Gewissens, seiner geistlichen Aufgeschlossenheit für das Absolute und seiner Berufung zu einem brüderlichen Leben zu führen”, so Johannes Paul II. Die Durchdringung der Natur durch den Verstand, die Wertschätzung der Familie, die Betonung der Rechte, das alles sei christliches Erbe.

Ein weiteres wichtiges Thema verbindet sich vor allem mit Papst Franziskus, er hat zuletzt am 28. Oktober dieses Jahres mit deutlichen Worten die Jugendarbeitslosigkeit in Europa beklagt. Hier ginge es um Zukunft, aber auch um menschliche Würde. Ähnliche Töne finden sich aber bereits in der Ansprache Johannes Paul II. 1988, man kann also auch hier von einem die Päpste übergreifenden Anliegen sprechen.

Erbe und Einheit

Papst Benedikt XVI. hat während seines Pontifikates ebenfalls wiederholt zu Europa gesprochen, für ihn war Europa aber weniger eine geographische oder politische Einheit, sondern vielmehr eine kulturelle und historische. Das Wort „Erbe” fällt dabei immer wieder. Es geht um Werteordnung und die Rolle der Religion in einem zunehmend sich laizistisch verstehenden Prozess, es geht um den Hintergrund des Verlustes des „christlichen Gedächtnisses”, um „pragmatischen Agnostizismus” und „religiöse Gleichgültigkeit”. 2011 hat Papst Benedikt XVI. das vor dem deutschen Bundestag so formuliert:

„An dieser Stelle [bei der Frag nach der Quelle des Rechts] müsste uns das kulturelle Erbe Europas zu Hilfe kommen. Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis. Es zu ignorieren oder als bloße Vergangenheit zu betrachten, wäre eine Amputation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben. Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen, Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.” (rv)

Frankreich: Bischöfe protestieren gegen Abtreibungsgesetz

FrankreichDie Bischöfe des Landes protestieren gegen ein Gesetzesvorhaben, das am kommendem 26. November im Parlament diskutiert werden soll. Abtreibung soll darin als ein „universelles Grundrecht” festgeschrieben werden, sowie das „Recht der Frauen, frei über ihren Körper verfügen zu können, als Voraussetzung für eine echte Gleichheit von Frauen und Männern in einer fortschrittlichen Gesellschaft.” In einer Erklärung einer Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz fragen die Oberhirten, wie ein vermeintliches Grundrecht gründen könne auf der „Verneinung von menschlichem Leben am Beginn seiner Existenz und seines Heranwachsens.” Zwar sei es ein gerechtfertigtes Anliegen, sich für die Freiheit und die Gleichberechtigung der Frauen einzusetzen. „Doch von welcher Freiheit ist da die Rede”, geben die Bischöfe zu bedenken. Eigens wird auf die Traumata hingewiesen, die viele Frauen nach einer Abtreibung erlebten. Freiheit sei fundamental für die Beziehung von Mann und Frau; aber diese Freiheit müsse verantwortlich sein und verwirkliche sich im Dialog. Eine Schwangerschaft sei keine „Aggression”, der man sich durch die Vernichtung des vermeintlichen Angreifers, sprich der Leibesfrucht, entledigen könne. Das werdende Leben sei schließlich unschuldig. (rv)