Kirchenkrise: Neues Projekt soll „institutionelles Versagen“ der Bistümer aufarbeiten

WÜRZBURG – Wie geht es weiter in der Kirchenkrise in Deutschland? Die Generalvikare der 27 deutschen Diözesen haben sich in der vergangenen Woche in Würzburg getroffen, um darüber zu diskutieren.

Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mit.

Im Zentrum standen Konsequenzen der Beratungen der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz aus der Missbrauchsstudie. Diese ist auf scharfe Kritik von medizinischen Experten, ehemaligen Opfern und Politikern gestoßen, wie CNA Deutsch berichtete.

Der DBK-Missbrauchsbeauftragte und Trierer Bischof Stephan Ackermann sowie der DBK-Sekretär und Jesuitenpater Hans Langendörfer „berieten mit den Generalvikaren über die Erklärung der Bischöfe zu den Ergebnissen der Studie“, so die Pressemitteilung.

„Übereinstimmend betonte die Konferenz, dass es nicht nur gelte, die Maßnahmen zu Intervention und Prävention weiterzuentwickeln, sondern auch das institutionelle Versagen aufzuarbeiten.“

Dazu habe auch das Thema „der innerkirchlichen Machtstrukturen sowie Fragen der Sexualmoral“ gehört, so die DBK. Bis zur nächsten Sitzung des Ständigen Rates Mitte November 2018 werde eine „Projektskizze“ vorgelegt, die wiederum „aus mehreren Teilprojekten besteht“.

Zusammen mit Bischof Ackermann sowie Pfarrer Manfred Bauer von der Glaubenskongregation diskutierten die Offiziale zudem „Fragen zur Vorgehensweise bei Verfahren in Fällen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, darunter auch die Frage der Einrichtung von interdiözesanen/ bistumsübergreifenden Sondergerichten“, so die Mitteilung.

Kritiker bemängeln, dass weiter völlig unklar ist, ob und wie die eigentlichen Gründe für sündhaftes Verhalten durch Bischöfe und Priester in Deutschland angepackt werden: Sexuelles Fehlverhalten, Missbrauch und systematische Vertuschung haben zudem noch zu keinem einzigen Rücktritt durch einen deutschen Verantwortlichen geführt. (CNA Deutsch)

Eine persönliche Begegnung mit Christus: Die Botschaft des Papstes zum Weltmissionssonntag

VATIKAN – CNA dokumentiert die Botschaft des Papstes zum Weltmissionssonntag, wie sie der Vatikan veröffentlicht hat.

Lasst uns gemeinsam mit den jungen Menschen das Evangelium zu allen bringen

Liebe Jugendliche, gemeinsam mit euch möchte ich über die Sendung nachdenken, die Jesus uns anvertraut hat. Wenn ich mich an euch wende, möchte ich zugleich alle Christen ansprechen, die in der Kirche das Abenteuer ihres Daseins als Kinder Gottes leben. Was mich drängt, im Dialog mit euch zu allen zu sprechen, ist die Gewissheit, dass der christliche Glaube immer jung bleibt, wenn er sich der Sendung öffnet, die Christus uns überträgt. Durch die Mission wird der Glaube bestärkt (vgl. Redemptoris Missio, 2), schrieb der heilige Johannes Paul II., ein Papst, der den jungen Menschen mit großer Liebe zugetan war.

Die Synode, die wir im kommenden Oktober, dem Monat der Mission, in Rom veranstalten werden, bietet uns die Gelegenheit, im Lichte des Glaubens besser zu verstehen, was der Herr euch jungen Menschen und durch euch den christlichen Gemeinschaften sagen will.

Jeder Mann und jede Frau ist eine Mission, und das ist der Grund weshalb der Mensch auf Erden ist. Angezogen und gesandt zu sein sind die beiden Bewegungen, die unser Herz besonders in jungen Jahren als innere Kräfte der Liebe empfindet, die Zukunft verheißen und unser Leben antreiben. Niemand spürt das Hereinbrechen und die Anziehung des Lebens so sehr wie die jungen Menschen. Die eigene Verantwortung für die Welt mit Freude zu leben ist eine große Herausforderung. Ich kenne die Licht- und Schattenseiten der Jugend gut, und wenn ich an meine Jugend und Familie denke, erinnere ich mich an die Intensität der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Tatsache, dass wir nicht aus eigenem Entschluss hier auf Erden sind, lässt uns erahnen, dass es eine uns zuvorkommende Initiative gibt, die uns leben lässt. Jeder von uns ist aufgerufen, darüber nachzudenken: »Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 273).

Indem die Kirche verkündet, was sie umsonst erhalten hat (vgl. Mt 10,8; Apg 3,6), kann sie mit euch jungen Menschen den Weg und die Wahrheit teilen, die zum Sinn des Lebens auf dieser Erde führen. Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist, bietet sich unserer Freiheit an und fordert sie heraus, diesen wahren und vollen Sinn zu suchen, zu entdecken und zu verkünden. Liebe Jugendliche, habt keine Angst vor Christus und seiner Kirche! In ihnen befindet sich der Schatz, der das Leben mit Freude erfüllt. Ich sage euch aus Erfahrung: Dank des Glaubens habe ich die Grundlage für meine Träume gefunden und die Kraft, sie zu verwirklichen. Ich habe viel Leid, viel Armut gesehen, die die Gesichter so vieler Brüder und Schwestern schwer zeichnet. Doch für diejenigen, die in Gemeinschaft mit Jesus stehen, ist alles Übel eine Herausforderung, immer mehr zu lieben. Viele Männer und Frauen, viele junge Menschen haben aus Liebe zum Evangelium in großherziger Selbsthingabe ihren Brüdern und Schwestern gedient, manchmal sogar bis hin zum Martyrium. Vom Kreuz Jesu lernen wir die göttliche Logik der Selbsthingabe (vgl. 1 Kor 1,17-25) als Verkündigung des Evangeliums für das Leben der Welt (vgl. Joh 3,16). Von der Liebe Christi entzündet zu sein, verzehrt den, der brennt, und lässt denjenigen wachsen, den man liebt; es erleuchtet und wärmt ihn (vgl. 2 Kor 5,14). In der Schule der Heiligen, die uns für die weiten Horizonte Gottes öffnen, lade ich euch ein, euch in allen Situationen zu fragen: »Was würde Christus an meiner Stelle tun?«.

Auch ihr Jugendlichen seid durch die Taufe lebendige Glieder der Kirche, und gemeinsam haben wir den Auftrag, allen das Evangelium zu bringen. Ihr seid im Begriff, ins Leben aufzubrechen. Der Glaube, der uns durch die Sakramente der Kirche übermittelt wurde, wächst in der Gnade und vereint uns mit dem Strom vieler Generationen von Zeugen. Dabei wird die Weisheit derer, die Erfahrung haben, zum Zeugnis und zur Ermutigung für diejenigen, die sich der Zukunft öffnen. Und ihrerseits wird die Frische der Jugendlichen zum Halt und zur Hoffnung für diejenigen, die dem Ziel ihres Weges schon nahe sind. Im Zusammenleben der verschiedenen Lebensalter baut die Sendung der Kirche Brücken zwischen den Generationen, auf denen der Glaube an Gott und die Liebe zum Nächsten zu einer tiefen Einheit beitragen.

Diese Weitergabe des Glaubens, die der Kern der Sendung der Kirche ist, geschieht also durch ein „Angesteckt-werden“ seitens der Liebe, wo immer Freude und Begeisterung den neuentdeckten Sinn und die Fülle des Lebens zum Ausdruck bringen. Die Verbreitung des Glaubens durch Attraktivität erfordert offene, von der Liebe geweitete Herzen. Der Liebe können keine Grenzen gesetzt werden: Stark wie der Tod ist die Liebe (vgl. Hld 8,6). Und solche Weitung führt zur Begegnung, zum Zeugnis, zur Verkündigung; sie schafft Gemeinschaft in der Liebe zu allen, die fern vom Glauben, diesem gleichgültig, manchmal ablehnend und feindlich gegenüberstehen. Menschliche, kulturelle und religiöse Milieus, denen das Evangelium Jesu und die sakramentale Gegenwart der Kirche noch fremd sind, stellen die äußersten Peripherien dar, die „Grenzen der Erde“, zu denen die missionarischen Jünger Jesu seit seiner Auferstehung gesandt sind, in der Gewissheit, dass sie ihren Herrn immer bei sich haben (vgl. Mt 28,20; Apg 1,8). Das ist mit Missio ad gentes gemeint. Die trostloseste Peripherie einer Menschheit, die Christus braucht, ist die Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben oder gar der Hass gegen die göttliche Fülle des Lebens. Jede materielle und spirituelle Armut, jede Diskriminierung von Brüdern und Schwestern ist immer eine Folge der Ablehnung Gottes und seiner Liebe.

Die Grenzen der Erde, liebe Jugendliche, sind für euch heute sehr relativ und immer leicht „begehbar“. Die digitale Welt, die sozialen Netzwerke, die alles durchdringen und durchziehen, lassen Grenzen verschwimmen, lösen Ränder und Distanzen auf und reduzieren die Unterschiede. Alles scheint in Reichweite zu sein, so nah und unmittelbar. Aber ohne den umfassenden Einsatz unseres Lebens haben wir vielleicht unzählige Kontakte, aber wir werden nie in eine wahre Lebensgemeinschaft eintauchen. Die Sendung zu den Grenzen der Erde verlangt die Selbsthingabe in der Berufung, die uns derjenige gegeben hat, der uns in diese Welt gestellt hat (vgl. Lk 9,23-25). Ich wage zu sagen: Das Entscheidende für einen jungen Menschen, der Christus nachfolgen will, ist die Suche nach der eigenen Berufung und das Festhalten an ihr.

Ich danke allen kirchlichen Einrichtungen, die Euch eine persönliche Begegnung mit Christus ermöglichen, der in seiner Kirche lebt: den Pfarreien, Vereinigungen, Bewegungen, Ordensgemeinschaften und den vielfältigen missionarischen Diensten. Viele Jugendliche finden im missionarischen Ehrenamt einen Weg, den „Geringsten“ zu dienen (vgl. Mt 25,40), wo sie die Menschenwürde fördern und die Freude an der Liebe und am Christsein bezeugen. Diese kirchlichen Erfahrungen sorgen dafür, dass die Ausbildung eines jeden nicht nur eine Vorbereitung auf den eigenen beruflichen Erfolg ist, sondern dass hier eine Gabe des Herrn entwickelt und kultiviert wird, um anderen besser zu dienen. Diese lobenswerten Formen einer zeitlich beschränkten missionarischen Tätigkeit sind ein fruchtbarer Anfang und können euch in der Berufungsunterscheidung helfen, euch für die Ganzhingabe eurer selbst als Missionare zu entscheiden.

Aus jungen Herzen wurden die Päpstlichen Missionswerke geboren, um die Verkündigung des Evangeliums an alle Völker zu fördern und zum menschlichen und kulturellen Wachstum so vieler nach der Wahrheit dürstender Völker beizutragen. Die Gebete und die materiellen Hilfen, die durch die Päpstlichen Missionswerke großzügig geschenkt und verteilt werden, helfen dem Heiligen Stuhl dafür zu sorgen, dass diejenigen, die für ihre eigenen Bedürfnisse etwas empfangen, ihrerseits in ihrer Umgebung Zeugnis ablegen können. Niemand ist so arm, dass er nicht etwas geben kann von dem, was er hat, vor allem aber von dem, was er ist. Ich möchte meine Ermahnung an die jungen Chilenen wiederholen: »Denke nie, du hättest nichts zu bieten oder du bräuchtest niemand. Viele Menschen brauchen dich, denk daran. Jeder von euch denke in seinem Herzen darüber nach: Viele Menschen brauchen mich« (Begegnung mit den Jugendlichen, Nationalheiligtum Maipú, 17. Januar 2018).

Liebe Jugendliche, der kommende Missionsmonat Oktober, in dem die euch gewidmete Synode stattfindet, wird eine weitere Gelegenheit sein, zu immer leidenschaftlicheren missionarischen Jüngern Jesu und seiner Sendung zu den Grenzen der Erde zu werden. Ich bitte Maria, die Königin der Apostel, den heiligen Franz Xaver und die heilige Theresia vom Kinde Jesus sowie den seligen Paul Manna um ihre Fürsprache und ihr Weggeleit für uns alle.

Aus dem Vatikan, am 20. Mai 2018, dem Hochfest von Pfingsten

FRANZISKUS

(CNA Deutsch)

Erzbischof Vigano veröffentlicht neues Schreiben (Bericht und vollständiger Wortlaut)

VATIKANSTADT – Erzbischof Carlo Maria Vigano hat eine Antwort auf Kardinal Marc Ouellet veröffentlicht. Darin widerspricht der ehemalige Nuntius in den USA der Aussage, der Heilige Stuhl habe nur von „Gerüchten“ über das Verhalten Theodore McCarricks gewusst, die nicht für Disziplinarmaßnahmen gegen den mutmaßlichen Straftäter ausgereicht hätten.

Vigano schreibt auch über „homosexuelle Korruption und moralische Feigheit“ in der Kirche. Er appelliert an Bischöfe und Priester, sich ebenfalls zu äußern.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat Erzbischof Vigano in zwei Schreiben schwere Vorwürfe gegen Papst Franziskus, mehrere Kardinäle und hochrangige Kurienvertreter erhoben sowie Kardinal Marc Ouellet aufgefordert, die Akten im Fall McCarrick offenzulegen. In seiner Antwort kritisiert Ouellet zwar Vigano aufs Schärfste – bestätigt jedoch einen der zentralen Vorwürfe.

CNA Deutsch hat den vollen Wortlaut des auf den 19. Oktober 2018 datierten Schreibens von Erzbischof Vigano übersetzt.

Am Festtag der Nordamerikanischen Märtyrer

  1. Zeugnis abzulegen über die Korruption in der Hierarchie der katholischen Kirche war und ist für mich eine schmerzhafte Entscheidung. Aber ich bin ein alter Mann, der weiß, dass er dem Richter bald Rechenschaft über seine Taten und Unterlassungen ablegen muss, der Ihn fürchtet, der Körper und Seele in die Hölle werfen kann. Ein Richter, der, selbst in seiner unendlichen Barmherzigkeit, jedem Menschen Erlösung oder Verdammnis nach dem, was er verdient hat, bringen wird. In Erwartung der schrecklichen Frage dieses Richters — „Wie konntest du, der du die Wahrheit kennst, inmitten von Falschheit und Verderbtheit schweigen?“ — Welche Antwort könnte ich geben?
  2. Ich legte mein Zeugnis ab im vollen Bewusstsein, dass dieses viele bedeutende Persönlichkeiten alarmieren und bestürzen würde: Kirchenmänner, Mitbischöfe, Kollegen, mit denen ich gearbeitet und gebetet hatte. Ich wusste, dass sich viele verletzt und verraten fühlen würden. Ich erwartete, dass einige ihrerseits mich und meine Motive angreifen würden. Am schmerzhaftesten war mir, dass ich wusste, dass viele der unschuldigen Gläubigen durch das Schauspiel eines Bischofs, der Kollegen und Vorgesetzte bezichtigt, Amtsmissbrauch, sexuelle Sünden und schwere Pflichtverletzung begangen zu haben, verwirrt und verunsichert sein würden. Doch glaube ich, dass mein fortwährendes Schweigen viele Seelen in Gefahr bringen und sicherlich auch meine eigene [Seele] verdammen würde. Nachdem ich meinen Vorgesetzten und sogar dem Papst mehrmals über das abwegige Verhalten von Theodore McCarrick berichtet hatte, hätte ich die Wahrheiten, die mir bereits vorher bekannt waren, früher öffentlich verurteilen können. Wenn ich an dieser Verzögerung eine gewisse Verantwortung trage, dann bereue ich das. Diese Verzögerung war auf die Schwere der Entscheidung, die ich treffen würde, und auf das langwierige Bemühen meines Gewissens zurückzuführen.
  3. Mir wurde vorgeworfen, durch mein Zeugnis Verwirrung und Spaltung in der Kirche hervorgerufen zu haben. Für diejenigen, die glauben, dass es vor dem August 2018 keine nennenswerte Verwirrung und Spaltung gab, mag eine solche Behauptung vielleicht plausibel sein. Die meisten unparteiischen Beobachter wissen jedoch, dass es beides seit langem im Übermaß gegeben hat, wie es nun mal unvermeidlich ist, wenn der Nachfolger Petri bei der Ausübung seiner Hauptaufgabe fahrlässig verfährt, nämlich der Vergewisserung der Brüder im Glauben und in einer fundierten Morallehre. Wenn er dann die Krise durch widersprüchliche oder verwirrende Aussagen über diese Lehren noch verschlimmert, spitzt sich die Verwirrung zu.
  4. Deshalb habe ich gesprochen. Denn es ist dieses Schweigekomplott, dass in der Kirche großen Schaden angerichtet hat und weiterhin schadet — so vielen unschuldigen Seelen, der Berufung junger Priester, den Gläubigen im Allgemeinen. In Bezug auf meine Entscheidung, die ich mit meinem Gewissen vor Gott gefällt habe, nehme ich gerne jede brüderliche Zurechtweisung, jeden brüderlichen Rat, jede brüderliche Empfehlung und jede brüderliche Einladung an, in meinem Leben im Glauben und der Liebe zu Christus, zur Kirche und dem Papst voranzukommen.

Lassen Sie mich die Kernpunkte meines Zeugnisses wiederholen.

  • Im November 2000 informierte der Nuntius in den USA, Erzbischof Montalvo, den Heiligen Stuhl über das homosexuelle Verhalten von Kardinal McCarrick gegenüber Seminaristen und Priestern.
  • Im Dezember 2006 informierte der neue Nuntius in den USA, Erzbischof Pietro Sambi, den Heiligen Stuhl über das homosexuelle Verhalten von Kardinal McCarrick mit einem weiteren Priester.
  • Im April 2008 wurde ein Offener Brief von Richard Sipe an Papst Benedikt durch den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Levada, an Kardinalstaatssekretär Bertone weitergeleitet, in die weiteren Vorwürfe erhoben werden, dass McCarrick mit Seminaristen und Priestern geschlafen hat. Ich habe diesen einen Monat später erhalten, und im Mai 2008 habe ich selbst dem damaligen Substituten Erzbischof Fernando Filoni ein zweites Memorandum übermittelt, in dem ich über die Vorwürfe gegen McCarrick berichtete und Sanktionen gegen ihn forderte. Auch dieses zweite Memorandum erhielt keine Antwort.
  • Im Jahr 2009 oder 2010 erfuhr ich von Kardinal Re, [damals] Präfekt der Bischofskongregation, dass Papst Benedikt McCarrick angewiesen hatte, sein öffentliches Wirken einzustellen und ein Leben des Gebets und der Buße anzutreten. Nuntius Sambi überstellte McCarrick die Anweisungen des Papstes in einer Lautstärke, dass dies im Flur der Nuntiatur zu hören war.
  • Im November 2011 wiederholte Kardinal Ouellet, der neue Präfekt der Bischofskongregation, mir gegenüber, der ich der neue Nuntius in den USA war, die Sanktionen des Papstes für McCarrick, und ich selbst teilte sie McCarrick persönlich mit.
  • Am 21. Juni 2013, gegen Ende einer offiziellen Zusammenkunft der Nuntien im Vatikan, übte Papst Franziskus mir gegenüber mit einigen kryptischen Aussagen Kritik am Episkopat der USA.
  • Am 23. Juni 2013 traf ich Papst Franziskus persönlich in seiner Wohnung, um um Aufklärung zu bitten, und der Papst fragte mich: „il cardinale McCarrick, com’è (Kardinal McCarrick — was hältst du von ihm)?“– was ich nur als Vortäuschung von Neugierde interpretieren kann, um herauszufinden, ob ich ein Verbündeter von McCarrick war oder nicht. Ich erzählte ihm, dass McCarrick Generationen von Priestern und Seminaristen sexuell korrumpiert hatte und von Papst Benedikt angewiesen worden war, sich auf ein Leben voller Gebet und Buße zu beschränken.

Stattdessen genoss McCarrick weiterhin die besondere Wertschätzung von Papst Franziskus und erhielt von ihm neue Verantwortlichkeiten und Aufträge.McCarrick war Teil eines Netzwerks von Bischöfen, welche die Homosexualität vorantrieben und die Gunst von Papst Franziskus ausnutzten, um Bischofsernennungen zu beeinflussen, damit sie sich vor rechtlichen Konsequenzen schützen und das homosexuelle Netzwerk in der Hierarchie und in der Kirche insgesamt stärken konnten.Papst Franziskus selbst hat sich entweder an dieser Korruption beteiligt oder weiß, was er tut, und ist äußerst fahrlässig in seinem Versäumnis, sich dem zu widersetzen und es auszumerzen.

Ich habe vor Gott die Wahrheit meiner Behauptungen bezeugt, und niemand hat diese widerlegt. Kardinal Ouellet hat mir geschrieben, um mich für meine Frechheit zurechtzuweisen, das Schweigen gebrochen und solche schwerwiegenden Anschuldigungen gegen meine Brüder und Vorgesetzten erhoben zu haben, aber tatsächlich bestätigt er mit seiner Zurechtweisung meine Entscheidung, und rechtfertigt diese sowohl im Einzelnen wie insgesamt.

  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass er mit mir über die Situation von McCarrick gesprochen hat, bevor ich nach Washington ging, um meinen Posten als Nuntius anzutreten.
  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass er mir schriftlich die Bedingungen und Einschränkungen mitgeteilt hat, die Papst Benedikt McCarrick auferlegt hat.
  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass diese Sanktionen McCarrick verboten haben, zu reisen oder öffentlich aufzutreten.
  • Kardinal Ouellet räumt ein, dass die Bischofskongregation schriftlich, zuerst durch Nuntius Sambi und dann noch einmal durch meine Person, McCarrick aufgefordert hat, ein Leben des Gebets und der Buße zu führen.

Was bestreitet Kardinal Ouellet?

  • Kardinal Ouellet bestreitet die Möglichkeit, dass Papst Franziskus an einem Tag, an dem er viele Nuntien traf und nur wenige Augenblicke mit einem jeden sprach, wichtige Informationen über McCarrick hätte aufnehmen können. Aber das war nicht meine Aussage. Meine Aussage ist, dass ich den Papst bei einem zweiten, privaten Treffen informiert habe, indem ich dessen eigene Frage über Theodore McCarrick beantwortete, der damals emeritierter Kardinalerzbischof von Washington war und eine prominente Persönlichkeit der Kirche in den USA, und dass ich dem Papst sagte, dass McCarrick seine eigenen Seminaristen und Priester sexuell korrumpiert habe. Kein Papst könnte das vergessen.
  • Kardinal Ouellet bestreitet, dass es in seinem Archiv Briefe von Papst Benedikt oder Papst Franziskus über Sanktionen gegen McCarrick gibt. Aber das war nicht meine Aussage. Meine Aussage war, dass sich in seinem Archiv wichtige Dokumente – unabhängig von deren Herkunft – befinden, die McCarrick belasten und dahingehend getroffene Maßnahmen dokumentieren, sowie andere Beweise für die Vertuschung seiner Situation. Und dies bestätige ich noch einmal.
  • Kardinal Ouellet bestreitet, dass in den Akten seines Vorgängers Kardinal Re „Audienz-Memoranden“ existieren, die McCarrick die bereits erwähnten Sanktionen auferlegen. Aber das war nicht meine Aussage. Meine Aussage ist, dass es andere Dokumente gibt: zum Beispiel eine Notiz von Kardinal Re, die nicht ex-Audientia SS.mi, unterzeichnet entweder vom Staatssekretär oder dem Substituten.
  • Kardinal Ouellet bestreitet, dass es falsch ist, die gegen McCarrick ergriffenen Maßnahmen als „Sanktionen“ darzustellen, die von Papst Benedikt erlassen und von Papst Franziskus aufgehoben wurden. Stimmt. Es handelte sich rein technisch nicht um „Sanktionen“, sondern um Maßnahmen, „Bedingungen und Einschränkungen“. Spitzfindig darüber zu debattieren, ob es sich um Sanktionen, Maßnahmen oder etwas anderes handelte, ist reiner Legalismus. Aus pastoraler Sicht sind sie alle genau das gleiche.

Kurzum: Kardinal Ouellet räumt die wichtigen Aussagen ein, die ich gemacht habe und auch weiterhin mache, und er bestreitet Aussagen, die ich nicht mache und nie gemacht habe.

In einem Punkt muss ich absolut widerlegen, was Kardinal Ouellet geschrieben hat. Der Kardinal erklärt, dass der Heilige Stuhl nur von „Gerüchten“ Kenntnis hatte, die nicht ausreichten, um Disziplinarmaßnahmen gegen McCarrick zu rechtfertigen. Ich behaupte dagegen, dass der Heilige Stuhl von einer Vielzahl konkreter Tatsachen Kenntnis hatte und im Besitz von Dokumenten ist, und dass die Verantwortlichen sich dennoch entschieden haben, nicht einzugreifen oder daran gehindert wurden. Entschädigung der Erzdiözese Newark und der Diözese Metuchen an die Opfer des sexuellen Missbrauchs von McCarrick, die Briefe von Pater Ramsey, der Nonnen Montalvo im Jahr 2000 und Sambi im Jahr 2006, von Dr. Sipe im Jahr 2008, meine beiden Memoranden an die Vorgesetzten des Staatssekretariats, welche die konkreten Vorwürfe gegen McCarrick ausführlich beschrieben haben; sind das alles nur Gerüchte? Es handelt sich um offizielle Korrespondenz, nicht um Klatsch und Tratsch aus der Sakristei. Die gemeldeten Verbrechen waren sehr schwerwiegend, einschließlich des Versuchs, Komplizen bei perversen Handlungen die sakramentale Absolution zu erteilen, mit anschließender sakrilegischer Feier der heiligen Messe. Diese Dokumente belegen die Identitäten der Täter und ihrer Beschützer sowie die zeitliche Abfolge der Fakten. Sie werden in den entsprechenden Archiven aufbewahrt; es sind keine außergewöhnlichen Ermittlungsverfahren erforderlich, diese ausfindig zu machen.

In den öffentlichen Zurechtweisungen meiner Person habe ich zwei Unterlassungen festgestellt, zwei tragische Fälle des Verschweigens. Das erste, was verschwiegen wird, ist die Not der Opfer. Das zweite betrifft den eigentlichen Grund, warum es so viele Opfer gibt, nämlich den korrumpierenden Einfluss der Homosexualität im Priestertum und in der Hierarchie. Was den ersten betrifft, so ist es erschreckend, dass inmitten all der Skandale und Empörungen so wenig über die Menschen nachgedacht werden sollte, die durch diese Sexualverbrechen geschädigt wurden und welche jene verübt haben, die zu Dienern des Evangeliums bestellt waren. Es geht hier nicht darum, Rechnungen zu begleichen oder über die Unbeständigkeit kirchlicher Laufbahnen zu schmollen. Es geht nicht um Politik. Es geht nicht darum, wie Kirchenhistoriker dieses oder jenes Papsttum bewerten werden. Es geht um Seelen. Die ewige Erlösung vieler Seelen stand – und steht weiterhin – auf dem Spiel.

Was den zweiten Umstand betrifft, der verschwiegen wird: Diese sehr schwere Krise kann nicht angemessen angegangen und gelöst werden, wenn wir nicht die Dinge bei ihrem wahren Namen nennen. Dies ist eine Krise aufgrund der Geißel der Homosexualität, ihrer Akteure, ihrer Motive, ihres Widerstands gegen Reformen. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Homosexualität zu einer Plage im Klerus geworden ist, und sie kann nur mit spirituellen Waffen ausgemerzt werden. Es ist eine enorme Heuchelei, den Missbrauch zu verurteilen, zu behaupten, man weine um die Opfer, und sich dennoch zu weigern, die Grundursache für so viel sexuellen Missbrauch anzugeben: die Homosexualität. Es ist Heuchelei, sich zu weigern, zuzugeben, dass diese Geißel auf eine schwere Krise im geistlichen Leben des Klerus zurückzuführen ist, und nicht die notwendigen Schritte zu unternehmen, diese zu beseitigen.

Zweifellos gibt es schürzenjagende Geistliche, und zweifellos schädigen sie auch ihren eigenen Seelen, den Seelen derjenigen, die sie verderben, und der Kirche insgesamt. Aber diese Verletzungen des priesterlichen Zölibats beschränken sich in der Regel auf die unmittelbar betroffenen Personen. Schürzenjagende Geistliche rekrutieren in der Regel keine anderen Schürzenjäger, bemühen sich nicht darum, diese zu fördern, und vertuschen deren Missetaten nicht – während die Beweise für homosexuelle Absprachen mit seinen tiefen Wurzeln, die so schwer auszumerzen sind, überwältigend sind.

  • Es ist allgemein bekannt, dass homosexuelle Täter das kirchliche Privileg zu ihrem Vorteil ausnutzen. Aber zu behaupten, die Krise selbst sei Klerikalismus, ist reine Sophisterei. Da wird so getan, als ob ein Mittel zum Zweck, ein Instrument, tatsächlich das Hauptmotiv wäre.
  • Die Verurteilung der homosexuellen Korruption und der moralischen Feigheit, die sie gedeihen lässt, findet in unserer Zeit keine Zustimmung, auch nicht in den höchsten Ebenen der Kirche. Es überrascht mich nicht, dass ich, wenn ich auf diese Plagen aufmerksam mache, der Untreue gegenüber dem Heiligen Vater bezichtigt werde und beschuldigt, eine offene und skandalöse Rebellion anzuzetteln.

Doch eine Rebellion würde bedeuten, andere zu drängen, das Papsttum zu stürzen. Ich fordere nichts dergleichen. Ich bete jeden Tag für Papst Franziskus – mehr, als ich es je für die anderen Päpste getan habe. Ich bitte, ja flehe den Heiligen Vater aufrichtig an, sich seiner Pflichten zu erinnern, die er sich selbst aufgetragen hat, als er sein Amt als Nachfolger Petri antrat. Er nahm die Mission auf sich, seine Brüder zu stärken und alle Seelen in der Nachfolge Christi, im geistlichen Kampf, auf dem Weg des Kreuzes zu führen. Lasst ihn seine Fehler eingestehen, bereuen, seine Bereitschaft zeigen, dem Auftrag, den Petrus erteilt hat, nachzukommen, und lasst ihn nach der Bekehrung seine Brüder stärken (Lk 22,32).Abschließend möchte ich meinen Appell an meine Brüder Bischöfe und Priester wiederholen, die wissen, dass meine Aussagen wahr sind und die dies bezeugen können, oder die Zugang zu Dokumenten haben, welche die Angelegenheit zweifelsfrei belegen können. Auch ihr steht vor einer Entscheidung. Ihr könnt euch aus dem Kampf zurückziehen, das Komplott des Schweigens unterstützen und eure Augen vor der Ausbreitung der Korruption abwenden. Ihr könnt Ausreden, Kompromisse und Rechtfertigungen finden, die den Tag der Abrechnung verzögern. Ihr könnt euch mit der Lüge und der Illusion trösten, dass es einfacher sein wird, morgen die Wahrheit zu sagen, und dann am nächsten Tag, und so weiter.

Auf der anderen Seite könnt ihr euch entscheiden, den Mund aufzumachen. Ihr könnt Ihm vertrauen, der uns gesagt hat: „Die Wahrheit wird euch befreien.“ [Joh 8,32] Ich sage nicht, dass es einfach sein wird, sich zwischen Schweigen und Reden zu entscheiden. Ich fordere euch auf, darüber nachzudenken, welche Entscheidung ihr – auf eurem Sterbebett und dann vor dem gerechten Richter – nicht bereuen werdet, getroffen zu haben.

+Carlo Maria Viganò 19. Oktober 2018
Titularerzbischof von Ulpiana Festtag der
Apostolischer Nuntius Nordamerikanischen Märtyrer
(CNA Deutsch)

Jugendsynode: Ein Brief und geheim gehaltene Gruppenteilnehmer

VATIKANSTADT – Die Bischofssynode 2018 hat eine Gruppe von acht Teilnehmern gewählt, um mit der Ausarbeitung einer Botschaft von der Synode an die Jugend der Welt zu beginnen. Der Text wird der gesamten Versammlung zur Genehmigung vorgelegt, bevor er veröffentlicht wird.

In einer Pressekonferenz vom 18. Oktober wurden unter den Mitgliedern der Kommission die Jugendauditoren Briana Santiago, eine amerikanische geweihte Frau der Apostel des Inneren Lebens und Anastasia Indrawan, Mitglied der Jugendkommission für die Bischofskonferenz von Indonesien, bekannt gegeben.

Die Bischöfe des Ausschusses sind Erzbischof Dieudonne Nzapalainga von Bangui, Weihbischof Emmanuel Gobilliard von Lyon, Erzbischof Anthony Fisher von Sydney und Bischof Eduardo Horacio Garcia von San Justo, Argentinien.

Pater Alois, Prior der Ökumenischen Gemeinschaft von Taize, und Auditor Michele Falabretti, Leiterin des Jugendpastoralbüros der italienischen Bischofskonferenz, gehören ebenfalls zu der Gruppe, die für das Schreiben der Botschaft ausgewählt wurde.

Im Gegensatz zu dem, was den Journalisten Anfang der Woche mitgeteilt wurde, werden die Namen der Mitglieder jeder kleinen Sprachgruppe, genannt „circoli minori“, nicht veröffentlicht, sagte der Kommunikationsleiter des Vatikans, Paolo Ruffini, am 18. Oktober.

Der Grund dafür sei, „den Geist der Synode, der ein Geist der Gemeinschaft ist“, zu zeigen und den Wunsch des Generalsekretariats der Synode widerzuspiegeln, „die Synode nicht in eine Debatte darüber zu verwandeln, „wer was gesagt hat“, sondern ihr zu sagen, was sie ist: ein gemeinschaftliches Spiegelbild der Kirche“.

Soweit die offizielle Erklärung des Vatikans für den Schritt.

Während der Pressekonferenz stellte der erfahrene vatikanische Journalist Sandro Magister fest, dass die Namen der Mitglieder jeder kleinen Gruppe von den Organisatoren der Synode auf der Familien-Synode 2015 veröffentlicht wurden, worauf Ruffini antwortete, dass er den Vorschlag „mitteilen“ werde, jedoch „jede Synode ihre Regeln hat“.

Ruffini sagte vor Journalisten weiter, dass die Kleingruppen jetzt über den dritten Teil des Instrumentum Laboris diskutieren, und das Abschlussdokument bereits „in Arbeit“ sei. Unter denjenigen, die auf der Pressekonferenz sprachen, war Metropolit Hilarion der Russisch-Orthodoxen Kirche, der als „brüderlicher Delegierter“ an der Synode teilnimmt.

Weitere Themen der Diskussionen und Reden im Synodensaal der letzten beiden Sitzungen waren die Berufung zur Heiligkeit, das Lesen der Bibel, das Gebet und die Gemeinschaft für junge Menschen. Die Bedeutung des Fastens wurde auch als eine Praxis angesprochen, die in der westlichen Kultur weitgehend aufgegeben ist und wiederentdeckt werden sollte.

Weitere Vorschläge aus dem Saal waren die Schaffung eines päpstlichen Jugendrates auf gleicher Ebene wie die anderen vatikanischen Abteilungen, der von einer Frau geleitet werden könnte. Bei der Diskussion über die Rolle der Frauen in der Kirche wurde auch eine Synode der Bischöfe über Frauen vorgeschlagen.

Auch die Frage der Migrationskrise und deren Rolle im Leben Jugendlicher wurde behandelt. Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel aus Äthiopien sprach während der Pressekonferenz über das Thema und erklärte, dass in Afrika etwa 80 Prozent der Migration intern, auf dem Kontinent stattfinde.

Er sagte, dass mangelnde verantwortungsvolle Staatsführung, Korruption, Konflikte und Bürgerkrieg sowie der Waffenhandel alle zur Herausforderung von Auswanderung und Vertreibung auf dem afrikanischen Kontinent beitragen.

Der Kardinal sprach von einem Verlust, vor allem in Teilen Europas, dessen, was er als biblische Tradition der guten Aufnahme von Gästen und Flüchtlingen sieht. „Es ist traurig, wenn wir hören, dass einige Grenzen für Menschen, die Sicherheit suchen, geschlossen werden“, sagte er. „Wo sind die christlichen Wurzeln Europas? Wo sind die christlichen Werte?“ (CNA Deutsch)

Von Peking zum Petersplatz: Wer sind die chinesischen Bischöfe bei der Jugendsynode?

VATIKANSTADT – Bischof Joseph Guo Jincai ist zwar zum ersten Mal bei einer Bischofssynode. Doch Erfahrung hat der anderswo gesammelt: Er diente über drei Amtszeiten als Stellvertreter beim National Volkskongress (NVK) in Peking.

Als Abgeordneter des von der Kommunistischen Partei beherrschten NVK unterstützte Bischof Guo öffentlich einen Änderungsantrag zur Abschaffung der Amtszeitbegrenzung des Präsidenten Xi Jinping. Und der Oberhirte stimmte der Verankerung des „Gedankenguts über Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften für eine Neue Ära“ von Xi Jinping in der chinesischen Fassung im März 2018 zu.

Wenige Wochen nach der Aufhebung seiner Exkommunikation durch den Vatikan, im Rahmen einer als „vorläufig“ bezeichneten Vereinbarung zwischen China und dem Heiligen Stuhl, erregte Bischof Guo in Rom Aufmerksamkeit: Er war einer der ersten chinesischen Bischöfe, der jemals an einer kirchlichen Synode teilnahm, zusammen mit seinem Amtsbruder Bischof Yang Xiaoting des Bistums Yan’an (Provinz Shaanxi).

Papst Franziskus eröffnete die Synode mit einem Gruß an die beiden chinesischen Teilnehmer und sagte wörtlich, dass „die Gemeinschaft des gesamten Episkopats mit dem Nachfolger Petri durch ihre Anwesenheit noch sichtbarer wird“.

Die beiden chinesischen Bischöfe nahmen an der Synode über „Jugend, den Glauben und die Berufungsentscheidung“ teil – bis sie am 15. Oktober plötzlich abreisten – ohne Angabe von Gründen.

In der Volksrepublik China stehen junge Menschen vor ganz besonderen Herausforderungen, was die Ausübung ihrer Religion betrifft.

Kinder dürfen Kirchen nicht betreten

So ist es beispielsweise aufgrund einer Änderung der religiösen Aufsicht der chinesischen Regierung Anfang dieses Jahres für alle unter 18-Jährigen verboten, eine Kirche oder ein religiöses Gebäude auch zu betreten.

Bischof Guo sagte den chinesischen Staatsmedien, dass er keinen Konflikt zwischen seiner Rolle als Volkskongress-Abgeordneter und Bischof sehe.

„Meine Rolle als Abgeordneter wird und kann meinen Gottesdienst nicht beeinträchtigen, da China das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat umsetzt“, behauptete Guo wörtlich gegenüber der vom Staat geförderten Zeitung „Global Times“ im März 2018.

Die „Global Times“ berichtete weiter, dass Guo sagte, Katholiken müssten sich an die sozialistische Gesellschaft anpassen, um in China zu überleben und sich zu entwickeln, und eine grundlegende Voraussetzung dafür sei, dass dies „patriotisch“ sei.

Solche Aussagen spiegeln wider, was Präsident Xi Jinping sagt. Der lebenslange Machthaber der Volksrepublik fordert, dass jede Religion in China sich „sinisieren“ („Chinesisch machen“) müsse. Im Jahr 2016 sagte Xi dem Vorsitz der Kommunistischen Partei, dass man sich „entschlossen“ gegen Unterwanderungsversuche aus dem Ausland schützen müsse.

Seit Jahrzehnten sind Chinas 12 Millionen Katholiken gespalten zwischen einer im Untergrund existierenden katholischen Kirche in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl, die immer wieder von der Regierung verfolgt wird, und der staatlich kontrollierten, chinesischen patriotischen katholischen Vereinigung, deren Bischöfe von der kommunistischen Regierung ernannt und manchmal ohne Zustimmung des Papstes geweiht werden.

Bischof Guo ist Generalsekretär der „Bischofskonferenz der Katholischen Kirche in China“ (BCCCC). Bischof Yang, der andere chinesische Synodendelegierte, ist deren Vizepräsident.

Diese chinesische „Bischofskonferenz“ wurde im Brief von Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in China 2007 als unrechtmäßig eingestuft, weil sie „durch Gesetze geregelt wird, die Elemente enthalten, die mit der katholischen Lehre unvereinbar sind“. Es ist unklar, ob das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und China vom 22. September die Bischofskonferenz der chinesischen Regierung als legitim anerkannt hat, oder nur deren – bis vor kurzem exkommunizierten – Vertreter.

Vatikan-Sprecher Greg Burke sagte, das Ziel des September-Abkommens sei „nicht politisch, sondern pastoral“. Es würde Gläubigen ermöglichen, „Bischöfe zu haben, die in Gemeinschaft mit Rom, aber gleichzeitig von den chinesischen Behörden anerkannt sind“, so Burke.

Bevor die beiden chinesischen Bischöfe die Synode am frühen 15. Oktober ohne Erklärung verließen, hatten sie die Gelegenheit, sich mit Papst Franziskus zu treffen und ihn zu einem Besuch nach China einzuladen.

Guo und Yang wohnten im „Gästehaus“ Santa Marta, wo „wir im Alltag mit dem Papst zusammenleben konnten“, so Bischof Guo in einem am 16. Oktober veröffentlichten Interview mit „Avvenire“, der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz.

„Wir konnten in Vertrautheit miteinander sprechen, als Kinder mit ihrem Vater. Er sagte uns, dass er uns liebt, unser Land liebt und immer viel zu den Christen in China betet“, fuhr Guo fort. (CNA Deutsch)

Wir müssen jungen Leuten zeigen, was Heiligkeit ist: Erzbischof Gomez bei Jugendsynode

Bischöfe müssen selber Vorbilder der Heiligkeit sein, fordert der Oberhirte von Los Angeles.

VATIKANSTADT – Junge Menschen sollten sich die „Heiligen unserer Zeit“ zum Vorbild nehmen. Das sagte Erzbischof José Gomez am gestrigen Dienstag den Teilnehmern der Jugendsynode.

Gomez leitet – zusammen mit sieben Weihbischöfen – das Erzbistum Los Angeles, das mit über 4 Millionen Katholiken das größte der USA ist.

Der Erzbischof verwies in seiner Rede vor dem Plenum auf das Beispiel der sieben neuen Heiligen der Kirche.

Gomez sprach am 16. Oktober im Rahmen der fünfzehnten ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die sich derzeit in Rom trifft zum Thema: „Jugend, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. Die Synode dauert noch bis zum 28. Oktober.

Wenn man sich die Heiligen anschaut, von denen es Beispiele auf „allen Kontinenten“ gibt, dann werden junge Menschen auch dazu motiviert, ihre eigene Berufung als „Alltagsheilige“ auch auf ihre eigene Weise zu leben, sagte Erzbischof Gomez.

Er forderte auch seine Amtsbrüder – die Bischöfe – dazu auf, selber Vorbilder der Heiligkeit für junge Menschen zu sein.

„Wir müssen den Jugendlichen zeigen, wie Heiligkeit aussieht, indem wir das Evangelium leben, das wir predigen, indem wir Jesus Christus so verkünden, wie wir leben. Wir müssen junge Menschen dazu aufrufen, Heilige zu sein – und wir müssen selbst Heilige sein“, sagte Gomez.

Der Synodenvater betonte, dass die Berufung junger Menschen zur „Bekehrung und zum neuen Leben in Christus“ auch Priorität im Abschlussdokument der Synode haben sollte und dass die Kirche dazu berufen ist, jungen Menschen auf diesem Weg zu dienen und sie zu begleiten.

Es gehe darum, den Jugendlichen zu zeigen, wie man betet; ihnen zu helfen, Gott in den Sakramenten der Eucharistie und der Beichte zu begegnen; sie zu ermutigen, Werke der Barmherzigkeit für die Armen zu vollbringen – und eine Hingabe an die Heilige Jungfrau Maria zu pflegen.

„Leider wissen die jungen Menschen heute nicht, wie man ein authentisches Leben als Mensch führt, weil die Erwachsenen unserer säkularen Gesellschaft ihnen nicht diesen Weg gezeigt haben“, stellte Gomez nüchtern fest.

„Die Vision vom Leben, die jungen Menschen in westlichen Gesellschaften angeboten wird, ruft sie nicht zum Guten, zur Schönheit oder Wahrheit auf. Stattdessen werden verschiedene Lebensstile und Alternativen zur Selbstverwirklichung angeboten, die auf dem rastlosen Konsum von materiellem Wohlstand, virtuellen Unterhaltungen und vergänglichen Freuden beruhen“, sagte er.

Die katholische Kirche dagegen gebe jungen Menschen die Antworten, die sie suchen – das stelle er in seinen Gesprächen mit jungen Menschen in seiner eigenen Diözese immer wieder fest.

„In der Menschwerdung des Sohnes Gottes und in seiner Passion und Auferstehung sehen wir die Würde und das Schicksal der menschlichen Person offenbart, die nach dem Bild Gottes geschaffen und berufen ist, durch seinen Geist als Kind Gottes zu leben und Heilige zu sein – heilig zu sein, wie unser Vater im Himmel heilig ist“, sagte Gomez. (CNA Deutsch)

Generaloberer der Jesuiten: Papst ist nicht Oberhaupt der universalen Kirche

VATIKANSTADT – Der Generalobere der Gesellschaft Jesu, Pater Arturo Sosa Abascal, hat gesagt, dass der „Papst nicht das Oberhaupt der universalen Kirche ist“, und dass die Bischöfe „Pares“, ihm „gleichgestellt“, sind.

In einem englischsprachigen Interview mit EWTN in Rom, wo Pater Sosa an der Jugendsynode teilnimmt, die noch bis zum 28. Oktober stattfinden wird, erklärte die oberste Autorität der Jesuiten weltweit: „Es gibt keine Jurisdiktion für die ganze Kirche. Wir vergessen oft, dass der Papst nicht der Chef der Kirche ist. Er ist der Bischof Roms. Und als Bischof von Rom hat er einen anderen Dienst für die Kirche, der darin besteht, auf die bestmögliche Art zu versuchen, die Gemeinschaft der ganzen Kirche zu erreichen.“

Pater Sosa betonte, dass Papst Franziskus „ständig wiederholt, wenn Sie sich daran erinnern, dass er der Bischof von Rom ist – lassen Sie mich das wiederholen – und dass er empfindet, dass die anderen Bischöfe für ihr eigenen Kirchen verantwortlich sind, mit denen er in Dialog treten kann.“

„Was er tut, ist zu fördern, dass die Kirche in diese Mentalität der Zusammengehörigkeit im Bilden der Gemeinschaft eintritt und deshalb hebt er immer das Wort ´Unterscheidung´ (der Geister, A.d.R.) hervor“, erklärte er.

„Einige Personen in der Kirche meinen, dass Franziskus das sagt, weil er Jesuit ist und weil die Jesuiten die Unterscheidung berücksichtigen, erfinden. Die Unterscheidung gibt es schon seit dem Evangelium. Wenn sie die Figur Jesu betrachten, werden sie einen Menschen finden, der in der Unterscheidung steht, einen Menschen, der das sucht, was der Geist ihm sagen will, wie er leben soll. Die großen Meister der Spiritualität in der Kirche sind Männer und Frauen der Unterscheidung.“

Für den Generaloberen der Jesuiten ist „die Unterscheidung die Form, in der sich diese Gemeinschaft bilden lässt und die Form, in der die Kirche die wahre Struktur finden wird, um eine Kirche widerzuspiegeln, die dafür offen ist.“

Auf die Frage nach der Rolle der Ordensfrauen in der Synode antwortete der Generalobere: „Wir müssen verstehen, was die Natur der Synode ist, in diesem Moment, mit der Struktur der Kirche. Die Idee der Synode ist eine Art lokaler Versammlung.“
Seiner Meinung nach stellt die Synode einen „Beitrag für die Gemeinschaft aller Kirchen dar und der Papst kann die ihm Gleichgestellten (Pares), die die Bischöfe sind, zusammenrufen.“

„Wir haben Schritte unternommen, um mehr Leute und mehr Stimmen in die Synode aufzunehmen. Die erste Synode war nur für die Bischöfe, dann wurden einige Auditoren hinzugefügt, enige Experte und dann noch andere… in diesem Fall Jugendliche, und zuletzt Familien“, fügte er hinzu.

„Die Struktur verändert sich also und ich hoffe, dass man diesen Rhythmus der Veränderung in der Kirche beibehält. Wenn die Kirche wirklich zu einer Kirche des Volkes Gottes wird, dann wird die Struktur ein Widerschein davon sein; aber dass muss von unten nach oben erfolgen, nicht umgekehrt“, betonte Pater Sosa.
Der Generalobere der Jesuiten erläuterte zudem, dass die Synode „keine Art Parlament sei, in dem es eine Mehrheit oder eine Minderheit gäbe. Wir sind alle zusammen und versuchen, auf den Geist zu hören, und die Unterscheidung lehrt uns, dies zu tun.“
Aussagen Pater Sosas haben in der Vergangenheit Polemik
hervorgerufen, wie jene im Mai des Jahres 2017, als er sagte, der Teufel sei eine „symbolische Figur“.

In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Mundo hatte der venezolanische Priester erklärt, dass „wir Christen glauben, dass wir nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen sind. Gott ist frei, aber Gott wählt immer, das Gute zu tun, weil er ganz Güte ist. Wir haben symbolische Figuren geschaffen, wie den Teufel, um das Böse auszudrücken. Die sozialen Zwänge drücken auch diese Figur aus, da es Menschen gibt, die so handeln, weil sie sich in einer Umgebung befinden, in der es schwierig ist, das Gegenteil zu tun.“

Einige Monate zuvor, im Februar 2017, sprach der Generalobere der Jesuiten in einem Interview mit dem italienischen Portal Rossoporpora.org. Dabei sagte er, dass es – da „zur Zeit Jesu niemand ein Aufnahmegerät besessen habe“, – gut sei, darüber nachzudenken, was „Jesus wirklich gesagt hat.“

„Eine gute Betrachtung darüber, was Jesus wirklich gesagt hat, wäre notwendig. In dieser Epoche hatte niemand einen Rekorder, um seine Worte aufzunehmen. Was wir wissen ist, dass wir die Worte Jesu in den Kontext einbetten müssen. Sie sind in einer bestimmten Sprache, in einer konkreten Umgebung artikuliert und an jemand Bestimmten gerichtet“, sagte er bei dieser Gelegenheit. (CNA Deutsch)

Heiligsprechungen auf dem Petersplatz: Wortlaut der Predigt des Papstes

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat am heutigen Sonntag sieben Frauen und Männer der Kirche heiliggesprochen und dabei über die Radikalität Jesus bei der Feier der heiligen Messe auf dem Petersplatz gepredigt.

CNA Deutsch dokumentiert den Wortlaut der Predigt in deutscher Sprache, wie sie der Vatikan veröffentlicht hat.

VIDEO | Höhepunkte der Heiligsprechungen heute mit Papst Franziskus in Rom #canonizacion #saints #catholic #katholisch #Kirche #Vatican #vatikan pic.twitter.com/tIvVx9uWnt

CNA Deutsch (@CNAdeutsch) October 14, 2018

„Die zweite Lesung sagte uns: »lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und scharf« (vgl. Hebr. 4,12). Genauso ist es. Das Wort Gottes ist nicht nur eine Sammlung von Wahrheiten oder eine erbauliche spirituelle Erzählung, nein, es ist lebendiges Wort, das das Leben berührt, das es verwandelt. Dort spricht Jesus in Person zu unseren Herzen, derjenige, der das lebendige Wort Gottes ist.

Insbesondere das Evangelium lädt uns zu einer Begegnung mit dem Herrn ein, nach dem Beispiel jenes Mannes, der »auf ihn zulief« (vgl. Mk 10,17). Wir können uns in diesem Mann wiederfinden, dessen Name im Text nicht erwähnt wird, was ein Hinweis dafür sein könnte, dass er für einen jeden von uns steht. Er fragt Jesus, was er tun müsse, um »das ewige Leben zu erben« (V. 17). Er erbittet immerwährendes Leben, Leben in Fülle: wer von uns wollte das nicht? Aber, wir merken, er bittet darum wie um ein Erbe, das er haben möchte, wie um ein erhältliches Gut, das er aus eigener Kraft erlangen kann. Denn um dieses Gut zu besitzen, hält er seit seiner Kindheit die Gebote, und um dieses Ziel zu erreichen, ist er bereit, noch weitere Gebote zu halten; deshalb fragt er: »Was muss ich tun, um zu haben?«

Die Antwort Jesu bringt ihn in Schwierigkeiten. Der Herr blickt ihn liebevoll an (vgl. V. 21). Jesus ändert die Blickrichtung: von den Geboten, die er befolgt, um einen Lohn zu erhalten, hin zu einer unentgeltlichen und totalen Liebe. Dieser Mann sprach in der Begrifflichkeit von Angebot und Nachfrage, Jesus hingegen bietet ihm eine Liebensgeschichte. Er verlangt von ihn, von der Einhaltung der Gesetze zur Hingabe überzugehen, von einem selbstbezogenen Handeln zu einem Sein mit ihm. Und er macht ihm einen für sein Leben „einschneidenden“ Vorschlag: »Verkaufe, was du hast, gib es den Armen […], dann komm und folge mir nach!« (v. 21). Auch zu dir sagt Jesus: „Komm, folge mir nach!“ Komm: steh nicht still, denn um zu Jesus zu gehören reicht es nicht aus, dass man nichts Schlechtes tut. Folge mir nach: lauf Jesus nicht nur dann hinterher, wenn es dir passt, sondern suche ihn jeden Tag; begnüge dich nicht damit, Gebote zu befolgen, Almosen zu geben und Gebete zu sprechen; finde in ihm den Gott, der dich immer liebt, den Sinn deines Lebens, die Kraft zur Hingabe.

Jesus sagt dann weiter: »Verkaufe, was du hast, und gib es den Armen«. Der Herr spricht nicht theoretisch über Armut und Reichtum, sondern es geht ihm direkt um das Leben. Er verlangt von dir, das loszulassen, was dein Herz belastet, dich von Gütern zu befreien, um Platz zu schaffen für ihn, der allein gut ist. Man kann Jesus nicht wirklich folgen, wenn man von etwas in Beschlag genommen ist. Denn wenn das Herz mit Dingen übersättigt ist, wird für den Herrn kein Platz mehr sein, der dann zu einem Gegenstand unter vielen wird. Deshalb ist Reichtum gefährlich und – so sagt Jesus – macht es schwer, sich zu retten. Nicht, weil Gott streng ist, nein! Das Problem liegt auf unserer Seite: unser Zuviel-Haben, unser Zuviel-Wollen erstickt unsere Herzen und macht uns unfähig zu lieben. Deshalb erinnert der heilige Paulus daran, dass die Habsucht »die Wurzel aller Übel ist« (1 Tim 6,10). Wir sehen das: wo das Geld im Mittelpunkt steht, gibt es keinen Platz für Gott und auch keinen Platz für den Menschen.

Jesus ist radikal. Er gibt alles und verlangt alles: er gibt totale Liebe und verlangt ein ungeteiltes Herz. Noch heute schenkt er sich uns als lebendiges Brot; können wir ihm dafür ein paar Krümel geben? Ihm, der sich zu unserem Diener machte, so sehr, dass er für uns das Kreuz auf sich nahm, können wir nicht einfach antworten, indem wir einige Gebote befolgen. Es ist nicht damit getan, ihm, der uns das ewige Leben bietet, ein bisschen Zeit zu schenken. Jesus gibt sich mit einem „Prozentsatz an Liebe“ nicht zufrieden: wir können ihn nicht mit zwanzig, fünfzig oder sechzig Prozent lieben. Entweder alles oder nichts.
Liebe Brüder und Schwestern, unser Herz ist wie ein Magnet: es lässt sich von der Liebe anziehen, aber es kann nur auf einer Seite andocken und es muss wählen: entweder es wird Gott lieben, oder es wird den Reichtum der Welt lieben (vgl. Mt 6,24); es wird leben, um zu lieben, oder es wird für sich selbst leben (vgl. Mk 8,35). Fragen wir uns, auf welcher Seite wir stehen. Fragen wir uns, wo wir in unserer Liebesgeschichte mit Gott stehen. Begnügen wir uns mit einigen Geboten oder folgen wir Jesus als Verliebte, die wirklich bereit sind, für ihn etwas aufzugeben? Jesus stellt einem jeden von uns und uns allen als einer „Kirche auf dem Weg“ die Frage: sind wir eine Kirche, die nur gute Gebote predigt, oder eine bräutliche Kirche, die sich ihrem Herrn in Liebe hingibt? Werden wir ihm wirklich folgen, oder wenden wir uns wie dieser Mann wieder der Welt zu? Also: genügt uns Jesus, oder suchen wir viele weltliche Sicherheiten? Bitten wir um die Gnade, dass wir fähig werden, aus Liebe zum Herrn loszulassen: den Reichtum, die Sehnsucht nach Status und Macht, nach Strukturen, die der Verkündigung des Evangeliums nicht mehr angemessen sind, einem Ballast, der unsere missionarische Sendung bremst, nach Bindungen an die Welt. Ohne einen Fortschritt in der Liebe erkrankt unser Leben und unsere Kirche an »egozentrischer Selbstgefälligkeit« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 95): man sucht die Freude in kurzfristigen Vergnügungen, man verschließt sich in sterilem Geschwätz, man bettet sich in der Monotonie eines christlichen Lebens ohne Schwung, wo ein wenig Narzissmus die Tristesse des Unvollendet-Bleibens überdeckt.

So war es bei diesem Mann, der – wie das Evangelium sagt – »traurig wegging« (vgl. V. 22). Er hatte alles an den Geboten und an seinen vielen Gütern festgemacht, aber er verschenkte nicht sein Herz. Und obwohl er Jesus getroffen und seinen liebevollen Blick erfahren hatte, ging er traurig weg. Traurigkeit ist ein Beweis für unerfüllte Liebe, ein Zeichen für ein laues Herz. Ein um so manches erleichtertes Herz hingegen, das frei ist, den Herrn zu lieben, verbreitet immer Freude, jene Freude, die heute so dringend gebraucht wird. Der Heilige Papst Paul VI. schrieb: »Gerade inmitten all ihrer Not müssen die Menschen von heute die Freude entdecken und deren frohen Klang vernehmen (Apostolisches Schreiben Gaudete in Domino, I). Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.

Paul VI. tat dies nach dem Beispiel des Apostels, dessen Namen er annahm. Wie dieser lebte er ganz für das Evangelium Christi, indem er Grenzen überwand und Neuland betrat sowie durch Verkündigung und Dialog sein Zeuge wurde, Prophet einer hinausgehenden Kirche, die Weitblick hat und sich um die Armen kümmert. Paul VI. hat, manchmal unter Mühen und von Unverständnis umgeben, ein leidenschaftliches Zeugnis von der Schönheit und Freude einer totalen Nachfolge Jesu abgelegt. Noch heute mahnt er uns, zusammen mit dem Konzil, dessen weiser Steuermann er war, unsere gemeinsame Berufung zu leben: die universale Berufung zur Heiligkeit. Nicht zum Mittelmaß, sondern zur Heiligkeit. Es ist schön, dass mit ihm unter den neuen Heiligen auch Bischof Romero ist, der auf weltliche Absicherungen, ja auf seine eigene Sicherheit verzichtete, um evangeliumsgemäß sein Leben hinzugeben. Er war den Armen und seinem Volk nahe. Sein Herz war hingezogen zu Jesus und seinen Brüdern und Schwestern. Dasselbe gilt für Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper, Nazaria Ignacia de Santa Teresa und Nunzio Sulprizio. Alle diese Heiligen haben in unterschiedlichen Situationen mit ihrem Leben das heutige Schriftwort deutlich gemacht, ohne Lauheit, ohne Berechnung, mit der Leidenschaft, etwas zu riskieren und loszulassen. Möge der Herr uns helfen, ihr Beispiel nachzuahmen.” (CNA Deutsch)

Humanae Vitae: Papst Paul VI. handelte nicht alleine

VATIKANSTADT – Humanae Vitae ist keine „vorkonziliare“ Enzyklika, der selige Papst Paul VI. hat den endgültigen Entwurf nicht allein geschrieben, und er hat – einem 2018 veröffentlichten Buch zufolge – verschiedene Meinungen eingeholt, bevor er diese erließ.

Das Buch „La nascita di un enciclica“ („Die Geburt einer Enzyklika“) wurde von Professor Gilfredo Marengo geschrieben, Professor für theologische Anthropologie am Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie.

Um das Buch zu schreiben, erhielt Professor Marengo mit besonderer Genehmigung des Papstes Zugang zu Dokumenten aus dem Archiv des Staatssekretariats des Vatikans, da Archivmaterial aus dem Heiligen Stuhl in der Regel erst nach 70 Jahren zur Verfügung gestellt wird.

Die Dokumente enthalten eine Reihe von Entwürfen und Anweisungen sowie eine nie veröffentlichte Enzyklika De nascendi prolis, die durch einen neuen Entwurf aufgehoben wurde, der schließlich zum endgültigen Text von Humanae vitae wurde.

Das Studium dieser Dokumente führt Marengo zu einer endgültigen Schlussfolgerung: „Die Idee, dass Paul VI. seine Entscheidungen allein getroffen hat, ist nur mythologisch.“

Gleichzeitig sei „die Isolation, in der er sich befand“ nach der Verkündigung der Enzyklika eine andere Sache, sagte Marengo.

Das Buch ist das Ergebnis eines historischen Forschungsprojekts zu Humanae vitae, das bei der Ankündigung zunächst Anlass zur Besorgnis gab. Zu Beginn spekulierten einige, dass eine Kommission zur Neuinterpretation von Humanae vitae gebildet worden sei, bestehend aus Marengo, Pierangelo Sequeri, Präsident des Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II. und den Professoren Philippe Chenaux und Angelo Maffeis.

Kirchliche Beamte sagten im vergangenen Juni, dass dies nicht der beabsichtigte Zweck der Studiengruppe sei, und Marengo sagte am Vorabend der Veröffentlichung des Buches zu CNA, dass die Enzyklika von Paul VI. nicht aktualisiert werden müsse.

„Der Weg zu Humanae vitae war nicht schwierig, weil Paul VI. Zweifel oder Unsicherheiten über die Verhütungspraxis hatte. Schwierigkeiten ergaben sich aus der Suche nach einer Sprache, die dieses Urteil ausgewogen, überzeugend und pastoral fruchtbar vermitteln kann“, so Marengo.

Der Weg zur Veröffentlichung von Humanae Vitae war lang. Es begann 1963, als der heilige Johannes XXIII. eine Kommission für das Studium von Ehe, Familie und Geburtenkontrolle einrichtete.

Kurz darauf starb Johannes XXIII. und Paul VI. wurde zum Papst gewählt. Er erweiterte die Mitgliederzahl der Kommission von 6 auf 12, und 1965 erweiterte er sie auf 75, unter dem Vorsitz von Kardinal Alfredo Ottaviani, Präfekt des Heiligen Offiziums – heute Kongregation für die Glaubenslehre.

Das Buch von Professor Marengo verfolgt Schritt für Schritt die Entwicklung der Diskussion, von einer Sitzung der Kommission zur nächsten. Im Allgemeinen gibt es zuerst einen pastoralen Ansatz, dann einen eher doktrinären und dann die von Paul VI. angebotene Synthese.

Zu den größten Bedenken einiger Kommissionsmitglieder gehörte, dass die Behauptung, die Verwendung einer Verhütungspille könne in bestimmten Fällen erlaubt sein, die Anti-Geburts-Politik des entwickelten Westens begünstigen und damit die ärmsten Länder negativ beeinflussen würde.

Die Frage der Geburtenkontrolle war Teil der Diskussion bei der Ausarbeitung der Verfassung des Zweiten Vatikanischen Konzils Gaudium et spes. Paul VI. traf jedoch die Entscheidung, die Frage der Geburtenkontrolle aus der Diskussion herauszunehmen. Marengo stellt fest, dass der Papst darum gebeten hat, in Gaudium et spes Abschnitte aufzunehmen, in denen er die Lehre der Kirche zu Fragen der Ehe und der Familie bekräftigt, sich gegen empfängnisverhütende Mentalitäten wendet und die eheliche Keuschheit lobt, um keinen Zweifel an der katholischen Lehre aufkommen zu lassen.

Besonders hervorzuheben ist die Plenarsitzung der erweiterten Kommission, die vom 25. bis 29. März 1965 stattfand. Die Versammlung erkannte an, dass eine öffentliche Erklärung zur verantwortungsvollen Vaterschaft notwendig sei, während sie unterstrich, dass es unmöglich gewesen sei, eine gemeinsame Schlussfolgerung darüber zu ziehen, ob die Pille rechtmäßig verwendet werden könne.

So schlugen sie eine vorübergehende pastorale Unterweisung vor, eine „provisorische Lösung, um der Unmöglichkeit, eine überzeugende doktrinäre Haltung zu erreichen, zu begegnen“.

Paul VI. mochte es nicht. Marengo bemerkte, dass der Papst besorgt sei, „zu vermeiden, dass die Kirche, und besonders das Lehramt, nicht in der Lage sei, ein klares Wort zu einem solchen Thema in der öffentlichen Meinung zu sagen“.

Darüber hinaus hielt es Paul VI. für inakzeptabel, „eine Änderung des Lehramtes zu unterstützen, nicht weil es starke und gemeinsame Gründe gab, sondern weil es nicht möglich war, alle Knoten zu lösen“.

Auch Bischof Carlo Colombo, der damalige Weihbischof von Mailand, machte seinen Vorschlag für eine Pastoralwende und legte einen Text vor, in dem es hieß: „Die Verhütungspraxis darf nicht immer als schwere Sünde betrachtet werden“, was in der Mitte ein Weg war, sich nicht von den Lehren Pius XI. und Pius XII. zu lösen und gleichzeitig den Gewissenskonflikt unter den Eheleuten aufzulösen.

Paul VI. hat diesen Vorschlag nicht aufgegriffen und einen neuen Weg des Studiums eingeschlagen, um eine gute Balance zwischen pastoraler Praxis und Lehre zu finden.

Marengo betonte, dass es damals schwierig war, die richtige Sprache zu finden, da „ein gewisser Aufruf zur Pastoralität benutzt wurde, um einige nicht sekundäre Fragen der Lehre zu diskutieren, was Unsicherheit und Unbehagen im kirchlichen Körper hervorrief“.

Zu diesem Zeitpunkt nahm der internationale Druck zu.

Ein Dokument, in dem betont wird, dass 70 Mitglieder der Päpstlichen Kommission der Antibabypille positiv gegenüberstehen, wurde 1967 gleichzeitig in der französischen Zeitung „Le Monde“, der englischen Zeitschrift „The Tablet“ und der amerikanischen Zeitschrift „National Catholic Reporter“ veröffentlicht.

Diese Veröffentlichung ist der Ursprung der Volkserzählung, dass Paul VI. allein und gegen die Meinung der Mehrheit der Kommissionstheologen gehandelt hat.

Bernardo Colombo, Professor für Demographie und Mitglied der Kommission, stellte 2003 in einem Artikel in der Zeitschrift „Teologia“ der theologischen Fakultät Mailand fest, dass das Dokument „nur einer der 12 dem Heiligen Vater vorgelegten Berichte“ sei.

Auch das Buch von Professor Marengo weist die Erzählung zurück.

Trotz des Drucks ging die Arbeit an einer Enzyklika weiter. 1967 bittet Paul VI. den Staatssekretär des Vatikans, die Teilnehmer der ersten Bischofssynode zu wählen.

Nur 26 der 199 Synodenteilnehmer antworten auf die Bitte, eine Stellungnahme zur Geburtenkontrolle abzugeben. Die Mehrheit von ihnen forderte Offenheit für die Anwendung der Verhütung, während nur sieben den Papst aufforderten, die Unmoral der Verhütung zu wiederholen, so Marengo.

Es war jedoch nur eine Minderheit der befragten Bischöfe, die sogar auf die Umfrage geantwortet haben. (CNA Deutsch)

Generalvikar Beer: Kirche steht beim Thema Missbrauch noch am Anfang

OHLSTADT (LKR. GARMISCH-PARTENKIRCHEN) – Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, sieht die Kirche angesichts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger vor historischen Veränderungen.

„Ich bin der Überzeugung, dass jetzt die Kraft, der Mut, der Schwung, auch der Druck da ist, dass wir, jeder an seiner Stelle, in Gang kommen, um etwas zu verändern“, sagte Beer bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese am heutigen Freitag, 12. Oktober, in Ohlstadt im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

„Der Gott der Geschichte, wenn es ihn denn gibt, hat uns kräftig in den Hintern getreten. Das war offenbar notwendig.“

Der Generalvikar warnte: „Man kann es sich gemütlich machen im Zorn, in der Macht, in der Enttäuschung“.

„Aber ich glaube, es ist jetzt die Stunde, nicht schwarz zu sehen, sondern es ist der Beginn einer neuen Zukunft. Das wird schmerzhaft werden, es werden geliebte Gewohnheiten verlorengehen, es wird sich das Gesicht der Kirche ändern, es wird eine Form von Kirche sein, die wir erst suchen müssen.“

Er gehe davon aus, dass die Kirche beim Umgang mit sexuellem Missbrauch erst am Anfang stehe, „nicht am Ende, nicht in der Mitte“.

Die Kirche dürfe sich nicht vormachen, dass es ausreiche, aufzuklären und Missbrauchs- und Präventionsbeauftragte zu haben, so Beer: „Die Strukturen, die Haltungen, die systematischen Gründe, die sich hinter der Missbrauchsthematik und vor allem dem Umgang damit verbergen, die bestehen ja weiterhin und wirken auch in anderen Bereichen.“

Der Münchner Generalvikar nannte unter anderem die Tendenz, Schwierigkeiten „unter uns“ zu regeln, „das Nichtglauben gegenüber den Missbrauchsopfern, das Beschwichtigen der Situation vor Ort“ sowie „den schnellen Übergang von Schuld zu Barmherzigkeit, ohne Sühne, ohne Wiedergutmachung, ohne Buße. Das sind Tendenzen, da müssen wir sehr genau hinschauen und in allen Bereichen aufpassen.“ (CNA Deutsch)