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Kirchengeschichte bei VH

Archiv für Mai, 2017

Papst betet mit Charismatischer Erneuerung im Circus Maximus zur 50-Jahr-Feier

Mittwoch 31. Mai 2017 von VH

VATIKAN – 50 Jahre alt wird die „Charismatische Erneuerung“ in diesem Jahr, und tausende Gläubige aus aller Welt werden dies am kommenden Samstag im Circus Maximus in Rom durch ein Gebet feiern – geleitet von Papst Franziskus.

Die „Charismatische Erneuerung“ (CE) ist eine katholische Gemeinschaft, die 1967 in den USA gegründet wurde.

30.000 Personen werden in diesen Tagen nach Rom kommen – darunter 600 Priester und 50 Bischöfe. Sie kommen aus 130 verschiedenen Ländern. Sie kommen, um das 50-jährige Jubiläum einer Bewegung zu feiern, die geboren wurde aus der Erfahrung der Ausgießung des Heiligen Geistes, die einige Studenten der Universität von Duquesne in den Vereinigten Staaten gemacht haben und die sich dann sehr schnell ausgebreitet hat.

Päpstlich anerkannte Organisationen

Papst Franziskus hat dieses Jubiläum sehr gewollt. Er hat es während der Versammlung des Rinnovamento nello Spirito (Erneuerung im Geist) am 1. Juni 2014 im Olympiastadion einberufen. Seither haben sich viele Dinge verändert. Man hat mit einer Bewegung der Einheit innerhalb der katholischen charismatischen Bewegungen begonnen. Es gibt zwei päpstlich anerkannte Organisationen: Die International Charismatic Renewal Services unter Leitung von Michelle Moran und die Catholic Fraternity, geleitet von Gilberto Gomes Barbosa.

Die beiden Organisationen haben ein einziges Büro auf dem Platz San Callisto, in der Hoffnung, dass es zu einer tatsächlichen Einheit kommt.

Das vorrangige Ziel des Jubiläums ist es, den sogenannten „geistlichen Ökumenismus“ zu stärken. Das bedeutet, über lehramtliche Fragen hinauszugehen und vor allem die Einheit zu erfahren, die der Heilige Geist schenkt. Salvatore Martinez, Präsident des Rinnovamento nello Spirito, betont, dass durch dieses Ereignis „der geistliche Ökumenismus Platz im Herzen des Papstes findet.“

Martinez sieht es als ein Ereignis der Hoffnung an, weil es nicht nur „zehntausende Katholiken betrifft, die von der Gnade berührt werden, sondern auch das geistliche Erwachen, das man in der evangelischen Tradition und in den orthodoxen Schwesterkirchen erfahren hat.“

Es ist schwierig zu sagen, wie viele Vertreter aus der evangelischen Welt kommen werden, erklärt Michelle Moran. Man hat 300 evangelische Oberhäupter eingeladen und während der Gebetswache wird es einen Dialog geben zwischen Pastor Giovanni Traettino, einem Freund des Papstes, den er in seiner Gemeinde in Caserta im Jahr 2014 besucht hat, und Pater Raniero Cantalamessa, dem offiziellen Prediger des päpstlichen Hauses.

Franziskus und die Evangelicals

Papst Franziskus hatte Traettino 2006 in Buenos Aires bei einer Diskussion kennengelernt und seither ist der Dialog nie abgebrochen. Ein Dialog, den der Papst mit vielen Vertretern der „Evangelicals“ unterhält. Man denke nur an das Jahr 2014, in dem der Papst nicht nur die Gemeinde von Pastor Traettino besucht, sondern auch am 1. Juni im Olympiastadion an der Versammlung des Rinnovamento dello Spirito teilgenommen hatte.

Ebenso hatte er am 4. Juni im Haus Santa Marta privat eine Delegation von Evangelicals getroffen, zu der auch der TV-Prediger Joel Osteen, Pastor Tim Timmons und Gayle D. Beebe, der Präsident des Evangelical Westmont College gehörten. Am 24. Juni hatte er unter anderem die Pastoren James Robinson, James Copeland und Anthony Palmer empfangen, Letzterer ein guter Freund des Papstes der dann bei einem Motorradunfall ums Leben kam.

Diese Begegnungen in Santa Marta gehen weiter, heißt es, auch wenn sie zum Bereich der privaten Treffen des Heiligen Vaters gehören und nicht angekündigt werden.

Aus ihnen entspringt auch der Wunsch des Papstes, alle im Circus Maximus zu diesem Treffen zu versammeln.

„Jubiläum der Einheit und Liebe“

Es handelt sich – so Martinez – um ein „Jubiläum der Gemeinschaft, der Einheit und der Liebe.“ Was diesen letzten Aspekt angeht, kann man noch anfügen, dass ein Teil des Circus Maximus für die Obdachlosen zur Verfügung gestellt wird, die in der Nähe des Petersdoms von einer charismatischen Gemeinschaft betreut werden.

Wie wird des Triduum zu Pfingsten ablaufen? Michelle Moran erklärt: Am Mittwoch werden wir an der Generalaudienz teilnehmen. Jeden Tag wird eine Heilige Messe in einer der großen Basiliken gefeiert werden. Am Mittwoch in Santa Maria Maggiore, am Donnerstag in der Lateranbasilika, dazu noch zwei weitere große Veranstaltungen, am Freitag ein gemeinsamer Moment im Circus Maximus in Erwartung des Papstes, der am Samstag Abend zur Gebetswache kommen wird.

Man hofft, dass dies ein bedeutsamer Moment geistlicher Ökumene werde, der Früchte bringe für einen vollen Ökumenismus, der auch den Bereich des Lehramtes beinhalte. Michelle Moran erläutert, dass das Treffen im Circus Maximus vor allem dazu dienen soll „die Gemeinschaft zu bezeugen, die uns verbindet. Wir werden nicht über Doktrin reden.“ Gilberto Barbosa beklagt, dass „der Ökumenismus noch weit davon entfernt ist, Wirklichkeit zu werden“, aber damit er geschehe bedeute nicht, dass man „einander indoktrinieren“ müsse. Martinez hebt hervor, dass auch der Papst den „Wert des geistlichen Ökumenismus“ betont hatte, in einem Moment, in dem „viele Formen von Ökumenismus müde geworden sind.“ Die Sache der charismatischen Bewegung ist „eine Antwort von unten, die die Konflikte überwindet, die es immer noch gibt und davon muss man Erfahrung machen – mehr als Tagungen.“

Martinez schließt:

„Hier wird es den G50 geben, weit mehr als der G7. Es sind viel mehr als sieben Nationen, es gibt viel mehr Freude und viel mehr Weitergabe der Freude an die Menschen.“

(CNA Deutsch)

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Kongress zu Kinderschutz im Internet

Mittwoch 31. Mai 2017 von VH

Mehr als ein Viertel aller Internetnutzer weltweit sind Kinder – und oft sind sie im Netz Cyber-Bullying oder sexueller Erpressung ausgesetzt. Dagegen will das Kinderschutz-Zentrum an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom etwas tun. Vom 3. bis 6. Oktober richtet das vom deutschen Jesuiten Hans Zollner geleitete Zentrum in Rom einen internationalen Kongress zum Thema sexueller Kindesmissbrauch im Internet aus.

140 Experten und Entscheider aus der ganzen Welt sollen über die „Würde des Kindes in der digitalen Welt“ debattieren; auch religiöse Verantwortliche sind eingeladen. Partner des Kinderschutz-Zentrums ist die „WePROTECT Global Alliance“. Zollner spricht von einer „einzigartigen Plattform für einen intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch“.

Am letzten Tag des Kongresses soll eine Erklärung zum Kinderschutz in der digitalen Sphäre vorgestellt werden. Auch eine Audienz beim Papst ist geplant. (rv)

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Forderung nach Entschuldigung: Papst lässt sich von Trudeau nicht unter Druck setzen

Dienstag 30. Mai 2017 von VH

VATIKAN – Papst Franziskus hat am heutigen Montag den kanadischen Premier, Justin Trudeau, zu einer Privataudienz empfangen. Dieser lud Franziskus ein, nach Kanada zu kommen, um sich persönlich für die Rolle der Kirche im Umgang mit indigenen Kanadiern zu entschuldigen.

Es war nicht der erste Vatikan-Besuch von Trudeau: Im Jahr 1984 begleitete der damals noch kleine Justin seinen Vater, den damaligen Premierminister, Pierre Trudeau. Dieser traf auf den heiligen Papst Johannes Paul II.

Beim 36 Minuten dauernden heutigen Treffen zwischen dem mittlerweile 40 Jahre alten Sohn mit Franziskus freilich waren nicht nur die Zeiten andere. Welche Agenda der kanadische Politiker, begleitet von Gattin Sophie Gregoire-Trudeau, dabei hatte, teilte sein Sprecher, Cameron Ahmad, mit: Die Forderung nach einer Entschuldigung der Kirche, über die bereits im Vorfeld versucht worden war, mit viel Berichterstattung Stimmung zu schüren.

Verpackt wurde diese Forderung in eine Einladung nach Kanada.

Dabei geht es um ein Kapitel der kanadischen Geschichte, bei dem auch die Kirche eine Rolle spielte.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden 150.000 indigene Kinder gezwungen, in staatlichen Schulen – residential schools – ein Programm der „Inkulturation“ zu durchlaufen. Etwa 6.000 Ureinwohner-Kinder starben in den Schulen.

Diese Einrichtungen – wie das gesamte Programm – wurde vom kanadischen Staat verantwortet; doch waren einige der Schulen in kirchlicher Trägerschaft.

Als die Truth and Reconciliation Commission einen 94-Punkte-Plan vorlegte zur Versöhnung und Aufarbeitung, war einer der 94 eine Entschuldigung der Kirche.

Im Jahr 2009 entschuldigte sich bereits Papst Benedikt XVI. für die Rolle der Kirche in einem Treffen mit Phil Fontaine, dem Leiter der National Assembly.

Druck auf den Papst

Mehrere Vatikanisten haben darauf verwiesen, wie ungewöhnlich es ist, die Gesprächsinhalte des eigentlich privaten Treffens eines Staatsoberhauptes mit dem Papst so zu thematisieren – sogar im Vorfeld.

Im Falle Trudeaus liegt dies möglicherweise am Druck, unter dem der Politiker im Heimatland steht. Doch Franziskus lasse sich offenbar nicht unter Druck setzen, kommentierte Vatikanist Christoph Lamb von „The Tablet“; obwohl er, wie schon Benedikt, durchaus in manchen Fällen bereit sei, sich für die Rolle der Kirche zu entschuldigen.

Das kurze Communiqué des Heiligen Stuhls zum heutigen Treffen beschreibt den Sachverhalt als „Themen der Integration und Versöhnung mit den Ureinwohnern Kanadas“.

Das Treffen sei herzlich verlaufen, so das Presse-Amt. Die positiven bilateralen Beziehungen beider Länder sowie „die Beiträge der Katholischen Kirche zum gesellschaftlichen Leben des Landes“ hätten die beiden besprochen.

Danach, „vor dem Hintergrund der Ergebnisse des G7-Gipfels“, hätten Papst und Premier auch über den Nahen Osten gesprochen, sowie andere internationale Fragen.

Der Papst schenkte zum Abschluss des Besuchs dem kanadischen Premier fast das gleiche wie dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump vor einigen Tagen: Neben einer Medaille zum Gedenken des vierten Jahres seines Pontifikates die Enzyklika Laudato Si, die Exhortationen Evangelii Gaudium und Amoris Laetitia, sowie eine handsignierte Kopie seiner Botschaft zum Weltfriedenstag.

Im Gegenzug schenkte der Premier dem Papst eine seltene, sechsbändige Ausgabe der Relations de Jesuits du Canada – das Werk dokumentiert Berichte aus den kanadische Territorien von Jesuiten. (CNA Deutsch)

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Warnung: „Islamischer Staat will Christen aus Ägypten vertreiben – wie im Irak und Syrien“

Montag 29. Mai 2017 von VH

KAIRO -Nach dem Terroranschlag am Freitag, dem 26. Mai, bei dem 29 koptischen Christen getötet wurden, hat der Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten, Pater Rafic Greiche, erklärt, dass der Islamische Staat beabsichtige, die Christen des Landes zu vertreiben, wie es auch schon im Irak passiert sei.

„Die Terroristen haben sich als langfristiges Ziel gesetzt, die Christen aus Ägypten zu vertreiben, so wie sie es im Irak getan haben, in dem der IS als erstes nach der Einnahme Mossuls alle Christen vertrieben hatte“, sagte der Priester am 27. Mai zur vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“ .

Die gleiche Situation, beklagte er, gab es zuvor in Syrien und im Sudan. „Und jetzt versuchen sie es in Ägypten, wo die erste christliche Gemeinde des Mittleren Ostens lebt und auch die größte islamische Gemeinde der arabischen Welt“, warnte er.

„Ich glaube ferner, dass die Terroristen versuchen, die ägyptische Bevölkerung zu spalten und Zwietracht zwischen Christen und Muslimen zu säen. Bislang hatten sie keinen Erfolg damit und in der Tat ist die Bevölkerung geeint in der Ablehnung von Gewalt“.

Über den Auslöser des Angriffs auf koptische Christen am 26. Mai, der von einem Dutzend Dschihadisten in der Stadt al-Minya (in Mittelägypten) verübt worden war, sagt Pater Greiche, er könnte „eine Antwort auf die Rede des ägyptischen Präsident Abd al-Fattah as-Sisi sein, die er auf der Konferenz der USA und der arabischen islamischen Welt letzte Woche in Saudi-Arabien gehalten hatte.“

„Es war eine sehr heftige und ehrliche Rede gegen den Fundamentalismus und Radikalismus gewesen“, erklärte er.

Laut Angaben der lokalen Presse endete am Sonntag, dem 21. Mai, der Gipfel des Golf-Kooperationsrates und des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit der Unterzeichnung eines entsprechenden Dokumentes, das von „55 Oberhäuptern und Vertretern der arabischen und islamischen Länder sowie den Vereinigten Staaten“ approbiert worden war und das von den Medien als „Wendepunkt in den Beziehungen“ qualifiziert wurde.

„Man muss den gemäßigten religiösen Dialog fördern, nicht nur in Ägypten, sondern auch in Europa. In den europäischen Moscheen gibt es Imame, die radikale und aufrührerische Reden halten“, betonte er.

„Sie können uns außerdem dabei helfen, dass unsere Bevölkerung eine bessere Erziehung zukommt“, so der Priester. (CNA Deutsch)

 

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Papst ernennt neuen Generalvikar für Rom

Samstag 27. Mai 2017 von VH

Nachfolge innerhalb des Bistums Rom: Einer seiner Weihbischöfe löst Kardinal Agostino Vallini als Generalvikar des Papstes für das Bistum Rom ab. Papst Franziskus berief Angelo De Donatis an die Spitze seines Bistums und erhob ihn zugleich in den Stand des Erzbischofs, wie der Vatikan am Freitag mitteilte. Der gebürtige Süditaliener De Donatis ist 63 Jahre alt und hatte 2014 auf Einladung von Franziskus die Fastenexerzitien für Papst und Kurie geleitet; zu dem Zeitpunkt war er Pfarrer in der römischen Kirche San Marco Evangelista am Kapitol gewesen. Weihbischof in Rom wurde er im Jahr darauf.

Kardinal Agostino Vallini ist 77 Jahre alt, seinen Rücktritt nahm Papst Franziskus ebenfalls am Freitag an. Für seine Nachfolge waren die katholischen Gläubigen Roms aufgerufen gewesen, ihre Vorschläge einzubringen.

Rom ist das Bistum des Papstes. Die Führung der Amtsgeschäfte im Bistum ist allerdings weitgehend an den Kardinalvikar delegiert, dessen Amtsbezeichnung „Generalvikar Seiner Heiligkeit für das Bistum Rom“ lautet. (rv)

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Die Kraft der Stille: Kardinal Sarah stellt sein neues Buch in deutscher Sprache vor

Donnerstag 25. Mai 2017 von VH

ROM – Sein neues Buch hat in französischer und englischer Sprache bereits Furore gemacht – nun liegt das Werk von Kardinal Robert Sarah über die Kraft der Stille auf Deutsch vor.

Die beim Fe-Medienverlag verlegte deutsche Fassung wurde am heutigen Mittwoch in Rom vorgestellt. CNA Deutsch dokumentiert den Wortlaut der Rede des Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, übersetzt aus dem Italienischen von Paul Badde.

Sehr geehrte Damen und Herren

Eminenzen, Exzellenzen,

zuerst einmal muss ich mich heute Abend bedanken. Ich danke jedem der hier Anwesenden. Mit Ihrer zahlreichen Anwesenheit zeigen Sie, dass die Stille kein Thema der Vergangenheit, sondern dass sie auch heute von wesentlicher Bedeutung ist. Mit Ihrer Anwesenheit bestätigen Sie schon, dass die Stille nicht nur das mönchische Leben betrifft, sondern dass auch wir die Stille nötig haben. Sehr herzlich danke ich seiner Exzellenz Monsignore Georg Gänswein und bitte ihn, meine dankbaren und ehrerbietigen Grüße an Seine Heiligkeit Benedikt XVI zu übermitteln, der mich so großzügig mit seiner Nähe und moralischen Unterstützung ehrt.

Ich danke dem päpstlichen Institut der Santa Maria dell’Anima, und besonders seinem Rektor, Monsignore Brandmayr, der diesen Raum anbietet, um das Buch der Öffentlichkeit vorzustellen.

Ich danke schließlich dem FE-Medienverlag und besonders seinem Herausgeber Bernhard Müller, der die Last der Veröffentlichung des Buches der „Kraft der Stille“ in deutscher Sprache übernommen hat, das wir heute in den Händen halten.

Die deutsche Ausgabe meines ersten Buches „Gott oder Nichts“ hat eine sehr schöne Aufnahme erfahren. Ich hoffe, dass die deutsche Öffentlichkeit auch jetzt wieder die Überlegungen, die ich hier in der „Kraft der Stille“ anbiete, schätzen wird. Tatsächlich ist die Stille ein universales Thema, durch das jene Horizonte aufgerissen werden, die uns erlauben, in die Wahrheit unseres Lebens einzutreten.

Dieses Buch ist dem Leben entwachsen. Es verdankt sich meiner persönlicher Erfahrung und der Erfahrung mir teurer Personen, die ich kennenlernen durfte und die in der Stille und durch ihre Stille reiche Früchte der Heiligkeit und Güte hervorgebracht haben. Ich denke dabei besonders an den Bruder Vincent-Marie de la Résurrection, einen Kanoniker der Abtei Sainte Marie di Lagrasse, den ich 2014 kennenlernen durfte. Er litt unter Multipler Sklerose, die ihn 2016 mit 37 Jahren sterben ließ. Bruder Vincent konnte nicht sprechen. Doch zwischen uns entstand eine wundervolle spirituelle Beziehung, nicht durch Worte, sondern durch Blicke, durch die Stille, und durch das Gebet, an dem Bruder Vincent nur durch die Bewegung seiner Lippen teilnahm.

Diese menschliche und mystische Dimension der Stille hat mir Bruder Vincent in ganz besonderer Weise erschlossen. Ich kann also sagen, dass das Buch, das hier heute vorgestellt wird, der Kammer eines Kranken entwachsen ist, eines jungen Ordensmannes, der den Himmel in einem Körper erwartete, der immer stärker vom Leid gezeichnet war, der aber auch – wie ich sagen möchte – leuchtete, weil in ihm schon das Licht der Auferstehung durchschien.

Für mich ist die Stille aber auch Teil einer persönlichen Erfahrung der ersten Jahre meines Bischofsdienstes in Conakry in Guinea, als ich sehr isoliert und kontrolliert lebte, unter jenen bekannten politischen Umständen, die ich schon in meinem ersten Buch beschrieben habe. Die äußere Isolation öffnete mir damals – als ein großes Geschenk Gottes – aber auch jene inneren Räume, in die Gott eintritt und wohnt und spricht und tröstet.

Es sind diese Erfahrungen, die auch heute helfen, zu einer tieferen Unterscheidung dessen zu gelangen, was uns jetzt umgibt – in einer kulturellen Umwelt, die fast systematisch vermeidet, mit sich selbst allein zu sein und nach innen zu schauen. Der Lärm, das Geschwätz, und die neuen Technologien, die dieses Getöse transportieren, verdecken die Leere eines neuen Menschen, der kaum mehr weiß, wofür er leben soll.

Noch schmerzhafter ist es aber für mich, festzustellen, wie diese Oberflächlichkeit und Gottlosigkeit und Verachtung der menschlichen Person inzwischen auch in die Kirche eingedrungen ist. Ich kann nicht leugnen, dass sich dieses Buch also auch meinen Erfahrungen als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung verdankt. Denn ich muss sagen, dass die Liturgie jene Dimension im Leben der Kirche ist, die wohl am meisten leidet unter dieser entwertenden Verweltlichung, die auch in die Kirche eingedrungen ist. Das muss ich erklären.

Es ist kein Geheimnis – und dies sage ich mit großem Schmerz – dass unsere moderne Welt auf eine Weise lebt, als würde es Gott nicht geben. Das sollten wir nicht nur als intellektuelles Gedankenspiel verstehen. Diese Entfremdung ist ein Faktum und eine reale Erfahrung. Es ist das tägliche Leben von Millionen Menschen, das ganz konkret gekennzeichnet ist von einer Leere, die von der Abwesenheit Gottes herrührt. Aber wenn Gott fehlt, muss der Mensch verzweifelt nach etwas suchen, das ihm einen Zugang zum Absoluten verspricht, und er muss dabei leider gleichzeitig feststellen, dass nichts, was einfach nur menschlich ist, sein Herz vollkommen ausfüllen kann.

Es ist aber problematisch, dass wir nur menschliche Lösungen suchen als Antwort nach unserer Bestimmung.

Angesichts unleugbarer großer Probleme versteifen wir uns auf die Suche nach menschlichen Mitteln, anstatt unser Herz zu Gott zu erheben. Manchmal habe ich den Eindruck, dass diese Verweltlichung in die Kirche eingedrungen ist, um auch unseren Glauben auf ein menschliches Maß zu reduzieren. Anstatt den Menschen für die Initiative Gottes zu öffnen, der immer unerwartet, sprengend und befreiend ist, denken viele, dass der Mensch von heute besser glauben könne, wenn wir ihm einen Glauben nach menschlichem Maß vorschlagen, der nicht mehr in der Tiefe der Offenbarung durch Christus wurzelt und in der Überlieferung der Kirche, sondern in den Ansprüchen und Bedürfnissen des modernen Menschen, und den Begrenzungen seiner Möglichkeiten.

Diese Verweltlichung drückt sich auch in der Liturgie aus. Das II. Vatikanische Konzil hat festgelegt, dass die Liturgie Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens ist.

Ich würde noch mehr sagen. Die Liturgie ist der Hochzeitsraum, wo sich Gott in einem Akt vollkommener Liebe Seiner Kirche hingibt und wo der Christ in vollkommener Gemeinschaft von Leib und Seele seinem Herrn begegnet. Und genau in dieser Wesensmitte der Liturgie, als empfindlichstem Punkt im Leben der Kirche, ist eine Verkürzung des Glaubens nach allein menschlichem Maß und Gutdünken in seiner ganzen Schwere zu erfahren, sei es in den Worten oder den Gesten. Wie in dem Buch dargestellt, hören wir fast nie mehr, wie in unseren Predigten über den Glauben, das ewige Leben, die Gemeinschaft mit der Person Christi, der Sünde als Bruch und Rebellion gegen Gott gesprochen wird.

Und wird nicht versucht, auch alle jene Gesten auszulöschen, die dem modernen „unverständlich“ scheinen, um sie durch einen Wortschwall zu ersetzen, die unsere Eucharistiefeiern immer mehr in große Happenings umwandeln, in deren Mittelpunkt der in sich eingeschlossene Mensch mit seinen Problemen steht und seinem eigenen Urteilsvermögen, diese Probleme zu lösen? Ist dies aber nicht eher nur noch eine menschliche Feier – als ein wahrer Gottesdienst und ein Fest der Kirche?

Es ist diese offensichtliche Abwesenheit Gottes auch in der Liturgie – wenn Sie mir die Beobachtung erlauben – von der sich mein Buch über die Stille herleitet, um Gott hier wieder an die erste Stelle zu setzen.

Es dreht sich dabei freilich nicht um eine Stille um der Stille willen, sondern um eine Stille, in der Gott wieder reden und gehört werden kann. Der Primat Gottes, Gott in unserer Mitte, die Anbetung Gottes und das Opfer des Menschen bilden Herz und Wesen christlicher Liturgie. Das Konzil hat uns ein großes Erbe hinterlassen, besonders in der Konstitution über die Liturgie und den Auftrag zur liturgischen Erneuerung: das ist die Heiligung jedes Getauften. Diesen Aspekt gilt es wieder zu entdecken. Diese Heiligung geschieht wesentlich im Moment der Begegnung mit Ihm in der Liturgie, wenn wir rufen: Heilig, heilig, heilig!

Aber wie können wir Ihm begegnen, wenn wir voll mit uns selbst sind, ohne jeden Raum für Ihn? Wie können wir uns erfüllen lassen von Seiner göttlichen Gegenwart, von Seinem Wort des Lebens, von Seiner trostvollen Botschaft von Tod und Auferstehung, wenn wir voll sind mit Worten, Tönen und absolut weltlichen Nachrichten? Diese Überlegung gilt für jeden einzelnen Gläubigen, aber auch für die ganze Gemeinde, wenn sie feiert: Wenn wir selber im Zentrum der Feier stehen, wie kann da die Gemeinde das Wirken des Heiligen Geistes erfahren, der sie belebt?

Die Herausforderung der Stille ist eine große Aufgabe, weil sie uns an den Sinn der menschlichen Existenz hinführt, an das Verhältnis des Menschen zu Gott, oder noch besser: an die Beziehung Gottes zum Menschen.

Ich kehre im Geist zurück zu einem Vers der Bibel, der uns vielleicht hilft, die Augen für die göttliche Perspektive des Glaubens zu öffnen. „Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,“ lesen wir im Buch der Weisheit, Kapitel 18, Vers 14 – 15, „da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land.“

Wenn die Schöpfung sich in Schweigen hüllt, lässt Gott seine Stimme hören. Das ist die Stimme und das Fleisch gewordene Wort. Es ist Jesus Christus, das Wort, und es ist wirklich das Geheimnis der Menschwerdung, das Licht in die Beziehung zwischen Gott und den Menschen bringt. Und es ist dieses Licht, das den Sinn der Liturgie erhellt. Das ist der Einbruch des Göttlichen in das menschliche Dasein. Es ist ein Einfall des Lichts auf uns, der all unsere Schatten erleuchtet.

Wie ich sagte, genügt die Stille sich nicht selbst. Aber sie ist eine notwendige Bedingung: die Stille schafft jenes Klima, das die Wahrnehmung der Menschwerdung Gottes ermöglicht. Ich möchte noch darüber hinaus gehen.

Wie Benedikt XVI. es in seinem Geleitwort sagt, ist Jesus Stille und Wort, und so ist auch die Kirche Stille und Wort, die sich gegenseitig befruchten. Auf diese Weise bringen sie mindestens zwei Überlegungen hervor, die ich hinsichtlich der Liturgie vorstellen will. In Anbetracht der Natur der Menschwerdung, das heißt angesichts der Tatsache, dass Gott Mensch geworden ist und das Göttliche das Menschliche angenommen hat und der Ewige das Zeitliche – und nicht umgekehrt – bekräftige ich, dass dies nicht so ist, um das Menschliche zu erniedrigen und die Würde des Menschen zu verkleinern. Denn Gott selbst hat sich in seiner Menschwerdung doch vor dem Menschen verneigt! Dabei müssen wir aber doch einen klaren Blick darauf werfen, dass die erste Initiative von Gott her kommt. Denn der Mensch kann ja aus sich selbst nicht zum Himmel empor steigen.

Diese Logik der Fleischwerdung gilt genauso aber auch für die Liturgie, die ein Werk Gottes ist, ein opus divinum, nur in menschlichen Ausdruck gekleidet. Auf zwei Überlegungen möchte ich deshalb am Schluss mein Augenmerk richten, die sich – unter anderen – in dem Buch finden, das wir heute hier vorstellen.

1. Die Frage nach der Inkulturation ist zuerst keine Frage, wie wir die Liturgie afrikanischer oder asiatischer machen können, oder dem Brauch der australischen Ureinwohner anpassen. Das Göttliche bricht in das Menschliche ein, nicht um das Menschliche zu entfesseln, sondern um es zu öffnen, zu reinigen, zu befreien, zu verwandeln und zu vergöttlichen. Ich habe zu oft den Eindruck, dass wir uns mehr damit beschäftigen, wie wir die Liturgie „anpassen“ können statt ihren ganzen Reichtum anzubieten. Es ist offensichtlich, dass sich die Liturgie an die konkrete Person wenden und Formen finden muss, um die konkrete Person anzusprechen, so wie Gott Mensch geworden ist, um mit uns zu sprechen, aber nicht, um das Göttliche zu reduzieren, dass wir es „kapieren“ können, sondern vor allem um den Menschen für das Heil zu öffnen, das Gott anbieten will. Wir dürfen das Göttliche nicht in unsere menschlichen Kategorien einsperren. Es ist bezeichnend, dass die frühe Christenheit – bevor sie verschiedene Formen heidnischer Opferfeiern aufnahm – in ihrer ersten Begegnung mit der heidnischen Kultur denen, die Christen wurden, zuerst ihren eigenen liturgischen Reichtum weitergab, der zum großen Teil ein für die Heiden fremdes Erbe der jüdischen Offenbarung war.

2. Eine zweite Überlegung betrifft die Ehrfurcht vor Gott. Die Heilige Schrift ist voll mit Hinweisen auf die so genannte „Gottesfurcht“. Der Anfang der Weisheit ist die Furcht Gottes, heißt es da: initium sapientiae timor Domini. Die Furcht Gottes ist eine der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Diese Furcht ist keine Angst. Denn es ist, wie der heilige Johannes sagt: „Die Liebe vertreibt jede Angst“. Aber die Gottesfurcht ist Respekt und kindliche Verehrung. Respekt und Ehrfurcht vor den Dingen Gottes, der immer viel größer ist als der Mensch. Er ist der Schöpfer, wir sind Teil seiner Schöpfung. Die intime Nähe zu Gott hebt den Respekt vor ihm nicht auf. Die Würde unserer Haltung in der Liturgie, die Bereitstellung der liturgischen Geräte, das Verhalten innerhalb des Tempels Gottes sind ein Ausdruck dessen, dass wir über Gott nicht zu verfügen haben. Das Zitat aus dem Buch der Weisheit, das Sie vorhin gehört haben, zeigt an, dass die Äußerungen Gottes wie ein scharfes Schwert sind. Es ist das gleiche Bild, das der Brief an die Hebräer benutzt, wo es heißt: „Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens“. – Wenn es keine Ehrfurcht vor Gott gibt, können wir auch sein heilendes Wort nicht ernst nehmen, das uns in Frage stellt und erleuchtet.

Die Stille ist ein inneres Klima, eine innere Haltung, die innere Bereitschaft, die all das erlaubt, was das Wort der Kirche fruchtbar werden lässt. An eine Kirche, die es wagt zu verarmen, weil sie sich ganz allein dem menschlichen Urteil anheim stellt, erlaube ich mir in aller Bescheidenheit auf die Straße der Stille hinzuweisen, weil jeder Gläubige, aber auch jede feiernde Gemeinschaft sich der Initiative Gottes hin öffnen soll und der Gnade, die von Ihm allein herkommt.

Zusammenfassend möchte ich danach Ihrer Aufmerksamkeit das außerordentliche Buch A.M. Triaccas mit dem Titel „Heiliger Geist und Liturgie“ empfehlen, wo es an einer Stelle heißt: „Die Stille in der Liturgie ist keine Zeremonie. Es ist vor allem ein Aussetzen jeder Geste, von jedem Wort und jeder Handlung. Es ist keine Pause der Feier, vielmehr ein Eintreten in das Herz der Liturgie. Es ist kein toter Punkt, es ist ein Höhepunkt, der auf den Heiligen Geist hinweist: auf seine Gegenwart, sein Wirken, das uns zur Betrachtung führt. (…) Die liturgische Stille ist ein Ruf, in dem wir uns dem Handeln des Geistes zur Verfügung stellen. Er spricht in der Stille. Um ihn zu hören, braucht es die Stille.“

Ich danke Ihnen, weil jeder an seinem Ort sich diesem Raum der Stille öffnen und ihm etwas hinzufügen kann.

(Aus dem Italienischen von Paul Badde)

(© CNA Deutsch)

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Kardinal Gualtiero Bassetti neuer CEI-Präsident

Donnerstag 25. Mai 2017 von VH

Kardinal Gualtiero Bassetti von Perugia ist der neue Präsident der Italienischen Bischofskonferenz CEI. Das gab der scheidende Vorsitzende, Kardinal Angelo Bagnasco, am Ende der gemeinsamen Messfeier an diesem Mittwochvormittag bekannt. Papst Franziskus hatte Bassetti, der von der italienischen Presse bereits im Vorfeld als der aussichtsreichste Kandidat gehandelt wurde, aus einer Dreierliste ausgewählt. Diese hatten ihm die Bischöfe im Rahmen ihrer derzeit tagenden Vollversammlung auf dessen ausdrücklichen Wunsch vorgelegt. Bassetti, der auch auf besagter Liste an erster Stelle genannt wurde, gilt als Papstvertrauter.

In einer anschließenden Stellungnahme erklärte der Kardinal, er habe „keine vorgefertigten Programme anzubieten“, „denn in meinem Leben habe ich immer ziemlich improvisiert. Ich habe vor, mit allen Bischöfen gemeinsam zu arbeiten, dankbar für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben.“

Bassetti ist Jahrgang 1942 und wurde in der Erzdiözese Florenz ausgebildet. Am 29. Juni 1966 wurde er durch Kardinal Ermenegildo Florit zum Priester geweiht, seit 1992 war er als Generalvikar der Erzdiözese Florenz tätig. 1994 hatte Papst Johannes Paul II. ihn zum Bischof von Massa Marittima-Piombino ernannt. Benedikt XVI. vertraute ihm schließlich 2009 die Erzdiözese Perugia-Città della Pieve an.

Franziskus berief Bassetti 2013 zum Mitglied der Bischofskongregation im Vatikan. Im Februar 2014 erhob der Papst ihn in den Kardinalsstand. Von 2009 bis 2014 war Bassetti bereits Vize-Präsident der Italienischen Bischofskonferenz. Er löst nun mit sofortiger Wirkung Kardinal Angelo Bagnasco von Genua ab, der nach zehn Jahren an der Spitze von Europas größter Bischofskonferenz aus dem Amt scheidet. Sein Amt als Präsident des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) wird Bagnasco weiter ausüben. (rv)

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Schweden: Kleine Kirche mit historischer Kardinalsernennung

Dienstag 23. Mai 2017 von VH

Man kann seine Ernennung zum Kardinal durchaus als historisch bezeichnen: Denn Anders Arborelius wird der erste schwedische Kardinal überhaupt. Wie er bisher auch schon der erste katholische Bischof von Stockholm in der Neuzeit war. Und Konvertiten – Arborelius war zunächst Lutheraner – gab es im Kardinalskollegium auch noch nicht so viele (berühmte Ausnahme: John Henry Newman).

Am Sonntag hatte der Papst bekannt gegeben, dass er fünf neue Kardinäle kreieren wird. Die Katholiken in Schweden stellen nur eine verschwind kleine Minderheit in dem säkularisierten Land; das Bistum Stockholm, das offiziell rund 116.000 Gläubige zählt und dem Arborelius vorsteht, ist für das gesamte Land zuständig. In Schweden leben etwa 9,8 Millionen Menschen. Der 67-jährige Bischof von Stockholm sieht im Gespräch mit Radio Vatikan seine Ernennung auf einer Linie mit der Sorge des Papstes für die katholischen Minderheiten auf der Welt:

„Es ist wirklich ein historisches Ereignis, und ich denke, es ist wirklich typisch für Papst Franziskus, dass er auf die Teile der Welt blickt, die weit weg liegen. Andere neue Kardinäle kommen zum ersten Mal aus Laos und Mali. Er will also diese Minderheiten, diese kleinen Gruppen von Katholiken stärken, die über die ganze Welt verstreut sind. Sie sind in den Augen Gottes und der Kirche wichtig, selbst wenn sie nur kleine Realitäten sind.“

Historisches Ereignis für die Kirche in Schweden

Bis zum Jahr 2000 war die evangelisch-lutherische Kirche Staatskirche; jeder Schwede gehörte ihr mit seiner Geburt automatisch an. Bischof Arborelius selbst trat erst mit 20 Jahren zum katholischen Glauben über, er schloss sich dem Karmeliterorden an. Seit 1998 sitzt er, als erster Schwede seit der Reformation, auf dem Stockholmer Bischofsstuhl. Seine Ernennung, das gab Arborelius zu, sei jedenfalls eine große und freudige Überraschung für ihn und die katholische Kirche Schwedens, die Franziskus im letzten Herbst besucht hat.

„Die Frage ist, was könnte dahinter stecken? Vielleicht hat der Heilige Vater gesehen, dass die katholische Kirche in Schweden eine sehr kleine Minderheit in einer sehr säkularisierten Gesellschaft ist, aber dass wir dennoch eine sehr wichtige Mission hier haben auf verschiedenen Ebenen. Wir waren in der Lage, so viele Flüchtlinge zu integrieren, und wir wissen, dass das für den Heiligen Vater enorm wichtig ist.“

Arborelius gilt als bescheiden

Viele der schwedischen Gemeindemitglieder sind Migranten, unter ihnen besonders Polen, Vietnamesen und Menschen von den Philippinen, die auf Arbeitssuche nach Schweden eingewandert sind. In den vergangenen Jahren hat sich Bischof Arborelius stark in der Flüchtlingsdebatte engagiert. Allerdings, große Gesten sind grundsätzlich nicht seine Sache. Unaufdringlich und hilfsbereit hielt er sich auch beim medial groß begleiteten Papstbesuch in Schweden im Hintergrund und überließ das Feld eher den Lutheranern, die die Anwesenheit des Papstes beim Reformationsgedenken in der Kathedrale von Lund sichtlich genossen.

Doch neben dem Gedenken an 500 Jahre Reformation hat Papst Franziskus die Reise offensichtlich auch dazu genutzt, sich ein Bild von der Situation der katholischen Kirche in dem Land zu machen – und sie mit der Kardinalsernennung nochmals deutlich aufzuwerten. Das sieht auch Bischof Arborelius so:

„Wir haben einen sehr umfangreichen ökumenischen Dialog, mit allen christlichen Kirchen. Also, wir haben vielleicht, als kleine bescheidene Minderheit, der Kirche als Ganzes etwas anzubieten, und wir werden natürlich versuchen, den Heiligen Vater noch mehr als zuvor zu unterstützen.“ (rv)

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Von Stockholm bis San Salvador: Das werden die neuen Kardinäle der Kirche

Montag 22. Mai 2017 von VH

VATIKANSTADT – Papst Franziskus hat am heutigen Sonntag angekündigt, fünf neue Kardinäle der Kirche zu kreieren.

Beim Regina Coeli, dem Mittagsgebet der Osterzeit, gab der Papst den Pilgern auf dem Petersplatz bekannt, er werde am 28. Juni ein Konsistorium abhalten lassen. Dabei werde er fünf neue Kardinäle kreieren, welche die „Katholizität“ der Kirche darstellen sollen, weil sie aus verschiedenen Orten auf der Welt stammen.

1. Erzbischof Jean Zerbo, von Bamako in Mali

2. Erzbischof Juan José Omella von Barcelona in Spanien

3. Bischof Anders Arborelius von Stockholm, Schweden

4. Weihbischof José Gregorio Rosa Chávez, San Salvador, El Salvador

5. Bischof Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun, Apostolischer Vikar von Pakse (Laos) und Apostolischer Administrator von Vientiane in Laos.

Die fünf werden am 29. Juni, dem Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, im Petersdom mit dem Papst die heilige Messe konzelebrieren.

Die Wahl des Papstes ist nicht nur eine globale, sondern auch eine der Peripherien – etwa des kommunistischen Laos und des stark säkularen, protestantisch geprägten Schweden. In beiden Ländern sind Katholiken eine kleine Minderheit.

Hinzu kommt, dass der Papst erneut „typische“ Bistümer für Kardinalstitel übergeht, diesmal sogar zugunsten eines Weihbischofs im Falle San Salvadors – dessen Erzbischof, Jose Luis Escobar Alas, hat Franziskus übergangen.

All fünf Kardinäle sind unter 80 Jahre alt und werden voraussichtlich beim nächsten Konklave den neuen Papst mit wählen können. (CNA Deutsch)

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Papst ernennt fünf neue Kardinäle, zwei davon aus Europa

Sonntag 21. Mai 2017 von VH

Papst Franziskus wird am 28. Juni fünf Kirchenmänner zu Kardinälen machen. Das hat der Papst überraschend nach dem Regina Coeli-Gebet an diesem Sonntag angekündigt. Die fünf stammen aus Mali, Spanien, Schweden, Laos und El Salvador. Es handelt sich um Jean Zerbo, Erzbischof von Bamako, Mali; Juan José Omella, Erzbischof von Barcelona; Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, Louis-Marie Ling Mangkhanekoun, den Apostolischen Vikar von Paksé in Laos sowie um Gregorio Rosa Chavez, Weihbischof im Erzbistum San Salvador.

Nach dem Konsistorium vom 28. Juni werde er mit den neuen Kardinälen sowie mit den im Vorjahr ernannten Metropolitan-Erzbischöfen in Sankt Peter die traditionelle Festmesse zu Ehren der römischen Stadtpatrone Peter und Paul feiern, kündigte der Papst an.

Ernennungen auf der Linie von Papst Franziskus

Die Ernennungen entsprechen der Linie von Papst Franziskus, verdiente Bischöfe aus randständigen Gebieten der katholischen Kirche – wie Mali und Laos – ins Kardinalskollegium aufzunehmen. Bis zum Amtsantritt von Papst Franziskus konnten jeweils die Inhaber von Bischofsstühlen großer Erzdiözesen mit dem Kardinalspurpur rechnen, dies trifft bei den fünf neuen Kardinälen ausschließlich auf den Erzbischof von Barcelona zu.

Besonders überraschend kommt die Erhebung in den Kardinalstand im Fall des Weihbischofs von San Salvador. Zum einen steigen Weihbischöfe selten ins Kardinalskollegium auf, zum anderen ist der Erzbischof der Hauptstadtdiözese, José Luis Escobar Alas, selbst nicht Kardinal. Ebenso ungewöhnlich ist die Erhebung in den Kardinalstand für einen Apostolischen Vikar. Ein Apostolisches Vikariat ist die Vorstufe einer Diözese.

Kardinäle sind die engsten Berater des Papstes. Sie wirken als Mitglieder der vatikanischen Behörden, wo sie an Entscheidungen von weltkirchlicher Bedeutung beteiligt sind. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Wahl des nächsten Papstes.

Franziskus hat in seinen vier Jahren als Papst bisher drei Konsistorien zur Schaffung von Kardinälen abgehalten und dabei 56 Kardinäle kreiert. 13 von ihnen waren bereits über 80 Jahre alt und sind somit bei einem Konklave nicht mehr wahlberechtigt. Die fünf zukünftigen Kardinäle sind zwischen 68 und 75 Jahre alt und somit alle zur Papstwahl zugelassen.

Die zukünftigen Kardinäle in Kurzbiografie

Erzbischof Jean Zerbo (74) steht seit 1998 an der Spitze der Erzdiözese Bamako in der Hauptstadt des überwiegend muslimischen Mali, in dessen Norden in den vergangenen Jahren Islamisten Fuß gefasst haben. Der Erzbischof spielte „eine aktive Rolle bei den Friedensverhandlungen in Mali“, heißt es in seine Kurzbiografie, die der Heilige Stuhl am Sonntag veröffentlichte. Außerdem setze sich Zerbo für Versöhnung und Solidarität in dem westafrikanischen Staat ein und kämpfe gegen sozialen Ausschluss. Nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung Malis sind Katholiken.

Erzbischof Juan José Omella (71) wurde von Papst Franziskus im Dezember 2015 zum Erzbischof von Barcelona ernannt, nachdem er zuvor verschiedene andere Stationen als (Weih-) Bischof durchlaufen hatte. In den 1970er Jahren wirkte er ein Jahr lang als Missionar im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. In der Spanischen Bischofskonferenz leitet Omella die Kommission für Sozialpastoral.

Der Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, ist mit 68 Jahren der jüngste der zukünftigen neuen Kardinäle. Franziskus lernte ihn bei seiner jüngsten Reise nach Lund zum ökumenischen Reformationsgedenken näher kennen. Arborelius konvertierte mit 20 Jahren zur katholischen Kirche und trat zwei Jahre später in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten ein. Als er 1998 die Bischofsweihe für Stockholm empfing, war er der erste schwedische Bischof in Schweden seit der Zeit der Reformation. 2005 bis 2015 wirkte Arborelius als Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, seither als Vizevorsitzender.

Bischof Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun (73) ist aus Laos gebürtiger Apostolischer Vikar von Paksé in seinem Heimatland. Er studierte in Laos und in Kanada, empfing die Priesterweihe 1972, erfand eine Katechistenschule und ein System der Seelsorgebesuche in den abgelegenen Bergdörfern in Laos. Die Katholiken in dem südostasiatischen Land leben in einer extremen Diasporasituation, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 1,5 Prozent, es besteht eine Situation der Unterdrückung der Kirche. So gibt es in Laos keine Bistümer, sondern bisher bloß Apostolische Vikariate.

Bischof Gregorio Rosa Chávez (75) wirkt bereits seit 1982 als Weihbischof von San Salvador. Er studierte unter anderem in Belgien und wirkt auch als Pfarrer. Auf kontinentaler Ebene ist er Präsident der Caritas für Lateinamerika und die Karibik. (rv)

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