Vatikan: Kirchliche Gemeinschaft mit dem maronitischen Patriarchen von Antiochien

Benedikt XVI. gewährt dem neu gewählten maronitischen Patriarchen von Antiochien die „kirchliche Gemeinschaft". Das teilte das vatikanische Presseamt am Freitag mit. Bechara Rai wird somit offiziell Oberhaupt der Maroniten. Weil die Maroniten eine eigenständige mit Rom verbundene Kirche bilden, bedarf ihr neues Oberhaupt keiner offiziellen „Bestätigung" oder „Anerkennung" durch den Papst. In einem Brief an Rai entrichtete Benedikt XVI. ihn seine Glückwünsche zu dessen Amtsantritt. Rai war am 15. März von einer Bischofssynode am Sitz des Patriarchats im libanesischen Bkerke zum 77. Oberhaupt der orientalischen Kirche gewählt worden. Der bisherige Patriarch Nasrallah Sfeir hatte das Amt aus Altersgründen abgegeben. (rv)

Libanon: Raï ist neuer Patriarch

 Die größte katholische Ortskirche im Nahen Osten hat einen neuen Patriarchen: Bischof Béchara Raï ist im Libanon zum neuen maronitischen Patriarchen von Antiochien gewählt worden. Der bisherige Bischof von Jbeil – hinter diesem Ortsnamen verbirgt sich das antike Byblos, das der Bibel den Namen gab – tritt in diesem Amt an die Stelle von Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir, der ein Vierteljahrhundert lang Patriarch gewesen war. Raï ist 71 Jahre alt und wurde 1967 Priester; seit 1986 ist er maronitischer Bischof. Von 1967 bis 1975 war er übrigens der Leiter des arabischen Programms von Radio Vatikan in Rom. Als Patriarch wird er in Bkerke in der Nähe von Jounieh residieren.
Raï wird der 77. Patriarch der maronitischen Kirche und damit verantwortlich für gut drei Millionen Gläubige, davon je ein Drittel im Libanon und im lateinamerikanischen Exil. Die Wahlversammlung im Patriarchenpalast von Bkerke war am vergangenen Mittwoch zusammengetreten. Der neue Patriarch muss nun noch von Papst Benedikt XVI. bestätigt werden. Erst wenige Tage vor dem Konklave hatte Raï in einem Interview die unaufgebbare Verbindung der Maroniten mit dem Libanon betont. „Unsere Zahl mag schrumpfen oder wachsen, aber unsere Wurzeln bleiben immer im Libanon", sagte der Bischof einem libanesischen Pressedienst.
Die maronitische Kirche ist die älteste der mit Rom unierten Ostkirchen – und gleichzeitig die einzige, bei der es gelang, eine Ostkirche vollständig in die Gemeinschaft mit Rom zu führen. Nach ihrem Selbstverständnis war sie allerdings nie von Rom getrennt. Ihr Kirchenkalender ist gregorianisch, ihre Kirchensprache hingegen Arabisch und Altsyrisch-aramäisch, was in etwa dem Idiom Jesu entspricht. Der Name Maroniten leitet sich ab von einem heiligen Einsiedler des fünften Jahrhunderts. Einen Patriarchen hat die maronitische Kirche seit dem 8. Jahrhundert. Laut libanesischer Verfassung muss der Präsident des Libanon immer ein maronitischer Christ sein. (rv)