Papst an Polizisten: „Benachteiligten helfen“

Carabinieri„Jeder Mensch ist von Gott geliebt, ist sein Geschöpf und verdient Aufnahme und Respekt.“ Das hat Papst Franziskus an diesem Montag ausgerechnet Polizisten ins Stammbuch geschrieben. Der Papst empfing den Verband italienischer Carabinieri, der für den Schutz der Zone rund um Sankt Peter zuständig ist. Dabei ging er mit keinem Wort auf Terrordrohungen und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ein; stattdessen legte er den Uniformierten ans Herz, vor allem „benachteiligten Menschen in ihren Schwierigkeiten zu helfen“.

„Ich danke Ihnen sehr für Ihre Arbeit im Dienst der Pilger und Touristen! Das ist eine Aktivität, die Professionalität und Verantwortungsbewußtsein verlangt, aber dazu auch Geduld, Offenheit und Aufmerksamkeit für die Menschen, von denen viele ältere Menschen sind. Das sind nicht leichte Qualitäten…“ Franziskus sagte auch einiges zum laufenden Heiligen Jahr der Barmherzigkeit: Es sei eine gute Gelegenheit zu einer „inneren Reinigung“, die einem dann „auch bei der Ausübung der täglichen Pflichten“ zugute komme.

„Diese geistliche Dimension des Jubeljahres sollte jeden von uns dazu veranlassen, sich zu fragen, wie treu er wirklich den Ansprüchen des Evangeliums gegenüber ist. Der Herr ruft uns zu dieser Treue, einen jeden in seiner Lebenslage… Und das Paradigma, an dem man sich messen sollte, sind die Werke der Barmherzigkeit.“ (rv)

Vatikan: Mehr Aufmerksamkeit für Träger seltener Krankheiten

Erzbischof Zygmunt ZimowskiDer päpstliche Rat für die Krankenseelsorge ruft zu mehr Aufmerksamkeit für Patienten auf, die an seltenen oder vernachlässigten Krankheiten leiden. Ärzte und Pflegepersonal, Forschung und Pharma-Industrie müssten große Sensibilität für die Anliegen der Patienten und ihrer Angehörigen aufbringen, schreibt der Präsident des Rates, Erzbischof Zygmunt Zimowski, in einer Botschaft zum 9. Welttag der Seltenen Krankheiten. Zugleich kündigte er einen vatikanischen Kongress zu dem Thema an. Das Treffen wird von 10. bis 12. November 2016 stattfinden, am Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Die Medizin kennt rund 17.000 genetisch bedingte seltene Krankheiten. Sie sind häufig lebensbedrohlich oder chronisch einschränkend und bedürfen spezieller Therapien. (rv)

Umbrischer Kardinal bereitet Kreuzweg-Meditationen vor

Kardinal BassettiPapst Franziskus hat den Erzbischof von Perugia, Kardinal Gualtiero Bassetti, gebeten, die diesjährigen Meditationen zum Kreuzweg am Kolosseum zu verfassen. Auch dieses Jahr wieder wird der Papst am Karfreitag – es ist diesmal am 25. März – bei der römischen Sehenswürdigkeit beten. Kardinal Bassetti werde in seinen Texten vor allem auf das Thema des Leidens eingehen, verriet der Erzbischof der umbrischen Stadt im Gespräch mit Radio Vatikan. Bei den 14 Stationen wolle er auf das Leiden des heutigen Menschen, der Familien und auf die Verfolgungen hinweisen. Es seien aber nicht einfach „negative Beiträge“, sondern er wolle auch aufzeigen, dass die Liebe und die Vergebung stärker sind als das Leiden.

„Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit ist es klar, dass meine Ausführungen zum Kreuzweg nicht anders aussehen können, als dass ich auf die Liebe und die Versöhnung hinweisen werde“, so Kardinal Bassetti. Er wolle jedoch vor allem auf die Schwierigkeiten der heutigen Familien hinweisen. „Bei der 4. Station, bei der Jesus seine Mutter trifft, war für mich ein sehr tiefgründiger Moment. Das Drama für die Muttergottes ist auch Sinnbild für das Leid der heutigen Familien – also die schwierigen Lebenssituationen, die Jugendarbeitslosigkeit – und das sind Themen, die mir sehr am Herzen liegen und die ich durch alle Meditationsbeiträge verteilt habe. Da geht es um kleine und große Leidensgeschichten der heutigen Menschen und auch die Kirche ist aufgerufen, sich ständig zu reinigen und versöhnt zu sein.“

Wenn er seine Meditationen kurz zusammenfassen müsste, so würde er sagen: „Der Kreuzweg Jesu Christi scheint mir in diesem Jahr vor allem der Kreuzweg der Menschen zu sein und zwar aus folgendem Grund, dass wir alle auf das Licht der österlichen Auferstehung ausgerichtet sind. Das ist die große Botschaft der Hoffnung, die wir weitertragen müssen. Christus ist gestorben und auferstanden, um uns und die Welt zu retten.“

Der Kreuzweg ist die längste der Osterliturgien und dauert beinahe drei Stunden. Der Kreuzweg gilt als stimmungsvollste Liturgie der Karwoche. (rv)

Neuer Ständiger Beobachter in UN-Tourismusbehörde

UNWTOPapst Franziskus hat einen neuen Ständigen Beobachter bei der Welttourismusorganisation ernannt. Der italienische Botschaftsrat Maurizio Bravi wird den Heiligen Stuhl bei der UN-Behörde vertreten. Der Kirchenrechtler ist seit 1995 im diplomatischen Dienst beim Heiligen Stuhl und hat bereits in den Ländern Dominikanische Republik, Argentinien und in den Nuntiaturen von Frankreich und Kanada gewirkt. Ziel der Welttourismusorganisation ist ein nachhaltiger, entwicklungsorientierter Tourismus. (rv)

Buchtipp: Keine Kirche ohne Frauen

Keine Kirche ohne Frauen„Papst Franziskus: Keine Kirche ohne Frauen“ heißt das Werk, das die Radio Vatikan-Redakteurin Gudrun Sailer soeben mit dem Verlag Katholisches Bibelwerk vorgelegt hat. Darin finden sich gesammelt alle Aussagen von Papst Franziskus zu und über Frauen, versehen mit einer längeren Hinführung der Herausgeberin. Wir sprachen mit Gudrun Sailer über ihr Buch und wollten zunächst wissen, was sie am meisten überrascht hat bei dem, was der seit drei Jahren amtierende Papst über Frauen sagt.

„Überrascht hat mich, wie vielfältig und breitgestreut diese Papst-Aussagen waren. Er spricht von einem Mehr an Einfluss, das Frauen bei Entscheidungsprozessen in der Kirche genießen sollten, erklärt aber auch, warum es beim Nein zu katholischen Priesterinnen bleiben wird, er pocht auf die unersetzliche Rolle der Frau in der Familie und fordert im selben Atemzug gleichen Lohn für gleiche Arbeit in der Arbeitswelt; er wünscht sich eine eigene Theologie der Frau, auch eine bessere Wahrnehmung und Einbindung der Arbeit von Theologinnen in das ganze Gebäude der Theologie. Sehr schön, oft poetisch ist, was er über Maria sagt und über einzelne Frauen der Bibel. Die alte Prophetin Hanna zum Beispiel nennt der Papst ohne Umschweife „die erste Verkünderin Jesu“. Da wird wirklich eine große Bandbreite erkennbar. Und auch eine große Wertschätzung für das, was Frauen sind und was sie einbringen.“

RV: Gibt es einen Schlüsselsatz, der die Position von Papst Franziskus zusammenfasst?

„Die Kirche ist weiblich“, vielleicht. Es heißt nicht „der Kirche“, sondern „die Kirche“, und das sagt doch etwas aus, was wir noch nicht recht erkannt haben. Das hat Franziskus mehrfach so und ähnlich gesagt. Und hier wird noch etwas klar: der Papst zeigt in der Frage der Frau in der Kirche viel Offenheit, und zugleich hat er keinen fertigen Marschplan in der Schublade.“

RV: Und wie kann es dann aus Sicht von Papst Franziskus gelingen, den Frauen den ihnen zustehenden Platz in der Kirche einzuräumen?

„Er hat das Feld geöffnet und bittet um Vorschläge. Und das passt als Vorgangsweise gut zu Franziskus. Er berät sich auf breiter Basis, dann entscheidet er. Es sind also jetzt die Katholikinnen selbst aufgerufen, sich einzubringen. Das geht nur zusammen mit den Gemeinden und den Bischöfen, einzelne Bischofskonferenzen – die deutsche und die österreichische zumal – sind da schon weiter als andere. Denn letztlich wird die Frage lokal gespielt, in den Ortskirchen. Aber es ist unerlässlich, dass der Papst die rechten Impulse gibt. Und die gibt er, das ist mir klargeworden, als ich alle seine Reden, Katechesen und Interviews durchgegangen bin auf der Suche nach den Frauen-Zitaten.“

RV: Wie weit oben steht das Thema Frau und Kirche auf seiner Agenda?

„Nicht ganz oben, meinem Eindruck nach, aber es ist unverkennbar, dass er es in seiner Tragweite sieht. Wenn die Kirche die Frauen verliert, dann würde sie das nicht überleben, das ist ein direktes Zitat von Franziskus.“

RV: Im Vorwort legen Sie unter anderem einen Essay vor, eine Einordnung der Papst-Aussagen, auch eine Bestandsaufnahme über Frauen im Vatikan, außerdem eine Art biografische Annäherung an das Thema Päpste und Frauen. Vor kurzem wurde doch bekannt, dass Papst Johannes Paul II. über Jahrzehnte eine sehr enge Freundschaft zu einer polnisch-amerikanischen Philosophin unterhalten hat. Gibt es so etwas auch im Fall von Franziskus?

„Genau diese interessante Frage hat ein Journalist vor einigen Tagen dem Papst auf dem Rückflug von Mexiko gestellt. Franziskus wollte nicht so recht mit der Sprache herausrücken, hat aber sehr schön und sehr klar gesagt: ein Mann, der keine freundschaftliche Beziehung zu einer Frau zu unterhalten kann, dem fehlt etwas. Und das gilt auch und erst recht für Priester. „Wir haben noch nicht das Gute erkannt, das eine Frau dem Leben des Priesters und dem Leben der Kirche zu geben vermag, im Sinne eines Ratschlags, im Sinne einer Hilfe oder einer gesunden Freundschaft.“ Ein Jammer, dass Franziskus das nicht schon vor ein paar Monaten gesagt hat: Es würde die Papst-Zitate in meinem Buch gut abrunden. Ich nenne aber in der Hinführung die „Frauen am Weg des Jorge Mario Bergoglio“, angefangen von der Großmutter, sicherlich die wichtigste Frau in seinem Leben, über das Mädchen, in das er sich als Seminarist verliebte, dann gab es eine Vorgesetzte, die ihn – obwohl Kommunistin – sehr prägte und beeindruckte, und noch einige mehr.“

RV: Viele empfinden es so, dass mit Papst Franziskus in der Kirche ein neues Zeitalter angebrochen ist. Auch wenn das eher für die Haltung als für die Inhalte stimmt: Gilt das auch für die Frage der Frau in der Kirche?

„Franziskus hat in seinen drei Jahren Pontifikat eine Menge Baustellen aufgemacht, zu Recht. Und eine davon ist dieser Akt des Neuauslotens für den Ort der Frau in der Kirche. Ich meine, er kann diese Baustelle nicht abschließen in der Zeit, die er noch hat, aber er hat sie aufgemacht, und das ist mehr, als jeder Papst vor ihm getan hat.“

Papst Franziskus: Keine Kirche ohne Frauen. Herausgegeben von Gudrun Sailer. Verlag Katholisches Bibelwerk, 2016. Rund 15 Euro. (rv)

Päpstlicher Überraschungsbesuch in Drogenklinik

FranzsikusPapst Franziskus hat am Freitagnachmittag überraschend ein Zentrum zur Rehabilitation von Drogensüchtigen in der Nähe von Castelgandolfo besucht. Das gab der Vatikan kurz nach der Visite bekannt. Franziskus sei ohne Eskorte und in Begleitung von Rino Fisichella, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, aufgebrochen. Der Papst hörte die Erzählungen der etwa 60 Bewohner der Einrichtung, umarmte jeden von ihnen und erteilte den Patienten und Mitarbeitern seinen apostolischen Segen. Der Besuch reiht sich ein in eine lose Folge von päpstlichen Stippvisiten am Freitag im Rahmen des Jahres der Barmherzigkeit.

Mit dem Abstecher in Castelgandolfo wollte Papst Franziskus auf das Problem der Drogenabhängigkeit hinweisen und den Patienten der Einrichtung Mut für ihren persönlichen Kampf gegen die Abhängigkeit machen, hieß es. Das „Centro Terapeutico San Carlo di Castel Gandolfo“ wurde 1980 von dem Priester Mario Picchi gegründet. Drei Jahre später kam der heilige Papst Johannes Paul II. zu Besuch. Er hatte der Einrichtung als Sitz eine päpstliche Villa aus dem 16. Jahrhundert geschenkt. (rv)

Tagle: Barmherzigkeit auch von anderen Religionen lernen

Kardinal TagleIm Jahr der Barmherzigkeit muss die katholische Kirche über ihre eigenen Grenzen hinausgehen und Barmherzigkeit auch von anderen Religionen lernen. Das betonte Kardinal Luis Antonio Tagle am Mittwoch bei der Begegnung mit Studenten an der Universität Gregoriana. Wie Ministerpräsident Dieter Althaus war auch Kardinal Tagle bei der Vorstellung des Buchs „Religion and Politics“ des Franziskaners Samuele Sangalli dabei, in dem es um die Rolle von Religion und Religionsfreiheit in der globalisierten Welt geht.

Tagle mahnte bei der Begegnung, die Barmherzigkeit nicht nur gegenüber Kirchenmitgliedern zu leben, sondern gerade auch mit denen, die außerhalb der katholischen Kirche stehen. „Geben wir Zeichen der Barmherzigkeit für den Bruder, die Schwester, den Nachbarn, die Leidenden und Verlassenen. Wenn wir uns die Welt ansehen, nicht nur in Asien, ist dort, wo Ungerechtigkeiten entstehen, ein Mangel an Barmherzigkeit. Die Menschen werden zu Opfern von jenen, die keine Gnade kennen. Während des Heiligen Jahres schauen wir auf sie alle. Sie sind zu Opfern geworden und wir schenken ihnen die Barmherzigkeit, weil wir in ihnen einen Bruder, eine Schwester, einen Nachbarn sehen.“

An die Ränder zu gehen, bedeute auch, die Sphäre der eigenen Religion zu überschreiten, so der philippinische Kardinal. Christen könnten so herausfinden, wie die Barmherzigkeit in anderen Glaubensrichtungen gelebt werde. Und zwar nicht nur in den großen Religionen, sondern auch in den traditionellen indigenen Religionen. Auch diese seien wichtig für den Kampf für Gerechtigkeit, Frieden und den Klimaschutz, findet der Erzbischof von Manila.

Wie Barmherzigkeit in anderen Religionen gelebt werde, könne man etwa am Beispiel buddhistischer Mönche sehen. Sie sammelten in den Städten Essen und stellten es dann für Arme zur Verfügung. Sie fragten also nicht nach Almosen für sich, sondern für die Armen, und nur wenn etwas übrig bleibe, äßen es auch sie. Man könne also von den barmherzigen Werken der anderen Religionen lernen, so der Erzbischof von Manila. In diesem buddhistischen Brauch könnten die Christen Jesus wiedererkennen, auch wenn es sich dabei um eine andere Religion handele. Und Tagle gab noch ein Beispiel dafür, wie Barmherzigkeit zwischen den unterschiedlichen Religionen gelebt werden könne:

„Vor einigen Monaten haben wir ein Flüchtlingscamp in Griechenland besucht. Dort trafen wir einen Jungen aus Syrien, er war ganz allein und wir gaben ihm zu Essen. Er fragte mich auf Englisch: Bist du Muslim? Ich lachte und sagte: Nein. Und während ich weiterging, trafen sich unsere Blicke, es war ein mysteriöser Augenblick. Ich wünsche ihm alles Gute, jede Nacht bete ich für ihn. Ich weiß nicht einmal, wie er heißt. Aber er bekam Brot von einem Nicht-Muslim ausgeteilt und in diesem flüchtigen Augenblick gab es eine Verbindung. Eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die das Leid teilen.“

Tagle, der auch Präsident von Caritas Internationalis ist, wies auf die Glaubenssituation in Afrika hin, wo es viele Misch-Ehen mit unterschiedlichen Religionen gebe. „Eheleute unterschiedlichen Glaubens lernen den barmherzigen Umgang jeden Tag. Die Familie wird zu einer Schule der Barmherzigkeit insbesondere in interreligiösen Familien.“

Diesen Umgang mit anderen Religionen sollten sich Christen zum Vorbild nehmen und lernen, und zwar nicht aus Büchern, sondern durch die persönliche Begegnung. „Machen wir die Religion und Kultur des Anderen konkret, indem wir Freundschaften fördern. Studieren wir Kulturen nicht aus Büchern. Kulturen und Religionen werden von Menschen verkörpert. Also lernen Sie Menschen kennen, sprechen Sie mit ihnen, diskutieren Sie, weinen und lachen Sie mit ihnen. Das ist die Eintrittskarte in eine andere Kultur.“ (rv)

 

Reform „mit Mut“ angehen: Lombardis Abschieds-Interview

Pater LombardiDie größtmögliche Reichweite ist für Radio Vatikan nicht der oberste Maßstab. Das sagte der scheidende Generaldirektor des päpstlichen Senders, Pater Federico Lombardi. In einem langen Interview mit „seinem“ Sender äußerte sich der 73-jährige Jesuit über die derzeit laufende Reform der vatikanischen Medien. „Im Erbgut von Radio Vatikan und seiner Mission steckte – besonders in Zeiten der Totalitarismen, speziell im Kommunismus – und steckt bis heute der Dienst an den verfolgten Christen, an den Armen, den Minderheiten, mehr als der absolute Gehorsam gegenüber dem Befehl, die Hörerschaft zu maximieren.“ Die Größe der Hörerschaft müsse angemessen berücksichtigt werden, sei aber „nicht alles“. Er hoffe, so Lombardi, „dass das auch in Zukunft nicht vergessen wird im Nachdenken über die Entwicklung der vatikanischen Kommunikation“. Wie man die Armen wirklich berücksichtigt und die „Kultur der Aussonderung“ in der neuen Welt der Kommunikation bekämpft, sei „eine schöne Herausforderung“ für den Vatikan.

Die Reform der vatikanischen Medien setzte unter Papst Franziskus Schritt für Schritt ein. Damit beauftragt ist das vom Papst 2015 geschaffene Sekretariat für Kommunikation, das der italienische Priester Dario Edoardo Viganò leitet. Lombardi stellte sich hinter die Reform, die „mit Mut“ angegangen werden müsse sowie mit Wertschätzung für die neue Kultur und die neuen Technologien. Die vatikanischen Medien seien historisch betrachtet eines nach dem anderen und als getrennte Einheiten entstanden, jetzt sei die Zeit der „digitalen Zusammenführung“ gekommen, so Lombardi. Richtig sei auch, dass jüngere Kräfte diese Reform betrieben, Kräfte, die „offener und überzeugter von den Möglichkeiten des Neuen“ seien.

Der 1931 gegründete Radiosender sei bereits Mitte der 1990er Jahre in die digitale Kommunikation und die Multimedialität eingestiegen und habe sich über das reine Audio-Angebot hinaus ständig erweitert, besonders mit dem reichhaltigen Webauftritt in Dutzenden Sprachen und fünfzehn verschiedenen Alphabeten.

Der Name „Radio Vatikan“ steht auf der Kippe

Lombardi sagte, die Marke „Radio Vatikan“ werde bald der Vergangenheit angehören. „Ich mochte den Namen Radio Vatikan, der eine große Geschichte aufzeigt, aber in letzter Zeit habe ich diesen Namen gewissermaßen als Falle empfunden, als Quelle von Missverständnissen: er lässt nämlich denken, dass wir nur Audio-Programme herstellen zur traditionellen Verbreitung via Radio.“ Das führte laut Lombardi zu dem Einwand, das Radio gebe viel Geld aus für einen begrenzten Wirkungsraum in einem einzigen, noch dazu traditionellen Medium. Die Webseite von Radio Vatikan beweise das Gegenteil. „Aber jedenfalls glaube ich dass es gut ist, jetzt über den Namen Radio Vatikan hinauszugehen, um uns vom Gewicht dieses Missverständnisses zu befreien. Bei der laufenden Reform wird das geschehen.“

Radio Vatikan als eine der größten Einheiten im Vatikan ist Jahr für Jahr ein beträchtlicher Budgetposten im Haushalt und steht traditionell auch deshalb unter interner Kritik. Lombardi relativierte diese Kritik, indem er darauf hinwies, dass „Kommunikation kostet und weiterhin kosten wird“. Das Radio übernehme seit jeher auch Dienste, die dem Vatikan in seiner gesamten Kommunikation zugute kämen: Die Aufzeichnung und Archivierung vatikanischer Zeremonien etwa oder die Übersetzung von Texten für das Staatssekretariat. „Alle diese Dienste kann man bei der Reform neu organisieren und umverteilen, aber wenn man sie nicht streichen will, brauchen sie Personal und Mittel wie zuvor, in einigen Fällen auch mehr als zuvor. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, viel mehr zu tun und es besser zu tun und zugleich weniger Ressourcen einzusetzen.“

Lombardi hatte in der vatikanischen Medienlandschaft unter drei Päpsten verschiedene hochrangige Dienste inne. 1991 bis 2005 wirkte er als Programmdirektor bei Radio Vatikan, danach als Generaldirektor. Zusätzlich wurde ihm 2001 (bis 2012) die Leitung des Vatikan-Fernsehens CTV anvertraut, 2006 als drittes Amt die Leitung des vatikanischen Pressesaals und mithin die Funktion des Pressesprechers. Über die geplante Bündelung des Vatikan-Fernsehens mit Radio Vatikan zeigte sich Lombardi zufrieden. CTV ist mit rund 25 Bediensteten vergleichsweise klein und wendig, „die hierarchische Leiter war ganz kurz“, wie Lombardi es ausdrückte. „Ich glaube, eine der Herausforderungen der Reform ist, die verschiedenen Medieneinheiten zusammenzuführen und zu koordinieren, ohne sie zu verkomplizieren.“ (rv)

Schewtschuk will gemeinsamen Weg mit Orthodoxen gehen

Großerzbischof SchewtschukEinen gemeinsamen Weg mit den orthodoxen Christen und Kirchen gehen und einen Weg des Frieden gemeinsam gestalten – das betonte der Großbischof von Kiew Swjatoslaw Schewtschuk in einem Gespräch mit Journalisten am Dienstag in Rom. Darüber wolle er auch mit dem Papst in den kommenden Tagen sprechen Über das Treffen von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill auf Kuba habe er gemischte Gefühle, die jedoch grundsätzlich positiv seien: „Ich denke diese Umarmung war eine heilige Angelegenheit. Diese Art von Treffen sind die Meilensteine im ökumenischen Weg der Kirche,“ so Schewtschuk.

Der Großbischof von Kiew erwähnte, dass die während des Kirchengipfels auf Kuba unterzeichnete Erklärung zwischen Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill Polemiken ausgelöst habe. Heute spreche man nicht mehr viel über den Krieg in der Ukraine. Aber es sei ein tägliches Drama für 45 Millionen Menschen: Jeden Tag gibt es Tote, Verletzte, Eintritte von russischen Soldaten mit schweren Waffen. Es sei eben, wie schon oft gehört, kein ziviler Konflikt, sondern eine von außen eindringende Aggression und das sei so nicht in der gemeinsamen Erklärung von Papst und dem russischen Patriarchen klar gesagt worden. Er ergänzt:

„Aber der Papst hat es dann klargestellt, dass er mit beiden Präsidenten gesprochen hat und er richtete sich an den Präsidenten Putin und auch an den ukrainischen Poroschenko. Und das ist wirklich schön und beruhigend, denn so hat er gesagt: ‚Ich habe mit allen gesprochen und gesagt: beendet es! Schließt Frieden!“

Schewtschuk betonte im Gespräch von Radio Vatikan, dass er das ukrainische Volk und dessen Schmerz über die Übereinkunft von Papst und Patriarchen verstehe. Viele fühlten sich „verraten“. Daher fühle er sich auch verpflichtet eine Art „Sprecher“ des Volkes zu sein: „Der Papst muss diese Gefühle kennen und er hat sogar gesagt, dass er diese Gefühle respektiert und dass das ukrainische Volk leidet. Es leidet wirklich am Krieg, und das verhindere vielleicht die prophetische Geste (des Papstes) zu verstehen.“

Jetzt benötigten die Christen einen gemeinsamen Weg, betonte der Großbischof von Kiew. Der Weg der Einheit sei nur erreichbar durch „Dialog, Zuhören und Vergeben“ und dieser Weg sei wiederum nur durch eine vollkommene Abgliederung der „geopolitischen Agenda“ und durch eine „Befreiung des Wahnsinn der Mächtigen dieser Welt“ möglich. Wann es zu weiteren spezifischen ökumenischen Schritten kommen soll, wurde jedoch nicht erläutert.

(rv)

Vatikan: Aserbaidschan hilft bei Katakomben-Restaurierung

Kardinal RavasiDas muslimisch geprägte Land Aserbaidschan will den Vatikan bei Restaurierungen historischer Kulturgüter finanziell noch mehr unterstützen als bisher. Das versicherte die Gattin des Präsidenten von Aserbaidschan, Mehriban Aliyeva, im Gespräch mit Radio Vatikan. Sie unterzeichnete im Vatikan an diesem Dienstag eine Zusammenarbeitsklärung mit dem Heiligen Stuhl, genauer gesagt mit dem Päpstlichen Kulturrat. Im Beisein des zuständigen Kardinals Gianfranco Ravasi stellte Aliyeva die Projekte vor, die der kaspische Staat in Rom bereits finanziert hat und künftig finanzieren will.

Konkret ging es um den Abschluss der Restaurierung der Katakomben der heiligen Marcellinus und Petrus. „Wir sind sehr stolz, den Vatikan diesbezüglich unterstützen zu dürfen“, so die aserbaidschanische First Lady Aliyeva. Ihr Land sei mehrheitlich islamisch geprägt – und zwar schiitisch – wie sie betont, doch sehr offen für alle Religionsgemeinschaften. Aserbaidschan gehört zusammen mit Iran, Irak und Bahrain zu den wenigen Ländern mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit. Deshalb ist es auf den ersten Blick erstaunlich, dass eine solche Nation den Vatikan finanziell unterstützen will. „Wir liegen sozusagen an der Kreuzung zwischen dem christlichen Westen und den islamischen Ländern Asiens. Auch unterstützen wir in unserem Land sowie in vielen anderen Ländern ähnliche Projekte wie beispielsweise solche der orthodoxen Kirche“, fügt die Gattin des Präsidenten an.

Auf die Frage, wie viel Geld denn konkret dem Vatikan überreicht wurden, wollte sie nicht direkt eingehen. Alleine für die Renovierung der Katakomben von Marcellino und Petrus spricht man von etwa 300.000 Euro. Nun sollen noch weitere Projekte dieser Art fortgeführt werden. So versprach Frau Aliyeva Geld für die Renovierungsarbeiten der Katakomben des heiligen Sebastians. Konkret gehe es um die Restaurierung zweier Sarkophage, die sich bei jener Katakombe befinden.

„Ich möchte daran erinnern, dass die Stiftung von Frau Aliyeva unter anderem auch die Renovierung der Vatikanischen Bibliothek mitfinanziert hat sowie bei anderen Projekten der Vatikanischen Museen mitgeholfen hat“, erläutert Kardinal Ravasi als Vatikan-Beauftragter für die archäologischen Güter. Er selber habe das Land am kaspischen Meer mehrmals besucht und sei dort mit Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften zusammengetroffen. Es herrsche ein gutes Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und Aserbaidschan, so Ravasi, und dazu zähle auch die finanzielle Unterstützung der Präsidentenfamilie Aliyevs. (rv)