Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Archiv für August, 2014

Franziskus empfängt Peres und Prinz Hassan

Sonntag 31. August 2014 von VH

Jordanien Israel Am kommenden Donnerstag empfängt Papst Franziskus zwei politische Größen aus dem Nahen Osten: Israels Ex-Präsidenten Shimon Peres und den jordanischen Prinzen El Hassan bin Talal. Das geht aus der Terminplanung des Papstes hervor, wie sie Radio Vatikan vorliegt. Die beiden Politiker begegnen dem Papst nacheinander am Donnerstagvormittag. Shimon Peres traf der Papst zuletzt am 8. Juni beim interreligiösen Friedensgebet im Vatikan, zu dem außer dem israelischen Staatschef auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und die jeweiligen Delegationen anwesend waren. Peres war nicht mehr Präsident, als der neuerliche Gaza-Krieg ausbrach, der inzwischen mit einem Waffenstillstand beigelegt scheint. Prinz Hassan bin Talal hingegen, Mitglied des jordanischen Herrscherhauses, ist ein wichtiger Ansprechpartner des Heiligen Stuhles für das Gespräch mit der muslimischen Welt. Der studierte Orientwissenschaftler gilt als einer der führenden Exponenten des Dialogs zwischen Muslimen und Christen. (rv)

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„Es liegt nichts vor gegen Bergoglio“

Sonntag 31. August 2014 von VH

Bergoglio Pater Jorge Mario Bergoglio, verstrickt in Machenschaften der argentinischen Militärdiktatur: das war ein Vorwurf, der auftauchte, kaum als das „Habemus Papam“ vom 13. März 2013 verklungen war. Was ist dran an diesen Beschuldigungen? Der italienische Journalist Nello Scavo hat die Vorgänge gründlich untersucht und mit „Bergoglios Liste“ ein Buch vorgelegt, in dem er zu dem Schluss kam: Der damalige Provinzobere der Jesuiten schwieg zu den Verbrechen der Militärjunta, aber er rettete mindestens 100 Verfolgten das Leben und riskierte dabei sein eigenes. Nello Scavos Buch ist nun auf Deutsch erschienen.

„Ich habe eher aus journalistischem Instinkt damit begonnen, das Thema zu vertiefen, sofort, noch in der Nacht der Wahl. Und ich bin bald zu dem Schluss gelangt, dass man einigen Anschuldigungen unbedingt nachgehen sollte, andere hingegen waren eher schwach.“

Scavo veröffentlichte seine ersten Recherchen in „Avvenire“, der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz. Als Reaktion tauchten die ersten Stimmen von Leuten auf, die behaupteten, vom damaligen Jesuitenprovinzial Bergoglio beschützt oder gar gerettet worden zu sein, erzählt der Journalist. Er trug diese Stimmen zusammen, reiste nach Argentinien, befragte Zeitzeugen, spürte andere Opfer mit ähnlichen Rettungsbiografien auf.

„Und so ist diese „Liste Bergoglios“ entstanden. Sie entkräftet die Verleumdung, er sei involviert gewesen in der Epoche der Diktatur. Stattdessen öffnet sie die Perspektive auf ein Stück persönlicher Geschichte Bergoglios, aber auch der Kirche jener Zeit, die wirklich außerordentlich ist und es verdient, erzählt zu werden.“

Der Jesuit und das Militär

Die argentinische Militärdiktatur dauerte von 1976 bis 1983. Als sie begann, war Jorge Mario Bergoglio seit einigen Jahren Provinzial, also Leiter der argentinischen Ordensprovinz der Jesuiten. Das bliebt er bis 1979, danach übernahm er andere Aufgaben im Orden, reiste etwa auch zum Studium nach Deutschland. Zugleich bliebt er sehr präsent in Argentinien und galt gar, wie Nello Scavo sagt, „als eine Art Schattenrektor der Jesuitenuniversität“. Die Universität war zu dem Zeitpunkt Laien anvertraut worden.

„In dieser Zeit riskierte Bergoglio viel, sowohl für sein Leben als auch für seinen Ruf, um Menschen in Sicherheit zu bringen, die verschiedenen politischen, kulturellen, sozialen, religiösen Lagern angehörten – Gläubige und Nichtglaubende. Er hat die Leute nie nach einem Strafregister gefragt oder nach einem Taufschein, wenn ihn jemand um Hilfe bat. Er hat sich mit großer Vorsicht bewegt und mit List. Und es ist ihm fast immer gelungen, in diesen Aktivitäten Erfolg zu haben, die jedenfalls im Untergrund abliefen.“

Ein Fall, der zunächst gegen Bergoglio zu sprechen schien, war in den Monaten nach der Papstwahl breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Der während der Militärdiktatur gefolterte Jesuit Franz Jalics hatte Bergoglio zunächst beschuldigt, für seine damalige Verhaftung mitverantwortlich gewesen zu sein. Später zog Jalics die Behauptung zurück und entlastete den heutigen Papst. Er sei selbst getäuscht worden und Fehlinformationen aufgesessen. Der Fall Jalics wird in „Bergoglios Liste“ nachgezeichnet. Andere Fälle zu rekonstruieren, war nach Scavos Angaben „sehr schwer“.

„Ich hatte keine Hilfe, weder von Bergoglio selbst noch von seinem engen Umfeld, von seinen Freunden, die diese Episoden kannten. Das hat mich anfangs so misstrauisch gemacht, dass ich dachte, nun, an den Vorwürfen wird schon was dran sein. Aber ich habe keine Bestätigung gefunden – weil es einfach keine Beweise für eine Verstrickung Bergoglios gibt. Aber ich habe eine Antwort auf dieses merkwürdige Schweigen rund um den Papst gefunden, und das ist der Willen Pater Bergoglios, nicht sozusagen als großer Held dazustehen. Die Taten sind ein Gut, das geschenkt wird, ohne einen Kassenbeleg auszustellen. Und damals war das Stillschweigen auch nötig, weil ein Teil der argentinischen Kirche und des Bischofskollegiums stark belastet von der Diktatur war, und wenn jemand inhaftiert und gefoltert worden wäre, hätte er die schützenden Aktivitäten von Pater Bergoglio preisgeben können.“

Bergoglios Schweigen

Bis heute würden Bergoglios Freunde das Schweigen respektieren, das dieser selbst sich auferlegt habe.

„Einige von ihnen waren da sehr klar mit mir und sagten mir, die Geschichten, die ich da zu hören bekam, seien wahr, aber dass ich sie mir selber suchen müsse. Und so kam es auch. Heute noch, wenn meine Recherche von vielen internationalen Medien aufgegriffen wird, auch von Ländern, die in ihrem Interesse unverdächtig sind – ich denke an Südostasien – bevorzugen diese Leute, weiter zu schweigen. Ich denke an den berühmten Pater Pepe, einen Priester aus Buenos Aires, den Bergoglio in jüngeren Jahren vor einem Drogenkartell schützte. Pater Pepe erfuhr vor einigen Jahren von Bergoglios Aktivitäten während der Militärdiktatur, etwa von seinem Schutz für drei Seminaristen, die heute Pfarrer in Argentinien sind und die ihm vom heutigen Märtyrerbischof anvertraut wurden, Enrique Angelelli, der in einem fingierten Verkehrsunfall ermordet wurde. Als Pepe von diesem Fall erfuhr, bat er Erzbischof Bergoglio, sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen, weil es ein klarer Beweis dafür war, dass er im Gegenteil in Hilfsaktivitäten verwickelt war. Aber er zog es vor, das nicht zu tun.“

Scavo hat auch eine Begründung dafür, warum der damalige Erzbischof von Buones Aires und heutige Papst sich so verhielt – und immer noch verhält. Bei seinen Recherchen in Argentinien gewann der Buchautor den Eindruck, dass die Wunden des Landes, die von der Militärdiktatur herrühren, noch lange nicht verheilt sind.

„Wir sprechen von einem Land, in dem 30.000 Leute einfach „verschwanden“, die desaparecidos. Es gibt Familien, die kein Grab haben, um einen Angehörigen zu betrauern, der gefangen und gefoltert und am Ende ins Meer oder in ein immer noch unentdecktes Massengrab geworfen wurde. Von mindestens 15.000 Todesopfern fehlt bis heute jede Spur. Hinzu kommt die sogenannte verlorene Generation – mindestens 500 Kinder, die im Gefängnis geboren wurden, die Mütter wurden ermordet, die Kinder kamen zu regimetreuen Adoptiveltern. Erst 150 von ihnen haben ihre Identität herausgefunden, aber es gibt Hunderte Großeltern, die von den Schwangerschaften der Töchter wussten und immer noch ihre Enkel suchen. Und mindestens zwei Millionen Flüchtlinge, Vertriebene. Das ist eine lebendige Wunde. Und da halte ich es für möglich, dass Bergoglio sein Wirken als etwas Nachrangiges ansieht, angesichts des Schmerzes eines ganzen Landes.“

Wie viele Menschen Pater Bergoglio vor Verfolgung und Ermordung gerettet hat, ist schwer zu sagen, räumt Scavo ein. Viele Zeugen hätten gebeten, nicht namentlich genannt zu werden; diese habe er in sein Buch gar nicht erst aufgenommen.

„Von den rund 20 Zeugenaussagen in „Bergoglios Liste“ sagt jeder, Augenzeuge von mindestens 20 anderen Geretteten zu sein. Das würde heißen, rund 400. Ich bin vorsichtig und sage: mindestens 100. Denn einige dieser Aussagen beziehen sich auf dieselben Menschen, andere sind nur vom Hörensagen kolportiert. Dazu addiere ich aber eine Einschätzung von einem der Geretteten, einem gewissen Sergio Gobulin, der mit seiner Frau in Italien lebt. Er wurde drei Wochen lang gefoltert. Bergoglio schaffte es, ihn freizubekommen, er schleuste ihn geheim zur Behandlung in ein Krankenhaus von Buenos Aires ein und half ihm dann, nach Italien zu flüchten. Sergio sagte, Bergoglio half viele Verhaftungen junger Leute zu vermeiden. So war es möglich, den Folterknechten dutzende Namen quasi vorzuenthalten. Wären diese Leute nämlich in den Folterzentren verschwunden, so hätten sie irgendwann unter Folter die Namen anderer Geretteter verraten. Das heißt, indem Bergoglio mehreren Leuten zur Flucht ins Ausland verhalf, bewahrte er ihre Bekannten, Aktivisten, Oppositionelle, vor der Festnahme in Konzentrationslagern der Militär-Junta. Und da sprechen wir von hohen Zahlen.“

Oppositionelle ins Ausland geschmuggelt

Wie agierte Bergoglio? Wie schleuste er die Menschen aus dem Land? War er vorsichtig oder tollkühn? Scavo wiederholt mit den Zeugen: Bergoglio hat sein Leben und seinen Ruf riskiert. Darum hätte er sich aber selbst nicht gesorgt.

„Nicht, dass er besonders draufgängerisch agiert hätte, auch wenn einige Zeugen, die ich interviewt habe, ihn so charakterisiert haben. So sagte mir einer: „Bergoglio kam mir schonungslos vor. Er erklärte mir meinen Fluchtplan, ich solle das Land durchqueren und an einem bestimmten Punkt klandestin über die Grenze nach Brasilien gehen, Sao Paolo erreichen, in das Jesuiten-Schutznetz der Diözese Sao Paolo eintreten und über die Patres dort geheim Europa erreichen – da mir kam dieser Pater Bergoglio verrückt vor. In Wirklichkeit hat aber Bergoglio seine Pläne immer sehr sorgfältig ausgearbeitet.“

Höchst riskant für Pater Bergoglio selbst war etwa auch die Taktik, Leute im Kofferraum seines Wagens zu verstecken, um sie an andere Orte zu begleiten.

„Er brachte sie ins Jesuitenkolleg Maximo de San Miguel bei Buenos Aires, wo er sie als Schüler tarnte oder Interessenten für den Priesterberuf. Ähnlich der Fall von Alicia Oliveira, Ex-Richterin und unter Verfolgung. Auch sie wurde von Bergoglio im Kofferraum des Wagens versteckt. Hätten sie ihn aufgehalten und die junge Frau gefunden, wäre das nicht nur für die beiden extrem gefährlich gewesen, sondern die Machthaber hätten es zweifellos auch auf einer anderen Ebene ausgeschlachtet – der junge Priester und die junge Richterin, die er im Kofferraum versteckt hielt.“

Nello Scavos Buch enthält nicht nur Zeugenberichte, sondern auch Dokumente. Eines davon ist die Abschrift eines Verhöres, das noch nicht sehr alt ist: Der damalige Kardinal Bergoglio sagte 2010 vor dem Tribunal von Buenos Aires aus.

„Es sind drei Stunden und 50 Minuten Fragen und Antworten. Bergoglio wurde als Zeuge befragt, aber man behandelte ihn, als sei er ein Angeklagter. Das klare Ziel dieser Vernehmung war es, die Aussage von Bergoglio als Verhör eines Schuldigen zu gestalten. Bergoglio geht aber gestärkt daraus hervor. Und er beginnt seine geheime Hilfstätigkeit zu enthüllen, über die ich in meinem Buch schreibe. Dann gibt es etwa noch ein Dokument von Amnesty International, das nach der letzten Papstwahl entstand als Reaktion auf die vielen Journalistenanfragen, wie es sich denn verhalten habe mit Bergoglio und der Diktatur. Es ist ein internes Dokument. Der Kern: Wir haben in unseren Archiven und Datenbanken nachgeforscht, wir haben bei unseren Fachleuten nachgehakt – gegen Bergoglio liegt nichts vor. Er wird nirgends erwähnt. Daraus folgt: Wenn es irgendetwas gegeben hätte unter den Abermillionen Dokumenten, die die argentinische Militärdiktatur betreffen, dann hätte es Amnesty erfahren. Das ist ja auch keine Organisation, die dem Vatikan besonders wohlgesonnen wäre. Die interne Recherche der größten Menschenrechtsorganisation der Welt über Bergoglios Involvierung zur Militärjunta blieb ergebnislos.“

Auf Italienisch erschien „Bergoglios Liste“ vor einem Jahr. Die Reaktionen, die der katholische Journalist erhielt, waren zahlreich und aussagekräftig. Dutzende Rückmeldungen erreichten ihn, aus allen Kontinenten, über Menschen, die ebenfalls von Bergoglio gerettet worden sein sollen.

„Ich wollte keine Charakterstudie Bergoglios machen und auch kein Buch über einen Heiligen schreiben. Ich bin nach Argentinien gefahren, um Geschichten zu finden und diese Aspekte zu vertiefen. Hätte ich etwas gefunden, das ihn belastet – und ich gestehe, dass ich das versucht habe – dann hätte mich als katholischer Journalist das sehr belastet, ich wäre aber belohnt worden durch den Erfolg einen internationalen Bestsellers. Das ist es aber nicht. Ich fahre fort mit der Recherche, mit den Mitteln, die ich habe. Vielleicht wird eine Fortsetzung daraus, das Material gäbe es, die Mauer des Schweigens ist endlich durchbrochen. Jetzt zählen wir darauf, Neuigkeiten auch aus jüngeren Jahren zu haben, auch weil Bergoglio sein Werk ja auch als Erzbischof von Buenos Aires fortgesetzt hat, indem er Studierende aus anderen lateinamerikanischen Ländern vor den Diktaturen dort schützte und ihnen half.“

„Bergoglios Liste“ von Nello Scavo ist soeben in deutscher Übersetzung im Verlag Herder erschienen. (rv)

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Vatikankardinal wird Erzbischof von Valencia

Donnerstag 28. August 2014 von VH

Kardinal Cañizares Llovera Der bisherige Präfekt der Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst, der spanische Kardinal Antonio Cañizares Llovera, wird Erzischof von Valencia in Spanien. Das gab der Vatikan an diesem Donnerstag bekannt. Der Kardinal, der selbst aus diesem Bistum stammt, folgt damit auf Erzbischof Carlos Osoro Sierra, den Papst Franziskus zum Erzbischof von Madrid ernannt hat. Der Papst hatte zuvor den Rücktritt des bisherigen Erzbischofs der spanischen Hauptstadt, Kardinal Antonio María Rouco Varela, angenommen, eine Neubesetzung war also nötig geworden. Kardinal Antonio Cañizares Llovera war vor seinem Amt im Vatikan bereits Bischof in Spanien, in Avila, Granada und Toledo. Seit 2008 leitete er die Sakramenten-Kongregation im Vatikan. (rv)

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Israel: „In Europa lieber Englisch sprechen“

Mittwoch 27. August 2014 von VH

Israel Keine Raketen mehr und Waffenruhe. So lauten die neuesten Nachrichten zum Gaza Konflikt. Israel und die Palästinenser haben sich Dienstag-Abend ein weiteres Mal auf eine Waffenruhe geeinigt und diesmal soll sie ohne Zeitbeschränkung halten. An diesem Dienstag gab es noch keine gemeldeten Zwischenfälle. Iris Lanciano, eine österreichische Journalistin, die in Tel-Aviv lebt, berichtet uns von der Situation vor Ort:

„Eine Umfrage hat gezeigt, dass 50 % der Israelis unzufrieden sind mit der israelischen Regierung. Und das macht natürlich Sorge. Die Menschen vertrauen Ministerpräsident Netanjahu nicht mehr und sie glauben auch nicht mehr an den Waffenstillstand. Man kann nur abwarten was die Zukunft bringt. Aber die Menschen, vor allem im Süden des Landes haben Angst, dass wieder Raketen fallen und wollen nicht zurück in ihre Häuser.“

In den 50 Tagen der Eskalation ist viel geschehen: Israelischen Angaben zufolge seien 5.230 Ziele bombardiert worden. Militante Palästinenser hätten rund 4.590 Raketen auf Israel abgefeuert und davon seien rund 3.660 eingeschlagen. Der Rest sei von dem Israelischen Abwehrsystem „Iron Dome“ abgefangen worden oder auf palästinensischen Boden gefallen. Bei der Offensive der israelischen Armee wurden 2.130 Palästinenser getötet, darunter nach Angaben der Vereinten Nationen fast 500 Kinder und mehr als 11.100 verletzt. Auf israelischer Seiten starben 64 Soldaten und sechs Zivilisten.
In Deutschland und Österreich sind die Schlagzeilen vor allem dem Jubel der Palästinenser gewidmet. Die ‚Zeit’ berichtet beispielsweise über „Jubel inmitten der Trümmer“, die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet „Freudenschüsse statt Raketen und Bombenhagel“, die Süddeutsche Zeitung schreibt auch Palästinenser in Gaza feiern Einigung als „Sieg“. Die Palästinenser werten demnach die Waffenruhe als Sieg gegen Israel und feiern auf den Straßen. Bilder zeigen Freude und Erleichterung im Gazastreifen und die Zerstörung. Wie wird das in Israel aufgenommen?

„Die Bilder aus Gaza sind natürlich nicht auch hier an uns nicht vorbeigegangen und es sit erschreckend zu sehen, wie Kinder mit Sprengstoffgürteln und Waffen abgelichtet werden und die Israelis machen sich Sorgen, dass es zu weiteren Anschlägen kommen kann.“

Durch den Gaza-Konflikt hörte man immer wieder von neuer antisemitischen Entfachung –auch in Deutschland, Italien und Österreich. Wie gehen die Jugendlichen, oder die jungen Erwachsenen mit diesen Informationen um. Wird es viel thematisiert? Auch in den israelischen Medien?

„Der Antisemitismus in Europa ist erschreckend. Viele Israelis überlegen sich nun zweimal, ob sie nun nach Europa reisen oder nicht. Diejenigen, die nach Europa reisen, haben Angst auf den Straßen hebräisch zu sprechen und sprechen lieber Englisch.“

Aus Ägypten hieß es jetzt, dass die Grenzübergänge von Israel zum Gazastreifen umgehend geöffnet werden, um humanitäre Hilfe durchzulassen. Für UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gibt dies nun Hoffnung für eine politische Lösung des Konflikts. „Eine bessere Zukunft für Gaza und für Israel bedingt eine verlässliche Waffenruhe. Es liegt nun an beiden Seiten, dieser Verantwortung gerecht zu werden“, sagte Ban in New York. (rv)

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Ukraine: Großerzbischof schreibt an Europas Bischöfen

Sonntag 24. August 2014 von VH

Großerzbischof Schewtschuk In einem ausführlichen Brief an die katholischen Bischöfe Europas weist das Oberhaupt der ukrainisch griechisch-katholischen Kirche Vorwürfe von sich, dass die ukrainische Kirche in den militärischen Konflikt der Ostukraine involviert sei. Kritisch äußert sich der Großerzbischof von Kiew, Swjatoslaw Schewtschuk, in seinem Schreiben gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche, die „einer Propaganda der russischen Politik immer ähnlicher“ werde.

In dem Schreiben nimmt Großerzbischof Schewtschuk Bezug auf ein Schriftstück aus Moskau und der russisch-orthodoxen Kirche, welches die griechisch-katholische Kirche als die Verantwortlichen für die aktuelle Ukraine-Krise deklariert und ihnen vorwarf, gewalttätig gegenüber der orthodoxen Geistlichen und Gläubigen zu sein. Bei den Kämpfen in der Ostukraine seien mehrere Geistliche ums Leben gekommen sowie Kirchen und Klöster zerstört, doch anstatt für Frieden zu sorgen, würde Moskau laut Schewtschuk reine „Diffamierung“ der griechisch-katholische Kirche und auch anderer Konfessionen betreiben. Diese Fehlinformationen würde die ukrainische Kirche noch mehr in Gefahr bringen vor der den militanten Separatisten, die sich als „Kämpfer des orthodoxen Russlands“ sähen, so der Großerzbischof.

Rückblickend fasst Schewtschuk in dem Brief an die europäischen Bischöfe alle Ereignisse der letzten Monate zusammen, die zu der Eskalation der Situation in der Ost-Ukraine führten. Derzeit befinde sich das Land „im Krieg“, die Ukraine sei einer Destabilisierung ausgesetzt, die von der internationalen Gemeinschaft akzeptiert werde. Terroristische Aktivitäten in den Regionen von Donezk und Lugansk demonstrieren dies. Ein tragischer Beweis für das Leiden in der Ukraine sei der Abschuss der Malaysischen Fluglinie gewesen, der somit auch ein Schlag gegen die internationale Gemeinschaft war. Alle Kirchen haben, laut Schewtschuk, immer dieselbe Meinung vertreten und hätten sich gemeinsam gegen dem Regime von Viktor Janukowitsch ausgesprochen, gegen die Annektierung der Krim und gegen eine Spaltung des Landes. Einige Kirchen des Landes und religiösen Gemeinschaften dienten als „Zielscheibe der Diskriminierung“ und wurden „öffentlicher Gewalt“ ausgesetzt.

Die Minderheit der muslimischen Tartaren seien die größten Opfer der Annektierung der Krim gewesen, sie seien täglich Gefahren ausgesetzt und einige Vertreter der Krim-Tataren mussten ins Exil flüchten. Auch römisch-katholische, griechisch-katholische und orthodoxe Pfarreien des Kiewer Patriarchats sowie auch die jüdische Gemeinde auf der Krim wurden bedroht, erläutert Großerzbischof Schewtschuk. Seit April und Ausrufung der selbst-ernannten Republiken von Donezk und Lugansk, die von Russland geführt und finanziert werde, seien die terroristischen Aktivitäten im Gange. Okkupierung von Behörden, Polizei- und Militärstationen und der Terror gegen die Bevölkerung waren die Folge, so Schewtschuk. Ungefähr tausend Menschen, auch Journalisten und Beobachter der Vereinten Nationen, wurden entführt, einige von ihnen gequält und getötet. Heute gäbe es mehr als tausend zivile Opfer.

Insgesamt wurden drei katholische Geistliche entführt – Pawel Witek, Wiktor Wasovic und Tykhon Kulbaka. Letzter wurde für mehr als 10 Tage in Gefangenschaft gehalten.

Die Behausung des griechisch-katholischen Bischofs in Donezk wurde ausgeraubt, sein Auto beschlagnahmt sowie auch ein Mini-Van der Caritas. Der Hof der griechisch-katholischen Kathedrale in Donezk wurde mit Raketen der Separatisten angegriffen und infolgedessen beschädigt. Die griechisch-katholischen Geistlichen wurden, laut Beschreibungen von Schewtschuk, gezwungen die Umgebung von Donezk zu verlassen und einige bewaffnete Separatisten seien in die Kirche eingedrungen und hätten so das Heiligtum entweiht.

Der Großerzbischof machte in seinem Schreiben auch auf den aktuellen Fall aufmerksam, ein uniertes Frauenkloster der Stadt besetzt. Bereits im Juli hatten alle Ordensfrauen das Kloster aus Sicherheitsgründen verlassen. Protestanten mussten laut dem Großbischof das größte Leid ertragen: die Söhne des Hirtens Alexander Pavlenkio und zwei Diakonen der evangelischen Gemeinde „Metamorphose“ wurden während eines Gebetstreffens entführt und tagelang gefoltert. Ihre Körper wurden in einem Graben in Slowiansk gefunden.

Zusammenfassend erwähnt der Großerzbischof in seinem Schreiben, dass die aktuelle Tragödie alle ethnischen und religiösen Gruppen der Ukraine betreffen. Er bittet um eine kritische Betrachtung der Nachrichten aus russischen Medien über die Lage in der Ostukraine. (rv)

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Nigeria: Boko Haram will ebenfalls einen „Islamischem Staat“

Samstag 23. August 2014 von VH

Kardinal Onaiyekan Seit eineinhalb Jahren sind in Nigeria über 650.000 Menschen vor der Gewalt der islamistischen Sekte Boko Haram geflüchtet. Das teilte nun die UNO mit. Allein an diesem Freitag habe die Terrorgruppe im Nordosten des Landes ein Dorf eingenommen und etwa 11.000 Bewohner vertrieben. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der Erzbischof von Abuja, Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan.

„Boko Haram scheint immer mehr Erfolge zu verzeichnen und erobert ein Dorf nach dem anderen, zum Teil handelt es sich sogar um Kleinstädte. Wir verstehen nicht, weshalb die Armee, die dort präsent sein sollte, jedes Mal abzieht, kurz bevor Boko Haram kommt. Wir warten auf Erläuterungen der Regierung. Mir scheint das sehr peinlich für die unsere Politiker zu sein.“

Noch vor einigen Monaten sorgte eine internationale Kampagne zur Befreiung von entführten Schulmädchen für Schlagzeilen und vor allem für viele Solidaritätsbekundungen für Nigeria. Nun seien vergangene Woche nochmals hunderte Mädchen verschleppt worden, doch die internationale Aufmerksamkeit scheint sich auf andere Krisengebiete verlagert zu haben, so der nigerianische Kardinal.

„Wir wissen nicht weiter. Hinzu kommt, dass in Nigeria selber die Entführungen für politische Zwecke missbraucht werden. Nächstes Jahr finden wichtige Wahlen statt, und die Politiker denken lieber daran, diese schrecklichen Vorkommnisse für ihre Zwecke zu benutzen. Fakt ist, Boko Haram hat eine tiefe Kluft zwischen den Muslimen und den Christen in Nigeria geschaffen, und das beunruhigt mich sehr.“

Boko Haram habe auch einen Bezug zum „Islamischen Staat“ im Irak, so Kardinal Onaiyekan.

„Wenn wir hier in Nigeria hören, was im Irak geschieht, dann sind wir erstaunt und beängstigt, denn dort entsteht das, was Boko Haram seit Jahren versucht ebenfalls einzuführen: ein Islamistischer Staat. Das haben sie bisher bei uns nicht geschafft, aber wir befürchten, dass die Methode dieselbe sein wird: all jene töten, die nicht zu ihnen passen, egal ob Christen oder Muslime.“ (rv)

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Spanien: Kardinal Vallejo O.F.M. begeht 80. Geburtstag

Samstag 23. August 2014 von VH

Kardinal Vallejo Der emeritierte Erzbischof von Sevilla, Carlos Amigo Kardinal Vallejo feiert heute seinen 80. Geburtstag. Er war von 1982 bis 2009 Leiter der spanischen Erzdiözese und gehört zum Franziskanerorden. Papst Johannes Paul II. erhob ihn 2003 in den Kardinalsstand mit Zuweisung der Titelkirche „Santa Maria in Monserrato degli Spagnoli“. Vallejo war von 2002 bis heute Mitglied des Päpstlichen Rates für die Pastorale im Krankendienst. Mit seinem heutigen Geburtstag verliehrt er sein Wahlrecht in einem künftigen Konklave. Das Kardinalskollegium hat somit noch 116 wahlberechtigte Kardinäle bei einer kommenden Papstwahl. (vh)

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Indien: Kardinal gibt vorsichtige Entwarnung

Freitag 22. August 2014 von VH

Kardinal Thottunkal Die ersten Amtshandlungen der neuen Regierung unter dem Hindu-Nationalisten Narendra Modi geben keinen Anlass zur Beunruhigung für religiöse Minderheiten. Das sagte Kardinal Baselios Cleemis Thottunkal, der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz. Er äußerte sich vor Journalisten nach einer Begegnung mit Modi, die er als „herzlich“ schilderte. Der neue Regierungschef wurde am vergangenen 12. Mai ins Amt gewählt. Seither haben sich dem Kardinal zufolge keine Episoden der Gewalt gegen Minderheiten ereignet. Modi habe eine Aussetzung der interreligiösen Gewalt verhängt, „und wir sollten ihm glauben, ohne Verschwörungstheorien anzuhängen“, sagte der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz. Seinerseits habe er den Regierungschef auf die Verfolgung der christlichen Dalit angesprochen. Modi gehört der Hindunationalisten-Partei BJP an, die einzig den Hinduismus als Religion in Indien anerkennen will. Beobachter fürchten eine Neuauflage der großangelegten Christenverfolgung, wie sie sich 2008 im Bundesstaat Odisha (vormals Orissa) zutrug. (rv)

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Vatikan/Irak: Aufruf zum Gewaltstopp an IS-Kämpfer

Freitag 22. August 2014 von VH

Kardinal Rodriguez MaradiagaCaritas Internationalis appelliert an die IS-Kämpfer im Irak, Gewaltakte gegen die Bevölkerung unverzüglich einzustellen. In einem Solidaritätsschreiben an die chaldäische Kirche und die Caritas im Irak wendet sich der Präsident von Caritas Internationalis, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, an die Islamisten, die dabei sind, in dem Land ein Kalifat zu installieren: „Wir rufen die Kämpfer des Islamischen Staates dazu auf, die folgenschweren Gräueltaten an ihren Brüdern und Schwestern einzustellen und auf eine friedliche Gesellschaft hinzuarbeiten, in der alle Menschen – ob Mehrheits- oder Minderheitsgemeinschaften zugehörig – zusammen in Frieden und fruchtbringend leben können“, schreibt der Kardinal in dem Brief, der auf den 15. August datiert ist.

Angst vor Rückschritten im Dialog
In dem Schreiben bringt der Präsident von Caritas Internationalis seine Sorge zum Ausdruck, dass die jüngste Gewaltwelle zu Rückschritten im christlich-muslimischen Dialog führen und die friedliche Koexistenz der beiden Religionsgruppen weltweit und „vor allem im Nahen Osten“ beeinträchtigen könne. Der Kardinal hält jedoch fest, dass die Gewalt im Irak alle Volks- und Religionsgruppen – Christen, Jesiden, Kurden, Shabaks und Mandäer. Die durch Islamisten erzwungene Markierung christlicher Häuser im Irak erinnere freilich an die Judenverfolgung im Nationalsozialismus, deutet der Kardinal an.

Solidarität mit den leidenden Menschen
Kirchen- und Ordensleuten, Caritasmitarbeitern und allen bedrängten Menschen im Irak drückt der Caritas Internationalis-Präsident im Namen des vatikanischen Dachverbandes Solidarität und Nähe aus. Caritas Internationalis arbeite „auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene“ für die Wiederherstellung der Sicherheit, die Wahrung der Menschenrechte und die Unterbindung von Gewalt im Irak, versichert Rodriguez Maradiaga weiter. Der Brief ist an den chaldäischen Patriarchen, Louis Raphael Sako, und den Präsidenten von Caritas Irak, Schlemon Warduni, adressiert. (rv)

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USA: Kardinal Szoka verstorben

Freitag 22. August 2014 von VH

Kardinal Szoka

Der emeritierte Erzbischof von Detroit, emeritierte Präsident der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt und emer. Präsident des Governatorato der Vatikanstadt ist am 20. August in Novi, Michigan verstorben. Edmund Casimir Kardinal Szoka wurde 86 Jahre alt. Im Jahr 1988 erhob ihn Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand mit der Titelkirche „Ss. Andrea e Gregorio al Monte Celio“. Mit seinem Tod umfasst das Kardinalskollegium noch 210 Kardinäle und von diesen sind 117 wahlberechtigt bei einem künftigen Konklave. (vh)

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