Die Sommerpause im Vatikan

VatikanplatzWährend des gesamten Monats Juli wird es weder die Morgenmessen des Papstes in der Vatikankapelle Santa Marta geben noch Generalaudienzen auf dem Petersplatz. Das gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt. Im August wird der Papst die Generalaudienzen wieder aufnehmen, die Ausnahme bildet der 13. August, wenn der Papst sich bereits auf dem Weg nach Südkorea befindet. Die Morgenmessen wird der Papst im September wieder aufnehmen. Das Angelusgebet dagegen wird weiterhin jeden Sonntag von Papst Franziskus auf dem Petersplatz gebetet werden. (rv)

Kongo: Massenvergewaltigungen dauern immer noch an

KongoVergewaltigung als Kriegswaffe – darüber sprechen derzeit in London Fachleute bei einem hochrangig besetzten Gipfel. Großbritanniens Außenminister William Hague hat dazu eingeladen, Papst Franziskus hat eine Botschaft geschickt, und über tausend Vertreter aus 117 Ländern nehmen daran teil, darunter die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie. Neben den Fachleuten sind auch Überlebende, Zeugen, Ärzte und Soldaten anwesend.

Hunderttausende Frauen von Bosnien über Darfur, Ruanda, Sierra Leone und Kongo haben durch gezielte Massenvergewaltigungen unaussprechliches Leid und Stigmatisierung erlitten, während die Täter meist straffrei bleiben. Im Kongo werden stündlich immer noch 48 Frauen vergewaltigt. Die Kirche kämpft seit dem Aufkommen dieser neuartigen Kriegswaffe an der Seite der Opfer – auch der potentiellen Opfer. Wir haben mit Schwester Victoria Chiharhula gesprochen, einer Missionarin Unserer Lieben Frau von Afrika aus der Demokratischen Republik Kongo. Sie setzt sich im Ost-Kongo seit 15 Jahren für mehrfach vergewaltigte Frauen ein.

„Die Methodik, die Böswilligkeit, mit der diese Gewaltakte verübt werden, zeigen, dass hinter solchen Massenvergewaltigungen heute eine Strategie steckt. Wir haben Opfer gesehen im Alter zwischen eineinhalb und 75 Jahren. Die Männer gehen in ein Dorf rein und vergewaltigen systematisch. Nachdem sie die Frauen vergewaltigt haben, zerstören sie ihre Geschlechtsorgane. Sie schneiden sie auf, mit Säbeln, Messern, Ästen, Gewehren. In den letzten Jahren ist Säure dazugekommen. Sie verätzen damit die Geschlechtsorgane der Frauen. Dahinter steckt der Wille, ein Volk zu eliminieren, denn wenn man Frauen zerstört, zerstört man Leben.“

Im Ost-Kongo sei die Massenvergewaltigung von Frauen durch die Niederlage der Rebellenbewegung „M23″ nur leicht zurückgegangen, sagt Schwester Victoria. Rund 15 weitere Gruppen bewaffneter Kämpfer seien vergewaltigend unterwegs. Manchmal werde eine vertrieben, dann kämen die Männer zurück und ließen sich an den wehrlosen Frauen aus.

„Der Kern des Verbrechens ist die Straflosigkeit! Und wer von Straflosigkeit spricht, spricht von Korruption. Denn diese Verbrecher lässt man nur laufen, weil sie bezahlt haben.“

Das wiederum lässt sich nur durch die Verstrickungen der diversen Rebellengruppen in Geschäfte mit Bodenschätzen erklären.

„Diese Gruppen kontrollieren die Straßen und die Minen. Bei allen Kämpfen in der Region Ostkongo geht es letztlich um die Herrschaft über die Minen. Solange die Gruppen nicht entwaffnet sind, wird die sexuelle Gewalt andauern. Die erste Sache, die zu tun wäre, ist die Straflosigkeit zu bekämpfen, indem man die Regionalregierung zwingt, das Gesetz anzuwenden: Das Gesetz existiert, aber es wird nicht angewandt. Zweitens müssen die Soldaten bezahlt werden. Und drittens muss man auf lokaler Ebene ansetzen, bei Bildungsprogrammen. Auch die Kirche hat hier Verantwortung, sie muss in Seelsorgeoffensiven sicherstellen, dass die Würde jedes Menschen anerkannt wird. Tut man das nicht, riskiert man, dass diese traumatisierten Menschen in zwanzig Jahren selbst zu Folterknechten werden.“ (rv)

Bischofssynode in Rom: Die Logik des Zuhörens

Kardinal BaldisseriEs ist ein Paradigmenwechsel in der Methodik: So charakterisiert der Sekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, die Vorbereitungen für die Debatten zu Ehe und Familie hier im Vatikan. Im Oktober dieses Jahres und dann wieder im Oktober des kommenden Jahres werden Versammlungen der Bischofssynode zu diesen Themen tagen. Ein Doppelereignis, wie Baldisseri vor den in Lissabon versammelten Pressesprechern der Bischofskonferenzen Europas erklärte.

Es sind nicht etwa zwei getrennte Synoden, erklärte Baldisseri, sondern „zwei Momente desselben Ereignisses“. Die erste Versammlung (eine außerordentliche) wird eine Bestandsaufnahme vornehmen und die Fragestellungen klären. Sie arbeite auf Basis der Fragebögen, welche mit dem Vorbereitungsdokument im vergangenen Oktober versandt worden waren. Auf Grundlage der Antworten sei ein Methodendokument erstellt worden, das so genannte Instrumentum Laboris.

Die zweite Versammlung im kommenden Jahr werde dann gültige Vorgehensweisen für die Pastoral erarbeiten.

Kardinal Baldisseri nannte in seiner Ansprache eine ganze Reihe von Problemen, die durch die Fragebögen rückgemeldet worden seien: Interreligiöse Familien oder Familien mit verschiedenen Konfessionen, alleinerziehende Eltern, Polygamie, Polyandrie, arrangierte Ehen oder der „Kauf“ von Bräuten, das Kastensystem, Fehlformen in der Wahrnehmung von Mann und Frau, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und damit einhergehend die Frage von deren Adoptionsrecht, Leihmutterschaft und viele andere Punkte. Vor allem müsse für die Kirche aber die Schwächung oder gar Aufgabe des Glaubens an die Sakramentalität von Ehe und Vergebung (Sakrament der Buße) ein Anliegen sein.

Papst Franziskus wolle von der Kirche, dass sie voran gehe, so Baldisseri. Dieses Vorangehen setze voraus, dass man zuerst auf das Wort Gottes, dann aber auch auf die Sorgen und Probleme der Menschen höre. Die dadurch entstehende Logik sei eine Logik des Dienstes, nicht der Macht. Man könne nicht verschweigen, dass diese Methodik einen Paradigmenwechsel darstelle, schloss Baldisseri seinen Vortrag. Sie bringe – wie Papst Franziskus dies wolle – eine Dynamik in die Debatte, aber auch in die Institutionen der Kirche selbst hinein.

Der Vortrag von Kardinal Baldisseri wurde an diesem Samstag im Osservatore Romano veröffentlicht.

Hintergrund

Versammlungen von Bischofssynoden kennen zwei Formen: die außerordentliche, zu der nur die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen kommen, und die ordentliche, zu der auch gewählte Mitglieder kommen. Außerdem gibt es Sonderversammlungen, die sich einzelnen – vor allem regionalen – Themen zuwenden, wie etwa der Kirche in Afrika oder zuletzt im Nahen Osten.

Die außerordentliche Bischofssynode findet in diesem Jahr vom 5. bis zum 19. Oktober im Vatikan statt. (rv)