Rom bekommt einen Martin Luther Platz

Luther_95_ThesenMartin Luther bekommt einen eigenen Platz in Rom. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, einen Platz in der Stadt nach dem Reformator zu benennen. Das teilte die lutherische Gemeinde Roms mit, auf deren Anregung die Benennung geschieht. Bürgermeister Ignazio Marino wird am 16. September den Patz im Parco delle Coplle Oppio direkt am Kolosseum offiziell benennen.

Der junge Augustinermönch Martin Luther war Anfang des 16. Jahrhunderts in Rom, Historiker sind sich über das genau Datum und auch die Motive der Reise noch nicht einig.

(rv)

Medienrat: Chance der Neuen Medien ernstnehmen

Radio VaticanaPapst Franziskus hat die neun bislang eigenständigen Medieneinrichtungen des Vatikan unter ein Dach gebracht, ein neues Sekretariat für die Kommunikation ist das Zentrum dieser Reform des Vatikan. Innerhalb von vier Jahren sollen die einzelnen Institutionen weiter zusammengeführt werden. Zu dem neuen Sekretariat gehören der Päpstliche Medienrat, das Presseamt des Heiligen Stuhls, „Radio Vatikan", das Vatikanfernsehen CTV, der „Osservatore Romano" samt Fotodienst sowie die vatikanische Verlagsbuchhaltung, die Druckerei und das Internet-Büro.

In Sachen neue Medien setzt der Papst nicht zuletzt symbolische Zeichen, wie jüngst beim Angelusgebet, als er sich per Tablet beim Weltjugendtag in Krakau anmeldete. Der Argentinier Lucio Adrian Ruiz, Büroleiter des Internetdienstes und neuer Sekretär des Päpstlichen Medienrats, erklärt, wie groß durch die Nutzung Neuer Medien die Resonanz gerade bei jungen Menschen ist.

„Kurz nachdem sich der Heilige Vater per Tablet auf dem Petersplatz eingeschrieben hatte, haben sich tausende Jugendliche eingeschrieben. Er hat ihre Sprache gesprochen, sie haben das verstanden und die Einladung des Heiligen Vaters angenommen. Es war ein Dialog zwischen dem Heiligen Vater und der Jugend der Welt: Eine kleine Geste, die aber einen Dialog auf den Weg brachte, der Früchte trägt.“

Eigentlich ist der 78-jährige Papst Franziskus nicht besonders medienaffin. Sich selbst bezeichnet er als „Ur-Opa“ in Bezug auf die digitale Kultur. Immerhin aber hat er 22 Millionen Follower auf Twitter. Seine Gesten und Worte haben eine große Resonanz in den sozialen Netzwerken. Wie das zu erklären ist? „Er sagt immer, dass er die Technologien nicht bedienen kann“, meint Ruiz. „Tatsächlich nutzt er sie nicht. Aber in einem bestimmten Sinn nutzen auch die Jugendlichen nicht die Technologie. Die Technologie dient ihnen vielmehr dazu, sich mitzuteilen. Sie machen ein Foto, teilen einen Moment, erzählen von Erlebnissen. Sie befinden sich also in einer Bewegung der Kommunikation, die über die bloßen Geräte hinausgeht. Es ist immer noch ein Dialog zwischen Personen. Der Papst spricht also zu einer Person, die er kennt, für den der Umgang mit Computer und Smartphone normal geworden ist. Er kennt und liebt diesen Menschen, nicht die Technologie, die dahinter steht. Und dieser Mensch nimmt seine Botschaft an.“

Kommunikation mit Menschen, nicht mit Technik

Vor genau 20 Jahren hat der Vatikan seine Internetseite ins Leben gerufen. Adrian Ruiz betont, dass die Kirche immer mit der Zeit gegangen ist, um das Evangelium zu verkünden. Sei es durch die Einrichtung von Radio Vatikan oder anderen Presseorganen. Die Sozialen Medien sieht der Monsignore zudem als einen großen Segen für den unmittelbaren Kontakt der Gläubigen zur Kirche. Es gelte, keine Angst zu haben vor den digitalen Veränderungen und eine Spaltung zwischen jenen, die die Neuen Medien nutzen und jenen, die es nicht tun, zu überwinden:

„Der Papst hat die Netzwerke vor allem mit seiner Zärtlichkeit gefüllt. Mit seinen Worten der Barmherzigkeit, der Liebe und der Begegnung mit Jesus. Die Umarmungen und Blicke des Papstes können etwa durch Bilder in den digitalen Netzwerken sofort vermittelt werden. Sie können bis an die äußersten Ränder der Welt übertragen werden. Menschen, die wegen Krankheit Armut oder anderem nicht die Möglichkeit haben, auf den Petersplatz zu kommen, können somit an der Zärtlichkeit und Barmherzigkeit des Papstes teilhaben. Zwar ist es nur die Technologie. Aber in Wirklichkeit macht sie eine persönliche und tiefe Begegnung möglich.“ (rv)

Papst greift orthodoxe Idee auf: Gebetstag für die Schöpfung

Kardinal TurksonDie Katholische Kirche feiert ab diesem Jahr einen Gebetstag zur Bewahrung der Schöpfung. Das hat der Vatikan an diesem Montag bekannt gegeben. Papst Franziskus hat in einem Brief an die zuständigen Kardinäle seine Entscheidung mitgeteilt, gemeinsam mit der ganzen Kirche und möglichst mit allen Christen weltweit in Sorge um die Schöpfung zu beten.

Die Idee zu diesem Gebetstag kommt aber nicht vom Papst selber. Es war am 18. Mai diesen Jahres, als bei der Vorstellung der Umwelt-Enzyklika Laudato Si’ der Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Johannes von Pergamon Zizoulas, auf einen solchen Gebetstag in seiner Kirche hinwies: „An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass das Ökumenische Patriarchat [Anm. d. Red.: die Leitung der griechisch-orthodoxen Kirche] schon 1989 entschieden hat, den 1. September jeden Jahres dem Gebet für die Umwelt zu widmen. Dieser Tag ist nach unserem liturgischen Kalender der erste Tag im Kirchenjahr, er wird nun von den Orthodoxen der Schöpfung gewidmet. Wäre das nicht ein gutes Datum für das Gebet für alle Christen?“ Es wäre, dachte sich Papst Franziskus, und machte sich die Idee zu eigen.

Metropolit Johannes berichtete bei der Pressekonferenz auch etwas über die Bedeutung der Erfahrungen, die man bisher gemacht habe. „Wie sie vielleicht wissen, war das ökumenische Patriarchat der Erste in der christlichen Welt, das die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft auf den Ernst des ökologischen Problems und auf die Pflicht der Kirche aufmerksam gemacht hat, ihre Stimme zu erheben, um zur Erhaltung der natürlichen Umwelt beizutragen.“ Bereits 1989 habe der damalige Patriarch Demetrios eine eigene Enzyklika zum Thema geschrieben, auch diese war wie die Enzyklika von Papst Franziskus nicht nur an die Christen der eigenen Kirche, sondern an alle Menschen guten Willens gerichtet, so der Metropolit. Seit dem habe es immer wieder Aktivitäten gegeben, Begegnungen, Bildungsveranstaltungen und Konferenzen, mit der der gegenwärtige Patriarch Bartholomaios zur Bildung eines „ökologischen Gewissens“ beitragen will.

Und zu diesem Gewissen gehört in christlicher Sicht die Beziehung zu Gott, also das Gebet. Der Gebetstag ist also mehr als nur Symbolik, er soll die christlichen Gemeinschaften prägen.

Brief an zwei Kardinäle

Und so haben die beiden Kardinäle Peter Kodwo Appiah Turkson und Kurt Koch einen Brief von Papst Franziskus bekommen, sie sind die zuständigen für Gerechtigkeit und Frieden bzw. für die Ökumene, also die beiden Bereiche, die mit dem Gebetstag tangiert werden. Wörtlich heißt es in diesem Brief: „Mit dem geliebten Bruder, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios die Sorge um die Zukunft der Schöpfung teilend und den Vorschlag seines Vertreters, des Metropoliten Johannes von Pergamon [Anm. d. Red.: Zizoulas] aufgreifend, den dieser bei der Vorstellung der Enzyklika Laudato Si' über die Sorge um das gemeinsame Haus gemacht hat, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich entschieden habe, auch in der Katholischen Kirche den ‚Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung‘ einzuführen, der beginnend mit diesem Jahr, immer am 1. September gefeiert werden soll, wie es in der orthodoxen Kirche schon lange geschieht.“

Kardinal Turkson solle dazu beitragen, dass die Bischofskonferenzen der Welt und die internationalen Organisationen an der Gestaltung dieses Gebetstages mitarbeiten und Kardinal Koch soll die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit den übrigen christlichen Kirchen, vor allem dem Ökumenischen Rat der Kirchen, koordinieren. Die Kirchen stünden weltweit vor denselben Herausforderungen, so der Brief. Um „glaubwürdig und wirkungsvoll“ sein zu können, müsse man gemeinsam Antwort geben, betont Papst Franziskus.

Warum ein Gebetstag?

Warum braucht es dazu einen Gebetstag? Der Auslöser für den Entschluss des Papstes, Metropolit Johannes, hat bei der besagten Pressekonferenz betont, dass die Beziehung des Menschen zur Umwelt von der Theologie zu lange ignoriert worden sei. Das gehe bis hin zum Vorwurf, christliche Theologie sei das Problem, nicht die Lösung. Auf ihr beruhe die Rechtfertigung zur Ausbeutung. „Es ist wahr, dass in der christlichen Theologie der Mensch so sehr verherrlicht worden und über die Schöpfung erhoben worden, so dass es Menschen erlaubt, diese Welt als Material zur Erfüllung ihrer Bedürfnisse und Wünsche zu behandeln. Christus ist aber gekommen, die ganze Schöpfung zu erlösen, nicht nur die Menschheit.“

Die Menschheit fühlte sich bestärkt darin, die Schöpfung unbegrenzt ausbeuten zu dürfen ohne Rücksicht auf die Dimension der Heiligkeit, die ihr als Werk Gottes zukäme, so der Patriarch. Bei der Pressekonferenz hatte Metropolit Johannes auch ausführlich über die geistliche Dimension der Umweltzerstörung gesprochen, die Sünde gegen die Schöpfung und Umwelt müsste in die theologischen und spirituellen Gedanken eingefügt werden. Er hat wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika zu Zurückhaltung und Selbstbeschränkung aufgerufen, damit der Planet überleben könne. Es läge am Menschen, größeren Schaden abzuwenden. Und genau dazu will dieser Gebetstag in den christlichen Gemeinden und Gemeinschaften seinen Beitrag leisten. (rv)

Papst will „Völkermord“-Opfer seligsprechen

Papst FranziskusPapst Franziskus will ein Opfer der türkischen Christen- und Armenierverfolgung während des Ersten Weltkriegs seligsprechen lassen. Er bestätigte am Samstag im Vatikan das Martyrium des syrisch-katholischen Bischofs Flavian Michele Melki (1858-1915). Dieser war am 29. August 1915 im Zuge der Ausschreitungen, die der Papst unlängst als „Völkermord“ eingestuft hat, in seiner Bischofsstadt Djezireh „aus Hass auf den Glauben“ getötet worden. Djezireh liegt in der heutigen Türkei.

Der künftige Selige gehörte zur Gemeinschaft von St. Ephrem; er war 1858 in Kalaat Mara, ebenfalls in der heutigen Türkei, geboren worden. „Er hat eine fundamentale Rolle gespielt beim Ermutigen der Menschen, trotz aller Schwierigkeiten der damaligen Epoche, während der Verfolgungen im Osmanischen Reich, ihren Glauben zu leben“, sagt der Postulator im Seligsprechungsverfahren, Pater Rami al-Kabalan. „Bischof Melki lebte selbst in extremer Armut; er verkaufte sogar seine Messgewänder, um den Armen zu helfen, und er war unermüdlich in den Pfarreien unterwegs. Es gibt da einen Satz von ihm, der mich immer sehr bewegt: Als sie versuchten, ihn zwangsweise zum Islam zu bekehren, hat er einfach geantwortet ‚Ich verteidige meinen Glauben bis aufs Blut!’.

Ein genaues Datum für die Seligsprechung des Bischofs steht noch nicht fest. Sicher ist hingegen, dass sie noch in einiger zeitlicher Nähe zum Gedenken an den Völkermord vor hundert Jahren liegen wird. „Hundert Jahre nach diesen Ereignissen erleben wir Christen des Nahen Ostens jetzt fast dieselben Verfolgungen, wenn auch unter anderen Vorzeichen… Darum gibt uns dieser Märtyrer Mut, unseren Glauben zu leben und zu verteidigen. Wir sollten keine Angst haben, auch wenn unsere Lage im Irak, in Syrien und anderswo in Nahost sehr schwierig geworden ist. Ich glaube persönlich, dass die Seligsprechung wirklich eine sehr starke kirchliche Bedeutung bekommen wird im heutigen Kontext: Die Figur des Märtyrers ist nicht überholt, sie bleibt in der Kirche und im Gedenken der Gläubigen, wir alle sind, auf verschiedene Weise, zum Martyrium gerufen.“

Der syrisch-katholische Geistliche legt noch einmal nach: „Unsere Kirche ist die kleinste von denen, die mit dem Nachfolger Petri verbunden sind. Wir wurden im Irak angegriffen und in Mossul ausgelöscht; in Aleppo, jetzt in Karyatain, im Bistum Homs sind wir unter Druck – wir sind wirklich die am stärksten verwundete Kirche, wir werden überall verfolgt…“ (rv)

Religiöse Symbole in der Schule

BundesverfassungsgerichtDürfen muslimische Lehrerinnen in öffentlichen deutschen Schulen ein Kopftuch tragen? Dürfen sie es auch dann, wenn sich in der Schule jemand an dieser äußeren Symbolik stört? Und was ist mit den religiösen Symbolen des Christentums? Ist es zulässig, dass Lehrerinnen und Lehrer ein Kreuz tragen, auch wenn sich womöglich ein Andersgläubiger daran stößt? Mit diesen Fragen musste sich zu Beginn dieses Jahr das Bundesverfassungsgericht beschäftigen – und hat entschieden, so der Tenor des Beschlusses vom 27. Januar:

„Der Schutz des Grundrechts auf Glaubens- und Bekenntnisfreiheit gewährleistet auch Lehrkräften in der öffentlichen bekenntnisoffenen Gemeinschaftsschule die Freiheit, einem aus religiösen Gründen als verpflichtend verstandenen Bedeckungsgebot zu genügen, wie dies etwa durch das Tragen eines islamischen Kopftuchs der Fall sein kann.“

Dieses Urteil hat viel Bewegung in die Schulgesetze der deutschen Bundesländer gebracht. In acht Bundesländern fanden sich Regelungen, die Lehrern das Tragen religiöser Symbole grundsätzlich untersagen. Dies wurde bislang mit dem Neutralitätsgebot des Staates begründet. Nicht betroffen jedoch bislang: die christliche Symbolik. Dies nennt man das „Privilegium christianum“.

Die verschiedenen Bundesländer gehen recht unterschiedlich mit dem Urteil um. Deshalb die Frage an Professor Angar Hense vom Institut für Staatskirchenrecht in Bonn, einer Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz. Muss man die Sorge haben, dass es zukünftig keine einheitliche Praxis in Deutschland mehr geben wird, wenn es um Kopftücher, Kreuze, den Halbmond oder andere religiöse Symbole in der Schule geht?

„Es gab bei der Kopftuchgesetzgebung schon vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts keine Einheitlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland, weil nur die Hälfte der Bundesländer eine gesetzliche Regelung getroffen hatte. Nämlich die, die das Kopftuch nicht ausdrücklich, aber der Intention nach generell verbieten wollte. Das hat das Bundesverfassungsgericht als gesetzliche Regelung gekippt und sich dafür ausgesprochen, anstatt generalisierender Regelungen konkrete Einzelfalllösungen zu präferieren.“

Wie im Einzelfall damit umzugehen ist, wenn die Störung des Schulfriedens durch religiöse Symbole behauptet wird, müssen die Länder nun regeln. Ansgar Hense:

„Es kann aber natürlich sein, dass die Frage der Gefährdung des Schulfriedens von Schulort zu Schulort unterschiedlich ausfallen wird. Das ist aber dann den konkreten Umständen vor Ort geschuldet.“

Dass die Kopftuchfrage jetzt zu einer werde, die nicht mehr generell, sondern die konkret geklärt werden muss, findet Hense nicht problematisch:

„Wenn es jetzt die Befürchtung gibt, dass Konflikte vermehrt auftreten können, würde ich als Jurist sagen, dass Freiheitsausübung immer anstrengend ist und immer wahrscheinlich Konflikte in sich birgt. Aber ich denke mir auch, dass die Rechtswissenschaft und die Rechtsprechung gut gerüstet ist, diese Konflikte zu bewältigen.“

In den Diskussionen ist die Sorge laut geworden, der Wegfall des sogenannten „Privilegium christianum“, wenn es um religiöse Symbole in der Schule geht, sei möglicherweise der Beginn einer noch weitergehenden Aushöhlung einer noch vorhandenen bevorzugten Stellung christlicher Kirchen in der Rechtsordnung Deutschlands. Frage an den Staatskirchenrechtler Hense: Welche Rolle spielt das „Privilegium christianum“ heute noch?

„Ich würde als Staatskirchenrechtler sagen, dass es eigentlich kein ,Privilegium christianum´ geben kann, weil es um gleiche Religionsfreiheit aller geht und die Gleichbehandlung der Religionsgesellschaften. Insofern war die Regelung in den Kopftuchgesetzen der Länder schon eher für unsere Regelungsstruktur in Deutschland untypisch. Und bemerkenswert ist auch, dass die abweichenden Richter, die das Sondervotum in der letzten Kopftuchentscheidung getroffen haben, auch gesagt haben, dass die Bevorzugung christlich-jüdischer Religionssymbole mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren ist. Insofern habe ich da jetzt wenig Sorge, dass bestimmte Religionen nicht mehr vorkommen können, sondern ich würde eher sagen, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch mal sehr deutlich macht, dass Religion und Kirchen als öffentlicher Faktor auch in der Öffentlichkeit vorkommen müssen.“

Eine andere Befürchtung lautet, dass sich Deutschland von einem religiös neutralen zu einem laizistischen Staat verändern könnte. Professor Hense:

„Ich glaube eher, dass mit dieser neuen Entscheidungen ein sehr deutliches Zeichen für die Religionsfreiheit auch im öffentlichen Raum gesetzt wurde.“ (rv)

Papst bekräftigt katholische Ehe-Lehre

Papst FranziskusDie Ehe als ein „Bund der Liebe zwischen Mann und Frau“ wird derzeit „von starken kulturellen Kräften angegriffen“. Das schreibt Papst Franziskus in einer Botschaft an das Jahrestreffen der Kolumbusritter in Philadelphia. Die Gläubigen sollten die Ehe verteidigen, weil sie „für die Zukunft unserer Menschheitsfamilie grundlegend“ sei. Die Papstbotschaft ist von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterschrieben. Franziskus besucht nächsten Monat Philadelphia, um dort an einem katholischen Welttreffen der Familien teilzunehmen. (rv)

 

Kardinal: Volksnähe von Franziskus Vorbild für Priester

Kardinal StellaPapst Franziskus wünscht, dass die katholischen Priester ein authentisches Leben führen. Das sagt der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, im Interview mit Radio Vatikan. Stella äußerte sich anlässlich des Gedenktages von Jean-Marie Vianney, des heiligen Pfarrers von Ars, an den die Kirche am 4. August erinnert.

Bei einem Besuch in der Kleruskongregation vergangenen Mai habe Papst Franziskus bemerkt, man spreche so viel von der Kurienreform, referierte Kardinal Stella; aber, so der Papst weiter: „die Kurienreform ist gebunden an eine Reform der Kirche, an eine Wiederentdeckung des Evangeliums. Und zu dieser Erneuerung der Kirche gelangt man nur über das Priesteramt.“ Das sei die alte Frage nach dem Gewicht der Priester im Leben der Kirche, analysierte Stella. „Der Papst wünscht die Authentizität des Lebens.“ Franziskus selbst sei da ein Vorbild, ein „großes Beispiel der Nähe zum christlichen Volk. Im Leben von Papst Franziskus, in seinem Stil, Bischof zu sein und Priester zu sein, hat er etwas, das verbindet, und das alle Priester der Kirche an einige grundlegende und ursprüngliche Anforderungen erinnert: Gebetsleben, persönliche Disziplin, apostolischer Eifer, Liebe zur Herde, Zusammensein mit der Herde…. Hirten der Herde, treu, demütig, einfach. Die Leute hören, was wir sagen, sie sehen, wie wir handeln, aber sie bedenken vor allem, was wir sind!“

Für das bevorstehende außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit wünscht sich Kardinal Stella „mehr Arbeit“ für die Priester: allerdings „keine bürokratische Arbeit, sondern eine wahrhaft priesterliche“. Es gehe um die Früchte der Begegnung mit Gott in der Liturgie und in der Beichte sowie um die Glaubensvertiefung. Diese Form von „Mühe, Engagement, Opfer“ sei es, die der Papst wünsche.

Jean-Marie Vianney (1786-1859), der Pfarrer von Ars, galt zu seinen Lebzeiten als begnadeter Beichtvater. Papst Franziskus habe die Priester dazu eingeladen, die Gewohnheit der Beichte auch bei sich selbst nicht zu vernachlässigen, erinnerte Kardinal Stella. „Wir haben gesehen, wie sich der Papst letzten März bei der Bußliturgie vor seinen Beichtvater niederkniete, im Petersdom. Das ist ein Bild, das uns lieb sein soll. Der Papst hat gesagt und wiederholt es ständig: „Ich bin ein Sünder.“ Und jeder Sünder hat das Bedürfnis, sich zu reinigen und der Barmherzigkeit des Herrn zu begegnen. So würde ich sagen, ein großes Beispiel, das den Heiligen Pfarrer von Ars und Papst Franziskus vereint, ist das Predigen der Barmherzigkeit und die Übung der Barmherzigkeit für die anderen und für sich selbst.“ (rv)

Im Heiligen Jahr gibt es samstags Extra-Generalaudienzen

Erzbischof GänsweinIm Heiligen Jahr der Barmherzigkeit soll jeweils an einem Samstag im Monat eine zusätzliche Generalaudienz stattfinden. Das kündigte der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, im Interview mit Radio Vatikan an. Beginnen werde man 2016, die erste finde am 30. Januar statt, so der deutsche Kurienerzbischof, der für die Organisation der Generalaudienzen des Papstes zuständig ist, im Gespräch mit Mario Galgano.

RV: Millionen von Pilgern werden für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit hier in Rom und im Vatikan erwartet. Gibt es diesbezüglich Besonderheiten?

Erzbischof Gänswein: Gerade in der vergangenen Woche wurde in einer Sitzung beschlossen, dass über die Generalaudienzen und die wichtigen anderen Begegnungen über das Heilige Jahr verteilt, einmal im Monat an einem Samstagvormittag eine Art Generalaudienz des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit stattfinden soll. Die Termine werden in den nächsten Tagen auch via Internet bekannt gegeben, sodass Anfragen – es sind sehr viele schon gekommen – von Gruppen, Schulen, Pfarrgemeinden zu diesen Samstagen beantwortet werden können. Damit soll an den entsprechenden Samstagen eine zweite Generalaudienz auf dem Petersplatz stattfinden. Wie das ganz konkret abläuft, das wird sich noch zeigen. Da sind noch einige Überlegungen notwendig.“

RV: Weiß man aber schon, wann die erste Extra-Generalaudienz beginnen soll?

Gänswein: Das erste Datum ist der 30. Januar. Und das zweite kann ich auch schon nennen: es ist der 20. Februar 2016.

RV: Kann man sich jetzt schon dafür anmelden?

Gänswein: Man kann ab sofort diese Daten ernst nehmen und mit diesen Daten planen.

RV: Wenn man auf die bisherigen Generalaudienzen des Papstes zurückschaut: Wie ist es bisher statistisch gelaufen?

Gänswein: Papst Franziskus wird am 5. August wieder die Generalaudienzen aufnehmen, nach einer Unterbrechung von einem Monat im Juli. Die Audienzen finden im August in der Audienzhalle Paolo VI statt, damit wir von der brutalen Hitze Gottseidank bewahrt sind.

Was Zahlen betreffen: Von Januar bis Juli 2015 waren bei den Generalaudienzen etwa 370.000 Personen. Bei den Privataudienzen waren knapp 300.000 und dann gibt es den Bereich ,Liturgie´ – also Gottesdienste im Vatikan – und auch da waren etwa 300.000 Gläubige. Eine weitere Zahl, die überrascht: von Januar bis Juli haben 1.030.000 Menschen bei den Angelus-Gebeten sonntags auf dem Petersplatz teilgenommen.

RV: Wie können wir das einschätzen? Wie war es in den vergangenen Jahren?

Gänswein: Verglichen mit Vorgängerzahlen so kann man für die Mittagsgebete sagen, dass es eindeutig ein Mehr ist. Bei den Privataudienzen und bei den liturgischen Handlungen des Heiligen Vaters sind etwa gleich wie früher, wobei man beachten muss, dass wir bisher nur die Zahlen für die erste Jahreshälfte 2015 haben.

RV: Weiß man denn, wie viele Menschen Papst Franziskus bisher im Vatikan getroffen hat?

Gänswein: Am 26. August – in knapp vier Wochen – wird Papst Franziskus seine 100. Generalaudienz halten. Die Zahl der Teilnehmer, die er in diesen Audienzen trifft – wenn wir alle Zahlen zusammenzählen – etwa 3.300.000 erreicht. Im Hinblick auf das gesamte Pontifikat ist es so, dass bis gestern, 31. Juli, etwa 15 Millionen Menschen an den Audienzen mit dem Papst teilgenommen haben. (rv)