1/2005

 

 

 

Jan Pieter Kardinal Schotte

 

Der belgische Kardinal ist am 10.01.2005 im Alter von 76 Jahren in einem römischen Krankenhaus verstorben. Er war lange Zeit Angehöriger der Kurie im Vatikan. Kardinal Schotte wurde am 26.11.1994 durch Papst Johannes Paul II. zum Kardinal kreiert.

 

 

 

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2/2005

 

 

 

Corrado Kardinal Bafile

 

Das älteste Mitglied des Kardinalskollegiums ist am 03.02.2005 in der römischen Klinik Pio X. verstorben. Er war wegen altersbedingten Problemen in Behandlung. Kardinal Bafile wurde am 24.05.1976 durch Papst Paul VI. in den Kardinalsstand erhoben mit der Titelkirche S. Maria in Portico Campitelli.

 

 

 

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3/2005

 

 

                      Jorge Arturo Kardinal Medina Estévez

 

 wurde zum neuen Kardinal-Protodiakon ernannt. Luici Kardinal Poggi, der bisherige Protodiakon wurde in den Rang eines Kardinal-Priester erhoben. Nach dem Tod einiger Kardinal-Priester in den vergangenen Monaten, war diese Beförderung zu erwarten. Das Amt des Kardinal-Protodiakon ist überwiegend ein zeremonielles Amt und wird stets durch den dienstältesten Kardinal-Diakon bekleidet.  Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Verkündigung des Namens eines neugewählten Papstes.

 

 

 

Henryk Roman Kardinal Gulbinowicz

 

hat im 2. Weltkrieg, aus Angst in ein deutsches Arbeitslager geschickt zu werden, sein Geburtsdatum gefälscht. Aus diesem Grunde wurde durch die Kurie in Rom sein bisheriges Geburtsdatum berichtigt. Er ist am 17.10.1923 und nicht wie bisher angegeben am 17.10.1928 geboren. Kardinal Gulbinowicz ist nicht 76 sondern 81 Jahre alt und verliert damit sein aktives Wahlrecht in einem künftigen Konklave. Die Gesamtzahl der Papstwähler sinkt nun auf 119 Kardinäle.

 

 

 

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4/2005

 

 

30.04.05:

Neuer Kardinaldekan und Vize-Dekan gewählt:

Die Kardinalbischöfe wählten den Kardinalstaatssekretär Angelo Kardinal Sodano zum neuen Kardinaldekan des Kardinalskollegiums, und Papst Benedikt XVI. ernannte ihn, wie es das Kirchenrecht vorschreibt. Neuer Vize-Dekan wurde Roger Kardinal Etchegaray.

   Angelo Kardinal     Sodano

 

 

Roger Kardinal Etchegaray

 

 

 

26.04.05:

Skizzenhafte Darstellung des Papstwappen Benedikt XVI.:

In einem offiziellen Gedenkbild hat der Vatikan das päpstliche Wappen von Benedikt XVI. skizzenhaft und noch ohne Farbgebung vorgestellt. Es zeigt oben nicht mehr die übliche TIARA sondern die MITRA. Hinter dem Wappenschild befinden sich die gekreuzten Schlüssel und unten das Pallium. Das Wappenschild selbst ist dreigeteilt. Links sieht man den “Freisinger Mohr”, ein nach links blickender gekrönter Mohrenkopf, welcher seit 1316 durch den Freisinger Bischof Konrad III. als Wappen des alten Fürstbistums Freising bezeugt ist. Rechts ist ein mit Packtasche dargestellter Bär zu sehen. Diese Darstellung geht auf den heiligen Korbinian zurück, auf eine Legende des 8. Jahrhunderts und stammt aus dem Freisinger Stadtwappen. Im unteren Teil des Schildes befindet sich das dritte Element, die Muschel. Diese Muschel hat einen mehrfachen Symbolwert. Sie steht in Verbindung mit einer Legende um den heiligen Bischof und Kirchenlehrer Augustinus (354-430) bzw. steht sie als Symbol für das Eintauchen in das unergründliche Meer der Gottheit, außerdem gilt die Muschel als Symbol des II. Vatikanum - das “pilgernde Gottesvolk”. Alle Elemente des Wappens stammen aus der Zeit, als Joseph Ratzinger noch Erzbischof von München und Freising und anschließend Präfekt der Glaubenskongregation war.

 

 

25.04.05:

Franzis Kardinal Arinze wird Kardinalbischof von Velletri-Segni:

Der nigerianische Kardinal Arinze, seit 2002 Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ist von Papst Benedikt XVI. zum Kardinalbischof des Suburbikarischen Bistums Velletri-Segni erhoben worden. Der bisherige Kardinaldiakon wird somit der Nachfolger von Kardinal Joseph Ratzinger.

 

 

24.04.05:

Benedikt XVI. erhält das Pallium und den Fischerring:

Benedikt XVI. mit dem Pallium

Mit dem Fischerring und dem Pallium erhält Benedikt XVI. die Zeichen seiner päpstlichen Vollmacht. Kardinalprotodiakon Jorge Arturo Medina Estevez legte dem Papst das Pallium um. Der neue Dekan des Kardinalskollegiums Angelo Sodano steckte dem Papst Benedikt XVI. den Fischerring an den Finger. Wenn es auch heute keine Krönungsfeier mehr gibt, so stellt die feierliche Amtseinführung des neuen Pontifex maximus das in der Vergangenheit übliche Ende der Sedisvakanz dar.

 

 

23.04.05:

Amtseinführung des Papstes am Sonntag, den 24.04.05:

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Pallium von Papst Johannes Paul II.

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Sede gestatoria von Paul VI.

Papst Benedikt XVI. feiert am Sonntag, den 24.04.05 seine offizielle Amtseinführung. In früheren Zeiten gab es statt der Amtseinführung die Krönungszeremonie (Inthronisation), bei der dem neuen Pontifex maximus durch den ranghöchsten Kardinal die Tiara aufs Haupt gesetzt wurde. Dieser alte kirchliche Akt wurde zu letzt bei Papst Paul VI. am 30.06.1963 vollzogen. Paul VI. schaffte in seinem Pontifikat sowohl Tiara als auch den Tragstuhl “Sedia gestatoria” ab. Die  edelsteinbesetzte Tiara wurde verkauft und für die Armen verwendet. Aus der Sedia gestatoria wurde sozusagen das Papamobil. Mit der Wahl seines Nachfolgers Papst Johannes Paul I. wurde aus der Krönungsfeier eine feierliche Amtseinführung des neuen Kirchenoberhauptes mit Bischofsmitra und Pallium. Das Pallium steht beim Papst für die Fülle seiner Bischofsgewalt.

 

 

22.04.05:

Zählweise der Päpste immer noch unterschiedlich:

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Ausschnitt “Die Römischen Päpste”, aus L´Osservatore Romano (22.04.05). Papst Dioskur ist eingerückt und somit als Gegenpapst gekennzeichnet.

Der Vatikan rückt offensichtlich von seiner antiquierten Zählweise der Papstreihenfolge nicht ab. In der deutschen Ausgabe des “L´Osservatore Romano”, der offiziellen Zeitung des Vatikan ist in der Ausgabe Nummer 16 vom Freitag, den 22.04.05 eine Aufstellung der Römischen Päpste von Petrus bis Johannes Paul II. abgedruckt. In dieser Dokumentation wird DIOSKUR (+530) immer noch als Gegenpapst aufgeführt (siehe Bild links-Doppelklick vergrößert), obwohl in vielen Publikationen namhafter Kirchenhistoriker (z.B. F.X. Seppelt, G. Schwaiger) DIOSKUR (+530) zweifelsfrei in der Sukzession steht. Das im Jahr 2001 erschienene Werk “Lexikon der Päpste und des Papsttums (Herder-Verlag) schreibt hierzu: “Die byzanzfreudliche antigotische Mehrheit der Presbyter wählte Dioskus, der am 22.09.530 in der Lateranbasilika konsekriert wurde...... Bonifatius II. sprach über den Toten das Anathem und zwang die sechzig bisher oppositionellen Presbyter zur Mitunterzeichnung. Agapet I. ließ 535 diese Urkunde öffentlich verbrennen. Dioskur wird zu Unrecht als Gegenpapst geführt.” Herausgeber dieses Werkes ist unter anderem Walter Kasper, der heutige Kardinal und unter den Mitautoren finden sich Namen wie Professor Dr. Georg Schwaiger oder Professor Dr. Uta-Renate Blumenthal. In Presseberichten tauchen diesbezüglich verwirrende Zählweisen auf. Der neugewählte Pontifex, Papst Benedikt XVI. ist nach zeitgemäßer Zählweise der 265. Nachfolger des Apostelfürsten Petrus bzw. der 266. Papst der Römisch Katholischen Kirche. Bezieht man die 38 Gegenpäpste mit ein, so ist Benedikt XVI. der 304. Papst der Kirchengeschichte. 

 

 

22.04.05:

Brisantes Dokument von Papst Johannes Paul II.:

Vor dem Tod von Papst Johannes Paul II. hatte Kardinal Ratzinger noch an einem Dokument über wiederverheiratete Katholiken gearbeitet. Laut “La Repubblica” sollten ”SCHULDLOS GESCHIEDENE”  Wiederverheiratete zu den Sakramenten zugelassen werden. Eine derartige Änderung der katholischen Glaubenslehre wäre eine Sensation. Kardinal Ratzinger soll sich gegen den Willen von vielen Kardinälen und Bischöfen stark für diese Änderung eingesetzt haben.

 

 

21.04.05:

Papst Benedikt XVI. bestätigt die Kurienkardinäle

Benedikt XVI. bestätigte alle Kurienkardinäle und -erzbischöfe in ihren Ämtern. Somit verbleiben vorerst alle Dikasterienleiter, auch Kardinal Angelo Sodano als Staatssekretär, Erzbischof Giovanni Lajolo als Sekretär und Erzbischof Leonardi Sandri als Substitut des Staatssekretariats im Amt. Wer die Kongregation für die Glaubenslehre als Präfekt übernehmen wird, steht noch nicht fest.

 

 

21.04.05:

Spekulationen über Stimmenanzahl im Konklave:

Laut der italienischen Zeitung “Il Messaggero” soll Kardinal Ratzinger im vierten Wahlgang am 19.04.05 rund 100 Stimmen der 115 möglichen Wählerstimmen erhalten haben. Für eine Zweidrittelmehrheit wären nur 77 Stimmen notwendig gewesen. Nur wenige Eminenzen haben sich für den Mailänder Kardinal Tettamanzi entschieden. Im dritten und vierten Wahlgang habe Kardinal Martini seine Stimmen auf Kardinal Ratzinger transferiert.

 

 

*  *  *  *  19.04.05: Ein neues Pontifikat beginnt mit Papst Benedikt XVI.  *  *  *  *

 

 

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5/2005

 

 

28.05.05:

Benedikt XVI. feiert heute den 28. Jahrestag seiner Bischofsweihe

Paul VI. hatte ihn am 24. März 1977 zum Erzbischof von München und Freising ernannt. Ratzinger war damals bereits Mitglied der Internationalen Theologenkommission des Vatikans. Bei der Bischofsweihe zwei Monate später war er 50 Jahre alt. (rv)

 

 

 

26.05.05:

Kardinal Poupard begeistert von Rumänien:

Rumänien wird 2007 Teil der Europäischen Union sein - und das Land freut sich auf Europa. Das hat Kardinal Paul Poupard beobachtet, der eben von einer Reise aus dem Balkan-Land zurückkehrt. Der Präsident des päpstlichen Kulturrates hat an einem Kongress zur Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln des Kontinentes teilgenommen, den er bei seiner Tätigkeit hervorragend kennen gelernt hat. "Gerade auf meinen Reisen beeindruckt es mich doch, wie fantastisch das kulturelle Erbe ist. Von einer Stadt zur nächsten findet man überall Kirchen, Kreuze und ähnliches. An den Unis treffe ich junge Leute, die sich für das christliche Erbe Europas interessieren. Es gibt wirklich begründete Hoffnung. In einem Land wie Frankreich zum Beispiel ist zwar die Zahl der Kindstaufen eingebrochen - aber seit ein paar Jahren steigt beharrlich die Zahl der Taufen von Erwachsenen. Nach einer Periode, in der die dominante Kultur das Christentum abgelehnt hat, zeigen jetzt wichtige Persönlichkeiten auf einmal ihre große Sympathie. Nach allem, was wir im Monat von Papsttod, Konklave und Papstwahl erlebt haben, ist jetzt klar, dass das, was die katholische Kirche betrifft, alle interessiert. Das ist ein sehr positives Zeichen." (rv)

 

 

25.05.05:

Benedikt auf dem deutschen Friedhof:

Papst Benedikt XVI. hat gestern zum ersten Mal seit seiner Wahl eine deutsche Einrichtung besucht - und zwar gleich die älteste in Rom, nämlich Kolleg und Erzbruderschaft am "Campo Santo Teutonico". Es war auch gleichzeitig das erste Mal, dass ein Kirchenoberhaupt Gast in dieser Einrichtung war, die ihren Sitz seit 1.200 Jahren nur wenige Meter von der Petersbasilika entfernt hat. Anlass war eine Maiandacht im kleinen Rahmen: "Als ich im November 1981 zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt war und im Februar mein Amt übernehmen konnte, habe ich die ersten Monate hier gewohnt. Es ist eine schöne Erinnerung, zum einen weil es eine Rückkehr in meine Jugend war, einfach in einem Zimmer zu wohnen nur mit dem Nötigsten rundherum, wieder von vorne und frisch zu beginnen. Eine schöne Erinnerung war es aber vor allem auch dadurch, dass diese Gemeinschaft des Priesterkollegs diese Kirche und dieses Haus als lebendiges Haus Gottes und so als rechtes Haus der Menschen hält." Der Papst nutzte die Gelegenheit, ein paar Worte über den Zusammenhang von marianischer Andacht und Eucharistie zu sprechen. "Maria hat Ihm Fleisch und Blut gegeben, er gibt es uns zurück, um uns hinauf zu wandeln in das neue Leben Gottes. Aber er will zugleich doch auch durch uns immer wieder neu leibhaftig in der Geschichte gegenwärtig sein. Er will, dass er durch uns, in uns, sich neu inkarnieren und in der Welt leibhaftig Tag um Tag, Generation um Generation gegenwärtig sein kann. So ist dieser doppelte Kreislauf der Kommunion, den uns das marianische Geheimnis anzeigt, der Kern der eucharistischen Realität, und dabei wird zugleich sichtbar, wie Eucharistie weit über ein rituelles Geschehen hinaus das Ganze unseres Lebens, das Ganze der Geschichte umgreift." (rv)

 

 

25.05.05:

Kardinal Kasper “Skandal der Trennung”:

Die Spaltung der Christenheit ist ein Skandal. Das meinte der Präsident des päpstlichen Ökumene-Rats, Kardinal Walter Kasper, heute morgen beim italienischen Eucharistischen Kongress in Bari. Wegen der Spaltung sei es weiterhin nicht möglich, den Sonntag gemeinsam zu feiern. Einsatz für Ökumene und Dialog seien keine liberalen Spielereien, so Kardinal Kasper - sie seien vielmehr "kirchlicher Glaube, ernstgenommen und in die Praxis umgesetzt". Dialog bedeute kein Ineinander-Verschwimmen von zwei Nebelwänden, sondern nehme den biblischen Auftrag zum Eins-Sein beim Wort. Der Kardinal bedauerte, dass die gespaltenen Christen "Altar gegen Altar" errichtet hätten. Im Dialog mit den Protestanten komme es aber weiterhin zu "guten und überraschenden Früchten". Allerdings gäben Teile des Protestantismus - vor allem in Europa, "dem schwächsten Punkt der Christenheit", zum Beispiel auf ethischem Gebiet ihre Tradition auf. Mit Blick auf die Orthodoxen beteuerte Kasper, der so genannte Proselytismus, also das Abwerben von Gläubigen, sei "weder unsere Absicht noch unsere Strategie oder Politik". Er bitte umgekehrt die orthodoxen Brüder, einer schlimmen Form von Proselytismus ein Ende zu machen, "nämlich der skandalösen Praxis des Umtaufens". Der Petrusdienst bleibe das größte Hindernis zwischen katholischer und orthodoxer Kirche - vielleicht lasse er sich aber mit der orthodoxen Tradition der Kollegialität verbinden, hoffte Kasper. Als Verneigung vor dem Ortsheiligen von Bari würdigte er schließlich den hl. Nikolaus, der in der Ost- wie in der Westkirche gleichermaßen verehrt wird. Vielleicht, so Kardinal Kasper listig, werde ja mal ein Papst Nikolaus zu einem weiteren Patron Europas erheben. (rv 25.05.05 sk

 

 

20.05.05:

Papst: "Das Wüten der Nazis nicht vergessen"

Der deutsche Papst Benedikt XVI. ruft dazu auf, das "Wüten des Nationalsozialismus" nicht zu vergessen. Nach der Vorführung eines Spielfilms über das Leben seines Vorgängers Johannes Paul II. meinte Benedikt gestern in der vatikanischen Audienzhalle, "vor allem die Jugendlichen" müßten immer wieder daran erinnert werden, wohin menschenverachtende Gewalt führe. Es sei "ein Zeichen der Vorsehung", dass nach dem Polen Wojtyla jetzt ein deutscher Kirchenmann Papst geworden sei, meinte Papst Ratzinger. Er lobte die deutsch-polnische Aussöhnung als ein "Beispiel für Wiederversöhnung und Frieden". Der Papst wörtlich: "Möge die einmütige und ehrliche Verurteilung des Nationalsozialismus - wie auch des atheistischen Kommunismus - für alle ein Ansporn sein, auf der Vergebung Wiederversöhnung und Frieden aufzubauen.” (rv 20.05.05 sk)

 

 

19.05.05:

Kardinäle zu Mitgliedern der Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls ernannt:

Kardinal Tauran
Kardinal Re

Heute wurden der Präfekt der Bischofskongregation Giovanni Battista Kardinal Re sowie der Archivar und Bibliothekar der Hl. Römischen Kirche Jean-Louis Kardinal Tauran zu Mitgliedern der Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls ernannt.

 

 

19.05.05:

Österreichische Ehrung für Papstbruder:

Georg Ratzinger, der Bruder des Papstes, erhält heute im Vatikan das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse. Der neue österreichische Botschafter am Heiligen Stuhl, Helmut Türk, wird dem 81jährigen Priester und ehemaligen Leiter der "Regensburger Domspatzen" die Auszeichung im Namen der Republik überreichen. Bei dem nachmittäglichen Termin in der vatikanischen Audienzhalle wird auch Papst Benedikt XVI. anwesend sein. (rv 19.05.05 gs)

 

 

18.05.05:

Sonderbriefmarke für Papst Johannes Paul II.:

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Für den am 02.04.2005 verstorbenen Papst Johannes Paul II. hat die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke im Wert von 55 Cent herausgegeben. Die Auflage beträgt 30 Million Exemplare. Die Marke wurde heute von Bundesminister Hans Eichel in Mainz vorgestellt und wird seit 12.05.2005 in den Postämtern verkauft. (vh)

 

 

18.05.05:

Heute wäre Johannes Paul II. 85 Jahre alt geworden:

In zahlreichen Gedenkveranstaltungen erinnerten sich Menschen in aller Welt an den großen Papst aus Polen. Auch Papst Benedikt XVI. begann seine heutige Generalaudienz mit einem Gedanken über den Verstorbenen: "Er wäre heute 85 Jahre alt geworden. Wir sind sicher, dass er uns jetzt vom Himmel aus sieht und bei uns ist. Und wir wollen dem Herrn danken für alles, was er für uns getan hat und wir wollen auch Johannes Paul danken, für alles, was er getan und gelitten hat." Heute morgen bereits feierte der Privatsekretär Johannes Pauls, Erzbischof Stanislaw Dziwisz eine Messe am Grab in der Vatikansichen Grotten, an der auch der Moskauer Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz mit einer russischen Delegation teilnahm. In den italienischen Abruzzen wurde heute morgen ein 2.424 Meter hoher Berg nach Johannes Paul benannt. Und in Rom findet in der Basilika Santa Maria Maggiore heute abend ein Konzert zu Ehren des Verstorbenen statt - das Augsburger Philharmonische Orchester spielt die "Missa Speravi in Te Dominum" - eine Italien-Premiere für die Messe, die Hubert Steppnan eigens für Johannes Paul komponierte und die 1993 in Warschau uraufgeführt wurde. Vor dem Konzert wird der Päpstliche Generalvikar für den Vatikanstaat, Angelo Comastri, Karol Wojtyla würdigen. Uns sagte Comastri: "Zunächst war Johannes Paul ein mutiger Verteidiger des Friedens. Der Frieden war für ihn die einzige mögliche Beziehung zwischen den Völkern - und er hat ihn verteidigt, auch als schon der Wind des Krieges wehte. Ich erinnere mich an den Appell vom 16. März 2003. Da rief der Papst von seinem Fenster aus der Welt zu: "Ich weiß was der Krieg ist. Es ist meine Pflicht, diejenigen, die an den Kriege glauben, daran zu erinnern, dass der Krieg die Probleme vervielfacht und nicht löst, dass der Krieg den Hass schürt und keinen Frieden schafft." Weiter betonte Comastri den entschiedenen Einsatz Johannes Pauls für die Familie und den Schutz des Lebens. Wir werfen jetzt einen Blick nach Deutschland. Dort ist - pünktlich zum Papst-Geburtstag - eine Briefmarke der Deutschen Bundespost erschienen. Als Hommage an den verstorbenen Pontifex. Auflagenhöhe : 30 Millionen. Wie Johannes Paul auf dem Postwertzeichen dargestellt ist – das beschreibt jetzt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, für Sie: „Er schaut eigentlich zuversichtlich und vertrauensvoll in die Zukunft – aber es ist auch unverkennbar so ein Schuss Skepsis mit in seinem Blick. Und ich glaube auch, das Wichtige ist, dass er sich auf seinem Kreuz aufstützt und erkenne auch Schmerzen und Leiden. Und er schiebt das nicht einfach weg, sondern glaubt, dass er das im Kreuz tragen kann – insofern ist das einfach gut gewählt.“   (rv 18.05.05 hr)

 

 

16.05.05:

Polen: Bartoszewki, bitte jetzt keine Papstreise nach Polen

Schon wenige Tage nach der Wahl Kardinal Joseph Ratzingers zum Papst gab der Vatikan erste päpstliche Reisepläne bekannt. "Fast sicher", hieß es, werde die erste Auslandsreise Benedikt XVI. nach Polen führen. Doch Polen kann im Moment gar keine Papstreise brauchen, sagt der Intellektuelle und ehemalige Außenminister Bartoszewski gegenüber Radio Vatikan. "Ich glaube, das war Ausdruck seiner Wertschätzung für seinen Vorgänger und auch für die Religiosität, das katholische Engagement der Polen. In dem Sinn hat es große Bedeutung für uns gehabt. Aber ich glaube, es besteht keine Möglichkeit, ihn bei uns zu erwarten in den kommenden Wochen und Monaten. Er muss sich nicht beeilen." Denn Polen befindet sich mitten im Wahlkampf, argumentiert Bartoszewski. "Wir werden im Herbst das Parlament und zusätzlich das Staatsoberhaupt wählen. Das sind keine Wochen oder Monate, wo man die Autoritäten sozusagen richtig empfangen kann in der Öffentlichkeit. Besser wäre es, glaube ich, und ich bin nicht der einzige, der im katholischen Milieu Polens so denkt, den Papst würdig zu empfangen nach einigen Monaten seiner Amtszeit. Das Sekretariat von Wojtyla hat damals schon gesagt, der Papst hat keine Absicht, im Wahljahr nach Polen zu kommen." (rv 16.05.05)

 

 

16.05.05:

Täglich 23.000 Pilger am Grab von Papst Johannes Paul II.:

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Durchschnittlich besuchen 23.000 Pilger pro Tag das Grab von Papst Johannes Paul II. in den Grotten unter dem Petersdom in Rom. Laut “L´Osservatore Romano” kommen die meisten Gläubigen nicht aus Neugier sondern um zu beten.

 

 

13.05.05:

Erzbischof Levada beerbt Ratzinger:

Erzbischof Levada

Der Erzbischof von San Francisco, William Levada wurde heute von Papst Benedikt XVI. zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt. Er übernimmt damit das Amt, das Kardinal Ratzinger bis zu seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt der Römisch Katholischen Kirche innehatte. Da es ich bei diesem Dikasterium um ein sehr wichtiges Amt im Vatikan handelt, kann man sicherlich davon ausgehen, dass Erzbischof Levada ein potenzieller Anwärter auf den Kardinalshut sein wird.

 

 

13.05.05:

Seligsprechungsprozess für Papst Johannes Paul II. sofort eröffnen:

Papst Benedikt XVI. hat den sofortigen Beginn eines Seligsprechungsprozesses für seinen Vorgänger verkündet. Benedikt XVI. verlas selbst eine dementsprechende Erklärung vor römischen Klerikern. Diese Verlautbarung wurde mit großem Beifall honoriert. Eine Seligsprechung kann eigentlich frühestens fünf Jahre nach dem Tod der verehrten Person beginnen, so sieht es das Kirchenrecht vor. Papst Johannes Paul II. hatte die Bestimmungen über die 5-Jahre-Wartezeit gelockert, was ihm jetzt selbst zugute kommt. Das Überprüfungsverfahren kann sich aber dennoch lange hinziehen. Schließlich dauerte das Pontifikat von Papst Johannes Paul II. ein Vierteljahrhundert.

 

 

12.05.05:

Spekulationen um den neuen Präfekten der Glaubenskongregation:

Erzbischof Levada

Nach Tarcisio Kardinal Bertone steht die Ernennung des neuen Präfekten der Glaubenskongregation unmittelbar bevor. Italienische Medien spekulieren in den letzten Tagen vermehrt über den Nachfolger des ehemaligen Kardinal Ratzinger, der fast ein Vierteljahrhundert das Dikasterium führte. Verstärkt im Gespräch ist der Erzbischof von San Francisco, William Levada. Er war von 1976 bis 1983 Mitarbeiter von Kardinal Ratzinger im “Sant´Ufficio”. Auch der Namen des Wiener Kardinal Christoph Schönborn oder des italienischen Bischof Bruno Forte werden gehandelt.

 

 

11.05.05:

Universität Eichstätt-Ingolstadt feiert 25-jähriges Jubiläum:

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) feiert am 12.05.2005 ihr 25-jähriges Bestehen. Großkanzler der Universität ist der Eichstätter Bischof Walter Mixa, der zugleich Militärbischof ist. Unter den Ehrendoktoren der Universität befindet sich aus katholischer Sicht die höchste kirchliche Persönlichkeit - Papst Benedikt XVI. Vor deutschsprachigen Pilgern hat Benedikt XVI. bei seiner ersten Audienz ausdrücklich gebeten, der Universität zu ihrem Jubiläum viele liebe Segenswünsche zu übermitteln. Als Erzbischof von München-Freising und Vorsitzender der Freisinger Bischofkonferenz hatte er maßgeblich an der Gründung der Universität mitgewirkt.

 

 

11.05.05:

Kardinal zu 10 Tagen Haft auf Bewährung verurteilt:

Im jahrelangen Rechtsstreit um die Sendemasten von Radio Vatikan wurden am Montag, 09.05.05 durch ein italienisches Gericht zwei Urteile gefällt. Die zulässigen Grenzwerte der Sendeanlage in Santa Maria di Galeria im Norden von Rom werden seit Jahren deutlich überschritten. Seit 1999 dürfen derartige Anlagen einen Elektrosmog von 6 Voltmeter, laut italienischen Grenzwerten abstrahlen. Santa Maria di Galeria erreichte im Jahr 2002 Grenzwerte von 8 – 10 Voltmeter. Der italienische Grenzwert liegt hier drastisch niedriger als die EU-Vorgabe von 60 Voltmeter. Der Aufsichtsratvorsitzende Roberto Kardinal Tucci S.J. und Generaldirektor von Radio Vatikan P. Pasquale Boromeo S.J.  wurden zu 10 Tagen Haft auf Bewährung verurteilt. Wie Radio Vatikan mitteilte, werden beide Verurteilte in Berufung gehen.

 

 

10.05.05:

Asteroid Ratzinger kreist im Weltall:

 

Der Heidelberger Planetenforscher Lutz Schmadel hatte am 04.10.1990 einen neuen Asteroiden in einem Asteroidengürtel entdeckt.  Der Asteroid hat etwa 10 Kilometer Durchmesser. Schmadel machte damals der Internationalen Asteroiden Union (IAU) den Namen „Ratzinger“ als Namensvorschlag. Offensichtlich löste dieser Vorschlag heftige Diskussionen innerhalb der IAU aus. Letztendlich bekam der Asteroid den Namen „8661 RATZINGER“. Kardinal Ratzinger hatte damals auf die ihm angetragene Patenschaft erfreut reagiert und fühlte sich sehr geehrt.

 

 

09.05.05:

Papst nimmt Lateran-Basilika “in Besitz”:

Benedikt XVI. hat am 07.05.05 seine Bischofskirche, die römische Lateran-Basilika, feierlich in Besitz genommen. Tausende Menschen nahmen auch vor der Lateran-Basilika an der Feier teil; die Messfeier wurde über Großbildschirme übertragen. „Mater et caput omnium ecclesiarum urbis et orbis“ – Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises. Dieser Titel steht der Lateran-Basilika in Rom zu. Im Rahmen der Zeremonie nahm der Papst von verschiedenen Vertretern der Diözese ein Gehorsamsversprechen entgegen. Dieses Versprechen leisteten, der Erzpriester der Lateran-Basilika, Kardinal Camillo Ruini, der Vizeregent des Bistums Erzbischof Luigi Moretti, ein Pfarrer und ein stellvertretender Pfarrer, ein Diakon und ein Diakon auf dem Weg zum Priesteramt, ein Ordensmann und eine Ordensfrau, ein Mann und eine Frau aus dem Bistum sowie zwei schon gefirmte Jugendliche. Anschließend fuhr der Pontifex im offenen Wagen zur nahegelegenen Basilika „Santa Maria Maggiore“. Hier verehrte Benedikt XVI. das Marienbild „Salus Populi Romani“ in einer Seitenkapelle. Bei diesem Termin wurde der Papst begleitet vom derzeitigen Erzpriester der Basilika, US-Kardinal Bernhard Law. Kardinal Law war nach Vorwürfen, er habe Missbrauchs-Skandale vertuscht, von Papst Johannes Paul II. als Erzbischof von Boston abgelöst worden und lebt seit einigen Jahren in der Ewigen Stadt.

 

 

06.05.05:

Vereidigung neuer Schweizergardisten:

31 Schweizergardisten und ihre Familienangehörigen hat Papst Benedikt XVI. heute in Audienz empfangen. Vor dem Vertreter des Päpstlichen Staatssekretariats, Erzbischof Leonardo Sandri, legten die neuen Hellebardiere ihren Eid auf die Gardefahne ab. Der Eid wurde in vier Sprachen geleistet: 25 Rekruten sprachen die Eidesformel in Deutsch, vier in Französisch, einer in Italienisch und einer in Rätoromanisch.

 

 

03.05.05:

Papst deligiert Seligsprechungs-Feiern:

Papst Paul VI. (1963-1978)

Papst Benedikt XVI. kehrt zur Praxis von Papst Paul VI. zurück. Künftig werden Seligsprechungsfeiern im Verantwortungsbereich des Präfekten der Selig- und Heiligsprechungskongregation, Kardinal José Saraiva Martins liegen. Laut der italienischen Zeitung “Il Giornale”, wird der Papst in Zukunft nur die Heiligsprechungs- zeremonien selbst leiten -  er kehrt damit zur üblichen Verfahrens- weise, wie sie im Pontifikat von Papst Paul VI. üblich war zurück.

 

 

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6/2005

 

 

29.06.05:

Bald Seligsprechung Johannes Paul II.

Der Seligsprechungsprozeß für Papst Johannes Paul II. wird schnell zum Abschluß kommen. Davon ist der römische Kardinalvikar Camillo Ruini überzeugt. Bei der feierlichen Einleitung des Verfahrens meinte er gestern Abend in der römischen Lateranbasilika, in den Augen der Welt sei Papst Wojtyla schon jetzt heilig. Der vor drei Monaten verstorbene Papst habe sein Leben für die Verbreitung des Evangeliums gegeben. Nur noch Papst Benedikt fehlte gestern Abend beim Prozeß-Auftakt in der römischen Kathedrale San Giovanni: Benedikt nahm zeitgleich an einem Konzert im Vatikan teil, ließ Kardinal Ruini bei der Lateran-Feier den Vortritt. Anders, als viele deutsche Blätter meldeten, wurde Johannes Paul gestern Abend nicht etwa schon selig gesprochen - es startete nur das entsprechende Verfahren, mit einer feierlichen Vesper. Vor vielen Kardinälen und Politikern legten die Teilnehmer an dem Verfahren ihren Eid ab; darunter auch der Postulator Slawomir Oder. Mit dabei in der Basilika war übrigens auch Erzbischof Stanislaus Dziwisz, langjähriger Privatsekretär von Johannes Paul. Bewegend der Moment, als die Gläubigen in der Lateranbasilika noch einmal in Sprechchöre ausbrachen - "Giovanni Paolo", ein Ruf, der vielen nach 25 Jahren polnischen Pontifikats noch in den Ohren hallt. (rv)

 

 

21.06.05:

Kardinal Sin gestorben

Kardinal Jaime Sin, der ehemalige Erzbischof von Manila, ist tot. Der 76-jährige erlag in den frühen Morgenstunden, des 21.06.05 einer langen Krankheit. "Der Kardinal hat lange gelitten, es war Zeit für ihn, zu Gott zu gehen", kommentierte sein Sekretär die Todesnachricht. Fast dreißig Jahre lang war er der geistliche Führer der Katholiken auf den Philippinen gewesen: Jaime Sin. Seit 1974 Erzbischof von Manila, erhielt er aus der Hand von Papst Paul VI. 1976 den Kardinalshut. Sin ist als eifriger Verfechter der Demokratie in die Geschichte eingegangen - nicht zuletzt war er die entscheidende Gestalt für den Sturz von Diktator Ferdinand Marcos im Jahr 1986. Der Kardinal rief damals die Bürger des größten katholischen Landes Asiens dazu auf, betend durch die Straßen zu ziehen und so gegen das diktatorische Regime zu protestieren. Die "Rosenkranz-revolution" nannte man diese friedliche Demonstration. Radio Veritas, die katholische Radiostation auf den Philippinen, wurde zu seinem wichtigsten Sprachrohr. Doch nicht nur einmal schaltete sich der philippinische Kardinal in die Politik seines Landes ein - zuletzt war er es, der im Jahr 2003 eine Revolte gegen Präsidentin Gloria Arroyo durch seine Appelle nach 19 Stunden quasi im Keim erstickte. Wenn Kardinal Sin sprach, hörten ihm Präsidenten zu: "Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass, wenn wir über wirtschaftlichen Wiederaufbau sprechen, wir auch die geistliche Erneuerung unseres Volkes nicht vergessen sollten. Denn wenn wir nur von materialistischen Dingen sprechen, wird es eine Unausgewogenheit in unserem Land geben - und wir werden kollabieren!" Kardinal Sin war auch der Gastgeber der größten Messfeier, ja der größten Menschenansammlung in der Geschichte der Menschheit, als sich zum Weltjugendtag in Manila im Januar 1995 rund vier Millionen Menschen in der philippinischen Hauptstadt mit Papst Johannes Paul II. trafen. Präsidentin Arroyo kommentierte den Tod von Kardinal Sin mit den Worten, der Tag werde in die Geschichte eingehen, an dem ein großer Befreier des philippinischen Volkes und ein großer Gottesmann heim- ging. Um Kardinal Sins Wirkung zu verstehen, reicht es vielleicht, an eine seiner Äußerungen nach dem Sturz von Diktator Marcos im Jahr 1986 zu erinnern, als er sagte: "Wir haben Ali Baba vertrieben, aber die 40 Räuber sind geblieben." (rv)

 

 

20.06.05:

Mögliche Kardinalskreierungen

Noch zu Lebzeiten von Papst Johannes Paul II. rechnete man mit der Kreierung neuer Kardinäle. Nach einigen Pressemitteilungen, scheint eine Kardinalskreierung möglicherweise am Christkönigsfest 2005 realistisch zu sein.

Derzeit umfasst das Kardinalskollegium, mit aktivem Wahlrecht in einem künftigen Konklave, 116 Eminenzen. Bis Oktober diesen Jahres überschreiten noch 4 Kardinäle die Altersgrenze von 80 Jahren und verlieren somit ihr Wahlrecht. Ohne eventuelle Todesfälle, sinkt das Heilige Kollegium auf 112 Purpurträger. Nach gültigem Kirchenrecht sollten aber 120 Kardinäle für eine Papstwahl zur Verfügung stehen. Papst Benedikt XVI. wird sicherlich nicht nur 8 neue Kardinäle kreieren, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit das Kardinalskollegium deutlich vergrößern. In Anbetracht von derzeit 8 unterbesetzten Dikasterienleiterstellen im Vatikan und einer Vielzahl von Erzdiözesen weltweit, welche eigentlich Kardinalssitze waren und durch Todesfälle bzw. Altersgründe nur mit Erzbischöfen besetzt sind, wird die Zahl der Neuernennungen sicherlich um 30 oder sogar darüber liegen.

Im Anschluss sind mögliche Kandidaten für die Ernennung zum Kurienkardinal bzw. aus dem Bereich der Erzdiözesen zur Kardinalsernennung angeführt. Welche Kirchenmänner letztendlich den Kardinalshut erhalten werden, wird die Zukunft zeigen.

1. Kurienkardinäle:

1.1 Kongregationen:

  • Kongregation der Glaubenslehre: Erzbischof William Levada
  • Kongregation für die Institute gottgeweihten Lebens und die Gemeinschaft                     apostolischen Lebens: Erzbischof Franc Rodé CM

1.2 Päpstliche Räte:

  • Päpstlicher Rat für die Laien: Erzbischof Stanislaw Rylko
  • Päpstlicher Rat „Cor Unum“: Erzbischof Paul Josef Cordes
  • Päpstlicher Rat für dem interreligiösen Dialog: Erzbischof Michael Louis Fitzgerald       M.Afr.
  • Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel: Erzbischof John Patrick             Foley
  • Päpstliche Bibelkommission: Erzbischof William Levada

1.3 Gerichtshöfe:

  • Apostolische Signatur: Erzbischof Agostino Vallini

2. Erzdiözesen:

2.1 Erzdiözesen in Europa:

  • Albanien - Tirana-Durris: Erzbischof Rrok K. Mirdita
  • Frankreich - Paris: Erzbischof André Vingt-Trois
  • Irland - Dublin : Erzbischof Diarmuid Martin
  • Italien - Bologna: Erzbischof Carlo Zaffara
  • Polen - Breslau: Erzbischof Marian Golebiewski
  • Polen - Krakau: Erzbischof Stanislaw Dziwisz
  • Russland - Moskau: Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz
  • Slowenien – Ljubljana (?): Weihbischof Alojz Uran
  • Spaniel - Barcelona: Erzbischof Lluis Martinez Sistach
  • Spaniel - Toledo (?): Erzbischof Antonio Canizares Llovera

2.2 Erzdiözesen in Nordamerika:

  • USA – Boston: Erzbischof Sean O´Malley

2.3 Erzdiözesen in Lateinamerika:

  • Argentinien – Córdoba: Erzbischof Carlos José Nanez
  • Brasilien – Belo Horizonte Erzbischof Walmor Oliveira De Azevedo
  • Brasilien – Aparecida: Erzbischof Raymundo Damasceno Assis
  • Brasilien – Brasilia: Erzbischof Joao Braz De Aviz
  • Ecuador – Quito: Raoul Eduardo Vela Chiriboga
  • El Salvador – San Salvador: Erzbischof Sáenz Lacalle
  • Mexiko – Monterrey: Erzbischof Francisco Robles Ortega
  • Nicaragua – Managua: Erzbischof Leopoldo José Brenes Solórzano
  • Paraquay – Asuncion: Erzbischof Eustaquio Pastor Cuquejo Verga
  • Uruguay – Montevideo: Erzbischof Nicolás Cotugno Fanizzi

2.4 Erzdiözesen in Asien:

  • Japan – Tokio: Erzbischof Peter Takeo Okada
  • Philippinen – Manila: Erzbischof Gaudencio B. Rosales
  • Südkorea – Seoul: Erzbischof Nicholas Cheong Jin-suk
  • Vietnam – Hanoi: Joseph Ngo Quang Kiet

2.5 Erzdiözesen in Afrika:

  • Angola – Luanda: Erzbischof Damiao António Franklin
  • Kamerun – Yaoundé: Erzbischof Simon-VictorTonyé Backot
  • Kenia – Nairobi: Erzbischof Nzeki Raphael Ndingi Mwana´a
  • Marokko- Algier: Erzbischof Henri Teissier
  • Mozambik – Maputo: Erzbischof Francisco Chimono
  • Senegal – Dakar: Théodore-Adrien Sarr
  • Südafrika – Kapstadt: Erzbischof Lawrence Patrick Henry

2.6 Erzdiözesen in Ozeanien:

  • Australien – Samoa-Apia: Erzbischof Alapati Mataeliga

 

 

 

10.06.05:

Seligsprechungsverfahren startet Ende Juni

Jetzt ist es offiziell: Das Seligsprechungsverfahren für Johannes Paul II. beginnt schon Ende dieses Monats. Was seit Wochenbeginn vermutet wurde, hat Kardinalvikar Camillo Ruini gestern Abend mit folgenden Worten verkündet: "Jetzt habe ich noch eine Nachricht für Euch, die euch sehr freuen wird: Am Dienstag, den 28. Juni werde ich hier in der Lateran-Basilika eine Vesper zum Hochfest Peter und Paul feiern - und bei dieser Gelegenheit offiziell den Seligsprechungs- und Heiligsprechungsprozess für unseren geliebten Bischof und Papst Johannes Paul II. eröffnen. Das wird für uns alle ein großes Geschenk und ein außergewöhnlicher Anlass sein, Gott zu danken." In seiner Ansprache zum Abschluss des Pastoralkongresses der Diözese Rom bekräftigte Ruini noch einmal die Haltung der Kirche in Italien zum Referendum über das Gesetz zur künstlichen Befruchtung. Die Bischöfe sind gegen die Volksabstimmung und damit für den Menschen, betonte Ruini: "Wir sind für das menschliche Leben, das geboren wird, mit Sicherheit, und für die Kinder, die ein Recht darauf haben, ihre leiblichen Eltern zu kennen. Aber wir sind auch für die Frauen und Männer von heute und morgen, sie müssen immer als Person gesehen und auch so behandelt werden - und nicht als Laborprodukt oder Versuchsergebnis. Aber auch in ihrem berechtigten Verlangen, mit medizinischer Hilfe Eltern zu werden, dürfen sie nicht vergessen, dass das Kind nicht persönliche Genugtuung ist, sondern immer eine Person bleibt, die sie als Geschenk empfangen haben." Auch Kardinal Renato Raffaele Martino hat das beherzte Einschreiten der Bischöfe und des Papstes gegen das Referendum erneut verteidigt. Die Kirche lasse sich von niemandem einschüchtern, erklärte der Präsident des Päpstlichen Rates "Justitia et Pax". Jeder einzelne Christ müsse sich für das Leben einsetzen, das einzig und allein ein Geschenk Gottes sei. (rv)

 

 

08.06.05:

Kurzer Prozeß

Der Prozess zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. soll schon Ende Juni 2005 beginnen. Das behauptet die römische Zeitung "Il Messaggero". Das Verfahren werde schon am 28. Juni feierlich starten. Papst Benedikt XVI. hatte am 13. Mai einen ungewöhnlich schnellen Beginn des Seligsprechungs-Prozesses erlaubt. (rv)

 

 

06.06.05:

Bald Konsistorium?

Nach den jüngsten Ernennungen von Papst Benedikt XVI. rechnen Beobachter mit einem baldigen Konsistorium zur Kreierung neuer Kardinäle. Ein solches war bereits für die letzte Zeit des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. erwartet worden. Tatsächlich sind zur Stunde einige Schlüsselpositionen der Kirche, die gemeinhin Kardinäle innehaben, mit Bischöfen bzw. Erzbischöfen neu besetzt. Etwa ist der Erzbischof von Krakau traditionell ein Kardinal. Benedikt XVI. hatte vergangenen Freitag Erzbischof Stanislaw Dziwisz, den früheren Sekretär von Papst Johannes Paul II., an diese Stelle berufen. Ebenso ist der neue Erzbischof von Paris, André Vingt-Trois, ein Anwärter auf den Kardinalspurpur. Ihn hatte noch Johannes Paul II. als Nachfolger für den aus Altersgründen zurückgetretenen Kardinal Jean-Marie Lustiger ernannt. Auch der US-amerikanische Erzbischof William Levada, der designierte Nachfolger Joseph Ratzingers als Präfekt der Glaubenskongregation, wird wohl den Kardinalspurpur erhalten: Allen vatikanischen Kongregationen stehen Kardinäle vor. Aus diesem Grund dürfte auch der slowenische Erzbischof Franc Rodé, Präfekt der Ordenskongregation, auf der Liste der zukünftigen Kardinäle stehen. Das bisher letzte Konsistorium fand im Oktober 2003 statt. Johannes Paul hatte damals 31 Bischöfen den Kardinalspurpur verliehen. (rv)

 

 

06.06.05:

Erzbischof von Krakau, St. Dziwisz, heute in Audienz empfangen

Erst vor drei Tagen hatte der Papst den ehemaligen Privatsekretär seines Vorgängers Johannes Paul II. zum neuen Oberhirten in Krakau ernannt. Ob es bei der Unterredung auch um die persönlichen Aufzeichnungen von Johannes Paul ging, blieb offen. Der polnische Papst hatte in seinem Testament verfügt, dass Dziwisz über die Vernichtung der Papiere zu wachen habe. Gegenüber dem polnischen Rundfunk sagte Dziwisz allerdings an diesem Wochenende, dass er die persönlichen Aufzeichnungen des Papstes nicht verbrannt habe, weil sie es nicht verdient hätten, vernichtet zu werden. Da der letzte Wille Johannes Pauls nicht vollzogen wurde, müsse nun der neue Papst entscheiden, was mit den privaten Dokumenten seines Vorgängers zu geschehen habe, zitieren italienische Zeitungen heute verschiedene Experten. (rv)

 

 

04.06.05:

Papst unterstreicht Bedeutung der Familie

Papst Benedikt XVI. hat heute die Bedeutung der Familie unterstrichen. Bei einer Audienz für Pilger aus der Diözese Verona erinnerte der Papst an die Diözesansynode in Verona, die als eines der zentralen Themen das der Familie hatte. Die Diözese, so Benedikt, müsse in allen Teilen von der Eucharistie leben - ausgehend von der Familie, der "kleinen Hauskirche" bis hin zu allen sozialen und pastoralen Aktivitäten. So betonte der Papst auch ausdrücklich, wie wichtig die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier sei. Das Thema "Familie" sei in richtiger Weise in der Diözesansynode diskutiert worden, wie es auch Thema in ganz Italien und der Weltkirche sein müsse: "In eurer Diözese sind - wie auch überall sonst - Scheidungen und ungeregeltes Zusammenleben gewachsen. Das bedeutet für die Christen einen deutlichen Anruf, das Evangelium des Lebens und der Familie in seiner Ganzheit zu verkünden. Die Familie ist dazu berufen, "intime Gemeinschaft des Lebens und der Liebe" zu sein, da sie auf die unauflösliche Ehe gegründet ist. Trotz der Schwierigkeiten und der sozialen und kulturellen Umstände des aktuellen historischen Moments, mögen die christlichen Eheleute nicht aufhören, mit ihrem Leben ein Zeichen der treuen Liebe Gottes zu sein. Sie mögen aktiv mit den Priestern in der Pastoral der Verlobten, der jungen Paare, der Familien und in der Erziehung der neuen Generationen zusammenarbeiten." Der Vatikan hat heute außerdem ein Schreiben des Papstes zum Weltfamilientag im Juli nächsten Jahres im spanischen Valencia veröffentlicht, das die spanische Bischofskonferenz bereits vor einer Woche vorgestellt hatte. Darin unterstreicht Benedikt XVI., kein Land dieser Erde dürfe das "wertvolle Gut der Familie" ignorieren, das auf die Ehe gegründet sei. Dass diese Botschaften des Papstes gerade zu diesem Zeitpunkt kommen, scheint nicht ganz unbegründet: Morgen stimmen die Schweizer in einem Referendum unter anderem über das "Partnerschaftsgesetz" ab, in dem es um die Frage der Legalität von homosexuellen Lebensgemeinschaften geht. Am Montag beginnt in der Diözese Rom eine Tagung zum Thema Familie und Leben, und die Italiener sind am kommenden 12. Juni dazu aufgerufen, über eine Gesetzesänderung zum Thema künstliche Befruchtung abzustimmen. In Spanien steht schließlich am 18. Juni eine Demonstration von Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften gegen die Familienpolitik der Regierung an. Dabei geht es neben den Gesetzen zu homosexuellen Lebensgemeinschaften auch um Lebensschutz und Werte der Familie. (rv)

 

 

03.06.05:

Erzbischof Dziwisz ist neuer Metropolitan Erzbischof von Krakau

Papst Benedikt XVI. ernennt Erzbischof Stanislaw Dziwisz zum Metropolitan Erzbischof von Krakau (Polen). Dziwisz ist 1939 in Raba Wyzna in Polen geboren. Von 1966 bis 1978 war er Privatsekretär von Erzbischof Karol Wojtyla in Krakau und von 1978 bis 2005 Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. Erzbischof Dziwisz löst somit Franciszek Kardinal Macharski in diesem Amt ab.

 

 

01.06.05:

Vatikan: Benediktiner von St. Paul froh über Änderungen

Die Benediktinermönche von Sankt Paul vor den Mauern freuen sich über ihren neuen Erzpriester - einen solchen päpstlichen Vertreter erhält die Patriarchalbasilika nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte, wie Papst Benedikt XVI. in einem "Motu proprio" gestern verfügte. Dass das Kloster damit in seiner Selbständigkeit beschnitten werde, sei nicht zu fürchten, erklärt der Prior von Sankt Paul, der österreichische Pater Johannes Paul Abrahamowicz. "Es gibt in der Basilika eine Verwaltungsfrage und eine pastorale Frage. Die pastorale Frage war immer schon in den Händen des Klosters, seit dem 8. Jahrhundert, auf Wunsch der Päpste. Lange Zeit hatten die Mönche auch die Verwaltungsfragen. Aber heute ist die Verwaltungsfrage schon sehr aufwändig und kostspielig, insofern sind wir froh, dass das schon seit einigen Jahrzehnten der Vatikan übernommen hat und dass das jetzt noch einmal genauer geregelt wird." Weil die Basilika Sankt Paul Eigentum des Vatikans ist, kommt dieser auch für die Erhaltung auf. Darunter fallen Personalkosten, Reinigung, Strom und anderes. Bisher waren aber im Vatikan zwei verschiedene Stellen für diese Verwaltungsfragen zuständig, was zu Meinungsunterschieden geführt hatte. "Ich glaube, Benedikt wollte die Arbeit seines Vorgängers auf würdigende Art fortführen Johannes Paul II. hatte das längst eingeleitet, dass in Sankt Paul die Sache geregelt wird mit den zwei verschiedenen, für die Finanzen verantwortlichen Stellen des Vatikans - indem er einen Chef darübersetzt. Das ist eine Hilfe für uns. Denn damit haben die Benediktiner einen Ansprechpartner für alles, was die Verwaltung betrifft." An der Arbeit der Mönche, etwa bei der Beichte und in der Liturgie, wird sich nichts ändern, betont Prior Abrahamowicz. Die Benediktinerabtei von Sankt Paul ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen: von 14 auf 24 Mönche. Sie sind, und das war der Wunsch der Kongregation, eine internationale Gemeinschaft, die sich besonders der Ökumene widmet. (rv)

 

 

01.06.05:

Papst betet mit Gläubigen an Lourdes-Grotte

Mit einer Lichterprozession durch die Vatikanischen Gärten und einer Andacht an der Lourdes-Grotte ist im Vatikan gestern Abend der Marienmonat Mai zu Ende gegangen. Papst Benedikt XVI. segnete die mehreren Tausend Gläubigen und ermunterte sie, Maria nachzueifern. "Folgen wir Maria nach und leben wir wie sie - eine zutiefst eucharistische Frau", rief Benedikt den Menschen zu. " Unser ganzes Leben soll ein einziges Magnificat sein." Erzbischof Angelo Comastri, der Generalvikar des Vatikanstaates, hatte zuvor die Prozession und das Rosenkranzgebet geleitet. Den Brauch hatte Johannes Paul II. eingeführt für die Bewohner und Angestellten des Vatikanstaats. An der Feier nehmen alljährlich Kardinäle, Bischöfe und Prälaten sowie Laienangestellte des Vatikans mit ihren Familien teil. In diesem Jahr hatten sich auch viele Touristen unter die Gläubigen gemischt. (rv)

 

 

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7/2005

 

 

31.07.05:

Vatikan/Israel: Franziskanerpater: "Da steckt was anderes dahinter!"

Als unangemessen und absurd hat Kardinal Ersilio Tonini die israelischen Angriffe gegen den Vatikan und den Papst bezeichnet. Es sei unglaublich, wie die "Riesenschritte" der vergangenen 40 Jahre in den vatikanisch-jüdischen Beziehungen in wenigen Tagen nahezu zerstört würden, sagte der Kardinal in einem Interview mit dem "Corriere della Sera". Der Kardinal unterstrich die gewachsenen Beziehungen besonders unter dem Pontifikat Johannes Pauls - angefangen vom Synagogenbesuch des Papstes mit der Bezeichnung "ältere Brüder" bis hin zum Besuch der Klagemauer. Er sei "sprachlos" angesichts der Vorwürfe aus Israel. Unterdessen hat der römische Oberrabbiner seine Besorgnis über die diplomatische Krise zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl geäußert. In einem Interview sagte Riccardo di Segni, die Diskussion um die Nichterwähnung Israels bei einer Aufzählung von Terrorakten durch Papst Benedikt sei "für beide Seiten nur schädlich". Als religiöser Führer sei er über den eskalierenden Streit sehr besorgt und hoffe, dass die Angelegenheit so schnell wie möglich gestoppt werden könne - der Oberrabbiner unterstrich, er hoffe, das geschehe vor dem Besuch von Papst Benedikt in der Kölner Synagoge in wenigen Wochen. Unterdessen hat ein ehemaliger Botschafter Israels, Sergio Minervi, in einem Interview dem Heiligen Stuhl vorgeworfen, teilweise auf Seiten der Araber und da insbesondere der Palästinenser stehen zu wollen. Was aber steckt hinter der diplomatischen Krise? Der zur Heilig Land-Provinz gehörende und in Israel geborene Franziskanerpater und Kirchenrechter David Maria Jaeger, ein Spezialist in Fragen der Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und Israel, sagt, die Aufregung um die Worte des Papstes seien nur vorgeschützt: "Beamte im israelischen Außenministerium waren zu einer Konferenz für Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl nicht genügend vorbereitet, das am 25. Juli stattfinden sollte. Aber weil die Verhandlungen so lang schleiften - und sie ließen sie schleifen! - waren es ihnen, ums einfach zu sagen, peinlich, dass sie immer noch nicht fertig waren! Sie schauten sich den Text der Papstansprache zum Angelus an und dachten, dass sie eine wunderschönen Grund hätten, die Krise zu erfinden und die Gespräche abzusagen. Genau das haben sie nämlich gemacht! Danach aber ging das Ganze nach dem Schneeballsystem - und wir sind hier in Israel nahe bei diesen Sachen. Wir wissen genau, wie es lief!" Das könnte alles sehr einfach gelöst werden, meint Pater Jaeger. Seiner Meinung nach könnte der Regierungschef, Premierminister Ariel Sharon, die Sache ganz leicht stoppen: "Ich bin nämlich absolut sicher, dass der Premierminister über all diese Geschichte überhaupt nichts gewusst hat, dass der Regierungschef vollkommen im Dunkeln gehalten wurde. Denn der Premierminister ist es ja, der Präsident Bush und dessen Regierung vor etwa zwei Jahren versprochen hatte, die Beziehungen zum Heiligen Stuhl zu beschleunigen und voranzubringen und so die Vereinbarung mit dem Heiligen Stuhl zu erreichen, die sie mit ihm erreichen müssen. Es ist nun Aufgabe des Regierungschefs eine vorbehaltlose Entschuldigung gegenüber dem amtierenden Papst und seinem Vorgänger seligen Angedenkens zu veröffentlichen."(rv )

 

 

Ein Kommentar zum Thema von Pater Eberhard Gemmingen
Heftiger Schlagabtausch zwischen dem Staat Israel und dem Apostolischen Stuhl. Der Papst hätte bei der Aufzählung der Staaten, in denen jüngst Terroranschläge stattfanden, absichtlich Israel ausgelassen. Das sei typisch. Gegen die Anschläge auf Israel reagiere der Vatikan nicht. So der Vorwurf aus Jerusalem. Der Vatikan wies den Vorwurf als völlig ungerechtfertigt zurück. In einer diplomatischen Note wird an viele Proteste Johannes Pauls gegen palästinensische Anschläge erinnert und an die unzähligen Aufrufe zum Frieden im Heiligen Land. Er habe auch oft den Terrorismus gegen Israel verurteilt. Das sei auch weiterhin die Linie des Vatikans.
Nun geht aber Spiegel online einen Schritt weiter und richtet einen direkten Angriff auf Papst Benedikt: Das Vertrauen das Johannes Paul II. zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum in aller Welt, aufgebaut habe, zerstöre nun Papst Benedikt absichtlich. Sei der polnische Papst noch sehr offen und verständnisvoll gegenüber den Juden gewesen, so wisse man ja, dass ein deutscher Papst ganz anders denke Es ist eine böswillige Interpretation durch den Spiegel, wenn er unterstellt, der Vatikan habe in den ersten hundert Tagen des neuen Papstes seine Politik geändert. Das ist Polemik. Es liegt auf der Linie des Spiegels. Er hatte den Papst aus Deutschland gleich nach seiner Wahl als weltfremd beschimpft. Offenbar geht es manchen nördlich der Alpen auf jeden Fall um Misstrauen und Destruktion. Auch fragt man sich, ob man in Hamburg nicht die innerisraelianischen Machtkämpfe kennt, die beim Schlag gegen den Vatikan auch eine Rolle spielen könnten. Und ich erinnere: Papst Benedikt hat wenige Tage nach seiner Wahl an den jüdischen Oberrabbiner in Rom geschrieben. Mehrere führende Juden in aller Welt lobten Kardinal Ratzingers Grundhaltung und Aussagen zum Judentum. Die Presse Israels war vom neu gewählten Papst mehrheitlich sehr angetan. Papst Benedikt hat bald nach seiner Wahl angekündigt, dass er die jüdische Synagoge in Köln besuchen werde, er hat den Dialog mit den anderen Religionen versprochen Wer auch nur einigermaßen die Schriften von Kardinal Ratzinger kennt, der weiß - oder kann wissen - dass seine Einstellung zu den Juden und Israel völlig auf der Linie seines Vorgängers liegt. Das betrifft Politik, Kultur, Theologie. Alles. Wer einen Keil zwischen Katholiken und Juden treiben will, arbeitet zerstörerisch. (rv)

 

 

20.07.05:

Offizielles Programm der Papst-Reise vorgestellt

Papst Benedikt XVI. trifft am Rande des Weltjugendtags im August in Köln neben Juden und Protestanten auch Muslime Höhepunkt der Reise vom 18. bis 21. August wird der Abschlussgottesdienst am letzten Tag auf dem Marienfeld bei Frechen. Das teilte WJT-Generalsekretär Prälat Heiner Koch heute bei der Präsentation des offiziellen Programms in Köln mit. "Es ist wirklich in Gesprächen, in Absprachen mit dem Heiligen Vater entstanden, der ganz gezielt Punkte setzen wollte, die ihm wichtig sind. Es ist ein großes Zeichen, dass er seine erste Reise eben zum Weltjugendtag macht. Und die Begegnung mit der Jugend steht ganz im Vordergrund. Und er wollte es darauf konzentrieren und nicht irgendetwas anderes, andere Orte oder andere Städte noch besuchen. Dies ist das Kriterium." Und das sind weitere wichtige Tagesordnungspunkte auf der päpstlichen Agenda: Der Pontifex trifft am 19. August Bundespräsident Horst Köhler in Bonn. An diesem Tag besucht er auch die Kölner Synagoge. Abends gibt es ein ökumenisches Treffen. Am Samstag, 20. August, trifft der Papst Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel. Für den Abend ist eine Audienz für Vertreter muslimischer Gemeinschaften vorgesehen. Das Kirchenoberhaupt reist am Donnerstag, den 18. August, um 10 Uhr vom römischen Flughafen Ciampino ab. Die Ankunft am Flughafen Köln/Bonn ist für 12 Uhr vorgesehen, wo ihn Bundespräsident Horst Köhler offiziell begrüßen will. Die Abreise von dort steht für Sonntag, 21. August, um 19:15 Uhr auf dem Programm. Um 21:15 wird der Papst in Rom zurück erwartet. Auf dem Heimflug reist Benedikt mit einer Sondermaschine der Lufthansa, die für den Pontifex aus Bayern einen Abstecher über seinen Geburtsort Marktl am Inn angekündigt hat. Bei Papstreisen ist es Tradition, dass eine Fluggesellschaft des Gastlandes den Rückflug übernimmt. Der Weltjugendtag findet vom 11. bis zum 21. August statt. Nach den Tagen der Begegnung in den deutschen Diözesen vom 11. bis 15. August versammeln sich die internationalen Gäste mit ihren Gastgebern zu den zentralen Veranstaltungen im Erzbistum Köln. Bislang haben sich 375.000 Jugendliche, 600 Bischöfe und mehr als 5.000 Journalisten angemeldet. Bis zum Abschlussgottesdienst werden einschließlich der Tagesgäste rund 800.000 Teilnehmer erwartet. (rv)

 

 

16.07.05:

Mixa neuer Bischof von Augsburg

Walter Mixa ist neuer Bischof von Augsburg. Papst Benedikt XVI. hat den bisherigen Bischof von Eichstätt und deutschen Militärbischof zum Nachfolger von Bischof Viktor Josef Dammertz ernannt. Das wurde heute zeitgleich in Augsburg und Rom bekannt gegeben. Der Ernennung kommt einige Bedeutung zu, da der Bischofsstuhl bereits seit dreizehn Monaten vakant war. In die Zeit fielen der Tod von Papst Johannes Paul II. und die Wahl von Benedikt XVI. Außerdem ist es die erste Ernennung eines Bischofs in Deutschland durch Papst Benedikt - noch dazu in Augsburg, einer ehemaligen Sufragandiözese des Münchener Erzbischofs Ratzinger. Bischof Walter Mixa sagt Radio Vatikan, in ihm persönlich rufe die Ernennung zwei ganz unterschiedliche Empfindungen hervor: "Die eine Empfindung ist einfach die, dass ich hier in Eichstätt sehr gern Bischof war und dass ich auch mit dem Klerus, mit dem größten Teil des Klerus, wirklich eine gute, brüderliche Beziehung hatte und - soweit ich das beurteilen kann - auch eine große Akzeptanz von Seiten der Gläubigen, die sehr, sehr traurig sind, dass ich jetzt von hier weggehe. Dann war mir natürlich die einzige katholische Universität im deutschsprachigen Raum ein Herzensanliegen, und ich habe dafür in den vergangenen Jahren sehr viel tun und auch kämpfen müssen. Wenn ich jetzt zurückgehe in die Diözese, in der ich alle Weihen erhalten habe, dann bin ich eben auch bereit, im Gehorsam diesen Weg zu gehen, wie der heilige Willibald dem damaligen Papst gesagt hat: Wohin du mich sendest, dorthin gehe ich. Mit Gottes Hilfe werden wir's schon packen und recht machen." Die Diözese Augsburg ist von der Katholikenzahl her etwa dreimal so groß wie das Bistum Eichstätt. Trotzdem, sagt Bischof Mixa, wird er das Amt als Militärbischof behalten: "Und zwar aus dem Grund, weil die Diözese Augsburg zwei Weihbischöfe hat. Ich habe bis jetzt keinen Weihbischof für mich erbeten gehabt in meiner Eigenschaft als Militärbischof, den ich sicher bekommen hätte. Ich behalte das Amt auch deshalb bei, weil ich als Militärbischof zum einen hervorragende Mitarbeiter habe an meiner bischöflichen Militärkurie in Berlin; und zum anderen weil ich hier mit jungen Leuten und auch mit älteren ins Gespräch komme, die teilweise von der Kirche weg sind, die gar nicht getauft sind, mit denen ich aber immer wieder in ein ganz gutes Gespräch komme. Ich treffe dort immer wieder auf Leute, die wir in unseren Pfarrgemeinden und Bistümern so nicht mehr zu Gesicht bekommen." Walter Mixa wurde 1941 in Oberschlesien geboren und ist 1945 mit seiner Familie nach Heidenheim an der Brenz ausgewandert. 1970 wurde er in Dillingen an der Donau zum Priester geweiht und war 21 Jahre lang Pfarrer in Schrobenhausen, bevor er 1996 von Johannes Paul II. zum Bischof von Eichstätt ernannt wurde. Seit 2000 ist er auch katholischer Militärbischof in Deutschland. Drei Dinge seien es, so Bischof Mixa, die für ihn als Bischof von Augsburg besonders wichtig sein werden:
"Mir erscheint es für heute in der gesamten Kirche sehr wichtig, dass wir uns neu und verstärkt einsetzen für Ehe und Familie; das heißt, jungen Menschen den Wert der Ehe und der Familie, nicht zuletzt auch des Ehesakramentes, in einer anschaulichen und klaren Weise nahe zu bringen. Den zweiten Schwerpunkt sehe ich darin, vor allen Dingen auch Leute, die nicht so nahe zur Kirche stehen, die auch ihre Zweifel oder Anfragen haben, durch gute Gespräche, überzeugende Argumente wieder von der Kraft unseres Glaubens zu überzeugen Und mein dritter Schwerpunkt wird der sein, dass ich mich wirklich kümmern werde mit Liebe und auch werbend um gute, überzeugte, auch intelligente, aber auch fromme Priester- und Ordensberufe."
Die Amtseinführung von Bischof Mixa wird voraussichtlich am 1. Oktober stattfinden. (rv)

 

 

01.07.05:

Papst trifft Kasper und Levada

Papst Benedikt XVI. hat heute gleich zwei seiner engsten Mitarbeiter empfangen: Am Vormittag sprach er mit dem deutschen Kurien- kardinal Walter Kasper. Der Präsident des Einheitsrates war kürzlich von einer Reise nach Moskau und Gesprächen mit Vertretern der russischen Orthodoxie zurückgekehrt. Am Abend trifft Benedikt dann seinen Nachfolger im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof William Joseph Levada. (rv)

 

 

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8/2005

 

 

 

23.08.05:

 

WJT: Kard. Meisner, Rückblick im Glück

 

Tag eins nach dem Weltjugendtag. Der Papst und auch die meisten Pilger sind abgereist. Fazit ziehen ist angesagt, zum Beispiel auch in der abschließenden Pressekonferenz heute Morgen.
Zufrieden saßen sie da nebeneinander: der Vorsitzende der deutschen Bischofskonfenz, Kardinal Karl Lehmann, Jugendbischof Franz-Josef Bode, der Generalsekretär des Weltjugendtags, Heiner Koch, und der Gastgeber, Kölns Erzbischof und Kardinal Joachim Meisner. Der sprudelt vor Glück:
"Ich bin wirklich glücklich. Ich merke jetzt schon, dass ich langsam Entzugserscheinungen bekomme. Die Spannung ist weg, und ich habe meinem Sekretär gesagt, was mach' ich denn mit der vielen Freizeit, die jetzt auf mich zukommt. Unsere Stadt Köln war geprägt von einem sympathischen Chaos, mit diesen vielen Menschen, und ich kann ihnen sagen, dass es nicht noch mehr Pannen gab hat mich eigentlich gewundert."
Seit Dienstag vergangener Woche schwebte Meisner auf Wolke sieben. Jahrelang hatte er sich auf den Weltjugendtag gefreut, dem Papst ist er dann tagelang nicht von der Seite gewichen, immer mitten drin im Jubel. Doch das größte Christentreffen auf deutschem Boden soll keine Eintagsfliege sein, sagt Meisner:
"Das darf hier nicht ein Event sein - der Papst ist weg und jetzt geht's im gewohnten Trott weiter."
Köln hat Impulse gesetzt, sagt auch Jugendbischof Bode. Welche, das gilt es jetzt auch ganz rational zu analysieren:
"Wir müssen jetzt Köln, das Erlebnis von Köln eingemeinden in unsere Gemeinden, in unsere Gruppen, in unsere Jugendpastoral, damit das, was hier geschehen ist auch weiter wirksam ist. Das ist wirklich Aufgabe auch der Jugendkommission. Ich glaube, dass er Ablauf an sich schon fast ein jugendpastorales Paradigma ist. Wenn ich die Tage der Begegnung nehme: dass man überhaupt einmal den Blick weitet auf andere Kulturen hin und die miteinander in Austausch bringt...Wir nicht nur um uns selbst kreisen..."
Freude am Glauben ist das eine, aber:
"Es hat sich gezeigt, Jugend gewinnt Raum in der Kirche und Kirche gewinnt Raum bei der Jugend. Und das möchte ich weiter fördern mit all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dafür in unserer Jugendarbeit bereit stehen und das mit großer Freude wollen; weil sie jetzt einmal auch so vernetzt zusammen gearbeitet haben, werden sie es auch weiter - so hoffe ich jedenfalls - positiv tun."
Der Generalsekretär Heiner Koch ist natürlich zufrieden, sehr sogar. Pannen gab es, gibt er zu, aber die waren rein organisatorisch:
"Wir mussten bei der Verpflegung nach dem ersten Tag eine Notbremse in der personellen Leitung einlegen, da waren Versprechen ganz klar nicht eingehalten worden. Das hätte ich mir bei der Vorbereitung nicht gedacht. Dass das am ersten Tag so lief, habe ich nicht verstanden. Das zweite ist: Am Marienfeld war die Verkehrsleitung meiner Ansicht nach nicht direktiv. Dass mehr kommen und dass Jugendliche auch das mittragen können, das ist ok, aber ich glaube da war eine Schwachstelle."
Und der Vorsitzende des deutschen Episkopats? Lehmann ist beeindruckt von den Jugendlichen:
"Mich hat eigentlich immer wieder auch fasziniert, besonders in den Gottesdiensten, dass auf der einen Seite eine überschäumende Herzlichkeit und Fröhlichkeit da war, und trotzdem ist in den Gottesdiensten eine unglaubliche Ruhe und Stille gewesen, eine Sammlung, eine Nachdenklichkeit... Das in Balance zu bringen, ist ja nicht einfach von außen zu befehlen gewesen, das ist aus den jungen Leuten selbst gekommen."
In diesem Ausmaß habe er das vorher nie erlebt, betont Lehmann. Und da geht es ihm wohl so wie vielen Menschen mit dem Papst. Lehmann kann nur lächeln:
"Der Papst hat einen hervorragenden Eindruck gemacht und vieles weggefegt, was manchmal in unserem Land in der letzten Zeit im Blick auf sein Bild beschwerlich war. Ich habe mich ja immer dagegen gewehrt und habe gesagt: 'Der ist nicht so, ich kenne ihn lange genug.' Er hat jetzt, ich glaube, auf alle, bestechend gewirkt. Und, was mir auch sehr wichtig erschien, er hat sein Amt, seinen Petrusdienst mit Würde ausgefüllt, aber macht auf sehr sehr viele Menschen durch sein bescheidenes Auftreten einen positiven Eindruck." (rv)

 

 

 

22.08.05:

 

WJT: Bischöfe ziehen positives Fazit

 

 

Tag eins nach dem Weltjugendtag. Der Papst und auch die meisten Pilger sind abgereist. Fazit ziehen ist angesagt, zum Beispiel auch in der abschließenden Pressekonferenz heute Morgen. Zufrieden saßen sie da nebeneinander: der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, Jugendbischof Franz-Josef Bode, der Generalsekretär des Weltjugendtags, Heiner Koch, und der Gastgeber, Kölns Erzbischof und Kardinal Joachim Meisner. Der sprudelt vor Glück: "Ich bin wirklich glücklich. Ich merke jetzt schon, dass ich langsam Entzugserscheinungen bekomme. Die Spannung ist weg, und ich habe meinem Sekretär gesagt, was mach' ich denn mit der vielen Freizeit, die jetzt auf mich zukommt. Unsere Stadt Köln war geprägt von einem sympathischen Chaos, mit diesen vielen Menschen, und ich kann ihnen sagen, dass es nicht noch mehr Pannen gab hat mich eigentlich gewundert."
Seit Dienstag vergangener Woche schwebte Meisner auf Wolke sieben. Jahrelang hatte er sich auf den Weltjugendtag gefreut, dem Papst ist er dann tagelang nicht von der Seite gewichen, immer mitten drin im Jubel Doch das größte Christentreffen auf deutschem Boden soll keine Eintagsfliege sein, sagt Meisner: "Das darf hier nicht ein Event sein - der Papst ist weg und jetzt geht's im gewohnten Trott weiter."
Köln hat Impulse gesetzt, sagt auch Jugendbischof Bode. Welche, das gilt es jetzt auch ganz rational zu analysieren: "Wir müssen jetzt Köln, das Erlebnis von Köln eingemeinden in unsere Gemeinden, in unsere Gruppen, in unsere Jugendpastoral, damit das, was hier geschehen ist auch weiter wirksam ist. Das ist wirklich Aufgabe auch der Jugendkommission. Ich glaube, dass er Ablauf an sich schon fast ein jugendpastorales Paradigma ist. Wenn ich die Tage der Begegnung nehme: dass man überhaupt einmal den Blick weitet auf andere Kulturen hin und die miteinander in Austausch bringt...Wir nicht nur um uns selbst kreisen..."
Freude am Glauben ist das eine, aber: "Es hat sich gezeigt, Jugend gewinnt Raum in der Kirche und Kirche gewinnt Raum bei der Jugend. Und das möchte ich weiter fördern mit all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dafür in unserer Jugendarbeit bereit stehen und das mit großer Freude wollen; weil sie jetzt einmal auch so vernetzt zusammen gearbeitet haben, werden sie es auch weiter - so hoffe ich jedenfalls - positiv tun."
Der Generalsekretär Heiner Koch ist natürlich zufrieden, sehr sogar. Pannen gab es, gibt er zu, aber die waren rein organisatorisch: "Wir mussten bei der Verpflegung nach dem ersten Tag eine Notbremse in der personellen Leitung einlegen, da waren Versprechen ganz klar nicht eingehalten worden. Das hätte ich mir bei der Vorbereitung nicht gedacht. Dass das am ersten Tag so lief, habe ich nicht verstanden. Das zweite ist: Am Marienfeld war die Verkehrsleitung meiner Ansicht nach nicht direktiv. Dass mehr kommen und dass Jugendliche auch das mittragen können, das ist ok, aber ich glaube da war eine Schwachstelle."
Und der Vorsitzende des deutschen Episkopats? Lehmann ist beeindruckt von den Jugendlichen: "Mich hat eigentlich immer wieder auch fasziniert, besonders in den Gottesdiensten, dass auf der einen Seite eine überschäumende Herzlichkeit und Fröhlichkeit da war, und trotzdem ist in den Gottesdiensten eine unglaubliche Ruhe und Stille gewesen, eine Sammlung, eine Nachdenklichkeit... Das in Balance zu bringen, ist ja nicht einfach von außen zu befehlen gewesen, das ist aus den jungen Leuten selbst gekommen."
In diesem Ausmaß habe er das vorher nie erlebt, betont Lehmann. Und da geht es ihm wohl so wie vielen Menschen mit dem Papst. Lehmann kann nur lächeln: "Der Papst hat einen hervorragenden Eindruck gemacht und vieles weggefegt, was manchmal in unserem Land in der letzten Zeit im Blick auf sein Bild beschwerlich war. Ich habe mich ja immer dagegen gewehrt und habe gesagt: 'Der ist nicht so, ich kenne ihn lange genug.' Er hat jetzt, ich glaube, auf alle, bestechend gewirkt. Und, was mir auch sehr wichtig erschien, er hat sein Amt, seinen Petrusdienst mit Würde ausgefüllt, aber macht auf sehr sehr viele Menschen durch sein bescheidenes Auftreten einen positiven Eindruck." (rv)

WJT: Die deutsche Presse ist zufrieden
Pater Eberhard von Gemmingen sucht nach dem Fazit im deutschen Blätterwald. Die Presseschau vom 22. August 2005:
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" meint, Papst und Jugend sind in der Überzeugung geeint, dass es eine bessere Welt geben kann. Die Jugend verehre in ihm nicht den deutschen Benedikt, sondern eben den Papst, der die Einheit der Weltkirche symbolisiere. Freilich meint die FAZ, dass sich in der Kirche Deutschlands nichts bessern werde, solange geredet wird: über Geld statt leere Kirchen, über Stellenpläne statt Liturgie, solange die Kirche nicht merke, dass sie selbst Schuld sei, wenn die Jugend nicht zu ihr komme. Für Benedikt stimme übrigens nicht mehr, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt.
Die "Frankfurter Rundschau" ist sehr kritisch mit Papst und Kirche. In Köln habe sich eine selbstsichere Kirche gezeigt, die meint alle Stürme zu überstehen. Das sei ein Traumbild, aber es sei Trug. Der Kommentator beklagt, dass hinter den Benedetto-Rufen kein eindeutiges Bekenntnis stehe. Und Papst Benedikt wolle leider in die Vergangenheit zurück. Die vielen Kritiker dieser Tendenz könne er aber nur gewinnen, wenn sich seine Umgebung nicht triumphal gebe. Er selbst sei allerdings bescheiden aufgetreten. Auf dem Weltjugendtag habe die deutsche Kirche ihre Flucht vor Argumenten und Diskussionen gefeiert.
Die "Süddeutsche Zeitung" lobt und kritisiert den Papst. Gut sei, dass er nicht Moralin und Enthaltsamkeit gepredigt hat. Hier sei er besser gewesen als sein Vorgänger. Seine Reden hätten aber nicht überzeugt. Er habe hauptsächlich versucht, keine Fehler zu machen. Mancher Jugendlicher habe seine Begeisterung durch die Papstreden verloren. Die Jugend selbst aber wird gelobt. Sie hätte nicht einfach ein Event gefeiert, sie sei ernsthaft und still. Die Jugend suche Gebet und Diskussionen. Die frühere Unterscheidung zwischen fromm und politisch gebe es heute nicht mehr.
Dennoch - der WJT werde nichts bewirken, Kirchenmitglieder werden weglaufen. Seminare und Orden werden immer leerer. Die Kirche müsse entscheiden, wie modern oder wie verschlossen sie sein wolle, wie sie die Jugendlichen gewinnen wolle. Eines aber habe der Weltjugendtag erreicht, dass Papst Benedikt verändert sei. Er sei freier nach Hause gefahren.
Der Kommentator der "Welt" meint, die Kirche müsse sich entscheiden zwischen Dogma und Leben. Beides zusammen gehe nicht. Denn in Köln habe sich gezeigt, dass die Kirche nicht uniform und monolithisch sei. Friedlich hätten Enthaltsame mit denen zusammen gefeiert, die Sex vor der Ehe praktizierten. Das Fest habe auch gezeigt, dass die Kirche nicht auf Gebote oder Verbote zu reduzieren sei. Die Jugend habe deutlich gemacht, dass für sie die Frage nach Gott im Zentrum stehe. Der Event - Charakter sei für sie Nebensache. Der Kommentator aber meint, das Dogma müsse erkennen, dass das Leben unter anderen Gesetzen stehe. Die Kirche müsse lernen, die Pluralität zu leben (rv)

 

 

 

21.08.05:

 

BERICHTERSTATTUNG VOM WELTJUGENDTAG IN KÖLN

zum Bericht

 

Vor einer Million Menschen in Köln hat Papst Benedikt XVI. eine gewisse Gottvergessenheit unserer Zeit beklagt und davor gewarnt, sich eine eigene Religion zu basteln so was lasse einen im Moment der Krise im Stich. Gestern Abend hatte der Papst auf dem Marienfeld erklärt, Kritik an der Kirche sei erlaubt, sie sei eine große Familie. Heute endet nicht nur der zwanzigste Weltjugendtag, sondern auch die erste Reise des neuen Papstes: Heute Abend wird er in Rom zurückerwartet. Vorher trifft sich Papst Benedikt mit den deutschen Bischöfen, danach mit dem Organisationskomitee dieses Weltjugendtags. Am Abend wird Bundespräsident Horst Köhler ihn am Flughafen Köln-Bonn verabschieden; dabei wird Benedikt XVI. eine Ansprache halten seine letzte auf deutschem Boden. Um 21.45 Uhr wird der Papst in Rom zurückerwartet; er will gleich weiterfahren in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo, um sich vom Besuch in der Heimat zu erholen.


Papst feiert zum Abschluss Eucharistie auf dem Marienfeld
„Wir sind gekommen, um ihn anzubeten dieses WJT-Motto prägte auch die Messfeier heute morgen auf dem Kölner Marienfeld:
Unter grauverhangenem Himmel eine würdige, mal ausgelassene, mal besinnliche Eucharistiefeier. Hunderttausende haben die Nacht auf dem Feld verbracht, der Malteser Hilfsdienst, der seinen größten Einsatz seit der Schlacht von Lepanto leistet, spricht von mehreren Unterkühlten, eine Frau bekommt Wehen, im nahen Krankenhaus wird eine kleine Benedikta geboren. Der Papst ist für die Meisten nur ein kleines Pünktchen oben auf dem Papsthügel, über dem raumschiffartig ein weißes Dach ruht. Aus Sicherheitsgründen um panikartige Momente wie am Vorabend zu verhindern muss Benedikt diesmal auf eine große Rundfahrt im Papamobil mitten durch die Jugendlichen verzichten; er entschuldigt sich auf sympathische Weise dafür.
Ein Grußwort von Kardinal Meisner auch ein Grußwort vom Präsidenten des Päpstlichen Laienrates, Erzbischof Stanislaw Rylko. Musik eines Essener Komponisten: die Missa Mundi, mit Instrumenten aus aller Welt. Einmal wird eine indische Sitar gezupft; dann ertönt ein Horn der australischen Ureinwohner. Und immer wieder das Mottolied dieses Weltjugendtags: Wir sind gekommen, um ihn anzubeten.
Riesenbeifall, als der Papst am Schluss der Feier bekannt gibt: Den nächsten Weltjugendtag außerhalb Roms gibt's 2008 im australischen Sydney! Der Papst geht mit etwas unsicherem Schritt, lächelt etwas verschämt, freut sich aber doch sichtlich über Applaus und Benedetto-Rufe. Das Evangelium erzählt noch einmal die Suche der Sterndeuter aus dem Osten. Der Papst betonte in seiner in fünf Sprachen gehaltenen Predigt, dass Religiöses zwar boome, aber Religion nicht selten "quasi ein Produkt des Konsums" werde. Jeder wähle, was ihm gefalle. In seiner Ansprache ging Benedikt XVI. besonders auf das Sakrament der Eucharistie und die Bedeutung des Sonntags ein.
Die Fürbitten werden in allen möglichen Sprachen gesprochen, u.a. im afrikanischen Bambara, auch Senioren wirken hier mit, als Zeichen, dass in der Kirche alle Generationen zusammengehören. Als einmal Papst Johannes Paul II. gewürdigt wird, klatscht auch der neue, deutsche Papst von seinem Stuhl aus. Bei der Gabenprozession bringen tatsächlich Heilige Drei Könige in Wirklichkeit Sternsinger aus Aachen Gold, Weihrauch und einen Myrrhe-Zweig aus dem Heiligen Land zum Papst.
Nach der Messe eine kleine Sendungsfeier: Kardinal Joachim Meisner vom Papst mal aus Versehen Johann genannt überreicht Jugendlichen von allen Kontinenten Teile des Weltjugendtag-Logos. Sie sollen den Geist von Köln in ihren Ländern verbreiten. In diesem Moment sind das Verkehrschaos, die Kälte der Nacht, die Übermüdung und mancher Ärger über die Organisation vergessen. Es ist ein eindrucksvoller Schlusspunkt für Kölns, ja Deutschlands größtes Glaubenstreffen aller Zeiten.

Nachtwache zur Vorbereitung
Gestern Abend hatte der Papst auf dem Marienfeld eine Gebetsvigil mit Jugendlichen gefeiert. Dabei brach zwar die Organisation stellenweise zusammen; über 800.000 junge Menschen wurden aber entschädigt durch eine bestechende Licht-Regie und Lichtsymbolik. Der Papst meinte, man könne die Kirche ruhig kritisieren, sie bestehe aus fehlbaren Menschen; sie sei nun einmal eine Familie. Doch in Momenten wie dem Weltjugendtag merke man ja auch das Schöne daran, an diesem Familiären die Gemeinschaft in Christus.. Die Nacht mit Gebeten, Gesängen und Anbetung des Allerheiligsten soll auf die Messfeier mit Papst Benedikt XVI. vorbereiten. Den ganzen Samstag zogen Hunderttausender junger Menschen auf das Marienfeld, eine ehemalige Braunkohle-Grube bei Kerpen. 700.000 Jugendliche meldete die Verkehrsleitzentrale schon gegen 19 Uhr. Am Samstag Abend, gegen 20 Uhr, traf auch der Papst dort ein.
Eine „Kathedrale für einen Tag erhebt sich auf dem Marienfeld: 27 Leuchtsäulen, die für die deutschen Bistümer stehen. Eine Nacht mit dem Papst im Zeichen des Lichtes: mit mehr als 12.000 strahlenden Kerzen, um den Papsthügel und das Kreuz der Weltjugendtage zu erleuchten. Auch das „Licht von Bethlehem, das alljährlich nach Europa und auch nach Deutschland gebracht wird, spielt eine Rolle bei der Feier dieser Nacht. Dem Pontifex werden auch die Texte all der Gebete überreicht, die Jugendliche im Geistlichen Zentrum des Weltjugendtags direkt am Rhein in diesen Tagen geschrieben haben.
Papst Benedikt selbst hielt eine persönliche, ans Herz gehende Predigt, in jugendgemäßer Sprache und warmem Tonfall, so gar nicht professorenhaft, deutsch, englisch, französisch und spanisch: die Sendung der drei Weisen aus dem Morgenland ins Heute übersetzt.

Das Treffen mit Islam-Vertretern. Reaktionen.
Neuer Impuls für den interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Islam: Nach Benedikts Treffen mit muslimischen Vertretern am frühen Samstagabend haben sich beide Seiten positiv über die Begegnung geäußert. Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz:
"Wir sind zunächst glücklich, dass es zu dieser Begegnung gekommen ist. Allein schon die Begegnung in dieser sehr friedlichen und verständnisvollen Atmosphäre war wichtig. Der Heilige Vater hat mit sehr kräftigen Worten hervorgehoben, dass der interreligiöse Dialog, vor allem aber der zwischen Christen und Muslimen, wie er sagte, von vitaler Notwendigkeit ist. Dieser zentrale Satz bekräftigt vieles, was sein Vorgänger gesagt hat."
Auch der Präsident der Türkisch Islamischen Union DITIB, der das Grußwort an Benedikt gesprochen hatte, hob den positiven Gesprächsverlauf hervor. Es gebe viele Gemeinsamkeiten der Religionen die Heiligkeit des Lebens sei nur eine davon. Und das ist das Fazit von Nadeem Elyias vom Zentralrat der Muslime in Deutschland:
"Das Treffen und das Gespräch mit Papst Benedikt XVI. war für uns nicht groß, eine Höflichkeitsgeste. Es ist für uns ein Signal, wir verbinden mit diesem Signal mehr Mut, mehr Sicherheit und mehr Vertrauen zueinander in beide Richtungen, dass die Muslime und die Christen mehr Mut zum Gespräch miteinander fassen, und dass wir den Dialog nicht nur als Gespräche auffassen, sondern dass wir daraus gemeinsame Aktionen planen und durchführen. Wir erhoffen uns von Papst Benedikt XVI., dass er in seiner Amtszeit den Dialog zu einem ständigen Forum gestaltet gemeinsam mit der islamischen Welt, damit die Probleme überall in der Welt gemeinsam behandelt werden, und dass wir Muslime und Christen einen Strich unter die schwarzen Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte ziehen."
 

Treffen mit Islamvertertern: Papst, Fehler nicht wiederholen
Benedikt XVI. hat am Abend im Erzbischöflichen Palais in Köln führende Islam-Vertreter empfangen. In der Vergangenheit hätten sich "die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen nicht immer durch gegenseitige Achtung und durch Verständnis ausgezeichnet", sagte der Papst vor der 10-köpfigen Delegation. Im Namen der Religion seien Grausamkeiten begangen worden und diese Fehler dürften nicht wiederholt werden. Gemeinsam müssten sich Christen und Moslems gegen jede Form von Intoleranz und Gewalt stellen. Terrorismus sei immer pervers.
 

Die Jugendlichen sind das Beste. Ein Kommentar.
Es geht um die Jugendlichen. Und die sind das Großartigste, was dieser Weltjugendtag zu bieten hat - sagt Pater Eberhard von Gemmingen in seinem Kommentar:
"Ich bin der Ansicht, dass das Interesse der breiten Öffentlichkeit und der Medien sich beim WJT nicht auf das Wichtigste richtet. Ich muss das erklären: Dass ein Papst sich mit Vertretern anderer Kirchen und mit Politikern trifft, ist eigentlich schon normal, ebenso dass er mit Seminaristen betet und mit Muslimen spricht. Hervorgehoben wird zu Recht, dass er die Synagoge in Köln besucht hat. Das ist wirklich historisch. Am Wichtigsten und doch am Wenigsten beachtet ist aber doch das Verhalten der Jugendlichen hier in Köln. Wer sie aufmerksam beobachtet, sieht nicht nur, dass sie singen und tanzen und fröhlich sind, sondern er kann auch sehen, dass sie unglaublich geduldig und tolerant sind. Sie warten stundenlang, dass sie endlich in den Kölner Dom und zum Schrein der Heiligen Drei Könige kommen, denn das gehört zum Wallfahrtsprogramm. Sie trinken nicht, sie schreien nicht, sie geraten nicht in Panik, wenn es plötzlich stark regnet. Sogar die Kölner Polizei ist erstaunt über so viel Disziplin. Und wer noch ein wenig genauer hinschaut, der sieht sie auch beten und meditieren - früh am Morgen und spät am Abend und immer wieder zwischendurch. Das Verhalten dieser Jugendlichen ist das Schönste und Erstaunlichste bei diesem Weltjugendtag. Darüber sollten sich die Fachleute, die die öffentliche Meinung mitprägen, noch Gedanken machen. Auch die Journalisten, die immer nur nach Liberalisierung der Kirche rufen, sollten bemerken, dass für die Jugend offenbar etwas anderes gilt: Sie sucht - jedenfalls die Jugend hier in Köln - Vorbilder, Herausforderung, Qualität und nicht Glaube zu ermäßigten Preisen. Es ist vielleicht gerade für Journalisten sehr mühsam festzustellen, dass die Lage der Menschen doch anders ist, als man sie sich immer vorgestellt hatte."
(rv)

 

 

 

20.08.05:

 

Positive Reaktionen auf Papst-Ökumene

 

 

Ein positives Signal für die Ökumene - so bewerteten Vertreter beider Seiten die gestrige Begegnung von Papst Benedikt mit Repräsentanten orthodoxer und evangelischer Kirchen. Bei der Zusammenkunft mit 30 Ökumenevertretern rief der Papst in Köln zu mehr Anstrengungen in der Ökumene auf. Die Spaltung der Christenheit stehe im Kontrast zum Willen Jesu.
Natürlich war auf katholischer Seite auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, mit dabei. Er hatte den Papst herzlich im Stammland der Reformation begrüßt, und ihm für das Signal, das er mit diesem Ökumene-Treffen setze, gedankt. Lehmanns Bilanz im Anschluss: „Ich bin sicher, dass ist eine gute Ermutigung auf unserem ökumenischem Weg in unserem Land."
Außer Frage steht für den Mainzer Oberhirten aber auch, „dass man in der Ökumene erst mal sehr viele in der eigenen Kirche gewinnen muss, die mitgehen auf dem Weg, und die nicht einfach bremsen und blockieren. Zweitens muss man ja immer wieder den Konsens finden mit den Partnern auf der anderen Seite. Das kann man nicht erzwingen, das kann auch kein Papst.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, sprach sich für einen „ehrlichen Dialog" zwischen Protestanten und Katholiken aus. Teil davon seien auch die Themen Abendmahl und Frauenordination. Bischöfinnen gehörten der Delegation der deutschen Lutheraner aber nicht an. Nach dem Treffen war Huber zufrieden: „Die Begegnung mit Papst Benedikt hier in Köln war ein gutes Zeichen für die Ökumene. Es war eine Begegnung, die von Offenheit füreinander geprägt war, von wechselseitigem Respekt, von Geschwisterlichkeit von gemeinsamer Verpflichtung auf die Botschaft des Evangeliums."
Doch Huber wehrt sich entschieden dagegen, um jeden Preis sich einander anzunähern. „Es war eine Begegnung, die konkreten Fragen keineswegs ausgewichen ist, die eine Grundlinie gezeigt hat, in der wir das ökumenische Gespräch fortführen können, und deswegen gehe ich aus diesem Gespräch zuversichtlich heraus."
Fortschritt im Dialog hieße nicht, Unterschiede einfach abzuschleifen. Wer das glaubt, könne nur enttäuscht werden, so der EKD-Mann. "Ich glaube, wir sind gegenwärtig in einer Phase der Ökumene der Profile, die uns dazu nötigt, nicht nur auf erreichte Gemeinsamkeiten stolz zu sein, sondern zugleich Verschiedenheiten im wechselseitigen Respekt wahrzunehmen. Das ist glaube ich auch der einzige Weg, der schließlich zu einem wechselseitigen Respekt für die jeweiligen kirchlichen Ämter führen wird. Und wir alle wissen, dass das ein wichtiges Element auf dem Weg ist, die große, schwierige und drängende Abendmahlsfrage zu lösen." (rv)

 

 

 

19.08.05:

 

Papst in der Synagoge

 

 

Papst Benedikt XVI. betonte bei seinem Besuch in der Synagoge seine Sehnsuch nach Freundschaft zwischen Christen und Juden, die er selbst gerne als "fratres maiores - ältere Brüder" bezeichnet. Wir dokumentieren hier die Kernsätze der Papst-Ansprache:  Schalom lechem! … Auch bei dieser Gelegenheit möchte ich versichern, dass ich beabsichtige, den Weg zur Verbesserung der Beziehungen und der Freundschaft mit dem jüdischen Volk, auf dem Papst Johannes Paul II. entscheidende Schritte getan hat, weiterzuführen… Im 20. Jahrhundert hat in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatliche geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt, zu den, was als die Schoah in die Geschichte eingegangen ist…. Weil man die Heiligkeit Gottes nicht mehr anerkannte, wurde auch die Heiligkeit menschlichen Lebens mit Füßen getreten… Ich mache mir zu eigen, was mein verehrter Vorgänger zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz geschrieben hat, und sage ebenfalls: „Ich neige mein Haupt vor allen, die diese Manifestation des mysterium iniquitatis erfahren haben.“ Die fürchterlichen Geschehnisse von damals müssen unablässig die Gewissen wecken, Konflikte beenden und zum Frieden ermahnen… Sowohl die Juden als auch die Christen erkennen in Abraham ihren Vater im Glauben und berufen sich auf die Lehren Moses und der Propheten. Die Spiritualität der Juden wird wie die der Christen aus den Psalmen gespeist. Mit dem Apostel Paulus sind die Christen überzeugt, dass Gnade und Berufung, die Gott gewährt, unwiderruflich sind. In Anbetracht der jüdischen Wurzeln des Christentums hat mein verehrter Vorgänger in Bestätigung eines Urteils der deutschen Bischöfe gesagt: Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum. Deshalb beklagt die Konzilserklärung Nostra aetate alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemand gegen das Judentum gerichtet haben. Gott hat uns alle als sein Abbild geschaffen und uns dadurch mit einer transzendenten Würde ausgezeichnet. Vor Gott besitzen alle Menschen die gleiche Würde, unabhängig davon, welchem Volk, welcher Kultur oder Religion sie angehören. Aus diesem Grund spricht die Erklärung Nostra aetate auch mit großer Hochachtung von den Muslimen und den Angehörigen anderer Religionen… Die Kirche weiß sich verpflichtet, diese Lehre in der Katechese und in jedem Aspekt ihres Lebens an die nachwachsenden Generationen, die selbst nicht mehr Zeugen der schrecklichen Ereignisse vor und während des Zweiten Weltkrieges waren, weiterzugeben. Das ist insofern eine Aufgabe von besonderer Bedeutung, als heute leider erneut Zeichen des Antisemitismus und Formen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit auftauchen. Sie sind Grund zur Sorge und zur Wachsamkeit… Wir müssen uns noch viel mehr und viel besser gegenseitig kennenlernen. Deshalb ermutige ich zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen… Unser reiches gemeinsames Erbe und unsere an wachsendem Vertrauen orientierten geschwisterlichen Beziehungen verpflichten uns, gemeinsam ein noch einhelligeres Zeugnis zu geben und praktisch zusammenzuarbeiten in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt… „Der Herr gebe Kraft seinem Volk. Der Herr segne sein Volk mit Frieden.“(rv)

 

 

18.08.05:

Papst Benedikt XVI. auf seiner ersten Auslandsreise

 

Kurz vor 12 Uhr ist die Alitalia-Maschine mit Benedikt XVI. an Bord in Köln gelandet. Sonnenschein, roter Teppich, jubelnde Pilger, viel Polizei - so war die Ankunft in Köln-Bonn. Das Flugzeug vorne mit der deutschen und der vatikanischen Flagge geschmückt, erwartungsvolle Gesichter bei den Kardinälen Meisner und Lehmann, auch beim früheren Sekretär Kardinal Ratzingers, Vatikan-Bischof Josef Clemens. Beifall, als der Papst die Gangway herunterkommt; das Käppchen fliegt ihm weg, die Soutane weht, und seine weißen Haare. Kein Bodenkuss wie noch bei Johannes Paul, aber ein Händedruck für das Präsidenten-Ehepaar Köhler und für das Kanzler-Ehepaar Schröder. Benedikt lächelt verhalten, ist sparsam in der Gestik, plaudert kurz mit Doris Schröder-Köpf, die auch aus Bayern kommt, und verneigt sich jedes Mal leicht, wenn er jemanden begrüßt. Eine Bundeswehr-Formation ist angetreten, spielt die Hymnen beider Staaten. "Benedetto", skandieren Jugendliche, versuchen eine La-Ola-Welle. "Heiliger Vater, so geht das schon seit Tagen hier in der Gegend - die Fröhlichkeit ist auch hier!", sagt Bundespräsident Horst Köhler. "Willkommen in der Heimat, willkommen in Deutschland!" Der Papst ist sichtlich gerührt. "Nach dem Papst aus Polen", so Köhler, "ist nun jemand aus der so genannten Flakhelfer-Generation zum Nachfolger des Heiligen Petrus gewählt worden. Dass es so gekommen ist, das gibt mir Zuversicht - sechzig Jahre nach dem Ende der menschen- und gottfeindlichen Ideologie, die in Deutschland herrschte." Er freue sich auch als Protestant, so der Präsident, dass ein Deutscher Papst geworden sei. In Deutschland spielten die christlichen Kirchen eine lebendige Rolle, und er sei sehr froh darüber. Köhler lobt soziales Engagement und politische Rolle der Kirchen, bekommt viel Applaus, als er den verstorbenen Johannes Paul II erwähnt. Eine engagierte, tolle Rede. Die Papst-Ansprache mit Lesebrille und den typischen Professoren-Gesten mit der rechten Hand, aber schon nach einem Satz weicht Benedikt von seinem Redemanuskript ab, erwähnt sein Interview mit Radio Vatikan, sagt, wie er sich freut, jetzt bei den Jugendlichen aus aller Welt zu sein. Zu Präsident Köhler gewandt, meint er: "Ich wusste gar nicht, dass jemand, der in der Wirtschaft lebt, auch soviel Philosoph und Theologe sein kann!" Als erneut "Benedetto" skandiert wird, scherzt der Papst: "Ja, das werden wir in diesen Tagen noch öfter hören, nicht?" Nach seiner Rede begrüßt Benedikt einige der Pilger und der WJT-Freiwilligen, winkt freundlich, danach wird er ins Erzbischöfliche Haus zum Mittagessen gefahren.( rv)

 

 

18.08.05:

Papst im Anflug

Papst Benedikt XVI. ist zu seiner ersten Auslandsreise aufgebrochen. Kurz nach zehn Uhr startete die Maschine der italienischen Alitalia mit dem Papst an Bord am römischen Flughafen Ciampino in Richtung Köln; dort wird das Kirchenoberhaupt gegen Mittag eintreffen. Rund 400.000 Pilger erwarten den Papst in der Domstadt. Am Flughafen werden ihn unter anderem Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder empfangen.
Kurz vor dem Abflug sagte Benedikt XVI. den Journalisten im Flugzeug, er sei sehr bewegt, in seine Heimat zu fliegen. Er freue sich auf das Treffen mit der Jugend und begebe sich nun mit ihr auf Pilgerfahrt. Der Stern Christi schaffe Gemeinschaft und sei ein Zeichen des Friedens. Der Weltjugendtag sei ein Treffen der Jugend aller Kulturen und der ganzen Welt, betonte der Papst. Die Jugend mache deutlich, welchen Wert das Christentum auch heute habe; sie sei eine eine Hoffnung für den Frieden.
(rv)

 

 

14.08.05:

BENEDIKT XVI. IM EXKLUSIV-INTERVIEW:

 

Der Weltjugendtag und damit die erste Auslandsreise von Papst Benedikt XVI. stehen unmittelbar bevor. In Castelgandolfo stellte sich der Papst den Fragen von Pater Eberhard von Gemmingen. Wir dokumentieren das Interview im Wortlaut:
„Heiliger Vater, Sie haben am 25. April gesagt: Ich freue mich auf Köln. Können Sie diese Freude ein bisschen konkretisieren?”
Ja - in vieler Hinsicht, erstens habe ich im Rheinland schöne Jahre verbracht, sodass ich mich einfach freue, wieder mal den Charakter des Rheinlands zu atmen, diese weltoffene Stadt und all das, was damit verbunden ist. Dann überhaupt, dass die Vorsehung es gewollt hat, dass meine erste Auslandsreise nach Deutschland geht. Ich hätte nicht gewagt, das einzurichten. Aber wenn einem der liebe Gott das sozusagen antut, darf man sich darüber freuen. Und auch, dass diese erste Auslandsreise eine Begegnung mit jungen Menschen aus aller Welt ist. Der Jugend zu begegnen, ist immer etwas Schönes, weil sie voller Probleme - vielleicht - aber auch voller Hoffnung, voller Schwung und Erwartungen ist, weil in ihr die Dynamik der Zukunft steckt, und weil die Begegnung mit ihr auch einen selber dann wieder schwungvoller, freudiger und offener macht. Das sind so eine Reihe von Motiven, die diese Freude bei mir inzwischen verstärkt und nicht etwa vermindert haben.
„Heiliger Vater, können Sie sagen, was Sie der Jugend der Welt vor allem vermitteln wollen? Was ist die Hauptsache, die Sie „rüberbringen wollen?”
Ja - ich möchte ihnen zeigen, dass es schön ist, ein Christ zu sein, denn es besteht ja weithin die Idee, Christentum sei eine Menge von Geboten und Verboten, Lehrsätzen, die man einhalten muss und dergleichen und insofern etwas Mühseliges und Belastendes. Man sei freier, wenn man diese Last nicht habe. Ich möchte demgegenüber deutlich machen: sozusagen von einer großen Liebe und Erkenntnis getragen zu sein, ist nicht etwa ein Gepäck, sondern sind Flügel, und es ist schön, ein Christ zu sein, mit dieser Erfahrung, dass es uns das Weite gibt, dass uns das auch eine große Gemeinschaft gibt, dass wir als Christen eben nie allein sind - in dem Sinn, dass immer Gott bei uns ist, aber auch, dass wir immer miteinander in einer großen Gemeinschaft stehen, Weggemeinschaft sind, ein Projekt der Zukunft haben und damit eben wirklich ein Dasein, das sich lohnt - die Freude am Christsein, dass es schön und auch richtig ist, zu glauben.
„Heiliger Vater, Papstsein heißt Brückenbauer sein, Pontifex sein. Nun hat die Kirche eine alte Weisheit und Sie begegnen einer schwungvollen Jugend, die aber noch nicht allzu viel Weisheit besitzt Wie kann eine Brücke gebaut werden zwischen dieser alten Weisheit - auch eines doch ein wenig betagten Papstes - und einer Jugend? Wie geht das?”
(lacht) Ja - wir werden sehen, inwieweit der Herr mir hilft. Aber jedenfalls Weisheit in sich ist nicht etwas Abgestandenes - wie wir im Deutschen ein bisschen dieses Wort „Weisheit mit diesem Geschmack verbinden, sondern ist Verstehen dessen, worum es geht, ist der Blick aufs Wesentliche. Die jungen Menschen wollen natürlich das Leben erst erlernen, es selber neu entdecken, nicht einfach von anderen vorgekaut bekommen. Das ist vielleicht der Gegensatz, den man da sehen könnte. Aber zugleich ist Weisheit eben gerade das, was eben „Welt interpretiert, was auch immer wieder neu ist, weil es in den neuen Kontexten dann wieder hinführt auf das, worauf es ankommt und wie man das, worauf es ankommt, verwirklichen kann. Insofern ist - glaube ich - das Sprechen, Glauben, Leben von etwas heraus, das der Menschheit geschenkt worden ist und ihr Lichter aufgesteckt hat, nicht Vorkauen von etwas Abgestandenem, sondern ist gerade - sozusagen - der Dynamik der Jugend angemessen, die ja auch nach dem Großen, nach dem Ganzen fragt. Und darum geht es in der Weisheit des Glaubens, dass wir nicht eine Menge von Details kennen - die sind für jeden Beruf wichtig - aber, dass wir über allen Details wissen, worum es im Leben geht und wie Menschsein, wie Zukunft zu gestalten ist.
„Heiliger Vater, Sie haben auch gesagt: „Die Kirche ist jung, sie ist nichts Altes. Können Sie noch ein bisschen genauer sagen, was Sie damit meinen?”
Ja, sie ist zunächst jung, sagen wir, in dem biologischen Sinn, dass ihr sehr viele junge Menschen angehören. Sie ist aber auch in dem Sinne jung, dass ihr Glaube sozusagen aus dem frischen Quell Gottes selber kommt, von daher also, wo das wirklich Neue und Erneuernde da ist. Das ist nicht eine abgestandene Kost, die wir seit 2000 Jahren haben und die immer wieder aufgekocht wird, sondern Gott selbst ist der Quell aller Jugend und allen Lebens. Und wenn der Glaube eben eine Gabe ist, die von ihm her kommt
sozusagen das frische Wasser, das uns immer wieder gegeben wird, mit dem wir dann leben können und das wir sozusagen als Kraft in die Wege der Welt einspeisen dürfen - dann ist eben Kirche eine verjüngende Kraft. Es gibt einen Kirchenvater, der einmal die Kirche gesehen hat und dabei das Sonderbare sah, dass sie im Lauf der Jahre nicht älter, sondern immer jünger wird, weil sie immer mehr dem Herrn entgegengeht, das heißt immer mehr der Quelle entgegen, von der Jungsein, von der Neuheit, Erfrischung, die frische Kraft des Lebens kommt.
„Sie kennen ja die Kirche in Deutschland besser als ich und wir alle, und da kommt die Frage nach der Ökumene, nach der Kircheneinheit zwischen der katholischen und den evangelischen Kirchen, eine zentrale Frage. Und es gibt vielleicht utopische Hoffnungen, dass der Weltjugendtag einen Durchbruch in Sachen Ökumene bringen könnte. Spielt Ökumene dabei eine kleine, eine mittlere, eine große Rolle?”
Ja - sie ist in sofern da, als der Auftrag zur Einheit, der das ganze Wesen der Kirche durchdringt, nicht irgendeine marginale Aufgabe am Rande ist. Gerade wenn man den Glauben zentral lebt und behandelt, ist er Aufbruch zur Einheit hin. Die konkreten ökumenischen Gespräch sind natürlich nicht so groß geschrieben, weil es ja vor allem eine Begegnung von katholischen jungen Menschen aus der ganzen Welt ist - freilich auch von solchen, die nicht katholisch sind, die aber fragen möchten, ob hier vielleicht etwas zu finden ist und die insofern in dem inneren Begegnen der Jugend, die ja nicht nur mit dem Papst spricht, sondern vor allen Dingen sich untereinander begegnet, gerade auch diese Dimension dann anwesend sein wird. Ich werde eine Begegnung mit unseren evangelischen Freunden haben, und wir werden leider wenig Zeit haben, weil das „Gepäck des Tages sehr groß ist, aber doch immerhin etwas Zeit haben, uns zu besinnen, wie es weitergehen soll Ich erinnere mich sehr gut und gerne an den ersten Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II., wie er in Mainz mit den Vertretern der evangelischen Gemeinschaften an einem Tisch saß und man miteinander entwickelt hat, wie es weitergehen soll. Es wurde dann ja die Kommission gegründet, aus der dann der Rechtfertigungskonsens hervorging. Das Wesentliche - so denke ich - ist das wir eben alle gerade in der Zentralität unseres Christseins und nicht nur in bestimmten Begegnungsaugenblicken immer die Einheit im Blick haben und insofern das, was wir gläubig tun, immer von innen her auch ökumenisch ist.
„Heiliger Vater, es gibt ja gerade auch in unseren nördlichen und reichen Ländern Abwendung nicht nur aller Menschen von Kirche und Glauben, sondern gerade auch der Jungen. Kann man da etwas dagegensetzen oder vor allem: wie kann man vielleicht die Sinnfrage - was hat mein Leben für einen Sinn? - so beantworten, dass die Jugend sagt: Kirche ist d i e Sache, unsere Sache!”
(lacht) Ja - wir alle versuchen, den Jungen das Evangelium zu bringen, denn das ist die Botschaft, auf die wir warten. Es ist klar, dass es in unserer modernen westlichen Gesellschaft viele Bleigewichte gibt, die uns vom Christentum wegdrängen. Der Glaube und Gott scheinen sehr fern zu sein, das Leben selbst voller Möglichkeiten und Aufgaben. Man will das Leben zunächst selbst ergreifen, es soviel leben wie es nur geht. Ich denke dabei an den „verlorenen Sohn, der auch dachte, im Vaterhaus sei es langweilig, er müsse das Leben so richtig ausschöpfen, an mich reißen und genießen, bis er dann merkt, das es richtig leer ist und dass er frei und groß war, als er im eigenen Vaterhaus lebte. Nun also denke ich: jedenfalls unter den jungen Menschen breitet sich doch aber auch die Empfindung aus, dass all diese Vergnügungen, die uns angeboten werden, und der ganze Freizeitbetrieb, all das, was man macht und machen kann, kaufen und verkaufen kann, nicht das Ganze sein kann, dass es irgendwie um mehr geht. Und insofern ist - denke ich - doch auch eine große Frage danach da, was denn nun das Eigentliche sei. Das alles, was wir da so haben und kaufen können, kann es nicht sein. Deswegen gibt es ja auch sozusagen den Markt der Religionen, der dann das auch gleichsam als Ware wieder anbietet und damit auch degradiert. Aber er ist ein Zeichen dafür, dass eine Frage da ist. Und diese Frage wirklich zu erkennen und nicht an ihr vorbeizureden, nicht Christentum als etwas nun Abgetanes und genügend Ausprobiertes zur Seite schieben zu lassen, sondern gerade als die - weil von Gott selbst herkommende und daher immer frische Möglichkeit, die auch immer neue Dimensionen in sich birgt und entbirgt, erkennen zu lassen - der Herr sagt ja: der Herr wird euch einführen in Dinge, die ich jetzt nicht sagen kann. Das Christentum ist voll unentdeckter Dimensionen und zeigt sich eben frisch und neu, wenn man seine Frage wieder wirklich von Grund auf stellt - sozusagen das Aufeinandertreffen der Frage, die da ist, und der Antwort, die wir leben und die wir sozusagen immer selbst durch die Frage hindurch erst neu empfangen - das sollte das Ereignis in der Begegnung zwischen Verkündigung und jungen Menschen sein.
„Ich persönlich lebe derzeit in dem Gefühl, dass Europa sich immer mehr aufgibt, seine im Christentum begründeten und seine humanen Werte immer weniger zählen. Chinesen und Inder arbeiten sehr hart, sind gut gebildet, während wir in Europa zum Teil faul, missmutig sind. Es geht um die christlichen Wurzeln - jetzt gerade auch in der Europäischen Verfassung. Europa ist in der Krise. Könnte durch so einen Weltjugendtag mit vielleicht nahezu einer Million Leuten ein Impuls gegeben werden, wirklich nach den christlichen Wurzeln zu suchen und gerade von der Jugend her - damit wir human weiterleben können?”
Wir hoffen es, denn gerade ein solches Zusammentreffen von Menschen aus allen Kontinenten sollte auch dem alten Kontinent, der der Gastgeber ist einen neuen Impuls geben und uns helfen, dass wir nicht nur das Kranke, das Müde, das Verfehlte an der europäischen Geschichte sehen - denn wir sind ja doch in einer Art Selbstbemitleidung und Selbstverurteilung - ja es gab viel Krankes in allen Geschichten, auch in der unseren, die so große technische Möglichkeiten entwickelt hat - es ist dann besonders dramatisch geworden - aber doch auch zu sehen, wie Großes von Europa ausgegangen ist: die ganze Welt würde ja nicht heute sozusagen die von Europa ausgegangene Zivilisation leben, wenn die nicht auch aus größeren Wurzeln käme. Nun bieten wir nur noch dies Letztere an und dann übernimmt man die Zivilisation, sucht sich aber andere Wurzeln dafür und gerät letzten Endes in Widersprüche. Ich glaube, diese Zivilisation mit all ihren Gefahren und ihren Hoffnungen kann nur gebändigt und zu ihrer Größe geführt werden, wenn sie die eigenen Kraftquellen wieder erkennt, wenn wir das Große wieder sehen, das dann dieser gefährdeten Möglichkeit des Menschseins seine Richtung und seine Größe gibt. Wenn wir wieder Freude daran haben, das wir in diesem Kontinent leben, der das Weltgeschick bestimmt hat - im Guten und im Bösen - und dass wir damit gerade einen bleibenden Auftrag haben, wieder das Wahre, das Reine und das Große und Zukunftgebende zu entdecken und damit weiterhin und auf eine neue und wohl bessere Weise im Dienst der ganzen Menschheit zu stehen.
„Kann man - als letzte Frage - ein Idealziel des Weltjugendtages in Köln formulieren? Was wäre das Ziel, wenn es ganz, ganz toll laufen würde?”
(lacht) Ja - nun, dass eben ein Schwung neuen Glaubens durch die Jugend geht - vor allem auch durch die Jugend in Deutschland und in Europa. Wir haben in Deutschland immer noch große christliche Institutionen. Es geschieht viel Christliches, aber es gibt auch eine sehr große Müdigkeit und wir sind so sehr mit Strukturfragen beschäftigt, dass der Schwund und die Freude des Glaubens fehlen. Wenn dieser Schwung, das Frohsein, dass wir Christus kennen, wieder neu aufleben würde und der Kirche in Deutschland und auch Europa eine neue Dynamik gäbe, dann denke ich, wäre das Ziel des Weltjugendtages erreicht.
„Heiliger Vater, vielen, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Gottes Segen für die schönen und auch anstrengenden Tage in Köln.” (rv)

 

 

13.08.05:

"Tag des sozialen Engagements" soll nachwirken

Der Weltjugendtag wirft seine Schatten voraus. Schon seit Donnerstag sind junge Leute aus aller Welt zu Gast in den deutschen Diözesen. Sie sollen Leben und Glauben kennen lernen und gemeinsam mit deutschen Katholiken leben. Gemeinsames Projekt gestern war der "Tag des sozialen Engagements". Der Einsatz für andere soll Lust machen, sich auch nach dem WJT ehrenamtlich zu engagieren. Das betont Andrea Hoffmeier, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend: "Wir möchten gerne auch zeigen, wie wir hier Glauben und tätiges Handeln aus dem Glauben heraus miteinander verbinden, wie wir Katholizität in Deutschland leben. Das würden wir gerne auch mit den Gästen teilen und darüber auch in Austausch kommen, wie sie in ihren Ländern jeweils Glauben in die Tat umsetzen. Andererseits hoffen wir, dass diese Vorbeschäftigung der Gemeinde, zu schauen, was ist denn in unserem Sozialraum, was gibt es an Not, und wo können wir denn ein Projekt auf die Beine stellen, dass das natürlich noch über den Weltjugendtag hinauswirkt.” Über mangelndes Engagement will die BDKJ-Vorsitzende gar nicht klagen. Mehr als 30 Prozent der unter 27-Jährigen sind aktiv für andere - mehr als in anderen Altersgruppen. Aber das Ehrenamt verändere sich, sagt Hoffmeier: "Natürlich ist es auch so, nur wer eine gesicherte Existenz hat, wer auch gewisse Zeit hat, ist überhaupt in der Lage, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und ehrenamtliches Engagement ist natürlich auch konträr zu den Mobilitäts- und Flexibilitätserwartungen, die heute auch vorliegen. Wir stellen zum Beispiel auch fest, dass in den letzten Jahren viel weniger Sonderurlaub beantragt wird, weil junge Menschen eben auch Sorge um ihren Arbeitsplatz haben und Arbeitgeber schnell sagen, Sonderurlaub noch zu zusätzlichem Urlaub können wir uns nicht leisten, das ist nicht drin. Das war vor ein paar Jahren noch anders." (rv)

 

 

13.08.05:

Weltjugendtagsbilanz ausgeglichen

 

Sie war lange ein heikles Thema - die Finanzierung des Weltjugendtags. Zu laut waren die Stimmen der Kritiker, zu groß die Angst vor dem finanziellen Ruin der deutschen Kirche. Immerhin, das Erzbistum Toronto, Gastgeber des Weltjugendtags von 2002, steht bis heute in der Kreide. In Deutschland wird das nicht passieren, sagt Jugendbischof Franz-Josef Bode. Die Finanzierung ist in trockenen Tüchern, versichert er: "Die Dinge sind so eingetroffen, wie wir sie erwartet haben. Die finanziellen Planungen haben sehr früh angefangen. Die Bistümer, die ja etwa ein Drittel des Ganzen tragen, konnten sich zwei bis drei Jahre darauf einstellen. Dadurch, dass die Anmeldezahl für Köln sehr gut ist und auch die Zahlungsmoral bisher schon sehr gut ist, hatten wir natürlich ganz gute Möglichkeiten, auch diese schweren Dinge, die im voraus zu zahlen sind, besser zu handeln. Insgesamt ist die Situation finanziell von den Erwartungen her zufrieden stellend." Die Organisatoren haben außerdem rechtzeitig nach Sponsoren gesucht. Ein weiteres Standbein sind die Werbeartikel. Rosenkränze, Rucksäcke, Kerzen, Schneekugeln und alle denkbaren wie bisher undenkbaren Artikel werden zugunsten des Weltjugendtags verkauft. Michael Klug von der Lizenzfirma ist zufrieden: "Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und hab auch ein bestimmtes Verhältnis zu der Kirche generell. Ich sehe einfach, wenn man Jugendliche zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammenführen kann, die an einem Ziel arbeiten oder an einem bestimmten Thema, die sich treffen wollen - das ist erst mal lohnenswert zu fördern. Und das ist auch meine persönliche Emotion gewesen, mit der ich auch meine Mitarbeiter anstecken konnte. Ich habe gesagt, passt auf, da machen wir mit. Wir haben auch sehr viel investiert. Es ist ja nicht so, dass es nur Kommerz ist, sondern wir kommen vielen Themen auf dem Weltjugendtag entgegen oder unterstützen ihn, wo wir keine Abrechnung erwarten." (rv)

 

 

07.08.05:

Armand Gaétan Kardinal Rarafindratandra ist 80 Jahre alt

Kardinal Razafindratandra aus Madagaskar ist heute 80 Jahre alt geworden. Somit verliert er sein aktives Wahlrecht in einem künftigen Konklave. Die Statistik des Kardinalskollegiums ändert sich wie folgt:

Kardinäle mit Wahlrecht: 112                                                          Kardinäle ohne Wahlrecht: 69                                    Kardinalskollegium gesamt: 181

 

 

05.08.05:

Papst besucht seinen Bruder in der Gemelli-Klinik

 

Papst Benedikt XVI. hat Freitag Abend seinen Bruder in der römischen Gemelli-Klinik besucht. Die Ärzte hatten dem 81jährigen Georg Ratzinger tags zuvor einen Herzschrittmacher eingesetzt. Der Papst flog mit dem Hubschrauber von seiner Sommerresidenz Castelgandolfo aus in die Klinik, sein Besuch beim Bruder dauerte etwa 40 Minuten. Auf Fragen von draußen wartenden Journalisten, wie es Georg Ratzinger gehe, sagte der Papst: "Danke, gut!"(rv)

 

 

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9/2005

 

 

 

12.09.05:

 

 Kardinal Sodano fährt zum UNO-Gipfel

 

Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano wird den Heiligen Stuhl beim UNO-Gipfel in New York vertreten. Das hat Papst Benedikt XVI. heute beim Angelus-Gebet bekannt gegeben. Der Papst erinnerte nach dem Gebet an die große Bedeutung des Treffens:
"Nächsten Mittwoch beginnt in New York am Sitz der Vereinten Nationen ein Treffen von Staats- und Regierungschefs. Es behandelt wichtige Themen wie Weltfrieden, Achtung der Menschenrechte, Entwicklungshilfe und Stärkung der Organisationen der Vereinten Nationen. Ich rufe dringend dazu auf, dass die dort versammelten Regierungsvertreter geeignete Lösungen finden, um die großen gesetzten Ziele im Geist der Eintracht und großzügiger Solidarität zu erreichen...Speziell wünsche ich mir konkrete Maßnahmen um auf die dringendsten Probleme zu antworten: extreme Armut, Krankheit und Hunger, unter denen so viele Völker leiden."
Mit warmem Lächeln hat Papst Benedikt XVI. im überfüllten Hof seines Sommersitzes in Castelgandolfo die rund 2000 nahezu frenetisch jubelnden und singenden Pilger empfangen. Er erinnerte besonders an das Fest "Kreuzerhöhung", das die katholische Kirche am 14. September, also kommenden Mittwoch, feiert.
"Das Kreuz ist die Demonstration der unendlichen Liebe mit der der Gottessohn den Menschen und Welt vor Sünde und Tod gerettet hat. Deshalb ist das Kreuzzeichen die fundamentale Gebetshaltung des Christen. Sich selbst zu bekreuzigen ist ein sichtbares und öffentliches JA zu dem, der für uns gestorben und auferstanden ist".
In sechs Sprachen wandte sich der Papst an die Pilger. Auf deutsch sagte er:
"Der Sonntag gibt uns eine besondere Gelegenheit, in Ruhe und innerer Sammlung Gott, unserem Schöpfer, zu begegnen. So setzen wir uns mit offenem Herzen der Macht seiner Liebe und seines Erbarmens aus. Nutzen wir das Geschenk dieses Tages, um den Glanz des Lobpreises des Herrn in die neue Woche zu tragen. Christi Gegenwart geleite euch auf allen Wegen!"
Benedikt gedachte auch der Opfer des 11. September von 2001. Er erwähnte die Anschläge auf das World Trade-Center aber ausschließlich in den Grüßen an die englischsprachigen Pilger:
"Heute, am 11. September, gedenken wir der Opfer des weltweiten Terrorismus. Möge Gott überall Männer und Frauen guten Willens dazu berufen, den Hass zu überwinden und eine gerechte Welt aufzubauen, voll Solidarität und Frieden."
(rv)

 

 

 

03.09.05:

 

Radio Vatikan bekommt Rechte an Papststimme auch vor der Wahl

 

 

Radio Vatikan hat die Rechte an allen Aufnahmen der Stimme von Papst Benedikt XVI. - auch vor seiner Wahl zum Nachfolger Petri - erhalten. Das hat das vatikanische Staatssekretariat heute bekannt gegeben. Damit kümmert sich das Radio um die Autorenrechte sowie die Rechte des geistigen Eigentums von Papst Benedikt XVI., was Stimmaufnahmen und ähnliches angeht. Ausgenommen sind hier nur Rechte, die unter Umständen durch Dritte erworben wurden. Radio Vatikan kümmert sich grundsätzlich durch seine Statuten um die Wahrung der Rechte an der Stimme des Papstes. (rv)

 

 

 

02.09.05:

 

Erzbischof Lavada zum Mitglied der Bischofskongregation ernannt:

 

Laut einer Pressemitteilung des L´Osservatore Romano vom 02.09.05 wurde der emeritierte Erzbischof von San Francisco und Präfekt der Glaubenskongregation am 24.08.05 zum neuen Mitglied der Kongregtation für die Bischöfe ernannt.

 

 

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10/2005

 

 

 

29.10.05:

 

Vatikan besorgt über Israel

 

Der Vatikan hat die Verdammung Israels durch den Iran scharf verurteilt. In einer Erklärung des vatikanischen Pressesaals von gestern heißt es außerdem, der Heilige Stuhl sei sehr besorgt über die momentan eskalierende Gewalt in Israel. Das Militär flog gestern und auch heute Angriffe auf Gebiete, von wo aus in den letzten Tagen radikale Palästinenserorganisationen Raketen auf Israel gefeuert haben sollen. Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls gab gestern Abend eine deutliche Erklärung ab: "Die "schrecklichen Ereignisse der vergangenen Tage im Heiligen Land" bereiten dem Heiligen Stuhl große Sorgen, heißt es in dem Kommunique. Der Vatikan schließe sich der internationalen Gemeinschaft an und verurteile "die Gewaltakte des Terroranschlags" von Hadera. Ebenso verurteile der Vatikan die Repressalien, die als Reaktion darauf kamen - und zwar "von welcher Seite sie auch immer ausgingen". Israel hat unterdessen seine Angriffe auf palästinensische Gebiete im Gaza-Streifen fortgesetzt."
Im wichtigsten Teil der Erklärung werden dann die jüngsten verbalen Attacken des Irans gegen Israel angesprochen - auch wenn der Iran nicht namentlich genannt wird. So ist die Rede von "einigen besonders schweren und nicht hinnehmbaren Erklärungen, mit denen man das Existenzrecht des Staates Israel verneint hat". Zur Erinnerung: Der iranische Präsident hatte erst vor wenigen Tagen Israel eben dieses Existenzrecht abgesprochen und dann bekräftigt, sein Aufruf, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, sei "richtig und angemessen". Bei anti-israelischen Demonstrationen im Iran waren Transparente mit "Tod Israel"- und "Tod Amerika"-Aufschriften zu sehen. Die Vereinten Nationen reagierten umgehend mit einer scharfen Verurteilung auf die iranischen Äußerungen. Nach Angaben der iranischen staatlichen Nachrichtenagentur Irna hat der Iran diese UNO-Erklärung bereits als "inakzeptabel" und vom "zionistischen Regime diktiert" zurückgewiesen. Die vatikanische Erklärung geht in der Israel-Frage noch weiter. Es heißt: Der Heilige Stuhl trete für das Recht sowohl der Israelis als auch der Palästinenser ein, "in Frieden und Sicherheit" zu leben - und zwar beide jeweils in einem souveränen Staat. Die Erklärung schließt mit einem Aufruf an alle Verantwortlichen des Nahen und Mittleren Ostens, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen und "Gesten oder Entscheidungen der Teilung und des Todes" außen vorzulassen. Sie sollten, so der Vatikanaufruf, sich "mutig und entschieden" dafür einsetzen, die nötigen Grundbedingungen zu schaffen, um den Dialog wieder aufzunehmen - den "einzigen Weg, der den Kindern dieser Erde eine Zukunft in Frieden und Wohlergehen" garantiert. (rv )

 

 

 

23.10.05:

 

Kardinal Falcão verliert sein aktives Wahlrecht:

 

José Freire Kardinal Falcão feiert heute seinen 80sten Geburtstag und verliert somit sein aktives Wahlrecht in einem künftigen Konklave. Im Kardinalskollegium ergeben sich somit folgende Zahlen:

  • Kardinäle mit aktivem Wahlrecht: 111
  • Kardinäle ohne aktivem Wahlrecht: 69
  • Gesamtes Kollegium: 180

 

 

 

 

 

 

22.10.05:

 

Schluss-Botschaft der Bischofs-Synode

 

 

Priestermangel, Ökumene, soziale Fragen, Sorge um den Frieden - das sind einige der Kernpunkte in der Schlussbotschaft der vatikanischen Bischofssynode. Der Text, aus dem heute einige Auszüge bekannt wurden, könnte noch im Lauf des Nachmittags veröffentlicht werden. Allerdings brachten die Synoden-Teilnehmer heute Morgen etwa 200 Änderungswünsche ein, so dass die Kommission sich den Text noch einmal genauer vornehmen muss. Lebhaft war die Debatte heute Morgen auch beim Thema: Kann die Arbeitsweise der Synode verbessert werden?
Es war die beste Synode der letzten Zeit - diese Bilanz zogen einige der Teilnehmer an dem Großtreffen im Vatikan zum Thema Eucharistie. Ob allerdings die genauen Vorschläge der Bischöfe, die morgen an den Papst gehen, - die so genannten "Propositiones" - auch veröffentlicht werden, ist doch nicht mehr so sicher, wie es gestern noch schien. Heute wurde nur bekannt, dass einer dieser Vorschläge heißt: Bitte zumindest bei großen internationalen Eucharistiefeiern wieder das Lateinische benutzen, die Sprache der Kirche.
Priestermangel, Krise der Beichte, Missbräuche der Liturgie - diese negativen Punkte soll die Schlussbotschaft der Synodenväter offenbar ansprechen. Außerdem enthält sie offenbar einen Passus zu den chinesischen Bischöfen, die der Papst zur Synode eingeladen hatte, die aber nicht kommen durften. Pressesprecher Joaquin Navarro-Valls bekräftigte heute, Papst Benedikt werde diesen Bischöfen schreiben. Das Synodendokument bekräftigt ansonsten die Gültigkeit der großen Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, warnt Priester davor, sich als "Herren über die Liturgie" zu fühlen und richtet einen Appell an wiederverheiratete Geschiedene: Sie sollten "die Freude am Katholischsein" nicht verlieren, aktiv beim Gottesdienst mitwirken und geistlich kommunizieren. "Unser tägliches Brot gib uns heute" - diese Vaterunser-Bitte inspiriert die Synodenväter zu einem Aufruf für Afrika und den Nahen Osten, für einen wirklichen Fortschritt der Menschheitsfamilie. Das Dokument nennt nach den bisher bekannten Informationen die Einheit der Christen das Ziel der Ökumene und erwähnt auch andere Religionen, mit einer besonderen Erwähnung des Judentums. (rv )

 

 

 

15.10.05:

 

Kardinal Caprio verstorben:

 

Der emer. Großmeister vom Ritterorden vom Heiligen Grab in Jerusalem und emer. Präfekt der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls Giuseppe Kardinal Caprio ist am 15.10.2005 im Alter von 90 Jahren gestorben. Er empfing 1938 die Priesterweihe und wurde 1961 von Papst Johannes XXIII. zum Titularerzbischof ernannt. Papst Johannes Paul II. erhob ihn am 30.06.1979 in den Kardinalsstand mit der Titelkirche “S. Maria della Vittoria”.

 

 

 

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11/2005

 

 

01.11.05:

Papst unterstreicht Berufung zur Heiligkeit

Papst Benedikt XVI. hat die Berufung zur Heiligkeit aller Getauften unterstrichen. Gott habe, so der Papst heute in seiner Botschaft zum Angelusgebet am Hochfest Allerheiligen, mit der Menschwerdung seines Sohnes, seinem Tod und seiner Auferstehung die Menschheit mit sich versöhnen und sie zur Teilhabe an seinem eigenen Leben öffnen wollen:
"Wer an Christus, den Sohn Gottes denkt, wird 'von oben' geboren, ist wie neu gezeugt vom Heiligen Geist. Dieses Geheimnis wird im Sakrament der Kirche aktualisiert, durch das die Mutter Kirche ihre 'Heiligen' zur Welt bringt."
Deshalb, so Benedikt, sei es sehr bedeutsam, dass auf das Fest Allerheiligen das Gedenken der Verstorbenen am Fest Allerseelen folge:
"Die 'Gemeinschaft der Heiligen', die wir im Credo bekennen, ist eine Realität, die sich hier unten aufbaut, die sich aber vollkommen zeigt, wenn wir Gott sehen werden 'so, wie er ist'. Es ist die Realität einer Familie, die mit den tiefen Banden einer geistlichen Solidarität verbunden ist und die so die Verstorbenen mit denen verbindet, die noch Pilger auf Erden sind. Indem ich mich mit all jenen geistlich verbinde, die auf die Friedhöfe gehen, um für ihre Verstorbenen zu beten, so werde auch ich morgen Nachmittag in die Vatikanischen Grotten zu den Gräbern der Päpste gehen, die dort einen Kranz um das Grab des Apostels Petrus bilden. Ich werde dort ein besonderes Gedenken an den geliebten Johannes Paul II. halten."
In fünf Sprachen grüßte der Papst die Anwesenden auf dem Petersplatz. In seiner Muttersprache sagte er:
"Einen frohen Gruß richte ich an die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum. Das heutige Fest Allerheiligen zeigt uns die Kirche als die Gemeinschaft der Heiligen, in die auch wir berufen sind. Wohin immer wir gestellt sind, stets können und sollen wir ein Leben nach dem Evangelium führen. Gott gibt uns seine Gnade dazu. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Aufenthalt hier in Rom!" ( rv)

 

 

04.11.05:

Stoiber beim Papst

 

Bayerischer Moment im Apostolischen Palast: Papst Benedikt XVI. hat heute Mittag den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und die Landtagsfraktion der CSU in Audienz empfangen Ludwig Waldmüller hat das Ereignis für Radio Vatikan beobachtet:
Gegen die strengen Vorschriften des Protokolls betraten Papst Benedikt XVI. und Ministerpräsident Edmund Stoiber gemeinsam die Sala Clementina im Apostolischen Palast. Nur wenige Schritte hinter dem Papst durfte der Politiker eintreten... Und Benedikt freute sich sichtlich über den Besuch aus seiner Heimat: "Eine so hohe Abordnung aus der geliebten bayerischen Heimat hier im Apostolischen Palast begrüßen zu können, ist für mich ein Grund zu großer Freude. Seien Sie alle herzlich willkommen!"
Stoiber, der vor der Audienz schon eine Viertelstunde Zeit hatte, mit dem Papst privat zu sprechen, wandte sich im Namen aller 150 Abgeordneten und sonstiger Anwesenden an den Heiligen Vater: "Eine Privataudienz bei Ihnen zu haben, ist für einen Bayern, für einen bayerischen Christen, mit der absolute Höhepunkt", sagte der Ministerpräsident und erzählte von einem kürzlichen Besuch bei der Marienstatue auf dem Münchener Marienplatz: "Ich habe nachgeschaut, am Sockel der Patrona Bavariae am Marienplatz ist eingraviert: Johannes Paul II., 19. November 1980. Wir, die Landtagsfraktion der CSU, die Vertreter der bayerischen Staatsregierung, wir wünschen uns so sehr, dass demnächst irgend jemand darunter einmeißeln muss: Benedikt XVI., Punkt Punkt Punkt, 2006."
Papst Benedikt unterstrich die Traditionsverbundenheit Bayerns, die sich seit langem auch mit einer Offenheit für moderne Wissenschaft und Technik verbinde: "Aus dem Fortschritt der Wissenschaften können ebenso Segen wie Verderben erwachsen. Hier kommt es darauf an, ob jene, die über rechten Gebrauch oder Missbrauch zu entscheiden haben, dabei bloß den Gesetzen vordergründigen Nutzens einer augenblicklichen Pragmatik oder aber den inneren Gesetzen unseres menschlichen Wesens, den Gesetzen Gottes folgen, die er in dieses Wesen eingeschrieben hat."
In diesem Zusammenhang unterstrich Benedikt die Wichtigkeit des Einsatzes von Christen in der Politik: "Männer und Frauen, die sich ihrer Verantwortung vor Gott, dem Geber allen Lebens, bewusst sind, werden ihr Bestes tun, damit die unantastbare Würde des Menschen, dessen Leben in allen Phasen heilig ist, den Umgang mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmt und die Person der Mittelpunkt des Ganzen und nicht zum Gebrauch und schließlich Verbrauch bestimmt wird"
Damit dies auch in Zukunft gewährleistet sei, so Benedikt, sei eine profunde, den Menschen bildende Formung junger Menschen von Nöten. Diese solle geschehen: "nicht bloß nach technokratisch-ökonomischen Maßstäben, nicht nur nach den Maßstäben eines augenblicklichen Zufriedenseinwollens, sondern durch ein tiefer reichendes geistiges Erbe, jenes geistige Erbe, das durch die Namen Athen, Jerusalem und Rom charakterisiert wird."
Außerdem erinnerte der Papst eindringlich an den Beitrag, den gerade die theologischen Fakultäten in Bayern auf diesem Gebiet leisteten. Und er untermauerte diesen Punkt mit seinen eigenen Erfahrungen: "Ich selbst hatte die Ehre, mich in München zu habilitieren und dann wieder als Professor an der Theologischen Fakultät zu Regensburg, der ich als Honorarprofessor noch angehöre, einige Jahre zu forschen und zu lehren. An diese Zeit denke ich gerne zurück, auch daran, wie sich in einer jungen und auch eben erst bildenden Universität „universitas litterarum" gezeigt hat, wie eine Begegnung zwischen den Fakultäten stattgefunden hat und nicht nur sozusagen ein Nebeneinander von Fachhochschulen unter dem gemeinsamen Dach Universität war; wie wirklich das Bewusstsein eines gemeinsamen Auftrages in der Verschiedenheit der Forschungen und der wissenschaftlichen Disziplinen da war, die doch alle gemeinsam um die Wahrheit und um den Menschen ringen und die daher alle dieses Bewusstsein brauchen, dass sie im Letzten Verantwortung für den Menschen tragen und sie nur tragen können, wenn dabei die Verantwortung vor Gott nicht erlischt."
Der Papst beendete seine Ansprache mit einem Zitat aus der Bayernhymne: "Gott mit dir, du Land der Bayern, ... über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand."
Begeistert war nach der Audienz der bayerische Ministerpräsident. Seine viertelstündige Unterredung mit dem Papst sei sehr beeindruckend gewesen, so Stoiber: "Erleben zu dürfen, wie genau er über die deutsche Politik und die deutsche Innenpolitik informiert ist, was ihn interessiert hat, wie es in Berlin weitergeht, warum ich in Bayern bleibe, warum ich nicht in ein Bundeskabinett eintrete und wie es insgesamt in unserer Gesellschaft weitergeht, welche Werte in Deutschland eine Renaissance haben. Und ich habe deutlich gemacht, dass der Papst aus Bayern, der Papst aus Deutschland in Deutschland und Bayern auch zu einer Renaissance christlicher Werte gerade auch bei den jungen Menschen führt."
Und noch einer nahm begeistert etwas aus der Begegnung mit dem Papst mit: Der bayerische Innenminister Günther Beckstein, der evangelische Christ, der ohne die Entscheidung Stoibers für Bayern wohl Ministerpräsident geworden wäre. Der Papst, so erzählte er hinterher lachend, habe zu ihm gesagt: "'Na, wie geht's Ihnen denn nach den Enttäuschungen?' Da habe ich gesagt: 'Na ja, ganz gut, die Spannungen legen sich. Darauf sagt er: 'Aber wohl anders, als Sie gedacht haben!?' Und ich habe geantwortet: 'Allerdings!' Darauf hat er die Bemerkung gemacht: 'Der Mensch denkt, Gott lenkt.' Und damit ist man wieder in einer Ebene, um das alles zu relativieren. Das ist, glaube ich, ganz gut."
Eine angenehme Audienz, die von sehr viel Herzlichkeit gekennzeichnet war - und die dem Papst wahrscheinlich Lust gemacht hat, die Einladung nach Bayern anzunehmen. (rv)

 

 

04.11.05:

Die RV-Stiftung!

 

Die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan möchte eine Stiftung gründen. Es geht darum, der Stimme des Papstes im deutschen Sprachraum Nachhaltigkeit zu verleihen. Seine Worte zu Jugend und Familie, zu Werten in Europa, zu Frieden und Gerechtigkeit drohen im Lärm vieler anderer Worte unterzugehen. Dabei suchen viele Menschen nach Orientierung, nach neuen Werten, nach Vorbildern. Das wurde nicht nur beim Weltjugendtag in Köln, sondern schon vorher beim Tod von Papst Johannes Paul II. und der Wahl von Papst Benedikt deutlich.
Auf diesem Hintergrund scheint es uns sinnvoll, eine Stiftung ins Leben zu rufen, deren Zweck es ist, die Worte von Papst Benedikt so zu verstärken, dass sie in der Gesellschaft der Länder deutscher Sprache wirklich gehört werden. Dazu sollen alle möglichen Mittel der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden.
Im Moment arbeiten wir an einer Satzung und suchen das grundlegende Kapital von 50.000 Euro, um die Stiftung gründen zu können. Wir haben bereits die Zusage von einigen Persönlichkeiten, Mitglieder des Kuratoriums zu werden. Es sind: Ministerpräsident a. D. Erwin Teufel, die ehemalige Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses Hanna-Renate Laurien, der ehemalige Bundesminister Norbert Blüm, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der ehemalige Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens, Dieter Stolte, und der Europabeauftragte für den Balkan, der Österreicher Erhard Busek. Weitere Persönlichkeiten sind für das Kuratorium angefragt.
Wer kann uns helfen:

  • Zustifter zu finden?
    Die Idee der Stiftung einem breiteren Publikum bekannt zu machen?
    Erbschaften zu erhalten?

  • Wer nicht in die Tasche greifen kann, kann immerhin mit uns beten: Denn geht es nicht primär um Geld, sondern darum, dass vor allem die Jugend auf die richtige Schiene gestellt und nicht von falschen Propheten verführt wird. Es geht letztlich um die Zukunft Europas. Papst Benedikt hat vielfach davor gewarnt, dass der alte - ehemals christlich geprägte - Kontinent sich aufgibt. Die Stiftung soll dazu beitragen, dass Europa wieder auf seinem christlichen Urboden Fuß fasst. Helfen Sie uns dabei.
    P. Eberhard v. Gemmingen SJ
    Rom, am Tag der Seligsprechung von Clemens-August von Galen, 9.Oktober 2005


    Konto des Vereins: "Freunde von Radio Vatikan e.V."

    Bank im Bistum Essen, Essen

    Kto.Nr. 475 700 18

    Bankleitzahl 360 602 95

    BIC: GENODEDIBBE

    IBAN: DE96 3606 0295 0047 5700 18

 

 

04.11.05:

"Prozess Johannes Paul" startet

In Krakau hat heute, am Namenstag von Karol Wojtyla, das Seligsprechungsverfahren für den polnischen Papst in seinem Heimatland begonnen. Am Vormittag nahm in der Krakauer Königsburg Wawel eine eigens eingerichtete Seligsprechungs-Kommission ihre erste Arbeitssitzung auf. Ins Leben gerufen hatte sie der ehemalige Privatsekretär des Papstes, Stanislaw Dziwisz, der jetzige Erzbischof von Krakau. Die Kommission wird unter anderem eine nicht genannte Zahl von Zeugen hören, die über Karol Wojtyla aussagen. Der juristische Prozess für Johannes Paul II. ist insofern einzigartig, als er schon wenige Monate nach seinem Tod beginnen konnte. Der Papst hob also für diesen Fall die im Kirchenrecht vorgesehene Zeitspanne von fünf Jahren auf, erinnert der polnische Priester Slawomir Oder als Postulator, das heißt als Anwalt der Causa. "Papst Benedikt hat das nicht nur aus eigenem Antrieb veranlasst, sondern, wie ich annehme, auch auf Wunsch der Kardinäle, von denen sich viele im Konklave für eine sofortige Aufnahme des Seligsprechungsprozesses ausgesprochen haben. Und natürlich auf Wunsch zahlloser Gläubiger, die in den Tagen der Beerdigung "Santo subito - sofort heilig" forderten."
Eine weitere Neuerung betrifft die Art, in der das Verfahren geführt wird. "Bei der Vorbereitung dieses Prozesses haben wir zum ersten Mal das Internet als Kommunikationsmittel zugelassen. Die Leute konnten uns ihre Zeugenaussagen per E-Mail schicken."
Die Kommission in Krakau arbeitet der Diözese Rom zu. Denn diese ist für das Seligsprechungsverfahren eines Papstes jeweils zuständig. In Rom hatte der kirchenrechtliche Prozess bereits Ende Juni begonnen. Wann Johannes Paul II. selig gesprochen werden könnte, ist nicht abzusehen, sagt Slawomir Oder. "Nein, absolut nicht. Alles, was ich sagen kann, ist, dass das diözesane Verfahren zum Abschluss kommt, sobald alle Zeugen gehört und alle Texte geprüft sind. Eine Einschätzung, wie lange das dauert, kann ich nicht abgeben - das wäre verfrüht." (rv)

 

 

04.11.05:

Papst Benedikt ist in seiner Rolle als Oberhaupt der katholischen Kirche "locker und gefestigt"

 

Diesen Eindruck machte er während der gestrigen Audienz auf die Mitglieder der CSU-Delegation. "Wenn Benedikt nach München kommt, wird sich die ganze Stadt in ein Meer aus gelbweißen Flaggen als Hommage an den Vatikan, aber auch aus blau-weißen bayerischen Fahnen verwandeln", so Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, der die Delegation angeführt hatte. (rv)

 

 

06.11.05:

Levada, das erste Interview

Er ist Nachfolger von Kardinal Ratzinger, dem jetzigen Papst - und zwar im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation. William Levada, bisher Erzbischof von San Francisco, schlüpft also an der Piazza del Sant Ufficio in große Schuhe... Sein erstes Interview hat der neue Glaubenshüter uns gegeben. Wir haben ihn gefragt, mit welchen Gefühlen er an die Glaubenskongregation zurückkehrt, nachdem er früher da schon mal zwanzig Jahre lang gearbeitet hatte. „Das ist eine große Veränderung für jemanden, der 20 Jahre lang als Kurienbeamter in der Abteilung für Glaubensdoktrin gearbeitet hat, nun als Präfekt zurückzukehren. Ich war damals immer froh, jemand anderen als Leiter der Kongregation zu haben, und mir war nicht klar, was für vielfältige Verantwortungen der Präfekt hat."
Sie sind der erste US-Amerikaner in diesem Amt. Viele waren von Ihrer Ernennung durch den Papst überrascht. Was steckt hinter Ihrer Ernennung?
„Meine Deutung ist die: Der Papst wollte dieses Amt mit jemandem besetzen, der eingearbeitet ist, und es sollte wohl auch schnell gehen. Benedikt wusste: Bleibt die Glaubenskongregation ohne Leiter, so kann das nicht im Sinn effizienter Arbeit sein, weil alle auf den neuen Leiter warten. Ich war ja nun ein Mitglied der Kongregation und kannte die Arbeit. Diese Erfahrung zählte für den Papst, das sagte er mir, als er mir mitteilte, ich solle sein Nachfolger werden. Mir stockte der Atem! Ich antwortete, ich sei nicht der richtige Mann für dieses Amt, doch er wandte ein, ich sei es sehr wohl. Und er gab mir dann seine Gründe dafür."
Was könnten das denn beispielsweise für Gründe sein?
„Die Verantwortung, mit Missbrauchsfällen durch Priester umzugehen, und die Explosion derartiger Anzeigen in den letzten Jahren ließen den Papst vielleicht denken, dass es nicht schlecht wäre, hier jemanden zur Seite zu haben, der Erfahrung auf dem Gebiet hat. Denn ich war zehn Jahre lang Bischof einer Ortskirche, San Fransisco; und ich gehörte der gemischten Kommission der amerikanischen Bischöfe an, deren Mitglieder gelegentlich in den Vatikan reisten, um dort Strategien abzustimmen."
Die US-Kirche hat vor ein paar Jahren strenge Normen gegen sexuellen Mißbrauch durch Kirchenleute aufgestellt - die wurden jetzt kürzlich erneuert. Klappt das System?
„Es ist ein vielschichtiges Programm. Ein Teil davon beschäftigt sich mit den Priestern, die des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig geworden sind, und sei es auch in lange zurückliegenden Fällen. Außerdem ist definiert, was ein Missbrauch überhaupt ist und wie er gemeldet werden soll. Dies soll die Priester für das Thema sensibilisieren und ihnen nicht nur klarmachen, dass sie die Vorwürfe zivilen und kirchlichen Autoritäten melden müssen, sondern auch, auf welche Art das zu geschehen hat. Das Programm regelt zudem, wie der Bischof mit Verdachtsfällen umgehen soll. So zum Beispiel muss er einen Stab von Fachleuten an seiner Seite haben, die Gutachten über bestimmte Fälle erstellen können."
Es heißt, in der westlichen Welt gebe es eine neue Spiritualität, die aber nicht religiös, jedenfalls nicht kirchengebunden ist. Was sagen Sie dazu?
„Betrachten wir als Beispiel Halloween. Bei diesem Fest nehmen die Leute eine Spiritualität an, deren Doktrin besagt, wir glauben an Hexen. Spiritualität ohne Doktrin ist gestaltlos, sie kann jede Form annehmen, die ich will. Die Menschen wollen gerne ausbrechen aus dem, was sie als Zwang und Grenzen der Religion empfinden. Daher sagen sie: ich bin spirituell, aber nicht religiös. Doch tatsächlich ist echte Spiritualität ohne Religion undenkbar - denn Religion sagt uns, wie wir unser Leben im Angesicht Gottes gestalten sollen. Wir müssen Entscheidungen treffen, wenn wir an Gott glauben, wir müssen uns fragen, was Gott von uns, seinen Geschöpfen, verlangt. So beinhaltet Religion immer auch eine konkrete Herausforderung, die von unserer Beziehung mit Gott ausgeht." (rv)

 

 

14.11.05:

Der katholische Militärbischof Walter Mixa hat sich entsetzt über den Anschlag auf deutsche ISAF-Soldaten in der afghanischen Hauptstadt Kabul geäußert:

Die Tat sei "feige und frevelhaft" und zeuge von "erbärmlicher Gewissenlosigkeit", sagte Mixa heute der Katholischen Nachrichten-Agentur in Berlin. Es werde erneut deutlich, wie gefährlich und schwierig der Dienst der Bundeswehr für den Frieden in der Welt sei. Der Bischof rief zum Gebet für die Betroffenen und ihre Angehörigen auf. Bei dem von einem Selbstmordattentäter verübten Autobombenanschlag wurden nach Angaben von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ein Bundeswehrsoldat getötet und zwei weitere verletzt.

 

 

18.11.05:

ZdK: Debatten über Koalitionsvertrag und das Regensburger Modell

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) tagt heute und morgen in Bonn-Bad Godesberg. Angesichts der heutigen Unterzeichnung des Koalitionsvertrages zwischen CDU und SPD steht natürlich die politische Großwetterlage in der Bundesrepublik ganz oben auf der Themenliste. Wir haben beim Präsidenten Hans Joachim Meyer nachgefragt: Wie sieht das ZdK den Koalitionsvertrag? "Also, unsere Bewertung ist - wie man so schön sagt - kritisch-konstruktiv. Ich halte ihn für eine gute Grundlage für die Regierungsarbeit. Es ist mehr als ein Kompromiss auf der Linie des kleinsten gemeinsamen Nenners. Was wir für gut halten, ist die familienpolitische Ausrichtung, die sich auch in Beziehung setzt zur Realität. Das heißt, zu der Tatsache, dass für viele junge Frauen heute der Lebenswunsch darin besteht, Mutter zu sein und im Beruf sich zu verwirklichen, und da scheint ja die Koalition zu beabsichtigen, auf dem Weg voranzugehen."
Weiter begrüßt das ZdK die Festschreibung ethischer Grenzen in dem Vertragswerk. Positiv auch: die Passagen, in dem es um die angestrebte Bekämpfung von Zwangsprostitution geht. Besonders kritisch blicken die katholischen Laien dagegen auf die Umsetzung der UNO-Millenniumsziele zur weltweiten Armutsbekämpfung. Neben der Bundespolitik, sagt Präsident Meyer, bewegt ein aktueller Fall aus der deutschen Kirchenpolitik die Gemüter - die faktische Auflösung des Diözesanrates in Regensburg durch Bischof Gerhard Ludwig Müller: "Es bedeutet den Abschied von der Gemeinsamen Synode von Würzburg im Jahr des 30-jährigen Jubiläums dieser Synode. Und das ist eine Verletzung der Einheit der Kirche: Er schert hier aus der Gemeinschaft der Bischöfe, der katholischen Kirche in Deutschland aus, ohne einen wirklichen Grund zu haben. Es ist kein Grund erkennbar, eigentlich ist ja sein Grund nur immer, er kann als Bischof machen, was er will. Als Realisten müssen wir leider auch auf diesen traurigen Vorgang eingehen, der absolut überflüssig ist. Ich kann überhaupt nicht begreifen, dass Bischof Müller nichts anderes im Sinn hat, als die bewährte Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen Bischöfen und organisierten katholischen Laien in einer solchen Weise zu beschädigen." (rv)

 

 

18.11.05:

Papst, "Staat sollte keine Schwierigkeiten haben, die Kirche anzuerkennen"

 

Papst Benedikt XVI. hat heute unterstrichen, dass der Staat keine Schwierigkeiten damit haben sollte, die Kirche offiziell anzuerkennen. Zu den tschechischen Bischöfen, in deren Heimatland es immer noch kein Konkordat gibt, sagte er wörtlich: "Der Staat sollte keine Schwierigkeiten haben, in der Kirche ein Gegenüber anzuerkennen, das seinen Aufgaben für die Bürger kein Vorurteil entgegenstellt. Die Kirche verrichtet hingegen ihr Tun auf religiösem Gebiet, um den Gläubigen die Möglichkeiten zu geben, ihren Glauben auszudrücken - und das, ohne sich in die Kompetenzen des Staates einzumischen."
Papst Benedikt sprach vor den Bischöfen aus der tschechischen Republik, die in diesen Tagen zu ihren ad-Limina-Besuchen in Rom sind. Er betonte in seiner übrigens auf deutsch gehaltenen Ansprache weiter, die Kirche bringe durch ihren apostolischen Einsatz, aber auch mit ihrem Beitrag in der Caritas, der Krankenpflege und den Schulen den Fortschritt der Gesellschaft mit voran - und zwar in einem Klima der "großen Religionsfreiheit". Die Kirche, so Benedikt, suche keine Privilegien, sondern wolle nur ihre Sendung in rechter Weise erfüllen können. Und dann sprach er - durch die Blume zwar, aber doch deutlich - das Konkordat an. "Wenn dieses Recht anerkannt wird, ist es in Wirklichkeit die ganze Gesellschaft, die daraus einen Vorteil zieht". Außerdem unterstrich der Papst auch die besondere Bedeutung von Familien für das Leben der Kirche, aber auch für die Garantie von "gesunden und einsatzbereiten neuen Generationen". Die Gespräche hätten ihm das Bild einer lebendigen Kirche in der Tschechischen Republik vermittelt, so Benedikt.
Im Namen der Bischöfe wandte sich Jan Graubner, Erzbischof von Olmütz, auf deutsch an den Papst. Er schilderte die Folgen des Kommunismus für sein Land - auch heute noch: "In unserem Land tragen wir immer noch an den Folgen der kommunistischen Unterdrückung und der systematischen Atheisierung. Viele Menschen kennen Christus nicht und haben von der Kirche kaum eine Vorstellung." Auch 16 Jahre nach dem Fall des totalitären Regimes und "dreier schöner Besuche Ihres Vorgängers" sei es noch nicht im vollen Umfang gelungen, die Beziehungen zwischen Staat und Kirche zu normalisieren. Er berichtete auch von rund dreieinhalbtausend Jugendlichen, die zum Weltjugendtag nach Köln gefahren seien, und unterstrich die Bedeutung der Vollversammlung der katholischen Kirche, die dieses Jahr in der Tschechischen Republik zu Ende ging.
Die Besuche bei Papst und Kurienbehörden während ihres ad-Limina-Besuchs sind für die tschechischen Bischöfe sehr hilfreich gewesen. Das sagt der Prager Weihbischof Vaclav Maly gegenüber Radio Vatikan: "Wir haben die universale Kirche erlebt. Das ist sehr wichtig für uns in unserem kleinen Staat, weil wir sehr oft den Eindruck haben, ein bisschen isoliert zu sein. Jetzt sehen wir diese internationale Kirche! Das ist ein sehr gutes Erlebnis. Außerdem konnten wir erkennen, welche Richtung die Kirche in der nächsten Zukunft gehen wird. Wir haben Visionen, wir haben Pläne - und wir können jetzt weitergehen, weil wir wissen, was für die Weltkirche vonnöten ist." (rv)

 

 

21.11.05:

Wallner, "wie kleine Kinder”

Zum ersten Advent soll es im Bistum Regensburg keinen Diözesanrat mehr geben. Seit Tagen geht die Meldung von dieser Neuordnung der Rätestrukturen durch Bischof Gerhard Ludwig Müller durch Deutschland. Heute treffen sich die gewählten Laienvertreter auf Diözesanebene zur seit langem geplanten turnusmäßigen Hauptausschusssitzung. Über ihre Auflösung wurden sie bisher nicht offiziell informiert, sagt Fritz Wallner. Im November 2003 wurde er zum Vorsitzenden des Diözesanrats gewählt. Ob er noch im Amt ist? Rechtlich schwierig, da ein Zusammenschluss von gläubigen Laien nach den Konzilsdokumenten von der Mitwirkung der Diözesanleitung nicht direkt abhängt. Ein Pastoralrat, wie ihn Bischof Müller jetzt einrichten will, ist laut dem Konzilspapier zur Hirtenaufgabe der Bischöfe zusätzlich möglich. Wallner zur aktuellen Lage: "Aufgrund der rechtlichen Einschätzung namhafter Kirchenrechtler wird es wohl so sein, dass wir - was den Teil Katholikenrat angeht - noch im Amt sind, weil dieser Teil des Diözesanrats aus dem Vereinigungsrecht kommt und dieses Vereinigungsrecht wiederum ist im kirchlichen Gesetzbuch verankert, so dass, da ja ohnehin jeder förmliche Akt der Auflösung bisher fehlt, tatsächlich der Diözesanrat als Katholikenrat besteht."
Bischof Müller kündige die Einheit im Bistum wie unter den deutschen Diözesen auf, so Wallner. Er sei nicht wütend, aber enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass im Bistum Regensburg offenbar kein Dialog möglich ist, dass die Betroffenen Laien weder vorher angehört noch nachher persönlich informiert wurden: "Es ist nämlich tatsächlich so, dass seit Monaten mit uns niemand mehr spricht. Und das ist nach meiner Einschätzung ein eklatanter Verstoß gegen wichtige Grundsätze, die beim Zweiten Vatikanum herausgearbeitet worden sind."
Was den Geist des Konzils im Hinblick auf Zusammenarbeit, Kommunio und Volk Gottes betreffe, gehe es im Bistum Regensburg rückwärts, sagt Wallner. Größter Problempunkt für ihn an der so genannten Neuordnung des Laienapostolats daher: "Dass Buchstabe und Geist des Konzils einfach verletzt werden, wenn man jede Mitverantwortung die bisher in der Kirche auch in Regensburg möglich gewesen ist, jetzt einfach wegdrückt. Wir werden nur noch Helfer. Wir sind nicht mehr so akzeptiert, wie das mittlerweile die Gesellschaft ausdrücklich tut. Es ist doch wirklich traurig, dass da Frauen und Männer arbeiten, die in Familie und Beruf, überall im gesellschaftlichen Leben und im politischen Leben ihre Frau und ihren Mann stehen, dass die in der Kirche behandelt werden wie kleine Kinder - in der Diözese Regensburg."
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat vergangenes Wochenende Bischof Müller aufgefordert, "die verfügte Auflösung des Diözesanrates und der Dekanatsräte zurückzunehmen". Nuntius Erwin Josef Ender, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hatten die Vollversammlung in Bad Godesberg besucht. Der Beitrag der Laien für Kirche und Gesellschaft sei unverzichtbar, so Lehmann. "Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gibt selbst Zeugnis davon."
Die gewählten Laienvertreter Deutschlands warteten auf eine Aussage zu Regensburg. Ungeduldiges Raunen, Stühle rücken, Rascheln erfüllten den Saal - so lange, bis das Bekenntnis des DBK-Vorsitzenden fast unterging. Wir wollen, so Lehmann auch "angesichts dessen, was in diesen Tagen geschehen ist, nicht hoffen, dass wir diese Einheit, die den einzelnen Bistümern dann auch noch genügende Freiheitsgestaltung gibt, verlieren." (rv)

 

 

22.11.05:

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat die Umstrukturierung der Räte im Bistum Regensburg kritisiert.

Zwar sei jeder Bischof frei, in seiner Diözese eine eigene Ordnung zu schaffen, "aber", so Lehmann, "ich denke, es ist nicht gut, wenn man auf der Ebene des Bistums nur noch Ernennungen durch den Bischof hat und nicht mehr die Leute von unten her gewählt werden". Die Umsetzung der Pläne von Bischof Gerhard Ludwig Müller bedeuteten "einen echten Rückschritt", den er bedauern würde, sagte Lehmann am Rande der Festveranstaltung zum 30-jährigen Jubiläum der Würzburger Synode in Würzburg. Er äußerte die Hoffnung, dass das Vorhaben in Regensburg korrigiert werde. Formal seien die Vorgänge in Regensburg keine Angelegenheit der Bischofskonferenz. Dennoch habe der Ständige Rat darüber diskutiert, "weil die ganze Unruhe inzwischen über die Grenzen eines Bistums hinausschwappt". Lehmann vor Journalisten: "Es wäre schade, wenn wir zu sehr auseinanderdriften." (rv)

 

 

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12/2005

 

 

08.12.05:

Leo Kardinal Scheffczyk verstorben:

Der renommierte Theologe Kardinal Scheffczyk ist am 08.12.2005 im Alter von 85 Jahren gestorben. Bis zu seiner Emeritierung lehre Scheffczyk Dogmatik an der Münchener Universität. Er wurde am 21.02.2001 durch Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben.

 

 

10.12.05:

Neuer Sekretär der Gottesdienstkongregation:

Erzbischof Albert Malcolm Ranjith Patabendige Don ist der neue Sekretär der Päpstlichen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Der aus Sri Lanka stammende Erzbischof war bisher Nuntius in Indonesien und Osttimor. Die Stelle des Sekretärs der Liturgiekongregation war vakant geworden, weil Papst Benedikt den bisherigen Amtsinhaber vor kurzem zum Bischof von Assisi ernannt hatte. Präfekt der Kongregation ist der aus Nigeria stammende Kardinal Francis Arinze. Die Ernennung eines Sri Lankischen Erzbischofs an die Stelle eines Italieners wird von Beobachtern als ein Zeichen für die Internationalisierung der Kurie gewertet. (rv)

 

 

17.12.05:

Papst Benedikt begrüßt Christbaum-Delegation aus Oberösterreich.

 

Es war eine herzliche Veranstaltung, zu der 900 Vertreter Oberösterreichs in den Vatikan gekommen waren. Freundlich richtete der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer seine Worte an Benedikt XVI. Es sei eine große Ehre für die Oberösterreicher, vom Papst in Audienz empfangen worden zu sein, sagte der Politiker: "Heiliger Vater, wären Sie 6,2 Kilometer südlicher auf die Welt gekommen, wären Sie ein Oberösterreicher. Ich wäre Ihr Landeshauptmann, aber ich vergönne diese Ehre dem Herrn Ministerpräsidenten Stoiber auch sehr."
Der Papst nahm die Vorlage des Landeshauptmanns dann durchaus auf. Nachdem er alle begrüßt hatte, erzählte er: "Ich bin zwar nicht von Marktl aus, wo wir nur kurz waren, aber von Tittmoning aus mit meiner guten Mutter und meinen Geschwistern ganz oft über die Brücke gegangen. Dann waren wir in Österreich und haben uns gefreut, dass wir in dieses Land gehen durften, das uns so nahe ist, mit dem wir uns in einer tiefen inneren geschichtlichen Einheit und Einheit des Herzens fühlten, so dass ich schon damals das Gefühl hatte: Dies ist keine Grenze, sondern eine Verbindung!"
Aber das waren nicht die einzigen Erinnerungen an Österreich, die der Papst heute zum besten gab: "Ich durfte dann zusammen mit meinen Geschwistern auch auf Einladung des großen Kirchenmusikers Kronsteiner, der beiden Brüder Kronsteiner, wiederholt schönste Urlaube im Petrinum in Linz verbringen; und Professor Kronsteiner hat uns Ausflüge rings in die Umgebung ermöglicht, so dass ich viele der unerschöpflichen Schönheiten von Oberösterreich und eben auch das Mühlviertel habe kennen lernen dürfen. Es sind für mich Erinnerungen, die mir das Herz warm machen und die mir das Bewusstsein geben, dass wir zueinander gehören und die mich vor allem froh machen, dass Sie zum zweiten Mal den Christbaum hier nach Rom bringen und so diese Verbundenheit wieder von Neuem sichtbar wird."
Österreich und der Heilige Stuhl seien schon seit langem aufs engste miteinander verbunden, unterstrich der Papst. Man merkte ihm an, dass ihm diese Audienz in der in der Fassade des Petersdoms gelegenen Benediktionsaula wirklich ein Anliegen war: "So möchte ich für diesen großen, schön gewachsenen und prachtvollen Baum danken, aber auch für die vielen kleinen Bäume, die Sie mitgebracht haben, die den Apostolischen Palast zieren werden. Auch in meiner Wohnung werden Eure Christbäume stehen, und ich werde mit Euren Christbäumen Weihnachten feiern und dabei immer das Gefühl haben, dass Sie mit dabei sind."
Doch nicht nur Bäume waren es, für die der Papst seinen Dank aussprach: Während der Audienz überreichte man ihm auch das Friedenslicht aus Bethlehem, das erst vor wenigen Tagen in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet worden war. Das Friedenslicht hatte auch beim Weltjugendtag in Köln eine besondere Rolle gespielt. Er danke, so Benedikt, "auch für die wunderbare Idee, das Licht aus Bethlehem zu holen und damit den eigentlichen, tiefsten Inhalt von Weihnachten, das in Christus aufgegangene Licht der Welt, sichtbar zu machen."
Das Licht hatte der elfjährige Jürgen Lengauer am vergangenen Montag in Bethlehem entzündet. Der Junge hatte seinen zweijährigen Bruder vor dem Ertrinken gerettet und ist daher dieses Jahr zum "Friedenslichtkind" erwählt worden - und er ist es auch, der die Lichter am Christbaum entzünden darf. Der Papst dankte den Oberösterreichern aber auch noch für andere Gaben: "für den Scheck, mit dem Sie mir helfen, anderen helfen zu können; für die Gestalt des heiligen Florian. Dieser große Heilige der Alten Kirche, der uns durch die Ausgrabungen wieder ganz nahe und ganz greifbar nahe geworden ist und der ja auch Bayern und Österreich auf besondere Weise miteinander verbindet, wobei er bei seinem Tod in der Enns noch gar nicht ahnen konnte, dass er dadurch zum Patron aller Feuerwehrleute werden würde, aber er macht's gern vom Himmel aus." (rv)

 

 

24.12.05:

Erstes Weihnachten für Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. wird in diesem Jahr erstmals den Weihnachtsfeiern im Vatikan vorstehen. Heute wird er im Petersdom die Mitternachtsmesse feiern. Am morgigen Ersten Weihnachtsfeiertag wird er mittags um zwölf von der Mittelloggia des Petersdoms aus seine Weihnachtsbotschaft verkünden und den traditionellen Segen „Urbi et orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) spenden. Beide Zeremonien werden per Radio und Fernsehen in alle Welt übertragen. (rv)

 

 

24.12.05:

Enzyklika wird im Januar veröffentlicht

Papst Benedikt XVI. wird morgen seine erste Enzyklika unterzeichnen. Die Veröffentlichung dieses ersten Lehrschreiben des Kirchenoberhaupts sei für Januar geplant, erklärte Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Die Enzyklika wird demnach nicht, wie mehrere Medien berichtet hatten, auf Vorschlag von Kurienmitarbeitern überarbeitet. Vielmehr wolle das Kirchenoberhaupt sie nicht gleichzeitig mit anderen Texten zu veröffentlichen. Navarro-Valls wies in diesem Zusammenhang auf die Botschaft zum Weltfriedenstag am ersten Januar und die Weihnachtsbotschaft hin. (rv)

 

 

25.12.05:

Zum ersten Mal Urbi et Orbi mit Papst Benedikt

 

"Erwache, o Mensch; denn für dich ist Gott Mensch geworden!" Das hat Papst Benedikt XVI. heute Mittag den Gläubigen auf dem Petersplatz und den Menschen in der ganzen Welt zugerufen. In seiner ersten Weihnachtsbotschaft forderte der Papst zum Kampf gegen Terrorismus, Armut, Wettrüsten, Epidemien und Umweltverschmutzung auf.
Es war das erste Mal, dass Benedikt XVI. seine Botschaft zu Weihnachten an die ganze Welt richtete. Von der Mittelloggia des Petersdomes aus, just von dem Ort aus, wo er vor acht Monaten sich zum ersten Mal als Papst den Menschen zeigte, unterstrich er die Bedeutung des Weihnachtsfestes. Auch für uns Menschen des dritten Jahrtausends sei dieses Fest die Einladung, den Retter aufzunehmen. "Möge die heutige Menschheit nicht zögern, ihn in ihre Häuser, in die Städte, die Nationen und in jeden Winkel der Erde eintreten zu lassen! Sicher, im Laufe des eben zu Ende gegangenen Jahrtausends, vor allem in den letzten Jahrhunderten, sind auf technischem und wissenschaftlichem Gebiet sehr viele Fortschritte gemacht worden, und wir können über umfangreiche materielle Möglichkeiten verfügen können. Der Mensch des technologischen Zeitalters ist jedoch in Gefahr, Opfer ebendieser Erfolge seiner Intelligenz und der Ergebnisse seiner Handlungsfähigkeit zu sein, wenn er sich auf eine geistliche Atrophie, auf eine Leere des Herzens zu bewegt."
Darum, so der Papst weiter, sei es wichtig, dass er sich mit seinem Geist und seinem Herzen diesem Heilsereignis der Geburt Christi öffne, das imstande ist, dem Leben eines jeden Menschen neue Hoffnung zu geben. "Erwache, o Mensch des dritten Jahrtausends! Zu Weihnachten wird der Allmächtige ein Kind und bittet um Hilfe und Schutz. Seine Art, Gott zu sein, versetzt unsere Art, Mensch zu sein, in Krise; sein Anklopfen an unsere Türen fragt uns an, richtet sich an unsere Freiheit und fordert uns auf, unser Verhältnis und unsere Einstellung zum Leben zu überdenken. Die Neuzeit wird häufig dargestellt als ein Erwachen der Vernunft aus dem Schlaf, als das Ans-Licht-Kommen der Menschheit, die aus dunkler Zeit emporsteigt. Ohne Christus reicht jedoch das Licht der Vernunft nicht aus, um den Menschen und die Welt zu erleuchten."
Der Papst erinnerte auch an das vor vierzig Jahren beendete Zweite Vatikanische Konzil. Und weiter appellierte er an den "modernen Menschen", der "erwachsen und doch zuweilen kraftlos im Denken und im Wollen" sei: "Lass dich vom Kind von Bethlehem an die Hand nehmen, fürchte dich nicht, vertraue ihm!"
Gottes Liebe, so Benedikt, lenke die Völker und erleuchte ihr gemeinsames Bewusstsein, eine "Familie" zu sein, die berufen ist, Beziehungen des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung aufzubauen. "Die geeinte Menschheit wird die vielen und besorgniserregenden aktuellen Probleme in Angriff nehmen können: von der terroristischen Bedrohung bis zu den Bedingungen beschämender Armut, unter denen Millionen von Menschen leben, von der Rüstungszunahme bis zu den Pandemien und der Umweltverschmutzung, die die Zukunft unseres Planeten bedroht."
Und dann sprach der Papst direkt die Unruheherde und Krisengebiete der Erde an: "Gott, der aus Liebe zum Menschen selbst Mensch geworden ist, stärke alle, die in Afrika für den Frieden und die vollständige Entwicklung arbeiten, indem sie Bruderkriege zu unterbinden suchen, damit sich die augenblicklich noch anfälligen politischen Übergangssituationen konsolidieren und die elementarsten Rechte derer gewahrt werden, die sich in tragischen humanitären Situationen befinden wie in Darfur und in anderen Regionen Zentralafrikas. Er bewege die Völker Lateinamerikas, in Frieden und Eintracht miteinander zu leben."
Gerade an Weihnachten, dem Fest der Geburt Christi in Bethlehem, richtete sich der Gedanke des Papstes natürlich auch in jene Richtung der Welt: "Den Menschen guten Willens, die im Heiligen Land, in Irak und im Libanon wirken, flöße er Mut ein; dort fehlen zwar die Zeichen der Hoffnung nicht, warten aber auf Bestätigung durch ein von Aufrichtigkeit und Weisheit bestimmtes Verhalten. Er fördere die Prozesse des Dialogs auf der koreanischen Halbinsel und andernorts in den asiatischen Ländern, damit nach Überwindung gefährlicher Uneinigkeiten in freundschaftlichem Geist die von den Bevölkerungen sehnlich erwarteten angemessenen Friedensschlüsse erreicht werden können."
An Weihnachten zeige sich die Botschaft der Liebe in einem Paradoxon: Der Schöpfer des Alls eingeschränkt in einem Neugeborenen. "In der Nacht von Bethlehem wird der Erlöser einer von uns, um auf den verfänglichen Wegen der Geschichte unser Begleiter zu sein. Ergreifen wir die Hand, der er uns entgegenstreckt: Es ist eine Hand, die uns nichts nehmen, sondern nur schenken will."
Im Anschluss an seine Weihnachtsbotschaft sprach der Papst Weihnachtswünsche in 33 Sprachen der Erde. Das sind weniger als sein Vorgänger; Benedikt XVI. möchte die Sprachen, die diesmal wegfielen, bei anderen Gelegenheiten zum Tragen bringen und so unter Umständen mehr Sprachen als bisher verwenden. Etwas enttäuschte Gesichter sah man bei den Vertretern der Kunstsprache Esperanto, die mit Transparenten auf dem Petersplatz aufgetaucht waren, in deren Sprache der Papst aber keine Grüße sagte.
In seiner Muttersprache, auf Deutsch, sagte Benedikt XVI.: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"
Und schließlich spendete Benedikt XVI. zum ersten Mal nach dem Tag seiner Wahl den Segen Urbi et Orbi - "der Stadt und dem Erdkreis" (rv)

 

 

28.12.05:

Papst Benedikt XVI. hat sich heute am Rand der Generalaudienz auch mit "Winnetou" getroffen

 

Der in seiner Rolle als Edel-Rothaut bekannt gewordene Schauspieler Pierre Brice nahm in der ersten Reihe an der Audienz des bayrischen Pontifex auf dem Petersplatz teil und hatte anschließend noch Gelegenheit, ein paar Worte mit dem Papst zu wechseln. Brice ist 76 Jahre alt. (rv)

 

 

30.12.05:

Navarro zieht Bilanz

 

Das Jahr 2005 war das Jahr der Päpste. Es war geprägt vom Leiden und vom Tod von Johannes Paul II. und dann von der Wahl und den ersten Amtshandlungen Benedikts XVI. Benedikt wahrt Kontinuität, betont immer wieder das Erbe seines Vorgängers. Manches bleibt, manches hat sich verändert - sagt Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls: "Natürlich gibt es Unterschiede im Stil, in den Persönlichkeiten, vielleicht gibt es auch - und wird es sie geben - Veränderungen in den pastoralen Schwerpunkten. Jeder Papst ist auch ein wenig von seiner Zeit abhängig, von den Anforderungen, von den spirituellen Bedürfnissen seiner Zeit."
Das Papsttum müsse immer im Zusammenhang von zwei Jahrtausenden gesehen werden. Das sei auch beim Weltjugendtag in Köln sichtbar geworden: "An den Reaktionen der Menschen, zum großen Teil Jungen und Mädchen, habe ich beobachtet, dass man die Theologie des Pontifikats sehen konnte. Soll heißen: ein universale Vaterschaft eines Papstes, die Einheit der katholischen Lehre durch die Zeit, von einer Person auf die andere übertragen."
Unvergessen sind aber auch für Navarro-Valls die Millionen von Pilgern, die nach dem Tod Johannes Pauls nach Rom strömten. "Es waren nicht nur die Massen, die große Zahl von Personen, die in diesen Tagen hier im Vatikan, auf dem Petersplatz zusammenströmten, es war die Intensität, die man an ihnen beobachten konnte, mit der sie sich bewusst wurden, dass sie einen wahrhaft religiösen Augenblick erleben. So betrachtet war es wirklich ganz außerordentlich."
Navarro-Valls hat den Übergang vom 263. zum 264. Nachfolger des Heiligen Petrus so hautnah miterlebt wie nur wenige andere. Bei manchen Pressekonferenzen konnte er bei aller Professionalität die Emotionen nur schwer verbergen. "Dass ich jeden Moment dieser letzten Tage von Johannes Paul II. mitverfolgt habe, hat mich - wie man es sich vorstellen kann - zutiefst getroffen. Und auch in den darauf folgenden Tagen die Kontakte mit dem Dekan des Kardinalskollegiums, dem damaligen Kardinal Ratzinger, und dann - wie für alle - die Überraschung, diesen Namen als neu gewählten Papst zu hören. Natürlich habe ich all diese Ereignisse mit großer persönlicher Anteilnahme verfolgt, die hinter der Informationsarbeit, wie sie das Presseamt leisten muss, auf bestimmte Art zurücktreten musste. Erst nach den Ereignissen konnte ich ein wenig reflektieren. In diesen intensiven Arbeitstagen war nicht viel Platz und Zeit über das nachzudenken, was passierte und was man mitteilen musste." (rv)

 

 

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