Großbritannien: Nein zu Bischöfinnen

Die Abstimmung der Generalsynode der „Church of England" ist denkbar knapp ausgegangen, und das trotz des beachtlichen Einsatzes, den der bisherige und der neue Primas – vergeblich – gezeigt hatten: Die anglikanische Generalsynode in London hat am Dienstagabend die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt abgelehnt, im dritten von drei Gremien fehlten letztlich ganze sechs Stimmen. Damit bleibt der von Spaltungstendenzen geplagten Kirchengemeinschaft eine ihrer wichtigsten Streitfragen auf Jahre erhalten. Und der designierte neue Primas und Hoffnungsträger Justin Welby ist in seiner Autorität beschädigt, noch bevor er sein Amt angetreten hat.

Es war die erwartete kraftvolle Rede, mit der Welby, über Jahre erfolgreicher Finanzmanager im Ölgeschäft, vor der Synode für die Zulassung von Bischöfinnen warb. Es sei Zeit, diese Aufgabe zu vollenden, forderte der Bischof von Durham die Delegierten auf. Seit ihrer Zulassung zum Priesteramt vor 20 Jahren hätten Frauen in allen Bereichen der Kirche mit viel Energie gewirkt. Die anglikanische Kirche müsse nun zeigen, dass sie Vielfalt ohne Spaltung verwirklichen könne.

Und der scheidende Amtsinhaber Rowan Williams, der wohl mehr als jeder andere unter dem Dauerstreit gelitten hatte, sprang ihm in einem seiner letzten großen Auftritte als Primas zur Seite: Es sei „Zeit, die Seite umzublättern" und nach vorne zu blicken. Ein Nein, so Williams, würde zudem ein negatives Signal an die Gesellschaft senden. Das ist nun geschehen – obwohl die Mehrheit für Bischöfinnen eigentlich erdrückend ausfiel: 44 zu 3 bei den Bischöfen, 148 zu 45 bei den Geistlichen – aber eben nur 132 zu 74 bei den Laien, womit die Zweidrittelmehrheit knapp verfehlt worden ist. Der Bischof von Norwich, Right Reverend Graham Jones ist einer der Befürworter des Bischofsamtes für Frauen. Im BBC-Interview verlieh er seiner Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis Ausdruck:

„Es ist natürlich sehr enttäuschend, dass die Wahl so knapp verloren gegangen ist, aber es ist zu bedenken, dass die Generalsynode an sich mit überwältigender Mehrheit für die Bischofsweihe von Frauen gestimmt hat. Allerdings hat die Church of England in der Tat eine sehr hohe Hürde gesetzt, denn man braucht, um eine Abstimmung zu gewinnen, die Zweidrittelmehrheit in allen drei Häusern. Natürlich ist das ein Zeichen dafür, dass wir so viele Menschen wie möglich mit uns bringen wollen und das ist auch eine große Herausforderung für alle, die dagegen gestimmt haben aber sich gleichzeitig mit dem Gedanken tragen, in welcher Weise man vorgehen könnte, um Frauen doch zu Bischöfen zu machen. Es ist eine große Verantwortung für sie und alle Bischöfe in Führungspositionen, das so bald als möglich wahr werden zu lassen."

Schon als man sich Anfang der 90er Jahre in der englischen Mutterkirche sowie in mehreren Nationalkirchen zur Freigabe des Frauenpriestertums entschloss, führte das die anglikanische Gemeinschaft an den Rand der Spaltung. Auch damals hatte der Beschluss in der englischen Generalsynode eine hauchdünne Mehrheit: Hätten nur drei Delegierte der Laien anders votiert, wäre er gescheitert. Bischof Jones gibt sich aber nicht geschlagen:

„Ich erkenne an, dass viele Frauen sehr enttäuscht sein müssen, aber was ich betonen möchte, ist, dass die Bischöfe selbst mit überwältigender Mehrheit für die Weihe von Frauen zu Bischöfen gestimmt haben, auch der Klerus wählte mit einer großen Mehrheit dafür, nur im Haus der Laien ist die Wahl sehr knapp dagegen entschieden worden. Ich denke, das ist ein Zeichen dafür, dass es einen Willen von vielen Teilnehmern der Generalsynode gibt, eine Formulierung zu finden, mit der man sich einigen kann, und ich hoffe, es wird nicht allzu viele Jahre dauern, bevor das passiert."

Auch diesmal, 20 Jahre später, war das „Haus der Laien" also das Zünglein an der Waage. Nur sind die Verästelungen all der Bedingungen, Kompromisse, Zusatzvereinbarungen und Hintertüren, die die Weihe von Bischöfinnen möglich machen sollten, noch unübersichtlicher geworden. Traditionalistische Pfarreien, die eine Pfarrerin oder Bischöfin ablehnen, sollten Anspruch auf Seelsorge durch einen männlichen Pfarrer oder Bischof haben. Frauen hätten damit nur eine „Weihe zweiter Klasse" erhalten, meinten Kritiker. Zoe Ham von der Traditionalisten-Vereinigung Church Society sieht das Ergebnis hingegen positiv::

„Ich bin froh, dass der Vorschlag in seiner heutigen Form abgelehnt worden ist denn ich denke, dass es nicht in ausreichender Weise die Vorstellungen derjenigen einbezogen hat, die nach dem biblischen Vorbild davon ausgehen, dass Mann und Frau unterschiedliche Rollen in der Kirche spielen sollten. Ich hätte mir eine größere Klarheit für diejenigen erwartet, die eine andere Meinung vertreten und denen es nicht möglich wäre, eine Frau als Bischöfin zu akzeptieren. Es wäre eine klare Alternative für diese Leute nötig gewesen."

Schon im Vorfeld der Abstimmung gingen die Wogen hoch; Gegner wie Befürworter unterzeichneten Memoranden, gaben Interviews, beschworen die Kircheneinheit oder die Gefahr innerer Spaltung. Das Scheitern des Projekts am Dienstagabend dürfte der Startschuss für eine neue Welle der Diskussionen sein. Währenddessen durfte sich, sehr weit weg, Ellinah Wamukoya über einen großen Tag freuen: Die 61-Jährige wurde zur ersten anglikanischen Bischöfin Afrikas geweiht. Sie leitet künftig eine Diözese im konservativen Königreich Swasiland. (rv)

Anglikanischer Primas spricht auf Synode

Es war der ökumenische Höhepunkt der Bischofssynode im Vatikan: Am Mittwochabend wandte sich der Primas der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, an den Papst und die Bischöfe. In seinem Vortrag lobte er das Zweite Vatikanische Konzil vor allem dafür, dass es „das christliche Menschenbild erneuert" habe. Gläubige müssten der Welt heute das „Gesicht einer Menschlichkeit in endlos wachsender Liebe" zeigen. Christen könnten der „unwirklichen und irrsinnigen Welt" entgegentreten, zu der die Finanzsysteme und die Werbung die Menschen anstifteten. Frei von reiner Selbstorientierung bilde die „von Gottes Weisheit" geprägte christliche Kontemplation eine Antwort.

Um den christlichen Glauben in der westlichen Gesellschaft wieder zu beleben, verwies Williams auf geistliche Gemeinschaften, die über konfessionelle Grenzen hinaus Begeisterung ausstrahlten. Je mehr die christlichen Konfessionen einander fernblieben oder sich den anderen gegenüber für überlegen hielten, umso unglaubwürdiger werde ihre Botschaft. Der Erzbischof trat für eine „spirituelle Ökumene" und Netzwerke wie die benediktinisch inspirierte „World Community for Christian Meditation" ein.

Im Gespräch mit Radio Vatikan bekräftigte der anglikanische Primas, wie bedeutsam das Konzil weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus gewesen sei.

„Es war ungeheuer wichtig! Ich war ein Teenager, als das Konzil begann, und ein praktizierender Anglikaner, und was zunächst als interessante, aber irgendwie exotische und weit entfernte Veranstaltung erschien, öffnete sich auf einmal und wirkte nicht mehr auf sich selbst bezogen. Das beeindruckte mich und andere. Wir entdeckten in den Verfahrensweisen beim Konzil eine ungeahnte Transparenz der katholischen Kirche, wir erlebten Papst Johannes XXIII. als ein Geschenk an die ganze Christenheit. Und wir stellten fest, dass auf einmal auch andere christliche Kirchen überlegten, wie sie bestimmte Dinge besser machen könnten. Die katholische Liturgiereform stieß z.B. eine ganze Reihe von Liturgiereformen auch in anderen Kirchen an! Ja, das Konzil war auch für uns ausgesprochen wichtig."

Die Erwartungen, die das Konzil vor fünfzig Jahren weckte, waren sehr hoch – doch der damalige Schwung scheint im Lauf der Jahre verlorengegangen zu sein. Der Weg der christlichen Kirchen zur Einheit und zu einem gemeinsamen kraftvollen Zeugnis sei steiniger, als man sich das damals gedacht habe, so Williams.

„Ja doch, manchmal bin ich da enttäuscht. Aber wenn ich dann auf die sechziger Jahre zurückschaue, erinnere ich mich daran, wie wir damals in der Kirche wie in der Politik schlechthin alles für möglich gehalten haben! Da war schon eine Menge Übereilung und Naivität mit im Spiel. Wohinter wir nicht mehr zurückgehen werden, das ist, dass wir mittlerweile auf eine ganz andere Art zusammen beten. In den fünfziger Jahren, als ich ein Kind war, wäre es ziemlich undenkbar gewesen, mit römischen Katholiken zusammen zu beten. Noch nicht einmal das Vaterunser betete man gemeinsam! Die Haupterrungenschaft ist, dass wir uns näher kennengelernt und jetzt das Gefühl haben, dass wir zusammengehören. Das ist irreversibel!" (rv)

Synoden-Telegramm: Von der Heiligen Schrift bis zu den Frauen in der Kirche

In welchen Formen kann Glaube vermittelt werden? Was heißt Neuevangelisierung in Asien? Welche Rolle spielen Frauen in der katholischen Kirche? Und wie kann Neuevangelisierung im ökologischen Bereich aussehen? Um diese Fragen ging es unter anderem auf der Sitzung der Synodenväter am Dienstagnachmittag im Vatikan.

Seit dem Postsynodalen Schreiben „Verbum Domini" erfreut sich die „Lectio Divina", die betende Meditation über Bibeltexte, unter Gläubigen immer größerer Beliebtheit. Darüber informierte der Präfekt der Bischofskongregation auf der Sitzung der Synodenväter am Dienstagnachmittag. Die Begegnung mit Gott in der Heiligen Schrift werde zudem in vielen Diözesen und Gemeinschaften durch Bibelanimationen, Bibellesungen oder Bibel-Mottojahre gefördert, lobte der kanadische Kardinal Marc Ouellet. Das Postsynodale Schreiben „Verbum Domini", in dem der Papst zur Glaubensvertiefung durch das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift propagiert, sei bis heute massenhaft verbreitet worden. „Verbum Domini" ist Frucht der Bischofssynode von 2008.

Neuevangelisierung in Asien heißt auch Lossagen von materiellem Besitzstreben und Rückbesinnung auf die Kraft des Glaubens. Daran hat mit Blick auf Armut und Materialismus in Bangladesch der Bischof von Rajshahi, Gervas Rozario, erinnert. „Die negative Bedeutung der Armut, wie sie von den Menschen in Asien erfahren wird, ist vor allem Ergebnis der unersättlichen Gier einiger Reicher und Mächtiger." Einfachheit, Demut, Glück und Solidarität hätten damit wenig zu tun, so der Geistliche. In dieser Botschaft liege eine Chance für Neuevangelisierung in Asien.

Zur Neuevangelisierung gehört auch eine gute Ausbildung des Klerus und der Laien. Darauf machte der Erzbischof von Paris, André Vingt-Trois, in seinem Redebeitrag aufmerksam. Es brauche nicht nur eine Bezeugung des Glaubens, sondern auch eine „Pädagogik der Kultur". Die säkulare Gesellschaft sei medial durchwirkt und zunehmend durch Emotionalität und nur augenblickliche Eindrücke bestimmt.

Der Grund, warum die katholische Kirche die Weihe von Frauen in das Priesteramt ausschließt, liegt im Lehramt. Die Kirche zweifelt nicht an den Fähigkeiten der Frauen, die ja numerisch innerhalb der Kirche insgesamt zwei Drittel ausmachen. Auch das haben die Synodenväter bei ihrer Sitzung am Dienstagnachmittag betont. Zugleich machten sie deutlich, dass eine Neuevangelisierung ohne Frauen in der katholischen Kirche, die sich anerkannt und ausgefüllt fühlen, gar nicht möglich sei.

Weiteres Thema am Dienstagnachmittag im Vatikan: Neuevangelisierung im ökologischen Bereich, will heißen die Erziehung zum Schutz der Schöpfung. Hier spielten die Kirchengemeinden eine große Rolle, sie sollten sich mit Blick auf einen Dialog zwischen Glauben und Kultur stärker vernetzen und im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit aktiv sein.

Am Mittwochabend wird auf der Bischofssynode zur Neuevangelisierung im Vatikan der anglikanische Primas von Canterbury, Erzbischof Rowan Williams, zu Wort kommen. (rv)

Großbritannien: Erzbischof Rowan Williams tritt zurück

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, tritt mit Ende des Jahres von seinem Amt zurück. Das gab das Büro des Primas der anglikanischen Kirche an diesem Freitag bekannt. Williams hatte das Amt seit 2002 inne. Es sei „ein Privileg" gewesen, über zehn Jahre als Erzbischof von Canterbury und Ehrenoberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft dienen zu dürfen, so Williams auf seiner Webseite. Er habe die Position des Leiters des Magdalene College in Cambridge akzeptiert und werde dieses Amt im Januar antreten, teilte der Erzbischof weiter mit. Vor seiner Ernennung zum Bischof der anglikanischen Kirche wirkte Williams als Theologiedozent zunächst in Cambridge und dann in Oxford. (rv)

Rowan Williams: Für die Ökumene von den Mönchen lernen

Die Vesper in San Gregorio am Samstagabend war der Abschluss Tages der Begegnungen für Rowan Williams, den Erzbischof von Canterbury und Haupt der anglikanischen Kirche. Weniger als sechs Monate nach dem Friedenstreffen von Assisi hatte er wieder die Gelegenheit, sich mit Papst Benedikt auszutauschen.

Bei der Privataudienz am Samstagmorgen sei es um ähnliche Themen gegangen wie schon in Assisi, so Erzbischof Rowan im Interview mit Radio Vatikan.

„Wir haben ein wenig über die Situation im Nahen Osten und die Antwort der Kirche darauf gesprochen. Wir teilen die Sorge, die Frustration und auch die Unsicherheit darüber, was die Zukunft dort bringen wird. Wir haben dann auch über meine Ansprache gesprochen, die ich in Genf bei der UNO über Menschenrechte allgemein gehalten habe. Wir haben uns dann recht lebhaft über die theologischen Fundamente für Menschenrechte unterhalten und darüber, eine solides Verständnis des Bildnisses Gottes im Menschen zu haben. Wir sind uns hier ganz einig darin, dass die theologische Debatte wieder mehr in den Diskurs muss."

Erzbischof Williams war gekommen, um mit Papst Benedikt die Vesper zu feiern, ganz in der Tradition der jeweiligen Vorgänger. Die Tatsache, dass bereits drei Erzbischöfe von Westminster hier gewesen seien, mache deutlich, wie sehr der Beginn der Missionierung Englands mit diesem Ort verbunden würde.

„Dadurch, dass wir zu den gemeinsamen Wurzeln und der gemeinsamen Vergangenheit zurück gehen, schaffen wir auch eine Gemeinschaft in der Gegenwart. Selbst die protestantischsten der englischen Christen erkennen diese Wurzel an. Das gibt uns die Kraft, weiter für die sichtbare Einheit zu streiten, wann immer sie kommen mag."

Neben den gemeinsamen Wurzeln sei aber auch die Mönchsgemeinschaft der Kamaldulenser, die in diesem Jahr 1.000 Jahre alt wird und zu deren Kloster die Kirche gehört, in der Papst Benedikt und Erzbischof Rowan feierten, eine Inspiration: Auch die Ökumene könne von den Mönchen lernen:

„Die Bedeutung des Mönchslebens sowohl für die Ökumene als auch für die Evangelisierung – auch das war ein Thema – liegt daran, dass die Mönchsgemeinschaft eine Gemeinschaft ist, die sich um das Wort Gottes versammelt. Sie sind nicht verwandt oder haben Stammesloyalitäten, sie sind schlicht eine Gemeinschaft, die gemeinsam die Psalmen singt und die sich mit dem Gebet Jesu identifizieren."

Erzbischof Williams wird bereits im Oktober dieses Jahres nach Rom zurückkehren, um vor der Bischofssynode zur Neuevangelisierung zu sprechen, ein weiteres Thema der Privataudienz bei Papst Benedikt.

„Es ist glaube ich sehr klar, dass ich eingeladen bin, um eine theologische Reflexion über die Natur der Evangelisierung zu geben. Ich fühle mich geehrt, das tun zu dürfen. Ich hoffe, dass das ein Zeichen dafür ist, dass wir bei der Evangelisierung in Europa zusammen arbeiten können. Es wäre desaströs, wenn das eine Kirche alleine versuchen würde und glauben würde, sie allein könne es schaffen. Es gibt nicht den einen und wahren Schlüssel für die Evangelisierung, wir brauchen so viele und so tiefe Ressourcen, wie wir finden können." (rv)

Religionen rufen in Assisi zu religiöser Toleranz auf

Der erste Weg des Pilgerreise für den Frieden führte die Delegationen in die Kirche Santa Maria degli Angeli in der Unterstadt von Assisi, dort, wo vor 800 Jahren der Franziskanerorden um eine kleine Kirche herum entstand.

„Wir wollen Zeugnis ablegen für die Kraft der Religionen, ihren Beitrag für den Frieden zu leisten." So begann Kardinal Peter Turkson den Reigen der Wortmeldungen. Und er gab den Ton vor, dem die übrigen Sprecher folgten.

Bartholomaios I., ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, sprach vom Keim der Verwandlung, den jede Religion in sich trage. Die Rolle von Religion in der Welt sei aber unsicher, gerade auch mit Blick auf den „arabischen Frühling"; ein weiteres an den Rand gedrängt werden zum Beispiel im Nahen Osten sei eine Gefahr, die Religionen träfen sich in Assisi in einer Position der Schwäche, nicht der Stärke.

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, betonte, dass man nicht hergekommen sei, um den kleinsten gemeinsamen Nenner festzustellen. Man wolle in aller Verschiedenheit aus der Tiefe des eigenen Glaubens sprechen; die Welt solle erkennen, wie viel Weisheit die Religionen im Angesicht der Unkenntnis und des Misstrauens der Welt zu bieten hätten.

Olav Fykse Tveit – Generalsekretär des Weltkirchenrates – richtete seinen Blick auf die nachfolgenden Generationen: Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit seinen Gefahren für den Frieden, man dürfe mit der Zukunft der Jugend nicht spielen.

Der Vertreter des israelischen Großrabbinats, David Rosen, betonte, Frieden stelle mehr als nur eine pragmatische Notwendigkeit dar. Glaubende strebten nach einem höheren, göttlichen Frieden. Rosen dankte Benedikt XVI. für seine Initiative zu einem weiteren Weltfriedenstreffen 25 Jahre nach der ersten Zusammenkunft, zu der Johannes Paul II. im Jahr 1986 eingeladen hatte.

Den besonderen Beitrag der Ur-Religionen betonte Wande Abimbola Awise Agbaye, Sprecher der afrikanischen Religionen der Ifu und der Yoruba. Gemäß seiner religiösen Tradition sang er Teile seines Beitrages. Zusammenarbeit und das Erkunden der eigenen Wurzeln müsse zusammen geschehen, so Abimbola, ebenso der Respekt sowohl für den Menschen als auch für die Natur, unsere Mutter.

Der Vertreter der Hindu, Scharia Shri Shrisvatsa Goswami, betonte den inneren Weg des Pilgerns. Rein äußerlich ließen sich die obersten Werte der Menschen nicht erreichen. Friede sei dieser Weg. Die vergangenen 25 Jahre seit dem ersten Treffen hätten aber gezeigt, dass auf diesem inneren Weg noch viel zu tun sei.

Dem fügte der Vertreter des Buddhismus Ja-Seung hinzu, dass das nur gemeinsam zu schaffen sei. Menschen seien nicht getrennte Individuen, sie seien in ihrem Menschsein miteinander verbunden, es brauche „Bruderschaften des Lebens", „Bruderschaften für Frieden", „Bruderschaften des Teilens". Bei allen kulturellen Unterschieden sei Wahrheit nur gemeinsam zu finden.

Dass Menschen des Glaubens oft Teil der Problems und nicht Teil der Lösung sind betonte der Vertreter des Islam, Kyai Haji Hasym Muzadi, wohl auch im Blick auf den Terrorismus. Umso wichtiger sei es, den jeweils eigenen Glauben richtig verstehen zu wollen. Jede Religion besitze ihre eigene Identität, zwischen den Religionen gebe es Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten, das alles gelte es als Reichtum zu erkennen und nicht als Gefahr.

Das Friedenstreffen von Assisi ist nicht einfach nur eine Weiterführung einer Idee, es ist eine Weiterentwicklung. Durch die Einladung an Nichtglaubende hat Benedikt XVI. dem Treffen eine eigene Prägung hinzugefügt. So interpretierte die Philosophin Julia Kristeva die Worte Johannes Pauls II. „Habt keine Angst" als nicht nur an Gläubige gerichtet, weil sie dazu aufforderten, dem Totalitarismus zu widerstehen. Zum ersten Mal sei die Menschheit in der Lage, sich selbst zu zerstören. Aber dieses Treffen in Assisi sei Zeugnis dafür, dass die Annahme der Zerstörung nicht die einzig mögliche Annahme sei. „Wir müssen auf die Fähigkeit von Männern und Frauen setzen, gemeinsam zu glauben und zu erkennen". So würde der Humanismus auch in Zukunft seine kreativen Fähigkeiten erhalten, so Kristeva.

Der Präsident des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax", Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, würdigte die Fortschritte im interreligiösen Dialog seit dem ersten Weltfriedenstreffen. In dieser Zeit sei das Gefühl der Brüderlichkeit und Solidarität zwischen den Religionen gestärkt worden, sagte Turkson. (rv)

Anglikanischer Erzbischof: „Dialog mit Katholiken tut uns gut“

Im norditalienischen Kloster Bose läuft in diesen Tagen die dritte Runde im theologischen Gespräch zwischen dem Vatikan und der anglikanischen Kirche. Bis Freitag nächster Woche treffen sich die Delegationen unter Leitung des katholischen Erzbischofs von Birmingham, Bernard Longley, und des anglikanischen Erzbischofs von Neuseeland, David Moxon. Erzbischöfe verschiedener Kirchen und auf verschiedenen Kontinenten – und doch haben sie viel gemeinsam, erzählt der Katholik Longley:

„Es war schön, festzustellen, dass wir uns schon in unserer Studentenzeit in Oxford oft begegnet sind. Jetzt sitzen wir uns gegenüber, jeder mit dem Mandat seiner jeweiligen Kirche. Unser Mandat erinnert uns auch am Start dieser dritten Gesprächsrunde daran, dass wir dasselbe Ziel haben, nämlich die volle, sichtbare Einheit der kirchlichen Gemeinschaft."

Einer der jüngsten Stolpersteine auf dem Weg zu diesem Ziel kam – zumindest nach anglikanischer Lesart – vom Vatikan: Papst Benedikt hat für Anglikaner, die katholisch werden wollen, eine eigene Struktur innerhalb der katholischen Kirche geschaffen. Es ist das so genannte Personaloralordinariat.

„Wir hatten ein sehr nützliches, wenn auch informelles Gespräch darüber, weil beiden Seiten klar war, dass die Einrichtung des Ordinariats nicht zu den Themen gehört, die uns unsere Kirchen vorgegeben haben. Andererseits gehören das Ordinariat und die Wirkungen, die es vor Ort gehabt hat, natürlich zum Kontext unseres Treffens. Wir konnten das Thema also nicht einfach ignorieren und haben vor allem seine Realität in England besprochen. Dabei stellten wir auch fest, dass unsere Art des ökumenischen Umgangs sich nicht geändert hat. Ich glaube, wir sollten die Reserven und in einigen Fällen auch die Entgeisterung ernstnehmen, die die Einrichtung des Ordinariats (bei Anglikanern) ausgelöst hat. Aber wir lassen uns auch nicht von unserem eigentlichen Dialogthema ablenken, nämlich der Welt- und der Ortskirche, und wie sie zu ethischen Entscheidungen kommt. Das ist unser Fokus!"

Die Spannung zwischen Ortskirchen und der weltweiten Gemeinschaft sind für die Anglikaner ein heikles Thema, leidet ihre Kirche doch gerade unter starken Fliehkräften. Mit einer Art Bundesschluss versucht der anglikanische Primas Rowan Williams, die Einheit seiner Gemeinschaft zu retten. Erzbischof Moxon meint:

„Das Thema rührt an die Wurzel einiger Konflikte in unseren Kirchen derzeit… Wenn wir genau hinschauen, können wir aber nur staunen, welches Niveau an Übereinstimmung wir inzwischen mit den Katholiken haben bei Themen wie Taufe, geistliches Amt und Mission. Die dritte Runde der anglikanisch-katholischen Gespräche scheint mir auch eine Art Geschenk an die anglikanische Kirche zu sein, wenn es gelingt, die Schlußdokumente wirklich in die anglikanische Gemeinschaft einzuspeisen. Der Dialog tut der anglikanischen Kirche nämlich gut: Er zwingt uns dazu, auf unsere Gemeinsamkeiten zu schauen. Und das tun wir in einem Moment, wo die anglikanische Gemeinschaft sich intern fragt, wie sie zu einer weltweiten Einheit in der Vielfalt finden kann."
(rv)

Vatikan und Anglikaner: „Heiße Themen nicht frontal ansprechen“

In der zweiten Maihälfte trifft sich die vatikanisch-anglikanische Dialogkommission namens „ARCIC" zu einer neuen Sitzungsrunde, diesmal im norditalienischen Kloster Bose. Das hat der Vatikan ja vor ein paar Tagen schon angekündigt. Der „co-secretary" des Dialogs, Monsignore Mark Langham, betont nun im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Übertritte von Anglikanern zur katholischen Kirche den Dialog nicht stören werden. Der Vatikan hat kürzlich eigene kirchliche Strukturen in Großbritannien geschaffen; das so genannte „Pastoral-Ordinariat" soll es Anglikanern erlauben, bei einem Übertritt zur katholischen Kirche einen Teil ihrer Riten und Traditionen zu behalten.
 „Wir haben immer gesagt, dass der Weg des traditionellen ökumenischen Dialogs ein ganz anderer ist als der des Übertritts – ob von Einzelnen oder von Gruppen. Das Zweite Vatikanische Konzil selbst sagt das in seinem Ökumene-Dokument! Wir sehen unsere Arbeit also nicht innerhalb dieses Rahmens des Pastoral-Ordinariats; es geht um etwas anderes. Unsere Arbeit ist es, die Beziehung zwischen beiden Traditionen, der anglikanischen und der katholischen, zu stärken, wie sie in den letzten vierzig Jahren gewachsen ist. Natürlich ist das Ordinariat ein sehr wichtiges Element in der Landkarte der Beziehungen zwischen beiden Kirchen – aber es wird von sich aus nicht in unsere Diskussionen einfließen."
In Kloster Bose wird es also Ende Mai nicht zu einem erbitterten Hickhack kommen, so der Vatikan-Planer. Die Methode des ökumenischen Dialogs sei nämlich nicht der Streit – selbst wenn es an Schwierigkeiten und Streitpunkten zwischen Anglikanern und Katholiken nicht mangelt.
„Ich muss sagen, dass wir die so genannten heißen Punkte nicht einfach frontal angehen wollen; wir versuchen eher, dahinter zu gucken und die Wurzeln der Unterschiede zu entdecken. Es liegt ja in der Natur der ökumenischen Gespräche, das zu betonen, was man gemeinsam hat, und einen Raum zu suchen, wo man gemeinsamen Glauben bezeugen kann – und erst von da aus schaut man dann, wo und wann und warum man mal auseinandergegangen war. Das ist produktiver und kreativer; wenn wir einfach so direkt über die heißen Punkte sprechen, dann würden beide Seiten sich auf Positionen versteifen, und man käme nirgendwohin."
Für Bose haben sich Mark Langham und die anderen Dialog-Teilnehmer das Thema der „communio" vorgenommen – Gemeinschaft.
„Das ist ein Thema, das sich aus den Diskussionen des Papstes mit dem anglikanischen Erzbischof Rowan Williams ergab, als sie sich in Rom trafen. Dabei ging es immer wieder um die Fragen: Was macht Kirche aus, und: Wie verhält sich eine Ortskirche zur größeren Gemeinschaft? Das Hauptthema des Dialogs wird also „Gemeinschaft" sein – das ist ein Thema, das sehr wichtig ist angesichts dessen, was gerade in der anglikanischen Kirche passiert."
Monsignore Langham vom Päpstlichen Einheitsrat betont, dass die Gespräche vom Mai die dritte Phase „eines lange andauernden Dialogs" bilden.
„Die ersten zwei Phasen führten zu gemeinsamen Statements über Eucharistie und kirchliches Amt, die von beiden kirchlichen Gemeinschaften offiziell angenommen wurden. Der Dialog geht jetzt seit etwa vierzig Jahren, und wir wissen nicht, wie viele Jahre er noch vor sich hat – aber wir werden dabeibleiben, solange es auch braucht." (rv) 

Papst trifft Oberhaupt der Anglikaner: „Gemeinsame Herausforderungen“

Papst Benedikt XVI. hat am Freitag in London mit dem anglikanischen Primas Rowan Williams gesprochen. Im Lambeth Palace, dem Dienstsitz des Erzbischofs von Canterbury, bekräftigten beide Kirchenführer ihren Willen zu Fortschritten in der Ökumene. Nur indirekt kamen Auffassungsunterschiede zwischen den beiden Kirchen zur Sprache; „diese Probleme sind allen hier bekannt", sagte Papst Benedikt in seiner Ansprache, ohne direkt auf die Zulassung von Frauen und bekennenden Homosexuellen zum Bischofsamt einzugehen. Das Dilemma der Ökumene sei, dass die Kirche „eine inklusive Berufung" habe, „jedoch nicht auf Kosten der christlichen Wahrheit", so der Papst.
 Auch Williams äußerte die Einschätzung, die Hindernisse auf dem Weg zur Kircheneinheit seien „nicht schnell zu überwinden". Aber nichts hindere Christen beider Konfessionen, durch gemeinsame Gottesdienste und engere Freundschaft einander im Glauben zu stärken. Ziel sei weder eine strategische Zusammenarbeit zur politischen Einflussnahme noch eine „Dominanz des christlichen Glaubens im öffentlichen Raum", so der Erzbischof von Canterbury. Mit Blick auf die Gefahr einer zunehmenden Säkularisierung betonte Williams, es sei wichtig, „Trends in der Gesellschaft entgegenzutreten, die Religion als eine Beleidigung des Intellekts" verstünden.
Neuerlich kam Benedikt auf die multikulturellen Gegebenheiten seines Gastlandes zu sprechen. Diese schaffen nach Ansicht des Papstes neue interreligiöse Herausforderungen. Gerade in einer zersplitterten Welt wie dieser sollten Gläubige verschiedener Religionen Wege suchen, um gemeinsam den universalen Ruf zur Heiligkeit zu bezeugen. Dies könne nicht nur im Persönlichen, sondern auch im gesellschaftlichen Bereich positive Früchte tragen, so der Papst. (rv)

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, freut sich auf den Papstbesuch im September

Benedikt will in London auch Williams aufsuchen. „Die Visite wird die guten Beziehungen zwischen Großbritannien und der katholischen Kirche, aber auch die Beziehungen zwischen den Kirchen bestärken. Ich freue mich besonders auf den Besuch hier im Lambeth Palace“, so das Oberhaupt der Anglikaner in einer Mitteilung. Der Heilige Stuhl hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Benedikt XVI. bei seinem Staatsbesuch auch den Sitz des anglikanischen Erzbischofs in London besuchen wird, um damit Williams Besuch im Vatikan zu erwidern. (rv)