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1. Die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio in Rom

 

Was bis in das Jahr 1903 in der römischen Kirche „Ss. Vincenzo e Anastasio“ geschehen ist, lĂ€sst den Menschen des 21. Jahrhunderts eher den Kopf schĂŒtteln. In ihr befinden sich die sogenannten „praecordiae“, also Eingeweide (Herz und andere innere Organe) zahlreicher PĂ€pste.

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Die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio in unmittelbarer NĂ€he des berĂŒhmten Brunnen “Fontana di Trevi”. Noch heute Aufbewahrungsort der “praecordiae”von 22 PĂ€psten.

 

In unmittelbarer NĂ€he dieser Kirche halten sich wohl die meisten Besucher der Ewigen Stadt als Tourist garantiert einmal auf. Die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio liegt direkt neben dem berĂŒhmten Brunnen „Fontana di Trevi“, einem der vielen Wahrzeigen Roms. GemĂ€ĂŸ einer Bulle Papst Johannes XII. (955-963) vom 08. MĂ€rz 962 hieß die Kirche damals noch S. Anastasio und war eine Filialkirche von S. Silvestro in Capite. Die PĂ€pste Gregor XIII. (1572-1585) und Sixtus V. (1585-1590) ließen in ihrer Regierungszeit auf dem QuirinalshĂŒgel einen Papstpalast errichten und erhoben seiner Zeit Ss. Vincenzo e Anastasio zur pĂ€pstlichen Pfarrei. Heute kennt man den Papstpalast unter dem Namen „Palazzo del Quirinale“ und er dient dem StaatsprĂ€sidenten der Republik Italien als Amtssitz.

Die Fassade der barocken Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio wurde zwischen 1646 und 1650 im Auftrag des Kardinal Jules Mazarin (auch Giulio Mazarini) von dem Architekten Martino Longhi d. J. neu gestaltet. Wegen der sehr eng gesetzten 18 SĂ€ulen der Fassade, gaben die spottlustigen Römer der Kirche den Namen “S. Vincenzo dei canneti” also Orgelpfeifenvinzenz. 1

Kardinal Mazarin war damals Premierminister Frankreichs und seit 16. Dezember 1641 Kardinaldiakon.

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Kardinal Mazarin auf einem GemÀlde von Pierre Mignard (Musée Condé de Chantilly).

 

Seinen Kardinalshut hatte Mazarin nicht durch den kreierenden Papst Urban VIII. (1623-1644) in Rom sondern durch den französischen König Louis XIII. in Valence am 26. Februar 1642 erhalten. Da Kardinal Mazarin nie eine Titelkirche bzw. Diakone erhalten hatte, ist die am eisernen Zaun der Kirche angebrachte Messingtafel mit der Inschrift „CHIESA CATTOLICA – SS. VINCENZO E ANASTASIO – RETTORIA” und zwei Wappen irrefĂŒhrend.

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Messingtafel am eisernen Zaun von  Ss. Vincenzo e Anastasio.

Kardinalswappen von Kard. Mazarin.

 

Sie vermittelt den Eindruck, es handle sich hier um eine Titelkirche bzw. Diakonie eines Kardinals. Das Wappen links ist zwar das Kardinalswappen Mazarins und rechts das Wappen des deutschen Papstes Benedikt XVI. (2005-2013) doch „ titulus ecclesiae“ war die Kirche nie. Da Mazarin gebĂŒrtig aus Pescina/Abruzzen war, sollte die Kirche eigentlich Grablege seiner Familie werden. Heute findet man die Kirche Ss. Vincenzo e Anastaio in der Vicolo die Modelli 73 in 00187 Roma.

 

2. Geschichte zur PRAECORDIA der PĂ€pste (Herz bzw. Eingeweide)

 

In Ss. Vincenzo e Anastaio wurde die sogenannte „praecordia“ (auch „intestina“ genannt) von 22 PĂ€psten eingemauert. Das lateinische Wort „praecordia“ steht fĂŒr Herz und Eingeweide. Dieser pĂ€pstliche Brauch geht auf Papst Sixtus V. (1585-1590) zurĂŒck. Damals hatte Sixtus V. die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio zur pĂ€pstlichen Pfarrei erhoben und bestimmt, dass kĂŒnftig die „praecordia“ – das Herz und die Eingeweide- eines jeden verstorbenen Papstes in einem ZinkbehĂ€lter in dieser Kirche beigesetzt werden sollten. Noch fast 240 Jahre spĂ€ter, unter Papst Leo XII. (1823-1829), welcher im Quirinalspalast eine Pfarrei errichtete, veranlasste erneut, die „praecordia“ weiterhin in Ss. Vincenzo e Anastasio aufzubewahren. Wenn auch mit Unterbrechungen, so bestand dieser Brauch bis zum Tod von Papst Leo XIII. (1878-1903). 2

Mit der ÜberfĂŒhrung seiner „praecordia“ im Jahr 1903 ging dieser Brauch zu Ende. Sein Nachfolger, der heilige Papst Pius X. (1903-1914) schaffte den Brauch endgĂŒltig ab. Ebenso verfĂŒgte Pius X. in seinem Testament, entgegen der ĂŒblichen Praxis im Vatikan, dass sein Leichnam nicht einbalsamiert werden sollte. 3

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Gesamtansicht Quirinalspalast.

Grundriss des Quirinalspalast mit Lage des Sala dei Precordi.

Eingangstor mit darĂŒberliegendem Sala dei Precordi.

 

In der Phase, als der Papstpalast auf dem Quirinal noch Sommersitz der PĂ€pste war, wurden die verstorbenen PĂ€pste im „Sala die

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Mundartdichter Giuseppe Giocchino Belli.

Precordi“ einbalsamiert und die „praecordia“ entnommen. Anschließend transportierte man im Geheimen diese in die Kirche am Trevibrunnen. Besagter Raum existiert noch heute im Quirinalspalast. Über dem Haupteingang sieht der Besucher einen Balkon, den „Sala del Balcone“ – Balkonsaal – hier fand die Organentnahme und Einbalsamierung damals statt. Im 19. Jahrhundert nannte der römische Mundartdichter Giuseppe Gioacchino Belli (1791-1863) die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasioin einem seiner Sonette als “Museo di corate e de ciorcelli” das „Museum der Geschlinge und GedĂ€rme“ und machte so den Ort zum Gespött fĂŒr der Römer.

Der Ritus der Organentnahme betraf anfangs nur die PĂ€pste, die im Quirinalspalast verstorben waren. Nach 1825, im Pontifikat Leo XII., wurde die Organentnahme auch auf die PĂ€pste ausgeweitet, welche im Vatikan ihr Leben beendet hatten. So wurde die „praecordia“ von Papst Gregor XVI. 1846 dem toten Körper entnommen und mit einer Kutsche in großer Eile durch Rom zur Kirche am Trevibrunnen gefahren. Am Haupteingang von Ss. Vincenzo e Anastasio wurde die Urne an den Pfarrer ĂŒbergeben und dieser ließ sie in der Kapelle unterhalb des Hauptaltars einmauern. In spĂ€terer Zeit verlegte man die Urnen in die SeitenwĂ€nde des heutigen Hauptaltarraumes hinter die Inschriftentafeln. FĂŒr den Kirchenbesucher sind die Urnen heute nicht sichtbar.

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Praecordia von Papst Leo XIII. 6

Über den eigentlichen BehĂ€lter zur Aufnahme der „praecordia“ gibt es unterschiedliche Informationen. Einige Quellen sprechen von einem ZinkbehĂ€lter andere von einem TonbehĂ€lter. Vermutlich hatte sich in den Jahrhunderten die Art des BehĂ€ltnisses verĂ€ndert.

Über das weitere Zeremoniell der „praecordia“ gibt es einige Beschreibungen.

Zum ersten Papst Sixtus V.:

„Die Leiche Sixtus V. war in der auf seinem Tod folgenden Nacht vom Quirinal nach St. Peter ĂŒberfĂŒhrt worden, wo sie vorlĂ€ufig beigesetzt wurde. Das Herz brachte man nach der unfern des Quirinals gelegenen Kirche SS. Vincenzo ed Anastasio, eine Sitte die seitdem bei allen spĂ€teren PĂ€psten bis auf Leo XIII. beobachtet wurde. Die Leichenrede bei den Exequien Sixtus V. hielt Baldus Cataneus.“ 4

Allgemeine Beschreibung aus dem Jahr 1829:

„Vier und zwanzig Stunden nach dem wirklich erfolgten Tode des Papstes, in welcher man die Oeffnung des Leichnams und Einbalsamierung desselben besorgt hatte, wird derselbe, angethan mit der Soltiana bianca lana, der Mozette und dem Canauro rosso in einem der Vorzimmer des Pallastes unter einem Baldachin aufs Paradebett gelegt und dem Volke der Zutritt gestattet; neben dem Paradebette, an welchem vier Kerzen brennen, halten zwei Nobelgardisten und einige bĂŒĂŸende BrĂŒder Wache, letztere sind verpflichtet fĂŒr die Seele des Verstorbenen zu beten. Doch bringt man, ehe die Ausstellung geschieht, die Eingeweide des Verstorbenen in einem verschlossenen Wagen, von einem der geheimen Pallast-KaplĂ€ne begleitet, in die Kirche des heiligen Vinzens und Anastsius, zu Trevi als der Pfarre Sr. Heiligkeit, in welcher auch der Monte Cavallo liegt, und in welcher sie in dem von Benedikt dem vierzehnten fĂŒr sich selbst und seine im Pallast des Quirinals verstorbenen Nachfolger errichteten Grabe beigesetzt werden. Der Pfarrer von St. Vinzens empfĂ€ngt das GefĂ€ĂŸ mit den Eingeweiden am Kirchenthor, umgeben von Minoriten der Kirche, begleitet er es in dieselbe, und giebt ihm die gewöhnliche Sterbeabsolution.“ 5

Zum letzten Papst Leo XIII.:

„Die Leiche wurde am 22. einbalsamiert und im Thronsaal ausgestellt. Die Eingeweide, welche in eine irdene, mit Weidengeflecht geschĂŒtzte und mit roter Seide umhĂŒllte Urne luftdicht eingeschlossen wurden, ĂŒbertrugen die Monsignore Marzolini und Angeli um Mitternacht in die Kirche der heiligen Vinzenz und Anastasius, wo sie unter ĂŒblichen Zeremonien und Gebeten zunĂ€chst in der Kapelle der „Marianischen Kongregation“ niedergelegt, sodann in die rechte Wand des Hochaltars eingemauert wurden.“ 7

Die ÜberfĂŒhrung, der „praecordia“ war, genau geregelt. Ulrich Nersinger berichtet dazu: „Wenn der pĂ€pstliche Leibarzt den Tod des Heiligen Vaters festgestellt hatte, wurden dem Leichnam des hohen Verstorbenen das Herz und die inneren Organe entnommen und in ein GefĂ€ĂŸ gelegt. Das aus Zink bestehende BehĂ€ltnis verschloss man sorgfĂ€ltig und versah es mit den Siegeln des KardinalkĂ€mmerers der Heiligen Römischen Kirche und des PrĂ€fekten der Apostolischen Sakristei. Die Aufgabe, die praecordia in die Kirche von Ss. Vincenzo e Anastasio zu ĂŒberbringen, oblag dem „Caudatarius“ (SchleppentrĂ€ger) des Papstes. Dieser Geistliche war der erste Geheimkaplan des Heiligen Vaters. Begleitet wurde der „Caudatarius“ bei der Übertragung der „praecordia“ von einer Abteilung der aristokratischen Leibgarde des Papstes – bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von den „Lance Spezzate“, nach 1801 dann von den Mitgliedern der PĂ€pstlichen Nobelgarde.“ 8

 

3. Epitaph (Inschriftentafeln) im Altarraum

 

Heute verweisen zwei Marmortafeln, rechts und links im Chorraum, auf die eingemauerten „praecordiae“ von 23 (22) PĂ€psten. ZĂ€hlt man die PĂ€pste von Sixtus V. bis Leo XIII. zusammen, so kommt man auf 30 PĂ€pste. Doch nicht jede „praecordia“ wurde im Laufe der 313 Jahre gemĂ€ĂŸ dem Brauchtum zur Mitternacht nach Ss. Vincenzo e Anastasio verbracht. Betrachtet man die beiden Marmortafeln in der Kirche, so ist nicht zu ĂŒbersehen, dass hier LĂŒcken in der Reihenfolge der Papstnamen klaffen.

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Links und rechts im Altarraum der Kirche befinden sich die Inschriftentafeln mit den Namen der PĂ€pste.

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Inschriftentafel links im Chorraum.

Inschriftentafel rechts im Chorraum.

 

Die folgende Tabelle zeigt neben der Übersetzung die fehlenden PĂ€pste auf den Inschriftentafeln.

 

Nr.

Original.

Übersetzung:

Hinweise:

Linke Inschriftentafel:

1

D.O.M. / SIXTVS V. P. M. / PONTEFICIIS AEDIBVS / IN QVIRINALI AMPLIATIS / ET IN IISDEM / PRIMVS SVPREMA MORTALIS  VITAE / EXPLETA PERIODO / AD HANC APOST. PALAT. PAROCH. ECCLESIAM / VT EADEM EXIMIIS AVGERETVR HONOEIBVS / EX SVIS PRAECORDIIS PORTIONE DELATA / ROMANORVM PONTIFICVM / MONUMENTA PRIMA RELIQVIT / DIE XXVII AVGVSTI MDXC

Gott  dem Besten und GrĂ¶ĂŸten . Papst Sixtus V.  Er vergrĂ¶ĂŸerte die pĂ€pstlichen GebĂ€ude auf dem Quirinal und hier beendete er sein irdisches Leben. Sein Herz gab er zur Pfarrkirche des Apostolischen Palastes, so dass sie mit außergewöhnlichen Ehren erhöht wurde. Er war der erste Papst in diesem Denkmal, 27. August 1590

 

--

PRAECORDIA

EINGEWEIDE

 

2

Papst Urban VII. (1590-1590 ) fehlt

 

3

Papst Gregor XIV. (1590-1591) fehlt

 

4

Papst Innozenz IX. (1591-1591) fehlt

 

5

Papst Clemens VIII. (1592-1605) fehlt

 

6

LEONIS XI. P. M. / OBIIT IN QVIRIN DIE XXVII APRILIS MDCV

Leo XI. Papst / verstorben im Quirinal am 27.April 1605

 

7

PAVLI V. P. M. / OBIIT DIE XXVIII IANVARII MDCXXI

Paul V. Papst / verstorben am 28. Januar 1621

 

8

GREGORII XV. P. M.  / OBIIT DIE VIII IVLII MDCXXIII

Gregor XV. Papst / verstorben am 8. Juli 1623

 

9

Papst Urban VIII. (1623-1644) fehlt

 

10

INNOCENTII X. P. M. / OBIIT DIE VII IANVARII MDCLV

Innozenz X. Papst / verstorben am 7. Januar 1655

 

11

ALEXANDRI VII P. M. / OBIIT DIE XXIII MAII MDCLXVII

Alexander VII. Papst / verstorben am 23. Mai 1667

Papst Alexander VII. ist am 22. Mai 1667 verstorben.

12

CLEMENTIS IX. P. M. / OBIIT DIE VIII DECEMBRIS MDCLXIX

Clemens IX. Papst / verstorben am 8. Dezember 1669

Papst Clemens IX. ist am  9. Dezember 1669 verstorben.

13

CLEMENTIS X. P. M. / OBIIT DIE XXII IVLII MDCLXXVI

Clemens X. Papst / verstorben am 22. Juli 1676

 

14

INNOCENTII XI. P. M. / IN SACELLO B. VIRG. OBIIT XXII AVGVSTI MDCLXXXIX

Innozenz XI. Papst /  in der Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria, verstorben  am 22. August 1689

Papst Innozenz XI. ist am 12. August 1689 verstorben. Es ist zweifelhaft, ob die “praecordia” heute noch hier eingemauert ist.

15

ALEXANDRI VIII. P. M. / OBIIT DIE PRIMA FEBRVARII MDCXCI

Alexander VIII. Papst / verstorben am 1. Februar 1691

 

16

INNOCENTII XII. P. M. / OBIIT DIE XXVII SEPTEMBRIS MDCC

Papst Innozenz XII. / verstorben am 27. September 1700

 

17

CLEMENTIS XI. P. M. / OBIIT DIE XIX MARTII MDCCXXI

Papst Clemens XIX. / verstorben am 19. MĂ€rz 1721

“Praecordia” auch in der Kirche S. Francesco in Urbino.

18

INNOCENTII XIII. P. M. / OBIIT DIE VII MARTII MDCCXXIV

Papst Innozenz XIII. / verstorben am 7. MĂ€rz 1724

 

19

Papst Benedikt XIII. (1724-1730) fehlt

 

20

CLEMENTIS XII. P. M. / OBIIT DIE VI FEBRUARII MDCCXL

Papst Clemens XII. / verstorben am 6. Februar 1740

Papst Clemens XII. ist am 08. Februar 1740 verstorben.

Rechte Inschriftentafel:

--

BENEDICTVS XIV. PONT. MAX. / SVMMORVM PONTIFICVM / PRAECORDIA / HVMILI ET OBSCVRO LOCO / SITA / CONSTRVCTIS NOVIS LOCVLAMENTIS / IN HONESTIOREM TVMVLVM / INFERRI IVSSIT / ANNO MDCCIVI

Papst Benedikt XIV. verfĂŒgte nachdem dieser Ort im Jahr des Herrn 1756 neu errichtet worden war,  dass das Herz der PĂ€pste an diesen bescheidenen und dunklen Ort gebracht und in einem ehrenvollen Grab beigesetzt werde.

 

--

PRAECORDIA

EINGEWEIDE

 

21

BENEDICTI XIV P. M. / OBIIT DIE III MAII MDCCLVIII

Papst Benedikt XIV / verstorben am 3. Mai 1758

 

22

CLEMENTIS XIII. P. M. / OBIIT DIE SECVNDA FEBRUARII MDCCLXIX

Papst Clemens XIII. / verstorben am 2. Februar 1769

 

23

CLEMENTIS XIV. P. M. / OBIIT DIE XXII SEPTEMBRIS MDCCLXXIV

Papst Celens XIV. / verstorben am 22. September 1774

Papst Clemens XIV. ist am 21. September 1774 verstorben.

24

PII. VI. PONT. MAX. / TRANSLATA. SVNT. VALENTIAM. APVD. RHODANVM / VBI. DECESSIT. DIE XXIX. AVGVSTI MDCCIC.

Papst Pius VI. / von Valence nahe der Rhone hierher transferiert / wo er verstorben am 29. August 1799

Wenn ĂŒberhaupt, war die “praecordia” nur sehr kurz (wenige Monate) hier eingemauert. Heute ist sie in Frankreich.

25

PII. VII. PONT. MAX. / OBIIT. DIE. XX. AVGVSTI. MDCCCXXIII

Papst Pius VII. / verstorben am 20. August 1823

 

26

LEONIS. XII. PONT. MAX. / OBIIT. IV. IDVS. FEBRUARII. AN. MDCCCXXIX

Papst Leo XII. / versorben am 10. Februar im Jahr des Herrn 1829

 

27

PII. VIII. PONT. MAX. / OBIIT. PRIDIE. KALEN. DECEMB. AN. MDCCCXXX

Papst Pius VIII. / verstrorben am 30. November 1830

 

28

GREGORII. XVI. P. M. / OBIIT. KAL. IVNII. AN. MDCCCXXXXVI.

Papst Gregor XVI. / verstorben am 1. Juni 1846

 

29

Papst Pius IX. (1846-1878) fehlt

 

30

LEONIS XIII P. M. / OBIIT DIE XX IULII MDCCCCIII

Papst Leo XIII. / verstorben am 20. Juli 1903

 

31

 

 

Teil-praecordia von Papst Johannes Paul II. seit 1981 hier eingemauert (?).

 

In der chronologischen Papstfolge von 1590 bis 1903 fehlen also hier sieben PĂ€pste:

  • Urban VII. (1590-1590)
  • Gregor XIV. (1590-1592
  • Innozenz IX. (1591-1591)
  • Clemens VIII. (1592-1605)
  • Urban VIII. (1623-1644)
  • Benedikt XIII. (1724-1730)
  • Pius IX. (1846-1878)

Zu Urban VII.:

Sein Pontifikat ist eines der kĂŒrzesten der Papstgeschichte. Bereits nach zwölf Tagen verstarb er an schwerem Malariafieber im Vatikan. Urban VII. erlebte seine Inthronisationsfeier nicht mehr. GemĂ€ĂŸ seinem Testament wurde er letztendlich in der Kirche S. Maria sopra Minerva zur letzten Ruhe gebettet. Vermutlich unterblieb die Entnahme der “pracordia” wegen der kĂŒrze seines eigentlich nicht öffiziel angetretenen Pontifikats.

Zu Gregor XIV.:

Obgleich sein Pontifikat knapp ĂŒber zehn Monate andauerte, ist nicht bekannt, warum seine “praecordia” damals nicht nach Ss. Vincenzo e Anastasio gebracht worden ist.

Zu Innozenz IX.:

Auch bei Papst Innozenz IX. ist nichts ĂŒber die unterlassene Entnahme der “praecordia” bekannt.

Zu Clemens VIII.:

Wie bei Papst Innozenz IX.

Zu Urban VIII.:

Urban VIII. war am 29. Juli 1644 verstorben und in großer Eile am 01. August in einem unfertigen Grab beigesetzt worden. Überliefert ist, dass sein Leichnam seziert  und dabei festgestellt wurde, dass Urban gesunde Eingeweide und ein kleines Herz wie bei einem Kind gehabt haben soll. 9 Warum trotz einer Sezierung die “praecordia” nicht nach Ss. Vincenzo e Anastasio ĂŒberstellt wurde ist unbekannt.

Zu Benedikt XIII.:

Entgegen dem damals ĂŒblichen Ritus wurde die “praecordia” Benedikt XIII. mit denjenigen der Königin Christina von Schweden in den Vatikanischen Grotten beigesetzt. Somit fehlt sie in der Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio

Zu Pius IX.:

Der Tod von Pius IX. am 07. Februar 1878 fĂ€llt in die Phase, als der Papst “Gefangener im Vatikan“ war. 1870 hatte er den Kirchenstaat und Rom mit dem Quirinal an das Königreich Italien verloren. Diese Tatsache hat er nie verwunden. Seine erste GrabstĂ€tte fand er somit in der Sakramentenkapelle im Petersdom. Seine „praecordia“ wurde hinter seinem Wappen in den Vatikanischen Grotten beigesetzt, hat also damals ebenfalls den Vatikan nicht verlassen. Prof. Dr. Josef Imbach bemerkt dazu: „Auffallend ist das leere Feld, welches fĂŒr Pius IX. (+ 1878) reserviert war. Heute wissen nur noch wenige Eingeweihte, das der damalige Pfarrer mit dieser unbeschrifteten FlĂ€che seinen Protest gegen den vatikanischen KardinalkĂ€mmerer zum Ausdruck brachte. Dieser nĂ€mlich hatte nach der Einbalsamierung der Leiche verfĂŒgt, die Urne mit den Eingeweiden Pius IX. in den Vatikanischen Grotten in unmittelbarer NĂ€he der Confessio (d. h. der letzten RuhestĂ€tte) einzumauern.“ 10

Bei genauer Betrachtung der Inschriftentafeln fĂ€llt auf, dass fĂŒnf Todesdaten fehlerhaft sind. In vier der FĂ€lle weicht das Datum um einen Tag im Fall von Papst Innozenz XI. sogar um zehn Tage ab. Das Herz von Innozenz XI. wurde jedoch am 22. August 1689 im Palazzo Odescalchi in Rom beigesetzt. Somit wĂŒrde das auf der Inschriftentafel eingemeißelte Datum zutreffen. Laut eines Artikels in der Zeitung “Die Welt” vom 14. Mai 2013 soll die “praecordia” im Rahmen der Seligsprechung Papst Innozenz XI. im Jahr 1956 wieder dem Leichnam beigegeben worden sein. 14

Da Papst Pius VI. nicht im Kirchenstaat, sondern 1799 im französischen Valence verstorben war, wurde er zuerst dort begraben. Auf Betreiben von Monsignore Spina, dem Intendanten des pĂ€pstlichen Hauses, und unter WĂŒrdigung des Letzten Willens von Pius VI., gelang es dem Vatikan seinen Leichnam 1802 nach Rom zu ĂŒberfĂŒhren. Hier fand er seine GrabstĂ€tte in den Vatikanischen Grotten. 11

Seine “praecordia” soll zwar 1802 in die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio gebracht worden sein, allerdings soll diese 1803 auf Anfrage des Bischof von Valence, Monsignore BĂšcherel, der dortigen Kathedrale zurĂŒckgegeben worden sein. Laut Caffiero, wurde die “praecordia” allerdings auf Anfrage der französichen Regierung nach Valence ĂŒberfĂŒhrt und 1811 wieder nach Rom zurĂŒckgebracht(?). Insofern scheint es fragwĂŒrdig, ob die „praecordia“ von Papst Pius VI. in Ss. Vincenzo e Anastasio eingemauert ist oder nicht. Die Inschrift auf der rechten Marmortafel in Ss. Vincenzo e Anastasio spricht zwar von einer Translation nach Valence, Nahe der Rhone, macht aber ĂŒber den Zeitpunkt der ÜberfĂŒhrung bzw. RĂŒckkehr keine weitere Angabe. Pastor hingegen berichtet nicht davon, dass die “praecordia”  nach Ss. Vincenzo e Anastasio”gebracht worden ist. 11

Die ”praecordia” von Papst Clemens XI. befindet sich sowohl in Ss. Vincenzo e Anastasio als auch in seiner Heimatstadt Urbino. Hier in der Kirche S. Francesco. 12

Im Jahr 1981 soll in der Kirche Ss. Vincenzo e Anastaio eine weitere “praecordia” eingelagert worden sein. Reardon J. Wendy verweist in ihrem Buch ”THE DEATHS OF THE POPES” darf, dass nach dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. am Petersplatz, bei der anschließenden Notoperation dem Pontifex ein StĂŒck Darm entnommen wurde und dieser in einem GlasgefĂ€ĂŸ ebenfalls in der Wand bei den anderen PĂ€psten eingemauert worden ist. 15

Somit scheint der alte Ritus mit Papst Leo XIII. doch noch nicht beendet gewesen zu sein.

 

4. Ss. Vincenzo e Anastasio heute

 

Unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) wurde die Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio am 24. Mai 2003 „pro tempore“, also auf Zeit, an die Orthodoxe Kirche von Bulgarien ĂŒbergeben. Im Beisein des Metropoliten fĂŒr West- und Mitteleuropa Simeon und dem bulgarischen MinisterprĂ€sidenten Simeon von Sachsen Coburg-Gotha ĂŒbergab der PrĂ€sident des  PĂ€pstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, im Rahmen einer Feier die Kirche. Johannes Paul II. hatte bereits ein Jahr zuvor, bei einem Pastoralbesuch in Sofia die Überlassung der römischen Barrockkirche angekĂŒndigt . 16

In einer Ansprache an die Delegation des Hl. Synods der orthodoxen Kirche von Bulgaren sagte Papst Johannes Paul II. am  26. Mai 2003: “Ihr seid zu einem weiteren ĂŒberaus freudigen Anlaß nach Rom gekommen: die Überlassung der Kirche »Santi Vincenzo e Anastasio« beim Trevi-Brunnen fĂŒr eure Gottesdienste. Das Gebetstreffen am vergangenen Samstag, dem 24. Mai, verlief in feierlicher AtmosphĂ€re aufgrund der Anwesenheit so vieler herausragender Mitglieder des Heiligen Synods der Orthodoxen Kirche von Bulgarien, Seiner MajestĂ€t Simeon von Sachsen-Coburg und Gotha, MinisterprĂ€sident der bulgarischen Regierung, und verschiedener Vertreter des Heiligen Stuhls und des Vikariats von Rom unter der Leitung meines Vertreters Kardinal Walter Kasper, PrĂ€sident des PĂ€pstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen. Ich weiß, daß die Gemeinschaft und ihr Rektor »auf Zeit« in der Kirche »Santi Vincenzo e Anastasio« brĂŒderliche Aufnahme gefunden haben. Die Kirche wurde auch fĂŒr den Gottesdienst und die Seelsorge der in Rom ansĂ€ssigen orthodoxen Bulgaren geeignet ausgestaltet. Dies ist ein bedeutsames Beispiel des hier in Rom feststellbaren kirchlichen Miteinanders, das mir so sehr am Herzen liegt.” 13

 
 

5. PRAECORDIA der PĂ€pste heute

 
 

Die Frage nach der heutigen Anzahl der „praecordia“ in der Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio ist nur schwer zu beantworten. Die beiden Inschriftentafeln nennen heute noch insgesamt 23 Papstnamen. Zieht man die vermerkte Translation von Papst Pius VI. nach Frankreich ab, so verbleiben noch 22 pĂ€pstliche „praecordiae“. Wurde tatsĂ€chlich die „praecordia“ von Papst Innozenz XI. bei seiner Seligsprechung 1956 mit dem Leichnam im Petersdom wieder vereint, so reduziert sich die Gesamtanzahl auf 21 PĂ€pste. BerĂŒcksichtigt man nun noch die Teil-praecordia von Papst Johannes Paul II. aus dem Attentatsjahr 1981, so mĂŒssten heute tatsĂ€chlich 22 „praecordiae“ hinter den Altarmauern der Kirche Ss. Vincenzo e Anastasio eingemauert sein.

 

 

 

 

 

 Quellen:

 

 

1

Imbach Josef: Die Eingeweide der PĂ€pste, Marixverlag GmbH Wiesbaden, 2010, Seite 13.

2

Borgolte Michael, Petrusnachfolge und Kaiserimitation, Vandenhoeck & Ruprecht,Göttingen, 1989, Seite 308 und .Anm. 134.

3

Matt, Leonard von, Pius X., NZN Buchverlag ZĂŒrich, 1954, Seite 212.

4

Pastor Ludwig Freiherr von, Geschichte der PĂ€pste, Herder & Co. GmbH Verlagsbuchhandlung Freiburg i. Breisgau, 1926, Band, 10, Seite 408.

5

Schloßer J. A., Die Papstwahl eine Beschreibung und Abbildung der GebrĂ€uche und Feierlichkeiten ..., Schloßer Buch- und Kunsthandlung Augsburg, 1829, Seite 4.

6

Marchesan, Angelo Dr., Papst Pius X., Verlagsanstalt Benziger & Co. A. G., Einsiedeln-Köln, 1906, Seite, 496.

7

Ebd. Seite 493, 496.

8

Nersinger, Ulrich, Liturgien und Zeremonien am PĂ€pstliche Hof, nova & vetera, Bonn,2011, Band 2, Seite 314-315.

9

Pastor Ludwig Freiherr von, Geschichte der PĂ€pste, Herder & Co. GmbH Verlagsbuchhandlung Freiburg i. Breisgau, 1929, Band, 13/2, Seite 879 Anm. 4.

10

Imbach Josef, Die Eingeweide der PĂ€pste Marixverlag GmbH Wiesbaden, 2010, Seite 15

11

Borgolte, Michael, Petrusnachfolge und Kaiserimitation, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1989, Seite 322, A. 222. AusfĂŒhrlich auch bei  Pastor Ludwig Freiherr von, Geschichte der PĂ€pste, Herder & Co. GmbH Verlagsbuchhandlung Freiburg i. Breisgau, 1929, Band, 16/3, Seite 628-632.

12.

Borgolte, Michael, Petrusnachfolge und Kaiserimitation, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1989, Seite 319, Anm. 211.

13

Ansprache von Johannes Paul II. an eine Delegation des Hl. Synods der orthodoxen Kirche von Bulgarien am 26. Mai 2003.

14

Zöller Martin, “Die Welt”, PĂ€pste: Einbalsamiert im Vatikan, vom 14.05.2013.

15

Reardon J. Wendy, ”THE DEATHS OF THE POPES”, Comprehensive Accounts, Including Funerals, Burial Places and Epitaphs, McFarland, 2010, Seite 278.

16

L`Osservatore Romana, 33. Jahrgang, Nr. 22, 30. Mai 2003, Seite 1.

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Praecordia (Lat. Herz und Eingeweide der Päpste)

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