Kardinal Sean O’Malley zur Glaubenskongregation berufen

VATIKANSTADT , – Kardinal Sean O’Malley ist in die Kongregation für die Glaubenslehre berufen worden. Das gab der Heilige Stuhl am gestrigen Samstag bekannt.

Der 72 Jahre alte Erzbischof von Boston, der seinen Sitz nicht verlassen wird, ist bereits in zahlreichen weiteren Ämtern und Aufsichtsräten vertreten. So leitet er die Päpstliche Kommission für den Schutz Minderjähriger und ist Mitglied des “K9”-genannten Kardinalsrates, der Papst Franziskus berät.

“Neue Entschlossenheit im Kampf gegen Missbrauch”

Die Ernennung Kardinal O’Malleys “wird wahrscheinlich als Versuch von Papst Franziskus gewertet werden, Entschlossenheit zu demonstrieren im Kampf gegen sexuellen Missbrauch”, schreibt Vatikanistin Ines San Martin auf “Crux”. Der Erzbischof von Boston gilt als führender Reformer in Sachen Missbrauch in der katholischen Hierarchie.

Die von Kardinal Gerhard Ludwig Müller geleitete Glaubenskongregation hat den Auftrag, die Glaubens- und Sittenlehre der Kirche zu fördern und vor Häresien zu schützen; seit 2001 ist sie aber auch federführend in der Handhabung von Missbrauchsfällen.

Im vergangenen Juni ndigte Papst Franziskus an, dass die Kongregation eine neue Rechtsabteilung einrichten werde, um auch nachlässige Bischöfe zu bestrafen und andere, die Missbrauchsfällen nicht adequat nachgehen oder gar kaschieren.

Das Vorhaben harrt jedoch immer noch seiner vollständigen Umsetzung, und die Ernennung des angesehenen Kapuzinermönchs werten manche Beobachter als Versuch von Franziskus, den Prozess endlich in Gang zu bringen.

Der Kapuzinermönche und Kardinal O’Malley war, beziehungsweise ist unter anderem in der Kongregation für den Klerus, der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, im Aufsichtrat von “Catholic Relief Services” und vielen weiteren Einrichtungen.

Medienberichten zufolge galt er als einer der möglichen Nachfolger von Papst Benedikt XVI. bei der Konklave im Jahr 2013. (CNA Deutsch)

Kardinal O´Malley neues Mitglied der Glaubenskongregation

Die Wichtigkeit, die Papst Franziskus dem Thema Minderjährigenschutz einräumt, findet nun mit der Berufung des neuesten Mitglieds der Glaubenskongregation eine weitere personelle Bestätigung. Kardinal Sean Patrick O´Malley, Erzbischof von Boston und Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, wird ab sofort dem Heiligen Offizium angehören. Das gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt.

O´Malley leitet seit Dezember 2013 die von Papst Franziskus persönlich gewollte Kommission, die ihre Arbeitsräume in der Casa Santa Marta und somit in der unmittelbaren Nähe zu Papst Franziskus hat. (rv)

USA: Kardinal warnt davor, Muslime zu Sündenböcken zu machen

Kardinal O´MalleyDie antimuslimische Rhetorik innerhalb der Republikanischen Partei in den USA wirkt zersetzend. Mit diesen Worten mahnt der Erzbischof von Boston, Kardinal Seán O’Malley, vor schlichten Schuldzuweisungen an einzelne Gruppen. Die Warnung kommt zu Beginn der Woche, in der die Partei Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten küren will, Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt gefordert, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten.

Es brauche Gesetze, die Menschen nicht die Würde nähmen, so O’Malley. Sorge äußerte er auch darüber, dass die Morde von Nizza jetzt dazu führe, dass aus dem Islam ein Sündenbock gemacht würde. Er äußerte sich bei einer Reise nach Irland. (rv)

Vatikan-Kommission für Kinderschutz tagte: Bischöfe helfen

Kardinal O´MalleyBischöfe und Priester brauchen mehr Unterstützung bei der Einsetzung von Kinder- und Jugendschutzeinrichtung. Das war eines der Resultate der zweiten Vollversammlung der Päpstlichen Kinderschutzkommission, die am Wochenende im Vatikan tagte. An diesem Montag stellte die Kommission ihre Resultate in einer Medienmitteilung vor. Das nächste Treffen findet im Februar 2016 statt.

Papst Franziskus, der diese Kommission gründen ließ, liegt das Thema sehr zu Herzen, deshalb habe die Plenarversammlung mit der Frühmesse von Papst Franziskus in der Kapelle Santa Marta begonnen, so die Note der Kinderschutzkommission. Die Kommission wird vom US-amerikanischen Kardinal Sean O´Malley geleitet. Gemäß dem Kommuniqué haben die Teilnehmer der Versammlung die Richtlinien für den Schutz von Minderjährigen und Unterstützungsmaßnahmen für die Opfer erörtert. Die Mitglieder der Kinderschutzkommission hätten in den vergangenen Monaten an Tagungen und Konferenzen verschiedener Bischofskonferenzen teilgenommen, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Die Tagungen fanden in Irland, Großbritannien, Frankreich, Neuseeland, Pazifische Inseln und auf den Philippinen statt, so die Medienmitteilung. Im kommenden Monat werden Mitglieder der Päpstlichen Kinderschutzkommission alle Bischöfe Zentralamerikas treffen, um Richtlinien mit ihnen zu erarbeiten. (rv)

Vatikan: Statuten der Kinderschutzkommission veröffentlicht

Kardinal O´MalleyEtwa ein Jahr nach der Gründung der päpstlichen Kinderschutzkommission hat der Heilige Stuhl an diesem Freitag die Statuten der Kommission veröffentlicht. Franziskus hatte das Gremium zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche am 22. März 2014 eingerichtet. Es war das erste konkrete Arbeitsergebnis des neunköpfigen Kardinalsrates gewesen, der den Papst bei den Schritten zur Kurienreform berät.

Der Kinderschutz sei eine Frage „vorrangiger Bedeutung“, heißt es in den Statuten der Kinderschutzkommission. Das Gremium berate den Papst in Fragen des Kinderschutzes und schlage ihm diesbezüglich Maßnahmen und Initiativen vor, die Anwendung innerhalb der Weltkirche finden sollen. Die Kommission, die maximal 18 Mitglieder umfassen soll, habe die Form einer „unabhängigen Institution, die mit dem Heiligen Stuhl verbunden“ sei. Juristischer Sitz dieser Institution ist der Vatikanstaat, wo sich auch das Archiv der Kinderschutzkommission befindet. Wie die Kommission im Detail mit der Glaubenskongregation zusammenarbeiten soll, welche die Missbrauchsfälle aufarbeitet, und wie „unabhängig“ sie agieren kann, geht aus den Statuten nicht hervor. Bisher war immer von einer „engen Zusammenarbeit“ die Rede gewesen. Die Kompetenz der Glaubenskongregation in Fragen des Kindesmissbrauchs durch Kleriker werde durch die Kinderschutzkommission nicht beschnitten, hatte Kardinal Sean Patrick O´Malley, Leiter der Kommission, betont.

Bei der Erarbeitung der Vorschläge für den Kinderschutz beziehe die Kommission Ortskirchen, Bischofskonferenzen, Ordensinstitute sowie auch Instanzen der römischen Kurie mit ein, wird in den Statuten festgehalten. Die Kinderschutzkommission könne in diesem Kontext auch Berichte über die Effizienz der Maßnahmen zum Kinderschutz anfordern. Den Vorschlägen, die an den Papst gehen, müssten zuvor mindestens zwei Drittel des Gremiums zustimmen.

Die 18 Kommissionsmitglieder sind vom Papst zunächst die Dauer von drei Jahren ernannt. Das gilt auch für den Präsidenten und den Sekretär der Kommission, die – ebenso wie die einzelnen Mitglieder des Gremiums – ggf. im Amt wiederbestätigt werden können. Vorgesehen seien zwei Tagungen der Kommission pro Jahr, heißt es weiter. Arbeitssprachen seien Italienisch, Spanisch und Englisch.

Geballte Kompetenz aus allen Fachbereichen und Kontinenten

Geleitet wird das Gremium derzeit vom Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley. Franziskus hatte Mitglieder aus allen Kontinenten berufen, unter anderen auch zwei frühere Opfer sexuellen Missbrauchs. Von den derzeit 17 Mitgliedern sind sieben Frauen, fünf Priester und fünf weitere männliche Laien. Die fachliche Bandbreite ist groß, so sind Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Theologen und Rechtsexperten vertreten. Aus Deutschland gehört der Kommission der Jesuit und Psychologe Hans Zollner an. Der aus Regensburg stammende Ordensmann leitet das Kinderschutzzentrum an der römischen Universität Gregoriana.

Getagt hatte das Gremium erstmals Anfang Februar diesen Jahres. Arbeitsfeld sei aktuell eine Verbesserung der Rechenschaftspflicht in der Kirche, hieß es im Abschlussbericht zu dieser Sitzung. Auch ein Gebetstag für Missbrauchsopfer sei in Planung. (rv)

Vatikan: Abschlussdokument der Kinderschutzkommission

Kardinal O´MalleyDie auf Anregung der "K9"-Gruppe im März 2014 entstandene vatikanische Kinderschutzkommission tagte erstmals Anfang Februar in voller Besatzung. Das internationale Gremium, welches aus 17 Mitgliedern – Geistlichen und Laien von allen Kontinenten der Erde – besteht, präsentiert in einem Abschlussdokument die Ergebnisse dieser ersten Sitzung. Ein Gebetstag für Missbrauchsopfer ist in Planung – sowie eine Verbesserung der Rechenschaftspflicht in der Kirche.

Die Hauptaufgabe der Kommission ist es laut dem Dokument, nach dem Wunsch von Papst Franziskus sich mit dem Schutz Minderjähriger vor sexuellem Missbrauch in der Kirche zu befassen. Im Zuge des Treffens wurden erste Resultate der unterschiedlichen Forschungen von Expertengruppen des vergangenen Jahres durch die jeweiligen Mitglieder präsentiert. Daraufhin wurde eine Vorschlagsliste für die formale Struktur der Kommission vorbereitet und diese auch Papst Franziskus vorgelegt.

Kirche als „sicheres Zuhause"

Ein wesentlicher Bestandteil der Kinderschutzkommission sind einzelne „Arbeitsgruppen", die in den kommenden Plenumssitzungen Forschungen und Projekte voranbringen sollen. Die Kirche als „sicheres Zuhause für Kinder, Jugendliche und hilfsbedürftige Erwachsene" zu gestalten, hat dabei die oberste Priorität. Dies beinhaltet das Erstellen internationaler Leitlinien zu vorbildlichen Praktiken für kirchliche Einrichtungen. Dabei sollen auch Antworten auf andere Fragen gegeben werden: Wie soll die Seelsorge für Geschädigte und ihre Familien gestaltet werden? Wie müssen Priester für das Thema sensibilisiert werden? Welche Prozeduren sind notwendig, wenn Bischöfe Pädophilievorwürfe gegen Priester nicht ernst nehmen? Welche weiteren kirchlichen und zivilrechtlichen Normen sind notwendig, um den Amtsmissbrauch zu kontrollieren?

Transparenz, Rechenschaftspflicht und Verantwortung

Eine entsprechende Rechenschaftspflicht auf allen Ebenen zu gewährleisten und Transparenz zu schaffen: Das deklariert die Kommission als einen der wichtigsten Punkte ihrer Arbeit. Nur wenn Transparenz geschaffen und jeder zur Reschenschaft gezogen werde, könne auch ein neues Bewusstsein in der Kirche enstehen. Die Prozessentwicklung für eine funktionierende Rechenschaftspflicht für alle – Klerus, Ordensleute und Laien –, die mit Minderjährigen arbeiten, sei dafür unumgänglich. Spezielle Seminare für Führungspersönlichkeiten in der Kirche sind bereits in Planung.

In Zukunft freut sich die Kommission bereits auf eine engere Zusammenarbeit mit Ortskirchen, um als erstes die geplanten Leitlinien genauer an einem Beispiel durchzusprechen. Ein weiteres Projekt der Kommission ist der geplante „Gebetstag" für alle Menschen, die sexuellen Missbrauch erleiden mussten. Dies solle zu einer „spirituellen Heilung der Wunden" beitragen und ein Bewusstsein in der kirchlichen Gemeinschaft für diese „Plage des Missbrauchs der Minderjährigen" schaffen. (rv)

Papst ernennt neue Mitglieder der “Päpstlichen Kommission f. d. Schutz von Minderjährigen”

Kardinal O´MalleyPapst Franziskus hat heute neue Mitglieder der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen benannt. Bereits vor einem Jahr hatte er diese neue Kommission angekündigt. Die komplette Kommission besteht nun aus einem Präsidenten, einem Sekretär und 15 Mitgliedern aus verschiedenen Nationen:

  • Kardinal Seán O’MALLEY, OFM Cap., Präsident
  • Msgr. Robert OLIVER (United States), Sekretär
  • Rev. Luis Manuel ALI HERRERA (Kolombien)
  • Dr. Catherine BONNET (Frankreich)
  • Marie COLLINS (Ireland)
  • Dr. Gabriel DY-LIACCO (Philippinen)
  • Prof. Sheila the Baroness HOLLINS (England)
  • Bill KILGALLON (Neuseeland)
  • Sr. Kayula Gertrude LESA, R.S.C. (Sambia)
  • Sr. Hermenegild MAKORO, C.P.S. (Südafrika)
  • Kathleen McCORMACK A.M. (Australien)
  • Dr. Claudio PAPALE (Italien)
  • Peter SAUNDERS (England)
  • Hon. Hanna SUCHOCKA (Polen)
  • Dr. Krysten WINTER-GREEN (USA)
  • Rev. Dr. Humberto Miguel YÁÑEZ, S.J. (Argentinien)
  • Rev. Dr. Hans ZOLLNER, S.J. (Deutschland)

Die nächste Plenarsitzung der Kommission findet am 06. bis 08. Februar 2015 im Vatikan statt. (vh)

Papst hört drei Stunden lang Missbrauchsopfern zu

Kardinal O´Malley Papst Franziskus hat an diesem Montagmorgen drei Stunden lang Opfern von Missbrauch durch Kleriker zugehört. Sechs Personen waren von Kardinal Sean O´Malley, dem Koordinator der Vatikan-Kommission über Kindesmissbrauch, zu dem Treffen eingeladen worden, informierte Vatikansprecher Federico Lombardi. Bei den Missbrauchsopfern handelte es sich um je zwei aus Deutschland, Irland und England, je drei Frauen und drei Männer. Sie nahmen an der Morgenmesse mit dem Papst teil. Franziskus habe auf Spanisch eine Predigt gehalten, in der er das Problem des Missbrauchs durch Kirchenleute breit thematisierte, informierte Lombardi. Danach habe der Papst mit jedem der Opfer rund eine halbe Stunde lang gesprochen. Die Predigt des Papstes wurde ebenfalls an diesem Montag veröffentlicht. Es war das erste Treffen von Franziskus mit Missbrauchsopfern.

Die sechs Menschen waren am Sonntag in der Casa Santa Marta eingetroffen. Papst Franziskus begrüßte sie bereits beim Abendessen. Bei der Morgenmesse am Montag um sieben Uhr seien die Missbrauchsopfer und ihre jeweiligen Begleiter anwesend gewesen, ebenso die Angehörigen der päpstlichen Kommission, die in Franziskus´ Auftrag das Thema Missbrauch durch Kirchenangehörige breit aufarbeitet. Danach hätten alle gemeinsam ein Frühstück eingenommen. Die Einzelbegegnungen mit dem Papst dauerten nach Lombardis Angaben von neun bis fast halb ein Uhr, also je eine gute halbe Stunde lang. Lombardi:

„Ich habe kurz mit den sechs Menschen gesprochen und kann sagen, sie waren emotional berührt und voller Dankbarkeit für die Möglichkeit, mit dem Papst so ausführlich und so persönlich sprechen zu können. Sie hatten das Gefühl, mit großer Aufmerksamkeit und Offenheit angehört zu werden.”

Papst Franziskus habe unter Beweis gestellt, „dass Zuhören beim Verstehen hilft und einen Weg vorbereitet, um wieder Vertrauen zu fassen und die Wunden zu heilen”, sagte Lombardi. Über die Inhalte der Einzelgespräche habe er keine Informationen; Lombardi konnte nicht bestätigen, ob eines der beiden Opfer aus Irland einen schärferen Umgang mit dem irischen Kardinal Sean Brady gefordert habe, der Täter gedeckt haben soll. Wichtig sei, so Lombardi, dass die Begegnung von Papst Franziskus mit den Missbrauchsopfern „ein Beispiel werden kann”.

„Der Papst, der einen so breiten Raum des Zuhörens öffnet, gibt eine klare Botschaft an alle. Man muss zuhören und die nötige Zeit widmen, damit sich die Seele öffnet. Es geht darum, die Wunden zu heilen, eine Möglichkeit der Versöhnung mit Gott und der Kirche zu öffnen.”

Papst Franziskus habe nach den langen Begegnungen erschöpft und erschüttert auf ihn gewirkt, sagte Lombardi.

„Wäre es nur ein formales Treffen gewesen, hätte es wohl viel kürzer gedauert, wie viele sich das gedacht hätten. Aber es war ein ganzer Vormittag. Er war berührt, wie jeder Mensch, jeder Priester, der eine Begegnung dieser Art hat mit Menschen, die so schweres Leid erlitten haben und Wunden haben; so etwas ist immer eine extrem anstrengende Begegnung.”

Die Auswahl von nur sechs Menschen sei dem Umstand geschuldet, dass tiefgehende Gespräche gewünscht wurden, sagte Lombardi. Sie kämen aus drei Ländern, deren Ortskirchen Strukturen für den Umgang mit Missbrauchsopfern geschaffen hätten. Leider gebe es noch „viele andere Länder und Situationen”, in denen Missbrauch durch Kirchenleute aufgetreten sei. Das Thema sei heute „ein starkes Thema in der Kirche”.

Die päpstliche Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche, die das Treffen der sechs Menschen mit dem Papst organisiert hatte, hatte am Sonntag zum zweiten Mal seit ihrer Gründung getagt, informierte Lombardi. Dabei sprach man unter anderem über die Statuten und mögliche neue Mitglieder. (rv)

Erste Sitzung der Kinderschutzkommission: Transparenz im Kampf gegen Missbrauch

Kardinal O´MalleyWie kann die katholische Weltkirche effektiv weltweit gegen sexuellen Missbrauch vorgehen? Auf diese Frage soll die neue Kinderschutzkommission Antworten geben, die Papst Franziskus Anfang Dezember eingerichtet hat. Das bislang achtköpfige Gremium, das Papst und vatikanischen Einrichtungen Empfehlungen im Bereich des Kinderschutzes geben soll, kam vom 1.-3. Mai im vatikanischen Gästehaus Santa Marta zu seiner ersten Sitzung zusammen. Auch der Papst tauschte sich mit den Mitgliedern aus.

Papst Franziskus teile die Pläne der Kommission, einen besonderen Schwerpunkt auf die Rechenschaftspflicht der katholischen Kirche und Transparenz in ihrem Kampf gegen Missbrauch zu setzen, referierte Kardinal Seán Patrick O’Malley aus Boston auf einer abschließenden Pressekonferenz an diesem Samstag im Vatikan. Im Zentrum der ersten Sitzung der Kommission hätten die zukünftigen Aufgaben der Kommission und neue mögliche Mitglieder gestanden.

„Unsere Diskussionen haben sich zunächst auf die Natur und die Mission der Kommission und auf weitere neue Mitglieder konzentriert, um Menschen aus anderen geographischen Gegenden und aus anderen Fachbereichen einzuschließen. Es wurden viele Vorschläge dazu gemacht, wie unsere Kommission mit Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten kann, die sich um den Schutz von Kindern und verletzlichen Erwachsenen kümmern.”

Das Gremium setzt klar auf ein interdisziplinäres und internationales Profil, was sich bereits in den bisherigen Mitgliedern des Gremiums wiederspiegelt: Neben dem Bostoner Kardinal sitzen in der Kommission auf Wunsch des Papstes bislang Missbrauchsexperten aus aller Welt, darunter etwa der deutsche Jesuitenpater Hans Zollner und die Irin Mary Collins, selbst Opfer von Missbrauch und heute prominente Fürsprecherin für Missbrauchopfer. Weitere Mitglieder sind Catherine Bonnet aus Frankreich, Sheila Baroness Hollins aus Großbrintannien, Claudio Papale aus Italien, Hanna Suchocka aus Poeln und der Jesuit Humberto Miguel Yáñez aus Argentinien.

O’Malley stellte klar, dass die Kommission „keine individuellen Missbrauchsfälle” behandeln werden könne, vielmehr gehe es um Empfehlungen, wie die Kirche ihre Verantwortung wahrnehmen könne und welche die besten Praktiken im Kampf gegen Missbrauch seien. Besonderes Augenmerk wolle man auf die Bewusstseinsbildung über die „tragischen Konsequenzen” von Missbrauch und die „verheerenden Folgen des Nicht-Hinhörens und Nicht-Berichtens über Verdachtsfälle” sowie das „Versagen in der Unterstützung von Opfern, Überlebenden und ihrer Familien” lenken, führte der Kardinal aus. Mit anderen Worten: Die Kommission wird auch kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um Verfehlungen der Kirche im Kampf gegen Missbrauch geht.

Auch wenn noch nicht klar sei, ob die Kommission an ein Vatikandikasterium angegliedert werde, lege man großen Wert auf eine Zusammenarbeit mit der römischen Kurie, so O’Malley. Der Papst wünsche sich derweil eine gewisse „Autonomie und Unabhängigkeit” der Kommission, so der Kardinal. Bei den Beratungen in Rom seien auch Vertreter des Staatssekretariates, der Glaubens- und Kleruskongregation, des Pressesaals und der Vatikangendarmerie mit dabei gewesen. Das Ziel: Voneinander lernen, um Missbrauch so effektiv wie möglich zu bekämpfen. O’Malley:

„Als Beratungskommission für den Heiligen Vater werden wir die Ergebnisse unserer Arbeit dem Papst mitteilen. Zeitnah werden wir Initiativen vorschlagen, um lokale Verantwortung in der ganzen Welt zu ermutigen und die wirkungsvollsten Praktiken zum Schutz aller Minderjährigen umzusetzen, inklusive Trainings,- Erziehungs- und Ausbildungsprogramme und konkrete Antworten auf Missbrauch.”

Direkt zu Beginn seines Referates drückte der Kardinal allen Missbrauchsopfern im Namen der Kommission Solidarität und Anteilnahme aus. Er versicherte, dass das Gremium handlungorientiert vorgehen wolle, umd die Interessen von Kindern wie „verletzlichen Erwachsenen” – etwa Menschen mit Behinderung, die häufig auch Opfer von sexuellem Missbrauch werden – zu vertreten.

Die Struktur und Ziele der Kommission würden in den Statuten festgeschrieben, die bald dem Papst zur Approbation vorgelegt werden würden. Der Papst sei es auch, der letztlich über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheiden müsse. Ein weiteres Treffen der Kommission sei für die nächsten Monate geplant, so O’Malley. (rv)

Franziskus richtet Kinderschutz-Kommission ein

O_MalleyDie Arbeit des achtköpfigen Kardinalsrates zur Reform der Kurie hat ein erstes konkretes Ergebnis: Papst Franziskus wird eine Kommission zum Schutz von Kindern vor Missbrauch einrichten. Das hat Kardinal Sean Patrick O´Malley an diesem Donnerstag bekannt gegeben. Der Erzbischof von Boston gehört dem Kardinalsrat an, der dem Papst die Schaffung einer solchen Kommission vorgeschlagen hatte. Sie stehe in der Linie, die Papst Benedikt XVI. in Fragen des Missbrauchs eingeschlagen habe, erklärte Kardinal O´Malley. Das erste Anliegen der Kommission sei die pastorale Aufmerksamkeit für Opfer von Kindesmissbrauch in der Weltkirche.

„Besonders geht es darum, über den aktuellen Stand der verschiedenen Programme zu berichten, Vorschläge für neue Initiativen der Kurie in Zusammenarbeit mit Bischöfen, Bischofskonferenzen und Ordensoberen zu unterbreiten; es geht um die Ernennung passender Personen, die über die Umsetzung solcher Programme wachen sollen, einschließlich Laien, Ordensfrauen und Ordensmännern und speziell ausgebildete Priester."

Papst Franziskus werde die Zusammensetzung und die Befugnisse der Kinderschutzkommission in Kürze mit einem eigenen Schreiben bekannt geben, informierte der Kardinal. Allerdings nannte er eine Reihe „möglicher Kompetenzen" der einzurichtenden Kommission. Diese Liste ist lang, und dass Papst Franziskus ihre öffentliche Benennung zu einem so frühen Zeitpunkt autorisiert, zeigt das Gewicht, das er der Prävention von Kindesmissbrauch in der Kirche einräumt. Kardinal O´Malley nannte als mögliche Aufgaben der Kommission:

„Die Erstellung von Leitlinien zum Kinderschutz, um Missbrauch vorzubeugen. Bildungsprogramme für Kinder, Erwachsene und alle, die mit Kindern arbeiten, für Seminaristen, Religionslehrer, auch Weiterbildung von Priestern. Protokolle für die Sicherheit des kirchlichen Raumes, Erarbeitung von Verhaltensregeln, Eignungszertifikate fürs Priesteramt, Screening, Kontrolle des Strafregisterauszugs, psychiatrische Gutachten; Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden, Information über Vergehen gegen zivile Gesetze durch Kleriker, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben. Es geht um seelsorgerliche Betreuung der Opfer und ihre Familien, um geistliche Begleitung, um Zusammenarbeit mit Forschern aus den Fachbereichen Psychologie, Soziologie und Recht. Verbesserung der Prozeduren, Aktualisierungen von Gesetzen und Richtlinien, Beziehungen mit den Gläubigen und mit den Medien, Begegnungen mit den Opfern, und Rehabilitierung von Tätern."

Die Kompetenz der Glaubenskongregation in Fragen des Kindesmissbrauchs durch Kleriker werde durch die neue Kommission nicht beschnitten, sagte Kardinal O´Malley. Es handle sich um eine zusätzliche Einrichtung, besetzt mit internationalen Fachleuten in der Größenordnung von etwa zwölf Personen, die mit der Glaubenskongregation zusammenarbeiten werden.

Kardinal O´Malley gilt innerhalb des Kardinalskollegiums als der Fachmann schlechthin in Fragen des Kinderschutzes. Vor seiner Zeit als Erzbischof von Boston war es dort zu zahlreichen Fällen von Missbrauch durch Priester gekommen, die O´Malley in einem transparenten und umsichtigen Verfahren aufzuarbeiten versuchte. Die Kardinäle hatten den Vorschlag für die Kinderschutzkommission am Mittwoch „mit großer Begeisterung" debattiert, berichtete Kardinal O´Malley, und bereits einen Tag später habe der Papst beschlossen, den Vorschlag umzusetzen.

Das nächste Treffen der „K8" wird auf drei Tage ausgedehnt, informierte Vatikansprecher Federico Lombardi. Es sei von 17. bis 19. Februar 2014 anberaumt und werde damit unmittelbar vor dem Konsistorium, der Versammlung des Kardinalskollegiums, am 20. und 21. Februar stattfinden. Am 22. werde Papst Franziskus den von ihm ausgewählten Kandidaten die Kardinalswürde verleihen, tags darauf konzelebrieren alle gemeinsam eine Messe in Sankt Peter. Am 24. und 25. Februar tritt der Synodenrat zusammen, der die Bischofssynode über Fragen der Familienseelsorge vom Oktober vorbereitet. (rv)