Glaubenskongregation: Wer ist Erzbischof Luis Ladaria?

Der Präfekt der Glaubenskongregation ist eines der wichtigsten Ämter im Vatikan, Papst Franziskus hat es an diesem Samstag mit Erzbischof Luis Ladaria neu besetzt. Er sei ein „moderater Konservativer“, hatte er in einem Interview über sich selber gesagt. „Mir gefallen Extremistmen nicht, weder die progressistischen noch die traditionalistischen. Ich glaube, dass es einen Mittelweg gibt, dem es zu folgen gilt.“

Ladaria ist Jesuit, wie Papst Franziskus auch, und auch wie Pater Bernd Hagenkord, unser Redaktionsleiter. Deswegen unsere Frage: Wer ist Luis Ladaria?

Hagenkord: Luis Ladaria ist ein Theologieprofessor, der schon seit bald neun Jahren der zweite Mann in der Glaubenskongregation ist und damit zuständig für die Organisation und die inneren Abläufe. Ich kenne viele Leute, die ihn in dieser Arbeit schätzen gelernt haben. Er ist mit über siebzig Jahren nicht mehr der Jüngste, aber dafür ist er sehr erfahren und muss sich nicht erst einarbeiten.

Luis Ladaria ist Jesuit und ist auch nach seiner Bischofsweihe in seiner Jesuitenkommunität wohnen geblieben, regelmäßig begegnen wir uns auf der Straße vor dem Vatikan, auf dem Weg zur Arbeit. Da ist er ein wenig wie damals Kardinal Ratzinger, zu Fuß, Aktentasche unter dem Arm, irgendwie unauffällig auf der Straße. Unprätentiös würde ich ihn nennen. Aber er hat auch Energie, das habe ich in den Gesprächen bemerkt, in denen es um Missbrauchsfälle ging, deren Aufarbeitung fällt und fiel ja in seine Kompetenz, da wirkt er auf mich sehr konzentriert und ernsthaft. Was ich als gutes Zeichen werte.

Interessant ist vielleicht das Detail, dass Luis Ladaria sein Theologiestudium in Frankfurt am Main absolviert hat, er spricht also nicht nur gut Deutsch, sondern kennt auch die theologische Tradition bei uns gut, Rahner, Balthasar und so weiter.

RV: Damit bekommt jetzt ein zweiter Jesuit – nach Papst Franziskus – einen der wichtigsten Posten in der Weltkirche.

Hagenkord: Ich glaube, dass man das gelassen sehen sollte. Gerne werden ja Listen geführt, wer Nummer zwei, wer Nummer drei und so weiter sei. Der Posten ist wichtig, einflussreich weil er Disziplinfragen wie auch Lehrfragen betrifft, man darf das also nicht unterbewerten, aber auch eine Überbewertung tut dem nicht gut.

Und was den Jesuiten angeht: Die Ernennung zum Sekretär hat damals Papst Benedikt XVI. vorgenommen, das halte ich nicht für „Jesuit ernennt Jesuiten“. Wenn man auf all die Ernennungen des Papstes schaut, da sind sehr wenige Jesuiten dabei. Er hat einen erfahrenen Mann ernannt und der ist halt Jesuit, mehr ist da glaube ich nicht dabei.

RV: Steht nach Kardinal Pell, der in der vergangenen Woche sich hat beurlauben lassen, und jetzt Kardinal Müller jetzt eine größere Umorganisierung an der Spitze der Kurie an?

Hagenkord: Dass der Prozess in Australien, zu dem Kardinal Pell fährt, und das Ende der Amtszeit von Kardinal Müller zeitlich eng beieinander liegen, halte ich für Zufall. Es sieht natürlich nicht so schön aus, dass in einer Woche gleich zwei gehen, zumal unter nicht ganz einfachen Umständen. Pell will sich in einem Prozess verantworten und Kardinal Müller ist noch nicht an der Altersgrenze. Trotzdem hielte ich es für falsch, dahinter einen Zusammenhang zu vermuten. (rv)

Ladaria neuer Chef der Glaubenskongregation

  Erzbischof Luis Ladaria ist der neue Präfekt der Glaubenskongregation. Das gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt. Der Jesuit und Theologe war bislang als Sekretär die Nummer Zwei des Dikasteriums, er rückt an die Stelle von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Amtszeit an diesem Sonntag ausläuft.

Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer SJ stammt gebürtig aus Mallorca, ist Jurist und seit 1966 Mitglied im Jesuitenorden. Einen Teil seiner Studien absolvierte er an der Jesuitenhochschule in Sankt Georgen, Frankfurt am Main. Seit Mitte der 80er Jahre dozierte er Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, bevor er 2008 als Nachfolger von Angelo Amato zum Sekretär der Glaubenskongregation ernannt und zum Bischof geweiht wurde. 2013 bestätigte ihn Papst Franziskus in seinem Amt.

An diesem Sonntag endet regulär die fünfjährige Amtszeit von Gerhard Ludwig Müller an der Spitze der Kongregation. Papst Franziskus hat entschieden, ihn nicht um weitere fünf Jahre zu verlängern. Kardinal Müller war 2012 von Papst Benedikt zum Nachfolger von Kardinal William Levada berufen worden, der in den Ruhestand ging. Bis zu seiner Wahl zum Papst war Benedikt – Joseph Ratzinger – selbst Präfekt der Glaubenskongregation gewesen.

Müller stammt aus Mainz, promovierte in Theologie bei Karl Lehmann und dozierte Dogmatik in München, bevor er zum Bischof von Regensburg ernannt wurde. (rv)

Neues Vatikanschreiben: Unser Interview mit Kardinal Müller

Kardinal MuellerDem neuen Vatikandokument ‚Iuvenescit Ecclesia‘ geht es vor allem darum, einen falschen „Gegensatz“ zwischen der angeblich starren Hierarchie und den Charismen in der Kirche zu überwinden. „Die Charismen sind ja auch nicht einfach auf die Laien verteilt, und die anderen würden sozusagen nur in dumpfer Institutionalität vor sich hingehen“, sagte der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, am Dienstag in einem Interview mit Radio Vatikan. Die Fragen stellte Stefan v. Kempis.

Wenn die Hierarchie – also die Glaubenskongregation – ein Dokument über Charismen schreibt, dann würde man denken, es würde nicht heißen ‚Die Kirche verjüngt sich‘, sondern ‚Die Kirche hat Sorgenfalten‘…

„Ja, das ist das falsche Image, das mit uns verbunden wird. Die Glaubenskongregation ist ja 1965 völlig neu ausgerichtet worden; sie hat die Hauptaufgabe, den Glauben zu fördern und Anstöße zu geben – und erst in zweiter Linie die Aufgabe, bestimmte Probleme zu lösen. Wir sind, auch wenn das viele nicht kapieren wollen, nicht die Inquisition, die sozusagen gerichtlich, wie das vor fünfhundert Jahren der Fall war, auf bestimmte Entwicklungen und Herausforderungen – damals des Protestantismus – reagiert, sondern im Sinne des Zweiten Vatikanums ist auch diese Kongregation eine missionarische Kongregation.“

Dennoch gab es immer eine Spannung zwischen Institution/Hierarchie auf der einen und Charisma/Orden/Bewegungen auf der anderen Seite. ‚Löscht den Geist nicht aus!‘, schreibt der Apostel Paulus. In diese Spannung tritt nun das Dokument hinein…

„Die Kirche hat eine ganz bestimmte Mission, einen ganz bestimmten Auftrag: die Lehre Christi zu verkünden, die Taufe zu spenden, also die Sakramente zu feiern und somit eben auch durch den apostolischen Dienst die Gottesbeziehung auf diese sakramentale Ebene hin zu führen. Aber darüber hinaus ist ja die Kirche auch der Leib Christi, das Volk Gottes, jeweils lebend in der Zeit. Und deshalb gibt es auch neue Formen, Methoden, Arten, wie der Glaube verkündet und gelebt wird, über diese Grunddienste der Kirche ‚Bekenntnis, Liturgie und Diakonie‘ hinaus. Von der ‚Diakonie‘ wissen wir, dass es darum geht, die Liebe Christi den Armen, Bedürftigen, Notleidenden zuzuwenden. Aber das bedarf immer neuer Initiativen. In der Neuzeit, als die barbaresken Staaten Italien und die Küsten Spaniens überfallen haben und die Türken, das Osmanische Reich, viele Christen als Sklaven gefangen haben, war der Freikauf der Sklaven eine große Herausforderung…

Heute sagt uns ja der Heilige Vater, dass wir an die Peripherie gehen sollen: Hier müssen wir auch neue Formen entwickeln. Aber das sind neue Formen, sie reagieren auf die Herausforderungen der Zeit, und nicht sozusagen neue Inhalte. Statt der Liebe Christi können wir nichts anderes verkünden und verwirklichen. Wir verkünden immer die Lehre Christi – aber in unterschiedlicher Weise und unterschiedlichen Formen.“

Das Dokument spricht von einer ‚Gleichwesentlichkeit‘ – coessenzialità – zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben. Ist das der springende Punkt – dass es da kein Gegen- oder Nebeneinander gibt, sondern ein Miteinander?

„Ja, die Charismen sind ja auch nicht einfach auf die Laien verteilt, und die anderen würden sozusagen nur in dumpfer Institutionalität vor sich hingehen, sondern die Charismen sind eben auch verteilt auf die Geistlichen, auf den Kleriker- und Ordensstand, auf die Laien. Das ist sozusagen das, was Christus uns ein für alle Mal gegeben hat – wie wird das lebendig durch den Geist Jesu Christi? Und sowenig es einen Widerspruch gibt zwischen Christus und dem Heiligen Geist, so wenig kann es einen Widerspruch geben zwischen dem, was durch Christus eingesetzt worden ist – apostolischer Dienst, Sakramente – und der stetigen Verlebendigung durch den Heiligen Geist. Man hat das oft auch so formuliert: Christus ist ja der Leib der Kirche, der Heilige Geist die Seele, also das Leben im Leibe Christi. Das muss zusammengesehen werden. So wie Christus und der Heilige Geist eine Einheit bilden, so ist es eben auch der gemeinsame Dienst der Menschen in der apostolischen Sendung, mit allen anderen zusammen aufgrund der Gabe des Heiligen Geistes – das Weihesakrament ist auch eine Gabe des Heiligen Geistes!“

Das Dokument wurde im Jahr 2000 angefangen, jetzt schreiben wir 2016 und haben zwei weitere Päpste erlebt. Warum hat das so lange gedauert?

„Das Ganze stand nicht unter Zeitdruck, weil die Charismen nicht von unserem Dokument abhängen, sondern in diesem Dokument gewissermaßen mal eine Zusammenschau versucht worden ist. Und gut Ding braucht Weile…“ (rv)

Vatikan stellt Schreiben „Iuvenescit Ecclesia” vor

Kardinal Müller„Iuvenescit Ecclesia” („die Kirche wird jünger“) das ist der Titel eines Schreibens der Glaubenskongregation an die Bischöfe in der Welt, das an diesem Dienstag im Vatikan vorgestellt wurde. Konkretes Anliegen: Neue geistliche Bewegungen und die Bischöfe sollen enger zusammenarbeiten und das Verhältnis beider genauer geklärt werden. Denn die charismatische Dimension dürfe niemals im kirchlichen Leben und der Verkündigung fehlen. Ein kurzer Überblick zum Inhalt des Schreibens:

Die Einleitung des von Kardinal Gerhard Ludwig Müller unterzeichneten Schreibens verweist auf Papst Johannes Paul II. hin, der den Vertretern der Bewegungen und der neuen Gemeinschaften sagte, dass er in diesen eine „Antwort der Vorsehung“ erkenne, die vom Heiligen Geist erweckt wurde, um das Evangelium in der ganzen Welt weiterzugeben. Derselbe Papst sagte, dass für alle diese kirchlichen Vereinigungen die Zeit der „kirchlichen Reife“ komme, die zu ihrer vollen Wertschätzung und Eingliederung „in die Ortskirchen und in die Pfarreien führt.

Das heutige Schreiben dürfte ein weiterer Schritt in diese Richtung sein. Zunächst gibt es aber Kriterien vor, um die „echte Kirchlichkeit“ der Charismen festzustellen.

Kriterien für die charismatischen Gaben – eine Auswahl

Einsatz für die missionarische Ausbreitung des Evangeliums. Die authentischen Charismen sollen deutlich einen „missionarischen Elan“ bezeugen, „der sie immer mehr zu Subjekten einer neuen Evangelisierung macht“.

Bekenntnis des katholischen Glaubens. Jedes Charisma muss Ort der Erziehung zum Glauben, muss das Lehramt der Kirche beachten und darf keine abseitigen Lehren verbreiten.

Zeugnis einer wirklichen Gemeinschaft mit der Kirche. Dies beinhaltet eine „kindliche Abhängigkeit vom Papst, eine aufrichtige Bereitschaft, ihr Lehramt und ihre pastoralen Richtlinien anzunehmen, sowie sich für die Initiativen der Kirche einzusetzen.

Annahme von Zeiten der Erprobung in der Unterscheidung der Charismen Das Auftreten eventueller Spannungen verlangt von allen Seiten das Üben einer größeren Liebe im Blick auf eine stets tiefere kirchliche Gemeinschaft und Einheit.

Hierarchische und charismatische Gaben gleich wichtig für die Kirche

Zentraler Punkt in dem Schreiben ist die Betonung, dass hierarchische und charismatische Gaben gleichermaßen essenziell sind für das Leben der Kirche. Mit dem Unterschied, dass erstere durch Weihen gegeben seien, letztere vom Heiligen Geist. Charismatische und hierarchische Gaben stehen harmonisch und komplementär zueinander. Die Teilnahme der Charismen an der Gemeinschaft der Kirche sei „fruchtbar und geordnet“, berechtige sie aber nicht, sich der kirchlichen Hierarchie zu entziehen oder zu einem eigenständigen Priesteramt.

Bewegungen brauchen „kirchliche Reife”

Das Schreiben fordert von den Bewegungen eine „kirchliche Reife“, von der auch schon Johannes Paul II. sprach. Sie bestehe in einer vollen Wertschätzung und Eingliederung in das Leben der Kirche, immer in Gemeinschaft mit den Priestern und unter ihrer Weisung stehend. Das Charisma bringe Freude und Dankbarkeit in die Kirche bringe, doch die Bewegungen müssten auch in einem guten Verhältnis zu allen anderen Gaben der Kirche stehen, sofern diese von den Priestern mit Großzügigkeit und wachsamer Väterlichkeit vermittelt wurden.

Rechtliche Anerkennung nach kanonischem Recht

Der geltende Codex des kanonischen Rechtes kennt verschiedene rechtliche Formen der Anerkennung für neue kirchliche Gruppierungen, die aus charismatischen Gaben hervorgehen.

Zwei Grundkriterien sind dabei zu beachten:

1. Zum einen ist die charismatische Besonderheit der einzelnen kirchlichen Vereinigungen zu respektieren, die rechtliche Einengungen vermeiden hilft, welche die vom spezifischen Charisma gebrachte Neuheit aufgeben würde.

2. Zum anderen ist die grundlegende kirchliche Ordnung zu berücksichtigen und die echte Einordnung der charismatischen Gaben in das Leben der Gesamt- und Teilkirche zu fördern. Dabei ist sicherzustellen, dass die charismatische Gruppierung sich nicht als Parallelgemeinschaft zum kirchlichen Leben auffasst. (rv)

Vatikan: Brief über Kleriker und Laien

VatikanNeues aus dem Vatikan zum Zusammenwirken von Klerikern und Laien in der Kirche: die Glaubenskongregation hat zu diesem Thema einen Brief an die Bischöfe in aller Welt aufgesetzt. Nächste Woche am 14. Juni wird das Schreiben mit dem Titel „Iuvenescit Ecclesia” („die Kirche wird jünger“) im Vatikan der Öffentlichkeit vorgestellt. In theologischer Sprache geht es um das Verhältnis zwischen „hierarchischen und charismatischen Gaben für Leben und Sendung der Kirche“. Zwei Kurienkardinäle präsentieren das Dokument: der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sowie Kardinal Marc Ouellet als Präfekt der Bischofskongregation. Für Übersetzungen in die wichtigsten Sprachen der Kirche, darunter Deutsch, ist gesorgt. (rv)

Papst empfängt Glaubenskongregation: Synodalität und Einheit

Papst FranziskusDie Barmherzigkeit ist der Tragepfeiler des Lebens der Kirche, die erste Wahrheit ist diese Liebe Christi. Das betonte Papst Franziskus an diesem Freitag bei der Audienz für die Mitglieder der Glaubenskongregation. Ausdrücklich dankte er der vatikanischen Behörde für ihren Einsatz gegen den Missbrauch von Kindern; zur Kongregation gehört auch der Promotor Iustitiae, etwa einem Staatsanwalt entsprechend, zu dessen Aufgaben die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der Vergangenheit gehört.

„Wenn wir am Abend unseres Lebens gefragt werden, ob wir den Hungernden zu essen gegeben haben und etwas zu trinken den Durstigen, dann wird man uns auch fragen, ob wir Menschen geholfen haben, ihren Zweifeln zu entkommen, ob wir die Sünder begleitet haben, indem wir sie ermutigten oder korrigierten, und ob wir fähig sind die Unwissenheit zu bekämpfen, vor allem was den christlichen Glauben und das gute Leben betrifft“. Damit bezog sich der Papst auf alle Werke der Barmherzigkeit, die in diesem Heiligen Jahr im Vordergrund des kirchlichen Leben stehen, diese gelte es neu zu entdecken, so der Papst. „Die Betonung der Werke der Barmherzigkeit ist wichtig, das ist nicht nur eine Frömmigkeitsübung. Es ist die Konkretisierung dessen, wie Christen den Geist der Barmherzigkeit umsetzen können. Bei einer Audienz für eine geistliche Bewegung in der vollen Audienzhalle ging es vor kurzen um die Werke der Barmherzigkeit. Und ich habe die Leute gefragt: ‚Wer von Euch kann sagen, was die geistlichen und körperlichen Werke der Barmherzigkeit sind? Wer das kann, hebe bitte die Hände!’ Da waren nicht mehr als zwanzig in einem Saal von 7.000 Menschen. Wir müssen den Gläubigen diese so wichtige Sache wieder nahe bringen.“

Die effektive, wirkliche Barmherzigkeit Gottes sei in Jesus affektive Wirklichkeit geworden, weil er Mensch geworden sei zur Rettung der Menschen. „Die Aufgabe Ihres Dikasteriums finde hier ihr Fundament und ihre angemessene Rechtfertigung. Der christliche Glaube ist nämlich nicht nur Wissen, das im Gedächtnis behalten werden muss, sondern eine Wahrheit, die in der Liebe zu leben ist.“ Deswegen gehe es bei der Arbeit des Dikasteriums nicht nur um die Doktrin, sondern auch um die christlichen Gebräuche und Traditionen. Das sei ein etwas delikates Thema, wertete der Papst.

„Um diesen Auftrag gut erfüllen zu können, ist es vor allem wichtig, kollegial zu arbeiten“, betonte Papst Franziskus. „Auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens muss die rechte Synodalität gefördert werden.“ Die Glaubenskongregation habe dazu schon einiges geleistet, vor allem in von ihr organisierten Konferenzen zu doktrinalen und pastoralen Themen. „Ich bitte euch, diese Zusammenarbeit mit den beratenden Gremien der Bischofskonferenzen und mit einzelnen Bischöfen zu Themen der Lehre fortzusetzen und zu intensivieren, vor allem in dieser Zeit raschen Wandels und zunehmender Komplexität der Probleme.“

Amt und Charisma in der Kirche

Ein weiteres Thema des Papstes in seiner Ansprache war das Verhältnis von Hierarchie und Charisma in der Kirche, also von Amt und Geist. Hier habe die Kongregation wichtige Arbeit zu leisten, denn beide Elemente seien komplementär, sie ergänzten sich und müssten zusammen arbeiten. „Das Zeugnis dieser Komplementarität ist gerade heute besonders nötig. Sie drückt besonders deutlich die geordnete Vielgestaltigkeit aus, welche das Gewebe der Kirche prägt. (…) Einheit und Vielgestaltigkeit sind das Siegel einer Kirche, die sich vom Geist bewegt auf den Weg macht, sicheren und gläubigen Schrittes hin auf das Ziel, das der auferstandene Herr selber gezeigt hat. Die Kirche entsteht aus der Gemeinschaft und geht auf eine immer mehr verwirklichte, vertiefte und erweiterte Gemeinschaft zu.“

Der Papst begegnete den Mitgliedern der Kongregation zum Abschluss ihrer Vollversammlung. Deutschsprachige Mitglieder sind neben dem Präfekten Kardinal Gerhard Ludwig Müller die Kardinäle Christoph Schönborn und Kurt Koch sowie Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg. (rv)

Missbrauchsprävention: Päpstliche Uni stellt weiteres Projekt vor

 Universität Gregoriana„Missbrauchsprävention“ – was seit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in unseren Breiten in den vergangenen Jahren zum geflügelten Wort wurde, ist in vielen Staaten Asiens und Afrikas leider immer noch ein Fremdwort. Das will das Zentrum für Kinderschutz der Päpstlichen Universität Gregoriana ändern. Diese Woche Mittwoch stellt die akademische Institution ein weiteres Ausbildungsprojekt zur Vorbeugung von sexuellem Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche vor.

Pater Hans Zollner, Leiter des päpstlichen Kinderschutzzentrums an der Gregoriana, erzählt im Interview mit Radio Vatikan, worum es sich handelt: „Was wir jetzt tun und was ab morgen online sein wird, ist das Programm für einen Diplomkurs, einen einsemestrigen Diplomkurs auf Englisch, den wir ab 2016 hier an der Gregoriana durchführen werden für künftige Präventionsbeauftragte in Diözesen, Ordensgemeinschaften oder katholischen Institutionen weltweit.“

15 bis 18 Ausbildungsplätze sollen pro Sommersemester jeweils vergeben werden, so Zollner. Dabei seien Teilnehmer aus solchen Teilen der Welt vorgesehen, in denen es bisher kaum oder gar keine Maßnahmen zur Missbrauchsprävention im kirchlichen Bereich gebe: „Wir haben jetzt schon die Zusicherung, dass eine bestimmte Anzahl, vielleicht ein Drittel aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aus Afrika kommen werden, weil die auch eine spezielle Förderung erhalten werden.“

„Was ja gerade auch unser Ziel ist: Dass wir in jenen Ländern, in denen solche Worte wie ,Präventionsbeauftragter einer Diözese‘ praktisch unbekannt sind, hineinwirken und nicht nur Bewusstsein schaffen können, sondern auch Leute ausbilden, die dann dort in diesem Bereich Verantwortung übernehmen.“ Nachholbedarf gebe es etwa in mehreren Staaten Westafrikas, berichtet Zollner. So hätten fünf frankophone Bischofskonferenzen dieser Region die vom Heiligen Stuhl angeforderten Leitlinien zur Prävention gegen Kindesmissbrauch immer noch nicht eingereicht.

Pater Zollner ist über den Stand der einzelnen Ortskirchen in der Frage gut informiert. Laut dem Psychologen hat die Aufmerksamkeit von Papst Benedikt XVI. für das Thema und die Einrichtung der internationalen Kinderschutzkommission durch Papst Franziskus die Diskussion über Kindesmissbrauch „weltweit enorm beschleunigt“ und „die Aufmerksamkeit kirchlicher Verantwortungsträger geschärft“. So sehe man heute insgesamt in einigen Ländern, „wo es bisher noch gar nichts gab“, klare Fortschritte im Kampf gegen Missbrauch:

„Zum einen in der Art und Weise, wie innerhalb der Kirche und über die Kirche hinaus über das Thema in der Öffentlichkeit gesprochen wird, andererseits auch wie einige Präventionsmaßnahmen schon durchgeführt werden. Ich denke an Länder wie Polen oder Indien, wo dieses Thema bis vor kurzem praktisch nicht präsent war, weder in der Gesellschaft als Ganzer noch innerhalb der Kirche, und wo mindestens erste Schritte geschehen sind. Schritte, die auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können von Leuten, die sich mit dem Thema eigentlich nicht auseinandersetzen wollen.“

Insgesamt sei klar geworden, dass „bei den höheren Kirchenoberen in großer Mehrzahl eine Sensibilität für das Thema gewachsen“ sei und der Wille bestehe, entsprechend zu handeln, resümiert Pater Zollner, der auch der Päpstlichen Kinderschutzkommission angehört und innerhalb dieses Gremiums die Arbeitsgruppe Ausbildung leitet.

Weiteres Projekt des Kinderschutzzentrums ist eine internetbasierte Lernplattform, die kirchlichen Mitarbeitern weltweit Wissen zur Prävention vermitteln und sie für den Umgang mit Fällen sexuellen Kindermissbrauchs qualifizieren soll. Nach einer Testphase soll die Plattform mehrsprachig online verfügbar sein. Auf der Blog http://ccpblog.unigre.it hingegen können alle Infos rund um die Projekte des Kinderschutzzentrums eingesehen werden.

Vertuschung von Missbrauchsfällen: Kinderschutzkommission fordert Sanktionen

Pater Zollner gehört auch der Päpstlichen Kinderschutzkommission an, in der er die Arbeitsgruppe Ausbildung leitet. Die Statuten der vor gut einem Jahr eingerichteten Kommission hatte der Heilige Stuhl in der vergangenen Woche veröffentlicht. Einer der aktuellen Vorschläge des Beratergremiums sei die Verschärfung der kirchlichen Normen hinsichtlich der Rechenschaftspflicht kirchlicher Verantwortungsträger, berichtet Zollner im Interview mit Radio Vatikan.

Die Rechtsnormen der katholischen Kirche sehen vor, dass ein Bischof Rom informiert, wenn sich in seinem Zuständigkeitsbereich ein Missbrauchsverdacht erhärtet. Wenn er seiner Pflicht nicht nachkommt, sind bisher – abgesehen von einem möglichen Durchgreifen des Papstes – keine Sanktionen vorgesehen. In Zollners Augen ist das ein großes Manko: „Es kann nicht angehen, dass ein Bischof vertuscht, verschweigt oder zum Beispiel auch den Priester von einer Diözese in die andere schickt oder von einer Pfarrei in die andere, um das Verbrechen nicht zu ahnden. (…) Wir wollen konkrete Sanktionen haben, so dass ein Bischof auch weiß, was ihm droht, wenn er sich nicht an das Kirchenrecht hält!“ Hier müssten Verfehlungen klarer benannt, Strafmöglichkeiten ermöglicht und der Rechtsweg definiert werden, so P. Zollner.

Die Frage der „bishops accountability“, der bischöflichen Mitverantwortung, hatte der Präsident der Kinderschutzkommission, Kardinal Sean Patrick O’Malley , zuletzt in die Diskussion der Kardinäle über die Kurienreform eingebracht. Eine Prognose, ob und wann es dazu konkrete Entscheidungen geben wird, kann Zollner im Gespräch mit Radio Vatikan nicht machen. Er ortet unter den Kardinälen jedoch „Offenheit“ gegenüber dem Thema.

Nach der Zusammenarbeit der Kinderschutzkommission mit der römischen Kurie befragt, unterstreicht der Jesuit, dass die Kommission zwar mit der Glaubenskongregation zusammenarbeiten, aber keine Kompetenzen der Kongregation übernehmen werde. Die Glaubenskongregation ist im Vatikan mit der juristische Aufarbeitung von Missbrauchsfällen entsprechend dem Kirchenrecht betraut. „Wir arbeiten im gewissen Sinne nicht enger mit der Glaubenskongregation als mit den anderen Dikasterien oder dem Staatssekretariat zusammen. Unsere Aufgabe ist es ja, dass wir dem Papst selbst direkt Vorschläge unterbreiten und ihm selber Ratschläge geben – ihn sozusagen auch auffordern, dass er aktiv wird über die verschiedenen Dikasterien des Heiligen Stuhls.“

Darunter seien neben der Glaubenskongregation auch die Bischofskongregation, die Kleruskongregation und die Kongregation für die Evangelisierung der Völker: „Weil dort darauf geachtet werden muss: Wie wird geschaut, welche Kandidaten fürs Bischofsamt ausgewählt werden? Und zweitens: Wie werden die Kandidaten für Priester- und Ordensberufe ausgebildet, sowohl in der anfänglichen Ausbildung als auch in der Fortbildung nach der Priesterweihe oder den letzten Gelübden.“

Zollner berichtet im Interview weiter, dass der Papst in der Glaubenskongregation eine eigene „Appellkommission“ eingerichtet habe. Sie behandelt die Fälle von Priestern, die in einer ersten Instanz aus dem Priesterstand entlassen wurden, den Entscheid aber anzweifeln und sich mit einem Appell an die Kongregation wenden können: „Und um diese Verfahren zu beschleunigen, hat der Papst eine Kommission eingerichtet, die diese Fälle schneller behandeln soll und so zu mehr Rechtssicherheit führen kann“, so Zollner. (rv)

Dialogische Glaubenskongregation

Erzbischof MüllerWer die vatikanische Glaubenskongregation als „eine Instanz des Nicht-Dialogs und der Dialogverweigerung“ sieht, der irrt. Das sagte der Präfekt der Kongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, bei einem Kongress im belgischen Louvain (Löwen). In Wirklichkeit sei die Glaubenskongregation ausgesprochen dialogisch aufgebaut. „Die behandelten Fragen werden kontinuierlich von den Verantwortlichen der Dossiers, etwa vierzig Menschen von allen Kontinenten, analysiert und bei Wochenbesprechungen mit den Vorgesetzten der Kongregation beraten, so Müller. Komplexe Fälle würden außerdem „etwa 25 Beratern vorgelegt, die sich regelmäßig treffen, um alles von einem theologischen Gesichtspunkt aus durchzusprechen“. Grundlegende Entscheidungen würden schließlich „von den Mitgliedern, etwa dreißig Kardinälen und Bischöfen, in der Monatskonferenz“ der Kongregation getroffen. Und außerdem würden sie anschließend noch dem Papst vorgelegt, so der deutsche Kurienkardinal. (rv)

Vatikan und Piusbruderschaft: Ziel ist „die volle Aussöhnung“

FSSPX_logoZum ersten Mal im Pontifikat von Franziskus sind Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. wieder zu offiziellen Gesprächen im Vatikan empfangen worden. Der Obere der traditionalistischen Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, war an diesem Dienstag mit zwei Assistenten an der Glaubenskongregation. Bei dem Gespräch mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der Kongregation, ging es „um einige Probleme lehrmäßiger und kirchenrechtlicher Natur“, heißt es in einer Mitteilung des vatikanischen Pressesaales. Ziel sei „die Überwindung der Schwierigkeiten“ und „das Erreichen der vollen Aussöhnung“. Beide Seiten seien übereingekommen, „in einzelnen Etappen und vernünftigem Zeitraum“ vorzugehen, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Gespräche an der Glaubenskongregation dauerten zwei Stunden und verliefen „in herzlichem Klima“, heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Zeitplan wurde nicht genannt. Die versuchte Aussöhnung der schismatisch orientierten Piusbruderschaft mit der Weltkirche hatte unter Benedikt XVI. begonnen, war aber nicht zum Abschluss gekommen. Unter Franziskus schien der Annäherungsprozess zunächst ins Stocken geraten. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt bisher gewisse Fortentwicklungen der katholischen Glaubenslehre nach dem II. Vatikanischen Konzil ab, beispielsweise zu Religionsfreiheit und Ökumene.

Von Seiten des Heiligen Stuhles nahmen an dem Treffen von diesem Dienstag vier Verantwortliche teil: neben Kardinal Müller der Sekretär und der Beigeordnete Sekretär der Glaubenskongregation, die Erzbischöfe Luis Ladaria und Augustine Di Noia, sowie Erzbischof Guido Pozzo, Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei. Diese ist für die Belange aller traditionsverbundenen Gruppen in- und außerhalb der katholischen Kirche zuständig. Bischof Fellay wurde von zwei Geistlichen der Bruderschaft begleitet, Nikolas Pfluger und Alain-Marc Nely. (rv)

Vatikan: Theologenkommission bekommt weibliche Verstärkung

Erzbischof MüllerDie Internationale Theologenkommission bekommt weibliche Verstärkung: Papst Franziskus bestätigte an diesem Dienstag Mitglieder seines wichtigsten theologischen Beraterkreises für weitere fünf Jahre bis 2019 und ernannte zugleich 26 neue Mitglieder, darunter fünf Frauen. Unter ihnen ist die aus Bayern stammende Theologin Marianne Schlosser aus Donauwörth, die seit 2004 das Institut für Theologie der Spiritualität an der Universität Wien leitet. Es ist die erste derartige Forschungseinrichtung im deutschsprachigen Raum.

Neben der 53-Jährigen berief der Papst die US-amerikanische Philosophin und Ordensschwester Prudence Allen (USA) in das Gremium. Die 1940 geborene Amerikanerin hat sich durch ihre Weiterentwicklung der Frauenstudien und internationale Lehrtätigkeit einen Namen gemacht. Weitere neue weibliche Mitglieder der Internationale Theologenkommission sind die kanadische Professorin Moira Mary McQueen, die australische Professorin Tracey Rowland und die russische Ordensschwester Alenka Arko von der Loyola-Gemeinschaft.

Zweites neues deutsches Mitglied ist der 64-jährige Dogmatiker Karl-Heinz Menke, der seit 1990 in Bonn Dogmatik und Theologische Propädeutik lehrt. Seit 2005 ist er an der Revision des römischen Messbuchs in der deutschen Fassung beteiligt. Die anderen neuen Mitglieder stammen aus allen fünf Kontinenten der Welt.

Die Internationale Theologenkommission, die der Glaubenskongregation angeschlossen ist, wurde auf Anregung der ersten Bischofssynode von 1967 im Jahr 1969 durch Papst Paul VI. eingerichtet. Präsident ist der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Die 30 Mitglieder unter Leitung eines Generalsekretärs – derzeit der Philosoph Serge Thomas Bonino vom Institut Catholique in Paris – werden vom Papst persönlich auf fünf Jahre ernannt. (rv)