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Alle mit “rv” gekennzeichneten Berichte und Nachrichten, mit freundlicher Genehmigung von “Radio Vatikan” in Rom.

zu Radio Vatikan

 

 

1/2008

 

 

02.01.08

Vatikan: Beziehungen zu 176 Staaten

Am kommenden Montag empfängt der Papst das diplomatische Korps jener Botschaften, die beim Heiligen Stuhl akkreditiert sind. Bei der Audienz werden Neujahreswünsche ausgetauscht, und Benedikt richtet eine ausführliche Rede an die internationalen Gesandten. Der Heilige Stuhl pflegt mit 176 Staaten diplomatische Beziehungen. Dazu kommen die Gesandtschaften bei der Europäischen Union, der russischen Föderation und der palästinensischen Organisation PLO. Der erste Neujahrsempfang beim Papst wird es für den Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Emiraten und dem Heiligen Stuhl bestehen erst seit 31. Mai 2007. (rv)

 

 

03.01.08

Vatikan: Museen verlängern

In den vatikanischen Museen gelten ab diesem Mittwoch verlängerte Öffnungszeiten. Das ganze Jahr über halten die Sammlungen nun von 8:30 bis 18:00 offen, jeweils montags bis samstags. Der Eintritt ist bis 16 Uhr möglich. So wie bisher ist außerdem der letzte Sonntag im Monat bei freiem Eintritt geöffnet. Die Kosten für das reguläre Ticket steigen um einen Euro auf 14 Euro, die ermäßigten Eintrittskarten bleiben auf ihrem Stand. Die Verlängerung der Öffnungszeiten war durch den enormen Andrang in den Vatikanischen Museen nötig geworden. Seit dem Jubiläumsjahr 2000 war die Zahl der Besucher kontinuierlich auf zuletzt rund vier Millionen jährlich angestiegen. Dabei waren Wartezeiten von bis zu einer Stunde keine Seltenheit. (rv)

 

 

03.01.08

Vatikan: Dialogjahr 2008

2008 – das ist auch das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs. Hintergrund: Europa ist das Test-Labor, inwieweit sich eine Religion (oder Kultur) wie der Islam mit der Lebensweise in einer aufgeklärt-westlichen Gesellschaft vereinbaren lässt. Im Vatikan steckt man im Moment hinter den Kulissen viel Energie in das Gespräch mit dem Islam, weiß und berichtet Stefan Kempis.
Erst, nach der Regensburger Rede des Papstes, der Stillstand; 2005 war das. Dann im letzten Herbst der Brief islamischer Gelehrter an christliche Kirchenführer, und seitdem hat das Gespräch zwischen Christentum und Islam eine unerwartete Dynamik erfahren. Der saudische König, Hüter der Heiligen Stätten des Islams, war beim Papst, und irgendwann im Jahr 2008 soll eine Delegation der Islam-Gelehrten im Vatikan mit Papst Benedikt sprechen – mit der Rückendeckung durch den saudischen König, wie Medien kolportieren. Soviel Bewegung war selten im Gespräch der Religionen.
„Der Papst hat alle zum Mut aufgerufen, sich der Vernunft zu öffnen“, sagt Kardinal Jean-Louis Tauran, Vatikan-Verantwortlicher fürs Interreligiöse. „Er hat in seiner Regensburger Vorlesung daran erinnert, dass es der Natur Gottes widerspricht, gegen die Vernunft zu handeln. Das ist die Grundlage, auf der wir im interreligiösen Dialog den Geist des Göttlichen aufspüren müssen.“
Regensburg – die Papst-Rede ist längst vom Stein des Anstoßes zum neuen Anstoß im interreligiösen und darüber hinaus im interkulturellen Dialog geworden. Im Vatikan ist man einverstanden damit, dass die Politiker bei der Ausrufung des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs das Thema so weit gefasst... und nicht nur auf den religiösen Aspekt verengt hat. So jedenfalls Erzbischof Gianfranco Ravasi, neuer Leiter des Päpstlichen Kulturrats:
„Wenn man von Religion spricht, muss man das Thema Kultur mitdenken. Genau genommen muss man sogar zu einem neuen Kulturbegriff finden, der eng mit dem Religiösen zusammenhängt: Kultur in diesem Sinn verstanden als Nachdenken über den Menschen. So wird das Religiöse zu einer allumfassenden Präsenz, die eng mit allen kulturellen Fragen verflochten ist, vor allem mit der Frage nach dem Weg des Menschen durch sein persönliches Leben und, allgemeiner gesagt, durch die Zeit...“
Die Kirche habe, so Ravasi weiter, in Sachen interkultureller Dialog eine lange Erfahrung.
„Sie kann also viel einbringen in dieses Jahr, das der europäische Ministerrat in Straßburg beschlossen hat.Der Glaube spricht von der Größe des Menschen - von einem Humanismus, der die Kultur nicht zerstört, sondern sie vielmehr bereichert.“ (rv)

 

 

04.01.08

Italien: Papst würdigt Mutter Teresa

 

Papst Benedikt XVI. hat Mutter Teresa aufgrund ihrer „Leidenschaft für Christus“ gewürdigt. Bei einem weihnachtlichen Besuch im Sozialzentrum „Dono di Maria“ am Freitagvormittag sprach der Papst vor den anwesenden Armen und Ordensleuten über die albanische Selige. Das Zentrum, das sich innerhalb der vatikanischen Mauern neben dem Gebäude der Glaubenskongregation befindet, wird von den „Missionarinnen der Nächstenliebe“ geleitet, der Kongregation von Mutter Teresa. In Anspielung auf den Namen des Hauses, „Dono di Maria“ – zu Deutsch: „Geschenk Mariens“ – sagte der Papst:
„Wer immer hier an die Tür klopft, für den ist es in der Tat ein Geschenk Marias, sich von den Schwestern und der Freiwilligen liebevoll aufgenommen zu fühlen. Ebenfalls ein Geschenk Marias die Anwesenheit einer Person, die innehält, um Menschen in Schwierigkeiten zuzuhören und ihnen zu dienen. Dieser Stil evangelischer Liebe möge eure Berufung immer auszeichnen, sodass ihr über die materielle Hilfe hinaus jenen, denen ihr in eurem Alltag begegnet, dieselbe Leidenschaft für Christus und jenes „Lächeln Gottes“ weitergeben könnt, das die Existenz Mutter Teresas beseelte.“
Das Haus bietet rund 75 obdachlosen Frauen Unterkunft. Nichtsesshafte Männer können dort zwei Mal täglich eine Mahlzeit bekommen.Papst Johannes Paul II. hatte das Sozialzentrum vor fast genau 20 Jahren gegründet. Zu den Armen gewendet, die im Haus Betreuung finden, sagte der Papst:
„Ich bin vor allem gekommen, um meine spirituelle Nähe für euch, liebe Freunde, auszudrücken. Ich bin hier, um euch zu sagen, dass der Papst euch liebt und euch nahe ist.“
Benedikt zitierte Mutter Teresa mit den Worten: „Weihnachten ist jedes Mal, wenn wir Jesus erlauben, durch uns selbst hindurch einen anderen Menschen zu lieben“.
„Jesus wurde in einer Grotte geboren, weil anderswo kein Platz für ihn war. Er hat die Entbehrungen kennen gelernt, die viele von euch begleiten. Weihnachten hilft uns zu verstehen, dass Gott uns nicht aufgibt, sondern uns immer entgegenkommt, uns schützt und sich um jeden von uns annimmt. Denn jeder Mensch, aber ganz besonders die schwachen, ist wertvoll in seinen Augen voll Zärtlichkeit und Erbarmen.“ (rv)

 

 

04.01.08

Vatikan: Jesuiten wählen neuen General

Zum ersten Mal in der 477-jährigen Geschichte der Jesuiten tritt ein Ordens-General zu Lebzeiten zurück. Am Montag kommt die General-Kongregation des größten katholischen Männerordens zusammen, um den Verzicht des nach 24 Dienstjahren amtsmüden Niederländers Peter Hans Kolvenbach (79) anzunehmen und einen Nachfolger zu bestimmen. Die Wahl des Nachfolgers wird auch die Marschrichtung des Jesuitenordens insgesamt bestimmen, sagt Pater Kolvenbach:
„Wenn sie den einen oder anderen aus den Tausenden von Jesuiten wählt, die es werden könnten, damit sagt die Gesellschaft Jesu, was sie sich für die Zukunft erhofft: einen Prophet oder einen Weiser, einen Erneuerer oder einen Maßhalter, einen Kontemplativen oder einen Aktiven, einen der auf den Punkt bringt oder einen, der die Einheit sucht.“
Gewählt wird der „Schwarze Papst“ nach einem konklaveähnlichen Modus hinter verschlossenen Türen – ohne Kandidatenliste, Fraktionen oder Wahlkampf. Ganz im Sinne der ignatianischen Spiritualität gehen die Delegierten von den Herausforderungen der Wirklichkeit aus:
„De facto beginnt die Kongregation mit einer Bewertung der gegenwärtigen Situation, mit einer Unterscheidung, was in der Gesellschaft hell und was eher dunkel ist in ihrem Dienst an Kirche und Welt. Und von dieser Bewertung muss der Funke ausgehen: Schaut, das ist der Jesuit, den wir brauchen, um auf dem Weg Gottes zu gehen.“
Möglich geworden ist die Neuwahl durch eine Dispens des Papstes. Denn eigentlich wird Jesuitengeneral auf Lebzeiten gewählt. Benedikt XVI. signalisierte Verständnis für den Wunsch des amtsmüden Niederländers. Im Grundsatz beließ er es aber bei den Ordens-Statuten, die eine lebenslängliche Dienstzeit des Jesuiten-Generals vorsehen.
Eine bleibende Priorität des Ordens bleibt die Mission in China, schon ganz zu Beginn waren Jesuiten wie Franz Xaver und Matteo Ricci nach China gegangen, um Christus mit der Sprache der Kultur und der chinesischen Mentalität zu verkünden. Ein gelungenes Beispiel von Inkulturation, so Kolvenbach.
„Diese Tradition drängt uns, unseren Blick nicht von der chinesischen Welt abzuwenden. Tatsächlich hat die Gesellschaft nie auf den Wunsch verzichtet, dem chinesischen Volk in seinen geistlichen Hoffnungen zu dienen und den Obersten Lehrer zu verkünden, den die Chinesen in der edlen Figur ihrer Philosophen erkennen.“
Als die Jesuiten 1949 aus China vertrieben wurden, blieben viele von ihnen in Nachbarländern und warteten auf einen guten Augenblick, um auf ihren Platz zurückzukehren. Zahlreiche junge Jesuiten haben chinesisch gelernt und hoffen, dass sich eines Tages die Türen Chinas wieder öffnen.
„Für die Gesellschaft Jesu ist – abgesehen von einer gegenwärtig mäßigen Präsenz in China – immer noch Wartezeit. Wir warten darauf, dass die Bemühungen des Heiligen Stuhls um diplomatische Beziehungen zu China uns erlauben, zu einer Sendung zurückzukehren, die so sehr mit der Geschichte der Gesellschaft Jesu verbunden ist.“
Um den 19. Januar dürfte die Entscheidung fallen, über die als Erstes der Papst informiert wird. Erst nach dessen Placet veröffentlicht die Gesellschaft Jesu den Namen. (rv)

 

 

06.01.08

Papst kritisiert ungezügelte Globalisierung

Papst Benedikt XVI. hat die ungezügelte Globalisierung scharf kritisiert. In seiner Predigt zum Fest „Erscheinung des Herrn“ rief er zur Mäßigung im Lebensstil auf. Dies sei nur möglich, wenn die Menschen Mut hätten. Dieser Mut werde ihnen durch die Geburt Jesu Christi geschenkt.
„Man kann in der Tat nicht sagen, dass die Globalisierung ein Synonym wäre für eine Weltordnung, ganz im Gegenteil. Die Konflikte um den wirtschaftliche Vorherrschaft und die Gier nach Energie- und Wasserressourcen sowie Rohstoffen erschwert die Arbeit derjenigen, die sich für eine gerechte und solidarische Welt einsetzen. Es ist eine größere Hoffnung notwendig, die es erlaubt, das Gemeinwohl aller dem Luxus Weniger und dem Elend Vieler vorzuziehen.“
Nur wer eine große Hoffnung habe, könne sich auch mäßigen, so Benedikt XVI.
„Die Mäßigung ist nicht nur eine aszetische Anweisung, sondern auch ein Weg der Rettung für die Menschheit. Es ist inzwischen offensichtlich, dass nur mit einem nüchternen Lebensstil – verbunden mit einem ernsten Einsatz für eine gerechte Verteilung der Reichtümer – es möglich sein wird, eine gerechte und nachhaltige Entwicklungsordnung zu etablieren.“
Ausgegangen war Benedikt XVI. vom biblischen Bericht vom Besuch der „Weisen aus dem Morgenland“. Diese seien in heilsgeschichtlicher Perspektive die Repräsentanten aller Menschen, die die Wahrheit suchten, eine Gegenbewegung zur Unheilsgeschichte, wie sie sich im Turmbau zu Babel gezeigt habe. In Erfüllung der Verheißung an Abraham, Segen für die Völker zu sein, sei der Heilswillen Gottes in Jesus Christus erfüllt worden. Und der realisiere sich nun durch die Kirche.
„Doch dieser Plan wird behindert von Zerwürfnissen und von Widerständen, die die Menschheit verletzen aufgrund der Sünde und des Konflikts der Egoismen. Die Kirche steht im Dienst jenes „Mysteriums“ des Segens für die gesamte Menschheit. Sie erfüllt ihre Mission nur dann vollkommen, wenn sie dieses Licht des Herrn Christus in sich widerspiegelt, und so zu einer Hilfe für die Völker auf dem Weg des Friedens und des authentischen Fortschritts wird.“
In der feierlichen Liturgie gab es heute - wie immer an Erscheinung des Herrn - eine Besonderheit: Die Festankündigung am Jahresbeginn. In dem vom Kantor nach dem Evangelium und vor der Predigt mit der Melodie des Oster-Exsultet vorgesungen Text werden die Termine der Festtage des Jahres angekündigt. So fällt das Osterfest im Jahre 2008 sehr früh auf den 23. März und das Pfingstfest auf den 11. Mai. (rv)

 

 

07.01.08

Kardinal Franc Rodé hat die Jesuiten aufgefordert, der Kirche treu zu sein

Das sagte der Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation bei der Eröffnungsmesse zur Generalkongregation in der Jesuiten-Kirche „Il Gesù” in Rom. Mit Traurigkeit und Besorgnis nehme er eine wachsende Entfernung von der kirchlichen Hierarchie wahr. Dies entspreche nicht der ignatianischen Spiritualität, so der slowenische Kardinal. Die Wahl eines neuen Generals sei von herausragender Bedeutung für den Orden, denn ein „gutes Haupt” wirke sich auch auf den ganzen Leib aus. Rodé forderte die Jesuiten auf, ihre Liebe zur Kirche zu vertiefen. (rv)

 

 

08.01.07

Neuer Interrims-Rektor der „Anima” in Rom

Der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes feiert am Sonntag einen Gottesdienst in der „Anima” in Rom, um dem Interrims-Rektor der Einrichtung für seinen Einsatz zu danken. Die deutsch-österreichische Nationalstiftung bekommt am 25. Jänner mit Franz Xaver Brandmayr einen neuen Rektor. Der Wiener Diözesanpriester übernimmt die Stelle, die seit dem plötzlichen Tod von Johann Hörist im April 2007 übergangsweise von Kaplan Gerhard Hörting übernommen worden war. Traditionell leitet ein Österreicher die „Anima”. Der Dank-Gottesdienst mit Kardinal Cordes am Sonntag beginnt um 10.00 Uhr. (rv)

 

 

09.01.08

Für Selig- und Heiligsprechungen sollen künftig strengere Regeln gelten

Das kündigte der zuständige Kardinal José Saraiva Martins an. In den kommenden Tagen werde eine entsprechende Instruktion veröffentlicht, so der Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation. Das Dokument fordere Diözesanbischöfe und Postulatoren, die die Kandidaturen vertreten, zu „mehr Vorsicht und mehr Sorgfalt” auf, erklärte der Kardinal im Interview mit der Vatikanzeitung „Osservatore Romano” (Mittwochsausgabe). Die 20-seitige Instruktion setzt laut Saraiva Martins den „von Benedikt XVI. eingeführten neuen Geist bei Seligsprechungen” um. Dabei komme nach den Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils den Lokalkirchen eine stärkere Rolle zu. (rv)

 

 

11.01.08

25 Jahre Kirchenrecht

Am 25. Januar feiert das neue Kirchenrechtsgesetzbuch seinen 25-jährigen Geburtstag. Für Kanonisten – so der Fachterminus für Kirchenrechtler – ein Grund zum Feiern; und so hat an diesem Freitag an der Salesianerhochschule in Rom ein hochkarätig besetztes Symposium mit dem Titel „Das Kirchenrecht im Dienst der Mission der Kirche“ stattgefunden.
Organisiert wurde das Symposium von dem in Rom lehrenden Kirchenrechtsprofessor Markus Graulich SDB. Der Salesianer-Pater hält den CIC („Codex Iuris Canonici“) für eine gelungene rechtliche Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils.
„Das Kirchenrecht hat seinen Sinn im Dienst der Verkündigung, im Dienst in den Sakramenten. Die Verkündigung des Wortes Gottes und die Sakramentenpastoral brauchen eine rechtliche Form, damit da kein Wildwuchs entsteht. Das ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, sondern das beobachten wir in der Kirche wir von Anfang an, dass man sich auf bestimmte Vorgehensweisen einigt. Ich will nicht unbedingt das Apostelkonzil als die erste Kirchenrechtssitzung zitieren, aber auch die Apostel haben sich auf eine Vorgehensweise geeinigt, in der man durchaus normativen Charakter erkennen kann.“
Rechtlichen Normen geben in der Kirche auch Sicherheit, so der Salesianerpater.
„Ein Gläubiger muss sich darauf verlassen können. Wir hatten in den letzten Jahren die großen Diskussionen um das liturgische Recht – es führt zu vielen Irritationen, wenn das Recht nicht angewandt wird, und da muss es ein Minimum an Rechtsnormen geben. Für eine Universalkirche sind 1752 Einzelgesetze meiner Ansicht nach nicht zuviel.“
Das Kirchenrecht hatte auch schon einmal einen schlechteren Ruf: „In der Zeit unmittelbar nach dem Konzil musste sogar einmal gesagt werden, dass es Kirchenrecht noch gibt und dass es auch studiert werden muss. Heute ist die Akzeptanz des Kirchenrechts doch größer, weil die Menschen gemerkt haben: So ganz ohne Recht kommt auch die Kirche nicht aus, auch nicht die Kirche, die sich als Liebeskirche bezeichnet. Deshalb sind diese 25 Jahre ein guter Anlass, nicht euphorisch zu feiern, aber doch sich einmal explizit auf dieses Recht in der Kirche zu besinnen.“
Dennoch ist Kirchenrecht nichts Statisches, so der Kanonist. Jedes Kirchengesetzbuch ist in gewisser Weise auch ein Kind seiner Zeit: „Die Diskussion um die so genannte Konzilsrezeption geht gerade erst los. Man hat versucht, in Kirchenrecht zu fassen, was man damals vom Konzil verstanden hatte. Zum Beispiel findet sich die „Communio-Ekklesiologie“ im heutigen Kirchenrecht nicht, weil man damals sehr stark das Bild von der Kirche als „Volk Gottes“ diskutierte. Diese Auffassung spiegelt sich im kirchlichen Gesetzbuch viel stärker als die Communio-Ekklesiologie, die heute sehr oft verwendet wird.“
Neben Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und dem Präfekt der Bildungskongregation, Kardinal Zenon Grocholewski, hat auch der Präsident des Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper teilgenommen. Welche Fragen gerade ihn als Chef-Ökumeniker des Vatikans interessieren müssen, erklärt Graulich: „Was spielt das Kirchenrecht in der Ökumene für eine Rolle- ist es Hemmnis oder ist es ein Minimum, auf das man sich schon einmal einigen kann. Macht es die Kirche einschätzbar, macht es die Kirche vielleicht auch suspekt, weil sie so eine Rechtsordnung hat? Das sind interessante Fragen, denn Kirchenrecht darf nicht nur in sich selber kreisen und sich mit sich selber beschäftigen, sondern muss sich seiner theologischen Wurzeln immer vergewissern.“ (rv)

 

 

12.01.08

Kardinal Ouellet zum Generalrelator der Weltbischofssynode ernannt

Zum Sondersekretär wurde Bischof Wilhelm Egger (67) von Bozen-Brixen/Tirol, ein ausgewiesener Bibelexperte, berufen, wie das vatikanische Presseamt am Samstag mitteilte. Die Bischofssynode vom 5. bis 26. Oktober steht unter dem Motto „Bibel - das Wort Gottes im Leben der Kirche”. Der Generalrelator ist maßgeblich für die inhaltliche Linie einer Synode zuständig. Er hält das Eröffnungsreferat mit den thematischen Vorgaben und fasst später die Generaldebatte in einem Zwischenbericht zusammen. Unterstützt wird er vom Sondersekretär, dem wiederum ein Arbeitsstab von Theologen und Fachleuten zur Seite steht. Oullet, Mitglied der Sulpicianer-Priestergemeinschaft, war in den Jahren 2001 und 2002 im Vatikan als Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates tätig. Der 1940 in Innsbruck geborene Kapuziner Egger leitet seit 1986 das dreisprachige Bistum Bozen-Brixen in Norditalien. (rv)

 

 

17.01.08

Der „Fall „Sapienza” (I): Kleine Nachrichten-Übersicht

Der Papst hätte die Einladung der römischen „Sapienza” sehr gerne angenommen. Das schreibt Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone an den Rektor von Europas größter Universität, die den Papst für diesen Donnerstag eigentlich eingeladen hatte. Nach heftigen Protesten von einigen Professoren und Teilen der Studentenschaft hatte Benedikt seine ursprüngliche Zusage aber zurückgezogen - und damit in Italiens Öffentlichkeit eine betroffene Debatte ausgelöst.

Kardinal schreibt an „Sapienza”

Bertone übermittelt nun in seinem Schreiben vom Mittwoch Abend dem Rektor der Universität herzliche Grüße des Papstes. Da es aber nach den Protesten auf dem Campus an den Bedingungen für einen „würdigen und ruhigen Empfang” fehle, „wurde es für angebracht gehalten, den geplanten Besuch zu verschieben, um keinen Anlass für Demonstrationen zu bieten, die für alle unerfreulich gewesen wären”, so der Kardinalstaatssekretär. Der Vatikan - daran lässt Bertone im Schreiben an den Sapienza-Rektor keinen Zweifel - sieht hinter den Protesten die Initiative einer „absoluten Minderheit”, seien es Professoren oder Studenten. Nach den Berichten italienischer Tageszeitungen war es Bertone, der Benedikt vom Besuch an der Universität abgeraten - und sich mit diesem Rat schließlich auch durchgesetzt habe. Die „Repubblica” berichtet, Benedikt XVI. sei „ruhig, aber verbittert” über die Entwicklung – „nicht um seinetwillen, sondern wegen all dieser jungen Leute”.

Am Sonntag „Demo” auf Petersplatz

Der Vikar des Papstes für das Bistum Rom, Kardinal Camillo Ruini, ruft derweil alle Römer dazu auf, am nächsten Sonntag zum traditionellen Angelus-Gebet auf den Petersplatz zu kommen. Damit sollten sie dem Papst, dem man in seiner eigenen Bischofsstadt den Mund verboten hat, ihre Solidarität zeigen. Der Angelus solle zu einer „Demonstration der Freude” werden, findet Ruini.

Präsident schreibt an Papst

Der italienische Staatspräsident hat sich mit dem Papst solidarisch erklärt. In einem Brief an Benedikt äußert Giorgio Napolitano sein lebhaftes Bedauern über den Vorfall. Er spricht von einer „unzulässigen Manifestation von Intoleranz” gegenüber dem Papst sowie von „beleidigenden Ankündigungen”. Dadurch sei es zu einem Klima gekommen, das mit einer freien und unaufgeregten Diskussion unvereinbar ist.

Die ungehaltene Rede Benedikts

Den Text seiner Rede, die er an diesem Donnerstag halten wollte, hat der Papst der „Sapienza” zugeschickt. Dabei erfährt man, dass Benedikt XVI. den weltlichen Charakter der Hochschule herausheben wollte. Die römische „Sapienza” sei zwar von einem Papst gegründet worden, sei heute aber eine weltliche Hochschule mit berechtigter Eigenständigkeit. In modernen Gesellschaften sei die Unabhängigkeit der Universitäten besonders wichtig, so der Papst. Umso entscheidender aber sei, dass sich Lehrende und Studierende ausschließlich der Wahrheit verpflichtet fühlen. Und Wahrheit sei „mehr als Wissen”: Es bedeute letztlich die Suche nach dem Guten. Polizei und Demonstranten rund um die „Sapienza” Die Papst-Rede wurde während der feierlichen Eröffnung des Akademischen Jahres der Universität vom Pro-Rektor der „Sapienza” vorgelesen. Am Schluss gab es Applaus von der Versammlung. Wegen zahlreicher Proteste gab es eine massive Polizei-Präsenz rund um den Campus. Sicherheitskräfte hinderten eine Gruppe von Demonstranten während des Festaktes am Zugang. „Sapienza”-Rektor Renato Guarini sprach in einer Einführungsrede von einem „inakzeptablen ideologischen Veto” gegen die Papstrede. Er hoffe, es gebe „sobald wie möglich eine neue Gelegenheit, den Papst an unserer Universität zu begrüßen”. Die Ereignisse der letzten Tage hinterließen einen Eindruck „großer Bitterkeit”.

Debatte in der Politik

Der römische Bürgermeister Walter Veltroni kritisierte an der Universität das Redeverbot für Benedikt XVI. „Die Laizität ist jetzt nicht etwa gestärkt worden”, so der Leiter der neuen großen Linkspartei „PD”. Schulminister Fabio Mussi, ebenfalls ein Linkspolitiker, erklärte, die Ansprache des Papstes „wäre es wert gewesen, dass man ihr genau zuhört”. Während des Festaktes demonstrierten einige Studenten in der „Aula Magna” stumm mit weißen Taschentüchern gegen den Papst. In der italienischen Politik geht die Debatte über Rede- und Meinungsfreiheit mit heftigen Untertönen weiter. Auch auf der politischen Linken herrscht Betroffenheit darüber vor, dass dem Papst verwehrt worden sei, frei seine Meinung zu äußern. Professoren und Studenten, die gegen die Anwesenheit des Papstes protestierten, warfen ihm vor, in einer 1990 an der Universität gehaltenen Rede den Prozess der Inquisition gegen Galileo Galilei (1564-1642) gerechtfertigt zu haben. Der Vatikan weist das mit Hinweis auf den dokumentierten Redetext des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger zurück. Einige Protestierende störten sich daran, dass Benedikt zur Eröffnung des Akademischen Jahres eingeladen worden sei: Das stehe laut Uni-Statut nur einem Mitglied des Lehrkörpers zu.

Der „Fall Sapienza” (II): Benedikts ungehaltene Rede


Was ist Wahrheit? Diese Grundfrage stellt Benedikt XVI. in dem nicht gehaltenen Vortrag an der römischen Sapienza-Universität und betont gleichzeitig den laizistischen Charakter der Universität. Er fragt auch: Was kann und soll der Papst in der Universität sagen? Die geplante Ansprache wurde nach den Protesten gegen die Einladung des Papstes zur Eröffnung des Akademischen Jahres an der Sapienza und der Absage Benedikts auf dessen Wunsch dem Rektor der Universität übermittelt. Am späten Mittwoch Nachmittag veröffentlichte der Vatikan den Text. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hatte ausdrücklich betont, der Text sei vom Papst persönlich vorbereitet worden.
Der Wissenschaftler Benedikt beleuchtet darin wie erwartet erneut den Zusammenhang von Glaube und Vernunft, betont aber, dass er - anders als in Regensburg - an der römischen Universität in erster Linie als Bischof von Rom sprechen sollte. Benedikt nimmt Abstand von kirchlichen Fehlhandlungen im Laufe der Geschichte - ohne jedoch Namen wie Galileo Galilei oder Giordano Bruno zu nennen.


Kernsätze der Ansprache


„Der Mensch will erkennen – er will Wahrheit. Aber Wahrheit meint mehr als Wissen: Die Erkenntnis der Wahrheit zielt auf die Erkenntnis des Guten.
Manches, was von Theologen im Laufe der Geschichte gesagt oder auch von kirchlicher Autorität praktiziert wurde, ist von der Geschichte falsifiziert worden und beschämt uns heute. Aber zugleich gilt, dass die Geschichte der Heiligen, die Geschichte der vom christlichen Glauben her gewachsenen Menschlichkeit diesen Glauben in seinem wesentlichen Kern verifiziert und damit auch zu einer Instanz für die öffentliche Vernunft macht.
Die christliche Botschaft sollte von ihrem Ursprung her immer Ermutigung zur Wahrheit und so eine Kraft gegen den Druck von Macht und Interessen sein.
Die Gefahr der westlichen Welt – um nur davon zu sprechen – ist es heute, dass der Mensch gerade angesichts der Größe seines Wissens und Könnens vor der Wahrheitsfrage kapituliert. Und das bedeutet zugleich, dass die Vernunft sich dann letztlich dem Druck der Interessen und der Frage der Nützlichkeit beugt, sie als letztes Kriterium anerkennen muss.
Von der Struktur der Universität her gesagt: Die Gefahr ist, dass die Philosophie sich ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr zutraut und in Positivismus abgleitet; dass die Theologie mit ihrer an die Vernunft gewandten Botschaft ins Private einer mehr oder weniger großen Gruppe abgedrängt wird.
Aber wenn die Vernunft aus Sorge um ihre vermeintliche Reinheit taub wird für die große Botschaft, die ihr aus dem christlichen Glauben und seiner Weisheit zukommt, dann verdorrt sie wie ein Baum, dessen Wurzeln nicht mehr zu den Wassern hinunterreichen, die ihm Leben geben.
Damit kehre ich zum Ausgangspunkt zurück. Was hat der Papst an der Universität zu tun oder zu sagen? Er darf gewiss nicht versuchen, andere in autoritärer Weise zum Glauben zu nötigen, der nur in Freiheit geschenkt werden kann. Über seinen Hirtendienst in der Kirche hinaus und vom inneren Wesen dieses Hirtendienstes her ist es seine Aufgabe, die Sensibilität für die Wahrheit wach zu halten; die Vernunft immer neu einzuladen, sich auf die Suche nach dem Wahren, nach dem Guten, nach Gott zu machen und auf diesem Weg die hilfreichen Lichter wahrzunehmen, die in der Geschichte des christlichen Glaubens aufgegangen sind und dabei dann Jesus Christus wahrzunehmen als Licht, das die Geschichte erhellt und den Weg in die Zukunft zu finden hilft.”

 


Der „Fall Sapienza” (III): Unser Gespräch mit dem Rektor der Humboldt-Uni, Berlin


Wäre ein „Fall Sapienza” auch an einer deutschen Universität möglich? Christoph Markschies glaubt das nicht. Der Rektor der Berliner Humboldt-Universität - ein Kirchengeschichtler - erklärte im Gespräch mit uns, er kenne zwar die laizistische Tradition in Italien, doch die Heftigkeit der Debatte habe ihn doch überrascht. Er glaube, so etwas sei in Deutschland nicht („jedenfalls nicht mehr”) vorstellbar. Dass die Ausladung des Papstes aus Europas größter Universität durch einen Teil des Lehrkörpers Sorgen wecke, sei durchaus berechtigt, „weil natürlich das Grundrecht der freien Meinungsäußerung das kostbarste Gut ist, das es in einer Gesellschaft überhaupt gibt. Das müssten wir in Europa seit 1989 wissen.”
Auffällig scheint Christoph Markschies am „Fall Sapienza”, wie der „Wissenschafts-Boulevard” arbeite.
„Eine Universität muss ja eigentlich dazu anhalten, dass Texte gründlich gelesen werden. Dass es über eine längere Zeit möglich war, eine völlig entstellte Fassung der Rede des Papstes zu verbreiten und damit Stimmung zu machen - das dürfte ja eigentlich an einer Universität nicht passieren; das sind schlichteste Boulevard-Gesetze. Das ist, glaube ich, eine Sache, auf die man aufpassen muss: dass die Wissenschafts-Berichterstattung sehr viel gründlicher und solider gemacht wird, damit solchen Entstellungen von Anfang an etwas entgegengesetzt werden kann.”
Eine Lehre aus dem „Fall Sapienza” gilt nach Markschies Ansicht auch für Deutschland: „Die radikaleren politischen Gruppen sind deutlich besser organisiert als die berühmte schweigende Mitte. Es gilt auch in Deutschland häufiger radikalen Minderheiten, weil sie schlagkräftiger organisiert sind, Dinge zu majorisieren, Proteste zu organisieren usw.”
Markschies ist seit zwei Jahren Rektor der Humboldt-Universität in Berlin.


Der „Fall Sapienza” (IV): Was hält der Papst von Galilei?


Der Papst habe als Kardinal einmal den Prozess gegen Galilei gerechtfertigt - das war der Vorwurf, der die Proteste an der „Sapienza” losgetreten hatte. Stimmt nicht, Benedikt hat in einem Referat lediglich darauf hingewiesen, dass einige Historiker heute dem damaligen Prozess eine gewisse Berechtigung zusprechen, repliziert der Vatikan. Eigentlich habe der jetzige Papst in seinem damaligen Referat - übrigens u.a. an der „Sapienza”! - Galilei sogar verteidigt, schreibt ein Mathematikprofessor von der Sapienza in einem Artikel der Vatikanzeitung „L Osservatore Romano”. Was hält der Papst denn jetzt wirklich von Galilei?
„Der große Galilei” - so nannte Benedikt XVI. im April 2006 den italienischen Physiker. Bei einer Begegnung mit Jugendlichen auf dem Petersplatz bezog er sich sehr positiv auf den Vater des modernen Weltbilds: „Der große Galilei sagt, Gott habe das Buch der Natur in mathematischer Sprache geschrieben. Er war davon überzeugt, dass Gott uns zwei Bücher gegeben hat: die Bibel und das Buch der Natur. Und die Sprache der Natur, die Mathematik, sei also eine Sprache Gottes, des Schöpfers.”
Mathematik als eine Art Schlüssel zur Schöpfung - für diese „Entdeckung” nahm der Papst Galilei in Anspruch. Schon in seiner „Einleitung in das Christentum”, seinem Standardwerk von 1968, hat sich der jetzige Pontifex ähnlich geäußert. Das war übrigens das gleiche Jahr, in dem auch über den Tübinger Professor Joseph Ratzinger die Studentenrevolte hereinbrach... eine Revolte, die ihn jetzt unter ganz anderen Umständen wieder eingeholt hat. Mit Galilei oder der Haltung des Wissenschaftler-Papstes zu Galilei hat das alles nichts zu tun.(rv)
 

 

 

19.01.08

Weißer Rauch bei Jesuiten

Die Jesuiten haben eine neuen Generaloberen: Pater Adolfo Nicolas. Der gebürtige Spanier wurde am Samstag in Rom gewählt und leitet künftig den mit 19.200 Mitgliedern größten katholischen Männerorden weltweit. Nicolas studierte Theologie in Tokio und Rom. Seit 1964 lebte er in Japan und auf den Philippinen, lehrte an der Sophia University in Tokio und ist Präsident der Vereinigung der Jesuiten-Hochschulen in Ostasien und Ozeanien. Seit 2004 leitete Nicolas die Jesuitenkonferenz Asiens und Ozeaniens. Künftig steht der 71-Jährige an der Spitze des mit 19.200 Mitgliedern größten katholischen Männerordens der Welt. Der bisherige Generalobere, der Niederländer Peter-Hans Kolvenbach, hat sein Amt nach 24 Jahren abgegeben, ein in der Geschichte der Jesuiten einmaliges Ereignis.
Im Vorfeld der Generalkongregation hatte Nicolas sich Realitätssinn, Transparenz und Effizienz erwartet. Die Gesellschaft Jesu brauche eine Neuentwicklung, müsse ihr Zeugnis für Kirche und Welt neu für diese Zeit ausrichten, schrieb Nicolas in einem Beitrag für die Australische Jesuitenzeitung. Er hoffe, dass die Jesuitenversammlung in Rom damit beginne, „dynamisch und offen” über das religiöse Leben nachzudenken.
Beobachter hatten mit einem raschen Ausgang der Wahl gerechnet, die nach Art eines Papst-Konklaves streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit stattfindet. Eine Ablehnung der Wahl verbietet der Ordensgehorsam. Als erster wurde der Papst über den Ausgang der geheimen Abstimmung unterrichtet. Erst dann wird der Name des neuen Generals auch der Öffentlichkeit bekannt geben und die Wahlaula geöffnet.
Am Sonntag feiert der neue Generalobere Nicolas in der römischen Kirche Il Gesu zusammen mit allen Delegierten der Generalkongregation eine Dankmesse. Nächste Woche setzt die Versammlung der Jesuiten dann ihre Arbeiten fort. (rv)

 

 

27.01.08

„Ich bin nicht Arrupe“ – Neuer Jesuiten-General stellt sich der Presse

 

Papst Benedikt XVI. hat am Samstag den neuen General des Jesuitenordens empfangen, den Spanier P. Adolfo Nicolas SJ. Der General unterstrich in dem Gespräch mit dem Papst den Willen der Jesuiten, überall auf der Welt der Kirche dienen zu wollen. Benedikt seinerseits forderte den Orden auf, auch weiterhin sich im Dialog der Kulturen zu engagieren und in der Evangelisierung.
Am Freitag hatte sich Nicolas erstmals den Journalisten gestellt. Er sei ein „Unbekannter“, sagte er mit einem Augenzwinkern bei der Begegnung. Es sei sicher schwer gewesen, etwas über seine Vergangenheit herauszufinden.
„Die meiste Zeit meines Lebens habe ich in Asien verbracht. Ich bin mit 24 Jahren dorthin gegangen. Asien ist in vielerlei Hinsicht eine echte Herausforderung gewesen. Asien hat mich verändert. Ich habe in diesem Kontext Theologie studiert, und das war sehr interessant. Das bedeutete für mich, einen eigenen Glaubensstandpunkt zu finden, nicht nur im Kontext des II. Vaticanums, sondern auch im Kontext Asiens, wo der Buddhismus, der Schintoismus und andere Religionen einen sehr großen Einfluß haben.“
Zu den von Medien kolportierten Gerüchten, dass der Jesuitenorden sich immer mehr vom Lehramt entferne, sagt Nicolas:
„Das alles ist nicht wahr. Die Gesellschaft Jesu stand von Anfang an – und sie steht weiterhin – immer in Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater. Wir sind glücklich, in dieser Gemeinschaft zu sein. Da wird künstlich ein Konflikt beschworen von Kreisen außerhalb des Ordens. Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann deswegen, weil wir so nah sind, nicht im physischen Sinne, sondern im spirituellen. Aber die Gesellschaft Jesu will mit dem Heiligen Stuhl zusammenarbeiten: Diese Überzeugung hat sich nicht geändert und wird sich meines Erachtens nicht ändern.“
Manche Journalisten hatten versucht, im neugewählten General einen zweiten Arrupe zu erkennen, seinem Vorvorgänger im Generalsamt, der ebenfalls lange in Asien lebte. Dazu P. Nicolas:
„Ich bin nicht Arrupe. Ich liebe und bewundere Arrupe. Er war ein Persönlichkeit mit einem großen Einfluss. Er war vier Jahre lang mein Oberer in Japan; und noch bevor ich nach Japan gegangen bin, habe ich ihn in der Schule erlebt, wo er uns von der Atombombe erzählt hat und seinen Erfahrungen in Hiroshima. Ich habe ihn wirklich bewundert, aber ich bin nicht Arrupe; und natürlich bin ich in vielerlei Hinsicht auch nicht Kolvenbach. Also, wer bin ich? Wenn ich mich das selber frage, würde ich sagen, dass man jeweils auf die Situation hin geformt wird, in die man gestellt ist. Ich bin dabei, das zu werden, was Gott will. Ob ich irgendwann einmal besser auf die Frage antworten kann, weiß ich nicht. Das bleibt immer offen.“
Nicolas wurde am 19. Januar von der 25. Generalkongregation der Jesuiten gewählt. Er ist der 29. Nachfolger des Heiligen Ignatius, dem Gründer der Gesellschaft Jesu. Er ist geboren am 29. April 1936, er trat dem Orden 1953 bei und wurde 1967 in Tokio zum Priester geweiht.
Die Arbeiten der Generalkongregation des Jesuitenordens gehen derweil weiter. Am 21. Februar wird Benedikt XVI. die Delegierten in Audienz empfangen. (rv)

 

 

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2/2008

 

 

01.02.08

Der Seligsprechungsprozess für Papst Pius XII. ist nicht ad acta gelegt

Das hat der Leiter der Seligsprechungs-Kongregation jetzt bekräftigt. In diesem Jahr jähre sich der Todestag des Pacelli-Papstes zum 50. Mal. Zu den Initiativen, die es aus diesem Anlass geben werde, gehöre auch eine neue Untersuchung von Dokumenten in den vatikanischen Archiven. Die Ergebnisse dieser Suche „können dem Seligsprechungsprozess für Pius XII. nur zugute kommen”, so Kardinal José Saraiva Martins gegenüber der italienischen katholischen Tageszeitung „Avvenire”. Der Papst hat bereits den heroischen Tugendgrad seines Vorgängers anerkannt. Pius XII. war von 1939 bis 1958 auf dem Stuhl Petri. Er gilt als einer der größten Päpste des 20. Jahrhunderts. Seine Haltung zum Nazi-Regime in Deutschland und der Juden-Verfolgung wurde nach seinem Tod bis heute immer wieder Gegenstand von teilweise heftiger Polemik. (rv)

 

 

08.02.08

Der Papst reist vom 15. bis zum 20. April in die USA

Das hat der Vatikan an diesem Freitag auch offiziell bestätigt. Benedikt wird zunächst vier Tage in Washington verbringen, wo er sich im Weißen Haus mit Präsident George W. Bush treffen wird. Außerdem stehen Begegnungen mit den Bischöfen, mit Universitätsdozenten und mit Vertretern anderer Religionen auf dem Programm. Im National Park von Washington wird der Papst am 17. April eine Messe feiern. Am 18. April will er in New York eintreffen, wo er sich bis zum 20. April aufhalten wird. In dieser Zeit ist u.a. eine Ansprache vor der UNO-Vollversammlung vorgesehen. Außerdem will Benedikt XVI. Vertreter anderer Kirchen sowie Priester, Ordensleute und Seminaristen treffen und eine Messe in der Patricks-Kathedrale feiern. Am letzten Besuchstag plant er ein stilles Gebet am „Ground Zero”, dem Schauplatz der Attentate vom 11. September 2001. (rv)

 

 

18.02.08

Wird es Heiligen jetzt schwerer gemacht? - Instruktion zu Seligsprechungen

Selig oder heilig zu werden, ist ab diesem Montag – gewissermaßen – ein bisschen schwieriger geworden. Der Vatikan hat eine Instruktion veröffentlicht, die an einige Regeln bei Seligsprechungs-Verfahren erinnert. Darin werden die Bischöfe gebeten, im diözesanen Teil des Verfahrens „Strenge“ und „Nüchternheit“ walten zu lassen. Und auch die Anerkennung eines Wunders – so mahnt die Vatikan-Instruktion – darf keine bloße Formsache sein. „Das Dokument heißt Sanctorum Mater, denn die Kirche ist die Mutter der Heiligen“, erklärt Kardinal José Saraiva Martins, Vatikan-Verantwortlicher für Selig- und Heiligsprechungen. „Der Text betrifft nur die diözesane Phase von Seligsprechungs-Prozessen. Er widerspricht der verbreiteten Vorstellung, dass diese Phase eigentlich nur eine Art historisch-kritische Recherche sein sollte. Diese Vorstellung führte dazu, dass immer wieder bei der Materialsammlung zu Kandidaten für die Seligsprechung bestimmte Prozeduren nicht beachtet wurden. Und die Instruktion stellt auch etwas heraus, was einigen offenbar nicht ganz klar war: dass nämlich die Vergewisserung eines Rufes der Heiligkeit oder des Martyriums eine absolut nötige Voraussetzung für die Aufnahme eines solchen Prozesses ist.“ Heißt das mehr Strenge? Will der Vatikan in Zukunft nicht mehr so viele Seligsprechungs-Kandidaten zulassen? „Nein, diese Strenge gibt es nicht“, beteuert der Kardinal – „da hätte man, wenn man wirklich strenger sein wollte, ein anderes legislatives Instrument gebraucht als eine einfache Instruktion. Man kann aber nicht leugnen, dass es der Instruktion darum geht, die genaue Beachtung der geltenden Regeln anzumahnen.“ Dass unter Benedikt die Tür für neue Selige nicht ins Schloss gefallen ist, die Johannes Paul II. geöffnet hatte, macht eine Statistik deutlich, die der Vatikan ebenfalls an diesem Montag veröffentlicht hat. Danach hat der Rhythmus der Seligsprechungen unter dem neuen Papst sogar noch zugenommen. Durch Benedikt sind bis heute 577 Personen ins Buch der Seligen oder Heiligen eingeschrieben worden – das ist ein Drittel der Zahl, auf die Johannes Paul in seinen 27 Jahren Pontifikat kam. Übrigens wird es für Johannes Paul II. auf seinem weiteren Weg zur Seligsprechung keine Ausnahmebehandlung geben: „Benedikt XVI. hat 2005 eine schnelle Aufnahme des Verfahrens erlaubt, das ja – sagt Kardinal Saraiva Martins. Aber er hat keine Ausnahmen von der Prozedur autorisiert, und die geht also regulär weiter.“ (rv)

 

 

 

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3/2008

 

 

01.03.08

Die Zahl der Katholiken ist zwischen 2005 und 2006 weltweit um 1,4 Prozent gestiegen

Das geht aus dem neuen Päpstlichen Jahrbuch hervor. Fast die Hälfte der gut 1,1 Milliarden Katholiken (49,8 Prozent) lebt in Amerika, ein Viertel in Europa. Asien stellt zwar 61 Prozent der Weltbevölkerung, jedoch nur 10,5 Prozent der Katholiken. Die Gewichtung der verschiedenen Kontinente sei im Vergleich zu den Vorjahren unverändert, so die päpstlichen Statistiken. Bei den Priesterzahlen hält demnach der im Jahr 2000 begonnene Aufwärtstrend an: Weltweit gab es im Berichtsjahr 407.262 Diözesan- und Ordenspriester, 851 mehr als im Vorjahr. Mehr Berufungen gibt es vor allem in Afrika und Asien. Die erste Druckausgabe des mehrere tausend Seiten starken roten „Annuario Pontificio 2008“ wurde an diesem Freitag Papst Benedikt XVI. überreicht. (rv)

 

 

06.03.08

Kommandant der Schweizergarde tritt zurück

Der Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Elmar Theodor Mäder, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Das bestätigte das Kommando der Schweizergarde am Mittwochabend gegenüber Radio Vatikan. Nach zehn Dienstjahren als Vize-Kommandant und seit 2002 als 33. Kommandant der Schweizergarde tritt Mäder voraussichtlich im August zurück. Unter anderem führte er die vatikanische Schutztruppe durch die Feierlichkeiten zu ihrem 500-jährigen Bestehen im Jahr 2006. Medien hatten immer wieder über eine angebliche Rivalität spekuliert zwischen Schweizergarde und der Gendarmerie als ziviler Polizei im Vatikan. Gegenüber Radio Vatikan betonte Mäder kürzlich: „Ich stelle für mich persönlich fest, dass die wesentliche Rolle der Schweizergarde – seit ihrer Gründung – die Palast- und Leibwache ist. Auf diese Funktionen wird man nie verzichten, denn der Papst wird immer irgendwo wohnen und er wird immer des Schutzes bedürfen. Wenn es nicht die Schweizergarde macht, dann muss es jemand anders tun. Doch solange wir das auf diese gute Weise tun wie bisher, werden wir das auch in Zukunft weiter machen dürfen.”
Möglicher Kandidat für die Nachfolge Mäders ist nach Medienspekulationen der derzeitige Vize-Kommandant, der 43-jährige Walliser Jean-Daniel Pitteloud. Das 500-Jahr-Jubiläum habe vieles verändert, so Mäder.
„Das Verhältnis zwischen ehemaligen Gardisten ist wesentlich intensiver geworden. Außerdem sind neue Kontakte zu Menschen in unserem Umfeld – sei es in der Schweiz oder aus dem übrigen Ausland – erste Schritte. Wir wollen das weiterpflegen, so gut es geht.”
Die Garde ist seit 1506 für den Schutz der Päpste zuständig und bewacht die Eingänge zum Vatikanstaat und insbesondere den Apostolischen Palast. Berühmt ist die jährliche Vereidigung der neuen Soldaten am 6. Mai, dem Jahrestag des Sacco di Roma 1527, bei dem 147 Schweizer Gardisten bei der Verteidigung des Papstes ums Leben kamen.
„Die Gardisten müssen stolz sein, denn sie gehören zu den wenigen Menschen, die behaupten können, sie hätten ihr Handwerk buchstäblich von der Pike auf gelernt. Die Pike ist nichts anders als die Hellebarde. Aber auch der Glaube will von der Pike auf gelernt sein. Und Christus selbst sei der Panzer der Gardisten.”(rv)

 

 

09.03.08

Kardinal Dery verstorben

Der vor fast genau einem Jahr kreierten Kardinal, Peter Poreku Dery, ist am 06.März verstorben. Papst Benedikt XVI. hat dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Ghana, wo Kardinal Dery stammte, einen Beileidsbrief gesandt. Dery war Mitglied des Päpstlichen Rates für die Laien und Schatzmeister der Panafrikanischen Bischofskonferenz. Mit dem Tod von Kardinal Dery besteht das Kardinalskollegium nun aus 198 Kardinälen, davon 119 bei einem Konklave Stimmberechtigte. (rv)

 

 

10.03.08

Ehrt die Kirche Galileo Galilei durch eine Statue in den Vatikanischen Gärten?

Bekommt Galileo Galilei eine Statue in den Vatikanischen Gärten? Auch wenn die letzte Bestätigung aus dem Vatikan-Staat noch fehlt, so sieht es doch ganz danach aus. Der Termin für die Aufstellung der Statue könnte im nächsten Jahr liegen, wenn die UNO das internationale Jahr der Astronomie feiert.
Galileo Galilei, der Mathematiker, Physiker und Philosoph aus Pisa, ist für viele heute ein Emblem des Kampfes gegen die Inquisition. Doch dem historischen Galilei wird diese verkürzte Sicht wohl kaum gerecht. Zwar wurde der aus Pisa stammende Wissenschaftler tatsächlich von der Inquisition im 17. Jahrhundert verurteilt, doch neuere Studien deuten immer stärker darauf hin, dass der Hintergrund des Urteils gar nicht die Konfrontation altes gegen neues Weltbild war. Galilei scheint weniger Märtyrer der Wahrheit – als solcher wirkt er etwa in einem bekannten Theaterstück von Berthold Brecht – als vielmehr in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Sturheit geworden zu sein. Eine Rehabilitierung Galileis hat Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992 verkündet; der jetzige Papst, der auch schon mal vom „großen Galilei” spricht, erwähnt den Wissenschaftler positiv schon in seiner „Einführung in das Christentum”, die aus dem Jahr 1968 stammt. Galilei gehört zu den Gründungspersönlichkeiten der heutigen Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, woran jetzt schon eine Gedenkplakette in den Vatikanischen Gärten erinnert. Von diesem Gremium geht nun auch die Initiative zu einer Galilei-Statue in den Papst-Gärten aus. (rv)

 

 

17.03.08

Programm der Papstreise in die USA

Dienstag, 15. April
12.00 Abflug vom Flughafen Fiumicino, Rom
16.00 (Ortszeit) Ankunft Andrews Air Force Base, Washington
Private Begrüßung durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Frau
16.15 Fahrt und Übernachtung in der Apostolischen Nuntiatur in Washington

Mittwoch, 16.April
Geburtstag von Papst Benedikt XVI.
Meßfeier in der Privatkapelle der Nuntiatur
10.30 Offizielle Begrüßungszeremonie auf dem Rasen des Weißen Hauses
Höfflichkeitsbesuch beim US-Präsidenten im Oval Office
13.00 Essen mit den US-Kardinälen und dem Präsidium der Bischofskonferenz
17.45 Vespergottesdienst und mit den Bischöfen des Landes im National Shrine

Donnerstag, 17. April
10.00 Messe im Nationals Stadium
17.00 Treffen mit den katholischen Universitäts – Vertretern im Konferenz der Katholischen Universitä
18.30 Treffen mit Vertretern anderer Religionen im Rotunda Saal des Pope John Paul II. Cultural
Center

Freitag, 18. April
Privatmesse in der Kapelle der Nuntiatur
08.45 Abfllug vom Flughafen Andrews Air Force Base nach New York
09.45 Ankunft im Internationalen John-F.-Kennedy-Flughafen
Weiterflug mit den Hubschrauber nach Manhatten
10.30 Ankunft. Weiterfahrt mit dem Auto zum Sitz der Vereinten Nationen
10.45 Besuch bei den Vereinten Nationen
Rede des Papstes an die Vollversammlung und Gruß an die Mitarbeiter
18.00 Ökumenisches Treffen in der St. Joseph-Kirche
Übernachtung in der päpstlichen Residenz

Samstag, 19. April
09.15 Messe mit Priestern und Ordensleuten in der St. Patrick-Kathedrale
11.30 Fußweg von der Kathedrale zur Residenz des Erzbischofs von New York
Anschließend Mittagessen mit den Bischöfen der Erzdiözese New York
16.30 Treffen mit Jugendlichen und Seminaristen im St. Joseph-Seminar
 

Sonntag, 20. April
09.30 Besuch am Ground Zero. Gebet des Papstes
14.30 Messe im Yankee Stadium
20.30 Abflug vom Internationen John-F.-Kennedy-Flughafen nach Rom

Montag, 21.April
10.45 Ankunft in Rom- Ciampino (rv)

 

 

24.03.08

 Adolfo Antonio Kardinals Suarez Rivera verstorben

Suarez war am vergangenen Samstag in seiner Heimat im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war einer der beiden Kardinäle, die aus Gesundheitsgründen nicht am Konklave von 2005 teilnehmen konnten. Nach dem Tod von Suarez zählt das Kardinalskollegium 197 Mitglieder, von denen 119 an einer Papstwahl teilnehmen könnten, da sie unter 80 Jahre alt sind. (rv)

 

 

30.03.08

Keine neue Grabstätte für Johannes Paul

Die sterblichen Überreste von Papst Johannes Paul II. werden nicht von den Grotten in den Petersdom umgebettet. Das hat der vatikanische Pressesaal jetzt präzisiert. Er widersprach damit einer Meldung der Nachrichtenagentur Ansa, nach der eine Vatikan-Kommission eine solche Umbettung der Gebeine Johannes Pauls beschlossen habe. „Es gab keine Kommission und kein Ja“, so das Vatikan-Dementi wörtlich. Die Meldung habe „kein Fundament“. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass es nach einer Seligsprechung von Johannes Paul einmal zu einer solchen neuen Grablege im Petersdom kommen könnte. Darüber werde zu gegebener Zeit der Papst entscheiden. Ein Termin für eine Seligsprechung Johannes Pauls steht noch nicht fest; das entsprechende Verfahren läuft. (rv)

 

 

 

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4/2008

 

 

02.04.08

Vatikan: Papstmesse zur Erinnerung an Johannes Paul II.

Vor genau drei Jahren ist Papst Johannes Paul II. gestorben. Papst Benedikt feierte auf dem Petersplatz eine Messe zum Gedenken an seinen großen Vorgänger. Dabei bot sich stellenweise ein Bild wie in alten Zeiten: 50.000 Menschen auf der Piazza San Pietro – und viele polnische Fahnen, darunter ein „Solidarnosc”-Schriftband und ein großes gelbes Transparent einer Gruppe aus Wadowice, dem Geburtsort Johannes Pauls II. Als Benedikt im Papamobil nach allen Seiten segnend durch die Reihen fuhr, lag ein Hauch von déja-vu in der Luft. Zumal auch Stanislaw Dziwisz bei der Messe dabei war – diesmal aber nicht als Privatsekretär des polnischen Papstes, sondern als Krakauer Erzbischof und Kardinal.
„Das Datum 2. April bleibt tief in unser Gedächtnis eingeprägt”, sagte Papst Benedikt, „wir alle denken voller Emotion an die Stunden dieses Samstagabends vor drei Jahren zurück, als eine betende Menge hier auf dem Platz die Nachricht von seinem Tod aufnahm.” Johannes Paul sei ein österlicher Mensch gewesen, von „außerordentlicher spiritueller und mystischer Sensibilität”; er sei in seinem Leben immer dem kreuztragenden Christus gefolgt, sei ihm gerade dann, als ihm die Stimme verloren ging, im Leiden immer ähnlicher geworden. Noch einmal rief Benedikt XVI. die berühmten Worte seines Vorgängers, die eine Art Motto gewesen seien: „Habt keine Angst!”
Die Messfeier auf dem Petersplatz war geprägt von der lateinischen Sprache. Drei Dutzend Kardinäle konzelebrierten, darunter aus dem deutschen Sprachraum Christoph Schönborn, Walter Kasper und Paul Joseph Cordes. Zum Seligsprechungsprozess für seinen Vorgänger sagte Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch allerdings nichts.
In einem kurzen Grußwort auf Deutsch meinte Benedikt am Schluss der Messfeier:
„Sehr herzlich grüße ich alle Brüder und Schwestern aus dem deutschen Sprachraum. Einen besonderen Gruß richte ich an die Teilnehmer des ersten Weltkongresses über die Göttliche Barmherzigkeit, der mit der heutigen Gedenkmesse am dritten Todestag des Dieners Gottes Johannes Pauls II. begonnen hat. Die Göttliche Barmherzigkeit ist in gewisser Weise ein Schlüssel zum Pontifikat meines verehrten Vorgängers. So möge diese Tagung dazu beitragen, seine reiche Verkündigung zu diesem Thema weiter bekannt zu machen. Gerne begleite ich euch alle mit meinem Segen.” (rv)


Dziwisz: „Johannes Paul ist immer bei uns”
Er ist der Mann, der dem verstorbenen Papst über Jahre am Nächsten war: Stanislaw Dziwisz - mittlerweile Kardinal und Erzbischof von Krakau. Fast vierzig Jahre war er der Privatsekretär von Karol Wojtyla. Er war es auch, der die Messe am Krankenbett las, während der Johannes Paul II. um 21.37 verstarb. Er ist derzeit in Rom und nimmt an den Feierlichkeiten zum Dritten Todestag Johannes teil. Er erinnert sich:
„Ich kann vor allem nicht vergessen den letzten Abschied, als er meine Hand genommen hat und ich ein letztes Mal seine Hand geküsst habe. Dieser Abschied wird mich für immer begleiten.”
Das Leben von Johannes Paul II. sei vor allem von der Leidenschaft für die Kirche geprägt gewesen: „Wir wollen von ihm lernen, die Kirche zu lieben so wie sie ist – so wie sie aus Heiligen und aus Sündern besteht. Die Kirche ist eine einzige. Wir brauchen Einheit in der Kirche und um die Kirche herum.”
Dziwisz gilt als einer der vehementesten Fürsprecher für eine zügige Seligsprechung des verstorbenen Papstes. Auf die Frage, ob ihm Johannes Paul II. manchmal fehle und er sich nach ihm sehne, sagt der polnische Kardinal:
„Keine Sehnsucht – früher waren wir beim Papst. Jetzt ist er bei uns.”
Am Mittwoch um 21 Uhr werden Jugendliche in den vatikanischen Grotten unterhalb des Petersdoms am Grab Johannes Pauls II. eine Rosenkranz-Andacht feiern. Der Feier steht der Kardinalvikar von Rom, Camillo Ruini, vor. Kardinal Dziwisz wird am Schluss der Feier, die auch live nach Krakau übertragen wird, einige Worte an die Jugendlichen richten.
Zeitgleich finden außer in Krakau Feiern in Tschenstochau und in Warschau statt. Dort wird der Pilsudski-Platz, der einstige Aufmarschplatz der Kommunisten, durch Kerzenschein erhellt sein. An diesem zentralen Ort im Herzen der polnischen Metropole versammelten sich zu den Gottesdiensten Papst Johannes Pauls jeweils Hunderttausende Menschen. Am Mittwochabend werden sie wieder da sein, um am dritten Todestag „ihres polnischen Papstes” zu gedenken. (rv)

 

 

13.04.08

Papst trauert um verstorbenen Kardinal

Benedikt XVI. hat zum Tod des mexikanischen Kardinals und ehemaligen Erzbischof von Mexiko-Stadt, Ernesto Corripio Ahumada, kondoliert. Der emeritierte Erzbischof starb am frühen Donnerstagmorgen im Alter von 88 Jahren. Er litt an Herzproblemen, Thrombose und Diabetes. Unter ihm wurden nach Jahrzehnten des Konflikts 1992 die diplomatischen Beziehungen zwischen dem antiklerikalen mexikanischen Regime und dem Vatikan wiederhergestellt. Als Papst Johannes Paul II. im Jahr 1979 Mexiko besuchte, erschien der Kardinal zu seiner Begrüßung auf dem Flughafen in bürgerlichen Kleidern, weil ein inzwischen abgeschafftes Gesetz ihm verbot, sich offen als Priester zu zeigen. (rv)

 

 

15.04.08

Papstbesuch in den USA (1. Tag)

Papst fliegt in die USA
Papst Benedikt XVI. ist an diesem Dienstag um 12 Uhr zu einer sechstägigen Reise in die USA aufgebrochen. Ankunft in Washington ist 16 Uhr (Ortszeit). An Bord des Flugzeuges befinden sich rund 100 Personen, darunter 70 Journalisten. Zum Auftakt wird das Oberhaupt der katholischen Kirche von US-Präsident George W. Bush zu Gesprächen empfangen. Anlass und Höhepunkt seiner Reise ist seine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am Freitag. Zum Abschluss der fünftägigen Reise wird Benedikt XVI. am Sonntag den „Ground Zero” in New York besuchen, wo bei den September-Anschlägen 2001 die beiden Türme des World Trade Centers einstürzten.
Benedikt XVI. ist der dritte Papst, der das Land besucht. Der katholischen Kirche gehört etwa ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung an, von denen ein wachsender Teil aus lateinamerikanischen Einwandererfamilien stammt. Sie ist damit nach den protestantischen Kirchen die größte Konfession. (rv)

USA: Neugier auf den Papst
Unser Korrespondent vor Ort ist Stefan von Kempis. Hier ein erster Vorbereicht aus den USA:
Eine Gruppe junger Leute singt für Jesus, auf einem Platz mitten in New York. Sie tragen T-Shirts, bewegen sich im Takt. Katholiken? Wohl kaum. Die sind von der Konkurrenz. Hier, in „God`s own country”, stehen die Katholiken immer schon einer großen und lebendigen protestantischen Gemeinschaft gegenüber. Doch auf den Papst sind sie alle neugierig – Katholiken wie Christen anderer Konfessionen. Über Benedikt XVI. wissen die Amerikaner laut Umfragen fast nichts.
Seit Tagen wird in den Medien erstaunlich viel über den bevorstehenden Besuch berichtet. Das „Time”-Magazin hat Benedikt flugs zum „Amerikanischen Papst” erklärt – so der Titel einer langen und interessanten Analyse. Darin finden die Autoren überraschende Gründe, warum sich der deutsche Papst für das US-Modell interessiert: Die USA seien ja gleichzeitig eine völlig moderne – und doch eine tief religiöse Gesellschaft. Der beste Beweis mithin, dass das von Benedikt immer wieder beschworene Zusammengehen von Vernunft und Glauben auch in der Praxis funktioniert. Der Papst finde diese Verbindung von modernem Lifestyle und tiefen religiösen Überzeugungen faszinierend: ein Modell auch für das kriselnde Europa.
In vielen Zeitungen, die an den Straßenecken der US-Städte verkauft werden, spielt der bevorstehende Papstbesuch eine Rolle. Nicht selten ist der Tenor aber nachdenklich-kritisch. Ausführlich wird von den Schwierigkeiten der US-Kirche berichtet, vor allem von der Vertrauens- und Berufungskrise in der drittgrößten Ortskirche des Katholizismus. Denn die Zahl der US-Katholiken wächst zwar zahlenmäßig, vor allem durch das Hinzukommen der „Hispanics” – doch sie haben seit den 60er Jahren 17.000 Priester verloren. Pfarreien schließen oder werden zusammengelegt, so die „New York Times”, und das bedrohe die katholische Kirche der USA an ihrem eigentlich vitalsten Punkt, nämlich den Pfarreien. Das Titelbild der „New York Times” zeigt eine einsame Beterin in einer demnächst abzureißenden Kirche. „Kann er seiner Herde neuen Mut geben?” fragt das Magazin „Americans” – das offenbar einzige, das den Papst in diesen Tagen vor der Visite ganzseitig auf den Titel hebt.
Die „New York Post” rollt das Thema von seiner menschlichsten Seite her auf: Krebskranke Amerikaner warten auf ein Wunder durch den Papst, und zwei Angehörige eines beim Attentat vom 11. September 2001 Getöteten wollen mit Benedikt am „heiligen” Ground Zero beten. Über dieses Gebet Benedikts am Ort der Anschläge ist auch im Fernsehen eine heftige Debatte ausgebrochen: Wird er für die Terroristen beten? Darf man das? Ansonsten eine sehr bunte Berichterstattung: über einen Skateboard-Gestaltungs-Wettbewerb zur Papstreise. Über zu erwartende Proteste von Homosexuellen-Gruppen. Über Deutsche in den USA.
An einigen Plätzen in Washington und New York hängen schon Vatikan-Fahnen. Das stärkste Gefühl im Vorfeld dieser Papstreise – es ist Neugier. Das stärkste Bild wird wohl der am Ground Zero betende Benedikt sein. Doch ob wenige Tage in zwei nahegelegenen Städten an der Ostküste ausreichen werden, um auf die Katholiken der ganzen USA einzuwirken, das wird man sehen. (rv)

UNO: Was wird der Papst sagen?
Papst Benedikt XVI. wird am Freitagvormittag vor der UNO-Vollversammlung in New York eine Rede halten. International kommt diesem Programmpunkt die höchste Bedeutung zu. Seit 2002 ist Erzbischof Celestino Migliore Vatikan-Nuntius bei der UNO in New York – wir haben mit ihm vorab gesprochen:
„In den Gängen des Glaspalastes spürt man eine große Erwartungshaltung. Über 2.000 Journalisten haben sich bereits akkreditiert. Beliebt sind bei den Journalisten im Moment auch Gesprächspartner, die Benedikt XVI. persönlich kennen. Alle möchten aber im Vorfeld vor allem wissen, was der Papst vor der UNO-Vollversammlung sagen wird. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Meinung des Papstes zur Weltpolitik auf reges Interesse stößt. Der Papst gilt hier in der UNO als moralische Autorität, die auch in der Lage ist, Hoffnung und Vertrauen in eine bessere Zukunft zu geben. Deswegen sind alle so sehr auf seine Rede gespannt.”
In diesem Jahr feiert die UNO den 60. Jahrestag der Verabschiedung ihrer Menschenrechts-Charta. Ihre Durchsetzung bleibt bis auf den heutigen Tag ein Desiderat, so der Vatikandiplomat.
„Es gibt heute nicht ein einziges Menschenrecht, das nicht irgendwo auf der Welt verletzt wird. Das hängt mit der Annahme zusammen, dass die Regierungen Rechte „gewähren” und auch bestimmen, wieweit diese Geltung haben, anstatt sie als Rechte anzusehen, die den Menschen unveräußerlich aus sich selber heraus zukommen. Und dann ist es notwendig, auch juristisch besser zusammenzuarbeiten. Die Entstehung immer neuer Normen und von Informations-Technologien, um dieses Normen auch durchzusetzen, hat dazu geführt, dass in diesem Prozess nicht alle Länder gleichermaßen Schritt halten. Die juristische Zusammenarbeit der Länder untereinander und mit den UNO-Organisationen ist ein unerlässliches Element für die Umsetzung der Menschenrechte.”
Der Papst kann einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben der Völkergemeinschaft leisten, indem er den Finger in die Wunden der Gegenwart legt, sagt Migliore.
„Seit Beginn seines Pontifikats hat Benedikt XVI. die Herausforderung des 21. Jahrhunderts in Angriff genommen: Und zwar das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft. Denn deren Krise hat große Auswirkungen auf den Frieden und die Weltpolitik. Es geht um die Respektierung der Menschenrechte und die Rolle der Politik in den Gesellschaften. Der Papst steht für einen Dialog unter der Voraussetzung, die Würde jeder Person und aller Gruppen zu respektieren.”
Seit 1964 hat der Heilige Stuhl den Status eines ständigen Beobachters ohne aktives oder passives Stimmrecht. Es ist die vierte Rede eines Papstes vor der Vollversammlung. Als erster sprach Paul VI. am 4. Oktober 1965. Papst Johannes Paul II. war am 2. Oktober 1979 und am 5. Oktober 1995 im Glaspalast zu Gast. (rv)


Deutschland/Vatikan: Kasper, „Papst wird in USA Dialog mit Juden fördern”
Er gehört zur ersten Garde der katholischen Theologen weltweit: Kurienkardinal Walter Kasper. Der Deutsche wurde gerade 75 Jahre alt. Zu seinen Ehren erschien nun eine Festschrift mit dem Titel „Gott denken und bezeugen” -, dessen Vorwort kein Geringerer als Papst Benedikt XVI. schrieb. Bei einem Symposium an der Theologischen Hochschule der Palottiner in Vallendar wurde Kardinal Kasper am Wochenende die Würdigung seines theologischen Werkes überreicht. Das Kölner Domradio hatte vorher die Gelegenheit, ausführlich mit ihm zu sprechen, unter anderem auch über die bevorstehende USA-Reise des Papstes. Dabei betonte Kardinal Kasper auch die Bedeutung der geplanten interreligiösen Gespräche, die Benedikt XVI. in den Vereinigten Staaten führen wird.
„Das ist einmal der christlich-jüdische Bereich - und ich muss sagen, das gehört zum Erfreulichsten, was ich während meiner zehn Jahre Rom erfahren habe, was da an Freundschaft mit den Juden gewachsen ist. … Die Juden sind an einer Freundschaft mit uns aus einem ganz einfachen Grund interessiert: Sie sind überall auf der Welt in der Minderheit und darauf angewiesen, mit einer größeren Religionsgemeinschaft Kontakt zu haben. Und das ist weitgehend für sie die katholische Kirche. Juden und Katholiken haben außerdem die gleichen oder zumindest ähnliche Werte. Zum Beispiel die Werte der Familie sind für Juden genauso bedeutend wie für uns Christen. Da ist wirklich Vieles gewachsen. Und der Papst wird das während seiner USA-Reise auch weiter fördern. Er wird sowohl in Washington als auch New York Juden treffen.” (rv)

 

 

16.04.08

Papstbesuch in den USA (2. Tag)

„Welcome to the States“- Papst landet am Dienstag in Washington
Papst Benedikt XVI. ist am Dienstag kurz vor 16 Uhr (Ortszeit) zu seinem ersten Besuch in den USA eingetroffen. US-Präsident George W. Bush begrüßte den Papst in einer bislang einmaligen Geste persönlich am Flughafen. Auch Bushs Ehefrau Laura und Tochter Jenna waren dabei, als das katholische Kirchenoberhaupt auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews nahe Washington landete.
Der Papst nahm wegen des Windes seine weiße Kappe ab, als er bei strahlendem Sonnenschein aus der Alitalia-Maschine stieg. Lächelnd stieg er die Treppe hinunter und ging auf die Präsidentenfamilie zu. Die protestantischen Bushs bereiteten dem Papst einen herzlichen Empfang. Es war das erste Mal, dass ein US-Präsident einen ausländischen Gast persönlich am Flughafen begrüßte. (rv)
 

Bush empfängt am Mittwoch Papst im Weißen Haus
Der erste Termin auf US-Boden führte den Papst am Mittwoch Morgen Ortszeit in das Weiße Haus von Washington – zu einer nachgeholten Begrüßungszeremonie. Stefan von Kempis berichtet.

Großer Bahnhof für Benedikt auf der Südwiese des Weißen Hauses: Strahlender Sonnenschein, zwitschernde Vögel, mehrere tausend Menschen in Feierstimmung, ein Brunnen plätschert, Soldaten tragen leuchtend-rote historische Uniformen. Dazu kommen die Farben der 17 US-Kardinäle, die in den ersten Reihen sitzen und später mit dem Papst zu Mittag essen werden. Papst Benedikt und Präsident Bush stehen auf einem kleinen Podium, hinter sich die Vatikanfahne und das US-Sternenbanner, noch weiter dahinter erhebt sich die Süd-Fassade des Weißen Hauses.

Die Menschen im Garten des Weißen Hauses singen ein spontanes Geburtstagsständchen für den Papst, der etwas verlegen dafür dankt. „Ich heiße Joseph wie du“, steht auf deutsch auf einem Transparent, das ein kleiner Junge in Händen hält. Dann hört Benedikt XVI. konzentriert zu, als eine farbige Sängerin das Vaterunser singt. „Friede sei mit Ihnen!“, so begrüßt George Bush den Papst. „Eine ganze Nation ist gerührt und geehrt, dass Sie sich entschieden haben, Ihren Geburtstag hier zu feiern.“ „Sie finden in Amerika eine Nation des Gebets: Millionen von Amerikanern liegen jeden Morgen auf den Knien und danken Gott, viele beten auch in diesen Tagen für Ihren Besuch. Sie finden in Amerika auch eine Nation des Mitgefühls: In allen Teilen der Welt engagiert sich Amerika für Solidarität und Entwicklung. Sie finden in Amerika eine Nation, die an die Anwesenheit Gottes im öffentlichen Raum glaubt. Wir glauben an die Religionsfreiheit. Sie finden hier eine moderne Gesellschaft, die sich von alten Werten leiten lässt. Eine der innovativsten – und gleichzeitig eine der religiösesten Gesellschaften, die es gibt. Sie finden ein Amerika“, so Bush weiter, „dessen Menschen auf Ihre Botschaft der Hoffnung warten. Wir brauchen Ihre Botschaft, dass Gott die Liebe ist. Diese Botschaft ist das stärkste Mittel gegen Hass und Terrorismus. Wir brauchen Ihre Botschaft gegen die Diktatur des Relativismus und für eine Gesellschaft, die auf Gerechtigkeit und Frieden beruht.“ Spontaner Beifall kommt auf bei den Worten Bushs, dass das Leben heilig ist und unverfügbar. Im Vergleich zu den eingängigen Worten des US-Präsidenten, eines geübten Redners, wirkt dann die erste Ansprache Benedikts auf US-Boden etwas professoral, aber sehr freundlich und auch deutlich. Benedikt redet von den US-Gründungsvätern, von Freiheit, von religiösem Pluralismus, von Werten. (Siehe die Kernsätze weiter unten)

Nach der Papstrede intoniert ein Chor der US-Armee das „Glory Halleluja“, dann steigen der Pontifex maximus und der mächtigste Mann der westlichen Welt die Treppe zum Weißen Haus empor, winken vom Balkon noch einmal zur Menge hinunter, zusammen mit „First Lady“ Laura Bush. Eine halbe Stunde hat die Begrüßungszeremonie nur gedauert, alle großen Fernseh-Kanäle wie CNN, ABC oder Fox waren live dabei – jetzt unterhält sich Benedikt mit Bush im Oval Office, und gleichzeitig treffen sich in einem anderen Saal des Weißen Hauses US-Außenministerin Condoleeza Rice und der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Noch einmal singen die Menschen auf der „South Lawn“ des Weißen Hauses „Happy Birthday“ - es ist ein malerischer Auftakt für diesen Papstbesuch. (rv)

Die Kernsätze der Ansprache Benedikts XVI. bei der Begrüßungszeremonie im Weißen Haus
Seit den Anfängen der Republik war die Freiheitssuche Amerikas geleitet von der Überzeugung, dass die Prinzipien, die das politische und soziale Leben leiten, zuinnerst mit einer moralischen Ordnung verbunden sind, die auf der Herrschaft des Schöpfergottes gründen. Die Schöpfer der Verfassungsdokumente dieser Nation gründeten sich auf dieser Überzeugung, als sie von der Wahrheit sprachen ,die aus „sich selbst heraus“ evident ist und dass alle Menschen gleich erschaffen sind und mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, die auf dem Naturrecht gründen und dem Gott dieser Natur. … In diesem langen Prozess, denn die Seele dieser Nation geformt hat, waren die religiösen Bekenntnisse eine konstante Inspirationsquelle und eine Orientierungskraft, wie beispielsweise der Kampf gegen die Sklaverei und zur Zeit für die zivilen Rechte. Historisch gesehen, haben nicht nur die Katholiken, sondern alle Gläubigen hier die Freiheit gefunden, Gott ihrem Gewissen folgend anzubeten, zugleich wurden sie als Teil einer Gesellschaft akzeptiert, in der jeder einzelne und alle Gruppen ihre Stimme zu Gehör bringen konnten. Nun muss die Nation immer neue komplexe politische und ethische Fragen angehen, ich vertraue darauf, dass die Amerikaner in ihren Glaubensüberzeugungen eine wertvolle Quelle der Unterscheidung und der Inspiration finden, damit ein vernünftiger, verantwortlicher und respektvoller Dialog möglich ist in dem Bemühen, eine immer menschlichere und freie Gesellschaft aufzuerbauen. … Die Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, sondern auch ein Appell zur personalen Freiheit. Die Amerikaner wissen dies aus Erfahrung. Die Verteidigung der Freiheit ist ein Appell zur Kultivierung der Tugend der Selbstdisziplin, der Aufopferung für das Gemeinwohl und eines Verantwortungsbewusstseins gegenüber denjenigen, die weniger Glück haben. Die Kirche für ihren Teil hofft ihren Teil beitragen zu können beim Bauen einer Welt, die immer mehr würdig ist der menschlichen Person, der geschaffen ist als Bild und nach dem Gleichnis Gottes. … Die Demokratie kann nur blühen, wie eure Gründerväter wussten, wenn die politischen Führer sich von der Wahrheit führen lassen und eine Weisheit walten lassen, die hervorgeht aus moralischen Prinzipien, wenn sie Entscheidungen fällen, die das Leben und die Zukunft der Nation betreffen. (rv)

Papst spricht von „tiefer Scham“ über Pädophilieskandale
Hoch über den Wolken – genauer gesagt über dem Atlantik, nordwestlich von Frankreich – hatte sich Papst Benedikt XVI. auf dem Flug von Rom nach Washington den Fragen der rund 70 mitreisenden Journalisten gestellt. Der Papst sprach nicht nur über die freudigen Momente, die ihn in den Vereinigten Staaten erwarten. Er betonte auch, dass er die US-Katholiken besuchen wolle sowie bei der UNO über die Menschenrechtserklärung sprechen, die ihr 60-jähriges Bestehen feiern.

Der Papst antwortete auf Fragen zu verschiedenen Themen. Unmissverständlich äußerte er sich zu dem Thema, das die US-Kirche in den vergangenen acht Jahren am schärfsten bedrängte: die Missbrauchs-Skandale, die landesweite Enthüllung sexueller Vergehen von Geistlichen an Minderjährigen.

Die Botschaft des Papstes zu den Pädophilie-Skandalen war klar: Wer sich der Pädophilie schuldig gemacht hat, kann nicht Priester der katholischen Kirche bleiben. Er sei zutiefst beschämt über diese Skandale und frage sich, wie so etwas passieren konnte. Er habe Mitgefühl mit der Kirche in den USA, vor allem aber mit den Opfern. Zur Aufarbeitung empfahl er einen Drei-Stufen-Plan: Zunächst eine juristische Klärung im Sinne der Null-Toleranz-Strategie bei Pädophilie, wie sie die US-Bischöfe bereits in ihrem intensiven Bemühen um Schadensbegrenzung in Abstimmung mit dem Vatikan beschlossen hatten. Ausdrücklich differenzierte Benedikt XVI. dabei zwischen Pädophilie und Homosexualität.
Weiter empfahl er eine pastorale Aufarbeitung, die sich um eine „Heilung“ der tiefen Verletzungen bei den Opfern bemühen solle. Und schließlich müsse die Kirche alles daransetzen, dass sich so etwas nie wiederhole. Das gelte insbesondere für die Auswahl der Seminaristen. Zur Priesterausbildung und erst recht zur Priesterweihe, so Benedikt XVI., könne nur zugelassen werden, wer physisch und psychisch gesund und gefestigt sei und eine tiefe Verankerung im Glauben und in der Gottesliebe habe. „Es ist wichtiger, gute Priester zu haben, als viele“, so die Maxime des Papstes.
Aber nicht nur die Missbrauchs-Skandale war Thema der 18-minütigen „fliegenden Pressekonferenz“. Es ging auch um das Problem der Zuwanderung aus Lateinamerika - ein Problem, über das er auch mit US-Präsident George W. Bush sprechen wollte, wie Benedikt XVI. betonte. Kurzfristig müsse es um Hilfe für Familien, auch für auseinander gerissene Familien gehen, forderte der Papst. Mittel- und längerfristig müssten die Lebensbedingungen in den Staaten Lateinamerikas verbessert werden, damit die Menschen nicht aufgrund von Not und Hunger ihr Heil in der Auswanderung suchten. Schließlich gab es auch noch Lob und Anerkennung für die Religiosität in der US-Gesellschaft sowie für die auf die Gründerzeit zurückgehende strikte Trennung von Kirche und Staat. Diese sei zugleich Grundlage für die Freiheit, die Entfaltungsmöglichkeit und das selbstverständliche Nebeneinander der christlichen und anderen religiösen Bekenntnisse in den USA gewesen. Europa könne das nicht so ohne Weiteres kopieren - zumal auch Amerika heute neue Säkularisierungen erlebe, wie der Papst betonte. Eine positive Orientierung könne aber diese Bipolarität gleichwohl bedeuten.
(rv)

Papst-Besuch: „Freude herrscht“
Trotz Pädophilie-Skandalen und anderen Problemen – bei den Katholiken in den USA scheint doch die Freude über den Papstbesuch im Moment das beherrschende Gefühl zu sein. Sie wittern die Chance, das Blatt wieder ins Positive zu wenden und neue Hoffnung zu bekommen, dem Reisemotto entsprechend: „Christ, our Hope“. Henry Vosswinkel ist Finanzexperte in New York. Im Gespräch mit unserem Korrespondenten Stefan Kempis meinte der engagierte Katholik: „Ich bin sehr froh, dass der Papst jetzt kommt. Wir hier in den USA können ein bisschen mehr Denken ans Religiöse gut gebrauchen. Außerdem bin ich katholisch und freue mich immer, wenn wir hier mit der katholischen Kirche etwas auf die Beine stellen. Dass der Papst jetzt kommt und sein Interesse an der USA zeigt, das macht mich sehr froh.“
Benedikt besucht Präsident Bush im Weißen Haus, gestern hat Bush das Kirchenoberhaupt am Flughafen empfangen, und dann hält der Papst eine Rede vor den Vereinten Nationen in New York. Ist das zuviel Politik für einen religiösen Besuch? Vosswinkel dazu: „Ich finde, das geht. Es ist kein Zuviel an Politik, dass der Papst beim Besuch in einem Land von dessen Präsidenten willkommen geheißen wird. Ich glaube außerdem, dass der Papst und Bush persönlich viel miteinander gemein haben, denn auch Bush ist zwar kein Katholik, aber doch religiös. Er will zeigen, dass der Papst hier in Amerika wirklich willkommen ist.“
Benedikt XVI. besucht nur die Ostküste Amerikas. Finanzexperte Vosswinkel glaubt nicht, dass die Reise eine Wirkung auf die ganzen USA haben wird. Aber er ist Optimist: „Nein, aber ich denke, das ist ja vielleicht nur der erste Besuch, den der Papst hier macht. Er war schon vor seiner Wahl zum Papst viermal in den USA, glaube ich – und wenn das jetzt in den nächsten vier Tagen gut gehen wird, dann denke ich, dass er wieder zurückkommen wird.“ (rv)
 

Deutschsprachige in New York sind vorbereitet
Er ist für die deutschsprachigen Katholiken im Erzbistum New York zuständig: Peter Bleeser, Priester des Bistums Trier, jetzt wohnhaft in New Plains im Norden des Big Apple. Stefan Kempis fragte Bleeser, ob die US-Kirche vorbereitet ist auf den Besuch Benedikts.
„Das hoffe ich sehr! Sie freut sich auf den Papst. Die US-Kirche ist ja nach meiner Einschätzung nicht so kritisch wie zum Beispiel die deutsche Kirche.“
Man hört hier aber doch auch sehr viele kritische Stimmen von US-Katholiken, die sich noch an den „bösen“ Kardinal Ratzinger an der Spitze der Glaubenskongregation erinnern und jetzt nicht ganz an die Wende zum „guten“ Benedetto glauben wollen.
„Na ja, aber er hat seine Rolle als Chef der Glaubenskongregation ja verlassen und eine neue Rolle übernommen, die er auch sehr gut ausfüllt. Ich weiß zwar, dass er sehr konservativ ist – aber was mir sehr gut gefällt an ihm, ist, dass er sagt: Seid doch froh, dass ihr Christen seid! Seid doch froh, dass ihr Katholiken seid! Das ist eine sehr positive Aussage, weil es früher immer hieß, Katholisch-sein bedeute, tausend Regeln zu beachten. Und der Papst sagt: Nein, es ist doch eine Freude, Christ zu sein. Mich freut es, dass er das sagt.“ (rv)
 

New Yorker Banker: Laien über Problem der Pädophilie aufklären
Schon am ersten vollen Reisetag trifft der Papst die Bischöfe der USA, mit ihnen möchte er unter anderem auch über die Pädophilie-Skandale in den USA sprechen. Dan Coleman wäre gerne dabei, aber der New Yorker ist kein Bischof, sondern Banker, darum darf er bei der Papst-Vesper mit den Oberhirten der USA nicht mitmachen. Coleman, der als Amerikaner in Deutschland aufgewachsen ist, würde Benedikt XVI. gern auf einen, wie er meint, zentralen Punkt aufmerksam machen: „Ich sehe, dass es in der weltlichen Presse eine ständige Propaganda gibt, die gegen die Kirche gerichtet ist. Diese Propaganda vermittelt den Eindruck, dass es nur in der Kirche sexuelle Übergriffe auf Jugendliche gibt. Das ist kein richtiger Eindruck, denn bei anderen Organisationen gibt es das genauso, und wenn man sich die Zahlen mal ansieht, dann kommt es im öffentlichen Schulsystem in gleichem Maße dazu.“
Laut Coleman haben die Bischöfe des Landes bei den Pädophilie-Skandalen enttäuscht. Die Kirchenmänner seien überaltet und „etwas rostig“, meint der Bänker. Besser wäre es, wenn Benedikt XVI. die Laien in die Debatte einbeziehen würde, so Coleman: „Meiner Ansicht nach wäre es sehr wichtig, die Laien über diesen Punkt aufzuklären. Das würde zu sehr viel mehr führen, als mit der Hierarchie zu reden. Durch den über viele Jahre hin existierenden Druck haben die Bischöfe Patent-Antworten, und manchmal kommen von ihnen schnelle Antworten, die an sich nicht die richtigen sind. Also: mehr mit den Laien sprechen!“ (rv)
 

KOMMENTAR VON P. GEMMINGEN ZUM BEGINN DER PAPSTREISE:     Die Papstreise in die USA ist im Vergleich zu früheren Reisen von Papst Benedikt kompliziert. Die Erwartungen an die Reise sind oft ziemlich verkehrt. Viele fragen, was Benedikt zur Irak-Politik sagen wird, wie er sich zu Tibet äußert, ob er am Ground Zero für die Terroristen betet, für welche Partei und welchen Präsidentschaftskandidaten er sich wenigstens indirekt aussprechen wird, ob er Missbrauchsopfer treffen und wie er sich zu Priestern äußern wird, die sich pädophil verhalten haben. Ich antworte: das alles sind Nebenfragen. Der Papst kommt, weil er eingeladen ist, vor der UNO zu sprechen. Was er dort sagen wird, verdient volle Aufmerksamkeit. Vermutlich geht es ihm um die Grundlegung der Menschenrechte in einem humanen Menschenbild. Und er möchte – da er schon in den USA ist – den US-Katholiken Mut und Hoffnung zusprechen, dass sie wieder Tritt fassen sollen. Da die Vereinigten Staaten Weltmacht Nummer eins mit manchmal falschen Politiken sind, braucht ihre Bevölkerung besonders viel Rückhalt in den großen Idealen, die die USA einst geschaffen hat. Diese Ideale sind ein Glaubensleben in einem religiös neutralen Staat. Demokratie, Selbständigkeit, Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz. Wer viel Macht hat, hat viel Verantwortung. Der Papst will den US-Katholiken sagen: Ihr seid wichtig für die Welt, fasst neue Hoffnung in Jesus Christus. (rv)

 

 

17.04.08

Papstbesuch in den USA (3. Tag)

Papst feiert ersten Großgottesdienst in den USA
Papst Benedikt XVI. hat den ersten großen Gottesdienst seiner USA-Reise gefeiert. Im Baseballstadion der Nationals - unter freiem Himmel - erwarteten ihn am Donnerstagmorgen (Ortszeit) rund 50.000 Menschen. Sie hatten schon Stunden in der Arena gewartet und ein Vorprogramm mit Musik verfolgt. Bei seiner Ankunft am Stadion wurde das Kirchenoberhaupt vom Erzbischof von Washington, Donald William Wuerl, und politischen Vertretern begrüßt. Anschließend fuhr Benedikt XVI. im Papamobil durch das Stadion. Dabei sang ein Chor „Großer Gott, wir loben dich” auf Englisch und Deutsch. Konzelebranten des Gottesdienstes waren Wuerl und Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone. Die vor allem mit englischen und spanischen Texten gefeierte Messe war den Gläubigen der US-Hauptstadt gewidmet. An dem Gottesdienst nahmen auch etwa 250 Bischöfe, 14 Kardinäle und 1.300 Priester teil. (kna)
 

Papst fordert von US-Bischöfen moralische Erneuerung des Landes und der Kirche
Klare Worte Benedikt XVI. bei einer Vesper mit den US-amerikanischen Bischöfen im Nationalschrein der Unbefleckten Empfängnis in Washington. Lebensschutz, die Stärkung der Familie, die „tiefe Scham” über die Missbrauchsfälle in der US-Kirche und Kritik an der Handhabung des Problems von Seiten der Bischöfe, gehörten zu den Themen der Predigt. (rv)
 

USA: Der Papst und die Juden
Gleich zweimal nimmt der Papst in diesen Tagen freundlich Rücksicht auf US-Bürger jüdischen Glaubens: Um ihr Pesach, ihr Osterfest nicht durcheinander zu bringen, hat er seine Begegnung mit Vertretern anderer Religionen schon für den Donnerstag in Washington angesetzt. Und einen Besuch in einer New Yorker Synagoge unternimmt Benedikt XVI. um eine Uhrzeit, die es allen jüdischen Gläubigen noch erlaubt, zum Beginn des Sabbat rechtzeitig zuhause zu sein. Ein Bericht von Stefan Kempis.
New York ist die Stadt mit der größten jüdischen Gemeinschaft der Welt: 1624 kamen die ersten 23 jüdischen Gläubigen hierhin, die Stadt hieß damals noch Neu-Amsterdam. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bis 1925, suchten 12 Millionen Juden aus vielen Teilen der Welt Zuflucht in der Stadt: Italiener, Iren, Deutsche, Zentraleuropäer träumten von einem besseren Leben. Sie prägten die Börse und mehrere Stadtviertel. Orthodoxe Juden mit schwarzem Hut und gedrehten Schläfenlocken gehören zum Straßenbild in New York ganz selbstverständlich dazu. Wenn man sie fragt, ob sie den Papstbesuch jetzt mitverfolgen, dann bekommt man immer wieder Antworten wie diese hier: „Nein, wir sind hier sehr beschäftigt. Wir haben keine Zeit dafür. Aber ich habe davon gehört und finde das sehr schön.”
Die Begegnung von Menschen verschiedener Religionen – so etwas ist in New York nichts Besonderes, sondern Alltag. Der Katholik Henry Vosswinkel hat als Finanzexperte in New York jahrzehntelang mit jüdischen Kollegen ganz selbstverständlich zusammengearbeitet. Darum wundert er sich etwas über die Frage, ob er denn das Papsttreffen mit Juden und den Besuch Benedikts in einer New Yorker Synagoge wichtig findet.
„Ich weiß nicht, was Sie meinen. Aber ich finde das gut. Wir müssen alle zusammenkommen. Ich denke dieser Papst liegt richtig, wenn er sagt, dass er mit allen Religionen sprechen will.”
Im historischen Viertel der jüdischen Einwanderer liegt, gleich an einer viel befahrenen Straßenkreuzung, der älteste jüdische Friedhof der Stadt aus dem 17. Jahrhundert: Wackelnde Steine, unleserlich gewordene Schrift. Die Juden sind in ihrem ursprünglichen Viertel in Manhattan Downtown mit seinen vielen Synagogen längst nicht mehr alleine - die Immigration geht weiter, das Viertel heißt jetzt Chinatown. Aus den Radios an den vielen Verkaufsbuden plärrt asiatische Musik. (rv)
 

USA: Benedikt XVI. spricht an der katholischen Universität Washington
Glaube und Vernunft – das könnte, wie schon vor zwei Jahren in Regensburg, wieder ein Thema sein, wenn der Papst am Donnerstag die akademische Bühne betritt. An der Katholischen Universität von Washington trifft er sich mit Professoren, Dozenten und Studenten. Keine Gesellschaft bringe Moderne und Religion so gut unter einen Hut wie die amerikanische, das hatte Präsident Bush dem Papst am Weißen Haus gesagt, und das sieht Benedikt ähnlich. Warum versteht man in Europa nicht mehr, dass Vernunft und Glaube zusammengehören? So fragt nicht nur der Papst, sondern auch Dan Coleman. Der US-Katholik ist Banker in New York, aber im Rheinland aufgewachsen.
„In Europa ist vielleicht zum Teil auch das Steuersystem schuld: Da sparen die Leute Geld, wenn sie aus der Kirche austreten. Und außerdem ist es eine Entfremdung zwischen dem Klerus und den Gläubigen, die dazu beiträgt, dass die Gläubigen nur noch an die allernotwendigsten Dinge glauben, aber die Details einfach fallenlassen. In Amerika hingegen gibt es sehr viele kirchliche Vereine, auch karitative Organisationen sind sehr stark – und die Kirche hat auf diesem Gebiet einfach mehr zu bieten als alle anderen. Dadurch gibt es dann auch mehr Interesse hier in Amerika an der Kirche, wenn man das so sagen kann. Wenn man erst mal Interesse an den Dingen hat, etwas studiert, an Konferenzen teilnimmt oder in der Heiligen Schrift liest, dann verbindet das einen mehr und mehr mit der Kirche. Dadurch wächst die Zahl der aktiven Mitglieder der Kirche – das geschieht hier in Amerika. Warum das in Europa nicht so ist? Keine Ahnung.”
 

Eindrücke des ersten Reisetages
Von New York aus beobachtet Stefan Kempis für uns den Papstbesuch. Was sind denn die Eindrücke des ersten vollen Reisetages?
Zunächst einmal: Der Empfang des Papstes am Weißen Haus hat einen sehr entspannten, fröhlichen Auftakt gesetzt. Das war von den US-Gastgebern perfekt orchestriert, um Benedikt – auch noch an seinem 81. Geburtstag – wirklich das Gefühl zu geben, dass er in den Vereinigten Staaten willkommen ist. Vorher gab es zwar noch Befürchtungen, der scheidende Präsident Bush oder seine Republikanische Partei würden diesen Moment für sich instrumentalisieren, aber ich glaube, die Befürchtungen haben sich bei diesen Bildern zerstreut. Bush hat eine griffige, kraftvolle Rede gehalten, Benedikt hat sich auf die protestantischen Gründungsväter der USA berufen und freundliche Signale an alle Ethnien und Religionen im Land ausgeschickt – das kommt an. Es war übrigens, wie die Medien betonen, die größte Menschenansammlung am Weißen Haus in der ganzen Epoche der Präsidentschaft Bush. Hier in New York reden die Leute tatsächlich auf der Straße über den Papst; sie freuen sich, dass er da ist, sind neugierig. „Hast du Karten für die Papstmesse bekommen?”, fragt heute auf der Fähre nach Staten Island ein Student, der neben mir steht, den anderen, und der antwortet: „Ja, und ich gehe auf jeden Fall hin. Das kann man doch nicht verfallen lassen.” Übrigens hat ein großer Fernsehsender die erste Papstrede auf US-Boden mit englischen Untertiteln versehen – so ganz scheint man das deutsch gefärbte Englisch des Papstes hier vielleicht nicht zu verstehen.
Fragen an Stefan von Kempis: Am Mittwoch Nachmittag Ortszeit hat der Papst die US-Bischöfe getroffen – was ist Ihr Eindruck von diesem Auftritt?
Die Bilder haben mich sehr an das Treffen des Papstes mit lateinamerikanischen Bischöfen erinnert, letztes Jahr in Brasilien. Das fand nämlich ebenfalls in der Krypta einer großen Marienkirche statt, was zu einer ganz eigenen, konzentrierten Atmosphäre führt. Der Papst wirkte an diesem Nachmittag ziemlich erschöpft, mit Ringen unter den Augen; zuvor, als er mit dem Papamobil durch die Straßen der Hauptstadt gefahren war, hatte es viel Beifall gegeben, aber auch ein paar Protestler, die an die Pädophilie-Skandale in der US-Kirche erinnerten. Ich glaube, dass die Rede des Papstes an die Bischöfe in den Medien und bei den Menschen hier in den USA gut ankommen wird: Da gibt es mitfühlende Worte zum Terror des 11. September 2001 und für die Hochwasser-Opfer von New Orleans, für die Immigranten, auch für die Laien in der Kirche, ein Lob für den tiefen Glauben in Amerika… Die Warnungen vor Säkularismus, vor Materialismus und dem Zerfall der Familie waren gewissermaßen sehr gut „verpackt”. Vor allem aber werden wohl die Worte des Papstes zu den Pädophilie-Skandalen die kommende Berichterstattung bestimmen. Da hat er selbst, den Vorsitzenden der Bischofskonferenz zitierend, kritisiert, die Fälle seien „manchmal sehr schlecht gehandhabt worden”. Diese Worte werden wir wohl am Donnerstag Ortszeit auf mancher Titelseite wieder finden. Den Amerikanern wird diese Deutlichkeit gut tun.
 

US-Presseschau: „Papst heilt die Wunden!”
Bei seinem Besuch in den USA muss der Papst noch deutlichere Worte finden zu dem Missbrauchsskandal, meinen viele Kommentatoren der internationalen Presse. Zudem soll Benedikt XVI. auf den Wandel der US-Kirche reagieren.
Unser Korrespondent vor Ort, Stefan von Kempis, hat die US-amerikanischen Zeitungen genauer unter die Lupe genommen:
Zwei Dinge überraschen mich beim Blick in die Zeitungen an diesem Donnerstag: Nicht alle zeigen den Papst groß auf Seite eins, und nicht alle streichen – wie ich das vermutet hätte – seine offenen Worte zu den Pädophilie-Skandalen besonders heraus.
Die meistgelesene Tageszeitung, „USA Today”, zeigt Benedikt XVI. lächelnd auf dem Rasen des Weißen Hauses; daneben steht aber die ernste Überschrift: „Benedikt: Heilt die Wunden! Papst ruft die Kirchenführer zu einem Heilungs-Prozess nach dem Skandal auf.” In sehr deutlichen Worten, so heißt es dann im Artikel, habe der Papst auch eine Stärkung der Ehe gefordert und sich gegen Relativismus ausgesprochen. Das Blatt zitiert Kardinal Mahoney von Los Angeles, dessen Erzbistum besonders viel mit Pädophilie-Fällen zu tun hatte, mit den Worten: „Der Papst ist nicht gekommen, um irgendetwas unter den Teppich zu kehren.” Im Innenteil: Ein Bericht über die Freude vieler Menschen in Washington, den Papst zu sehen, ihm vom Straßenrand aus zuzuwinken. Tenor: „Our country needs to see this” – unser Land braucht das jetzt.
Die seriöse „New York Times” zeigt auf Seite eins nur ein winziges Foto des Papstes ganz unten in der Ecke; die wenigen danebenstehenden Zeilen sagen, dass Benedikt den Säkularismus kritisiere – dieser hindere die Menschen daran, frei ihre Religion auszuüben. Im Innenteil, aber weit hinten: Bunte Bilder vom Empfang des Papstes in der Hauptstadt. Berichte, die seine Worte zu den Pädophilie-Skandalen erwähnen, ohne sie aber groß hervorzuheben. Ein Kommentar mit dem Titel: „Warmes Willkommen und ein Gefühl der Einigkeit.” Und eine Analyse all dessen, was Fernseh-Moderatoren in diesen Tagen zum Papstbesuch alles so von sich geben: Eine Papstreise sei offenbar, so die „NYT” mit leichtem Spott, „so etwas wie eine königliche Hochzeit” – da fühlten viele sich berufen, auch noch ihren Senf dazuzugeben.
Das „Wall Street Journal” betont an diesem Donnerstag mehr die Fernsehdebatte zwischen Barack Obama und Hillary Clinton. Zum Papstbesuch sind die Informationen relativ knapp – die Überschriften: „Papst und Bush einig in Sachen Freiheit und Moral” und „Papst und Bush äußern ähnliche Ansichten.” Die weniger seriöse, aber millionenfach verbreitete „Daily News” hingegen zeigt den Papst und den Präsidenten auf Seite eins, und dazu den Riesentitel: „God bless America”, Gott segne Amerika. Innen wird ein Teil der ersten Ansprache Benedikts auf US-Boden abgedruckt, und ein Kommentator führt aus: „Selten zeigt ein großer Welt-Führer solchen Respekt vor amerikanischen Werten wie der Papst. Möge er weithin gehört werden!” Auch in Amerika selbst! - so gibt der Artikel dann noch zu verstehen.
Was bietet die „Daily News” noch? Eine Analyse der Schuhe des Papstes. Ein Bild, wie er im Weißen Haus die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte ausbläst. Ein paar Worte zu seiner Katzen-Liebe und die Behauptung, er besitze eine Pilotenlizenz und fliege manchmal selbst den Hubschrauber von Rom nach Castelgandolfo. Das Bild von Papst und Geburtstagstorte zeigt übrigens auch die New Yorker Zeitung „Newsday” – mit der schönen, amerikanischen Überschrift „He takes the cake”, Er nimmt den Kuchen in Angriff. Die „Newsday” hat aber als Titelbild keinen lächelnden Benedikt am Weißen Haus gewählt, sondern zeigt ihn streng blickend im Messgewand, und daneben in großen Lettern: „Heilt die Wunden!”
Fazit: In den Medien wirkt dieser Besuch bislang doppelgesichtig. Auf der einen Seite Feststimmung, Jubel, Massenauflauf. Auf der anderen Seite das ernste Thema der Pädophilie-Skandale. (rv)

 

 

18.04.08

Papstbesuch in den USA (4. Tag)

Papst: UNO darf Menschenrechte nicht zur Disposition stellen
Die UNO darf nach Worten von Papst Benedikt XVI. die Menschenrechte nicht zur Disposition stellen. In seiner Ansprache am New Yorker Sitz der Vereinten Nationen wandte sich das katholische Oberhaupt am Freitag gegen aktuelle Versuche, die Menschenrechtserklärung aufzubrechen und Einzelinteressen zu unterwerfen. Sie könne nicht „stückweise angewandt werden, je nach Trends oder selektiven Entscheidungen“.
Als paradox kritisierte Benedikt XVI., dass ein von vielen Staaten getragener Konsens „den Entscheidungen einiger weniger untergeordnet“ sei. Konkrete Beispiele nannte er nicht. Die Weltprobleme verlangten ein gemeinsames Handeln durch die internationale Gemeinschaft. Die UNO müsse nach dem Subsidiaritätsprinzip ihrer Rolle als globale Ordnungsinstanz entsprechen. Als Aufgaben nannte Benedikt XVI. Sicherheit, Entwicklung, den Kampf gegen Benachteiligungen auf lokaler und weltweiter Ebene sowie den Schutz von Umwelt, Ressourcen und Klima.
Angesichts der Globalisierung mahnte der Papst zu Solidarität mit armen Ländern, die sonst nur deren negativen Auswirkungen erführen. Regeln und Strukturen zur Förderung des Gemeinwohls brauchten mehr Gewicht. "Im Namen der Freiheit muss es eine Wechselbeziehung von Rechten und Pflichten geben", verlangte das katholische Kirchenoberhaupt. Weiter betonte Benedikt XVI., bei ökologischen Fragen gebe es kein Entweder-Oder zwischen Wissenschaft und Ethik. Vielmehr gehe es darum, wissenschaftliche Methoden zu wählen, die ethische Forderungen respektierten.
Dritter Papst vor der UNO-Vollversammlung
Mit seiner auf Französisch und Englisch gehaltenen Rede erinnerte Benedikt XVI. auch an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren. Nach Paul VI. (1965) und Johannes Paul II. (1979 und 1995) ist er der dritte Papst, der vor der UNO-Vollversammlung am East River spricht. Der Heilige Stuhl unterhält seit 1964 einen Sitz als Ständiger Beobachter bei der UNO.
Eine wachsende Aufgabe der UNO sieht der Papst in internationalen Interventionen zum Schutz der Menschenrechte. Das dürfe freilich nicht als Beschränkung nationaler Souveränität verstanden werden. Oft richteten Gleichgültigkeit oder der Verzicht auf Interventionen „den eigentlichen Schaden“ an, schloss Benedikt XVI. Allerdings müsse man stärker Möglichkeiten zur Vermeidung und Lösung von Konflikten mit diplomatischen Mitteln suchen. Weiter unterstrich er die Bindekraft internationaler Entscheidungen, die auf der „unveränderlichen Gerechtigkeit“ gründe. Die Gültigkeit von Menschenrechten hänge nicht von ihrer Durchsetzbarkeit durch die Gesetzgeber ab.
Die Menschenrechte schlössen das Recht ein, den Glauben in seiner individuellen und gemeinschaftlichen Dimension zu leben, hob der Papst hervor. Es sei unbegreiflich, dass Gläubige ihr Bekenntnis verleugnen sollten, um ihre bürgerlichen Rechte zu genießen. Religionsfreiheit könne nicht auf freie Ausübung des Gottesdienstes beschränkt werden; die Einheit der Person verlange, dass sich

Menschen mit ihrem Glauben auch im öffentlichen Raum engagieren dürfen. Dabei verwies Benedikt XVI. auf den Einsatz von Religionsgemeinschaften in Schulen und Universitäten, Gesundheitsdiensten und der Wohlfahrtspflege.
Nachdrücklich betonte Benedikt XVI. die Verankerung der Menschenrechte im Naturrecht und in der Würde der Person als Geschöpf Gottes. „Die Menschenrechte aus diesem Kontext zu lösen hieße ihre Reichweite beschränken und einer relativistischen Konzeption nachgeben, nach der die Bedeutung und Interpretation von Rechten schwanken und ihre Universalität im Namen unterschiedlicher kultureller, politischer, sozialer und sogar religiöser Anschauungen geleugnet werden könnte“, so der Papst.
Empfang durch Ban Ki-Moon
Vor der Rede an die Vereinten Nationen hatte UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon Benedikt XVI. im Glaspalast am East River empfangen. Im 38. Stock sprachen die beiden rund 20 Minuten unter vier Augen über aktuelle weltpolitische Fragen.
Am Nachmittag (Ortszeit) besucht der Papst die Park-East-Synagoge. Dort ist ein Treffen mit dem Rabbiner und Holocaust-Überlebenden Arthur Schneier geplant. Anschließend fährt Benedikt XVI. in die deutschsprachige Sankt-Josephs-Kirche zu einem ökumenischen Treffen. Am Abend steht ein Essen mit den Kardinälen des Landes und Vertretern der US-Bischöfe auf dem Programm. Benedikt XVI. bleibt noch bis Sonntag in New York. Zum Abschluss seines Aufenthalts besucht er Ground Zero. Dort will er ein Gebet für die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 sprechen.

 

Wortlaut der Rede Papst Benedikts XVI. vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
Arbeitsübersetzung der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan (Marco Schrage)
Herr Präsident, meine Damen, meine Herren,
wenn ich meine Rede an diese Versammlung beginne, möchte ich vor allem Ihnen, Herr Präsident, meine ehrliche Dankbarkeit für Ihre freundlichen Worte ausdrücken. Meine Dankbarkeit geht ebenso an den Generalsekretär, Herrn Ban Ki-moon, für die Einladung, den Hauptsitz der Organisation zu besuchen und das Willkommen, das er mir gegeben hat. Ich grüße die Botschafter und die Diplomaten der Mitgliedsstaaten und alle Anwesenden. Durch Sie grüße ich die Völker, die sie repräsentieren. Sie erwarten von dieser Institution, dass sie ihre Gründungsinspiration fortführe, also „ein Mittelpunkt zu sein, für die Koordination der Aktivität der Vereinten Nationen in der Verfolgung der gemeinsamen Ziele”, den Frieden und die Entwicklung. Wie Papst Johannes Paul II 1995 sagte, sollte die Organisation „ein moralischer Mittelpunkt sein, in dem alle Nationen der Welt sich zu Hause fühlen, in dem sie das gemeinsame Bewusstsein entwickeln, sozusagen eine ‚Familie der Nationen’ zu sein.” Friede und Wohlstand mit Gottes Hilfe!...
 

Die UNO – Ein Steckbrief
Der Besuch des Papstes bei der UNO war sicher der Höhepunkt in seinem Reiseprogramm von diesem Freitag. Zur UNO in New York ein Steckbrief, von Stefan Kempis.
UNO in New York: das sind drei Gebäude, darunter ein Hochhaus, am „East River” ganz am Rand von Manhattan. Außen eine berühmte Skulptur von einer Pistole mit verknotetem Lauf, innen alles etwas schäbig und renovierungsbedürftig: Treppenhäuser, die aussehen wie in einer Tiefgarage, Flure mit Teppichböden und Lehrtafeln wie in einer Schule. Gleich beim Reinkommen rechts hängt eine zerschlissene UNO-Flagge hinter Glas – es ist die, die in Bagdad über dem UNO-Compound hing, der vor Jahren bei einem Selbstmordattentat völlig zerstört wurde. Dahinter leuchtet ein blaues Chagall-Fenster. Von einem Flur geht man in einen kleinen Meditationsraum, eingerichtet nach den Vorgaben des frommen ersten UNO-Generalsekretärs Dag Hammerskjöd: Abstrakte Linien, gedämpftes Licht, in der Mitte ein altarähnliches Gebilde….
 

Benedikt XVI.: Interreligiösen Dialog vertiefen – Papst bekommt Koran geschenkt
Papst Benedikt hat sich für eine Vertiefung des interreligiösen Dialogs ausgesprochen. Bei einem Treffen mit Repräsentanten der Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten und Jains aus den USA meinte er: Dialog diene nicht nur dem gegenseitigen Verständnis, sondern er diene auch der ganzen Gesellschaft. Durch den Dialog werde der Blick auf gemeinsame ethische Werte frei. Religiöse Führer haben nach Auffassung von Papst Benedikt eine sehr große Verantwortung für die Gesellschaft. Ihnen sei es möglich, die ganze Gesellschaft auf grundlegende gemeinsame Überzeugungen und Werte hinzuweisen. Wer den interreligiösen Dialog einengen wolle auf Suche nach Frieden in der Welt, der verkürze ihn und nutze nicht seine vollen Möglichkeiten. Der Dialog der Religionen könne vielmehr die tiefsten Fragen des Menschen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und Wohin beantworten.
Der Papst hat bei dieser Gelegenheit einen kostbaren Koran geschenkt bekommen. Benedikt XVI. nahm das in Silber gefasste und mit Perlmutt besetzte Heilige Buch des Islam bei der interreligiösen Begegnung entgegen. Der von Kunsthandwerkern in Ägypten gefertigte Band, den eine junge Muslimin überreichte, war eines der „Symbole des Friedens“, die Benedikt XVI. von Angehörigen der Weltreligionen erhielt. Ein Vertreter des Judentums schenkte dem Papst eine silberne Menorah, den traditionellen Leuchter, als Zeichen des immerwährenden Gottesbundes. Zusätzlich zu den üblichen sieben Arme besaß er einen achten, zur Erinnerung an die Schoah. Ein Angehöriger des Jainismus, einer traditionellen indischen Religion, brachte Benedikt XVI. einen metallenen Würfel, der die Prinzipien der Gewaltlosigkeit und des Respekts symbolisieren soll. Aus der Hand eines Hindu erhielt der Papst die heilige Meditations-Silbe „Om“ in Goldblech. Eine Buddhistin schenkte dem katholischen Kirchenoberhaupt eine Meditationsglocke, wie sie in koreanischen Klöstern verwendet wird. Der Papst traf die Vertreter anderer Religionen am Donnerstagabend in Washington nach seinem Vortrag vor Professoren und Schuldirektoren. (rv)


Gemeinsames Gebet mit Missbrauchsopfern
Papst Benedikt ist am Donnerstagnachmittag mit einer Gruppe von Opfern von sexuellem Missbrauch durch Priester zusammengetroffen. Nach einer Mitteilung des Vatikans haben sie in der vatikanischen Nuntiatur persönlich mit dem Papst gesprochen. Der Papst hörte ihren Worten aufmerksam zu und versprach, für sie und ihre Angehörigen zu beten. Anschließend beteten alle gemeinsam, und der Papst gab ihnen den Segen. Wiederholt war in den letzten Tagen in der Presse der Wunsch geäußert worden, der Papst möge doch einige der Missbrauchsopfer treffen. Gleich zu Beginn seiner USA-Reise hatte Papst Benedikt von seiner tiefen Scham über die Missbräuche gesprochen und erklärt, dass niemand Priester bleiben könne, der sich in dieser Weise schuldig gemacht habe. (rv)

 

Benedikt XVI.: Herzliche Gratulation zum Passahfest!
Papst Benedikt hat in Washington den Juden weltweit zum Passahfest gratuliert. In einer Botschaft, die er während seiner USA-Reise in Washington donnerstags veröffentlichte, sprach er seine Nähe zum jüdischen Volk aus und unterstrich seinen Willen, den Dialog mit den Juden fortzuführen. An seine „jüdischen Brüder und Schwestern” gewandt hob er ausdrücklich hervor, dass die Kirche auch heute zu den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils stehe. Der Dialog zwischen katholischer Kirche und Judentum hat sich nach Überzeugung des Papstes „grundlegend gewandelt und verbessert”. Der Papst hatte in Washington am Donnerstagabend nach einer Begegnung mit Vertretern mehrerer Religionen getrennt einige Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft in den USA gesprochen. (rv)
 

US-Presse: Positiver Unterton
Die US-Zeitungen berichten generell ausführlich und mit positivem Unterton von der Papstreise. Die Worte Benedikts zu den Missbrauchs-Skandalen in der US-Kirche und seine Begegnung mit einigen Opfern haben viele Emotionen aufgerührt; „USA Today” bringt das auf der Titelseite auf die Formel „Jubel unter Tränen”. Der Artikel im Innenteil führt allerdings aus, dass einige Opferverbände das Papst-Treffen mit Missbrauchs-Opfern auch als „Schlag ins Gesicht” werten. Die Titelseite von „USA Today” rührt noch an andere, tiefliegende Gefühle: „Wo war Gott am 11. September”, also bei den Terroranschlägen des Jahres 2001, fragt eine ausführliche Reportage. Das Gebet Benedikts XVI. an „Ground Zero” nächsten Sonntag könne „für die, die vom 11. September tief getroffen wurden, zu einem Wendepunkt im Glauben werden”, so die Überschrift des Artikels.
Die „New York Times” meint auf Seite eins zur Papst-Begegnung mit Missbrauchten: „Das Treffen machte klar, dass von den vielen Botschaften, die Papst Benedikt XVI. hierhin in die USA bringen wollte, die zu den Missbrauchsfällen zentral ist.” Das Blatt betont auch die positiven Reaktionen von Opferverbänden. Zur Papst-Rede an der Katholischen Universität von Washington bringt die „New York Times” den erstaunten Kommentar eines Professors: „Er hat ja gar keine Rügen erteilt.”
„Pope of Hope”, Papst der Hoffnung – das ist die Schlagzeile der „Daily News”, die auch diesmal wieder ein ganzseitiges Papstfoto auf dem Titelblatt zeigt. Im Innenteil analysiert sie die Lage der katholischen Kirche in New York und sieht ein „erstaunlich gemischtes Bild”: Auf der einen Seite Pfarrei-Schließungen und Priestermangel, auf der anderen Seite eine „spürbare Erneuerung”. Pfarreien – so zitiert die Zeitung einen engagierten Katholiken – seien doch „keine Filialen einer Fast-Food-Kette, die man so einfach öffnen oder wieder schließen kann”. Ansonsten: Bunte Berichte zur Messe Benedikts am Donnerstag in Washington, im Stil „Papst küsst das Baby eines bekannten Baseball-Spielers”.
Die Titelseite der „New York Post” muss sich der Papst mit einem New Yorker Obdachlosen teilen. Dieser Obdachlose hat in einem Papierkorb in der Nähe von „Ground Zero” detaillierte Baupläne des „Freedom Tower” gefunden, der sich hier einmal erheben soll. Pläne, so das Blatt, „die es einem Terroristen leicht machen würden, einen Anschlag auf den Turm zu planen”. Das gleiche 11.-September-Trauma wird fühlbar, wenn die Zeitung im Innenteil Fotos eines Taxis zeigt, das am Donnerstag vor der St.-Patricks-Kathedrale in Flammen aufging. Der danebenstehende Artikel spricht von Angst vor einem Attentat in den nächsten Tagen. Eine ähnliche Nervosität zeigt sich auch in vielen Fernsehberichten am Freitag Morgen über die ungewöhnlich scharfen Sicherheitsmaßnahmen in New York. Zurück zur „New York Post”, zu einem Kommentar im Innenteil: „Trotz Differenzen mit Washington über außenpolitische Themen sieht Benedikt die amerikanische Gesellschaft mit ihrer Verklammerung von Glauben und Vernunft doch als starke Antwort auf einen religiösen Extremismus, der im Namen Gottes tötet.” Nachsatz: „Mal sehen, ob er das auch vor der UNO anspricht.” (rv)

 

 

19.04.08

Papstbesuch in den USA (5. Tag)

 

Messe in der St. Patricks-Kathedrale - Papst mahnt zur Bewältigung der Missbrauchs-Krise
Papst Benedikt XVI. hat die Priester der Vereinigten Staaten erneut zur Bewältigung der Missbrauchs-Skandale aufgerufen. Diese Zeit müsse eine „Zeit der Reinigung“ und der Heilung sein, sagte er in einer Messe mit US-Klerikern und Ordensleuten am Samstag in New York. Sexueller Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche habe großes Leiden verursacht und der Gemeinschaft der Gläubigen Schaden zugefügt. Benedikt XVI. mahnte die rund 3.000 Priester und Ordensleute in der St.-Patrick's-Kathedrale zur Einheit und zur Zusammenarbeit mit den Bischöfen; diese arbeiteten „wirksam daran, dieses Problem zu lösen“.
In der Kathedrale von New York, in der die Messe stattfand, treffen sich jeden Tag tausende Menschen aus aller Welt zum Gebet, diese internationale Mischung sei eines der wichtigsten Merkmale der US-Kirche, die seit jeher Elemente unterschiedlicher Kulturen miteinander verbunden habe, betonte der Papst.„Wahres Leben gibt es nur in Versöhnung, Freiheit und Liebe, die Gottes Gnadengaben sind. Das ist die Botschaft, die wir in einer Welt verkünden und verkörpern müssen, in der die Gnade in den Herzen der Menschen häufig von Egoismus, Gier, Gewalt und Zynismus unterdrückt wird“, sagte der Papst in seiner Predigt. Eine solche frohe Botschaft könnten Priester und Ordensleute aber nur verkünden, wenn sie sich nicht zu sehr auf Routine und feste Strukturen der Kirche konzentrierten.„Vielleicht haben wir eins aus dem Blick verloren“, mahnte der Papst: In einer Gesellschaft, in der die Kirche Vielen als legalistische Institution erscheint, besteht unsere wichtigste Herausforderung darin, die Freude am Glauben und die Erfahrung der Liebe Gottes mitzuteilen.“Die Welt von heute habe eine tiefe Sehnsucht nach Spiritualität, meinte Benedikt. Umso wichtiger sei die Botschaft der Kirche, die aber von Routine bei der Glaubensausübung, Sünden und Schwächen der Kirchenmitglieder und einer Gesellschaft gehemmt werden könne, die mitunter Gott vergessen zu haben scheine und elementare moralische Forderungen verübele.Benedikt warf in seiner Predigt auch einen Blick auf die Entwicklungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Zu den größten Enttäuschungen gehörten demnach seitdem die Spaltungen zwischen verschiedenen Gruppen, Generationen und Mitgliedern der Kirche. Nur wenn die Vertreter der verschiedenen Strömungen ihre Aufmerksamkeit wieder auf Christus konzentrierten und einander zuhörten, könnten sie ihre eigenen Fehler eingestehen und wieder gemeinsam ihren Glauben verkünden, mahnte Benedikt. Geschlossenheit unter den Christen sei für die Verkündung der christlichen Botschaft heute unerlässlich. (rv)

Papst besucht East Park Synagoge
Es war ein persönlicher Wunsch Benedikts XVI., neben der interreligiösen Begegnung am Donnerstag auch noch eigens mit Juden zusammenzutreffen. Aus Rücksicht auf dass Paschafest fand die Begegnung am Freitagnachmittag statt, so daß fromme Juden noch rechtzeitig nach Hause kommen können, wie es die jüdischen Vorschriften verlangen. Mit Gesang empfingen Kinder den Papst. Der Rabbiner der Synagoge, Arthur Schneier, ein Österreicher begrüßte den Papst. Er überlebte den Holocaust und wanderte 1947 in die USA aus. Er würdigte die Bemühungen der katholischen Kirche und besonders Benedikts XVI. im Dialog mit den Juden.In seinem Grußwort sagte der Papst, er wolle den Juden „seinen Respekt und seine Hochachtung“ erweisen.
„Ich weiß genau, dass die jüdische Gemeinschaft einen wichtigen Beitrag für das Leben in dieser Stadt geleistet hat, und ich ermutige alle dies fortzusetzen und Brücken der Freundschaft zu bauen mit allen unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen, die mit euch zusammenleben.“
Auch auf das anstehende jüdische Paschafest ging der Papst ein:
„Ich versichere euch meine Nähe in besonderer Weise in dieser Zeit, in der Ihr euch vorbereitet, die Großtaten des Allmächtigen zu feiern und dem Loblieder zu singen, der so viele Wunder an seinem Volk wirkte. Ich bitte euch alle, meine Grüße und Glückwünsche an alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde weiterzugeben.“
Auch ein Gastgeschenk hatte der Papst im Gepäck: Ein Faksimile einer Miniatur aus einem Kodex, der im Vatikan aufbewahrt wird. Es handelt sich um eine Handschrift, die möglicherweise um das Jahr 1435 in Mantua entstanden ist. Die Miniatur zeigt eine Hochzeitsszene; zum einen wie der Bräutigam der Braut den Ring ansteckt „gemäß dem Gesetz Mose und Israels“ und zum anderen die Hochzeitsgesellschaft bei Musik und Tanz.
Schneier schenkte Benedikt XVI. seinerseits einen Seder-Teller, ein traditionelles Geschirr für die jüdische Passah-Feier. Der Papst dankte sichtlich bewegt. „Ich werde diesen Moment nie vergessen", sagte er auf Deutsch. Schneier, 1930 in Wien geboren, hatte die NS-Verfolgungen in Budapest überlebt; 1947 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus. Für seinen Einsatz für religiöse Toleranz und Dialog erhielt er zahlreiche Ehrungen. Zehn Universitäten zeichneten ihn mit Ehrendoktorwürden aus. Seit 1962 leitet Schneier die Park-East-Synagoge. (rv )

Papst erinnert an Fundamente der Ökumene
Eine Ökumene, die nicht klar an der überlieferten Lehre festhält, ist auf dem Holzweg. Das ist die Botschaft Benedikts XVI. bei dem ökumenischen Treffen, das am Freitagabend in der New Yorker St. Joseph Church stattfand. 250 Vertreter verschiedener Denominationen (Konfessionen) hatten sich in der Kirche der Deutschen versammelt. Wie viele evangelische und evangelikale Kirchen und Sekten es in den USA gibt, weiß wohl keiner genau. Bei dieser Begegnung waren jedenfalls nur die vertreten, die auch beim Weltkirchenrat in Genf dabei sind. Benedikt XVI. beklagte eine säkularistischen Ideologie, die die transzendente Wahrheit bedroht oder gar verwirft.
„Selbst die Möglichkeit einer göttlichen Offenbarung und damit des christlichen Glaubens überhaupt wird oft von Denkweisen in Frage gestellt, die in universitären Kreisen, in den Massenmedien und in der öffentlichen Meinung weit verbreitet sind. Daher ist ein treues Zeugnis um so nötiger. Man erwartet daher von den Christen, Rechenschaft abzulegen von der Hoffnung, die in ihnen ist.“
Um so wichtiger sei da ein einheitliches Zeugnis von der Wahrheit. Dafür sei eine Übereinstimmung in der Lehre notwendig – über die Zeiten hinweg. Diese Einheit gründe zum einen auf dem Bekenntnis der leiblichen Auferstehung Jesu und zum anderen in der Einheit der Dreifaltigkeit. Ein relativistischer Zugang zur christlichen Lehre helfe hingegen nicht weiter – eine Haltung, die sich auch in anderen Bereichen der Gesellschaft finde.
„Wenn die Christen diese falsche Denkweise übernehmen, dann verzichten sie darauf, den christlichen Glauben als objektive Wahrheit vorzustellen, denn man müsste dann nur dem persönlichen Gewissen folgen und die Gemeinschaft wählen, die dem persönlichen Geschmack am besten entspricht. Das Ergebnis davon findet man in der ständigen Entstehung neuer Gemeinschaften, die oftmals institutionelle Strukturen meiden und die Bedeutung des Lehrinhalts für das Leben hintanstellen.“
Auch innerhalb der ökumenischen Bewegung stünden die Christen in Gefahr, die Rolle der Lehre hintanzustellen aus Furcht, sie vertiefe eher die Wunden der Spaltung als sie zu heilen. Ein klares und überzeugendes Zeugnis für das Heil in Christus müsse auf eine normative apostolische Lehre gründen.
„Nur wenn wir fest stehen in der sicheren Lehre (Vgl. 2 Tess 2,15), wird es uns gelingen, auf die Herausforderungen zu antworten, mit denen wir uns in einer sich ändernden Welt auseinandersetzen müssen. Nur so geben wir ein sicheres Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums und für seine moralische Lehre. Diese Botschaft erwartet die Welt von uns.“
Es seien bereits zahlreiche ökumenische Fortschritte gemacht worden, so Bendikt XVI., für die man dankbar sein müsse. Weiter erinnerte der Papst daran, dass ohne das Gebet die Strukturen, die Institutionen und die ökumenischen Programme letztlich herz- und seelenlos seien. (rv)

Für uns ist Stefan Kempis in New York – der Papst war am Freitag bei den Vereinten Nationen. Was waren Ihre Eindrücke?
„Offen gesagt: Es war ein seltsamer Moment. Da trafen sich mit UNO-Chef Ban Ki-Moon und Papst Benedikt zwei Menschen, die vor kurzem noch südkoreanischer Außenminister respektive vatikanischer Glaubensexperte waren. Sie wirkten beide etwas eingeschüchtert oder unbeholfen in ihrer jeweiligen Rolle. Ban ging vor dem Papst her, nicht neben ihm – es sah fast so aus, als habe er dem Papst gar nicht viel zu sagen, als ginge es ihm vor allem um das gemeinsame Foto mit Benedikt XVI. vor der UNO-Fahne. Und darum, dass vom Papst etwas Glanz auf ihn, Ban, abfällt… Bewegend wirkte aber der Moment, als der Papst in den Saal der UNO-Generalversammlung einzog; da gab es sehr freundlichen Beifall und sichtbares Interesse bei den Delegierten. Die Rede des Papstes vor der UNO war dann sicher weltpolitisch ein wichtiger Moment und brachte wichtige Aussagen, zum Beispiel, dass die Staatengemeinschaft intervenieren muss, um schwere Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden – dass sich da ein verbrecherisches Regime nicht hinter seiner Souveränität verschanzen darf. Aber der Diplomatenstil der Rede wird zumindest den Amerikanern, den „Gastgebern“ der Vereinten Nationen, den Zugang erschweren. In den Fernsehnachrichten wurde dann besonders betont, dass Benedikt in der Rede den Irak nicht erwähnt habe. Für die Amerikaner war der Papst im UNO-Palast am East River für drei Stunden im Ausland, und als er die UNO verließ – da war er wieder in Amerika, da konnte der Jubel weitergehen.“
Jubel – bezieht sich das auf die Fernseh-Berichterstattung zur Papstreise?
„Ja, ganz eindeutig. Das Fernsehen berichtet wirklich ununterbrochen über die Visite, und dabei wird das Thema entschlossen von seiner buntesten Seite angepackt. Die Moderatoren informieren ausgiebig über die roten Prada-Schuhe Benedikts und fragen Priester im Studio, ob der Papst in seiner Freizeit auch mal Jeans und T-Shirt trägt (was die leicht verschämt verneinen). Ein kleiner New Yorker Junge, der dem Papst Blumen überreichen darf, wird sofort interviewt und per Live-Schaltung mit seiner Klasse – an einer katholischen Grundschule – verbunden. Dort läuft eine Reporterin zwischen den Bänken herum und fragt die Kinder Dinge wie: Ist das nicht aufregend, in der gleichen Stadt zu sein wie der Mann, der Gott am nächsten steht (the man closest to God)? Ich muss aber sagen: Die Kinder antworten jeweils mit einer anrührenden Würde. Ein kleiner Junge erklärt, er wolle später Priester werden, denn es wäre doch fantastisch, Gott so nahe zu sein. – Im Fernsehen ist auch viel von scharfen Sicherheitsvorkehrungen und zusammenbrechendem Verkehr die Rede – aber ganz so schlimm ist es dann gar nicht, wenn man durch die Straßen von New York läuft.“
Vor der Reise war kritisiert worden, dass der Papst nicht auch andere Städte besucht, zum Beispiel das urkatholische Boston…
„Ja, und ich muss zugeben, so habe ich vorher auch gedacht. Aber gerade Boston ist ja sozusagen die Höhle des Löwen, was die Missbrauchs-Skandale betrifft, und wahrscheinlich wären die übrigen Botschaften, die der Papst in die USA bringen wollte, bei einem Besuch in Boston vom Thema Pädophilie geradezu erstickt worden. Mir scheint es deshalb ein guter „Schachzug“, wenn man das so sagen darf, dass der Papst dann Missbrauchs-Opfer aus Boston – aber in Washington empfangen hat. – Im übrigen, wenn ich das einmal überspitzt formulieren darf: Ganz gleich, welche Städte der Papst besucht, die Menschen bekommen ihn sowieso nicht zu sehen. Es gibt nur wenige öffentliche Auftritte, Benedikt wird sehr abgeschirmt – und dadurch findet der Besuch vor allem im Fernsehen statt. Was aber dazu führt, dass Benedikt tatsächlich alle Amerikaner erreicht, auch, wenn er „nur“ Washington und New York aufsucht.“
Was werden denn die Amerikaner von diesem Besuch in Erinnerung behalten?
„Ich vermute, sie werden sagen: Ach ja, Papst Benedikt – dieser Deutsche. Ein wirklich frommer Mann. Der war doch bei uns und hat offen über die Missbrauchs-Skandale gesprochen. Und ab Sonntag werden sie wohl auch sagen: Der hat doch am Ground Zero gebetet. Ich hoffe, dass sie nicht nur behalten werden, wie gerne Benedikt rote Schuhe trägt!“
Noch einmal zu diesem Freitag: Da war Benedikt ja auch in einer Synagoge und bei einem ökumenischen Gottesdienst.
„Ja – zwei interessante Auftritte. Der Moment in der Synagoge war fast intim, der Raum war ja nicht groß, und Benedikt sagte auf eine sehr nette Weise: „Meine lieben Freunde – Shalom!“ Und beim ökumenischen Gottesdienst hat er viel Beifall für eine Rede bekommen, obwohl diese doch sehr deutlich war und für viele sicher unbequem. Zum Beispiel mit der Aussage, dass man nicht von der Verkündigung der leiblichen Auferstehung Jesu abgehen darf und dass in die Lehre der Christen keine Beliebigkeit einziehen darf.“ (rv)

US-Presse: Papst in Synagoge ist historischer Moment
Große Blätter mit internationaler Leserschaft wie die „Herald Tribune“ oder die „Financial Times“ haben an diesem Samstag den Papst vor der UNO als ihr Titelbild ausgewählt: Benedikt XVI. habe vor der UNO ein Plädoyer für die Menschenrechte gehalten. Bei der nationalen Presse der USA hingegen dominieren Titelfotos, die den Papst in einer New Yorker Synagoge zeigen. „Shalom“, heißt dazu in dicken Lettern in mehreren Zeitungen die Schlagzeile, und allgemein wird die Visite als historisch eingestuft.
Benedikt in der Synagoge – das ist auch das Titelfoto der „New York Times“. Der danebenstehende Leitartikel beschäftigt sich aber mit dem Umgang des Vatikans mit Missbrauchs-Skandalen in der Kirche. Schlagzeile: „Vatikan deutet Änderungen im Kirchenrecht zum Missbrauch an.“ US-Kardinal Levada, der Präfekt der Glaubenskongregation, habe bei einem Dinner spontan geäußert, dass der Vatikan vielleicht die Verjährungsfristen bei Missbrauchs-Fällen revidieren könnte. Vertreter der US-Kirche sind nach Angaben des Blattes froh, dass der Papst das Thema Pädophilie-Skandale so beherzt angesprochen hat. Die Bischöfe hätten monatelang im Vatikan Druck gemacht, dass der Papst doch ein Treffen mit Opfern in sein Programm aufnehmen solle; im Februar sei dann eine Zusage gekommen. Dieser Darstellung scheint allerdings ein Zitat des Bostoner Kardinals Sean O`Malley etwas zu widersprechen, das die „New York Times“ im Innenteil wiedergibt: „Wir machten Vorschläge, sie machten Vorschläge. Aber dieses Treffen mit den Opfern war vor allem eine persönliche Initiative des Papstes.“ Den Auftritt Benedikts vor der UNO nennt das Blatt eine „Globale Botschaft der Menschlichkeit“, so die Überschrift des Artikels, und ansonsten bringt es eine interessante Recherche über die Geschichte der Deutschen in New York.
„Er zieht sie an den Ohren“ – das ist die Schlagzeile des spanischsprachigen „Diario“ zur UNO-Rede des Papstes. Benedikt habe vor allem „Machtkonzentration angeprangert“. Die Zeitung berichtet über Proteste gegen den Papst in der Nähe des UNO-Gebäudes, die in anderen Blättern kaum vorkommen, und stellt eine Latina vor, die angibt, auf Fürsprache Johannes Pauls II. geheilt worden zu sein. Die „Daily News“ gibt ein verblüffendes Beispiel dafür, was der Papstbesuch in New York so alles bewirkt: Kinder hätten, um den Papst sehen zu dürfen, ihre Zimmer aufgeräumt.
„Wären Sie nicht auch gern ein Papst?“ fragt die „New York Post“ in einem Kommentar. Aber dann geht es, wie sich herausstellt, um Priesterberufungen: „Der Papstbesuch hätte in keinem besseren Augenblick kommen können als jetzt, da die US-Kirche am Boden liegt, weil ihr die Priester ausgehen“, urteilt das Blatt. „Vielleicht ist das genau der richtige Augenblick, um eine Wende einzuleiten.“ Wie viele andere Zeitungen bringt das Blatt bunte, teilweise rührende Berichte über die Menschen, die die Straßen säumen, um dem vorbeifahrenden Papst zuzuwinken. Dass eine Star-Köchin für den Papst das Dinner zusammenstellen durfte, wird ebenfalls erwähnt – und dass die Sicherheitsmaßnahmen so scharf sind, dass sogar der New Yorker Kardinal Egan einen umgehängten Ausweis um den Hals tragen müsse. Tenor in den Blättern ist allgemein, was „Newsday“ in einer Überschrift formuliert: „Journey of reconciliation“ – eine Reise der Wiederversöhnung. (rv)

USA: Die politischen Implikationen des Papst-Besuchs
Die Papstreise ist nicht nur eine rein religiöse Veranstaltung, sie hat auch politische Implikationen – die Stichworte heißen da Wahlkampf, George Bush, UNO. Darüber sprach unser Korrespondent Stefan Kempis mit dem New Yorker Verantwortlichen der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung, die den Sozialdemokraten nahesteht. Erste Frage an Jürgen Stetten: Woher kommt dieses überraschend große Interesse der Amerikaner am Papstbesuch?
„Die amerikanische Gesellschaft ist sehr stark von Religion beeinflusst, und Religion spielt hier im öffentlichen Bewusstsein, aber auch im Leben der Menschen eine viel größere Rolle als in Deutschland. Deshalb überrascht mich das überhaupt nicht, dass die Amerikaner sehr emotional und auch sehr interessiert auf diesen Papstbesuch reagieren.“
Wie kommt es zu dieser Rolle der Religion, auch in der öffentlichen Wahrnehmbarkeit? Es gibt doch auch hier in den USA eigentlich die Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften.
„Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, dass ausgerechnet dieses Land, das einerseits historisch sozusagen aus der Abkehr von der Staatskirche in England entstanden ist, der Religion so eine starke Rolle gibt… dass auch der Präsident persönlich den Papst am Flughafen abholt, ein Privileg, das er keinem anderen Staatschef, der in seiner Amtszeit die USA bereist hat, zuteil werden ließ. Doch man muss andererseits natürlich sehen: Im Leben der Menschen spielt Religion eine sehr große Rolle, und die Engländer, die damals nach Amerika ausgewandert sind, sind ja hierhin gekommen, um Freizügigkeit in der Religionsausübung zu haben. Die Amerikaner sehen es auch nicht als Widerspruch an, dass staatliche Funktionsträger gegenüber religiösen Praktiken oder Würdenträgern keinerlei Berührungsängste haben. Aber sie nehmen insgesamt eine sehr offene Haltung verschiedenen Religionen gegenüber ein. Man muss also auch berücksichtigen,dass dieses Privileg dem Papst zuteil wird, hat auch damit zu tun, dass man gleichzeitig auch anderen Religionen gegenüber sehr, sehr offen ist.“
Sie beobachten hier die Spätphase der Regierung Bush, und wie Sie gesagt haben, hat Bush den Papst mit allen Honneurs empfangen, die nur möglich sind. Ist – paradox formuliert – der Papst jetzt aus politischer Sicht so etwas wie Bushs letzter Verbündeter im Westen?
„Ja – man kann es schon so sehen, dass Bush diese Gelegenheit nutzt, um auch mal wieder in der Öffentlichkeit stark aufzutreten und sich als beliebter, von außerhalb der USA von wichtigen Personen gefragter Gesprächspartner und Gastgeber zu präsentieren. Er musste ja in den letzten Monaten und Jahren einige Kritik einstecken, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg, und solche Gelegenheiten hat er nicht allzu oft – das spielt natürlich eine große Rolle. Aber ich glaube, dass auch jeder andere Präsident einen solchen Besuch ähnlich genutzt hätte.“
Benedikt XVI. wird auch an Ground Zero in Manhattan beten, dem Ort der Terroranschläge vom 11. September 2001. Was, glauben Sie, wird das für ein Bild sein, und wie wird es auf die amerikanische Öffentlichkeit wirken?
„Ich halte es für eine sehr gute Entscheidung, dass er dort auftreten wird. Wir haben eben über das Thema Emotionalität gesprochen – natürlich ist der Anschlag vom 11. September 2001 das größte, emotionalste Thema, was die amerikanische Öffentlichkeit nach wie vor bewegt. Ich denke, er war gut beraten, dort ein Zeichen zu setzen, und ich denke, dass das von der Öffentlichkeit hier sehr positiv wahrgenommen wird.“ (rv)

New York: St.-Patricks-Kathedrale – Ein Porträt von Stefan Kempis
Schauplatz der Papstmesse von diesem Samstagmorgen: die St.-Patricks-Kathedrale von New York. Ein Kurzporträt der Kirche von Stefan Kempis, der sie am Abend vor der Papstmesse besucht hat.Wir sind in „Midtown“, dem Stadtviertel der Wolkenkratzer, schicken Geschäfte und Menschenmassen. Gelbe Taxis und Polizeiautos rasen durch die – ja, hier kann man wirklich von „Straßen-Schluchten“ sprechen. Es ist gleichzeitig ein Viertel mit vielen Kirchen: anglikanischen, orthodoxen, protestantischen usw. Katholische St.-Patricks-Kirchen gibt es nun zwei in New York: eine ältere an der Südspitze von Manhattan, da wo die italienischen und irischen katholischen Einwanderer als erstes Fuß fassten. Und diese hier, die „Neue“ oder „Große“ St.-Patricks-Cathedral: ein neugotischer Bau aus hellem Stein mit zwei Türmen, der inmitten dieser Hochhäuser zunächst winzig wirkt.Der Eindruck ändert sich aber, wenn man die Kathedrale betritt: Sofort umgibt einen größere Stille, und dem Betrachter werden die Dimensionen des Gebäudes klar. 100 Meter Länge, 50 Meter Breite – ein hoher Raum, würdiges 19. Jahrhundert. Etwa 3000 Menschen finden hier Platz. Schon am Eingang eine kleine Büste von Papst Paul VI., eine größere von Johannes Paul II. – beide haben diese Kirche während ihrer Amtszeit besucht – und ein Gemälde von Benedikt XVI., das gerade erst fertig gemalt zu sein scheint. Eine Besucherin erkundigt sich bei einem freiwilligen Helfer von einer Kirchenbank zur nächsten, wann denn der Papst kommt. Machen Sie sich da keine Hoffnungen, antwortet der – den bekommen Sie nicht zu sehen, da wird hier alles komplett abgesperrt.Überall in der Kirche weiße Marmordekorationen. Links und rechts Kapellen, die den großen Heiligen der Einwanderer geweiht sind, welche hier beten: Die Polen haben zum Beispiel eine Kapelle mit dem enigmatischen Gesicht der Schwarzen Madonna von Tschenstochau. Über dem Hauptaltar: ein detailfreudig gearbeitetes, goldenes Ziborium. Unter denen, die in dieser Kathedrale beigesetzt sind, ist auch Pierre Toussaint: ein freigelassener haitianischer Sklave mit großem religiösem Charisma. Das Erzbistum von New York bemüht sich um seine Seligsprechung.Es ist halb sechs Uhr abends: Ein Priester beginnt mit der letzten Messe vor Benedikt. In ein paar Stunden zelebriert hier der Papst. In Washington hat er nicht die Kathedrale besucht – hier in New York tut er es. (rv)

 

 

20.04.08

Papstbesuch in den USA (6. Tag)

„Herr, bring deinen Frieden in unsere Welt der Gewalt .“ - ein Stimmungsbericht von Stefan Kempis
An diesem Sonntag Morgen hört man in Manhattan ständig Polizeisirenen heulen, und über den Hochhäusern knattern Hubschrauber. Es ist ein grauer, nebliger Tag; die Spitze des „Empire State Building“, des seit dem Terror-September 2001 höchsten Hochhauses hier, verschwindet im Dunst. Rund um Ground Zero: Dutzende von Kaugummi-kauenden Polizisten, abgesperrte Straßen, viele Fernsehkameras; viele New Yorker auch, die sehen wollen, wie der Papst hier betet. An normalen Wochenenden ist der Ort, wo einmal das „World Trade Center“ stand, eine riesige Baugrube; für den heutigen Anlass haben Arbeiter eine riesige Rampe in die Grube hinein gebaut, geschmückt mit US-, New-York- und Vatikan-Fahnen.

In der Grube, siebzig, achtzig Meter unter Straßenniveau, von Scheinwerfern hell angestrahlt: eine für diesen Anlass geschaffene Ebene, wo den Papst einige Lokalpolitiker erwarten, Überlebende des 11. September, Angehörige von Terror-Opfern und Helfer.

Leise Cellomusik erklingt, als das Papamobil langsam die Rampe zum „Bed Rock“ hinunterfährt. Benedikt trägt wegen der Kühle einen Mantel, sein Sekretär und New Yorks Kardinal Egan begleiten ihn; die kugelsicheren Fenster des Papst-Autos sind geschlossen, ein paar Sicherheitsleute begleiten es zu Fuß. Der Papst geht zielstrebig zu einer weißen Kniebank, die in der Mitte steht, und betet still; derweil hat auch die Musik ausgesetzt, man hört nur das Klicken der Foto-Blitzlichter. Dann entzündet er, während immer noch Stille herrscht, eine Kerze und schützt dabei die Flamme mit der Hand, damit sie nicht ausgeht, denn es ist windig hier unten. Und schließlich betet er laut ein vorbereitetes Gebet, Kernsatz: „Herr, bring deinen Frieden in unsere Welt der Gewalt.“

Benedikt besprengt den Ground Zero mit Weihwasser, dann erteilt er seinen Segen. Einer nach dem anderen treten die etwa dreißig Menschen, die hier unten auf ihn gewartet haben, zu ihm, Menschen, die in irgendeiner Weise vom Terror des 11. September betroffen waren; Kardinal Egan stellt sie vor, und sie geben dem Papst die Hand – viele küssen auch seinen Ring – und reden kurz mit ihm. Unter ihnen ist auch die Schwester des Franziskanerpaters, der beim Einsturz des Nordturms starb, als er gerade Verletzten zur Hilfe eilte. Um zehn Uhr Ortszeit läuten kurz die Glocken von der alten St-Pauls-Chapel herüber. Noch ein Händedruck mit den anwesenden Politikern, dann schlägt Benedikt XVI. ein Kreuzzeichen, verbeugt sich grüßend und besteigt wieder das Papamobil. Sein Besuch an Ground Zero hat keine dreißig Minuten gedauert. Eine nüchterne, ernste Zeremonie. Seine Kerze ist gleich wieder ausgegangen; eine Frau von der Sicherheit zündet sie mit ihrem Feuerzeug wieder an. Einige der Menschen, die gerade am Ground Zero dem Papst begegnet sind, knien sich jetzt auch auf Benedikts Kniebank und beten einen Moment… (rv)


Ground Zero und die Bomben auf Köln – Gedanken eines alten Amerikaners
Daniel Coleman ist ein New Yorker Banker und Finanzexperte – Amerikaner, aber aufgewachsen im Rheinland. Er hätte zu gerne den Papst am „Ground Zero“, dem Schauplatz der Terroranschläge des 11. September 2001, getroffen, um sich mit ihm zu unterhalten. Unser Korrespondent Stefan Kempis fragte Coleman kurz vor dem Papst-Gebet am „Ground Zero“, was das für ein Bild sein wird – der betende Benedikt an der Stelle des zerstörten „World Trade Center“.

 

Papst an die Jugendliche: „Die Wahrheit ist nichts Aufoktroyiertes“
Einen Vorgeschmack auf das kommende Weltjugendtreffen in Sydney: Papst Benedikt hat in New York Jugendliche und Seminaristen im Priesterseminar „St. Joseph“ getroffen. Zur Begrüßung spielte ein Jugendorchester der Bewegung „Comunione e Liberazione“ ein Willkommenslied. Der Gastgeber des Treffens war Kardinal Edward Egan, Erzbischof von New York. Er stellte Benedikt XVI. 15 Jugendliche vor, zwei davon sind junge Seminaristen und zwei Ordensfrauen. Insgesamt waren über 20.000 Jugendliche anwesend. Dann überreichten die 15 Vertreter der Jugend dem Papst Brot, Reis und Mais als Symbole für die kulturelle Vielfalt der amerikanischen Kirche sowie sechs Bilder von Heiligen, Seligen und „Diener Gottes“ aus der ostamerikanischen Metropole. Und da der Papst an diesem Samstag sein drittes Amtsjahr feierte, sangen die Jugendliche ihm zu Ehren ein Lied auf Deutsch. Der Papst bedankte sich dafür und lobte ihre „Deutschkenntnisse“. Anschließend hielt er eine Rede an die Jugend.
„Meine Jahre als „Teenager“ sind ruiniert worden von einem unglückseligen Regime, das glaubte, für alles Antworten zu haben; sein Einfluss wuchs – und drang in Schulen und andere gesellschaftlichen Einrichtungen ein, wie auch in die Politik und sogar in die Religion – bevor man erkannte, was für ein Monstrum dieses Regime war. Dieses Regime ächtete Gott, und so wurde es unempfänglich für alles, was es an Wahrem und Gutem gab. Viele Eurer Eltern und Großeltern werden euch von dem Horror der Zerstörung erzählt haben, der darauf folgte. Einige von ihnen kamen in der Tat nach Amerika, um diesem Terror zu entkommen.“
Die Jugend sei immer auf der Suche nach der Wahrheit, so der Papst weiter.
„Und anstelle der Wahrheit – oder besser ihrer Abwesenheit – hat sich die Vorstellung breit gemacht, dass man die Freiheit dadurch sichert und dadurch das Gewissen befreit, indem man unterschiedslos allem denselben Wert beimisst. Und das genau nennen wir Relativismus. Aber welches Ziel hat eine „Freiheit“, die im Leugnen der Wahrheit das Falsche und Ungerechte verfolgt? Wie vielen Jugendlichen hat sich eine Hand angeboten, die sie im Namen der Freiheit in die Drogensucht geführt hat, zur moralischen oder intellektuellen Verwirrung, zur Gewalt, zum Verlust der Selbstachtung, ja zur Verzweiflung und auf diese Weise tragischerweise bis hin zum Selbstmord? Liebe Freunde, die Wahrheit ist nichts Aufoktroyiertes. Noch ist sie einfach eine Ansammlung von Regeln. Wahrheit bedeutet, jemanden entdecken, der uns nie verrät; Sie bedeutet, jemand entdecken, auf den wir immer vertrauen können.“
Freiheit sei ein wichtiges Gut, so der Papst.
„Die fundamentale Bedeutung der Freiheit muss strengstens geschützt werden. Es ist daher nicht überraschend, dass viele Individuen und Gruppen laut und öffentlich ihre Freiheit einfordern. Aber die Freiheit ist ein delikater Wert. Sie kann missverstanden oder schlecht gebraucht werden, so dass sie nicht in das Glück führt, das wir uns alle von der Freiheit erwarten, sondern in ein dunkles Szenario der Manipulation, in dem unsere Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der Welt durcheinander gerät oder gar verzerrt wird von Leuten, die im Geheimen ihre eigenen Ziele verfolgen.“ (rv)

„Starke Emotionen“ - Ein Tagesrückblick auf den Samstag von unserem Korrespondenten in New York Stefan Kempis

Wie war der vorletzte Reisetag des Papstes?

Also, er hat mit starken Emotionen angefangen. Die New Yorker sind schon seit Tagen durch Dauerberichterstattung in den Medien, durch Staus und Polizei auf die Visite vorbereitet worden – jetzt wollten sie den Papst aber auch wirklich sehen. Darum kamen sehr viele am Morgen nach Manhattan, um in der Nähe der Patricks-Kathedrale wenigstens einen Blick auf diesen Mann zu werfen, von dem die Presse immer wiederholt, er stehe Gott näher als irgend jemand sonst. Das war ein besonderer Moment, denn so viele Momente gibt es nicht auf dieser Reise, bei der die Menschen ohne Platzkarten und Schlangestehen den Papst sehen können. – Die Messe in der Kathedrale wirkte dann irgendwie sehr europäisch: Sie hätte vom visuellen Eindruck her auch irgendwo in Europa, in Irland etwa, stattfinden können. Die Predigt Benedikts war meiner Meinung nach die beste, die er bisher in den USA gehalten hat: Der Versuch, die bösen Geister der Pädophilie-Skandale und der Entmutigung auszutreiben.
Am Nachmittag gab es dann ein großes Jugendtreffen mit dem Papst…
Ja – ein richtiges Fest, wie die Amerikaner das eben können, mit Popstars und Tänzern, die einheizten, bevor der Papst kam. Für Benedikt XVI. war das vielleicht fast schon ein bisschen zuviel Geschrei und Jubel, man sah ihm an diesem Samstag eine große Müdigkeit an, aber auch eine gewisse innere Bewegung. Der schönste Moment war aber wohl gar nicht dieses Jugendfest mit dem Papst, sondern kurz vorher seine Begegnung mit Behinderten; dieser Papst wirkt eben besonders im kleineren Rahmen. Das hat man auch schon am Freitag bei seinem Besuch einer Synagoge gesehen.
Dieser Besuch in der Synagoge ist ja in den amerikanischen Medien wie ein Durchbruch gefeiert worden – woran liegt das?
Ja, das hat mich auch überrascht. Es wird wieder und wieder betont, das sei der erste Papstbesuch in einer Synagoge auf US-Boden. Wahrscheinlich liegt es an der starken jüdischen Präsenz in New York, dass dieser Programmpunkt soviel Beachtung fand. Und es war auch von der Stimmung her etwas ganz Anderes als seine Visite in der Kölner Synagoge: Dort dominierte damals die Erinnerung an den Holocaust und das mahnende „Nie wieder“; hier in New York gab es schon die Feststimmung wegen des Osterfestes, das die Juden gerade feiern. Außerdem sprach in Köln der Rabbiner nur gebrochen deutsch; hier in New York dagegen war es ein Mann aus dem, sagen wir mal, gleichen Kulturkreis wie der Papst, aus dem österreichischen nämlich. (rv)
 

„Benedikts Charisma der Ehrlichkeit“ – Presseschau vom Sonntag, zusammengestellt von Stefan Kempis
Die New Yorker Zeitungen bringen zum Papstbesuch Sonderseiten mit vielen Fotos und bunten Berichten. „Come to papa“, Kommt zum Papa, titelt die „New York Post“ und zeigt einen Benedikt auf dem ganzseitigen Titelbild, der lachend die Arme ausbreitet. „Die Leute spüren sein Charisma der Ehrlichkeit“, meint eine Kommentatorin im Innenteil des Blattes und fährt fort: „Wen das nicht anrührt, der ist überhaupt nicht lebendig.“ Der Artikel fährt fort: „What a hit, what a trip, what a triumph – welch ein Schlag, welch eine Reise, was für ein Triumph! Aber da war noch mehr: Seit dieser Woche ist Benedikt wirklich der Führer der Katholiken in Amerika. Ein Durchbruch, den er auf seine sanfte Tour erreicht hat. Die Amerikaner kennen ihn jetzt.“ In einem weiteren Artikel der „New York Post“ wird über den baldigen Abgang des bei vielen unpopulären New Yorker Kardinals Edward Egan spekuliert – und ausführlich über einen Wasserfleck berichtet, der an einer Zimmerdecke in der Stadt aufgetaucht sei und das Gesicht Jesu zu zeigen scheine. Ein Wunder?

Respekt für Ground Zero
„City of Love“, Stadt der Liebe – das ist die Schlagzeile der „Daily News“, ebenfalls mit Papstbild auf dem Titel und mit 12 Sonderseiten zur Visite. Ein Kommentator schreibt zum Gebet Benedikts an „Ground Zero“, dem Ort des Terrors vom 11. September 2001: „Dieser Respekt des Papstes für Ground Zero macht ihn zu einem heiligen Ort. Und beschämt alle, die den Ground Zero nur noch wie eine Baustelle behandeln.“ Dass der Papst an diesem Sonntag an die Terror-Opfer des 11. September erinnert, beschäftigt auch die Zeitung „Newsday“: Sie porträtiert den Priester, der beim Einsturz des „World Trade Center“ starb: Michael Judge, ein Franziskaner. Feuerwehr-Seelsorger, sozial engagiert, vor allem im Kampf gegen Aids, alkoholkrank – eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. „Ein New Yorker eben“, urteilt „Newsday“ stolz. Und schreibt dann: „Wenn der Papst zum Ground Zero hinabsteigt, dann wird er dort in Gedanken auf Father Michael treffen. Zwei katholische Priester: ein Deutscher und ein New Yorker. Ein majestätischer und ein ganz gewöhnlicher. Alte und neue Kirche. Gott segne sie alle beide.“

Die Papstreise nimmt in den Medien einen breiten Raum ein
Auch „Newsday“ berichtet mit 16 Seiten ausführlich und sehr positiv über den Papstbesuch – vor allem über die Freude der Menschen in der Stadt, den Papst bei sich zu haben und wenigstens aus der Ferne einmal zu sehen. Ein Artikel beschäftigt sich mit dem früheren New Yorker Bürgermeister und Ex-Präsidentschaftskandidaten Rudy Giuliani, der am Samstag bei der Messe Benedikts in der St.-Patricks-Kathedrale dabei war. Giuliani ist Katholik, aber zum dritten Mal verheiratet und ein Befürworter der Abtreibung – und dennoch ging er bei der Papstmesse zur Kommunion. Ob ihm das nichts ausmache, dass er damit ein strenges kirchliches Gebot breche? Seine Antwort: „No.“

Einwanderer – in den USA ein heißes Eisen
Die „New York Times“ macht auf ihrer Titelseite, aber nicht sehr prominent platziert, den Einsatz des Papstes für Einwanderer zum Thema. Benedikt „rührt an einen wunden Punkt“, heißt die entsprechende Überschrift. Zwar habe sich der Papst bemüht, sich bei seinem Eintreten für die Immigranten aus der politischen Debatte in den USA herauszuhalten. Doch ein republikanischer Politiker aus Colorado, den man als Gegner der „Illegals“ kennt, reagiere sehr scharf: Das sei „Marketing auf Glaubens-Basis“. Dem Papst gehe es offenbar darum, „auf Biegen und Brechen neue Kirchenmitglieder zu gewinnen.“ Die „New York Times“ gibt zu bedenken, dass viele der katholischen Latinos, die in die USA kommen, dort zu pfingstkirchlichen Bewegungen „überlaufen“. In einem weiteren Artikel urteilt die Zeitung, dem „Schatten Johannes Pauls“ könne sein deutscher Nachfolger nicht entkommen; die Zuneigung zum früheren Papst sei „immer noch außergewöhnlich“. (rv)

 

 

20.04.08

Kurienkardinal López Trujillo gestorben

Und eine traurige Nachricht erhielt der Papst während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten: Der kolumbianische Kurienkardinal, Alfonso Lòpez Trujillo, ist am Samstag im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Präsident des Päpstlichen Familienrates befand sich seit einem Monat wegen Gesundheitsproblemen in einer römischen Klinik. Lopez äußerte sich immer wieder zu Sexualmoral und Empfängnisverhütung, zu Abtreibung und Euthanasie. Er war bekannt für konservative und zum Teil deutlichen Stellungnahmen. Lopez galt als ausdrücklicher Gegner der Befreiungstheologie. Nach seinem Tod zählt das Kardinalskollegium 195 Mitglieder. Von ihnen sind nun 118 jünger als 80 und dürften somit an einer Papstwahl teilnehmen.
Lopez wurde am 8. November 1935 als Sohn einer Oberschichtfamilie in Villahermosa im Bistum Ibague geboren. Er studierte in Bogota und Rom, 1962 kehrte er in seine Heimat zurück. Bekannt wurde er, als er 1968 bei der zweiten Vollversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM in Medellin mitwirkte. 1972 wurde der inzwischen zum Weihbischof beförderte Geistliche CELAM-Generalsekretär. Auch bei der Vorbereitung der CELAM-Generalversammlung in Puebla 1979 wirkte Lopez Trujillo mit; im selben Jahr ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Medellin, wenig später wurde er CELAM-Präsident. 1990 verließ Lopez Kolumbien und folgte dem Ruf des Papstes nach Rom. (rv)

 

 

21.04.08

Von der USA-Reise zurück

USA-Reise: Papst dankt für Gastfreundschaft…
Papst Benedikt XVI. ist von seiner USA-Reise in den Vatikan zurückgekehrt. Nach achtstündigem Flug traf die Sondermaschine um 10.35 Uhr auf dem römischen Flughafen Ciampino ein. Von dort begab er sich in den Vatikan. Benedikt XVI. hatte seit Dienstag Washington und New York besucht. Es war die achte Auslandsreise des Kirchenoberhaupts.
Am Sonntagabend um 22.00 Uhr Ortszeit, also gegen 2.00 Uhr nachts mitteleuropäischer Zeit, hatte Benedikt XVI. seinen Besuch in den Vereinigten Staaten beendet. Bei der Abschiedszeremonie auf dem Flughafen „Kennedy“ in New York versammelten sich rund 5.000 Menschen der Diözese Brooklyn, sowie zivile und kirchliche Autoritäten. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Richard B. („Dick“) Cheney, dankte dem Papst für seinen Besuch an der Ostküste.
Benedikt XVI. bedankte sich für die herzliche Aufnahme und Gastfreundschaft.
„Es war eine Freude für mich, Zeuge des Glaubens und der Hingabe der katholischen Gemeinschaft hier zu sein“, so der Papst wörtlich. Zugleich erinnerte er an die Treffen mit Vertretern anderer christlicher Konfessionen und anderer Religionen während seiner Reise. Er sprach ihnen seinen Respekt und seine Wertschätzung aus.

…und mahnt zu Gerechtigkeit
Als einen Höhepunkt seines Besuchs nannte Benedikt XVI. die Möglichkeit, vor der UNO-Vollversammlung sprechen zu dürfen. Erneut erinnerte er an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren und äußerte sich dankbar für die erreichten Fortschritte beim Schutz der Grundrechte. Zugleich rief er zu einem unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander zwischen Völkern und Nationen auf.
Mit Blick auf Ground Zero sagte der Papst, der Besuch werde seinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt bleiben. Er bete für eine Zukunft mit größerer Brüderlichkeit und Solidarität, wachsendem gegenseitigen Respekt und einem erneuerten Glauben an und Vertrauen in Gott. Zum Abschied rief Benedikt XVI.: „Gott schütze Amerika“.
Ein Helikopter der US-Luftwaffe hatte den Papst von Manhattan zum 30 Kilometer entfernten internationalen Flughafen gebracht. Von dort startete Benedikt XVI. an Bord einer Sondermaschine nach Italien. (rv/kna)
 

USA: Gebet am Ground Zero
Vielbeachtet und erwartet: Der Besuch Benedikts XVI. am Ground Zero, wo bis zum 11. September 2001 das World-Trade-Center stand. In der Grube, siebzig, achtzig Meter unter Straßenniveau, von Scheinwerfern hell angestrahlt, stand eine für diesen Anlass geschaffene Ebene, wo den Papst einige Lokalpolitiker, Überlebende der Terroranschläge des 11. September, Angehörige von Terror-Opfern und Helfer erwarteten.
Papst Benedikt XVI. besuchte den Gedenktort in Manhattan am Sonntag. Dort sprach er ein Gebet für die Opfer des Terroranschlags. Es war einer der emotionalen Höhepunkte der sechstägigen USA-Reise des Kirchenoberhaupts.
 

Vatikan: P. Lombardi über die Bedeutung des Besuchs an Ground Zero
Auch der Leiter des vatikanischen Pressesaals und Generaldirektor von Radio Vatikan, Pater Federico Lombardi, zieht ein positives Resümee. Vor allem der Besuch Benedikts XVI. an Ground Zero habe – neben der Rede vor der UNO - eine entscheidende Bedeutung gehabt:
„Der Papst ist dorthin gegangen, um zu beten. Er hat keine großen Reden gehalten. Er ist dorthin gegangen, um in sich zu gehen. Und so ist sein Besuch auch eine Einladung an uns, über dieses Geheimnis nachzudenken, das der 11. September darstellt. Es ist das Geheimnis des Bösen, das sich mit einer unverständlichen Aggressivität und Gewalt in unserer Geschichte und auch immer wieder in unseren Tagen zeigt. Eine selbstzerstörerische Gewalt, die den Tod Tausender Unschuldiger in Kauf nimmt, ohne sich darum zu kümmern, dass damit die Existenzen vieler Menschen ausgelöscht oder zutiefst erschüttert werden. Zugleich hat dieser Besuch aber auch daran erinnert, dass sich Menschen in erschütternder Weise mit anderen solidarisch gezeigt haben! Mir war nicht klar, dass von den 3.000 Opfern 400 Helfer sind, die bei den Rettungsaktionen ums Leben kamen. Es sind mehr als 340 Feuerwehrmänner ums Leben gekommen. Zum Tod der Unschuldigen ist also auch noch das Opfer derjenigen gekommen, die ihr Leben hingegeben haben, um anderen zu helfen.“
Das dürfe man nicht vergessen, so Lombardi.
„Das ist das Element der Hoffnung, das in diesem dramatischen und tragischen Ereignis verborgen liegt. Das gibt uns die Kraft, nach vorne zu schauen, weil wir sagen können: „Es gibt nicht nur das Böse, es gibt auch das Gute!“ Mit dieser Einstellung müssen wir in die Zukunft schauen. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, sondern wir müssen weiter mitarbeiten an der Gestaltung einer besseren gesellschaftlichen Zukunft auf der Basis der Prinzipien, an die Benedikt XVI. vor der UNO erinnert hat, also die Menschenwürde, die Anerkennung Gottes als den Schöpfer und all jene Prinzipien, die zu erkennen Christus, unsere Hoffnung, uns hilft.“ (rv)

 

Vatikan: Papst der Hoffnung – ein Kommentar
Benedikt XVI. ist zurück im Vatikan. Ein Kommentar zur achten Auslandsreise des Papstes von Pater Eberhard von Gemmingen:
„Es mag uns erstaunen, dass die USA-Reise des Papstes „drüben“ offenbar als großer Erfolg wahrgenommen wurde. Die Medien an der Ostküste jedenfalls haben den Papst als Hoffnung gefeiert - „The pope our hope“. Registriert wird, dass er nicht von Terrorismus gesprochen, wohl aber für alle Menschen gebetet hat, die von Hass bewegt werden. Auch ein herausragender französischer Muslim hat gegenüber Radio Vatikan den Auftritt von Benedikt sehr gelobt. Ähnliche muslimische Stimmen gibt es im arabischen Raum. Wichtiger aber ist das Papstlob aus den USA selbst. Man muss registrieren: Mit den zwei schwersten Übeln der USA – Kindesmissbrauch und Anschlag auf das World-Trade-Center – hat sich der Papst meisterhaft auseinandergesetzt. Und vor allem gilt: In den USA sind Modernität und Religion keine Gegensätze. Dort gelten ganz nach Benedikts Geschmack Glaube und Vernunft. Und wenn wir Europäer heute oft wegen der US-Politik auf Amerika hinunterschauen, so sollten wir vielleicht auch registrieren, dass sie uns voraus sind im entspannten Verhältnis zwischen Glaube und Modernität. Von Untergang der Religion kann „drüben“ nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Religion ist so normal wie Elektronik. Wir Europäer hinken hinterher mit unserem Verstecken des Religiösen. Wir glauben noch allzu oft den Scheingelehrten, die behaupten, Religion sei vorbei. Millionen Amerikaner, Afrikaner und Asiaten lehren uns: Mit Religion lebt es sich besser.“ (rv)

 

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5/2008

 

 

01.05.08

Vatikan: Papst lobt US-Gesellschaft

Die Kirche muss sich weiterhin für internationale Beziehungen im Zeichen von Verantwortung und Solidarität einsetzen. Das hat Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch betont. Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz hielt er Rückschau auf seine Pastoralreise in die USA. In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung habe er vor allem die große Bedeutung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren unterstreichen wollen.
Die Vereinigten Staaten bezeichnete das Kirchenoberhaupt als „Heimat der Religionsfreiheit“. Von jeher wirkten dort religiöse, ethische und politische Prinzipien zusammen. Das Land sei ein gelungenes Beispiel für eine „gesunde Laizität“. Die Kirche könnte in voller Freiheit ihren Verkündigungsdienst ausüben und gleichzeitig als „kritisches Gewissen“ zum Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft beitragen, betonte Benedikt XVI.
Auf Deutsch sagte er:
„Die ereignisreichen Tage vom 15. bis zum 21. April standen unter dem Motto ,Christus unsere Hoffnung’. Mein Ziel war es, als Nachfolger Petri meine Brüder und Schwestern im Glauben an den Auferstanden zu stärken und zu einem geisterfüllten Dienst an ihren Mitmenschen und an der Gesellschaft zu ermutigen. Die zahlreichen, auch für mich persönlich bereichernden Begegnungen und liturgischen Feiern kann ich hier nur kurz ansprechen: der Empfang im Weißen Haus, das Treffen mit den Bischöfen und mit den Professoren und den Studierenden katholischer Bildungseinrichtungen, die heilige Messe im Stadion von Washington, der Austausch mit Vertretern anderer Religionen, besonders mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern, die ökumenische Vesper, die Ansprache bei den Vereinten Nationen anlässlich des 60. Jahrestags der Menschenrechtserklärung, die Eucharistiefeier mit Priestern und Ordensleuten in der St.-Patricks-Kathedrale, die stillen Minuten des Gebets am Ground Zero in Manhatten, das Jugend- und Seminaristentreffen und schließlich der Abschlussgottesdienst im Stadion von New York.“
An die rund 20.000 Gläubigen wandte Benedikt sich in zehn Sprachen. Sein Segenswunsch für die deutschsprachigen Pilger:
„Beten wir, dass diese jüngste Apostolische Reise reiche Frucht bringe und dass der Heilige Geist, den wir in den Tagen vor Pfingsten mit der ganzen Kirche erwarten, unseren Glauben erneuere. Der Herr segne euch und eure Familien.“ (rv)

 

 

14.05.08

Kardinal Bernardin Gantin, früherer Dekan des Kardinalskollegiums, ist tot

Der aus Benin stammende westafrikanische Kirchenmann starb am Dienstag im Alter von 86 Jahren in einer Pariser Klinik, wie an diesem Mittwoch bekannt wurde. Gantin, der 1978 zum Präsidenten des Päpstlichen Rats Cor unum und 1984 zum Präfekten der Bischofskongregation ernannt wurde, war der erste Afrikaner an der Spitze einer Vatikan-Behörde. Papst Benedikt XVI. würdigte in einem Beileidstelegramm an den „Heimatbischof” Gantins den „fruchtbringenden Dienst” und die „große Treue” des ehemaligen Erzbischofs von Cotonou. Nach Gantins Tod zählt das Kardinalskollegium 194 Mitglieder. Von ihnen sind 118 jünger als 80 und dürften somit an einer Papstwahl teilnehmen. (rv)

 

 

31.05.08

Vatikan: Exkommunikation bei Frauenordination

Die Glaubenskongregation hat am Donnerstag ein Allgemeines Dekret erlassen zum Thema „Frauenordination”. In dem im „L`Osservatore Romano” veröffentlichten Text wird betont, dass alle, die versuchen, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, automatisch exkommuniziert sind. Dasselbe gelte für die Frauen, die sich an der Weihe beteiligen.
Die Kongregation für die Glaubenslehre möchte mit diesem Dekret „die Natur und die Gültigkeit des Sakraments der Weihe schützen”, so der Text, der auf Latein und Italienisch veröffentlicht wurde. Das Dokument trägt den lateinischen Titel „Decretum generale de delicto attentatae sacrae ordinationis mulieris”; es wurde bereits am 19. Dezember letzten Jahres von der Kongregation beschlossen. Von der Exkommunikation seien auch Gläubige betroffen, die den mit Rom unierten Kirchen angehören.
Der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Angelo Amato, hält das neue Dokument aus seinem Haus für notwendig, weil… „in einigen Regionen der Welt wieder so genannte Frauenordinationen stattgefunden haben. Des weiteren handelt es sich auch um eine Hilfe für Bischöfe, damit alle Oberhirten eine gemeinsame Antwort zu diesem Thema geben können.”
Zur Gültigkeit einer Priesterweihe für Frauen sagt Amato: „Sie sind von vornherein ungültig - und das bedeutet, dass sie nichtig sind. Es handelt sich nämlich nicht um „Ordinationen” im eigentlichen Sinn. Denn die kanonische Richtlinie der Kirche besagt, dass „die heilige Weihe nur für einen getauften Mann gültig ist” (Can. 1024).
Die Kirche fühle sich nicht berechtigt, den Willen ihre Stifters Jesu Christi zu ändern, so Amato weiter, auch wenn das nicht der Sichtweise anderer christlicher Konfessionen entspricht.
„Das ist aber nicht nur in diesem Fall so. Jedenfalls befindet sich die katholische Kirche in guter Gesellschaft wenn man sieht, dass die altorientalischen Kirchen und die orthodoxen Kirchen dieselbe Praxis beibehalten wie die katholische Kirche. Einige aus der Reformation hervorgegangene kirchliche Gemeinschaften haben mit einer zweitausend Jahre alten Tradition gebrochen.”
Bereits 1994 hatte Papst Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis” betont, dass die Priesterweihe nur Männern vorbehalten sei. Er erklärte, dass „die Präsenz und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden sind”; dennoch „bleiben die Frauen für die Kirche absolut notwendig und unersetzbar”. (rv)

 

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6/2008

 

 

02.06.08

Im Frühling 2010 darf das Turiner Grabtuch erneut zur öffentlichen Verehrung ausgestellt werden

Das hat Benedikt XVI. auf Bitte des Turiner Erzbischofs angeordnet, wie der Papst an diesem Montag Pilgern aus der Region der norditalienischen Stadt persönlich sagte. Minutenlanger Applaus der Audienzgäste folgte der Ankündigung des Papstes. „Wenn der Herr mit Leben und Gesundheit gibt, hoffe ich, selbst dabei sein zu können”, fügte Benedikt in freier Rede hinzu. Das Turiner Grabtuch war zuletzt im Heiligen Jahr 2000 öffentlich zu sehen gewesen. Rund eine Million Gläubige waren damals in die norditalienische Stadt gekommen, um das Tuch zu sehen. (rv)

 

 

02.06.08

Kardinal Kasper zieht positive Bilanz

Die russisch-orthodoxe Kirche will mit dem Vatikan zusammenarbeiten, um die christlichen Werte Europas zu festigen. Das hat Patriarch Alexij II. dem päpstlichen Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Walter Kasper bei einem persönlichen Gespräch im Moskau zugesichert. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen bereiste in den vergangenen Tagen Moskau und die Russische Föderation auf Einladung des Metropoliten Kyrill von Smolensk und Kaliningrad. Nach seiner Rückkehr sagte Kardinal Kasper im Interview von Radio Vatikan: „Der Patriarch und auch der Bischof haben mir sehr deutlich gesagt: Es genügt nicht, die Mauern der oft zerfallenen Kirchen nach der kommunistischen Zeit zu restaurieren, wir brauchen eine geistliche Erneuerung. Er will mit uns zusammenarbeiten, um die christlichen Wurzeln, die christlichen Werte Europas zu befestigen.”
Das Gespräch mit Alexij, dem Kasper dem Patriarchen auch ein persönliches Schreiben Papst Benedikts übermittelte, habe fünf Viertelstunden gedauert, sagte Kasper.
„Die Begegnung mit dem Patriarchen ist in einer sehr freundlichen Atmosphäre verlaufen, wir haben über meine Reise gesprochen, er hat sich sehr gefreut über das Interesse an der orthodoxen geistlichen Tradition; natürlich hat er am Ende auch die bekannten Fragen erwähnt, die die russisch-orthodoxe Kirche immer stellt. Es war aber kein Gegenstand einer langen Diskussion darüber, auch was die so genannten unierten Kirchen angeht. Ich habe dann abgehoben auf die positive Entwicklung, die es gegenwärtig ja auch in der Ukraine gibt.”
Ein wichtiger Punkt im Gespräch mit dem Patriarchen sei auch die Fortführung des Dialogs mit allen orthodoxen Kirchen zusammen gewesen, also die Fortführung des Treffens von Ravenna im vergangenen Jahr. Aus Protest gegen die Teilnahme einer estnischen Delegation waren die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche aus Ravenna vorzeitig abgereist. Dazu Kardinal Kasper: „Das sind Probleme zwischen Konstantinopel und Moskau, das sind innerorthodoxe Probleme über den Status der Kirche in Estland; wir können hier nicht direkt eingreifen, aber wir sind natürlich sehr interessiert, und deshalb insistiere ich sehr stark in Moskau und auch in Konstantinopel, dass sie eine Lösung bzw. einen Kompromiss in dieser Frage finden, weil ich es persönliche sehr schwierig finde, den Dialog fortzuführen ohne die russisch-orthodoxe Kirche, die die größte der orthodoxen Kirchen ist und die sich auch theologisch im Augenblick erfreulich weiterentwickelt. Sie entwickelt sich auch weiter, was Jugendpastoral angeht, was soziale Aktivitäten angeht, was kulturelle Aktivitäten angeht - auch da ist sozusagen eine neue Phase.”
Kardinal Kasper wollte bei seiner Reise, wie er sagte, die religiöse und spirituelle Tradition, die in Russland sehr reich ist, kennen lernen. So besuchte er auch die Kirche Unserer Lieben Frau von Kazan in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Beeindruckt hätten ihn auch drei Begegnungen mit Studenten.
„Sie haben sehr kluge Fragen gestellt, keineswegs feindselige oder kritische, provokante Fragen. Sie waren gut informiert über die katholische Kirche und hatten vor allem ein großes Interesse, die katholische Kirche besser kennen zu lernen. Dieses positive Interesse an der katholischen Kirche ohne die alten Vorbehalte und Vorurteile habe ich auch sonst wahrgenommen.” (rv)

 

 

22.06.08

Italien: Kardinalvikar hinterlässt Testament

Papst Benedikt XVI. hat seinem Generalvikar für das Bistum Rom für außergewöhnlichen Einsatz gedankt. In einer Grußbotschaft zum 25-jährigen Bischofsjubiläum von Kardinalvikar Camillo Ruini lobte das Kirchenoberhaupt dessen Engagement vor allem in Rom und als langjähriger Präsident der Italienischen Bischofskonferenz. Ruini war 1991 von Papst Johannes Paul II. mit der Verwaltung der Diözese Rom betraut worden und wurde damit zum Stellvertreter des Bischofs von Rom. Seither habe der Kardinal sich als „erfahrener, vertrauenswürdiger und großzügiger Mitarbeiter“ für seinen Vorgänger wie für ihn selbst erwiesen, so Benedikt XVI.
Die Botschaft wurde bei einem Festgottesdienst in der römischen Lateran-Basilika am Samstag Abend verlesen.
„In der Kirche von Rom konnten alle Ihre enorme Arbeitskraft, ihren einfachen und unverfälschten Glauben, ihre intelligente und kreative Pastoral sehen. … Sie waren in allen Situation auf beispielhafte Weise ihrem Bischofswort treu: ,Die Wahrheit wird uns frei machen’. Im Namen dieser Wahrheit, die Christus selbst ist, haben Sie sich unermüdlich für das Volk Gottes in Rom aufgeopfert. Für viele Dienste, die Sie der Kirche und der Gesellschaft in diesen 25 Bischofsjahren erwiesen haben, gebührt Ihnen Dank.“
Italienische Medien sprechen vom Ende einer Ära. Das Amt des Präsidenten der Bischofskonferenz hatte der 77-jährige Ruini bereits im März 2007 abgegeben. Rund um sein Amtsjubiläum wird über seine Nachfolge im Hauptstadtbistum spekuliert. Der Gottesdienst in der Lateranbasilika gab hier keinen Aufschluss, doch Ruini selbst blickte zurück und dankte für das von den Päpsten in ihn gesetzte Vertrauen:
„Am Ende meines Dienstes als Kardinalvikar gestehe ich, dieses Geschenk noch mehr zu genießen und in den mir verbleibenden Jahren in Erinnerung und Gebet darauf zurück zu kommen.“
Den Glauben öffentlich zu verkünden und „an der Seite des Papstes zu stehen“ sei eine der wichtigsten Aufgaben des Bischofs, rief er den zahlreichen Episkopatskollegen im Lateran in Erinnerung: „vor allem, wenn es unbequem ist und Mut erfordert“. „Ich erlaube mir anzumerken, dass, wenn der ganze Episkopat stark und in diesem Sinn deutlich gewesen wäre, manche Schwierigkeiten in der Kirche kleiner gewesen wären. Auch für die Zukunft kann das ein wirkungsvoller Weg sein, Probleme einzudämmen und sie zu überwinden.“
Vor Politikern und Kirchenvertretern jeder Couleur betonte der in Italien sehr respektierte Ruini:
„Dies ist mein kleines Testament, das ich der Diözese Rom hinterlassen will: Lasst uns der großen Herausforderung, die wir zu bewältigen haben, ins Gesicht schauen und uns nicht vor ihr verstecken. Packen wir sie an - in ihrer Kraft, ihrer Stärke und ihrer durchdringenden Anziehungskraft, die sie vor allem auf die jungen Generationen ausübt. Schauen wir mit nüchternem und ebenso durchdringenden Auge auf sie, mit dem Blick des Glaubens, der noch durchdringender ist als ein bloß menschlicher Blick. … Wenn der Herr es mir erlaubt, will ich im Kleinen, das mir möglich ist, und auf andere Weise weiter arbeiten, damit die Menschen in Rom und Italien die Welt und das Leben mit dem Blick des Glaubens betrachten.“ (rv)

 

 

27.06.08

Papst ernennt Vallini zu Roms Kardinal-Vikar

Papst Benedikt XVI. hat Agostino Vallini zum neuen römischen Kardinal-Vikar ernannt. Der 68-jährige tritt die Nachfolge von Kardinal Camillo Ruini, dem langjährigen Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz an. Vallini leitete bisher die Apostolische Signatur, das oberste vatikanische Gericht. Neuer Präfekt der Signatur wird der US-Amerikaner Raymond Leo Burke, bislang Erzbischof von Saint Louis. (rv)

 

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7/2008

 

 

11.07.08

Reiseprogramm der Papstreise nach Sydney

Samstag, 12. Juli 2008
10.00 Uhr Abflug von Rom-Fiumicino nach Darwin/Militärflughafen
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Sonntag, 13. Juli 2008
09.15 Uhr Ankunft in Darwin am Militärflughafen und um 10.30 Uhr Weiterflug zum Militärflughafen Richmond bei Sydney
15.00 Uhr Ankunft auf dem Militärflughafen Richmond
15.15 Uhr Transfer zur privaten Residenz, wo sich Benedikt XVI. bis Donnerstag, 17. Juli zur Erholung aufhält
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Donnerstag, 17. Juli 2008
07.30 Uhr Private Messe in der Kapelle des St. Mary's Catheral House von Sydney
09.00 Uhr Begrüßungszeremonie im Governments House von Sydney
09.30 Uhr Fahrt zur "Mary MacKillop Memorial Chapel", wo der Papst ein Gebet sprechen wird
10.00 Uhr Fahrt zum Admiralty House und Treffen mit dem Premierminister
11.05 Uhr Fahrt zum St. Mary's Cathedral House
14.20 Uhr Fahrt zur Rose Bay-Mole. Kurze Begrüßung mit Tänzen und traditionellen Gesängen der Aborigines
14.45 Uhr Einschiffen auf der "Sydney 2000" und Transfer zur Mole von Barangaroo East Darling Harbour
15.30 Uhr Ankunft auf der Mole und Fest der Begrüßung mit Jugendlichen
16.45 Uhr Fahrt im Papamobil zum St. Mary's Cathedral House
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Freitag, 18. Juli 2008
07.30 Uhr Messe in der Privatkapelle des St. Mary's Cathedral House
09.30 Uhr Getrennte Privataudienzen für den Gouverneur von New South Wales, den Premier von New South Wales und den Bürgermeister von Sydney in der Empfangshalle des St. Mary's Cathedral House
10.30 Uhr Ökumenisches Treffen in der Krypta der St. Mary's Cathedral
11.20 Uhr Treffen mit Vertretern anderer Religionen im Kapitelsaal der St. Mary's Cathedral
12.30 Uhr Mittagessen mit Jugendlichen in der Empfangshalle des St. Mary's Cathedral House
15.00 Uhr Eröffnungsgebet zum Kreuzweg auf dem Vorplatz der St. Mary's Cathedral. Nach dem Gebet der ersten Station verfolgt der Papst den Kreuzweg im Fernsehen in der Krypta der St. Mary's Cathedral
18.45 Uhr Treffen mit einer Gruppe psychisch behinderter Jugendlicher in der Herz-Jesu-Kathedrale der Notre Dame University
19.45 Uhr Rückkehr zum St. Mary's Cathedral House
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Samstag, 19. Juli 2008
09.30 Uhr Messe mit den Bischöfen Australiens, Seminaristen, Novizen und Novizinnen
12.15 Uhr Mittagessen mit den australischen Bischöfen in der Empfangshalle des St. Mary's Cathedral House
18.30 Uhr Fahrt zur Pferderennbahn von Randwick
19.00 Uhr Gebetswache mit den Jugendlichen auf der Pferderennbahn
21.00 Uhr Rückkehr zum St. Mary's Cathedral House
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Sonntag, 20. Juli 2008
08.30 Uhr Fahrt zum Heliport der Victoria-Barracks und Rundflug über die auf der Pferderennbahn versammelten Jugendlichen
09.15 Uhr Fahrt im Papamobil vom Heliport der Victoria Barracks zur Pferderennbahn von Randwick. Rundfahrt im Papamobil
10.00 Uhr Messe zum 23. Weltjugendtag auf der Pferderennbahn von Randwick und Angelusgebet
12.30 Uhr Fahrt zum St. Mary's Cathedral House und Mittagessen mit dem Gefolge
18.00 Uhr Treffen mit den Sponsoren und Organisatoren des 23. Weltjugendtags
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Montag, 21. Juli 2008
08.00 Uhr Messe in der Privatkapelle des St. Mary's Cathedral House
08.35 Uhr Abschied vom St. Mary's Cathedral House
08.45 Uhr Fahrt im Papamobil zur Damain, einem zentralen Platz in Sydney, und Gruß an die ehrenamtlichen Helfer des 23. Weltjugendtages
09.10 Uhr Fahrt zum internationalen Flughafen von Sydney
09.30 Uhr Abschiedszeremonie am Flughafen
10.00 Uhr Abflug nach Darwin
13.50 Uhr Ankunft auf dem Flughafen von Darwin
15.05 Uhr Weiterflug nach Rom - Ciampino
23.00 Uhr Ankunft auf dem Flughafen Rom-Ciampino

 

 

14.07.08

Papst in Australien gelandet

Papst Benedikt XVI. ist am Sonntag in Australien eingetroffen. Nach rund 20-stündigem Flug landete er gegen 15 Uhr Ortszeit (7 Uhr MESZ) auf der Militärbasis Richmond bei Sydney. Bei kühlem Wetter und bedecktem Himmel wurde er auf dem Flugfeld vom Erzbischof von Sydney, Kardinal George Pell, und dem australischen Premierminister Kevin Rudd begrüßt. Rund 100 Menschen hatten sich am Rand des Rollfelds eingefunden. Nach dem informellen Empfang begab sich das Kirchenoberhaupt sofort in das rund 40 Kilometer entfernte kirchliche Gästehaus von Kenthurst. Dort wird er sich in den nächsten drei Tagen von den Anstrengungen der Anreise erholen.
Der offizielle Empfang durch die australische Staats- und Regierungsspitze ist erst für Donnerstag in Sydney vorgesehen. Anlass der neunten Auslandsreise von Benedikt XVI. ist die Teilnahme am Weltjugendtag. Höhepunkte sind am Wochenende eine Gebetswache und eine große Messe, zu denen rund eine halbe Million Menschen erwartet werden.
Nach erstem Eindruck schien das 81-jährige Kirchenoberhaupt den langen Interkontinentalflug gut überstanden zu haben. Vom Flugzeug aus begab er sich nach der kurzen Begrüßung durch die Staats- und Kirchenspitze sofort zu den bereitgestellten Autos. Bis Mittwochnachmittag wird er sich im Studienzentrum von Kenthurst ohne jegliche offizielle Termine aufhalten.

WJT-Botschaft Benedikts XVI.: Missionarische Impulse erwartet
Papst Benedikt XVI. erwartet sich vom Weltjugendtag missionarische Impulse für die katholische Kirche und vor allem für die jungen Gläubigen. Angesichts von düsteren Zukunftsperspektiven und Hoffnungslosigkeit biete der christliche Glaube Kraft und Orientierung, betonte er in einer Botschaft, die bei seiner Ankunft in Australien am Sonntag veröffentlicht wurde.
Die Jugendlichen seien herausgefordert durch die Ablehnung des Glaubens, die sie in ihrem Umfeld erfahren. Die Antwort liege in Christus. Der Heilige Geist orientiere die Menschen zu ihm hin, der Leben, Liebe und Wahrheit ist. Benedikt zitiert einen dem Heiligen Augustinus zugeschriebenen Denkspruch: „Wenn Du jung bleiben willst, dann suche Christus“. Mit Blick auf das Motto des Treffens „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein“ betont Benedikt, dass die Jugendlichen eine besondere Aufgabe bei der Erneuerung des Angesichts der Erde (Ps 104) hätten. Der Papst wörtlich: „Es ist meine feste Überzeugung, dass die Jugendlichen dazu berufen sind, Instrumente der Erneuerung zu werden, indem sie ihren Altersgenossen jene Freude weitergeben, die sie im Kennenlernen und in der Nachfolge Christi erfahren haben. Im Teilen der Liebe, die der Geist in ihre Herzen ausgegossen hat, werden sie erfüllt von Hoffnung und Dankbarkeit für all das Gute, dass sie von Gott, unserm himmlischen Vater erhalten haben.“
Benedikt XVI. dankt außerdem den australischen Behörden und der Kirchenleitung für die Vorbereitung seiner Reise und des Weltjugendtages. Weiter bedankte er sich bei den Pfarreien, den Schulen und den vielen Familien, die während dieser Tag die angereisten Gäste aus aller Welt beherbergten.

Vermutlich kein Treffen mit australischen Missbrauchsopfern
Benedikt XVI. wird vermutlich nicht mit Missbrauchsopfern zusammentreffen. Das sagte der Koordinator des Weltjugendtags, Weihbischof Anthony Fisher OP am Sonntagmorgen in Sydney. Der enge Zeitplan lasse eine solche Begegnung nicht zu. Und falls sie doch stattfinden sollte, werde sie strikt privaten Charakter haben. Außerdem sagte Fisher, er teile die Worte des Papstes auf dem Flug nach Australien; dieser habe so seinen Respekt und seine Anteilnahme für die Missbrauchsopfer ausgedrückt.

Last-Minute-Pilgerflut
Der Weltjugendtag (WJT) in Sydney zieht möglicherweise doch mehr als die bislang geschätzten 200.000 Teilnehmer an. Grund sei eine unerwartet hohe Zahl von unangemeldeten Pilgern, teilte WJT-Chefkoordinator Weihbischof Anthony Fisher OP am Sonntag in Sydney mit. Offiziell hätten sich 215.000 Personen registriert. In den vergangen Tagen würden aber verstärkt unangemeldete Pilgergruppen in die Stadt „fluten“, so Fisher weiter. In der Nacht zum Sonntag etwa sei eine Gruppe von 250 jungen Katholiken aus den Philippinen eingetroffen.
Der größte Teil der angemeldeten Pilger verbrachte das Wochenende in den australischen Diözesen. Am Montag werden sie in Bussen und Flugzeugen zum WJT nach Sydney kommen. „Wir rechnen mit einem Massenandrang“, sagte ein Sprecher des Flughafens von Sydney. Alles sei aber gut vorbereitet, um die Passagiere reibungslos abfertigen zu können. Am Dienstag eröffnet Sydneys Erzbischof Kardinal George Pell das Treffen mit einem feierlichen Gottesdienst unter freiem Himmel in Barangaroo an Sydneys Hafenbucht. Abschluss und Höhepunkt sind dann die Veranstaltungen mit Papst Benedikt XVI. von Donnerstag bis Sonntag. (rv)

 

 

16.07.08

WJT in Sydney: „Jugend hat Verantwortung”

Der katholische Weltjugendtag in Sydney hat an diesem Dienstag offiziell begonnen. Mehr als 225.000 Pilger waren nach Angaben der Organisatoren in die australische Hafenmetropole gekommen, darunter junge Gläubige aus 170 Ländern. Das Oberhaupt der australischen Katholiken, Kardinal George Pell, zelebrierte die Eröffnungsmesse. Australische Ureinwohner führten einen traditionellen Willkommenstanz auf. Unter den Teilnehmern waren auch 26 Kardinäle, 400 Bischöfe und bis zu 4.000 Priester.
Kardinal Pell erinnerte auf Deutsch an die Gastgeber des letzten Weltjugendtages.
„Wir erinnern uns mit großer Dankbarkeit daran, wie die Kölner Gemeinde uns willkommen geheißen hat. Herzlichen Dank!”
Kardinal Pell ermahnte die jungen Leute, sich klar zu ihrem Glauben zu bekennen.
„Bleibt nicht auf dem Zaun sitzen, um euch alle Optionen offenzuhalten. Nur verbindliches Engagement bringt echte Erfüllung. Denn die Jugend sollte ihr Leben nicht damit vergeuden, keine Position zu beziehen zu Themen und Ideen, nur weil es einfacher scheint, nicht wählen zu müssen. Das wahre Glück besteht gerade darin, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Das wahre Glück besteht auch darin, die täglichen - einfachen und schwierigen - Aufgaben zu bewältigen.”
Der Weltjugendtag solle helfen, die persönliche Berufung eines jeden einzelnen zu entdecken, so Pell. Er selbst hoffe darauf, dass viele Jugendliche den „Weg der Priesterberufung” finden werden.
„Jünger Jesu zu sein bedeutet einer Disziplin zu folgen – insbesondere einer Autodisziplin, einer Selbstbeherrschung. Eine solche Einstellung lässt uns zwar nicht perfekt werden, doch beschützt sie uns und lässt die Liebe in unsere Herzen wachsen. Es geht um die Liebe gegenüber unserer Familie und unseren Freunden, damit sie nicht von unseren Bosheiten und Schwächen verletzt werden.”
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, Kardinal Stanisł?aw Rył?ko, zeichnet für den Weltjugendtag gemeinsam mit den Organisatoren vor Ort verantwortlich. Der polnische Kurienkardinal sagte bei der Eröffnungsmesse:
„Endlich ist der lang ersehnte Moment gekommen: Die Eröffnung des XXIII. Weltjugendtags. Nach vielen Vorbereitungen und einer langen und beschwerlichen Reise seid Ihr nun in Sydney, der Stadt, die in diesen Tagen zur Hauptstadt der katholischen Jugend der Welt wird. Zu diesem großen Treffen mit dem Heiligen Vater Benedikt XVI. habt Ihr vieles mitgebracht: Eure Jugend, Eure Hoffnungen, Eure Zukunftspläne, Euren Glauben, der voller Begeisterung ist, aber auch Fragen, auf die Ihr keine Antwort habt, und Probleme, die Ihr alleine nicht lösen könnt.”
In Australien ist Winter. Doch für Kardinal Rył?ko gilt das nur meteorologisch:
„Liebe Jugendliche, Ihr habt den ,Frühling’ in den australischen Winter gebracht und seid selbst der Frühling der Welt und der Kirche; - Euch wünsche ich von Herzen, dass Ihr hier in Sydney ein neues Pfingsten erleben könnt. Öffnet die Tore Eures Lebens weit dem Wirken des Heiligen Geistes! Lasst Euch von ihm formen! Seid seiner Stimme immer folgsam! Möge der Heilige Geist Eure Kraft und Eure Freude sein! Nochmals: Willkommen in Sydney!”
Für Überraschung sorgte in Sydney das Grußwort von Regierungschef Kevin Rudd. Sprachgewandt hieß der Anglikaner die Pilger aus 170 Ländern willkommen: unter anderem in Koreanisch und – für die Jugendlichen von den Philippinen – in Tagalog.
Papst Benedikt XVI. ist bereits am Sonntag in Australien eingetroffen, er erholt sich jedoch zunächst nördlich von Sydney. Am Donnerstag greift er in das Geschehen ein und wird offiziell in Sydney begrüßt. Bei seiner Einfahrt in den Hafen werden vor der Kulisse des weltberühmten Opernhauses Hunderttausende erwartet.


Der Papst fordert eine klare nationale wie internationale Politik, um einen solidarischen und verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser zu sichern.

Das schreibt Benedikt XVI. in einer Botschaft zum Tag des Vatikans auf der Weltausstellung Expo 2008 in Zaragossa. Das katholische Kirchenoberhaupt bezeichnet den Zugang zu Trinkwasser als ein „universales und unveräußerliches Menschenrecht”. Wasser sei nicht nur ein Wirtschaftsgut, so der Papst weiter. Wasser sei inzwischen in ein Gefüge von sozialem und wirtschaftlichem Druck geraten, obwohl es dem Menschen von Gott zum Lebenserhalt gegeben worden sei. Die Botschaft des Papstes ist an Kardinal Renato Raffaele Martino gerichtet, der den Vatikan bei der Expo vertritt. – Die Expo 2008 steht unter dem Motto: „Wasser und nachhaltige Entwicklung”. (rv)

 

 

17.07.08

WJT in Sydney begonnen: „Jugend hat Verantwortung“

Der katholische Weltjugendtag in Sydney hat an diesem Dienstag offiziell begonnen. Mehr als 225.000 Pilger waren nach Angaben der Organisatoren in die australische Hafenmetropole gekommen, darunter junge Gläubige aus 170 Ländern. Das Oberhaupt der australischen Katholiken, Kardinal George Pell, zelebrierte die Eröffnungsmesse. Australische Ureinwohner führten einen traditionellen Willkommenstanz auf. Unter den Teilnehmern waren auch 26 Kardinäle, 400 Bischöfe und bis zu 4.000 Priester.
Kardinal Pell erinnerte auf Deutsch an die Gastgeber des letzten Weltjugendtages.
„Wir erinnern uns mit großer Dankbarkeit daran, wie die Kölner Gemeinde uns willkommen geheißen hat. Herzlichen Dank!“
Kardinal Pell ermahnte die jungen Leute, sich klar zu ihrem Glauben zu bekennen.
„Bleibt nicht auf dem Zaun sitzen, um euch alle Optionen offenzuhalten. Nur verbindliches Engagement bringt echte Erfüllung. Denn die Jugend sollte ihr Leben nicht damit vergeuden, keine Stellungen zu Themen und Ideen zu nehmen, nur weil es einfacher scheint, nicht wählen zu müssen. Das wahre Glück besteht gerade darin, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Das wahre Glück besteht auch darin, die täglichen - einfachen und schwierigen - Aufgaben zu bewältigen.“
Der Weltjugendtag solle helfen, die persönliche Berufung eines jeden einzelnen zu entdecken, so Pell. Er selbst hoffe darauf, dass viele Jugendliche den „Weg der Priesterberufung“ finden werden.
„Jünger Jesu zu sein bedeutet einer Disziplin zu folgen – insbesondere einer Autodisziplin, einer Selbstbeherrschung. Eine solche Einstellung lässt uns zwar nicht perfekt werden, doch beschützt sie uns und lässt die Liebe in unsere Herzen wachsen. Es geht um die Liebe gegenüber unserer Familie und unseren Freunden, damit sie nicht von unseren Bosheiten und Schwächen verletzt werden.“
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, Kardinal Stanisław Ryłko, zeichnet für den Weltjugendtag gemeinsam mit den Organisatoren vor Ort verantwortlich. Der polnische Kurienkardinal sagte bei der Eröffnungsmesse:
„Endlich ist der lang ersehnte Moment gekommen: Die Eröffnung des XXIII. Weltjugendtags. Nach vielen Vorbereitungen und einer langen und beschwerlichen Reise seid Ihr nun in Sydney, der Stadt, die in diesen Tagen zur Hauptstadt der katholischen Jugend der Welt wird. Zu diesem großen Treffen mit dem Heiligen Vater Benedikt XVI. habt Ihr vieles mitgebracht: Eure Jugend, Eure Hoffnungen, Eure Zukunftspläne, Euren Glauben, der voller Begeisterung ist, aber auch Fragen, auf die Ihr keine Antwort habt, und Probleme, die Ihr alleine nicht lösen könnt.“
In Australien ist Winter. Doch für Kardinal Rył?ko gilt das nur meteorologisch:
„Liebe Jugendliche, Ihr habt den ,Frühling’ in den australischen Winter gebracht und seid selbst der Frühling der Welt und der Kirche; - Euch wünsche ich von Herzen, dass Ihr hier in Sydney ein neues Pfingsten erleben könnt. Öffnet die Tore Eures Lebens weit dem Wirken des Heiligen Geistes! Lasst Euch von ihm formen! Seid seiner Stimme immer folgsam! Möge der Heilige Geist Eure Kraft und Eure Freude sein! Nochmals: Willkommen in Sydney!“
Für Überraschung sorgte in Sydney das Grußwort von Regierungschef Kevin Rudd. Sprachgewandt hieß er der Anglikaner die Pilger aus 170 Ländern willkommen: unter anderem in Koreanisch und – für die Jugendlichen von den Philippinen – in Tagalog.
Papst Benedikt XVI. ist bereits am Sonntag in Australien eingetroffen, er erholt sich jedoch zunächst nördlich von Sydney. Am Donnerstag greift er in das Geschehen ein und wird offiziell in Sydney begrüßt. Bei seiner Einfahrt in den Hafen werden vor der Kulisse des weltberühmten Opernhauses Hunderttausende erwartet.
 

Papst fordert Aussöhnung mit Aborigines

In seiner ersten Rede in Australien hat Benedikt XVI. das historische Unrecht gegenüber der australischen Urbevölkerung angesprochen und zu Versöhnung und gegenseitigem Respekt aufgerufen. Benedikt XVI. hatte am Donnerstagvormittag (Ortszeit) sein Besuchsprogramm in Sydney aufgenommen. Generalgouverneur Michael Jeffery und Premierminister Kevin Rudd empfingen ihn mit einer offiziellen Begrüßungszeremonie im Garten des Government House. Benedikt lobte die „mutige Entscheidung der australischen Regierung, die in der Vergangenheit begangenen Ungerechtigkeiten gegen die indigenen Völker anzuerkennen“.
Wörtlich sagte der Papst dem Generalgouverneur und dem Premierminister:
„Zu Recht suchen Sie, das Auseinanderklaffen zwischen indigenen und nicht indigenen Australiern hinsichtlich der Lebenserwartungen, der Ausbildungsziele und der wirtschaftlichen Chancen zu überwinden! Dieses Beispiel der Versöhnung gibt all jenen Völkern in der ganzen Welt Hoffnung, die danach verlangen, dass ihre Rechte bestätigt werden und ihr gesellschaftlicher Beitrag anerkannt und gefördert wird.“
Mit der Entschuldigung für jahrzehntelange Diskriminierungspolitik im Februar dieses Jahres haben die australischen Regierung und das Parlament eine große politische Hürde auf dem Weg zur Versöhnung mit den Aborigines beiseite geschafft. Die Erklärung von Premierminister Kevin Rudd galt den Ureinwohnern, die ihren Familien bis in die 70er-Jahre zwangsweise genommen und in weißen Waisenheimen oder Pflegefamilien aufgezogen wurden. Sie sollten assimiliert oder als Hausangestellte für eine weiße Elite erzogen werden. „Wir entschuldigen uns für den Schmerz, das Leid und die Kränkung dieser gestohlenen Generationen, ihrer Nachfahren und der betroffenen Familien“, hieß es in der Erklärung. Die Betroffenen erwarten jetzt sozialen Ausgleich und Investitionen in Schulen und Gesundheitseinrichtungen.
Benedikt XVI. lobte das australische Engagement bei internationalen Friedensmissionen. Weiter würdigte er die Bemühungen des Landes im Umweltschutz.
„In diesem Zusammenhang stelle ich fest, dass Australien sich ernstlich engagiert, um sich seiner Verantwortung in der Sorge um die natürliche Umwelt zu stellen. Auf gleiche Weise hat dieses Land gegenüber der menschlichen Umwelt großzügig internationale Operationen zur Friedenserhaltung unterstützt, indem es zur Lösung von Konflikten im Pazifikraum, in Südostasien und anderswo beigetragen hat. Aufgrund der vielen in Australien vertretenen religiösen Traditionen ist dies hier ein besonders fruchtbarer Boden für den ökumenischen und interreligiösen Dialog.“
Premierminister Rudd hieß seinerseits den Papst auf dem Kontinent mit „einer der ältesten Kulturen“ der Welt willkommen. Australien habe eine „zeitweise mit Problemen belastete Vergangenheit“, aber arbeite für eine bessere Zukunft.
Sydney - das betonte Benedikt XVI. ausdrücklich - sei ein geeigneter Ort und Gastgeber für einen Weltjugendtag:
„Es scheint besonders angebracht, den Weltjugendtag hier zu feiern; denn die Kirche in Australien ist sowohl die jüngste unter den Kirchen auf den verschiedenen Kontinenten als auch eine der am meisten kosmopolitischen. Seit der ersten europäischen Siedlung hier im späten 18. Jahrhundert ist dieses Land nicht nur zu einem Zuhause von Generationen von Europäern, sondern von Menschen aus jedem Winkel der Erde geworden.“(rv)

 

 

18.07.08

Gardekommandant Elmar Mäder in einem Interview

Im Vatikan werde die Schweizergarde von verschiedener Seite „stiefmütterlich” behandelt, bedauert der abtretende Gardekommandant Elmar Mäder in einem Interview in der aktuellen Ausgabe von „Der Schweizergardist”. Er habe wegen dieser Behandlung der Schweizergarde durch Vatikankreise wiederholt interveniert, doch nun müsse ein anderer Kommandant „mit neuem Ansatz unsere verbrieften Rechte und Pflichten verteidigen”, sagt Mäder weiter. Zu Unstimmigkeiten Anlass gibt unter anderem, dass sich die Vatikanische Gendarmerie derzeit laut Mäder „für alles zuständig” hält. Auch bedarf es einer besseren Abstimmung der jeweiligen Zuständigkeitsbereiche zwischen und italienischen und vatikanischen Sicherheitsorganen. Den Weiterbestand der Schweizergarde rechtfertige nicht ihre erfolgreiche 500-jährige Geschichte, sondern „einzig und allein die Qualität unserer Leistung heute”, betont Mäder: „Wir sind als Nahschützer auf der Höhe der Zeit.” Erfreulich ist für den scheidenden Gardekommandanten, dass die jährliche Schnupperwoche immer mehr Früchte trägt. So seien derzeit etwa sieben von 14 Rekruten der Garde Teilnehmer einer Schnupperwoche. – Der St. Galler Elmar Theodor Mäder kommandiert die Päpstliche Schweizergarde seit November 2002. Im vergangenen März hat er seinen Rücktritt auf voraussichtlich August bekannt gegeben. (rv)

 

 

19.07.08

Sydney: Höhepunkte am Samstag

 

Eine Gebetswache mit Papst Benedikt XVI. war am Samstagabend (Ortszeit) der emotionale Höhepunkt des Weltjugendtages in Australien. Zuvor feierte der Papst eine Messe mit den Bischöfen und Ordensleuten des Landes. Dabei versprach er den Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche sein Mitgefühl und forderte Prozesse für die Verantwortlichen.
Vor rund 200.000 Menschen auf dem Gelände der Pferderennbahn von Randwick rief er zu einem Zeugnis für die Einheit der Kirche und zur aktiven Teilnahme am kirchlichen Leben auf. Mit der Kraft des Heiligen Geistes könnten Jugendliche die Gesellschaft verändern. Seit dem frühen Morgen waren die jugendlichen Pilger über die Hafenbrücke von Sydney gezogen. Sie verbringen die Nacht unter freiem Himmel am Hippodrom. Dort feiert Benedikt XVI. zum Abschluss des Weltjugendtages am Sonntag einen Gottesdienst. Die Organisatoren erwarten dazu rund 400.000 Teilnehmer aus 170 Nationen. (rv)

Papst: „Es tut mir sehr leid“
Papst Benedikt XVI. hat sich bei den Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche entschuldigt. „Es tut mir sehr Leid für den Schmerz und das Leiden, die die Opfer erduldet haben“, sagte der Papst abweichend vom ursprünglichen Redeskript bei einer Messe am Samstagvormittag (Ortszeit) in Sydney: „Ich versichere ihnen, dass auch ich als ihr Hirte mit ihnen leide“, so der Papst in seiner auf Englisch gehaltenen Predigt vor den Bischöfen Australiens, den Priesterseminaristen und Ordensleuten. In Übereinstimmung mit dem ursprünglich vorbereiteten Manuskript fuhr der Papst fort:
„Diese Vergehen, die einen so schweren Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine eindeutige Verurteilung. Sie haben großen Schmerz verursacht und dem Zeugnis der Kirche geschadet. Im „Kampf gegen dieses Übel“ sollten alle zusammenarbeiten. Die Verantwortlichen für diese Übel müssen vor Gericht gestellt werden. Es ist eine dringende Priorität, eine sicherere und gesundere Umgebung zu fördern, besonders für die jungen Menschen.“
Vatikansprecher Pater Federico Lombardi sagte vor Journalisten, der Papst habe den Satz eingefügt, um seine Gefühle „persönlich zu unterstreichen“. Die Frage einer möglichen Entschuldigung des Kirchenoberhaupts bei Missbrauchsopfern beschäftigt die australischen Medien seit einer Woche. Benedikt XVI. hatte bei seiner Anreise zum Weltjugendtag nach Sydney am vergangenen Samstag gesagt, er wolle seine Solidarität mit den Opfern bekunden und „im Wesentlichen das gleiche sagen wie in Amerika“. Bei seiner USA-Reise im April hatte er sich „tief beschämt“ über die Missbrauchsfälle geäußert.
Die Organisation „Broken Rites“, die Missbrauchsopfer in Australien vertritt, erklärte, das „Sorry“ des Papstes sei unzureichend, wenn den Worten keine Taten folgten. Die Entschuldigung sei ohne Bedeutung, da die Opfer nicht zur Messe eingeladen waren, so der Pressesprecher. „Der Papst muss sich für die Weise entschuldigen, wie seine australischen Bischöfe sexuellen Missbrauch vertuscht haben“, schrieb die Organisation in einer Stellungnahme im Internet. Benedikt XVI. müsse dafür sorgen, dass Gerichtsprozesse um Entschädigungszahlungen an Opfer nicht von Bischöfen behindert werden. Anthony Foster, dessen zwei Töchter mutmaßlich von einem Priester vergewaltigt wurden, kritisierte, zwar hätten sich Kirchvertreter wiederholt entschuldigt, aber den Opfern keine praktische Unterstützung angeboten. „Es hat keine eindeutige, uneingeschränkte brauchbare Antwort gegeben, die den Opfern hilft, ein Leben lang“, sagte Foster, der sich um ein Treffen mit dem Papst in Sydney bemüht hat. (rv)

Papst an Klerus: Gott kann nicht totgeschwiegen werden
Papst Benedikt XVI. hat vor australischen Klerikern und Ordensleuten nicht nur den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche scharf verurteilt: Vor mehr als 3.000 Menschen bei der Messfeier am Samstag Vormittag (Ortszeit) in der Kathedrale St. Mary kritisierte das Kirchenoberhaupt aber auch erneut die Abdrängung des Glaubens ins Private.
„Im Namen der menschlichen Freiheit und Autonomie wird Gottes Name schweigend übergangen, Religion auf private Frömmigkeit reduziert und der Glaube in der Öffentlichkeit gemieden. Manchmal kann diese mit dem Wesen des Evangeliums so völlig unvereinbare Mentalität sogar unser Verständnis von der Kirche und ihrer Mission verdunkeln. Auch wir können versucht sein, das Glaubensleben zu einer reinen Gefühlssache zu machen und so seine Kraft zu verringern, eine konsequente Weltsicht und einen rigorosen Dialog mit den vielen anderen Ansichten zu inspirieren, die um den Geist und das Herz unserer Zeitgenossen wetteifern.“
Doch die Geschichte zeige, dass die Frage nach Gott niemals totgeschwiegen werden könne. Gleichgültigkeit gegenüber der religiösen Dimension in der menschlichen Existenz sei letztlich jedoch ein Verrat am Menschen, warnte der Papst.
„Wo immer der Mensch herabgewürdigt wird, verliert auch unsere Umwelt an Wert; sie verliert ihren letzten Sinn und verfehlt ihr Ziel. Was daraus hervorgeht, ist eine Kultur nicht des Lebens, sondern des Todes. Wie könnte man so etwas als ,Fortschritt’ betrachten? Es ist ein Schritt zurück, eine Form der Regression, die letztlich die Quellen des Lebens selbst für den einzelnen Menschen und für die ganze Gesellschaft austrocknen lässt.“
Die Priesteranwärter und Novizen rief er auf, ihrem Weg auch gegen Widerstände treu zu folgen.
„Vergesst niemals, dass die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen bedeutet, ein ganz der Liebe gewidmetes Leben zu ergreifen – einer Liebe, die Euch befähigt, Euch rückhaltlos dem Dienst für Gott zu verschreiben und ganz für Eure Brüder und Schwestern da zu sein, besonders für die in Not. Die größten Schätze, die Ihr mit anderen jungen Menschen gemeinsam habt – Euer Idealismus, Eure Großherzigkeit, Eure Zeit und Energie – sie sind die echten Opfergaben, die Ihr auf den Altar des Herrn legt. Mögt Ihr dieses wunderschöne Charisma, das Gott Euch zu seiner Ehre und zum Aufbau der Kirche geschenkt hat, immer schätzen und pflegen!“
Aus Anlass seines Besuches weihte Benedikt XVI. den neuen Marmoraltar der Bischofskirche von Sydney. Der neugotische Bau selbst war 1929 nach einer Bauzeit von 63 Jahren geweiht und kürzlich restauriert worden. (rv)

 

 

20.07.08

Sydney: Großes Finale, Abreise Montag

Mit dem größten Gottesdienst in der Geschichte Australiens ist in Sydney der katholische Weltjugendtag zu Ende gegangen. Vor rund 300.000 Menschen rief Papst Benedikt XVI. am Sonntagmorgen (Ortszeit) zu einer Erneuerung von Gesellschaft und Kirche auf. Dabei prangerte er die neuen „geistlichen Wüsten” des Materialismus an, die sich überall ausbreiteten. Stattdessen forderte er eine „neue Ära”, in der Egoismus, Habgier und Oberflächlichkeit durch Solidarität, Respekt und Hoffnung ersetzt werden sollten. Dazu brauche es eine innere Erneuerung der Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes. Während des Gottesdienstes spendete das Kirchenoberhaupt 24 jungen Katholiken aus allen Kontinenten das Firmsakrament. – Zu dem fünftägigen Treffen waren auf Einladung des Papstes katholische Jugendliche aus 170 Nationen nach Australien gekommen. Der nächste Weltjugendtag soll 2011 in der spanischen Hauptstadt Madrid stattfinden, wie Benedikt XVI. am Ende der Messe ankündigte.
Benedikt XVI verabschiedet sich am Montagmorgen (Ortszeit) aus Sydney. Nach 20-stündigem Flug und technischem Zwischenstopp in Darwin im Norden Australiens wird er gegen 23.00 Uhr in Rom-Ciampino zurückerwartet. Von dort fährt er zurück in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo. Den nächsten offiziellen Termin wird das 81-jährige Kirchenoberhaupt dort voraussichtlich am Freitag wahrnehmen: Er empfängt laut Vatikanangaben den irakischen Premierminister Nuir al-Maliki. (rv)

Papst feiert Abschlussmesse: „Seid Propheten einer neuen Ära”
An der Messe nahmen insgesamt 420 Bischöfe und 26 Kardinäle teil. Konzelebranten waren der gastgebende Erzbischof Kardinal George Pell, Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und Kardinal Stanislaw Rylko als dem Präsidenten des Päpstlichen Laienrates. Außerdem der maronitische Patriarch Nasrallah Sfeir, der Vorsitzende der australischen Bischofskonferenz Erzbischof Philip Wilson und Weltjugendtags-Koordinator Weihbischof Anthony Fisher OP.
Die bekannte Hymne zum Jahr 2000 eröffnete diese großartig inszenierte Eucharistiefeier, die musikalisch gestaltet wurde von einem Orchester aus 80 Instrumentalisten und einem Chor mit 300 Sängern aus Sydney und ganz Australien. Und doch war die Messe bei allem Effekt auf die eugentliche Mitte konzentriert: Auf die Gegenwart Christi in der feiernden Gemeinde. Mit der Firmung griff die Abschlussfeier des WJT das Motto des Treffens auf: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird”.
Mit einer Nachtwache bei kühlen Temperaturen hatten sich die Jugendlichen auf den Höhepunkt des WJT auf dem Gelände der Pferderennbahn von Randwick vorbereitet. Der Papst schien entspannt und konzentriert, auch wenn er am Ende der anstrengenden Messe dann doch etwas müde wirkte.
Die Messe enthielt zahlreiche Elemente der Kulturen Australiens und Ozeaniens; so trugen Seminaristen und Jugendliche von den Fidschi-Inseln, den Salomonen und von Vanuatu in Bastgewändern das Evangeliar auf einer traditionellen Sänfte zur Altarinsel. Diese war ganz in rot gestaltet – der Farbe des Heiligen Geistes und des australischen Outbacks. Die Taubendarstellung über der Bühne stammte von der indigenen Künstlerin Marjorie Liddy von den Tiwi Islands im Norden Australiens.
In seiner Predigt wandte sich Benedikt XVI. direkt an die Jugendlichen und forderte sie dazu auf, etwas aus ihrem Leben zu machen: „Liebe junge Freunde, erlaubt mir, Euch jetzt eine Frage zu stellen. Was werdet Ihr der nächsten Generation hinterlassen? Baut Ihr Euer Leben auf festen Fundamenten und errichtet Ihr etwas, das Bestand haben wird? Lebt Ihr Euer Leben auf eine Weise, die inmitten einer Welt, die Gott vergessen will oder ihn im Namen einer falsch verstandenen Freiheit sogar ablehnt, Raum schafft für den Geist? Welches Erbe werdet Ihr jenen jungen Menschen hinterlassen, die nach Euch kommen?”
Trotz Wohlstands herrsche immer mehr geistliche Leere, so Benedikt.
„In so vielen unserer Gesellschaften breitet sich neben dem materiellen Wohlstand eine geistliche Wüste aus: eine innere Leere, eine namenlose Furcht und ein heimliches Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Wie viele unserer Zeitgenossen haben in ihrer verzweifelten Suche nach Sinn – nach dem letzten Sinn, den nur die Liebe schenken kann – rissige und leere Zisternen gegraben.”
Eine neue Generation von Christen sei dazu berufen, zum Aufbau einer Welt beizutragen, in der das Leben als Gabe Gottes angenommen, geachtet und geliebt und nicht abgelehnt, wie eine Bedrohung gefürchtet und zerstört wird.
„Eine neue Ära , in der die Liebe nicht gierig und selbstsüchtig, sondern rein, treu und wahrhaft frei, offen für andere und voll Achtung für ihre Würde ist, ihr Wohl sucht und Freude und Schönheit ausstrahlt. Eine neue Ära, in der die Hoffnung uns von der Oberflächlichkeit, der Lustlosigkeit und der Ichbezogenheit befreit, die unsere Seele absterben lassen und das Netz der menschlichen Beziehungen vergiften.”
Dann ein starker Appell des Papstes an die Jugendlichen: „Liebe junge Freunde, der Herr bittet Euch, Propheten dieser neuen Ära zu sein, Boten seiner Liebe, die die Menschen zum Vater hinziehen und eine Zukunft der Hoffnung für die ganze Menschheit aufbauen.”
Die Kirche habe ohne die Jugendlichen keine Zukunft, unterstrich Benedikt eindringlich: „Sie braucht Euren Glauben, Eure Idealismus und Eure Großzügigkeit, damit sie im Geist immer jung sein kann (vgl. Lumen gentium, 4)! Die Kirche braucht besonders die Gaben der jungen Menschen, aller jungen Menschen.”
Die daran anschließende Firmung war dann so etwas wie das sichtbare Zeichen für die Sendung, in die die Christen hineingenommen sind. Zuvor erneuerten alle ihr Taufversprechen. Im Geist „getauft” zu werden bedeute, so Benedikt, von der Liebe Gottes entflammt zu werden.
„Mit dem Geist ‚besiegelt’ zu werden bedeutet, bei unserem Einsatz für den Sieg der Zivilisation der Liebe keine Angst zu haben, für Christus einzustehen und unser Sehen, Denken und Handeln von der Wahrheit des Evangeliums durchdringen zu lassen.
Unter den Gefirmten: Der Schweizer Dean Causevic aus Breitenbach (Solothurn) und der deutschstämmige Matthew Walter Reuzter aus Melbourne in Australien. (rv)

Madrid empfängt 2011 Jugend der Welt
„Der Weltjugendtag 2011 wird in Madrid in Spanien stattfinden.” Mit diesen Worten kündigte Papst Benedikt XVI. nach dem Angelusgebet am Sonntag den Schauplatz des nächsten internationalen Jugendtreffens an.
„Es ist jetzt so weit, dass wir uns Lebewohl sagen, oder besser: Auf Wiedersehen! Ich danke Euch allen für Eure Teilnahme am Weltjugendtag 2008 hier in Sydney und hoffe, dass wir uns in drei Jahren wieder sehen. Bis dahin wollen wir füreinander beten und vor der Welt unser freudiges Zeugnis für Christus ablegen. Der Herr segne Euch alle.”
Spaniens Kirche hatte sich beim Päpstlichen Laienrat, der für die Jugendtreffen verantwortlich zeichnet, angeboten, einen der nächsten internationalen Weltjugendtage auszurichten. Madrids Kardinal Rouco Varela freut sich auf und über seine Rolle als Gastgeber. Im Gespräch mit Radio Vatikan betont er die pastorale Aufgabe für die Kirche in Spanien.
„Das war für mich eine große Freude, verbunden mit einem Gefühl der Dankbarkeit dem Herrn gegenüber, aber auch dem Papst gegenüber. Er hat uns eine große menschliche Sympathie und Ehre erwiesen. Es wird für uns nicht nur eine technische Angelegenheit werden, sondern vor allem eine spirituelle, eine geistige und pastorale Aufgabe sein. Wir werden sie aufnehmen mit dem Geist der kirchlichen Gemeinschaft, des apostolischen Eifers und der weiten Sicht auf das Wohl der Jugend in Europa und der ganzen Welt.” (rv)

Sydney: Abschiedsgruß auf Deutsch
Rund 7.000 junge Menschen waren insgesamt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Weltjugendtag gepilgert. Ihnen und allen Jugendlichen deutscher Sprache rief der Papst zum Abschluss in Sydney-Randwick zu: „Auch euch, liebe junge Freunde deutscher Sprache, gilt mein herzlicher Gruß. Der Heilige Geist ist ein Geist der Gemeinschaft und wirkt Verständigung und Kommunikation. Sprecht mit anderen über eure Hoffnungen und Ideale, und sprecht von Gott und mit Gott! Glücklich ist der Mensch, der in der Liebe Gottes und in der Liebe zum Nächsten lebt. Gottes Geist führe euch auf Wegen des Friedens!” (rv)

 

 

21.07.08

Die letzen Worte Benedikts: Abschied von Sydney

Bei der offiziellen Verabschiedung auf den Flughafen von Sydney richtete Benedikt XVI. Dankesworte an die Spitzen von Staat und Kirche in Australien. Vor dem Einstieg in die Maschine, die ihn nach Rom fliegen wird, sagte der Papst:
„Die Hauptakteure auf der Bühne waren in den vergangenen Tagen natürlich die jungen Menschen selbst. Der Weltjugendtag ist ihr Tag. Sie sind es, die diesen Tag zu einem weltweiten kirchlichen Ereignis gemacht haben, zu einer großartigen Feier der Jugend und zu einer großartigen Feier dessen, was es heißt, Kirche zu sein, Volk Gottes in der ganzen Welt, geeint im Glauben und in der Liebe und befähigt vom Heiligen Geist, das Zeugnis vom auferstandenen Christus bis an die Enden der Erde zu tragen. Ich danke ihnen für ihr Kommen, ich danke ihnen für ihre Teilnahme, und ich bete darum, dass sie eine sichere Rückreise haben.“
Benedikt XVI. zog selbst ein kurzes Resümee:
„Wenn ich auf diese ergreifenden Tage zurückblicke, kommen mir viele Szenen in den Sinn. Diese Erfahrungen des Gebets und unsere frohe Eucharistiefeier waren ein beredtes Zeugnis für das Leben spendende Wirken des Heiligen Geistes, der in den Herzen unserer jungen Menschen gegenwärtig und tätig ist. Der Weltjugendtag hat uns gezeigt, dass die Kirche sich über die jungen Menschen von heute freuen und voller Hoffnung für die Welt von morgen sein kann.“ (rv)
 

Papst: Tiefe Anteilnahme für alle Opfer sexuellen Missbrauchs
Papst Benedikt XVI. hat sich mit vier Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche getroffen. Die zwei Männer und zwei Frauen nahmen an der Frühmesse des Papstes im Cathedral House in Sydney teil. Nach der Messe habe Benedikt XVI. mit jedem einzelnen gesprochen und seine Verbundenheit bekundet, hieß es in einer Erklärung des vatikanischen Pressesaals. Laut Vatikanangaben hörte sich der Papst die Leidensgeschichten der Frauen und Männer an und sprach ihnen Trost zu. Mit seiner „väterlichen Geste“ habe der Papst erneut seine tiefe Anteilnahme für alle Opfer sexuellen Missbrauchs zeigen wollen. Die Erzdiözese von Sydney erklärte, die Teilnehmer an dem Treffen am Morgen seien von der für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zuständigen Kirchenkommission ausgewählt worden. Das Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern zeige das Bemühen der Kirche, „denjenigen Heilung und Gerechtigkeit zu bringen, die durch sexuellen Missbrauch so schrecklich verletzt wurden.“ Der Papst habe bis zum Ende seines Australienbesuchs mit dem Treffen gewartet, weil er das Thema vom Weltjugendtag trennen wollte, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. – Bei einem Gottesdienst am Samstag mit dem Klerus und den Ordensleuten des Landes hatte der Papst Sexualvergehen an Minderjährigen scharf verurteilt. Den Opfern und Angehörigen sprach er sein persönliches Bedauern für ihre Leiden aus. Sie sollten „Mitgefühl und Fürsorge“ erhalten, die Täter müssten verurteilt werden. (rv)

Benedikt XVI.: „Thank you“ an die WJT-Helfer
Vor seiner Abreise bedankte sich Benedikt XVI. bei den 8.000 ehrenamtlichen Helfern des Weltjugendtages. Ohne sie wäre das Großereignis nicht durchführbar gewesen, betonte das Kirchenoberhaupt bei einer Begegnung mit den Jugendlichen in der „Domain“ – einem großen öffentlichen Park zwischen den Royal Botanic Gardens und dem Central Business District. Die Durchführung des 23. Weltjugendtages habe es möglich gemacht, dass mit der Kraft des Heiligen Geistes Jugendliche aus zahlreichen Ländern und Kulturen zusammengekommen seien. Der Papst wörtlich an die Helfer und Organisatoren:
„In den Menschenmengen, die hier in Sydney zusammengekommen sind, haben wir einen lebendigen Ausdruck der Einheit-in-der-Vielfalt der Weltkirche erblickt, eine Vision im Kleinen von der geeinten Menschheitsfamilie, die wir ersehnen. Diese Jugendlichen mögen in der Kraft des Geistes diese Vision in der Welt von morgen Wirklichkeit werden lassen.“
Auch für ihn sei diese Woche eine herrliche und einzigartige Erfahrung gewesen, unterstrich Benedikt XVI.. Mit großen Opfern sei die Planung dieser herrlichen Tage für das Leben der Kirche in Australien möglich geworden.
„In der Apostelgeschichte lesen wir, dass ,geben seliger als nehmen ist’ (Apg 20,35) – aber ich vertraue darauf, dass Ihr Helfer und Organisatoren dennoch viel von diesen jungen Menschen empfangen habt, für die Ihr im Laufe unserer Veranstaltungen so großzügig Euren Dienst geleistet habt. Euch allen sage ich von Herzen ein aufrichtiges ‚Danke’.“ (rv)
 

Vatikansprecher: „Papst geht in die Tiefe“
Die Texte des Papstes bedürfen einer intensiven Aufarbeitung. Das betonte vor der Abreise aus Sydney Vatikansprecher Pater Federico Lombardi in einer Pressekonferenz. Auf die Frage eines Journalisten, weshalb der Papst vor allem beim Abschlussgottesdienst eine so anspruchsvolle Botschaft an die Jugend gerichtet habe, antwortete Pater Lombardi:
„Man muss an seinen Texten gut und genau arbeiten, um sich dem Kern anzunähern. Der Papst weiß, dass es viele Menschen gibt, die bereit sind, auf ihn zu hören, auch wenn die Texte auf den ersten Blick nicht immer einfach erscheinen. Bereits in Köln konnte man feststellen, dass viele Jugendliche sich daran machten, die Texte genauer zu studieren.“
Inhaltlich habe der Papst verschiedene Themen angesprochen, so Vatikansprecher Lombardi.
„Die Ansprachen und Predigten des Papstes beim Weltjugendtag waren eine Art Katechismus auf breiter Ebene. Im Mittelpunkt stand jeweils die Bedeutung des Heiligen Geistes. Der Papst hat viel gesprochen, doch immer klare Worte gefunden. Es war hier in Sydney immer eine sehr intensive Spiritualität spürbar. Das haben wir besonders in jenem Moment erlebt, als der Papst mit schwer integrierbaren Jugendlichen sprach. Ihnen hat der Papst das christliche Leben als Weg der inneren Erneuerung angeboten.“
Die Wirkung des Papstes sei vielleicht anders als die seines charismatischen Vorgängers, räumte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi ein. Man müsse vor allem die verschiedenen Persönlichkeiten im Blick haben. Während Johannes Paul II. eher spontan und als junger Priester in der Jugendseelsorge tätig gewesen sei, war Benedikt XVI. Universitätsprofessor. Der deutsche Papst gehe vielleicht nicht selbst mit großen Gesten auf die jungen Leute zu wie sein Vorgänger, „doch empfängt er deren Gesten sehr freudig“, sagte Lombardi. Die Australier habe Papst Benedikt vor allem mit seinen starken Worten zu den Missbrauchsskandalen der Kirche beeindruckt. (rv)

Australien hat im Zuge des Besuchs von Papst Benedikt XVI. seine Vatikan-Botschaft aufgewertet. Das Land werde künftig beim Heiligen Stuhl mit einem eigenen, ständig in Rom residierenden Botschafter vertreten sein, bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag während des Rückflugs von Sydney nach Rom. Bei der Verabschiedung am Flughafen stellte Premierminister Kevin Rudd dem Papst Tim Fisher als ersten ständig und ausschließlich in Rom ansässigen Vatikan-Botschafter seines Landes vor. In der Vorgängerregierung unter John Howard war Fisher stellvertretender Premierminister. Bisher nahm der australische Botschafter in Irland zugleich die Interessen seines Landes beim Heiligen Stuhl wahr. Allerdings unterhielt Australien auch in der Vergangenheit eine eigene Vatikan-Niederlassung und eine Kanzlei in Rom. (rv)

 

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8/2008

 

 

07.08.08

Gedenken an Paul VI.

Papst Paul VI. wusste sehr gut, dass er in bestimmten Punkten seiner Lehre die öffentliche Meinung gegen sich hatte. Das sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone bei einem Gottesdienst in Castel Gandolfo zum Gedenken an den vor 30 Jahren verstorbenen Montini-Papst.

„Einige seiner prophetischen Entscheidungen, denken wir an die Enzyklika „Humanae Vitae“, haben dazu geführt, dass Papst Paul sich nahezu isoliert und unverstanden wieder fand, ungerechterweise sogar von der dominierenden öffentlichen Meinung bekämpft. In einer Generalaudienz 1968 vertraute er den Gläubigen an, er habe in einer so heiklen Frage wie der ehelichen Moral nach Beratungen mit vielen Fachleuten sein Gewissen ganz in den Dienst der Wahrheit gestellt und versucht, die göttliche Norm zu interpretieren. Es war ihm klar, dass ein großer Teil der öffentlichen Meinung gegen ihn war, mit Rückwirkungen auch auf die kirchliche Gemeinschaft. Aber er zögerte nicht zu entscheiden. Und er tat es für das wahre Wohl des Mannes und der Frau.“

Am Abend fand in Castel Gandolfo auch ein Konzert zum Gedenken an Papst Paul VI. statt. Das Sinfonieorchester des Vereinten Europa (OSEU) unter dem niederländischen Dirigenten Gerard Oskamp spielten Werke von Mendelssohn, Mozart und Beethoven. (rv)

 

 

07.08.08

Vatikan: „Schließung der Bibliothek hat Folgen“

Die Totalschließung der Vatikanischen Bibliothek für drei Jahre wird sich negativ auf die Forschung auswirken. Das glaubt die deutsche Kunsthistorikerin Elisabeth Kieven, frischgebackenes Mitglied im Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften. Zumal jüngere Forscher seien von der Maßnahme schwer betroffen, so Kieven, die in Rom die Forschungseinrichtung „Bibliotheca Hertziana“ mit rund 40 Kunsthistorikern leitet.

„Es ist natürlich ein Drama, dass die Vatikanische Bibliothek für mehrere Jahre geschlossen ist. Das wird sich auf die Forschung auswirken. Denn der Bestand an Manuskripten der Vaticana, fast 100.000, ist durch nichts zu ersetzen. Bücher können Sie eventuell noch woanders finden. Und wir haben heute auch über Internet Möglichkeiten, auf Texte zurückzugreifen. Aber die Manuskripte sind einzigartig. Wenn die jetzt für Jahre gesperrt sind, bricht in einigen Forschungsbereichen der Geisteswissenschaft wie Religionsgeschichte, Geschichte, Kunstgeschichte die Forschung fast zusammen.“

Auch die Bibliothek der Hertziana – am oberen Ende der Spanischen Treppe - wird soeben umgebaut. Allerdings sind die Bestände der Bibliothek für die Forscher sämtlich einsehbar. Kieven äußerte Verständnis für die Renovierung der Vaticana.

„Wir haben alle die gleichen Probleme. Die Masse der Bücher wächst, dann gibt es statische Probleme. Die neuen Brandschutz- und Arbeitsschutzgesetze erfordern sehr umfangreiche Baumaßnahmen. Wir müssen diese Maßnahmen alle durchführen, auch die Vaticana.“

Aber: „Es wäre schön gewesen, wenn man zumindest die Manuskripte konsultieren könnte. Denn ist ein Riesenproblem, weil Sie bestimmte Doktorarbeiten gar nicht schreiben können, wenn die Manuskriptabteilung zu ist. Ich drücke sehr die Daumen, dass die Bauzeit von drei Jahren einzuhalten ist!“ (rv)

 

 

09.08.08

Georgien: Papst besorgt wegen Eskalation der Gewalt

Papst Benedikt XVI. verfolgt mit wachsender Sorge die Krise in Ossetien und die militärische Eskalation zwischen Georgien und Russland. Der Papst bete und hoffe, dass der kriegerische Konflikt durch Vernunft und diplomatische Wege wieder beendet werden könne, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Samstag in „Radio Vatikan“. Der Heilige Stuhl sei „schockiert“ über die Ereignisse im Kaukasus und darüber, dass nach einigen Jahren der Ruhe jetzt wieder Gewalt in dieser ohnehin von vielen Spannungen geprägten Region ausgebrochen sei.

„Das ist ein schwieriger Moment. Hoffen wir, dass die Vernunft, der Wille zum Frieden und zum Verhandeln siegt über die Waffen, die niemals einen guten Weg darstellen, um Frieden zu schaffen.“

Die Situation in der Kaukasusregion war eskaliert, nachdem russische Truppen in die von Georgien abtrünnige Provinz Südossetien einmarschiert waren. Der Kreml unterstützt seit Jahren Südossetien und seine 75 000 Bewohner in der Auseinandersetzung mit dem pro-westlichen Georgien. Es begründete die Militäraktion mit dem Ziel, von Georgiern ausgehende Gewalthandlungen beenden zu wollen. Wir haben Giuseppe Pasotto, den Apostolischen Administrator für die Gläubigen des lateinischen Ritus in Georgien, telephonisch in Tblisi erreicht:

„Die Situation ist eskaliert, aber warum weiß ich nicht. Man müsste die verschiedenen Seiten hören, denn von hier aus ist es schwierig, die Lage einzuordnen. Man hat gespürt, dass etwas passieren würde. Manche sagen, von russischer Seite sei alles von langer Hand vorbereitet gewesen.“

Nach ARD-Angaben ist die südossetische Provinzhauptstadt Tschinwali weitgehend zerstört. Sprecher des russischen Militärs sagten, Tschinwali sei unter russischer Kontrolle und keine georgischen Kräfte mehr in der Stadt. Der russische Staatsrundfunksendung „Voice of Russia“ meldet, dass georgische Truppen mit Streubomben versucht hätten, die Kontrolle über die Provinzhauptstadt wieder zu erlangen. Dabei seien 1500 Zivilisten ums Leben gekommen. Dazu Bischof Pasotto:

„Die Georgier sagen, dass das nicht stimmt. Ich verstehe nicht, warum Bombardierungen durchgeführt werden, manchmal auch auf nicht-militärische Ziele. Ich kann verstehen, dass es zuweilen schwierige Momente gibt, aber den Konflikt auf diese Weise auszuweiten, dass finde ich sehr schwierig.“

Derzeit, so heißt es in russischen Quellen weiter, versuche die russische Seite, Georgien zu einem Waffenstillstand zu zwingen. Konvois mit Hilfsgütern und mobilen Krankenstationen seien in die Krisenregion unterwegs. Nach georgischen Angaben sind 30 000 Menschen auf der Flucht. Die Regierung in Tiflis berichtete, die russischen Luftstreitkräfte hätten militärische Ziele in Tiflis, weitere Anlagen im Land und die Stadt Gori angegriffen. Vollständig zerstört worden sei, so das georgische Außenministerium, der Schwarzmeerhafen Poti, der ebenfalls für die Erdölversorgung Westeuropas bedeutend ist. Berichtet wird ferner von Angriffen auf georgische Stellungen in der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien. Eine Deeskalation ist nicht in Sicht. Giuseppe Passoto:

„Der Patriarch hat dazu aufgerufen, dass abends um 19 Uhr alle gemeinsam um Frieden beten. Gestern haben wir Vertreter der religiösen und ethnischen Minderheiten uns getroffen, um eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden. Wir haben den Abbruch der Kampfhandlungen gefordert und die Respektierung jeder einzelnen Person. Wir haben gefordert, dass andere Staaten nicht die nationale Souveränität verletzen, und Russland haben wir aufgefordert, eine befriedende Rolle zu spielen.“

Antonio Mennini, der Apostolische Nuntius in der Russischen Föderation setzt weiter auf Diplomatie:

„Ich bin davon überzeugt, dass es noch einen breiten Handlungsspielraum für eine gerechte und ehrbare Lösung für alle Seiten gibt. Man muss an den Verhandlungstisch zurückkehren, denn das ist der einzige Weg, um eine nicht nur dauerhafte, sondern auch für alle befriedigende Lösung zustande zu bringen.“ (rv)

 

 

19.08.08

 Neuer Kommandant der Schweizergarde

Die Päpstliche Schweizergarde hat einen neuen Kommandanten. Papst Benedikt XVI. berief am Dienstag Daniel Rolf Anrig in den Vatikan. Der 36-jährige Jurist ist derzeit Kommandant der Glarner Kantonspolizei. Er folgt Elmar Mäder als Chef der päpstlichen Schutztruppe nach. Den Dienst tritt er am 1. Dezember 2008 an. Anrig stammt - wie Mäder - aus dem Kanton Sankt Gallen. In einer ersten Reaktion sagte er uns:

„Es ist für mich natürlich eine große Freude, dass ich vom Heiligen Vater ernannt worden bin. Sicher ist es auch eine große Freude, mit jungen Leuten die Visitenkarte für die Schweiz und für die Kirche insbesondere zu sein. Deswegen ist es auch eine besondere Ehre für mich, als Kommandant mit diesem Corps der Kirche dienen zu dürfen.“
2002 bis 2006 leitete Anrig im Kanton Glarus die Kriminalpolizei, zuletzt war er Kommandant des Corps. Erfahrungen, die ihm als Chef der Päpstlichen Leibgarde unverzichtbar sein werden, glaubt Anrig.

„Hier habe ich einerseits kriminalpolizeiliche Erfahrungen gesammelt, und ich habe in den letzten Jahren ein Corps geführt, das die gesamte Palette der Polizeiarbeit beinhaltet hat. Und diese Führungserfahrungen an der Spitze eines kleinen kantonalen Corps war sicher sehr wichtig und wird wahrscheinlich auch für die Arbeit in Rom von Gewinn sein.“
Immer wieder war in letzter Zeit von Spannungen zwischen Schweizergarde und vatikanischer Gendarmerie die Rede. Beide sind für die Sicherheit im Vatikan zuständig. Daniel Anrig:

„Ich kann das von außen nicht beurteilen, für mich ist aber eines ganz klar: Ich bin schon seit sieben Jahren bei der Polizei, und Sicherheit kann man nur im Verbund, im Team generieren. Ich denke, wenn man Sicherheit in Kooperation produziert, dann haben alle einen Nutzen davon. Das ist meine Erfahrung aus der Polizei: Zusammen werden wir Sicherheit produzieren.“
Erfahrungen bei der Schweizergarde hat Anrig ebenfalls: Von 1992 bis 1994 war er Gardist. Später studierte er Zivil- und Kirchenrecht in Freiburg (Schweiz). Anrig ist mit einer Theologin verheiratet und hat vier Kinder. Die Schweizer Bischöfe übermittelten dem neuen Kommandanten ihre Glückwünsche. Sie dankten gleichzeitig dem zurückgetretenen Kommandanten der Schweizergarde, Elmar Mäder, für seine hervorragenden Dienste. (rv)

 

 

26.08.08

Vatikan: 30 Jahre Johannes Paul I.

Vor 30 Jahren, am 26. August 1978, wurde Albino Luciani zum Papst gewählt. Der damalige Patriarch von Venedig gab sich den Namen Johannes Paul I. Sein Pontifikat währte nur 33 Tage. Geschichte schrieben seine menschlichen, liebevollen Unterweisungen. Hier eine Aufnahme aus dem Audioarchiv von Radio Vatikan:

„Gott schenkt uns seine Liebe, die niemals untergeht. Wir wissen, dass er stets die Augen auf uns richtet, auch wenn es Nacht zu sein scheint. Er ist Vater, und noch mehr ist er Mutter. Er will allen Gutes. Wenn ein Kind krank ist, liebt die Mutter es noch mehr. Und wenn wir krank sind, wenn wir vom Weg abgekommen sind, haben wir noch einen Grund mehr, vom Herrn geliebt zu werden.“

Der heutige Patriarch von Venedig, Erzbischof Angelo Scola, im Rückblick:

„Johannes Paul I. war wirklich eine große Überraschung des Heiligen Geistes. Denn er hat mit seinem intensiven, wenngleich kurzen Pontifikat, aber vor allem mit seiner großen Persönlichkeit zu einer erweiterten Katholizität des Papsttums beigetragen: Er hat den Übergang von einem italienischen Papst zu einem Papst möglich gemacht, der aus allen Kontinenten kommen kann.“

Albino Luciani wurde „der lächelnde Papst“ genannt. Scola, der an diesem Dienstag in der Geburtsstadt Lucianis einen Gottesdienst feiert, erinnert an grundlegende Charaktereigenschaften des Mannes aus Canale d’Agordo im Veneto:

„Dieses Lächeln muss interpretiert werden. Es ist die Folge zweier Grundtugenden, die Albino Luciani von Kindheit an pflegte: Bescheidenheit und Gehorsam. Für ihn gehörten sie immer zusammen. Das ist also kein billiges Lächeln.“

Johannes Paul I. starb überraschend in der Nacht auf den 29. September 1978 an einem Herzinfarkt. Für ihn ist ein Seligsprechungsverfahren im Gang. (rv)

 

 

31.08.08

Apostolische Reise Benedikt XVI. nach Frankreich vom 12.-15.09.2008

Freitag, 12. September
9.00 Uhr Abflug vom Internationalen Flughafen Leonardo da Vinci in Fiumicino                      (Rom) nach Orly (Paris)
11.10 Uhr Ankunft am Flughafen Orly
11.15 Uhr Offizieller Empfang am Flughafen
12.25 Uhr Willkommenszeremonie am Elysée-Palast
12.30 Uhr Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten
13.00 Uhr Begegnung mit staatlichen Autoritäten im Elysée-Palast; Rede des                               Papstes
17.00 Uhr Kurze Begegnung mit Vertretern der jüdischen Gemeinde in der                                   Apostolischen Nuntiatur
17.30 Uhr Begegnung mit Vertretern des Kulturlebens im "Collège des Bernardins";                    Rede des Papstes
19.15 Uhr Vesper mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Diakonen in der                         Kathedrale Notre Dame; Rede des Papstes
20.30 Uhr Begrüßung von Jugendlichen auf dem Vorplatz der Kathedrale Notre                           Dame; Grußwort des Papstes

Samstag, 13. September
9.10 Uhr Kurzer Besuch im "Institut de France"
10.00 Uhr Messe auf dem Vorplatz des Invalidendoms; Predigt des Papstes
12.30 Uhr Mittagessen mit den Bischöfen der Ile de France und mit dem päpstlichen                    Gefolge in der Apostolischen Nuntiatur
15.50 Uhr Abschied von der Apostolischen Nuntiatur
16.30 Uhr Abflug vom Flughafen Orly nach Tarbes-Lourdes
17.45 Uhr Ankunft am Flughafen Tarbes-Lourdes

Sonntag, 14. September
10.00 Uhr Messe zum 150. Jubiläum der Erscheinungen auf der Prairie von                                  Lourdes; Predigt des Papstes; Angelusgebet auf der Prairie von Lourdes;                    Ansprache des Papstes
12.45 Uhr Mittagessen mit den Bischöfen der Region Midi-Pyrenees und mit den                          Kardinälen und Bischöfen des päpstlichen Gefolges in der "Hermitage St.                    Joseph"
17.15 Uhr Begegnung mit den französischen Bischöfen im "Hémicycle                                           Sainte-Bernadette"; Ansprache des Papstes
18.30 Uhr Abschluß der Eucharistischen Prozession auf der Prairie von Lourdes;                          Ansprache des Papstes

Montag, 15. September
Abschied von der Residenz "Hermitage St. Joseph"
8.45 Uhr Besuch im Oratorium des Krankenhauses
9.30 Uhr Messe mit Kranken in der Rosenkranzbasilika; Predigt des Papstes
12.10 Uhr Abflug im Helikopter vom Antoine-Béguère-Stadion zum Flughaften                            Tarbes-Lourdes
12.30 Uhr Ankunft am Flughafen; Abschiedszeremonie im Flughafen; Ansprache                         des Papstes
13.00 Uhr Abflug nach Ciampino (Rom)
15.15 Uhr Ankunft am Flughafen Ciampino. Anschließend Weiterfahrt nach Castel                     Gandolfo.

 

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9/2008

 

 

06.09.08

Italien: Stippvisite auf der Insel

Papst Benedikt XVI. reist an diesem Sonntag zu einem Pastoralbesuch nach Sardinien. Zehn Stunden wird die Visite dauern, deren Hauptprogrammpunkt eine Messe vor dem Marienheiligtum „Nostra Signora di Bonaria” in der Inselhauptstadt Cagliari ist. Die Gottesmutter von Bonaria ist seit 100 Jahren Patronin Sardiniens. Papst Benedikts Besuch soll den Gläubigen neue Horizonte öffnen, wünscht sich der Erzbischof von Cagliari, Giuseppe Mani:

„Der Papst ist Oberhaupt der Weltkirche. Und für uns als mediterranes Inselvolk zählt das besonders. Wir zählen rund eineinhalb Millionen Einwohner hier, doch während des Sommers wächst die Zahl der Menschen auf der Insel auf sieben oder acht Millionen an, aufgrund der Gäste, die uns besuchen. Der Papst kommt auch, um uns klarzumachen, dass wir Geschwister sind – egal woher wir kommen, ob aus Italien, Afrika oder Asien.”

Vor dem Gottesdienst wird der Papst mit etwa einem Dutzend hundertjähriger Sarden zusammentreffen und sie segnen. Insgesamt erwartet Cagliari mehr als 50.000 Menschen.

„Der große Reichtum Sardiniens ist seine Volksreligiosität, auch heute noch. Auf gewisse Weise kann man nicht Sarde sein, ohne Christ zu sein. Hier wird man als Christ geboren.”

Damit das auch so bleibt, ist am Nachmittag eine Begegnung des Papstes mit sardischen Jugendlichen vorgesehen. Davor steht ein Mittagessen mit den sardischen Bischöfen auf dem Programm, das einen informellen Gedankenaustausch ermöglichen wird. Außerdem richtet der Papst in der Kathedrale von Cagliari eine Ansprache an Priester, Seminaristen und Theologen. Am frühen Abend fliegt Benedikt XVI. nach Rom zurück. Radio Vatikan überträgt den Gottesdienst in Cagliari und den Angelus live und mit deutschem Kommentar ab 10.20 Uhr über verschiedene Partnersender. (rv)

 

 

06.09.08

Vatikan: Wer bei der Synode mit dabei ist

Die Weltbischofssynode im Oktober über das Wort Gottes nimmt Gestalt an. Papst Benedikt XVI. hat an diesem Samstag die Mitglieder der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode berufen. Außerdem gab der Vatikan die Ernennung der „Experten” und der „Hörer und Hörerinnen” der Versammlung bekannt.

Unter den 32 vom Papst ernannten Mitgliedern der Bischofssynode befindet sich als einziger aus dem deutschsprachigen Raum der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner. Die beiden Mitglieder, die nicht aus den Rängen der Kardinäle und Bischöfe stammen, sind der Generalobere des Jesuitenordens, P. Adolfo Nicolas, und der Präsident von Comunione e Liberazione, Julian Carron.
Vielfältiger das Bild bei den quantitativ größeren Gruppen, deren Mitglieder vom Generalsekretär der Bischofssynode ernannt wurden, nämlich die Experten einerseits und die Hörer und Hörerinnen andererseits. Von den 41 Experten sind rund ein Viertel Laien, so aus Deutschland der in Wuppertal lehrende Neutestamentler Thomas Söding und der Generalsekretär der Katholischen Bibelföderation, Alexander Schweitzer, und aus Österreich der Exeget Michael Waldstein (Gaming). Sechs der zehn Laien in der Gruppe der Experten sind Frauen, darunter die US-amerikanische Dogmatikerin Sara Butler, die auch der Internationalen Theologischen Kommission angehört. Von den 37 „Hörern und Hörerinnen” sind mehr als die Hälfte Frauen, darunter die in Dresden lehrende Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz, die Vorsitzende der Internationalen Union der Generaloberinnen, Schwester Louise Madore, sowie die neue Präsidentin der Fokolar-Bewegung Maria Voce. Außerdem unter den Hörern der Bibelsynode: Nikolaus Lobkowicz, emeritierter Rektor der Katholischen Universität Eichstätt. Die Weltbischofssynode beginnt am 5. Oktober mit einem Papstgottesdienst in Sankt Paul vor den Mauern. Bei der Versammlung im Vatikan beraten rund 250 Bischöfe und Fachleute über „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche”. Das Treffen endet am 26. Oktober mit einer gemeinsamen Eucharistiefeier unter Leitung des Papstes im Petersdom. (rv)

 

 

09.09.08

Kardinal Antonio Innocenti ist tot.

Der frühere Präfekt der vatikanischen Klerus-Kongregation starb am Samstag in Rom. Damit zählt das Kardinalskollegium derzeit 193 Mitglieder – 116 wahlberechtigt, 77 nicht. Innocenti wurde im August 1915 in der Nähe von Arezzo in Mittelitalien geboren. Er studierte in Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs rettete er zahlreiche Menschen vor der Deportation und entging dafür nur knapp seiner Hinrichtung durch die Deutschen. Nach mehreren Stationen an Nuntiaturen in aller Welt wurde er 1967 Bischof und Nuntius in Paraguay und später in Spanien. 1985 machte ihn Johannes Paul II. zum Kardinal und Präfekten der Kleruskongregation. Bis Dezember 1995 leitete Innocenti auch die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die sich um das Gespräch mit schismatischen Kräften bemüht. (rv)

 

 

12.09.08

1. Tag der Papstreise (12.09.08)

 

Benedikt XVI. beginnt Apostolische Reise nach Frankreich – Das Programm in Kürze
Benedikt XVI. ist in Frankreich. Am Freitag traf er in Paris ein, wo er bei seiner ersten Ansprache die Trennung zwischen Staat und Kirche würdigte. Allerdings leiste Religion einen wichtigen Beitrag zu einem ethischen Grundkonsens in der Gesellschaft, meinte der Papst im Elysée-Palast, dem Amtssitz von Präsident Sarkozy. Am Abend hielt Benedikt eine große Rede zum Thema Glaube und Vernunft. Dabei warnte er vor davor, die Gottesfrage ins Subjektive abzudrängen – das wäre eine „Kapitulation der Vernunft” und ein schwerwiegender „Absturz der Humanität“. Bei dem Treffen mit rund 700 Vertretern des Kulturwesens nahmen auch Delegierte der muslimischen Gemeinschaft Frankreichs Teil. Mit Vertretern des Judentums hatte sich das Kirchenoberhaupt aus Achtung der Sabbatgebote bereits am Freitag Nachmittag getroffen. In der Kathedrale Notre Dame feiert Papst Benedikt am Abend die Vesper mit Ordensleuten und Mitgliedern des Klerus, auch Gläubige anderer christlicher Konfessionen nehmen daran teil. Auf dem Vorplatz findet eine Gebetswache mit Jugendlichen statt, an die der Papst nach der Vesper ein Grußwort richtet. Gegen Mitternacht bilden die Katholiken einen Lichterzug von Notre-Dame zu den „Invaliden“, wie die Militäranlage mit der markanten goldenen Kuppel in der Nähe des Eiffelturms heißt. Dort, auf dem weitläufigen Vorplatz, feiert der Papst am Samstagvormittag eine Messe, zu der bis zu 300.000 Gläubige erwartet werden. Anschließend reist er weiter in den südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes. Dort nimmt er bis Montag an den Feiern zum 150. Jahrestag der Marienerscheinungen teil. (rv)

Empfang durch Präsident Sarkozy auf dem Flughafen Orly
Papst Benedikt ist am Freitag Vormittag auf dem Flughafen Orly gelandet. Um 11.12 Uhr öffneten sich die Türen der Alitalia-Maschine, die das Kirchenoberhaupt von Rom-Fiumicino aus nach Paris-Orly gebracht hatte. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hieß den Papst willkommen. Diese protokollarische Ehre hatte Sarkozy bislang nur dem ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela erwiesen. Begleitet wurde er von Ehefrau Carla Bruni und dem Pariser Erzbischof Kardinal André Vingt-Trois. Die Eröffnungszeremonie sah keine Ansprachen vor, Benedikt nahm die militärischen Ehren entgegen und begrüßte einige Mitglieder des französischen Episkopats. Die offiziellen Reden und der Besuch im Elysée-Palast folgten ab 12 Uhr 30. In seiner Botschaft an das Volk der „geliebten Grande Nation” hatte der Papst vor der Abreise betont, er käme als „Bote des Friedens und der Brüderlichkeit” nach Frankreich. Benedikt XVI. ist in Paris zu Gast in der Apostolischen Nuntiatur. (rv)

Im Elysée-Palast: Papst und Sarkozy betonen Dialog und Toleranz
Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt seines Frankreichbesuchs die grundsätzliche Trennung von Religion und Politik gewürdigt. Im Pariser Elysée-Palast wies er am Freitag Mittag aber auch auf die wichtige Rolle von Religion für die Gesellschaft hin. Hier ein ausführlicher Bericht über den Auftakt der Visite.

Elf Uhr an diesem Freitag: Die Alitalia-Maschine mit Benedikt an Bord setzt in Paris auf. Das Wetter ist grau und windig; Präsident Sarkozy ist selbst zum Flughafen Orly gekommen, um den Papst zu begrüßen – protokollarisch stellt das eine besondere Ehre dar. An der Seite des staatsmännisch dreinblickenden Sarkozy ist seine dritte Frau, Carla Bruni, im grauen Kostüm; sie kann eine gewisse Nervosität nicht überspielen. Der Papst im weißen Gewand verlässt das Flugzeug, grüßt das Präsidentenehepaar und den Pariser Kardinal André Vingt-Trois – den Boden küsst er nicht. Ein paar herzliche Worte zwischen Papst und Präsident, ein Handschlag für Bischöfe und einige Staatsvertreter, ein breites Lächeln des französischen Kardinals Etchegaray, der im Schlepptau Benedikts seine Heimat besucht – dann fährt der Papst mit einer dunklen Limousine zum Elysée-Palast im Pariser Zentrum, „rive droite“, nicht weit von den Champs-Elysées.

Dort im Hof des Palastes salutiert die Ehrengarde mit weißen Handschuhen und gezogenem Säbel, als das Papst-Auto um 12.30 Uhr vorfährt. Nicolas Sarkozy empfängt ihn auf der Treppe, und gleich im Innern drückt auch Premierminister Francois Fillon dem Gast aus Rom die Hand. Dann geht es zu einer Besprechung Papst-Präsident ins obere Stockwerk des Elysée; zum Schluss des Gesprächs kommen u.a. Carla Bruni, Sarkozys Mutter und einer seiner Söhne hinzu. Benedikt schenkt dem Präsidenten einen Piranesi-Stich der Lateran-Basilika, deren Ehren-Domherr Sarkozy seit Dezember letzten Jahres ist und wo er eine Grundsatzrede über Laizität gehalten hat; von Sarkozy bekommt er ein Porträt sowie eine alte Ausgabe des Pariser Naturwissenschaftlers und christlichen Denkers Blaise Pascal. Dann freundlicher Applaus für Benedikt in der „Salle des fetes“, wo er Vertreter von Staat und Regierung trifft. Ehrengast ist übrigens ein Bruder des unlängst im Irak ermordeten chaldäischen Erzbischofs von Mossul Faraj Raho.

Auf einem kleinen Podium mit den Fahnen des Vatikans, Frankreichs und Europas ergreift zunächst Sarkozy die Gelegenheit, von neuem für sein Konzept der „positiven Laizität” des Staates zu werben. Der Dialog mit den Religionen sei legitim für eine Demokratie und entspreche der Laizität. Insbesondere die christliche Religion, mit der Frankreich eine lange Geschichte teile, sei ein lebendiges Erbe des Nachdenkens über Gott, den Menschen und die Gesellschaft. „Es wäre verrückt, sich dessen zu berauben. Es wäre ein Vergehen gegen die Kultur und gegen die Vernunft“, so Sarkozy: Eine positive, offene Laizität sei eine Einladung zu Dialog, Toleranz und Respekt. Nicht ohne Pathos warnt der Präsident vor neuen Religionskriegen - das Gespräch mit und unter den Religionen sei eines der großen Themen des 21. Jahrhunderts. Die politisch Verantwortlichen könnten nicht umhin, sich dafür zu interessieren. Aber sie könnten nur dann zu diesem Dialog beitragen, wenn sie die Religionen respektierten. Sarkozy erwähnt, dass er sich auch im saudischen Riad persönlich für das Gespräch der Religionen engagiert habe – und er zitiert an einer Stelle seiner Rede sogar den Dalai Lama. Der Papst nimmt den Ball namens „positive Laizität” dann in seiner Rede auf, weitet aber den Blick und spricht von seiner Sorge über die Umwelt, über neues Säbelrasseln in der Welt, über Schwierigkeiten beim Bau der Europäischen Union. Noch einmal ein herzlicher Händedruck zwischen den beiden Staatschefs, dann fährt Benedikt weiter in die nahe gelegene Nuntiatur. (rv)

Die Kernsätze der Ansprache Benedikts im Elysée-Palast
In der ersten Ansprache im Pariser Elysée-Palast erinnerte der Papst an den wichtigen Beitrag der Religion für die ethischen Normen der Gesellschaft. Bei offiziellen Empfang am Sitz des Staatspräsidenten beklagte das Kirchenoberhaupt die wachsende Distanz zwischen Arm und Reich und rief zu konkreten Maßnahmen gegen den Klimawandel auf. Mit Blick auf die Europa-Politik warnte Benedikt XVI. vor „der Gefahr eines Widererstehens alten Misstrauens“. Frankreich aufgrund seiner Geschichte sei in der derzeitigen EU-Ratsspräsidentschaft dazu berufen, „Europa zu helfen,…den Frieden aufzubauen“.
Hier Kernsätze der Ansprache:

„Gegenwärtig erfreut sich die Kirche in Frankreich einer Ordnung der Freiheit. Das Misstrauen der Vergangenheit hat sich allmählich in einen sachlichen und positiven Dialog verwandelt, der sich zunehmend festigt. … Wir wissen, dass einige Bereiche des Dialogs noch offen sind, die wir mit Entschiedenheit und Geduld nach und nach in Angriff nehmen und bereinigen müssen…

Ich bin überzeugt, dass in dieser geschichtlichen Zeit, in der die Kulturen sich immer mehr verflechten, ein neues Nachdenken über den wahren Sinn und die Bedeutung der Laizität notwendig geworden ist. In der Tat ist es grundlegend, einerseits auf die Unterscheidung zwischen politischem und religiösem Bereich zu bestehen, um sowohl die Religionsfreiheit der Bürger als auch die Verantwortung des Staates, die er ihnen gegenüber hat, zu gewährleisten, und sich andererseits deutlicher der unersetzlichen Funktion der Religion für die Gewissensbildung bewusst zu werden und des Beitrags, den die Religion gemeinsam mit anderen zur Bildung eines ethischen Grundkonsenses innerhalb der Gesellschaft erbringen kann…

Besorgt bin ich über die soziale Situation der westlichen Welt, die leider durch eine schleichend wachsende Distanz zwischen Reichen und Armen gekennzeichnet ist. Ich bin sicher, dass es möglich ist, gerechte Lösungen zu finden, die über die notwendige unmittelbare Hilfe hinaus zum Kern des Problems vordringen, um die Schwachen zu schützen und ihre Würde zu fördern…

In einem wesentlich weiteren Rahmen beunruhigt mich auch der Zustand unseres Planeten. Mir scheint der Moment gekommen, konstruktivere Vorschläge zu machen, um das Wohl der kommenden Generationen zu gewährleisten…

Die Präsidentschaft der Europäischen Gemeinschaft stellt für Ihr Land eine Gelegenheit dar, die Bedeutung, die Frankreich gemäß seiner edlen Tradition den Menschenrechten und ihrer Förderung zum Wohl der einzelnen wie der Gesellschaft zumisst, zu bezeugen. Insbesondere angesichts der Gefahr eines Wiedererstehens alten Misstrauens, von Spannungen und Gegensätzen zwischen den Nationen, was wir heute mit Sorge beobachten, ist Frankreich dazu berufen, Europa zu helfen, innerhalb seiner Grenzen und auf der ganzen Welt den Frieden aufzubauen. … Dabei ist andererseits daran zu erinnern, dass "die nationale Identität selbst nur durch die Öffnung zu anderen Völkern und durch die Solidarität mit ihnen verwirklicht werden kann" (Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 112). (rv)
 

Stichwort: Katholische Kirche in Frankreich
Die katholische Kirche in Frankreich zählt zu den traditionsreichsten und geistesgeschichtlich bedeutendsten in Europa. Marksteine ihrer Geschichte sind etwa im christlich geprägten Mittelalter die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig, die Reichskirche Karls des Großen und das „Zeitalter der Kathedralen“; weiter die Religionskriege des 16./17. Jahrhunderts, die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Absolutismus, die Epoche der Aufklärung und die Französische Revolution.

Rund drei Viertel der gut 61 Millionen Einwohner Frankreichs sind heute katholisch. Doch Bischöfe und Klerus beklagen die abnehmende Zahl praktizierender Katholiken sowie der Priester. 16.553 Pfarreien gehören zu 98 Diözesen. Seit der Verstaatlichung ihres Eigentums im Zuge der Französischen Revolution finanziert sich die Kirche allein durch Spenden und Beiträge der Katholiken; Kirchensteuern gibt es nicht. Der Unterhalt von Kirchengebäuden, die vor 1905 errichtet wurden, obliegt dem Staat; Neubauten muss die Kirche selbst finanzieren.

Die Bischofskonferenz zählt 108 amtierende Mitglieder. Traditioneller Ort der Vollversammlungen ist der Nationalwallfahrtsort Lourdes. Alle Bischöfe werden bei der Papstmesse am Sonntag und der Begegnung am Nachmittag teilnehmen. Hier darf ein Wort zur aktuellen Lage der Kirche im Land erwartet werden.

Nach wie vor sehr aktiv ist die französische Kirche in den Bereichen Bildung und Medien. Etwa 13 Prozent aller Grundschüler sowie 20 Prozent aller Oberschüler besuchen katholische Einrichtungen. Im ländlichen Raum liegt diese Quote sogar bei 30 Prozent. (rv)

Die Kernsätze der Ansprache Benedikts XVI. in „Les Bernardins“
„Heute Abend möchte ich zu Ihnen über die Ursprünge der abendländischen Theologie und die Wurzeln der europäischen Kultur sprechen. … Dies ist ein Ort, der mit der Kultur des Mönchtums zu tun hat. Geht uns das heute noch etwas an, oder begegnen wir dabei bloß einer vergangenen Welt? Um darauf antworten zu können, müssen wir uns einen Augenblick auf das Wesen des abendländischen Mönchtums selbst besinnen.“

Ziel der Mönche war es nicht, Kultur zu schaffen, so der Papst.

„Ihr Ziel hieß: quaerere Deum (Gott suchen). In der Wirrnis der Zeiten, in der nichts standzuhalten schien, wollten sie das Wesentliche tun – sich bemühen, das immer Gültige und Bleibende, das Leben selber zu finden. Sie waren auf der Suche nach Gott. … Gott hatte selbst Wegzeichen ausgesteckt, ja, einen Weg gebahnt, den zu finden und zu gehen die Aufgabe war. Dieser Weg war sein Wort, das in den Büchern der heiligen Schriften vor den Menschen aufgeschlagen war. Die Suche nach Gott verlangt so von innen her eine Kultur des Wortes. … Weil im biblischen Wort Gott unterwegs ist zu uns und wir zu ihm, darum muss man lernen, in das Geheimnis der Sprache einzudringen, sie in ihrem Aufbau und in der Weise ihres Ausdrucks zu begreifen. So werden gerade durch die Gottsuche die profanen Wissenschaften wichtig, die uns den Weg zur Sprache zeigen.“ Bibliothek und Schule gehören deshalb zum Kloster hinzu.

„Das Kloster dient der eruditio, der Formung und Bildung des Menschen – Formung letztlich darauf hin, dass der Mensch Gott zu dienen lerne. Aber dies schließt gerade auch die Formung des Verstandes, die Bildung ein, durch die der Mensch in den Wörtern das eigentliche Wort wahrzunehmen lernt.“
Das Wort mache wach für Gott füreinander, führe in eine Weggemeinschaft des Glaubens. Deshalb muss es laut Benedikt XVI. „bedacht“ und „recht gelesen werden“. Ein nächster Schritt:

„Das Wort Gottes bringt uns selber ins Gespräch mit Gott. … Für das Beten vom Wort Gottes her reicht das Sprechen nicht aus, es verlangt Musik. … Aus diesem inneren Anspruch des Redens mit Gott und des Singens von Gott mit den von ihm selbst geschenkten Worten ist die große abendländische Musik entstanden. Es ging nicht um private „Kreativität“, in der das Individuum sich selbst ein Denkmal setzt und als Maßstab wesentlich die Darstellung des eigenen Ich nimmt. Es ging vielmehr darum, wachsam mit den „Ohren des Herzens“ die inneren Gesetze der Musik der Schöpfung selbst, die vom Schöpfer in seine Welt und in den Menschen gelegten Wesensformen der Musik zu erkennen und so die gotteswürdige Musik zu finden, die zugleich dann wahrhaft des Menschen würdig ist und seine Würde rein ertönen lässt.“
In den Heiligen Schriften komme Gott „durch Menschenwort und Menschenwörter hindurch zu uns“. Gott, so Benedikts Schlussfolgerung, rede nur durch Menschen, „durch deren Worte und deren Geschichte zu uns“.

„Wir können es auch einfacher ausdrücken: Die Schrift bedarf der Auslegung, und sie bedarf der Gemeinschaft, in der sie geworden ist und in der sie gelebt wird. In ihr hat sie ihre Einheit, und in ihr öffnet sich der das Ganze zusammenhaltende Sinn. … Durch das zunehmende Wahrnehmen der verschiedenen Sinndimensionen wird das Wort nicht entwertet, sondern erscheint erst in seiner ganzen Größe und Würde.“
Das Christentum sei also „nicht einfach eine Buchreligion im klassischen Sinn“.

„Immer nur in der dynamischen Einheit des Ganzen sind die vielen Bücher ein Buch, zeigt sich im Menschenwort und in der menschlichen Geschichte Gottes Wort und Gottes Handeln in der Welt.“
Jede Art von Fundamentalismus sei damit ausgeschlossen, so das Kirchenoberhaupt.

„Die ganze Dramatik dieses Themas ist in den Schriften des heiligen Paulus ausgeleuchtet. … „Der Herr ist der Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3, 17).“
Diese Spannung von Bindung und Freiheit, die weit über das literarische Problem der Schriftauslegung hinausreicht, habe Denken und Wirken des Mönchtums bestimmt und die abendländische Kultur zutiefst geprägt.

„Sie ist als Aufgabe auch unserer Generation gegenüber den Polen von subjektiver Willkür und fundamentalistischem Fanatismus neu gestellt.“
Ausgehend von grundlegenden Prinzipien des abendländischen Mönchtums zog Benedikt XVI. drei wesentliche Schlussfolgerungen für die Gesellschaft von heute:

„Es wäre ein Verhängnis, wenn die europäische Kultur von heute Freiheit nur noch als Bindungslosigkeit auffassen könnte und damit unvermeidlich dem Fanatismus und der Willkür in die Hand spielen würde. Bindungslosigkeit und Willkür sind nicht Freiheit, sondern deren Zerstörung.“
Stichwort: Ora et labora. In der griechischen Welt galt die körperliche Arbeit als Sache der Unfreien; und auch das „Machen“ der Welt war dem Demiurgen, einer untergeordneten Gottheit vorbehalten.

„Anders der christliche Gott: Er, der eine, der wirkliche und einzige Gott ist auch Schöpfer. Gott arbeitet; er arbeitet weiter in und an der Geschichte der Menschen. In Christus tritt er als Person in die mühselige Arbeit der Geschichte ein.“
Der Mensch als Gottes Ebenbild darf und kann sich am weltschöpferischen Handeln Gottes beteiligen, so der Papst. Das gelte auch heute - in Maßen. Das Mönchtum hat eine Kultur der Arbeit entwickelt,…

„ohne die das Werden Europas, sein Ethos und seine Weltgestaltung nicht zu denken sind. Zu diesem Ethos müsste freilich gehören, dass Arbeit und Geschichtsgestaltung des Menschen Mit-Arbeiten mit dem Schöpfer sein will und von diesem Mit her ihr Maß nimmt. Wo dieses Maß fehlt und der Mensch sich selber zum gottartigen Schöpfer erhebt, kann Weltgestaltung schnell zur Weltzerstörung werden.“
Gott, Religion in der Gesellschaft von heute? In dieser Frage, die gerade in Frankreich nicht fehlen darf, gipfelte die „lectio magistralis“ des früheren Theologieprofessors. Frankreichs Kirche hatte sich ermutigende Worte des Papstes erhofft. Für die ersten Christen sei Verkündigung, sei Mission, nie Propaganda gewesen, sondern „innere Notwendigkeit, die aus dem Wesen ihres Glaubens folgte“. Die Frohe Botschaft galt allen Menschen, Glaube war keine kulturelle Gewohnheit, sondern gehörte zur der Wahrheit, die alle gleichermaßen anging.

„Die Neuheit der christlichen Verkündigung besteht in einem Faktum: Er hat sich gezeigt. Aber dies ist kein blindes Faktum, sondern ein Faktum, das selbst Logos – Gegenwart der ewigen Vernunft in unserem Fleisch ist. Verbum caro factum est (Joh 1, 14). Gerade so ist im Faktum nun Logos, ist Logos unter uns. Das Faktum ist vernünftig. Freilich bedarf es immer der Demut der Vernunft, um es annehmen zu können; der Demut des Menschen, die der Demut Gottes antwortet.“
Die Welt von heute sei voll von Bildern vielfältiger Gottheiten, so der Papst.

„Gott ist wirklich für viele der große Unbekannte geworden. Aber wie damals hinter den vielen Götterbildern die Frage nach dem unbekannten Gott verborgen und gegenwärtig war, so ist auch die gegenwärtige Abwesenheit Gottes im stillen von der Frage nach ihm bedrängt. Quaerere Deum – Gott suchen und sich von ihm finden lassen, das ist heute nicht weniger notwendig denn in vergangenen Zeiten. Eine bloß positivistische Kultur, die die Frage nach Gott als unwissenschaftlich ins Subjektive abdrängen würde, wäre die Kapitulation der Vernunft, der Verzicht auf ihre höchsten Möglichkeiten und damit ein Absturz der Humanität, dessen Folgen nur schwerwiegend sein könnten. Das, was die Kultur Europas gegründet hat, die Suche nach Gott und die Bereitschaft, ihm zuzuhören, bleibt auch heute Grundlage wahrer Kultur.“ (rv)


Stichwort: Collège des Bernardins
Freitag Abend hielt Papst Benedikt XVI. eine Ansprache vor Kulturschaffenden und Wissenschaftlern im neueröffneten „Collège des Bernardins“. Das dreischiffige gotische Juwel, das sich in der Nähe des südlichen Seine-Ufers befindet, ist das größte französische nicht-liturgische Gebäude aus dem Mittelalter und gilt als weltweit einzigartig. Als eines der ältesten Kollegien der Pariser Universität wurde das Collège des Bernardins 1245 durch den Zisterzienser Stephen of Lexington gegründet. Das Collège war ein Ort des Dialogs zwischen monastischer und scholastischer Theologie. Bis zur Französischen Revolution haben junge Zisterzienser in großer Zahl im Collège des Bernardins und an der Universität Paris Philosophie und Theologie studiert.

In der Zeit der Französischen Revolution wurden, nach der im Februar 1792 erfolgten Aufhebung der Theologischen Fakultät von Paris, im September 1793 auch die Kollegien aufgelöst, darunter das Collège des Bernardins. Das Gebäude ging in staatlichen Besitz über und wurde unter anderem als Feuerwehrkaserne und als Gefängnis verwendet.

2001 kaufte das Erzbistum Paris unter dem 2007 gestorbenen Erzbischof Jean-Marie Lustiger das Bauwerk mit Garten von der Stadt Paris. Kardinal Lustiger hatte schon seit den 1990er Jahren den Plan verfolgt, an diesem Ort mittelalterlicher Theologie und Philosophie eine Stätte des Dialogs von Glauben und moderner Kultur einzurichten. Das neue Collège des Bernardins ist ein Ort kirchlicher Bildungsarbeit mit Bibliothek, Hörsälen, Seminarräumen und Begegnungsmöglichkeiten mitten in Paris. Das Collège ist aber auch Heimstatt der 1984 von Kardinal Lustiger gegründeten École Cathédrale (Kathedralschule) und ihrer in der heutigen Form seit 2005 bestehenden Faculté de Notre-Dame. (rv)

Kardinal von Paris: Besteht der Glaube vor der Vernunft?
Der Erzbischof von Paris, André Vingt-Trois, begleitet Papst Benedikt XVI. während seiner Pastoralreise nach Frankreich. Er war am Flughafen in Paris-Orly im Empfangskomitee, am Abend hielt er im Collège des Bernardins die Begrüßungsansprache. Den Papstworten dort misst er hohe Bedeutung bei. Gegenüber Radio Vatikan sagte der aus Paris stammende 65-jährige Kardinal:

„Die Ansprache im Collège des Bernardins reiht sich ein in die dem Papst eigene Pastoral. Bei vielen Gelegenheiten zeigt er seine Aufmerksamkeit für den Dialog zwischen dem christlichen Glauben und der Kultur. Für uns, um es mit wenigen Worten zu sagen, sind zwei Fragen grundlegend. Einerseits: Ist der Weg des gläubigen Christen entsprechend glaubwürdig um sich der menschlichen Vernunft gegenüber auszudrücken? Auf der anderen Seite: Wie können die menschliche Vernunft und die Weisheit die Entscheidungen der Menschen von heute erhellen, seien sie gläubig oder nicht, seien sie Christen oder nicht?”(rv)

Frankreich: Papstbesuch ist große Ehre
Der Frankreichbesuch Papst Benedikts ist vor allem eine Apostolische Reise und kein Staatsbesuch. Das hat der Vatikan in den vergangenen Tagen immer wieder betont. Und doch rührt die geplante kurze Begegnung von Benedikt XVI. mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy an eine aktuelle Auseinandersetzung – und an eine lange Geschichte angespannter Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Frankreich. Die französischen Herrscher waren Gastgeber der Päpste in Avignon, später aber auch immer wieder ihr politischer Gegenpart. Seit 1905 gilt die strenge Trennung zwischen Kirche und Staat.

Für die katholische Kirche, von der sich immer mehr Franzosen abwenden, ist der Besuch Benedikts daher ein wichtiges Ereignis. Das betont der Frankreich-Kenner und deutsche Pilgerseelsorger in Lourdes, Pater Uwe Barzen.
„Ich glaube schon, dass der Besuch des Papstes für Frankreich eine wichtige Bedeutung hat. Das gilt insbesondere für Lourdes. Denn das ist eine große Ehre für diesen Marienwallfahrtsort, dass der Papst zum 150-Jahr-Jubiläum der Marienerscheinungen hierher kommt. Allein was die Pilgerzahlen betrifft - wir erwarten hier 200.000 Gläubige. Das ist das Vier- bis Fünffache von dem, was sonst hierher kommt. Da müssen besondere Vorbereitungen getroffen werden. Der Papst wird vom französischen Staat wie ein Staatsoberhaupt empfangen. Von daher ist es ein außergewöhnliches Ereignis. Das gilt auch für Lourdes.“

Die französischen Medien stellen den Papstbesuch in Paris in den Vordergrund. Stiehlt das Treffen mit Präsident Sarkozy dem jubilierenden Marienwallfahrtsort die Show? Pater Barzen:

„Nein, das glaube ich nicht. Lourdes war ja der eigentliche Anlass für diese Papstreise. Hier werden alle französische Bischöfe den Papst treffen. Die französische Bischofskonferenz trifft sich normalerweise zweimal im Jahr in Lourdes. Sie werden an diesem Ort geschlossen dem Papst begegnen. Er wird zu ihnen sprechen. Daher kann man sagen, dass das Hauptereignis der Frankreichreise der Besuch in Lourdes sein wird.”(rv)
 

Frankreich: Lourdes zieht viele Jugendliche an
Bei seiner viertägigen Frankreich-Reise wird Papst Benedikt XVI. nicht nur den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Pilger aus aller Welt in Lourdes treffen. Bei der Grotte, wo vor 150 Jahren die Muttergottes der Müllerstochter Bernadette Soubirous erschien, wird Benedikt bei den Gottesdiensten auch Jugendlichen und armen Menschen begegnen. Lourdes ist nicht nur ein beliebter Pilgerort für Kranke und Gebrechliche. Jährlich pilgern Tausende von jungen Menschen zum wohl weltberühmtesten Marienwallfahrtsort der Welt. Das Leben der Bernadette Soubirous beeindruckt immer mehr auch zahlreiche Jugendliche. Das sagt der Medienverantwortliche der „Cité Saint-Pierre“, Jean-François Courtille. Am Freitagabend – also wenige Stunden vor der Ankunft des Papstes in Lourdes – feiern rund 450 Jugendliche aus Osteuropa und Afrika den Besuch des Papstes im Treffpunkt in der Nähe der Grotte.(rv)

 

 

13.09.08

2. Tag der Papstreise (13.09.08)

Zweiter Tag der Papstreise: Ein Überblick
Mit einer großen Messe hat sich Papst Benedikt XVI. am Vormittag des Samstag aus Paris verabschiedet. An dem Gottesdienst vor dem Invalidendom nahmen 260.000 Menschen teil.

Am Vorabend hatte er an einer Vesper mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale Notre Dame teilgenommen. Anschließend wandte er sich mit einer Rede an mehrere Zehntausend Jugendliche, die auf dem Vorplatz der Kathedrale eine nächtliche Gebetsvigil begannen. Er übernachtete in der Apostolischen Nuntiatur, wo er vom Balkon aus sich kurz an anwesende Gläubige wandte.

Am Samstag morgen besuchte das Kirchenoberhaupt die Wissenschaftsvereinigung des „Institut de France“. 1992 wurde er dort als Kardinal Joseph Ratzinger Mitglied der „Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften“. Am Mittag stand ein gemeinsames Essen mit den Bischöfen der Kirchenprovinz „Île de France“ auf dem Programm“.
Am Nachmittag flog der Papst weiter in den südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes. Dort will er sich als Pilger zu den Gedenkorten der heiligen Seherin Bernadette Soubirous begeben. Die Feiern zum 150-jährigen Bestehen des Marienheiligtums sind der eigentliche Anlass der Reise von Benedikt XVI.

Am Abend wird Benedikt mit dem Papamobil den „Jubiläumsweg“ in Lourdes gehen, der verschiedene Stationen der Seherin Bernadette widerspiegelt, wie die Pfarrkirche, das Haus, in dem die Familie Soubirous wohnte sowie die Grotte der Erscheinungen. Gegen 21.30 Uhr stößt der Papst zur traditionellen Lichterprozession hinzu, wo er eine Ansprache halten und das Te Deum anstimmen wird. Benedikt übernachtet in der „Ermitage St. Joseph“. (rv)

Papstmesse im Zentrum von Paris: „Kein Gegensatz zwischen Vernunft und Glaube”
260.000 Menschen haben am Samstag Morgen im Zentrum von Paris an einer großen Messe mit Papst Benedikt teilgenommen. Dabei rief der Papst sie dazu auf, modernen Götzen wie etwa der Geld- oder Machtgier nicht hinterherzulaufen.

Die Kulisse bei diesem Pontifikalamt hätte kaum prachtvoller sein können: Hinter dem Papstaltar die goldene Kuppel des Invalidendoms, unter der Napoleon begraben ist. Von der Seite herübergrüßend: die Spitze des Eiffelturms. Zu Füßen des Papstes schließlich: die Gärten der „Esplanade des Invalides”, der „Pont Alexandre III”, das Grand Palais, der Beginn der Champs-Elysées auf der anderen Seite der Seine. Und, bei strahlendem Sonnenschein, Tausende von Menschen - darunter viele junge Leute, aber auch bekannte Gesichter aus der Politik, etwa Premierminister Fillon, Justizministerin Dati (eine Muslimin), Innenministerin Alliot-Marie oder die Frau von Ex-Präsident Chirac. „Gehen wir zur Quelle des Lebens”, stand in großen Lettern auf dem Altar; das liturgische Gerät bei der Messe stammte zum großen Teil aus der Kathedrale Notre-Dame.

In seiner Predigt warnte Benedikt XVI. vor den Götzen der Moderne: „Haben denn nicht das Geld, die Gier nach Besitz, nach Macht und sogar nach Wissen den Menschen von seinem wahren Ziel abgebracht?” Auch die Verklärung der Vergangenheit oder das Herstellen irdischen Glücks aus eigener Kraft buchte der Papst unter „Götzen” und „Trugbildern” ab. Mit Verve vertrat er hingegen (nicht zum ersten Mal), dass Glaube und Vernunft zusammengehören: „Niemals verlangt Gott ... vom Menschen, seine Vernunft zu opfern! Niemals tritt die Vernunft in einen wirklichen Gegensatz zum Glauben!” Was den Menschen „von dieser Perspektive” abbringe, sei „Götzenkult” – „und die Vernunft selbst kann sich Götzen schmieden”. Der Papst rief junge „und weniger junge” Leute dazu auf, sich der Frage nach einer Ordens- oder Priesterberufung zu stellen: „Habt keine Furcht, euer Leben Christus zu schenken! Nichts wird je den Dienst der Priester im Leben der Kirche ersetzen. Nichts wird je eine Messe für das Heil der Welt ersetzen!”

Noch vor der Messfeier hatte Benedikt eine Stippvisite direkt am Seine-Ufer eingelegt: Im „Institut de France” enthüllte er eine Plakette. Sie erinnert daran, dass vor 16 Jahren der damalige Kardinal Ratzinger feierlich als Mitglied in eine Akademie des „Institut” berufen wurde. An dem Termin in den Hallen der so genannten „Unsterblichen” nahmen nur einige Auserwählte teil. Schon ein Kontrast zu den mehr als 200.000 Menschen, die anschließend zur Papstmesse vor den Invalidendom kamen... (rv)

Freitag Abend in Notre Dame: Papst ermuntert zur Bibellektüre
Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen aufgefordert, sich vermehrt der Bibellektüre zu widmen und auf die Schönheit im Gottesdienst zu achten. Bei einer Vesper am Freitag Abend in der Pariser Kathedrale Notre Dame unterstrich er die Bedeutung des Wortes Gottes für das Leben der Kirche.

„Habt keine Angst, viel Zeit der Lesung, der Meditation der Heiligen Schrift und dem Stundengebet zu widmen! Das mit der Kirche gelesene und meditierte Wort wirkt, fast ohne daß ihr es merkt, auf euch ein und verwandelt euch. Wenn es als Offenbarung der Weisheit Gottes die „Gefährtin“ eures Lebens wird, „gibt“ sie euch „guten Rat“ und ist euer „Trost in Sorge und Leid“ (Weish 8,9).“
An die katholischen Geistlichen gewandt rief er zu mehr Gottesdienstkultur auf. Leitbild der irdischen Liturgie müsse das himmlische Jerusalem sein. Dabei unterstrich er auch die Grenzen jedes Ritus: Die Schönheit der Feiern sei niemals erlesen und durchdacht genug, „weil nichts zu schön sein kann für Gott, der die unendliche Schönheit ist“, so Benedikt XVI.
Der Papst grüßte in seiner Ansprache eigens die Vertreter anderer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften. Er bete für die Einheit der Kirche, für die das Wort Gottes „Zeichen, Unterpfand und Garant“ sei.

„Es gibt keine Liebe in der Kirche ohne Liebe zum Wort Gottes; es gibt keine Kirche ohne die Einheit um Christus, den Erlöser; es gibt keine Früchte der Erlösung ohne Liebe zu Gott und zum Nächsten, gemäß den beiden Geboten, die die ganze Heilige Schrift zusammenfassen!“
Benedikt würdigte außerdem die Kathedrale Notre Dame als „Zeichen der Gegenwart Gottes mitten unter den Menschen“. Große kirchliche und weltliche Ereignisse hätten in dem Heiligtum stattgefunden. Architekten, Maler, Bildhauer und Musiker hätten für Notre Dame das Beste ihrer selbst gegeben. (rv)

Freitag Nacht - Gruß vom Balkon der Nuntiatur
Der Papst ist gerührt über seine herzliche Aufnahme in Frankreich. Nach einem anstrengenden Tag zwischen Politik, Kultur und Jugend sagte der Benedikt XVI. am Freitag Nacht bei einem kurzen Gruß vom Balkon der Nuntiatur in Paris:

„Euer so warmherziger Empfang rührt den Papst! Danke dafür, dass Sie mich zu so später Stunde so enthusiastisch hier erwarten. Diese kommenden Tage in Paris und Lourdes verschaffen mir bereits jetzt viel Freude…. Die Katholiken in Frankreich brauchen mehr als je zuvor ein neues Vertrauen in die Jungfrau Maria, um in ihr ein Modell des Dienstes am Evangelium zu sehen. Ich zähle auf Sie und Ihr Gebet, damit diese Reise Früchte trägt!” (rv)

Presseschau am zweiten Tag
Auch am zweiten Reisetag des Papstes stößt der Besuch in Frankreich auf großes Medieninteresse. So haben am Samstag alle Zeitungen groß auf den Titelseiten über den ersten Tag der Reise berichtet. Hier die Presseschau unseres Korrespondenten Mario Galgano:

Mit der Betonung der politischen Rolle der Religion hat Benedikt ein hoch sensibles Thema aufgegriffen. So das Fazit der französischen Zeitung „Le Monde” zum ersten Reisetages Benedikts. Die linksgerichtete Zeitung „Libération” kritisierte hingegen, die Haltung des französischen Staatspräsidenten. Dieser sei „zu freundlich” gegenüber Religionsgemeinschaften und insbesondere gegenüber der katholischen Kirche. Die katholische Tageszeitung „La Croix” betonte hingegen, dass Benedikt XVI. die Trennung von Kirche und Staat ausdrücklich gebilligt habe. Ihm sei aber ebenso wichtig gewesen, darauf zu bestehen, dass die religiösen Führer die Möglichkeit haben müssten, die Politik auf ihre Verantwortung hinzuweisen. Der erste Reisetag habe insgesamt zu einer positiven Entwicklung für die katholische Kirche in Frankreich beigetragen. Gemäß dem französischen „Le Parisien” haben nach einer aktuellen Umfrage 53 Prozent aller Franzosen eine hohe Meinung vom Papst. (rv)

Stichwort: Lourdes
Im Südwesten Frankreichs, im Département Hautes-Pyrénées, liegt die kleine Stadt Lourdes. Lourdes ist einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt. 1858 ist dort der damals 14-jährigen Müllerstochter Bernadette Soubirous 18 Mal Maria erschienen, die Quelle in der Grotte geht auf eine dieser Erscheinungen zurück. Nach Worten Bernadette Soubirous beauftragte Maria sie damit, eine Kirche an der Grotte zu errichten. 1862 wurden die Erscheinungen vom Ortsbischof, 1891 von Papst Leo XIII. anerkannt. Bernadette wurde am 8. Dezember 1933 heilig gesprochen.

Jahr für Jahr reisen mehrere Millionen Pilger, darunter auch Zehntausende Kranke und Behinderte, nach Lourdes. Immer wieder kommt es zu unerklärlich anmutenden Heilungen, die durch ein internationales Ärztekomitee geprüft werden. 30.000 Heilungen soll es bislang gegeben haben; 6.000 sind dokumentiert, 2.000 gelten als „medizinisch unerklärlich”. Die Zahl der kirchlich anerkannten Wunderheilungen liegt bei 67. Dem so genannten Lourdes-Wasser aus der Quelle nahe der Mariengrotte werden heilende Kräfte zugeschrieben.

Nach Paris verzeichnet Lourdes mit seinen rund 16.000 Einwohnern die zweithöchste Zahl an Hotelbetten und Übernachtungen in Frankreich. Regelmäßig tagt hier die Vollversammlung der Französischen Bischofskonferenz. Papst Benedikt XVI. wird am Samstag Nachmittag in Lourdes eintreffen. (rv)

 

 

14.09.08

3.Tag der Papstreise (14.09.08)

 

Dritter Tag der Papstreise: Ein Überblick
Mit einer großen Messe unter freiem Himmel hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag der Marienerscheinungen in Lourdes vor 150 Jahren gedacht. Der südwestfranzösische Wallfahrtsort solle ein Ort der Begegnung mit Gott im Gebet und ein Ort des Dienstes an Kranken, Armen und Leidenden sein, sagte der Papst in der Predigt. Vor allem die Kirche in Frankreich ermutigte das Kirchenoberhaupt dabei zu neuem missionarischem Geist. Einmal mehr rief er junge Menschen zu entschiedenem christlichen Einsatz in Kirche und Welt.

Am Sonntagnachmittag traf Benedikt XVI. mit den französischen Bischöfen zusammen. Dabei mahnte er mit Blick auf die so genannte „Alte Messe” die Einheit der Gläubigen an. „Niemand ist in der Kirche überflüssig. Jeder, ohne Ausnahme, muss sich in ihr ,zu Hause’ und niemals abgewiesen fühlen.” Staat und Kirche in Frankreich müssten eine „gesunde Zusammenarbeit pflegen”. Wenn Unabhängigkeit und Autonomie jeweils gewahrt blieben, „wird dem Menschen ein Dienst erwiesen, der auf seine volle persönliche und gesellschaftliche Entfaltung abzielt”, so Benedikt XVI. wörtlich.

Am Abend nimmt der Papst an der jeden Sonntag statt findenden Eucharistischen Prozession teil und wird noch einmal zu den Pilgern sprechen. Der Aufenthalt in Lourdes und die Pastoralreise nach Frankreich enden am Montag mit einer Messe für Kranke. Danach reist der Papst nach Rom zurück. Gegen 15 Uhr 15 wird Benedikt XVI. in Rom-Ciampino zurück erwartet. (rv)

Papstmesse in Lourdes: Durch Maria zu Christus
Mit einer großen Messe unter freiem Himmel hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag der Marienerscheinungen in Lourdes vor 150 Jahren gedacht.

„Die erste Berufung des Heiligtums von Lourdes ist jene, ein Ort der Begegnung mit Gott im Gebet zu sein und ein Ort des Dienstes an den Brüdern, besonders durch die Aufnahme der Kranken, der Armen und all jener Menschen, die leiden.”
Das Wasser für den Ritus der Tauferinnerung war von der Lourdesquelle genommen, die in der Grotte während der Erscheinungen 1858 entsprungen war und in deren Wasser Pilger gebadet werden. 150.000 Gläubige hatten sich um die Altarinsel auf der „Prairie” genannten Freifläche gegenüber der Grotte und den Badehallen versammelt. Lourdes ist ein internationaler Ort, mehrere Millionen Pilger kommen jährlich aus aller Welt hierher. Auch der Gottesdienst mit dem Oberhaupt der Weltkirche zeugte davon, Lieder, Fürbitten und Lesungen wurden in verschiedenen Sprachen vorgetragen. Mächtig wirkte die Musik in diesem Gottesdienst; Pauken ertönten und Trompeten erschallten zum Fest Kreuzerhöhung.

Papst Benedikt: „Die Kirche lädt uns ein, dieses glorreiche Kreuz voll Stolz zu erheben, damit die Welt sehen kann, wie weit die Liebe des Gekreuzigten zu den Menschen gegangen ist. Sie lädt uns ein, Gott zu danken, denn von einem Baum, der den Tod gebracht hat, ist das Leben neu hervorgegangen. … Mitten unter uns ist jener, der uns so sehr geliebt hat, dass er sein Leben für uns hingegeben hat, jener, der jeden Menschen einlädt, vertrauensvoll zu ihm zu kommen.”
Lourdes ist einer der größten Marienwallfahrtsorte überhaupt; doch die Botschaft bleibt nicht beim Bild der Licht umstrahlten „schönen Dame” stehen. Lourdes will durch Maria zu Christus führen. Ihre erste Erscheinung vor Bernadette begann mit dem Kreuzzeichen, erinnerte auch der Papst.

„Sie lädt alle Menschen guten Willens ein, alle, die seelisch oder körperlich leiden, die Augen zum Kreuz Jesu zu erheben, um dort die Quelle des Lebens, die Quelle des Heils zu finden. … Heute kommt Maria uns entgegen, um uns die Wege für eine Erneuerung des Lebens unserer Gemeinden und unseres eigenen Lebens aufzuzeigen.”
Die Kirche habe einen klaren Auftrag - weltweite Verkündigung. In der Annahme des Sohnes liege eine Kraftquelle, so Benedikt XVI. weiter, an der die Kirche sich für ihren Dienst stärken könne.

„Jesus, geboren von Maria, ist der Sohn Gottes, der einzige Erlöser aller Menschen, der in seiner Kirche und in der Welt lebt und wirkt. Die Kirche hat überall in der Welt die Sendung, diese eine Botschaft zu verkünden und die Menschen einzuladen, sie durch eine echte Bekehrung des Herzens aufzunehmen.”
Nach dem Dialog über die Trennung von Kirche und Staat, dem Plädoyer für die Rückbesinnung auf christliche Wurzeln in Paris folgte an diesem Sonntag ein Appell an die Kirche Frankreichs:

„Im Gefolge der großen Glaubensboten Eures Landes möge der missionarische Geist, der im Lauf der Jahrhunderte so viele Männer und Frauen Frankreichs erfüllt hat, weiterhin Euer Stolz und Eure Aufgabe sein.”
Maria lädt zum Gebet ein - für den Christen eine unverzichtbare Kraftquelle, mahnte der Papst:

„Wer betet, vertut nicht seine Zeit, selbst wenn die Situation alle Anzeichen der Dringlichkeit besitzt und einzig zum Handeln zu treiben scheint. … Sich ganz von den Aktivitäten in Anspruch nehmen lassen bringt die Gefahr mit sich, dass das Gebet seine spezifische christliche Bedeutung und seine wahre Wirksamkeit verliert.”
Auch das in Lourdes so zentrale Rosenkranzgebet führe letztlich „zur Betrachtung des Antlitzes Christi”. Wie die Kirche als Ganzes rufe die Botschaft von Lourdes auch einzelne Männer und Frauen in die Nachfolge, so Benedikt, der die zahlreichen jungen Pilger und Freiwilligen in Lourdes einmal mehr zum entschiedenen „Ja” zu einer christlichen Berufung animierte, in der Ehe, als Priester oder in einer Ordensgemeinschaft.

Er selbst, betonte der Papst, nenne Maria gern „Stern der Hoffnung”. Ihre mütterliche Gegenwart begleite alle Männer und Frauen, die Familien und Nationen. Auch im abschließenden Angelusgebet ging der Papst in seinen Grußworten darauf noch einmal ein. Auf Deutsch sagte Benedikt:

„Maria ist unsere Mutter. … Als ihre Kinder wollen wir Maria unser Leben anvertrauen – Freuden und Sorgen, Krankheit und Leid, all unsere Anliegen. Denn wir wissen: Maria führt uns sicher zu ihrem Sohn Jesus Christus, dem Quell der Hoffnung und des Heils. Der Herr schenke euch und euren Lieben die Fülle seiner Gnade.” (rv)

Papst an Bischöfe: „ Den Ball Sarkozys aufnehmen”
Am Sonntagabend ist der Papst in Lourdes mit den französischen Bischöfen zusammengetroffen. In einer Grundsatzrede schnitt Benedikt XVI. die aktuellen Probleme in der katholischen Kirche in dem Land an. So hat er der Debatte über die Trennung von Kirche und Staat neue Nahrung gegeben, indem er dazu aufrief, die Signale von Präsident Nicolas Sarkozy für eine „positive Laizität” aufzugreifen. Gegenüber den Bischöfen unterstrich der Papst, dass in Frankreich „ein neuer Weg gefunden werden muss, um die eigenen christlichen Wurzeln auslegen zu können”. Die Unterscheidung zwischen Politik und Religion bleibe aber notwendig, denn die Kirche „beanspruche für sich nicht die Stelle des Staates”. Im Sitzungssaal „Hémicycle Sainte-Bernadette” in Lourdes betonte der Papst in seiner Ansprache an die französische Bischofskonferenz auch die Rolle des Bischofs. Die Gläubigen sollten dabei die katholischen Oberhirten „mit Zuneigung und Respekt begegnen”. Auch rief Benedikt die Katholiken in Frankreich auf, die Priesterberufungen zu fördern. Zwar bekennen sich offiziell 80 Prozent der etwa 61 Millionen Franzosen heute zum katholischen Glauben, allerdings ist die Zahl der praktizierenden Katholiken seit Jahren ebenso stark rückläufig wie die der Priester. Der Papst sprach auch sein Motu Proprio „Summorum Pontificum” an: Benedikt hoffe, dass die Gemüter sich bald beruhigen und es in absehbarer Zeit zu einer „für alle befriedigenden Lösung” komme. Jeder Gläubige müsse sich in der katholischen Kirche „zuhause fühlen”. – Die katholische Kirche in Frankreich zählt zu den traditionsreichsten und geistesgeschichtlich bedeutendsten in Europa. Die Bischofskonferenz zählt 108 amtierende Mitglieder. Die französische Kirche ist geprägt von der 1905 gesetzlich verankerten Trennung von Kirche und Staat. (rv)
 

Frankreich: Kernsätze der Papstansprache an die französischen Bischöfe
Papst Benedikt XVI. hat in einer Grundsatzrede an die Bischöfe Frankreichs einige wichtige Herausforderungen für die Kirche des Landes benannt. Er unterstrich u.a. die Unersetzlichkeit des Weiheamtes, erneuerte sein Nein zur Homoehe und ermutigte, die Signale der französischen Regierung für eine „neue Laizität” aufzugreifen. Lesen Sie hier die Kernsätze seiner Ansprache:

Unersetzlichkeit des Weiheamtes
Man wird nicht oft genug wiederholen können, daß das Priestertum für die Kirche unentbehrlich ist, im Interesse der Laien selbst. Die Priester sind ein Geschenk Gottes an die Kirche. In dem, was die ihnen eigene Sendung betrifft, können die Priester ihre Aufgaben nicht den Gläubigen übertragen. … Wendet Eure Aufmerksamkeit ihrer menschlichen, intellektuellen und spirituellen Bildung zu sowie auch ihrem materiellen Unterhalt. Bemüht Euch trotz der Last Eurer Tätigkeiten, Euch regelmäßig mit ihnen zu treffen und sie als Brüder und Freunde zu empfangen.

Umstrittenes Motu Proprio
Im Motu Proprio Summorum Pontificum wurde ich dazu geführt, die Bedingungen für die Ausübung dieser Aufgabe zu präzisieren im Hinblick auf die Möglichkeit der Benutzung sowohl des Meßbuchs des seligen Johannes XXIII. (1962) als auch des Meßbuchs Papst Pauls VI. (1970). Einige Früchte dieser neuen Anordnungen haben sich schon gezeigt, und ich hoffe, daß die unerläßliche Beruhigung der Gemüter Gott sei Dank voranschreitet. Ich kann die Schwierigkeiten ermessen, denen Ihr begegnet, aber ich zweifle nicht daran, daß Ihr in absehbarer Zeit zu für alle befriedigenden Lösungen gelangen könnt, damit das nahtlose Gewand Christi nicht weiter zerrissen wird.

Die Familie – Wiederverheiratete Geschiedene - Nein zur Homoehe
Es gibt sicher ein Problem, das überall von besonderer Dringlichkeit ist: die Situation der Familie. Wir wissen, daß Ehepaare und Familien heute wahrhaften Stürmen entgegentreten. … Seit mehreren Jahrzehnten haben in verschiedenen Ländern Gesetze die Natur der Familie als Urzelle der Gesellschaft relativiert. Oft versuchen die Gesetze eher, sich den Lebensgewohnheiten und Forderungen von Einzelpersonen oder Sondergruppen anzupassen, als das Gemeinwohl der Gesellschaft zu fördern. … Zu Recht haltet Ihr – auch um den Preis, gegen den Strom zu schwimmen – an den Prinzipien fest, die die Stärke und die Größe des Ehesakramentes ausmachen. … Besonders schmerzlich ist das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen. Die Kirche, die sich dem Willen Christi nicht widersetzen kann, hält unverbrüchlich an dem Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe fest, bringt aber zugleich große Zuneigung denjenigen Männern und Frauen entgegen, denen es aus verschiedenen Gründen nicht gelingt, es zu befolgen. Deshalb können Initiativen, die die Segnung von illegitimen Verbindungen anstreben, nicht zugelassen werden.

„Neue Laizität”
Die Hervorhebung der christlichen Wurzeln Frankreichs wird jedem Bewohner dieses Landes erlauben, besser zu verstehen, woher er kommt und wohin er geht. Folglich muß … ein neuer Weg gefunden werden, um im Alltag die grundlegenden Werte, auf denen die Identität der Nation aufgebaut ist, auszulegen und zu leben. Euer Präsident hat auf diese Möglichkeit hingewiesen. Die gesellschaftspolitischen Voraussetzungen für das alte Mißtrauen oder sogar für Feindseligkeit verschwinden allmählich. Die Kirche beansprucht für sich nicht die Stelle des Staates. Sie will sich nicht an die Stelle des Staates setzen.

Interreligiöser Dialog
Der Zweck des ökumenischen sowie des interreligiösen Dialogs, die sich sicherlich ihrer Natur und ihrer jeweiligen Zielsetzung nach voneinander unterscheiden, ist die Suche und die Vertiefung der Wahrheit. Es handelt sich um eine edle und für jeden gläubigen Menschen verpflichtende Aufgabe, weil Christus selbst die Wahrheit ist. … Sicher ist es notwendig, die verschiedenen unternommenen Initiativen aufmerksam zu verfolgen und diejenigen zu erkennen, die die gegenseitige Kenntnis und Achtung sowie den Dialog fördern, und andere, die in eine Sackgasse führen, zu vermeiden. Der gute Wille allein reicht nicht aus. Ich bin überzeugt, daß es zunächst des Zuhörens bedarf, um dann zur theologischen Diskussion überzugehen und schließlich zur Bezeugung und Verkündigung des Glaubens selbst zu gelangen (vgl. Lehrmäßige Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung, 3. Dezember 2007, 12). (rv)
 

Samstag Abend in Lourdes: Papst nimmt an Lichterprozession teil
Am Samstag Abend hat Papst Benedikt XVI. an der traditionellen Lichterprozession in Lourdes teilgenommen. In den Mittelpunkt seiner ersten Ansprache in dem Wallfahrtsort stellte er einen Appell zu Hoffnung und Solidarität. In Lourdes habe Maria Hoffnung und Liebe aufleuchten lassen, indem sie an diesem Ort den Kranken, Armen und Kleinen den ersten Platz einräume. Der Papst erinnerte an unschuldige Opfer von Gewalt und Katastrophen, von Unterdrückung und Verfolgung, an Arbeitslose, Kranke, Einsame und Migranten. Mit Maria zu beten bedeute, sich den Leidenden zu öffnen.

Im Gebet öffne sich „eine leuchtende Straße” in der Geschichte der Menschheit – auch in dunklen Augenblicken, wie sie Bernadette Soubirous in ihrem Alltagsleben kannte. Benedikt schlug am Ende der Lichterprozession einen Bogen zwischen dem einfachen Mädchen Bernadette, dem Licht von Massabielle und dem Kreuz.

Stundenlang harrten die Gläubigen im strömenden Regen aus, um gemeinsam mit Benedikt die marianische Prozession zu beschließen. In den Händen trugen die Menschen die traditionellen Pilgerkerzen, die zum Refrain des „Ave Maria von Lourdes” von den Menschen hochgehoben werden. Ein blinkendes Lichtermeer erstrahlte vor der Wallfahrtsbasilika. Zum Anschluss betete Benedikt XVI. mit den Pilgern das Te Deum. (rv)

Der Papst in Lourdes: Auf den Spuren der Hl. Bernadette
Papst Benedikt XVI. ist nach seinem Besuch in Paris am späten Samstag Nachmittag weiter zum Marienwallfahrtsort geflogen. Der knapp zweitägige Besuch in Lourdes ist der pastorale Höhepunkt der ersten Reise Benedikts als Papst nach Frankreich. Das Oberhaupt der katholischen Kirche kommt als Pilger und macht sich auf dem Jubiläumspilgerweg in Lourdes auf die Spuren der Hl. Bernadette. Mario Galgano war dabei:

Erste Station nach seiner Ankunft war die Pfarrkirche Sacre-Coeur, in der Bernadette 1844 getauft wurde. Anschließend suchte er das nahe gelegene „Cachot” auf, das Elternhaus der Heiligen, und sah den Rosenkranz Bernadettes. Zum Abschluss betete er das „Ave Maria”. Auf dem Weg zur Grotte – der dritten Station des Jubiläumsweges – winkten über 60.000 Pilger und Schaulustige dem Papst zu. Die Menschenmenge in Lourdes trotzte dabei dem regnerischen Wetter. und begrüßten Benedikt XVI. am Abend mit lang anhaltendem Applaus und zahlreichen Spruchbändern an der Felsgrotte Massabielle, wo die 14-jährige Bernadette Soubirous 1858 die „Schöne Dame” 18 Mal gesehen hatte. Ein als Bernadette gekleidetes Mädchen überreichte dem Papst beim Betreten der Grotte ein Glas mit Wasser aus der Quelle der Felshöhle. Benedikt XVI. entzündete eine Kerze und kniete zum stillen Gebet nieder. Maria sei ein „Zeichen der Hoffnung” .(rv)

Presseschau am Sonntag: Papst erobert Herzen
Die französischen Zeitungen haben in ihren Sonntagsausgaben auf die große Beteiligung der Gläubigen an der Messe am Samstag vor dem Invalidendom hingewiesen. Insgesamt bewerten die Medien der Grande Nation die Papstvisite als „positive Geste”, die den Katholiken in Frankreich Mut schenkt. Unser Korrespondent vor Ort, Mario Galgano, hat Zeitungen genauer unter die Lupe genommen:

Wer an diesem Sonntagmorgen die französischen Zeitungen durchblätterte, las nicht nur viel über die einzelnen Etappen der Papstreise. „Le Monde” betonte vor allem die Aufrufe Benedikts in der Predigt vor dem Invalidendom. Der Papst warne die französischen Jugendlichen vor einer „ungezügelten heidnischen” Leidenschaft für Macht, Besitz und Geld. Die Jugendlichen haben diese „Klarheit” sehr positiv aufgenommen, so „Le Monde” weiter. Auch „Le Figaro” setzt den Schwerpunkt der Berichterstattung auf diese Predigt. Benedikt XVI. habe mit dieser Predigt die Herzen der Franzosen erobert, schreibt „Le Figaro”. Die katholische Zeitung „La Croix” bezeichnet die Stadt Paris als „eine große Kathedrale”, die den Papst freudig empfangen habe. „Le Figaro” und „Le Monde” kritisierten hingegen die Teilnahme von Mitgliedern der Regierung an der Papstmesse vom Samstag. In einem laizistischen Land dürfe es nicht vorkommen, dass „Vertreter des Staates” an einem Gottesdienst teilnehmen, war darüber zu lesen. (rv)

 

 

15.09.08

4.Tag der Papstreise (15.09.08)

Vierter und letzter Tag der Papstreise: Ein Überblick
Papst Benedikt XVI. hat seine Pastoralreise nach Frankreich beendet; „nicht ohne Bedauern”, wie er in seiner kurzen Ansprache bei der Abschiedszeromie am Flughafen Tarbes-Lourdes selbst sagte. Dem Land wünschte das Kirchenoberhaupt „Harmonie und menschlichen Fortschritt”. Die Kirche Frankreichs rief er erneut zu mutiger Verkündigung auf.

Gegen 15 Uhr landete die Air-France Maschine mit dem Papst an Bord in Rom-Ciampino. Ein Auto brachte ihn in die nahe gelegene Sommerresidenz von Castel Gandolfo. Der viertägige Aufenthalt in Paris und Lourdes war die zehnte Auslandsreise des Kirchenoberhaupts.

Am letzten Reisetag feierte der Papst einen Gottesdienst mit Kranken. Auf dem Vorplatz der Rosenkranzbasilika erinnerte Benedikt an die Würde, „die auch ein Kranker niemals verliert”. Zehn Männern und Frauen spendete er das Sakrament der Krankensalbung. Die Helfer und Pfleger nannte er „die dienenden Arme der Kirche”.

Zuvor hatte Benedikt XVI. in der Krankenhauskapelle von Lourdes gebetet, in der Bernadette Soubirous (1844-1879) ihre Erstkommunion empfangen hatte. Für den Papst war es die letzte Station eines Pilgerwegs auf den Spuren der heiligen Seherin, den er seit seiner Ankunft in dem südwestfranzösischen Wallfahrtsort am Samstag zurück gelegt hatte.

Vatikansprecher Pater Federico Lombardi zog am Mittag eine positive Bilanz der Reise. Die Begegnung mit der Gesellschaft und der Austausch über wichtige aktuelle Fragen seien gelungen. Gleichzeitig habe diese Pastoralreise von tiefen geistlichen Momenten gelebt. (rv)

Papst spendet Krankensalbung
Papst Benedikt hat an diesem Montag einen Gottesdienst mit Kranken gefeiert. Auf dem Vorplatz der Rosenkranzbasilika im Wallfahrtsbezirk von Lourdes erinnerte der Papst an die Würde, „die auch ein Kranker niemals verliert”. Zehn Kranken spendete der Papst während der Messfeier das Sakrament der Krankensalbung. 50.000 Menschen füllen den so genannten Heiligen Bezirk von Lourdes; die Kamera gleitet über Krücken, Rollstühle, verhärmte Gesichter. Vor der Basilika Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz feiert Benedikt die Messe zum Fest „Schmerzen Mariens“ im goldenen Messgewand, das in der Sonne blitzt. Dem Gast aus dem Vatikan ist immer wieder Rührung anzusehen; es ist eine Feier ohne große Paukenschläge, statt dessen mit vielen stillen Momenten. Behutsam forschend macht sich der Papst in seiner Predigt auf die Suche nach dem Lächeln Mariens. Als die kleine Bernadette Soubirous vor 150 Jahren die weiße Dame, die ihr erscheint, fragt, wer sie ist, da antwortet diese zunächst nicht, das heißt: Sie antwortet nur mit einem Lächeln. Eine Episode, an die „Benedetto” die Kranken erinnert. „Das Lächeln Mariens zu suchen, ist keine Frage eines frommen oder altmodischen Sentimentalismus; es ist vielmehr der Ausdruck einer lebendigen und tief menschlichen Beziehung... Der Wunsch, dieses Lächeln der Jungfrau zu betrachten, heißt nicht, sich von einer unkontrollierten Einbildung gängeln zu lassen... Jedes Beten des Magnifikat macht uns zu Zeugen ihres Lächelns.”
In Marias Lächeln, so der Papst eindringlich, „spiegelt sich unsere Würde als Kinder Gottes wider, jene Würde, die auch ein Kranker niemals verliert.” Dieses Lächeln sei „Widerschein der Zärtlichkeit Gottes” und Quelle der Hoffnung. „Wir wissen leider: Lang ertragenes Leiden zerbricht auch das bestgesicherte Gleichgewicht eines Lebens ... und lässt einen sogar manchmal am Sinn und Wert des Lebens zweifeln. Es gibt Kämpfe, die der Mensch allein, ohne Hilfe der göttlichen Gnade, nicht bestehen kann. ... Ich möchte denen, die leiden, und denen, die zu kämpfen haben und versucht sind, dem Leben den Rücken zu kehren, voll Demut sagen: Wendet euch Maria zu! Im Lächeln der Jungfrau findet sich geheimnisvoll verborgen die Kraft, um den Kampf gegen die Krankheit und für das Leben weiterzuführen. Bei ihr findet man ebenso die Gnade, ohne Angst und Bitterkeit den Abschied von dieser Welt in der von Gott gewollten Stunde anzunehmen.”
Das ist kein flammender Appell gegen Euthanasie, wie sie etwa in Belgien oder den Niederlanden legal ist – statt dessen ein verhaltenes Werben dafür, sich ins Leiden Jesu am Kreuz mit hineinnehmen zu lassen. Christus bleibe „nicht außerhalb des Leidens, das der Kranke erduldet; er lindert es, indem er in dem von der Krankheit heimgesuchten Menschen Wohnung nimmt, um das Leid mit ihm zu tragen und zu leben. Die Gegenwart Christi durchbricht die Isolierung, die der Schmerz hervorruft.”
Zehn Kranken, die mit Rollstuhl oder an Krücken zu ihm kommen, spendet Benedikt das Sakrament der Krankensalbung. Dabei grüßt er jedes Mal auch herzlich die Helfer, die die Kranken begleiten – sie seien „die dienenden Arme der Kirche”, so hat er es in seiner Predigt formuliert. Auch eine der Fürbitten beschäftigt sich mit allen, die in Lourdes das ganze Jahr über Rollstühle schieben oder behinderte Pilger ins Wasser der wundersamen Quelle tauchen. Am Schluss der Messe wird „Ave Maria, Hilfe der Christen” gesungen – Benedikt, der in seiner Predigt so sensibel nach dem Lächeln Mariens gesucht hat, hört mit einem bewegten Lächeln zu. (rv)
 

Abschied: „Gott segne Frankreich”
Mit einer kleinen Abschiedszeremonie am Flughafen Tarbes-Lourdes ist Papst Benedikt XVI. aus Frankreich verabschiedet worden. Premierminister François Fillon dankte dem Gast aus dem Vatikan. In einer Zeit der Krisen und Konflikte sei der Besuch Benedikt XVI. ein Zeichen des Friedens und der Brüderlichkeit gewesen, so der Premier. Er verwies besonders auf die gemeinsame Haltung gegen Fanatismus, Gewalt und Diskriminierung. Mit Blick auf die Trennung von Kirche und Staat hob Fillon hervor, dass die zutiefst weltanschaulich neutrale Republik das Religiöse respektiere. Ausdrücklich verwies der Ministerpräsident auf den Beitrag des Christentums für das französische Kulturerbe.

Benedikt XVI. entgegnete, er betrachte „die Kultur und ihre Vertreter als bevorzugte Vermittler im Dialog zwischen Glaube und Vernunft, zwischen Gott und dem Menschen.” Er habe in Frankreich „ein Volk lebendiger Christen getroffen - stolz und stark in ihrem Glauben”. Die Kirche rief Benedikt einmal mehr zur mutigen Verkündigung auf. „Die Kirche sei hier wie ein Sauerteig, um, wie es ihr Auftrag ist, mit Weisheit und ohne Furcht zu zeigen, wer Gott ist.” Der Wunsch an das ganze Land Frankreich: „Auf seinem Boden herrsche Harmonie und menschlicher Fortschritt.”
Persönliche Worte des 81-jährigen Papstes zum Schluss: „Nun kommt der Moment des Abschieds. Werde ich nochmals in Ihr schönes Land zurückkommen können? Ich wünschte es und vertraue diesen Wunsch Gott an. Von Rom aus werde ich Ihnen nahe bleiben, und wenn ich vor der Nachbildung der Lourdesgrotte innehalte, die sich seit über hundert Jahren in den Vatikanischen Gärten befindet, werde ich an Sie denken. Gott segne Sie!” (rv)
 

Papstsprecher: „Reise war Erfolg”
Die Papstreise nach Frankreich war ein Erfolg. Das ist das erste Fazit von Vatikansprecher Pater Federico Lombardi SJ. Die Begegnung mit der Gesellschaft und der Austausch über wichtige aktuelle Fragen seien gelungen. Gleichzeitig habe diese Pastoralreise von tiefen geistlichen Momenten gelebt.

Birgit Pottler hat mit Pater Lombardi gesprochen und ihn – noch in Lourdes – gefragt, ob eine erste Bilanz der Reise möglich ist:

„Ja, wir können sagen dass es ein Erfolg war, ich möchte sagen ein geistlicher Erfolg. Die Ziele, die der Papst hatte, sind erreicht worden: eine gute Begegnung mit der Gesellschaft von Frankreich und mit der Kirche, der katholischen Kirche in Frankreich. Die Begegnung mit der Gesellschaft war sehr positiv. Wir haben auch Präsident Sarkozy von der positiven Laizität sprechen gehört. Und das bedeutet, dass wir jetzt wirklich eine Zeit erleben, in der Kirche, Gesellschaft und Staat gut zusammen für das Gemeinwohl arbeiten können. Und das war natürlich etwas, was die Kirche vom Zweiten Vatikanischen Konzil an wünschte. Die Kirche hat sehr viel von dieser Beziehung zwischen Staat und Kirche gesprochen. Und wir sehen, dass es jetzt auch die Möglichkeit gibt, gut zusammen zu arbeiten – ohne Spannungen und ohne Polemik.”
 

Aus kirchlicher Sicht zentral war die Rede an die Bischöfe Frankreichs. Der Papst habe hier konkrete pastorale Probleme angesprochen, so Lombardi. Die 150-Jahr-Feiern der Marienerscheinungen in Lourdes waren der Anlass der Frankreichreise gerade jetzt. In seinen Predigten habe der Papst eine Katechese über die Erscheinungen geboten und die Zeichen von Lourdes, das Licht und das Lächeln, erklärt. Während man vor der Reise für Lourdes diese besondere geistliche Atmosphäre schon erwartet haben mag, war sie in Paris dagegen „vielleicht etwas besonderes”, so Lombardi.

„Was für den Papst aber sehr wichtig war, war auch eine Zeit des Gebets, das Gebet mit den Bischöfen und mit dem Volk. Wir hatten die Erfahrung dieser großen Messe in Paris mit über 200.000 Menschen. Die Atmosphäre war wirklich so geistlich, so tief, das war wunderbar. Man konnte spüren, dass die Leute wirklich im Gebet mit dem Papst verbunden waren. Der Papst ist ein Papst der nicht nur redet oder lehrt, sondern auch ein Papst, der mit dem Volk Gottes beten will.”
Der „persönlichste, innigste Moment” dieser Reise für Papst Benedikt selbst? Für einen Mann, dem Frankreich am Herzen liegt und der schon als kleiner Junge regelmäßig zur Mutter Gottes von Altötting pilgerte?

„Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube, der Besuch an der Grotte war sehr, sehr tief bewegend. Aber auch die Messe mit den Gebeten für die Kranken, mit der Krankensalbung; das war wirklich tief bewegend. Und der Papst hat die Predigt so schön gesprochen, das war auch für mich einer der besten Augenblicke in der ganzen Reise. Es war wirklich ein Moment, ein Augenblick der Gnade.” (rv)
 

Presseecho: „Papst stärkt Christen im Glauben“
Die französische Presse bewertet die Papstreise insgesamt positiv. Zum Abschluss seiner Visite räumen alle auflagenstarken Zeitungen des Landes den Reden und Gesten Benedikts viele Seiten ein. Der Papst hat seine Aufgabe erfüllt. So lautet die Schlussbilanz der meisten französischen Zeitungen. Benedikt habe die Katholiken Frankreichs im Glauben gestärkt. Der Papst sei deshalb eine „wahre Offenbarung” für die Franzosen geworden. Das schreibt die Tageszeitung „Le Figaro” in der Montagsausgabe. Insbesondere die rege Teilnahme so vieler Jugendlicher an den Gottesdiensten in Paris und Lourdes beweise, dass der 81-jährige Pontifex auch bei jüngeren Generationen beliebt sei. Das katholische Blatt „La Croix” betont, dass das katholische Oberhaupt „sanft und gutmütig” mit der Kirche des Landes umgegangen sei. Die Zeitung unterstrich, dass es fast keine polemische Reaktionen der antikatholischen Franzosen zur Papstreise gab. Vielmehr hätten die Papst-Kritiker die „offene Haltung” Sarkozys kritisiert. So glaubt die linksgerichtete „Liberation”, dass Sarkozys „positive Laizität” in naher Zukunft eine „heftige Auseinandersetzung” in Frankreich auslösen wird. (rv)

 

 

20.09.08

Päpstlicher Legat in Waldsassen

Papst Benedikt XVI. hat Kardinal Franc Rodé zum Päpstlichen Legaten für das Jubiläum der Zisterzienserinnenabtei Waldsassen ernannt. Der Präfekt der Ordenskongregation wird Benedikt am 23. November beim Abschluss der Feierlichkeiten zum 875. Jubiläum der Gründung des Klosters vertreten. - 1133 wurde Waldsassen als erste der fünf bayrischen Zisterzen gegründet. Nach der Säkularisierung wurde 1863 das Kloster durch Zisterzienserinnen wiederbesiedelt. (rv)

 

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10/2008

 

 

14.10.08

Kardinal González Zumárrage gestorben

Der emeritierte Erzbischof von Quito in Ekuador, Antonio José Kardinal González Zumárraga ist am 14.10.2008 im Alter von 83 Jahren in seiner Heimatstadt gestorben. Am 21.01.2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt. 1985 übernahm er die Leitung der Erzdiözese Quito und hatte sie bis zu seinem altersbedingten Rücktritt im Jahr 2003 inne. Mit seinem Tod zählt das Kardinalskollegium 192 Mitglieder.

 

 

25.10.08

Synode: Vorschläge an Papst übergeben

 

Mit der Übergabe von 55 Vorschlägen an Papst Benedikt XVI. sind die Arbeiten der Weltbischofssynode im Vatikan an diesem Samstag zu Ende gegangen. Das lateinische Original dieser so genannten Propositiones wurde nicht veröffentlicht, es liegt lediglich eine italienische Arbeitsübersetzung vor. Der Papst hat jetzt die Aufgabe, die Beratungen und Ideen der Bischöfe aufzugreifen und ein nachsynodales Schreiben zu verfassen. Seit dem 5. Oktober debattierten rund 400 Männer und Frauen aus allen Erdteilen über das „Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“. Ein Gottesdienst im Petersdom beschließt die XII. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode am Sonntag.

„Die Synode war eine echte Erfahrung der Gemeinschaft.“

Kardinal Marc Ouellet, Generalrelator der Synode, betonte das kurz nach Ende der letzten Versammlung in der Aula ausdrücklich.

„Wir sind gemeinsam vorangegangen, haben Fragen vertieft, aufeinander gehört und wirklich verstanden, wie notwendig es ist, das Wort Gottes heute zu verkünden.“

Für den Erzbischof von Quebec ist das die Hauptbotschaft des dreiwöchigen Bischofstreffens, auch und nicht zuletzt weil die Vorschläge alle mit sehr großer Mehrheit in der Aula angenommen wurden. Experten, Hörer und Bischöfe haben sie gemeinsam erarbeitet, Stimmrecht hatten nur die 253 Synodenväter.

Für die Mission sei mit dieser Synode „eine neue Jahreszeit“ angebrochen, so Ouellet.

„Die Kirche lernt ihr Fundament neu kennen, und das ist das Wort Gottes. Ihr Seinsgrund ist das Wort Gottes. Und ihr Auftrag ist es, das Wort Gottes in der Welt zu verkünden, auf ihre Fragen zu antworten und sie zu hinterfragen.“
Die Synode bringt eine Wende, eine neue Erkenntnis, so Ouellet:

„Die Bibel muss wieder das Buch aller werden, nicht nur der Spezialisten. Sie ist vor allem ein Buch des Gebets, der Meditation und der inneren Erneuerung. Und die führt zu Mission, zu Kommunikation.“
Der vom Papst bestellte Art „Controller“ des Bischofstreffens ist Dogmatiker und lehrte früher an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Mehr als bislang habe die Synode betont:

„Wort Gottes meint das lebendige Wort, das Buch kommt an zweiter Stelle und ist schriftliches Zeugnis.“

Besonderer Ort für diesen Dialog mit Gott sei die Liturgie. Viele Vorschläge an den Papst behandeln daher die Liturgie, fordern eine Überarbeitung der Leseordnung, ein Direktorium für die richtige Predigt und teilweise so konkrete Dinge wie einen angemessenen Ort für die Aufbewahrung der Bücher oder gute Mikrofonanlagen.

Besondere Wertschätzung erfährt die Wortgottesfeier am Sonntag, dort wo der Besuch einer Eucharistiefeier nicht möglich ist. Deren Vorsteher sollen besonders ausgebildet sein, und sie dürfe nicht mit der Eucharistiefeier verwechselt werden können.

Eine Propositio gilt den Frauen, unterstreicht ihre Rolle in der Familie und als Katecheten. In den Wortmeldungen der Synode war das mehrmals unterstrichen worden. An den Papst geben die Synodenväter nun den Vorschlag weiter, das Amt des Lektorats für Frauen zu öffnen. Faktisch keine Neuigkeit, für das Kirchenrecht schon.

Die Vorschläge spiegeln die großen Linien der Wortmeldungen und Debatten der Synode wieder. Mit ihrer Weitergabe an den Papst erfüllen die Synodalen ihre Aufgabe als Berater des Papstes. Wie schon in der abschließenden Botschaft an das Volk Gottes unterstreichen sie die untrennbare Verbindung von wissenschaftlicher Bibelforschung und geistlicher Lektüre. Allein sieben Propositiones behandeln die Exegese – im Miteinander mit dem Blick auf den gesamten theologischen Sinn der Schrift, in der Ausbildung der Priesterkandidaten oder wenn es um die Zusammenarbeit von Exegeten, Theologen und Priestern geht.

Auch die anderen großen Themen der Synode tauchen in den Propositiones wieder auf: die Ökumene, der Dialog mit dem Judentum, mit dem Islam, der gemeinsame Einsatz für die Würde des Menschen, die Verbreitung der Bibel in allen Sprachen dieser Erde, neue pastorale Methoden und der Einsatz der Medien.

Ein weiterer Punkt der Klimaschutz, da Gottes Wort in der Schöpfung gegenwärtig sei. Die Propositiones schließen mit dem Verweis auf Maria, sie sei in ihrer Art, das Wort aufzunehmen und zu hören, Beispiel für den Gläubigen und die Kirche, das Angelus- und Rosenkranzgebet sollen weiter verbreitet werden.

Die Synodalen hätten die Erfahrung der Jünger von Emmaus gemacht, hätten „brennende Herzen“. Wer Ouellets Rührung sieht, glaubt ihm und seiner Überzeugung, dass der Ertrag dieser Synode sich in der Zukunft zeigt. Das Wort Gottes müsse jetzt durch alle möglichen Formen des Dialogs verkündet werden, „mit diesem Herz, das vom Wort berührt wurde, und jetzt nichts anderes will, als es weiter zu erzählen“. (rv)

Synode: Ostkirchen fordern Frieden

Mit einem eindringlichen Friedensappell haben sich die bei der Weltbischofssynode anwesenden Patriarchen und Oberhäupter der katholischen Ostkirchen an den Papst und die Weltöffentlichkeit gewandt. Gerechtigkeit und Religionsfreiheit seien Voraussetzung und Garantie für Frieden, betonten sie in der am Freitag übergebenen Botschaft. Besonders forderten sie für das Heilige Land sowie für den Libanon, für Irak und Indien rechtliche und soziale Bedingungen, die ein Leben in Würde und ohne Diskriminierung erlaubten. Die Kirchenführer äußerten die Hoffnung, dass die Christen an den Ursprungsstätten der christlichen Erlösung leben und bleiben können. Zugleich baten sie um Hilfe für diejenigen, die aus religiösen Gründen zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen wurden. „Wir betrachten es als unsere Pflicht, uns zu Sprechern all derjenigen zu machen, die zu Recht auf Garantien für ein menschenwürdiges Leben und ein akzeptables soziales Zusammenleben warten“, heißt es in dem Schreiben der elf bei der Synode anwesenden Patriarchen und Delegaten. (rv)

Synode: Kardinal Kasper in Bischofsrat

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper gehört zu den 15 Mitgliedern des neuen „Ordentlichen Rats der Generalsynode der Bischöfe“. Dieses Gremium muss die Nacharbeiten für die am Sonntag zu Ende gehende Bischofssynode erledigen und die nächste Synode in drei Jahren vorbereiten. Zu den Aufgaben gehört vor allem die Unterstützung des Papstes bei der Abfassung des nachsynodalen Schreibens, mit dem die Ergebnisse des dreiwöchigen Bischofstreffens zusammengefasst werden. Zwölf Mitglieder wurden im Lauf der Synode gewählt, drei vom Papst bestimmt. Die Zusammensetzung wurde erst an diesem veröffentlicht. Pro Erdteil werden drei Bischöfe gewählt. Aus Afrika ist unter anderem Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson (Ghana) dabei. Aus Europa wurden zudem der irische Erzbischof Diarmuid Martin (Dublin) und der vatikanische Kulturminister Gianfranco Ravasi bestimmt, der bereits den Entwurf für die von der Synode verabschiedete „Botschaft an das Volk Gottes“ verantwortet hatte. (rv)

Synode: Rolle der Frau gewürdigt, aber verkürzt

Die Synode hat in den vergangenen drei Wochen mehrfach die Rolle der Frau als „erste Verkünderinnen“ als Mütter oder Katechetinnen betont. Gleichzeitig waren unter den Experten und Hörern so viele Frauen - auch aus anderen Positionen - wie noch bei keiner Synode zuvor. Hat sich das positiv ausgewirkt? Schwester Nuria Calduch Benages hält das Ergebnis für verkürzt. Die Spanierin ist Mitglied der Kongregation der Töchter der Heiligen Familie von Nazareth und Professorin für Altes Testament an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Birgit Pottler hat sie nach ihren Eindrücken befragt. (rv)

 

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11/2008

 

 

06.11.08

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone wünscht sich ein Ende der Polemiken rund um Papst Pius XII.

Vorwürfe, der Weltkriegspapst sei gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Polen und besonders der Juden gewesen, seien beleidigend und historisch unhaltbar, sagte Bertone bei einem Kongress zum 50. Todestag des Pacelli-Papstes in Rom. Zum Seligsprechungsverfahren stellte der Kardinalstaatssekretär klar, dieses sei „eine rein religiöse Sache“, und nur der Heilige Stuhles sei dafür zuständig. Vor wenigen Tagen hatten Vertreter des Judentums den Papst gebeten, die Causa vorläufig auf Eis zu legen. (rv)

 

 

19.11.08

Vatikan: Kardinal Cordes lobt US-Caritas

Kardinal Paul Joseph Cordes ist beeindruckt von der Arbeit der Caritas in den USA. Das sagte der Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ nach seiner Rückkehr von einer USA-Reise. Trotz Finanzkrise kümmere sich die dortige Caritas sehr um die Randgruppen in der US-Gesellschaft. Der deutsche Kurienkardinal war Anfang des Monats in New York, Denver und Newark. Dort traf er sich mit Bischöfen und Caritas-Vertretern und sprach über das christliche Profil von katholischer Nächstenhilfe und Entwicklungsarbeit.

Über die weltweiten Aktivitäten des von ihm geleiteten Päpstlichen Hilfswerks meinte Kardinal Cordes im Gespräch mit Radio Vatikan:
„Wir hatten in den vergangenen Monaten sehr viele Bitten von Bischöfen und auch von den Nuntien - auch Staaten haben den Vatikan um Hilfe gebeten. Wir haben immer im Namen des Papstes geantwortet. So haben wir den Opfern des Erdbebens in Pakistan unsere Hilfe versichert. Etwas Neues war für uns die Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Festlandchina: Es ist ja bekannt, dass die Beziehungen zwischen Volksrepublik und Kirche nicht immer ganz einfach sind. Doch die Hilfe, die der Vatikan dort nach dem Erdbeben geben konnte, hat großen Anklang gefunden... und hat sicher auch die Beziehungen zwischen Vatikan und China verbessert.“
Die Unterstützung des Papstes sei vor allem ein wichtiges Zeichen, so der deutsche Kardinal.

„Diese Zeichen sind nie so groß wie bei anderen, staatlichen Entwicklungshilfen. Doch es ist wichtig, dass der Papst seine Hilfe auch in solchen schwierigen Situationen zeigt. Denn in der Gestalt des Papstes zeigt sich die Präsenz der katholischen Kirche, und die Menschen können dabei neue Hoffnung schöpfen.“
Während seines USA-Besuchs nahm Kardinal Paul Joseph Cordes die Ehrendoktorwürde der „Seton Hall University“, der ältesten katholischen Diözesan-Universität der USA, entgegen. (rv)

 

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12/2008

 

 

01.12.08

Neuer Garde-Kommandant tritt offiziell an

Der kleinste und älteste Heer der Welt hat einen neuen Kommandanten: Der 36-jährige Schweizer Jurist Daniel Anrig tritt an diesem Montag seinen Dienst als 34. Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde an. Er wird Nachfolger von Elmar Mäder (45), der das gut 500 Jahre alte Korps während der vergangenen fünf Jahre geführt hatte. Der in Walenstadt im Schweizer Kanton St. Gallen geborene Anrig hatte zwischen 1992 und 1994 als Hellebardier der vatikanischen Schutztruppe gedient. Anrig ist mit einer Theologin verheiratet und Vater von vier Kindern. An diesem Sonntag fand nun die Fahneneinweihe des neuen Kommandanten der Schweizergarde statt. Damit wird Anrig offiziell zum Heerführer. Vor dem offiziellen Amtsantritt feierte der vatikanische Innenminister, Erzbischof Fernando Filoni, mit der Schweizergarde und ihrem neuen Kommandanten einen Gottesdienst in der Kirche des Campo Santo Teutonico.
Unser Schweizer Redakteur Mario Galgano hat mit dem neuen Kommandanten gesprochen.
Die Schweizergarde gilt zwar als „kleinste Armee der Welt“, doch das Interesse an ihr ist groß; und die Aufgaben, die sie hat, zeigen, dass es keine einfache Sache ist, in der Garde zu dienen. Herr Anrig, wie fühlen Sie sich? Sind Sie nervös?

„Mein jetziges Gefühl würde ich nicht als Nervosität bezeichnen. Ich konzentriere mich sehr auf meinen neuen Auftrag. Diese Konzentration mischt sich mit einer großen Motivation und Freude.“
Der Vatikan ist bekanntlich klein und übersichtlich. Damit aber alles reibungslos funktioniert, braucht es eine gute Zusammenarbeit. So gibt es neben der Schweizergarde noch weitere Institutionen, die für die Sicherheit hinter den vatikanischen Mauern zuständig sind. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit beispielsweise mit der vatikanischen Gendarmerie?

„Für uns Schweizer ist Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit. Wir haben ja in der Eidgenossenschaft ein föderales Polizeisystem, aber auch die Armee ist mit ihrem Milizsystem vor allem auf Zusammenarbeit ausgerichtet. Deshalb habe ich keine Bedenken, was die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen betrifft. Im Gegenteil, das ist eine Stärke der Schweizer.“

Was möchten Sie Ihrer Truppe weitergeben? Gibt es eine Botschaft, die Sie den Gardisten anvertrauen möchten?

„Das Leben in der Schweizergarde zeigt, dass wir den Dienst in den Mittelpunkt stellen. Wir helfen unseren Mitmenschen und sind füreinander da. Am Wochenende kann man sich als Gardist nicht einfach ausklinken. Denn wir sind eine Lebensgemeinschaft. Jeder Gardist erlebt hier, wenn er offen dafür ist, das Gefühl, nicht nur ein Individuum zu sein. Er ist ein Teil eines Kollektivs. Ein weiterer Aspekt ist, dass man hier nicht einfach einem Konsumismus nacheifert. Jeder muss sich hier persönlich etwas weitergeben.“

Ihr besonderes Anliegen?

„Für mich als Kommandant ist es vor allem wichtig, dass junge Schweizer sehen, wie eine solche Institution wie die Garde existieren kann. Wer dazu gehören möchte, muss zwar etwas dafür tun, doch man kann von dieser Erfahrung sehr viel profitieren. Denn wer im Zentrum der katholischen Kirche dient, erhält sehr viel für seine berufliche und private Lebensentwicklung. Das ist meine Hauptbotschaft als junger Kommandant, die ich unbedingt weitergeben möchte. Der Dienst hier im Vatikan bereichert einen mehr als alles andere.“ (rv)

 

 

09.12.08

Vatikan: Neuer Kongregationspräfekt

Der spanische Kardinal Antonio Canizares Llovera ist von Papst Benedikt XVI. zum neuen Präfekten der Vatikan-Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ernannt worden. Der spanische Kardinal löst an der Kurie den Nigerianer Francis Arinze ab, der die Kongregation seit 2002 geleitet hatte.
Canizares Llovera, der am 15. Oktober 1945 in Utiel bei Valencia geboren wurde, leitete seit 2002 die Erzdiözese Toledo. Er verfügt über keine spezifische liturgietheologische Ausbildung, ist aber seit Jahren Mitglied der Glaubenskongregation. Unmittelbar nach seiner Kardinalsernennung 2006 berief ihn Benedikt XVI. in die Kommission „Ecclesia Dei“, die für Belange der Liturgie nach dem „außerordentlichen Usus“ von 1962 zuständig ist. (rv)

Kardinal Canizares: ein Portrait
Wer ist der neue Spanier an der Kurie? Skizzen zu einem Porträt von Stefan von Kempis.

„Der gehorsame Kardinal“ – so überschreibt die eher linke Zeitung „El Pais“ einen Artikel über Canizares. Gehorsam sei ein wesentlicher Zug an dem schmächtigen, kleingewachsenen Intellektuellen; schließlich laute sein Wahlspruch ja „Dein Wille geschehe“, und dem Papst sei Canizares immer schon besonders treu ergeben gewesen. Schon, als dieser noch gar nicht Papst war: Kardinal Joseph Ratzinger berief den Theologen, der aus der Region von Valencia kommt, 1995 an die Glaubenskongregation, wo Canizares an der spanischen Fassung des Weltkatechismus mitarbeitete. Der neue Papst Benedikt machte den Spanier 2006 schon in seinem ersten Konsistorium zum Kardinal. Und kleiner Ratzinger, „Ratzingerin“, wurde Canizares früher oft von Studenten genannt. „El Pais“ hat daher schon lange den Wechsel von Canizares nach Rom vorhergesagt – an die Glaubenskongregation oder, wie jetzt verwirklicht, an die Liturgiekongregation. Das sei zwar nur ein nachgeordnetes Ministerium, aber in der Ära des liturgie-interessierten Papstes Benedikt doch besonders wichtig.

Der neue spanische Kardinal an der römischen Kurie war schon mit 47 Jahren Bischof von Avila, vier Jahre später von Granada. 2003 wurde er Erzbischof von Toledo – und damit Primas von Spanien. Von den zehn Purpurträgern seines Landes ist er der jüngste. Veröffentlicht hat Canizares nur eine Handvoll Bücher, doch hat ihn die renommierte Akademie für Geschichtswissenschaften in ihre Reihen aufgenommen. Einen Namen hat Canizares sich in den letzten Jahren mit seinen klaren Stellungnahmen zu Projekten der Madrider Linksregierung gemacht. Die Schärfe seiner Kritik hielt ihn aber nicht davon ab, mit eben dieser Regierung ein solides neues System der Kirchenfinanzierung auszuhandeln. Bekannt ist auch sein gutes Verhältnis zu Vize-Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega. Canizares gilt als bedächtiger Zuhörer – und zugleich als Mann des klaren Wortes, mit einem Faible für den Stierkampf. Mit Blick auf sein neues Amt ist von Interesse, dass er zur Kommission „Ecclesia Dei“ gehört, die sich um einen Ausgleich mit Traditionalisten bemüht, und dass er im Sommer eine Messe im außerordentlichen Ritus zelebriert hat. Er interessiert sich für Kirchenmusik – und für den mozarabischen Ritus, der sich in seinem Erzbistum über die Jahrhunderte erhalten hat. (rv)

 

 

10.12.08

Sozialenzyklika von Papst Benedikt wird  Anfang 2009 erscheinen

Das hat Vatikan-Kardinal Renato Raffaele Martino am Donnerstag bekräftigt. Das Dokument, das auf soziale Aspekte der Globalisierung eingehen soll, sei derzeit in der Schlussredaktion. (rv)

 

 

 

15.12.08

Kardinal Avery Dulles ist tot

Der Jesuit, der als einer der großen Theologen des 20. Jahrhunderts galt, starb im Alter von neunzig Jahren in New York. Das hat die dortige Jesuitenprovinz jetzt bekannt gegeben. Dulles war ein Sohn des früheren US-Außenministers John Foster Dulles – und der Neffe eines CIA-Direktors. Als Protestant geboren, entwickelte er sich zunächst zum Agnostiker, bekehrte sich aber während seiner Studien in Harvard 1940 zum katholischen Glauben. Eine amerikanische Karriere, wenn man so will: Zwar nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, aber doch aus dem Umfeld des „State Department”, das heißt, des US-Außenministeriums, in den Kreis der Kardinäle - den eine US-Nachrichtenagentur einmal den „exklusivsten Männerclub der Welt” nannte. 1956 trat er in den Jesuitenorden ein. Eine reiche akademische Karriere begann: Dulles schrieb 23 Bücher und unzählige Aufsätze, leitete nacheinander das „Woodstock College” und die Katholische Universität von Amerika. Seine Veröffentlichungen sind von einem starken ökumenischen Interesse geprägt - nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass einer seiner Onkel ein berühmter protestantischer Theologe war. Als Papst Johannes Paul II. ihn 2001 zum Kardinal machte, bekam damit erstmals ein amerikanischer Nicht-Bischof den Purpur. Mit dem Tod von Avery Dulles gibt es jetzt sechzehn US-Kardinäle; von ihnen sind 13 papstwahlberechtigt. Das Kardinalskollegium besteht jetzt insgesamt aus 190 (Anmerkung