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Alle mit “rv” gekennzeichneten Berichte und Nachrichten, mit freundlicher Genehmigung von “Radio Vatikan” in Rom.

zu Radio Vatikan

 

 

1/2009

 

 

03.01.09

Papst Benedikt XVI. hat den Mainzer Kardinal Karl Lehmann in den Päpstlichen Medienrat berufen

Lehmann gehört schon zu mehreren Vatikan-Einrichtungen, u.a. zur wichtigen Kongregation für die Bischöfe sowie zum Päpstlichen Einheitsrat. (rv)

 

 

04.01.09

Vatikan: Ausblick auf das Jahr des Papstes

2009 - das Jahr Afrikas. Papst Benedikt XVI. und der Vatikan werden sich in diesem Jahr besonders mit den Bedürfnissen dieses Kontinents befassen. Das sollte Ansporn sein für viele, meint Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Sein Ausblick auf das Jahr 2009 des Papstes in diesem Beitrag von Stefan Kempis:
Für die große Welt da draußen war 2008 vor allem das Jahr der Finanzkrise – düster wie selten zuvor sind denn auch die Prognosen für das neue Jahr. Benedikt XVI. wird 2009 in einer seit langem erwarteten Sozialenzyklika wohl auch zu dieser Krise Stellung nehmen. Lombardi meint:

„Mir scheint es interessant, dass alle, ob gläubig oder nicht, sehr schnell begriffen haben, dass an der Wurzel dieser Wirtschaftskrise ethische Komponenten stehen. Es hat da eine Suche nach Reichtum über eine Finanzdynamik gegeben, die von der Produktion und der wirklichen Arbeitsleistung abgekoppelt war: Dafür wird nun die Rechnung präsentiert. Der Papst kommt häufig auf dieses Argument zurück; das zeigt nicht nur seine Anteilnahme an den Leiden und Schwierigkeiten, die so viele Menschen jetzt wegen dieser Krise durchmachen, sondern weist auch auf die Tatsache hin, dass die Wirtschaft umgebaut werden muss, um menschenwürdiger und solider zu werden, um also mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse des Menschen und seiner Würde zu nehmen. Und darum braucht die Wirtschaft – so betont der Papst – grundlegende Werte: für eine gleiche, solidarische, gerechte Entwicklung für alle.“

Im Jahr 2009 wollte Papst Benedikt eigentlich ins Heilige Land reisen; die Medien spekulierten in letzter Zeit schon über ein Datum, im Gespräch war der Mai. Die Bomben von Gaza in den Tagen nach Weihnachten zeigen aber, wie prekär solche Planungen sind. Pater Lombardi:

„Es ist offensichtlich, dass da verschiedene Punkte, bei denen Erwartungen geweckt werden, im Moment noch problematisch sind; man sollte eher etwas vorsichtig sein, wenn man auf dieses beginnende Jahr blickt.“

Sicher ist hingegen, dass der Vatikan im Jahr 2009 aufmerksam nach Afrika blicken wird. Nicht nur wegen der wichtigen Wahlen in Südafrika, sondern auch, weil Benedikt im März nach Kamerun und Angola reisen will und im Herbst dann eine bischöfliche Sondersynode für Afrika in Rom zusammentritt.

„Die Leiden so vieler Völker Afrikas sind groß: Erschreckende Massaker an Armen oder Hungersnöte wie im Moment in Simbabwe... Was können wir tun, um solche dramatischen Situationen künftig zu verhindern? Es geht darum, dass ein Kontinent mit großem Potential und großem Reichtum an Ressourcen – nicht nur materiellen, sondern vor allem menschlichen Ressourcen – endlich seinen Beitrag leisten kann für die Menschheit und die Kirche von heute und morgen. Das Engagement des Papstes gibt uns ein Beispiel: Wir alle sollten 2009 auf diesen Kontinent schauen!“ (rv)

 

 

12.01.09

Vatikan: Kardinal Laghi verstorben

Der italienische Kurienkardinal Pio Laghi (86) ist tot. Er starb nach Angaben des Vatikan in der Nacht zum Samstag in einem römischen Krankenhaus. Der Vatikandiplomat war zuletzt Präfekt der Bildungskongregation von 1990-1999. Zuvor vertrat er den Heiligen Stuhl u.a. als Delegat in Israel und den USA. Laghi hatte noch am Papstempfang für die römische Kurie vor Weihnachten teilgenommen. - Die Beerdigung findet am Dienstag um 11 Uhr in der Petersbasilika statt. Geleitet wird das Requiem vom Kardinaldekan Angelo Sodano. Papst Benedikt XVI. wird die Aussegnung vornehmen. - Von 1991 bis 1999 war Laghi Präfekt der Kongregation für das katholische Bildungswesen und damit für die wissenschaftliche Aus- und Fortbildung der rund 400.000 Priester weltweit sowie für die katholischen Universitäten und theologischen Hochschulen zuständig. - Nach Laghis Tod zählt das Kardinalskollegium 190 Mitglieder. Von diesen sind 116 jünger als 80 Jahre und dürften somit an einer Papstwahl teilnehmen. - Der am 21. Mai 1922 in der Emilia Romagna geborene Laghi begann nach Promotion und Ausbildung an der päpstlichen Diplomatenakademie seine Karriere 1952 als Sekretär an der Nuntiatur in Nicaragua. Eine erste große Herausforderung war 1969 der Dienst als Apostolischer Delegat in Jerusalem nach dem Sechs-Tage-Krieg. Ab 1974 bekleidete er den Botschafterposten in Argentinien zur Zeit der Militärjunta; 1980 ging er als Apostolischer Delegat in die USA. 1990 wechselte Laghi in die römische Kurie. Dort war er zunächst Pro-Präfekt und nach seiner Kardinalserhebung 1991 Präfekt der Bildungskongregation. 2001 entsandte Papst Johannes Paul II. den damals 79-Jährigen nach Israel und zu den Palästinenserbehörden, um eine persönliche Botschaft des Papstes zu überbringen und beide Seiten zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen zu ermutigen. (rv)

 

 

22.01.09

Patriarch Stephanos II. Ghattas verstorben

Der frühere koptisch-katholische Patriarch Stephanos Ghattas ist an diesem Dienstag im Alter von 89 Jahren in Kairo verstorben. Er war im Jahr 2006 als Altersgründen von seinem Amt zurückgetreten. Papst Johannes Paul II. hatte Ghattas im Jahr 2001 zum Kardinal berufen. Vor seiner Berufung ins Bischofsamt war Ghattas Professor für Philosophie und Theologie gewesen. Mit seinem Tod hat das Kardinalskollegium noch 189 Mitglieder, von denen 116 berechtigt sind, in einem Konklave den nächsten Papst zu wählen.

 

 

24.01.09

Vatikan: Exkommunikation aufgehoben

Erzbischof Marcel Lefebvre

Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation der vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. aufgehoben. Ein entsprechendes Dekret des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, hat der Vatikan an diesem Samstag bekannt gegeben. Der Papst reagiere damit auf ein entsprechendes Gesuch des Generalsuperiors der Gemeinschaft, heißt es darin.
Bischof Bernard Fellay hatte sich am 15. Dezember 2008 neuerlich an die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei” gewandt, die für die Aussöhnung mit traditionsorientierten Gruppen zuständig ist. In diesem Schreiben versicherte der Prälat auch im Namen der übrigen drei Bischöfe der Gemeinschaft, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta, „alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die katholische Kirche ist”, ihre Lehren zu akzeptieren und an den Primat Petri und seine Vorrechte zu glauben.
Die Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft bestand seit 21 Jahren. Die vatikanische Bischofskongregation hatte sie am 1. Juli 1988 festgestellt, einen Tag nach der unerlaubten Weihe der Bischöfe durch den Gründer der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre. Dieser argumentierte in der Folge, er habe aus einer Notlage heraus gehandelt, um den Glauben der Kirche zu bewahren.
Benedikt XVI. habe beschlossen, die kirchenrechtliche Situation der Bischöfe zu überdenken, weil er ihrem „spirituellen Unbehagen” infolge der Strafe der Exkommunikation mit „väterlicher Einfühlsamkeit” begegne, heißt es in dem Dekret. Auch glaube er ihren schriftlichen Versicherungen, mit den Autoritäten des Heiligen Stuhles ernsthaft über die bestehenden Differenzen reden zu wollen, um „bald zu einer vollen und zufrieden stellenden Lösung des zugrunde liegenden Problems” gelangen zu können.
Mit der Aufhebung der Exkommunikation wolle man den Beziehungen zu der Bruderschaft „Stabilität geben”. Dieses „Geschenk des Friedens” zum Ende der Weihnachtszeit solle auch ein Zeichen sein, die „Einheit in der Barmherzigkeit der Universalkirche” zu fördern und „den Skandal der Spaltung” zu überwinden, heißt es in dem Dokument.(rv)

 

 

24.01.09

„Holocaust-Leugnung inakzeptabel”

 

Die Äußerungen des britischen lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson zum Holocaust sind „in keiner Weise akzeptabel”. Das sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi am Tag der Veröffentlichung des Dekrets, das die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft – darunter Williamson - aufhebt. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender SVT bestritten, dass die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden ermordet haben. Die Rücknahme der Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. stehe aber mit den Äußerungen des Traditionalistenbischofs in keinem Zusammenhang, stellte Lombardi klar. Die Aussagen des Bischofs waren auf breite Kritik gestoßen. Auch die Staatsanwaltschaft im deutschen Regensburg ermittelt in dieser Angelegenheit. Der Obere der lefebvrianischen Piusbruderschaft in Stuttgart, Franz Schmidberger, ließ nach Bekanntwerden des Interviews auf der Website der Priesterbruderschaft verlauten, „dass für Äußerungen, wie sie Bischof Williamson angeblich gemacht hat, nur der Urheber selber verantwortlich ist und diese nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln”. Bischof Bernard Fellay, der Obere der Priesterbruderschaft St. Pius X., stellte in einem Schreiben an den schwedischen Sender klar, dass es sich um eine „Privatmeinung” Williamsons handle, und kritisierte das Vorgehen der Redaktion, den Bischof zu historischen Themen zu befragen. (rv)

 

 

27.01.09

Vatikan: Programmpunkte für Afrika

Papst Benedikt XVI. bereist von 17. bis 23. März 2009 Kamerun und Angola. Der Heilige Stuhl bestätigte an diesem Montag die genauen Daten und gab erste Eckpunkte des Programms bekannt.
Demnach fliegt der Papst am Dienstag, den 17. März um 10 Uhr nach Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, wo er um 16 Uhr erwartet wird und noch am Flughafen eine Begrüßungsrede hält. Tags darauf stattet er dem Präsidenten der Republik einen Höflichkeitsbesuch ab und trifft sich im Anschluss mit den Bischöfen Kameruns in der örtlichen Christkönigs-Kirche. In der Nuntiatur, wo der Papst – wie gewöhnlich auf seinen Reisen, soweit sie Hauptstädte berühren – auch nächtigen wird, findet ein gemeinsames Mittagessen mit den Bischöfen statt. Es folgt eine Vesper mit Priestern, Ordensleuten und Vertretern anderer christlicher Kirchen. Auch dabei wird Benedikt eine Ansprache halten.
Am Donnerstag steht in der Nuntiatur ein Treffen mit Vertretern der Muslimischen Gemeinschaft Kameruns auf dem Programm. Danach begibt sich der Papst in das Fußballstadion der Hauptstadt (Fassungsvermögen: 70.000 Zuschauer) zu einem großen Gottesdienst, mit dem auch die Veröffentlichung des „Instrumentum Laboris“ für die II. Afrika-Bischofssynode im Herbst 2009 feierlich begangen wird. Am Nachmittag besucht Benedikt Kranke im kirchlichen Pflegezentrum „Kardinal Paul-Émile Léger“ und hält dabei eine Rede. Zurück in der Nuntiatur geht es weiter mit Ausblicken auf die Afrika-Synode: Der Papst spricht zu den Angehörigen des Vorbereitungskomitees, die auch zum Abendessen bleiben.
Am Vormittag des 20. März bricht der Papst mit dem Flugzeug nach Luanda, in die Hauptstadt Angolas, auf. Nach dem Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Republik ist ein Treffen mit politischen Autoritäten und mit Vertretern des diplomatischen Korps anberaumt. Am Abend widmet sich Benedikt den Bischöfen Angolas und Sao Tomés.
Zwei Begegnungen mit dem Papst hält der Samstag bereit: Am Vormittag feiert Benedikt eine Messe mit den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, kirchlichen Bewegungen und Katecheten des Landes in der Kirche Sao Paolo in Luanda. Am Nachmittag trifft er sich mit Jugendlichen im Coquerios-Stadion von Luanda.
Bei der großen Freiluft-Messe am Sonntag auf dem Cimangola-Feld in Luanda werden die Bischöfe der „Versammlung der Interregionalen Assoziation der Bischöfe des Südlichen Afrika“ (IMBISA) konzelebrieren. Mit katholischen Frauenverbänden trifft sich Benedikt Sonntagnachmittag in der Pfarrei Santo Antonio in Luanda. Montagvormittag geht es für das Kirchenoberhaupt wieder zurück nach Rom. Die Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Luanda ist für 10 Uhr eingeplant, die Ankunft in Rom-Ciampino für 18 Uhr. (rv)

 

 

31.01.09

Vatikan: „Nichts gewusst“

Bis zum letzten Moment habe der Vatikan „absolut nichts“ von der Holocaust-Leugnung des britischen Lefebvre-Bischofs Richard Williamson gewusst. Dies sagte der Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, Kardinal Darío Castrillón Hoyos, am Donnerstag gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“. Hoyos hatte die Verhandlungen mit den Lefebvrianern vor der Aufhebung der Exkommunikation geführt. Bei Bekanntwerden des Interviews mit Williamson sei das Dekret bereits an die Lefebvre-Bischöfe überreicht gewesen, so der Kurienkardinal.
Unterdessen legte Vatikansprecher P. Federico Lombardi nochmals dar, dass eine Leugnung der Shoah völlig inakzeptabel sei. „Wer die Shoah leugnet, weiß nichts vom Geheimnis Gottes“, sagte Lombardi in seinem Editorial für Radio Vatikan. Von dieser erschreckenden „Demonstration der Macht des Bösen“ werde der Glaube an die Existenz Gottes herausgefordert. Umso schwerwiegender sei es, so Lombardi, wenn die Holocaust-Leugnung aus dem Munde eines Priesters oder Bischofs komme.

„Der Papst hat in der jüngsten Generalaudienz die tiefgehende Betrachtung anlässlich seines Besuchs im Konzentrationslager Auschwitz wieder aufgenommen. Er hat nicht nur jede Form des Vergessens oder der Leugnung der Tragödie der Vernichtung von sechs Millionen Juden verurteilt, er hat gleichzeitig an die dramatischen Fragen erinnert, die diese Ereignisse an das Gewissen eines jeden Menschen und jedes Gläubigen stellen.“

Der Papst habe nach dem „Warum?“ gefragt, nach dem Grund für das scheinbare Schweigen und die Abwesenheit Gottes.

„Mit diesem doppelten Geheimnis konfrontiert - die schreckliche Gewalt des Bösen auf der einen und die scheinbare Abwesenheit Gottes auf der anderen Seite ist die letzte Antwort des christlichen Glaubens die Passion des Sohnes Gottes. … Wir können und dürfen diese Fragen nicht meiden und noch weniger sie leugnen. Unser Glauben ist sonst trügerisch und leer.“ (rv)
 

Deutschland: Zollitsch und Müller verärgert
Wenn der britische Traditionalistenbischof Richard Williamson zur katholischen Kirche gehören will, müsse er seine Äußerungen zum Holocaust zurücknehmen und sich entschuldigen. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag vor Journalisten. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bedauerte bei einem Besuch der Synagoge in Mannheim zugleich, dass sich der Vatikan vorab offenbar nicht besser über Williamson informiert habe. Mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland wolle er weiter Kontakt halten, sagte Zollitsch nach der Ankündigung der Zentralratsvorsitzenden Charlotte Knobloch, unter solchen Voraussetzungen könne es derzeit keine Gespräche geben. Eine Entschuldigung des Holocaust-Leugners reiche nicht aus, erklärte Knobloch an diesem Freitag in München. Der Zentralrat erwarte jetzt ein „klares Signal aus dem Vatikan“.
Zollitsch:

„Ich verstehe die Enttäuschung von Charlotte Knobloch. Doch ich persönlich bin von meiner Geschichte her ein Mensch, der prinzipiell nie Brücken abbricht. Ich versuche vielmehr neue Brücken zu bauen. Deshalb werde ich von meiner Seite versuchen, Brücken zu bauen.“

Auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigt den Papst: Die Aufhebung der Exkommunikation gegen den Traditionalisten-Bischof habe nichts mit dessen skandalösen Äußerungen zu tun, sagte er dem Kölner Domradio.

„Ich bin verärgert, dass man nun den Papst kritisiert und nicht die Worte Williamsons. Denn es ist ganz klar, dass der Täter dieser Geschichte Williamson ist und nicht der Papst. Es ist ein unglücklicher Zufall von zwei voneinander unabhängigen Vorgängen. Wenn man die Kaltschnäuzigkeit sieht, mit der Williamson über das Leiden von Millionen von Menschen – Kindern und Erwachsenen – sprach, dann steigt die Zorneswut heiß ins Gesicht. Es ist einfach unerträglich, dass jemand der – wenn auch illegal – zum Bischof geweiht worden ist und somit Nachfolger der Apostel und Verkündiger des Evangeliums ist, eine solche unglaubliche Position vertritt.“ (rv)
 

Kirchenrechtler über Piusbruderschaft: „Zum Teil sehr anmaßende Töne“
„Meine Rechtsauffassung ist, das die vier Bischöfe weiterhin suspendiert bleiben“. Das sagte der Münchner Kirchenrechtsprofessor Pater Stephan Haering OSB im Interview von Radio Vatikan. Seiner Einschätzung nach muss die Piusbruderschaft jetzt nicht nur theologische Klärungen mit dem Vatikan suchen, sondern dabei auch ihren anmaßenden Ton ändern. (rv)

 

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2/2009

 

 

02.02.09

Kardinal Kasper sieht „Fehler im Management der Kurie”

Der Vatikan-Verantwortliche für das Gespräch mit anderen christlichen Konfessionen und mit dem Judentum beklagt mangelnde Kommunikation im Vatikan, was die Exkommunikation von Lefebvre-Bischöfen betrifft. „Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten”, meinte Kardinal Walter Kasper im Gespräch mit Radio Vatikan. Von Moskau aus, wo er an den Feiern zum Amtsantritt des orthodoxen Patriarchen Kyrill teilgenommen hat, sagte Kasper am Montag, er sehe die derzeitige Debatte „mit großer Besorgnis”. Im „Management der Kurie” seien Fehler gemacht worden.
Gegenüber Radio Vatikan sagt Kardinal Kasper:

„Ich beobachte die Debatte mit großer Besorgnis: Niemand kann sich darüber freuen, dass Missverständnisse aufgetreten sind. Es sind sicher auch Fehler gemacht worden im Management der Kurie – das will ich ganz ausdrücklich sagen. Aber in der Substanz heißt die Aufhebung dieser Exkommunikationen ja nur, dass man sozusagen ein Hindernis weggenommen hat, damit man nun eintreten kann in das Gespräch mit der Lefebvre-Bewegung, über eine ganze Reihe von theologischen Fragen. Soweit ich das beurteilen kann, wird es kein leichtes, sondern ein schwieriges Gespräch sein – sowohl über die Ökumene wie über den interreligiösen Dialog wie über die Eucharistie oder die Religionsfreiheit… Es sind viele Fragen da zwischen uns und ihnen. Der Papst wollte das Gespräch eröffnen, weil er die Einheit nach innen will und nach außen. Wir hoffen, dass es nun zu einem guten Gespräch kommt, aber es kann keine Rede davon sein, dass diese Lefebvre-Bischöfe jetzt schon in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche sind. Sie sind nach wie vor suspendiert. Wir hoffen, dass wir jetzt ein ernsthaftes Gespräch eröffnen, wobei sie vor allem Schritte des Entgegenkommens machen müssen.”

Ob es im Vatikan manchmal an interner Kommunikation mangelt, meint Kardinal Kasper:

„Ich bin der Meinung: Ja. Ich muss das ganz offen sagen. Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht mehr abgecheckt, wo die Probleme auftreten können. Es hintendrein zu erklären, ist natürlich immer viel, viel schwieriger, als wenn man das gleich gemacht hätte. Ich hätte mir auch mehr Kommunikation vorher gewünscht.” (rv)
 

Klare Worte: Deutschsprachige Bischöfe zu Papst und Lefebvre
Bischöfe im deutschsprachigen Raum bemühen sich in der Debatte um Papst und Lefebvre-Anhänger um Schadensbegrenzung. Hören Sie bei uns einen Beitrag von Stefan Kempis mit Kommentaren des Wiener Kardinals Christoph Schönborn und des deutschen Erzbischofs Robert Zollitsch. Beide leiten die jeweilige Bischofskonferenz ihres Landes. (rv)
 

Deutschland: Maier, „Einheit um einen hohen Preis“
Der Vatikan hätte vor der Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe die nationalen Bischofskonferenzen einbeziehen müssen. Das sagte der Religionsphilosoph und frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Maier, an diesem Montag gegenüber Radio Vatikan. Die derzeitige Krise hätte vermieden werden können, wären mehr Menschen an der Entscheidung beteiligt gewesen, so Maier im Gespräch mit Birgit Pottler.

„Es ist ein unverzeihlicher Fehler, auch ein politisch handwerklicher Fehler, dass man diejenigen Bischofskonferenzen, wo die meisten Leute der Bruderschaft leben, also die schweizerisch, deutsche und französische nicht vorher unterrichtet wurde; daher auch die Hilflosigkeit in den Äußerungen der Bischöfe, daher auch das Stimmengewirr, das aus Rom kam. Auch Kardinal Walter Kasper hat ja deutlich diese Holocaust-Leugnung kritisiert und verurteilt, auch der Papst hat das klar gestellt. Aber wenn das so ist, warum hat man nicht früher eine breitere Einigung, einen Konsens über diese Fragen herbeigeführt? Eine so wichtige und entscheidende Frage muss in einem größeren Kreis behandelt werden.“ (rv)
 

Kommentar: „Missverständnis und Debakel”
Missverständnisse und mangelnde Professionalität – ein Kommentar vom Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen SJ, zur aktuellen Diskussion um Richard Williamson und die Beweggründe von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation gegen die Lefebvre-Bischöfe aufzuheben:

„Papst Benedikt ist in eine äußerst schwierige Situation geraten. Seine besten Absichten, das Schisma mit den Lefebvre-Anhängern zu beheben, wird missverstanden und wurde vom Vatikan unprofessionell bekannt gegeben. Viele Katholiken sind von Papst Benedikt enttäuscht, weil sie den Eindruck haben, er komme einer faschistischen Gruppe zu weit entgegen.
Dabei steht Papst Benedikt, wie er oft gesagt hat, voll hinter dem Zweiten Vatikanum, voll und ganz hinter Religionsfreiheit, hinter dem Dialog mit den Juden, und voll zur Ökumene. Er verurteilt Antisemitismus. Sein eigentliches Grundanliegen ist die Rettung der christlichen Wurzeln unserer Kultur. Offenbar gibt es im Vatikan Organisations- und Kommunikationsmängel.
Hier bei Radio Vatikan kann ich eigentlich nur noch sagen: Beten Sie für den Papst und seinen Stab. Ein solches Missverständnis und Debakel darf nie wieder passieren.” (rv)

 

 

04.02.09

Vatikan: „Papst kannte Williamson-Äußerungen nicht“; Williamson muss widerrufen

Der Papst hat die Äußerungen von Bischof Richard Williamson zur Holocaust-Leugnung zum Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation nicht gekannt. Das stellte am Mittwochnachmittag das Vatikanische Staatssekretariat klar. Bevor Williamson in der Kirche seinen bischöflichen Dienst ausüben darf, müsse er sich auf unzweideutige und öffentliche Weise von seinen Stellungnahmen zur Shoah distanzieren.
Wir dokumentieren hier die Erklärung aus dem Staatssekretariat in einer eigenen Arbeitsübersetzung:
Angesichts der Reaktionen, die das jüngste Dekret der Bischofskongregation auslöste, in dem die Exkommunikation gegen vier Bischöfe der Bruderschaft Pius X. aufgehoben wurde, und mit Blick auf die negationistischen oder reduktionistischen Erklärungen des Bischofs Williamson von der genannten Bruderschaft zur Shoah, halten wir es für opportun, einige Aspekte der Angelegenheit klarzustellen.
1. Aufhebung der Exkommunikation
Wie schon früher betont, war das Dekret der Bischofskongregation vom 21. Januar 2009 ein Akt, mit dem der Heilige Vater großzügig wiederholten Bitten des Generaloberen der Bruderschaft Pius X. entgegen kam.
Seine Heiligkeit wollte ein Hindernis für die Öffnung einer Tür zum Dialog beseitigen. Er erwartet sich jetzt, dass die vier Bischöfe eine vergleichbare Bereitschaft ausdrücken, durch völlige Übernahme der Lehre und Disziplin der Kirche.
Die schwerwiegende Strafe der Exkommunikation „latae sententia“, die die genannten Bischöfe sich am 30. Juni 1988 zugezogen hatten und die am 1. Juli desselben Jahres formell erklärt worden war, war eine Folge ihrer illegalen Weihe durch Bischof Marcel Lefebvre.
Die Aufhebung der Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer schwerwiegenden kanonischen Strafe befreit, hat aber nicht die juridische Lage der Bruderschaft St. Pius X. geändert, die sich gegenwärtig keiner kanonischen Anerkennung in der katholischen Kirche erfreut. Auch die vier Bischöfe haben, auch wenn ihre Exkommunikation aufgehoben ist, keine kanonische Funktion in der Kirche und üben in ihr kein berechtigtes Amt aus.
2. Tradition, Lehre und Zweites Vatikanisches Konzil
Für eine künftige Anerkennung der Bruderschaft St. Pius X. ist die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramts der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI. eine unerlässliche Bedingung.
Wie schon im Dekret vom 21. Januar 2009 betont wurde, wird es sich der Heilige Stuhl nicht nehmen lassen, mit den Betreffenden auf die für opportun erachtete Weise die noch offenen Fragen zu vertiefen, um zu einer vollständigen und zufrieden stellenden Lösung der Probleme zu kommen, die zu diesem schmerzhaften Bruch geführt haben.
3. Äußerungen über die Shoah
Die Stellungnahmen von Bischof Williamson zur Shoah sind absolut inakzeptabel und sind vom Heiligen Vater klar zurückgewiesen worden, wie er selbst am vergangenen 28. Januar hervorgehoben hat, als er mit Bezug auf diesen furchtbaren Völkermord seine volle und nicht hinterfragbare Solidarität mit unseren Brüdern bekräftigt hat, denen der Erste Bund gilt. Er hat betont, dass die Erinnerung an diesen schrecklichen Genozid die „Menschheit dazu bringen muss, nachzudenken über die unvorhersehbare Gewalt des Bösen, wenn es das Herz des Menschen erobert“, und fügte hinzu, die Shoah bleibe „für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder den Reduktionismus, denn die Gewalt gegen einen einzigen Menschen ist Gewalt gegen alle“.
Bischof Williamson wird, um zu bischöflichen Funktionen in der Kirche zugelassen zu werden, auch auf absolut unzweideutige und öffentliche Weise auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Shoah gehen müssen – Stellungnahmen, die der Heilige Vater im Moment der Aufhebung der Exkommunikation nicht kannte.
Der Heilige Vater bittet alle Gläubigen um Begleitung im Gebet, damit der Herr den Weg der Kirche erleuchte. Möge der Eifer der Hirten und aller Gläubigen wachsen, um die heikle und schwere Mission des Nachfolgers des Apostels Petrus als „Hüter der Einheit“ in der Kirche zu unterstützen.
Aus dem Vatikan, am 4. Februar 2009. Übersetzung: Stefan von Kempis (rv)

Vatikan/Deutschland: Lombardi weist Kritik zurück
Nachdem vor allem im deutschen Sprachraum die Kritik an einem vermeintlichen Schweigen des Papstes immer lauter wurde, hatte sich am Dienstagabend zunächst Vatikansprecher Pater Federico Lombardi eingeschaltet. Der Papst habe Aussagen, die den Holocaust leugnen, mehrmals unmissverständlich verurteilt, stellte Lombardi auf Deutsch und Italienisch klar. Der Vatikansprecher erinnerte an die Papstworte in der Kölner Synagoge 2005, im Konzentrationslager Auschwitz 2006 und zuletzt bei der Generalaudienz am 28. Januar dieses Jahres. Die deutlichen Worte des Papstes galten auch Bischof Richard Williamson, präzisierte Lombardi und zitierte:

„Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung…“

Lombardi weiter: „Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, konnte nicht klarer sein, und aus dem Kontext erschließt sich, dass diese sich auch auf die Positionen von Bischof Williamson und alle ähnlichen Positionen bezogen.“

Die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft, zu denen auch der umstrittene Bischof Williamson gehört, habe nichts mit einer Legitimierung von Aussagen zu tun, die den Holocaust leugnen, betonte Lombardi weiter. Benedikt verurteile jede Leugnung der Shoah auf das Schärfste.

Damit reagierte Lombardi auch auf die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel an der Haltung des Papstes in der Diskussion um den Umgang mit dem Holocaust. Die Kanzlerin hatte Benedikt XVI. am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in Berlin zu einer eindeutigen Stellungnahme aufgefordert. Wörtlich sagte Merkel:

„Es ist im allgemeinen nicht an mir, innerkirchliche Entscheidungen zu bewerten oder zu kommentieren. Allerdings ist das anders, wenn es um Grundsatzfragen geht. Und ich glaube es ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entsteht, dass es die Leugnung des Holocausts geben könnte, und dass es auch um grundsätzliche Fragen des Umgangs mit dem Judentum geht. Deshalb darf das nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben. Das ist nach meiner Auffassung auch nicht nur eine Angelegenheit der christlichen Gemeinden, der katholischen Gemeinden in Deutschland und der jüdischen Gemeinden, sondern es geht darum, dass von Seiten des Papstes und von Seiten des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann und dass es natürlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“

Ermutigend fände sie aber die vielen Stimmen aus der katholischen Kirche, die seitens des Vatikans eine deutliche Distanzierung von den Positionen des Holocaust-Leugners Williamson forderten, betonte Merkel weiter. Zustimmung erhielt Merkel von der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Dem Berliner Inforadio sagte Süssmuth, es bestehe ein massiver Widerspruch zwischen der Grundeinstellung des Papstes und seinem Handeln im Fall Williamson. Merkel sei daher moralisch verpflichtet gewesen, sich in die Debatte einzuschalten. - Mit ihrer Kritik am Papst stieß die Kanzlerin jedoch nicht nur auf Gegenliebe. Gegenstimmen kamen aus den Reihen der katholischen Bischöfe, aber auch aus der Union. (rv)

 

 

05.02.09

Eine Klarstellung aus der Redaktion

 

Unser Redaktionsleiter P. Eberhard von Gemmingen stand (und steht) in diesen Tagen Dutzenden deutschsprachigen Medien Rede und Antwort zur Debatte nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Piusbruderschaft. Einige Medien haben eine Aussage Pater Gemmingens sinnentstellend wiedergegeben. So schreibt etwa die „Süddeutsche Zeitung“ im Untertitel zu einem ihrer Artikel: „Während der Papst offenbar verärgert auf die offene Kritik aus Deutschland reagiert, vermutet ein Leiter von Radio Vatikan sogar Rücktrittsgedanken bei Benedikt.“ Dieser Untertitel interpretiert eine Pressemitteilung des Radiosenders NDR Kultur, der Pater Gemmingen interviewt hatte. In diesem Gespräch sagte unser Redaktionsleiter auf die Frage, ob in der aktuellen Lage ein Rücktritt des Papstes denkbar sei, wörtlich:

"So wie ich den Papst kenne, hat dieser in seinem Herzen möglicherweise schon mal gedacht: 'Irgendwann muss ich vielleicht zurücktreten, damit das Petrusamt gut wahrgenommen wird.’ Also ich glaube nicht, dass er so lebt und denkt wie sein Vorgänger, der sagte, ein Papst tritt nicht zurück, weil Benedikt weniger mystisch und mehr theologisch ist und sagt, Petrus muss funktionieren können. In diesem Sinn glaube ich, dass er durchaus den Rücktritt nicht ausschließt. Allerdings glaube ich nicht, dass er den Rücktritt erwägen würde, um einem Problem aus dem Weg zu gehen, um zu sagen, das ist mir zu kompliziert, ich bin zu alt, um das zu lösen. Das glaube ich wiederum nicht, weil er dann sagt, ich will nicht meinem Nachfolger ein solches Problem aufladen.“ (rv)

 

 

06.02.09

Lefebvrianer auf Kollisionskurs – Sarkozy entsetzt über Shoah-Leugnung

Die Priesterbruderschaft Pius X. bleibt offenbar auf Konfrontationskurs zur katholische Kirche. Trotz der Suspendierung durch den Vatikan plant die Gruppe anscheinend neue Priesterweihen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach Angaben der Zeitung habe einer der vom Papst begnadigten Bischöfe, der Schweizer Bernard Fellay, für Ende Juni neue Priesterweihen angekündigt. Der Bischof, der diese Weihen durchführt, könnte sich dadurch laut Kirchenrecht automatisch wieder die Exkommunikation zuziehen. Fellay ist Leiter der Bruderschaft, in der sich die Anhänger des abtrünnigen Erzbischofs Marcel Lefebvre sammeln. Bereits am Sonntag soll Fellay in der Nähe von Regensburg auch schon so genannte „niedere Weihen“ vorgenommen haben. Die Angaben der Zeitung sollen an diesem Nachmittag von der Bruderschaft bestätigt worden sein.
Fellay ist wie die anderen drei Traditionalisten-Bischöfe weiterhin vom priesterlichen Dienst in der katholischen Kirche suspendiert. Die Piusbruderschaft ist vom Vatikan nicht anerkannt. Der Trierer Kirchenrechtler Peter Krämer wertete die Weihehandlung als Zeichen dafür, dass die abtrünnigen Bischöfe nicht gewillt seien, sich der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen. Insbesondere die geplante Priesterweihe sei ein Akt „bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes“. Der Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke bezweifelte, dass es den Traditionalisten tatsächlich um eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche gehe. Mit der Rücknahme der Exkommunikation hätten sie vielmehr den Wegfall eines Hemmnisses erreicht, das ihnen den Zulauf ultrakonservativer Katholiken bisher erschwert habe.
Unterdessen nahm der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft, Franz Schmidberger, den Ausdruck „Kinderschänder“ für den Propheten Mohammed „mit großem Bedauern“ zurück. Zur Begründung betont Schmidberger in einer Erklärung, diese Wortwahl sei geeignet, „Muslime in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen“. Mit einem Statement, das an diesem Freitag veröffentlicht wurde, setzt sich Schmidberger außerdem gegen viele verzerrende Berichte über die Priesterbruderschaft zur Wehr. Es sei zu manchmal geradezu bösartigen Angriffen gekommen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist schockiert über die Leugnung der Shoah durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson. Es sei „unerträglich und unfassbar“, dass solche Äußerungen „im 21. Jahrhundert noch möglich sind“, meinte Sarkozy im französischen Fernsehen. (rv)

Lefebvrianer: Ein eher rechtes Weltbild
Wer sind die Pius-Brüder, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie, wofür stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den unsäglichen Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Jozef Niewiadomski ist Professor für Dogmatik und Dekan der Katholischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Er will nicht alle Lefebvre-Anhänger unter rechtsextremen Generalverdacht stellen.
Dazu sagte er:

„Es ist aber sicher so, dass das Weltbild der Pius-Bruderschaft, gestärkt vor allem durch einzelne Aussagen von Erzbischof Marcel Lefebvre und die späteren Veröffentlichungen, doch ziemlich in rechte Kreise bis hin zu rechtsradikalen Kreisen hineinreicht. Ich würde schon sagen, dass es in der Pius-Bruderschaft immer noch die Ideen gibt, die moderne Prinzipien wie Menschenrechte, wie Toleranz, wie Achtung vor jedem anderen Menschen – auch anderen Religionen – ablehnen, und den extremen Antisemitismus. In den letzten Jahren hat man immer wieder einzelne Mitglieder der Pius-Bruderschaft auch im Kontext von rechtsgerichteten politischen Gruppierungen gesehen, etwa bei Le Pen. Ich finde, die ganze Auseinandersetzung macht uns auf irgendetwas sehr deutlich aufmerksam...“

Die Debatte dieser Tage findet Niewiadomski letztlich heilsam: Sie mache darauf aufmerksam, dass das Thema Lefebvrianer nicht nur liturgische, sondern auch politische Facetten habe. Eine volle Rückkehr der Pius-Bruderschaft in die Kirche vermag er sich nicht ganz vorzustellen.

„Als gläubiger Mensch sage ich: Man soll dem göttlichen Geist keine Grenzen setzen und an die Bekehrungsbereitschaft und -fähigkeit eines jeden glauben. Wenn ich mir allerdings die ersten Reaktionen anschaue, die auf die Aufhebung der Exkommunikationen von einzelnen Mitgliedern der Pius-Bruderschaft bereits gekommen sind und den Tenor haben ,Nicht wir werden umdenken, sondern wir werden dazu beitragen, dass die Kirche umdenkt’ – dann bin doch ein bisschen skeptisch.“ (rv)
 

Deutschland: Genn fragt „Wes Geistes Kind seid ihr?“
„Mit dem, was am Leidvollsten ist“ hat der ernannte Bischof von Münster, Felix Genn, seine erste Pressekonferenz an diesem Freitag dort begonnen: mit diesen „unseligen – eigentlich unter meiner Würde sie zu kommentieren – Äußerungen zum Holocaust“.
Der Papst habe in der Frage des Verhältnisses zum Judentum „so viele Zeichen gesetzt“,

„dass man überhaupt nicht daran denken kann, dass er ein Antisemit ist, oder die Beziehungen zum Judentum kappen will. Wenn er nach Israel fahren sollte, wird es sicher noch einmal einen starken Akzent in dieser Richtung geben.“

Er sei überzeugt, so Genn,

„dass Benedikt nichts von den Äußerungen Williamsons gewusst hat“.

Im Vatikan müsse man sich jetzt fragen, wie es dazu kommen konnte, dass „das Image des Papstes und des Papsttums so angegriffen“ wurde. Der Leiter einer Behörde müsse sich auf den Dienst seiner Mitarbeiter verlassen können.

„Ich leite ja selbst eine Behörde und weiß ja auch nicht alles, was in meinen Abteilungen geschieht. Ich muss ja auch gar nicht alles wissen, sondern ich verlasse mich darauf, dass meine engsten Mitarbeiter ihre Verantwortungsbereiche wahrnehmen und zwar ordentlich wahrnehmen und dass mein Dienst als Bischof nicht beschädigt wird.“

Die Holocaust-Leugnung Williamsons habe ein „hochsensibles Kapitel“ berührt, „das in unserem Volk immer noch nicht aufgearbeitet ist“. Im Umgang mit der Piusbruderschaft müsse man jetzt die Frage stellen, „wes Geistes Kind seid ihr eigentlich?“ Genn bekennt, dass auch er sich bislang nicht intensiv mit den Positionen der Lefebvre-Anhänger auseinandergesetzt habe.

„Was da zu Tage tritt, habe ich in der Weise nicht gewusst, und das hat mich auch in der Weise nicht berührt. Ich habe gedacht, das sind Schismatiker... Aber jetzt, nachdem die Exkommunikation aufgehoben ist, müssen sie zeigen, dass sie wirklich so päpstlich sind, dass sie alle von einem Papst unterzeichneten Dokumente des II. Vatikanums auch anerkennen. Sie sagen ja, dass sie den Papst anerkennen, jetzt will ich sehen, was geschieht... Sie können ja nicht sagen, die einen Dokumente sind päpstlich, die anderen nicht.“

Der aktuellen – zunächst schwer verständlichen – Debatte kann der Bischof bei allem vordergründigen Schaden für das Ansehen der katholischen Kirche daher auch Positives abgewinnen. Sie kläre letztendlich die Stellung der Piusbruderschaft.

„Jetzt kann man ihnen auf die Finger schauen. Das was ich jetzt von ihnen lese, ist so horrend – das kann auch dazu führen, dass man sagt, jetzt ist Schluss: Wir sind hier, und ihr bleibt da. Auch dazu kann es kommen. Dann ist der Schnitt aber eindeutig.“

Die bisherigen Äußerungen und Reaktionen der Piusbruderschaft trügen nicht zur Aussöhnung bei.

„Vielleicht war es notwendig, dass das ganze Durcheinander hochkam, damit man jetzt sagen kann: ,Liebe Piusbruderschaft, ihr habt lange genug in der Ecke gestanden, wir sind euch jetzt entgegen gekommen, ihr habt um Aufhebung der Exkommunikation gebeten, das haben wir euch gewährt.’ Wer das entsprechende Dekret liest, sieht, dass da noch viele offene Fragen sind, sieht, dass gesagt wird, es muss verhandelt werden. ,Wenn ihr euch aber so benehmt, dann geht das nicht.’ Es kann doch nicht einer, der den Holocaust leugnet im Ernst daran denken, dass er Bischof der katholischen Kirche wird.“ (rv)
 

Die Debatte geht weiter
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat am Freitag neuerlich betont, dass die Haltung der katholischen Kirche zum jüdischen Volk in der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ eindeutig und verbindlich festgelegt ist. Diese Festlegung sei auch im Katholischen Weltkatechismus noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt worden. Wie Kardinal Schönborn betonte, ist die „vollinhaltliche Annahme“ des Zweiten Vatikanischen Konzils einschließlich von „Nostra Aetate“ und der Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“ unabdingbare Voraussetzung für eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft in die Kirche. Die Konzilserklärung entziehe jedem Antisemitismus den Boden, wenn es wörtlich heißt: „Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.“
Eine stärkere Betonung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche wünscht sich der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. In einem ORF-Interview am Freitag räumte Scheuer Fehler in der jüngeren Entwicklung in der Kirche ein, aus denen man jetzt dringend lernen müsse. Die Vatikan-Entscheidung zur Pius-Bruderschaft wolle er nicht in Zusammenhang mit der Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner sehen. Scheuer wörtlich: „Da würde man Wagner nicht gerecht. Lefebvrianer ist er keiner, konservativ ist er sicher.“
„Vieles, was in den letzten Tagen über Papst Benedikt in der Öffentlichkeit gesagt worden ist, war bösartig“. Das schreibt der Basler Bischof Kurt Koch, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, in einem ausführlichen persönlichen „Brief an die Gläubigen“. Der Papst habe in seinem bald vierjährigen Pontifikat sehr deutlich gezeigt, „dass Antisemitismus mit dem christlichen Glauben schlechterdings nichts zu tun haben kann“. Das Konzil stehe in der Kirche nicht zur Disposition, betont Koch. „Ist der Preis für die Bemühungen um Einheit nicht zu groß?“, fragt er dann und kommt zum Schluss: „Ich bin überzeugt, dass die Geschichte Papst Benedikt darin Recht geben wird, bis zum Äußersten gegangen zu sein, um die Spaltung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingetreten ist, zu heilen.“ Gleichzeitig meint Koch, dass mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems nach der Wende von 1989 die Zeit für eine neue Verständigung mit den Befreiungstheologen reif sein könnte. Der Papst habe mit seiner Brasilienreise im Mai 2007 dafür „einen guten Anfang“ gesetzt, „auf dem man weiterbauen könnte“.
Die Katholische Fakultät der Universität Wien kritisiert die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer sowie die Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner. In einer Erklärung vom Freitag ruft sie die Katholiken zu Verantwortungsbewusstsein auf. Es handle sich bei den derzeitigen Konflikten „keineswegs um bloße 'Nebenschauplätze', sondern um wesentliche - gesellschaftlich höchst relevante - Konsequenzen des christlichen Glaubens, die an das Selbstverständnis der Kirche rühren“. Was die Pius-Bruderschaft betrifft, sehen die Theologen keine Grundlage für ihre institutionelle Eingliederung in die Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil sei ein „unverzichtbarer Teil“ der kirchlichen Tradition. Die Fakultät begrüßt die „klaren Aussagen“ von Kardinal Schönborn zur „Ungeheuerlichkeit einer Leugnung der Shoah“ und die Aufforderung des Papstes, Williamson müsse widerrufen und sich entschuldigen.
Die deutsche „Edith-Stein-Gesellschaft“ betont in einer Erklärung die enge Verbindung zwischen Katholiken und Juden. Williamsons Äußerung „verhöhnt das Leiden der Opfer, insbesondere der jüdischen, und das Zeugnis der Leidenssolidarität von Edith Stein mit dem jüdischen Volk. Die Äußerungen von Bischof Williamson sind ein unerträglicher Affront, der absolut nicht hingenommen werden kann.“ Es dürfe „nicht nur in Worten, sondern auch im Handeln der Kirche“ nicht der geringste Zweifel daran aufkommen, dass die Kirche keine Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet. Der Verband regt an, Holocaust-Leugnung als Straftatbestand mit Exkommunikation in das kirchliche Gesetzbuch aufzunehmen.
Die Kirche Großbritanniens versichert der jüdischen Gemeinschaft ihre Solidarität. Der Primas von England und Wales, Kardinal Cormack Murphy-O'Connor, hat nach Zeitungsangaben an den Oberrabbiner Jonathan Sacks geschrieben. Er „bedauere“ die Folgen, die sich aus der Rücknahme der Exkommunikation Williamsons ergeben hätten. Dessen Verleugnung des Holocaust habe „absolut keinen Platz in der katholischen Kirche und ihrer Lehre“. In seiner Antwort erklärte Sacks laut „Telegraph“, für viele Juden auf der ganzen Welt hätten die katholisch-jüdischen Beziehungen „großen Schaden“ genommen.
Der belgische Primas entschuldigt sich bei den Juden für die Äußerungen von Bischof Williamson. Auch wenn er sich nicht persönlich schuldig fühle, bedrücke ihn doch die „absolute intellektuelle Unredlichkeit und Verneinung der Geschichte“ durch Williamson. Das sagte Kardinal Godfried Danneels von Brüssel in einem Fernsehgespräch. Dafür entschuldige er sich. (rv)

Vatikan: Keine Medienschelte – „Wir hatten Kommunikationsprozess nicht in der Hand“
Der Sprecher des Vatikans ist unzufrieden darüber, dass es im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikationen vor zwei Wochen zu Pannen und Kommunikationsfehlern gekommen ist. Im Gespräch mit der französischen Tageszeitung „La Croix“ meinte Jesuitenpater Federico Lombardi: „Das Kommuniqué, das das Dekret begleitete, ließ zu viele Aspekte im Unklaren und gab dadurch Raum zu verschiedenen Interpretationen.“ Außerdem sei das Dokument schon zu früh auf „Internetseiten und an Zeitungen gelangt“: „Wir hatten den Kommunikationsprozess nicht in der Hand.“ Über die Aufhebung der Exkommunikationen habe der Vatikan nur mit Bischof Fellay verhandelt: „Die Meinungen der anderen Bischöfe hat man nicht genug beachtet.“ Lombardi wörtlich: „Wenn es einen gibt, der das wissen musste, dann war das Kardinal Castrillon Hoyos.“
Abgeklärt äußert sich Lombardi, der u.a. den Vatikanischen Pressesaal leitet, zur Debatte über Vatikan und Lefebvre in den Medien. „Die Medien sind nicht besser oder schlimmer als sonst auch.“ Doch natürlich gebe es auch „antikirchliche Strömungen“ dort. Zu anderen Zeiten, etwa beim letzten Konklave oder bei den Reisen Benedikts XVI., sei es aber auch der Kirche gelungen, in den Medien ein positives Bild von sich zu zeichnen. Lombardi bedauert, dass auch viele Katholiken die jüngste Entscheidung des Vatikans nur schwer verstehen: „Einige Dokumente sind eigentlich nur für Spezialisten im Kirchenrecht oder für Theologen bestimmt.“ Da sei es problematisch, dass sich heute „jedes Dokument, ganz gleich welcher Art es ist, direkt in der Öffentlichkeit wieder findet. Das wird dann schwierig zu handhaben.“
Lombardi lässt erkennen, dass er unter normalen Umständen durchaus die Abstimmung mit den Bischofskonferenzen sucht. „Aber manchmal ist ein Dokument schon in der Hand von Ortsbischöfen, bevor wir es haben.“ Er glaube, dass „in der Kurie erst noch eine Kultur der Kommunikation geschaffen werden muss“. Er wünsche sich, dass die einzelnen Vatikan-Abteilungen rechtzeitig den Pressesaal des Heiligen Stuhls informierten „und auch eine erklärende Note schreiben, wenn der Sachverhalt komplex ist“. Lombardi wörtlich: „Wenn die jüngsten Erläuterungen vom Staatssekretariat schon von Anfang an gegeben worden wären, dann hätten wir uns einige leidenschaftliche Tage erspart.“ Andererseits sei es aber auch „unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden. Wir müssen auch mal bereit sein, ein Risiko einzugehen.“ (rv)

Deutschland: „Die Mehrzahl der Piusbruderschaft will Aussöhnung“
Wie weiter mit den Piusbrüdern? Wie viele von ihnen wollen wirklich die Aussöhnung mit dem Papst? Wie sehen andere traditionsorientierte Gruppen die Auseinandersetzungen nach der Aufhebung der Exkommunikation? Wir haben darüber mit Propst Gerald Goesche gesprochen. Er war in früheren Jahren für die Piusbruderschaft tätig und gründete 2003 das traditionsorientierte, aber papsttreue Institut St. Philipp Neri in Berlin. Ob die Piusbruderschaft jetzt vor einer Spaltung stehe, wollte Gudrun Sailer zunächst von Propst Goesche wissen.
Herr Propst, wie uneins ist die Piusbruderschaft? Kommt es zu einer Spaltung in zwei Gruppen, eine, die mit Rom sprechen möchte, und eine andere, die Dialog ablehnt?

„Das ist ganz schwierig zu beurteilen. Ich habe aber festgestellt, dass die Aufhebung der Exkommunikation insofern gute Früchte hat, als Bischof Fellay sich so klar geäußert hat und so sehr auf Seiten des Heiligen Vaters steht wie bisher noch nicht. Auch Pater Schmidberger hier in Deutschland hat sich ähnlich vernehmen lassen. So dass ich mir vorstellen könnte, dass doch ein sehr großer Teil der Piusbruderschaft auf jeden Fall jetzt auch eine vollkommene Aussöhnung mit dem heiligen Stuhl und eine Regelung der Situation suchen wird. Ich glaube, dass Bischof Fellay da wirklich Führung übernommen hat ist ein neues Element, was sehr wichtig ist. Ich denke auch, dass die Mehrzahl der Gläubigen und der Priester, wenn sie in die Richtung geführt werden, eigentlich eine Aussöhnung mit Rom und eine vollkommene Ordnung der Situation wollen.“

Der Ton der Piusbruderschaft war manchmal außerordentlich harsch, was die katholische Kirche betrifft – da ist von der Konzils-Sekte die Rede, davon, dass die Katholische Kirche sich bekehren und auf die Sicht der Piusbruderschaft einschwenken muss. Es gehörte schon auch Großmut von Seiten des Vatikans dazu, diese Friedensgeste zu setzen, die Exkommunikation aufzuheben. Damit ist für die Piusbruderschaft eine ganz neue, noch nie da gewesene Situation entstanden. Meinen Sie, die Bruderschaft wird ihren Ton jetzt mäßigen?

„Also es gibt natürlich auch ein Interview von Bischof Tissier de Mallerais, wo er den alten Ton so ein bisschen beibehält, in dem Sinne, dass vor allem Rom sich bekehren muss. Insofern kann man da nicht ganz sicher sein. Aber man muss zwei Dinge beachten: Auf der einen Seite sind auch die gläubigen Priester und Bischöfe der Piusbruderschaft Menschen von heute, die oft genauso hässlich ihre Anliegen vorbringen, wie das die Herrschaften aus der linken Ecke auch tun. Das ist ein bisschen spiegelverkehrt. Das andere ist, dass wenn es die Aussicht auf eine kirchliche Regelung gibt, dann oft schon der Ton sich ändert, weil viele dann leichter merken, welche Verantwortung sie haben und dass einfach auch diese Vorstellungen von Erzbischof Lefebvre, das Experiment der Tradition zu wagen, jetzt so nahe ist, dass man das eigentlich nicht ausschlagen kann. Man merkt das an den traditionellen Gruppen, die zu einer Aussöhnung mit Rom gelangt sind, ob in Campos oder bei den schottischen Redemptoristen oder anderswo, dass der Ton dann, fast von heute auf morgen, sich sehr verändert hat und sehr vernünftig geworden ist.“ (rv)

 

 

07.02.09

Lombardi: „Papst wollte ein Zeichen für die Zukunft setzen“

Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe war ein „Zeichen für die Zukunft“. Das betont Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in seinem wöchentlichen Editorial für Radio Vatikan. Die entstanden Schwierigkeiten zeigen, so Lombardi, dass „der Weg der ökumenischen Einheit“ schwierig und lang sei. Man merke dabei, welchen Preis die Christen bezahlen müssten, um diese Einheit erreichen zu können. Lombardi wörtlich:

„Die dargebotene Hand des Papstes ist und bleibt für uns alle eine erstaunliche Geste des Mutes. Damit hat er bewiesen, wie wichtig es ihm ist, für die Einheit zu arbeiten. Er ging soweit, dass er auch Risiken auf sich nahm. Diese Risiken bestanden u.a. darin, dass vieles vor dem Beschluss nicht klar bzw. unbekannt war. Gerade deswegen ist diese Geste ein Appell an uns alle. Das gilt insbesondere für die Mitarbeiter des Papstes wie für jegliche Mitglieder der Kirche: Wir dürfen den Papst in solchen Fällen nicht allein lassen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu meistern.“

Auch in schwierigen Zeiten kann man vieles hinzulernen, fügt Jesuitenpater Lombardi an.

„Das gilt für alle Beteiligten des ökumenischen Dialogs. Jeder sollte in Bescheidenheit und Bereitschaft den Weg suchen, der zur Einheit führt. Jede Krise bietet die Möglichkeit, einen Schritt weiterzukommen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das wird uns nicht unbedingt zu einer mächtigeren Kirche führen, aber sie sollte sich zu einer Kirche der Liebe und Vergebung wandeln. In einer solchen Kirche kann es keinen Gegensatz zwischen Konzil und Tradition geben!“ (rv)
 

Kirchenrechtler: „Sie sind keine katholischen Bischöfe“
Der Bischof der Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, will vorerst seine Leugnung des Holocaust nicht widerrufen. Er wolle zunächst „die historischen Beweise prüfen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Für eine erneute Exkommunikation Williamsons ist die Leugnung des Holocaust aus kirchenrechtlicher Sicht kein hinreichender Straftatbestand -das sagte Klaus Lüdicke dem Kölner Domradio. Lüdicke ist emeritierter Kirchenrechtler an der Universität Münster. Man müsse angesichts der jetzigen Debatte betonen, so Lüdicke, dass die vier Lefebvre-Bischöfe nie ein offizielles Amt innerhalb der katholischen Kirche innehatten.

„Dadurch, dass sie illegal geweiht worden sind, sind sie nie in die Gemeinschaft mit dem Papst getreten. Sie dürften daher nicht an einem Konzil teilnehmen. Sie sind der Weihe nach Bischöfe, aber nicht dem Amte nach! Sie können darum auch kein kirchliches Amt wiederbekommen, weil sie katholisch betrachtet keine Bischöfe sind.“

In diesem Fall seien auch dem Vatikan durchaus Fehler unterlaufen. Man hätte sich vorher besser über die einzelnen Lefebvre-Bischöfe informieren sollen, findet Lüdicke:

„Der Vatikan hat dazu die passenden Strukturen - die haben aber in diesem Fall nicht funktioniert. Diese Struktur besteht darin, dass das Staatssekretariat durch die Leitung eines päpstlichen Diplomaten das nötige Sensorium an den Tag legt, um zu wissen, welche Auswirkungen Erklärungen des Heiligen Stuhls haben. Bevor dann eine solche Entscheidung auch vollzogen wird, muss das Staatssekretariat dies überprüfen. In diesem Falle hätte es dem Papst sagen können, dass die Aufhebung der Exkommunikation eine Auswirkung auf den Dialog mit den Juden und auf das Verhältnis zu Deutschland sowie für die Ökumene hat. Aus irgendwelchen Gründen hat diese Zusammenarbeit im Vatikan diesmal nicht geklappt.“ (rv)

 

 

07.02.09

Deutschland: „Papst-Besuch ist bisher nur eine Hoffnung“

Deutsche Medien haben in den vergangenen Stunden berichtet, Papst Benedikt XVI. plane eine dritte Deutschlandsreise im kommenden Jahr. Dies wurde nach einem ZDF-Interview mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, verbreitet. Dabei wurde der Freiburger Oberhirte allerdings nicht immer ganz richtig zitiert. Der Mediensprecher der Bischofskonferenz (und langjährige Mitarbeiter von Radio Vatikan), Matthias Kopp, präzisiert das Statement von Zollitsch:

„Erzbischof Zollitsch hat in dem Interview mit dem ZDF gesagt, er hoffe, dass der Papst nächstes Jahr nach Deutschland komme. Er hoffe, dass mögliche Stationen Berlin und Freiburg seien. Mehr hat er aber nicht dazu gesagt. Es handelt sich also um eine Hoffnung und nicht um eine Bestätigung. Denn es gibt keine konkrete Planung dazu. Es ist eine Hoffnung.“
Eine dritte Deutschlandreise wäre für den Papst der erste offizielle Staatsbesuch in seinem Heimatland. 2005 nahm Benedikt XVI. am Weltjugendtag in Köln teil, im September 2006 bereiste der Papst ausschließlich Orte in seiner bayerischen Heimat, nämlich München, Altötting, Marktl am Inn, Regensburg und Freising. (rv)

 

 

08.02.09

Vatikan/D: Angela Merkel und Papst Benedikt räumen Missverständnisse aus

 

Papst Benedikt XVI. und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in einem Telefonat über die Verstimmungen der vergangenen Tage geredet. „Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Shoah für die Menschheit“, teilten der vatikanische Pressesaal und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Papst und die Kanzlerin hätten „in großem gegenseitigen Respekt“ ihre Haltungen ausgetauscht. Es sei die Bundeskanzlerin gewesen, die um das Gespräch gebeten habe, so die Mitteilung. Zu der Verstimmung zwischen deutscher Bundesregierung und Heiligem Stuhl war es nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. gekommen, als Merkel eine klare Haltung des Vatikans im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson gefordert hatte. Unionspolitiker und Kirchenvertreter sprachen daraufhin von einer nicht akzeptablen Einmischung in kirchliche Angelegenheiten.

Der Vatikansprecher und der Sprecher der Bundesregierung verwiesen jetzt noch einmal auf die Erklärung des Papstes von der Generalaudienz am 28. Januar und der Bundeskanzlerin vom vergangenen Donnerstag. Am Mittwoch hatte der Papst von Williamson einen Widerruf verlangt. Merkel begrüßte daraufhin die Haltung des Vatikans als „wichtiges und gutes Signal“. (rv)

 

 

09.02.09

Argentinien: Traditionalisten setzen Williamson als Seminarleiter ab

 

Das Leugnen der Shoah durch den traditionalistischen Bischof Richard Williamson hat Folgen. Offenbar hat ihn die Priesterbruderschaft St. Pius X. als Leiter eines Priesterseminars bei Buenos Aires abgesetzt. Das berichtet eine argentinische Nachrichtenagentur. Derweil mehren sich auch in der katholischen Kirche Stimmen, die einen Ausschluss Williamsons fordern.
Die Nachricht kam per Fax: Williamson sei von der Leitung des Seminars La Reja in Argentinien entbunden worden. Das erklärte Pater Christian Bouchacourt, führendes Mitglied der Lefebvre-Anhänger in Lateinamerika, in einer dürren Mitteilung. Williamsons Äußerungen gäben „nicht im geringsten die Haltung unserer Gemeinschaft wieder“, so das Schreiben weiter. Eine offizielle Bestätigung für die Absetzung von Williamson lag zunächst nicht vor. Am vergangenen Mittwoch hatte Papst Benedikt den abtrünnigen Bischof aufgefordert, seine Leugnung des Völkermords an den Juden unmissverständlich und öffentlich zurückzunehmen. Dies lehnt der 68-Jährige aber in einem schriftlich geführten Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ab. Williamson leitete seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. (rv)

 

 

12.02.09

Papst empfängt jüdische Vertreter

 

Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar gestärkt daraus hervorgehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach an diesem Donnerstag eine hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“. Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land: „Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.

Rabbiner: Historischer Tag
„Shalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung über die Karfreitags-Fürbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem Papst Gesprächsbereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser am Mittwoch letzter Woche seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung „Nostra Aetate“ bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten Generationen vermittelt werden.

Zeichen für Israelreise
„Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“
Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“


Appell gegen Antisemitismus

Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. „Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein Überfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige Land: „Wir begrüßen und unterstützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“


Worte des Papstes

Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.

„Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“
„Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen infamen Gefängnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“


Papst bereitet Israelreise vor

Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu sprechen.

„Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer Väter im Glauben rückgebunden.“

Mit der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel, die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“ der Christen bezeichnet.

„Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Versöhnung treffen können, sollten wir früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“


Benedikt XVI. und das Konzil
Der Papst nannte die Konzils-Erklärung „Nostra Aetate“ einen „Meilenstein auf unserem Weg zur Versöhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt hat.“
„Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes.“

Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust:

„Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Shoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen... Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Shoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“

Zu Recht sei Erinnern auch „memoria futuri“, also ein Warnzeichen für die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit müsse alles tun, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“
Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind an diesem Donnerstag für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter. (rv)


Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“
Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige Österreicher, wie es diesmal beim Papst war:

„Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“

Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien.

„Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret „Nostra Aetate“ und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“
Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzufügt.

„Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er „Nostra Aetate“ akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie müssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein müssen.“

Eine mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog weiter stärken, glaubt Arthur Schneier.

„Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“ (rv)


Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch
Zur Papstaudienz von diesem Donnerstag eine Einschätzung von Stefan Kempis.
Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie außer in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Vergebungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach der Regensburger Rede des Papstes. Was die Audienz damals für die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz von diesem Donnerstag für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater. (rv)

 

 

12.02.09

Der Vatikanstaat feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Konzert

An diesem Donnerstagabend erklingt in der Audienzhalle Händels Oratorium „Der Messias“. Für die Darbietung vor Papst Benedikt XVI. wird das Zweieinhalb-Stunden-Werk auf etwa eine Stunde gekürzt. Das Oratorium mit dem berühmten „Halleluja-Chor“ war noch nie im Vatikan zu hören. Ausgeführt wird es vom irischen RTE Concert Orchestra und dem Chor der Kathedrale von Dublin. Die Alt-Partie übernimmt die in Hamm geborene und in Halle an der Saale wirkende Gesangssolistin Ulrike Schneider. Zum 80-Jahr-Jubiläum gibt es außerdem einen dreitägigen Kongress und eine zwei Monate dauernde Ausstellung über den Vatikanstaat, die im „Braccio di Carlomagno“ am Petersplatz zu sehen ist. - Am 11. Februar 1929 unterzeichneten der Heilige Stuhl und das Königreich Italien die Lateranverträge. Damit den klärten der italienische Staat und die katholische Kirche nach 60 Jahren der Ungewissheit den Status der Vatikanstadt. (rv)

 

 

14.02.09

Papst Benedikt XVI. hat drei Vizepräsidenten für die Afrika-Synode ernannt

Es sind der afrikanischen Kurienkardinäle Francis Arinze, der Senegalese Théodore-Adrien Sarr und der Südafrikaner Wilfrid Fox Napier. Die Spezialsynode der Bischöfe findet vom 4. bis 25. Oktober im 2009 im Vatikan statt. Der Erzbischof aus Ghana, Kardinal Peter Turkson, wurde zum Generalrelator der Synode ernannt. Papst Benedikt ernannte außerdem den Erzbischof von Luanda Damião Antonio Franklin sowie den Bischof von Sarh, Edmond Djitangar zu Spezialsekretären dieser Bischofssynode. - Die Afrika-Synode findet vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan statt. Sie steht unter dem Thema: Die Kirche in Afrika im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens. Es ist die zweite Versammlung von katholischen Bischöfen dieses Kontinents; das erste Treffen war 1994. (rv)

 

 

16.02.09

Österreich: „Konsequenzen für die Zukunft ziehen“

„Wir schulden den Menschen ein Wort der Klärung, wollen aber auch der Hoffnung Ausdruck geben, dass mit jeder Krise Chancen verbunden sind.“ Das halten die österreichischen Diözesanbischöfe in einem gemeinsamen Hirtenbrief fest, den sie bei einer Sondersitzung in Wien an diesem Montag verabschiedet haben. Kardinal Christoph Schönborn hatte als Vorsitzender der Bischofskonferenz eine „außerordentliche Konsultation“ einberufen, Thema war die derzeitige Situation der Kirche in Österreich. „In dem Hirtenbrief wird auf die verschiedenen Aspekte der aktuellen kirchlichen Situation in Österreich Bezug genommen“, teilte die Erzdiözese Wien am Montag Nachmittag mit. Aus den Ereignissen der vergangenen Wochen müsse man lernen, so die Bischöfe, und „aus den Fehlern die richtigen Konsequenzen für die Zukunft ziehen“. Die Sondersitzung diente dazu, „die Ereignisse zu beraten, die in den vergangenen Tagen Sorge und Verärgerung in und außerhalb der Kirche hervorgerufen haben“. Der von den zehn Diözesanbischöfen unterzeichnete Brief richtet sich an die Gläubigen und an alle Bürger des Landes.
Die Bischöfe nehmen Bezug auf die Debatten um die Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz und die Piusbruderschaft. Offen sprechen sie Spannungen, gerade die in der Diözese Linz an. Mit der jüngsten Ernennung seien diese „wieder akut geworden“. Doch „der pastorale Weg“ in den dort offenen Fragen zum Verhältnis von Weihesakrament und Laienapostolat könne „nur im Einklang mit der Weltkirche begangen werden“. Das Thema der Bischofsernennungen sei deswegen „so bedeutsam“, betonen die Bischöfe, „weil es seit Mitte der achtziger Jahre in Österreich mit etlichen Problemen verbunden war“. „Zu zahlreich waren die Kontroversen um Bischofsernennungen, zu schmerzlich die Konflikte und die Risse in der Kirche, die sie ausgelöst haben. Daher ist gerade in diesem Bereich höchste Sensibilität angebracht.“ Für die Ernennungen in den nächsten Jahren erwarteten die Gläubigen „mit Recht, dass das Verfahren der Kandidatensuche, die Prüfung der Vorschläge und die letzte Entscheidung sorgfältig und mit pastoralem Gespür vorgenommen werden“. Dadurch könne sicher gestellt werden, „dass Bischöfe nicht ,gegen’, sondern ,für’ eine Ortskirche ernannt werden“.
Zur Debatte im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft halten Österreichs Bischöfe fest: „Wir hoffen, dass es gelingen wird, die unzureichenden Kommunikationsabläufe auch im Vatikan zu verbessern, damit der weltweite Dienst des Papstes nicht Schaden erleidet.“ (rv)
 

Österreich: Wagners „Rücktritt aus freien Stücken“
Gerhard Maria Wagner bittet den Papst um die Rücknahme seiner Ernennung zum Linzer Weihbischof. Das geht aus einer knappen Pressemeldung der Diözese Linz vom Sonntagabend hervor. Aus dem Vatikan gibt es dazu bislang keine offizielle Reaktion, da das Rücktrittsgesuch zunächst schriftlich eingehen muss. In Linz hieß es jedoch bereits am Sonntagabend, „dieser Bitte wurde vom Heiligen Stuhl entsprochen“.
Im Wortlaut heißt es in der Pressemitteilung, die per Mail um 19 Uhr 10 bei Radio Vatikan einging:
„Der designierte Weihbischof von Linz, Dr. Gerhard Maria Wagner, hat den Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz gebeten, folgende Stellungnahme an die Medien zu übermitteln: ,Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten.’ + Bischof Dr. Ludwig Schwarz“
Die Ernennung des Weihbischofs für Linz, Gerhard Maria Wagner, und umstrittene Positionen des 54-Jährigen unter anderem zu einer „Heilung“ von Homosexuellen oder dem Hurrikan „Katrina“ als vermeintliche Gottesstrafe für New Orleans hatten in Österreich auch innerhalb der katholischen Kirche zu einer anhaltenden Debatte geführt. Der Rücktritt von Gerhard Maria Wagner sei „im Interesse und zum Wohl der Diözese Linz“ erfolgt, sagte der oberösterreichische Diözesanbischof Ludwig Schwarz im Gespräch mit „Kathpress“.
Wagner hat sich am Tag nach seiner Bitte um Rücknahme seiner Bestellung erleichtert über diesen Schritt gezeigt. „Dieser Rücktritt geschieht aus freien Stücken“, sagte der bisherige Pfarrer von Windischgarsten (Oberösterreich) an diesem Montag im Ö1-„Morgenjournal“. „Ich bin sehr erleichtert aufgestanden, im Vergleich zu den letzten Nächten“, so Wagner. Er habe „von Anfang an, als ich ernannt wurde, natürlich den Widerstand gespürt“, bekannte der Geistliche – er müsse „auch ehrlich sagen, auf sehr oft unbarmherzige und lieblose Weise“. Er habe sich häufig die Frage gestellt, was er tun soll, was gut sei für die Kirche. „Das war dann letztlich auch für mich jetzt die Entscheidung, dass ich gesagt habe, ich gebe den Auftrag an den Papst zurück“, so Wagner. Er sei „innerlich frei“ und glücklich über diese Entscheidung, „wenngleich ich weiß, es gibt andere, die darüber nicht glücklich sind“. Zu seiner persönlichen Zukunft erklärte Wagner, er wolle weiterhin in seiner Pfarrei tätig sein: „Ich bin bisher Pfarrer in Windischgarsten gewesen und werde auch in Zukunft Pfarrer in Windischgarsten sein.“ Er habe sich „bisher gefreut und freue mich jetzt auch wieder, mich dieser Aufgabe ganz widmen zu können“.
Für diesen Montag hatte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, die Diözesanbischöfe des Landes zu einer außerordentlichen Beratung nach Wien gerufen. Die Einladung dazu erging aber bereits am vergangenen Freitag, das Treffen fand trotz des Verzichts Wagners wie geplant statt. Thema der eintägigen Sitzung war die derzeitige Situation der Kirche in Österreich. Kardinal Schönborn hatte im Vorfeld von „Schadensbegrenzung“ gesprochen. (rv)

 

 

17.02.09

Kardinal Kim Sou-hwan verstorben

Am 16.02.2009 ist der Südkoreaner Stephen Kardinal Kim Sou-hwan im Alter von 86 Jahren verstorben. Kim Sou-hwan war emeritierter Erzbischof von Seoul. Am 28.04.1969 war er durch Papst Paul VI. in den Kardinalsstand erhoben worden. Ein Jahr vorher wurde er zum Erzbischof von Seoul ernannt. Seine Titelkirche war S. Felice da Cantalice a Centocello. Mit seinem Tot umfasst das Kardinalskollegium noch insgesamt 188 Kardinäle.

 

 

19.02.09

Israel/Vatikan: Botschafter im Gespräch

Voraussichtlich im Mai reist Papst Benedikt XVI. ins Heilige Land - die offizielle Bestätigung durch den Vatikan kommt mutmaßlich im März, doch der Papst selbst hat diese Visite im Gespräch mit jüdischen Repräsentanten aus den USA bereits angekündigt. All die jüngsten Querelen (Stichwort: Bischof Williamson) haben die Reisevorbereitungen nicht zum Erliegen gebracht. Mordechay Lewy, Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl, sieht in der Visite einen weiteren Schritt der Annäherung zwischen seinem Land und dem Vatikan – trotz aller Hindernisse. Im Gespräch mit Radio Vatikan meinte er:

„Ich sehe, dass wir seit längerer Zeit ein gutes Verhältnis zur christlichen und katholischen Welt suchen. Trotz der Missverständnisse und der Schwierigkeiten, von denen wir alle wissen in den letzten Wochen. Ich denke, das spricht für das gemeinsame Interesse sowohl der katholischen Kirche als auch Israels, dass man trotz der Unwegsamkeiten, die ausgeglichen worden sind, immer im Auge gehabt hat, dass man ein gemeinsames Interesse hat, vielleicht im selben Boot sitzt, und dass man immer daran denken muss, wie man aus solchen Krisen auch herauskommt. Und ich glaube, das ist durchaus ein diplomatischer Erfolg: dass trotz aller Unkenrufe die Sachen auf beiden Seiten geglättet worden sind und dass wir diesen Besuch als weiteren Schritt der Annäherung sehen.“

Israels Regierung hatte in einer Sondersitzung nach der Papstaudienz für eine jüdische Delegation aus den USA beschlossen, Benedikts Besuch „höchste Priorität“ einzuräumen. Wie Israels Bevölkerung über Papst Benedikt denkt, lasse sich schwer auf den Punkt bringen, meint Lewy. Seiner Einschätzung nach ist das Gesamtverhältnis zwischen Juden und Katholiken in Israel „nicht einfach“.

„Da dürfen wir keine Illusionen hegen: Nur ein Bruchteil der Juden ist aktiv im Dialog. Ich hoffe, dass diese Kreise sich weiter ausbreiten. Ich glaube, vor allem gibt es eine Gleichgültigkeit: Es ist nicht in deren Prioritäten. Eines der Indizien dafür ist meiner Meinung nach: Die Wogen der Entrüstung nach der Affäre Williamson waren in der jüdischen Welt – spezifisch in Israel - relativ milde, wenn man das mit Deutschland vergleicht. Ich glaube, der Grund dafür war, dass wir wirklich mit anderen Dingen beschäftigt waren. Ich möchte daraus nicht schließen, dass die Sache weniger ernst beurteilt worden ist oder nicht – die Schlagzeilen galten vielmehr der Wahl in Israel und vielleicht der Berichterstattung über Gaza und deren Ausläufer, so dass dieser Sache weniger Platz eingeräumt worden ist.“ (rv)

 

 

22.02.09

Pius XII. - ein Papst in Bedrängnis

Die geplante Reise des Papstes ins Heilige Land, die bevorstehende Seligsprechung Pius XII., aber auch die jüngsten Ereignisse im Umfeld der Traditionalisten haben die Debatte um die Rolle dieses Papstes während des Zweiten Weltkriegs neu angeheizt. Hätte der Papst die Greueltaten Hitlers stoppen können, in dem er Krieg und Judenverfolgung öffentlich verurteilte? Professor Karl-Joseph Hummel ist Direktor der Kommission für Zeitgeschichte mit Sitz in Bonn. Aldo Parmeggiani fragte ihn, wie er das „Schweigen“ Pius XII. zum Holocaust beurteilt.

„Dazu muss man sagen, dass der Papst zunächst die Möglichkeit gar nicht gehabt hat und es muss schon die Frage erlaubt sein, warum die Nationalsozialisten gerade an diesem Punkt, der in ihrem Rassismus an erster Stelle stand, auf den Papst in Rom hätten hören sollen, wenn sie in anderen Punkten nicht auf ihn gehört haben und wir wissen ja, dass aus dem Streit um das Reichskonkordat 1933, dass die Nationalsozialisten auch da nicht bereit waren auch nur an einem einzigen Punkt nachzugeben. Tatsächlich war das Schweigen für Pius XII. die Voraussetzung, dass er handeln konnte, also die Nichtöffentlichkeit war die Voraussetzung dafür, dass zum Beispiel über die Nuntiaturen, Roncalli in Ankara oder der Nuntius in Budapest,Pässe ausgestellt worden sind, die die Ausreise nach Südamerika ermöglicht haben oder Taufen vorgenommen worden sind, oder jüdische Kinder in katholische Familien oder in Klöster vermittelt worden sind.“

Welche Leitlinien haben Ihres Erachtens Herr Hummel Pius XII. zu seinem Verhalten veranlasst? Hätte es dazu überhaupt Alternativen gegeben?

„Pius XII. war Zeit seines Lebens ein abwägender, überlegender Diplomat, der mit juristischer Bildung sehr bedacht reagiert hat und nicht vorschnelle Entscheidungen getroffen hat. Diese eher abwartende diplomatische Haltung steht nun in Konkurrenz zu einer moralischen Führungsrolle, die von ihm erwartet worden war, auch von vielen Katholiken erwartet worden war. Natürlich ist es vorstellbar, dass ein anderer Papst sich anders verhalten hätte, und sein persönlicher Sekretär, Pater Leiber, hat in einem Interview einmal gesagt, er glaube, dass Pius XI. sich anders entschieden hätte und in dem Protest gegen die Ermordung der europäichen Juden an die Öffentlichkeit gegangen wäre. Aber er wollte sich nicht festlegen, welches Ergebnis das bessere gewesen wäre. Für Pius XII. war es wichtig, ad maiora mala evitanda.“

Nach der Öffnung der vatikanischen Archive wissen wir auch, dass es sehr viele alternative Überlegungen gab, die dann aus ganz verschiedenen Gründen verworfen worden sind. Ein Beispiel?

„1937 hat der Vatikan überlegt, nach dem Scheitern der Enzyklika 'Mit brennender Sorge', die in Deutschland nur dazu geführt hat, dass die Verfolgungsmaßnahmen zugenommen haben, aber damit die Situation der Katholiken nicht verbessert worden war, nach diesem Scheitern auf nationaler Ebene eine weltweite Offensive gegen den Nationalsozialismus zu inszenieren, und diese weltweite Initiative ist dann unterbleiben, weil Kardinal Faulhaber in München davon abgeraten hat, mit der Begründung, diese Offensive würde dem Druck der Nationalsozialisten auf die katholische Kirche weiter erhöhen und würde in Deutschland zu einer Kirchenspaltung führen, weil es die Katholiken zwingt, sich zwischen Staat und Kirche zu entscheiden.“(rv)

 

 

23.02.09

Kardinal Pham Dinh Tung verstorben

Paul Joseph Kardinal Pham Dinh Tung ist am 22.02.2009 im Alter von 89 Jahren verstorben. 1963 ernannte ihn Papst Johannes XXIII. zum Bischof von Bac Ninh. Von 1963 bis 1990 stand er unter Hausarrest. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1994 zum Erzbischof von Hanoi und im selben Jahr zum Kardinalpriester im Kardinalskollegium.Pham Dinh Tungs Titelkirche war S. Maria “Regina Pacis” in Ostia mare.

 

 

23.02.09

USA: Neuer Erzbischof für Big Apple

New York hat einen neuen Erzbischof: Papst Benedikt XVI. hat an diesem Montag den bisherigen Erzbischof von Milwaukee, Timothy M. Dolan, in dieses Amt berufen. Er ersetzt Kardinal Edward M. Egan, dessen Rücktritt aus Altersgründen der Papst zugleich annahm. Dolan stammt aus Saint Louis (Missouri), wo er 1976 die Priesterweihe empfing und 2001 Weihbischof wurde. Dazwischen leitete er unter anderem sieben Jahre lang das Päpstliche Nordamerikanische Kolleg in Rom.
Das Erzbistum New York ist nach Los Angeles das zweitgrößte der USA, 1.700 Priester und vier Weihbischöfe sind ihm zugeordnet. Dolan galt als Favorit für das Amt des New Yorker Erzbischofs; allerdings war dafür auch Erzbischof William Levada im Gespräch, der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Der 59-jährige Dolan kann beim nächsten Konsistorium mit der Verleihung der Kardinalswürde rechnen.
Theologisch gilt der neue New Yorker Oberhirte als gemäßigt konservativ. Im US-Wahlkampf 2008 tadelte er den demokratischen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, den Katholiken Joe Biden, sowie Nancy Pelosi, die Sprecherin der Demokraten im US-Kongress, dafür, die Lehre der Kirche in der Frage der Abtreibung falsch darzustellen. In der Bischofskonferenz ist Dolan Präsident des Leitungs- und Kontrollgremiums („Board of Directors“). Außerdem gehört er dem Finanzkomitee an und ist Konsultor im Komitee für Gerechtigkeit und Frieden. (rv)

 

 

24.02.09

Kurienkardinal Jose Saraiva Martins zum Kardinalbischof ernannt

Damit steigt der 77-jährige Saraiva Martins in die protokollarisch höchste Klasse des Kardinalskollegiums auf. Dieser Gruppe gehören weitere sechs Purpurträger an. Neben den Italienern Angelo Sodano (Kardinaldekan), Giovanni Battista Re (Bischofskongregation) und Tarcisio Bertone (Kardinal-Staatssekretär) sind dies der Franzose Roger Etchegaray und der Nigerianer Francis Arinze. Saraiva war bis Juli 2008 Präfekt der Heiligsprechungs-Kongregation. Papst Benedikt XVI. wies ihm am Dienstag das Titularbistum Palestrina in der Nähe von Rom zu. Saraiva folgt an diesem Titelsitz dem schwarzafrikanischen Kardinal Bernardin Gantin nach, der im Mai 2008 mit 86 Jahren gestorben war. – Das derzeit 187 Mitglieder zählende Kardinalskollegium ist in drei Klassen aufgeteilt. Neben den Kardinalbischöfen gibt es die Gruppe der Kardinalpriester, meist Erzbischöfe großer Diözesen, sowie die der Kardinaldiakone. Zu Letzteren gehören meist Kurienvertreter wie die Deutschen Walter Kasper und Paul Josef Cordes. Die Einteilung hat heute nur noch protokollarische Bedeutung. Die Unterscheidung hat heute nur noch protokollarische Bedeutung. Der Kreis der Kardinalbischöfe hat maximal sechs Mitglieder. Die Zahl der Kardinalpriester, darunter meist Oberhirten großer Diözesen der Weltkirche, liegt bei über 140 und die der Kardinaldiakone, zumeist Vertreter der Kurie bei rund 35. (rv)

 

 

24.02.09

Kardinalvikar Agostino Vallini protokollarisch befördert

Mit einem Dekret vom Dienstag berief Benedikt den Kardinalvikar in die Klasse der Kardinalpriester. Der 68-jährige Vallini zählte bisher zur Gruppe der Kardinaldiakone. Seit Juni 2008 leitet er im Auftrag des Papstes die Diözese Rom. Die Einteilung in die drei Klassen der Kardinaldiakone, Kardinalpriester und Kardinalbischöfe geht auf die alte Praxis zurück, dass der Papst als Bischof von Rom vom Klerus der Stadt gewählt wurde. In Erinnerung an diese Tradition hat jeder Kardinal in Rom heute einen Titelsitz als römischer Diakon, Priester oder romnaher Bischof. (rv)

 

 

25.02.09

Vor 550 Jahren: Geburtstag eines deutsch-flämischen Papstes

Er war der vielleicht ungewöhnlichste Papst der Renaissance – der Deutsche bzw. Flame Hadrian VI. Asketisch und fromm, karitativ und streng beschreiben historische Quellen den Kirchenmann, der es 1521 völlig unverhofft aus kleinen Verhältnissen an die Spitze der Kirche schaffte. Am 2. März jährt sich sein Geburtstag zum 550. Mal.

Gudrun Sailer sprach mit dem Hadrian-Biografen P. Markus Graulich, der hier in Rom an der päpstlichen Universität der Salesianer Kirchenrecht lehrt.

Er war der vielleicht ungewöhnlichste Papst der Renaissance – der Deutsche bzw. Flame Hadrian VI. Asketisch und fromm, karitativ und streng beschreiben historische Quellen den Kirchenmann, der es 1521 völlig unverhofft aus kleinen Verhältnissen an die Spitze der Kirche schaffte. Am 2. März jährt sich sein Geburtstag zum 550. Mal. Gudrun Sailer sprach mit dem Hadrian-Biografen P. Markus Graulich, der hier in Rom an der päpstlichen Universität der Salesianer Kirchenrecht lehrt.
Als sich die Kardinäle nach dem Tod des Medici-Papstes Leo X. im Dezember 1521 zum Konklave versammelten, waren sie allseits in der Klemme. Nach einer Zeit kultureller Blüte war das Papstamt, war die Kirche von innen wie von außen in Gefahr. Die Türken bedrängten den Südosten Europas, und im deutschen Reich scharte Luther trotz Kirchenbanns immer mehr Anhänger um sich. In einer solchen Lage fiel die Wahl der Kardinäle – auf einen Flamen.
„Hadrian VI., den kannte kaum einer, der war auch gar nicht in Rom, als das Konklave tagte, sondern in Spanien, und die Nachricht seiner Wahl hat ihn erst ein Monat später erreich, als man einen Gesandten hingeschickt hatte, und er ist ein völlig untypischer Mensch. Völlig ohne Allüren, der sehr lange mit seiner Doktorarbeit warten musste, weil er sich die Feier nicht leisten konnte.“
Adrian Florensz wurde am 2. März 1459 in Utrecht geboren, das zu jener Zeit Teil des römischen Reiches deutscher Nation war. Er stammte aus einfachen Verhältnissen:
„Sein Vater war vermutlich Flößer, Schiffsbauer, im Binnenschiffahrtsgewerbe tätig.“
Hadrian selbst wurde Priester und Gelehrter. An der Universität Leuven arbeitete er sich zum Rektor hoch. Dann wurde er...
„durch Zufälle, die das Leben schreibt, Berater Karls V., dann Statthalter in Spanien, und über Karl V. dann auch Kardinal.“
Seine Kardinal-Kollegen kannten mit einer Ausnahme den Deutschen nicht im mindestens, ahnten also kaum, wie er sich als Papst machen würde. Der deutsche Papst hingegen hatte klare Ideen, die er bereits als Theologe herausgebildet hatte. Sein Verständnis vom Papstamt war außerordentlich modern, sagt Graulich:
„Wer ein Amt in der Kirche hat, der muss dasein wollen und nicht vorstehen wollen. Und er muss dasein wollen FÜR die anderen. Pro esse, nicht Prae esse. Das war sein Amtsverständnis. Er hat auch in seiner Konzeption, und zu seiner Zeit ist der Gedanke ja noch erlaubt, er hat für sich gesagt, der Papst kann nicht unfehlbar sein, es gibt auch Päpste, die geirrt haben, also er hat dieses Amt nicht so überhöht wie sein Vorgänger Leo X., der sagte, jetzt hat uns Gott das Papstamt geschenkt, jetzt wollen wir es auch genießen.“
Zwei große Anliegen verfolgte der Flame, ganz im Sinn jener, die ihn gewählt hatten: Er wollte die Christenheit einigen und gegen die Türken vorgehen. In beiden Fällen erreichte Hadrian VI. freilich nichts. Im Fall der Türken konnte er die Fürsten nicht einigen, und das christliche Europa musste den Fall von Rhodos hinnehmen. Im Fall der Kirchenreform scheiterte er an internen Widerständen. Bezeichnend für sein Denken und Handeln, für seinen Reformwillen war seine Botschaft für den Nürnberger Reichstag 1522. Dort schickte er einen Nuntius hin und ließ ihn jenes berühmte Schuldgeständnis der Kirche ablegen:
„Die Pest ist von diesem Hof ausgegangen und hat die Kirche infiziert, und sie muss auch vom Haupt her gesunden. Deshalb verspricht Hadrian, alles zu tun um die Kurie zu reformieren, und er hofft, dass die Bischöfe das ihre tun, um die Länder zu reformieren, und dann wird das alles wieder gut werden. Aber die Bischöfe wollten gar nicht reformieren. Er scheitert auch an der mangelnden Mitarbeit der Bischöfe.“
Ähnlich erging es dem unglücklichen Hadrian im eigenen Haus. An der Kurie war und blieb er ein Fremder. Denn der Papst, der aus dem Norden kam, war viel zu radikal.
„Sie müssen sich vorstellen, er kommt nach Rom in einer Zeit, in der Michelangelo hier arbeitet, und er schmeißt ihn hinaus. Weil ihn Kunst nicht interessiert. Er lässt den Hof schließen, in dem der Laokoon steht, „sunt idoles paganorum“, das sind heidnische Gottheiten, das interessiert ihn nicht – er lässt den Skulpturenhof zumauern. All das, was eben im Renaissance-Papsttum übertrieben war, von Leo X., Julius II. vor allem, damit macht er so radikal Schluss, dass eben gar nichts mehr bleibt. Dann kommt eine Pest in Rom, die raubt ihm wichtige Monate und auch die besten Mitarbeiter, und dann bleibt er alleine. Einsam, kaum mit jemand, der ihn unterstützt.“
Drei Jahrzehnte lang waren große Kunstmäzene auf dem Papstthron gesessen – drei Jahrzehnte, in denen Rom zur kulturell bedeutendsten Stadt Europas avanciert war. Damit ist unter dem asketischen Hadrian erst einmal Schluss.
„Man sagt in den zeitgenössischen Quellen, was bei anderen Päpsten die Künstler und Musiker waren, das waren bei Hadrian die Armen. Die hat er unterstützt.“
P. Graulich ist für seine Hadrian-Biografie an die Quellen gegangen und hat Adrian Florensz auch etwa durch dessen Handschriften in Leuven kennen gelernt. Handschriften, die nicht nur inhaltlich aussagekräftig sind, findet Graulich:
„Die sind total akkurat und alle zehn Seiten mal einen Einschub, den er an die Seite schreibt. Das sind Handschriften, die er benutzt, um Vorlesungen zu halten. Er war sicher ein systematischer Mensch, von dem man sehr viel lernen konnte, ich muss aber ehrlich zugeben, so sympathisch mir seine Figur ist, so sehr hätte ich Angst, ihm gegenüber zu stehen. So dieser klassische deutsche Professor halt, ein bisschen unnahbar, ganz in seiner Bücherwelt und seinen Folianten lebend. Mich fasziniert die Figur, aber es ist halt, dieses Tremendum est faszinosum – ich frage mich, hättest du ihn treffen wollen – vielleicht eher nicht!“
Hadrian überlebte seine Papstwahl nur eineinhalb Jahre. Danach starb er an Erschöpfung – nicht an Gift, wie eine Untersuchung aus den 70er-Jahren belegt. Begraben liegt der flämische Papst in der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell Anima in Rom. Die Kardinäle, die wenig später zum Konklave zusammenkamen, waren dieselben, die eineinhalb Jahre zuvor Hadrian auf den Papstthron gewählt hatten. Der Mann aus Utrecht scheint nachhaltig abschreckend auf die Kirchenmänner gewirkt zu haben – so sehr, dass die Päpste der nächsten 500 Jahre, bis zu Karol Wojtyla, ausschließlich Italiener sein sollten.
Markus Graulichs Biografie "Hadrian VI. - Ein deutscher Papst am Vorabend der Reformation" erscheint kommenden Sommer im Verlag Ferdinand Schöningh. (rv)

 

 

27.02.09

Vatikan: „Erklärung Williamsons nicht ausreichend“

 

Ein Entschuldigungsbrief von Richard Williamson für seine Äußerungen zum Holocaust liege dem Vatikan nicht vor – und überdies genügten die Erklärungen des Lefebvre-Bischofs den Forderungen des Heiligen Stuhls nicht. Das stellte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Freitag klar. Donnerstag Abend hatte die katholische Nachrichtenagentur Zenit berichtet, bei der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei sei eine Erklärung Williamsons eingegangen, in der er seine umstrittenen Aussagen zum Holocaust zurücknimmt. Dazu Pater Lombardi wörtlich:

„Zu dem Schreiben des Bischofsder Priesterbruderschaft Pius X., Richard Williamson, vom 26. Februar 2009 stellen wir klar, dass es sich dabei nicht um einen Brief an den Heiligen Vater oder an die Kommission Ecclesia Dei handelt. Die so genannte Erklärung des Bischofs scheint die Bedingungen nicht zu erfüllen, die das Staatssekretariat in seiner Note vom 4. Februar 2009 gestellt hat. Darin ist nämlich festgehalten, dass der Bischof sich von seinen Positionen zur Shoah auf absolut unmissverständliche Weise und öffentlich distanzieren muss.“

In seinem Schreiben vom Donnerstag hatte sich Williamson für die Folgen seiner Aussagen entschuldigt und diese relativiert. Er habe nur die Meinung eines Nicht-Historikers geäußert, die sich auf die verfügbaren Erkenntnisse von vor 20 Jahren gestützt habe. Er bitte alle, die sich aufgrund seiner Worte „aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung“. Explizit zurück nahm er seine Äußerungen zum Holocaust nicht. Williamson hatte in einem schwedischen Fernseh-Interview Anfang November in Regensburg die Existenz von Gaskammern zur Vernichtung von Menschenleben verneint und die Zahl der ermordeten Juden auf „maximal 300.000“ beziffert. (rv)

 

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3/2009

 

 

01.03.09

Reaktionen auf Erklärung von Williamson

Vatikansprecher Federico Lombardi hat am Freitag eine Entschuldigung des Lefebvre-Bischofs Richard Williamson im Zusammenhang mit dessen Leugnung des Holocausts als nicht ausreichend bezeichnet. Williamson müsse seine Äußerungen vollständig und öffentlich widerrufen, bekräftigte Lombardi. Williamson hatte der katholischen Nachrichtenagentur Zenit zufolge zwar erklärt, es tue ihm leid „solche Bemerkungen gemacht zu haben“, jedoch offen gelassen, ob er seine Ansichten geändert hat. In einer am Donnerstag in London veröffentlichten Erklärung bat er alle, die sich aufgrund seiner Worte aufrichtig entrüstet hätten, „vor Gott um Vergebung“, so Zenit. Williamson hatte vor rund vier Monaten behauptet, dass es für die Existenz von Gaskammern keine historischen Beweise gebe und dass nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden seien. (rv/zenit)

Kommentar des Redaktionsleiters,
Pater Eberhard von Gemmingen SJ:

Der Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, hat sich zwar in der Öffentlichkeit geäußert, aber er hat nicht an den Vatikan und den Papst geschrieben. Daher hat der Pressesprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, gegenüber den Medien erklärt, der Lefebvre-Bischof habe nicht das getan, was der Papst von ihm gefordert hatte. In einer Erklärung des vatikanischen Staatssekretariats vom 4. Februar hatte es geheißen, Williamson müsse seine antisemitischen Äußerungen und seine Holocaust-Leugnung eindeutig zurücknehmen. Und dies nicht nur gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit sondern gegenüber dem Heiligen Stuhl. Bischof Williamson vermeidet dies offensichtlich.

Ich finde es sehr erfreulich, dass der Vatikansprecher der Weltöffentlichkeit mitgeteilt hat, dass dies nicht den Forderungen des Vatikans entspreche. Auf der anderen Seite aber will der Vatikan nun nicht täglich auf diese oder jene Äußerungen von Bischof Williamson reagieren. Dieser exzentrische Bischof darf nicht das Tempo diktieren. Daher wird der Vatikan möglicherweise in den nächsten Tagen auf weitere Äußerungen von Williamson nicht reagieren. Wenn er dies täte, würde er nach der Pfeife von Williamson tanzen, was absolut unangemessen wäre.

Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass der Vatikan schon hinreichend klargemacht hat: Die antisemitischen Äußerungen und die Holocaustleugnung von Williamson sind untragbar. Papst Benedikt steht zu den Aussagen des Zweiten Vatikanums über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Juden. Wer gutwillig ist, konnte alles Notwendige hören. Vor allem haben die jüdischen Gesprächspartner längst erkannt, dass durch die Medien fälschlicherweise der Eindruck geschaffen wurde, Papst Benedikt entferne sich von der Judenfreundschaft seines Vorgängers. Dies war nie der Fall. Nur haben manche Medien diesen falschen Eindruck vermittelt. Auch die Weltöffentlichkeit darf sich ihre Themen nicht durch einen exzentrischen Bischof diktieren lassen. Man sollte Bischof Williamson links liegen lassen und ihn einfach nicht mehr hören.
Das bedeutet keineswegs, dass eine Holocaust-Leugnung geduldet werden kann. Aber auch andere Holocaustleugner werden nicht ernst genommen, sondern eben als exzentrische Spinner behandelt, die gleichwohl vor die entsprechenden Gerichte zitiert werden sollen.

Meine Meinung: Kümmern wir uns um die entscheidenden judenfreundlichen Äußerungen der katholischen Kirche. Und nehmen wir die bösen Äußerungen von Pius-Brüdern und ihren Bischöfen nicht zu ernst. Es reicht, wenn sie bestraft werden. Das aber muss geschehen. (rv)

D/Italien: Williamson-Entschuldigung unzureichend
Die Entschuldigung des umstrittenen Traditionalistenbischofs Richard Williamson für seine Leugnung des Holocausts wird in katholischer Kirche, Judentum und Politik als unzureichend bewertet. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich über die neue Stellungnahme des 68-jährigen Briten entsetzt. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, sagte, sich lediglich für zugefügte Schmerzen zu entschuldigen, sei „völlig ungenügend“. Damit seien Williamsons Äußerungen über den Holocaust nicht auszuräumen. Er müsse sie widerrufen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schloss nicht aus, dass die Bundesrepublik die Auslieferung des britischen Holocaust-Leugners Williamson beantragt.
Auch der Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Italiens, Renzo Gattegna, hat sich skeptisch über die Entschuldigung geäußert. Die Erklärung des aus Argentinien ausgewiesenen Briten sei „zweideutig“, betonte er der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom Freitag zufolge. Möglicherweise sei Williamsons jüngste Erklärung „schwerwiegender“ als seine bisherigen Äußerungen. Gattegna wies darauf hin, dass der Bischof der traditionalistischen Pius-Bruderschaft es auch in seiner jüngsten Äußerung „sorgfältig vermeidet, eine unwiderlegliche historische Wahrheit anzuerkennen“. (rv)

 

 

02.03.09

Neuer Präsident des Päpstl. Rates für Migranten

Der päpstliche Rat für die Seelsorge an Migranten und Menschen unterwegs hat einen neuen Präsidenten: Papst Benedikt XVI. hat an diesem Samstag Erzbischof Antonio Maria Vegliò zum neuen Vorsitzenden des Migrantenrates berufen. Bisher war Vegliò Sekretär der Kongregation für die orientalischen Kirchen. Der Erzbischof löst damit den langjährigen päpstlichen Beauftragten für Migranten, Kurienkardinal Renato Raffaele Martino, ab. – Antonio Maria Vegliò wurde am 18. März 1962 zum Priester geweiht. Er promovierte in Kanonischem Recht und trat 1968 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Er war als Apostolischer Pro-Nuntius in Papua-Neuguinea, auf den Salomonen, im Senegal und auf Mali tätig. 1984 wurde er zum Bischof geweiht. Als Sekretär der Kongregation für die orientalischen Kirchen arbeitete er seit 2001. (rv)

 

 

05.03.09

In einem römischen Kloster in der Nähe des Laterans ist ein wichtiges Dokument zu Papst Pius XII. aufgetaucht.

Die Notiz vom November 1943 führt 24 Verfolgte des Nazi-Regimes auf; diese sollten auf Wunsch des Papstes gerettet werden. Darum habe – so das Dokument wörtlich – der Heilige Vater angeordnet, „diesen Verfolgten in den Klöstern Gastfreundschaft zu gewähren“. Viele oder alle der auf der Liste aufgeführten Personen waren offenbar Juden. Der Relator im Seligsprechungsprozess für Pius, Jesuitenpater Peter Gumpel, spricht von einem „seltenen Zeugnis“. Es gebe zwar viele mündliche Hinweise auf solche Rettungsaktionen des Pacelli-Papstes für verfolgte Juden, aber so gut wie keine schriftlichen Belege. Das Dokument kam jetzt im Kloster der Augustinerinnen von „Santi Quattro Coronati“ zum Vorschein. Es ist einer von nur zwei existierenden schriftlichen Hinweisen auf die Rettungsaktion; ein zweites, schon länger bekanntes Dokument aus dem Vatikan in dieser Hinsicht galt dem Bistum Assisi. (rv)

 

 

07.03.09

Vatikan/Frankreich: Als der Papst in „Babylonischer Gefangenschaft“ war

Vor 700 Jahren leitete Papst Clemens V. in Avignon die Ära der so genannten „Babylonischen Gefangenschaft“ des Papsttums ein. Ursache des Avignon-Exils waren die politischen Wirren in Rom und Italien sowie der Druck der französischen Krone. Bis 1376 führten insgesamt sieben französische Petrus-Nachfolger die Geschicke der Kirche von Avignon aus. Das feiern die Gläubigen dort an diesem Wochenende. Und ein französischer Kurienkardinal vertritt Papst Benedikt bei den Feierlichkeiten: Kardinal Paul Poupard wird an diesem Samstag und Sonntag am ehemaligen Papstsitz über die Bedeutung des Avignon-Exils der Päpste sprechen. Gegenüber Radio Vatikan erklärte der emeritierte Vorsitzende des Päpstlichen Kulturrats Poupard, weshalb die „Babylonische Gefangenschaft“ keinen Bruch in der Kirchengeschichte bildet:

„Denn es ging damals darum, die Kontinuität der Petrus-Nachfolge fortzuführen. Auch dank des Aufenthalts in Avignon konnte diese Linie vom Apostel Petrus bis hin zu Benedikt XVI. weiter geführt werden. Aus historischer Sicht war es notwendig, dass damals das Kirchenoberhaupt von Rom weggehen musste. Doch es ist nicht korrekt zu sagen, dass es sich um eine Gefangenschaft handelte. Denn der Papst und die Kurie sind freiwillig nach Avignon gereist. Sie konnten nur dort hingehen, weil sich kein anderer Ort vorfand.“

Heute wird in der südfranzösischen Stadt gefeiert, was aber damals als Schmerz empfunden wurde. Kardinal Poupard:

„Es waren schwere Zeiten. Denn es ist ja nie normal, dass ein Bischof gezwungen wird, seinen Sitz zu verlassen. Das gilt insbesondere für den Bischof von Rom. Damals war aber das Papsttum mit den politischen Wirren jener Zeit verbunden. Daraus schließen wir für die heutige Zeit, dass die Petrusnachfolge nicht eine politische sondern eine geistige Autorität bleiben muss.“ (rv)

Anmerkung  von VH zur Babylonischen Gefangenschaft (lesen Sie hierzu die Konklavegeschichte):

  • Papst Clemens V.
  • Johannes XXII.
  • Benedikt XII.
  • Clemens VI.
  • Innozenz VI.
  • Urban V. und
  • Gregor XI.         

 

 

10.03.09

Vatikan: „Aufmerksamkeit auf ganzen afrikanischen Kontinent richten“

In einer Woche bricht Benedikt XVI. auf nach Afrika. Es ist die 18. Reise eines Papstes auf den afrikanischen Kontinent. Der deutsche Papst selbst besuchte als Kardinal die kongolesische Hauptstadt Kinshasa, seine 11. internationale Pastoralreise als Kirchenoberhaupt führt ihn jetzt nach Kamerun und Angola.
Andere Kontinente habe der Papst bereits bereist, Afrika sei jetzt an der Reihe, erklärte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Dienstag vor Journalisten.

„Für Oktober ist außerdem die Sondersynode für Afrika angesetzt. Die Reise steht also in enger Verbindung mit der Synode und will die Aufmerksamkeit der ganzen Kirche auf diesen Kontinent richten.“

„Die Kirche im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ ist das Thema der Pastoralreise und der Afrikasynode gleichermaßen. In Kameruns Hauptstadt Yaoundé wird Benedikt XVI. stellvertretend an 42 Bischöfe des Kontinents das Arbeitspapier für die Sondersynode im Oktober übergeben. Johannes Paul II. überreichte an gleicher Stelle vor 14 Jahren das Abschlussdokument der ersten Afrika-Synode.
Die Reiseziele Kamerun und Angola ermöglichen dem Papst eine besonders exemplarische Visite des afrikanischen Kontinents: Er besucht die nördliche und südliche Hemisphäre. In den beiden Ländern werden außerdem die drei wichtigsten Sprachen Afrikas gesprochen, Englisch, Französisch, sogar noch etwas Deutsch in Kamerun, Portugiesisch in Angola.
Angola war das erste Missionsland südlich der Sahara. Der Papst wolle dort die Christen stärken, und zum Frieden aufrufen, so Lombardi. Die kriegsgeplagte Geschichte Angolas ist für die Planer der Papstreise beispielhaft für den Kontinent.

„Das Land hat 27 Jahre Bürgerkrieg hinter sich und ist auf dem Weg zur Aussöhnung. Doch Angola steht jetzt vor dem Wiederaufbau. Eine Botschaft im Zeichen des Synodenthemas Frieden und Versöhnung ist für dieses Land also wichtig, das versucht, nach den schlimmen Zeiten neu anzufangen.“

Erstmals besucht Benedikt XVI. im Laufe einer Pastoralreise zwei Länder. Die vatikanischen Tourenplaner legten Wert darauf, dass sich die Programmpunkte nicht wiederholen. In Kamerun liegt der Schwerpunkt auf den kirchlichen Themen und der Begegnung mit den Bischöfen. Benedikt wird außerdem ein Krankenzentrum besuchen.
Erster und international bedeutender Programmpunkt in Angolas Hauptstadt Luanda ist der Besuch beim Präsidenten, verbunden mit einer politischen Rede des Papstes. Lombardi:

„Das ist der Ort für die Ansprache des Papstes über Afrika, die sich sowohl an die Kirche als auch an den Kontinent richtet und international ausgerichtet ist.“
Benedikt XVI. will in Angola mit dem Volk und seinen Problemen und Sehnsüchten in Kontakt kommen: In einem der neuen Fußballstadien Afrikas begegnet der Papst den Jugendlichen. Vor der Abreise am 22. März trifft er – erstmals im Programm bei einer Papstreise – katholische Frauenbewegungen, auf eigenen Wunsch einer Pfarrei in einem der ärmsten Stadtteile Luandas. (rv)

 

 

12.03.09

Papstbrief an Bischöfe. Der offizielle Text

Benedikt XVI. hat einen Brief an Bischöfe aus aller Welt geschrieben. Darin antwortet er auf Kritik und Fragen zu seinem Umgang mit der Causa Williamson und den Lefebvre-Anhängern. Der Brief wurde am Donnerstag Mittag vom Vatikan veröffentlicht. Wir dokumentieren hier den autorisierten Text; Quelle ist der Pressesaal des Heiligen Stuhls.

„BRIEF SEINER HEILIGKEIT PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE BISCHÖFE DER KATHOLISCHEN KIRCHE
in Sachen Aufhebung der Exkommunikation
der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen: eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.

Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich-jüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen und weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Mißverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die – wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. – auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.

Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, daß Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius’ X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.

Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius’ X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren – das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.

Ich hoffe, liebe Mitbrüder, daß damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 1. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, daß ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmißverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ (Lk 22, 32). Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“ (1 Petr 3, 15). In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.

Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, daß es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muß. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen – um die Ökumene – in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen – der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren - die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika „Deus caritas est“ gesprochen habe.

Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Daß die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen läßt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten überwand und Verkrampfungen löste, so daß nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, daß sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?

Gewiß, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlaß viele Mißtöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört – Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muß ich der Wahrheit wegen anfügen, daß ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, daß auch aus kirchlichen Kreisen Mißtönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Haß losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte – in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Haß bedacht werden.

Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, daß ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5, 13 – 15 auslegen und kommentieren mußte. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, daß wir auch nicht besser sind als die Galater? Daß uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Daß wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und daß wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia – unserer Lieben Frau vom Vertrauen – begangen. In der Tat – Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten – auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluß all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich
im Herrn Euer

[Benedictus PP. XVI]
Aus dem Vatikan, am 10. März 2009.
 

Papstbrief – die Kernsätze

Wir dokumentieren hier die Kernsätze aus dem Brief des Papstes an die Bischöfe zur Causa Williamson und den Lefebvre-Anhängern. Quelle ist der Vatikanische Pressesaal. Er hat die offizielle Fassung des Papstbriefes am Donnerstag Mittag veröffentlicht.
„Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!
(Ich fühle) mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei (der Aufhebung der Exkommunikationen) geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.
Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit ... erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichjüdische Versöhnung... Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten...
Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, daß Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen... Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit... Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.
Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ ... in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet, ... garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt...
Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, daß es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muß... Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde ... darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Daß die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen...? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen läßt?...
Gewiß, wir haben ... viele Mißtöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. ... Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? ... Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Haß losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Haß bedacht werden...
Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens...“ (rv)
 

Vatikan: Offizielle Erklärung zum Papstbrief

Der Brief von Papst Benedikt zum Trubel um die Lefebvre-Anhänger wurde am Donnerstag im Vatikan offiziell vorgestellt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi gab zu dem Papstschreiben einige Erklärungen ab. Wir veröffentlichen den Text des Jesuitenpaters (der auch Generaldirektor von Radio Vatikan ist) in vollem Wortlaut auf deutsch.

Erklärung des Briefes von Papst Benedikt XVI. zur Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe vom vatikanischen Pressesaal.

Warum und wann ist der Brief geschrieben worden?

  • Um - nach einer Diskussion von unvergleichlicher Vehemenz - ein klärendes Wort über die Intention des Papstes und der Organe des Heiligen Stuhls zu sprechen und um so einen Beitrag für den Frieden in der Kirche zu leisten –
    Geschrieben wurde der Brief in der zweiten Hälfte Februar, vor Beginn der Exerzitien.

  • Die Fehler oder Pannen, die dazu beigetragen haben
  • Der Fall „Williamson“, also das Missverständnis, dass durch die Rücknahme der Exkommunikation der Weg der Versöhnung zwischen Christen und Juden verlassen würde. Der Papst anerkennt einen Informationsmangel und dankt den Juden, die das Missverständnis erkannt und die Vertrauensatmosphäre wieder hergestellt hätten.
    Mangelnde Klarheit bei der Vorstellung von Bedeutung und Grenzen der Aufhebung der Exkommunikation.

  • Bedeutung und Grenzen des Schrittes von 21. Januar 2009
  • Die Exkommunikation betrifft Personen und nicht Institutionen. Bischofsweihen ohne Erlaubnis bedeuten die Gefahr eines Schismas. Daher werden die betroffenen Personen mit der sehr harten Strafe, der Exkommunikation, bestraft, um sie so zur Einheit zurück zu rufen. Nachdem die Betroffenen grundsätzlich die Vollmacht des Papstes anerkannt hatten, zielt die Rücknahme der Exkommunikation dem gleiche Ziel: die Einladung der vier Bischöfe zur Einheit.
    Die Institution St. Pius-Bruderschaft hat aber aufgrund der Lehre keinen kirchenrechtlichen Status. Solange die Lehrfragen nicht geklärt sind, üben auch ihre Amtsträger legal kein Amt in der Kirche aus.

  • Die Zukunft der Kommission „Ecclesia Dei“ und ihre Beziehung zur Bruderschaft Pius X.
  • Da die grundlegenden Fragen lehrmäßiger Art sind, wird die Kommission Ecclesia Dei mit der Glaubenskongregation verbunden und ihre Entscheidungen werden von ihren kollegialen Organen in ihren Versammlungen entschieden (unter Einbeziehung der Präfekten der anderen Kongregationen und des Episkopates).
    Die Fragen betreffen vor allem die Anerkennung des 2. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramtes der Päpste. Was die Pius-Bruderschaft betrifft: “Man kann das Lehramt der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren.“ (also vor dem 2. Vatikanum). Was die Verteidiger des 2. Vatikanums betrifft: „Das 2. Vatikanum trägt die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich. Man kann die Quellen, von dem der Baum lebt, nicht abschneiden.“
     

  • War die Rücknahme der Exkommunikation wirklich notwendig?
    Auf diese Frage antwortet der Papst in zwei Absätzen:
    Die wahren und großen Prioritäten des Pontifikates sind von ihm von Anfang an klar unterstrichen worden:
  • Die Menschen zu Gott führen, zu dem Gott, der in der Bibel spricht und sich in Christus geoffenbart hat.
    Die Einheit der Christen, Ökumene
    Der interreligiöse Dialog mit allen, die an Gott glauben, um den Frieden zu suchen.
    Das Zeugnis der Liebe in der sozialen Dimension des christlichen Glaubens (Deus Caritas est)

  • Der Papst fährt dann fort: Wenn einerseits der mühevolle Einsatz für Glaube, Hoffnung und Liebe die wirkliche Priorität ist, so sind doch andererseits auch ein Teil davon die „kleinen und mittleren Versöhnungen“ wie die mit der Pius-Bruderschaft.

    Der Papst geht dann von dem Faktum aus, dass „die Geste einer ausgestreckten Hand Ausgangspunkt für einen großen Lärm und so genau zum Gegenteil von Versöhnung wurde“ und er stellt eine Reihe von Fragen, um nach - den Kriterien des Evangeliums - zum Nachdenken anzuregen.
  • War und ist es wirklich so verkehrt, in diesem Fall die Versöhnung zu suchen, mit einem „Bruder, der etwas gegen dich hat“ – wie es in Bergpredigt heißt?
    Muss nicht auch die Zivilgesellschaft die Radikalisierungen überwinden (es gibt auch gute Erfahrungen mit Gemeinschaften, die von Rom getrennt waren).
    Kann es uns gleichgültig lassen, eine so große Gemeinschaft wie die Pius-Bruderschaft wegziehen zu lassen? (bei vielen ihrer Priester sind doch Dimensionen der Liebe zu Christus und der Wunsch ihn zu verkünden)
    Auch wenn es bei Repräsentanten der Bruderschaft offene Defekte gibt, wie Hochmut, Besserwisserei, Einseitigkeit, so muss man doch auch die Verfügbarkeit von anderen anerkennen. Muss sich die Großkirche nicht großmütig zeigen, offen, langatmig im Glauben und selbstkritisch angesichts der internen Fehler.

  • Zum Schluss gibt es einen starken Satz, eine wahre Herausforderung für das Gewissen auch bei strikten Kriterien für die Geste des Papstes und seiner Intentionen (innerhalb und außerhalb der Kirche): „Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe braucht, der man keinerlei Toleranz schuldig ist, gegen die man ganz friedlich Hass schleudern darf. Und wer sie anzurühren wagt– in diesem Fall der Papst – auch der verliert das Recht auf Toleranz und auch er kann ohne Scheu und Reserve mit Hass bedacht werden.“
    Der Brief schließt mit einer leidenschaftlichen Reflexion des Apostels Paulus über die Liebe als Erfüllung des Gesetzes und über die Warnung vor der Versuchung, sich „gegenseitig zu beißen und zu verschlingen“ (Galater 5,13-15) – als falsch verstandene Freiheit. Diese Versuchung gibt es auch heute in der Kirche – schreibt der Papst – wir dürften uns darüber nicht wundern, sondern müssen ihr widerstehen und immer neu die absolute Priorität der Liebe lernen. „Der Herr beschütze uns alle und führe uns auf dem Weg des Friedens.“ (Übersetzung: P. Eberhard v. Gemmingen SJ, rv)
     
  • Presseschau zum Papstbrief

    Überwiegend positiv reagieren die Medien in Deutschland auf den Papstbrief. Ins Auge fallen zwei Ausnahmen: die „Frankfurter Allgemeine“ auf der rechten, die Berliner „tageszeitung“ auf der linken Seite. Generell wird die Berichterstattung über den Papstbrief aber von Informationen über das Schulmassaker in Baden-Württemberg in den Hintergrund gedrängt.
    „Spät, aber nicht zu spät“ kommt der Papstbrief nach dem Urteil der „Rheinischen Post“: „Er zeichnet sich durch Selbstkritik, Versöhnungsbereitschaft und christliche Barmherzigkeit aus“. Benedikts Schreiben „beschämt hoffentlich diejenigen bis hinein ins Kanzleramt, die den Papst ins reaktionäre, antijüdische Zwielicht getaucht haben.“ „In ungewöhnlicher Offenheit legt das Kirchenoberhaupt seine Beweggründe dar und wirbt für seinen Kurs“, meint das ZDF.
    Das „Hamburger Abendblatt “ findet den Brief „so überraschend und ungewöhnlich wie die umstrittene Aufhebung der Exkommunikation“ der vier Lefebvre-Bischöfe. Dem Blatt fällt vor allem auf, dass Benedikt gleich zweimal das Wort "Panne" gebraucht“. Die Überlegung des Papstes, dass der Vatikan künftig stärker aufs Internet achten müsse, habe sich schon am Mittwoch bewahrheitet, als die FAZ das Schreiben unautorisiert auf ihre Homepage setzte.
    „Ein offenes und starkes Wort“, urteilt die katholische „Tagespost“. „Am Ende geht es darum, wer das letzte Wort hat.“ Benedikt habe „auf dem Höhepunkt der hysterischen Aufregung in seiner Heimat die schwärzeste Woche seines Pontifikats durchlebt“. Die Offenheit des Papstes gebe dem Brief „Stärke“: „Er geht direkt auf die immer wieder lautgewordene Frage ein, ob es denn für den Vatikan nichts Wichtigeres gebe, als sich um eine schismatische Gruppierung zu kümmern – und lässt auch ein wenig in das eigene Herz des obersten Hirten der Kirche blicken“. Benedikt XVI. beschönige nichts, „macht jedoch unmissverständlich klar, dass es zu den obersten Prioritäten des Petrusnachfolgers gehört, für die Einheit unter den Gläubigen zu sorgen.“ Wo der Papst vom drohenden Glaubensverlust in vielen Teilen der Welt spreche, werde der Brief „fast dramatisch“. Fazit der „Tagespost“: „Es ist nicht der „rechte Rand“ der Kirche, den Papst Benedikt vorzugsweise beackert. Es ist die ganze Welt und es ist die ganze Kirche“.

    „Bislang galt ... ein unerschütterlicher Grundsatz im Vatikan: Päpste machen keine Fehler.“ Das behauptet das Hamburger Magazin „Der Spiegel“ auf seiner Internetseite. Diesen Grundsatz habe der Papst jetzt „deutlich durchbrochen“. Kardinal Castrillón Hoyos, „der das Desaster mit den Piusbrüdern Mitte Januar ausgelöst hatte“, sei durch den Brief „entmachtet“: „Da hat es ordentlich gerumpelt“, zitiert der „Spiegel“ einen Prälaten. Der Kommentar lobt auch den Hinweis des Papstes darauf, dass das Thema Pius-Brüder am Vatikan künftig kollegial behandelt wird; das sei „für den Vatikan mit seiner versteinerten Hierarchie“ von „beträchtlicher Sprengkraft“. Offenbar wolle Benedikt mit der Kardinalsversammlung am Mittwoch „eine Art politisches Kabinett der Kardinäle installieren, dass es in der Form bisher nicht gab“. Das sei „eine neue Ausrichtung in Richtung Kollegialität in Rom, gepaart mit einem selbstkritischen Papst“. Fazit des „Spiegels“: „Ob allerdings der Kurs der Kirche mit diesem Schreiben in einen neuen Frühling oder zurück in den alten Trott führt, wird erst die Zeit zeigen.“
    Die Tageszeitung „Die Welt“ betont, dass dieser Brief „in der jüngeren Kirchengeschichte kein Vorbild hat“. „Nicht die Kritik der deutschen Bundeskanzlerin, nicht der Protest deutscher Theologen oder gar die Erklärung der Hirten“ habe den Papst zu dem Brief veranlaßt, sondern ein Galater-Text, der schon Luther inspiriert habe. Benedikts Schreiben sei ein neuer „Brief an die Galater“; darin erläutere er einen „komplizierten Vorgang“, „der nicht nur der Bundeskanzlerin Frau Doktor Merkel, sondern auch vielen Bischöfen offensichtlich nicht mehr ganz klar und geläufig war.“ „Zu sagen, der neue Brief komme 50 Tage zu spät, trifft die Lage nicht ganz“, meint der Kommentator. „Dann nämlich hätte jener Konflikt ja unmöglich mitbedacht werden können, der durch den Streit um die Pius-Bruderschaft inzwischen wie Kontrastbrei viele Bruchlinien innerhalb der Kirche hat offenbar werden lassen.“ Man solle jetzt nicht erwarten, dass Benedikt künftig öfter mal im Internet surfe: „Er wird weiter mit Bleistift schreiben, doch selten so wie diesmal“. „Beunruhigend“ werde der Papst, wo er ganz offen von „Hass“ auf ihn schreibe. „Hass auf den Papst? Davon hat in diesen Tagen keiner offen gesprochen, obwohl er allenthalben mit den Händen zu greifen war.“
    „Ein Papst beschwert sich über den Lärm“ – das ist der Titel des Kommentars in der „Frankfurter Allgemeinen“ – der Zeitung also, die auch gegen jede Sperrfrist den Text öffentlich gemacht hatte. Benedikts Brief sei „ein Dokument von unklarem Status“; er reagiere ganz offensichtlich auf öffentlichen Druck. „Den Erläuterungen von vatikanischer Seite, die es seit der Publikation des Dekrets vor sechs Wochen in stetigem Fluss gegeben hat, fügt der Brief nichts hinzu.“ Deutlich werde stattdessen ein „dramatischer Autoritätsverlust des Papstes“: „Er wiederholt die bekannten Erläuterungen und schmückt sie mit pastoralen Floskeln.“ „Nichts Neues aus Rom“, so kommentiert die Zeitung beißend. Es fehle eigentlich nur noch „die Ankündigung, man werde auch den „Spiegel“ abonnieren“. Benedikt lasse „seine persönliche Empfindlichkeit“ erkennen, gebrauche mehrmals „ein schiefes, sogar kitschiges Bild“, vermehre „den Lärm, den er verdammt“, und wirke „unsouverän“: „Eine seltsame Mischung aus Furcht und Hochmut kommt hier zum Vorschein, die wenig zu tun hat mit der Liebe, die der Verfasser ... beschwört. Man könnte glauben, der Papst hätte sich die Feder von einem Feuilletonisten geliehen.“ Vom FAZ-Feuilleton indes hat sich Benedikt seine Feder ganz offenbar nicht geliehen.
    „Der Papst denkt nur an die Kirche“, befindet wiederum die linke „ tageszeitung“. Der Briefe zeige „vor allem eines: Der Papst ist weit entfernt von unserer Welt“ und zeige eine „für viele Europäer schwer nachvollziehbare Weltfremdheit“. So würden etwa der Holocaust oder seine Leugnung durch Bischof Williamson von Benedikts Brief nicht einmal erwähnt. „Dieser Papst begibt sich im Unterschied zu seinem Vorgänger nicht auf die Ebene unseres historischen und politischen Denkens. Der offene Dialog mit der Welt, den die katholische Kirche seit den sechziger Jahren anstrebt, ist mit ihm schwierig geworden.“ Die „taz“ prophezeit: „Der nächste Zusammenstoß zwischen Papst und Welt wird nicht lange auf sich warten lassen. Wer mehr weltlich als kirchlich denkt und fühlt, den lässt der Brief ratlos zurück.“ Immerhin nehme das Schreiben die Krise spürbar ernst und werde daher „zur Entspannung der Situation beitragen“. (rv)

 

 

15.03.09

Großbritannien: Spekulationen von der Insel

Die Ernennung eines Nachfolgers für Kardinal Cormac Murphy-O'Connor zum Oberhaupt der Katholiken in England und Wales sorgt offenbar für Schwierigkeiten. Das berichtet dieKatholische Nachrichtenagentur unter Berufung auf den „Sunday Telegraph“. Nach Angaben des Blattes sprechen sich einige Bischöfe gegen die Ernennung des bisherigen Erzbischofs von Birmingham, Vincent Nichols, aus. In Schreiben an den Nuntius in London, Faustino Sainz Munoz, bezeichneten die Bischöfe Nichols dem Bericht zufolge als zu ehrgeizig. Weiter kritisierten sie demnach den Führungsstil des Erzbischofs, seinen Charakter und sein übersteigertes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Auch ein britischer Abgeordneter soll sich brieflich gegen den „Kirchen-Karrieristen“ geäußert haben.

Bislang galt der 63-jährige Nichols als Favorit für das Amt des Erzbischofs von Westminster, so die KNA. Die anderen beiden Kandidaten auf der Auswahlliste, die der Nuntius im Januar an Papst Benedikt XVI. gesandt habe, seien der Erzbischof von Cardiff, Peter Smith, und der Bischof von Nottingham, Malcolm McMahon. Smith gelte aber vielen im Vatikan als zu liberal, während McMahon öffentlich den Zölibat infrage gestellt habe. - Der 76-jährige Kardinal Cormac Murphy-O'Connor soll im April aus dem Amt scheiden, so die Katholische Nachrichtenagentur.

Derweil spekuliert der „Sunday Telegraph“ auch über einen möglichen Papstbesuch im nächsten Jahr. Nach seinen Informationen plane Benedikt eine Reise, die ihn 2010 außer nach Großbritannien auch nach Irland führe, so das Blatt. Es beruft sich auf Quellen im Vatikan. Ein solcher Papstbesuch – der im Vatikan derzeit nicht bestätigt wird – wäre der erste im Vereinten Königreich seit 1982. Damals besuchte Johannes Paul II. Großbritannien. Anlaß für eine Visite Benedikts könnte eine mögliche Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman sein. Der Kirchenmann des 19. Jahrhunderts, der vom anglikanischen zum katholischen Bekenntnis wechselte, gehört zu den größten christlichen Denkern Europas.

Als mögliche Etappen einer Papstreise nennt der „Sunday Telegraph“ London, Birmingham, Oxford, Edinburgh, Armagh und Dublin. Der britische Premierminister Gordon Brown war am 19. Februar beim Papst. Nach Angaben aus seinem Umfeld hat er Benedikt dabei zu einem Besuch eingeladen. (rv)

 

 

15.03.09

Papst vor Afrikareise: „Den ganzen Kontinent umarmen“

Beim letzten öffentlichen Auftritt vor seiner Reise nach Kamerun und Angola hat Papst Benedikt um Aufmerksamkeit für Afrika geworben. „Heute bitte ich euch alle um euer Gebet für meine erste Apostolische Reise nach Afrika, zu der ich am Dienstag aufbrechen werde.“ Beim Angelusgebet am Sonntag in Rom dachte Benedikt „an alle Opfer von Hunger, Krankheiten, Ungerechtigkeit, Krieg und Gewalt“ in Afrika; auch viele Missionare, Kirchenleute oder engagierte Laien gehörten zu diesen Opfern. „Der Herr segne diesen Kontinent und alle, die ihm in Nächstenliebe verbunden sind!“ In einer kurzen italienischen Ansprache umriß Benedikt XVI. das Ziel seiner ersten Reise zum so genannten Schwarzen Kontinent:

„Mit diesem Besuch will ich den ganzen afrikanischen Kontinent geistlich umarmen: seine tausend Unterschiede und seine zutiefst religiöse Seele; seine alten Kulturen und seinen mühsamen Weg der Entwicklung und Versöhnung; seine schweren Probleme, seine schmerzhaften Wunden und sein enormes Hoffnungs-Potential. Ich will die Katholiken im Glauben stärken, die Christen im Einsatz für die Ökumene ermuntern und allen den Frieden verkünden, den der Auferstandene der Kirche anvertraut hat.“
 

Auf deutsch ging Benedikt XVI. beim Angelusgebet auf den Text des Apostels Johannes von diesem Sonntag ein. „Das heutige Evangelium berichtet, daß Jesus die Viehhändler und Geldwechsler aus dem Tempel, dem Haus seines Vaters, vertrieben hat. Dafür zur Rede gestellt, antwortet er, daß er selbst der eigentliche lebendige Tempel ist, in dem Gott unter uns wohnt. Nach den Worten des Apostels Paulus ist auch unser Leib ein „Tempel des Heiligen Geistes“, den wir durch ein Leben nach den Geboten Gottes rein bewahren müssen.“ (rv)

 

 

16.03.09

Papstreise und Afrikasynode: Kampf der Korruption

Benedikt XVI. bricht zu seiner ersten Pastoralreise nach Afrika auf. Die offiziellen Anlässe der Visite sind die Übergabe des Arbeitspapiers für die Afrika-Sondersynode und die 500-Jahr-Feiern der Evangelisierung Angolas. Doch in Kamerun und Angola stehen kirchliche wie politische Themen auf dem Programm. Hintergründe von Birgit Pottler:

Der Vatikan will die internationale Aufmerksamkeit auf Afrika lenken. Der deutsche Weltkirchenbischof, Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, sagte vor der Abreise Benedikts XVI.:
„Ich denke, es ist wichtig – und das ist ja immer das erste Anliegen des Papstes – die Kirche zu stärken, auch als Hirte der Einheit die Bischöfe und die Gläubigen mehr zu vereinen, um eine Kraft in die Kirche hineinzubringen. Das wird der Papst sicher tun. Wichtig ist sicher auch, dass die nächste Afrikasynode angekündigt und für sie geworben wird. Das halte ich für die zwei wichtigsten Punkte bei seiner Reise.“

Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden sind die Leitthemen für die Papstreise und die Synode. Benedikts Ansprachen werden die Situation auf dem Kontinent und in den besuchten Ländern unter diesen Gesichtspunkten beleuchten. Vordergründiges Hauptproblem in Kamerun: die Korruption. 1998 errang das Land unter korruptesten Ländern weltweit den traurigen ersten Platz. Unter internationalem Druck begann Präsident Paul Biya eine „Säuberungsaktion“ in der Verwaltung und es hagelte Gefängnisstrafen für zahlreiche führende Kräfte. Die Wirtschaftslage Kameruns hat sich seither verbessert, doch von tragfähiger Entwicklung und allgemeinem Wohlergehen zu sprechen, erscheint noch immer weit hergeholt. Der Kampf gegen die Korruption ist nicht gewonnen. Die Staatsausgaben für das Gesundheitssystem etwa liegen bei lediglich drei Prozent.

Die so genannten „Lineamenta“ zur Vorbereitung der Synode bemerken positiv den „wachsenden Widerstand gegen die Korruption“, prangern aber gleichzeitig das „inakzeptable Ausmaß“ an, das sie in einigen Ländern erreicht habe. Die Wurzeln, so das Synodendokument, lägen in der „wirtschaftlichen Ungerechtigkeit“. Auch Europa trage hier Verantwortung, habe nicht nur den Glauben, sondern auch „die Laster des alten Kontinents“ exportiert, sagte Benedikt XVI. bereits im Jahr 2005. Die Industrienationen und Afrika selbst müssten sich gleichermaßen ihrer Verantwortung stellen.

Sollte Benedikt XVI. das jetzt aufgreifen? Erzbischof Schick:
„In den Vorlagen für die Synode steht auch einiges zur Korruption. Wenn das aufgegriffen wird, ist das meiner Meinung nach eine große Hilfe. Wenn dann die Synode dazu eine klare Position veröffentlicht, dann kann das sehr hilfreich sein.“

Die Kameruner Bischofskonferenz bezeichnete einmal die Korruption im Land als „Lebensstil". Vor gut einem Jahr, nach einem Besuch bei Bischöfen in Kamerun, sagte Erzbischof Schick gegenüber Radio Vatikan:
„Es ist hinlänglich bekannt, dass die Regierung in Kamerun mit zu den korruptesten der ganzen Welt gehört und von daher funktioniert das soziale System von Seiten des Staates her viel zu wenig. Es wird viel zu viel in die eigene Taschen gewirtschaftet.“
Kann die Kirche in Kamerun, obwohl sie die Politik durchaus stark kritisiert, dennoch frei arbeiten?
„Ja. Sie bekommt von staatlicher Seite keine Hilfe und keine Unterstützung. Aber der Staat ist zufrieden mit dem, was die Kirche macht und die Kirche kann wirken. Aber die Mittel sind nicht groß genug. Wir von Deutschland unterstützen durch Missio, durch Misereor die Aktivitäten dort, auch viele Partnerschaften, die es gibt. Das ist aber alles nicht genug. Der Staat muss selber dafür sorgen, dass es ein wirklich funktionierendes soziales System gibt. Das geschieht nicht, oder zumindest zu wenig.“
Die Kirche in Afrika soll die Katholiken befähigen - lassen Sie es mich so sagen, „ihren Mann“ in der Gesellschaft zu stehen. Ihr öffentliches Wirken soll vom christlichen Prinzip des Dienens geleitet werden, heißt es in den Lineamenta zur Synode. Dazu gehörten der Einsatz für das Gemeinwohl, der Kampf gegen die Korruption und ganzheitliche Entwicklung, geistlich wie materiell, für alle Bürger. Die Afrikasynode und damit der Papst werden davon noch sprechen.
(rv)

 

 

17.03.09

1. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Benedikt XVI. ist in Afrika eingetroffen.

In Kameruns Hauptstadt Yaoundé rief er zum Kampf gegen die Probleme des Kontinents auf. Afrika dürste nach Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung. Es ist die erste Reise des Papstes auf den afrikanischen Kontinent. Sie führt ihn außer nach Kamerun auch noch nach Angola. Aktuelle Berichte über die Reise finden Sie hier auf unserer Homepage.

 Papst in Kamerun: „Christen können nicht schweigen angesichts der Ungerechtigkeit“
„Welche Freude, zum ersten Mal seit meiner Wahl zum Papst in Afrika zu sein!“ Das sagte Benedikt in seiner ersten Ansprache auf afrikanischem Boden. Er gratulierte Kamerun zum 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit und lobte das freundliche Klima zwischen den Konfessionen und Religionen im Land. Hier sind die Kernsätze aus der Papstrede am Flughafen von Yaoundé.

„Ich komme zu euch als Hirte. Ich komme, um meine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, wie einst Petrus. Als Petrus am Pfingsttag in Jerusalem predigte, da waren auch Zuhörer aus Afrika dabei. Das Zeugnis vieler großer Heiliger dieses Kontinents in den ersten Jahrhunderten des Christentums garantiert Afrika einen besonderen Platz in der Kirchengeschichte. Bis heute haben Heerscharen von Missionaren und Märtyrern in allen Teilen Afrikas Zeugnis für Christus abgelegt, und heute zählt die Kirche hier etwa 150 Millionen Gläubige.“

Benedikt erinnerte daran, dass Papst Johannes Paul 1995 in Yaoundé das Abschlußdokument einer Bischofs-Sondersynode für Afrika vorstellte. Er komme nun, um das Arbeitspapier der zweiten Sondersynode zum Thema Afrika zu präsentieren; das Bischofstreffen findet im Oktober in Rom statt. Er hoffe auf einen „Moment der Gnade“ und einen „neuen missionarischen Aufbruch“ der afrikanischen Kirche.

„Auch mitten im größten Leiden bringt die christliche Botschaft immer Hoffnung mit sich. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott kann auch in einer Lage großen Leids und großer Ungerechtigkeit alles verwandeln. Ein Christ kann niemals schweigen angesichts des Schmerzes und der Gewalt, der Armut und des Hungers, der Korruption und des Machtmissbrauchs! Die rettende Botschaft des Evangeliums will mit Kraft und Klarheit verkündet werden, damit das Licht Christi im Dunkel des Lebens der Menschen leuchtet. Auch hier in Afrika hungern zahllose Menschen nach einem Wort der Hoffnung und des Trostes. Regionale Konflikte führen zu Tausenden Obdachlosen und Bedürftigen, Waisen und Witwen.“

Überraschend deutlich ging Papst Benedikt schon in seiner ersten Ansprache auf die Probleme Afrikas heute ein.

„Der Kontinent hat in der Vergangenheit erlebt, dass viele seiner Einwohnner grausam geraubt und verschifft wurden, um als Sklaven zu arbeiten; heute ist der Menschenhandel, besonders mit wehrlosen Frauen und Kindern, zu einer modernen Form der Sklaverei geworden. In einer Zeit weltweiter Nahrungsmittelknappheit, der Finanzkrise und des Klimawandels leidet Afrika überproportional: Immer mehr seiner Einwohner werden zu Opfern des Hungers, der Armut, der Krankheit. Sie schreien nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden – und genau das ist es, was die Kirche ihnen bietet: Nicht neue Formen wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung, sondern die Freiheit der Kinder Gottes. Nicht kulturelle Modelle, die das Recht der Ungeborenen ignorieren, sondern das reine Wasser des Evangeliums vom Leben. Nicht bittere Rivalitäten zwischen Volksgruppen und Religionen, sondern den Frieden und die Freude des Reiches Gottes – die Zivilisation der Liebe.“

Der Papst erwähnte, dass mehr als ein Viertel der Einwohner Kameruns sich zum katholischen Glauben bekennt. Die Kirche sei also „in einer guten Ausgangslage, um für das Wohl der Menschen und die Versöhnung einzutreten“. Das tue sie besonders in der Sorge um Kranke und Behinderte sowie im Schulwesen.

„Kamerun ist ein Land der Hoffnung für viele in Zentralafrika. Tausende von Flüchtlingen aus Ländern der Region, die vom Krieg verwüstet sind, haben hier Aufnahme gefunden. Es ist ein Land des Lebens – mit einer Regierung, die sich eindeutig auch für die Rechte der Ungeborenen einsetzt. Es ist ein Land des Friedens: Kamerun und Nigeria haben einen Streit um eine Halbinsel im Dialog aus der Welt geschafft und damit der Welt gezeigt, dass eine geduldige Diplomatie immer Früchte bringen kann. Es ist ein Land der jungen Leute mit einer vitalen, jungen Bevölkerung. Mit Recht sprechen manche von „Afrika in Miniatur“ – es ist Heimat von über 200 ethnischen Gruppen, die in Harmonie miteinander leben... Gott segne Kamerun! Gott segne Afrika!“ (rv)
 

Papst: „Afrikas Aids-Krise löst man nicht mit Kondomen“
Bereits zum Antritt der Afrikareise ist Aids für Papst Benedikt zu einem Thema geworden: Die Aids-Epidemie in Afrika könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, dies vertiefe die Probleme nur. Das betonte der Papst während des Fluges von Rom nach Kamerun. Wie üblich bei Papstreisen fand auch diesmal eine „fliegende Pressekonferenz“ hoch über den Wolken statt.

Der Papst wörtlich:

„Die katholische Kirche leistet in Afrika viel im Kampf gegen Aids. Es ist eine Tragödie, die man nicht mit Geld überwinden kann. Vielmehr kommt es auf ein moralisch richtiges Verhalten und zugleich auf eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Kranken an.“ Soweit das Kirchenoberhaupt gegenüber den mitreisenden Journalisten. Entschieden wandte sich Benedikt XVI. gegen Behauptungen in den Medien, er sei im Vatikan einsam und isoliert. „Ehrlich gesagt: Ich muss über diesen Mythos der Einsamkeit lachen. Ich fühle mich in keiner Weise einsam. Jeden Tag treffe ich mich mit Freunden, Mitarbeitern, mit den Chefs der vatikanischen Behörden und Bischöfen.“ Der Papst rief zu internationaler Solidarität auf, damit Afrika unter dem Druck der Wirtschaftskrise nicht zusammenbreche. Er meinte, dass die Finanz- und Wirtschaftswelt ethische Fragen in den Vordergrund rücken sollte. „Diese Wirtschaftskrise ist das Resultat eines ethischen Defizits. Mit diesem Thema werde ich mich in meiner neuen Enzyklika befassen. Die Enzyklika war fast fertig, doch dann ist die globale Rezession hinzugekommen, und wir haben den Text revidieren müssen, um der Menschheit eine Botschaft zu dieser Weltlage zu bieten.“ Die Kirche in Afrika stehe den Armen und den Leidenden nahe. Dennoch sei sie keine „perfekte Gemeinschaft“. Daher sei „eine Bereinigung der Strukturen und eine Reinigung der Herzen“ notwendig. Benedikt XVI. sprach in diesem Zusammenhang auch von der Aggressivität der neuen Sekten in Afrika. „Es stimmt, in Afrika gibt es Probleme mit den Sekten. Wir verkünden nicht wie sie Wunder und Reichtum. Diese Sekten sind sehr instabil, und der Katholizismus kann sie mit seiner Struktur und Einheit durchaus bekämpfen. Unser Netz kann den Tribalismus überwinden.“ (rv)
 

„Wir sind Papst“: Kamerun. Streiflicht auf Geschichte und Gesellschaft
Ganz Afrika umarmen - das will Benedikt XVI. während seiner ersten Reise auf den Kontinent. Nicht von ungefähr, scheint es, betritt er daher in Kamerun erstmals als Papst afrikanischen Boden. Aus der Hauptstadt Yaoundé berichtet Birgit Pottler. (rv)
 

Stationen Benedikts in Yaoundé, Stadt auf sieben Hügeln
Zwei Kirchen, das Fußballstadion und eine Krankenstation besucht Benedikt XVI. während seines Aufenthalts in Kamerun, erste Station auf seiner Afrikareise. Ein wenig mag er sich heimisch fühlen, wie Rom ist Yaoundé auf sieben Hügeln erbaut. Von einer ersten Ortsbesichtigung berichtet unsere Korrespondentin Birgit Pottler.

Yaoundé ist eine Verwaltungshauptstadt, erst 1889 gegründet, das Herz der Wirtschaft schlägt gut 250 Kilometer westlich in der Hafenstadt Douala. Abseits der großen Straßen ist Yaoundé ein einziger großer Markt. Zwischen Hütten aus Holz, Lehm oder Wellblech bieten Frauen wie Männer alles feil, was ihr Land und seine Menschen produzieren: Holz und Handwerk, Bananen, Gewürze, bedruckte und gebatikte Stoffe in allen Farben… Dazwischen verkaufen sie Handy-Karten, grillen Fleischspieße, frittieren Backwerk. Wo auch immer ein Stück rote Erde frei ist, spielen Kinder und Männer Fußball. Trikots der großen Vereinsmannschaften aus aller Welt gibt es überall zu kaufen, doch das leuchtende Grün des Nationaltrikots Kameruns überstrahlt sie alle. „In einem Zimmer sein, ist Stress“, sagt einer der Priester, der uns in diesen Tagen begleitet. „Wir leben auf der Straße.“

Dass Straßen und Plätze jetzt modernisiert werden, dass das Stromnetz gerade jetzt erneuert wurde, sei Zufall, maximal glückliche Fügung. Die Modernisierungspläne existierten schon seit drei Jahren, versichern Kirchenvertreter und Sicherheitspersonal.

Auf einem der sieben Hügel Yaoundes liegt die Pfarrei Christ-Roi inmitten eines guten Wohnviertels mit Schulen und medizinischer Versorgung. Tiefrot das Tor zum Pfarrhof, rot und ockerfarben die Kirche mit Wellblechdach und Buntglasfenstern. Der Papst trifft hier am Mittwoch Vormittag die Bischöfe Kameruns. Bei unserem Besuch am späten Sonntag Nachmittag blieb bis dahin noch viel zu tun, inzwischen wurden Wände gestrichen, die Kirchenbänke größtenteils entfernt, der Altarraum umgestaltet und die Holztüren neu lackiert. Unsere Mikrofone können nur die Geräusche wiedergeben, ich kann also nur erzählen vom Geruch frischer Farbe, der sich vermischt mit diesem süßlichen Duft Afrikas.

Eine Oase der Ruhe zwischen Palmen, Kamelien und Mangobäumen ist dagegen die Basilika „Maria, Königin der Apostel“. Rund 20.000 Gläubige aus allen Diözesen Kameruns werden am Mittwoch Nachmittag hier erwartet, wenn der Papst mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien die Vesper betet. Ein großzügiger, flacher Bau aus den 90er Jahren, innen holzverschalt, ist der Marienwallfahrtsort des modernen Kamerun. Die Evangelisierung der Region begann von diesem Hügel aus. Der Sitz der Pallottiner und die älteste erhaltene Kirche im Kolonialstil aus dem Jahr 1906 nur wenige Schritte entfernt geben davon Zeugnis. Seit Tagen beten die Menschen hier vor dem Allerheiligsten still für den Papstbesuch und Afrika.

Nächste Station für den Papst am Donnerstag das Stadion Amadou Ahidjo, benannt nach dem ersten – trotz zahlreicher wirtschaftlicher Fortschritte auch im Rückblick nicht unumstrittenen – Präsidenten des vereinigten Kamerun und kürzlich renoviert. Hier spielt die Fußballnationalmannschaft Kameruns ihre Partien. Hier überreicht Benedikt XVI. den Bischöfen des ganzen Kontinents feierlich das Instrumentum Laboris für die nächste Afrikasynode. Die Holztribünen für 40.000 Fans und Gläubige leuchten in den Nationalfarben, die ehemals ockerfarbene Überdachung wurde noch weiß gestrichen; am Sonntag Abend fehlten dem Maler noch wenige Meter. Bereits fertig war der Rohbau der Altarinsel in Schiffsform, der Wind- und Sonnenschutz für Papst und Konzelebranten ist ein Aufbau aus Holz, Stroh gedeckt und mit Dachgaube, fast ein Haus im Kolonialstil.

Geschäftigkeit, akribische Vorbereitung ja, doch der Arbeiterstab in Yaoundé bleibt heiter. Meistern können sie fast jede Situation mit Musik und einem Lächeln. Das Spruchband vor dem Stadion wünscht dem Papst entsprechend auch „einen guten Josephstag“. Yaoundé wird hier mit ihm Namenstag feiern, falls die Eintrittskarten für das Stadion noch rechtzeitig verteilt werden. Eine der Lokalzeitungen lies daran am Dienstag Zweifel aufkommen.

Letzte Besuchsstation in Yaoundé ist am Donnerstag ein Kranken- und Rehabilitationszentrum, benannt nach dem kanadischen Kardinal Paul Emile Leger, der sich nach seinem Rückzug vom Amt des Erzbischofs in Montreal hier als Missionar verdient machte. Heute wird es vom staatlichen Gesundheitsministerium verwaltet und bietet unter anderem Physiotherapie, eine Schule, eine Schreinerei und eine Orthopädie-Werkstatt. 200 Kranke aus verschiedenen Kliniken des Landes warten hier auf Zuspruch des Papstes. Während draußen noch geputzt wird, sortiert die Leiterin in ihrem Büro die einheitliche Kleidung für die Patienten – Blusen, Hemden, Röcke, Hosen aus demselben Stoff – eigens bedruckt mit dem Papstbild und dem Motto seiner Reise und der Synode: „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden.“ Auf dem Vorplatz wehen die Flaggen Kameruns und des Vatikans. (rv)
 

Kamerun: Pressestimmen zur Ankunft Benedikts XVI.
Am Tag der Ankunft von Papst Benedikt in Kamerun sind die größten Zeitungen des Landes voll von Begrüßungsbotschaften. „Benedikt XVI. kommt - Kamerun hat die Ehre“ und „Kamerun heißt den Heiligen Vater willkommen“ überschreibt die staatliche Tageszeitung „Cameroon Tribune“ in der Haupstadt Yaoundé ihren Leitartikel über die letzten fieberhaften Vorbereitungen auf die Ankunft des Papstes. Noch nie habe das Land eine so große ausländische Delegation wie die insgesamt (wenn man auch anreisende Bischöfe mitrechnet) 800-köpfige Gesandschaft um Benedikt erwartet, heißt es dort. Positiv unterstreicht das Blatt das große mediale Interesse, dass sich durch den Papstbesuch auf Kamerun richte. In einer 56-seitigen Sonderbeilage infomiert die Tageszeitung ihre Leser über den Werdegang Benedikts von seiner Kindheit bis zur Nachfolge auf dem Stuhl Petri. Ohne auf die europäischen Kontroversen der vergangenen Wochen einzugehen, lobt die Zeitung auf der Meinungsseite Benedikt XVI. als „moralische Figur und Orientierungspunkt, der als Gegengewicht von den Regierungen der Welt gefürchtet sei“. Afrika sei nicht besser oder schlechter als seine Epoche, schreibt der Kommentator weiter, vor allem aber liebe es den Papst und brauche ihn. Gleichzeitig appelliert der Autor: „Lieber Heiliger Vater, die Afrikaner sind es leid, nichts erwarten zu dürfen von einer Welt, die sich globalisiert, ohne sich zu solidarisieren, inmitten von ungerechten und aufgezwungenen Regeln.“ Vom Papst würden sie daher „standhafte Ermahnungen zu Gerechtigkeit und Solidarität“ erwarten.

„Die Gläubigen fiebern dem Papst entgegen“, lautet der Titel der Tageszeitung „Mutations“ . Zwei Tage vor der Papstmesse im Amadou-Ahidjo-Stadion in Yaoundé seien die Eintrittskarten restlos ausverkauft, heißt es weiter. „Die ganze Welt wird zur Papstmesse im Stadion vertreten sein“, betont auch der Generalvikar der Diözese Yaoundé im Interview mit Mutations. Weiter berichtet das Blatt über die Schwierigkeiten in der Hauptstadt, den großen Pilgeransturm zu bewältigen. Pilger kämen vor allem aus der Küstenstadt Douala, die die meistbevölkerte Stadt und Wirtschaftszentrum des Landes ist.

„Benedikt XVI. herzlich willkommen in Kamerun“, begrüßt auch die Tageszeitung „Le Jour“ das katholische Kirchenoberhaupt. Unter Berichten über den genauen Ablauf und das Programm der Reise findet sich auch ein Dementi der Behauptung, der Papst wolle mit seinem Besuch seine Unterstützung für die Regierung unter Präsident Biya zum Ausdruck bringen.

Kritische Töne zum Papstbesuch sind rar, was auch an der eingeschränkten Pressefreiheit im Land liegt. So greift die Tageszeitung „L’Indépendant“ die Polemiken um den Abriss alter Wohnviertel in Yaoundé auf, für die der Papstbesuch vordergründiger Anlass gewesen sein soll. „Warten auf den Papst – Alarmstufe Rot in Yaoundé“ titelt „The Post“ und unterstreicht damit das Sicherheitsproblem sowie den personellen und finanziellen Aufwand, den der Papstbesuch verursache. (rv)
 

Yaoundé begrüßt den Papst
„Benedikt XVI. kommt zu uns!“ schreiben die Zeitungen, und mit dem Papst kommt die Sonne nach Yaoundé. In den vergangenen Tagen stöhnte die Hauptstadt Kameruns unter wolkenverhangener Schwüle, zur Ankunft Benedikts XVI. zeigt sie ihre Farben: dunkles Rot der Erde, tiefes Grün der Ausläufer des Regenwaldes. Unsere Korrespondentin Birgit Pottler ist vor Ort.

Hunderte Flaggen wehen im leichten Wind, die Nationalfarben Kameruns, grün, rot und gelb, mischen sich an öffentlichen Gebäuden, entlang der Straßen und auf Plätzen mit dem gelb-weiß des Vatikans. Vom Flughafen bis zur Nuntiatur begrüßen Spruchbänder das Kirchenoberhaupt auf Afrikamission. „Heiliger Vater, wir teilen ihre Ansicht von einer gemeinsamen Zukunft für alle Völker der Erde“ prangt über dem Boulevard für staatliche Aufmärsche, ein Appell für Ökumene und friedliches Miteinander der Religionen an der Straße in Richtung Marienbasilika.

Wo immer der Papst in diesen Tagen vorbeifährt, war vor wenigen Tagen noch Baustelle. Auf den knapp 30 Kilometern vom Flughafen in die Hauptstadt wurden am Samstag Abend die letzten Meter asphaltiert und die Mittelstreifen gezogen.

„Venite adoremus…“ erklingt am Sonntag morgen im Zentrum, es sind Tonproben, die auf den Gast aus Rom einstimmen. Einer der Helfer verschnürt weiße Kabel an einem Strommast, zuvor hat er damit das offizielle Foto Benedikts XVI. im Holzrahmen befestigt. Auf der anderen Straßenseite prangt Staatspräsident Paul Biya im Holzrahmen. Offizielle Flyer und Plakate zeigen Kirchen- und Staatsoberhaupt gemeinsam; Biya, Präsident seit 1982, ist bemüht, sich Afrika und der Welt in gutem Licht zu zeigen; immenses Aufgebot an Sicherheitspersonal und auf absolute Höflichkeit und besten Service für Presse und auswärtige Gäste – getrimmtes Personal eingeschlossen.

„Dank sei Gott und Johannes Paul II.“ steht unter manchen Plakaten und Bildern Benedikts XVI., die eifrige Helfer am Straßenrand gegen Kleingeld verteilen. „Der Papstbesuch ist eine Ehre, ja eine Gnade“, sagt einer der engagierten Organisatoren rund um die Kathedrale in der Hauptstadt. „Kamerun hat dieses Glück, das gleich zwei Päpste unser Land besuchen. Das bedeutet, dass Gott Kamerun liebt. Unser Land lebt heute im Frieden, und das heißt, Gott hat gesehen, dass das Volk viel gebetet hat. Der Besuch des Papstes bedeutet für uns Heil.“

Der Mann im Anzug und violetter Armbinde erinnert an die erste Enzyklika Benedikts und wartet auf eine Grundaussage: „Frieden bedeutet Liebe, Nächstenliebe, bedeutet gutes Miteinander.“

Der Besuch Benedikts soll den Glauben im Land also noch mehr stärken, und die Kirche gegenüber den Sekten festigen. Die Chorleiterin der Kathedrale meint: „Die Menschen sollten verstehen, dass der Glaube hier wirklich gelebt werden muss, nur so können wir soziale Spannungen überwinden.“ (rv)

Bundespräsident Horst Köhler freut sich über die Afrika-Reise von Benedikt XVI. Das sei ein gutes Signal für die Menschen auf dem Kontinent, meint Köhler in einem Brief an den Papst, den die „Tagespost“ dokumentiert. Gerade in der Finanzkrise sei es wichtig, dass Afrika nicht aus dem Blick gerate. Die Afrikaner müßten in eine Neugestaltung der Weltordnung mit einbezogen werden, so Köhler in seinem Brief an Benedikt. Der deutsche Bundespräsident interessiert sich seit seinen Jahren beim Internationalen Währungsfonds besonders für Afrika; er kennt den Kontinent von vielen Reisen her. (rv)

 

 

18.03.09

2. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst in Kamerun: „Priester müssen ihren Gelübden treu bleiben“
Benedikt XVI. hat die Bischöfe in Kamerun ermahnt, nicht wegzugucken, wenn Priester oder Ordensleute ihren Gelübden untreu sind. In der Christ-König-Kirche im Tsinga-Viertel hielt der Papst am Mittwoch Vormittag eine Grundsatzrede über die Kirche in Kamerun; dabei ließ er die Probleme und Herausforderungen einer afrikanischen Ortskirche Revue passieren.
„In diesem Paulusjahr ist es besonders passend, uns klarzumachen, wie dringend das Verkünden des Evangeliums an alle ist. Dieser Auftrag, den die Kirche von Christus erhalten hat, bleibt eine Priorität... Um das Volk Gottes dabei zu leiten und anzuregen, müssen die Seelsorger vor allem selbst Verkünder sein. Verkündigung ist ureigenste Aufgabe des Bischofs, der wie Paulus sagen kann: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ Der Bischof ist der Katechist par excellence.“
Benedikt betonte, wie wichtig die Einheit der Bischöfe untereinander ist. Sie sollten sich jedes Mal um einen gemeinsamen Standpunkt bemühen, wenn es um die „multiplen Herausforderungen“ der Welt von heute geht. Durch eine stärkere Zusammenarbeit der Bistümer könnten die Priester auch besser über das Land verteilt werden, regte der Papst an. Was im kleinen für Kamerun gelte, könne übrigens auch Afrika als ganzes gut gebrauchen: eine „apostolische Solidarität“, durch die die Kirche missionarisch bleibe.
Der Papst drängte die Bischöfe aber auch zur besonders engen Zusammenarbeit mit den Priestern: Sie sollten dem Klerus ein Beispiel geben – und ihm gleichzeitig auch auf die Finger sehen, ob ihr Lebensstil wirklich priesterlich ist. Benedikt hatte da wohl manche afrikanische Laxheit im Auge, die sich afrikanische Priester vor allem mit dem Zölibat leisten.
„Ich fordere euch auf, besonders aufmerksam zu sein, was die Treue von Priestern und Ordensleuten zu ihren Gelübden betrifft, die sie im Moment ihrer Weihe oder ihres Eintritts ins Ordensleben abgelegt haben. Sie müssen ihrer Berufung treu bleiben – um der größeren Heiligkeit der Kirche und der Ehre Gottes willen. Damit ihr Zeugnis authentisch ist, darf kein Graben sein zwischen dem, was sie lehren, und dem, was sie jeden Tag leben!“
An Priesternachwuchs fehle es zum Glück nicht, so Benedikt – doch sei „ernsthafte Auswahl“ sehr wichtig. Darum sollten die Bischöfe trotz aller pastoraler Notwendigkeiten doch viel Zeit und Aufmerksamkeit in die Ausbildung an den Priesterseminaren investieren. Künftige Priester bräuchten „eine solide menschliche, geistliche und seelsorgliche Bildung, um zu reifen und ausgeglichenen Persönlichkeiten zu werden“. Erst dann seien sie „gut vorbereitet auf ein Leben als Priester.“
Der Papst ging auch auf die wichtige Rolle der Katechisten in Kamerun ein: Es gibt davon an die 19.000, das ist fast viermal soviel als die Zahl der Priester und Ordensleute im Land.
„Ich danke ihnen für ihre Großzügigkeit und ihren Glauben im Dienst der Kirche! Durch ihre Arbeit kommt es zu einer echten Inkulturation des Glaubens. Darum ist auch ihre menschliche, geistliche und doktrinelle Ausbildung unerlässlich. Sie brauchen auch Unterstützung (auch materielle) von ihren Hirten, um ihre Mission in guten Lebens- und Arbeitsbedingungen erfüllen zu können – auch dadurch zeigt die Kirche, wie wichtig sie ihre Verkündigungsarbeit findet.“
Benedikt bat die Bischöfe außerdem, sich um die Familie zu kümmern: Die „grundlegenden Werte der afrikanischen Familie” bräuchten in der säkularisierten Welt besonderen Schutz. Zum Thema Sekten und Aberglauben meinte der Papst: Das Phänomen lade die Kirche dazu ein, der „Erziehung von Kindern und jungen Erwachsenen neuen Schwung zu geben“. Er lobte die sehr rührigen katholischen Laienverbände in Kamerun:
„Besonders ermutige ich die Frauenverbände, in den verschiedenen Bereichen der Mission der Kirche aktiv mitzuarbeiten. Sie zeigen dadurch ein echtes Bewusstsein der Würde der Frau und ihrer besonderen Berufung in der kirchlichen Gemeinschaft und in der Gesellschaft.“
Die Kirche wolle die Rechte der Armen und Schwachen verteidigen – so zeige sie konkret, dass sie „die echte Familie Gottes“ sei. Das schließe „jeden Ethnozentrismus oder übertriebenen Partikularismus“ aus und führe zur „Zusammenarbeit der Ethnien für das Wohl aller“. (rv)

Vatikan und Kamerun planen Abkommen zur Rolle der Kirche
Der Vatikan und Kamerun wollen ihre bilateralen Beziehungen vertiefen. Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und Ministerpräsident Ephraim Inoni trafen am Mittwoch im Rahmen des Papst-Besuchs in der Hauptstadt Yaounde zu einer Unterredung zusammen. Dabei ging es nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi um Überlegungen für ein Abkommen, das die Beziehungen zwischen Staat und Kirche näher regeln soll. Details nannte Lombardi nicht. Betont worden sei aber der Beitrag der katholischen Kirche in den Bereichen Bildung und Gesundheit. (kna)

Ein Besuch vorab: Marienbasilika vereint das Land
Die dritte Ansprache Benedikts XVI. während seiner Afrikareise ist an der Marienbasilika „Maria Königin der Apostel“ geplant. Der Papst trifft dort Priester, Ordensleute und Laien aller 24 Bistümer Kameruns.
Die Basilika „Marie Reine des Apôtres“ im Viertel Mvolyé steht nicht auf irgendeinem der sieben Hügel Yaoundés. Der erste Missionar und Bischof in Kamerun, der Münsterländer Pallottiner Heinrich Vieter, hat hier am höchsten Punkt von Mvolyé 1901 seine Zelte aufgeschlagen. 1906 legte er Hand an beim Bau der ersten Kirche hier auf dem Hügel. Sie ist heute eine Anbetungskirche, erklärt der Regionalobere Bruno Ateba.
„Ich würde sagen, Mvolyé, wo die Basilika steht, hat für uns die gleiche Bedeutung, wie für Sie aus Deutschland die Stadt Fulda.“
Denn Heinrich Vieter ist „Vater des Glaubens in Kamerun“. Er hatte zu Beginn der Mission in Marienberg am 8. Dezember 1890 Kamerun Maria, „der Königin der Apostel“ geweiht. Zum 100. Jahrestag entstand diese neue Kirche. Einige Meter hangabwärts liegt das Grab Vieters. Von dort aus wirkt die Basilika auf den ersten Blick wie ein Zelt: eine aufragende Spitze mit Kreuz, dann abgesetzt das Dach, das in einer leichten Welle auf den Vorplatz herab fällt.
12 Säulen stützen den Bau im Innenraum. Diese Kirche strahlt Wärme aus, Geborgenheit – selbst in einem für mich bislang fremden Land und in den hektischen Tagen des Papstbesuchs. Mein Blick geht nach oben und trifft auf ein komplett holzverschaltes Gewölbe, ein warmer, heller Rotton. Bruno Ateba, Rektor der Basilika, öffnet mir die Augen: „Maria mit ihrem Mantel schützt die zwölf Apostel. Und für die 12 Apostel stehen die zwölf Säulen.“
Das Dach ist also der Mantel, die Spitze mit dem Kreuz steht für Maria. Doch sie schützt hier nicht nur die Apostel sondern ganz Kamerun. Diese moderne Architektur schafft es, das ganze Land symbolisch in sich zu vereinen.
„Im Süden, im Zentrum und im Osten gibt es sehr viel Holz, das Kamerun auch exportiert. Das ist hier in der Basilika verarbeitet“, erklärt Ateba. „Wir haben hier auch noch Spuren von Heinrich Vieter“, meint er und klopft an Stuhlbeine aus Ebenholz. Vermutlich hat der gelernte Schreiner diese Stücke vor mehr als 100 Jahren selbst bearbeitet.
Wir gehen weiter in das Halbrund des Altarraums unter der Spitze: Am Ambo – die Symbole der vier Evangelisten, jeweils einen halben Meter hoch aus einem Stück Holz. Aus einem Stück auch die Madonna mit Kind, imposante vier Meter ist sie hoch, aber sie wirkt lebendig und erregt eher Zärtlichkeit, so menschlich ist ihre Haltung, so reich die Maserung des rotbraunen Holzes.
Aus Stein ist nur der Altar, aber auch der ist ein Stein aus Südkamerun, hier aus der Gegend um Yaoundé.
„Im Westen Kameruns wird mit Bronze gearbeitet: Da haben wir das Kreuz, den Tabernakel, und auch die Heilige Pforte ist ganz aus Bronze. Für die Küste haben wir draußen auf dem Vorplatz sieben Brunnen.“
Die Außenverkleidung des Dachs ist aus Kupfer – Symbol für den Norden des Landes. Wenn also Kamerun Klein-Afrika ist, ist diese Basilika Klein-Kamerun: „Wir haben verschiedene Stämme in diesem Land, aber in dieser Basilika gehören wir zusammen. Der Tabernakel ist ein Globus. Das heißt, Jesus Christus ist unsere Mitte.“
Ein besonderes Kunstwerk zierte die Kirche in diesen Tagen. Ein Mann aus der Pfarrei hat Benedikt XVI. gemalt und entsprechend des Prinzips der Inkulturation mit einer besonders gefärbten Soutane: „mit unserer Fahne, alles ist in rot, grün und gelb. Schließlich kommt er zu uns…“, meint Pater Ateba. „Sie wollen einen Kameruner aus ihm machen“, brummt der 20.000 Gläubige fasst der Vorplatz der Basilika, 3.500 die Basilika. Pallottinerpater Bruno Ateba wird den Papst begrüßen: „Als Rektor der Basilika ist es eine große Ehre für mich, den Papst zu empfangen. Ich werde ihm sagen: Grüß Gott, Heiliger Vater! Willkommen bei uns!“ (rv)

Kirche in Kamerun: Die deutschen Anfänge
Die Gastgeber der Papstreise präsentieren sich als lebendige Kirche, mit knapp 1.800 Priestern und 18.000 Katecheten für 4,7 Millionen Katholiken. Birgit Pottler blickt zurück auf die Anfänge der Kirche in Kamerun. (rv)

Nach der Ankunft des Papstes in Kamerun: Presseschau
Die Freude über die Ankunft des Papstes bestimmt die Medien in Kamerun, nicht aber kirchliche Aussagen zur Aidsprävention und Sexualethik. Der nationale Radio- und Fernsehsender RTV verfolgte jeden Schritt Benedikts vom Flugzeug bis zu Nuntiatur, strahlte die Bilder von tausenden Kamerunern am Straßenrand, einem posierenden Präsidenten mit Gattin und dem sichtlich zufriedenen und interessierten Papst meist unkommentiert und in Wiederholung bis Mitternacht aus. In einer Endlosschleife folgten dann Bilder aus dem Vatikan und Archivaufnahmen sämtlicher bisheriger Reisen Benedikts XVI. „Historischer Besuch beginnt“ schreibt die Online-Redaktion von RTV.
Die „Cameroon Tribune“, regierungsnahe Tageszeitung, spricht von einem „Triumph“. Das zweisprachige Blatt widmet dem Papstbesuch zwölf von 32 Seiten und druckt die Ansprachen des Präsidenten und des Papstes. In einem ganzseitigen Artikel mit dem Titel „Papst verurteilt die Laster Afrikas“ ein Satz zum Thema Aids: „Der Papst fordert die unentgeltliche Behandlung von Aids-Patienten.“
Die Tageszeitung „Nouvelle Vision“ liefert laut Selbstvorstellung „Bürgerinformation“ und zeigt auf dem Titel ein Archivfoto des Papstes bei seiner Einführungsmesse 2005. „Der Papst kommt über Kamerun nach Afrika“ heißt es im Editorial.
Die Oppositionszeitung „L’Independant“ berichtet auf drei von 12 Seiten, legt aber den Fokus auf die Zerstörung alter Häuser im Zug der Modernisierungsmaßnahmen. Hier würden nicht - wie von Präsident Paul Biya versprochen – neue Wohnungen entstehen, sondern Baugrund und Lizenzen an große Firmen vergeben. Wo die früheren Bewohner der Viertel unterkommen sollen, wisse keiner. Auch der Erzdiözese selbst fehle außerdem Geld, so das Blatt. „Im Namen des Papstes, des Paul und des Gilbert. Amen“ ist der Untertitel des eineinhalbspaltigen Fotos auf der Titelseite. Gilbert Tsimi ist der Delegierte der Regierung im Stadtrat Yaoundés. (rv)

Lombardi: Fröhliche Begrüßung ist gutes Zeichen
Begeistert hat Kamerun am Dienstag den Papst in Empfang genommen. Mit klaren Worten begrüßte Benedikt XVI. seinerseits das Land und den ganzen afrikanischen Kontinent. In seiner Ansprache auf dem Flughafen der Hauptstadt Yaoundé hat der Papst bereits die großen politischen Themen angesprochen, die Afrika bewegen. Hunderttausende Menschen haben ihm bei seiner anschließenden Fahrt nach Yaoundé zugejubelt. Das sei ein gutes Omen für die gesamte Reise, meint Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Unsere Korrespondentin Birgit Pottler hat mit ihm über erste Eindrücke und bevorstehende Höhepunkte der Papstreise gesprochen:
Pater Lombardi, der Papst ist seit wenigen Stunden auf afrikanischem Boden. Es ist sein erster Besuch als Kirchenoberhaupt auf diesem Kontinent. Wie haben Sie ihn erlebt?
„Es war ein ganz wunderbares Erlebnis. Ich war sehr beeindruckt von den Leuten, die auf der Straße waren – viel mehr als von der ersten Begegnung am Flughafen. Das war zu Beginn zwar schon eine große und starke Rede des Papstes für Afrika, für Gerechtigkeit und Frieden, für Engagement, für ein geistliches und menschliches Wachstum, aber die Leute auf der Straße waren wirklich wunderbar. Es waren, glaube ich, Hunderttausende. Es war sicherlich die ganze Stadt auf der Straße. Und der Papst war froh, zu sehen, dass die Leute so fröhlich auf ihn warten und so glücklich sind, ihn zu sehen und ihm zu begegnen und mit ihm zu beten. Ich hoffe, dass das wirklich ein gutes Zeichen ist, für die ganze Reise.“
Der Papst hat sofort sehr politische Themen angesprochen bei seiner Rede am Flughafen. Es ging um Gerechtigkeit. Es ging auch um den Sklavenhandel und geschichtliche Abschnitte Afrikas. Wird es denn auch um das Thema Aids gehen in den kommenden Tagen?
„Ich glaube, dass der Papst hier in Kamerun sofort auf diese Themen eingehen sollte. Denn die Reden, die er später halten wird, befassen sich eher mit kirchlichen Angelegenheiten. Sie richten sich vornehmlich an die Bischöfe oder an die Lokalkirche. Auf dem Flughafen hatte ihm praktisch die ganze Nation zugehört, auch über das Fernsehen. Und da hat er bereits das Wesentliche seiner Botschaft schon in wenigen Worten verkündet. Ich habe das sehr stark gefunden und ich hoffe, dass die Leute das bemerkt haben.“
Das Thema Aids wurde schon im Flugzeug angesprochen. Die internationalen Zeitungen haben das Thema in den vergangenen Tagen in der Vorbereitung auf die Papstreise immer wieder aufgegriffen. Wird der Papst dazu etwas Neues sagen können?
„Nein. Gerade in der kleinen Konferenz hat der Papst schon betont, dass es ein Irrtum sei, wenn die Leute darauf warten, dass er etwas ändert in der Rede von Kondomen und Präservativen. Er wird auf die klassische Lehre bestehen. Aber er hat sofort auch ganz klar gesagt, dass das nicht das einzige Problem im Bezug auf Aids ist und dass es ein Irrtum wäre, sich auf diese Perspektive zu beschränken. Das Problem ist vielmehr die Verantwortung. Die Erziehung zur Verantwortung in der Sexualität im Familienleben muss gefördert werden. Der Papst hat zudem das Engagement von vielen katholischen Institutionen gepriesen, die für die Kranken sehr aktiv und engagiert sind. Die tun viel mehr für die Menschen, als diejenigen, die nur Präservative verkaufen.“
Aidsprävention und sexualethische Erziehung ist eine der Hauptaufgaben der Kirche in Afrika. Der Papst übergibt das „Instrumentum laboris“ für die Synode. Welche andere Hauptaufgaben für die Kirche in Afrika wird er ansprechen? Was können Sie heute schon sagen?
„Wir werden in zwei Tagen das „Instrumentum laboris“ in den Händen haben und wir können dann sehen, welchen Reichtum an Argumenten und Themen es geben wird, die dann auf der Synode mit Tiefe diskutiert werden. Aber das Thema der Reise Lautet „Die Kirche für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung“. Das ist ganz klar die Richtung, auf die sich auch alle Punkte des „Instrumentum laboris“ richten – natürlich in einer christlichen Perspektive, aus dem Licht des Evangeliums heraus.“
Eine letzte Nachfrage: Was kann, Ihrer Meinung nach, als Höhepunkt der Reise bezeichnet werden? Es ist ein dichtes Programm, sehr detaillereich. Gibt es so etwas wie einen Höhepunkt?
„Ich glaube, dass es verschiedene Höhepunkte sein werden. Ein Höhepunkt ist sicherlich die Messe, in der das „Instrumentum laboris“ den Menschen und der Kirche in Afrika übergeben wird. Das ist ein Impuls für die Kirche Afrikas zur Vorbereitung der Synode. Das wird hier in Yaoundé stattfinden. Und zweitens die Rede für das diplomatischen Corps und die politischen Autoritäten in Luanda. Sie wird, meiner Meinung nach, eine sehr wichtige Rede für die politische Gemeinschaft Afrikas und auch für die internationale Gemeinschaft. Das halte ich für einen weiteren Höhepunkt. Aber es gibt auch andere Ereignisse, die sicher sehr bedeutend sein werden. Zum Beispiel auch einer der letzten Programmpunkte, bei dem der Papst afrikanische Frauen treffen wird. Es handelt sich um Repräsentantinnen der katholischen Frauenbewegungen in Afrika. Die Stellung der Frau in Afrika ist so fundamental innerhalb der Familie, der Gesellschaft und auch in der Kirche. Das sollte wirklich noch weiter gefördert werden. Eine solche Begegnung des Papstes mit den Frauen von Afrika wird, meiner Meinung nach, ein spezifischer Höhepunkt der Reise sein. Es ist, glaube ich, auch das erste Mal, das so etwas geschehen wird.“ (rv)

 

 

19.03.09

3. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst in Afrika: Appell für Lebensschutz, Ehe und Familie
Benedikt XVI. drängt die Afrikaner, die Werte von Ehe und Familie wieder zu entdecken. In seiner Predigt in Yaoundé am Donnerstag stellte er Eltern das Beispiel des hl. Joseph vor Augen – dieser sei ein „Modell des Gottvertrauens“.

„Und ihr, liebe Eltern: Habt ihr Vertrauen zu Gott, der euch zu den Eltern seiner geliebten Kinder macht? Akzeptiert ihr, dass Gott auf euch zählt, um euren Kindern menschliche und geistliche Werte weiterzugeben, die ihr selbst empfangen habt? Heutzutage versuchen viele Menschen ohne Skrupel, ein Reich des Geldes zu errichten und die Schwächsten an den Rand zu drücken – da müsst ihr sehr vorsichtig sein. Ganz Afrika ist in Gefahr, wenn es nicht den wahren Spender des Lebens erkennt! Brüder und Schwestern Kameruns und Afrikas, die ihr von Gott so viele menschliche Qualitäten empfangen habt – sorgt euch um eure Seelen! Lasst euch von falschem Glanz und falschen Idealen nicht blenden!“

Die Afrikaner sollten den Glauben an Gott hochhalten – er könne ihrem Leben „Stabilität geben“. Er wisse, dass die Familien in Afrika „eine schwierige Zeit“ durchmachten, so Benedikt.

„Einige Werte des traditionellen Lebens sind erschüttert, das Verhältnis zwischen den Generationen verschlechtert sich; die Landflucht beschädigt die Familienbande. Viele junge Leute sind entwurzelt, arbeitslos, suchen Zuflucht in künstlichen Paradiesen; viele Afrikaner verlieren sich angesichts der vielen Probleme selbst, kappen ihre Wurzeln und gehen in eine Art inneres Exil. Aber ist das alles unumkehrbar? Natürlich nicht! Mehr denn je müssen wir gegen alle Hoffnung hoffen!”

Ein erster Schritt zur Heilung der vielen Probleme Afrikas könnte eine Rückbesinnung auf das Leben als Geschenk Gottes sein, meinte der Papst. „Für die Bibel wie für die Weisheit eures Kontinents“ sei „jedes Kind eine Gnade und ein Segen von Gott“; jeder Mensch sei nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen. „Er soll leben! Der Tod darf nicht über das Leben siegen! Der Tod darf nie das letzte Wort haben!“

„Söhne und Töchter Afrikas, habt keine Angst zu glauben, zu hoffen und zu lieben! Habt keine Angst davor, zu sagen, dass Jesus Weg, Wahrheit und Leben ist und wir nur von ihm gerettet werden können. Durch euch ist Afrika zur Hoffnung berufen! Durch Christus kann Afrika der Kontinent der Hoffnung werden. Wir alle sind von Gott gedacht, gewollt und geliebt. Lasst euch nicht entmutigen oder zu Hass verführen- denkt an den Glauben des hl. Joseph, des Nachkommens Abrahams, der hoffte gegen alle Hoffnung!“

Benedikt hatte noch ein paar sehr konkrete Ermahnungen parat: Eheleute sollten sich gegenseitig respektieren, Priester sich an den Zölibat halten, Väter sich um ihre Kinder kümmern. Junge Leute rief der Papst „freundschaftlich“ dazu auf, den „Mut nicht fahren zu lassen“. (rv)
 

Eine afrikanische Papstmesse - Eindrücke aus Yaoundé
Papst Benedikt XVI. hat an seinem Namenstag - 19. März, Heiliger Josef - seinen ersten öffentlichen Gottesdienst in Afrika gefeiert. Die Messe hatte unverkennbar Akzente aus dem schwarzen Kontinent, doch auch spezifische „Benedikt-Elemente“ waren vertreten.

Einzug ins Fußballstadion: So viele Menschen sind hier sonst nur versammelt, wenn Kameruns Nationalmannschaft spielt. Heute sind sie gekommen, um mit dem Papst aus Rom zu feiern. 40.000 Menschen begrüßen Benedikt XVI. sehr, sehr herzlich. Auch der Staatspräsident und eine Menge Diplomaten sind vertreten.

Die Altarinsel hat die Form einer strohgedeckten Hütte, das große, unverzierte Kreuz, das vor dem Papst auf dem Altar steht, ist aus afrikanischem Edelholz. Benedikt trägt das Pallium über einem betont schlichten weißen Messgewand. Farblich harmonierend die Mitgestalter des Gottesdienstes: Der Chor aus hunderten Stimmen wiegt sich im Takt der afrikanischen Gesänge, die Frauen haben helle Turbane, die Männer sind bloßhäuptig, alle tragen fließende cremefarbene Kleider und Schärpen mit appliziertem Papstwappen.

Selbst die Absperrungen sind in den Vatikanfarben weiß und gelb gehalten. Ein paar heimische Soldaten in khakigrünen Uniformen haben den Staatspräsidenten und seine auffällig gestylte Frau im Blick; die ernst dreinblickenden vatikanischen Sicherheitskräfte tragen Anzug und Knopf im Ohr.

Offen lächelnd nimmt der Papst die Gaben entgegen, die ihm in einer fröhlich wirkenden Prozession überbracht werden. Ein Orchester aus Xylophonen begleitet die Szene, einzelne Messgänger haben sich von ihren Sitzen erhoben und tanzen in der Menge. Wie schon bisher in Kamerun spricht der Papst bei der Predigt abwechselnd französisch und englisch, die Worte der Gabenbereitung singt er auf Latein aus dem Messbuch, das ihm Zeremonienmeister Guido Marini hält. Auch lokale Sprachen wie Bassa, Suaheli, Lingala und Ewondo kommen bei dem Gottesdienst zum Zug und verdeutlichen den Reichtum afrikanischer Kulturen. Zum ersten Mal spricht der Papst öffentlich ein Gebet, das er aus dem Anlass dieser Reise selbst formuliert hat: ein Gebet an die Jungfrau Maria, Beschützerin Afrikas.

Bei der Wandlung, die der Papst auf Französisch hält, macht sich die Atmosphäre der freudigen Erwartung im Stadion Luft: In diesen Momenten, die bei einer beliebigen Messe in westlichen Ländern die gesammeltsten wären, branden plötzlich Applaus und Jubel auf. Die Augenblicke der Stille nach der Kommunion fallen ebenfalls nur relativ still aus. Auch in Afrika empfangen jene Gläubigen, die beim Papst kommunizieren, die Hostie in den Mund und auf Knien.

Im Anschluss an die Messe verteilt Benedikt das „Instrumentum Laboris“ – das „Werkzeug“ für die im Herbst geplante Afrikasynode - an die Vorsitzenden der afrikanischen Bischofskonferenzen. Jeder der Würdenträger tritt in schnellem Takt vor und nimmt sein Exemplar aus den Händen des Papstes entgegen. Noch ein kurzes Bad in der Menge, ausgewählte Gäste werden zum Ringkuss vorgelassen, den alle wörtlich nehmen. Unter ausgelassenen Rufen und Gesang der Menge steigt Benedikt ins Papamobil. (rv)
 

Afrikasynode: Bischöfe fordern Einheit und „sichtbarere Rolle“ für Frauen
Die Probleme von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien immer auch die Probleme der Kirche. Das betonen die Bischöfe Afrikas im Arbeitspapier zur Sondersynode. Gemeinsam gelte es „neue Antworten“ auf das Leid der Bevölkerung zu finden. „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ ist das Motto dieser Papstreise, aber auch der Bischofsversammlung für den Kontinent, die im Oktober in Rom statt findet. Papst Benedikt XVI. übergab am Ende der Messe in Yaoundé das so genannte „Instrumentum Laboris“ an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Afrikas. Am frühen Abend eröffnet er in Yaoundé symbolisch die Synode - in einer Sitzung mit den 12 Mitgliedern des Sonderrats für Afrika aus 11 verschiedenen Ländern des Kontinents. (rv)
 

„Papstaussage zu Kondomen ist kein Thema in Afrika“
Wie haben die Katholiken in Yaoundé den ersten Gottesdienst dieses sehr europäischen Papstes auf afrikanischem Boden erlebt? Unsere Korrespondentin Birgit Pottler im Gespräch.

Die Menschen haben diesen Gottesdienst wirklich mitgefeiert. Die wenigsten sind gekommen, um den Papst zu sehen und da ein Foto zu machen, die meisten besitzen keine Kamera, die haben wirklich Gottesdienst feinern wollen, obwohl sie in diesem Stadium so gut wie nichts gesehen haben. Diese 60.000 hatten freien Blick auf das Fußballfeld beziehungsweise. auf einen kleinen Bildschirm, der im Stadium angebracht war. Den Papst haben sie nicht gesehen, und trotzdem haben sie einfach mitgefeiert. Sie haben intensiv gesungen, der Chor hat sich bei jedem Gesang von rechts nach links gewogen im Rhythmus, die Menschen haben fast das Tanzen begonnen, und als nach der Predigt ein kurzer Moment der Stille ausgerufen wurde, war es wirklich still. Ich stand auf diesem Fußballfeld und es war still.

Auffallend war außerdem die Kleidung. In diesen Tagen laufen hier ganz viele in Kleidern aus dem gleichen Stoff durch die Stadt. Diesen Stoff hat sowohl die Stadt verteilt als auch die Regierung und das Erzbistum von Yaoundé – den Stoff, aber ansonsten nichts. Die Menschen haben eine unheimliche Fantasie, sich aus diesem Stoff Kleider zu nähen. Die sind ausgeschnitten, tailliert, mal weit und lang, die Männer nähen sich Hemden und Hosen, es gibt Kopfbedeckungen aus dem Stoff, die Chormitglieder hatten die Stola aus diesem Stoff. Er zeigt immer den afrikanischen Kontinent, das Papstwappen und das Motto der Synode und der Reise: Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung. Ein kleines Detail: Der Stoff, der von der Regierung verteilt wird, hat neben dem Papstfoto auch das Foto des Präsidenten.

Was halten die Menschen vom Papstbesuch?

Die Katholiken in der Stadt sind sehr angetan und sagen, der Papstbesuch ist für uns eine Gnade, manche sehen es fast als Wunder und meinen, das sei ein Beweis dafür, dass Gott Kamerun wirklich liebt, da jetzt schon zum dritten Mal ein Papst im Land ist. Ich habe im Hotel aber auch Geschäftsleute gesehen, die mit der Kirche nicht so viel zu tun haben. Da habe ich auch die Frage gehört: was macht der Papst eigentlich hier, warum ist er gekommen? Das kostet ja auch so viel Geld. Die Regierung hat den ganzen Besuch finanziert und wird wohl auch versuchen, ihn für sich ein bisschen auszuschlachten. Das wiederum wird von den Katholiken sehr kritisiert.

In hiesigen Medien wird die Frage Aids und Kondome sehr intensiv debattiert. Ist das auch in Afrika ein so bestimmendes Thema, wenn man vom Papstbesuch spricht?

In den Medien gar nicht. Am Tag nach der Aids-Aussage des Papstes habe ich zum Beispiel einen Satz zu Aids in einer sehr umfangreichen Presseschau gefunden, da ging es aber schlicht darum: Der Papst fordert freien Zugang zu medizinischer Versorgung für Aidskranke. Eine Forderung, die sich auch im Arbeitspapier für die Synode wiederholt. Also hier geht’s um die Versorgung und nicht darum, was der Papst über Kondome gesagt hat. Und heute nach der Messe konnte ich kurz mit einem einfachen Gläubigen sprechen, ein Mann, der sagte: „Der Papst hat Recht. Wir können nicht einfach mit jedem oder jeder ins Bett gehen. Sondern wir müssen uns selbst zur Verantwortung rufen.“

Ist schon jetzt, am dritten Tag Benedikt in Kamerun beziehungsweise später Angola, der Bezug zu ganz Afrika da?

Ja vor allem am dritten Tag selbst – das ist der Tage der Kirche Afrikas. Gestern war es die Kirche in Kamerun, die Bischöfe, die Laien, die Priester, heute mit dem Schwerpunkt des „Instrumentum Laboris“ für die Afrikasynode war es die Kirche Afrikas. Die Menschen in Kamerun betonen immer wieder, wir sind Kleinafrika, die Probleme, die wir haben, die hat der ganze Kontinent. Und das gilt auch für die Kirche hier.(rv)
 

Lombardi: Papstreise darf nicht auf Kondomfrage reduziert werden
Im Anschluss an die Papstmesse im Amadou-Ahidjo-Stadion fand die tägliche Pressekonferenz mit Vatikansprecher Pater Federico Lombardi statt. Dabei nahm Lombardi auch zu den umstrittenen Äußerungen des Papstes im Bezug auf Kondome und das Aids-Problem in Afrika Stellung. Gudrun Sailer berichtet:

Die Nachfrage, ob der Papst über die Kritik an seinen Äußerungen zum Aidsproblem informiert worden sei, bajhte Lombardi:

„Ich versuche, die Einwände und Diskussionen, die derzeit anderswo auf der Welt laut werden, zur Kenntnis und auch Ernst zu nehmen.“

Allerdings konzentriere sich der Papst derzeit primär auf die eigentlichen Motive und Ziele seiner Reise in Kamerun, so der Vatikansprecher. Es sei bedauerlich, dass vor allem in Europa die vielen wichtigen Themen, die der Papst angesprochen habe, kaum wahrgenommen würden:

„Ich habe den Eindruck, dass ein großer Widerspruch besteht zwischen der Realität der Reise, das heißt, wie die Begegnung mit dem Papst von den Afrikanern und den Kamerunern erlebt wird und dem, was auf der anderen Seite in Europa wahrgenommen wird. Alles, was hier passiert, was der Papst zu den vielen Problemen Afrikas sagt, kontrastiert mit einer sehr einseitigen Aufmerksamkeit in anderen Ländern, die sich nur auf einen spezifischen Gesichtspunkt konzentriert und dabei auch riskiert, die vielseitigen Aspekte und die eigentliche Bedeutung dieser Reise zu vergessen. Die Afrikaner dagegen nehmen diese Bedeutung sehr wohl wahr.“

Die Fixierung auf die Kondomfrage würde der sozialen und kutlurellen Lage der Menschen in Afrika, ihrer Probleme und Bedürfnisse nicht gerecht. So dürfe nicht vergessen werden, dass die meisten Menschen in Afrika derzeit immer noch an Malaria sterben, weil es an Vorsorge und Medikamenten fehle:

„Daneben dürfen wir das große Aids-Problem, das viele Tote fordert, natürlich nicht verharmlosen. Aber auf der anderen Seite dürfen wir auch die zahlreichen anderen Probleme, die der Papst angesprochen hat, und die ihm während der Messe ein Gebetsanliegen waren, nicht vergessen.“ (rv)
 

Papst, Aids, Kondome - Pater Gemmingen kommentiert
Eine Äußerung des Papstes zum Thema Aids und Verhütung auf dem Flug nach Kamerun hat in einigen Medien für Aufsehen gesorgt. Wir dokumentieren hier den genauen Wortlaut der Erklärung von Papst Benedikt; er antwortete damit auf eine Journalistenfrage:

„Ich denke, die wirksamste, präsenteste und stärkste Realität im Kampf gegen Aids ist gerade die katholische Kirche mit ihren geistlichen Bewegungen und ihren verschiedenen Gruppen. Da denke ich etwa an die Gemeinschaft von Sant’Egidio, die sichtbar und unsichtbar sehr viel im Kampf gegen Aids tut, an die Kamillianer, an all die Schwestern, die den Kranken beistehen. Ich würde sagen, das Problem Aids löst man nicht mit Geld allein. Geld ist nötig, hilft aber nur, wenn dahinter eine Seele steckt, die es gut einzusetzen weiß. Ebenso wenig ist es getan mit der Verteilung von Präservativen: Im Gegenteil, sie verstärken das Problem. Die Lösung muss eine doppelte sein. Das erste ist eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine spirituelle und menschliche Erneuerung, die zu einer neuen Art des Umgangs sowohl mit dem eigenen Körper als auch zu einem neuen Umgang miteinander führt. Das zweite ist Freundschaft mit und für die Leidenden, eine Hilfsbereitschaft, die auch mit persönlichen Opfern verbunden ist, um an der Seite der Kranken zu sein - diese Fähigkeit zum Mitfühlen mit den Leidenden und in schwierigen Situationen dazubleiben. Das sind die Faktoren, die helfen und die echte, sichtbare Fortschritte bringen. Die Kirche tut das und leistet so einen großen und wichtigen Beitrag. Ich danke allen, die da mitwirken.“

Zum jüngsten Wirbel in den Medien: ein Kurz-Kommentar von Pater Eberhard Gemmingen SJ, dem Leiter des deutschen Programms von Radio Vatikan.

„Es ist schade, dass die sensiblen und subtilen Papstworte über Aids und Kondome viele andere Papstworte in Afrika überdecken. Vielleicht hätte er die Journalistenfrage erst auf dem Rückflug beantworten sollen. Schade, dass die Qualität des Journalismus so abgesunken ist. Welche Interessen stehen dahinter? Eine wirklich gute Zeitung hätte etwa schreiben können: Bei Papst Benedikt muss man gut hinhören. Er hat den Kondom-Gebrauch nicht direkt verurteilt, sondern nur erklärt, Kondome helfen nicht gegen das Problem, vielmehr verstärkten sie es. Nun kam aus den USA die Stimme: der Papst kann ja ethisch sagen, wovon er überzeugt ist, aber er dürfe nicht Sachen behaupten, die nicht stimmen, nämlich die Verschärfung des Aidsproblems. Mag ja stimmen, dass Aidserkrankungen durch Kondome verringert werden. Und das wäre gut. Schlecht aber bleibt, wenn etwas sehr Humanes auf der Welt, der Geschlechtsverkehr, immer mehr zum Gesellschaftsspiel würde, nur zur Triebabfuhr der Männer, zum Missbrauch der Frauen. Denken daran Papstkritiker und die UNO, wenn sie den Papst abwatschen?“
 

Papst an Moslems: „Glaube und Vernunft stützen sich gegenseitig”
Benedikt XVI. hat zu enger Zusammenarbeit von Katholiken und Moslems in Afrika aufgerufen. In Yaoundé traf sich der Papst am Donnerstag Vormittag mit zwanzig Vertretern der islamischen Gemeinschaft von Kamerun. Etwa ein Fünftel der Einwohner von Kamerun sind Moslems; sie wohnen vor allem im Norden, an der Grenze zu Nigeria.

„Kamerun beherbergt Tausende von Christen und Moslems, die häufig Seite an Seite leben, arbeiten und ihren Glauben ausüben. Die Anhänger beider Religionen glauben an einen einzigen und barmherzigen Gott, der am Jüngsten Tag die Menschheit richten wird. Gemeinsam treten sie für die grundlegenden Werte der Familie, der sozialen Verantwortung, des Gehorsams gegenüber Gott und der Liebe zu den Kranken und Leidenden ein.“

Wie schon in seiner berühmten Regensburger Rede von 2005 ging Benedikt auch diesmal auf das Verhältnis von Glaube und Vernunft ein, eines der großen Themen seines Pontifikats.

„Wenn sich die Menschen erleuchten lassen von der wunderbaren Ordnung der Schöpfung und der Würde des Menschen, dann erkennen sie: Das „Vernünftige“ ist weit mehr als das, was die Mathematik ausrechnen kann; es schließt auch das Gut und die innere Anziehungskraft eines ehrlichen und ethischen Lebens ein, wie es uns die Sprache der Schöpfung mitteilt. Diese Schau bringt uns dazu, das Richtige und Gerechte zu suchen und aus unseren egoistischen Interessen auszubrechen, um für das Wohl der anderen zu arbeiten.“

Eine „wahre Religion“ öffne den Horizont des menschlichen Begreifens und bilde das Fundament aller „authentischen menschlichen Kultur“, so der Papst.

„Sie weist alle Formen der Gewalt und des Totalitären zurück; nicht nur aus Glaubensprinzipien heraus, sondern auch aufgrund der Vernunft. Religion und Vernunft stützen sich nämlich gegenseitig; die Voraussetzung dafür ist aber, dass die Religion gereinigt und strukturiert wird von der Vernunft – und dass das volle Potential der Vernunft durch die Offenbarung und den Glauben freigesetzt wird.“ (rv)
 

Afrikanische Presse zur Papstreise
Die Medien in Afrika zeichnen ein buntes Bild der Papstreise in Afrika. So stellen sie vor allem die Gläubigen vor, die den Papst von nahe gesehen haben. Der Afrika-Dienst der BBC zitiert beispielsweise eine junge Frau in Yaoundé, die sich vier Tage freigenommen habe, um beim Besuch des Papstes dabei zu sein: „Der Papst kam hierher, weil Gott ihn gesandt hat. Gott erkennt, dass der Patient den Arzt braucht. Wir sind der Patient.“ Die Tageszeitung „Cameroon Tribune“ geht vor allem auf das Treffen des Papstes mit dem Präsidenten Kameruns, Paul Biya, ein. Dabei betont die Zeitung, dass der Papst ein Hoffnungszeichen für Afrika sei. Auf mehreren Seiten wird auch die Betreuung der rund 400 Journalisten beschrieben, die nach Yaoundé gereist sind. Die Zeitung „Le Jour“ berichtet auf ihrer Titelseite über die Visite Benedikts, doch in einem kleinen Artikel. Dafür werden auf mehrere Seiten die Papstreden analysiert. In einer Sondernummer über die Papstreise stellt „Prospective“ vor allem die Zahlen des Großanlasses vor. Weltweit würden über eine Milliarde Menschen die Papstreise in den Medien mitverfolgen, so die Zeitung. Französischsprachige Medien in Kamerun kritisierten unterdessen Organisationsprobleme bei der Verteilung der Eintrittskarten für die große Papstmesse an diesem Donnerstag. Vielfach seien die versprochenen Karten nicht in den Pfarreien eingetroffen. Mehrfach beanstandet wird zudem die Berichterstattung des Fernsehsenders „CRTV“. Die angekündigten hohen Standards seien bei weitem nicht erreicht worden. Wegen zu weniger Kameras und schlechter Bildregie sei der Papst oft nur aus weiter Ferne zu sehen gewesen. Die Presse betont auch die positive wirtschaftliche Entwicklung im Zuge des Papstbesuches. Im benachbarten Gabun berichteten Medien, die Reise von Benedikt XVI. beschere den fliegenden Händlern ein sehr gutes Geschäft. Fotos, T-Shirts oder Schirme mit dem Papst-Porträt würden in der ganzen Stadt angeboten. Auch die Kathedrale von Yaoundé habe sich zum Teil in einen Basar verwandelt. Die Kirche Kameruns habe selbst einige Andenken an den Papstbesuch auf den Markt gebracht.

Kontroverse um Papst-Äußerungen

Die Kontroverse über die Papst-Äußerungen zu Kondomen beschäftigt auch die Medien in Afrika. Doch in Kamerun selbst ist es nur die Zeitung „Mutations“, die darüber berichtet. Das Blatt kritisiert, dass diese Diskussion die weiteren Höhepunkte der Reise in den Schatten stellt. Die südafrikanische Zeitung „Mail & Guardian“ zitiert den Sprecher einer Initiative, die sich in Kamerun für den Zugang zur Gesundheitsversorgung von HIV-Infizierten einsetzt, mit den Worten: „Die Leute werden nicht auf den Papst hören. Er lebt im Himmel, und wir sind auf der Erde.“ Angesichts seiner großen und oft unkritischen Gefolgschaft in Afrika werde die Aussage des Papstes, dass die Propagierung von Kondomen das Aids-Problem des Kontinents eher verschlimmern als eindämmen könnte, enorme Folgen haben, so der Aktivist. Er fragt weiter: „Wusste der Papst nicht, als er in Kamerun ankam, dass HIV-Positive einen großen Teil der Bevölkerung bilden?“ Nach Schätzungen der UNO-Organisation „UNAIDS“ waren 2007 mehr als fünf Prozent der kamerunischen Erwachsenen von Aids betroffen. (rv)

 

Der Papst trifft die „Welt des Leidens“. Eindrücke vorab
Die Kirche ist allen Menschen nahe, die leiden. Das will Papst Benedikt XVI. während seiner Afrikareise einmal mehr deutlich machen, symbolisch dafür sein Besuch ein einem Kranken- und Rehabilitationszentrum, benannt nach dem kanadischen Kardinal Paul Emile Léger. Eine Einführung von Birgit Pottler:

„Begegnung mit der Welt des Leidens“ ist das Ereignis im Reiseprogramm überschrieben. Das Kirchenoberhaupt hat hier noch einmal Gelegenheit, vom „menschlichen und spirituellen Beistand für Aids-Patienten“ zu sprechen, die – so ließ Vatikansprecher Pater Federico Lombardi über den Pressesaal am Mittwoch erneut erklären – „wie alle Leidenden der Kirche von jeher am Herzen liegen“. Zwar hat Benedikt ja bereits mit Teilnehmern eines Aids-Projekts von Sant’Egidio gesprochen, doch öffentliche Worte, weltweit im Internet per Livestream zugänglich, stehen nach der Pressekonferenz auf dem Hinflug noch aus. Auch der Vatikan sieht nicht an der Realität vorbei, dass in Afrika 67 Prozent der HIV-infizierten Menschen der Welt leben. Auch der Vatikan kennt die traurige Nachricht, dass 17 Millionen Menschen auf dem Kontinent schon an Aids gestorben sind. Die katholische Kirche stehe diesem Leid nicht gleichgültig gegenüber, so Lombardi hier in Yaoundé, aber sie setze im Kampf gegen den HI-Virus auf eine entsprechende Sexualerziehung, auf wirksame Therapien, um die Weitergabe des Virus von infizierten Müttern auf ihre Kinder zu unterbrechen, sowie auf eine soziale und seelsorgliche Begleitung der Betroffenen.“ Der Papst wird - ich streiche bewusst den Konjunktiv - keine neuen Akzente setzen. Aber er tut gut daran, positive Akzente zu setzen.
 

Priester sind Väter und Diener zugleich
Nach dem Vorbild des Heiligen Josef sind Priester Väter und gleichzeitig Diener. Und sie sollten sich von Schwierigkeiten auf ihrem Weg nicht abbringen lassen. Das sagte der Papst in einer Meditation über das Thema Väterlichkeit bei der Vesper in der Marienbasilika von Yaoundé im Kamerun am Mittwoch Abend. Der 19. März – Gedenktag des Heiligen Josef – ist der Namenstag des Papstes. An der ökumenischen Begegnung nahmen Priester, Ordensleute und Personen des geweihten Lebens teil.

„Es handelt sich darum, kein mittelmäßiger Diener zu sein, sondern ein treuer und besonnener Diener. Das ist keine zufällige Kombination. Vielmehr stellt sie klar, dass Intelligenz ohne Treue – ebenso wie Treue ohne Weisheit – ungenügende Qualitäten sind. Das eine ohne das andere erlaubt uns nicht, in vollem Maß die Verantwortung wahrzunehmen, die Gott uns anvertraut hat. Diese Väterlichkeit, liebe Priester, müsst ihr im Alltag eures Amtes leben.“

Benedikt dankte den afrikanischen Priestern für ihren großzügigen Einsatz im Dienst der Kirche und ermunterte sie, sich von den Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen. „Liebe Brüder im Priesteramt, euer Hirtendienst verlangt viel Verzicht, aber er ist auch Quelle der Freude“, rief er ihnen zu. Den Angehörigen der kirchlichen Bewegungen wünschte der Papst, dass sie gerade den Ärmsten das liebende Gesicht Gottes zeigen könnten und ermutigte sie, sich weiterhin für die menschliche und christliche Erziehung der Jugendlichen und für die Förderung der Frau in Afrika einzusetzen. Hierbei gab der Papst noch einen konkreten Rat:

„Das geweihte Leben ist ein radikaler Weg der Christusnachfolge. Deshalb soll euer Lebensstil verdeutlichen, was es ist, das euch leben lässt. Es ist nötig, dass euer Handeln eure tiefe Identität nicht versteckt.“

Das Leben des Heiligen Josef sei ein beredtes Beispiel für alle Nachfolger Jesu, die die Einheit der Kirche wünschen, so der Papst an die Adresse der anderen christlichen Konfessionen.

„Sein Beispiel lehrt uns zu verstehen, dass derjenige, der sich voll dem Willen Gottes ausliefert, ein wirksames Werkzeug Gottes wird im seinem Vorhaben, die Menschen in eine einzige große Familie, in eine einzige Kirche zusammenzuführen. Diese Suche nach der Einheit der Nachfolger Christi ist für uns eine große Herausforderung. Sie führt uns dazu, uns immer mehr von Christus anziehen zu lassen. Wir sind dazu aufgerufen, Kinder desselben Vaters zu sein.“ (rv)

 

 

20.03.09

4. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst in Angola: Die Armen nicht vergessen
Vierter Tag der Papstreise auf dem Schwarzen Kontinent: Benedikt XVI. hat Kamerun verlassen und ist in Angola eingetroffen. „Ich komme aus einer Nation, die Krieg und Teilung erlebt hat“, sagt Benedikt in seiner ersten Ansprache, „darum liegt mir der Frieden besonders am Herzen!“ Eindringlich warnt er Afrika davor, auf das Recht des Stärkeren zu setzen.

Um kurz vor eins ist Benedikt, von Kamerun kommend, in Angolas Hauptstadt Luanda gelandet. Dort begrüßte ihn Präsident Eduardo Dos Santos, im Amt seit 1979. „Segne unser Land“ – das ist das Motto der Reise durch Angola. In seiner ersten Ansprache stellte sich der Papst in die Tradition seines Vorgängers, des „Eiligen Vaters“.

„Ich denke jetzt an Johannes Paul II., der Angola 1992 segnete: Er war ein unermüdlicher Missionar Jesu Christi bis an die Enden der Erde; er zeigte den Weg zu Gott und lud alle Menschen guten Willens dazu ein, eine Gesellschaft der Gerechtigkeit und des Friedens zu errichten. Was mich betrifft: Ich komme aus einem Land, in dem den Menschen Frieden und Brüderlichkeit besonders am Herzen liegen – besonders denen, die wie ich Krieg und Teilung erlebt haben. Schuld daran waren zerstörerische, unmenschliche Ideologien, die den Menschen Illusionen vorspiegelten und sie in Wirklichkeit unterdrückten. Ihr versteht daher, dass ich sensibel bin für den Dialog als Mittel, um jede Form von Konflikt und Spannung zu überwinden und um aus jeder Nation – auch aus der euren – ein Haus des Friedens und der Brüderlichkeit zu machen.“
Angola solle sich seines reichen geistlichen und kulturellen Erbes bewusst sein und seinen wachsenden Reichtum dazu einsetzen, „Frieden und Verständigung zwischen den Völkern zu fördern“. So könne das Land dazu beitragen, Afrika eine „friedliche und solidarische Zukunft“ zu verschaffen.

„Darum bitte ich euch: Kapituliert nicht vor dem Recht des Stärkeren! Gott macht es den Menschen möglich, mit den Flügeln von Verstand und Glaube über seine natürlichen Tendenzen hinauszufliegen. Wenn ihr euch von diesen Flügeln tragen lasst, dann werdet ihr in den anderen eure Brüder erkennen, die die gleichen grundlegenden Rechte haben. Leider gibt es in Angola noch viele Arme, die den Respekt vor ihren Rechten einfordern. Man darf die vielen Angolaner nicht vergessen, die noch unterhalb der Armutsgrenze leben. Enttäuscht ihre Erwartungen nicht!“
Die Kirche in Angola grüßte Benedikt als eine der ältesten katholischen Gemeinschaften südlich des Äquators; ihr gelte sein Besuch vor allem.

„Ich schließe mich ihren Bitten an, dass die Zeit des Friedens, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit in Angola nicht vorübergeht und dass sie als Kirche ihre Mission zum Wohl des Volkes und der Nationen Afrikas tun kann. Gott segne Angola!“
Am Freitag Morgen hatte Benedikt XVI. Kamerun verlassen. Dabei dankte er für die Gastfreundschaft und bat um Gebet für die Bischofs-Sondersynode zu Afrika, die im Oktober in Rom stattfinden soll. Er hoffe auf „eine Zeit der Gnade für die Kirche des ganzen Kontinents, um sich zu erneuern und einer zerrissenen Welt die rettende Botschaft des Evangeliums zu bringen“. (rv)
 

Halbzeit: Papst verlässt Kamerun
Benedikt XVI. ist am Freitagvormittag von Kamerun nach Angola aufgebrochen. In seiner Abschiedsrede auf dem Flughafen von Yaoundé dankte er vor Präsident Baya und den Bischöfen des Landes allen Kamerunern für den großzügigen Empfang der letzten Tage. „Die Wärme der afrikanischen Sonne hat sich in der Wärme Eurer Gastfreundschaft widergespiegelt“, so Benedikt wörtlich. Weiter bat er die Gläubigen um Gebet für die Bischofs-Sondersynode zu Afrika, die im Oktober in Rom stattfinden soll.

Eine Bilanz zur ersten Etappe der Papstreise zieht unsere Korrespondentin Birgit Pottler:

Zum dritten Mal ist Papst Benedikt an diesem Freitag den Boulevard Yaoundés entlang gefahren. Wieder standen tausende Kameruner aller sozialen Schichten am Straßenrand, wieder waren die Tribünen, an denen am Unabhängigkeitstag alljährlich die Militärparade vorbeiführt, bis auf den letzten Platz gefüllt.

Für die Katholiken war der Papstbesuch ein großes Fest. Die Souvenirs fanden reißenden Absatz. Die Straßenhändler waren zufrieden mit dem Absatz von Bildern, Mützen und Tüchern. Der Stoff zur Papstreise – keine neue Idee, es ist üblich hier, zu besonderen Anlässen Stoffe zu weben und zu bedrucken – war in der „Boutique“ an der Kathedrale schon am Dienstag ausverkauft.

Einen Schatten haben nicht Debatten um Aidsvorsorge und Kondome, sondern eher die massiven Sicherheitsvorkehrungen und rücksichtlosen Stadtverschönerungsmaßnahmen auf das Ereignis geworfen.

Das Kirchenoberhaupt hat die Bischöfe Kameruns getroffen. Ihnen hat er mit seiner Position zur Aidsprävention und der medizinischen wie pastoralen Sorge für die Betroffenen aus der Seele gesprochen.

Benedikt XVI. hat Kamerun besucht, aber zu und für ganz Afrika gesprochen. Der Appell zum Auftakt, „Christen können nicht Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit“, gilt überdies nicht nur für diesen Kontinent. Schutz der Familie, Treue zu den Gelübden von Priestern und Ordensleuten, Ausbildung und Zusammenarbeit mit Laien – Themen in der Vesper mit dem Klerus, den Ordensleuten und Katecheten – sind Aufgaben für die Kirche überall. Gleiches gilt für die Begegnung mit den Kranken.

Der Papst hat in Kamerun den Startschuss für die Afrikasynode gegeben. Alle Themen, die er hier ansprach, auch die politischen, finden sich im Instrumentum Laboris wieder. Sein Aufruf zum friedlichen Miteinander und zur Zusammenarbeit von Christen und Moslems ist außerdem eine weitere Etappe im weltweiten Dialog beider Religionen. Auf dem Weg zum Flughafen traf der Papst zum Abschluss noch eine Gruppe Pygmäen. Diese Begegnung ist lesbar als Symbol für die Beschäftigung der katholischen Kirche mit den traditionellen Religionen und die bleibende Aufgabe ihrer Inkulturation.

Yaoundé verabschiedet Benedikt XVI. so, wie es ihn begrüßt hat: unter afrikanischer Sonne. „Afrika liebt Sie“ steht sogar auf Deutsch auf einem Plakat am Flughafen. Kamerun ist eben Klein-Afrika. (rv)
 

Aids-Debatte in Afrika: „Der Papst hat Recht“
Die ablehnende Haltung des Vatikans zu Kondomen als scheinbar allein Heil bringende Methode in der Aidsprävention beschäftigt die internationale Presse und wird massiv kritisiert. Anders in Afrika. Unsere Korrespondentin Birgit Pottler hat sich umgehört:

Die „Kondomdebatte“ habe in Afrika keinen Schatten auf den Papstbesuch geworfen. Père André Tum aus der Diözese Edea weist diesen Eindruck entschieden zurück. Noch dazu habe diese Journalistenfrage ja gar nichts mit den Auftritten Benedikts in Afrika selbst zu tun. Die Botschaft des Papstes habe die Kirche in Afrika im Gegenteil bestärkt, betont Tum, Professor für Metaphysik am Grand Seminaire von Bafoussam:

„Wir Afrikaner erwarten vom Papst ein Wort der Hoffnung, eine Stärkung im Glauben. Es ist klar, dass Abstinenz und Treue die wirksamsten Mittel sind, die Ausbreitung von Aids einzudämmen.“

Natürlich verteilen Nichtregierungsorganisationen Kondome. Aber – Père André unterstreicht seine Worte mit energischen Handzeichen –
„ein gläubiger Christ, ob nun Europäer oder Afrikaner, kann vom Kirchenoberhaupt keine andere Aussage erwarten. Wir Afrikaner fühlen uns bestärkt, denn die Papstbotschaft weist uns auf das Wesentliche hin. Das Evangelium leitet uns an, vollkommen zu sein. Und es ist die Aufgabe des Papstes, uns zur Perfektion, zur Vollkommenheit zu führen. Der Papst darf uns nicht sagen, wie wir besser sündigen können – das ist nicht seine Aufgabe. Er muss uns dabei helfen, das Evangelium im Leben umzusetzen.“
Afrikas Katholiken – einen Unterschied zwischen praktizierenden und sogenannten Taufschein-Katholiken gibt es hier nicht – seien der gleichen Ansicht, versichert Tum, auch die Frauen. Doch die kirchliche Lehre und die persönlichen Überzeugungen ließen sich eben nicht immer mit der Realität vereinen, das sei in Afrika so. Der Professor und erfahrene Seelsorger erzählt erst, als das Mikrofon wieder in der Tasche verstaut ist, von Gesprächen mit Frauen, von afrikanischen Traditionen und der verbreiteten Ansicht, je mehr Frauen, je mehr Kinder, desto angesehener ein Mann.

Ein Katholik aus Yaoundé, gekleidet in traditionelles Gewand, erklärt uns jedoch, während Benedikt XVI. im Stadion Eucharistie feiert:

„Der Papst hat Recht. Die Verteilung von Kondomen führt zu sexueller Zügellosigkeit.“

Kondome allein lösten das Problem nicht. Der Mann stimmt dem Papst zu und mahnt sogleich die Kirche, HIV-Patienten nicht zu diskriminieren:

„Diese Krankheit kann ja auch zum Beispiel durch eine Bluttransfusion übertragen werden. Die Betroffenen verdienen es also, wie alle anderen Kranken behandelt zu werden, mit Würde und Respekt. Und sie brauchen medizinische Versorgung.“
Im Jahr 2000 haben HIV-positive Frauen in Yaoundé eine Selbsthilfegruppe gegründet, inzwischen unterstützt ihr Verein AFASO Waisenkinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben, betreibt Aufklärung und bekämpft die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen in der Gesellschaft. Mit Frauen über das Thema Aids und Kondomgebrauch zu sprechen, erweist sich während der Papstreise als schwierig. Eine Katholikin schüttelt auf die Frage, was sie über die Papstworte denkt, den Kopf und macht einen Schritt zurück:„Er ist der Papst. Das muss er sagen und denken. Punkt.“ (rv)
 

Papst: „Afrika-Synode wird neue Impulse geben“
Die Sonder-Bischofssynode für Afrika soll neue Impulse im Engagement der Kirche für die Gesellschaft geben. Das betonte Papst Benedikt XVI. am Donnerstagabend vor dem Synodenrat in Kameruns Hauptstadt Yaounde. Konkret gehe es um Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden in Afrika, so Benedikt weiter. Mit dem Treffen der zwölf Mitglieder des Bischofsrates ist somit die zweite Afrika-Synode offiziell gestartet. Die Beratungen finden vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan statt.

Vor dem Synodenrat sagte das katholische Kirchenoberhaupt:

„Afrika ist trotz aller Konflikte und Nöte ein Kontinent der Hoffnung. Gerade die Christen als Mitglieder der Familie Gottes müssen sich mit Nachdruck gegen Gewalt und Ungerechtigkeit einsetzen. Ihr besonderes Augenmerk muss den Armen und Unterdrückten gelten. Die Kirche muss sich deshalb als eine Gemeinschaft von Menschen präsentieren, die mit Gott und untereinander versöhnt sind.“
Doch die Unterdrückung, unter der die Völker Afrikas litten, sei nicht unumkehrbar, unterstrich der Papst vor dem Synodenrat.

„Afrika war und ist noch immer ein Schauplatz schwerer Tragödien, die eine echte Versöhnung zwischen Völkern, Ethnien und Menschen verlangen. Für Christen hat Versöhnung letztlich ihren Ursprung in der barmherzigen Liebe Gottes; diese müssen sie allen anbieten. Dazu gehören auch Gerechtigkeit und Frieden, die unverzichtbar für den Aufbau einer besseren Welt sind. Keine ethnischen oder kulturellen Unterschiede, keine Differenzen nach Rasse, Geschlecht oder Religion dürfen Anlass für Auseinandersetzungen sein.“
Benedikt nannte auch positive Aspekte: So sei die Kirche in Afrika sehr dynamisch und aktiv. Die Synode müsse aber untersuchen, ob das Wachstum und die Zuwachsraten nur quantitativ oder auch qualitativ sind. Der Papst hegt auch einen Wunsch:

„Vielleicht erlaubt dieses Jahrhundert das Wiedererstehen – freilich in neuer und anderer Form – der angesehenen Schule von Alexandrien, die in der Antike zu den führenden christlichen Denkschulen gehörte. Warum nicht hoffen, dass diese den Afrikanern von heute und der Universalkirche große Theologen und geistliche Lehrer schenken könnte?“ (rv/kna)
 

Lombardi: „Realität trifft Reflektion“
Das Treffen Benedikts XVI. mit den Mitgliedern der Bischofsrates in Kamerun war der offizielle Startschuss für die zweite Afrika-Synode. Wie wegweisend das Auftakttreffen am Donnerstagabend für das zukünftige Engagement der Kirche in Afrika sei, erläutert der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi im Gespräch mit Birgit Pottler. Nach der Sitzung des Bischofsrates sagte Lombardi:

„Die Sitzung gibt eine gute Vorstellung davon, was die Synode sein kann: Die reiche, dramatische und auch hoffnungsvolle Wirklichkeit Afrikas trifft hier auf die Reflektion der Kirche, um Impulse für Problemlösungen, Inspirationen und Hoffnungen zu erhalten. Mit dem Treffen von heute Abend bekommen wir einen ersten tiefen Eindruck von der Afrika-Synode.“
Vor der Papst-Rede hatten die Bischöfe Gelegenheit, auf die Lage der verschiedenen Regionen Afrikas einzugehen. Pater Lombardi:

„Erzbischof Monsengwo hat wirklich dramatisch über die Lage in der Demokratischen Republik Kongo gesprochen. Kardinal Napier hat von den Erfahrungen der Versöhnungskommission in Südafrika erzählt und seine Hoffnung auf Versöhnung auch in anderen Ländern Afrikas formuliert. Erzbischof Onaiyekan hat sehr gut über die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen in Nigeria gesprochen. Und dann hat schließlich der Papst seine Rede gehalten.“
Aus der Begegnung mit der Bevölkerung in Kamerun gehe der Papst gestärkt für die weitere Reise hervor, so Lombardi. „Ich glaube, dass Benedikt sehr beeindruckt war von den Leuten, die ihn hier angenommen haben. Auch heute an der Straße in Yaoundé waren Tausende von Leuten. Sie waren alle so liebevoll und froh, den Papst zu treffen. Das war wirklich eine Begegnung Benedikts mit dem Volk von Afrika. Das ist sehr hoffnungsvoll auch für die nächste Etappe der Reise. Das Volk hat ihn verstanden, und er hat den Geist Afrikas gespürt. Er setzt seine Reise mit großer Hoffnung fort und mit der Sicherheit, diesem Kontinent einen guten Dienst zu erweisen.“ (rv)

 

Kameruns Presse: „Papst als Einheitsstifter“
Bilder der Freude... Auf den Titelseiten der meisten afrikanischen Zeitungen sind die Fotos vom Gottesdienst in Yaoundes Fußballstadion zu sehen. Weiter wurde dem Treffen Benedikts mit den Kranken im Pflegezentrum „Kardinal Paul Emile Légér“ sehr viel Platz eingeräumt. So hat die „Cameroon Tribune“ den Papst als „Einheitsstifter“ beschrieben, der die Menschen im afrikanischen Land tief berührt. Die Tageszeitung „Le Jour“ widmet in ihrer Freitagsausgabe mehrere Seiten der fliegenden Pressekonferenz bei der Anreise des Papstes am Dienstag. Kommentarlos werden die Fragen der Journalisten und die Antworten des Papstes wiedergegeben. Das Oppositionsblatt „Mutations“ fragt sich hingegen, ob der Papst überhaupt die Möglichkeit habe, die Gewalt in Kamerun anzusprechen. Die kamerunische Zeitung „The Post“ antwortet darauf auf ihrer Titelseite: „Der Papst verurteilt jegliche Machtansprüche und Gewalt in Kamerun und anderen afrikanischen Staaten.“ Die Oppositionszeitschrift „Germinal / Le prix de la vérité“ kritisiert vor allem die Rolle des Präsidenten Paul Biya, der sich ihrer Meinung nach zu sehr in den Mittelpunkt des Besuchs gestellt habe. (rv)

 

Zweite Halbzeit: Angola
Kamerun – Angola. Ein Kontinent. Zwei Welten. Eine Einführung von Birgit Pottler:

Papst Benedikt XVI. hat auf seiner Afrikareise am Freitag Vormittag den Äquator überflogen, wechselt von Englisch und Französisch ins Portugiesische und richtet nach den Vertretern der katholischen Kirche und anderen Religionen Afrikas seine Worte nun an Politiker und Diplomaten.

Auch diese Entscheidung haben die päpstlichen Tourenplaner nicht von ungefähr getroffen. Während Kamerun als politisch stabil gilt, hat Angola, erst 1975 nach portugiesischer Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen, 27 Jahre Bürgerkrieg hinter sich. Eine halbe Million Menschen starben, vier Millionen wurden vertrieben. Die Bischofskonferenz von Angola und Tomé engagiert sich mit allen Kräften für Versöhnung und Wiederaufbau.

Zwar ist Angola reich an Bodenschätzen, vor allem an Erdöl und Diamanten, dennoch gehört das Land zu den ärmsten der Erde. Auch das derzeit größte Wirtschaftswachstum Afrikas bessert die Lage der Bevölkerung kaum. Korruption, negative Folgen der Globalisierung und ein enormes Gefälle zwischen Reich und Arm prägen Angola – wie viele Länder auf dem Kontinent.

Die Bevölkerung Angolas ist jung: Neun von 16 Millionen Einwohnern sind jünger als 18 Jahre, mehr als 56 Prozent der Angolaner. Das Treffen mit der Jugend am Samstag ist also bewusst nach Angola gelegt.

Ein Wort zur Kirche: Sie begeht mit dem Besuch Benedikts XVI. einen weiteren Höhepunkt in den 500-Jahr-Feiern ihrer Evangelisierung. Die Katholiken stellen heute mehr als 55 Prozent der Angolaner. In Zahlen ausgedrückt sind das 8,6 Millionen. Der Blick zurück nach Kamerun: Die 4,8 Millionen Katholiken entsprechen dort gut einem Viertel der Bevölkerung. Kameruns Kleriker und Laien haben dem Papst eine lebendige Kirche gezeigt; buchstäblich Leben in jungen Kirchen, schließlich wurde das Land erst Ende des 19. Jahrhunderts katholisch. 259 Katholiken kommen in Kamerun auf einen Katecheten, 2.600 auf einen Priester. Anders lebt die katholische Welt in Angola: Ein Priester hat 10.800 Katholiken zu betreuen, noch wichtiger also sind engagierte Laien und Katecheten. Ihnen – vor allem den Frauen – gilt eine Ansprache des Papstes am Sonntag Abend.

Hier schließt sich der Kreis und vereint hoffentlich zwei Welten: Nach der Ankunft in Kamerun sprach der Papst zu den Bischöfen. Vor der Abreise aus Angola spricht das Kirchenoberhaupt zu den Frauen. (rv)

 

 

21.03.09

5. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst bei Jugendtreffen: „Wagt den Sprung ins Endgültige!“
„Jungen Leuten zu begegnen, tut allen gut. Sie haben zwar manchmal viele Schwierigkeiten, aber sie tragen so viel Hoffnung und Enthusiasmus in sich, soviel Willen, noch mal von vorne anzufangen. Liebe junge Freunde, ihr tragt in euch selbst die Dynamik der Zukunft!“ Das sagte der Papst am Samstag Abend bei einem großen Treffen mit Jugendlichen in Luanda. Der auferstandene Christus sei „unser Gefährte“; er halte „das Buch unserer Tage in seiner Hand“, so Papst Benedikt. „Gott ist die Zukunft.“ Er werde – wie es die Offenbarung des Johannes formuliere –„er jede Träne von unseren Augen wischen; es wird keinen Tod mehr geben, keine Trauer, kein Klagen.“

„Ich sehe unter euch einige der tausenden von jungen Angolanern, die wegen des Krieges und der Landminen verstümmelt sind – und ich denke an die unzähligen Tränen, die viele von euch vergossen haben, als Angehörige eurer Familien starben. Es fällt nicht schwer, sich auszumalen, welche dunklen Wolken über euren Erwartungen an das Leben hängen... Ich lese in eurem Herzen einen Zweifel: „Das ist das, was wir haben“, sagt ihr mir. „Das, wovon du sprichst, kann ja keiner sehen. Wir glauben ja an die göttlichen Versprechen – aber wann steht Gott auf und macht alles neu?““
Benedikt ließ sich auf ein imaginäres Zwiegespräch mit solchen verbitterten Jugendlichen ein – er könne ihnen keine Antwort geben als die Sätze Jesu: „Euer Herz sei ohne Angst. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen.“

„Aber ihr, liebe junge Leute, hakt noch mal nach: „Einverstanden – aber wann wir das alles geschehen?“ Auf eine solche Frage hat Jesus geantwortet: „Euch steht es nicht zu, die Zeiten zu erfahren... aber ihr werdet Kraft bekommen durch den Heiligen Geist, und ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Enden der Erde.“ Ihr seht: Jesus lässt uns nicht ohne Antwort – er sagt uns eines sehr klar: Die Erneuerung beginnt innen drin; ihr werdet eine Kraft aus der Höhe empfangen. Die dynamische Kraft der Zukunft findet sich in euch selbst!“
„Und wie?“, so fragte Benedikt sich selbst. Um zu antworten: So wie Leben in einem Samenkorn sei. Zwar sei ein Samenkorn etwas sehr Unscheinbares, aber es trage die ganze Zukunft in sich.

„Meine Freunde, ihr seid die Samenkörner, die Gott auf der Erde ausgestreut hat; ihr tragt im Herzen eine Kraft aus der Höhe, die Kraft des Heiligen Geistes. Um allerdings Früchte zu tragen, müsst ihr bereit sein, euer Leben hinzugeben. So wie Jesus es uns vorgemacht hat: Seine Kreuzigung schien das völlige Scheitern, aber sie war es nicht! Er wurde zum Samenkorn, das Frucht brachte in jeder Zeit und für alle Zeiten!“
Der Papst lud die Jugendlichen ein, in der Eucharistie das Gespräch mit Christus zu suchen und von ihm zu lernen, wie man richtig lebt. Auch wenn die „dominierende soziale Kultur euch nicht dabei hilft, das Wort Jesu und die Selbsthingabe zu leben, zu der er euch aufruft“.

„Habt keine Angst, definitive Entscheidungen zu treffen! Die Großzügigkeit fehlt euch nicht, das weiß ich. Aber dieses Risiko, sich fürs ganze Leben festzulegen, ob in der Ehe oder in einem geweihten Leben – das macht euch Angst: „Die Welt ändert sich ständig, das Leben ist voller Möglichkeiten, kann ich da in einem einzigen Moment über mein ganzes Leben verfügen und alle unvorhergesehenen Wendungen, die es für mich haben wird, ignorieren? Verliere ich dadurch nicht meine Freiheit?“ Das sind eure Zweifel, und die individualistische, hedonistische Kultur von heute bestärkt euch noch darin. Aber wenn sich ein junger Mensch nicht entscheidet, riskiert er, ewig ein Kind zu bleiben!“
„Ich sage euch: Nur Mut! Traut euch definitive Entscheidungen zu! In Wirklichkeit nämlich sind das die einzigen, die die Freiheit nicht zerstören, sondern eine richtige Richtung vorgeben, so daß man im Leben etwas Großes erreicht. Das Leben hat nur einen Wert, wenn ihr Mut zum Abenteuer und Gottvertrauen habt. Junge Leute von Angola, setzt den Heiligen Geist, die Kraft aus der Höhe, in euch frei! Riskiert wie Jesus sozusagen diesen Sprung ins Endgültige und gebt damit dem Leben eine Chance! So werden sich unter euch erst Inseln, dann Oasen und schließlich flächendeckende Stellen christlicher Kultur bilden... Das ist das Leben, das lebenswert ist und das ich euch von Herzen wünsche. Es lebe die Jugend von Angola!“ (rv)

 

Papst: „Zeigt Christus denen, die an Geister glauben“
Einen Auftrag zur Missionierung hat Papst Benedikt XVI. beim Gottesdienst in der angolanischen Hauptstadt Luanda erteilt. Christus jenen Menschen zu zeigen, die etwa dem Geisterglauben verhaftet seien, sei keineswegs ein Unrecht, sondern sogar „unsere Pflicht“, erinnerte der Papst die Priester, Bischöfe, Ordensleute und Katecheten, mit denen er in der Sankt-Pauls-Kirche die Messe feierte.

Benedikt XVI. würdigte die Arbeit der Missionare in der Region Südwestafrika, die unter heroischem Einsatz über Jahrhunderte die Frohe Botschaft des Christentums verkündet hätten. Und er erinnerte an das einigende Band der Taufe.

„Vor über 500 Jahren entstand in diesen Ländern, damals unter der Herrschaft der Portugiesen, das erste christliche Reich unterhalb der Sahara. Das Reich blieb katholisch bis zum 18. Jahrhundert, mit einem eigenen Botschafter in Rom. Ihr seht, wie zwei ganz verschiedene Ethnien – die Banta und die Lusiade – versucht haben, in der christlichen Religion eine Basis des Gemeinsamen zu finden. Es gab durchaus schwerwiegende Differenzen, doch die beiden Reiche haben sich nicht getrennt. Tatsächlich, die Taufe bewirkt doch, dass alle, die glauben, „eins“ in Christus sind.“
Der Auftrag zur Verkündigung des Frohen Botschaft gilt auch heute, hielt der Papst fest:

„Viele eurer Mitbürger leben in der Angst vor Geistern, vor den unheilvollen Mächten, von denen sie sich bedroht fühlen. Orientierungslos gelangen sie an den Punkt, die Straßenkinder zu verurteilen und auch die Älteren, weil diese – so sagen sie – Medizinmänner sind.“
Manche könnten hier einwenden: „Sie haben ihre Wahrheit, und wir haben unsere“. Von dieser falsch verstandenen Toleranz und Gleichgültigkeit riet der Papst ab.

„Wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass ohne Christus das Leben unvollständig ist und eine fundamentale Wirklichkeit fehlt, dann müssen wir tatsächlich auch überzeugt sein, dass wir an niemandem ein Unrecht begehen, wenn wir ihm Christus zeigen und ihm die Möglichkeit geben, so zu seiner wahren Authentizität zu finden, ja die Freude geben, das Leben gefunden zu haben. Im Gegenteil, wir sollen es sogar tun, es ist unsere Pflicht, allen diese Möglichkeit anzubieten, damit sie das ewige Leben erlangen.“ (rv)
 

„Außerdem sind wir zahlreicher“ - Afrikas Frauen und der Papst
Gibt es eigentlich bei einer Papstreise noch etwas, was nicht auch schon Johannes Paul so oder ähnlich gemacht hat? Ja doch: Auf dieser Afrikareise Benedikts XVI. kommt es zu einem Novum. Kurz vor seinem Abflug aus Angola wird der Papst nämlich die Mitglieder von katholischen Frauenbewegungen treffen – eine historische Premiere. Und eine Botschaft, die an die Frauen in ganz Afrika gerichtet ist. Ein Beitrag mit Material unserer Korrespondentin Birgit Pottler.

„Das ist eine große Freude für uns Frauen!“ Sagt eine junge Frau, die im Chor der Kathedrale von Yaoundé mitsingt – und sie meint die Visite Benedikts XVI. auf dem Schwarzen Kontinent. „Das ist natürlich nicht der erste Papst, der uns segnet; auch Johannes Paul II. war schon hier. Aber das ist für uns Frauen wirklich eine große Freude. Wie zufrieden wir Frauen sind, werden Sie auf den Straßen leicht feststellen: Da sind jetzt sehr viel mehr Frauen als Männer, um den Papst zu begrüßen! Die Frauen haben einen starken Glauben; Afrikas Frauen allgemein sind enthusiastisch, dass der Papst kommt.“
Und Benedikt kommt speziell zu ihnen, den Frauen Afrikas – das signalisiert sein Termin mit katholischen Frauenverbänden am Sonntagabend in der angolanischen Hauptstadt Luanda. „Die Frauen wollen vor allem Frieden. Sie wollen, dass der Papst mit uns für Frieden und Wohlstand betet, für unsere Familien... Das wäre gut für uns.“ Afrika ist ein Kontinent der Frauen; in der Landwirtschaft, die dort noch eine ganz andere Rolle spielt als in den Industrienationen, wird mehr als 90 Prozent der Arbeit von Frauen geleistet. Sie stehen für das dynamische Afrika, für Auswege aus lähmenden Traditionen.

„Die Frauen werden immer mehr respektiert, und in einigen afrikanischen Ländern haben sie schon sehr verantwortungsvolle Posten bekommen. Die Frauen werden respektiert, weil sie ihre Arbeit gut tun... und außerdem – wenn Sie sich mal umschauen: Die Frauen sind zahlreicher als die Männer!“
Auf diese Zahlen-Evidenz musste auch der Papst reagieren. Aber welche Botschaft werden die Frauen dem Papst mit auf den Weg geben? „Ich vermute, die Frauen in Angola werden den Papst auf die Rolle von Frauen in der Kirche ansprechen – die Rolle der afrikanischen Frau. In der Kirche und in der Welt. Das ist die wesentliche Botschaft.“ Sagt Yvette Linga, eine engagierte Katholikin aus Yaoundé.

„Auch das Zweite Vatikanische Konzil hat die Rolle der Frauen betont, und zwar im Innern der Kirche wie in der Gesellschaft. Das ist etwas sehr Wichtiges. Denn die Frau ist Trägerin der Menschlichkeit; sie ist die Erzieherin. Die Kirche ist eine Mutter, und die Frau wird mit der Kirche verglichen: Mutter, Gebärerin, Erzieherin.“
Linga leitet den Freundeskreis der Marienbasilika von Yaoundé; die Mutter von vier Kindern und drei Enkelkindern arbeitet in einem Unternehmen.

„Es gibt eine Polemik, mit der die Frauen mehr Raum in der Kirche einfordern. Ich finde, sie haben heute schon eine wichtige Rolle: in den Bewegungen, aber auch in der Liturgie. Ich finde, wir sollten selbst erkennen, was unser eigentlicher Platz ist; dieser Platz ist klar definiert, und wir sollten ihn mit viel Würde und Respekt ausfüllen.“
Das heißt aus afrikanischer Perspektive aber etwas anderes, als sich mit der Rolle des Heimchens am kirchlichen Herd abzufinden. Yvette Linga formuliert – nun ja, anders als Alice Schwarzer, vermutlich.

„Die Rolle der Frau ist wichtig, und zwar schon im Heilsplan Gottes: Sie ist Erzieherin und Mutter. Und eine Mutter hat ihre ganz eigene Sensibilität, ihr eigenes Genie! Sie muss auch das Recht haben, das zu zeigen und anzuwenden. Vergessen wir nicht: Frauen waren die ersten Apostel, die die Nachricht von der Auferstehung weitergetragen haben! Die erste Verbreiterin des Evangeliums sollte auch heute die Frau sein. Aber wenn wir derzeit auf die Statistiken hier in Afrika schauen, dann stellen wir fest: Der Frauenanteil unter den Katechisten ist unterproportional niedrig. Da würde ich einhaken: Sie brauchen eine solide Ausbildung, um diese Rolle spielen zu können – erst recht heute, wo wir sehen, dass viele Männer in dieser Hinsicht versagen! Frauen sollten sie ablösen, um das Evangelium weiterzutragen!”
Vielleicht werden Päpste bei künftigen Afrikareisen um eigene Begegnungen mit kirchlichen Frauengruppen gar nicht mehr herumkommen. Es wäre das Schlechteste nicht. (rv)
 

Papst fordert mehr Demokratie in Angola
Nach seiner offiziellen Begrüßung am Flughafen in Luanda ist Papst Benedikt am Freitagnachmittag erneut mit dem angolanischen Staatspräsidenten José Eduardo Dos Santos zusammengetroffen. Im barocken Präsidentenpalais, dem „Palácio de Povo“ hat der Papst vor Politikern, Vertretern der Zivilgesellschaft und Diplomaten gesprochen. An sie richtete er den Appell, die Demokratisierung im Land entschiedener voranzutreiben. Deutliche Worte des Papstes gingen auch an die Internationale Staatengemeinschaft. Die Industrieländer sollten mehr für die Entwicklung Afrikas tun, ohne die Afrikaner dabei zu bevormunden.

Nach jahrelangem Bürgerkrieg sei in Angola endlich wieder eine „Zeit der Hoffnung“ angebrochen, sagt Benedikt. Daher sei jetzt die Gelegenheit, das Land, so der Papst wörtlich, „auf den Weg jener Prinzipien zu führen, die für jede moderne, zivile Demokratie unabdingbar sind“. Dazu gehörten, laut Benedikt: Respekt vor den Menschenrechten, eine transparente Regierung, eine unabhängige Richterschaft, Pressefreiheit und ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem. Zudem sei entschieden gegen die Korruption vorzugehen.

Wie schon in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am ersten Januar dieses Jahres rief der Papst die Industrieländer dazu auf, sowohl ihre Wirtschaftsbeziehungen mit Afrika als auch ihre Hilfsprogramme nach ethischen Prinzipien zu gestalten. Wörtlich sagte Benedikt: „Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Afrika erfordert die Zusammenarbeit zwischen nationalen Regierungen, regionalen Initiativen und internationalen Entscheidungsträgern.“ Eine solche Koordinierung sei nur möglich, wenn die afrikanischen Länder nicht nur als „Empfänger von Lösungsstrategien“ betrachtet würden, die andere erarbeitet hätten. Vielmehr sollten die Afrikaner die Entwicklung ihres Kontinents eigenverantwortlich gestalten können.

Von der Internationalen Gemeinschaft forderte Benedikt die endliche Einlösung alter Versprechen: Erstens mehr Einsatz gegen den Klimawandel, zweitens ein gerechteres Wirtschaftssystem - etwa durch die Umsetzung der Doha-Entwicklungsagenda – und drittens, mehr Gelder für Hilfsprojekte.

Seine abschließenden Worten richtete der Papst an die Schwächsten und Ärmsten in den afrikanischen Ländern, darunter Kranke, Frauen und Kinder. Ihnen fühle sich die Kirche besonders verpflichtet. Sie werde auch weiterhin alles dafür tun, damit ihnen geholfen werde.

Nach seinem Empfang im Präsidentenpalast ist Benedikt am Freitagabend auch mit den angolanischen Bischöfen zusammengetroffen. Er dankte den Bischöfen, dass sie die Kirche in Angola sicher durch die schwierigen Zeiten des Bürgerkriegs geführt haben und versicherte ihnen wie den Gläubigen Angolas seiner ständigen Fürsorge.

In Zukunft müsse sich die Kirche in Angola vor allem der Evangelisierung der Familie widmen, deren Einheit in der zeitgenössischen Kultur besonders bedroht sei. Weiter forderte der Papst die Bischöfe dazu auf, sich für die „Heiligkeit des Lebens“ stark zu machen.

Lobende Worte fand der Papst für das große Engagement der Laien und die wachsende Zahl an Priestern in Angola. Sein besonderer Dank galt schließlich den zahlreichen Missionaren, die das Fundament für die christlichen Gemeinschaften im Land gelegt hätten. (rv)
 

Abtreibung: Eine Klarstellung des Vatikans
Papst Benedikt hat keine Aussagen über jene Fälle gemacht, in denen Frauen durch die Fortsetzung einer Schwangerschaft in Lebensgefahr geraten würden. Das betonte der vatikanische Pressesprecher, Jesuitenpater Federico Lombardi, mit Blick auf Polemiken um die große Rede des Papstes über die Entwicklung Afrikas. Benedikt hatte sie am Freitag Abend in Luanda vor angolanischen Politikern und in Luanda akkreditierten Diplomaten gehalten. Dabei hatte er im „Palacio Presidencial“ einerseits gefordert, dass die Afrikaner die Entwicklung des Kontinents selbst in die Hand nehmen, andererseits die Industriestaaten daran erinnert, dass sie seit Jahrzehnten versprochen haben, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden. Im Zusammenhang mit der in Afrika verbreiteten Gewalt gegen Frauen war der Papst kurz auch auf politische Bestrebungen zur Förderung der Abtreibung eingegangen. Wörtlich sagte Benedikt XVI.: „Wie bitter ist die Ironie derjenigen, die Abtreibungen zum Mittel der Pflege der Gesundheit der 'Mütter' erheben wollen. Wie befremdlich ist die These, wonach die Unterdrückung des Lebens eine Frage von reproduktiver Gesundheit sei.“ Im Redetext des Papstes war in Klammern ein Hinweis auf Artikel 14 des „Protokolls von Maputo“ enthalten. Das im Sommer 2003 verabschiedete Protokoll von Maputo umschreibt die „Frauenrechte“ in Ergänzung zur „Afrikanischen Charta der Menschen- und Völkerrechte“. Artikel 14 handelt von „Gesundheit und reproduktiven Rechten“. Absatz 2 c besagt, dass die Staaten in Fällen von „Vergewaltigung, Inzest oder wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft die psychische und physische Gesundheit der Mutter oder das Leben der Mutter oder des Fötus gefährdet“, die medizinische Abtreibung gewährleisten sollen. Die Formulierung entspricht UNO-Dokumenten, die von der katholischen Kirche wegen ihrer Unbestimmtheit immer abgelehnt wurden. Dementsprechend sagte P. Lombardi, dass internationale Gesundheitsprogramme für Frauen nicht zum Freibrief für Schwangerschaftsabbrüche als medizinische Dienstleistung werden dürften. Dabei handle es sich um ein „klassisches Thema“, zu dem der Vatikan wiederholt Stellung bezogen habe, unter anderem vor den Vereinten Nationen selbst. Benedikt XVI. habe nichts anderes getan, als diese Position des Heiligen Stuhls in Erinnerung zu rufen.

 

Papstsprecher mit Zwischenbilanz der Reise
Kann man schon so was wie eine Bilanz dieser Afrikareise von Papst Benedikt ziehen? Der Sprecher des Papstes, Federico Lombardi, versucht`s. Hier ist das wöchentliche Editorial des Jesuitenpaters für Radio Vatikan. Er spricht über die ersten Tage der Reise.

„Der Papst in Afrika – das war eine echte Begegnung, über die Ansprachen und Events hinaus. Auf den Straßen von Yaoundé haben viele Kinder, junge und alte Leute dem Papst gezeigt, dass er wirklich willkommen ist in Afrika. Aber die Menschen haben nicht nur getanzt und gesungen – sie haben auch zugehört, als der „Grand Mvamba“ sprach: Der große Großvater des afrikanischen Volkes. Der Ausdruck ist vom Erzbischof von Yaoundé.

Es gibt nicht nur brutale Konflikte, Korruption, Epidemien, Armut und Hunger – sie sind auch fähig zum Dialog der Religionen, zum Erlebnis der Versöhnung, der Liebe zum Leben, zu Kreativität und traditioneller Weisheit. „Kirche in Afrika – im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ – das ist das Motto der kommenden Bischofssynode zu Afrika. Nicht nur Bischöfe und Klerus, auch Laien, auch die Frauen – ein ganzes Volk ist vom Papst eingeladen worden, mit Hoffnung nach vorn zu schauen.“ (rv)
 

Papst gründet neue Diözese in Angola
Papst Benedikt hat während seiner Afrika-Reise in Angola eine neue Diözese gegründet. Es handelt sich um eine Abtrennung von der Erzdiözese Lubango. Die neue Diözese im Süden des Landes heißt Namibe und in ihr leben nur etwa 270.000 Katholiken. Ihr Territorium entspricht genau der Ausnehmung der gleichnamigen staatlichen Provinz. Gleichzeitig ernannte der Papst für die neue Diözese den bisherigen Kanzler der Erzdiözese Huambo, Mateus Feliciano Tomas zum Bischof. (rv)

 

 

22.03.09

6. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Treffen mit den Frauen
Eine Premiere: Noch nie hat ein Papst auf Reisen eine Botschaft allein an die Frauen gerichtet. Sonntag Abend traf Papst Benedikt XVI. in der angolanischen Hauptstadt Luanda Mitglieder der katholischen Frauenbewegungen in Afrika. Deutlich wandte sich der Papst in seiner Ansprache in der Kirche Santo Antonio auch an die Männer Afrikas. Sie sollten den Frauen die volle Gleichberechtigung in der Gesellschaft zugestehen und selbst in der Familie aktiver werden.
Dabei zitierte Benedikt die Worte seines Vorgänger Johannes Paul II. anlässlich des Weltfriedenstages 1995. Damals betonte Johannes Paul, dass Frauen, ebenso wie Männer, das volle Recht besitzen,

„aktiv an allen Bereichen des öffentlichen Lebens teilzunehmen und dass ihre Rechte auch gesetzlich verankert sowie, wo es nötig ist, geschützt werden. Dennoch darf diese Anerkennung der Rolle der Frau in der Öffentlichkeit, ihre unersetzliche Funktion innerhalb der Familie nicht schmälern. Hier ist ihr Beitrag für das Gute und den gesellschaftlichen Fortschritt von unschätzbarem Wert, auch wenn dieser oft kaum beachtet wird“. Weiter rief der Papst dazu auf,

„sich der effektiven Benachteiligung bewusst zu werden, unter der viele Frauen gelitten haben und immer noch leiden. Dabei muss auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Haltung der Männer, ihr Mangel an Einfühlungsvermögen und Verantwortung Gründe dafür sein können.“
Wie bereits Johannes Paul II. betont habe, sei die Frau im göttlichen Plan diejenige, „in der die Liebe, die auf der Welt hervorgebracht wird, Wurzeln schlägt“. Diese Fähigkeit werde zu unserer Zeit besonders gebraucht, so der Papst.

„Wer verspürt heutzutage nicht die Notwendigkeit, den „Herzensangelegenheiten“ mehr Raum zuzugestehen? In einer Welt, die wie die heutige von der Technik dominiert wird, spürt man die Notwendigkeit der komplementären Rolle der Frau mehr denn je, damit der Mensch leben kann, ohne sich vollkommen zu entwürdigen. Man denke nur an die Länder, wo die Armut überwiegt, in den vom Krieg zerstörten Regionen und in vielen tragischen Situationen, die Menschen zu Flucht und Migration zwingen. Es sind fast immer die Frauen, welche die Menschenwürde intakt halten. Sie verteidigen die Familie und bewahren die religiösen und kulturellen Werte.“
Dass damit nicht gemeint ist, dass Familienarbeit reine Frauensache sei, machte Benedikt in seinem abschließenden Appell an die Männer klar:

„Die mütterliche Präsenz innerhalb der Familie ist wichtig für die Stabilität und für das Wachstum, dieser Kernzelle unserer Gesellschaft. Sie sollte daher mit Anerkennung bedacht, gelobt und gefördert werden. Aus demselben Grund muss die Gesellschaft auch die Väter und Ehemänner dazu aufrufen, Verantwortung innerhalb der Familie zu übernehmen.“ (rv)
 

“Afrika mit afrikanischen Werten”
In seiner Abschlusspredigt in Angola hat Papst Benedikt XVI. Afrika zu Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen. Nach den langjährigen Bürgerkriegen müsse es nun um einen Neuanfang gehen, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntagmorgen bei einer Messe vor rund einer Million Gläubigen in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Überschattet wurde die Veranstaltung vom Tod zweier Mädchen, die am Samstag in den Menschenmassen am Stadion von Luanda ums Leben kamen. Den Angehörigen sprach Benedikt seine Solidarität und sein tiefes Beileid aus; vor allem, weil die Mädchen zum Stadion gekommen seien, um ihn zu sehen.
In der anschließenden Fastenpredigt erinnerte der Papst an die schweren Leiden Angolas unter 27 Jahren Bürgerkrieg und ethnischen Konflikten, die den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft erschwerten. Dazu Benedikt:

„Tragischerweise haben die Wolken des Bösen auch Afrika verdunkelt. Denken wir an die Geißel des Krieges, an die grausamen Früchte der Stammeskämpfe und ethnischen Konflikte, an die Gier, die das Herz des Menschen zerstört, die Armen in die Sklaverei führt und künftige Generationen ihrer Ressourcen beraubt. Diese Ressourcen brauchen sie aber, um eine solidarischere und gerechtere Gesellschaft zu errichten, die echt und ihren Werten nach afrikanisch ist.“
Benedikt XVI. warnte in seiner Predigt vor Abtreibung, der Schwächung von Ehe und Familie, vor Hedonismus und Drogenkonsum. Ein Neuanfang für Afrika müsse mit den alltäglichen Gesten eines jeden Gläubigen beginnen:

„Er muss in unseren Herzen, in kleinen täglichen Opfern beginnen, die zeigen, dass wir unsere Nächsten lieben, ohne Ansehen der Rasse oder Sprache. Nehmt die Herausforderung des großen Erbes des Evangeliums an. Und begreift, dass die Kirche in Angola und in ganz Afrika die Aufgabe hat, vor der Welt ein Zeichen der Einheit abzugeben. Einer Einheit, zu der die ganze menschliche Familie durch den Glauben an Christus, den Erlöser, aufgerufen ist.“
Besonders die junge Generation sei für die Zukunft gefordert. Benedikt:

„Liebe junge Freunde, ihr seid die Hoffnung auf Zukunft für euer Land, das Versprechen eines besseren Morgen! Beginnt ab heute, eure Freundschaft mit Jesus wachsen zu lassen, der ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben ist‘. Werdet Bekehrer eurer Freunde und führt sie mit eurem persönlichen Beispiel dazu, die Schönheit und Wahrheit des Evangeliums zu schätzen - in eine Zukunft, die nach den Werten des Reiches Gottes gestaltet ist. Die Kirche braucht euer Zeugnis!“ (rv)
 

“Richtet die Augen auf Afrika!”
Dazu forderte Papst Benedikt beim Angelusgebet nach dem Gottesdienst die Gläubigen in aller Welt auf. „Dieser große Kontinent ist randvoll mit Hoffnung, dürstet aber immer noch nach Gerechtigkeit, Frieden und einer gesunden und maßvollen Entwicklung, die dem Volk eine Zukunft des Fortschritts und des Friedens sichert“, so der Papst. Die „Königin des Friedens“ möge Afrika auf seinem Weg unterstützen.

„Die Jungfrau Maria, die Königin des Friedens, leite das Volk von Angola weiterhin bei der Aufgabe der nationalen Aussöhnung nach der verheerenden und unmenschlichen Erfahrung des Bürgerkrieges. Mögen ihre Bitten für alle Angolaner die Gnade einer echten Vergebung, der Achtung für die anderen und der Zusammenarbeit erwirken, die allein das enorme Werk des Wiederaufbaus voranbringen kann.“

Auch die nahe gelegene Region der Großen Seen schloss Papst Benedikt ins sein Gebet ein. Christus möge all jenen beistehen, die dort den schwierigen Prozess des Dialogs voranbringen und den Weg des Verhandelns eingeschlagen haben, so der Papst. (rv)
 

Bertone besucht die Verletzten im Krankenhaus
Bei dem Massenandrang vor der Begegnung Papst Benedikts mit Jugendlichen in Luanda sind am Samstagnachmittag zwei Mädchen getötet und insgesamt 89 Menschen verletzt worden. Das bestätigt nun eine Mitteilung des Vatikans. Die Zahl der Verletzten liegt damit höher als zuvor angenommen. 57 Personen werden momentan in Krankenhäusern behandelt. Vatikanvertreter unter der Leitung von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone statteten den Verletzten und Angehörigen am Sonntagnachmittag einen Besuch ab. Bei den Toten handelt es sich um zwei junge Frauen, die vor dem Treffen des Papstes mit angolanischen Jugendlichen am Samstagnachmittag im Gemenge vor dem Stadion zu Tode gekommen waren. Kardinalstaatssekretär Bertone segnete die beiden Leichname. Eines der Opfer ist noch nicht identifiziert. Der genaue Hergang des Unglücks wird noch untersucht.

“Der Unfall wirft einen traurigen Schatten auf die große Feier am Samstagnachmittag und die Papstreise insgesamt“,

sagte auch Vatikansprecher Pater Federico Lombardi am Sonntag. Offenbar sei das Unglück offenbar schon Stunden vor Beginn der Papstveranstaltung im Dos-Coqueiros-Stadion passiert, informiert der Vatikansprecher. Angesichts der Menschenmassen im Eingangsbereich sei Panik ausgebrochen. Dabei seien zahlreiche Personen verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Darunter waren auch zwei circa 20-jährige Frauen, die schließlich ihren Verletzungen erlegen seien. Beide waren eigens aus dem angolanischen Hinterland für das Treffen mit Papst Benedikt in die Hauptstadt gekommen.

Von ihrem Tod im Krankenhaus seien der Papst und Vatikanvertreter erst am späten Abend nach der Veranstaltung informiert worden, so Lombardi. Das wurde an diesem Sonntag auch seitens der angolanischen Behörden bestätigt. „Der Papst wusste also tragischerweise während der gesamten Feier im Stadion nichts von dem, was passiert war.“ Umso tiefer sei Benedikt von dem Unfall betroffen, berichtet Lombardi; denn die beiden Mädchen seien ja nur in die Hauptstadt gekommen, um den Heiligen Vater zu treffen."

Sichtlich bewegt hatte der Papst daher am Sonntagmorgen vor Beginn der Messfeier in Luanda den Todesopfern des Unfalls gedacht und ihren Angehörigen sowie den zahlreichen Verletzten sein Mitgefühl ausgesprochen. Am Nachmittag wollte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone die verletzten Jugendlichen im Krankenhaus von Luanda besuchen. (rv)

 Schlaglicht auf die Jugendlichen in Afrika
Mit einer großen Rede hat Papst Benedikt XVI. am Samstag Nachmittag Angolas Jugendlichen Mut gemacht. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg hatte das Land von seiner Zukunft fast abgeschnitten. Die Hoffnung liegt auf der Jugend – doch gerade die hat es nicht leicht, beschreibt die Ordensfrau Teresa Tulisse Joao. Sie arbeitet in der kirchlichen Jugendseelsorge und hat das Treffen des Papstes mit den Jugendlichen in Luanda mitorganisiert.

„Die Jugendlichen in Angola müssen eine Menge Schwierigkeiten meistern. Es stimmt, sie haben eine große Lebenslust. Aber mehr als jeder zweite von ihnen hat keine Arbeit. Wenn Sie sich hier umschauen – viele, die oft noch Kinder sind, versuchen ihr Glück als Straßenhändler. Sie leben von der Hand in den Mund. Von den jüngeren schaffen es viele nicht, in die Schule zu gehen, weil in der Familie das Geld fehlt.“

Die Kirche ist an vorderster Front beteiligt, die Lage der Jugendlichen in Angola zu verbessern. Dabei konzentriert sie sich auf etwas, was ihr seit Jahrhunderten am Herzen liegt: Bildung. Schwester Teresa:
„Wir versuchen, den Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu ermöglichen. Denn das ist die einzige Basis für einen Aufstieg aus dem Elend; nur mit Bildung finden junge Leute heute überhaupt irgendeine Arbeit. So betreibt die Kirche in Angola eine Menge Schulen, und es werden mehr. Für jene, denen das Lernen nicht liegt, bieten wir auch verschiedene Berufsausbildungen.“ (rv)

 

 

23.03.09

7. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Abschied in Luanda: Papst fordert gerechte Verteilung der Ressourcen
„Gott segne die Söhne und Töchter Angolas!“ Mit diesen Worten hat sich Papst Benedikt XVI. am Montag auf dem Flughafen der Hauptstadt Angolas von Afrika verabschiedet. Mit einer Sondermaschine der italienischen Fluggesellschaft Alitalia ist das Kirchenoberhaupt am Morgen zurück nach Rom aufgebrochen.

Zum Abschluss seiner knapp einwöchigen Reise in Kamerun und Angola rief Benedikt zu einer gerechteren Verteilung der weltweiten Ressourcen auf. Es war die letzte Rede des Papstes während seines sechstätigen Aufenthalts auf dem so genannten „schwarzen Kontinent“ und sie brachte noch einmal das Motto der Reise auf den Punkt: Versöhnung, Gerechtigkeit und Solidarität sind weltweit notwendig, damit die ärmsten, von Bürgerkriegen geplagten Länder Afrikas neue Perspektiven finden. Die Angolaner, sagte Benedikt, habe er als ein „mutiges“ Volk kennengelernt, das „zum Neuanfang entschlossen“ sei:

„Trotz aller Widerstände und Hindernisse, hat dieses Volk die Absicht, seine Zukunft aufzubauen und dabei den Weg der Versöhnung, Gerechtigkeit und Solidarität zu gehen.“

Für das Land sei eine „Zeit der Hoffnung“ angebrochen, so Benedikt. Er habe in Angola eine „lebendige“ Kirche kennengelernt, die „trotz vieler Schwierigkeiten voller Enthusiasmus“ sei. Sie könne Angola auf dem Weg in eine bessere Zukunft unterstützen, so der Papst weiter, „indem sie den Seelen Frieden stiftet und zu einer brüderlichen Barmherzigkeit einlädt, die jeden mit offenen Armen empfängt, und zwar im Respekt vor seinen Ideen und Gefühlen.“

An der Abschiedszeremonie auf dem Flughafen nahmen neben den Bischöfen des Landes und einer Gruppe Jugendlicher auch der angolanische Staatspräsident Edoardo dos Santos und Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil. Besonders an sie appellierte der Papst, sich um die Bedürfnisse und Hoffnungen der Ärmsten zu sorgen. Jeder der ein öffentliches Amt ausübe, solle dies nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern für das Gemeinwohl tun, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt:

„Unsere Herzen können keinen Frieden finden, solange es noch Brüder und Schwestern gibt, die unter Mangel an Nahrung, Arbeit, Unterkunft oder anderen lebensnotwendigen Gütern leiden. Um diesen unseren Brüdern und Schwestern eine konkrete Antwort zu geben, müssen wir uns zunächst der Herausforderung der Solidarität stellen: Solidarität zwischen den Generationen, zwischen Nationen und Kontinenten. Diese Solidarität soll zu einer immer gerechteren Verteilung der Ressourcen unter den Menschen führen.“

Er sei traurig, dass sein Aufenthalt in Afrika zu Ende gehe, sagte der Papst. Doch stünde die nächste Begegnung mit dem Kontinent bereits an – dieses Mal im Vatikan. Dort wird im kommenden Oktober die zweite Sonder-Synode der Bischöfe zum Thema Afrika tagen. In einem Schlussgebet bat der Papst um Schutz für die vielen Flüchtlinge des Kontinents. Der letzte Gruß des Kirchenoberhaupts galt den Angolanern wie ganz Afrika:

„Geschwister und Freunde in Afrika, liebe Angolaner – nur Mut! Werdet nie müde, den Frieden voranzutreiben, indem ihr Zeichen der Vergebung setzt und an der nationalen Versöhnung arbeitet, damit Gewalt niemals den Dialog besiegt, Angst und Ernüchterung die Zuversicht verdrängen und Groll die brüderliche Liebe bezwingt. Das ist möglich, wenn ihr Euch gegenseitig als Kinder desselben und einzigen Vaters im Himmel anerkennt. Gott segne Angola und seine Söhne und Töchter! Er segne die Gegenwart und die Zukunft dieser geliebten Nation. Lebt wohl!“ (rv)

Papst zieht Bilanz: „Gastfreundschaft und Liturgiebewusstsein waren großartig“
Auf dem Rückflug des Papstes von Angola Richtung Rom hat Benedikt XVI. nochmals seine Reise Revue passieren lassen. Zwei Eindrücke blieben ihm besonders in Erinnerung, so das katholische Kirchenoberhaupt:

„Einerseits gibt es da das Bild einer beeindruckenden Gastfreundschaft, die fast schon übermäßig wirkt. Eine Gastfreundschaft, die geprägt ist von Freude. Man kann sagen: Afrika in Feststimmung. Mir schien, dass die Afrikaner den Papst als – sozusagen – „Personifizierung der Kirche als Familie“ ansehen. Somit war die Präsenz des Papstes in Afrika etwas wahrlich Freudiges.“

Ein zweiter Aspekt betrifft die Religiosität der Afrikaner, so Benedikt XVI. weiter.

„Ich war sehr beeindruckt von der Spiritualität bei den Liturgien. Man spürte ein starkes Gefühl für das Heilige. Bei den Liturgiefeiern standen nie die eigenen Gruppen oder die Selbstdarstellung im Mittelpunkt, sondern die Gegenwart des Heiligen und Gottes selbst. Auch die Bewegungen während der Zeremonien waren immer voller Respekt und vom Bewusstsein geprägt, dass sie für Gott gemacht werden. Das hat mich sehr stark beeindruckt.“

Papst Benedikt XVI. hat bei seiner am Montag beendeten Reise nach Kamerun und Angola die großen Themen der afrikanischen Realität wie Versöhnung, Frieden, Wiederaufbau und echte Demokratie angesprochen. Das betonte Vatikansprecher Federico Lombardi in seinem Resümee.

„Der Papst hat auch internationale Solidarität, Menschenrechte, gerechte Entwicklung und Gleichheit gefordert und Korruption verurteilt. Seine Botschaft der Hoffnung wird zweifellos Früchte bringen. Die Aufnahme in beiden afrikanischen Ländern war für den Papst ausgezeichnet. Benedikt XVI. ist mit Begeisterung begrüßt worden und hat den Menschen den Rücken gestärkt. Zugleich ist der Enthusiasmus auch für ihn eine Ermutigung gewesen.“ (rv)

Afrikareise: Ein Gespräch mit unserer Korrespondentin
Was bleibt von diesem Papstbesuch in Afrika? Das haben wir nach ihrer Rückkehr nach Rom unsere Kollegin Birgit Pottler gefragt, die Benedikt den XVI. in den vergangenen Tagen für uns genau beobachtet hat. Wie ist dieser durch und durch europäische Papst auf die Katholiken in Afrika zugegangen? Ist er für diese Tage einer von ihnen geworden?

„Es gibt in Kamerun ein Sprichwort: „Ein Baum, der ins Wasser fällt, ist noch lange kein Krokodil“. So seltsam dieses Sprichwort für uns Europäer wohl klingen mag, ich denke, es trifft das, was der Papst in Afrika erlebt hat, sehr gut. Er ist Europäer geblieben, hat aber für die Afrikaner gesprochen. Er hat deren Probleme angesprochen, hat wirklich versucht, sich darauf einzulassen. Er hat sich ja unter anderem in Yaounde auch mit einem Pygmäenstamm getroffen. Eine Minderheit, die von der Regierung auf alle mögliche Weise schikaniert wird. Der Papst ist ihnen begegnet. Das ist ein Zeichen, das denke ich auch von den anderen Ethnien in Kamerun und Angola sehr stark wahrgenommen wird. Er hat Geschenke entgegengenommen, die typisch afrikanisch waren: aus Ebenholz, aus Kupfer, Produkte mit denen Afrikaner arbeiten. Er selbst hat aber Geschenke mitgebracht, die europäisch waren: eine Marienikone, einen Leuchter. Er hat sich da also keine Mühe gegeben, sich zu verstellen. Ich fand das sehr authentisch.“

In Europa hat die Berichterstattung über diese Papstreise in Afrika ein Thema ganz klar dominiert. Das war eine vielleicht etwas künstlich losgetretene Kondomdebatte. In Afrika war das nicht wirklich ein Thema, oder?

„Es war erst am dritten Besuchstag in Afrika ein Thema, als die Meldungen aus Europa den Kontinent erreicht hatten. Dann haben einige Zeitungen dieses Thema - relativ unkommentiert – aufgenommen, aber für die Afrikaner spielte es weiterhin keine Rolle. Wir sind auf der Rückreise aus Afrika zur Zwischenlandung drei Stunden in Paris gewesen, wo ich Gelegenheit hatte, die französischsprachige Presse zu lesen - und bei mir hat sich, und ich glaube auch bei den Kollegen aus dem Radio-Vatikan-Team, eine Mischung aus Traurigkeit und Zorn eingestellt. Denn man kann die Aussage des Papstes und die Vatikanhaltung zur Verteilung von Kondomen mit Sicherheit noch einmal unterschiedlich bewerten, aber davon abgesehen ist die Konzentration auf diese Debatte wirklich etwas, was der ganzen Afrikareise nicht gerecht wird. Er hat über Aids ja gar nicht mehr in dieser Ausführlichkeit gesprochen. Es war für ihn ein Beispiel der Menschen, die leiden. Es waren viele andere Themen wichtig. Von daher wird diese Berichterstattung in der westlichen Welt dem Anliegen des Papstes nicht gerecht und es wird aber auch dem Engagement der Kirche in Afrika nicht gerecht.“

Was wird denn für die Kirche Afrikas von diesem Papstbesuch bleiben?

„Mit Sicherheit nicht die Aids-Debatte, sondern die Punkte, die er angesprochen hat. Die bleibende Sorge der Kirche für die Menschen, die leiden. Er hat verschiedene Beispiele herausgegriffen, die aber auch alle zum Beispiel im „Instrumentum laboris“, in diesem Arbeitspapier für die Synode, benannt sind. Er sprach das Problem der Korruption an, er forderte Frieden und Gerechtigkeit, er mahnte die reichen Länder zu mehr Einsatz in Afrika und vieles mehr. Nichts was der Papst gesagt hat, wäre nicht auch von den Bischöfen, von den Bischofskonferenzen schon benannt worden. Es ist von daher für die Kirche Afrikas jetzt ein neuer Ruck, eine neue Bestätigung: jawohl, wir müssen auf diesem Weg weitergehen.“ (rv)

 

 

25.03.09

Bischöfe weisen Kritik der Piusbrüder zurück

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Vorwürfe der traditionalistischen Piusbruderschaft zurück gewiesen. Die Priesterbruderschaft greife „unser Verständnis von Demokratie“ an und setze es herab, sagte der Bischofskonferenzvorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch an diesem Mittwoch bei einer Veranstaltung in Berlin.
Der Generalobere der Priesterbruderschaft, Bernard Fellay, habe mit der Erklärung vom Dienstag „seine tatsächliche Geisteshaltung“ gezeigt, sagte Pressesprecher Matthias Kopp am Dienstag Abend in Bonn.
Fellay hatte in einem im Internet verbreiteten Text die Deutsche Bischofskonferenz direkt angegriffen. Wörtlich hieß es: „Wir sind besonders angewidert von der Haltung des deutschen Episkopats, der uns unablässig seine unbarmherzige Feindseligkeit gezeigt hat, die jeder Nächstenliebe entbehrt.“ Einige Bischofskonferenzen hätten die Kontroverse um die Bruderschaft genutzt, um „einen offenen Aufstand“ gegen den Papst zu führen.
Pressesprecher Kopp dazu: „Wir verbitten uns den Vorwurf, einen offenen Aufstand gegen den Papst geführt zu haben. Im Übrigen weisen wir die Anschuldigung unbarmherziger Feindseligkeit entschieden zurück.“ Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller forderte die Priesterbruderschaft zur Selbstkritik auf. Fellays Kommunique wertete er als „Versuch, einen Keil zwischen den Papst und die deutschen Bischöfe zu treiben“. Damit „werden sie aber keinen Erfolg haben“, sagte Müller der Katholischen Nachrichten-Agentur in Regensburg. Bischof Müller betonte, alle deutschen Bischöfe seien vom Papst ernannt und stünden in voller Gemeinschaft mit ihm. Die Pius-Bischöfe hingegen seien illegal geweiht und sollten daher „in ihren Äußerungen deutlich zurückhaltender sein“.
Bei ihrer Vollversammlung Anfang März hatten die deutschen Bischöfe sich deutlich von der traditionalistischen Priesterbruderschaft distanziert und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Der Vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch betonte damals:
„Wir müssen feststellen, dass die Priesterbruderschaft Pius X. sich von sich aus von der katholischen Kirche abgespalten hat. Es liegt nun an der Bruderschaft, das Schisma zu überwinden und durch einen Prozess der Wiedereingliederung die Einheit mit dem Papst und der katholischen Kirche wieder herzustellen.“
Der deutsche Episkopat selbst werde nicht das Gespräch mit der Piusbruderschaft suchen, erklärte Zollitsch. Die Klärung müsse nämlich auf weltkirchlicher Ebene erfolgen. Die in Deutschland losgetretene Debatte sei allerdings auch eine Chance, das Zweite Vatikanische Konzil und seine Dynamik neu ins Bewusstsein der Katholiken zu bringen. „Denn die entscheidende Sorge für uns ist die Stärkung und Erneuerung des kirchlichen Lebens und seine Bezeugung hier in Deutschland. Wir hoffen, dass es jetzt auch zu einem entsprechenden Neuanfang kommt.“
Die nach der Aufhebung der Exkommunikation seitens der Piusbrüder angekündigten weiteren Weihen bezeichnete Zollitsch als eine Art „Kampfansage“ an die Kirche und einen Verstoß gegen die kirchliche Ordnung. Sollte die Piusbruderschaft ihr Verhalten nicht ändern, sei eine erneute Exkommunikation für ihn die „innere Konsequenz“, so Zollitsch.
Die Priesterbruderschaft zeigt sich von dieser Warnung seitens der katholischen Bischöfe unbeeindruckt: Die für Ende Juni angekündigten Priesterweihen wurden nicht abgesagt:
„Die übrigen Weihen werden wie vorgesehen stattfinden; es stand niemals zur Debatte, sie zu unterlassen", so Fellay. „Wir wissen, dass unsere Lage in Bezug auf das Kirchenrecht unvollkommen ist.“ Diesem Recht zufolge auf Weihen zu verzichten, würde aber „das Leben unserer priesterlichen Gemeinschaft ersticken“.
Anlass der Erklärung Fellays ist die Verlegung einer ursprünglich in Bayern geplanten Weihe von Subdiakonen der Bruderschaft. Der Generalobere teilte mit, die für Samstag geplante Weihe von Subdiakonen in Zaitzkofen werde an den Sitz des Mutterhauses nach Econe im schweizerischen Wallis verlegt. Die Bruderschaft verstehe dies als eine „Geste der Beruhigung“. Die Ortsverlegung entspreche einem Wunsch Roms. Eine Absage habe jedoch zu keinem Zeitpunkt zur Debatte gestanden.(rv)

 

 

25.03.09

Kamerun: „Medien verdunkeln Papst-Botschaft für Afrika“

Die Debatte über die Afrikareise des Papstes und die ablehnende Haltung des Vatikans zu Kondomen als scheinbar allein erfolgreiche Methode im Kampf gegen die Ausbreitung von Aids hält an. Jetzt haben die Bischöfe Kameruns die westliche Berichterstattung über die Afrikareise des Papstes kritisiert. Der Umgang bestimmter Pressevertreter mit den Aussagen des Papstes über den Kampf gegen Aids und den Gebrauch von Kondomen sei „unverantwortlich“ und habe versucht, die Mission der Reise in den Schatten zu stellen, heißt es in einer an diesem Mittwoch verbreiteten Erklärung der Bischofskonferenz. Gleichzeitig rufen die Oberhirten Kameruns die Christen zu einem verantwortlichen Umgang mit der Sexualität und die Kirche zum vielfältigen Einsatz im Kampf gegen Aids auf.
Die westlichen Medien hätten die wesentlichen Aspekte der Reise Benedikts XVI. nach Afrika nicht beachtet, kritisieren die Bischöfe und benennen Papstworte zu Armut, Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden. Das fehlende Medienecho in diesen Fragen sei umso tragischer, da bekannt sei, wie viele Menschen Opfer von Bürgerkriegen und Hungersnöten oder anderer Krankheiten würden; diese Dramen würden in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Mit ihrer verkürzten Berichterstattung hätten die Medien überdies das Engagement der Kirche für die Kranken auf die Kondomfrage reduziert und die Worte des Papstes in ein falsches Licht gestellt, so die Bischöfe weiter.
Der Papst stelle „den Menschen in den Mittelpunkt seiner Sorge“ und erinnere „an die Lehre Christi und der Kirche“. Diese Lehre spreche von der Würde eines jeden Menschen als Adoptivkind Gottes. Die katholische Kirche kämpfe daher täglich und auf vielfältige Weise gegen die Ausbreitung von Aids, versorge die Kranken, begleite sie und ihre Familien. Das sei die erste Botschaft des Papstes gewesen.
Der zweite Aspekt: Die Kirche könne sich nicht aus ihrer Pflicht stehlen, als moralische Kraft zu ehelicher Treue und zu Abstinenz aufzurufen. Jeder außereheliche Geschlechtsverkehr sei gefährlich und unterstütze die Ausbreitung des HI-Virus, so die Bischöfe weiter. Die Menschen in Kamerun hätten die Botschaften des Papstes - anders als die westlichen Medien - sehr wohl verstanden und das Kirchenoberhaupt mit Freude und Enthusiasmus aufgenommen. (rv)
 

Kardinal aus dem Senegal: „Afrikaner können selbst denken“
Die westliche Welt solle aufhören, Afrika zu bevormunden. Das forderte gegenüber Radio Vatikan der Erzbischof von Dakar im Senegal, Kardinal Theodore-Andrien Sarr. Er kritisierte scharf die einseitige Berichterstattung westlicher Medien über den Kampf gegen Aids.
„Der Westen muss endlich zulassen, dass die Afrikaner so reagieren, wie sie es für richtig halten. Die Afrikaner leben auf ihre Art und Weise und denken auf ihre Art und Weise. Der Westen muss nicht für uns denken. Was passiert ist, ist sehr, sehr schade! Von dieser Reise hätte es so viel Schönes und Wichtiges zu berichten gegeben, doch Einige hatten nichts als Polemik im Sinn. Im Verhältnis zu den übrigen Inhalten der Reise ist diese Polemik sogar noch aufgebauscht worden. Es wird immer wichtiger, dass der Westen und seine Bewohner von dieser Meinung abkommen, dass nur sie Träger der Wahrheit sind, dass nur ihre Meinung und ihre Ideen zählen.“
Kardinal Sarr berichtet im Gespräch mit uns vom gemeinsamen Kampf gegen Aids im Senegal von Christen und Moslems. Die Erfahrung zeige, das Kondom sei nicht die einzige Waffe gegen die Immunschwächekrankheit:
„Wir haben uns im Auftrag des Präsidenten engagiert und gemeinsam Abstinenz und Treue gepredigt. Wenn heute die Ansteckungsrate im Senegal niedrig ist, dann bestimmt auch, weil die Religionsgemeinschaften auf moralische Verhaltensweisen gepocht haben. … In einigen Ländern Afrikas mag diese Position schwierig sein, weil die Gewohnheiten anders sind. Doch Afrika ist in sich verschieden, und es gibt sehr wohl Gesellschaften, die den Begriff von Abstinenz und Treue kennen und ihn auch fördern.“
Was wird von dieser ersten Afrikareise Benedikts XVI. bleiben? Sicher die Debatten um den Lebensschutz und die Aidsvorsorge, meint der Senegalese. Aber er betont auch:
„Vielleicht wollte der Papst ja auch uns Afrikaner, vor allem uns Bischöfe, daran erinnern, dass es besser ist, wenn wir selbst und für uns selbst denken. Wir sollen das Evangelium und seine Werte leben und sie selbst verbreiten. Unsere Art, die Dinge zu sehen und unsere Art zu handeln ist wirksam, auch wenn sie nicht dem entspricht, was andere uns vorschlagen.“ (rv)

Vatikansprecher: Afrikareise „im Zeichen von Realismus und Hoffnung“
„Ich hatte die Möglichkeit, Völkern zu begegnen, die fest mit geistlichen Traditionen verwurzelt sind und sich danach sehnen, dass ihr Wohlstand im rechten Maß wächst.“ So beurteilt Papst Benedikt XVI. nach seiner Rückkehr die Pastoralreise nach Afrika in einem Telegramm an Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano. Vatikansprecher Pater Federico Lombardi spricht rückblickend von einer Reise „im Zeichen von Realismus und Hoffnung“. Gegenüber Radio Vatikan sagte der Jesuit:

„Der Papst hat die Realitäten Afrikas auf konkrete Weise erlebt. Er hat die großen Probleme des Kontinents beleuchtet, aber er hat auch dazu ermuntert, mit einer christlichen Brille nach vorne zu schauen. Diese Botschaft der Hoffnung gilt natürlich allen Christen weltweit, aber für Afrika kann dieser Ausdruck besondere Bedeutung haben, gerade weil wir um die dramatischen Probleme des Kontinents wissen. Die Einladung zur Hoffnung ist dringlich, und es ist richtig, dass der Papst an den großen Wert dieser Tugend für alle Christen, die auf diesem Kontinent wirken, erinnert hat.“

Während die Begegnung mit Jugendlichen auf Pastoralreisen zur Tradition geworden sei, wollte der Papst diesmal den Frauen besondere Aufmerksamkeit schenken, betont Lombardi:

„Im Bewusstsein ihrer fundamentalen Rolle bei der Weitergabe des Lebens, im Zentrum der Familie aber auch der Gesellschaft. Die Frau hat auch Gaben und Charismen, die zu Verständnis, zu Dialog und zu gegenseitigem Respekt verhelfen.“

Es sei eine gute Entscheidung gewesen, noch vor der Sonderbischofsversammlung für Afrika im Oktober nach Kamerun und Angola zu reisen, meint Lombardi. Dass der Papst persönlich das Instrumentum Laboris überreicht habe, gebe den Vorbereitungen der Synode einen entscheidenden Impuls:

„Das zeigt, dass der Papst und die Weltkirche großes Interesse an diesem Ereignis haben, es verfolgen, daran teilhaben möchten und es im Gebet begleiten.“

Schon während der fliegenden Pressekonferenz hatte Benedikt XVI. schmunzelnd auf die Frage nach dem Mythos seiner Einsamkeit im Vatikan reagiert. Nach der Rückkehr aus Afrika und den Bildern jubelnder Menschen am Straßenrand betont der Papstsprecher:

„Von Einsamkeit kann man wirklich nicht sprechen. Wir haben ja gesehen, dass auch die Bischöfe in den letzten Monaten ihre Solidarität zum Ausdruck bringen wollten. Wir haben den Enthusiasmus und die offenen Arme zahlreicher Völker gesehen. Der Papst fühlt sich nicht allein, weder was die Leitung der Kirche angeht, noch was die Menschen angeht, denen er begegnet.“

In Afrika wurden die kirchlichen wie politischen Ansprachen des Papstes auch in den Medien positiv dargestellt. Zum Widerspruch zur Berichterstattung in den westlichen Medien konstatiert Lombardi:

„Ich habe den Eindruck, dass es für den Westen schwierig ist, die besondere Einstellung zu begreifen, mit der die Kirche Entwicklung und Fortschritt der Völker sieht. … Ich habe, an der Seite des Papstes, diese hunderttausenden Menschen gesehen: Das sind keine Nummern, keine Tiere, die es einzugrenzen, oder mit Macht, mit wirtschaftlichen, polizeilichen oder sonstigen Maßnahmen zu regieren gilt. Das sind Personen. Hinter jedem Gesicht sieht die Kirche eine Person mit unendlicher Würde, eine Person die dazu gerufen ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen und zu wachsen. Das scheint in vielen der Positionen, die wir in diesen Tagen zu Afrika und seiner Zukunft gehört haben, zu fehlen.“ (rv)

 

 

26.03.09

Papst-Programm für Nahostreise vorgestellt

Der Vatikan hat den Besuch Papst Benedikts im Heiligen Land nun auch offiziell bestätigt. Vom 8. bis 15. Mai reist Benedikt XVI. nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete. Es ist die mit Abstand dichteste Reise, die Papst Benedikt in seinem bisherigen Pontifikat absolviert hat. Vorgesehen sind nicht weniger als 25 Reden, vier öffentliche Gottesdienste und zwei Vespern, ökumenische und interreligiöse Begegnungen sowie Besuche in karitativen Einrichtungen. Im Mittelpunkt der als Pilgerreise apostrophierten Visite steht der Besuch der wichtigsten Wirkungsstätten Jesu.

Die ersten drei der sieben Tage verbringt Papst Benedikt in Jordanien. Am Tag seiner Ankunft, dem 8. Mai, besucht er – wie schon sein Vorgänger Johannes Paul II. im Jahr 2000 - das katholische Behindertenzentrum „Regina Pacis“ und wird im Anschluss zum Höflichkeitsbesuch vom jordanischen Königspaar in dessen Palast empfangen.

Am Samstag pilgert er nach einem privaten Gottesdienst in der Nuntiatur von Amman, die dem Papst in Jordanien auch als Herberge dienen wird, zur Basilika des Moses auf dem Berg Nebo. Von hier hatte der biblischen Überlieferung zufolge Moses erstmals das "Gelobte Land" erblickt, als er sein Volk aus ägyptischer Gefangenschaft heimführte. Danach besucht der Papst die Al-Hussein-bin-Talal-Moschee und trifft sich mit Muslim-Führern sowie Diplomaten. Die Vesper feiert er mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der griechisch-melkitischen Georgskathedrale in Amman.

Am Sonntag steht im Stadium von Amman ein Gottesdienst auf dem Programm. Am Nachmittag pilgert der Papst zu der Stelle am Jordan, an der Jesus von Johannes die Taufe empfing.

Am Montag, den 11. Mai, landet der Papst in Israel auf dem Internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. In Jerusalem empfängt ihn der israelische Staatspräsident zum Höflichkeitsbesuch. Gleich im Anschluss besucht Benedikt die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und hält dort eine Rede. Am Abend trifft er sich mit Exponenten des interreligiösen Dialogs.

Am Dienstag stattet Benedikt nach einem Besuch im Felsendom dem Großmufti von Jerusalem einen Höflichkeitsbesuch ab. Im Anschluss besucht er die Klagemauer. Der nächste Höflichkeitsbesuch gilt den beiden Großrabbinern der Heiligen Stadt. Zu beiden Begegnungen wird der Papst eine Rede halten. Im Tal Josafat feiert Benedikt am Nachmittag eine Heilige Messe.

Auf dem Krippenplatz in Bethlehem zelebriert der Papst dann am Mittwoch, dem 13. Mai, die Messe. Am Nachmittag steht ein privater Besuch in der Geburtsgrotte auf dem Programm, danach ein Besuch im Caritas Baby Hospital und im Aida-Flüchtlingslager von Bethlehem, wo der Papst eine Rede halten wird. Es folgt ein Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde im Präsidentenpalast von Bethlehem.

Am Donnerstag zelebriert der Papst auf dem „Berg des Herabsturzes“ in Nazareth die Heilige Messe. Nach einem Mittagessen mit dem örtlichen Klerus und der Gemeinschaft der Franziskaner in deren Konvent folgt dort eine Begegnung mit dem israelischen Premierminister. Die nächste Rede hält der Papst in der Verkündigungsbasilika in Nazareth bei einer Begegnung mit Religionsführern von Galiläa. Am selben Ort feiert Benedikt mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Seelsorgern von Galiläa die Vesper.

Am letzten Tag des Besuches kommt es zu einer ökumenischen Begegnung am Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem. Nach einem Besuch der Grabeskirche macht Benedikt einen Abstecher zur armenischen Patriarchalkirche des Heiligen Jakob. Letzter offizieller Programmpunkt ist die Verabschiedung auf dem Internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. (rv)

 

 

 

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4/2009

 

 

01.04.09

Vatikan: „Santo subito – aber nach gründlicher Prüfung“

Der Heilige Stuhl will beim Seligsprechungsprozess für Papst Johannes Paul II. nichts überstürzen. Das sagte der Präfekt der Heiligenkongregation, Erzbischof Angelo Amato, im Gespräch mit uns. Der Prozess könne dank einer Entscheidung des Papstes „beschleunigt vorangehen“, so Amato: „Das bedeutet, dass er nicht in die anderen Fälle eingereiht wird, von denen derzeit mehr als tausend auf ein Urteil warten.“
„Weil es sich um einen so bekannten und geliebten Papst handelt, verpflichtet die Schnelligkeit allerdings zu großer Genauigkeit – in der Methode, im Inhalt und im Respekt vor den vorgesehenen Prozeduren. Schnelligkeit bedeutet also nicht Eile oder Oberflächlichkeit, sondern impliziert im Gegenteil Detailgenauigkeit und Professionalität.“
In der polnischen Heimat Johannes Pauls wird spekuliert, dass dieser vielleicht schon im Oktober zur Ehre der Altäre erhoben wird oder am 2. April nächsten Jahres, an seinem fünften Todestag. Amato macht bei solchen Spekulationen nicht mit:
„Der diözesane Prozess ist im Mai 2007 zu Ende gegangen. Seit November 2008 gibt es in unserer Kongregation die so genannte „Positio“, die von den theologischen Beratern einer ersten Prüfung unterzogen wird. Wie lange diese Prüfung dauert, lässt sich nicht voraussagen. Wenn sie vorüber ist, wird das Urteil von Kardinälen und Bischöfen eingeholt und kommt dann zum Papst: für das Dekret der „Verehrungswürdigkeit“. Dieses Dekret ist wichtig, weil es den heroischen Tugendgrad feststellt. Auch das mutmaßliche Wunder wird geprüft, unter anderem von Medizinern, Theologen sowie Kardinälen und Bischöfen. Das Resultat wird dann dem Heiligen Vater für seine abschließende Entscheidung unterbreitet. Erst wenn alle diese Prozeduren genau eingehalten worden und zu einem Abschluss gebracht sind, wird man von einem eventuellen Datum für eine Seligsprechung reden können. Heute wissen wir nicht, wann das sein wird!“
Papst Benedikt wird an diesem Donnerstagabend eine Messe zur Erinnerung an seinen Vorgänger feiern, der am 2. April 2005 starb.
„Ich glaube, dass der Wunsch nach einer baldigen Seligsprechung, den ja nicht nur die polnische Nation, sondern viele in der Kirche haben, auch von Papst Benedikt geteilt wird – und auch von unserer Kongregation. Die Zeit des Wartens auf eine mögliche Seligsprechung sollte weniger von Neugier geprägt sein als von spirituellem Eifer, Gebet und Apostolat.“ (rv)

 

 

03.04.09

Papst Benedikt trauert um den italienischen Kardinal Umberto Betti

Der Franziskaner starb am Mittwoch im Alter von 87 Jahren in einem Kloster bei Florenz. Er war in den 90er-Jahren Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität und wurde im Jahre 2007 zum Kardinal kreiert. Benedikt würdigte in einem Kondolenztelegramm „den eifrigen Dienst, den der verstorbene Kardinal und sachkundige Theologe als Konzilsperitus und dann als Berater der Glaubenskongregation, des Staatssekretariats und als Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität“ geleistet hatte. (rv)

 

 

03.04.09

London hat einen neuen Oberhirten

Papst Benedikt hat an diesem Freitag Vincent Gerard Nichols zum Erzbischof von Westminster ernannt. Der 63-jährige folgt auf Kardinal Cormac Murphy O'Connor, dessen altersbedingten Rücktritt der Papst am gleichen Tag annahm. Nichols war zwischen 1992 und 2000 bereits Weihbischof in Westminster, dem britischen Hauptstadt-Bistum. Wie Murphy O'Connor dürfte auch der neue Metropolitan-Erzbischof bei nächster Gelegenheit den Kardinalspurpur erhalten. Innerhalb Englands hat Nichols sich als Vorkämpfer konfessioneller Schulen sowie durch ökumenische Arbeit und seinen Einsatz für den interreligiösen Dialog einen Namen gemacht. (rv)

 

 

10.04.09

Vatikan/Deutschland: Piusbruderschaft lehnt erneuerte Judenfürbitte ab

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt die von Papst Benedikt XVI. neu formulierte Karfreitagsfürbitte für die Juden ab. Man werde am Karfreitag weiterhin für die Bekehrung der Juden beten, teilte die Bruderschaft an diesem Donnerstag mit. Die entsprechende Fürbitte gehöre zur „uralten Tradition der Kirche“ und gehe in ihrem Wortlaut auf das vierte Jahrhundert zurück. Jeder habe das Recht, „seine Gebete so zu formulieren, „wie es ihm der persönlich gefundene Glaube nahe legt“, heißt es in der Aussendung der Piusbruderschaft, die vom Distriktoberen P. Franz Schmidberger unterzeichnet ist. Die Ablehnung der neuen Fassung der Fürbitte gelte für die gesamte Bruderschaft, fügte er auf Anfrage hinzu.

Nach Schmidbergers Darstellung soll auch das alte Gebet weder provozieren noch „in irgendeiner Weise die religiösen Gefühle von Nichtkatholiken“ verletzen. Die Priesterbruderschaft sieht sich „von dem Wunsch beseelt“, dass „gerade in Deutschland wieder eine theologische Auseinandersetzung zwischen Juden und Katholiken stattfindet“. Zu sehr würden Gespräche über den Glauben „durch historische Belastungen erschwert“. In ihrer Aussendung verwirft die Piusbruderschaft – unter Verweis auf Papst Pius XI. (1929-1939) - den Antisemitismus. Auch Zwangsmissionierung schließt sie aus.

Kritik übte Schmidberger am Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dieses hatte jeder Form der Judenmission eine klare Absage erteilt. Die katholische Laienorganisation entferne sich damit „weit von der Heiligen Schrift und der Sendung der katholischen Kirche“.

Papst Benedikt hatte vor einem Jahr die Fürbitte für die außerordentliche Form des römischen Messritus neu formuliert. Im alten Formular von 1962 – jenem, das die Piusbruderschaft jetzt weiterhin verwendet – ist von einer „Verblendung jenes Volkes“ die Rede, das „aus seiner Finsternis entrissen“ werden soll. Gegen diese Formulierung war Widerstand von jüdischer, aber auch von katholischer Seite laut geworden. Weil die katholische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum im II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) auf eine neue Grundlage gestellt hatte, entschloss sich der Papst, den Gebetstext neu zu formulieren.

Die Situation war entstanden, weil Papst Benedikt zuvor mit seinem Erlass „Summorum Pontificum“ vom Juli 2007 die alte Form der römischen Liturgie als „außerordentlichen Ritus“ wieder zugelassen hatte. Traditionsverbundene Gruppen, darunter die Piusbruderschaft, feiern die Messe nach den alten Büchern, die bis zum Konzil in Gebrauch waren. (rv)

 

 

12.04.09

Papst auf dem Palatin-Hügel

 

Der bald 82-jährige Papst verfolgte die Kreuzweg-Prozession auf dem Palatin-Hügel oberhalb des Kolosseums. Ein von Gläubigen getragenes Holzkreuz übernahm er erst ganz am Schluss. Bei der Prozession wird der Leidensweg Jesu am Tag seiner Kreuzigung symbolisch nachgestellt. Die Meditationen an den insgesamt 14 Stationen des Kreuzweges, der vom Kolosseum bis zum Palatin-Hügel führte, stammten von dem indischen Erzbischof Thomas Menamparampil. Er formulierte seine Betrachtungen nach eigenen Worten als „Hymnus der Hoffnung“. Während des Gebets trugen abwechselnd Gläubige aus unterschiedlichen Regionen der Welt ein schlichtes Holzkreuz. Stellvertretend für die Leidenden übernahmen ein junger Rollstuhlfahrer und ein Kranker gemeinsam mit Betreuern das Kreuz für einige Stationen.

Meditationstext über Hoffnung
Die Gebete des Kreuzweges riefen gegen Angst und globale Probleme zu neuer Hoffnung auf. „Unter der Oberfläche von Naturkatastrophen, Kriegen, Revolutionen und Konflikten aller Art gibt es eine stille Gegenwart, ein zielgerichtetes göttliches Handeln. Sie bleibt verborgen in der Welt, in der Gesellschaft, im Universum“, hieß es in dem Text des indischen Erzbischofs. Anhand der Stationen des Leidenswegs Jesu riefen die Meditationen zu Gewaltverzicht auf. Menamparampil zitierte Franz von Assisi, Mahatma Gandhi, Rabindranath Tagore und Mutter Teresa.

Ohne auf die Ausschreitungen militanter Hindus gegen Katholiken im vergangenen Herbst in Indien konkret einzugehen, sprach die Meditation von neuen Martyrien. „Jesus leidet weiter, wenn die Gläubigen verfolgt werden“, hieß es. Die Kreuzweg-Andacht kritisierte eine öffentliche Verspottung und Aufgabe von Werten. Gewalt gegen Frauen und Kinder, ethnische Konflikte, Folter und Menschenrechtsverletzungen wurden verurteilt. Zugleich erinnerte der Text an die Verantwortung für eine gemeinsame Zukunft und warnte vor Raubbau und Umweltverschmutzung.

Papst erinnert an heutige Leidenden
Der Papst erinnerte zum Abschluss des Kreuzweges an die gegenwärtig Leidenden. Jesus habe alle menschlichen Ängste auf sich genommen.

„Sein Antlitz spiegelt sich in dem jedes gedemütigten und verletzten Menschen, jedes Kranken und Leidenden, Einsamen, Verlassenen und Verachteten.“

Via Crucis: „Ich bin stolz, dass ich Kreuz tragen durfte“
Zehntausende Gläubige sind beim Kolosseum dem symbolischen Leidensweg Christi gefolgt. Unter ihnen war auch die indische Ordensfrau Vilemna Solome. Sie stammt aus Kerala, demselben Ort wie Erzbischof Thomas Menamparampil. Er hat die diesjährigen Meditationstexte für die 14 Stationen des Leidenswegs Christi vom Garten Gethsemani bis zum Kreuz geschrieben. Die indische Ordensfrau durfte von der siebten bis zur neunten Station das Kreuz tragen. Diese Ehre kam ihr zuteil, nachdem sie vor wenigen Wochen im Vatikan angefragt hatte, ob sie die Aufgabe übernehmen dürfe. Es sei ihre erste Romreise und daher auch das erste Mal, dass sie am Kreuzweg im Kolosseum teilnehmen würde. Gegenüber Radio Vatikan äußert sie ihre Freude über ihre besondere Rolle bei der Via Crucis:

„Wenn ich denke, dass wir Christen in Indien so viel leiden, dann fühle ich mich sehr privilegiert, hier in Rom zu sein. Hindu-Fundamentalisten verfolgen vor allem Katholiken. In Kerala und in ganz Nordindien ist der christliche Glaube aber sehr stark. Wir haben nämlich keine Angst vor den Angriffen und schauen mit Zuversicht auf die Zukunft. Wir sind stolz, dass unser Erzbischof diesen Meditationstext schreiben durfte. Alle Katholiken in Indien sind glücklich darüber. Für Kerala und ganz Nordindien ist das ein großartiger Tag.“ (rv)

Papst-Prediger: „Leid bleibt ein Geheimnis“
Papst Benedikt XVI. hat am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Im Petersdom fand dazu ein Wortgottesdienst statt. Die Auslegung der biblischen Leidensgeschichte hielt – wie es seit Jahren üblich ist – der päpstliche Hausprediger. Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa sprach über das Leid in der heutigen Zeit. Die Feier war geprägt von Stille und Andacht. Zahlreiche Kurienkardinäle, Bischöfe und Botschafter beim Heiligen Stuhl nahmen an der Zeremonie der Kreuzverehrung teil. Nach katholischer Tradition findet am Karfreitag, dem Gedächtnistag des Todes Jesu, keine Messe statt. Benedikt verharrte kniend vor dem Kreuz und betete still. Im Lauf der Feier beteten Papst und Gläubige für die großen Anliegen der Kirche. Die Fürbitten wurden in zehn Sprachen vorgetragen. Benedikt XVI. antwortete auf jede der Bitten mit dem lateinischen Gebet, das die Liturgie nach der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vorsieht. Der päpstliche Hausprediger, Raniero Cantalamessa, wies in seiner Bibel-Auslegung auf die Atheisten-Kampagne in London hin. Auf den Bussen der englischen Hauptstadt wurde mit dem Slogan geworben: „Vielleicht gibt es keinen Gott, also genieß dein Leben“. Der Kapuzinerpater kritisierte diesen Spruch. Er sei zynisch gegenüber Leidenden. Auch mit Bezug auf das Erdbeben in den Abruzzen sagte der Kapuziner, das Leid bleibe ein Geheimnis, insbesondere das Leid Unschuldiger, „aber ohne Glaube an Gott wird es noch absurder“. Man nehme den Menschen so „noch die letzte Hoffnung auf Erlösung“. Atheismus sei ein „Luxus, den sich nur die Privilegierten des Lebens erlauben können“. Zugleich kritisierte Cantalamessa Profitgier und selbstsüchtiges Verhalten als Sünde und eigentliche Wurzeln der weltweiten Wirtschaftskrise. Finanz- und Wirtschaftseliten seien zu einer „irren Lokomotive“ geworden, die „ungebremst weiterfuhr, ohne sich über den Zug Gedanken zu machen, der weit hinten auf den Gleisen liegengeblieben war“. (rv)

 

 

16.04.09

Vatikan: Papst feiert Geburtstag

Feststimmung im Vatikan: An diesem Donnerstag darf Benedikt 82 Geburtstagskerzen ausblasen. Der Papst feiert seinen Geburtstag in diesem Jahr in Castel Gandolfo. Im vergangenen Jahr war der Papst an seinem Geburtstag im Weißen Haus anlässlich seines Besuchs in den USA. Beim Wiegenfest 2009 geht es also ruhiger zu: Nach den Strapazen der Osterfeiertage verbringt Benedikt XVI. seinen 82. Geburtstag in kleinstem Kreis.
Benedikt XVI. wurde am Karsamstag, 16. April 1927, als drittes Kind des Gendarmen Joseph Ratzinger und seiner Frau, der Köchin Maria Ratzinger, in Marktl geboren. Noch am selben Tag wurde er in der Marktler Pfarrkirche St. Oswald getauft. Die unmittelbare Verbindung von Geburt und Taufe mit dem „Triduum Sacrum“, den „Drei Heiligen Tagen“, hat er stets als eine besondere Verbindung seines Lebensweges mit dem Ostergeheimnis verstanden und betont. In Ratzingers Werk „Salz der Erde“ heisst es:
„Die Religion war ein Bestandteil des Lebens. Schon durch das gemeinsame Gebet. Zu allen Mahlzeiten wurde gebetet. Wenn es irgendwie vom Schulrhythmus her möglich war, gingen wir natürlich auch jeden Tag in die Messe und am Sonntag gemeinsam in den Gottesdienst. Später, als mein Vater pensioniert war, wurde meistens auch der Rosenkranz gebetet; ansonsten hat man der schulischen Katechese vertraut. Der Vater hat uns auch Lektüre gekauft; es gab zum Beispiel Zeitschriften bei der Erstkommunion. Aber es war nicht so, dass explizit religiös erzogen wurde, sondern es war durch das Familiengebet und durch den Kirchenbesuch gegeben.“
In seinem Alter sind viele Männer Großväter. Und irgendwie gilt Benedikt auch als „großartiger Vater“ innerhalb der katholischen Kirche. So sagte er in der Ansprache am Fünften Welttreffen der Familien in Valencia, am 8. Juli 2006:
„Wir haben gehört, dass ich der „Großvater der Welt“ genannt worden bin. Ich möchte mich jetzt gern an die Grosseltern wenden, die in den Familien so wichtig sind. Sie können – und tun es oft – die Zuneigung und Zärtlichkeit gewährleisten, die jeder Mensch braucht, die er geben und empfangen sollte. Großeltern bieten den Enkeln die Perspektive der Zeit, sind Gedächtnis und Reichtum der Familien. Unter keinen Umständen dürfen sie aus dem Kreis der Familie ausgeschlossen werden. Sie sind ein Schatz, den wir den heranwachsenden Generationen nicht vorenthalten dürfen, vor allem wenn sie im Hinblick auf den nahenden Tod ihren Glauben bezeugen.“ (rv)

 

 

16.04.09

Vereinigte Staaten/Vatikan: Papst-Besuch zur Abschaffung der Todesstrafe

 

Mit einem Besuch in Rom und im Vatikan hat US-Gouverneur Bill Richardson die Abschaffung der Todesstrafe in seinem Bundesstaat New Mexico gefeiert. Am Mittwoch nahm Richardson an der Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. teil. Abends stand die feierliche Beleuchtung des römischen Kolosseums auf dem Programm. Das antike Wahrzeichen erstrahlt jedes Mal, wenn ein Staat der Weltgemeinschaft auf Hinrichtungen verzichtet. Am vergangenen 18. März hatte Richardson nach einem entsprechenden Parlamentsbeschluss das Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe unterzeichnet, obwohl er zuvor Bedenken gegen einen solchen Schritt geäußert hatte. Gegenüber Radio Vatikan erk lärt New Mexikos Gouverneur, weshalb er gegen die Todesstrafe ist.

„Es war eine schwere Entscheidung für mich. Ich war ja ursprünglich für die Todesstrafe. Doch ich habe meine Meinung geändert. Gefängnis ist eine gerechte Strafe, die Todesstrafe aber nicht. Die Vereinigten Staaten sind weltweit eindeutig in der Minderheit, wenn sie weiterhin diese drakonische Strafe tolerieren. Auch wissen wir, dass es immer wieder zu falschen Urteilen kommt. Allein in den USA sind das rund 130 Fälle pro Jahr.“

Richardson, selbst Katholik, hat nach eigener Aussage auch auf die Kirche und ihre Haltung zur Todesstrafe gehört.

„Alle Argumente, die ich bereits genannt habe, sowie die Argumente meiner Kirche und meines Erzbischofs haben mich darin bestärkt, die Todesstrafe abzuschaffen. Hinzu kommt auch, dass rund 60 Prozent der Bevölkerung in New Mexico gegen die Todesstrafe ist. Nichtsdestotrotz gebe ich zu, dass es keine leichte Entscheidung für mich war.“

New Mexico ist der 15. US-Bundesstaat, der diese Strafe abschafft. Zur Zeit der Gesetzesänderung saßen in New Mexico zwei Verurteilte in Todeszellen. Die Gemeinschaft Sant’Egidio hatte die jeweilige feierliche Erleuchtung des Kolosseums als Signal gegen die Todesstrafe 2002 initiiert. (rv)

 

 

18.04.09

Der Päpstliche Gesundheitsrat bekommt einen neuen Präsidenten.

Papst Benedikt nahm an diesem Samstag den Rücktritt des bisherigen Leiters an; Kardinal Javier Lozano Barragan hat die Altersgrenze erreicht. Zu seinem Nachfolger an der Spitze des Rates machte Benedikt den bisherigen Bischof von Radom in Polen, Zygmunt Zimowski. Dieser wird gleichzeitig in den Rang eines Erzbischofs erhoben. Zimowski stammt aus dem Bistum Tarnow; er ist sechzig Jahre alt. Einen Teil seiner Studien absolvierte er in Lublin und in Innsbruck. Seit 1983 gehört er zur vatikanischen Glaubenskongregation, wo er auch dem jetzigen Papst auffiel, der damals als Kardinal Joseph Ratzinger die Kongregation leitete. Zimowski ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze und wirkte auch an der Redaktion des Weltkatechismus mit; er hat oft mit der polnischen Abteilung von Radio Vatikan zusammengearbeitet. Papst Johannes Paul machte ihn 2002 zum Bischof von Radom; die Bischofsweihe wurde damals von Kardinal Ratzinger vorgenommen. (rv)

 

 

28.04.09

Abruzzen: Papst besucht Erdbebenregion

Papst Benedikt XVI. hat an diesem Dienstag das Erdbebengebiet in den mittelitalienischen Abruzzen besucht. Er versicherte den Opfern die Anteilnahme und Solidarität der Kirche und appellierte an Institutionen und Unternehmen, zum Wiederaufbau der Region beizutragen. Die verheerenden Erdstöße vom 6. April hatten insgesamt 296 Menschenleben gefordert. Rund 1.500 Menschen wurden verletzt und mehr als 55.000 Personen obdachlos. Wegen starken Regens und Wind legte er die rund 90 Kilometer von Rom aus mit dem Auto und nicht wie geplant mit dem Hubschrauber zurück.

Onna

Um 10 Uhr 30, eine Stunde später als geplant, traf das Kirchenoberhaupt in der Zeltstadt von Onna ein. Das zu 90 Prozent zerstörte Dorf ist zum Symbol für die getroffene Gegend geworden, 40 der rund 280 Einwohner starben. Behutsam, abtastend machte Benedikt die ersten Schritte in Richtung der wartenden Menschen. Beherzt ergriff er schließlich die Hände einiger Helfer und Mitarbeiter des Zivilschutzes und ließ sich dann vom Pfarrer Onnas zu den Einwohnern und durch die Zeltstadt führen. Nicht kraftvoll, sondern voll Mitgefühl trat Benedikt XVI. in der Menge vor das Mikrofon: „Ich habe die Nachrichten mit Sorge verfolgt. Ich teile eure Bestürzung und eure Tränen um die Toten, ebenso wie eure bange Frage, wie viel ihr in einem Augenblick verloren habt. Jetzt bin ich hier bei euch. Ich möchte euch voll Zuneigung umarmen, einen nach dem anderen. Die ganze Kirche steht mit mir hier, ist euren Leiden nahe, teilt mit euch den Schmerz um den Verlust von Angehörigen und Freunden und will euch helfen, Häuser, Kirchen und Betriebe wieder aufzubauen…. Ich habe den Mut, die Würde und den Glauben bewundert, mit dem ihr diese harte Prüfung auf euch genommen habt. Es war nicht das erste Erdbeben in eurer Region, und wie in der Vergangenheit habt ihr nicht aufgegeben, habt den Mut nicht verloren…. Mein Besuch bei euch soll ein greifbares Zeichen sein, dass der gekreuzigte Herr auferstanden ist und euch nicht verlässt; er lässt eure Fragen nach der Zukunft nicht unerhört, er ist nicht taub gegenüber dem besorgten Schrei vieler Familien, die alles verloren haben.“
Keine Tribüne, kein Teppich trennte den Papst von den Menschen. Das weiße Papstgewand stach aus dunklen Regenjacken und gelben Sicherheitswesten hervor, Privatsekretär Georg Gänswein versuchte den Papst vor dem Regen zu schützen, doch der scheute weder das Wetter noch den direkten Kontakt mit Menschen in der Zeltstadt. Er segnete Kinder, umschloss wortlos die Hände trauernder junger Frauen und gehbehinderter Greise. Beim Gebet für die Toten und dem abschließenden Segen für die Überlebenden stahl sich die Sonne durch die Wolken. „Danke für euren Mut, euren Glauben und eure Hoffnung“, sagt Benedikt da und geht weiter - ohne Rücksicht auf Sicherheitspersonal und vorher minutiös festgelegten Zeitplan - von Kindern zu Großeltern, von Frauen zu Männern. Bewegende Bilder, bewegte Menschen: „Das ist wunderschön. Der Besuch ist einfach schön, ist eine innere Kraft und sagt ,L´Aquila, geh weiter, schau nach vorn’. Er hat Mut gemacht, das Leben geht weiter. – Was sollen wir tun? Wir sind in den Händen des Herrn. Wir hoffen natürlich, dass die Behörden uns helfen und dass auch der Papst dazu drängt, dass uns geholfen wird. – Der Papst hat magnetische Anziehungskraft. Wo er auch hinkommt, verbreitet er Enthusiasmus und vor allem Hoffnung. – Diese Nähe ist es, die berührt, diese unendliche Menschlichkeit und die Tatsache, dass er den großen Schmerz mit uns teilt.“

Basilika von Collemaggio

Am Rand der Regionshauptstadt L´Aquila besuchte das Kirchenoberhaupt die romanische Basilika Santa Maria di Collemaggio. Die berühmte Kirche aus dem 13. Jahrhundert wurde vom Erdbeben schwer beschädigt, große Teile des Chors und Teile des Seitenschiffs stürzten ein. Der Schrein mit den Überresten des heiligen Papstes Coelestin V. (1210-1296) konnte wenige Tage nach den Erdstößen unversehrt aus den Trümmern geborgen werden. Benedikt XVI. betrat das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert durch die Heilige Pforte für den jährlichen Ablass - Höhepunkt des Glaubenslebens in den Abruzzen. An der Urne Coelestins legte er ein Pallium als Zeichen der Verbundenheit nieder, verharrte einige Augenblicke im stillen Gebet und segnete die verantwortlichen Priester und Sicherheitsleute der Basilika.

Begegnung mit Studenten

Der anschließende kurze Aufenthalt am eingestürzten Studentenheim von L´Aquila lebte von der Begegnung mit einer Gruppe Studierenden. Benedikt XVI. sprach einzeln mit einem Dutzend junger Männer und Frauen. Unter den Trümmern des Betonbaus waren acht junge Menschen gestorben. Den Überlebenden der Erdstöße vom 6. April werden der interessierte, wache Blick und das warme, zukunftsweisende Lächeln des Papstes in Erinnerung bleiben - ohne Blick auf die Uhr, die Wolken und das Sicherheitspersonal. Vor den weiterhin unbewohnbaren Häusern lauschte Benedikt stattdessen einem Feuerwehrmann und dankte ihm stellvertretend für den noch lange nötigen Einsatz der Hilfskräfte.

Der Studentenseelsorger Luigi Epicoco berichtet aus der Erdbebennacht :

„Diese Nacht war schrecklich, jeder hat versucht zu fliehen. Doch das Schöne war, dass die Menschen den Instinkt der Solidarität bewahrt haben. Die Studenten suchten einander gegenseitig, hatten, obwohl ja die Beben weitergingen, keine Angst, zurück in die Stadt zu gehen. Sie suchten ihre Freunde und wühlten mit bloßen Händen in den Trümmern, haben zwei Kinder unter deren toten Eltern lebend geborgen. Hier herrschte Aufregung und Chaos, und doch habe ich dieses Verantwortungsbewusstsein erlebt. Ich denke, dass diese jungen Menschen in einer Nacht um dreißig Jahre gereift sind.“

Zuspruch an Bürgermeister, Priester und Menschen in Zeltstädten

Vor den Toren der rund 70.000 Einwohner zählenden Stadt L´Aquila sprach der Papst gegen Mittag mit den Pfarrern und Bürgermeistern der vom Erdbeben betroffenen Orte. In einer Kaserne der Guardia di Finanza wechselte er mit jedem einzelnen einige Worte. Draußen auf dem Exerzierplatz hatten sich rund 2000 Menschen versammelt, stellvertretend für die rund 55.000 Menschen, die nach dem Erdbeben obdachlos geworden sind und die mehreren Tausend Hilfskräfte von Heer, Zivilschutz und Feuerwehr. Nach einigen hundert Metern im offenen Militärjeep steht das Kirchenoberhaupt anders als in Onna hier auf einer Tribüne. Mit Holzthron, Kerzen und Holzkreuz haben die Organisatoren des Papstbesuchs einen Altar improvisiert, die geladenen Gäste sitzen vor ihm, Zaungäste aus der Region drängen sich am Rand. Alle, die nach den verheerenden Erdstößen Hand bei der Soforthilfe anlegten, beim Namen zu nennen, sei schwierig, so Benedikt XVI., doch an jeden Einzelnen wolle er ein besonderes Wort der Wertschätzung richten. „Danke für alles, was ihr getan habt. Danke vor allem für die Liebe, mit der ihr es getan habt. Danke für das Beispiel, das ihr gegeben habt. Geht vereint und gut aufeinander abgestimmt voran, damit es baldmöglichst wirksame Lösungen für die Menschen gibt, die jetzt in Zeltstädten wohnen. Das wünsche ich von ganzem Herzen und dafür bete ich.“ Benedikt ließ seinen Vormittag in der Region Revue passieren und versicherte, er trage alle Opfer dieser Katastrophe im Herzen. „Während ich durch die Straßen der Stadt gefahren bin, habe ich noch mehr begriffen, wie schwer die Konsequenzen des Erdbebens gewesen sind.“ Die Kaserne in L´Aquilas Ortsteil Coppito wird Schauplatz des nächsten G8-Gipfels sein, hier zelebrierte der Kardinalstaatssekretär am Karfreitag das Requiem für die Erdbebentoten. Die Überlebenden sind dankbar für die Papstworte, doch wischen sie in Erinnerung an die Ereignisse und die Probleme, die noch bevorstehen, wieder Tränen aus den Augen. Stille liegt über dem Platz. „Nun bin ich hier auf diesem Platz, an dem die Schule der Finanzpolizei liegt, die von Beginn an das Hauptquartier war, an dem die Hilfsmaßnahmen koordiniert wurden. Dieser Ort ist vom Gebet und von den Tränen um die Opfer geweiht. Er ist das Symbol für euren beharrlichen Willen, nicht den Mut zu verlieren.“ Benedikt XVI. erinnerte an die zahlreichen Hilfs- und Solidaritätsaufrufe und berichtete von Zuschriften und Spenden auch orthodoxer Kirchenführer. Solidarität, die sich in diesen Krisenzeiten zeige, sei wie Feuer, das unter der Asche verborgen war. „Solidarität ist ein höchst ziviles und christliches Gefühl und zeigt die Reife einer Gesellschaft.“
In den vergangenen Wochen waren erhebliche Mängel an mehreren Bauten in der Erdbebenregion festgestellt worden. Anti-Mafia-Beauftragte überwachen jetzt den Wiederaufbau. Papst Benedikt nannte die Proteste nicht beim Namen, appellierte jedoch an die Verantwortung von Gesellschaft und Institutionen. „Die Zivilgesellschaft muss sich einer ernsthaften Gewissensprüfung unterziehen, damit die Verantwortung in keinem Moment nachlasse. Unter dieser Bedingung wird L´Aquila - zu deutsch: der Adler - auch wenn er verwundet ist, wieder fliegen können.“Die Holzstatue der Madonna di Monte Roio war zum Besuch des Papstes aus einer Wallfahrtskirche der Region vor die Kaserne gebracht worden; Johannes Paul II. hatte bei seinem Abruzzenbesuch 1980 in der Kirche gebetet; Benedikt XVI. schenkte der Marienfigur eine Goldene Rose. Diese besondere päpstliche Auszeichnung, auch Tugendrose genannt, gibt es seit rund 1000 Jahren, Benedikt verlieh sie zuletzt einigen Wallfahrtsorten, unter anderem Altötting. Zivile Opfer und Militärangehörige sangen gemeinsam das Regina Coeli, noch eine gute halbe Stunde später dankte der Papst Bürgermeistern und Hilfspersonal mit beiden Händen und umarmte trauernde Überlebende. Benedikt XVI. hatte in den vergangenen Wochen wiederholt für die Opfer gebetet und den Überlebenden seinen Beistand versichert. Für die Begräbnisfeierlichkeiten am Karfreitag hatte das Kirchenoberhaupt die Sondergenehmigung für eine Messfeier erteilt, sein Privatsekretär Georg Gänswein verlas in L´Aquila eine persönliche Grußbotschaft. (rv)

Stichwort: Santa Maria di Collemaggio

Papst Benedikt XVI. will an diesem Dienstag die romanische Basilika Santa Maria di Collemaggio besuchen. Die berühmte Kirche aus dem 13. Jahrhundert am Stadtrand von L´Aquila wurde vom Erdbeben schwer beschädigt, große Teile des Chors und Teile des Seitenschiffs stürzten ein. Der Schrein mit den Überresten des heiligen Papstes Coelestin V. (1210-1296) konnte wenige Tage nach den Erdstößen unversehrt aus den Trümmern geborgen worden. Der so genannte „Engelpapst“ Coelestin V. lebte vor seiner Papstwahl als Einsiedler am Majella-Massiv in den Abruzzen. Der Bau der Kirche geht auf ihn zurück. Auf Betreiben Karls II. von Neapel war Coelestin am 1294 in Perugia zum Papst gewählt worden. Wegen seiner Abhängigkeit vom König und Selbstzweifeln an der Amtsfähigkeit dankte er bereits nach fünf Monaten ab. Sein Nachfolger Bonifatius VIII. ließ ihn auf der Flucht festnehmen und für den Rest seines Lebens in der Bergfeste Fumone einkerkern. Clemens V. sprach ihn 1313 heilig. Die Basilika von Collemaggio ist die einzige katholische Kirche weltweit, die eine Heilige Pforte für einen jährlichen Ablass besitzt. Die Einrichtung geht auf Coelestin zurück. Er verfügte den Erlass aller zeitlichen Sündenstrafen für Büßer, die am 28. oder 29. August die Kirche Santa Maria di Collemaggio durch die Heilige Pforte betreten. Die „Perdonanza“ (Vergebung) zählt bis heute zu den größten religiösen Festen der Region. Papst Benedikt wird bei seinem Besuch die Kirche durch diese Heilige Pforte betreten. (rv)

Rückblick: Papstbotschaft für Trauerfeier in L´Aquila

Mit päpstlicher Sondergenehmigung hatten die Gläubigen in den Abruzzen am Karfreitag das Requiem für die Todesopfer des verheerenden Erdbebens vom 6. April gefeiert. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone war dazu im Auftrag des Papstes nach L´Aquila gereist, Privatsekretär Georg Gänswein verlas eine Grußbotschaft Benedikts XVI. Antje Dechert hat die Trauerfeier verfolgt:

Den Trauernden geistlich verbunden

Er fühle sich den Trauernden in ihrem Schmerz geistlich verbunden, betonte der Papst. „Ich teile Eure Trauer und bete zu Gott, für die ewige Ruhe der Opfer, eine rasche Genesung der Verletzten und für alle Betroffenen, dass sie bald wieder Hoffnung finden“, hieß es wörtlich in seiner von Georg Gänswein verlesenen Trauerbotschaft. „In Momenten wie diesen, ist der Glaube eine Quelle des Lichts und der Hoffnung, denn gerade in diesen Tagen erzählt er uns von den Leiden des Sohnes Gottes, der für uns Mensch geworden ist: sein Leidensweg, sein Tod und seine Auferstehung mögen für alle eine Quelle des Trosts sein und die Herzen aller für den mystischen Weg zum ewigen Leben öffnen, in dem „der Tod nicht mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage, kein Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“. (Offb. 21,4)

Papst hat Erdbeben gespürt

Er selbst habe das Beben im Vatikan gespürt und den Verlauf der schrecklichen Katastrophe mitverfolgt, schreibt der Papst weiter. Besonders begrüßt habe er die unmittelbare Solidarität mit den Betroffenen seitens des Staats, der Kirche sowie von Privatleuten und die sofortigen Hilfsmaßnahmen. „Der Heilige Stuhl möchte seinen Anteil leisten, gemeinsam mit den Pfarreien, den religiösen Einrichtungen und den Laienorganisationen. Das ist der Moment des Engagements, in Abstimmung mit den staatlichen Einrichtungen, die bereits in lobenswertem Einsatz sind. Nur durch Solidarität können so schmerzhafte Prüfungen überstanden werden.”

Gänswein überreichte Papst-Spende

Gänswein überreichte dem Erzbischof von L´Aquila, Giuseppe Molinari, eine Spende des Papstes für die Opfer und Hinterbliebenen. An Ostern wird Benedikt den Kindern im Erdbebengebiet Schokoladen-Eier zuschicken. Als Zeichen der Verbundenheit hat der Papst-Sekretär vor seiner Abreise seine Uhr geschenkt.

Sondergenehmigung für Trauermesse

Zelebriert wurde die Trauermesse von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone. Dazu war eine Sondergenehmigung des Vatikans notwendig. Denn am Karfreitag finden in der römisch-katholischen Kirche keine Messen statt. Angesichts der Schwere der Erdbebenkatastrophe, hatte der Vatikan die Trauermesse an diesem Freitag jedoch gestattet. 205 blumengeschmückte Särge waren für das Staatsbegräbnis auf dem Kasernengelände aufgebart. Mit tausenden Angehörigen nahmen auch der italienische Staatspräsident, Giorgio Napolitano, und Ministerpräsident Silvio Berlusconi an der Zeremonie teil. Es gelte jetzt, vor allem den Hinterbliebenen beizustehen, betonte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in seiner Predigt: „Mit Euch versammelt sind hier der Oberhirte von L´Aquila und viele Priester aus der Region, die mit Euch die Erfahrung teilen, dass einem alles entrissen wurde. In dieser Eurer Stadt und ihren umliegenden Dörfern, die bereits schwierige Momente in der Geschichte erlebt haben, vereint sich heute im Geiste ganz Italien. Das Land hat auch in dieser schwierigen Prüfung bewiesen, wie sehr es durch die Werte der Solidarität und der Brüderlichkeit geprägt ist. Liebe Brüder und Schwestern, der Heilige Vater steht Euch bei, der dieser Tage nie aufgehört hat, für Euch zu beten und der Euch heute besonders nah sein wollte, nicht nur durch meine, sondern auch durch die Anwesenheit seines Sekretärs und durch seine Botschaft.“Weiter ermutigte Bertone die Trauernden trotz allen Leidens nach vorn zu schauen, mit Hilfe des Glaubens und des Zusammenhalts: „Was uns in diesen Stunden des Schmerzes vereint, ist der Trost, den uns der Glauben spendet. Diese süße Erleichterung, die uns in der Begegnung mit Christus am Kreuz zuteil wird…Wenn ich daran denke, fühle ich bereits eine neue Hoffnung im Herzen…Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns also gemeinsam den Weg in die Zukunft beschreiten, in dem wir die Trauer für die Toten gemeinsam und auch mit der Hilfe der Muttergottes tragen. Stehen wir ihren Familien unermüdlich und in Freundschaft bei, die in der großen Familie Gottes auch unsere Familien geworden sind.“ Nach der katholischen Messe für die Erdbebenopfer wird es auch einen kurzen islamischen Ritus geben. Das Totengebet eines Imams sei mit Rücksicht auf sechs muslimische Verstorbene, darunter zwei Palästinenser, eingeplant worden, berichteten italienische Online-Medien am Donnerstag. – Nach jüngsten Angaben sind bei der Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen bislang 281 Menschen ums Leben gekommen. (rv)

 

 

 

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5/2009

 

 

01.05.09

Ein Konzert zu Ehren von Papst Benedikt XVI.

 

Zu Ehren von Papst Benedikt XVI. und zum vierten Jahrestag seiner Wahl hat der italienische Präsident Giorgio Napolitano am Donnerstag Abend ein Konzert im Vatikan gegeben. Symphonie-Orchester und Chor „Giuseppe Verdi“ trugen unter der Leitung von Xian Zhang und Erna Gamberini Werke von Haydn, Mozart und Vivaldi vor. Vor der Aufführung trafen der Papst und Napolitano kurz zusammen und betraten dann gemeinsam die vatikanische Audienzhalle. In seinem Grußwort würdigte Napolitano den Einsatz des Papstes für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Er dankte ihm besonders für seinen jüngsten Besuch im mittelitalienischen Erdbebengebiet. Die Visite habe die Bevölkerung der Region getröstet und sie geistig und menschlich gestärkt. Weiter äußerte Napolitano die Hoffnung, dass der Papst bei seiner bevorstehenden Nahostreise wichtige Impulse für den Friedensprozess geben möge. „Diese lang erwartetete Reise des Papstes ins Heilige Land stärkt die Hoffnung, dass dort Spannungen und Konflikte überwunden werden können, die dieser Region seit Jahrzehnten zusetzen und die internationale Stabilität ernsthaft gefährden. Wir erhoffen uns von Ihrer Reise, Heiliger Vater, großen Erfolg.“ Der Papst dankte dem Staatsoberhaupt und lobte die Darbietung sowie die Auswahl der Musikstücke, die gut zur Osterzeit passten. Dabei deutete das musikbegeisterte Kirchenoberhaupt die Werke vor dem Hintergrund der Leidensgeschichte und Auferstehung Christi. Die Haydn-Symphonie Nummer 95, die in Moll beginne und in Dur ende, lasse
„..uns an den Weg der Seele denken, der hier von der Violine dargestellt wird und zu Frieden und Glücksseligkeit hinführt.“
Die Mozart-Sinfonie Nr. 35 stelle hingegen die Bejahung und Krönung des Lebens dar, das über den Tod siegt, und der Chor im Stück „Magnifikat“ von Vivaldi gebe schließlich dem Preis Gottes stimmhaften Ausdruck. Beim „Magnifikat“ sei vor allem die Stimme der Jungfrau Maria von Bedeutung. „Das Wort ‚Magnifikat‛? ist in Marias Gesang enthalten, die aufgrund ihrer Demut von Gott auserwählt wurde. ‚Magnifikat‛? ist dann zum täglichen Gesang der Kirche geworden, vor allem zur Stunde der Vesper, die zur Meditation über den Sinn des Lebens und der Geschichte einlädt. Ganz deutlich meint ‚Magnifikat‛? die Auferstehung und den Sieg Christi in dem Moment, da Gott seine Versprechen einlöst und sich seine Barmherzigkeit in ihrer ganzen paradoxen Kraft zeigt.“ In Mozarts Werk „Ave Verum Corpus“ sei, so Benedikt, die Musik schließlich zum „Gebet“ geworden, zur „Hingabe an Gott in einem tiefen Sinn des Friedens“. Aufgeführt wurden die Symphonie Nummer 95 von Joseph Haydn, die Haffner-Symphonie und das „Ave Verum Corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart sowie das „Magnifikat“ von Antonio Vivaldi. Bereits im letzten Jahr hatte Giorgio Napolitano zum Jahrestag des päpstlichen Amtsantritts im Vatikan ein Konzert gegeben. (rv)

 

 

02.05.09

Papst Benedikt ist der größte Verteidiger der Menschenwürde und der Grundrechte

Mit diesen Worten hat der spanische Kurienkardinal Cañizares Llovera die Kritik der linken spanischen Partei „Izquierda Unida“ zurückgewiesen. Sie hatte die Äußerungen des Papstes zu Aids und Kondomen während seiner jüngsten Afrikareise scharf kritisiert. Die Linkspartei verurteilte die Papstworte zum Kondomverzicht scharf und verlangt vom spanischen Kongress, eine Erklärung des Papstes zu seiner Haltung einzufordern. Cañizares betonte demgegenüber seine vorbehaltlose Unterstützung für den Papst. (rv)

 

 

03.05.09

Programm der Apost. Reise Papst Benedikt XVI. nach Amman und Israel

 

Freitag, 08.05.2009

 

Rom

09.30

Abflug vom Internationalen Flughafen "Leonardo da Vinci" in Fiumicino (Rom) zum Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman (Jordanien)

 

Amman

14.30

Begrüßungszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman

15.30

Besuch des "Regina-Pacis"-Zentrums in Amman

17.40

Höflichkeitsbesuch beim jordanischen Königspaar im "Al-Husseinye"-Palast von Amman

 

Samstag, 09.05.2009

07.15

Privatmesse in der Kapelle der Apostolischen Nuntiatur von Amman

 

Berg Nebo

09.15

Besuch der byzantinischen Basilika der Moses-Gedenkstätte auf dem Berg Nebo

 

Madaba

10.30

Segnung des Grundsteins für die Universität des Lateinischen Patriarchats von Madaba

 

Amman

11.30

Besuch des Haschemitischen Museums und der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee in Amman

11.45

Begegnung mit muslimischen Religionsführern, dem Diplomatischen Korps und den Rektoren der jordanischen Universitäten vor der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee in Amman

17.30

Feier der Vesper mit den Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Vertretern der kichlichen Bewegungen in der griechisch-melkitischen Sankt- Georgs-Kathedrale in Amman

 

Sonntag, 10. Mai 2009

10.00

Hl. Messe im Internationalen Stadion von Amman. Regina Cæli im Internationalen Stadion von Amman

12.45

Mittagessen mit den Patriarchen, Bischöfen und dem Päpstlichen Gefolge im Lateinischen Vikariat von Amman

 

Bethany-beyond-the-Jordan

17.30

Besuch der Taufstelle Jesu im Jordan in Bethanien

18.00

Segnung der Grundsteine der dortigen Kirchen der Lateiner und der Melkiten

 

Montag, 11. Mai 2009

 

Amman

07.30

Privatmesse in der Kapelle der Apostolischen Nuntiatur von Amman

10.00

Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman

10.30

Abflug vom Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman (Jordanien)) zum Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv (Israel)

 

Tel Aviv

11.00

Begrüßungszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv

 

Jerusalem

16.15

Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten von Israel im Präsidentenpalast von Jerusalem

17.45

Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem

18.45

Begegnung mit Organisationen für den interreligiösen Dialog im Auditorium des "Notre Dame of Jerusalem Center" in Jerusalem

 

Dienstag, 12. Mai 2009

09.00

Besuch des Felsendoms in Jerusalem

 

Höflichkeitsbesuch beim Großmufti auf dem Moscheenplatz von Jerusalem

10.00

Besuch der Westmauer in Jerusalem (Klagemauer)

10.45

Höflichkeitsbesuch bei den Oberrabbinern von Jerusalem im "Hechal Shlomo"-Zentrum

11.50

Regina Caeli mit den Ordinarien des Hl. Landes im Abendmahlssaal

12.30

Kurzer Besuch in der Lateinischen Kon-Kathedrale von Jerusalem

13.00

Mittagessen mit den Ordinarien des Hl. Landes, den Äbten und dem Päpstlichen Gefolge im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem

16.30

Hl. Messe im Josafat-Tal von Jerusalem

 

Mittwoch, 13. Mai 2009

 

Bethlehem

09.00

Begrüßungszeremonie auf dem Vorplatz des Präsidentschaftspalastes von Bethlehem

10.00

Hl. Messe auf dem Krippenplatz von Bethlehem

12.30

Mittagessen mit den Ordinarien des Hl. Landes, der Franziskaner-Kommunität und dem Päpstlichen Gefolge im Kloster "Casa Nova" von Bethlehem

15.30

Privater Besuch in der Geburtsgrotte in Bethlehem

16.10

Besuch des Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem

16.45

Besuch im Aida-Flüchtlingslager in Bethlehem

18.00

Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörden im Präsidentenpalast von Bethlehem

18.40

Abschiedszeremonie im Hof des Präsidentenpalastes von Bethlehem

 

Donnerstag, 14. Mai 2009

 

Nazareth

10.00

Hl. Messe am "Mount of Precipice" in Nazareth

12.30

Mittagessen mit den örtlichen Ordinarien, der Gemeinschaft der Franziskaner und dem Päpstlichen Gefolge im Franziskaner-Kloster von Nazareth

15.50

Begegnung mit dem israelischen Ministerpräsidenten im Franziskaner-Konvent von Nazareth

16.30

Gruß an die religiösen Galiläas im Auditorium des Verkündigungsheiligtums von Nazareth

17.00

Besuch der Verkündigungsgrotte von Nazareth

17.30

Feier der Vesper mit den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Vertretern der kirchlichen Bewegungen und den pastoralen Mitarbeitern von Galiläa in der Oberkirche der Verkündigungsbasilika von Nazareth

 

Freitag, 15. Mai 2009

 

Jerusalem

07.30

Privatmesse in der Kapelle der Apostolischen Delegation von Jerusalem

09.15

Ökumenisches Treffen im Thronsaal des Sitzes des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats von Jerusalem

10.15

Besuch der Grabeskirche von Jerusalem

11.10

Besuch der Armenischen Patriarchalkirche St. Jakob von Jerusalem

 

Tel Aviv

13.30

Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv

14.00

Abflug vom Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv (Israel) zum Flughafen Ciampino (Rom)

 

Italien/Rom

16.50

Ankunft auf dem Flughafen Ciampino

 

 

04.05.09

Lombardi: Kein Papst-Abstecher nach Bagdad

Noch vier Tage bis zur Papstreise ins Heilige Land - der Pressesprecher des Vatikans ist an diesem Montag das Programm der Reise mit den Journalisten einmal Punkt für Punkt durchgegangen. Dabei machte Jesuitenpater Federico Lombardi deutlich, dass Benedikt in erster Linie als Pilger kommt - und dass sein Besuch vor allem den Christen des Heiligen Landes gilt. Einmal an diesem Vormittag kann sich der Leiter des Vatikanischen Pressesaals das Lachen nicht verkneifen: als er auf Agenturenberichte angesprochen wird, dass der Papst unangekündigt auch einen Abstecher in die irakische Hauptstadt Bagdad machen werde. „Das scheint mir keine seriöse Meldung“, sagt Lombardi dann. Eine Art Enthüllung hat der Jesuit dann aber doch für die Journalisten: dass nämlich - was viele nicht wissen - der jetzige Papst Israel schon sehr gut kennt, er war nämlich insgesamt schon dreimal da. „Ein erstes Mal 1964, als er 37 Jahre alt war; dann im Jahr 1992 und schließlich 1994. Bei dieser letzten Gelegenheit hielt er auch eine wichtige Rede über die Beziehungen zwischen dem Vatikan (oder der Kirche) und Israel.“
Das politische Umfeld dieser Papstreise ist kein einfaches, das weiß man auch im Vatikan. Pater Lombardi spricht von einer „komplexen Reise“. „Inzwischen gab es den neuen Gaza-Konflikt, und wie Sie wissen, ist die Reise ja schon zuvor