Medienbischof: Diskussion um AfD versachlichen

Bischof Gerhard FürstDer deutsche Medienbischof Gebhard Fürst sieht die katholischen Medien im Land vor einer großen Herausforderung. Einerseits müssten die Ängste der Bürger im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise ernst genommen werden. Gleichzeitig dürfe sich die Kirche von den Positionen der AfD nicht vereinnahmen lassen. Eine Gratwanderung. Mit Radio Vatikan sprach Bischof Fürst in Rom.

RV: Herr Bischof, die AfD hat jüngst in Stuttgart ihr neues Grundsatzprogramm vorgestellt. Wie gehen Sie in der Diözese Rottenburg-Stuttgart nun damit um?

„Die erste Lektüre des Programms der AfD zeigt doch, wie disparat und wie vielschichtig dieses Programm ist, mit teilweise aus meiner Sicht fast unvereinbaren Positionen. Wir müssen das jetzt aus unserer katholischen Perspektive genau anschauen und dann auch mit Thesen in die öffentliche Auseinandersetzung treten. Es ist natürlich für uns als katholische Kirche, die auch eine europäische Dimension hat, einfach nicht akzeptabel, jetzt Europa zum Sündenbock zu machen und zu desavouieren. Es ist für uns auch nicht akzeptabel, dass wir nationalistische Töne anschlagen, dass wir gegen Fremde einfach Ängste schüren. Da müssen wir ganz intensiv ins Gespräch und in die Auseinandersetzung gehen.“

RV: Wie leicht oder schwer ist es, einerseits Probleme im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zu benennen und andererseits sich als Kirche nicht von der AfD und ihren Positionen vereinnahmen zu lassen?

„Wir müssen sehen, dass es in unserer Gesellschaft viele Menschen gibt, die in Sorge sind um unsere Gesellschaft, um unser Land und um ihre eigene Zukunft. Solche Sorgen und Ängste darf man nicht einfach wegwischen. Man darf sie auch nicht dämonisieren, weil sie sind da. Menschen haben diese Ängste, die nicht einfach bösartig sind, sondern sie sind da und wir müssen mit diesen Menschen ins Gespräch kommen. Um diese Ängste mal auf das zurück zu führen, was wirklich der Anlass ist. Vielfach sind die Ängste relativ diffus, Zukunftsängste, Ängste, sozial abzusteigen. Ängste, die mit der Zukunft der eigenen Kultur zusammenhängen. Das muss man ausloten, anschauen und mit den Menschen, mit denen wir sprechen können, in ein Gespräch gehen. Das ist meine Absicht. Wir schauen jetzt mal, wie die Partei sich entwickelt und wie das wird, wenn jetzt die Landesregierung steht und das Parlament dann arbeitet. Da werden wir sehr aufmerksam draufschauen und das uns notwendig Erscheinende dann auch tun.“

RV: Sie sind Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz. Wie muss die katholische Medienarbeit denn nun reagieren? Wie muss sie sich neu positionieren?

„Als katholische Kirche haben wir einen großen Vorteil vor allen anderen. Wir sind eine ganz freie, im politischen Geschäft nicht so verhakte große Einrichtung, wie das jetzt Parteien oder Interessensverbände sind. Und es ist eine große Chance, die wir da haben, dass wir unabhängig auf die Situation schauen können, natürlich verbunden mit unseren Grundorientierungen und Werten. Aber wir können differenziert und nüchtern auf die Situation in Deutschland mit den Flüchtlingen und den politischen Veränderungen blicken. Wir können helfen, dass sich die Diskussion versachlicht, dass sie differenziert stattfindet. Versachlichung, Differenzierung und Förderung der Urteilskraft der Menschen ist ja ein Grundanliegen der Medien. Ich denke, wir als katholische Kirche haben hier gute Möglichkeiten, diesen gesellschaftlichen Diskurs so zu führen, dass er nicht zu einem emotionalisierten Gegeneinander wird. Das ist unser Beitrag. Da müssen wir alle unsere Medienmöglichkeiten einsetzen. Wenn ich mir die großen Herausforderungen, die wir da haben, anschaue, wünschte ich mir eins: dass wir noch mehr Ressourcen hätten, um diese Arbeit aus der Perspektive der Deutschen Bischofskonferenz auf der Ebene der katholischen Kirche in Deutschland noch fruchtbarer werden zu lassen und in diesen gesellschaftlichen Prozess konstruktiv einzusteigen.“ (rv)

Bischof Fürst: Plädoyer fürs Brückenbauen und für „Qualitätsjournalismus”

Bischof Gerhard FürstVielfältige Brücken zu bauen in einer pluralen Gesellschaft, zwischen verschiedenen Nationalitäten, sozialen Gruppen und auch verschiedenen „Frömmigkeiten” – das erhofft sich „Medienbischof” Gebhard Fürst vom laufenden Katholikentag in Regensburg. Der in der Deutschen Bischofskonferenz für Publizistik und Medien zuständige Bischof geht im Gespräch mit Radio Vatikan auch noch einmal auf den Fall Limburg ein: „Was in Limburg geschehen ist, ist nicht von den Medien gemacht, aber die Art und Weise, wie die Medien damit umgegangen sind, muss man auch teilweise kritisch anfragen.” Fürst plädiert hier für einen differenzierten Blick: Journalisten müssten kritisch sein, aber auch fair, sie sollten gut recherchieren und den Qualitäts- dem Skandaljournalismus vorziehen. (rv)