Vatikan: Deutscher Rota-Richter Fischer ins Amt eingeführt

Der deutsche Priester Hans-Peter Fischer ist neuer Richter an der Römischen Rota. An diesem Mittwoch legte der aus dem Erzbistum Freiburg stammende Prälat seinen Amtseid ab. Fischer ist Kirchenrechtler, bisher wirkte der 56 Jahre alte Prälat als Rektor des Camposanto Teutonico im Vatikan, ein Amt, das er bis auf weiteres behält. Die Rota ist eines der drei Gerichte der katholischen Weltkirche, die Zahl der „Uditores“, also Richter, beläuft sich auf 20, ein Richter deutscher Sprache wurde schon längere Zeit gesucht und nun glücklich gefunden. Gudrun Sailer sprach mit Hans-Peter Fischer und fragte ihn zunächst, was ein Richter an der Rota macht.

Fischer: „In erster Linie treffen wir Entscheidungen in Ehenichtigkeitsfällen. Aber ganz konkret kann ich noch gar nicht antworten, weil ich jetzt zunächst eine Einführung in mein Amt bekomme. Der Dekan der Rota gewährt den neuen Rota-Richtern ein halbes bis ein ganzes Jahr, um sich in die Materie einzuarbeiten.”

RV: Sie waren und sind als Rektor des Camposanto Teutonico viel in Kontakt mit Rom-Pilgern und wirkten vorher in Donaueschingen als Pfarrer. Wie wichtig ist die pastorale Erfahrung als Richter in Ehenichtigkeitsverfahren?

Fischer: „Papst Franziskus war das sicher ein Anliegen. Anfangs habe ich mich eher gewehrt (gegen die Berufung an die Rota, Anm.), weil ich meine Stärken mehr in der Pastoral sehe. Aber es ist auch dem Dekan ein Anliegen, mit pastoralem Blick Urteile zu fällen, mit einer Sensibilität, ohne das Recht zu biegen.”

RV: Sie sind nach wie vor Rektor am Camposanto Teutonico und zugleich Kirchenrichter an der Rota – kann man das überhaupt zugleich machen?

Fischer: „Das wird sich jetzt zeigen. Ich bin gerne Rektor am Camposanto, und da noch kein Nachfolger vorgeschlagen ist, möchte ich den Campo nicht im Stich lassen. Die Schwestern und Brüder der Erzbruderschaft, die sich ehrenamtlich enorm engagieren, aber auch die Gemeinschaft im Studienkolleg, die Zusammenarbeit mit dem Görres-Institut, all das ist für mich so wichtig geworden, dass ich diese Gemeinschaft jetzt nicht als Waisen zurücklassen möchte. Wenn ein Nachfolger bestimmt wird, bin ich gerne bereit!“

Die römische Rota übt für die Päpste die ordentliche Gerichtsbarkeit aus. Örtlich ist das Tribunal – wie die übrigen beiden Gerichtshöfe der Weltkirche, die Pönitentiarie und die Apostolische Signatur – im Palazzo della Cancelleria in Rom ansässig. Der mächtige Renaissance-Palast entstand um 1500 als Kardinalswohnsitz und diente später als Amtssitz des Kanzlers, worauf sein heutiger Name verweist. Nach dem II. Vatikanischen Konzil zogen nach und nach Diensteinheiten der Römischen Kurie ein. (rv

Italien: Darf man in einer Basilika zu Mittag essen?

Darf man in einer Basilika ein Mittagessen einnehmen? Diese Frage tauchte nun im Anschluss an die eintägige Reise des Papstes am Sonntag in Bologna auf. Franziskus aß zusammen mit Flüchtlingen, Bedürftigen und Gefängnisinsassen in der Heilig-Petronius-Basilika der norditalienischen Kirche. In den sozialen Kommunikationsmitteln wie Facebook sorgten die Bilder für Diskussionen. Kritiker werfen den Organisatoren vor, man habe mit dieser Geste die „Heiligkeit des Raumes“ missachtet. Papst Franziskus selber betonte kurz vor dem Mittagessen am Sonntag, dass die Kirche allen gehöre und insbesondere den Armen.

Gemäß dem Kirchenrecht (CIC) ist in Kirchenräumen nur jenes zugelassen, „was der Ausübung oder Förderung von Gottesdienst, Frömmigkeit und Gottesverehrung dient, und ist das verboten, was mit der Heiligkeit des Ortes unvereinbar ist“. Im selben Kanon 1210 heißt es auch: „Der Ordinarius kann aber im Einzelfall einen anderen, der Heiligkeit des Ortes jedoch nicht entgegenstehenden Gebrauch gestatten.“ Wie steht es nun, mit der Mahlzeit für Arme in einer Kirche? Das haben unsere italienischen Kollegen dem Leiter der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“ und Franziskus-Kenner, Pater Antonio Spadaro, gefragt:

„Die Heiligkeit des Ortes wird auf keiner Weise durch die karitative Handlung angegriffen. Das gilt vor allem in einer geordneten Situation, wie es am Sonntag geschehen ist. Ich denke deshalb, dass die Geste des Papstes, die von anderen Priester bisher auch in Rom oft gemacht wurde, ein sehr starkes Zeichen ist, der die Zuneigung zu Gott noch verstärkt. … Es ist ein paradox, das Gegenteil zu behaupten. Der grundlegende Sinn des Christentums ist doch die karitative Handlung. Die Tatsache, dass Papst Franziskus im inneren des Kirchgebäudes gegessen hat ist die höchste Handlung der barmherzigen Liebe und somit ein grundlegendes Prinzip des Christentums. Ich würde sogar sagen, dass diese Geste den Einsatz der Kirche am Dienst an den Nächsten unterstreicht.“

Was in Bologna geschehen sei, könne man auch als „Verbindung“ zwischen dem eucharistischen Mahl und dem Mahl für die Armen betrachten. Kritisiert wurde in den Kommentaren, dass die Eucharistiefeier keine „Essensfeier“ sei. Dazu Spadaro:

„Der Herr hat doch gerade dieses Bild des Mahles am Tisch für die Eucharistie ausgewählt. Deshalb finde ich es sehr schön, dass das Brot miteinander geteilt wird und schenkt doch der Eucharistiefeier sogar noch mehr Güte.“ (rv)

Parolin: „Größter Einsatz bei Pädophilieermittlungen”

Der Heilige Stuhl wird mit aller Kraft an der Aufklärung und Verfolgung eventueller pädophiler Straftaten durch ein Mitglied seines diplomatischen Dienstes arbeiten. Das versprach Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Rande des internationalen Kongresses zum Kinderschutz im Internet, den er an diesem Dienstag mit einer Ansprache an der römischen Universität Gregoriana eröffnete.

„Ich kann nur sagen, dass es sich um eine sehr schmerzliche Angelegenheit und eine schwere Prüfung für alle handelt, die davon betroffen sind“, sagte die Nummer Zwei des Heiligen Stuhls gegenüber Radio Vatikan. „Wir behandeln den Fall mit der größten Ernsthaftigkeit, dem größten Einsatz und der größten Aufmerksamkeit. Alles unterliegt der Verschwiegenheit, gerade um die Ermittlungen und damit die Wahrheit und die Gerechtigkeit zu schützen, die, wie in allen Fällen, die vor Gericht verhandelt werden, auch in diesem Fall ermittelt werden müssen.“

Der betreffende Diplomat wurde aus der Nuntiatur in Washington abgezogen, nachdem amerikanische Behörden Ermittlungen wegen des Besitzes von pädopornographischem Material gegen ihn aufgenommen hatten. Mittlerweile hat auch Kanada eine Anfrage zur Ermittlungsaufnahme an die Vatikangerichtsbarkeit gestellt. Das Land wirft dem Geistlichen das Hochladen von pädopornographischem Material über ein soziales Netzwerk im Jahr 2016 vor. Einen zeitlichen Rahmen für die Gerichtsverhandlungen konnte der Kardinal nicht nennen.

In seiner Eröffnungsansprache des Kongresses betonte Parolin, die Kirche wolle die Erfahrungen teilen, die sie bei der Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger in ihren eigenen Reihen gemacht habe, auf dass diese „einem größeren Gut nutzen“ mögen. Alle Teile der Gesellschaft, darunter auch „Firmen, die die Entwicklungen in der digitalen Welt fördern und vorantreiben“, stünden in der Verantwortung, „gefährdete Kinder vor Formen von sexuellem Missbrauch im Internet“ zu schützen.

„Ich bin sehr froh, hier zu sein“, erklärte Parolin gegenüber Radio Vatikan, „wegen der Wichtigkeit des Themas und der hochrangigen Präsenz aus verschiedenen Sektoren, aus Gesellschaft, Politik und Kirche. Es scheint mir, dass der Wert dieses Treffens darin liegt, „Best-Practice“-Beispiele zusammenzutragen, um dieses Phänomen anzugehen, das sich immer mehr ausbreitet und immer schlimmer wird.“

Themen der dreitägigen Konferenz werden unter anderem der Kampf gegen Mobbing, Erpressung und sexueller Missbrauch von Minderjährigen im Internet sein, genauso wie die Entwicklung von länderübergreifenden Strategien, um diese Phänomene weltweit einzudämmen. Am Ende der Konferenz sollen in einer Audienz die Ergebnisse Papst Franziskus präsentiert werden. (rv)