Hintergrund: Warum der Papst „schwere Fehler“ einräumt

 

Franziskus‘ Brief an die chilenischen Bischöfe zum Fall Barros ist einigermaßen präzedenzlos: Höchstens das Schreiben, das Benedikt XVI. 2009 zum Fall Williamson veröffentlichte, lässt sich damit vergleichen. Der deutsche Papst räumte damals im Umgang mit den Piusbrüdern freimütig eine „Panne“ ein, beklagte aber auch „sprungbereite Feindseligkeit“ bei einigen Kritikern. Was steckt nun hinter Franziskus‘ Mea Culpa?

Stefan von Kempis – Vatikanstadt.

Franziskus reagiert auf den Bericht eines von ihm nach Chile entsandten Sonderermittlers, der noch nicht veröffentlicht ist. Aus diesem Bericht des maltesischen Erzbischofs Charles Scicluna ergeben sich offenbar schwerwiegende Mängel und Fehler auch des Papstes beim Umgang mit dem sogenannten Fall Barros.

Dem chilenischen Diözesanbischof Juan Barros wird vorgeworfen, von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen durch seinen Freund und Mentor, Pater Fernando Karadima, in dessen Pfarrei gewusst zu haben, diesen aber stillschweigend geduldet zu haben. Der „Fall Karadima“, der im Jahr 2004 öffentlich wurde, hat die Kirche in Chile schwer getroffen, noch immer ist sie mit der Aufarbeitung beschäftigt.

Obwohl er von den Vorwürfen wusste, ernannte Franziskus Anfang 2015 Barros, bisher Militärbischof, zum Diözesanbischof von Osorno im Süden Chiles. Das Aktenstudium hatte ihn offenbar zu der Überzeugung gebracht, Barros sei unschuldig und werde verleumdet. Auf Proteste gegen Barros und Forderungen nach einem Rücktritt des Bischofs reagierte der Papst mehrfach gereizt.

“ Fall Barros überschattete Chile-Reise des Papstes ”

Im Frühjahr 2018 besuchte Franziskus Chile; dabei erhielt er zunächst große Anerkennung dafür, dass er schon bei seiner ersten Ansprache in Santiago für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche um Verzeihung bat. Nur wenig später jedoch fühlten sich Missbrauchsopfer vor den Kopf gestoßen, als er Vorwürfen gegen Barros eine Absage erteilte und diese als „Verleumdungen“ bezeichnete. Er werde erst über den Fall reden, wenn es „Beweise“ gegen Barros gebe, äußerte der Papst gegenüber Journalisten.

Als ihn daraufhin der Vorsitzende der vatikanischen Kinderschutzkommission Kardinal Sean O‘Malley offen kritisierte, bat Franziskus auf dem Rückflug von Lateinamerika nach Rom in etwas gewundenen Worten um Entschuldigung für seine Wortwahl. Der Fall Barros hatte einen tiefen Schatten auf die Papstreise geworfen; dass der umstrittene Bischof gut sichtbar an mehreren Papstterminen in Chile teilnahm, stieß auch bei vielen Gutwilligen in Kirche und Gesellschaft des Landes auf Empörung.

Kurz nach seiner Rückkehr in den Vatikan beschloss Franziskus, Erzbischof Scicluna, der früher an der Glaubenskongregation für die Untersuchung von schwerwiegenden Delikten wie Kindesmissbrauch durch Kleriker zuständig war, als Sonderermittler nach Chile zu schicken. Chiles Bischöfe begrüßten diese Untersuchung: Das zeige, „dass die Papstreise nach Chile für ihn auch eine Haltung des echten Zuhörens und der Nähe zur Realität“ bedeutet habe. Auch Barros selbst ließ in einer kurzen Erklärung wissen, er nehme „alles, was der Papst anordnet, mit Glauben und Freude auf“, und bete darum, „dass die Wahrheit aufleuchten möge“.

Sciclunas Untersuchung in Chile ist abgeschlossen, sein Bericht, der auf den Gesprächen mit über sechzig Missbrauchsopfern fußt, liegt dem Papst vor. (vatican news)

Papst verlängert Kardinal O’Malleys Leitung der Kinderschutzkommission

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat Kardinal Sean O’Malley als Leiter der Päpstlichen Kommission für den Schutz Minderjähriger für eine weitere Amtszeit bestätigt. Das teilte der Vatikan am heutigen Samstag mit.

Nicht nur der Leiter der Kinderschutzkommission, sondern auch die sieben bisherigen Mitglieder wurden für eine weitere dreijährige Amtszeit berufen, so der Heilige Stuhl. Zudem wurden neun Personen zum ersten Mal ernannt.

Die bisherige Amtszeit war im Dezember 2017 ausgelaufen – seitdem wurde eine Bestätigung neuer wie alter Mitglieder durch den Papst erwartet.

Die Päpstliche Kommission, angeführt vom – in Sachen Missbrauchsbekämpfung international angesehenen – Erzbischof von Boston berät den Pontifex in Sachen Minderjährigenschutz.

Bisheriges Mitglied, und ebenfalls im Amt bestätigt, ist der deutsche Jesuitenpater Hans Zollner, sowie Dr. Gabriel Dy-Liacco von den Philippinen; Bishof Luis Manuel Alí Herrera aus Kolumbien; Hannah Suchocka aus Polen; Schwester Kayula Lesa, RSC, aus Zambia; Schwester Hermenegild Makoro, CPS, aus Südafrika; and Monsignore Robert Oliver aus den USA.

Die neuen Mitglieder sind: Benyam Dawit Mezmur aus Äthiopien; Schwester Arina Gonsalves, RJM, aus Indien; Neville Owen aus Australien; Sinalelea Fe’ao aus Tonga; Myriam Wijlens aus den Niederlanden; Ernesto Caffo aus Italien; Schwester Jane Bertelsen, FMDM, aus Großbritannien; Teresa Kettelkamp aus den USA; und Nelson Giovanelli Rosendo Dos Santos aus Brasilien.

In einer Mitteilung vom 17. Februar sagte O’Malley, Papst Franziskus habe viel über die Nominierungen gebetet und nachgedacht. “Die neu ernannten Mitglieder werden zur globalen Perspektive der Kommission auf den Schutz Minderjähriger und schutzbedürftiger Erwachsener beitragen.”

Durch die Bestätigung bestehender Mitglieder stelle der Pontifex zudem sicher, dass die Arbeit der Kommission fortgesetzt werden könne, und Kirchen weltweit dabei unterstützt werden, die Sicherheit von Kindern, Jugendlichen und schutzbedürftiger Erwachsener zu gewährleisten.

Die 16-köpfige Kommission besteht nun aus jeweils acht Männern und Frauen mit Expertise zum Schutz vor Missbrauch einbringen, so die Mitteilung weiter.

“Vertreter mehrerer neuer Länder werden nun ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in die Kommission einbringen”, heißt es darin weiter. Die Kommission sei so ein Spiegelbild der globalen Reichweite der Kirche und der Herausforderung, in verschiedenen kulturellen Kontexten einen echten Schutz zu erreichen.

Zur Kommission gehören auch Opfer sexuellen Missbrauchs sowie Eltern von Opfern. Ob und wie Mitglieder über ihre eigenen Erfahrungen in der Öffentlichkeit sprechen, bleibt aber ihnen überlassen, so die Mitteilung. (CNA Deutsch)

Hat Papst Franziskus 2015 einen Brief mit Vorwürfen gegen Barros erhalten?

VATIKANSTADT – Ein chilenisches Opfer sexuellen Missbrauchs hat nach eigenen Angaben im Jahr 2015 dem Papst einen Brief geschrieben, in dem er Bischof Juan Barros vorwirft, Zeuge von Missbrauch durch seinen Freund, den Priester Fernando Karadima, gewesen zu sein. Franziskus habe jedoch nichts unternommen.

Im April 2015 traf sich Marie Collins, damals Mitglied der Päpstlichen Kommission für Minderjährige des Vatikan (PCMP), zusammen mit drei weiteren Mitgliedern der Kommission mit Kardinal Sean O’Malley, dem Spitzenmann des Papstes für sexuellen Missbrauch. Sie übergab dem Kardinal einen Brief von einem Opfer von Karadima, damit dieser ihm dem Papst gebe, berichtet die “Associated Press” (AP).

Das Treffen fand nach der umstrittenen Ernennung von Barros zum Bischof von Osorno (Chile) durch Franziskus im Januar 2015 statt.

Collins sagte gegenüber der Agentur AP, O’Malley habe ihr versichert, den Brief an Papst Franziskus zu übergeben. Und der mittlerweile in den USA lebende Autor des Briefes, Juan Carlos Cruz, sagte der AP zufolge, dass O’Malley ihm 2015 zusagte: Der Brief sei Franziskus zugestellt worden.

Der achtseitige Brief – den die BBC in weiten Teilen veröffentlicht hat – teilt mit, dass Barros als junger Priester Zeuge des sexuellen Missbrauchs anderer junger Priester und Teenager durch Karadima gewesen sei, einschließlich des Küssens und Berührens von Genitalien über “unzählige Male” – und dass er “alles vertuscht” habe.

Cruz schreibt auch, dass Barros selbst mit Karadima sexuelle Handlungen verübt haben soll.

Karadima wurde 2011 in einem vatikanischen Prozess des sexuellen und psychischen Missbrauchs von Minderjährigen für schuldig befunden und im Alter von 84 Jahren zu einem Leben in Gebet und Einsamkeit verurteilt.

Vor wenigen Tagen erst hatte Papst Franziskus einen Experten für Kirchenrecht und Missbrauchsbekämpfung, Erzbischof Charles J. Scicluna von Malta, zum vatikanischen Delegierten ernannt, der Anschuldigungen gegen Barros untersuchen soll.

Franziskus hat Barros mehrfach vehement verteidigt, darunter beim Rückflug aus Chile am 21. Januar, als er gegenüber Journalisten erklärte, er habe keine Beweise gegen Barros gesehen. Er sagte auch:

“Wenn eine Person kommt und mir Beweise gibt, bin ich der Erste, der auf ihn hört. Wir sollten gerecht sein.”

In einer offiziellen Erklärung vom 30. Januar teilte der Vatikan mit, dass “der Papst nach einigen Informationen, die er kürzlich über den Fall von Juan de la Cruz Barros Madrid erhalten hat, Scicluna gebeten hat, nach Santiago zu reisen”, um diejenigen anzuhören, die den Wunsch geäußert haben, Informationen, die sin in ihrem Besitz haben, mitzuteilen.”

Zusätzlich zur Leitung der Diözese von Malta wurde Scicluna 2015 vom Papst dazu ernannt, das Team zu beaufsichtigen, das mit Beschwerden von Geistlichen befasst ist, die in der Kongregation für die Glaubenslehre des Missbrauchs angeklagt worden sind.

Robert Gahl, Professor für Ethik an der Päpstlichen Universität des Heiligen Kreuzes in Rom, sagte gegenüber CNA am 5. Februar, es sei nicht bekannt, ob Papst Franziskus den Brief von Cruz auch wirklich gelesen habe.

Der Fall von Karadima und Barros sei zudem insofern “etwas besonders”, da Barros zum Zeitpunkt des Missbrauchs noch kein Bischof war – daher “war seine angebliche Nichtberichterstattung keine bischöfliche Fahrlässigkeit. Trotzdem wäre eine Beihilfe, in welcher Form auch immer, ein fahrlässiges Verhalten seitens einer Person, die jetzt Bischof ist”, so der Priester und Ethik-Experte zu CNA.

Im Jahr 2015, dem gleichen Jahr, in dem der Brief an Papst Franziskus weitergegeben wurde, traf der Vatikan Maßnahmen gegen andere Kirchenbehörden, denen vorgeworfen wurde, sexuellen Missbrauch des Klerus in ihren Diözesen zu verschleiern oder nicht zu melden. Mehrere Bischöfe mussten zurückgetreten, weil sie Vorwürfe sexuellen Missbrauchs durch Geistliche nicht gemeldet oder anderweitig fahrlässig behandelt hatten. (CNA Deutsch)

(Ergänzt um 11:10 Uhr mit direkter Quellenangabe zum Briefinhalt.)

Papst schickt Sonderermittler nach Chile im Fall von Bischof Barros

VATIKANSTADT – Nachdem er jüngst seine Unterstützung für einen chilenischen Bischof bekräftigt hat, der beschuldigt wird, sexuellen Missbrauch vertuscht zu haben, hat Papst Franziskus nun einen Delegierten ernannt, der “neue Informationen” zum Fall untersuchen soll.

Wie der Vatikan am heutigen Dienstag mitteilte, “hat der Papst Erzbischof Charles J. Scicluna von Malta gebeten, nach Bekanntwerden einiger Informationen über den Fall von Juan de la Cruz Barros Madrid, nach Santiago zu reisen”. Dort soll Erzbischof Scicluna sich mit Personen treffen, die “Dinge übermitteln” wollen, so der Heilige Stuhl.

Zusätzlich zu seiner Hirtenrolle in Malta wurde Erzbischof Scicluna im Jahr 2015 vom Papst mit der Aufsicht über die Bearbeitung der Beschwerden von Geistlichen betraut, die vor der Kongregation für die Glaubenslehre des Missbrauchs angeklagt sind. Scicluna ist weithin bekannt für seine kirchenrechtliche Expertise im Umgang mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs.

Die Entscheidung des Papstes, Erzbischof Scicluna nach Santiago zu schicken folgt der andauernden Kontroverse über Bischof Barros, die im Zuge des Verhaltens und der Äußerungen von Papst Franziskus im Rahmen seiner Chile-Reise vom 15.-18. Januar weiter eskaliert ist.

Vier Opfer sexuellen Missbrauchs des überführten Kinderschänders Fernando Karadima beschuldigen Barros, von den Verbrechen seines langjährigen Freundes und Mentors gewusst zu haben. Ihre Aussagen sind öffentlich wiederholt publiziert und bekräftigt worden.

Karadima, der einst eine Laienbewegung leitete, wurde 2011 in einem vatikanischen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt. Im Alter von 84 Jahren wurde er zu einem Leben in Gebet und Einsamkeit verurteilt.

Barros, der seine Unschuld beteuert, ist seit seiner Ernennung zum Diözesanbischof von Osorno im Jahr 2015 in dieser Rolle umstritten. Papst Franziskus verteidigt Barros seit Jahren.

Während seines Besuches in Chile vom 15. bis 18. Januar traf Papst Franziskus auch mit Missbrauchsopfern zusammen. Als er jedoch am letzten Tag im Land von Journalisten über Barros befragt wurde, sagte er:

“An dem Tag, an dem sie mir Beweise gegen Bischof Barros bringen, werde ich sprechen”, und weiter: “Es gibt keinen einzigen Beweis gegen ihn. Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?”

Die Aussagen des Papsts in Chile waren international auf heftigen Widerstand gestoßen. Kritiker warfen Franziskus vor, seine Aussagen seien Opfern gegenüber unsensibel.

Der derzeitige Präsident der Kinderschutzkommission des Vatikans bezeichnete die Worte des Papstes als schmerzhaft und befremdlich für Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. Kardinal Sean O’Malley, Erzbischof von Boston und einer von neun Mitgliedern des Kardinalrates des Papstes, gab am 20. Januar eine Erklärung ab. Darin heißt es:

“Es ist verständlich, dass die Äußerungen von Papst Franziskus (…) eine Quelle großer Schmerzen für Überlebende sexuellen Missbrauchs durch Geistliche oder andere Täter waren”.

Daraufhin präzisierte der Papst auf dem Rückflug von Lateinamerika seine Aussagen, und entschuldigte sich dafür, Opfer möglicherweise verletzt zu haben, sagte aber weiterhin, es gebe keine Beweise gegen Barros.

Der Bischof selber wiederum hat wiederholt darauf bestanden, dass er nichts von den Misshandlungen wusste

Er bestand darauf, dass der Fall von Barros “studiert wurde, dass er neu studiert wurde und dass es keine Beweise gibt … Das wollte ich sagen. Ich habe keine Beweise, um ihn zu verurteilen. Und wenn ich ihn ohne Beweise oder ohne moralische Gewissheit verurteile, würde ich das Verbrechen eines schlechten Richters begehen. “

“Wenn eine Person kommt und mir Beweise gibt”, sagte er, “bin ich die erste, die ihm zuhört. Wir sollten gerecht sein “. (CNA Deutsch)

Papst präzisiert: Wollte mit Aussagen zum Fall Barros niemanden verletzen

VATIKANSTADT – Auf dem Rückflug von Peru nach Rom hat Papst Franziskus seine Aussagen präzisiert, die er am 18. Januar gegenüber einem chilenischen Journalisten machte. Er habe damit den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche nicht Schmerzen bereiten wollen, betonte der Pontifex.

Er habe den Chilenen nur erklären wollen, dass es aus seiner Sicht ungerecht sei, Bischof Juan Barros dafür zu verurteilen, vom sexuellen Missbrauch an Kindern durch einen befreundeten Priester gewusst und dies vertuscht zu haben.

Der Papst sagte, dass seine Verwendung des “Beweises des Wortes” nicht der beste sei, um sich einem leidenden Herzen zu nähern, und bat um Vergebung von Opfern, die er verletzt haben könnte. Der Gedanke, Opfer unbeabsichtigt verletzt zu haben, habe ihn “entsetzt”, besonders nachdem er Opfer in Chile getroffen habe, so wie er es auch auf anderen Reisen wie 2015 in Philadelphia getan habe.

Er habe den Chilenen nur erklären wollen, dass es aus seiner Sicht ungerecht sei, Bischof Juan Barros dafür zu verurteilen, vom sexuellen Missbrauch an Kindern durch einen befreundeten Priester gewusst und dies vertuscht zu haben.

Vier Opfer sexuellen Missbrauchs des überführten Kinderschänders Fernando Karadima beschuldigen Barros, von den Verbrechen seines langjährigen Freundes und Mentors gewusst zu haben. Ihre Aussagen sind öffentlich wiederholt publiziert und bekräftigt worden.

Karadima, der einst eine Laienbewegung leitete, wurde 2011 in einem vatikanischen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt. Im Alter von 84 Jahren wurde er zu einem Leben in Gebet und Einsamkeit verurteilt.

Während seines Besuches in Chile vom 15. bis 18. Januar traf Papst Franziskus auch mit Missbrauchsopfern zusammen. Als er jedoch am letzten Tag im Land von Journalisten über Barros befragt wurde, sagte er:

“An dem Tag, an dem sie mir Beweise gegen Bischof Barros bringen, werde ich sprechen”, und weiter: “Es gibt keinen einzigen Beweis gegen ihn. Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?”

Barros, der seine Unschuld beteuert, ist seit seiner Ernennung zum Diözesanbischof von Osorno im Jahr 2015 umstritten. Papst Franziskus verteidigt Barros seit Jahren.

Nun räumte der Pontifex ein, mit dem Begriff “Beweise” sei es schwer, “sich einem leidenden Herzen zu nähern”.

Er sei sich auch dessen bewusst, dass Opfer möglicherweise gar nicht beweisen können, was ihnen zugestoßen ist – sei es, weil es keine Beweise mehr dafür gibt, oder aus Scham oder Angst.

“Barros ‘Fall wurde untersucht, er wurde erneut untersucht, und es gibt keine Beweise”, sagte Franziskus Journalisten im Flieger am 21. Januar. “Das wollte ich sagen. Ich habe keine Beweise, um ihn zu verurteilen. Und wenn ich ihn ohne Beweise oder ohne moralische Gewissheit verurteile, würde ich das Verbrechen begehen, das ein schlechter Richter begeht.”

“Wenn eine Person kommt und mir Beweise gibt”, fuhr er fort, “bin ich der erste, der ihm zuhört. Wir sollten gerecht sein.”

Die Aussagen des Papsts in Chile waren international auf heftigen Widerstand gestoßen. Kritiker warfen Franziskus vor, seine Aussagen seien Opfern gegenüber unsensibel.

Der derzeitige Präsident der Kinderschutzkommission des Vatikans bezeichnete die Worte des Papstes als schmerzhaft und befremdlich für Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. Kardinal Sean O’Malley, Erzbischof von Boston und einer von neun Mitgliedern des Kardinalrates des Papstes, gab am 20. Januar eine Erklärung ab. Darin heißt es:

“Es ist verständlich, dass die Äußerungen von Papst Franziskus (…) eine Quelle großer Schmerzen für Überlebende sexuellen Missbrauchs durch Geistliche oder andere Täter waren”.

Der Kardinal weiter:

“Wenn gesagt wird, ‘wenn Du Deine Aussagen nicht beweisen kannst, dann wird man Dir nicht glauben’, dann werden damit diejenigen im Stich gelassen, die schwerste, kriminelle Verletzungen ihrer menschlichen Würde erlitten haben, und es wird ihnen ein schlechter Ruf angehängt”.

Da er nicht persönlich in die chilenischen Fälle verwickelt war, sagte O’Malley, er könne nicht darüber sprechen, warum der Papst die spezifischen Worte gewählt habe, die er als Reaktion auf die Reporter verwendet habe.

“Ich weiß jedoch, dass Papst Franziskus das ungeheuerliche Versagen der Kirche und ihres Klerus, die Kinder missbrauchten, und die verheerenden Auswirkungen, die diese Verbrechen auf die Überlebenden und ihre Angehörigen hatten, voll und ganz zur Kenntnis nimmt.”

“Ich begleitete den Heiligen Vater bei zahlreichen Treffen mit Überlebenden”, so O’Malley weiter. Er habe erlebt, wie sehr dem Papst der oft lebenslange Schmerz der Opfer betroffen habe.

Während der Pressekonferenz im Flieger sagte der Papst, dass er O’Malleys Aussage gesehen habe und dass er Wertschätzung für den Kardinal habe: “Ich danke ihm für seine Aussage, weil sie sehr gerecht war.”

“[O’Malley] hat alles gesagt, was ich getan habe und was ich tue, dass die Kirche tut, und dann hat er von der Trauer der Opfer gesprochen”, so Franziskus. “Weil viele Opfer denken, dass sie nicht in der Lage sind, ein Dokument oder eine Zeugenaussage machen können.”

Unklar ist, ob der Papst das Mandat O’Malleys als Leiter der Kinderschutzkommission verlängern wird – dessen dreijährige Amtszeit ist im vergangenen Dezember eigentlich ausgelaufen.

In der Pressekonferenz sagte Franziskus lediglich, er habe vor der Abreise nach Latein-Amerika eine Liste von Empfehlungen für neue Mitglieder erhalten, die er jetzt studiere.

Alvaro de Juana, der den Papst im Flieger begleitete, und Hannah Brockhaus in Rom trugen zur Berichterstattung bei. (CNA Deutsch)

Kardinal O’Malley: Worte des Papstes “eine Quelle großer Schmerzen” für Missbrauchsopfer

BOSTON – Der Präsident der Kinderschutzkommission des Vatikans hat die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus als schmerzhaft und befremdlich für Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche bezeichnet.

“Es ist verständlich, dass die Äußerungen von Papst Franziskus gestern in Santiago, Chile, eine Quelle großer Schmerzen für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche oder andere Täter waren”, sagte Kardinal Sean O’Malley, Erzbischof von Boston, in einer Erklärung vom 20. Januar.

Die Erklärung bezieht sich auf eine Aussage von Papst Franziskus gegenüber einem chilenischen Reporter am 18. Januar. Der Papst wurde nach dem von vier Missbrauchs-Opfern der Vertuschung des Missbrauchs durch einen anderen Priester beschuldigten Bischofs Juan Barros gefragt. Barros, der seine Unschuld beteuert, ist seit seiner Ernennung zum Diözesanbischof von Osorno im Jahr 2015 umstritten.

“An dem Tag, an dem sie mir Beweise gegen Bischof Barros bringen, werde ich sprechen”, sagte Papst Franziskus dem Reporter. “Es gibt keinen einzigen Beweis gegen ihn. Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?”

“Da ich nicht persönlich in die Fälle involviert war, die das Thema des gestrigen Interviews waren, kann ich nicht darüber sprechen, warum der Heilige Vater die Worte wählte, die er zu diesem Zeitpunkt benutzte”, sagte O’Malley.

“Ich weiß jedoch, dass Papst Franziskus das ungeheuerliche Versagen der Kirche und ihres Klerus, die Kinder missbrauchten, und die verheerenden Auswirkungen, die diese Verbrechen auf die Opfer und ihre Angehörigen hatten, voll und ganz anerkennt.”

Papst Franziskus ist seit langer Zeit ein Verteidiger von Bischof Barros.

Am 6. Mai 2015, fünf Monate nach der Ernennung von Barros zur Diözese Osorno, sagte Diakon Jaime Coiro, Generalsekretär der chilenischen Bischofskonferenz, gegenüber Papst Franziskus, dass die Kirche in Osorno “für dich gebetet und gelitten hat”.

“Osorno leidet, ja”, sagte Papst Franziskus, “an Dummheit.” Laut einem Video des Gesprächs, das von “Ahora Noticias” veröffentlicht wurde, sagte der Papst zu Coiro, dass “die einzige Anklage gegen diesen Bischof durch das Gericht entkräftet wurde.”

“Denken Sie mit Ihrem Kopf nach und lassen Sie sich nicht von den Linken an der Nase herumführen, die diesen Fall zusammengebastelt haben”, fügte der Papst hinzu.

O’Malley wurde von Papst Franziskus zum Leiter der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen ernannt, die vom Papst im Jahr 2014 gegründet wurde. Hohe Anerkennung und einen hervorragenden Ruf erarbeite sich der Kardinal für seine Führung der Erzdiözese Boston nach dem Rücktritt von Kardinal Bernard Law wegen zahlreicher Berichte über sexuellen Missbrauch durch Geistliche während Laws Leitung des Erzbistums.

“Wenn gesagt wird, ‘wenn Du Deine Aussagen nicht beweisen kannst, dann wird man Dir nicht glauben’, dann werden damit diejenigen im Stich gelassen, die schwerste, kriminelle Verletzungen ihrer menschlichen Würde erlitten haben, und es wird ihnen ein schlechter Ruf angehängt”, schreibt O’Malley in seiner Mitteilung.

“Meine Gebete und meine Sorge werden immer den Opfern und ihren Angehörigen gelten. Wir können niemals das Leiden ungeschehen machen oder ihren Schmerz vollständig heilen”, fügte er hinzu.

“In einigen Fällen müssen wir akzeptieren, dass selbst unsere Bemühungen, Hilfe anzubieten, für die Opfer eine Qual sein kann und wir müssen still für sie beten, während wir sie gemäß unserer moralischen Verpflichtung voll und ganz unterstützen. Ich werde weiterhin für die Heilung aller arbeiten, die so geschädigt wurden und dafür sorgen, dass alles was nur möglich ist auch getan wird, um die Sicherheit der Kinder in der Gemeinschaft der Kirche zu gewährleisten, damit diese Verbrechen nie wieder vorkommen. ” (CNA Deutsch)

K9-Rat beriet über Evangelisierung

Die neun Kardinäle, die dem Papst bei der Kurienreform beraten, haben diese Woche unter anderem über jene vatikanische Einrichtungen gesprochen, die mit der Evangelisierung zu tun haben. Das teilte Vatikansprecher Greg Burke an diesem Mittwoch mit. Von Montag bis Mittwoch trafen sich die neun Kardinäle im Vatikan. An den Beratungen nahm auch Papst Franziskus teil, außer an diesem Mittwoch, da er bei der Generalaudienz war.

Bei den Dikasterien, die zur Debatte standen, handelte es sich um die Evangelisierungskongregation „Propaganda Fide“ und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung. Es wurden aber auch Vorschläge an den Papst gerichtet, die den Rat für den interreligiösen Dialog sowie die vatikanischen Gerichte betrifft, teilte Burke mit.

Ein weiteres Feld, das besprochen wurde, betraf allgemein die Suche und Ausbildung der Mitarbeiter, die für den Heiligen Stuhl arbeiten. Dabei ging es sowohl um die Laien als auch um die Geistlichen, die im Vatikan tätig sind oder sein könnten. Deshalb hätten auch Vertreter des vatikanischen Arbeitsamtes ULSA an den Beratungen teilgenommen, so eine Note des Vatikansprechers.

Kardinal George Pell erläuterte als Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, wie der wirtschaftliche Haushalt des Vatikans im vergangenen Jahr im Auge gehalten wurde, während Kardinal Sean O’Malley über die Tätigkeit der Päpstlichen Kinderschutz-Kommission referierte. Die nächste K9-Sitzung findet vom 12. bis 14. Juni statt. (rv)

Vatikan: Rückzug aus päpstlicher Kinderschutz-Kommission

Marie Collins tritt zurück: Die Frau, die als Jugendliche selbst Opfer von Missbrauch durch einen Kleriker wurde, hat ihre Mitgliedschaft in der Päpstlichen Kommission für Kinderschutz an diesem Mittwoch beendet. Gegenüber Kardinal Sean O’Malley, der die Kommission leitet, und in einem Brief an den Papst nannte die Irin als Grund für ihren Rücktritt eine mangelnde Zusammenarbeit von Büros der römischen Kurie mit der Kinderschutz-Kommission.

Die Kommission teilte Collins’ Schritt am Aschermittwoch in einem Statement mit. Darin würdigte sie Collins zugleich als „unermüdliche Kämpferin dafür, dass die Stimmen der Opfer/Überlebenden gehört werden und dass ihre Heilung für die Kirche prioritär ist“. „Wir werden auch weiter aufmerksam auf all das hören, was Marie uns über ihre Sorgen mitteilen möchte, und wir werden ihre wichtigen Beiträge als Kommissionsmitglied sehr vermissen“, heißt es in der Erklärung des Kommissionsvorsitzenden, Kardinal Sean Patrick O’Malley. Zugleich kündigte der Bostoner Erzbischof an, dass man in der nächsten Kommissionssitzung über Collins’ Beweggründe sprechen werde. Collins habe ein Angebot von Kardinal O’Malley angenommen, im Ausbildungsbereich auch künftig mit der Kommission zusammenzuarbeiten, hieß es weiter.

Papst Franziskus hat nach Angaben des Statements ihren Rückzug aus der Kommission „voller Anerkennung für ihre Arbeit zugunsten von Opfern/Überlebenden von Missbrauch in kirchlichem Ambiente“ angenommen. Der Papst hat die Kommission im März 2014 eingerichtet; Marie Collins gehörte zu den ersten Mitgliedern. Mit ihrem Rücktritt gehört der nun 16 Mitglieder umfassenden Kommission kein Missbrauchsopfer mehr an. Das zweite Missbrauchsopfer in dem Gremium, der Brite Peter Saunders, hatte im Februar 2016 eine Auszeit angekündigt, um über seine Mitwirkung in der Kommission nachzudenken. Diese dauert bis heute an. (rv)

Kardinalsrat: Missionarischer Antrieb und Synodalität

Ein weiterer Schritt in Richtung Kurienreform: Der Kardinalsrat saß dieser Tage zum 17. Mal mit Papst Franziskus zusammen, um die Struktur der Vatikanverwaltung unter die Lupe zu nehmen. An diesem Mittwoch informierte Vatikansprecher Greg Burke über die neuen Entwicklungen. Der vollständige Rat sei anwesend gewesen, Mitglied ist unter anderen auch Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising.

Ein Thema sei das Staatssekretariat gewesen, das als Zentralbehörde fungiert. In der Vergangenheit war wiederholt die Idee eines „Kurienmoderators“ ins Spiel gebracht worden, wie er in Bistümern existiert, Einzelheiten seien aber nicht besprochen worden, so Burke. Außerdem hat der K9-Rat über drei große und traditionsreiche Behörden gesprochen: die Kongregationen für Mission, Bischöfe und Ostkirchen.

„Zwei grundlegende Themen haben sich als rote Linie der Reform für die Dikasterien heraus gestellt“, so Burke bei der Pressekonferenz. „Der missionarische Antrieb und die Synodalität. Die Kardinäle haben bereits die Diskussionen zu anderen Dikasterien [Glaubenskongregation, Ordensleben, Heiligsprechung, Einheit der Christen] beendet und ihre Vorschläge dem Papst unterbreitet.“

Außerdem sei es bei den Beratungen ausführlich auch um das neu gegründete Dikasterium für Laien, Familie und das Leben gegangen, dabei vor allem um eine Förderung der Rolle der Laien. Der frisch zum Kardinal beförderte Präfekt der Behörde Kevin Farrell empfahl zur Lektüre einen bisher wenig gelesenen Brief vom März dieses Jahres, in dem Papst Franziskus seine Vision des Laienstandes erläuterte. Die Behörde hat am 1. September ihre Arbeit aufgenommen, allerdings fehlen bisher noch wichtige Ernennungen auf der Führungsebene.

Die zweite neue Großbehörde – das Dikasterium zur nachhaltigen Entwicklung des Menschen – geht am 1. Januar an den Start. Präfekt Kardinal Peter Turkson habe den Kardinälen seine Pläne für die konkrete Umsetzung der Zusammenlegung der einzelnen Einheiten in die neue Struktur vorgelegt, so Burke.

„Kardinal Sean O’Malley hat die jüngsten Aktivitäten der Kommission für Kinderschutz vorgestellt, Kardinal George Pell ist auf die Entwicklungen im Sekretariat für die Ökonomie eingegangen und Dario Viganò hat die Schritte vorgestellt, die das Kommunikations-Sekretariat bereits abgeschlossen hat, sowie anstehende Schritte, sein Schwerpunkt hat dabei auf der Weiterbildung des Personals gelegen.“

Das nächste Treffen der K9 wird vom 13. bis zum 15. Februar 2017 stattfinden, kündigte Burke an. (rv)

An welchem Punkt sind die Reformen von Papst Franziskus?

cna_Petersdom1VATIKANSTADT – Heute tritt im Vatikan der “K9” zusammen: Die Versammlung des Kardinalsrats, den Papst Franziskus zu Beginn seines Pontifikates ernannt hatte, um ihn bei der Leitung der Kirche und Reform der Kurie zu beraten, dauert bis 8. Juni. Auf dem Programm stehen zwei wichtige Neuerungen: die Errichtung des Dikasteriums Familie, Laien und Leben und das Motu Proprio “Wie eine liebevolle Mutter”, das ein Verfahren festlegt, um Bischöfe ihres Amtes zu entheben, die Nachlässigkeit zeigen, vor allem in Bezug auf Missbrauchsfälle gegenüber Minderjährigen.

Beide Maßnahmen sind ein Ergebnis der Versammlungen des Rates. Erstere ist Teil jener Kurienreform, die dazu führen soll, die Dikasterien zu verringern und eine neue “Pastor Bonus” zu schreiben, welche aktuell jene apostolische Konstitution ist, die Arbeitsweise und Aufgaben der Abteilungen der römischen Kurie regelt. Die zweite ist eine Initiative, die von der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen befürwortet wird, die vom Kardinalsrat selbst angeregt worden war.

Aber was bedeuten diese beiden Neuerungen konkret?

Die Errichtung des Dikasteriums Familie, Laien und Leben bedeutet die Abschaffung zweier Dikasterien der römischen Kurie: Jene des Päpstlichen Rates für die Laien und jene des Päpstlichen Rates für die Familie. Die Tatsache, dass das Dikasterium weder als Kongregation, noch als Päpstlicher Rat strukturiert ist – das sind die beiden Formen der Dikasterien der Kurie bezeugt den Willen zu einer neuen Terminologie; die neuen Dikasterien, die ein umfangreicheres Maß an Entscheidungskraft besitzen, werden Sekretariate genannt: das Sekretariat für Kommunikation und das Sekretariat für Wirtschaft.

Keines der beiden ist in Pastor Bonus, der apostolischen Konstitution über die Kurie, aufgeführt; auch nicht das Dikasterium für Familie, Laien und Leben, das einfach die Artikel der Pastor Bonus über die beiden abzuschaffenden Dikasterien aufhebt.

Aus den Statuten des Dikasteriums kann man einige Charakteristiken der Reform ableiten. Erstens: es wird nichts über den Präfekten des Dikasteriums, der es leiten soll, gesagt (sollte es ein Kardinal sein, wie alle Präfekten laut Pastor Bonus? Oder ein Erzbischof, wie es bei den Präsidenten der Päpstlichen Räte der Fall sein kann?). Unter Nummer 2 wird genauer angegeben, dass es “ein Laie sein kann”. Und es wird hervorgehoben, dass die Verantwortlichen der drei Untersekretariate Laien, Familie und Leben, Laien sein müssen. Nicht nur das: Auch die Mitglieder können Laien sein, nicht nur die Berater.

Die Reform von Papst Franziskus geht also in die Richtung, Laien innerhalb der vatikanischen Dikasterien mit einzubeziehen, auch in Ämtern, die traditionell für Priester bestimmt waren.

Die Tatsache, dass nichts über den Charakter des Präfekten gesagt wird, lässt daran denken, dass man einen gänzlich neuen Text erwarten kann. Daher ist keines der neuen Dikasterien von Papst Franziskus in Pastor Bonus eingefügt, so wie der Kardinalsrat nur ein beratendes und kein entscheidendes Organ bleibt.

Jetzt wartet man auf die Gründung des Dikasteriums Gerechtigkeit, Frieden und Migration, das die Päpstlichen Räte für Gerechtigkeit und Frieden und Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs vereint; vielleicht auch den Päpstlichen Rat Cor Unum, wenn man für diesen nicht ein neues Dikasterium zur Nächstenliebe einrichten will. Aber das wird alles noch zu sehen sein.

In den letzten Versammlungen haben die Kardinäle die Karten geordnet und neue Möglichkeiten geprüft. Nichts ist wirklich entschieden. Man denke nur daran, dass die beiden die Namen der neuen Über-Dikasterien im Lauf dieser Versammlungen des öfteren geändert wurden, und sogar deren Struktur (anfangs sprach man von fünf Sekretariaten, jetzt von drei Untersekretariaten).

Es handelt sich letztlich um organisatorische Verlagerungen, die die Mission der römischen Kurie nicht verändern, welche ein Organismus ist, der dem Papst in der Leitung der Kirche helfen soll.

Komplizierter erscheint die Frage des Motu Proprio “Wie eine liebevolle Mutter”:

Vor einem Jahr, am Ende der Versammlung des Kardinalsrates, wurde sogar vorgeschlagen, ein Gericht einzusetzen zur Bestrafung nachlässiger Bischöfe. Ein schwer umzusetzender Vorschlag, auch weil man nicht verstand, auf welche Art und Weise dieses Gericht die Kongregation für die Glaubenslehre unterstützen hätte sollen.

Nun wird schlicht und einfach eine Art Klärung der Prozeduren festgelegt, die vor allem von ehemaligen Opfern befürwortet wird, die mit der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen zusammenarbeiten.

Auf welche Weise sich die Dinge ändern werden, wird noch zu sehen sein. Der Fall der Amtsenthebung von Bischöfen ist im Kanon 193 des Kirchenrechtes geregelt, in dem hervorgehoben wird, dass jemand eines Amtes, “das auf unbestimmte Zeit übertragen ist” oder “das ihm auf bestimmte Zeit übertragen ist” nur “aus schwerwiegenden Gründen und unter Einhaltung der im Recht festgelegten Verfahrensweise” enthoben werden kann.

Laut der Anmerkung von Pater Lombardi handelt es sich um eine Verfahrensweise, nicht um ein Strafverfahren, da es keine Straftat betrifft.

Pater Lombardi erklärt auch, dass diese schwerwiegenden Gründe auch die Nachlässigkeit eines Bischofs in der Ausübung seines Amtes beinhalten, denn die Nachlässigkeit kann anderen schweren Schaden zufügen. Das Motu Proprio verlangt, dass diese Nachlässigkeit objektiv bewiesen werden muss. Aber es hebt hervor, dass die Amtsenthebung auch “ohne schwere moralische Schuld” von Seiten des Bischofs oder Eparchen geschehen kann, und in den Fälle von Missbrauch Minderjähriger “reicht es aus, dass die Nachlässigkeit schwer ist” und nicht mehr “sehr schwer”. Das ist keine unnötige Unterscheidung: die Schwere und den Ernst der Fälle zu definieren, ist ein unabdingbares Kriterium, um wirklich Gerechtigkeit walten zulassen.

Einige Punkte bleiben offen: Ob es ein Gericht geben wird, das diese Fälle von Nachlässigkeit beurteilt, ob diese Nachlässigkeit auch auf andere Fälle, die nicht Missbrauch betreffen, angewendet werden wird und ob diese Kasuistik nicht schon vom Kanon 1389 abgedeckt wird, in dem es unter Paragraph 2 heißt: “Wer aber aus schuldhafter Nachlässigkeit eine Handlung kirchlicher Gewalt, eines kirchlichen Dienstes oder einer kirchlichen Aufgabe unrechtmäßig zu fremdem Schaden setzt oder unterläßt, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden.” Eine Strafe, die die Amtsenthebung mit einschließt. Denn es existiert auch Paragraph 2 des Kanon 401 – jenes Kanon, der die Absetzung von Bischöfen wegen schwerwiegender Gründe festlegt und der viele Male angewendet wurde, um Bischöfe zu entheben, die in Missbrauchsfällen falsch agiert haben.

Handelt es sich also einfach nur um eine Wiederholung dessen, was das Kirchenrecht bereits festlegt? Und wie ändert sich das Verhältnis zwischen Papst und Bischöfen? Wird es ähnlich dem zwischen einem Chefs und seinen Untergebenen, in dem der Vatikan die Bischöfe auch entheben kann, weil sie in einigen besonderen Fällen einfach nicht gehandelt haben?

Es wird noch zu verstehen sein, wie diese Neuerung angewandt werden wird. Sicher ist es aber eine Entscheidung, die Kardinal Sean O´Malley, Erzbischof von Boston und Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz der Minderjährigen, begrüßt. In einer Erklärung, die am Abend des 4. Juni veröffentlicht wurde, hat der Kardinal gesagt, das Motu Proprio sei “eindeutig ein wichtiger Schritt nach vorne. Sein Zweck sei es, klare und transparente Mittel festzulegen, damit eine größere Übernahme von Verantwortung gesichert werde, mit der wir, die Vorsteher der Kirche, die Fälle von Missbrauch an Minderjährigen und verletzbaren Erwachsenen behandeln.” (CNA Deutsch)