Kardinal Kasper: Die Synode hat ein Bewußtsein geweckt

Kardinal Walter Kasper war von Anfang an mit der Vorbereitung der Synode befasst, er hat an ihr auch teilgenommen. Ihn haben wir gefragt, ob die Synode ein Erfolg war:
 „Es ist vor allem sehr wichtig gewesen, dass man alle Patriarchen und Bischöfe des mittleren Orients beieinander hat – sie kommen ja normalerweise nicht zusammen – damit sie eine Möglichkeit hatten, ihre Probleme vor dem Papst und vor den anderen Bischöfen auszusprechen. Diese Kirchen brauchen unsere Hilfe und brauchen vor allem auch unsere moralische Unterstützung, unsere Unterstützung durch das Gebet. Ich denke, da hat die Synode schon ein Bewußt sein bei uns und in der Kirche geweckt."
In den deutschsprachigen Ländern begegnet vielfach der Meinung, die Kirche und vor allem Rom wende viel mehr Energie für die Ökumene mit den Ostkirchen auf als für die mit den Lutheranern und Reformierten. Stimmt das?
„Das ist eine Wahrnehmung, die mir in Deutschland sehr oft begegnet, sie trifft aber nicht zu. Als der Papst meinen Nachfolger ausgewählt hat, hat er mir ausdrücklich gesagt, er wolle jemanden, der deutschsprachig ist und der die Kirchen der Reformation kennt. Hier denkt man eher von der Weltkirche her, da kommen ganz andere Aspekte in den Blick, die man in Deutschland so nicht hat. Im Übrigen sind der Nahe und der Mittlere Osten ein Weltproblem und die Mutter sehr vieler anderen Konflikte, damit ist es auch ein enormes deutsches Problem." (rv)

Bischofssynode zum Nahen Osten: Die Abschlussbotschaft

An diesem Samstag hat der Vatikan die Schlussbotschaft der Sonderbischofssynode im Vatikan veröffentlicht. Das Schreiben wurde am Freitagnachmittag von den Synodenvätern gebilligt; es trägt den Titel „Nuntius, Botschaft an das Volk Gottes" und gibt Rechenschaft über die Beratungen und Themen, die in den letzten zwei Wochen auf dem Weltbischofstreffen zur Sprache kamen. Adressaten sind alle Gläubigen, Geistlichen, Schwestern und Laien in den Ländern des Nahen Ostens.
 

Wiege des Christentums
Nach dem Dank an Papst Benedikt XVI. für das Einberufen dieser ersten großen Sonderbischofssynode zum Nahen Osten unterstreichen die Synodenväter einleitend das pastorale Anliegen der Synode. Weiter wird auf den Orient als Wiege der ersten christlichen Gemeinschaft verwiesen. Im Folgenden kommt man schnell auf „Herausforderungen und Erwartungen" zu sprechen, vier an der Zahl, die die Völker des Nahen Ostens betreffen.

Herausforderungen und Erwartungen

Erste Herausforderung ist dem Schreiben nach die innere Einheit der Kirche. Es gehe darum, die Einheit jeder Kirche, darunter auch die innerhalb der verschiedenen katholischen Traditionen, zu stärken und durch Gebet und Akte der Nächstenliebe die Einheit aller Christen zu erreichen.
Als zweite Herausforderung werden politische Bedingungen, Sicherheit und religiöser Pluralismus im Nahen Osten genannt. Im Mittelpunkt stehe hier vor allem der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, der Auswirkungen auf die gesamte Region, insbesondere auf die Bewohner der besetzten Palästinensergebiete habe. Hier werden zahlreiche Einschränkungen wie etwa die Militärbarrieren oder der Abriss von Häusern aufgezählt. Auch die Unsicherheit der Israelis und die Situation der Stadt Jerusalem sei Teil der Reflektionen gewesen, heißt es danach weiter. Mit Blick auf die Einschränkung des Wohnrechtes von Palästinensern in Jerusalem durch jüdische Israelis zeigen sich die Synodenväter „besorgt" über „unilaterale Initiativen", die die Bevölkerungszusammensetzung und den Status Jerusalems „riskieren zu verändern". Nur ein „gerechter und endgültiger Frieden" könne das Wohl der gesamten Region und ihrer Völker sichern, erinnern sie.
Als weiterer Brennpunkt wird der Irak genannt: Hier erklären sich die Synodenväter solidarisch mit dem gesamten irakischen Volk und deren Kirchen und appellieren für Unterstützung der Flüchtlinge, die gezwungen sind, das Land zu verlassen – solange, bis diese wieder in ihre Länder zurückkehren könnten und dort in Sicherheit leben könnten, so heißt es.
Eine andere große „Baustelle" betrifft das Verhältnis von Christen und Moslems. Die Synodenväter unterstreichen, dass die „christliche Vision als ursprüngliches Prinzip" dieses Verhältnis bestimmen müsse. Es gehöre zur christlichen Mission und Berufung, mit Moslems nach dem „Gebot der Liebe und der Kraft des Geistes" zusammenzuleben. Als integraler Bestandteil der Gesellschaften des Nahen Osten seien alle Gläubigen – Moslems, Juden und Christen – zur Entwicklung der Region beizutragen.

Gemeinsam für dauerhaften Frieden in Nahost
Ein weiterer Abschnitt der Botschaft widmet sich dem Dialog mit Juden und Moslems. Hier kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass der christlich-jüdische Dialog auch zur konkreten Lösung des politischen Konfliktes beitragen könne. Dieser dürfe keinen Keil zwischen die Religionen treiben. Schließlich sei der Dialog zwischen Vertretern des Juden- und Christentums seit Jahren in Gang – nicht erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Auch wird an die gemeinsamen Wurzeln der drei abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam erinnert. Erneut mahnen hier die Synodenväter, sich gemeinsam für einen „ehrlichen, gerechten und endgültigen Frieden" einzusetzen.
Der Dialog zwischen Moslems und Christen sei eine die gemeinsame Zukunft bestimmende „Lebensnotwendigkeit", heißt es weiter mit Hinweis auf Papst Benedikts Kölner Rede an die Muslime vom August 2005. Trotz einiger „Schieflagen" im Verhältnis in Vergangenheit und Gegenwart müsse es darum gehen, der Weltgemeinschaft ein positives Modell des Zusammenlebens und der Kooperation zu geben.
 

Zwei-Staaten-Lösung favorisiert
Die Synodenväter rufen die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Vereinten Nationen, in ihrer Abschlussbotschaft dazu auf, „aufrichtig" an einer Lösung für die Region zu arbeiten und dort „gerechten und endgültigen Frieden" zu garantieren. Um die Besetzung der verschiedenen arabischen Gebiete zu beenden, müssten die Entschlüsse des Sicherheitsrates angewendet und „notwendige juristische Schritte" unternommen werden, heißt es weiter.
Es folgt ein klares Plädoyer für die Zweistaatenlösung und die Einrichtung eines „unabhängigen und autonomen" palästinensischen Staates. Dieser könne der Volksgruppe ein Leben „in Würde und Sicherheit" garantieren. Der Staat Israel könne seinerseits „innerhalb der international anerkannten Grenzen" Frieden und Sicherheit genießen, heißt es weiter. Und schließlich könne die Stadt Jerusalem dann zu einem Status finden, der dem religiösen Erbe von Juden, Christen und Moslems gleichermaßen gerecht werde, so die Synodenväter.
 

Verurteilung jeglicher Gewalt
Einstimmig wird in der Botschaft „Gewalt und Terrorismus jeder Herkunft" und „jeglicher religiöser Extremismus" verurteilt, ebenso Rassismus, Antisemitismus, Anti-Christianismus und Islamophobie. Alle Religionen seien aufgefordert, in der Region den Dialog der Kulturen voranzutreiben, heißt es dazu abschließend. (rv)

Bischof Hanke auf Nahost-Synode: Für mehr Solidarität

In Rom geht die Sondersynode von Bischöfen zum Thema Nahost in die letzte Runde: An diesem Donnerstag berieten die Teilnehmer im Vatikan über konkrete Vorschläge („propositiones"), die sie dem Papst unterbreiten wollen. Der einzige deutsche Ortsbischof, der an den Arbeiten teilnimmt, ist der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke. Im Gespräch mit Stefan Kempis berichtet Hanke, dass seine Mitbrüder aus dem Nahen Osten „natürlich sehr wachsam auf unsere Bemühungen im Westen schauen, wie wir mit dem Islam umgehen".

„Da muss man wohl noch viel, viel stärker eine Abstimmung, eine engere Kommunikation schaffen. Es ist sehr viel gesprochen worden von reziprokem Verhalten; nun gut, das kann man vielleicht im Nahen Osten nicht ganz so anwenden, darauf haben einige Bischöfe aufmerksam gemacht. Dann muss man das vielleicht neu übersetzen. Aber für unsere Politiker wäre das auf alle Fälle ein Impuls, das, was bei uns im Westen möglich ist, doch im Rahmen des globalen Geschehens auch in den Stammländern des Islams anzumahnen und unseren christlichen Schwestern und Brüdern Raum zu geben."

Auf der Synode sei ihm klar geworden, "dass der Mittlere und Nahe Osten nicht über einen Leisten geschlagen werden kann", so Bischof Hanke.

„Mir persönlich ist dann noch aus der Schilderung einzelner Bischöfe aufgegangen, wie wichtig unsere Solidarität im Westen mit den Christen in der Bedrängnis dort ist. Ich glaube, da müsste noch wesentlich mehr Bewusstsein entstehen und wachsen in unseren Pfarrgemeinden und Diözesen in Europa und Nordamerika!" (rv)

Nahost-Synode: „Im Irak auch Zeichen der Hoffnung“

Vom Leben der Christen im Irak gibt es nicht nur alarmierende Nachrichten, sondern durchaus auch Zeichen der Hoffnung. Das machte der chaldäische Weihbischof von Bagdad, Jacques Ishaq, deutlich: Er berichtete den Synodenvätern am Freitag Abend vom „Babel College", dessen Rektor er ist. Das „Babel College" ist eine theologisch-philosophische Fakultät im Irak, die mit der vatikanischen Missions-Universität Urbania zusammenarbeitet. „Diese Fakultät wird von Seminaristen aller Kirchen im Irak besucht, auch von den orthodoxen", so Ishaq; seit 1991 hätten fast vierhundert Studenten dort ihr Diplom in Theologie oder Philosophie gemacht; dazu kämen fast 350, die eine dreijährige Ausbildung in Religionswissenschaften durchlaufen hätten. „Babel College hat also 735 Arbeiter für den Weinberg des Herrn ausgebildet." Er wolle mit „dieser kleinen Statistik" zeigen, dass „die Schwierigkeiten und Massaker" die Kirche im Irak nicht zerstört hätten, so der Weihbischof. „Stellen Sie sich vor, dass wir allein dieses Jahr 12 Priesterweihen von Absolventen des Babel College haben! Ich würde sogar sagen, dass die Schwierigkeiten und Massaker ein Stimulus für Berufungen sind, denn die Zahl der chaldäischen Priesteramtskandidaten ist dieses Jahr gestiegen." Einige Anwärter seien auch aus dem Ausland gekommen, darunter auch einer aus Deutschland.
 Hier ist ein Überblick über weitere wichtige Wortmeldungen auf der Nahost-Synode der Bischöfe im Vatikan am Freitag Abend:
Kardinal William Levada von der Glaubenskongregation: „Mehrere Synodenväter haben sich auf die Enzyklika Ut unum sint bezogen, in der dieser 1985 zum Nachdenken über eine neue und ökumenisch akzeptable Form der Ausübung des Petrusdienstes einlud… Wir denken über die Einberufung der Kommissionen zu Glaubensfragen der Synoden und Bischofskonferenzen der östlichen und orientalischen Kirchen eigenen Rechts nach – dabei denke ich auch an ein Studium und einen Gedankenaustausch über das Petrusamt in dieser Hinsicht…"
Patriarchalvikar Mikael Moradian aus dem Libanon: „Wir haben im Nahen Osten eine Berufungskrise; der können wir nur über neue Anstrengungen in der Familienpastoral begegnen."
Der melkitische Weihbischof Joseph Absi aus Damaskus: „Die Bischofskonferenzen der einzelnen Länder sollten sich von Zeit zu Zeit gemeinsam treffen. Man sollte den Bi-Ritualismus erlauben, so dass keine Pfarrei ohne Gottesdienst bleibt, ganz gleich zu welcher Kirche sie gehört."
Der melkitische Weihbischof Georges Bakar aus Ägypten: „Ich wünsche mir die Einberufung eines panarabischen Generalkongresses: Dazu sollten Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe aller Kirchen des Nahen Ostens kommen und über die Ausbildung der künftigen christlichen Generationen beraten."
Der libanesische Bischof Simon Atallah, ein Maronit: „Christus hat uns nicht gesagt: Ihr seid eine Minderheit!, sondern: Ihr seid Sauerteig."
Der melkitische Erzbischof Jean-Clément Jeanbart aus Aleppo in Syrien: „Ich schlage (angesichts der Emigration von Christen) vor, Optimismus unter unseren Gläubigen zu verbreiten, was ihre Zukunft im Land betrifft. Unsere Länder sind doch auch nicht ganz ohne Ressourcen und Werte! Lernen wir doch, Freunde unserer muslimischen Brüder zu sein; helfen wir ihnen, sich uns gegenüber zu öffnen!"
Der melkitische Erzbischof Michel Abrass aus Syrien: „Sind wir überhaupt dazu in der Lage, die Probleme all unserer Kirchen zu lösen? Ich bezweifle es! Nehmen wir doch zum Beispiel die Probleme der christlichen Kirchen im Irak – die sind doch politischer Natur und können daher nur politisch gelöst werden… Viele Laien fragen sich, wie man sie behandeln wird, wenn sie sich als Christen bekennen – darum geben sie sich einen Schuss Laizität, je nachdem wie emanzipiert ihr (häufig muslimischer) Gesprächspartner ist. Wir sollten diesen Laien einen gewissen Liberalismus zugestehen…"
Der Schweizer Erzbischof Kurt Koch, neuer Leiter des Päpstlichen Einheitsrates: „Die Ostkirchen sind besonders dazu aufgerufen, mit zwei Lungen zu atmen… Helft uns und der ganzen Weltkirche, so zu atmen – auf ökumenische Weise!"
Der armenische Erzbischof von Bagdad im Irak, Emmanuel Dabbaghian: „Das Heilige Land ist ein Pilgerziel – der Herr will, dass man ihn besucht. Im Vatikan gibt es ja auch keine Einwohner, und trotzdem sind das ganze Jahr über Pilger da. (Lachen im Auditorium, darunter Papst Benedikt.) Umso mehr sollte auch das Heilige Land immer von Pilgern übervölkert sein! Die Synode sollte über den Papst alle Bischöfe in West und Ost auffordern, jedes Jahr zu einer genau festgesetzen Zeit auf Wallfahrt ins Heilige Land zu kommen: So wären dann alle Tage im Jahr mit Pilgerfahrten besetzt… und das würde auch die Emigrierten davon überzeugen, wieder in ihr Land zurückzukommen!"
Der syrisch-katholische Erzbischof Denys Antoine Chahda aus Aleppo: „Ich glaube, was uns von unseren orthodoxen Brüdern trennt, ist der Primat des Petrus. Da sollten die Theologen bald eine neue Interpretation finden! Warum nicht zu einer Einheit im Glauben, aber in der Verschiedenheit kommen?"
Der maronitische Bischof Michel Aoun aus dem Libanon (diese und die folgenden drei Stellungnahmen stammen noch vom Freitag Vormittag: „Ich hoffe, dass diese Synode die Kirchen im Nahen Osten ermutigt, die neuen geistlichen Bewegungen als einen neuen Frühling der Kirche willkommen zu heißen!"
Der Leiter der neuen „Domus Galilaeae" auf dem Berg der Seligpreisungen in Israel, Rino Rossi: „Seit der Eröffnung unseres Zentrums kommen viele Juden zu uns – allein im letzten Jahr mehr als 100.000! Sie werden angezogen von der Aufnahmebereitschaft und der Ästhetik des Hauses. Viele von ihnen kennen weder die Kirche noch Jesus Christus. Sie stellen uns viele Fragen über unseren Glauben."
Der Palästinenser Husan Wahhab: „Wir sollten nicht nur auf Kirchenspaltung und Emigration achten, sondern auch auf die Gefahr, dass die Christen in der palästinensischen Gesellschaft immer mehr an den Rand gedrängt werden!" (rv)

„Orientalisch-heitere Atmosphäre“: Gespräch mit Patriarch Gregorios

Er spricht selbst ganz unverblümt aus, dass die Synode seine Idee gewesen sei: der melkitische Patriarch von Damaskus, Gregorios III. Laham. In der Synodenaula des Vatikans warnte er an diesem Dienstag eindringlich vor einem „Zusammenstoß der Religionen", wenn das Christentum aus dem Nahen Osten verschwände. In einem Interview sagte er unserem Synodenbeobachter Stefan Kempis:
„Wir sind langsam hineingewachsen, und es ist interessant zu sehen, dass diese Bischöfe so etwas zum ersten Mal erleben: Die meisten Bischöfe sind neu auf einer Synode, aber sie haben sich wohlgefühlt. Ich danke Gott für die richtig orientalisch-heitere Atmosphäre auf dieser Synode: Hier war Freude, Humor und Enthusiasmus."
Es war stellenweise eine lebhafte Diskussion, bei der auch viele Probleme auf den Tisch kamen, z.B. die Emigration vieler Christen aus dem Nahen Osten.
„Ja, die Emigration – und die Gefahr der Emigration, dass der Nahe Osten leer wird und der Pluralismus verlorengeht. Dann wird es zu mehr Zusammenstößen kommen zwischen Islam und Christentum! Und dann kam auch das schwere Problem des Dialogs mit dem Islam zur Sprache. Durch Fundamentalismus, Terrorismus und Terrorakte hat man das Gefühl: Wie können wir weitermachen angesichts so vieler Anschläge? Aber die meisten haben gesagt: Das ist unsere Rolle, den Nahen Osten zu prägen und langsam auch verschiedene Werte des Christentums hineinbringen in die Gesellschaft der Araber, die mehrheitlich Moslems sind."
((Was waren die interessantesten Ideen und Bemerkungen, die Sie bisher auf der Synode gehört haben?
„Zum Beispiel den Vorschlag vieler, dass man so eine Synode im Nahen Osten hält – auf einer lokalen Ebene. Dann gab es auch den Wunsch, alles zu tun, um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden: Denn dieser Konflikt ist für die meisten der Hauptgrund vieler, vieler Krisen und Kriege, die die Emigration von Christen verursacht haben.))" (rv)

Nahostsynode im Vatikan: Kernsätze aus den Ansprachen

Hier finden Sie einen Überblick über offizielle Wortmeldungen auf der 2. und 3. „Generalversammlung“ der Nahost-Synode im Vatikan – zusammengestellt von Stefan Kempis, der die Synode für uns beobachtet. Die Aussprache begann mit Vertretern der Bischöfe in mehreren Kontinenten, in denen es viele Christen östlicher Riten gibt – eine Folge des Exodus.

Kardinal Polycarp Pengo aus Tansania im Auftrag der afrikanischen Bischöfe: „Bei uns in Ostafrika war der Islam bis vor fünfzig Jahren so dominierend an der Küste des Indischen Ozeans, dass das den Glauben der jungen Leute bedrohte, wenn sie auf der Arbeitssuche aus dem Landesinnern in diese Regionen kamen. Was die Lage in Ostafrika gerettet hat, war die enge Zusammenarbeit von christlichen Missionaren im Landesinnern mit denen an der Küste. Die jungen Leute bekamen, wenn sie an die Küste zogen, Briefe an die dortigen Missionare mit, und diese nahmen die jungen Leute dann gleich in ihre christlichen Gemeinschaften auf…“

Erzbischof John Atcherley Dew aus Neuseeland im Auftrag der ozeanischen Bischöfe: „Wir hatten immer schon Migranten und Flüchtlinge aus dem Grossraum Nahost in Ozeanien: europäische Juden, Flüchtlinge aus dem Deutschland der 30er Jahre, Überlebende der Shoah; Libanesen, Palaestinenser, Ägypter; Iraker, und zwar sowohl Christen wie Muslime; und in neuerer Zeit kurdische Flüchtlinge aus Irak, Iran und der Türkei.“

Kardinal Roger Mahoney aus den USA für die nordamerikanischen Bischöfe: „Viele östliche Katholiken, die aus dem Nahen Osten zu uns kommen, werden der Einfachheit halber römische Katholiken und geben ihre Tradition auf. Es gibt eine Spannung zwischen Vielfalt und Einheit… Ein Beispiel: Viele östliche Kirchen lassen Kinder ab der Taufe schon zur Kommunion zu. Wenn diese Familien dann römisch-katholische Messen mit ihren Kindern zusammen besuchen, werden diese Kinder oft daran gehindert, zur Kommunion zu gehen. Wir bräuchten groessere Sensibilität in sehr praktischen Fragen wie dieser hier, um die Schwierigkeiten von Einwanderern aus dem Nahen Osten zu erleichtern.“

Erzbischof Raymundo Damasceno Assis aus Brasilien im Auftrag der lateinamerikanischen Bischöfe: „Wir bräuchten ein stärkeres Bewusstsein, dass wir einen gemeinsamen katholischen Glauben haben, um auch zu einer gemeinsamen Missionsarbeit zu kommen.“

Kardinal Angelo Sodano für das Kardinalskollegium: „Ich drücke meine Solidarität auch mit den Christen in Afghanistan aus, obwohl sie auf dieser Synode nicht vertreten sind… Ich erinnere daran, wie nützlich es wäre, mit den päpstlichen Nuntien in den Ländern des Nahen Ostens zusammenzuarbeiten. Es sind acht: in Jerusalem, Beirut, Damaskus, Ankara, Bagdad, Teheran, Kairo und Safat in Kuweit.“

Erzbischof Elias Chacour aus Akko in Israel, der die grösste katholische Kirche im Heiligen Land vertritt, die melkitische nämlich: „In den letzten zwanzig Jahrhunderten waren unsere Christen im Heiligen Land zu Unterdrückung, Verfolgung und Leiden mit Christus verurteilt. Er ist auferstanden, aber sein Kreuz steht noch bei uns; unsere Christen hängen noch an diesem furchtbaren Kreuz. Sie leben weiter mit täglichen Drohungen von Behörden, die davon träumen, unsere Minderheit umzusiedeln, weg von ihrem Land, von ihren Häusern… Wir wollen bleiben, wo wir sind, wir brauchen Eure Freundschaft und nicht Euer Geld!“

Der armenische Erzbischof Boutros Marayati aus dem syrischen Aleppo: „Im Grundlagentext der Synode, dem Instrumentum laboris, fehlt der Hinweis auf den Genozid an den armenischen Christen und auf den Genozid überhaupt an Christen, der heute noch anhält… Wir fragen uns: Gibt es etwa ein Projekt mit dem Ziel, den Nahen Osten christenfrei zu machen?“

Der koptische Bischof von Assiut in Ägypten: „In unserem Land Ägypten sind alle – Katholiken, Nichtkatholiken und sogar Nichtchristen – Kopten. Wozu dient da eine lateinische Liturgie in arabischer Sprache? Wenn Lateiner da sind, dürfen sie natürlich lateinische Messen feiern, aber in einer anderen Sprache und nicht auf Arabisch, denn damit locken sie unsere Gläubigen an und führen zu Verwirrung!“

Der ägyptische koptische Bischof Fahim Awad Hanna: „Der Hunger nach dem Wort Gottes ist gross in unserer Region. Wir brauchen mehr Spezialisten, Zentren und Gemeinschaften, um die biblische Kultur in unserer Realität zu studieren, zu meditieren, zu leben und zu verbreiten.“

Der koptische Bischof Joannes Zakaria aus Luxor/Theben in Ägypten: „Aus Theben kamen der heilige Mauritius und seine Gefährten von der Thebäischen Legion des römischen Heeres, die das Evangelium in der Schweiz, Deutschland und Frankreich verbreitet haben… Die Ostkirchen sollten etwas für die Reevangelisierung ihrer Kinder tun! Ich schlage eine schriftliche Strategie für die Erneuerung der missionarischen Aktivität der Ostkirchen vor, und die Gründung von Instituten für die Ausbildung von Missionaren.“

Kurienkardinal Zenon Grocholewski von der vatikanischen Bildungskongregation: „Unsere Schulen und Bildungseinrichtungen im Nahen Osten müssen für alle offen sein und auch die respektieren, die den christlichen Glauben nicht teilen… Das kann aber nicht bedeuten, dass sie die christlichen Werte verschweigen!“

Pater David Neuhaus vom Lateinischen Patriarchat Jerusalem: Hebräisch ist auch eine Sprache der katholischen Kirche im Nahen Osten! Tausende von Kindern aus ausländischen Gastarbeiterfamilien brauchen Katechismusunterricht auf hebräisch – eine grosse Herausforderung für unser Vikariat für Katholiken hebräischer Sprache…“

Erzbischof Louis Sako von Kirkuk im Irak: „Der tödliche Exodus, der unsere Kirchen betrifft, lässt sich nicht vermeiden. Die Emigration ist die grösste Herausforderung, die unsere Präsenz im Irak bedroht. Die Zahlen sind besorgniserregend.“

Der koptische Bischof Antonios Aziz Mina aus Gisa in Ägypten: „Man müsste die Prozedur der Bischofsernennungen bei den Ostkirchen vereinfachen, damit sie schneller geht… Seit den dreissiger Jahren dürfen verheiratete Priester (der Ostkirchen) nicht mehr ausserhalb des patriarchalen Territoriums und der historischen östlichen Regionen geweiht werden bzw. arbeiten. Ich glaube, dass die Zeit gekommen ist, das zu ändern – zugunsten der Seelsorge der östlichen Gläubigen in der Diaspora.“

Erzbischof Maroun Laham von Tunis in Tunesien: „Man muss wissen, dass es mehr Moslems in Nordafrika gibt als im Nahen Osten… Unsere christlichen Gläubigen sind in der Regel alle Ausländer; jede Kirche im Maghreb hat nicht weniger als 60 verschiedene Nationalitäten in ihren Reihen… Ich bitte um Zusammenarbeit: um ein Ausleihen von Priestern, Ordensleuten, geweihten Laien oder Freiwilligen, die in den Pfarreien und den verschiedenen Einrichtungen der Kirche in Nordafrika arbeiten. Bisher stellte Europa all das sicher; jetzt geht das nicht mehr, wegen des Priestermangels… Wir haben zwei Richtungen, in denen wir um Hilfe bitten können: Afrika und Nahost… Bittet, so wird euch gegeben, sagt der Herr. Wir haben gebeten, jetzt warten wir darauf, etwas zu empfangen.“

Der maronitische Erzbischof Samir Nassar von Damaskus: „Die Nähe von Christen mit ihrem Evangelium bringt Moslems dazu, über eine kritische Lektüre des Koran nachzudenken… In einem säkularen Staat wie Syrien lassen sich einige Initiativen gemeinsam mit Moslems durchführen; wir konnten etwa Kunst-, Theater- oder Sportveranstaltungen im zurückliegenden Paulusjahr gemeinsam veranstalten… Man sollte aber Provokationen des Islam vermeiden – etwa die dänischen Karikaturen oder den Aufruf zur Koranverbrennung. Das sind Gesten, die den christlichen Minderheiten im Orient und woanders schaden“

Bischof Salim Sayegh vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem: „Die Sekten führen zu einer grossen Verwirrung in der Lehre. Unsere Zeit ist voll von ihren theologischen Phantastereien. In Jordanien zum Beispiel gibt es etwa 50 Sekten – fünf davon haben mehr aktive Seelsorger als alle katholischen und orthodoxen Kirchen zusammen!“

Der Lateinische Erzbischof Jean Sleiman von Bagdad im Irak: „Unsere Gemeinschaft wird vom Konfessionalismus geschwächt. Die Riten haben sich in Konfessionen verwandelt. Unsere Kirchen sui juris müssten an die Wurzeln dieses Phänomens gehen, die in die frühislamische Zeit zurueckreichen. Wir sollten das Modell der Gemeinschaft von Jerusalem wiederentdecken.“

Bischof Giorgio Bertin von Mogadischu in Somalia: „Warum arbeiten wir nicht auf der Ebene der nahöstlichen Kirche und der ganzen Kirche mit den Priestern, die wir haben, zusammen? … Ich schlage eine Art Datenbank verfügbarer Priester vor: Aus allen Kirchen und Ordensgemeinschaften sollten sich einige Priester für eine bestimmte Zeit, etwa 3 Monate, 6 Monate, 9 Monate usw., zur Verfügung stellen fuer die Arbeit in einer anderen Kirche oder bei einer anderen Gruppe von Katholiken.“

Ein orientalischer Bischof aus Lateinamerika: „Es ist schwer zu verstehen, warum die Aktivität der Patriarchen, Bischöfe und Synoden der Ostkirchen auf ihr Territorium beschränkt werden. Unter den 23 Kirchen eigenen Rechts, die heute die katholische Kirche bilden, hat nur eine, nämlich die lateinische, nicht diese Beschränkung. So können die 22 Ostkirchen nur schwer ihre Identität bewahren und wachsen, vor allem im Westen… Eigentlich müssten ausserdem die Patriarchen der Ostkirchen ipso facto Mitglieder des Kollegiums sein, das den Papst wählt, auch ohne dass sie dafür Kardinäle sein müssen.“

Der melkitische Patriarch Gregorios III. Laham von Damaskus in Syrien: „Die christliche Anwesenheit in der arabischen Welt wird durch den Zyklus von Kriegen bedroht, die immer wieder in dieser Ursprungsregion des Christentums ausbrechen. Der wichtigste Grund ist der israelisch-paästinensische Konflikt… Wenn sich der Orient von Christen leeren sollte, dann würde nichts mehr einen neuen Zusammenprall der Kulturen aufhalten, der Zivilisationen und sogar der Religionen. Es wäre ein zerstörerischer Zusammenprall zwischen einem islamischen arabischen Orient und einem christlichen Westen.“ (rv)

Papst: „Schauen wir auf die Christen im Nahen Osten“

Benedikt XVI. hat offiziell die Nahostsynode im Vatikan eröffnet. An diesem Sonntag feierte er zusammen mit 250 Konzelebranten den Eröffnungsgottesdienst im Petersdom. Zum ersten Mal nehmen nahezu alle 120 Kirchenführer der Region an einem internationalen Bischofstreffen mit dem Papst teil.
Zu Beginn der Messe zogen in langer Prozession neun katholische Patriarchen, 19 Kardinäle, 75 Erzbischöfe und 75 Bischöfe in die Vatikan-Basilika ein. Zu Beginn der Zeremonie besprengten die beiden Synoden-Präsidenten – der vatikanische Ostkirchen-Präfekt Kardinal Leonardo Sandri und der syrisch-katholische Patriarch Ignace Youssif III. Younan – die versammelte Gemeinde mit Weihwasser. Der Gottesdienst folgte im Wesentlichen dem lateinischen Ritus; es waren jedoch einige ostkirchliche Elemente eingebaut. Die feierliche Messe war geprägt von den typischen Farben der verschiedenen Riten sowie durch die Gesänge auf Latein, Griechisch und Arabisch.
Christliche Minderheit beachten
In seiner Predigt wies der Papst auf den Hauptzweck der Synode hin: Die zweiwöchige Versammlung soll das Augenmerk auf die christliche Minderheit lenken, die in ihren Ländern meist unter erheblichen Problemen lebt, und ihr Rückenstärkung der Universalkirche geben. An der Nahostsynode nehmen auch die Leiter der wichtigsten Kurienbehörden sowie Vertreter der Weltkirche teil.
Benedikt XVI. nannte die erste Nahost-Synode ein bedeutendes Ereignis für die ganze Weltkirche. Es gehe dabei um die Gegenwart und die Zukunft der Kirche in den Ursprungsländern des Christentums und der Heilsgeschichte insgesamt.
„Der Nahe Osten ist das Land Abrahams, das Land des Exodus und der Rückkehr aus dem Exil, das Land des Tempels und der Propheten, das Land, in dem Jesus Christus von Maria geboren wurde."
Die Synode verfolge in erster Linie pastorale und kirchliche Anliegen, betonte der Papst. Jedoch könne man dabei nicht die mitunter dramatische soziale und politische Situation in einigen Ländern der Region ignorieren.
„Es geht daher um eine Gemeinschaft der unterschiedlichen katholischen Kirchen und Riten, aber auch um die ökumenischen Beziehungen zu den anderen Kirchen. Schließlich ist auch der Dialog mit dem Judentum und dem Islam notwendig."
Weiter fügte der Papst an, dass das Bischofstreffen das Profil der Christen in ihren Ursprungsländern schärfen und den Dialog mit den anderen Kirchen sowie mit Juden und Muslimen fördern wolle. Außerdem soll es ausloten, welchen Beitrag die Christen zu Frieden und Gerechtigkeit in den Krisenregionen des Nahen Ostens leisten können. Papst Benedikt XVI. rief in seiner Predigt auf, den Christen im Nahen Osten ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
„In der teils dramatischen Situation in einigen Ländern des Nahen Ostens muss es ihnen ermöglicht werden, als lebendige Steine weiter an den Orten der Heilsgeschichte bleiben zu können. Es ist ein Menschenrecht, in Würde in seinem Heimatland leben zu können. Frieden und Gerechtigkeit sind unverzichtbare Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben aller Bewohner der Region.
Auch die internationale Gemeinschaft soll dazu beitragen, indem sie konstruktiv für Friedenslösungen eintrete, so Benedikt XVI.
„Auch die anderen Religionen sollen ihren Beitrag dazu leisten, indem sie geistige und kulturelle Werte fördern und jede Form von Gewalt ablehnen. Die Christen selbst werden weiter ihren Beitrag leisten, nicht nur mit Einrichtungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen, sondern im Geist der Bergpredigt, die Vergebung und Versöhnung fördert."
Hintergrund
Es handelt sich um die 24. Bischofssynode, seit Papst Paul VI. (1963-1978) diese Konferenzform zum Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) als Instrument weltkirchlicher Kollegialität einrichtete. Von den 185 Mitglieder der Nahost-Synode kommen 140 aus den mit Rom unierten Ostkirchen, 14 weitere leiten lateinische Diözesen in der Region. Neben Vertretern des lateinischen Ritus nehmen an der Synode Oberhirten von sechs mit Rom verbundenen Ostkirchen teil: Chaldäer, Maroniten, Melkiten sowie katholische Kopten, Syrer und Armenier. Aus Europa wurden unter anderen der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der aus der Schweiz stammende Bischof von Reykjavik, Pierre Bürcher, sowie der ungarische Kardinal Peter Erdö berufen. Letzterer ist Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). (rv)