Frankreich: Bischöfe protestieren gegen Abtreibungsgesetz

FrankreichDie Bischöfe des Landes protestieren gegen ein Gesetzesvorhaben, das am kommendem 26. November im Parlament diskutiert werden soll. Abtreibung soll darin als ein „universelles Grundrecht“ festgeschrieben werden, sowie das „Recht der Frauen, frei über ihren Körper verfügen zu können, als Voraussetzung für eine echte Gleichheit von Frauen und Männern in einer fortschrittlichen Gesellschaft.“ In einer Erklärung einer Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz fragen die Oberhirten, wie ein vermeintliches Grundrecht gründen könne auf der „Verneinung von menschlichem Leben am Beginn seiner Existenz und seines Heranwachsens.“ Zwar sei es ein gerechtfertigtes Anliegen, sich für die Freiheit und die Gleichberechtigung der Frauen einzusetzen. „Doch von welcher Freiheit ist da die Rede“, geben die Bischöfe zu bedenken. Eigens wird auf die Traumata hingewiesen, die viele Frauen nach einer Abtreibung erlebten. Freiheit sei fundamental für die Beziehung von Mann und Frau; aber diese Freiheit müsse verantwortlich sein und verwirkliche sich im Dialog. Eine Schwangerschaft sei keine „Aggression“, der man sich durch die Vernichtung des vermeintlichen Angreifers, sprich der Leibesfrucht, entledigen könne. Das werdende Leben sei schließlich unschuldig. (rv)

D/Syrien: „Christen haben Angst vor Militäreinsatz“

SyrienEin Militäreinsatz westlicher Kräfte gegen das Assad-Regime wird immer wahrscheinlicher: Nach den USA bereitet auch Großbritannien einen Einsatz in Syrien vor. Wie die britische Regierung bekannt gab, bereiten britische Streitkräfte Notfallpläne für einen Militäreinsatz als Antwort auf den Chemiewaffeneinsatz in Syrien vor, der mittlerweile kaum noch bezweifelt wird. David Cameron hat für Donnerstag eine Sitzung einberufen, in der über eine Antwort der Regierung auf den Giftgaseinsatz entschieden werden soll. Assads Außenminister stellte klar, dass Militäreinsätze um Damaskus dennoch nicht gestoppt würden.

Über die möglichen Folgen eines Militäreinsatzes der westlichen Kräfte in Syrien und welche Alternativen es vielleicht doch noch gibt – darüber hat Radio Vatikan mit dem Islamwissenschaftler und stellvertretenden Leiter der missio-Auslandsabteilung, Matthias Vogt gesprochen. Er sieht es als äußerst gefährlich an, wenn die Nato oder die US-Regierung, die Franzosen oder die Briten ohne UN-Mandat und gegen den erklärten Widerstand von Russland in Syrien militärisch eingreifen:

„Es macht mich selber auch hilflos und sprachlos: Jeder von uns hat das Gefühl, man muss doch jetzt etwas tun, man muss etwas unternehmen nach diesem Giftgaseinsatz. Aber man sollte jetzt auch nichts unternehmen, was den Konflikt nur anheizt und nicht zu einem schnellen Ende führt. Also jetzt einen Militärschlag zu führen, nur weil man sich unter Handlungsdruck sieht oder weil man eine rote Linie definiert hat, und jetzt sein Gesicht verlieren würde, das halte ich für sehr gefährlich und nicht verantwortbar. Weil so viele Leben und das Leiden so vieler unschuldiger Menschen der Zivilbevölkerung in Syrien damit verbunden sind. Zumal, aus meiner Sicht jedenfalls, kein politisches Konzept für eine Lösung des Syrienkonfliktes auf dem Tisch liegt."

Wie könnte denn eine friedliche Lösung aussehen?

„Auf syrischer Seite glaube ich, dass die beiden Konfliktparteien so lange kein Interesse an Dialog haben, so lange sie das Gefühl haben, dass sie von jeweils einer Seite der internationalen Mächte unterstützt werden. Assad wird von Russland unterstützt, die Opposition vom Westen. Beide haben das Gefühl, sie könnten ihre Schutzmächte in diesen Konflikt hineinziehen. Wenn jetzt die Gespräche, die eigentlich für morgen in Den Haag zwischen den Vertretern Russlands und der USA geplant waren, schon wieder abgesagt wurden, wenn die Konferenz Genf 2, auf die man im September gehofft hatte, damit wieder nicht vorbereitet wird, sehen beide Konfliktparteien, dass sie es offenbar schaffen können, dass die internationalen Partner auch kein Interesse am Dialog haben und glauben sich damit darin bestätigt zu sehen, dass sie ihre militärischen Anstrengungen fortsetzen müssen. Also es müssen sich erst Russland und der Westen einig werden und tatsächlich auch Dialog führen und dann kann man hoffen, dass man auch die beiden syrischen Konfliktparteien zu einem Dialog bewegen kann. Aber im Moment sind die Fronten sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene in Syrien tatsächlich verhärtet."

Wie geht es den Christen vor Ort?

„Die Berichte, die ich bekomme, sind von Schwestern aus Damaskus und Homs. Die haben vor einem internationalen Engreifen in Syrien große Angst, weil sie sehen, dass das das Chaos in Syrien noch vergrößern würde. Gerade die Christen leiden in besonderer Weise unter dem Chaos, was sich nicht nur die Rebellen, sondern auch Gruppen von Banditen zu Nutze machen, um Menschen zu entführen – das betrifft Christen, das betrifft aber auch Muslime – um Lösegeld zu erpressen, um straflos Morde und andere Straftaten, Plünderungen zu begehen. Die Christen haben, wie alle Syrer, ein großes Interesse, dass dieser Konflikt schnell zu Ende geht und es eine stabile Lösung für Syrien gibt. Ich glaube, den Menschen in Syrien ist im Moment fast egal, wer Gewinner dieser Auseinandersetzung ist, sie möchten nur, dass der Krieg möglichst schnell endet." (rv)

Vatikan/Frankreich: Was Kardinal Ravasi mit Camus verbindet

RavasiAn diesem Samstag endet der „Vorhof der Völker" in Marseille: Drei Tage lang ging es in der französischen Stadt um den Dialog zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen, mit einem Schwerpunkt auf der Begegnung von Humanismus und Religion. Im Zentrum standen die Schriftsteller Albert Camus und Paul Ricœur. Am Donnerstag ging es in einer Konferenz um Camus' Werk „Die Pest". Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Gianfranco Ravasi, war vor Ort mit dabei. Im Gespräch mit Radio Vatikan berichtet er, was er mit Albert Camus verbindet:

„Ich muss sagen, dass ich eine persönliche Beziehung zu Camus habe, denn in einem meiner aufwändigsten Werke zur Exegese, meinem Kommentar zu Hiob, gibt es ein Kapitel, das sich gerade der ,Pest' von Camus widmet. In diesem Roman des französischen Agnostikers gibt es eine schwierige Debatte über das Verhältnis von Gott und dem Bösen. Es scheint, als würde sich mit dem ,Vorhof der Völker' hier etwas wiederholen, was in Camus' Roman geschildert wird: Nämlich der dialektische Schlagabtausch zwischen der Romanfigur Dr. Rieux, der ein atheistischer Arzt ist, und dem Jesuitenpater Paleoux. Der Arzt ist schockiert und verwirrt, weil ein Kind an der Pest stirbt. Der Jesuitenpater versucht hingegen, die transzendenten Gründe zu sehen, die dieses Ereignis rechtfertigen können."

Es ist übrigens kein Zufall, dass es gerade beim „Vorhof der Völker" in Marseille in diesen Tagen um Camus und um die Pest ging, erklärt Kardinal Ravasi, der am Freitag das Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu in der Basilika Sacré Cœur feierte:

„Die Feier zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu verbindet sich mit einem historischen Ereignis, dass den Marseillern sehr am Herzen liegt: Es geht um die große Pestepidemie, die sich im Jahr 1720 wie ein Leichentuch über der Stadt ausbreitete. Die sogenannten ,échevins’, die Schreiber kümmerten sich damals darum und sie waren genau hier, wo man später die Sacré Cœur-Basilika errichtete. Aus diesem Grund wird der ,Vorhof der Völker' den wir jetzt hier in Marseille veranstalten aus einem Aspekt der bürgerlichen Religiosität vor Ort auch ,parvis du coeur’ genannt, also ,Vorhof der Herzen'."

Am Freitag wurde aber nicht nur das Hochfest gefeiert, der „Vorhof der Völker" widmete sich an diesem Tag auch dem zweiten Schriftsteller, dem christlichen Philosophen Paul Ricœur. Am letzten Tag des Dialogs zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen in Marseille, also an diesem Samstag, steht hingegen die Jugend im Zentrum – mit einer neuen Ausgabe des „Vorhofes der Kinder".

Hintergrund:
Die Idee zum „Vorhof der Völker" hatte Papst Benedikt XVI.: Im Jahr 2009 machte er sich in seiner Weihnachtsansprache vor der Römischen Kurie für einen vertieften Dialog mit dem Atheismus stark. Zuständig für die Organisation des „Vorhof der Völker", der an jeweils unterschiedlichen Orten veranstaltet wird, ist der Päpstliche Kulturrat. (rv)

Frankreich: Senat stimmt für Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paar

FrankreichDer französische Senat hat das Gesetzespaket zur staatlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare abschließend angenommen. Am Mittwoch berät dann die Nationalversammlung in Zweiter Lesung über das umstrittene Gesetz, das auch ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vorsieht. Die Senatoren hatten Änderungen am Gesetzentwurf vorgenommen. Erst wenn beide Parlamentskammern sich auf den gesamten Text geeinigt haben, kann das Gesetz in Kraft treten. Der Senat hatte in der vergangenen Woche mit den Beratungen über das geplante Gesetz begonnen. Bereits Mitte Februar hatte die französische Nationalversammlung dem Entwurf mit großer Mehrheit zugestimmt. Nach dem Willen von Staatspräsident Francois Hollande sollen die Neuregelungen noch im ersten Halbjahr 2013 in Kraft treten.

Der Abstimmung waren eine monatelange gesellschaftliche Debatte sowie Demonstrationen von Gegnern und Befürwortern vorausgegangen. Zuletzt hatten am 24. März nach Angaben der Veranstalter rund eine Million Gegner im Pariser Zentrum demonstriert. Das unabhängige Bündnis „Manif pour tous" hat zu einer erneuten Protestaktion am 26. Mai in Paris aufgerufen. Gegen das Gesetz hatte sich in der Vergangenheit auch die katholische Kirche ausgesprochen. (rv)

Frankreich: „Die Gesellschaft muss sich auf ihre Grundwerte besinnen“

Frankreich„Es sind sehr beunruhigende Zeiten, da müssen wir ein Zeichen der Hoffnung setzen und unsere Gesellschaft daran erinnern, dass sie in Zukunft noch zerbrechlicher werden wird. Deshalb muss sie sehr auf ihre Grundwerte bedacht sein.“

So deutet der Sprecher der französischen Bischofskonferenz, Monsignore Bernard Podvin, im Gespräch mit Radio Vatikan die Botschaft der Großdemonstration gegen die geplante Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich. Wie viele Menschen sich genau an diesem Sonntag in Paris zur Demonstration versammelten, dazu gibt es noch keine offiziellen Zahlen. Die Behörden sprechen von einigen Zehntausend; die Veranstalter geben laut Medienberichten eine halbe Million Teilnehmer an. Der Sprecher der Französischen Bischofskonferenz, Monsignore Bernard Podvin, bleibt trotz der großen öffentlichen Diskussion in Frankreich zum Thema ‚gleichgeschlechtliche Ehe’ gelassen:

„Das beunruhigt mich nicht, denn ich vertraue auf den gesunden Menschenverstand der öffentlichen Meinung. Die Frage hat natürlich großen Einfluss auf die Werte in der Gesellschaft. Aber die Leute mit Menschenverstand wissen, dass die Familie etwas ist, was uns alle angeht – ganz unabhängig von religiösen oder politischen Ansichten. Jetzt geht es darum, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das Wesentliche ist die Frage: Wie wird Familie morgen aussehen? Und wie wird die Zukunft der Kinder aussehen? Diese Frage geht uns alle an, und die Katholiken im Besonderen.“

Es sei klar, dass die Kirche hier deutlich Stellung beziehe. Auch der großen Bewegung in der Bevölkerung, die das Thema auslöst, könne die Kirche nicht gleichgültig gegenüberstehen. Sämtliche Bischöfe stünden hinter den Aussagen von Kardinal André Vingt-Trois, dem Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz, der den Wert der Familie betont hatte. Die Art und Weise, wie die einzelnen Bischöfe ihre Ablehnung der so genannten „Heirat für alle“ ausdrückten, sei jedoch ihre persönliche Entscheidung. So war ihnen auch frei gestellt, sich an der Demonstration zu beteiligen oder nicht.

Podvin warnte davor, sich in den Diskussionen um die gleichgeschlechtliche Ehe in Polemiken zu verlieren:

„Die Herausforderungen für die Familie und für die Gesellschaft sind so schon groß genug. Ich erlaube mir hier nur an einige Probleme zu erinnern, wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, die Schuldenkrise und die Lage der Senioren. Das sind wichtige Fragen und die Franzosen wünschen sich, dass die Energie ihres Landes in diese Themen investiert wird.“

Die Familie sei ein unersetzlicher Wert. Das habe auch der Heilige Stuhl zu Recht noch einmal betont. Papst Benedikt XVI. hatte Ende 2012 die gleichgeschlechtliche Ehe als „echten Anschlag auf die Familie“ bezeichnet. Die Unterstützung aus dem Vatikan in dieser Diskussion habe die Katholiken in Frankreich sehr berührt, so Podvin. Er hoffe sehr, dass nach der Demo vom Sonntag nun weitere Auseinandersetzungen mit dem Thema folgten, so dass schließlich der gesunde Menschenverstand siege. (rv)

Frankreich: „Jetzt heißt es beten“

Jetzt gilt es für die Katholiken in Europa und für die Zukunft ihres Kontinentes zu beten. Das ist die erste Reaktion der französischen Bischofskonferenz nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahlen in der „Grande Nation" sowie nach dem Machtwechsel in Griechenland. Mit François Hollande wird erstmals seit dem Ende der Mitterrand-Ära vor 17 Jahren wieder ein Sozialist Präsident in Frankreich. Nachdem sich Hollande im Wahlkampf für eine striktere Trennung von Staat und Religion ausgesprochen hatte, befürchtet die katholische Kirche des Landes einerseits Benachteiligungen. Andererseits haben die Bischöfe Sorge, dass die Einheitswährung sowie die Europäische Union geschwächt werden könnten und dass mehr Arbeitslosigkeit und Armut entstehen könnten. Wenn man sich die Börsenmärkte ansieht, dann sieht es nicht rosig aus: Am Montagmorgen stand der Euro unter Druck und auch die Aktienmärkte in Paris und Athen standen im Minus.

Am Sonntagabend hat Hollande in seiner ersten Ansprache unter anderem unterstrichen, dass er sich für die nationale Einheit einsetzen wolle. Der Wunsch nach Einheit sollte jedoch nicht nur für Frankreich, sondern für ganz Europa gelten. Daran erinnert der Pressesprecher der Französischen Bischofskonferenz, Monseigneur Bernard Podvin, im Gespräch mit Radio Vatikan:

„Gerade die Katholiken in Frankreich möchten nun die Einheit innerhalb unserer Gesellschaft fördern. Das beweist beispielsweise die starke Beteiligung der katholischen Wähler am Wochenende. Das Resultat in Frankreich bekundet aber auch, dass es viele Stimmenthaltungen gab. Diese zählen in Frankreich bisher nicht. Die beiden Anwärter waren so unterschiedlich, dass es nun wirklich darum geht, einen Dialog innerhalb der Gesellschaft zu fördern. Wir machen da gerne mit."

Hollande gab bekannt, dass er sich für einen deutlich weniger harten Sparkurs in der Eurokrise einsetzen wird. Damit scheinen Spannungen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vorprogrammiert zu sein, die sich bisher mit Nicolas Sarkozy für harte Sparprogramme in Europa eingesetzt hat.

„Der französische Präsident muss in erster Linie alle Franzosen repräsentieren. Deshalb soll er nicht die derzeit herrschende Krise noch weiter verstärken. Die katholische Kirche denkt ja bekanntlich nicht national, sondern möchte das Allgemeinwohl aller unterstützen. Deshalb wünschen wir uns, dass der neue französische Präsident nicht nur an seine Wähler denkt, sondern möglichst den Blick weitet auf die Probleme, die uns in der nächsten Zeit betreffen werden."

Ein Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hollande soll es direkt im Anschluss an die Amtseinführung geben, berichtete die dpa an diesem Montag. Hollande erhielt noch am Wahlabend eine Einladung der Bundesregierung nach Berlin.

HintergrundDie große Mehrheit der aktiven Katholiken in Frankreich wählte am Sonntag Nicolas Sarkozy. Laut einer von der katholischen Wochenzeitung "La Vie" in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage stimmten 79 Prozent der regelmässigen Kirchgänger bei der Stichwahl um das Präsidentenamt für den Konservativen Sarkozy. (rv)

Frankreich: Blasphemisches Kunstwerk in Avignon zerstört

Unbekannte haben im südfranzösischen Avignon ein Kunstwerk zerstört, das als blasphemisch kritisiert worden war. Laut Medienberichten gingen zwei Männer in einer Galerie mit einem Hammer und einem spitzen Gegenstand auf ein Foto los. Auf dem Werk des US-Amerikaners Andres Serrano ist ein Kruzifix zu sehen, das in ein Glas mit dem Urin des Künstlers getaucht ist. Den beiden Männern gelang es, nach der Aktion die Galerie zu verlassen. Der französische Kulturminister Frederic Mitterrand verurteilte den Angriff und erklärte, Zerstörung gefährde das Grundprinzip der künstlerischen Schöpfungsfreiheit. Erzbischof Jean-Pierre Cattenoz hatte bereits im Vorfeld verlangt, das Foto aus der Ausstellung zurück zu ziehen, da Christen davon gedemütigt würden. Er erinnerte daran, dass erst vor kurzem in Frankreich das Urinieren auf den Koran mit drei Monaten Haft bestraft worden sei. Die traditionalistische Pius-Bruderschaft hatte in ihrem jüngsten Newsletter in einem langen Text über das bereits 1987 entstandene Kunstwerk polemisiert und zwei Gebetskundgebungen gegen das Werk abgehalten. (kna/rv)

Frankreich: Streit zwischen Bischof und Piusbruderschaft

Die Justiz soll einen Streit zwischen einem Bischof und der Piusbruderschaft schlichten. Bischof Alain Planet von Carcassonne und Narbonne verweigerte der Bruderschaft den Zugang zu einem katholischen Marienheiligtum. Er hatte erklärt, die Piusbruderschaft sei eher eine politische als eine religiöse Bewegung. Bereits früher hatte die extreme Rechte „Front National" versucht, sich des Wallfahrtsortes zu bemächtigen, kritisierte der Bischof. Bereits 2007 sei Front-National-Führer Jean-Marie Le Pen gegen den erklärten Willen des Bischofs dort eingezogen. Der Bischof befürwortete den Eingriff der Justiz. (rv)

Frankreich: Bischöfe gegen Eugenik

 Die Diskussionen in Frankreich nach der Geburt des ersten sogenannten „Designerbabys" gehen weiter: Nachdem die Bischöfe die zweckgebundene in-Vitro-Zeugung eines Kindes kritisiert hatten, wurde die Kirche von Politikern und Wissenschaftlern als „rückständig" bezeichnet. Der für Bioethik zuständige Bischof Pierre d’Ornellas verteidigt die katholische Kirche im Interview mit Radio Vatikan: Die Kirche verfolge immer ein Ziel: das Leben eines jeden Menschen zu verteidigen.
„Schwächere Menschen zur Heilung anderer zu benutzen, verstößt gegen die Würde des Menschen. Ein Kind nur für eine Behandlung zu zeugen, zollt seiner Würde nicht den nötigen Respekt. Was wird das Kind dazu sagen, wenn es erfährt, dass es nur ein 'Medikamentenbaby' ist?"
Die Kirche will nicht gegen die Forschung an sich sein. Sie warnt aber vor den Konsequenzen der Eugenik, sagt Bischof d´Ornellas.
„Einen Bruder aus humanitären Beweggründen heilen zu wollen, ehrt den Menschen. Viele weihen ihr Leben für diesen Dienst! Es gehört zur Pflicht der Gesellschaft, das Leid der Eltern zu begleiten, die ein schwerkrankes Kind haben. Wir verstehen ihre Ängste und ihre Hoffnungen auf die Medizin. Die vorrangigen Interessen des Kindes zu missachten, ist für eine Gesellschaft gefährlich, wie es in der Internationalen Konvention über die Rechte des Kindes heißt. Wir ermutigen die Forschung dazu, stattdessen immer mehr geeignete Therapien zu finden." (rv)

Vatikan/Frankreich: „Migranten sind Menschen“

Der zweite Mann im Vatikan hat bei einem Besuch in Paris an die Rechte von Migranten erinnert. „Jeder Migrant ist ein Mensch und hat daher unveräußerliche Rechte, die zu respektieren sind", sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone bei der Sozialwoche der französischen Kirche. Der Vatikan hatte im Sommer die Kampagne der französischen Regierung gegen Roma kritisiert. Präsident Nicolas Sarkozy sah sich aus diesem Grund zu einer kurzfristig anberaumten Aussprache mit dem Papst genötigt. Kurienerzbischof Agostino Marchetto trat kurz nach einigen heftigen Bemerkungen in Richtung Paris aus Altersgründen von seinem Amt im Päpstlichen Migrantenrat zurück, wiederholte danach aber seine deutliche Kritik. Kardinal Bertone ging in Paris nicht ausdrücklich auf den Umgang der Behörden mit den Roma ein. (rv)