Vatikan: Rückzug aus päpstlicher Kinderschutz-Kommission

Marie Collins tritt zurück: Die Frau, die als Jugendliche selbst Opfer von Missbrauch durch einen Kleriker wurde, hat ihre Mitgliedschaft in der Päpstlichen Kommission für Kinderschutz an diesem Mittwoch beendet. Gegenüber Kardinal Sean O’Malley, der die Kommission leitet, und in einem Brief an den Papst nannte die Irin als Grund für ihren Rücktritt eine mangelnde Zusammenarbeit von Büros der römischen Kurie mit der Kinderschutz-Kommission.

Die Kommission teilte Collins’ Schritt am Aschermittwoch in einem Statement mit. Darin würdigte sie Collins zugleich als „unermüdliche Kämpferin dafür, dass die Stimmen der Opfer/Überlebenden gehört werden und dass ihre Heilung für die Kirche prioritär ist“. „Wir werden auch weiter aufmerksam auf all das hören, was Marie uns über ihre Sorgen mitteilen möchte, und wir werden ihre wichtigen Beiträge als Kommissionsmitglied sehr vermissen“, heißt es in der Erklärung des Kommissionsvorsitzenden, Kardinal Sean Patrick O’Malley. Zugleich kündigte der Bostoner Erzbischof an, dass man in der nächsten Kommissionssitzung über Collins’ Beweggründe sprechen werde. Collins habe ein Angebot von Kardinal O’Malley angenommen, im Ausbildungsbereich auch künftig mit der Kommission zusammenzuarbeiten, hieß es weiter.

Papst Franziskus hat nach Angaben des Statements ihren Rückzug aus der Kommission „voller Anerkennung für ihre Arbeit zugunsten von Opfern/Überlebenden von Missbrauch in kirchlichem Ambiente“ angenommen. Der Papst hat die Kommission im März 2014 eingerichtet; Marie Collins gehörte zu den ersten Mitgliedern. Mit ihrem Rücktritt gehört der nun 16 Mitglieder umfassenden Kommission kein Missbrauchsopfer mehr an. Das zweite Missbrauchsopfer in dem Gremium, der Brite Peter Saunders, hatte im Februar 2016 eine Auszeit angekündigt, um über seine Mitwirkung in der Kommission nachzudenken. Diese dauert bis heute an. (rv)

Vatikan: Neues von der Kinderschutz-Kommission

Kardinal O´MalleyDer Vatikan wird an diesem Samstagmittag über die Arbeit der Kinderschutz-Kommission informieren. Das gab der Pressesaal an diesem Freitag bekannt. Kardinal Seán Patrick O’Malley, Präsident der Kinderschutz-Kommission, wird den Journalisten Rede und Antwort stehen. Beobachter erwarten, dass der Erzbischof von Boston am Rande vielleicht auch zu den spontanen Aussagen von Papst Franziskus zu körperlicher Züchtigung von Kindern durch ihre Eltern vom vergangenen Mittwoch Stellung nimmt. Das Gremium beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Prävention von sexuellem Missbrauch durch Kleriker. Es entstand auf Anregung der „K9"-Gruppe jener Kardinäle, die den Papst bei der Kurienreform beraten. Einer dieser Kardinäle ist O’Malley.

(rv)

Franziskus richtet Kinderschutz-Kommission ein

O_MalleyDie Arbeit des achtköpfigen Kardinalsrates zur Reform der Kurie hat ein erstes konkretes Ergebnis: Papst Franziskus wird eine Kommission zum Schutz von Kindern vor Missbrauch einrichten. Das hat Kardinal Sean Patrick O´Malley an diesem Donnerstag bekannt gegeben. Der Erzbischof von Boston gehört dem Kardinalsrat an, der dem Papst die Schaffung einer solchen Kommission vorgeschlagen hatte. Sie stehe in der Linie, die Papst Benedikt XVI. in Fragen des Missbrauchs eingeschlagen habe, erklärte Kardinal O´Malley. Das erste Anliegen der Kommission sei die pastorale Aufmerksamkeit für Opfer von Kindesmissbrauch in der Weltkirche.

„Besonders geht es darum, über den aktuellen Stand der verschiedenen Programme zu berichten, Vorschläge für neue Initiativen der Kurie in Zusammenarbeit mit Bischöfen, Bischofskonferenzen und Ordensoberen zu unterbreiten; es geht um die Ernennung passender Personen, die über die Umsetzung solcher Programme wachen sollen, einschließlich Laien, Ordensfrauen und Ordensmännern und speziell ausgebildete Priester."

Papst Franziskus werde die Zusammensetzung und die Befugnisse der Kinderschutzkommission in Kürze mit einem eigenen Schreiben bekannt geben, informierte der Kardinal. Allerdings nannte er eine Reihe „möglicher Kompetenzen" der einzurichtenden Kommission. Diese Liste ist lang, und dass Papst Franziskus ihre öffentliche Benennung zu einem so frühen Zeitpunkt autorisiert, zeigt das Gewicht, das er der Prävention von Kindesmissbrauch in der Kirche einräumt. Kardinal O´Malley nannte als mögliche Aufgaben der Kommission:

„Die Erstellung von Leitlinien zum Kinderschutz, um Missbrauch vorzubeugen. Bildungsprogramme für Kinder, Erwachsene und alle, die mit Kindern arbeiten, für Seminaristen, Religionslehrer, auch Weiterbildung von Priestern. Protokolle für die Sicherheit des kirchlichen Raumes, Erarbeitung von Verhaltensregeln, Eignungszertifikate fürs Priesteramt, Screening, Kontrolle des Strafregisterauszugs, psychiatrische Gutachten; Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden, Information über Vergehen gegen zivile Gesetze durch Kleriker, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben. Es geht um seelsorgerliche Betreuung der Opfer und ihre Familien, um geistliche Begleitung, um Zusammenarbeit mit Forschern aus den Fachbereichen Psychologie, Soziologie und Recht. Verbesserung der Prozeduren, Aktualisierungen von Gesetzen und Richtlinien, Beziehungen mit den Gläubigen und mit den Medien, Begegnungen mit den Opfern, und Rehabilitierung von Tätern."

Die Kompetenz der Glaubenskongregation in Fragen des Kindesmissbrauchs durch Kleriker werde durch die neue Kommission nicht beschnitten, sagte Kardinal O´Malley. Es handle sich um eine zusätzliche Einrichtung, besetzt mit internationalen Fachleuten in der Größenordnung von etwa zwölf Personen, die mit der Glaubenskongregation zusammenarbeiten werden.

Kardinal O´Malley gilt innerhalb des Kardinalskollegiums als der Fachmann schlechthin in Fragen des Kinderschutzes. Vor seiner Zeit als Erzbischof von Boston war es dort zu zahlreichen Fällen von Missbrauch durch Priester gekommen, die O´Malley in einem transparenten und umsichtigen Verfahren aufzuarbeiten versuchte. Die Kardinäle hatten den Vorschlag für die Kinderschutzkommission am Mittwoch „mit großer Begeisterung" debattiert, berichtete Kardinal O´Malley, und bereits einen Tag später habe der Papst beschlossen, den Vorschlag umzusetzen.

Das nächste Treffen der „K8" wird auf drei Tage ausgedehnt, informierte Vatikansprecher Federico Lombardi. Es sei von 17. bis 19. Februar 2014 anberaumt und werde damit unmittelbar vor dem Konsistorium, der Versammlung des Kardinalskollegiums, am 20. und 21. Februar stattfinden. Am 22. werde Papst Franziskus den von ihm ausgewählten Kandidaten die Kardinalswürde verleihen, tags darauf konzelebrieren alle gemeinsam eine Messe in Sankt Peter. Am 24. und 25. Februar tritt der Synodenrat zusammen, der die Bischofssynode über Fragen der Familienseelsorge vom Oktober vorbereitet. (rv)