Vaticanhistory-News-Blog

Kirchengeschichte bei VH

Archiv für Juni, 2014

Buchtipp: Ulrich Nersinger, Der unbekannte Vatikan

Sonntag 29. Juni 2014 von VH

Der unbekannte Vatikan Ulrich Nersinger, Der unbekannte Vatikan. Eine Besprechung von Gudrun Sailer.

Der deutsche Historiker und Journalist Ulrich Nersinger hat ein neues Buch über den kleinsten Staat der Welt vorgelegt: „Der unbekannte Vatikan“ heißt es, und wie nur wenigen anderen Autoren wurde Nersinger die Ehre zuteil, sein Werk dem Papst persönlich überreichen zu dürfen. Am vergangenen Mittwoch nach der Generalaudienz war es soweit. „Wird gelesen!“, antwortete der Papst auf Deutsch dem hocherfreuten Autor, der danach in unsere Redaktion kam und über sein neuestes Werk sprach.

„Es tauchen ja immer wieder Fragen zum Vatikan auf, aber oft sind die Antworten nicht befriedigend, weil sie mit Fachwörtern versehen sind, die man nicht kennt. Das Buch will versuchen, den Vatikan verständlich darzulegen.“

In 13 Kapiteln geht Ulrich Nersinger dem Innenleben des Vatikanstaates und des Heiligen Stuhles nach. Er schreibt über die historischen Anfänge, das Petrusgrab, über den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhles, die Kardinäle, die Liturgien und Zeremonien der Päpste, das Audienzwesen bis hin zur Feuerwehr, der Schweizergarde und den vatikanischen Münzen und Briefmarken. Als Historiker ist dem aus Eschweiler bei Aachen stammenden Nersinger besonders an den Längsschnitten durch die Zeit gelegen.

„Die Geschichte ist der Lehrmeister, der uns nahebringt, was die Substanz dieser Dinge ist. Das wird heute zu wenig gesehen – man muss einen Blick zurückwerfen und bekommt dann die Antworten für die Zukunft.“

So manche Geste und Entscheidung von Papst Franziskus erstaunt den Historiker schon deshalb nicht, weil er Ähnliches aus der Geschichte bereits kennt. Dass Franziskus darauf verzichtet hat, im Apostolischen Palast zu leben, und stattdessen im vatikanischen Gästehaus Santa Marta dauerhaft Quartier bezogen hat, ist sogar eine vergleichsweise unbedeutende Meldeangelegenheit, bedenkt man, wo überall Päpste in den vergangenen 2000 Jahren schon residierten.

„In den ersten Jahrhunderten war die Residenz, die Wohnung des Papstes, beim Lateran, bei der Bischofskirche der Päpste. Dann war sie für die sogenannte Babylonische Gefangenschaft in Avignon in Südfrankreich, und auch danach ist man zwar in den Vatikan gezogen, hat aber dennoch manchmal außerhalb gewohnt, in Viterbo und anderen Städten rings um Rom herum. Auch als der Hauptwohnsitz der Vatikan war: Man hat im Sommer etwa im Quirinalspalast (in Rom) gewohnt, manche Päpste haben auch im Palazzo Venezia ihre Residenz gehabt. Andere haben kleine Residenzen im Vatikan selbst vorgezogen, die berühmte Casina Pius IV. in den Vatikanischen Gärten etwa. Leo XIII. hat sich einen kleinen Turm erbauen lassen in den Gärten. Und Castelgandolfo war die Sommerresidenz der Päpste, die manche bevorzugt haben, manche aber auch nicht.“

Allgemein gilt: „Mit Franziskus sind Fragen neu aufgetaucht“, sagt der 56-jährige Vatikan-Beobachter.

„Und manche Entscheidungen des Heiligen Vaters bedürfen einer Erklärung, auch einer historischen Besinnung.“

Dabei könne das Buch ein wenig helfen. Als Beispiel nennt der Autor das Almosenamt des Papstes.

„Das Almosenamt des Papstes war für lange Zeit eine Ehreneinrichtung. Zwar gab es dieses Amt immer und auch die Gelder, die dafür eingesetzt wurden. Der jetzige Heilige Vater hat wirklich einen Fokus darauf gerichtet und dieses uralte Amt neu belegt, und ganz aktiv belebt. So dass der päpstliche Almosengeber nicht nur in Rom tätig ist: Er fährt nach Lampedusa und an andere Orte und schaut nach, wo schnelle Hilfe geleistet werden kann.“

Ulrich Nersinger ist bereits mit mehreren Büchern über den Vatikan hervorgetreten, die sich alle durch breite Kenntnis und solide historische Recherche auch in entlegenen Quellen auszeichnen. Darüber, dass er sein neuestes Werk Franziskus persönlich überreichen durfte, freute er sich besonders.

„Ich fand es sehr schön, dass er dann ganz plötzlich ins Deutsche wechselte. Ich habe ihm das Buch versucht, auf Italienisch zu erklären, dann hat er selber gesagt, ah, der unbekannte Vatikan. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass in dem Buch auch die neuen Initiativen, die er setzen möchte, enthalten sind, und dann kam er darauf, dass er hoffe, das könne auch realisiert werden!“

Ulrich Nersinger: „Der unbekannte Vatikan. Media Maria Verlag, Preis: rund 19 Euro. (rv)

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24 Erzbischöfe erhalten das Pallium vom Papst

Freitag 27. Juni 2014 von VH

Pallium 24 Erzbischöfe werden am Sonntag das Pallium vom Papst erhalten. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit. Drei weitere neue Bischöfe werden nicht in Rom anwesend sein. Darunter ist auch der neue Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger, der am Sonntag in der süddeutschen Stadt zum Bischof geweiht wird. Die beiden anderen abwesenden Erzbischöfe stammen aus Malawi und Burma. Auch der Salzburger Erzbischof Franz Lackner erhält am Sonntag in Rom aus den Händen von Papst Franziskus das Pallium als Zeichen seiner Metropolitenwürde. Erzbischof Lackner hatte sein Amt als Erzbischof von Salzburg im vergangenen Januar angetreten.

In der katholischen Kirche ist das Pallium Teil der liturgischen Bekleidung des Papstes und der Erzbischöfe. Ursprünglich war das Pallium ein wollener Mantel, den seit dem 4. Jahrhundert alle Bischöfe bei ihrer Weihe als Symbol ihres Hirtenamtes (des ein Schaf auf den Schultern tragenden Hirten) empfingen. (rv)

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Pille, homosexuelle Partnerschaften, wiederverheiratete Geschiedene: Worüber die Synodenväter reden

Donnerstag 26. Juni 2014 von VH

Vatikan_Schluessel

Der Vatikan hat die Antworten aus den im Vorjahr verschickten Fragebögen zur Familie ausgewertet. Die Ergebnisse sind in das Arbeitspapier eingeflossen, das der kommenden Bischofssynode zur Familienseelsorge im Oktober als Diskussionsgrundlage dient. An diesem Donnerstag wurde dieses Arbeitspapier, das so genannte „Instrumentum Laboris“, im Pressesaal des Heiligen Stuhles vorgestellt. Bei der Lektüre des knapp 90 Seiten starken Textes wird klar, dass sich die Synoden-Teilnehmer mit einer großen Bandbreite heutiger Lebensrealitäten von Familie und familienähnlichen Gemeinschaften in- und außerhalb der Kirche beschäftigen werden: von unehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften über Geburtenkontrolle, Patchworkfamilien, Polygamie, Singles und Alleinerziehenden bis hin zur Frage der wiederverheirateten Geschiedenen und ihr Ausschluss von den Sakramenten.
Auch die Kurznachricht von Papst Franziskus von diesem Donnerstag passt zur Vorstellung des Instrumentum Laboris: „Die Familie ist ein grundlegendes Element für jede nachhaltige Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft“, schriebt der Papst.
Das Arbeitspapier trägt den Titel „Die pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“ und gliedert sich in drei Teile.

„Erster Teil: Heute das Evangelium der Familie vermitteln“

Was in der Bibel über die Familie steht, wissen viele Gläubige einigermaßen. Doch die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie ist weitgehend unbekannt oder, wo bekannt, kaum akzeptiert, heißt es in dem Papier. Oft würden „Teilelemente der christlichen Lehre genannt“ und mit verschiedenen Graden an Widerstand geäußert, so etwa über Verhütung, zweite Ehe, Homosexualität, künstliche Befruchtung. Für den schlechten Informations- und Akzeptanzgrad der kirchlichen Lehre zu diesem Themenfeld machten einige der eingegangenen Bemerkungen auch die Bischöfe verantwortlich, weil diese aufgrund unzureichenden Wissens Themen wie Sexualität und Fruchtbarkeit lieber umschifften. Dort aber, wo die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie gut vermittelt werde, nehme ein Großteil der Gläubigen sie „mit Freude“ an.

Breite Einigkeit besteht darüber, dass die Bildung verbessert werden muss. Besonders bei Jugendlichen sei anzusetzen, „lange bevor sie sich zur Eheschließung anmelden“. Eine Chance biete hier der neue „Wunsch nach Familien, in denen eine treue und unauflösliche Liebe gelebt werden“ kann, ein „echtes Zeichen der Zeit“, wie das Papier registriert. Als besonders hilfreich habe sich das Zeugnis alter christlicher Ehepaare erwiesen. Auch in stark säkularisierten Gegenden empfänden Jugendliche hohe Wertschätzung für solche Eheleute, die auch nach vielen Ehejahren Liebe und Treue füreinander aufbringen.

„Zweiter Teil: Die Familienpastoral angesichts neuer Herausforderungen“

Mit Sorge blickt das Vatikan-Papier auf die immer mehr zersplitternde und in Auflösung begriffene Institution Familie. Gewalt und Missbrauch in den Familien werden benannt, Pädophilie und – „in einigen Regionen“ wie Afrika und Asien – Inzest, Sucht nach Drogen, Alkohol und Pornographie, „welche teilweise gemeinsam in der Familie konsumiert wird“, Glücksspiel, Internet und soziale Netzwerke. Medien tragen nach Darstellung des Arbeitspapiers zumindest eine Mitschuld an der Auflösung der Familie: sie verbreiteten „Anti-Modelle“ mit falschen Werten und seien mit ihrer Allgegenwart „ein echtes Hindernis für den Dialog unter den Familienmitgliedern“. Auch von außen sei die Familie bedroht, so durch einen immer erbitterteren Kampf um den Lebensunterhalt, durch fehlende Jobs oder erzwungene Arbeitsmigration. Die Kirche erwarte sich da vom Staat mehr „Hilfen für die Familien und die Kinder“, etwa in Form von Arbeitsschutzgesetzen, insbesondere für berufstätige Mütter, hält das Papier aus dem Vatikan fest.

Nicht wenige jener katholischen Gläubigen in aller Welt, die den Fragebogen ausfüllten, klagten dem Arbeitspapier zufolge über Missstände in der Kirche, bei Priestern wie Laien, Missstände, die das Vertrauen in die Kirche und ihre Lehre schmälere: Pädophilie durch Kleriker, ein „häufig auffallend wohlhabende(r) Lebensstil der Priester“, ein Widerspruch zwischen ihrer Verkündigung und ihrer Lebensführung, sowie Laien, die ohne Demut auftreten und ihren Glauben „wie in einem Theater“ zur Schau stellen. „Besonders wird der Eindruck unterstrichen, dass getrennt Lebende, Geschiedene oder alleinerziehende Eltern von Seiten einiger Pfarrgemeinden zurückgewiesen zu werden scheinen, sowie das unnachgiebige und wenig sensible Verhalten einiger Priester“. Hier bestehe das Verlangen nach einer „offenen und positiven Pastoral, die in der Lage ist, durch ein glaubwürdiges Zeugnis all ihrer Glieder wieder Vertrauen in die Institution zu schenken.“ Als weitere besonders dornige Herausforderungen für die Familie nennt das Papier Krieg, Migration, Krankheit, esoterische Praktiken und gemischtreligiöse Ehen, in denen der katholische Teil sich besonderen Schwierigkeiten ausgesetzt sieht.

Deutliche Anklänge an Papst Franziskus formuliert das Arbeitspapier im Abschnitt über „die pastoral schwierigen Situationen“. Hinter solchen Situationen „verbergen sich oft Geschichten großen Leids“, aber auch „Zeugnisse echter Liebe“. Die kirchliche Seelsorge müsse diesen Menschen ermöglichen, „gesund zu werden und sich gemeinsam mit der ganzen Gemeinschaft der Kirche wieder auf den Weg zu machen“. Familienpastoral dürfe sich „nicht mit einem legalistischen Blick begnügen“, sondern müsse immer an die Berufung des Menschen zur Liebe erinnern. Als Beispiele „pastoral schwieriger Situationen“ werden die Ehe ohne Trauschein, Geschiedene, Singles und Alleinerziehende genannt. Bei allen diesen Kategorien von Menschen, besonders bei den jungen ledigen Müttern, wie das Papier betont, sei die Kirche dazu aufgerufen, sich ihrer anzunehmen.

Auf vergleichsweise breitem Raum, rund sieben Seiten, widmet sich das „Instrumentum Laboris“ dem in der westlichen Welt vieldiskutierten Problem der wiederverheirateten Geschiedenen. Nicht wenige Menschen in „irregulären Situationen“ – wozu etwa auch die Ehe ohne Trauschein gehört – seien sich nicht im Klaren über ihre Lage, andere dächten fälschlich, auch Getrennte und Geschiedene ohne zweite zivile Ehe seien von den Sakramenten ausgeschlossen. Von jenen, die sich über ihre eigene Lage bewusst seien, litten andererseits viele daran, dass sie die Sakramente nicht empfangen können. Viele fühlten sich „frustriert und ausgegrenzt“ und empfänden sich für ihre Lebenssituation von der Kirche auch noch bestraft. Einige Bischofskonferenzen hätten angeregt, dass die Kirche „sich selbst jene pastoralen Instrumente gibt“, die es ihr erlauben, mehr „Barmherzigkeit, Güte und Nachsicht im Hinblick auf die neuen Verbindungen üben zu können“.

Besonders in Europa und Lateinamerika gingen wiederverheiratete Geschiedene mit ihrem Problem zu einem Priester, in der Hoffnung, von ihm wieder zu den Sakramenten zugelassen zu werden. Bei abschlägiger Antwort entfernten sich manche Gläubigen dann von der Kirche. Aber: „In verschiedenen, nicht nur europäischen Ländern, reicht diese individuelle Lösung vielen Menschen nicht. Sie wollen eine öffentliche Wiederzulassung zu den Sakramenten von Seiten der Kirche“, referiert das Arbeitspapier. Diese Gläubigen hätten offenbar Schwierigkeiten anzuerkennen, dass ihre Situation in der Kirche als irregulär gilt. Einige Antworten aus den Fragebögen hätten lobend auf die orthodoxen Kirchen verwiesen, die den Weg zu einer zweiten oder dritten Ehe mit Bußcharakter öffnen, wobei diese Praxis die Zahl der Scheidungen nicht mindere.

Außerdem referiert das Arbeitspapier den Wunsch nach einer Vereinfachung und Beschleunigung der kirchlichen Eheverfahren, vulgo „Ehe-Annullierungen“. Andere wiederum hätten die Sorge geäußert, dass effizientere Verfahren die irrige Vorstellung einer „Scheidung auf katholisch“ beförderten.

Auf jeden Fall gelte für die Seelsorge an Menschen in schwierigen persönlichen Lebenslagen: die Kirche dürfe „sicher nicht die Haltung des Richters einnehmen, der verurteilt, sondern die einer Mutter, welche ihre Kinder immer annimmt“.

Mit Blick auf homosexuelle Lebensgemeinschaften registriert das vatikanische Arbeitspapier sehr verschiedene Rahmenbedingungen je nach geographisch-kultureller Region. Gläubige in Mittel-Ost-Europa beispielsweise empfänden die Anerkennung der sogenannten „Homo-Ehe“ durch ihre Staaten als „Auferlegung“ einer fremden Kultur. Alle Bischofskonferenzen hätten bekundet, man suche nach einem Gleichgewicht zwischen kirchlicher Lehre über die Familie und einer „respektvollen, nicht verurteilenden Haltung“ gegenüber Menschen in homosexuellen Beziehungen. In Ländern, die solche Verbindungen gesetzlich anerkennen, „äußern sich viele Gläubigen zu Gunsten einer respektvollen und nicht verurteilenden Haltung gegenüberdiesen Menschen, sowie zu Gunsten einer Pastoral, die sie annimmt“; das bedeute nicht, dass diese Gläubigen eine Gleichstellung zwischen der Ehe und den homosexuellen Verbindungen wünschten.

Andere sorgten sich, ein besonderes kirchliches Augenmerk auf Homosexuelle könnte „als eine Anerkennung ihrer Partnerschaften verstanden werden“. Jedenfalls zeigten die Fragebögen, dass es in der Weltkirche heute „noch keinen Konsens hinsichtlich der konkreten Art und Weise“ gibt, wie Menschen in homosexuellen Verbindungen anzunehmen sind. Viele Antworten in den Fragebögen wünschten sich eine „theologische Bewertung“ der Homosexualität. Immer drängender stelle sich auch die Herausforderung der Sexualerziehung in der Familie und in den Schulen.

„Dritter Teil: Die Offenheit für das Leben und die erzieherische Verantwortung“

Pille, Kondom, natürliche Verhütungsmethode: Viele Gläubigen empfinden die „moralische Wertung der unterschiedlichen Methoden der Geburtenregelung“ als „Einmischung in das Intimleben“, hält das Papier unumwunden fest. Nicht wenige Katholiken sähen den Unterschied zwischen „natürlichen“ und „künstlichen“ Methoden der Verhütung überhaupt nicht, und viele thematisierten ihre Praxis der Empfängnisregelung nicht mehr bei der Beichte. Generell werde die Lehre der Kirche „vorschnell als rückständig abgelehnt“, ohne sich mit dem christlichen Menschenbild auseinanderzusetzen.

Ein Zusammenhang, der klar aus den beantworteten Fragebögen aufscheine, sei der zwischen der Offenheit für Kinder und sozialen und Arbeitsmarktfragen. Deshalb gebe es auch eine „zivile Verantwortung der Christen, Gesetze und Strukturen zu fördern“, die eine positive Haltung zu Kindern fördern.

Kinder zu erziehen, ist – so fasst das Papier weiter zusammen – „erstrangige Verantwortung der Eltern“, die der Staat anzuerkennen und zu fördern habe. Das „Instrumentum Laboris“ geht hier nochmals auf die religiöse Erziehung von Kindern aus Familien ein, die in „irregulären Situationen“ leben. Auch religiös gleichgültige Getaufte bitten oft um Taufe und Erstkommunion der Kinder, äußern aber dann „Zurückhaltung und Desinteresse“ für die begleitenden Katechesen. Allerdings sei auch der gegenteilige Fall zu beobachten, dass eine solche verstärke Hinwendung im Zug einer Vorbereitung zur Taufe eines Kindes dann zur Neuentdeckung des Glaubens führe. Jedenfalls brauche die pastorale Tätigkeit „eine Erneuerung, Kreativität und Freude, um wirksamer und anregender zu sein“, wenn es um mehr wechselseitige Durchdringung zwischen Ausbildung der Kinder und Glaubensbildung der Eltern geht.

Im Oktober 2014 findet im Vatikan die erste von zwei Bischofssynoden über Familienseelsorge statt; die zweite – eine Generalversammlung der Synode – folgt ein Jahr darauf. Sie soll vom 4.-25. Oktober 2015 unter dem Titel „Jesus Christus offenbart das Geheimnis und die Berufung der Familie“ stattfinden, wie der Generalsekretär der Bischofssynode, der italienische Kardinal Lorenzo Baldisseri, an diesem Donnerstag bekanntgab. Unter seiner Regie wurde das „Instrumentum Laboris“ für die Bischofssynode im kommenden Oktober zusammengestellt. (rv)

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Haiti: Kirche überall im Land aktiv

Donnerstag 26. Juni 2014 von VH

Langlois Eigentlich hat Haiti, das wohl ärmste Land der westlichen Hemisphäre, schon Probleme genug: Armut, Kriminalität, die Folgen des verheerenden Erdbebens vor vier Jahren, das über 200.000 Todesopfer forderte. Aber in den letzten Monaten kam zu allem Überfluss noch eine schwere politische Krise hinzu. Diese konnte jetzt gelöst werden – mit der Vereinbarung, im Oktober Wahlen abzuhalten. Der Mann, der diese Lösung mit den streitenden Parteien ausgehandelt hat, ist der neue Kardinal von Haiti, Chibly Langlois. Papst Franziskus hatte den Erzbischof von Les Cayes zur allgemeinen Überraschung zu Jahresbeginn in seinen Kardinalssenat aufgenommen. Über die Lage in Haiti sagte Langlois zu Radio Vatikan:

„In sozialer Hinsicht haben die Menschen unglaubliche Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Viele Familien leiden und machen große Härten durch. Das macht die Verantwortung der Regierenden und der Behörden umso größer: Sie sollten eigentlich alles tun, um dem Land aus dieser Lage herauszuhelfen.“

Massendemonstrationen in der Hauptstadt Port-au-Prince haben in den letzten Monaten immer wieder den Rücktritt von Präsident Michel Martelly gefordert. Sie werfen ihm vor, Hilfsgelder für den Wiederaufbau verschleudert zu haben. Einige Male trieben Sicherheitskräfte die Demonstranten mit Gewalt auseinander. Die Kirche kann sich nicht an die Stelle der Politik setzen. Aber sie muss damit umgehen, dass kaum eine Institution auf Haiti soviel Vertrauen in der Bevölkerung genießt wie sie.

„Natürlich ist die Kirche überall im Land präsent – von den Pfarreien bis hin auf die Ebene der Caritas, der Schulen, des Engagements für Gerechtigkeit und Frieden. Wir stehen an allen Fronten! Und natürlich engagieren wir uns auch bei den politischen Akteuren – so konnten wir jetzt mithelfen, dass sie sich einmal an einen Tisch setzen und sich eine gemeinsame Lösung für die politische Krise ausdenken. Wahlen sind in unserem Land jetzt nötig, und uns allen liegt sehr daran, jetzt im Land keine Dauerkrise zu bekommen. Die Kirche steht also im Dienst der Gesellschaft, im Dienst der Behörden – damit man wirklich mithelfen kann, das Leben der ganzen Gesellschaft zu verändern.“

Der Kardinal betont, dass die Kirche sich nach dem Erreichen der politischen Übereinkunft jetzt nicht zurückzieht, sondern die Umsetzung begleiten und auch überwachen will. Er weiß, dass viele weiterhin unzufrieden sind mit dem Erreichten: Oppositionspolitiker hatten mehr erhofft, viele Haitianer fordern immer noch den sofortigen Rücktritt des Präsidenten. Aber Chibly Langlois hofft, dass sich der gute Wille durchsetzt. Zu den Massendemonstrationen in Port-au-Prince sagt er:

„Die Verteilung von Geldern und Ressourcen war immer schon umstritten in Haiti. Es fehlt an einem Sinn für das Gemeinwohl, das ist einer der Hauptgründe, warum so viele Menschen im Land leiden. Die Verantwortlichen müssen schon genau darauf achten, dass bei der Verteilung der Gelder im Land die Armen nicht zu kurz kommen – die Mehrheit der Menschen im Land ist arm.“

Vier Jahre nach dem Erdbeben gibt es noch unglaublich viel wieder aufzubauen, sagt der Kardinal.

„Wir haben noch nicht eine einzige Kirche in der Hauptstadt wieder aufgebaut in diesen Jahren – immer noch werden Untersuchungen gemacht und Mittel organisiert. Dabei müssten nicht nur Kirchen, sondern auch Pfarrhäuser und Schulen wieder entstehen. Wichtiger ist aber noch, dass sich die wirtschaftliche Lage so vieler Familien nach dem Erdbeben noch verschlimmert hat, die wirtschaftliche Lage Haitis hat sich verschlechtert. Wir tun als Kirche, was wir können, aber wir haben natürlich nur sehr begrenzte Mittel.“ (rv)

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Legionäre Christi bekommen einen vatikanischen Assistenten

Mittwoch 25. Juni 2014 von VH

Legionäre Christi Der Vatikan wird den Erneuerungsprozess der „Legionäre Christi“ mit einem externen Assistenten begleiten. Das bestätigte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Mittwoch. Der Generaldirektor der Ordensgemeinschaft, Eduardo Robles Gil, hatte bereits am Montag in einem Videointerview bekannt gegeben, dass es einen solchen Assistenten geben werde. Der neue Beauftragte des Vatikans werde den Neuaufbau der Gemeinschaft unterstützen, ohne aber in die Belange des Ordens einzugreifen, bestätigte Lombardi in der Erklärung von diesem Mittwoch. Näheres dazu wird offenbar Anfang Juli bekanntgegeben: Am 3. Juli werde eine Vatikandelegation den Zentralsitz der Ordensgemeinschaft besuchen. Die Visite des Präfekten und Sekretärs der vatikanischen Ordenskongregation, Kardinal João Braz de Aviz, und von Erzbischof José Rodríguez Carballo sei ein „Zeichen brüderlicher Nähe“, so Lombardi. (rv)

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Vatikan: Finanzabkommen mit Argentinien

Mittwoch 25. Juni 2014 von VH

AIF Der Vatikan hat mit Argentinien ein Abkommen zum gemeinsamen Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung geschlossen. Das teilte der vatikanische Pressesaal am Dienst mit. Man hoffe auf eine für beide Seiten ertragreiche Zusammenarbeit mit Argentinien, sagte René Brülhart, der aus der Schweiz stammende Leiter der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF. Diese hatte das Abkommen mit ihrem argentinischen Pendant geschlossen. Es handelt sich um ein „Memorandum of Understanding“, eine standardisierte Praxis, die den Informationsaustausch zwischen den zuständigen Behörden der beteiligten Länder regelt und so gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung vorgeht, heißt es in der Vatikan-Erklärung. Das Modell geht auf die „Egmont Group“ zurück, eine weltweit agierende Organisation für Finanzinformation. Das AIF ist der Egmont Group im Juli 2013 beigetreten. (rv)

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Kardinal Kasper „enttäuscht“ und „entsetzt“ über EKD-Papier

Dienstag 24. Juni 2014 von VH

Kardinal Walter Kasper Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper kritisiert scharf das jüngste Dokument der Evangelischen Kirche Deutschlands, kurz EKD, zum Reformationsjubiläum. Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 werde darin „mit keinem Wort auch nur erwähnt“, so Kasper. Das habe ihn „enttäuscht“, und die Art und Weise, wie die „von vielen Seiten geäußerte Kritik“ zurückgewiesen wurde, habe ihn „entsetzt“. Kasper war bis 2010 als Präsident des vatikanischen Einheitsrates der Ökumene-Verantwortliche des Vatikans; er äußerte sich an diesem Dienstag schriftlich gegenüber Radio Vatikan.

Wörtlich schreibt Kardinal Kasper: „Sind wir in Deutschland wirklich so weit, dass die bloße Erwähnung eines wichtigen ökumenischen Dokuments für die Gemeinden in der EKD eine Belastung darstellt? Sollte das wirklich die Meinung der EKD sein, dann muss sie sich fragen, ob sie noch als ein ernsthafter ökumenischer Partner gelten will.“ 2017 wollen die Kirchen der Reformation den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther in Wittenberg begehen. Mitte Mai 2014 hat die EKD dazu ein Grundlagenpapier mit dem Titel „Rechtfertigung und Freiheit“ veröffentlicht, das von einer Kommission des Rates der EKD unter Leitung von Professor Christoph Markschies erstellt wurde.

„Nationalkirchliche Eigenbrötelei“

Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 bedeutet einen ökumenischen Meilenstein, weil sie in einem zentralen Streitpunkt der Reformation einen Konsens herstellte. Dass sie im neuen EKD-Text nicht vorkommt, nennt Kardinal Kasper „nicht nur eine Absage an den katholischen Partner, sondern ebenso an den Lutherischen Weltbund, der dieses Dokument aufgrund eines Magnus consensus der weltweiten Lutherischen Kirchen durch den damaligen Präsidenten, ein deutscher Landesbischof, unterzeichnet hat“. Der Weltbund habe es unlängst in einer gemeinsam mit dem vatikanischen Einheitsrat veröffentlichten Erklärung zum Reformationsjubiläum „nochmals ausführlich positiv gewürdigt“, betont Kasper. Er weist auch darauf hin, dass der Weltrat der methodistischen Kirchen sich die Gemeinsame Erklärung 2006 in Seoul/Südkorea zu eigen gemacht habe. „Die Anglikanische Gemeinschaft hat sich ebenfalls grundsätzlich positiv geäußert, und bei meinem jüngsten Aufenthalt in den Vereinigten Staaten vor wenigen Wochen ist mir von allen Seiten nichts anderes gesagt worden“, so der Kardinal.

Wörtlich fährt Kasper fort: „Der Kritik namhafter evangelischer Reformationshistoriker, das Papier der EKD sei eine dogmatische Geschichtsdeutung, kann man aus katholischer Sicht nur zustimmen. Vielleicht sollten wir im Blick auf 2017 statt nationalkirchlicher konfessionalistischer Eigenbrötelei gemeinsam der im Guten wie im Schlechten gemeinsamen Geschichte der letzten 500 Jahre nachgehen, um uns gemeinsam den gemeinsamen heutigen Herausforderungen zu stellen.“ (rv)

Ein aktuelles Thema zu einem Pilotprojekt der evangelischen Kirche bei PI-News: >>> Unfassbar: Muslime unterrichten christliche Religion an Hamburger Schulen

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Economist: „Papst stellt die richtigen Fragen“

Montag 23. Juni 2014 von VH

EconomistPapst Franziskus stellt, was die Weltwirtschaft angeht, „die richtigen Fragen“ – „wie das Kind“ im Märchen, „das feststellt, dass der Kaiser nackt ist“. Das schreibt der britische „Economist“, eine der führenden Wirtschafts- und Finanzzeitungen, an diesem Montag. Ein Kommentar der Zeitung analysiert das Interview, das Franziskus unlängst einem spanischen Blatt gegeben hatte. Zwar wirke es „ultraradikal“, wenn der Papst einen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Krieg behaupte; an dieser Stelle folge er Lenin, und hier lasse sich ihm widersprechen. Denker wie Joseph Schumpeter oder Karl Popper hätten vielmehr festgestellt, „dass der Kapitalismus den Frieden konsolidieren kann, weil er nicht-gewaltsame Möglichkeiten zur Stillung der Bedürfnisse der Menschen bietet“.

Trotzdem habe der Papst recht, so der „Economist“: „Franziskus tut nicht so, als wäre er ein akademischer Philosoph, ein Politik- oder Wirtschaftswissenschaftler; er ist eine eher intuitive Person, und seine Intuitionen sind häufig fundiert. So beobachtet er an einigen Orten etwas, was er ‚Götzenkult des Geldes’ nennt, und an anderen Orten gleichzeitig hungernde Kinder. Und er ist bestürzt über die Jugendarbeitslosigkeit, die er als Vergeudung menschlichen Talents und menschlicher Energie wertet. Daraus schließt er, dass die Wirtschafter in etwas versagt haben müssen. Vielleicht bietet Franziskus nicht alle Antworten oder alle richtigen Diagnosen, aber er stellt die richtigen Fragen.“ (rv)

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Seehofer traf Franziskus und Benedikt XVI.: „Sie geben der Kirche neuen Schwung“

Montag 23. Juni 2014 von VH

Papst Benedikt XVI.Gleich zwei Päpste an einem Tag: der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat an diesem Montagmorgen Papst Franziskus und im Anschluss den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan getroffen. Es ist das sechste Mal, dass Seehofer den Vatikan besucht. Mit Franziskus sprach er über die aktuelle internationale Lage. Mit Benedikt stand die Heimat Bayern im Mittelpunkt – im Rahmen eines privaten Gesprächs. Die Frage, ob der emeritierte Papst jemals wieder in den Freistaat zurückkehren werde, habe Benedikt ihm gegenüber deutlich verneint, sagte Seehofer im Anschluss gegenüber Radio Vatikan. Beim Treffen mit Franziskus sei es hingegen um sozialpolitische Fragen gegangen, so Seehofer:

„Das lag mir persönlich sehr am Herzen. Aber ich denke vor allem auch ihm, weil das ja bisher seine Arbeit prägte. Es ging also um den Einsatz für die Schwachen, die Ablehnung von (ungezügeltem, Anm.) Kapitalismus in jeder Form und die ethische Verantwortung der Wirtschaft für das Schicksal der Menschen. Ich habe deutlich gemacht, dass ich mir eine Kirche wünsche, die selbstbewusst und stark ist und die die Grundwerte unserer Gesellschaft – die ja zeitlos und weltweit gelten – immer wieder anmahnt und einfordert.“

Zwar habe sich Papst Franziskus nicht spezifisch auf bayerische oder insgesamt politische Standpunkte in Deutschland bezogen oder diese kritisiert, so Seehofer. Er sei aber auf das Thema Flüchtlingspolitik eingegangen – ein Thema, das in ganz Europa heiß diskutiert werde, so Seehofer:

„Franziskus hat seine Standpunkte diesbezüglich sehr klar geäußert. Auch hier geht es ihm um das Schicksal der Menschen. Natürlich wird man ihm beim Fall Syrien sofort zustimmen – wir haben ja auch immer einer Erhöhung der Flüchtlingskontingente aus Syrien zugestimmt. Wenn es dann um ein Land wie Serbien geht, schaut es schon wieder anders aus. Wenn ein solches Land der Europäischen Union beitreten will und pausenlos versichert, es gibt keine Verfolgung etc. und es dann doch Verfolgungen gibt, mit der Gefahr für Gesundheit und Leben, dann ist das ein klassischer Fall von Gesinnung und Verantwortung.“

Bayern und Deutschland hätten also auch solchen Menschen gegenüber eine Verantwortung, so Seehofer.

Papst Franziskus und der emeritierte Papst Benedikt XVI. gäben der Kirche neuen Schwung, urteilt Seehofer. Die habe er selbst beim diesjährigen Katholikentag in Regensburg miterlebt, und er habe dies Papst Franziskus auch mitgeteilt. Benedikt XVI. habe er „Neues aus der Heimat“ überbracht. Seehofer:

„Ich wollte ihm eigentlich das Schöne erzählen und zwar, dass wir bei den Wahlen im vergangenen September sehr gut gewonnen haben. Aber er hat wie aus der Pistole geschossen sofort geantwortet, dass wir (von der CSU, Anm.) ja bei der Europawahl verloren haben. Das hat wieder gezeigt: Wie in den Gesprächen, die wir früher schon hatten, ist er voll da. Benedikt ist umfassend informiert über seine Heimat. Er hat eine ganz sympathische und humorvolle Art und Weise, ein Gespräch zu führen. Das empfand ich als sehr entspannt. Der emeritierte Papst schaut dankbar auf sein Lebenswerk, das ist zumindest meine Schlussfolgerung. Das gilt auch für seine Überzeugung von der Richtigkeit seiner Entscheidung, vom Papstamt zurückzutreten.“ (rv)

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Große Papstmesse in Sibari: Mafia ist exkommuniziert

Sonntag 22. Juni 2014 von VH

Papst Franziskus

Sie war der Abschluss und der Höhepunkt dieser Papstreise nach Kalabrien: die Messe von Franziskus auf dem Freigelände von Sibari. Tausende von Menschen – ein Meer an bunten Schirmen und Fahnen – waren dazu aus ganz Kalabrien und den umliegenden Regionen angereist, per Bus oder mit dem Auto, an diesem sonnigen Samstagnachmittag. Freiwillige teilten Wasserflaschen aus. Die Messe startete pünktlich, obwohl Papst Franziskus noch einen spontanen Besuch bei einem kranken Mädchen in dem Ort Pantano Rotondo, auf seinem Weg nach Sibari abgestattet hatte. Der Papst feierte die Messe zum Hochfest Fronleichnam und mahnte vor der Anbetung des Bösens und der Mafia, die kein Teil der katholischen Gemeinde sei.

Das Evangelium wurde auf griechisch vorgetragen – eine kleine Erinnerung daran, dass viele Städte in Kalabrien ab dem 8. Jahrhundert vor Christus von griechischen Siedlern gegründet worden sind. Noch heute gibt es in Kalabrien einen Dialekt mit altgriechischen Einsprengseln. In seiner Predigt betonte der Papst vor allem zwei Aspekte des Festes: die Anbetung Gottes und die Tatsache, dass er uns begleitet.

„Zunächst einmal sind wir ein Volk, das Gott anbetet. Wir bewundern ihn. Er ist Liebe, er hat sich uns in Jesus Christus selbst gegeben, er hat am Kreuz für unsere Sünden gebüßt und ist in der Kraft dieser Liebe vom Tod auferstanden, um in seiner Kirche zu leben. Wir haben keinen anderen Gott als diesen! … Wenn die Bewunderung für Gott mit der Bewunderung für das Geld ersetzt wird, dann öffnet sich die Straße der Sünde, der Eigeninteresse, und der Unterdückung. Wenn man nicht Gott anbetet, dann wird man das Böse anbeten.So wie es auch diejenigen tun, die von Gewalt und Kriminalität leben. Euer Land, so schön es ist, kennt die Zeichen dieser Sünde. Die Mafia (Ndrangheta) ist genau das – die Bewunderung des Bösen, die Missachtung des Gemein wohls. Gegen dieses Böse muss angekämpft werden. Man muss Nein sagen.“

Christen sollen nichts und niemanden in dieser Welt anbeten außer Jesus Christus, der in der heiligen Eucharistie anwesend ist ,so der Papst.

„Diejenigen, die den falschen Weg wählen, wie auch die Mafiosi, sind nicht in der Kommunion mit Gott. Sie sind exkommuniziert.“

Der Glaube an die reale Präsenz Jesu im eucharistischen Brot und Wein sei „nicht echt, wenn wir uns nicht darum bemühen, ihm zu folgen und mit ihm zu gehen“, so der Papst. Das Volk, das Gott anbete, sei das Volk, das „in der Liebe vorangeht“. Als Bischof von Rom wolle er die Menschen „nicht nur im Glauben stärken, sondern auch in der Liebe“, sagte Franziskus. Er ermutigte seine Zuhörer „zu einem Lebensstil, der die Bedürfnisse der Armen und Letzten in den Mittelpunkt stellt“, und mahnte die Behörden, „dem Gemeinwohl zu dienen“.

„Euch jungen Leuten sage ich immer wieder: Lasst euch die Hoffnung nicht rauben! Wenn ihr Jesus in euren Herzen anbetet und mit ihm vereint bleibt, dann werdet ihr euch dem Bösen, der Ungerechtigkeit, der Gewalt entgegenzustellen wissen, mit der Kraft des Guten, des Wahren und des Schönen.“

In seiner Begrüßungsrede an den Papst meinte Ortsbischof Galantino, die Kirche sei „tief in Kalabrien verwurzelt“, nehme also lebhaften Anteil an den „Licht- und Schattenseiten der Region“. Zu diesen Schattenseiten zählte er die Mafia, „die jedes Wachstum hier, nicht nur das wirtschaftliche, behindert“. Die Mafia nähre sich, so der Bischof, „nicht nur von Geld und faulen Geschäften, sondern auch von den eingeschlafenen und stillschweigenden Gewissen der Menschen“. Diese Gewissen müssten jetzt „wieder wachgerüttelt werden“. (rv)

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