Neue Woche mit dem Papst: Namenstag, K9-Beratungen und Nigerias Bischöfe

Am Montag feiert der Vatikan den Namenstag des Papstes, da Franziskus mit bürgerlichen Namen „Jorge“ – also Georg – heißt. Doch für Franziskus bedeutet dies nicht, sich auszuruhen, denn am Montag beginnt eine neue Runde des Beratergremiums der K9-Kardinäle im Vatikan.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Am Mittwoch können die Gläubigen dem Papst auf dem römischen Petersplatz grüßen, anlässlich der wöchentlichen Generalaudienz. Der päpstliche Kulturrat organisiert von Donnerstag bis Samstag eine Konferenz im Vatikan über die Bedeutung von Pflege. Am Donnerstag sind nigerianische Bischöfe in Rom anlässlich ihres Ad Limina-Besuchs. Das Christentum ist nach dem Islam die am meisten verbreitete Religion in Nigeria. Die Römisch-katholische Kirche in Nigeria hat etwa 19 Millionen Mitglieder. Für Christen in Nigeria war das vergangene Jahr ein Jahr des Terrors. Immer wieder übten Mitglieder der Terrormiliz Boko Haram Anschläge auf christliche Einrichtungen aus. Und am Sonntag betet der Papst wie üblich das Mittagsgebet „Regina Coeli“ auf dem Petersplatz. (vatican news)

Nigeria: Kardinal kritisiert Tatenlosigkeit der Regierung

Attentate, über die (fast) niemand spricht: In Nigeria sind diese Woche bei einem Terrorangriff in einer Moschee mindestens zwölf Menschen getötet worden. Für den Erzbischof von Abuja, Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan handelt es sich um ein Alarmzeichen, auf das die internationale Staatengemeinschaft achtgeben muss.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Boko Haram hat diese Woche wieder zugeschlagen. Diesmal war eine Moschee Ziel der unmenschlichen Attacke. Ein Selbstmordattentäter hat sich am Mittwoch beim Morgengebet in einer Moschee in Gamboru im Nordosten von Nigeria in die Luft gesprengt. Seit über acht Jahren kämpft die islamistische Sekte Boko Haram mit Gewalt für die Bildung eines „islamischen Gottesstaats“ im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Die Bilanz ist traurig: bereits mehr als 20.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet und 2,6 Millionen befinden sich wegen der Gewalt auf der Flucht.

„Die Lage ist eine große Pein für uns alle. Als wir eine neue Regierung bekamen, hatten wir immerhin ein wenig Hoffnung. Wir dachten, dass neue Leute, neue Politiker auch Verbesserungen bringen würden. Aber leider war dies nicht der Fall“, so die traurige Bilanz von Kardinal Onaiyekan gegenüber Vatican News.

Nigeria: Kardinal Okogie wird 80 Jahre

OkogieAnthony Olubunmi Kardinal Okogie begeht heute seinen 80. Geburtstag. Der Nigerianer war von 1973 bis 2012 Erzbischof von Lagos. Papst Johannes Paul II. erhob ihn 2003 in den Kardinalsstand mit der Titelkirche „Beata Vergine Maria del Monte Carmelo a Mostacciano“. Okogie verliert somit sein Papstwahlrecht und von den 213 lebenden Kardinälen haben nur noch 112 ein aktives Wahlrecht bei einem künftigen Konklave.(vh)

Nigeria: Kardinal Onaiyekan fordert demokratische Wahlen

Kardinal OnaiyekanDie Regierung in Nigeria soll freie und faire Wahlen gewährleisten, das forderte Kardinal John Onaiyekan bei einem Mittagessen mit dem nigerianischen Präsidenten. Eine glaubwürdige Abstimmung verhindere weitere Spannungen. Aktuell sorgt vor allem die Terrorgruppe Boko Haram für Destabilisierung in dem afrikanischen Land.

Kardinal Onaiyekan nimmt vor allem die Regierungspartei PDP in die Pflicht, durch demokratische Wahlen für mehr Stabilität zu sorgen. Die politischen Führer müssten vor allem bereit sein, die Wahlergebnisse zu akzeptieren. Nach einer Niederlage müsste der Wahlverlierer geduldig sein und auf die nächste Wahl warten, statt eine Krise auszulösen. Diese Grundregel der Demokratie sei nach wie vor nicht in den Köpfen Nigerias verankert, sagte der Erzbischof von Abja. Der Grund dafür liege in einer falschen Vorstellung von Politik und Macht. Politische Macht dürfe nicht als Fähigkeit, Menschen zu beherrschen, gesehen werden, sondern als Dienstleistung für die Menschen.

(rv)

Nigeria: 25 Städte in Händen von Boko Haram

NigeriaDie Terrorgruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias 25 Städte in ihre Gewalt gebracht und marschiert jetzt auf Maiduguri. Das sagt der Bischof der Millionenstadt, Oliver Dashe Doeme. Der Bischof hat sich, zusammen mit mehreren tausend Christen, in eine Pfarrei im Bundesstaat Adamawa in Sicherheit gebracht. Er wirft der nigerianischen Regierung Untätigkeit vor und rechnet damit, dass Maiduguri in die Hände der Islamisten fallen wird. Doeme vergleicht das Vorgehen von Boko Haram mit den Terroristen des „Islamischen Staats“ in Syrien und Irak. Er spricht von einem humanitären Drama: „Tausende von Menschen haben sich in Höhlen, in den Bergen oder Wäldern in Sicherheit gebracht, viele sind auch nach Kamerun geflohen.“ (rv)

Nigeria: Boko Haram will ebenfalls einen „Islamischem Staat“

Kardinal Onaiyekan Seit eineinhalb Jahren sind in Nigeria über 650.000 Menschen vor der Gewalt der islamistischen Sekte Boko Haram geflüchtet. Das teilte nun die UNO mit. Allein an diesem Freitag habe die Terrorgruppe im Nordosten des Landes ein Dorf eingenommen und etwa 11.000 Bewohner vertrieben. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der Erzbischof von Abuja, Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan.

„Boko Haram scheint immer mehr Erfolge zu verzeichnen und erobert ein Dorf nach dem anderen, zum Teil handelt es sich sogar um Kleinstädte. Wir verstehen nicht, weshalb die Armee, die dort präsent sein sollte, jedes Mal abzieht, kurz bevor Boko Haram kommt. Wir warten auf Erläuterungen der Regierung. Mir scheint das sehr peinlich für die unsere Politiker zu sein.“

Noch vor einigen Monaten sorgte eine internationale Kampagne zur Befreiung von entführten Schulmädchen für Schlagzeilen und vor allem für viele Solidaritätsbekundungen für Nigeria. Nun seien vergangene Woche nochmals hunderte Mädchen verschleppt worden, doch die internationale Aufmerksamkeit scheint sich auf andere Krisengebiete verlagert zu haben, so der nigerianische Kardinal.

„Wir wissen nicht weiter. Hinzu kommt, dass in Nigeria selber die Entführungen für politische Zwecke missbraucht werden. Nächstes Jahr finden wichtige Wahlen statt, und die Politiker denken lieber daran, diese schrecklichen Vorkommnisse für ihre Zwecke zu benutzen. Fakt ist, Boko Haram hat eine tiefe Kluft zwischen den Muslimen und den Christen in Nigeria geschaffen, und das beunruhigt mich sehr.“

Boko Haram habe auch einen Bezug zum „Islamischen Staat“ im Irak, so Kardinal Onaiyekan.

„Wenn wir hier in Nigeria hören, was im Irak geschieht, dann sind wir erstaunt und beängstigt, denn dort entsteht das, was Boko Haram seit Jahren versucht ebenfalls einzuführen: ein Islamistischer Staat. Das haben sie bisher bei uns nicht geschafft, aber wir befürchten, dass die Methode dieselbe sein wird: all jene töten, die nicht zu ihnen passen, egal ob Christen oder Muslime.“ (rv)

Nigeria: Boko Haram schickt Mädchen als Attentäterinnen vor

Kardinal Onaiyekan Im Nordosten Nigerias ist es in den letzten Wochen abermals zu blutigen Anschlägen gekommen. Besonders besorgniserregend dabei ist, dass die Terrororganisation Boko Haram inzwischen Mädchen als Selbstmordattentäter vorschickt. Der schwerste dieser Anschläge ereignete sich am 27. Juli, als ein Mädchen vor einer Kirche der Gemeinde San Carlo eine Bombe zündete und vier Menschen mit in den Tod riss. Die junge Frau trug die Bombe unter ihren langen Gewändern. Der Erzbischof von Abuja, Kardinal John Onaiyekan, äußerte sich zu diesem Vorfall gegenüber Radio Vatikan:

„Angriffe von Boko Haram mit Autobomben haben wir schon immer gekannt. Aber derartige Attacken, bei denen minderjährige Mädchen die Bomben unter ihren langen Kleidern tragen, gibt es zum ersten Mal“.

Dies sei deshalb ein enormes Problem, weil die meisten Menschen in Nigeria lange Kleidung tragen. Der Erzbischof betonte in dem Interview, dass dies neue Formen der Kontrolle an Passanten erforderlich mache, auch wenn damit Unannehmlichkeiten verbunden seien.

„Wir hätten uns nie vorstellen können, dass ein Mädchen vor einer Kirche Sprengstoff mit sich tragen könnte. Jetzt wissen wir es und werden neue Maßnahmen ergreifen müssen, mit allen Personen, die vorbeikommen“.

Jedoch, so der Erzbischof weiter, würden die Terrorangriffe keineswegs nur Kirchen betreffen, sondern auch Märkte oder öffentliche Einrichtungen. Ihm zufolge würde allerdings die Regierung zu wenig unternehmen, um Widerstand zu leisten und die Bevölkerung zu schützen.

„Die Regierung betont immer wieder, sie werde den Kampf gegen Boko Haram gewinnen, aber schaut man auf die Resultate, scheint dies nicht zu gelingen: Boko Haram-Terroristen haben ja offenbar nach wie vor die Möglichkeit, zuzuschlagen. Alle wissen, dass man Notiz davon nimmt, wenn eine Kirche von derartigen Anschlägen betroffen ist. Keine Aufmerksamkeit mehr erweckt aber, wenn sie in den Dörfern im Nordosten zuschlagen.“

Stattdessen würden sich Politiker und Journalisten in Nigeria mit anderen Angelegenheiten befassen, wie den anstehenden Wahlen im nächsten Jahr.

„Wir müssen sicher sein können, dass die Regierung sich die Tragweiter dieser Situation bewusst macht, allerdings scheint es, sie habe andere Sorgen auf ihrer politischen Agenda. Auch in den Zeitungen stehen immer nur ein paar Zeilen über Boko Haram, während die Titelseiten immer anderen politischen Themen gelten.“

Im Nordosten Nigerias seien inzwischen so gut wie alle Gebiete von den Boko Haram Terroristen kontrolliert, bestätigt Kardinal Onaiyekan. Viele Menschen würden in Richtung Kamerun fliehen, da sie sich dort mehr Schutz erhoffen. In Nigerias abgelegenen Dörfern im Norden sei die Polizei nicht in der Lage oder willens, Anschläge zu verhindern. (rv)

D: „Bei Christenverfolgung geht es uns zu sehr um uns“

Erzbischof Schick Ob Irak, Pakistan, Nigeria oder andere Länder: Die Christenverfolgung steht nicht im Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Andere Krisen bekommen in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit, auch unter Christen ist das so. Initiativen, mehr Interesse und Einsatz bei Christen in Mitteleuropa für die bedrängten und verfolgten Christen im Nahen und Mittleren Osten zu wecken, haben aber bislang nur mäßigen Erfolg. Das beklagt der Weltkirchenbeauftragte der deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, gegenüber Radio Vatikan. Er nennt es einen Deutschen und zentraleuropäischen „Egozentrismus“, die Christen seien zu sehr auf sich selbst konzentriert.

„Das Problembewusstsein ist nicht groß genug, zum Beispiel wenn Flüchtlingsströme kommen und der Heilige Vater uns mit seinem Besuch in Süditalien darauf aufmerksam macht, dann spüren wir Bedrohung bei uns. Es geht uns zu sehr um uns. Als Christen müssten wir eigentlich wirklich ‚katholisch‘ sein, gerade was Menschenrechte und die Situation der Christen angeht mehr tun.“

Das war einmal anders, in den 70er und 80er Jahren war es völlig normal, sich als Christen für Latein- und Mittelamerika einzusetzen. Was hat sich da geändert?

„Damals war der Horizont weiter als er heute ist. Das ist eigentlich sehr schade, gerade wir Deutschen haben mit unserem Außenhandelsvolumen eine gute Position in der Welt, wir könnten da viel mehr bewirken. Aber wissen Sie, wenn ich Deutschland betrachte und dann die anderen europäischen Staaten und die EU, dann sage ich, dass in Deutschland noch mehr für verfolgte und bedrängte Christen und für Menschen in Notsituationen in Afrika, Asien, im Nahen und Fernen Osten getan als in anderen Staaten. Das darf uns aber nicht nachlässig machen; wir müssen da mehr fordern und wir müssen uns mehr einsetzen.“

Wir hören Nachrichten, dass Klöster, die es seit 1.700 Jahren gibt, von Islamisten besetzt werden und dass Christen aus Mossul vertrieben werden, wo es seit dem Beginn des Christentums Christen gegeben hat, diese Geschichte ist zu Ende. Aber es scheint, dass es irgendwie nicht unsere Geschichte ist und dass wir nicht wirklich beteiligt sind.

„Das ist auch unser verkürzter Geschichtsverstand, dass wir Iran und Irak auch als christliche Mutterländer sehen, das ist bei uns zu weit entrückt. Wir müssten hier viel mehr für die Bildung tun, damit junge Menschen bei uns diese langen christlichen Zusammenhänge besser kennen lernen. Denn ohne ein gesundes Traditionsbewusstsein gibt es auch kein Zukunftsbewusstsein und damit auch kein Einsatz für die Zukunft.
Wichtig wäre aber auch, dass einmal von namhaften Vertretern des Islam für die Christen gekämpft würde. Ich frage mich immer mal, warum es keine Fatwa, die sagt, dass es nicht sein kann, unschuldige Menschen und Christen zu verfolgen und zu töten. Es gibt ja auch Suren im Koran, die das eigentlich verbieten. Da wünsche ich mir auch von islamischer Seite mehr.“

Papst Franziskus hat von der „Ökumene des Leidens“ gesprochen als Fundament für das gemeinsame Eintreten gegen die Christenverfolgung, was müssen wir tun, um diese „Ökumene des Leidens“ auch bei uns ankommen zu lassen?

„Leiden heißt im griechischen ja ‚sympathein‘; wir müssten als erstes Interesse für diese Christen im Irak, im Gazastreifen, in Palästina und Israel finden. Auch in Indonesien und Pakistan ist die Situation ja ähnlich, oder im Sudan oder in Nigeria. Erstens also wirklich das Interesse. Das zweite ist dann, dass man wirklich innerlich mitleidet und das dritte ist dann, dass man intensiv betet. Und dazu gehört für Christen natürlich auch, dass man alle politischen Möglichkeiten, die wir haben, einsetzt damit man Verantwortliche, die etwas dagegen tun können, auch zum Handeln bringt. Es muss auch einen größeren Druck auf die Staaten geben, auf den Irak, auf die Staaten in Afrika, auf Israel und Palästina, dass sie die Christen mehr schützen.“ (rv)

Nigeria: Kardinal sieht gemäßigte Muslime in der Pflicht

Kardinal OnaiyekanNigerias Kardinal sieht einen Hoffnungsschimmer für die von Boko Haram entführten Mädchen. Erzbischof John Olorunfemi Onaiyekan von Abuja würdige es als einen positiven Schritt vor allem von Seiten der Islamistengruppe, die Gespräche mit der Regierung aufzunehmen. Bisher habe sich Boko Haram immer geweigert, mit staatlichen Vertretern zu reden. Im Nordosten Nigerias hat die Terrorgruppe bei einem gezielten Schlag vor zwei Wochen fast 300 Schulmädchen entführt. Erst nach einer internationalen Kampagne hat sich die nigerianische Regierung bereit erklärt, Gespräche mit den Entführern anzubahnen. Unklar sei nun aber, wer genau am Gesprächstisch sitzen werde. Kardinal Onaiyekan meint, eine Einbindung von Religionsführern könne sinnvoll sein.

„Schade finde ich, dass bisher die nigerianische Regierung die Causa Boko Haram nicht auch als ,religiösen Konflikt´ betrachtet. Wohlgemerkt, es geht nicht in erster Linie um einen Religionskrieg, aber es ist auch falsch zu behaupten, Boko Haram habe nichts mit Religion zu tun. Ich rufe deshalb muslimische Religionsführer auf, sich für den Dialog und für die angekündigten Gespräche einzusetzen. Bisher haben sie Boko Haram als nicht-muslimische Gruppe betrachtet und sie als ,einfache Kriminelle´ bezeichnet.“

Der Kardinal sieht hier vor allem gemäßigte Muslime in der Pflicht. Man müsse sich darüber klar sein, dass die Terrorsekte ihre Untaten mit religiösen Motiven rechtfertigt, sonst sei jedes Gespräch sinnlos.

„Man muss doch nur die Videos anschauen, in denen die Führer von Boko Haram ganz klar vom Islam sprechen. Wir Christen und Muslime müssen mit Klarheit sagen, dass wir damit ein Problem haben. Nur gemeinsam können wir einen Beitrag für den Dialog leisten, wenn wir Christen und Muslime in dieser Hinsicht vereint sind. Ich weiß aber nicht, ob das die Regierung auch so sieht und uns Religionsführern mehr Platz einräumen wird. Da habe ich so meine Zweifel.“

Es genüge auch nicht, wenn muslimische Religionsführer Appelle richten. Sie müssten konkrete Schritte unternehmen, so Kardinal Onaiyekan.

„Sie müssen einen Schritt weiter gehen, als nur Boko Haram zu verurteilen. Es geht darum, dass die Mentalität und die Einstellung dieser Menschen geändert wird. Einen solchen konkreten Schritt müssten die muslimische Religionsführer akzeptieren, damit wir vorwärts kommen können. Wenn dies geschehen würde, dann würde sich die Situation rasch ändern und wir hätten auch sicherlich Erfolg.“ (rv)

Nigeria: „Jemand muss mit Boko Haram reden“

OnaiyekanEs ist Terror unter dem Deckmantel der Religion: Seit Monaten eskaliert die Gewalt in Nigeria, immer wieder kommen Menschen bei Überfällen ums Leben, die der islamistischen Gruppe Boko Haram zugeschrieben werden. In den vergangenen Wochen wurde Nigeria erneut von Gewalt erschüttert. Neben den Kämpfen in Baga kam es Anfang der Woche in Bama im Nordosten des Landes zu einer Befreiungsaktion durch Boko-Haram-Mitglieder in einem Gefängnis. Außerdem wurden Polizeistationen und Militärkasernen attackiert. Nach Militärangaben starben dabei 55 Menschen. Für Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan, den Bischof der Hauptstadt Abuja, zeigt sich in diesen Angriffen immer mehr der rein destruktive Impuls der Gruppe.

„Was mir Sorge bereitet ist, dass die Angriffe dieser Gruppe zuzunehmen scheinen. Sie haben ein Militärcamp angegriffen, so was hat es zuvor nicht gegeben. Das zeigt, dass wir von Anfang an richtig lagen, weil wir gesagt haben, dass hier nicht einfach Muslime Christen töten, sondern dass diese Gruppe den nigerianischen Staat zerstören will. Die Opfer der jüngsten Angriffe sind nicht per se Christen, es sind arme Menschen und es sind Polizisten."

Der Rat für muslimische Angelegenheiten in Nigeria hat sich derweil dagegen gewandt, für die Gewaltwelle im Norden ausschließlich Muslime verantwortlich zu machen. Unter dem Deckmantel der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram agierten auch Nicht-Muslime, sagte der Generalsekretär des Rates, Is-Haq Oloyede, laut nigerianischen Presseberichten. Kardinal Onaiyekan weist darauf hin, dass auch Muslime selbst zu Opfern werden, nämlich dann, wenn sie sich für Frieden einsetzen.

„Vor zwei Tagen ist etwas Fürchterliches passiert, Boko Haram hat zwei muslimische Prediger geköpft, weil sie gegen die Gruppe gepredigt haben. Auch solche Dinge passieren, und das dürfen wir nicht vergessen."

Wenn die Regierung keine besseren Wege finde, mit dem Problem umzugehen, würde die Gewalt auch weiterhin wachsen, so Kardinal Onaiyekan. Aber die Lösung könne nicht in der gewaltsamen Gegenwehr liegen. So sind in der nordnigerianischen Kleinstadt Baga bei Kämpfen zwischen Boko Haram und staatlichen Truppen seit Mitte April nach Medienberichten mindestens 185 Menschen ums Leben gekommen.

„Es ist offensichtlich, dass die Lösung nicht nur militärisch sein kann, es muss auch ein Weg zum Dialog gefunden werden, wenn schon nicht mit diesen Gruppen selbst dann wenigstens mit denen, die das Problem verstehen. Mit denen können wir anfangen, eine friedliche und politische Lösung zu finden."

Das Angebot einer Amnestie, unlängst von Nigerias Präsident Goodluck Jonathan ins Gespräch gebracht, könne und dürfe nur Menschen betreffen, die bereit sein, die Waffen abzulegen und eine friedliche Lösung zu suchen, nicht aber generell die Gewalttäter, so Kardinal Onaiyekan.

„Es muss ihnen klar sein, dass ihr politisches Ziel – nämlich einen islamistischen Staat zu gründen – nicht möglich ist. Wir müssen jemanden finden, der ihnen das klar macht. Und das muss möglichst schnell geschehen." (rv)