Vatikan/Mexiko: Kardinal Ravasi kritisiert blasphemisches Symbol

Kardinal Gianfranco RavasiAls blasphemisches Symbol hat der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Kardinal Gianfranco Ravasi, die in Mexiko verehrte Todesheilige „Santa Muerte" bezeichnet. Eine solche Ikone anzubeten sei eine Degeneration der Religion, sagte der Kardinal am Mittwoch in Mexiko. Er nahm an der mobilen Gesprächsplattform „Vorhof der Völker" teil. Die in Mexiko als Todesheilige verehrte Volksheilige „Santa Muerte" soll schmerzfreies Sterben bescheren, aber auch bei Verbrechen helfen. Deshalb wird sie von Drogenhändlern und Kriminellen verehrt, aber auch von Menschen, die oft mit dem Tod konfrontiert sind. Die katholische Kirche lehnt die Volksheilige entschieden ab. (rv)

Kardinal Ravasi: Papst mahnt Kirche zu „Selbstreinigung“

Kardinal Gianfranco RavasiEin kurzer Abschnitt aus der Aschermittwochspredigt des Papstes hat in den Medien große Beachtung gefunden. In seiner letzten Messfeier in St. Peter hatte der scheidende Papst Benedikt daran erinnert, „welche Bedeutung das christliche Glaubens- und Lebenszeugnis eines jeden von uns und unserer Gemeinschaften für das Gesicht der Kirche hat und wie dieses bisweilen verunstaltet wird“. Wörtlich fuhr er fort: „Ich denke besonders an die Vergehen gegen die Einheit der Kirche, an die Spaltungen im Leib der Kirche.“ Und er rief dazu auf, „die Fastenzeit in einer intensiveren und sichtbareren Gemeinschaft mit der Kirche zu leben, indem man Individualismen und Rivalitäten überwindet“. Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Kardinal Gianfranco Ravasi, sagt im Gespräch mit Radio Vatikan zu diesen Papstworten:

„Sicher haben sie in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung, weil die ganze Gesellschaft Leiden und Schwierigkeiten erlebt. Die Worte des Papstes sind mit Sicherheit eine große Mahnung, die vor allem von der kirchlichen Gemeinschaft gehört werden muss. Sie gehören gewissermaßen auch ins Herz der fastenzeitlichen Botschaft – darum hätten sie auch in jeder Fastenzeit in diesen Jahren ausgesprochen werden können. Sie gehören nämlich zu der grundlegenden Entscheidung zu einer Selbstreinigung, die die Gemeinschaft der Kirche durchführen muss.“

Kardinal Ravasi gehörte am Montag zu den Kardinälen, die die Rücktritts-Ankündigung von Benedikt XVI. im Vatikanpalast miterlebten. Natürlich sei er überrascht gewesen, sagt Ravasi:

„Ich muss aber sagen, dass ich dann vor allem Bewunderung gespürt habe, denn der Papst hat die Größe der petrinischen Mission gezeigt, gerade indem er erklärte, dass seine physische Gebrechlichkeit diesen Dienst härter mache. Ich glaube wirklich, man kann ihn nur bewundern, denn er hat in gewisser Hinsicht einen theologischen Akt vollzogen: Er hat auf eindringliche Weise gezeigt, was der Petrusdienst wirklich ist – genau in dem Moment, in dem er sich für physisch außerstande erklärte, ihn noch fortsetzen zu können.“

„Unter deinen Schutz und Schirm flüchten wir, oh heilige Gottesmutter“: Diesen Text twitterte Kardinal Ravasi auf Lateinisch kurz nach der Rücktritts-Ankündigung Benedikts. Die bislang letzte Nachricht auf seinem Zwitscher-Account, vom 14. Februar, stammt hingegen aus Psalm 71 (Gott, die Zuflucht bis ins Alter): „Verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden“.

„Der Papst zeigt wirklich, dass das Dienstamt – lateinisch ministerium – wirklich ein Dienstamt ist. Dieses Wort ist von der politischen Tradition ins Negative gekehrt worden, dabei trägt es in seinem Herzen das ,minus‘. Das heißt: im Dienst von etwas stehen, weniger sein, nicht beherrschend sein. Ein Kaiser kann die Macht in seiner Hand behalten und als das ihm ausschließlich Zustehende ausüben. Wenn sie hingegen ein Dienstamt ist, dann muss man auch in der Lage sein, ,minus‘, also weniger zu werden, sich also zu entziehen, um dem Platz zu lassen, der es in umfänglicherer Weise auszuüben versteht.“ (rv)

Kurienkardinal unter Bloggern

Als erster römischer Kurienverantwortlicher hat Kardinal Gianfranco Ravasi einen Blog eröffnet. Auf der Webseite der italienischen Tageszeitung „Il Sole 24 Ore", für deren Sonntagsfeuilleton der Präsident des Päpstlichen Kulturrates seit Jahren schreibt, will Ravasi nun in loser Folge kurze Texte veröffentlichen. Der Blog heißt „Parola e Parole", zu Deutsch: Wort und Worte. Einige Zeilen seines jüngsten Eintrags widmet der Kardinal der am Dienstag in Bukarest stattfindenden Neuauflage des „Vorhofs der Völker". „Ich werde mit nicht glaubenden Freunden einen Dialog führen, ausgehend von Überlegungen von Cioran und Ionesco, zwei Figuren, die von einer Glaubenserfahrung weit entfernt sind, sich aber mit der Dimension der Transzendenz gründlich auseinandergesetzt haben", so Ravasi. Der italienische Kardinal war federführend bei der Einladung zum ersten vatikanischen Blogger-Treffen mit 150 Internet-Publizisten im Mai 2011. (rv)

Vatikan prüft neue sprachliche Wege

Die Kirche muss an der Art und Weise feilen, wie sie die Frohe Botschaft verbreitet. Das denkt Erzbischof Gianfranco Ravasi, der Präsident des päpstlichen Kulturrates. „Kultur der Kommunikation und neue Sprachformen" ist deshalb das Thema der kommenden Vollversammlung des Kulturrates ab 10. November. Die Sprache der katholischen Kirche verweise mitunter nur auf sich selbst; sogar einfache Wörter aus dem kirchlichen Kontext hätten keine Referenz in der Außenwelt, sondern nur nach innen, sagte Ravasi im Gespräch mit uns.
 „Oft hat die Sprache innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft quasi ihre Stimme verloren. Denken wir an die extrem anspruchsvolle Sprache der Theologie, die selbst bei einer katholische, gläubigen, praktizierenden Bevölkerung kein Gehör mehr findet. Die Leute hören am Sonntag eine schöne Predigt, aber die Sprache, mit der sie sie verarbeiten, ist die des Fernsehens und des Internet. Und andererseits braucht es auch Kräfte nach außen. Unsere Kommunikation muss selbstverständlich ihre Logik, ihre Kohärenz, ihr Vokabular haben. Aber gleichzeitig muss sie versuchen, ihre Botschaft mit neuen Sprachformen auf neue Horizonte hin auszulegen."
Aus Ravasis Sicht ist das ein drängendes Anliegen. Denn wo es keine Verständigung gibt, da kann eine Botschaft von vornherein nicht ankommen, so der zukünftige Kardinal:
„Wenn wir nicht das gemeinsame sprachliche Gewebe wiederfinden, die Vokabeln, die Grammatik, die Stilistik, mit denen wir den anderen begegnen und mit ihnen in Beziehung treten können, dann sind wir auch nicht dazu in der Lage, über Inhalte zu sprechen."
Ravasi hat deshalb zur Vollversammlung Kommunikations-Fachleute verschiedenster Disziplinen eingeladen: aus der Welt der Liturgie, der Kunst, des Films und der neuen Medien.
(rv)