Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Archiv für Juli, 2015

Heiliges Jahr: Was passiert wann?

Freitag 31. Juli 2015 von VH

Heiliges Jahr 2015/16Die Stadt Rom ist auf das Heilige Jahr noch nicht vorbereitet. Das gab Bürgermeister Ignazio Marino in einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera zu. Er verwies auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Stadt und darauf, dass es gelte, ein Großereignis in Zeiten des internationalen Terrors zu organisieren. Das könne die Stadt alleine nicht schaffen, dazu brauche es die Unterstützung der Regierung. Derzeit wird in Italien über einen Sonderbeauftragten des Staates gesprochen, bei dem alle Vorbereitungen zusammen laufen sollen.

Der Vatikan hingegen ist mit seinen Vorbereitungen schon weit gekommen. Wenn am 20. November 2016 die Heilige Pforte des Petersdoms zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit wieder geschlossen wird, wird ein ereignisreiches Jahr hinter der Kirche liegen. Die Planungen laufen auf Hochtouren, nun hat der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung, der für die Durchführung verantwortlich ist, einen detaillierten Plan für die Veranstaltungen und Gottesdienste vorgelegt.

Offiziell eröffnet wird das Jahr am 8. Dezember 2015 mit dem Öffnen der Heiligen Pforte am Petersdom, gefolgt von der Öffnung der Heiligen Pforte an der Bischofskirche des Papstes, Sankt Johannes im Lateran, am 13. Dezember. An diesem Tag sind auch alle Bistümer weltweit eingeladen, in ihren Kathedralen solche heiligen Pforten aufzustellen und zu öffnen.

Das ganze Jahr über wird es immer wieder Tage geben, einzelnen Gruppen gewidmet sind. Den Anfang machen die Wallfahrtsseelsorger und die Mitarbeiter an den Wallfahrtsorten, die während des Heiligen Jahres einiges zu tun bekommen. Sie werden am 21. Januar in Rom gemeinsam mit dem Papst die Barmherzigkeit feiern. Es folgen die Ordensleute im Februar, dann später im Jahr die Jugendlichen, Priester, Diakone, die Kranken und Behinderten und zuletzt die Gefangenen, um nur einige zu nennen.

Eine der Initiativen des Papstes zu diesem Heiligen Jahr ist die Aussendung der „Missionare der Barmherzigkeit“ in die Weltkirche, das wird am Aschermittwoch, also dem 10. Februar 2016, geschehen. Immer wieder wird der Papst selber auch Zeichen und Gesten zum Jubiläumsjahr setzen, wie der Terminplan angibt. Die Bischöfe und Ortskirchen sind dann eingeladen, sich diesen Gesten, Besuchen oder Treffen anzuschließen und vor Ort Ähnliches zu tun. Genauere Angaben dazu gibt es noch nicht.

Es gibt weiterhin Initiativen, die bereits vor der Einberufung des Jahres geplant waren und die nun in den Ablauf integriert werden, die größte dürfte der Weltjugendtag in Krakau sein. Aber auch die „24 Stunden für den Herrn“, eine jährlich stattfindende Bußfeier im Petersdom, bei der der Papst selber Beichte hört, ist dabei.

Die genauen Daten können Sie der Webseite des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung entnehmen. (rv)

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Irak: Christen wünschen sich Besuch von Papst Franziskus

Dienstag 28. Juli 2015 von VH

Patriarch SakoDie Christen im Irak erwarten einen Besuch von Papst Franziskus. Das sagt der chaldäische Patriarch von Bagdad, Louis Raphaël I. Sako. Radio Vatikan interviewte ihn in der süditalienischen Stadt Jelsi, Region Molise, wo der irakische Patriarch am Montagabend einen internationalen Preis zur Verteidigung von Minderheiten entgegennahm. Papst Franziskus hatte im vergangenen Jahr angekündigt, er wäre dazu bereit, an die Ränder des „Islamischen Staates“ zu reisen, um mit den verfolgten Christen dort zu beten. Patriarch Sako:

„Wir brauchen seine Anwesenheit unter uns, damit er uns Kraft und Hoffnung gibt, nicht nur den Christen, sondern allen. Der Papst ist ein Symbol nicht nur für die Christen. Er ist internationale eine spirituelle und moralische Autorität, und alle warten auf seine Anwesenheit unter uns. Das könnte uns so viel Kraft geben, auszuharren und nicht aufzugeben.“

Der internationalen Staatengemeinschaft hingegen wirft der Patriarch von Bagdad Versagen und Egoismus vor. Die westlichen Länder betrieben „eine Politik, die nur ihr wirtschaftliches Interesse sucht und nicht das Wohl der Menschen“, so Sako. „Sie suchen nicht den Frieden“. Ein Grundübel ist aus seiner Sicht der internationale Waffenhandel. „Waffen herzustellen, heißt auch, Krieg herzustellen.“ Um den Terror des sogenannten „Islamischen Staates“ zu bekämpfen, brauche es freilich eine breite internationale Allianz. Der „IS“ sei tatsächlich ein Staat, erklärte der chaldäische Patriarch: „Er hat Geld, verkauft Öl, hat Waffen und viele Dschihadisten, die immer mehr werden.“

Es brauche aber nicht nur eine Erneuerung der Politik und der Wirtschaft, sondern auch eine Erneuerung des Islam, verdeutlichte Sako. „Die Muslime müssen eine neue Lesart des Islam finden, um die positive Botschaft für das menschliche Leben zu entdecken, den Respekt der Würde des Menschen.“ (rv)

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Eine eigene Heilige Pforte für den Weltjugendtag

Dienstag 28. Juli 2015 von VH

WJT2016„Der Weltjugendtag in Krakau wird ein echtes ‚Jubeljahr der Jugend’, auch auf weltkirchlichem Niveau“. So beschreibt Kardinal Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Laienrates und damit Vatikanverantwortlicher für den Weltjugendtag (WJT), das Ereignis, das in genau einem Jahr beginnen wird. Es wird der zweite Weltjugendtag in Polen nach 1991 in Częstochowa sein. An diesem Sonntag hatte sich bereits Papst Franziskus offiziell als Teilnehmer angemeldet.

Die Jugend würde eingeladen, über die Barmherzigkeit nachzudenken, die ein Ideal für das Leben sei und auch ein Kriterium für die Glaubwürdigkeit des Glaubens, schreibt der Kardinal in seiner Botschaft. Von Krakau müsse eine Botschaft in die gesamte Welt ausgehen, eine Botschaft der Hoffnung und der barmherzigen Liebe Gottes für jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Das geistliche Zentrum dieses Heiligen Jahres der Jugend werde das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in der Stadt sein und die Kirche das Heiligen Faustina Kowalska, der Botschafterin dieser Barmherzigkeit. Johannes Paul II. hatte das Gotteshaus 2002 geweiht.

Am zentralen Versammlungsplatz für den WJT, den man „Campus Misericordiae“ genannt habe, werde es eine eigene heilige Pforte geben, kündigte der Kardinal weiter an. Papst Franziskus werde diese Pforte gemeinsam mit einigen Jugendlichen zur Vigilfeier vor dem Abschlussgottesdienst am 31. Juli öffnen. Zum Abschluss des WJT würden fünf Gruppen von Jugendlichen mit Kerzen symbolisch auf die fünf Kontinente der Welt geschickt, um das Licht der Barmherzigkeit Gottes zu verbreiten. (rv)

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Mit dem Kreuz zur Bundeswehr: Ein Militärpfarrer im Einsatz in der Türkei

Sonntag 26. Juli 2015 von VH

Kath. MilitaerkreuzNoch immer steht die Türkei unter Schock: Der Selbstmordanschlag Mitte Juli in der türkischen Grenzstadt Suruc tötete 32 Menschen und verletzte hundert weitere. In der gesamten Region sind seitdem die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. Das merken auch die deutschen Bundeswehrsoldaten, die im Südosten der Türkei stationiert sind. Unweit der türkisch-syrischen Grenze ist die deutsche Luftwaffe seit 2013 im Einsatz und unterstützt die NATO-Mission Active Fence Turkey, kurz AF TUR. Mit dem Flugabwehrraketensystem Patriot schützen die Soldaten die Stadt Kahramanmaraş in Südostanatolien vor Luftangriffen aus Syrien. Kein Soldat, aber trotzdem mit dabei in der Millionenstadt Kahramanmaraş ist Joachim Folz: Er ist Militärseelsorger. Vor etwa sechs Wochen hat er seinen Koffer gepackt und ist in die Türkei geflogen. Marion Sendker hat ihn dort getroffen.

Seine Aufgabe ist es da zu sein. Und Militärdekan Joachim Folz ist da: In Kahramanmaraş, etwa 100 Kilometer vor der syrisch-türkischen Grenze, ist er allein für 260 deutsche Soldaten zuständig. Um an die Soldaten ranzukommen, hat der Dekan seine Tricks entwickelt.

Soldaten-Gottesdienst mit Musikgestaltung

"Zu Beginn des Kontingents gehört es immer dazu, Soldaten, die ein Instrument spielen, zu motivieren, auch den Gottesdienst musikalisch zu gestalten usw. also ganz unterschiedliche Zugangswege." Die Strategie kommt bei den Soldaten an: Aktuell unterstützen ihn vor allem Schlagzeuger, Gitarristen und Pianospieler im Gottesdienst. Auch Hauptmann Justin K. geht jeden Sonntag in die Messe – oder was davon übrig geblieben ist: „Das ist eine abgespeckte Form des Gottesdienstes. Eigentlich kann man den so charakterisieren, dass man sich trifft, eine Predigt hört und gemeinsam singt und anschließend gemeinsam Kaffee trinkt.“

Keine Eucharistiefeier – dafür aber ein ganz gemischtes Publikum an Singenden und Betenden. Denn auch Soldaten, die nicht getauft sind, nutzen das Angebot am Sonntag gerne. Konfessionen sind in dem Rahmen zweitrangig. „Wir benutzen momentan zum Beispiel für den Gottesdienst das neue evangelische Soldatengesangbuch, da es zu den Noten auch die Akkorde enthält. Wobei die Lutherübersetzung bei den Psalmen tatsächlich wirklich gewöhnungsbedürftig ist für einen Katholiken.“

Militärdekan lädt zu „Bier mit Gott“

Neben dem Treffen am Sonntag lädt der Militärdekan die Soldaten einmal pro Woche auf ein „Bier mit Gott“ ein: „Da wird dann einfach erzählt, was einen beschäftigt, ob das ein technisches Problem ist oder ein Telefonat mit er Familie ist, mit zu Hause und so weiter und so fort.“

Mehr noch als das offiziell gesuchte Gespräch zählen aber die lockeren und oft zufälligen Begegnungen im Kasernenalltag, erklärt der Seelsorger. „Ja gut, man ist ja sozusagen mit den Soldaten hier, man erträgt ja im dem Sinne auch den Alltag mit den Einschränkungen mit und somit ist es ja etwas, wo wir jetzt nicht von außen her etwas sagen, sondern aus der Mitte heraus versuchen, gemeinsam den Weg ach hier im Einsatz zu gehen. Also es ist jetzt nicht so, dass man hier unmittelbar eine Patentlösung parat hält. Manchmal geht es ja tatsächlich nur um das Aussprechen, was man vielleicht vor dem Kameraden nicht unbedingt machen will. Und wenn man ein Problem ausgesprochen hat, ist es oft so, dass es einem dann viel leichter geht.“

Seelsorger schweigt über Inhalte und organisiert Grillabende

Oft geht es um die Trennung von den Eltern, dem Partner und den Kindern. Das – und alles andere, was besprochen wird – bleibt beim Militärdekan. Der ist aber nicht nur Ansprechpartner für alle Lebenslagen, sondern sorgt auch mit Aktionen für Abwechslung im monotonen Auslandseinsatz. Gerade hat Folz zum Beispiel einen Ausflug nach Tarsus organisiert, dem Geburtsort des heiligen Apostels Paulus. Bei der Planung hat ihm Hauptmann Justin K. geholfen. Für ihn und seine Kameraden bietet die Militärseelsorge noch mehr als nur geistliche Betreuung: „Er hat auch finanzielle Mittel zur Verfügung um beispielsweise Veranstaltungen zu organisieren wie Grillfeste oder dergleichen, sodass man da auch ein bisschen Ablenkung vom Einsatz hat.“

So ein Grillfest hat dann keinen religiösen Bezug und überhaupt spielt Religion in der Militärseelsorge eher eine passive Rolle: „Wenn man den Pfarrer drauf anspricht, dann ist er bereit, entsprechende Themen zu diskutieren, aber wenn man nicht aktiv auf ihn zugeht – wenn man es wirklich nicht will, dann spürt man davon auch nichts.“

Wenige Soldaten sind praktizierende Christen

Nur wenige Soldaten sind getauft oder praktizierende Christen. Als Geistlicher fühlt sich Folz trotzdem nicht fehl am Platz: „Wir sind für alle Soldaten da! In den alltäglichen Begegnungen und bei allgemeinen Problemen ist der Mensch in der jeweiligen Situation entscheidend. Gleichzeitig gilt es, die Einstellung der nicht- oder andersgläubigen Soldaten seitens der Militärseelsorge zu respektieren. Es bedarf auch einer größeren Sensibilität in der Kommunikation, die Rede von Gott oder auch über die Kirche ist oft nicht mehr unmittelbar verständlich oder sogar negativ konnotiert. Vielfach braucht es in der Verkündigung dann Bilder aus dem Alltag, die die christliche Botschaft nachvollziehbarer machen – ähnlich wie die Gleichnisse Jesu selbst, dabei kommt es natürlich vor allem auf eine authentische Haltung des einzelnen Militärgeistlichen an.“

Alles kann, nichts muss. – Mit dieser Devise ist Folz für seine katholischen, evangelischen, muslimischen und atheistischen Soldaten da. Dazu ist er für insgesamt 12 Jahre von seiner Heimatdiözese freigestellt worden – die Hälfte der Zeit hat er mittlerweile hinter sich. Seine Bilanz zum Stellenwert von Religion in der Bundeswehr: „Religion wird generell weniger institutionell und mehr individuell gesehen oder gelebt. Trotzdem bietet die Unmittelbarkeit der Institution der Militärseelsorge vor allem im Auslandseinsatz dem Individuum wieder eine ungezwungene Möglichkeit der direkten Begegnung, ohne bestimmte Absichten auf beiden Seiten. Dabei ergeben sich dann durchaus Gespräche mit religiösen Themen oder es kommt sogar ein Soldat deshalb wieder zum Gottesdienst.“

Manche Soldaten lassen sich von Militärgeistlichen taufen

Viele Soldaten suchen die Gespräche mit dem Militärgeistlichen. Einige von ihnen hätten sich danach sogar taufen lassen, erklärt Folz. Das sind dann die kleinen Sternstunden im Berufsalltag eines Militärpriesters. Ansonsten verlange der Dienst viel Kraft. Folz bleibt kaum länger als ein paar Monate an einem Ort und muss sich immer wieder neu auf Situationen und Menschen einstellen. So anstrengend der Dienst für die Bundeswehr auch sein kann, so wichtig sei die Präsenz eines Geistlichen im Einsatz, findet er:

„Die Militärseelsorge ist Teil des kirchlichen Auftrages in der Welt und somit braucht es immer wieder Priester, die sich für diese Aufgabe begeistern lassen. Es ist sehr bereichernd im Sinne vielfältiger Möglichkeiten und abwechslungsvoller Tätigkeiten, aber auch fordernd in einem zunehmend säkularen Umfeld, die Präsenz der Kirche und damit die Botschaft des Evangeliums zu gewährleisten.“

Komplexer Kontrast von Friedensbotschaft und Tötungsauftrag

Die Friedensbotschaft Jesu Christi mitten im Militär, manchmal mitten im Krieg: Wie passt das zusammen, wie kann ein Militärpfarrer sonntags den Frieden predigen und montags den militärischen Einsatz oder gar den Krieg billigen?

Der Pazifismus ist aber hauptsächlich als radikal bürgerliche Bewegung in der Moderne entstanden und unterscheidet sich maßgeblich von der christlichen Lehre vom gerechten Krieg, die unter anderem auf den heiligen Augustinus zurückgeht und sich auf die Realitäten in dieser Welt gründet anstatt eine Utopie zu propagieren. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet den Soldaten übrigens ausdrücklich als einen „Diener der Sicherheit und der Freiheit“ und sagt, dass er – also der Soldat – durch seinen Dienst den Frieden festigt.

Gleichzeitig verlangt das 5. Gebot nicht zu töten. Im Berufsalltag eines Soldaten kommt es aber immer wieder zu Waffengewalt. Der Tod gehört im Einsatz zum Militär, wie die Munition in die Waffe. Wer einen anderen Menschen tötet, handelt nicht nur gegen das 5. Gebot, sondern auch gegen Christus ausdrückliche Aufforderung zur Feindesliebe.

"Diese Frage ist sehr populär, aber gleichzeitig äußerst komplex. Zunächst führt der Soldat einen Auftrag aus, der z.B. in Deutschland parlamentarisch – also von uns allen – legitimiert ist. Der Grund liegt dafür zumeist in einer Bedrohung von Menschenleben kann als „ultima ratio“ auch Waffengewalt angewandt werden. Wir sprechen in der Militärethik dann von der „responsibility to protect“, also von einer Schutzverantwortung in Bereichen, in denen z.B. die Menschenrechte verletzt werden und alle diplomatischen Bemühungen ohne Erfolg bleiben. Die Herausforderung der Feindesliebe bleibt natürlich bestehen."

„Das Leben in der Lage“ – wie es im Militärjargon heißt – hat ihn gelehrt, aus jeder Situation das Beste zu holen. Das gilt insbesondere für seine Tätigkeit als Militärdekan; für ihn ist der Job eine tägliche Herausforderung: „Momentan ist es mein Job und momentan versuche ich daraus tatsächlich das Beste zu machen. Als ich vorher in der Schule war, hab ich da versucht, das Beste zu geben. Das Entscheidende ist, dass man als Priester wirkt und alles andere, die Aufgaben die damit dann verbunden werden, können sich ja sowieso immer wieder verändern. Das Grundsätzliche ist die priesterliche Berufung und die umzusetzen in jeder Situation, in die man gestellt wird. Damit fällt einem vieles leichter im Leben. Man muss nicht deshalb unbedingt selber ständig etwas ändern wollen, sondern man versucht es als persönliche Herausforderung positiv zu sehen.“

Wie jeder Militärpfarrer hat Folz eine klare Auftragslage. Wie die Soldaten ihrem Souverän Gehorsam versprochen haben, hat auch Folz bei der Priesterweihe ein Gehorsamsversprechen abgelegt. Aus dieser Perspektive, sind sie sich gar nicht so unähnlich, der Soldat und der Priester. (rv)

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Schweizergarde und Kardinal Koch in St. Maurice

Samstag 25. Juli 2015 von VH

Kardinal KochKurienkardinal Kurt Koch wird den Papst bei den Abschlussfeiern des Gründungsjubiläums von St. Maurice in der Schweiz vertreten. Das teilte der Vatikan am Samstag mit. Die älteste Abtei der Westkirche feiert ihr 1.500-jähriges Bestehen. Die Feiern finden am 22. September im Kanton Wallis statt. Auch die Schweizergarde feiert mit: ihre diesjährige Pilgerreise verbringen die Leibwächter des Papstes in ihrer Heimat und werden im Sommer gestaffelt nach St. Maurice reisen. Alle zwei Jahre führt die Schweizergarde traditionsgemäß eine große Wallfahrt aus. In der Vergangenheit besuchten sie Bayern und Ungarn. (rv)

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USA: Kardinal Baum verstorben

Samstag 25. Juli 2015 von VH

Kardinal BaumDer aus Dalles stammende Kardinal William Wakefield Baum ist am 23. Juli verstorben. Baum war 88 Jahre alt und von 1973 bis 1980 Erzbischof von Washington. Von 1980-1990 war er Präfekt der Bildungskongregation und von 1990 bis 2001 Großpönitentiar der Apostolischen Signatur im Vatikan. Papst Paul VI. hatte ihn 1976 in den Kardinalsstand erhoben und ihm die Titelkirche “S. Croce in Via Flaminia” zugewiesen. Mit seinem Tod zählt das Kardinalskollegium 220 Kardinäle und von diesen sind 120 Eminenzen wahlberechtigt in einem künftigen Konklave. (vh)

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Kardinal Filoni: Irak braucht eine neue Logik des Zusammenlebens

Freitag 24. Juli 2015 von VH

Kardinal FiloniEine gute Lösung für die Menschen im Irak und damit auch für die Christen ist kaum mit europäischen Vorstellungen von Staaten und Grenzen zu lösen, diese Logik führe nur zu Machtfragen, nicht aber zu gegenseitigem Respekt. Das sagt Kardinal Fernando Filoni, so etwas wie die Autorität im Vatikan zu Fragen der Christen im Nahen Osten. Zwei Mal war er im Auftrag von Papst Franziskus zu Besuch bei den Christen im Irak, während des zweiten Golfkrieges 2003 war er als Nuntius im Land gewesen und hatte als einziger westlicher Diplomat dort ausgeharrt. Jetzt hat der Präfekt der Missionskongregation ein Buch über die Christen im Irak vorgelegt. „Es ist klar, dass wir uns bei einer modernen Vorstellung von Staat fragen müssen, welche Zukunft der Irak haben kann, der so, wie wir ihn kennen, ja erst 1920 entstanden ist“, erklärt Kardinal Filoni im Interview mit Radio Vatikan. „Nach dem letzten Golfkrieg hat sich der Irak politisch gewandelt, aber die religiösen und politischen Identitäten sind geblieben.“

Ein Ergebnis sei der gegenwärtige Krieg, unter dem vor allem die Minderheiten, darunter die Christen, leiden. „Der Papst hat eine große Rolle gespielt, und alle dort erkennen an, dass er die weltweite Aufmerksamkeit auf diesen Bürgerkrieg und so auf das Schicksal der Christen, die dort vertrieben werden, fokussiert hat.“ Christen, Jesiden und andere Minderheiten seien die Opfer der Vertreibungen, davon habe er sich mehrfach selber überzeugen können, erklärte Filoni.

„Viele Muslime erkennen das Geburtsrecht der Christen an, hier zu sein“

„Die Christen sind integraler Teil der Geschichte des Nahen Ostens und besonders der Geschichte des Iraks. Mir hat man oft gesagt ‚Ihr Christen habt das Geburtsrecht hier, wir sind nachher gekommen, sowohl als Muslime als auch als Menschen, die nachher zugereist sind’. Der Irak war immer ein Durchzugsgebiet, in dem viele Menschen dann blieben. Viele Muslime erkennen an, dass die Christen das Geburtsrecht haben, hier zu bleiben.“

Eine entscheidende Phase der irakischen Geschichte ortet Kardinal Filoni in der Zwischenkriegszeit, als Europa – glücklos – seine Vorstellungen zu Staat und Grenzen nach Nahost exportierte. Durch die europäischen Mächte nach dem Ersten Weltkrieg habe sich im Nahen Osten Druck aufgebaut, erklärt Filoni. Länder wie Syrien, der Irak, der Libanon oder Saudi Arabien seien von Europa aus erst gebildet worden. „Es sind keine Orte mit einer langen Tradition von einheitlichen Staaten. Viele Ethnien und Religionen lebten dort zusammen. Und der Druck entstand dann mit der im Westen ausgedachten Staatenbildung, denn die entsprach nicht den örtlichen Bedürfnissen. Das ist nie überwunden worden.“ Kämpfe um Macht und die gegenseitigen Ansprüche und Forderungen prägten die politische Landschaft, so fühlten sich etwa die Kurden verraten, weil sie keinen eigenen Staat bekommen hätten.

Irak braucht eine neue „Logik des Zusammenlebens“

Die Christen hätten immer mitten in alldem gelebt, sie hätten aber niemals im Irak Gebietsansprüche erhoben, betont Filoni. Ihre Wünsche seien immer gewesen, dort nach ihren Traditionen leben zu können, wo sie waren. Aber das seien keine politischen oder administrativen Forderungen gewesen. „Wir müssen aus der Logik heraus, in der man sich nur mit den Grenzen von Staaten identifiziert und in eine Logik des Zusammenlebens hinein, wo es tiefen Respekt vor dem jeweils anderen gibt. Und das ist dann keine Toleranz, sondern der Respekt vor den Rechten der Anderen. Toleranz ist nur etwas, was ich gewähre. Wenn wir zu einer neuen Logik kommen, welche die Rechte aller anerkennt, die Menschenrechte, die sozialen Rechte, die politischen Rechte, dann kann daraus ein Zusammenleben entstehen.“

Leider herrsche im Augenblick eine Logik, in der die jeweilige Mehrheit ihre Macht wie in einer Diktatur ausübe. „Hier muss es einen Mentalitätswechsel geben, aber dafür braucht es Zeit." Die Basis dazu sei aber etwas, das im Irak zur Zeit radikal fehlt. Filoni: „Wenn es keinen Frieden gibt und wenn der gute Wille nicht da ist, dann bleiben der Irak und der gesamte Nahe Osten Gegenden, in denen es sehr schwer ist, zu leben.“ (rv)

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Franziskus ist „mutiger als viele Linkspolitiker“

Donnerstag 23. Juli 2015 von VH

FrankreichPapst Franziskus ist in seinen Aussagen über Umwelt, Migration und Wirtschaft „mutiger als viele Linkspolitiker“. Das sagt die sozialistische Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, die dieser Tage im Vatikan an einem Treffen von Lokalpolitikern aus aller Welt über Umwelt und Menschenhandel teilgenommen hat. In seiner Enzyklika „Laudato Si“ habe Papst Franziskus ein Konzept vorgelegt, dem sie „vorbehaltlos“ zustimme, erklärte die Pariser Bürgermeisterin: „Die Umwelt ist umfassend. Soziale und Umwelt-Themen sind nicht voneinander abzugrenzen.“ In komplexen Fragen wie dem Umgang mit Flüchtlingen sei „das Wort der Verantwortlichen, auch der religiös Verantwortlichen“ sehr wichtig.

„Das sieht man an den kraftvollen Äußerungen von Papst Franziskus, der mit seiner revolutionären Rede die Frage der Umwelt, des Sozialen und der Wirtschaft wieder zurück auf eine Formel gebracht hat, die viele politische Verantwortliche, auch auf Seiten der Linken, nicht mehr zu sehen wagten.“

Anne Hidalgo leitet seit einem Jahr die Verwaltung der französischen Hauptstadt. Paris hat vor allem in seinem weiten Einzugsbereich eine starke muslimische Bevölkerungsminderheit und nicht wenige Integrationsprobleme zu meistern. Hinzu kommen die Schwierigkeiten sehr vieler westeuropäischer Städte mit der Aufnahme von Flüchtlingen. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagte Anne Hidalgo, die selbst Tochter spanischer Einwanderer in Frankreich ist,dass sie bei der Vatikan-Tagung „sehr überrascht von dem progressiven Charakter aller Vorschläge der Bürgermeister“ gewesen sei.

„Ich habe nicht einen Bürgermeister gehört, der etwa mit Blick auf die schwierige Frage von Flüchtlingen einem der Angst vor dem Anderen, dem Fremdenhass Raum gegeben hätte. Das fand ich spannend zu sehen: Dass die Diplomatie der Bürgermeister wirklich etwas bewirken kann.“

Es gehe nicht darum, „alles durch die rosa Brille zu sehen“, erklärte Hidalgo.

„Als Bürgermeister von Paris, Rom, Athen oder auch Lampedusa – die Bürgermeisterin der Insel war ja hier vertreten – erleben wir eine Realität. Und es geht nicht darum, sie zu verschönern. Wir haben aber, so denke ich, präsent, dass das öffentliche Wort und unser Wort nicht ein Wort sein kann, das Populismen oder ideologischer Volksverhetzung nachgibt. Wenn einige im politischen Leben die Frage der Migration sehr in den Mittelpunkt stellen und sie instrumentalisieren, um Angst zu schaffen und daraus ein Element des Kontrasts zu machen, und um einen Diskurs des Abschließung zu führen – das ist nicht, was ich hier im Vatikan gehört habe.“

Bürgermeister seien sehr realistisch, fuhr Hidalgo fort. „Denn wir sind jeden Tag mit realen Problemen in großer Bandbreite befasst, und wir müssen uns um alle kümmern: um die Probleme unserer Einwohner, aber auch jener, die ankommen und nicht einfach zurückgeschickt oder ihrem Schicksal überlassen werden können. Das ist komplex und anspruchsvoll. Aber die Besonderheit der Bürgermeister ist, dass sie die Ärmel aufkrempeln und handeln.“ Ein solcher „Optimismus der Handlung“ sei bei der Tagung der Lokalpolitiker im Vatikan greifbar gewesen, sagte die Pariser Bürgermeisterin. (rv)

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Vatikan/USA: Los Angeles bekommt drei neue Weihbischöfe

Dienstag 21. Juli 2015 von VH

Erzbistum Los AngelesDrei neue Weihbischöfe auf einen Schlag hat Papst Franziskus für das Erzbistum Los Angeles in den USA ernannt. Wie der Vatikan an diesem Dienstag bekanntgab, nahm der Papst den Rücktritt eines der fünf amtierenden Weihbischöfe von Los Angeles, Gerald W. Wilkerson aus Altersgründen an und berief zugleich drei Nachfolger: Joseph V. Brennan, Generalvikar des Erzbistums, den gebürtigen Iren David G. O’Connell und Robert E. Barron, der als Rektor des Priesterseminars in Chicago wirkte und als sehr medienerfahren gilt. Alle drei neuen Weihbischöfe sprechen neben Englisch auch Spanisch. Los Angeles ist mit etwa 4,5 Millionen Katholiken das im Moment größte Erzbistum in den Vereinigten Staaten. Erzbischof ist seit 2011 der gebürtige Mexikaner José Horacio Gómez. (rv)

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Bürgermeistertagung im Vatikan: „Es ist höchste Zeit“

Dienstag 21. Juli 2015 von VH

Vatikanplatz60 Bürgermeister aus aller Welt tagten an diesem Dienstag im Vatikan. Es ging darum, gemeinsame Strategien gegen den Klimawandel und seine sozialen Folgen zu entwickeln. Städte sind die Umweltsünder schlechthin sind: Ein Großteil der Treibhausgase wird von den Metropolen der Welt ausgestoßen – deshalb der innovative Ansatz, zu dem Gedankenaustausch im Vatikan Bürgermeister einzuladen und nicht die üblichen Fachleute oder Minister. Papst Franziskus wollte die Stadt-Verantwortlichen im Anschluss in Privataudienz empfangen.

Mexiko-City, New York, Paris. Die Teilnehmer der eintägigen Konferenz in Rom kommen aus allen Erdteilen und haben doch ein gemeinsames Ziel: den Klimawandel und seine sozialen Folgen stoppen. Dafür sollen am Ende der Tagung verbindliche Vereinbarungen getroffen werden. Wenige Wochen nach Veröffentlichung der Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus setzt der Vatikan mit der Einladung von rund 60 Bürgermeistern aus aller Welt ein wichtiges Zeichen – insbesondere vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris. Das findet auch der Teilnehmer aus Berlin, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Christian Gaebler:

Gaebler: „Ich glaube es ist ganz wichtig, dass die katholische Kirche mit ihrem Oberhaupt sich an die Seite derjenigen stellt, die für die Menschen, für die Umwelt etwas tun wollen. Das heißt den Städten kommt eine besondere Verantwortung zu. Und mit Blick auf den Klimagipfel im Dezember in Paris ist es wichtig, Druck zu machen für konkrete Vereinbarungen. Und wenn die katholische Kirche mit Papst Franziskus an der Spitze sich da mit einbringt, ist das sehr gut und wichtig.“

In seiner Umweltenzyklika "Laudato si" hat der Papst betont, dass der Klimawandel nur bekämpft werden kann, wenn dabei auch Armut und Ausbeutung bedacht werden. Laut Vatikan sind die Bürgermeister hier die Schlüsselfiguren, haben Einfluss sowohl auf Klimastrategien als auch auf die sozialen Strukturen. Nicht nur die Landbevölkerungen der dritten Welt, auch die Städte bekommen den Klimawandel immer deutlicher zu spüren, so in Form von schweren Unwetter oder extremer Hitze.

Gaebler: „Das ist natürlich für Städte ein besondere Problem, weil dann Wasserknappheit herrscht, weil in den Städten die Schattenspender geringer sind. Weil die Menschen dann darauf angewiesen sind, dass bestimmte Sachen bereitgestellt werden müssen. Das können wir uns in Industrieländern eher noch leisten mit viel finanziellem Aufwand. Die Entwicklungsländer haben es schwerer. Und die leiden natürlich noch mehr unter den Naturkatastrophen. Aber wie gesagt, in der ganzen Welt sind das Probleme, die wir gemeinsam anpacken müssen, denn nur global kann man dagegen angehen.“

Nicht alle Städte, deren Bürgermeister im Vatikan zusammenkommen, sind in punkto Klima auf dem gleichen Stand. Vorreiter sind die Mitglieder des sogenannten C40-Netzwerks, dem einige Bürgermeister auf der Konferenz angehören. Das Netzwerk zählt insgesamt 70 Millionenstädte weltweit und entwickelt Anpassungsstrategien für den Klimaschutz. Die meisten der Städte sind aus den reicheren Industrieländern, etwa Nordamerika, England oder Kanada. Auch Berlin gehört dazu. Die deutsche Hauptstadt plant, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Die Energieversorgung, Gebäude und der Verkehr sollen so angepasst werden, dass der CO2-Ausstoß in dieser Frist um bis zu 85 Prozent gesenkt wird. Bei der Konferenz will Berlin mit gutem Beispiel für die Schwellen- und Entwicklungsländer vorangehen, meint Christian Gaebler.

Gaebler: „Es gibt einen Austausch auf verschiedenen Ebenen und es gibt Lösungen, die auch anderswo anwendbar sind. Man muss sie den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Das betrifft Verkehrsprobleme, aber auch das ganze Abfallthema. Da sind wir in den Industrieländern deutlich weiter, dass man Abfall zum Beispiel auch für Heizen nutzt und damit die Energieprobleme wieder reduziert. Da kann man den Schwellenländern sehr viel Beispiele geben und verhindern, dass sie die gleichen Fehler machen, wie sie an anderer Stelle schon einmal gemacht worden sind. Insofern ist das wirklich ein Lernen voneinander, eine Unterstützung, ohne dass da jetzt immer Geld fließen muss, aber mehr ein Know-How-Transfer und ein Best-Practice-Austausch.“

Papst Franziskus wird zu den Bürgermeistern sprechen und dabei wahrscheinlich seinen Forderungen aus der Umwelt-Enzyklika Laudato si Nachdruck verleihen. Am Ende sollen gleich zwei Erklärungen unterzeichnet werden. Die Hoffnung der Teilnehmer ist, dass sie über die Konferenz hinaus Gehör finden und nicht nur die Städte, sondern vor dem Weltklimagipfel in Paris ganze Nationen auf den Plan rufen.

Gaebler: „Ich kann mich da nur Papst Franziskus anschließen, der sagt: Es ist höchste Zeit, es ist eigentlich schon fast zu spät, wir müssen jetzt agieren, und im Dezember müssen klare Ergebnisse auf den Tisch. Da kann man sich nicht rausreden und sagen „Wir gucken mal“. Es wird seit 10 Jahren diskutiert über konkrete Maßnahmen gegen den Klimawandel. In Paris muss jetzt tatsächlich ein Ergebnis erzielt werden, was dann dem Klimawandel auch wirksam entgegenwirkt.“ (rv)

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