Österreich: Groteske Reaktion des Landessuperintendenten Hennefeld auf Launs Äußerungen

Mit scharfer Kritik hat der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, Thomas Hennefeld, auf die Äußerungen von Bischof Laun zur „Segnung homosexueller Verbindungen“ reagiert. Hennefelds groteske Reaktion basiert auf inhaltlichen Verdrehungen der Aussagen von Bischof Launs Äußerungen. Sie gehen soweit, dass Hennefeld für eine „rechtliche Verfolgung“ Launs plädiert.

Mit den jüngsten Aussagen zur Homosexualität stelle Laun die Pfarrerinnen und Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche, die solche Segnungen vornehmen, „auf eine Stufe mit jenen Menschen, die die nationalsozialistischen Konzentrationslager gutgeheißen haben“ meint Hennefeld. Vor allem aber sei dieser Vergleich:

“Ein Schlag ins Gesicht homosexueller Menschen, die sich für eine Segnung ihrer Partnerschaft entschieden haben“.

„Bei diesen Aussagen und diesem Vergleich eines kirchlichen Würdenträgers handelt es sich aber nicht um eine Meinung sondern um Verhetzung. Ich schließe mich daher der Forderung der Homosexuellen-Initiative HOSI an, die strafrechtliche Relevanz seiner Aussagen zu prüfen“.

“Mit einer rechtlichen Verfolgung könnte außerdem ein Signal gesetzt werden, dass Verhetzung und Menschenverachtung auch staatlicherseits nicht geduldet werden“.

Liest man das Interview bei kath.net, so kann man Hennefelds Reaktion als falsch und überzogen einstufen. Bischof Laun hatte mit seinen Vergleichen lediglich aus Sicht der katholischen Kirche eine derartige Segnung klar verneint. Hennefeld will mit seinen überzogenen Aussagen lediglich die übliche Vorgehensweise der evangelischen Kirche zu diesem Thema verteidigen. Doch zu diesem Thema liegen die Ansichten der beiden Kirchen meilenweit auseinander, nicht nur in Österreich sondern auch in Deutschland. Hennefelds Forderung nach einer rechtlichen Verfolgung zeigt, dass er erstens den Unterschied zwischen den Glaubensgrundsätzen der katholischen und evangelischen Kirche nicht verstanden hat und zweitens freie Meinungsäußerung mit Füßen tritt.

Bischof Laun hatte seine Darstellung/Argumentation einzig an die Adresse katholischer Verantwortlicher gerichtet, hier speziell an Kardinal Marx und Bischof Bode und nicht die Praxis der evangelischen Kirche in Österreich angesprochen.

Bezeichnend ist allerdings, dass die Angesprochenen in Deutschland bisher keine Reaktion zeigen. Wie üblich liegen vonseiten der Deutschen Bischofskonferenz bisher keine Verlautbarungen vor. Kardinal Marx und Bischof Bode schweigen. (vh)

Bischof Laun: Eine homosexuelle Verbindung kann man nicht segnen!

 

Der emer. Weihbischof von Salzburg, Bischof Andreas Laun, gibt dem Leiter der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx und seinem Stellvertreter Bischof Franz-Josef Bode eine klare Antwort zum Thema „Segnung von homosexuellen Verbindungen“.

Vor wenigen Tagen erst hatte Kardinal Marx in einem Interview mit dem BR die Segnung homosexueller Verbindungen als möglich bezeichnet:

“Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben. Ich sehe da eigentlich keine Probleme.”

Und Bischof Bode äußerte dazu in der Osnabrücker Zeitung:

„Mancher mag sagen: Was hat denn die Kirche überhaupt für ein Problem damit? Aber oft wird in der Kirche eine gleichgeschlechtliche Beziehung zuerst als schwere Sünde eingeordnet. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten”.

Von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V. bekommt Bode umgehend ein Lob als „Türöffner“:

“Bode ist in der gesellschaftlichen Realität angekommen, für katholische Verhältnisse ist er mit seiner Forderung ein echter Türöffner”.

Aus dem deutschen Episkopat kamen keine klaren Wortmeldungen zu den Aussagen von Marx und Bode.

Bischof Andreas Laun

Da muss schon ein österreichischer Bischof den Mut aufbringen und Klartext reden.

Bischof Laun beantwortet die Frage nach einer möglichen Segnung von homosexuellen Gemeinschaften mit einem klaren „NEIN“. Im Interview mit kath.net liefert er die Argumente zu seiner eindeutigen Position und nennt konkrete Beispiele:

“Die Antwort ist einfach: Den Segen Gottes kann man für Sünder, aber nicht für die Sünde erbitten. Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind. Darum ist klar, man darf auch nicht eine Verbindung segnen, die sündhaft ist, nicht die Mafia, keinen Segen für Vereinigungen oder Einrichtungen geben, die Abtreibung fördern und durchführen oder glaubensfeindliche Ideologien verbreiten, antisemitische Inhalte und andere Formen rassenfeindlichen Denkens“.

Ferner führt Laun an:

„Eigentlich ist die Idee, ein sündhaftes Verhalten zu segnen, das, was Jesaja höchst anschaulich so beschrieben hat: „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen.
Ist das nicht genau das, was Kardinal Marx und andere, die denken wie er, machen? Wenn man auf ein Glas mit sauren Gurken ein Etikette „Honig“ klebt, bleiben die Gurken sauer! Das können auch segnende Bischöfe nicht ändern. Und auch der Papst nicht, indem er eine kulturelle Revolution fordert, zumal er nicht erklärt, was er damit genau meint. Er sagt, er „erlaube sich“ so zu sprechen – aber wenn man etwas wagt, kann man zwar gewinnen, aber auch abstürzen“.

Bischof Laun hat in der Vergangenheit schon häufig seine aus kirchlicher Sicht eindeutige Meinung zur Homosexualität geäußert und mehrfach Kritik einstecken müssen.

Deutsches Episkopat

In Deutschland vermissen viele gläubige Katholiken diese klare Positionierung ihrer eigenen Bischöfe. Hier herrscht eher Verwirrung als ein klares Konzept des Episkopats. Neben dem Thema der „Segnung von homosexuellen Verbindungen“ ist diese Verwirrung besonders beim Thema der „wiederverheirateten Geschiedenen“ und hier speziell bei der Auslegung des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“ (AL) zu bemerken. Bischof Laun hat auch zu AL eine eindeutige Antwort geliefert, indem er das „Glaubensbekenntnis zum Ehesakrament“ der kasachischen Bischöfe unterschrieben hat. Der Leiter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Marx, ist hier das krasse Gegenteil. Er ist zwar der Leiter der DBK und somit eigentlich der höchste Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland, aber er hat es nicht geschafft in den deutschen Kirchenprovinzen und Diözesen AL beim Thema „wiederverheiratete Geschiedene“ zu einer einheitlichen Regelung zu führen. Hier hat er versagt. Mit seinem jetzigen Vorstoß einer möglichen „Segnung von homosexuellen Verbindungen“ wird er noch unglaubwürdiger. Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem seine eigenen Schäfchen ihn aus dem Münchner Dom hinausjagen. (vh)

Diözese Graz-Seckau: Strukturreform in Diskussion

Immer konkretere Gestalt bekommen die Neuausrichtung und Strukturreform der Diözese Graz-Seckau. Bischof Wilhelm Krautwaschl wies bei der jüngsten Vollversammlung des Diözesanrates darauf hin, „dass wir auf eine neue Gestalt von Kirche zugehen und nicht das alte System mit weniger Mitteln weiterführen“. Was jetzt anstehe, sei „keine Geldumverteilungsaktion, sondern Bewusstseinsbildung, dass wir uns als Kirche neu aufstellen“. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, etwas sterben zu lassen, damit Neues wachsen könne.

Als Vision des Reformprozesses dient ein „Zukunftsbild“ der Diözese. Dessen überarbeitete Fassung soll nach der nunmehr abgeschlossenen Diskussion darüber im Priester- und Diözesanrat sowie der Prüfung durch die Katholisch-Theologische Fakultät Graz am 3. Dezember – zu Beginn des 800-Jahr-Jubiläums der Diözese – in Kraft gesetzt werden.

Am Dienstag war Bischof Krautwaschl in Rom bei Radio Vatikan zu Gast. Dabei sprachen wir mit ihm über den Sinn von Strukturreformen.

„So wie in jeder Diözese stellt man sich angesichts verschiedenster Umstände die Frage: Wie kann’s mit uns weitergehen, wie werden wir unserem Auftrag gerecht, den Gott uns mitgegeben hat? Das ist bei uns seit eigentlich zwanzig Jahren in verschiedenen Schritten schon notwendig geworden, dass wir uns diese Fragen stellen, und jetzt, aufgrund meiner Ernennung und „Erfahrung“, werden diese Dinge hochgehoben, und wir entdecken, dass der Auftrag Jesu die eigentliche Marschrichtung ist, die wir umzusetzen haben.“

Frage: Was heißt das – Strukturen ändern bringt nicht viel?

Nicht nur im Hirnkastl, sondern auch konkret vor Ort

„Also, ich würde sagen: Es braucht beides. Wenn wir katholische Kirche sind, dann sind wir das nicht nur im Hirnkastl, sondern eben auch konkret vor Ort. Aber die große Frage, die sich uns stellt, ist der Auftrag, den Jesus uns mitgegeben hat von Anfang an – und dort heißt es anzusetzen. Der Auftrag Jesus „Geht hinaus und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ – was heißt das jetzt, heute und hier? Und da kann es schon sein, dass sich in einer hochorganisierten Gegend, so wie wir es in Österreich und im deutschen Sprachraum überhaupt sind, verschiedene Dinge angesetzt haben; und wir schauen jetzt, dass wir diesen ursprünglichen Ideen wieder entsprechen.“

Frage: Wie kommt man denn an diesen Auftrag Jesu heran? Indem man die sogenannten viri probati zu Priestern weiht? Oder indem man Frauen zu Diakoninnen weiht? Oder ist das jetzt auch wieder der falsche Ansatz?

„Ich war vor vier Jahren mit den Dechanten in unserer Diözese unterwegs, auf einer Fortbildungstagung. Da haben wir gesagt: Es gibt verschiedenste Dinge, die sich geändert haben – was ist der Auftrag des Dechanten? Und da sind wir darauf gekommen, dass sich im Grunde vieles verändern lässt. Jetzt habe ich voriges Jahr gesagt: Okay, wir schaffen die Dekanate ab, weil eben manches, anders organisiert, besser rennt. Und auf einmal ist das hochgekommen: Hoppla, da geht es nicht nur um eine Struktur, die wir jetzt herausnehmen, sondern da wird die Frage neu virulent, was es jetzt, heute und hier heißt, das Evangelium zu verkünden. Und danach kommen dann erneut die Fragen, welche Ämter es dafür braucht, welche sind die wirklich sichtbaren Umsetzungsmöglichkeiten, die halt wieder eine Struktur brauchen. Diese eine Frage, die will ich jetzt meiner Diözese einmal gönnen…

Das hängt nicht so sehr von den Ämtern ab

Was heißt das in Graz, diesem Ballungsraum, der immer größer wird, das Evangelium hineinzusprechen? Das hängt zunächst einmal nicht so sehr von den Ämtern ab; diese Fragen kann man natürlich auch stellen und muss man sich auch stellen – sie werden sogar weltkirchlich gestellt. Da sind wir durchaus synchron mit so manchen Veränderungsprozessen, die sich in der Kirche ereignen.“

Frage: „Ja, aber ein Bischof, der sagt ‚Ach, Ämter sind gar nicht so wichtig‘, zieht sich natürlich gleich den Verdacht zu: Der will jetzt nur von den wirklich nötigen Reformen ablenken…

Neu denken ist alles andere als abschaffen

„Und da gibt es noch die nächste Steigerungsstufe, die dann heißt: Wir brauchen keine Priester mehr! Das wird ja auch vielen Bischöfen vorgeworfen. Das ist ein Blödsinn! Ich denke mir: Wir brauchen die Gestalt, in der Kirche lebt. Aber da hat sich manches halt auch… Ich denke da an manche Pfarrer, die darüber klagen, dass sie halt weiß Gott was alles zu machen haben an Verwaltung usw. Ist das wirklich Aufgabe der Priester? Das neu zu denken, das neu in Formen zu gießen, ist alles andere als abschaffen!

Realistisch betrachtet nehmen momentan die Priesterzahlen ab, und dann habe ich in meiner Verantwortung gegenüber meinen Brüdern als Priester auch die Verantwortung zu sagen: Okay, wie können die leben und nicht nur überleben in einer sich ändernden Welt? Wir nehmen wahr, dass sich die Welt um uns herum ändert; das heißt auch, dass wir im Kleinen wie im Großen schauen müssen: Wo ereignet sich Kirche?, und nicht nur: Wo haben wir unsere Mauern gut errichtet, und schauen wir, dass wir die weiter am besten betreuen – das läuft sich ans Ende! Gottseidank merken wir da zunehmend auch auf, weil halt die Geldströme nicht mehr so fließen, wie wir es gewohnt waren.“

Frage: Ist es nicht schwierig, eine Ortskirche praktisch neu erfinden zu müssen, von unten her?

„Wir waren es lange nicht gewohnt. Wir haben jetzt 800 Jahre Diözese Graz-Seckau, wir beginnen das Festjahr am Ersten Adventssonntag… Wenn wir die Worte Jesu „Eure Heimat ist im Himmel“ ernst nehmen, dann dürfen wir uns nicht einrichten. Das mag schwer sein, weil’s ungewohnt ist, aber ich glaube, diese Aufgabe dürfen wir uns nicht ersparen.“

Das Interview führte Stefan Kempis von Radio Vatikan. (rv)

Ehe ist Verbindung von Mann und Frau, betonen Österreichs Bischöfe

Erklärung der Hirten auch zu Nationalratswahl und Klimagerechtigkeit.

WIEN – Die Bischöfe in Österreich haben die neue Regierung ermutigt, sich nach “bestem Wissen und Gewissen für alle Menschen in Österreich und das Gemeinwohl” einzusetzen – und die Ehe vor Umdefinierungen zu schützen.

Zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung erklären die Hirten:

Ehe ist nicht nur ein Begriff, sie ist einzigartig: Das Wesen von Ehe ist die dauerhafte Verbindung zwischen Mann und Frau und ihre Offenheit für gemeinsame Kinder. Dieses Verständnis von Ehe ist fundamental für das Zusammenleben der Menschen. Es spiegelt sich wider in der Europäischen Menschenrechtskonvention genauso wie in der geltenden österreichischen Rechtsordnung.

Der Verfassungsgerichtshof habe jüngst beschlossen, die bisherige Rechtslage, nach der nur Personen verschiedenen Geschlechts eine Ehe eingehen können, dahingehend geprüft werde, ob homosexuelle Paare dadurch diskriminiert würden.

Dies habe “bei vielen Menschen berechtigte Sorgen ausgelöst, die auch von den Bischöfen geteilt werden”, so die Erklärung weiter.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften können in Österreich bereits als “länger dauernde, monogame Lebensgemeinschaften” eingetragen werden.

Mit der Frage von Homosexualität habe der christliche Ehebegriff nichts zu tun, betonen die Bischöfe:

“Wenn ausschließlich die Verbindung zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts mit Ehe bezeichnet wird, dann steht dahinter nicht eine Diskriminierung, sondern ihr spezifisches Wesen. Grundlage der Ehe ist nicht eine bestimmte sexuelle Orientierung der Partner, sondern die Komplementarität von Mann und Frau und die grundsätzliche Fruchtbarkeit dieser Verbindung.”

Die Ehe umzuinterpretieren sei daher der falsche Weg, um behauptete Diskriminierungen zu beseitigen, betonen die österreichischen Bischöfe.

Weitere Themen

Die Bischöfe stellten angesichts der gestiegenen Wahlbeteiligung an den Nationalratswahlen ein neues Interesse an der Politik im Land. Die neue Regierung müsse sich bewähren durch

Arbeit, von der man leben kann; die Aufrechterhaltung der innergesellschaftlichen Solidarität, Generationengerechtigkeit, Aufnahmebereitschaft gegenüber Menschen auf der Flucht oder auch die Etablierung eines nachhaltigeren Lebensstils.

Österreich sei verglichen mit vielen anderen Ländern nach wie vor ein “Vorbild im Einsatz für soziale Gerechtigkeit, eine lebenswerte Umwelt und das friedliche Zusammenleben von Menschen aller Volksgruppen, Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen”, so die Bischöfe wörtlich.

Auch auf den “Welttag der Armen” am 19. November wies die Bischofskonferenz in ihrer Erklärung hin. Dieser drücke aus, “dass der Platz der Kirche an der Seite der Armen ist” und dass Gottes- und Nächstenliebe zusammengehören. (CNA Deutsch)

Österreich: Politischer Rechtsruck ist schwierig für Christen

Österreich hat entschieden: Die Volkspartei unter Sebastian Kurz ist an diesem Sonntag als deutlicher Sieger aus den Wahlen hervorgegangen, Kurz wird nun mit der Regierungsbildung beauftragt. Möglich scheint in diesem Szenario auch eine Koalition der Volkspartei mit der freiheitlich-populistischen FPÖ. Eine für die Christen im Land schwierige Wahl war es, deren Wahlkampf auch durch gegenseitige Tiefschläge und Populismus gezeichnet war.

Sebastian Kurz könnte allerdings nun ein Hoffnungsträger für die Alpennation werden: Das meint der Wahlbeobachter und katholische Publizist Heinz Nußbaumer. Der politische Rechtsruck sei nicht zu leugnen, müsse nun aber in ruhigere Fahrwasser geführt werden, meint Nußbaumer im Gespräch mit Radio Vatikan. „Beide Parteien – ÖVP und FPÖ – die für einen strengeren, die FPÖ sogar für einen sehr strengen Migrationskurs, eingetreten sind, haben sehr stark gewonnen. Die Themen Sicherheit, Migration, Angst vor Islamismus waren mit Sicherheit die beherrschenden Wahlmotive. Dazu kommt als zweites Phänomen der tief sitzende Wunsch der Österreicher nach Veränderung der politischen Grundkonstanten.“

Nach Einschätzung Nußbaumers hatte gerade diese Themenkonstellation, die im Wahlkampf „massiv hochgespielt“ wurde, für Christen die Abstimmung so kompliziert gemacht: „Das Entscheidende und Prägende für mich als Christ am Wahlsonntag war, dass gerade jene beiden Parteien, deren Führungen sich immer als besonders christliche präsentiert haben, in Fragen der Migration, des Umgangs mit Flüchtlingen, der Verschließung von Fluchtrouten sich als am härtesten erwiesen haben.“

Der christliche Glaube habe dabei als „Zeichen unserer Kultur und Identität“ gestanden, christliche Inhalte fehlten indes. Nußbaumer verweist in diesem Zusammenhang auf den Theologen Paul Michael Zulehner, der bereits vor der Wahl die für Christen prekäre Situation ausgemacht hatte: „Nicht wenige Christen werden diesmal politisch heimatlos, weil das politische Agieren in der Flüchtlingsfrage, diese populistischen Vereinfachungen und das Fehlen einer christlich inspirierten und attraktiven Vision von einem Österreich der Zukunft viele engagierte Gläubige stört und in eine schwierige emotionelle Isolation gebracht hat.“

Das Schüren von Angst vor der drohenden Islamisierung habe somit möglicherweise auch in Österreich die Wahl entschieden, umso wichtiger sei nun ein Umdenken, meint der langjährige Leiter der österreichischen Präsidentschaftskanzlei. „Man muss jetzt schauen, ob diese beiden Parteien [ÖVP und FPÖ, Anm.], sollten sie gemeinsam eine Koalition bilden, in Regierungsverantwortung dann von dieser exponierten Position heruntersteigen.“

Er jedenfalls erwarte sich von einem Bundeskanzler wie Kurz, dass die „Ausgrenzungs-Emotionen“, die man im Wahlkampf beobachtet habe, nun von „einer gemäßigteren und verantwortungsvolleren, aber auch menschenrechtlich und christlich verständnisvolleren Haltung“ abgelöst würden, zeigt sich Nußbaumer zuversichtlich. (rv)

Katholischer Journalismus: „Ja muss das denn sein?“

Warum leistet sich Kirche eigene Medien? Und: ist das eigentlich noch Journalismus oder schon Propaganda? Fragen, die katholische Nachrichtenagenturen, Sender und nicht zuletzt auch Radio Vatikan immer wieder beantworten muss. Anlässlich einer Feier zum 70. Geburtstag der österreichischen katholischen Nachrichtenagentur Kathpress in der vergangenen Woche dachte Kardinal Schönborn öffentlich über diese Frage nach: „Ist das kompatibel und journalistisch? Immer wieder kommt die Frage auf, ob das überhaupt geht, dass eine Bischofskonferenz eine Informationsagentur hat? Kann das etwas anderes sein als eine Propagandaagentur?“ Also spitz formuliert: Von den Kunden bezahlte Werbung für die Katholische Kirche, maskiert als journalistisch.

Zunächst verwies der Kardinal auf die Bibel, es gebe ein Gebot „du sollst nicht lügen“, und das sei die erste Erwartung an katholische Journalisten: die Wahrheit sagen. „Aber wird auch alles gesagt? Wird es offen genug gesagt? Wird es breitflächig genug gesagt? Wird es auch kontrovers genug gesagt?“ Die Bischofskonferenz Österreichs habe das oft diskutiert, berichtet Schönborn, „weil man nicht immer nur begeistert war über die Meldungen der Kathpress, teils wegen des Inhalts, der unangenehm sein konnte, teils aber auch weil immer auch ein Stück Interpretation dabei ist.“

Er selber habe sehr wohl den Eindruck, dass die Kathpress – als „seine“ Agentur – den Spagat zwischen objektiver Information und klarer weltanschaulich-religiöser Orientierung schaffe, so Schönborn in seinem Grußwort. Um dann etwas weiter auszuholen: „Ich wage die These, dass es weltweit keine Organisation gibt wie die Katholische Kirche, die so eine Basis-Information weltweit zur Verfügung stellen kann.“ Über ihr weltweites Netzwerk könne sie auf eine Weise ungefilterte Informationen vermitteln, wie es kaum einer anderen Organisation möglich sei. „Ich glaube, das ist eine Chance aber auch ein enormer Anspruch“, so Schönborn abschließend. „Es ist auch eine hochbrisante politische Aufgabe, Informationen dort zu bringen, wo sie sonst durch die Filter nicht immer durchkommen.“ (rv)

Österreichische Bischöfe treffen sich zu Vollversammlung

Kardinal SchönbornDie österreichische Bischofskonferenz tagt ab Montag unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im Salzburger Benediktinerstift Michelbeuern. Die Hauptthemen der Bischofskonferenz seien sehr vom Pontifikat von Papst Franziskus geprägt, so Paul Wuthe, Leiter des Medienreferats der Österreichischen Bischofskonferenz, im Gespräch mit Radio Vatikan. Der Schwerpunkt der Vollversammlung liege auf einer Nachbesprechung der Familiensynode mit den beiden Teilnehmern Kardinal Schönborn und dem Vorarlberger Bischof Benno Elbs.

Eine Sache werde dabei besonders in den Fokus gerückt: „Jenes Thema, das ja in der Bischofssynode dann nicht mehr eigens besprochen wurde, nämlich die Vereinfachung des Ehenichtigkeitsprozesses – hier gibt es seit September auf Initiative des Papstes neue rechtliche Regelungen. Diese müssen umgesetzt werden und damit man hier auch in den österreichischen Diözesen eine gemeinsame Vorgehensweise festlegt, gibt es dazu einen Tagesordnungspunkt, wo intensiver auch mit Offizialen aus den Diözesen beraten werden wird.“

Dringenden Diskussionsbedarf für die Bischöfe gibt es, laut Wuthe, außerdem in der Flüchtlingsthematik. Heuer werden in Österreich rund 85.000 Menschen um Asyl ansuchen. Mehrere Hunderttausend sind in den letzten Wochen in Österreich angekommen – sei es auf ihrem Weg nach Deutschland oder in andere Länder. Wuthe machte deutlich, dass die katholische Kirche in Österreich neben dem Staat jene Organisation sei, die sich am intensivsten mit Flüchtlingen befasst: „Kirche hat hier sehr vieles getan, vieles ist noch zu tun, aber es zeigt sich natürlich auch, dass diese Fragen sowohl Kirche, Gemeinden, Staat, Gesellschaft in einer Weise betreffen, und auch zu spalten drohen oder zumindest sehr ambivalent behandelt werden, dass hier die Bischöfe auch darüber beraten werden und, so ist anzunehmen, eine deutliche Positionierung vornehmen.“

Ein weiteres Thema der Bischofskonferenz werde die Umweltenzyklika des Papstes sein. Die Bischöfe werden sich an einem eigenen Studientag mit Laudato Si beschäftigen: „Es gibt eine ganze Maßnahmenpallette, die auch schon einen guten Sitz im Leben der Kirche haben, und wo es weitere Anstrengungen geben muss. In der Fastenzeit ist ja die Aktion Autofasten bekannt, um die eigene Mobilität auch auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit hin zu überprüfen und so ein prüfungsgerechtes Handeln zu fördern. Es geht also darum, Laudato Si auf die österreichische Situation hin zu lesen und konkret anzuwenden.“ (rv)

Österreich: Schulterschluss der Kirchen gegen PEGIDA

ÖsterreichPEGIDA ist in Österreich angekommen. Ein Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamierung des Abendlandes" will an diesem Montag in Wien auf die Straße gehen. Die Wiener Polizei stellt 1.000 Mann und soll die geschätzten 300 PEGIDA Demonstranten und die ungefähr tausend Gegendemonstranten im Zaun halten. Erich Leitenberger, seit vier Jahren ehrenamtlicher Pressesprecher der Stiftung Pro Oriente und ehemaliger Chefredakteur der katholischen Presseagentur Österreichs, betont im Gespräch mit Radio Vatikan, dass diese Demonstration nicht überbewertet werden sollte. Aus seiner Sicht funktioniert in Österreich der Dialog so gut wie in keinem anderen europäischen Land. Deswegen komme es nun auch zu einem Schulterschluss der christlichen Vertreter:

„Es haben maßgebliche Persönlichkeiten der christlichen Kirchen in Österreich dagegen Stellung genommen, dass man Probleme, die es gibt, damit beantwortet, dass man Ängste schürt und verschiedene Entwicklungen der jüngsten Zeit instrumentalisiert, um Menschen auszugrenzen. Das ist zweifelsohne keine Lösung!"

Leitenberger lässt wenig Sympathie für die Anliegen der angekündigten Demonstration erkennen.

„Natürlich wirken sich die internationalen Vorgänge – Stichworte Terrorismus, Paris, Charlie-Hebdo – auf die öffentliche Diskussion aus. Es gibt sie medial und an der Basis; aber ich sehe keinerlei Veranlassung dafür, dass wir in Österreich aus Deutschland etwas importieren müssten. Ich glaube, die Ablehnung der PEGIDA-Initiative durch alle christlichen Kirchen in Österreich ist einhellig."

In Österreich sei das ökumenische Klima ausgezeichnet, so der Pressesprecher der Stiftung Pro Oriente. Daran sei viele Jahre gearbeitet worden, und man habe stetig versucht, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Ebenso wie in der Ökumene sei man auch im interreligiösen Dialog vorangegangen. Beispielhaft sei besonders der jüdisch-christliche Dialog. Das seien Früchte jahrelanger Arbeit, auch des bekannten Judaisten Professor Kurt Schubert, so Leitenberger, oder der Arbeit des Koordinierungsausschusses für christlich jüdische Zusammenarbeit.

„Wir haben in Österreich auch einen besondere Situation bezüglich des Dialogs der Christen und Muslime. Es gibt eine Reihe von interessanten Initiativen, wie zum Beispiel die intensive Zusammenarbeit der katholischen und der muslimischen Jugend! Das hängt auch damit zusammen, dass bereits seit 1912 aufgrund des damals verabschiedeten Islamgesetzes eine Anerkennung der islamischen Glaubensgemeinschaft auf der ähnlichen Basis wie der christlichen Kirchen und der israelitischen Kultusgemeinschaft besteht." (rv)

Österreich: Islamgesetz in Europa einzigartig

Österreich kann sich im europäischen Vergleich mit einer Sonderstellung schmücken: Seit 100 Jahren gibt es das Islamgesetz, das Muslimen im Land die gleichen Rechte wie anderen staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften zugesteht. Die Muslime waren schon seit der Okkupation von Bosnien und Herzegowina in der K.u.K.-Monarchie präsent: Bosniaken dienten in der Leibgarde des Kaisers, es gab muslimische Militärseelsorger und in Wien planten Muslime den Bau einer eigenen Moschee – ein Plan, den allerdings der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunichtemachte. Seit 1912 stehen also die Lehren des Islams, seine Einrichtungen und Gebräuche unter dem Schutz des Staates. Muslime dürfen Stiftungen einrichten, sie haben das Recht der Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, solange sie mit dem geltenden Recht nicht in Konflikt geraten. Diese Rechtsstellung des Islams ist im europäischen Vergleich einzigartig. Stefan Schima lehrt an der Universität Wien am Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht, sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem österreichischen und europäischen Recht für Religionsgemeinschaften:

„Österreich ist ein besonderes Land insofern, als bereits im Jahr 1912 ein eigenes Islamgesetz erlassen wurde. Die Erlassung dieses Gesetzes war notwendig, weil 4 Jahre zuvor Bosnien-Herzegowina an das Habsburgerreich gekommen ist. Für Bosnien-Herzegowina galten eigene Regelungen, das Islamgesetz galt nur für die Österreicher und gilt auch heute noch in Österreich. Damals hatten nur Anhänger der offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften das Recht der öffentlichen Religionsausübung. Insofern war es sehr wichtig, dass die Anhänger des Islam auch tatsächlich anerkannt wurden."

Diese Anerkennung der Anhänger des Islam galt zunächst nur den etwa 800 Muslimen der hanafitischen Glaubensrichtung, die sich Anfang des letzten Jahrhunderts in Österreich aufgehalten hatten, obwohl sie über keine Gemeindestruktur verfügten. Doch mittlerweile sei sie durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes auf alle Anhänger des muslimischen Glaubens ausgeweitet. Heute leben nach Schätzungen des Österreichischen Integrationsfonds wieder rund eine halbe Million Muslime im Land. Die Besonderheit des österreichischen Gesetzes im Gegensatz zu den Nachbarn, beispielsweise Deutschland, sei dabei offensichtlich:

„Mit der Anerkennung ist in Österreich auch das Recht bzw. die Pflicht zur Erteilung von Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht verbunden. Dieser automatische Mechanismus ist in deutschen Bundesländern nicht anzutreffen. Und seit dem Schuljahr 1982/83 gibt es an den österreichischen Schulen den Islamunterricht."

Übrigens wurde in Österreich auch die Möglichkeit für muslimische Mädchen geschaffen, am Schwimmunterricht mit den so genannten Burkinis und ohne männliche Mitschüler teilzunehmen. Diskussion hatte allerdings eine Studie ausgelöst, die im Jahr 2008 unter Islamlehrern erhoben worden war. In dieser wurden die Lehrer zu ihrem Demokratieverständnis befragt, aber auch, ob es nach dem Islam rechtens sei, Konvertiten – auch mit dem Tod – zu bestrafen. Eine gewisse Anzahl der Lehrer, die den Fragebogen zurück gesandt hatte, hatte die Fragen in einer Art und Weise beantwortet, die schwerlich mit dem Demokratieverständnis Österreichs in Einklang stehen.

„Etwa ein Viertel der Lehrer, die den Fragebogen beantwortet haben, haben ein etwas gespanntes Verhältnis zu Demokratie, aber darüber hinaus gibt es ja die Mehrheit, also dreiviertel, die offensichtlich keine Probleme mit demokratischem Grundverständnis haben. Da dürfen wir auf dem praktischen Boden bleiben, in Österreich sind keine Fälle bekannt, wo es tatsächlich im Sinne eines vollendeten Mordes Wellen geschlagen hätte. Dass es Versuche von Gesinnungsterror gegeben hat und Versuche, Druck auf beispielsweise Konvertiten zum Christentum ausgeübt worden ist, ist in kleineren Milieus geschehen und sollte in dem Sinn keine Sicherheitsprobleme bereiten."

Die so genannten Ehrenmorde habe es zwar auch in Österreich gegeben, dennoch würden die gesetzlichen Möglichkeiten zu deren Verhinderung und Verfolgung sowie die Kooperation mit den schulischen Lehrkräften zur Prävention für ausreichend gehalten:

„In Österreich wird staatlicherseits die Laizität im Sinne einer Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften weder gepredigt noch praktiziert, sondern es ist mehr so etwas wie eine neutrale Hereinnahme in dem Sinn, dass niemand ungerechtfertigt bevorzugt behandelt werden darf. Das ist eben diese religiöse Neutralität, die zwar durchaus in gewissem Widerspruch zu manchen islamischen Denkstrukturen steht, aber es zeigt sich ja heute anhand vielfältiger Zusammenarbeit, dass diese Probleme der Ablehnung in der pluralistischen Gesellschaft tatsächlich offensichtlich Minderheitsprobleme des Islams sind." (rv)

Österreichs Apostelgeschichte 2012 an Papst übergeben

Heutezutage ein Nachfolger Christi zu sein, ein Apostel: Was heißt das? In Österreich haben sich zahlreiche katholische Laien darüber den Kopf zerbrochen und ihre Anliegen, Hoffnungen, Sorgen und Freuden mit der Kirche in Texte gefasst. Ein zweibändiges Werk ist so zusammengekommen, die „Apostelgeschichte 2012" – und die hat an diesem Mittwoch Papst Benedikt XVI. in Empfang genommen. Die 60-köpfige Delegation österreichischer Pfarrgemeinderäte war unter der Leitung des Gurker Diözesanbischofs Alois Schwarz nach Rom gekommen. Dieser sagte uns:

„Das ist das Schöne hier, mit unserer Delegation ist gleichsam das ganze Leben aller österreichischen Pfarrgemeinden in Rom vertreten. Diejenigen, die mit sind, verstehen sich als Delegierte, die hier vor Ort sagen, dass das Leben der Kirche in den Gemeinden lebt, zum Teil blüht, zum Teil manche Sorgen formuliert."

Übrigens war es Papst Benedikt selbst, der die österreichischen Laien 2007 in Mariazell dazu eingeladen hatte, die Apostelgeschichte gleichsam neu zu schreiben. Dieser Einladung sind sie zahlreich gefolgt. Warum liegt dem Papst daran, gleichsam ungefiltert zu erfahren, was die Anliegen der Laien in ihren Gemeinden sind? Bischof Schwarz, der in Österreichs Kirche für das Laienapostolat zuständig ist:

„Der Heilige Vater weiß ganz genau, dass das Leben der Kirche sich vor Ort abspielt, dort, wo die Leute ihre Kirche haben, wo sie ihre Gottesdienste feiern, wo sie das Leben miteinander teilen. Er weiß, dass das Leben der Kirche sich bei den Menschen zuträgt. Und deshalb ist er daran interessiert, dass dort, wo die leben, auch das Miteinander gut organisiert, zum Teil auch gut miteinander verwaltet wird, aber vor allem, dass der Glaube gut miteinander gelebt wird."

Die Pfarrgemeinderäte sind etwas wie das pulsierende Herz der katholischen Kirche. 30.000 davon gibt es in Österreich: 30.000 Katholikinnen und Katholiken, die ihre freie Zeit in den Dienst der Kirche stellen. Dieses enorme Engagement wird, so denkt Bischof Schwarz, „oft zu wenig gesehen", gerade in Zeiten, in denen gerne mit negativen Schlagzeilen über die Kirche berichtet wird. Natürlich haben die engagierten Laien aber auch Wünsche und Vorstellungen über den Kurs der Kirche.

„Sie wünschen sich, dass die mitbeteiligt werden an den Entscheidungsprozessen, dass sie Mitverantwortung tragen können für das Leben, und vor allem wünschen sie sich, dass sie mit ihren Ideen, den Glauben heute lebendig zu halten, auch von ihren Seelsorgern verstanden werden. Andererseits sind sie stark auf die Priester hin konzentriert und wünschen sich starke Priester, die sie in ihren Belangen unterstützen und fördern."

In genau zwei Monaten werden die Pfarrgemeinderäte in Österreich neu gewählt. Wie ist das heute, ehrenamtlich in der Kirche in Österreich tätig zu sein? Befragt man nur die Medien, kommt ein hässliches Bild zum Vorschein: eine bis in den Grund gespaltene Kirche, Vorwürfe, Streit. Das Schöne an der Apostelgeschichte, die am Mittwoch Papst Benedikt übergeben wurde, ist, dass sie von einer sehnsuchtsvollen Kirche erzählt. Genau darüber haben wir mit einigen Pfarrgemeinderäten, die in Rom dabei waren, gesprochen. Stefanie Hinterleitner aus der Diözese Linz zum Beispiel, sie ist in der Jugendseelsorge engagiert. Warum die Apostelgeschichte 2012 sie berührt und betrifft, wollten wir zunächst von ihr wissen.

„Für mich ist das ein Zeichen, dass wenn wir zusammenhelfen, dass der Glaube intensiv gelebt werden kann. Es heißt immer, die Leute sind überall zu wenig, es kann nichts bewirkt werden. Aber wie wir anhand diese zwei Bände sehen, ist in den Pfarren Leben!"

Heute Apostel zu sein, ist für die junge Katholikin eine große Herausforderung.

„Es ist momentan nicht cool, bei der Kirche dabei zu sein, man wird schief angeschaut. Aber ich war mit Jugendlichen beim Weltjugendtag in Madrid, und es war ein riesengroßes Erlebnis, dieses Gemeinschaftsgefühl. Es ist schön, das Strahlen in ihren Gesichtern zu sehen, und wenn sie dann von selbst kommen und sagen, ich möcht beim nächsten Jugendgottesdienst dabei sein und mitsingen oder eine Lesung lesen."

Rom und Vatikan, die offizielle Übergabe der Apostelgeschichte 2012 an den Papst – das war für die Pfarrgemeinderäte ein großes Erlebnis.

„Für mich ist das eine sehr große Ehre, weil ich mich als Vertreterin der Jugend sehe. Der Papst soll uns hören! Es sind ja die positiven Sachen drin, aber auch negative, die nicht so gut laufen. Und es ist wichtig, dass das auch bis oben hin gelangt. Das ist mir ein sehr großes Anliegen."

Was soll Papst Benedikt mit den zwei Bänden der österreichischen Apostelgeschichte anfangen? Wolfgang Frisch aus der Diözese Graz-Seckau:

„Ich hoffe, dass es auf seinem Nachtkastl oder dem Schreibtisch landet und nicht in seiner Bibliothek! Ich habe auch eine Bibliothek mit vielem, was noch nicht gelesen ist, und ich hoffe, dass das bei ihm anders ist…!"

Allgemein haben viele Pfarrgemeinderäte konkrete Vorstellungen, Wünsche und Sehnsüchte, wie es mit ihrer Kirche weitergehen soll. Stellvertretend für viele Wolfgang Frisch:

„Auf jeden Fall auf die Leute hören bei der Bischofsbesetzung. Vielleicht gelingt es uns, ein Mitbestimmungsrecht für die Besetzung der Ämter zu bekommen."

Stefanie Hinterleitner:

„Ich wünsche mir dass es gelesen wird, dass die Basis gehört wird und dass Veränderungen in der Kirche anstehen. Ich würde mir wünschen, dass die Frauen zum Diakonat zuglassen werden. Und mehr Demokratie in der Kirche."

Die Linzerin ist als Ehrenamtliche für die katholische Jugendarbeit schon länger Pfarrgemeinderätin. Warum sie das trotz aller Schwierigkeiten gern macht, erklärt sie so:

„Es sind die Begegnungen der Menschen. Es ist toll, wenn jemand sagt, das hast Du gut gemacht! Aber auch, wenn jemand kommt und danach fragt, Rede und Antwort zu stehen, wie es so schön heißt, für die Hoffnung, die uns erfüllt. Glaubenszeuge zu sein. Ein Licht in der Welt."

Und der Gurker Pfarrgemeinderat Josef Schlintl:

„Ich bin nicht mehr ganz der Jüngste, und jetzt habe ich die Möglichkeit, mein Herz, meine Gefühle Jesus zu widmen. Gestern war, das werde ich mein Leben nicht vergessen, der Besuch am Petrusgrab mit einer deutschen Ordensfrau. Die vielen Zeugnisse vom Heiligen Petrus. Ich werde versuchen, diesen Weg weiterzugehen im Sinn Jesu. Ich werde versuchen, ein kleiner Apostel zu sein und das in die Welt weiterzutragen. Das ist für mich das schönste." (rv)